Wanderblühten – Friedenweiler und Fürstenberg

Wanderblühten – Friedenweiler und Fürstenberg

24. März 2022 0 Von Hannah Miriam Jaag

Nachdem Lucian Reich die Chronik des Kirner abgeschrieben hatte, geht er unvermittelt zurück auf einen späteren Besuch in Friedenweiler, um seinen Freund, der bei den Befreiungskriegen auf beiden Seiten mitgekämpft hatte, zu besuchen.

Lucian Reich ergeht sich hier in längeren Beschreibungen der Landschaft und dass sein Freund, der Wirt gestorben sei und auf dem Friedhof in Friedenweiler begraben liege.

Er trifft die Tochter, die auch Philippine heißt und diskutiert mit ihr eine Auswanderung nach Amerika.

Wie sich Philippine entscheidet wird nicht erwähnt. Dafür ihre Wallfahrt zum Schneekreuz nach Löffingen.

Die Schneekreuzkapelle bei Löffingen 1855 von Nikolaus Ganter.
Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller.

Die hölzerne Wallfahrtskapelle war erst 1849/50 neben einer schon bestehenden offenen Andachtsstätte errichtet worden. Die heute das Landschaftsbild eindrucksvoll prägende neoromanische Kapelle wurde erst 1894–97 in der direkten Nachbarschaft erbaut und nach Fertigstellung der Innenarbeiten 1901 geweiht. Die Wallfahrt zum wundertätigen Schneekreuz spielte im 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle auf der Westbaar und den angrenzenden Waldgebieten. Da hier ein entsprechend guter Absatz für Heiligenbildchen, Agathenzettel u.ä. bestand, ist gut denkbar, dass auch Nikolaus Ganter am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn für diesen Markt produzierte. Die auf dem Bild dargestellten Biedermeier-Figuren sind Ganter gut gelungen, auch wenn sie dem Geiste der Zeit folgend alle nur von hinten zu sehen sind. Der an zwei Stöcken gehende gut gekleidete Herr dürfte ein Pilger sein, der sich am Gnadenort Besserung seiner Gesundheit erbitten will. Die Mühle in der Mitte des Bildes und auch die links oberhalb davon sichtbaren Häuser am Ahlenberg sind in der Höhe überproportioniert und wirken wie gegenüber dem ansonsten klein gemalten Städtchen wie Riesenbauten. Rechts im Hintergrund sieht man den Schnee des Säntis in den Schweizer Alpen, die bei klarer Luft tatsächlich aus diesem Blickwinkel sichtbar sind. Es ist das einzige Mal, dass Ganter in seinem Werk den Alpenblick dokumentiert, der doch von Friedenweilers Höhen aus keine Seltenheit ist und den „echten“ Schwarzwaldmalern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sicher ein dankbares Motiv gewesen wäre.

“Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller.
Schneekreuz 1980

Dann kehrt Lucian Reich spontan “zu unserem Junker Harold zurück und begleiten ihn hinaus auf die Hochebene der Baar, zu den grünen Buchwäldern der Länge, wo, als bereit gelagerter Vorberg des Jura, der Fürstenberg sich erhebt”

“Als sei er Ausgang einer Bergesreihe,
Ein Vorgebirg, nur daß die See ihm nicht
Den Fuß umringt; statt ihrer siehet man
Lebendig sich die Landschaft vor ihm breiten,
Der Wälder und der korngefide Wellen,
Der Menschenwohnung auch umhergestreut
Und Rauch, der von des Bauern Dach sich hebt”

“Gedicht” über Fürstenberg zitiert von Lucian Reich mit unbekanntem Verfasser
Fürstenberg von Guido Schreiber (13.05. 1886-12.11.1979)

Da Fürstenberg am 18.Juli 1841, “einem stürmischen Sonntag” abbrannte, kannte Lucian Reich noch die “öden, abgebrannten Mauerzacken“.

Vergeblich suchte der Besucher die Reste der Stammburg des durchlautigsten Hauses der alten Landgrafen der Baar. Die Stürme des dreißigjährigen Krieges haben, wie vemuthet wird, die Veste in Trümmer gelegt, und auch diese sind im Laufe nachfolgender Zeiten verschwunden.

Der Fernblick, den uns dieser hohe Punkt thun läßt, gibt uns ein deutliches Panorama der fruchtreichen, von der jungen Donau durchschlängelten Ebene, die südöstlich mit dem Jura, und westlich mit dem Schwarzwald zusammenhängt, welch` letzerer wie ein fernes grünes Meer vor unseren Blicken liegt.

Fürstenberg von oben 2021 Foto: Simon Rottler (ArchaeoTask)

“Ich hatte den Berg in Geleite des alten Schulmeisters und Meßners erstiegen, und er versicherte mich, daß er früher, zu Zeit, als die Stadt noch oben gestanden, selten Morgens bei Tagesanbruch vom Betläuten zurückgekommen sei, ohne noch einen Rundgang um die stillen Ringmauern des Städtleins zu machen, und hinauszuschauen in die dämmernde Hochebene, in welcher er achtundneuzig Ortschaften und Maierhöfe zählte.”

Blick vom Fürstenberg über die Baar 2020

Dann folgt die Geschichte des schwarzen Reiters, der sich vor Unwetter zeigt.

Geschichten von Schwarzen Reitern gibt es viele. Hier einer in Niederbayern

Dann verspricht Lucian Reich ein kleines Geschichtle einzuschalten:

Vorher nur die kurze Bemerkung, daß damals bei diesem Gesistekindlein ein schriftgeübter Freund und Sohn der Musen zu Gevatter gestanden und dem Neugebornen manch’ gute Regel und poetische Blume als Angebinde unter das Deckbettlein gelegt hat, so wie auch im Vorbericht (der hier unverändert beibehalten worden) der kleine Held meist an dieses Freundes Hand in’s Leben eingeführt wird.

Es folgt die Geschichte

Der arme Konrad
und des Vogts Mariann’

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