Amalgam, Gottfrieds Lade, Uhremacher Riehle und Getti Beppi Kramer

überarbeiteter Beitrag vom 16.02.2021

„Hai,Hai,los, mirgond„

Uugeduldig ruefts dorchs Huus im Lassberg. „ Heinz, jetz sind er frisch aazoge und scho wieder dappsch i die onzig Drecklache, s Hubertle häsch au verlättertet, zienet frische Kniestrümpf aa ! dass mer eich z Hifinge zoege khaa. Hond er Zai fescht bürschtlet und d Fingernägel putzt ? Dorle , du nimmsch d Mechtild a d Hand, ab gohts. Mir gond, jetzt laufet zue bigott“. Die Fünf Mauze hoppet gattig am Rothuus vorbei gege de Bahhof. Dä gohts über de Iisesteg a de Labrante, geg de Schützeberg mit em Pavillion, em Bellvedere. A Aamedshofe vorbei verzellt d Motter no die Gschicht vum Viktor v. Scheffel über de Jüngling, Kreuzfahrer und Maidlischmecker Juniperus, der mit dem Sevelpalme. Und scho sim mit dene kortzwiehlige Gschichte vu de Motter, vum Klärle, am Schächerkäppele. Wie sichs für e streng liberal- katholische Famile ghöhrt, word dä no e Vater Unser und e Gegrüsset seist du Marial betet. Au dä verzellt d Motter, e halbe Hifingerei, die Heiligegschicht vu de Schächerkapelle und die Sage vu de Schächerkatz dezue. D Mechtild isch noch dem lange Weag scho ganz schee muuggig und drum muess sie de wuselig Heinz, dem goht de Moscht nie uus, uff de Buckel nähe und bis zum Onkel Ernscht i de Eschingerstroos trage. Dä word gschellet und es giht e gross Halloo. De Onkel Ernscht kunnt uussi, de Sohn, de Siegfried, d Tochter , d Tante Anny und de hinter, e weng hännefiddlig, d Tante Else, d Frau vum Ernscht. Sie isch e Sächsin bei Dräsden und liidet drum als derartige Fremdsprochlerin ziemlich im Huuswese und im Boor- Städtle. De Onkel Ernscht isch en erfolgriiche Zahnarzt, en Dentischt, und de Sohn Siegfried hät au scho e Behandlungszimmer im Huus und unterstützt scho anerkannt und globt de Vater Ernscht. Hifinge und halb Eschinge goht wegem guete Ruef und de nit ganz unumstrittene vergangene Beziehunge zum Kamerad Ernst Kramer gi Zai mache lau. Gi s Klavier richte lau, wie mer au salopp sait. Die jung Tante Anny, d Tochter vum Ernscht, isch au mit eme Zahschlosser verhierotet, mit em Preise Karl us Aamedshofe. Die beide triebet au scho erfolgriich e Dentischtebuddi z Blumberg um. Dä, im Schmelztiegel der Nationen uff de Boor, gihts i de Mühler, me kennt au sage i de Muhlsteibrüch vu dene Bergwerks- Haudege, fascht soviel zum Bohre, wie zu de Doggererz Bergwerksziit z Blombe i de Doggererz- Stolle. E guets Gschäft für Zahschlosser isch au de legendär und berüchtigt Boxclub Blumberg. Vu dene Max Schmeling Nocheiferer hät kaum no on die vordere Zai. Also vill Arbet für de Karl mit Gebiss mache. Im Geld aber muess er bei dene Schlawacke aber immer schwer hinnedriirenne.


Else, Amalgam aariehre ! aber zack, zack !

„So Klärle, wen nemmer mer z erscht draa ? Guet, die klei Mechtild. Die andere sollet in Garte, d Anny isch au grad uff Bsuech, no kennet sie mit em Ingridli spiele„ Dä, im pflegte und schee möbilierte, herrschaftliche Garte stond Schaukle, Sandkäschte und Spielsache die iis immer e grosse Freud und Spass machet.
Iiseri Kleini nimmt im grosse Patientestuehl platz, d Motter hebt ere eweng s Händli und hät e frisch, wiis Sackduech parat. De Onkel Ernscht nimmt uff me Art Baarhocker, der mit feinem Leder beschlage isch, platz. So Baarhocker wered später mol, wie mer no sehne wered, au e grosse, uusägliche Liedeschaft vum Onkel Ernscht. Drei, vier Zängli. silbrigi Hääckli und e winzigs Spiegeli leit er z reacht, de riesig Lampebolle word aaknips und de schattelos Strahl uffs Muul uusgrichtet und des Bohrergstellaasch word uusmöbiliert. Der Bohrergalge mit 2-3 Glenk, mit silbrige spiral- Triebrähmli und eme handliche Bohrfuetterhalter isch s angschiiflössend Gschierr i dem Raum und macht en sorrige, giigsige Contertenor- Ton. „ So , mach mol s Muul uff, Kleini, ganz guet, do hät s Klärli als Zahputzgendarm guet gschaffet. Aha, koe onzig Loch, dir momer nuu eweng Zahstoe abschliefe.“ Jetzt kunnt des Bohrergstell i Iisatz, es fangt a i hohne, gruusige Tön zum Sorre aa. En Polierbohrer word iigsetzt und eweng a de Zähnli ummegschrupperet. „Guet isch, Maidli, Klärle, kaasch se abilupfe, bisch Tapfer gsii. Gang ussi in Garte zum Spiele. Bring mer de näscht, Klärle“ Jetzt kumm ich draa und e weng goht mer s Klämmerli scho. Wieder die gliich Prozedur, aber desmol endeckt er e Loch. „ A4, obe, Else riehr Amalgam aa ! Uffpasse Biebli, jetzet bohremer e klei weng, Mosch ganz tapfer sii. So des hetemer, no verputze mit Amalgam und denno kaasch wieder Eis und Malzer schlecke uhni dass es die im Muul elektrisiert. Klärle , s Näscht “ Au beim Dorle find er nuu oe Loch und sie isch sowieso die Geduldigtscht, Liedensfähigscht und Tapferscht vu de ganz Famile. Au hit no. „Heinz du Strolch, kumm inni, häsch wieder d Maidli zwickt und pfätz und ploget, du bisch doch en Oberbandit“ De Heinz gilt als hertgsottene Eisefuess i de Stadt, dem nähmert z Noh kumme derf. Er wacht über iiseri Maidli und au über mich wie en scharfe Hofhund. Aber uff em Zahnarztschragge isch er en Hoseschiesser. De onzig wo drääset und joomeret und kum stillhebt. Natierli hät er, halt au eweng disziplinloser bim Zaiputze wie mir andere Kinder, gar zwei Löcher wo bohret, gstopf und verschliffe were mond. Sogar de zäh und hertgsotte Onkel Ernscht isch froh, wo ner den scharrige Satansbroote ab em Stuhl hät. Bei de Cousine Klärle muess au nuu Zahstoe grasplet were. Dass de Vetter Ernst gearn eweng noh a de Wiiber aalohnet und sogar vor de nette, mit keltischem Uusähne uusgstatte Cousine, die warm Nähe suucht, des büglet s Klärle couraschiert ab. D Sächsin „Äelse“ moss des all im Hintergrund vielmol aagucke und liide. „Jetztet goht s no in Garte, Else, mach dene Kinder no en Kakkoo, bring en siesse Silberperle Sprudel und Breetli. Siegfried, lass emel noo und kumm au uussi, wenn s Klärle scho mol do isch“ Silberperle Sprudel gihts nit all Tag und so gueti Breetli vum andere Bue vum Onkle Ernscht, vum Konditor Karl- Heinz, des isch erscht reacht en seltene Gnuss. So isch de erscht Bsuch z Hifinge scho e Freid und e unterhaltsams Erlebnis.

Beim Vetter Gottfried im Lade:

Die ganz Bandi rennt jetzet frsich gstärkt die paar hundert Meter geg s Städli. Dä am Peterstörle, wie mer dere Engstell zwische de Kirch St. Verena und em Schoofbuechelade sait, stürmemer de Kauflade vum Onkel Gottfreid. „Ja wa kunnt denn do, Gute Tag Bäsli- Klärle, bisch wieder mol mit de ganze Bagage do z Hiefinge. Hai kumm inni und verzell mer s Neischt vu ei und us Eschinge. Verena, bring dene Kind en Sprudel und e paar Malzer. Im Klärle e Likörle und mir en dopplete Rossler. Soso. Bim Ernscht warteter scho. Du, guck emol, do hanni no e neis Biechle; „Mi Boor mi Hoemet“. Des schenkt i der, no hät de Frieder au ebbis zum Lese am Obet, wenn die ganz Kinderbandi im Nescht isch. Ah soo, jetzt gond er zerscht no zum Riehle Wilhelm ums Eck ?, Schee dass er do waret und de Vetter Gottfried nit vergesset. Also Adee, bis denno wieder im Herbscht“.


Uhrmacherluupe, Holzfuess, Ohreringli bim Wilhelm Riehle i de Weitegass:

Die ganz Bloos rennt jetzt ums Eck ummi i d Weitegass zum kleine Lädeli vum Uhremacher Wilhelm Riehle. Des isch de Haus- und Hofuhremacher und Lieferant für Kettli, Kriezli, Uhre und Schmuck für die ganz Familie. I dere grosse Familie gihts ständig Geburtstäg, Kommunione, Taufe , Feschter, Firmunge womer ebbis netts und uuvergänglichs zum Schencke hät. D Maidli grieget Ohreringli, wo mer Löchli steche muess, zu de Kommunion en Roskranz oder au vu de Oma e goldene Uhr und zu de Firmung e Kriezli mit eme goldige Kettle. Hit sticht de Riehle, desell hät immer so e Uhrmachluppe i om Aug innizwickt und en Holzfuess,e uuseligs Kriegsaadenke, de kleine Mechthild Löchle i d Ohrläppli, weil des Äffli zu Oschtere die erschte Ohrringli grieget. Er huckt uff me runde, oefiessige Drehstuehl am Fenschter zum Liicht und käsperlet präzis und feinfühlig a ere Sackuhr ummenand und isch umgähe vu winzige Werkziig, Schruubezierli, Pinzettli, Zängli, Zahrädli, Lupe und Pinseli, die alli uff me Samett- Teppichle akkurat parat nebeenand lieget. D Mechtild word e weng abglenkt vu de Motter und scho hät de Riehle s erscht Ohrläppli gstoche, es rennet zwei Tröpfle Bluet uss und denno kunnt au s ander Orläppli draa. Tapfer hät des Maidli stillghebt und nuu paar Tränli rennet am Bäckli abi. Hoffahrt muess halt au liide. So, au des vum Hifinger Bsuech isch erlediget und me verabredet sich uff de Ostersamschtig zum Uussueche vu dene Ohrringli. D Ladeschelle macht Ding – Dong und mir wetzet gattig devuu.

Tante Emme und de Getti Wilhelm „Beppi“ Kramer, de letscht Städlibuur.

Zum näschte Bsuech sinds nuu paar Schritt ums Eck ummi, i de Süess Winkel, zum Getti vu de Motter Klare, zum Wilhelm Kramer oder, wie er im Städtli hoesst: Zum Kramer Beppi. Desell isch on vu de letschte Städlibuure, der all no kon Kramer 13 PS Alleschaffer hät und all no mit de Stier und Kuhefuhrwearch uffs Feld, gi Heibe und Öhmde, Herdepfelhacke und Mische uusfahrt. Bis er uff de Äcker mit sim klepprige Iisereife- Loeterwage a de Lorete oder am Siirebrinnili isch, sind die andere Buure mit ehrne neie, naglende Diesel- Bulldogg, mit Gummiwäge draa, scho bi de zweite Fuhri. De knitz und boemager, en Hämpfling isch er, de Getti Beppi. Er wohnt im zweite Stock im Kramer- Eckhuus und gegenüber vum Gässli isch sin Stall, wo er die klepprige Wäderkiehli, de Stier, e paar Goesse und Hiener iiquartiert hät. Es isch e hohlose Buureschafferei, bei dere er vu de walküreartige, on Kopf grössere wie de Beppi, de Tante Emme, e gebürtige, Döggingerei, fliessig und schaffig unterstützt word. Statt „suscht“ sait sie „suss“, wa ere i de Familiechronik de Übername „De Suss“ iidrait. D Tante Emme und de Beppi hät gwisst, dass die ganz Eschinger Bagage kunnt und uff Punkt Zwölfi hät d Tante Emme en grosse Hafe selbergmachti, dampfende Nuddlesuppe uff em Tisch. Dezue gihts alls us em oegene Huus- und Buurewese: En grosse Krueg kühle, frischgmolkeni Milch, wahrschienlich vum beschte Kühli, de Alma. Dezue en Riebbel Buurebrot mit eme wunderbare Guh und mit frischem Anke, wo no Wassertropfli bim Striiche uussispritzet. Die Beide sind kinderlos und hond für die ein- zwei Stunde, wo die ganz Bandi im Huus ummistricht, e grossi Freid. Sind aber au froh, wo wieder bald die gwohnt Ruhe is Huus iikehrt. Oe Attraktion isch im muffige Untergschoss: en alte Webstuhl vu de Vorfahre, die alli Weber waret und dene ihr Webgstellarsch de Beppi no i Ehre haltet, bis es bald emmol no ganz vermauchet isch und verkheit. Zum Abschied griegt jedes Kind no e greichte, duftende Brotwurscht als Wegzehrung und wieter gohts mit Karacho gege s Spitaltor.


Friedhofsbsuech

A de Bregbruck, korz vor em Friedhof, word natierli, wie sichs für e fromme Familie ghört, no schnell e „Gruesst seist du Marie“ vor em Heilige Sank Nepomuk bruddlet. Desell soll helfe, dass s Städtli nit bei dene Breghohwasser absuuft. Helfe duets aber doch nit all. Uff em Friedhof wered no alli Gräber vu de Hifinger Vorfahre bsuecht. D Motter woes gnau wo die alli lieget und a jedem Grab word no mit em alte Rasierbemsel oder eme Sevelpalme , wo im Weihwasswerkesseli a jedem Grab liet, e „Ruhe in Frieden“ gmurmlet und drei mol Weihwasser bemslet.


Bim Onkel Karl i de Autowerkstatt und de Tante Idde und de knorrige Tante Marie, de Kramer- Engländere.
De buebegrechtescht Bsuech stoht jetzt no aa. Bim Onkel Karl, im Opel Autohaus und Tankstell Schmid i de Schaffhuuserstross dürfet d Buebe mit em güetige und geduldige Onkel Karl eweng dorch die verölt Werkstatt muuse. Dä schmeckts noch Altöl, Gummi, Benzin, Schweissapparat und Kompresser Luft. En Opel Kapitän, en Opel Record und en Gogo hät er grad uff de Hebebühni i de Kur und giht de Gselle und Lehrbuebe Aawiesung, wa sie schruube mond, nochfille und iistelle sollet. D Maildi sind scho bei de Tante Idde und de Grosstante Marie i de guete Stubbe gie en Kakoo trinke. D Töchter vum Karl und de Idde, d Helene und d Elisabeth, hond Tankstelledienst und kennet nu ganz korz emol i d Stubbe innischaeche und eweng wunderfitze, wa die Eschinger Bandi so triebt. Und i jedem Kind schenket sie e Relleli rappeschwarze Bäredreck us em Tankstellekiosk. Natierli zogatet mer wieder über de ussergwöhnlich Uffenthalt vu de Tante Marie in London, wo sie als Junge Frau i „Stellung“ bei riiche, brittische Gschäftsliit war und ganz guet Oxford Englisch glehrt hät. D Motter kaa au no eweng Englisch und giht genauso mit e paar englische Sätz aa , wie d Tante Marie. Des hond beidi scho manchmol hoffährtig uussighängt. Und natierli hät d Tante Marie und Tante Idde verzellt, wa de Bue Ritschert und d Selma, die Uswanderer gi Amerika , gi Tomaston/ USA, so alls triebet und wa de Enkel- Bue, de Ritscherd- Wendelin II so macht und ob und wenn sie wiedermol i d Hoemet kummet zum de Uhrehandel mit Old Germany am Lebe z haalte.

Hoem gohts mit em Bregtäler i de Holzklass

Mensch war des wieder en Tag do z Hiefinge bei de Verwandschaft. Wieder vill erfahre, vill vu de Verwandschaft mitgriegt, d Werkstatt mit dem Riesbolle vu Auto, em Opel Kapitän, erlebt und vor allem die Stroriax vum Onkel us Amerika stolz genosse und und im Kopfkino uusgmolt. „Wa du häsch en Onkel z Amerika“ wäret sie Morge i de Schuel wieder frooge und erhabe und aageberisch saisch denno: „ Yes, his name is Ritscherd Kreimer“.

Weil alli ziemlich kaputt sind gomer as Hifinger Bahhöfle und passet der Bregtäler Arbeiterzug um Fievi ab, wo scho Arbeiter us Briilinge hucket und no e ganze Horde vu Sägwerksarbeiter vu de FF – Holzwerk uff de Fierobetzug wartet. D Motter moss no e Familiekärtli für so uugfähr Oe Mark am Schalter löse, bevor mir iis mit de Sägwerker zemet i de Bregtäler innizwänget. De Motter machet die noch Holz, Sägmeahl, Schweiss und Carbolineum stinkende Holzwürm uff eme Holzbank platz und mir Kinder stond im Gang, hebet iis a de bäppige, schweissige Lederrähme , die vu de Decke abi hanget und sehnet nomol d Schächerkapelle vu hinne, z Amedshofe d Juniperusquell, am DJK Platz de Lokfriedhof, denno s Drehkriez am Lokschuppe, de Steg a de Labrante vu unne und s Stellwerk am Eschinger Bahhof und scho simer wieder dehoem.

Jo so, wars, des mit em Almalgam, em Sprudel, de Nudlesuppe, de Brotworscht, em Ohrläpplisteche, em Holzfuess vum Riehle, em Benzinguh und em Bäredreck vum Tankstellekiosk und em Onkel us Amerika.


Hifinger Fasnetsfilmli vu 1950

Hüfingen 18. Januar 2020 von Peter Albert

Liebi Närrinne und Narre,

Diä Fasnetsfilmli sind wahre Schätz!

G`filmt hät dä Hifinger Zahnarzt Ernst Kramer vu dä Eschingerstroß. Sinn Schwiegersohn dä Dokter Preis, wo z`Blumberg e Praxis ka hät, der hät sie mir zu treue Händ gäe.

Hüfingen ist eine alte Narrenstadt mit langer Geschichte. Wie Ihr vielleicht wisst, habe ich in den frühen Neunziger Jahren die sog. Hüfinger Narrenchronik „Hüfinger Fasnet“ verfasst, welche die Narrenzunft herausgegeben hat.

Meine Begeisterung für die Fasnet war schon immer sehr groß.

Scho wo ech no bi gsi än Bue
hät d`Fasnet mech niä glau in Ruhä,
dä Narremarsch got mir is Bluet
und duet i mir no allwil guet

So, jetzt will ech nitt lang ummelaabere und Ei verzelle wa uff dene Film druff ischt:

Bei den beiden Filmchen handelt es sich um einen klassischen Fasnetmentigumzug mit einer bühnenreifen Altweibermühlen Aufführung am Schluß des Umzuges vor dem Schulhaus (heute Rathaus).

Der Umzug, an welchem sich auch Narren aus Donaueschingen, Behla und Hausen vor Wald beteiligten, formierte sich in der Außerstadt in der Schaffhauser Straße. Angeführt von der Stadtmusik unter Dirigent Josef Hutzler hoppsed viele Hansel und Gretlepaare Richtung Tor. Das Babischtli und der Narrenrat, damals noch Elferrat genannt, folgen hinterher. Obernarr – heute Zunftmeister – war damals Julius Straub, dä „Straube Juli“.

Viel närrisches Fußvolk und Pferdewagen folgen der großen Hanselschar.

Stellvertretend möchte ich das schöne Schiff des Turnvereins nennen. Auf dem Müllerwagen „kalbered“ der spätere Bürgermeister von Hüfingen „dä Gilly Max“, als Müllerknecht herum.


Zu dä Altwiibermilli wär folgendes t`sage:

In Hüfingen wurde dieses Spektakel insgesamt viermal aufgeführt.

1857, 1906, 1929 und zuletzt 1950. Vielleicht sollte man (Frau) dies wieder einmal aufführen. Max Gilly hat mir erzählt, dass er und die anderen Protagonisten der Müllerzunft im Nachgang beim Bürgermeister anrücken mussten und zusammengestaucht wurden, da sie manche Damen höchst unsanft auf die Rutsche befördert hatten und vorher s`Fiedle verschlage hond. Diä Siieche! Am Schluss sieht man schön Gottfried Schafbuch mit Rucksack und seiner klassischen Handhaltung vor der Mühle agieren.

Dä Goppfried dät dezue sage:

S`sind nitt allwiil die Gschiitschte grad,
wo uff em Roothuus hucket
und mit vill Gschwätz und Wechtigdoa
i alli Winkel gucket.

Narro

Liebi Grüß
dä gräe Peter uss em Usserstädtli

Hinweis: Am Fasnetszieschtig findet wieder wie jedes Jahr die Italienische Nacht im Landgasthof Frank statt. Melded Ei au aa!

Zeitreise in die 1930er mit dem Hüfinger Ernst Kramer

Über Hinweise in den Kommentaren freuen wir uns!

Ausflug an den Bodensee 1931
Es sind sämtliche Dampfschiffe zu sehen:
0:19 DS Stadt Bregenz Baujahr 1910
01:26 Ds Stadt Konstanz 1901 verschrottet im jahr 1937
02:26 Ds München 1892 ex Rupprecht
02:47 DS Stadt Überlingen Baujahr 1929.
Vielen Dank an raphael dexel auf youtube.
 

Rheinfahrt etwa 1933
Meersburg etwa 1930
Schwarzwald in den 1920ern oder 1930ern
Titisee, Feldberg, St. Johannes der Täufer in Todtnau, Burgruine Staufen.

Feuerwehrübung von 1943

Beitrag vom 08.03.2020

Frauen sind die besseren Menschen: Sie werden weniger straffällig und verursachen weniger Unfälle im Straßenverkehr. Das ist schon lange erwiesen. Anlässlich des Weltfrauentages möchte ich mit Nachdruck darauf hinweisen.

Inspiriert durch einen alten Film über eine Feuerwehrübung in der Hüfinger Altstadt mitten im Krieg, festgehalten von Zahnarzt Ernst Kramer, möchte ich beweisen, dass Frauen auch im Feuerwehreinsatz ihren „Mann“ stehen können und sich nicht verstecken brauchen.

Der Film entstand vermutlich im Sommer des Kriegsjahres 1943 anlässlich der Anschaffung des ersten Motorlöschfahrzeuges der Freiwilligen Feuer-wehr Hüfingen. Feuerwehrkommandant war Zimmermeister Josef Fritschi ,auch „Zimmersepp“ genannt. Es beginnt mit einem Glockenalarm auf dem Rathausdachreiter den die Althüfinger*innen liebevoll „dä Relling“ (Kater) nennen. Als vorgegebenes Übungsszenarium wurde ein Großbrand in der Gerbe gegenüber des Gasthauses Krokodil – damals noch mit Kolonialwarenladen – in Szene gesetzt.

Frauen und Mädchen sollten im Ernstfall in der Lage sein, auch größere Brände schnell und effizient zu bekämpfen. Da es in Hüfingen einen großen Rüstungsbetrieb gab und auch ein Militärflugplatz in der Nähe war, kam es im letzten Weltkrieg immer wieder zu Luftangriffen der Alliierten. Auch im Anschluss nach einer Übung konnte es auch recht lustig zugehen. Das beweisen die Filmsequenzen beim anschließenden „Schläuchewaschen“ im Stadtbächle mit Blick auf den ehemaligen Gasthof Hirschen – heute Frisörgeschäft Friedrich. Was wohl die Schutzpatronin des Feuerlöschwesens, die heilige Agatha, zu dieser außergewöhnlichen Feuerwehrübung gedacht haben mag? Schön wäre es jedenfalls, wenn Mädchen und Frauen in der heutigen Feuerwehr Hüfingen auch ihre Chance bekommen würden. Andernorts gibt es so etwas schon lange. Das würde sicherlich dem hiesigen Feuerlöschwesen sehr zu gute kommen, das sicherlich wie andere Einrichtungen und Vereine mit dem Nachwuchsmangel zu kämpfen hat.

E Lebensbild Post Mortem über de Beppi Kramer vum Süesse Winkel

gelesen von Maria Simon

Vu Loeterewäge, Heinze stelle, vum Wiisbom, Karresalbi und Micki tribble. 
E Lebensbild Post Mortem über de Beppi Kramer vum Süesse Winkel. 

So „Gäbeli Zettle“, 
Do kinnt i wette
Im Kramer Beppi wärs en Graus
Für iis isch es en Augeschmaus

Die Heiberei am Galgeberg
Wa war des für e hert Tagwerk
E Ochsefuhrwerk, alls vu Hand
Die Kramerbloos schafft mitenand. 
„Ab i d‘ Schier, vum Schose kunnt e Gwitterwand“ 

Des Ochsegschier, de Hans und Franz
Des waret konni Hoppedanz
lahmarschig all im glieche Schritt
Nu so kunnt do de Beppi mit

Koe Wunder, de letschte aaltbache Städlibuur
Konn hät no so e Kugelfuhr
Alls vu Hand und Koe Maschie
En andre wär do scho lang hii

De Ernst, de Gettibue, hät des alls gfilmet
Dass so Erinnrunge nit bald mol himmlet
So bliibt d‘ Gedankewelt halt wach
Wie s Hei vu Hand kunnt unters Dach

Alls vu Hand: Maije, worbe und verzettle
Zatte mache und zemetreche
Hainze stelle, Hei druff winde
Vor em Dunderwetter, moss mer schinde

Wage lade, guet verdoele
Underm Wiisbom guet versoele
Karresalbi, Achse schmiere
Micki duet, kaasch nit verriehre

So gohts jetzt d‘ Lorete ab
De Nepomuk sait nit mol bapp
S‘ Stadtbächli dismet, jetzt s‘ Spitteltoor
Im Süesse Winkel winkt scho s‘ Schieretoor

Alls vu Hand, des isch famos
Im Beppi keit au nint in Schoss
Und d‘ Emme hilft dagus, dagii
Drum verdäehnet die en Heilgeschii

Des Tagwerk isch ver die koe Lascht
Alls vu Hand, alls uhni Hascht
Im Filmli sieht mer frohgemuet
Wie de Beppi wirft i d Luft de Huet

Bescheide, gottesfürchtig und volksfromm
De Beppi, konn Kerli wie en Bomm
Sin Glaube und sie Zueversicht
Hebt stand au vor em Jüngschte Gricht

Schafschur in den 1930ern

Hubert Mauz hat in seiner Kolumne schon über die Hintergründe der Filme vom Zahnarzt Kramer aus Hüfingen berichtet. So vor allem bei Amalgam, Gottfrieds Lade, Uhremacher Riehle und Getti Beppi Kramer.

Hier der Film vom Zahnarzt Kramer bei der Schafschur in Hüfingen aus den 1930ern:

Über Kommentare freuen wir uns!

Zum Fronleichnamsfilm und zum „Hüfinger Herrgottstag“

Peter Albert am 21.05.2020

Fronleichnamsfilm von Ernst Kramer 1931

Hinweis zum besseren Verständnis:

Der hier dargestellte Film setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, so sind auch nachfolgende Jahre filmisch mit festgehalten.

In der ehemals Fürstenbergischen Oberamtsstadt Hüfingen haben Feste, die Musik sowie die bildende Kunst eine lange Tradition. Letztere führte auch dazu, dass es gerade hier zu einer der farbenprächtigsten Fronleichnamsprozessionen nördlich der Alpen kommen konnte. Aus einer lokal begrenzten allgemein üblichen Fronleichnamsprozession wurde in Hüfingen ein Prunkaufzug im Rahmen europäischen Festwesens. Wie konnte es dazu kommen? Im Jahr 1841 brach der 26jährige Franz Xaver Reich zu einer Studienreise nach Italien auf. In Rom arbeitete er in Werkstätten bedeutender Meister und wurde dort auf die beiden Städtchen Portici und Resina aufmerksam.

In den beiden Orten wurden schon zur damaligen Zeit der Prozessionsweg mit Blumen des mediterranen Raumes ausgelegt. Dieser Brauch hinterließ bei dem jungen Hüfinger Künstler einen bleibenden Eindruck, so dass er bereits, nach dem er im Frühjahr 1842 in seine Heimatstadt zurückgekehrt war, dort am 8. Mai den ersten Blumenteppich nach süditalienischem Vorbild vor seinem Haus – heute Nr. 5 – legte. Im Jahr darauf war die Begeisterung unter der Bevölkerung so groß, dass sich alle Anwohner dem Blumenlegen angeschlossen hatten. Mit den ersten Filmaufnahmen aus dem Jahr 1931 von Ernst Kramer, welche ich von Herrn Dr. Karl Preis zur Auswertung und Verbleib bekommen habe, besitzt Hüfingen Bild und Filmmaterial von außergewöhnlichem Wert.

Zum Inhalt des Films:

Da ich selbst kaum mehr Personen, die im Film dargestellt sind kenne, habe ich mich schon früh mit älteren Bürger*innen unterhalten. So zum Beispiel mit Otto Böhm, einer „Institution“ in Sachen Hüfinger Kirchengeschichte. Er sagt zum Inhalt folgendes aus:

„Die Schwestern mit den großen weißen Hauben sind die barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul; Vinzentinerinnen aus dem Mutterhaus in Freiburg. Sie waren im städtischen Krankenhaus, haben die Kinderschule und die Nähschule betreut und eine von ihnen war die Städtleschwester; sie hat Hausbesuche gemacht und die Kranken betreut. Die Vinzenzschwestern waren auch im Landesspital; dort waren es mehr als im Krankenhaus. Sie waren seit 1862 dort und haben die alten Menschen gepflegt. Im Ganzen dürften ungefähr 20 bis 25 Vinzentinerinnen in Hüfingen gewesen sein“.

Ferner:

„Die Schwestern mit den schwarzen Hauben sind Franziskanerinnen aus dem Kloster Erlenbad. Sie waren zu erst in Neudingen im Kloster Mariahof. In den 1920er Jahren brannte das Kloster ab und die Schwestern übernahmen in Hüfingen das Heim für schwer erziehbare Knaben, das bis dahin in privaten Händen war. Die Schwestern übernahmen den Namen ihres Klosters in Neudingen und so wurde aus dem alten Zuchthaus das Heim Mariahof. Die Einrichtung wurde vom Caritasverband übernommen und von einem Priester geleitet. Der erste Rektor im Knabenheim war Hermann Kast, dann kam Franz Enz und danach Hans Haiber.

Das Krankenhaus wurde in den 1970er Jahren geschlossen. Im Landesspital und im Heim Mariahof wurden die Schwestern in den 1990er Jahren von den Mutterhäusern, wegen Schwesternmangel abberufen“.

Auch zwei Geistliche konnte Otto Böhm im Film identifiziere: Zum einen Pfarrer Theodor Renner und der schon erwähnte Prof. Hermann Kast.

Des weiteren ist die Stadtmusik Hüfingen unter der Leitung von Josef Hutzler mehrfach gut erkennbar. Hutzler war von 1935 bis 1963 Stadtmusikdirigent.

Die Stadtmusik ist in ihrer Art einer der ältesten Klangkörper in Süddeutschland. Erste urkundliche Erwähnungen gehen bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Mit den vier Prozessionsmärschen, mit welchen die Stadtmusik den Festzug begleitet und jedem Hüfinger das Herz höher schlagen lässt, hat sich nicht nur Franz Xaver Reich ein Denkmal gesetzt.

Übrigens, bis 1915 feierten die Hüfinger ihren Herrgottstag, wie es allgemein üblich war so, dass der Teppich unmittelbar nach dem Festgottesdienst weggeräumt wurde. Auf besonderen Wunsch des damaligen Stadtpfarrers Schatz ließen sie aber 1916 die Blumen erstmals bis in den Nachmittag hinein liegen, damit auch Auswärtige, beispielsweise das Fürstenhaus, die Gelegenheit hatten, sich an dieser gelungenen Volkskunst zu erfreuen. Wie groß der Stellenwert auch weit über Süddeutschland hinaus geht, sieht man daran, dass schon im Jahr 1955 der Päpstliche Nuntius – Bischof Aloysius Munch – extra aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn zur Prozession angereist war.

Es ist sehr bedauerlich, dass dieses Jahr auf die schöne und traditionsreiche Feierlichkeit leider verzichtet werden muss.

Ein Trost bleibt: Nächstes Jahr ist wieder „Herrgottstag“ und bis dahin haben wir ja unseren tollen Film von Ernst Kramer!