Bruder Martin in Jerusalem.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Letztes Kapitel

Während unseres Aufenthaltes in Jerusalem besuchten wir noch viele bedeutungsvolle Orte. Das in Trümmer gesunkene Haus des Pilatus, wo Christus gegeißelt und mit Dornen gekrönt und zum Tode verurteilt wurde. Das sogenannte Gerichtstor am Fuße des Marienberges, durch welches alle zum Tode bestimmten Verbrecher geführt wurden. Das Haus des Hohenpriesters Annas am Fuße des Berges Zion, und endlich den Ölberg auf der östlichen Seite der Stadt.

Das Thal Jofaphat, welches man nebst dem Bache Kridron durchschreiten muss, um zu dem Garten des Ölbergs zu gelangen, hat etwas äußerst Schwermütiges; die Berge sind kahl und kaum hie und da mit einer Gruppe wilder Ölbäume bepflanzt. Nicht weit vom Ölgarten sieht man das Dorf Gethfemane, so wie das Grabmal der heiligsten Jungfrau Maria, an dessen Stelle heut zu Tage eine reich verzierte unterirdische Kapelle ist.

Auch den Ort zeigte man uns, wo Christus über die zu seinen Füßen liegende Stadt Jerusalem weinte und ihre Zerstörung voraussagte. – Unwillkürlich gedachten wir des schrecklichen Ereignisses, welches 38 Jahre nach Christi Tod eintraf: hier an derselben Stelle, wo die Prophezeiung ausgesprochen worden, soll nach der Sage das Zelt des römischen Feldherrn Titus gestanden haben an jenen Tagen des Unheils, wo elfmalhunderttausend Juden den Tod erlitten, und Rauch und Flamme die Zinnen des Tempels Salomonis umwoben, so dass kein Stein mehr auf dem anderen blieb, und Juda’s Volk in alle Welt zerstreut ward. –

Unter wechselnden Mahnungen der Vergangenheit und Gegenwart verließen wir den Hügel, um ihm das Hospitium der Väter zurückzukehren. Über Jerusalem ruhten schon die Schatten des Abends. Nur um die hohe, gebrochene Burg Davids spielte noch der letzte Strahl des sinkenden Lichtes.

Drei glückselige Tage, begann der gute Altvater des anderen Tages seine Erzählung wieder, verweilten wir in der heiligen Stadt, als dann rüsteten wir uns zur Weiterreise.

In der Morgenstunde kam unser Führer, die heidnischen Herren, welche uns die guten Barfüßer-Mönche ausgemittelt hatten, vor das Kloster, damit sie uns auf der Fahrt nach Bethlehem beschirmten, denn es war kund geworden, dass Leute auf der Lauer wären, die uns Pilgern Schaden zufügen könnten.

Da Alles bereit war, bestiegen wir nicht ohne Besorgnis unsere Tiere und ritten den Berg Zion hinunter in das Tal Silon, immer der Königsstraße nach, den nämlichen Weg, den die Heiligen Drei Könige gemacht, als sie von Herodes nach Bethlehem geschickt wurden, um das Christkindlein aufzusuchen.

Fröhlichen Herzens ritten wir die heilige Straße fürbaß, zwischen anmutigen Gärten und Landsitzen voll köstlicher Früchte. Nach einiger Zeit kamen wir zu drei Zisternen mitten im Wege, von denen die Sage geht, dass hier den drei Weisen, der Stern wieder erschienen sei, den sie im Osten erschaut; die Zisternen seien an der Stelle gegraben worden, wo sie stillgestanden und freudig nach dem Sterne geblickt hätten, der seit ihrem Eintritt in die Stadt Jerusalem verschwunden war. – Nach ungefähr anderthalb Tagesreisen gelangten wir in eine steinige, öde Gegend, wo wir bei einer Wendung des Weges plötzlich Bethlehem, die Stadt Davids, erblickten. – Über alle Gebäude ragte die Kirche der seligsten Jungfrau Maria siegprangend empor.

Freudig ergriffen fielen wir auf unsere Knie und riefen: Heil dir Ephrata, fruchtreiches Gefilde! Heil dir, o Bethlehem! du Haus des Brodes, welches vom Himmel kam; Heil dir o Stadt, von welcher der Prophet einst geweissagt hatte, dass sie nicht die geringste sei unter den Städten Judäas, das von da ausgehen werde, der Fürst und Heiland der Welt. Freue dich, Bethlehem! Im Morgen- und Abendlande bist du verherrlicht worden: denn wie einst voll Weisheit die Könige von Aufgang der Sonne zu dir hin zogen, so nahe dir jetzt in Andacht die Schar der Pilger vom Niedergange!

Unsere maurischen Führer, die Sarazenen, rührten sich nicht und hörten uns schweigend zu. Nachdem wir mit diesen und ähnlichen Ausrufungen die heilige Stadt begrüßt hatten, bestiegen wir unsere Tiere wieder und ritten unter dem Gesange freudiger Weihnachtslieder hinunter gegen Bethlehem.

In Mitte des tiefen Tales, welches zwischen uns und der Stadt lag, wurde uns die Stelle gezeigt, wo den Hirten in der Heiligen Nacht die Geburt des Erlösers verkündet worden. Wir hielten an, die hohen Wunder Gottes zu preisen und zogen dann wohlgemut weiter.

Allein in dieser Welt, liebe Kinder, gibt es keine Freude, und wäre es die aller reinste, auf welche nicht Widerwärtigkeit und Betrübnis folgte. Dies wurden wir auch jetzt inne. Denn wie wir der gesegneten Stadt nahe waren, siehe, da sprengte ein Haufe Araber aus Bethlehem uns entgegen. Es waren wohl vierzig reisiger Heiden, die uns drohend den Weg versperrten. Unsere Führer wurden über diesen Anblick bestürzt. Wir Pilger aber traten in einen Haufen zusammen, ließen die maurischen Begleiter eine Vorhut bilden und zogen mit Furcht fürbaß den Räubern entgegen.

Als wir bei ihnen angekommen, wollten unsere Hauptleute unterhandeln wegen des Durchzuges, und schrien und zankten sich gewaltig. Doch griff keiner zu den Waffen; länger als eine Stunde standen wir und konnten weder vor noch rückwärts. Die Verwegensten unter den Raubgesellen mischten sich zuletzt mit Hohn und Geschrei unter die Reihen der unbewaffneten Pilger. Rissen ihnen die Hüte vom Kopf, stießen und zerrten sie und trieben ihren rohen Mutwillen. – In diesem Getümmel geschah es, dass ein Araber, seine Lanze schwingend, gegen mich, der ich etwas zur Seite ritt, drohend heransprengte; – glücklich wehrte ich jedoch den Stoß, den er gegen meinen Kopf und Hut führte, durch eine rasche Wendung meines Pilgerstabes ab; ein zweiter, dieses sehend, folgte dem ersten und führte seine Waffe so geschickt, dass sie gerade meine Brust traf und ich, wie meine Kameraden glaubten mochten, wie tödlich getroffen von meinem Esel stürzte. – Jetzt entstand ein schreckliches Durcheinander. Schreiend hatte sich die Pilger rückwärts auf eine Erhöhung neben der Straße geflüchtet, und unsere heidnischen Leitsmänner griffen zu den Waffen, um Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Schon waren die vordersten der Wegelagerer unter Geschrei und Lärm über den Haufen gerannt, als ihre Hauptleute Ruhe gebietend, dazwischen traten.

Diesen Augenblick benützte ich, um mich von meinem Sturze aufzuraffen und zu meinem Mitbrüdern zu eilen, die mich verwundert und mit großer Freude empfingen. Der Stoß des Arabers hätte ungezweifelt mein Leben ein Ende gemacht, wenn nicht Gottes Vorsehung mich behütet hätte.

Das scharfe Eisen hatte nämlich das mit starken Eichenholz, Brettlein und Schweinsleder gebundene Gebetsbüchlein meines seligen Bruders getroffen, welches ich von dem Johanniter bekommen und unter meinem Pilgergewand auf der Brust sorgfältig verwahrt trug.

Nach diesen Worten hielt der Erzähler einen Augenblick inne, um von einem hölzernen Schafte an der Wand das Büchlein herabzulangen und seinen jungen Freunden zu zeigen. – Deutlich sah man noch den Riss in dem ledernen Deckel, welcher von der Lanzenspitze herrührte und sich in der Verzierung des Messingbeschläge gefangen und da kräftigen Widerstand gefunden hatte.

Die Kinder, nachdem sie das Wahrzeichen einige Zeit betrachtet hatten, drangen mit großer Ungeduld in den Erzähler, neugierig den Ausgang des räuberischen Überfalls zu vernehmen.

Die Araber, fuhr der Bruder Martin fort, als sie sahen, dass unsere Begleiter ernst machten, erklärten, dass sie nicht als Feinde gekommen seien, sondern, wie sie schon am Anfang gesagt hätten, um ein Lösegeld von den Christen zu verlangen und sich jetzt statt der einst geforderten 50 Dukaten mit 24 begnügen wollten; wären wir hierzu nicht geneigt, so sollte es uns freistehen, nach Jerusalem zurückzukehren.

Wir öffneten also insgesamt unsere Börsen, zahlten jeder für seinen Teil das Geld und ritten fürder. Die Erpresser aber blieben zur Stelle und teilten ihre Beute.

Vor den Toren der Stadt Bethlehem liegt die Burg gleichen Namens. Wir gingen aber nicht hinein, sondern ließen sie zur Rechten und zogen durch viel verfallenes Mauerwerk bis zur Vorhalle der Kirche der Geburt Christi. Eilig stiegen wir ab und begaben uns in den heiligen Tempel, wo wir voll Ehrfurcht und den Liebenden im Andenken der Geburt des Herrn vor dem Altar der Heiligen Drei Könige unsere Andacht verrichteten. Unter diesem Altar aber befindet sich die Grotte, wo der Herr des Himmels und der Erde geboren wurde. Zwei Wendeltreppe, jede mit 15 Stufen, führen in die unterirdische Kapelle hinab.

Christliche Mönche, welche neben dem Tempel ihr Hospizium haben, gaben uns brennende Kerzen, bei deren Scheine wir in feierlicher Prozession unter Absingen des Liedes: Auf ! Christen ,singt feierliche Lieder x. die Stufen hinunter in die heilige Grotte zogen. Betend und mit dankendem Gemüte knieten wir alle um den von Wohlgerüchen duftenden Stein, wo nach der Überlieferung das Kripplein gestanden. Lange verweilten wir an derselben Stelle, wo einst schlichte Hirten und weise Könige das himmlische Knäblein begrüßten und wo immer bis auf den heutigen Tag Karawanen aus allen Ländern herbeiziehen; um an dem Orte zu beten, wo das Christkind allein arm zur Erde herabgekommen, um Frieden und Liebe unter den Menschen zu verbreiten.

Von der Grotte der Geburt stiegen wir zur Kapelle, wo nach der Sage die unschuldigen Kindlein ihre Gräber haben, und weiter ziehend, gelangten wir in die Zelle, in welcher der heilige Kirchenvater Hieronymus, dreihundert Jahre nach Christus, einen Teil seines Lebens zubrachte.

Man zeigte uns hier die Gräber dieses heiligen Mannes, und seiner Schülerinen der heiligen Paula und ihrer Tochter, der Heiligen euch Eustochium. Beide waren vornehme römische Damen aus den adligen Geschlechtern der Graechen und Scpione, welche der Welt und ihre vergänglichen Freunden entsagten, um hier in strenger Abgeschiedenheit den wahren Frieden der Seele zu finden.

Die Sonne war längst schon verschwunden und tausend funkelnde Sterne bestrahlten die schweigende Erde, als wir hinauszogen zum Turm Eder, wo, wie die Sage meldet, die Engel den Hirten die Geburt des Messias verkündeten. – Eine solche herrliche Nacht war es vielleicht, in welcher die frohe Botschaft erklang: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden!

In einiger Entfernung glänzten die Lichter von Bethlehem. Durch das ganze Tal herrschte die tiefste Ruhe. Auf einsamen Fußwegen kehrten wir schweigend, ohne durch Worte unsere Gedanken zu stören, in das Kloster zurück.

Am dritten Tage verließen wir fröhlichen Mutes Bethlehem. Wir hatten unseren Rückweg wieder über Jerusalem genommen und suchten so bald wie möglich Joppe zu erreichen, wo wir uns unverweilt zu Schiffe begeben wollten. – Ehe wir jedoch die Hafenstadt zu Gesichte bekamen, geschah mir Folgendes

Eines Morgens, als wir längst einer spärlich bewachten Anhöhe entlang ritten, bemerkte ich oben auf den Felsen eine buschige Staude, welche scharlachrote Blüten von auffallender Schönheit trug. Von jeher ein Freund von Gewächsen und Pflanzen, kam mich die Lust an, das Ding in der Nähe zu besehen und womöglich einige Samen oder Früchte davon mitzunehmen.

Mit meinem Freunde, dem Schuster, war ich etwas hinter den übrigen zurückgeblieben und stieg ab, um die Anhöhe zu erklimmen, ohne in diesem Augenblicke der Warnung unserer Führer zu gedenken, welche uns ermahnten, nicht einzeln zurückzubleiben. Der beständig an den Küsten umherschweifenden Freibeuter wegen, welche sich oft weit ins Land hineinwagen, um wehrlose Reisende zu überfallen und als Sklaven auf ihre Schiffe zu schleppen.

Nicht ohne große Anstrengung hatte ich die jähe Halde erstiegen und näherte mich dem Orte, wo die Staude wuchs. Da hörte ich plötzlich meinen Freund, der unten bei meinem Esel geblieben war, laut rufen; – ich sehe mich um, er winkt mir eiligst umzukehren – ehe ich mich jedoch besinnen kann, stürzten zwei riesige Sarazenen über mich her, schleppen mich eine Strecke weiter längs der Felsschlucht und werfen mich auf ein bereit gehaltenes Pferd, welches der eine besteigt und mit Windeseile auf der entgegengesetzten Seite des Berges hinuntersprengt.

Ich war wie aus den Wolken gefallen; nur so viel war mir klar, dass ich mich in den Händen barbarischer Seeräuber befinde, die mit ihrer Beute so schnell wie möglich den Meeresstrand zueilten. Von meinen Begleitern, dem Pilgrimen, kam mir nichts mehr zu Gesichte.

Bei einem ärmlichen Dorfe am Meeresufer wurde Halt gemacht; in einer nahen Anfurth hielten zwei kleine Fahrzeuge, welche den Corsaren gehörten und bestimmt waren, mich mit noch mehreren Unglücksgenossen aufzunehmen und über die See zu entführen. Meine Baarschaft und alles, was ich bei mir trug, wurde mir abgenommen. Mein teuerstes Kleinod jedoch, das Gebetbüchlein warfen sie mir, nachdem sie es flüchtig betrachtet, verächtlich wieder zu, weil es für sie keinen Wert hatte.

Und so war mir doch wenigstens im Unglücke noch ein süßer Tröster geblieben, ein teurer Freund und geistlicher Ratgeber.

Mit etwa zwölf anderen Opfer teilte ich den unteren Raum des Schiffes, welches auf langer Fahrt nur einmal anhielt und bei einem kleinen Dorfe an der Küste Afrikas frisches Wasser einzunehmen.

Unweit einer großen, mit Basteien und Türmen wohl befestigten Stadt landeten wir endlich. – Es war Tunis, die Hauptstadt des Raubstaates gleichen Namens.

Ähnlich einer Handelsware wurden wir ausgeschifft und in brennender Sonnenhitze auf öffentlichem Markte lange feilgeboten. – Ich wurde das Eigentum eines vornehmen Mohammedaner’s, welcher mich nach geschehenem Handel zweien bewaffneten Schwarzen übergab, die mich außerhalb der Stadt verbrachten, wo die Reichen von Tunis ihre Landhäuser haben.

Bei einem der hohen Mauern umgeben Gute wurde halt gemacht; ein unansehnliches, einstöckiges Gebäude, die Wohnung der Sklaven und Feldarbeiter wurde mir zum Aufenthalte angewiesen. Unter den Sklaven, die größtenteils Schwarze waren, fand sich auch ein Europäer aus dem Piemontesischen gebürtig, der zu meinem großen Troste etwas deutsch sprach.

Unsere Geschäfte waren meist Feldarbeiten. Das Land umher ist ziemlich fruchtbar, und es wachsen Limonen, Datteln, Pommeranzen und türkischer Weizen, auch sagte man mir, dass es in dem Gebirge Straußen, Fasanen, wilde Ziegen und Löwen gebe .An gutem Quellwasser jedoch ist Mangel, weshalb überall Zisternen angebracht sind, in welchen sich das von den flachen Dächern ablaufende Regenwasser sammelt. Nur eine einzige Quelle nahe der Stadt liefert frisches Wasser, welches aber nichts anders als gegen Einrichtung eines Tributes und nur an Vornehme abgegeben wird.

Mein Genosse, der Italiener, wusste mir trotz seinem mangelhaften Deutsch das Loos eines Sklaven mit den abschreckenden Farben auszumalen; er verwünschte unseren Aufseher, den er als einen Unmensch und Barbaren schilderte, welcher, obwohl Christ und Europäer, nichtsdestoweniger ärger als der fühlloseste Heide sich zeige. Ich glaubte dem Menschen und faste im Voraus, ehe mir jener noch zu Gesichte kam eine herzliche Abneigung gegen den vermeintlichen Peiniger, welcher nach einigen Tagen von einem entlegenen Landgute seines Herrn zurückkehrte und seine Untergebenen musterte. Ich wurde ihm vorgestellt. Man mußte Name und Vaterland nennen, worauf er zwar in deutscher Sprache mir sagte, dass auch er am Rheine zu Hause sei. Er fragte mich noch verschiedenes über die Zustände des Deutschen Reiches. So kurz und bündig auch seine Äußerungen waren, so konnte ich doch daraus abnehmen, dass er schon sehr lange Zeit von Hause abwesend sein müsse. Seine Miene verriet etwas von Teilnahme, als er schließlich mich ermahnte, pünktlich und getreu meine Geschäfte zu verrichten. Die Sklavengesetze, fügte er bei, mit denen du vielleicht noch nicht bekannt bist, sind hart und strenge. Darum füge dich den Verhältnissen und sorge dafür, dass deine Vorgesetzten nie in die Lage kommen mögen, strafend gegenüberzutreten.

Nach dieser kurzen Audienz wurden wir angewiesen auf einem nahen Grundstücke, Datteln und eine Art wild wachsender Lotus, aus welchen die Einwohner einen beliebten Trank zu bereiten wissen, einzusammeln. Gefaßt hatte ich mich meinem Schicksal ergeben, ohne Hoffnung, je wieder erlöst zu werden, ehe dass der Tod, der treffliche, unfehlbare Arzt aller irdischen Leiden, auch meinem Elende ein Ende machen würde. Doch es war anders bestimmt.

Der Befreiungsmorgen sollte mir auf dieser Welt noch tragen, und zwar früher, als ich im günstigsten Falle für möglich gehalten hatte. Der nächstkommende Tag war ein mohammedanischer Festtag und auch für die Christen Sklaven ein Ruhetag. Frühe war ich von meinem Lager aufgestanden, um in dem Garten, der unsere und die übrigen Wohngebäude umgab, in Ungestörtheit die Morgenstunden zu genießen.

Eine milde, erfrischende Luft wehte durch die blühenden Limonen und Granatbäume, über süßduftende Beete voll Tulpen und Rosenbüsche.

Ich hatte mich auf eine Bank gesetzt und mein Büchlein hervorgezogen, um durch Gebete und Betrachtungen die Qualen der Hoffnungslosigkeit aus der leidenden Seele zu bannen.

Lange hatte ich schon gelesen und die Gegenwart und alles, was mich beschränkend umgab, beinahe gänzlich vergessen, als ein Geräusch in meiner Nähe mich weckte. Ich schaute auf. Der Aufseher stand vor mir. Anfänglich war ich erschrocken, denn ich glaubte seinen Unwillen erregt zu haben, weil ich eigenmächtig das Haus verlassen und mich in den Garten begeben hatte. Doch zu meinem Erstaunen wünschte mir der Mann nicht unfreundlich einen guten Morgen, und nachdem er einige Augenblicke mein Büchlein scharf ins Auge gefasst hatte, fragte er mit Lebhaftigkeit, wie ich zu dem Büchlein gekommen sei. Aus Furcht, es möchte mir abgenommen werden, weil nach dem Gesetze kein Sklave ein Eigentum besitzen darf, legte ich mich aufs Bitten: Verzeiht, sagte ich zaghaft, wenn ich etwas ungehöriges Unterfangen habe, ich bitte und beschwöre euch um unseres gemeinsamen Vaterlandes willen, entreißt mir dieses Kleinod nicht, mein Alles, was mir noch im Unglücke geblieben ist.

Sei ohne Furcht, ließ mich mein Vorgesetzter vernehmen, indem er mir das Büchlein aus der Hand nahm und ein wenig darin blätterte, aber sage mir ohne Rückhalt, wie das Buch in deine Hände gekommen ist.

Herr, versetzte ich, ich will Euch alles sagen: – Dieses Büchlein stammt ursprünglich von meinem Bruder selig, der im Kampfe mit den Ungläubigen vor Rhodos das Leben verlor. Bei meiner Einkehr auf jener Insel verehrte es mir ein treuer Freund und Waffenbruder des Verstorbenen, ein Johannitertitter. –

Der Mann schien überrascht; doch etwas misstrauisch versetzte er: Du redest unwahr, ich kannte den ersten Besitzer dieses Büchlein recht wohl. So viel ich aber weiß, hatte er keinen Bruder, er war der einzige Sohn seiner Eltern. – Du willst mich hintergehen und gibst dich für etwas aus, was du nicht bist.

Gott ist mein Zeuge, beteuerte ich feierlich, dass ich die Wahrheit spreche: die Mutter, deren Name ihr vorne auf dem Titelblatt sehen könnet, verheiratete sich nach des Vaters Tode zum Zweiten Mal, und dieser Ehe war mit einem Sohne gesegnet, den Ihr jetzt hier, als unglücklichen Sklaven vor Euch stehen sehet.

Der Mann schaute mich an – blickte gen Himmel und rief mit einer Stimme die mein Innerstes durchdrang: Gesegneter Tag! glückliche Stunde! – Grüßte dich der Himmel, Sohn meiner Mutter – mein Bruder!

Die Überraschung hatte mir die Zunge gelähmt. – Wir umfassten uns mit einer Heftigkeit und Inbrunst, als Sonne keine Macht der Erde uns je zu trennen vermögen.

Ihr könnt Euch denken, wie dieser Strahl plötzlicher Freude, ähnlich dem Blitz in dunkler Nacht, überraschend mich traf und alle zerknirschten Lebenshoffnungen in meinem Inneren wieder aufrischte.

Wir vergaßen in diesem Augenblicke beide, dass wir in barbarischem Lande, mitten unter Feinden unseres Glaubens uns befanden.

Nachdem der erste Sturm der Wonne und Ueberraschung vorüber war, mußte ich dem Bruder viel von den heimatlichen Zuständen, insbesondere von den Schicksalen unserer Familie, erzählen. Seit seinem Verschwinden beim Kampfe vor Rhodos hatte er nie das mindeste mehr von den Seinigen in Erfahrung gebracht. Es war natürlich, dass auch ich sehr neugierig war, zu hören, welchen Umständen er sein Leben und die Versetzung in dieses entfernte Land zu verdanken habe.

Er lud mich ein, weil der Morgen schon weit vorgerückt war, mit ihm in einer nahen, von Myrtenhecken angenehm beschatteten Laube Platz zu nehmen.

Meine Lebensgeschichte, fing er an, als wir uns dort niedergelassen, lässt sich in Wenigem zusammenfassen. – In jenem Treffen vor Rhodus, welches dir, wie du sagst, mein Freund, der Johanniter schilderte, fiel ich, von einem Pfeilschusse schwer verwundet, in die Hände der Feinde, welche mich bei ihrer Flucht auf die Schiffe schleppten. – Hier wäre mein Loos ohne Zweifel dasselbe gewesen, wie es fast sämtliche Mitgefangene getroffen, nämlich der Tod, wenn nicht Gott das Herz eines Feindes zu meinen Gunsten gerührt hätte. Der Herr des Schiffes, dessen Leute mich zum Gefangenen gemacht, entriß mich den Händen der mordlustigen Kriegsknechte, und befahl, mich, den Schwerverwundeten, zu verbinden. Der großmütige Beschützer hieß Amurath, und war kein anderer als mein jetziger Herr, der auch dein Gebieter ist. Der reiche Mann hatte auf seine Kosten ein Schiff ausgerüstet und sich freiwillig dem Zug gegen die christlichen Ritter angeschlossen.

Zurückgekehrt in sein Land, verbrachte er mich hierher, auf dieses Landgut, wo ich nach meiner vollständigen Heilung als gemeiner Sklave Dienste tun mußte. Mein Loos war erträglich, jedenfalls besser, als man es sich unter solchen Verhältnissen gewöhnlich denkt. Fleiß und Ausdauer erwarben mir die Gunst meines Herren, dem ich bald noch bei einer besonderen Gelegenheit meine Ergebenheit zeigen konnte. Es war während der Erntezeit, als eine Horde streitende Araber das Landgut überfiel, um es auszuplündern. Der Himmel wollte, dass ich die Gefahr noch zeitig entdeckte und unterstützt von einem Teil der Sklaven, die Bande so lange abhielt, bis Nachbars Hilfe kam. Mein Herr belohnte diesen Zug damit, dass er mich gemeinem Dienste enthob und mir die Aufsicht auf sämtliche Leibeigene anvertraute.

Dieses Amt bot mir nun Gelegenheit, manches Gute zu tun. Das Schicksal hatte nicht gewollt, dass ich dem Orden der Johanniter meine schwachen Kräfte widmen sollte. Dafür ward mir ein Posten gegeben, wo ich, statt christlicher Pilger mit dem Schwerte zu beschützen, arme Sklaven, gleichviel ob Christen oder Heiden ein menschliches Loos bereiten und ihr Schicksal mildern konnte: – ein Gedanke, der mir manch Bitteres meiner Stellung leichter ertragen ließ.

Überhaupt habe ich, wenn ich mein Leben überblicke, einsehen gelernt, dass man unter allen Umständen nach Kräften Gutes tun könne und dass nebst der höheren Führung, die über den Menschen schwebt, jeder doch zum Wohle und Wehe seiner und anderer gar vieles beitragen könne. Nur dass man nicht wie ein Schifflein ohne Ruder mut- und willenlos sich den Wellen des Lebens preisgeben dürfe.

Seit meinem Hiersein sind nur dreißig Jahre verflossen. Im Laufe dieser Woche kömmt Amurath, unser Herr auf diesen Landsitz, wo er alljährlich seinen Geburtstag zu feiern pflegt. Dieser Tag soll nach seinem längst verpfändeten Worte mir, seinem Diener, die Freiheit bringen. Und so wäre es gar wohl möglich, ja höchst wahrscheinlich gewesen, dass wir uns nie im Leben kennen gelernt hätten und fremd aneinander vorübergegangen wären, wenn nicht das Büchlein, auf welchem sichtbar der Segen meiner guten Mutter ruht, uns einander entdeckt und wie durch ein Wunder vereinigt hätte.

Mein Herr, fuhr er fort, stellte es meinem Entscheiden anheim, ob ich hier als Freigelassener in seinem Dienste bleiben oder in meine Heimat zurückkehren will. Längst aber war es mein Lieblingsgedanke, nach meiner einstigen Befreiung einzutreten in den Orden der Barfüßer zu Jerusalem oder Bethlehem, um dort in dem Vaterlande der Christen, abgewendet von weltlichen, den Rest meiner Erdentage zu beschließen. – Aber Gott hat es anders gewendet. – Deine Dazwischenkunft, geliebter Bruder, hat ihn mir, ich gestehe es, eine lange nicht mehr gefühlte Sehnsucht entzündet nach dem Lande, wo ich meine Jugend verlebt und wo ich irrtümlich wähnte, niemand mehr sei, der meiner gedenke. Ja, ich fühle ein Verlangen, so Gott will, die Heimat und das Vaterland noch einmal zu betreten, und zwar an deiner Hand, denn es wird mir ein Leichtes sein, auch deine Freilassung zu erwirken.

Als Bruder Martin hier einen Augenblick inne hielt, als besinne er sich des Folgenden, schaltete eines der Kinder die Frage ein: warum denn sein Bruder nicht sogleich die nahe Verwandtschaft entdeckt habe, als Martin seinen Familiennamen und den der Vaterstadt genannt habe?

Ihr habt vergessen, liebe Kinder, entgegnete der Erzähler, daß wir beide verschiedene Väter, also auch verschiedenen Namen hatten. Von der zweiten Ehe der Mutter und ihrem Wegzug vom Lande in die entfernte Stadt wusste aber mein Bruder nichts, weil er damals schon in den Händen der Ungläubigen sich befand, so dass ihn weder der Name der Familie noch der Stadt, die ich nannte, auf die Entdeckung geführt hätte, wenn es nicht durch das Wiedererkennen des Büchleins geschehen wäre.

Der Tag, berichtete Martin weiter, an dem unser Gebieter auf das Landgut kommen sollte, nahte heran. Die Gemächer des Herrenhauses wurden freilich hergerichtet und geschmückt. – Ich erstaunte ob der Pracht die im Inneren des sonst wenig versprechenden Gebäudes herrschte. Von kostbarer Mosaik und farbigem Marmor glänzten die Böden und Decken; kostbare Teppiche von künstlicher Seidenwirkerei, wie sie nur Tunis aufzuweisen vermag, zierten die Wände; alles was die Sonne des Morgenlandes an herrlichen Blumen und seinen Wohlgerüchen hervorbringt, war vereinigt, die Sinne zu ergötzen. Amurath kam wirklich an dem bezeichneten Tage mit einer seiner Favoritinnen. – Nach der Mahlzeit wurde mein Bruder vor den Herrn beschieden.

Es sind nun dreißig Jahre, sprach der Türke, daß du mir dienst in Treue und Redlichkeit. – Heute, am Gedächtnistage seiner Geburt, schenkt dir Amurath die längst versprochene Freiheit. Nütze sie nach deinem Wohlgefallen; doch bedenke, dass die Wohltaten, die dir dein Freund und ehemaliger Herr erwiesen, Bande sind, unauflöslich eher als die Fesseln der Sklaverei. – Siehe, Amurath ist großmütig; er bietet dir, dem freien Manne, als Beweise seiner fortgesetzten Gunst die fernere Verwaltung seiner sämtlichen Ländereien an. – Sei vernünftig und entschlage dich der thörichten Sehnsucht nach den öden Gefilden Palästina’s und der Gesellschaft deiner wortbrüchigen fränkischen Brüder. – Wähle das Bessere und bleibe!

Großmütiger Herr! begann nach einigem Zögern mein Bruder, wie beschämt bin ich durch deinen Edelmut. – Mein Leben, meine Freiheit danke ich dir. Doch – zeihe mich nicht der Undankbarkeit, wenn ich bitte: Du mögest deinen Diener in Frieden ziehen lassen. Betrachte, o Herr, diese grauen Haare; glaube mir, dieser müde, gealterte Körper würde wenig mehr im Stande sein, dir Vieles zu nützen. Und was das großmütige Geschenk deiner Freundschaft und Gunst anbelangt, so gönne mir das Glück, solche als wertvollste Perlen von hinnen nehmen zu dürfen.

Undankbarer Christ! murmelte unwillig mit einem Anflug von Zorn der Sarazenen. Täusche mich nicht durch leere Redensart und Ausflüchte – ziehe hin – Amurath wird nicht länger dich zurückhalten suchen. Bei dem Barte des Propheten! Du bist meines Wohlwollens unwürdig. –

Nichts schmerzt so sehr, erwiderte auf diesen Vorwurf mein Bruder, als wenn wir uns missachtet und verkannt sehen von denjenigen, die wir achten und lieben. – Laßt daher, edler Mann, nicht Unwille und Missgunst die edleren Triebe deines Herzens verdrängen. – Entziehe mir nicht den schönsten Gewinn des Lebens, die Freundschaft und Hochachtung eines edlen Menschen. Zerreiße nicht das Band, welches keine Entfernung zu schwächen vermag. Das freundliche Gedenken zwischen solchen, die sich im Leben kennen und schätzen gelernt. Höre mich an, dann lass Milde und Gerechtigkeit walten.

Der Sklave, den du jüngst der Zahl deiner Diener eingereiht, ist mein Bruder. Sein unvermutetes Erscheinen, seine Erzählung von manchem, was mir einst teuer war, ließen in mir den Wunsch entstehen, noch einmal vor meinem Tod das Vaterland zu betreten. Gewähre mir gütig eine Bitte, von deren Erfüllung das Glück zweier Menschen abhängt. – Siehe, hier diese Börse enthält die Ersparniß, von den Summen, mit welcher deine Großmut mich von Zeit zu Zeit überhäufte; gestattet mir, dass ich damit den Bruder loskaufe und dir ersetze, was du für ihn hingabst.

Mit diesen Worten, berichtete Martin, hatte mein Bruder dem Herrn einen Beutel voll Zechinen zu Füßen gelegt; ehe dieser jedoch etwas auf den Antrag erwidern konnte, wirkte seine neben ihm sitzende Gemahlin einer ihrer Dienerinnen, den Beutel aufzunehmen und zu sich zu nehmen.

Amurath ist großmütig, sprach mit Grazie die schöne Dame, welche nebst großen Vorzügen des Geistes und Herzens auch eine unverkennbare Liebe zum edlen Metalle in sich hegte und vielleicht fürchten mochte, ihr Gemahl möge in einer Anwandlung übelberechneter Großmut das Geld ausschlagen; deine Bitte ist dir gewährt, sprach sie zu meinem Bruder, Japha, die Geliebte deines Herrn ist deine Fürsprecherin, und Amurath unser Gebieter will heute nur Glückliche um sich sehen. – Nicht wahr, mein Bester? Dabei streichelte sie mit schalkhaften Lächeln die Wange ihres Herrn, welcher etwas verblüfft, nicht anders konnte, als der Schönen Beifall zu nicken.

Alles dieses, berichtete Martin, erzählte mir nachher meinem Bruder, der eiligst und voller Freude kam, mir meine Freilassung zu verkünden. So hatte jetzt mein Schicksal unverhofft eine Wendung genommen, die ich wenige Tage zuvor für kaum möglich gehalten hätte. Was mir anfänglich ein großes Unglück geschienen, meine Gefangennehmung, hatte nur dazu dienen müssen, mich dem Bruder zuzuführen.

Und wenn ich des Vorurteils, ja ich kann sagen des Hasses gedachte, den ich, angeregt durch die Einflüsterungen meines Kameraden, gegen ihn, den wortkargen Mann, im Herzen getragen, so fielen mir die Worte des heiligen Augustinus ein: Gewöhnlich, spricht er, wenn man glaubt, man hasse einen Feind, hasset man unwissend einen Bruder! – Mein Kamerad aber, der Italiener, der so Übles von seinem Vorgesetzten gesprochen, weil dieser ihn oft wegen Trägheit und Meuterei, die er unter den Sklaven anstiftete, bestrafen mußte, hatte sich die Unruhe im Hause während Amorath’s Anwesenheit zunutze gemacht und flüchtete, wahrscheinlich auf ein fremdes Handelsschiff, welches zu jener Zeit den Hafen verließ.

Unter den aufrichtigen Dankesbezeugungen verabschiedeten wir uns von unserem ehemaligen Herren, welcher, nachdem sich bei ihm der erste Unwillen über die Entfernung meines Bruders gelegt hatte, wieder seine angeborene Gemütlichkeit gegen uns walten ließ.

Wir begaben uns an Bord eines genuesischen Schiffes, welches nach rascher Fahrt ohne besondere Unfälle glücklich die Küsten Italiens erreichte. In Neapel stiegen wir ans Land, um von da nach Rom zu pilgern, von dessen Herrlichkeiten ich euch, liebe Kinder, ein andermal erzählen will.

Unvergesslich wird mir stets der Tag sein, wo wir zum Ersten Mal wieder deutsches Land für uns erblickten. Die Städte und Burgen, die Dörfer im Grün der Bäume, die gelben Weizenfelder und sonnigen Rebhügel und dazwischen der alte Vater Rhein! – Laut priesen wir die Macht und Hilfe des Höchsten, der unsere Schritte sicher hierher gelenkt und uns errettet aus Not und Gefahr.

Wohlbehalten langten wir in der Heimat an, in der sich mein Bruder fast als ein Fremder fühlte; wenige seiner Jugendgenossen fand er noch am Leben, – zerstreut die anderen in die weite Welt.

In eines Klosters Abgeschiedenheit wollte er des Lebens kurze Pilgerertage beschließen. – Die Hoffnung, uns dereinst wiederzusehen, linderte die Bitterkeit einer herben, irdischen Trennung. – Kehre zurück in das Leben, sprach mein Bruder beim Abschiede, schaffe, wirke, vollendet redlich dein Tagewerk, und es tröste dich der Gedanke: dass dort einst dem müden Abende ein neuer, ewiger Morgen tagt. – Lebe wohl!

So erzählte Bruder Martin, und die Kinder ergriffen, nachdem er geendet, seine Hand und dankten ihm.

„Gott! In Freuden und in Schmerzen.
Herrsche Du Aller Herzen;
Sey ihr Trost bei schwerem Leide,
Ihre Kraft im letzten Streite.
Nimm an ihres Lebens Ende
Ihren Geist in deine Hände;
Laß in deiner Sel’gen Reihen
Sie sich ewig Dein erfreuen.„

Ende

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Übersicht hier:

Bruder Martin erzählt den Kindern seine Pilgerreise nach Jerusalem und Bethlehem.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise. Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Neuntes Kapitel

Oft schon hatte Bruder Martin den Kindern versprechen müssen, ihnen etwas aus dem gelobten Lande, von Jerusalem und Bethlehem zu erzählen. Sie wussten, dass die heiligen Stätten, wo Christus der Herr, geboren, gelehrt und gelitten hatte, bis auf den heutigen Tag verehrt und von zahllosen Wallfahrern der Christenheit besucht würden. Bruder Martin hatte in früheren Jahren selbst einmal eine Pilgerfahrt dahin unternommen und war daher im Stande, seinen Freunden Alles getreu nach eigener Anschauung zu schildern.

An einem Sonntag Nachmittag, wo die Stürme recht schauerlich um den hohen Feldberg und seine waldigen Nachbarn wirbelten und den Schnee wie sprühenden Nebel durch die Täler wehten, saßen die Kinder behaglich in Martins Zelle am wärmenden Feuer des kleinen Oefeleins. Selbst Bläß, der Bär, bezeigte heute keine Lust, seine gewöhnliche Jagd im Walde abzuhalten. Zusammengekauert wie eine Katze und zuweilen im Schlafe leise brummend, als träume ihn von einem fetten Kaninchen, lag er in der Nähe des Ofens, wo ihm Wolfgang, sein Liebling und Vertrauter, Gesellschaft leistete. Der Kleine hatte sich den linden Rücken seines zottigen Freundes zum Diwan ausersehen, von wo aus er den Erzählungen des Bruders bequem zuhören konnte.

Nachdem der gute Altvater durch eine Handvoll dürres Reisig das Feuer frisch geschürt hatte, setzte er sich in die Mitte seiner Zuhörer und begann folgendermaßen:

Vor ungefähr 30 Jahren, um’s Jahr eintausend fünfhundert und zwölf (ihr alle wisst nichts mehr davon) kam eine erschreckliche Pest ins Land herein, eine ansteckende Krankheit, die man nicht anders als eine Zuchtrute Gottes nennen konnte, um den unzufriedenen, lieblosen Menschen wieder einmal ihre Nichtigkeit und die Abhängigkeit von einer höheren Macht recht fühlbar vor Augen zu stellen. Der Tod hielt, so zu sagen, ein großes Treibjagen unter den Menschen: im Palaste wie in der Hütte, in der Stadt wie auf dem Lande, erfaßte er seine Beute. Heute roth, morgen todt! hieß es bei den Meisten. In kurzer Zeit stand manches Haus leer, ja viele Dörfer und Flecken verödeten dergestalt, dass nur wenige Pflüge noch im Felde gingen und in mancher Kirche kein Gottesdienst mehr gehalten werden konnte.

In dieser Not wurde manches Gelübde getan; Bittgänge und Wallfahrten wurden unternommen, den Himmel um Abwehr des Übels anzuflehen, oder zu danken, für glückliche Lebensrettung.

Also tat auch ich. – Die böse Seuche hatte mich auf das Krankenlager geworfen, das Fieber mir Kraft und Besinnung geraubt. – In diesem Zustande führte mich der Fieberwahn in das phantastische Bereich eines übernatürlichen Traumes. – Es war mir, als befinde ich mich in Jerusalem und läge an den Pforten des Heiligen Grabes. – Himmlische Töne hörte ich erklingen, der Glanz unzähliger Lichter umschloss mich, und ich glaubte zu fühlen, wie ein Strom von Genesung mir das kranke Gebein durchrinne. –

Ich erwachte – halb noch im Traume befangen war meine erste Frage: wo ich mich befinde? Es kam mir vor, als wäre ich zurückgekommen von einer weiten, mühsamen Reise. – Die Krankheit aber war gebrochen, es ging fortan der Besserung entgegen.

Als die Kräfte sich wieder einigermaßen eingestellt, war es mein Erstes, dem Drange meines Herzens zu folgen und dem Herrn zu danken an jener Stätte, von woher mir im Traumgesichte wunderbare Hilfe gekommen war. Ich nahm Urlaub von meinem Herrn und trat getrost in Gottes Namen die Wallfahrt nach dem Grabe des Erlösers an.

Eines Morgens früh, als sie im hohen Turme des Münsters eben die Betglocke ertönte, verließ ich im Pilgergewande die Stadt. Es war noch dunkel; kaum ein Strahl des Lichtes zuckte durch die Dämmerung. – Endlich kam die Sonne und die Silbernebel über dem Rheinstrom und am Gebirge verzogen sich und zeigten den klarsten Himmel; die Vögelein zwitscherten ihr Morgenlied und alles erwachte; – da war es mir, als hätte ich die Welt und den Tag noch nie so hell und so frisch gesehen, und als schwinde jetzt erst der letzte Rest meiner Krankheit. –

Ich wanderte der Schweiz zu, um durchs Welschland gen Rom zu pilgern, wo ich dann in einem Seehafen unter Segel gehen wollte.

Mein erstes Reiseziel war die Insel Rhodos. Dort wollte ich Erkundigungen einziehen über einen älteren Bruder, der so viel ich wußte, vor langer Zeit dahingegangen war, um sich aufnehmen zu lassen in den Orden der Johanniter-Ritter, welche auf jener Insel ihren Sitz haben.

Diesen Bruder aber hatte ich nie in meinem Leben gesehen. Sein Vater, der nicht der meinige war, denn ich stammte aus der zweiten Ehe der Mutter, war ein wenig bemittelter Adliger, welcher auf einem Landgut im Rheintal lebte. Nach seinem Tode nahm er einem Freund des Verstorbenen, ein Johanniter, den Jüngling mit nach der Insel Rhodos, wo er ihm Aufnahme in den Orden verschaffen wollte.

Die Mutter wurde unterdessen durch Kriegsunfälle gezwungen, ihr stark verschuldet das Landgut zu veräußern. Sie zog in die entferntere Stadt, und verehelichte sich nach mehreren Jahren zum zweiten Male, welcher Verbindung ich, der zweite Sohn, das Leben verdanke. Von dem fortgezogen Sohne und Bruder hörten wir in der Folge wenig mehr. Sein Beschützer verlor in einem Treffen gegen die Ungläubigen das Leben, und auch von meinem Bruder wurde das nämliche behauptet, so berichtete uns wenigstens ein von dort zurückgekommener Reitknecht. – Von anderer Seite jedoch vernahmen wir, er sei noch am Leben, und im Orient ein reicher Mann geworden. – Über alles dieses wollte ich auf meiner Pilgerfahrt an Ort und Stelle genaue Erkundigungen einziehen.

Im Kloster Rheinau, wo ich nach dem fünften Tage der Reise übernachtete, bekam ich unvermutet noch einen Weggesellen. Ein Schuster aus dem Schwäbischen, der gleich mir im Begriffe war, nach Jerusalem zu wallfahrten.

Fröhlich, voll guten Mutes zogen wir weiter. Wir nahmen unseren Weg durch das Urnerland und über den Gotthard, welches Gebirge die Schweiz von Italien scheidet. Über diesen Berg geht eine Straße in das Herzogtum Mailand, und es werden die Handelswaren auf Maultieren und Saumrossen darüber gebracht. Oben auf der Höhe liegt ein Kapuzinerkloster, in welchem Reisende jederzeit gastfrei Aufnahme finden, von da geht es abwärts gegen das erste italienische Städtlein Airolo im Lawinerthal.

Als wir gegen diesen Ort hinkamen, hörten wir aus der Ferne singen; as sind Landsleute, sagte mein Begleiter, der Schuster, das Lied klingt schwäbisch! Und richtig, als wir eine Strecke vorwärts gekommen, so zeigte es sich, dass er recht hatte. Es waren deutsche Landsknechte, welche des Weges kamen. Der Kaiser führte nämlich dazumal Krieg mit dem Franzosenkönige, wegen des Besitzes von Mailand, und es zogen beständig Kriegsvölker hin und her. –

Kaum hatten uns die verwilderten Gesellen erblickt, als einige aus dem Haufen lärmend und mit gesenkten Spießen gegen uns anliefen, um ihren Mutwillen mit uns zu treiben. – Ich versah mich nichts Gutes, denn ich kannte die wilden Sitten dieser Leute.

Sie waren uns bereits nah auf den Leib gerückt, als mein Begleiter überrascht ausrief: O ha! Peter Michel, seit wann traktiert man friedfertige Pilgimme auf diese Manier, he? Und einer aus dem Trupp, ein Kerl mit schrammigem Antlitz und Knebelbart, in Puderhosen, rannte alsbald johlend auf den Schuster los und, bewillkommte ihn mit Gruß und Handschlag. Sie waren beide Landsleute aus einer und derselben Stadt im Allgäu.

Die mutwilligen Gesellen sagten lachend, sie hätten nur Spaß gemacht, um uns ein wenig zu erschrecken. – Sie fragten, was es Neues im deutschen Reiche gebe und wo wir hin wollten? – Sie ihrerseits, berichteten sie, kämen von der Stadt Mailand und Brescia wo sie nach Herzenslust gestürmt und geplündert, auch sonst noch viele feste Schlösser erobert hätten; zuletzt aber wäre zwischen ihnen und ihren Obristen Uneinigkeit und Streit entstanden, worauf sie davongegangen um in deutschen Landen Kriegsdienste zu suchen. – Nachdem wir ihnen bedeutet hatten, wo hinzureisen gedächten, sagten sie, wir wären Narren, eine so weite Reise zu tun, es gäbe ja in Deutschland Wein und Bier genug und alles was das Herz erfreue. Sie rieten uns, wieder umzukehren und schimpften gewaltig über die Welschen und ihr Land; jedenfalls aber wollten sie uns warnen, nicht bis Rom zu gehen, weil ganz Italien voller Kriegshändel sei, und ritten, lieber gleich in Venedig, wo immer Schiffe bereit lägen, unter Segel zu gehen.

Wir danken für den guten Rat, nahmen Abschied und zogen unsere Straße.

Mein Kamerad, der nicht gerne dabei sein mochte, wo es Krieg und Händel absetzte, bat mich, mein Vorhaben, nach Rom zu gehen, aufzugeben und nach dem Rat der Landsknechte in Venedig eine Überfahrtgelegenheit zu suchen.

Gerne hätte ich zwar Rom, die Hauptstadt der Welt, gesehen, doch tat ich ihm den Gefallen, und wir schlugen den geraden Weg nach Venedig ein.

So ein kleiner Teil mir auf diese Weise auch von Italien zu Gesichte kam, so war es doch genug, um mich zu überzeugen, dass man nicht ohne Grund dieses Land den Garten Europas, oder das Paradies der alten Welt nennt. Die Milde und Klarheit des Himmels, verbunden mit der Fruchtbarkeit und Lieblichkeit der Landschaft, haben für jeden Reisenden etwas Verlockendes, und nie in seinem Leben wird er einen Aufenthalt in den Gefilden dieses schönen Landes vergessen.

Ohne weiteren Aufenthalt erreichten wir glücklich Venedig, über dessen eigentümliche Lage wir uns nicht genug verwundern konnten. Denkt euch, liebe Kinder, eine Stadt, welche auf vielen kleinen Inselchen mitten in einem seichten Meeresarm also erbaut ist, dass fast alle Häuser auf Pfählen ruhen. Eine Stadt, in welcher man statt des Straßenpflasters Meereswellen und statt Stadtkutschen und Pferde, kleine Schiffchen oder Gondeln erblickt. Die Vorderseiten der Gebäude sind nämlich meist den Kanälen zugekehrt, welche die Stadt in allen Richtungen durchschneiden und über welche mehr denn vierhundert große und kleine Brücken führen.

Nachdem wir die herrlichen Paläste und Kirchen alle angeschaut hatten, begaben wir uns in das sogenannte deutsche Haus am Großen Kanal, wohin alle Waren gebracht werden, die von Deutschland kommen oder dahin abgehen. Hier erkundigten wir uns bei einem deutschen Handelsmann, ob kein Schiff im Hafen läge, welches nach Rhodos bestimmt sei.

Man wies uns an, zwei Herren, die eben über den Hofraum gingen. Einer davon war der Kapitän eines Schiffes, welches mit einer Ladung Waren, vorzüglich Waffen für die Johanniter, nach jener Insel abzufahren im Begriffe stund. Mein Begleiter, der etwas italienisch konnte, trug diesem unseren Anliegen vor, worauf wir morgens früh an den Hafen bestellt wurden, wo uns das Nähere mitgeteilt werden sollte.

Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr wir erfreut waren über die Aussicht, so schnell befördert zu werden. Wir priesen das Geschick, welches uns die Landsknechte in den Weg geführt hatte, ohne die wir unsere Richtung gegen Rom genommen und wer weiß, in was für Händel verwickelt worden wären. Denn auf unserem Weg hierher hatten wir erfahren, dass auch der Heilige Vater in den vorgenannten Krieg verwickelt sei.

Am anderen Tage sollten wir nicht uns zeitig am Hafenplatz einstellen und den Kapitän des rhodiser Schiffes aufzusuchen, der uns sodann die Überfahrt gegen mäßige Vergütung gewährte.

Gegen Abend schon wurden die Anker gelichtet, in günstiger Wind stellte die Segel, und bald schimmerten uns von der Hafenstadt nur noch die Lichter entgegen, welche nach und nach am Horizonte untertauchen.

Es ist ein wunderliches Gefühl, zum erstenmal auf dem Meere zu sein; auf der großen unermeßlichen Fläche ein winziger Punkt, das Schiff, dessen schwache Balken uns trennten von den Tiefen der Gewässer und ihren schweigsamen Bewohnern.

Das Wetter war günstig. Nur einmal in der Nacht überfiel uns der Sturm. – Die Segel wurden eingezogen und die Schiffsmannschaft auf dem Verdeck versammelt, ebenso auch wir und die übrigen Pilgrimme, die noch an Bord waren. Unter dem Tosen der Meereswellen und den Schrecken eines nächtlichen Gewitters, welches unter Blitz und Donner über unseren Häuptern ging, verrichteten Alle ein gemeinsames Gebet. – Jeder fühlte die Nähe des Todes und die eigene menschliche Schwäche. Aber Gott Lob! Gegen Morgen legte sich der Sturm, der Himmel hellte sich auf, und unsere Angst löste sich in Freude und Dank gegen den, der über die Stürme und das Meer gebietet.

Nach langer Fahrt kamen wir endlich in die Gewässer von Rhodos. Ehe ich jedoch von meinem dortigen Aufenthalte erzähle, will ich euch einiges über die Johanniterritter und den Ursprung ihres Ordens mitteilen.

Ihr habt gewiss schon gehört, wie vor mehreren hundert Jahren die abendländischen Christen mit gewaffneter Hand nach Palästina zogen, um das Heilige Land und vor allem Jerusalem der Knechtschaft der Ungläubigen zu entreißen. – Während dieser Kriege, welche man die Kreuzzüge nennt, hatten italienische Kaufleute die Erlaubnis erwirkt, in Jerusalem ein Kloster oder Hospitium zu errichten, zum Schutze und zur Verpflegung christlicher Pilger, welche nach dem heiligen Grabe wallfahrten. Die Mönche dieser Anstalt nannten sich Spitalbrüder oder auch Johanniter, weil ihr Kloster zu Ehren des heiligen Johannes eingeweiht war. Nachdem die Kreuzfahrer unter Gottfried von Bouillon Jerusalem erobert und zum Sitz eines christlichen Königreiches erhoben hatte, erhielt die Gesellschaft der Johanniter eine mehr kriegerische Regel und Stellung. Nach den neuen Satzungen konnten nur Adlige Zutritt in den Orden erhalten, welche nebst der Verpflegung der Pilger immer auch noch den Zweck hatte, mit bewaffneter Hand gegen die Ungläubigen zu kämpfen. Die ganze Körperschaft teilte sich in drei Klassen: Die Ritter von altadelichem Geschlechte; in Kapläne, denen ausschließlich das Kirchliche oblag, und den in Rittersknechte, welch‘ letztere zwar auch aus edlen Familien sein mußten, bei deren Aufnahme jedoch die Ahnenprobe nicht in ihrer ganzen Strenge gefordert wurde. Der ganze Orden zerfiel wiederum in acht Nationen oder Zungen, worunter die deutsche den Vorrang vor allen übrigen behauptete.

Alle insgesamt aber mußten geloben: unverehelicht, in Armut und Gehorsam gegen ihre Oberen, getreu den Pflichten ihres Standes zu leben.

Nach der Wiedereroberung Jerusalems durch den türkischen Sultan Saladin setzte sich der Orden nacheinander in verschiedenen Küstenstädten Palästinas fest, bis die tapferen Ritter unter ihrem Großmeister Fulco de Villaret, im Jahre 1309 mit dem Schwerte in der Hand, von der Insel Rhodos Besitz nahmen, und da bleibend sich niederließen.*
Im Jahr 1522, nachdem die Ungläubigen unter Solymann II Rhodus eingenommen, wurde den Rittern die Insel Malta zum Wohnsitz eingeräumt.

In diesen Orden, liebe Kinder, fuhr Bruder Martin in seiner Erzählung fort, hatte sich, wie ich euch schon gesagt habe, auch mein Bruder aufnehmen lassen wollen, und ich näherte mich jetzt dem Orte, wo mir Gewissheit über sein Leben oder Tod werden sollte. Ehe wir dort die Insel erreichten, hatten wir noch eine kleine Angst auszustehen.

Eines Morgens nämlich sahen wir mit Besorgnis zwei Fahrzeuge am Horizonte auftauchen und die Richtung gegen unser Schiff einschlagen. Wem es bekannt ist, wie in diesen Gewässern viele und gefährliche Seeräuber ihr Handwerk treiben, wird die Angst und Bangigkeit welche uns bei ihrem Anblick überfiel, begreiflich finden. Bald jedoch verwandelte sich diese in Freude. Statt der gefürchteten Raubschiffe erkannten wir, näher gekommen, zwei Galeeren der Johanniter, welche der Orden zum Schutze christlicher Seefahrer in diesen Gewässern beständig kreuzen läßt.

Als die Schiffe so nahe gekommen waren, dass wir die roten Kreuze auf den weißen Ordensmäntel der Ritter deutlich erkennen konnten, erhoben wir lautes Freudengeschrei; – die Galeeren aber gaben uns das Geleite bis dicht vor Rhodos, wo wir an einem Sonntagmorgen im Hafen die Anker auswarfen.

An demselben Tage, der uns an Land brachte, wurde in der Kirche von Rhodos ein feierliches Dankgebet abgehalten, dem die ganze Schiffsmannschaft und alle Pilger anwohnten. Nach Beendigung des Gottesdienstes war es mein erstes Geschäft, Nachfrage meines Bruders wegen anzustellen.

Ich suchte die deutsche Herberge auf. Der Wirt war ein Deutscher und längere Zeit schon auf Rhodos ansässig. Er versicherte mich, dass er alle hiesigen Landsleute kenne, aber keinen des Namens, den ich ihm genannt hatte. Nach längerem Besinnen sagte er, dass er hier einen alten Ritter kenne, der, so wie er wisse, aus dem Breisgau stamme und jedenfalls meinen Bruder als seinen Landsmann gekannt haben werde. Der Wirt war so gefällig, mich zu dem alten Ordensmanne zu begleiten. Er führte mich in denjenigen Teil der Stadt, wo die Johanniter ihren Sitz haben und welcher mit starken Türmen und Bastien wohl befestigt ist.

Am Ende einer Straße, welche die Ritterstraße heißt und ganz von Stein erbaut ist, fanden wir unseren Mann. Als ich ihm mein Anliegen vorgetragen hatte, rief er lebhaft: Gott im Himmel, was für Erinnerungen erweckt mit dieser Name. – Ja wohl hab‘ ich ihn gekannt, er mein bester Freund und Waffenbrüder! Seid daher gegrüßt und herzlich willkommen, Bruder meines verewigten Freundes.

Also tot! fiel ich seufzend ein, und der Johanniter ergriff nicht ohne Theilnahme meine Hand und sagte: Hört, ich will euch den Hergang der Sache erzählen. Es möge nun bereits schon 34 Jahre sein, seit er hierher kam, und ein offener und einnehmender Bursche, mit dem ich bald Kameradschaft machte.

Es war im Jahr 1480 ehe Euer Bruder noch förmlich in den Orden aufgenommen war, als Mohammed der zweite Rhodos belagern ließ, um 23. Mai kam die Flotte der Ungläubigen 160 Schiffe mit einem Landheer von mehr als 100.000 Mann vor der Insel an. – Das war dann ein ordentliches Stück Arbeit für uns, die wir gegen diese Übermacht nur ein kleines Häuflein waren. Aber auch manch tapferen Degen kostete es, bis dem Feinde der Weg wieder gewiesen war in die hohe See.

Bei dem ersten blutigen Treffen mußte uns euer Bruder, tröst ihn Gott, schon entrissen werden. Nachdem die Sarazenen gelandet und in der Ebene vor unserer Stadt ihr Lager geschlagen hatten, versuchten sie unter Trommel- und Trompetenschall einen Angriff gegen die Stadttore. – Während ein Teil der Unsrigen von den Türmen und Bastien, mit großen und kleinen Geschütz, mit Steinen und Pfeilen sie begrüßte, rückte der Vice-Graf du Montreuil, des Großmeisters Petri d’Aubusson ältester Bruder, mit einer auserlesenen Schaar, der sich auch euer Bruder und ich als Freiwillige angeschlossen, den Sarazenen entgegen und warf sie nach heißem Gefechte völlig über den Haufen. Unter Geschrei und Lärm liefen sie den Schiffen zu. Während des Kampfes sah ich meinen Freund, euren Bruder, mit vielen Wunden bedeckt, an meiner Seite niedersinken, und vermute, nach allem, was ich nachher von Anderen hörte, dass er in diesem Zustande von dem Feinde zum Gefangenen gemacht und auf der Flucht mitgeschleppt worden ist. – Ich selbst wurde getroffen von einem Pfeilschuss, halbtot nach der Stadt gebracht. Von unseren Wällen aus mußten wir sehen, wie die Barbaren ihren Gefangenen ins Meer stürzten oder sonst grausam hin schlachteten, um uns zu zeigen, welch ein Schicksal unserer wartet, wenn wir nicht gutwillig die Stadt übergäben, was jedoch dank der Hilfe Gottes und dem Mute der Christen nicht geschehen ist.

Der Johanniter schwieg einen Augenblick, und ich konnte nicht anders, als seufzen und mit Tränen in den Augen das unglücklichen Bruders gedenken.

Hier – nahm nach einer Weile der alte Herr wieder das Wort, indem er auf einen Wandschrank zuschritt, hier seht Ihr ein werthes Pfand, welches mir aus seiner Verlassenschaft zugefallen. Er reichte mir ein schwarz eingebundenes Gebetsbüchlein, und zeigte auf dem Titelblatt einen Namenszug, den ich auf den ersten Blick als den eigenhändigen meiner Mutter erkannte.

Ich seufzte und betrachtete Reliquie mit Betrübnis und Freude. – Der Johanniter aber dieses bemerkend, sprach: Ich glaube die werte Hinterlassenschaft an keine bessere Hände geben zu können, als in die des Bruders des Verewigten. Ich bitte euch daher, solche als Angedenken seiner, so wie auch als Beweis meiner Wertschätzung eurer Person, zu behalten.

Ich sagte dem guten Herrn gerührt meinen Dank, und versicherte ihm, dass ich die Gabe annehmen und stets heilig und in Ehren halten wollte, sowohl meines Bruders als auch der ehrenden Freundschaft des ritterlichen Gebers wegen.

Der Johanniter fragte mich noch manches aus der deutschen Heimat und erbot sich, mit mir einen Gang durch die Stadt zu machen, um mir die Lage und Festigkeit des Ortes zu zeigen.

Er führte mich auf einen quellenreichen Hügel über der Stadt, den ein duftendes Gehölz von Pommeranzen und Granatbäumen angenehm beschattete, und wies mir mit der Hand alle die Punkte wo es während der Belagerung durch die Sarazenen heiß zugegangen. – Dort, am Ende des Hafens, sagte er, auf ein starkes Fort zeigend, seht Ihr den Nikolausthurm, den die Ungläubigen vergeblich mit Feuer und Schwert zu erobern trachteten. Der Bassa, nachdem er gesehen, dass hier nichts zu holen sei als blutige Köpfe, nahm zuletzt zur Verräterei seine Zuflucht. Zwei Mamelucken, welche der christlichen Religion abgeschworen und Mohammedaner geworden waren, unternahmen es, den Großmeister unseres Ordens meuchlings zu ermorden. Aber der saubere Plan schlug fehl, und die beiden Überläufer wurden öffentlich enthauptet. Auf dieses versuchte der erzürnte Befehlshaber wieder mit Gewalt uns beizukommen.

Mit großer Furie wurde der Nikolausthurm aufs Neue beschossen; allein, umsonst; das Bollwerk erwies sich als unüberwindlich. – Da geschah es am 27. Juli, dass der Kommandierend die Stadt von verschiedenen Seiten zu Stürmen befahl. – Das war ein Tag, der mir nie aus dem Gedächtnis schwinden wird. – Die Feinde hatten schon jenen Teil der Stadt dort genommen, welche man das Judenquartier heißt. Werden aber von den unsrigen nach zweistündigem furchtbaren Kampfe wiederum hinausgeworfen. Aber stets aufs neue heranrückende Heerhaufen ließ uns nicht zu Atem kommen, und also mörderisch ging es zu, dass der Großmeister allein fünf Wunden davontrug und manches Ritters Gewand vom Blute triefte. Unter den wehenden Panier, mit dem Bilde der heiligen Jungfrau machten die Unsrigen einen letzten kühnen Ausfall. Durch eine Lücke der Mauer stürzten wir auf den Feind. Es war nicht anders als der feire der Tod ein großes Erntefest; also grimmig wurde mit Schwert und Lanze handiert; die Ungläubigen wurden gänzlich geschlagen und mussten uns das Feld überlassen.

Mit des Sultans Standarte und Gezelt kehrten wir sieghaft in die Stadt zurück; der Feind aber hatte nichts eiligeres zu tun, als so schnell wie möglich sein Landheer einzuschiffen. Ehe sie jedoch mit der Einschiffung der Bagage und schweren Stücken zu Ende waren, erschienen auf der hohen See zwei Kriegsschiffe, welche Ferdinand, der König von Neapel uns zur Hilfe schickte.

Eines von den Fahrzeugen lief glücklich in den Hafen ein, das andere aber wurde von den türkischen Batterien so heftig beschossen, dass es dort im Kanal ankern mußte. – Der Bassa schickte zwei Galeeren unter dem Kommando seines ersten Generals, um das Schiff anzugreifen. Aber da erging es wie oftmals dem Jäger, wenn er den verwundeten Bären zu töten heraneilt, und selbst den Rest bekommt. – Das stark beschädigte neapolitanische Schiff spie Tod und Verderben auf seine Angreifer; nach zweistündigem blutigem Strauße mußten sie weichen, nachdem ihr General gefallen war.

Mit diesem letzten Trumpfe endete die ganze kriegerische Unternehmung. Am 19. August segelte die Flotte unverrichteter Sache heim nach Constantinopel.

Der Johanniter, fuhr Bruder Martin weiter, begleitete mich nach Beendigung unseres Spaziergangs in die Herberge, wo Pilger verschiedener Länder versammelt waren, die alle die Reise nach Jerusalem mitzumachen gedachten. Ein spanisches Schiff war bestimmt, uns überzufahren, und die Johanniter rüsteten eine Galeere, die uns begleiten und beschützen solle. Unter herzlichem Dank schied ich von meinem Freunde, dem Johanniter, der mich noch bis zum Schiffe begleitete.

Begünstigt vom Winde erreichten wir bald wieder die hohe See. Der Himmel war klar und die Luft so milde, dass Viele die Nächte auf dem Verdeck zubrachten. Im vierten Tage nach unserer Abfahrt bekamen wir die Insel Zypern und bald darauf einen Teil von Kleinasien zu Gesicht.

Eines Morgens, als kaum die Sonne über die Wellen heraufgestiegen war, rief plötzlich eine Stimme: Fer Karmel! – Alle wendeten ihr Antlitz gegen die Gegend, wo wir den heiligen Berg wie ein schwarzer Punkt am Horizont erblickten. Bald öffnete sich das Land. Wie ein grauer Streif erschien uns die Küsten von Palästina, über welchen leichte weißliche Nebel schwebten.

Es war ein feierlich erhebender Augenblick. Man hörte nichts als das Rauschen des Schiffes, welches majestätisch über die ruhige Fläche dahinfuhr, und die Stimme eines Pilgers, welcher laut eine Stelle aus den Psalmen vorbetete. –

Nur eine Empfindung hatte sich Aller bemächtigt: die Wallfahrer schienen alle Leiden und Mühseligkeiten einer weiten Pilgerfahrt vergessen zu haben, bei dem Anblicke des Landes, wo Christus einst unter den Menschen gewandelt.

So wie die Sonne die schwebenden Nebel mehr und mehr zerstreute, erkannten wir einzelne Punkte der, in langen Linien vor uns liegenden Landschaft. – Wir erblickten Tyrus, die alte Handelsstadt, das weißliche Vorgebirge von St. Johann d’Acre und die Ruinen von Cäsarea. – Das Schiff durchschnitt mit Windeseile den glänzenden Wasserspiegel. Gegen Mittag erblickten wir schon Judäa’s blaue Gebirge, und als der Abend herangekommen, näherten wir uns der Stadt Joppe, dem gewöhnlichen Landungsplatz der Pilger.

Mehrere kleine Boote ruderten uns entgegen, um uns aufzunehmen und ans Land zu setzen. Der Mond beschien mit seinem milden Lichte die öden Türme dieser alten Stadt, von der man sagt, dass sie schon zu Noahs Zeit gegründet worden und der Ort sei, wo nach der Sündfluth die Arche stillgestanden.

Nicht länger verweilten wir hier, als nötig war, um unsere Reiseangelegenheit in’s Reine zu bringen. – Wir mußten vor dem türkischen Aga erscheinen, der uns gegen Erlegung eines gewissen Tributes einen Schutzbrief nach Jerusalem mitgab. Nach diesem mieteten wir sogleich Lasttiere und Esel, um die Reise nach der heiligen Stadt ohne Aufenthalt antreten zu können. Der größere Teil der Pilgrim blieb aber noch einige Tage länger in der Hafenstadt, so dass unsere Schar etwa 20 Personen, meist deutsche, zählte.

Zum Schutz und Trutz gegen landesübliche Räubereien nahmen wir ein Geleite von zwölf arabischen Lanzenreitern mit; auch ein Dolmetscher folgte uns.

Der Weg führte durch eine blumenreiche, liebliche Ebene. Weithin verwandelte sich aber das lachende Bild in eine kahle Landschaft, in welcher nichts als Distel, welke Kräuter und zuweilen einige schlecht bebaute Weizenfelder neben zerfallenen Dörfer sichtbar waren. Ehe wir die Stadt Rrama, welche früher Arimathea geheißen, zu Gesichte bekamen, gelangten wir zu den Ruinen eines alten Klosters, um welches wilde Feigenbäume ein kleines schattiges Wäldchen bildeten. Hier soll der Ort sein, wo die heilige Familie bei ihrer Flucht nach Ägypten verweilte, um von den Beschwerlichkeiten der weiten Reise auszuruhen.

Wir stiegen ab, hier unsere Andacht zu verrichten, und nach kurzer Rast zogen wir weiter.

Einige Stunden hinter der Stadt Rama öffnen sich allmählich die spärlich bewachten Täler des judäischen Gebirges. Kaum einige wilde Feigen- oder einzelne in der Tiefe wachsende Ölbäume unterbrechen die schwermütige Öde dieser Gegenden, in welchen einst die Tochter Jephta’s weilte und die Propheten den Zerfall ihres Volkes beklagten. – Nachdem wir eine große Strecke in den immer kahler werdenden Gebirge fortgesritten, erblickten wir endlich das Ziel unserer Sehnsucht. – Mein Freund, der Schuster, der etwas voraus geritten war, überraschte uns zuerst mit dem Rufe: Jerusalem!

Alle eilten herbei, um des herrlichen Anblicks teilhaftig zu werden – unter Freudentränen und Lobpreisungen begrüßten wir die heilige Stadt, welche mit ihren Mauern und Türmen in sonnigem Schimmer gerade vor uns lag.

Durch das Tor von Damaskus und auch das Pilgertor genannt, zogen wir in die Stadt hinein, nachdem wir vorher den Ungläubigen den gewöhnlichen Tribut entrichten gemusst. Längs einer Reihe unansehnlicher Gebäude von Kalk und Ziegelstein führte uns der Weg zum Kloster der Barfüßer, welches nur einige 100 Schritte von der Kirche des Heiligen Grabes entfernt ist.

Die Mönche des Hospitiums nahmen uns freudig und gastlich auf; und gewiss, es war ein wohltuendes Gefühl, mitten unter den Feinden unseres Glaubens christliche, hilfreiche Brüder zu finden. – Der Quardian des Klosters gab uns alsogleich einen Führer mit, der uns beim Besuche der heiligen Örter dienlich sein sollte

Mit heiliger Ehrfurcht betraten wir die herrliche Grabeskirche. -Unbeschreiblich ist das Gefühl, welches den Pilgrim erfasst, wenn er diese hehren gottgeweihten Räume beschreitet, wo Hunderte von Lampen die ahnungsreiche Dämmerung erhellen.

Inmitten des Tempels befindet sich die in Felsen eingehauene Gruft, welche das Grab Christi in sich schließt. Durch ein enges steinernes Pförtlein tritt der Pilgrim hinein in das Heiligtum, wo einst der Herr die Macht des Todes bewältigte. In schweigender Andacht lagen wir alle vor dem marmornen Grabe auf den Knien, während die ersten Choräle der Barfüßer, welche eben Gottesdienst hielten, von außen im Tempel entlang und wie aus überirdischen Fernen in die Stille des lichtstrahlenden Grabgewölbes drangen. Dies verwirklichte sich von meinen Sinnen, jenes Traumgesicht, auf dem sich Bette und wie damals heilende Kräfte mich der leiblichen Krankheit entrissen. So fühlte sich jetzt der Geist, befreit von irdischem Kummer und Leid, emporgehoben im Vorgefühl der ewigen Seligkeiten eines neuen himmlischen Jerusalems, wo, wie der Apostel sagt, alle Tränen abgewischt werden und kein Tod, kein Leid, kein Schmerz und keine Klage mehr sein wird.

Der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu. Als wir die Heilige Gruftkapelle verließen, um andere, jedem Christen teure und verehrungswürdige Orte zu besuchen.

Das große Münster besteht eigentlich aus drei zusammenhängenden Kirchen.: die erste umschließt das heilige Grab, die zweite den unmittelbar daran anstoßenden Calvarienberg, und die dritte den Ort wo die Kaiserin Helena das Kreuz des Herrn auf fand.

Man weiß, dass die ersten Christen 46 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems von dem römischen Kaiser Adrian Erlaubnis erhielten, über den Grabe Christi einen Tempel zu bauen, welcher, wenn durch Kriegsstürme wiederholt zerstört, dennoch an derselben Stelle stets wieder aufs Neue aus den Trümmern sich erhob.

Nachdem die Kreuzfahrer das Heilige Land wiederum verloren hatten, erkauften morgenländische Christen mit schwerem Gelde von den Muselmännern den Besitz dieser Kirche, welche jetzt allein dem Schutze schwacher Mönche anvertraut ist, die mitten unter täglichen Erpressungen und Unbilden von Seite der Türken sich glücklich schätzen, an dem Orte leben zu dürfen, wo tausend Erinnerungen die Leiden und das Sterben des Herrn uns vergegenwärtigen.

Noch zeigte man uns das Schwert Gottfrieds von Bouillon, das in seiner halbvermoderten Scheide bis auf den heutigen Tag das Grab des Erlösers bewacht. –

Der Reihe nach besuchten wir alle Stationen bis auf die Mitte des Calvarienberges, und begaben uns dann, erfüllt von den Eindrücken des Tages, in das Kloster zurück.

Saumer waren Personen, die Lasten auf dem Rücken von Saumtieren über das Gebirge transportierten. Jahrhundertelang beförderten sie vor allem Salz und Wein auf Saumpfaden und über die Pässe der Alpen. Als Saumer musste man ein Pferd, einen Maulesel, ein Maultier oder einen Ochsen besitzen.

Airolo ist im Kanton Tessin im Regierungsbezirk Leventina

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Die Flucht nach Egypten und der Kindermord

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Achtes Kapitel

Die Kunde von den hübschen Weihnachtsvorstellungen in Martins Zelle hatte sich bald in der ganzen Nachbarschaft verbreitet, und die Kinder anderer Waldbewohner kamen herbei, um die schönen Bilder auch mit anzusehen.

Bei der vierten und letzten Vorstellung, die Flucht nach Ägypten, hatten sich so viele kleine Beschauer eingefunden, dass der enge Raum kaum alle zu fassen vermochte. – Jedes wollte das Beste wissen, den anderen die Sache zeigen und erklären.

Dort sitzt er, der wüste Herodes! rief Klärchen auf das Bild zeigend, welches den König mit finsterer Miene auf seinem Throne zeigte, während neben ihm seine Kriegsknechte die unschuldigen Knäblein tödteten, und unglückliche Mütter jammernd und händeringend vergeblich abzuwehren suchten.

Seht, wie dort die Mutter Gottes mit dem Christkindlein nach Ägypten flieht, sagte der kleine Wolfgang, aber der garstige Herodes weiß nichts davon, nicht wahr, Bruder Martin?

Gewiß nicht, antwortete dieser, denn seht, liebe Kinder, als der böse Herodes vergeblich auf die Zurückkunft der Weisen aus dem Morgenlande gewartet hatte und zuletzt erfuhr, dass sie längst wieder heimgereist wären, geriet er so in Wut, dass er Befehl gab, alle Knäblein, die nicht über zwei Jahre alt waren, zu tödten. Gott aber hatte schon vorher den heiligen Josef warnen lassen.

Ein Engel war dem frommen Nährvater im Traume erschienen, und hatte ihm die Weisung gegeben, mit dem Kinde und seiner Mutter nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes das Kindlein aufsuchen und ermorden lassen wolle.

Und sind Sie denn nicht mehr heimgekommen? fragte Wolfgang. Nur so lange blieben sie in Ägypten, berichtete der Bruder, bis Gott ihnen durch seinen Engel zu wissen that, dass der bös gesinnte Herodes gestorben sei und ein anderer seinen Thron eingenommen habe.

Joseph machte sich demnach sogleich auf, nahm das Kind und die Mutter und reiste wieder in das Vaterland Israel. Aber nach Bethlehem zurückzukehren, getraute er sich nicht, weil er wußte, dass Archelaus, der neue König, ein Sohn des bösen Herodes war. Gott schickte ihm seinen Engel zum Dritten Male und ließ ihm bedeuten, er solle sich in der Stadt Nazareth, im Lande Galiläa mit seinen Pflegebefohlenen niederlassen.

Hier, in der Geburtsstadt der Eltern, verlebte das göttliche Kind seine Jugend. Alljährlich, zurzeit des Osterfestes, gingen Maria und Josef nach Jerusalem, um im Tempel ihr Gebet zu verrichten.

Als der Knabe Jesu zwölf Jahre alt war, nahmen sie auch ihn mit dahin. – Auf der Heimreise aber merkten sie, dass der Sohn nicht bei ihnen sei. Anfangs glaubten sie, er befinde sich vielleicht unter den Freunden und Bekannten, welche die Reise ebenfalls mitgemacht hatten, aber nirgends war er zu erfragen. Voll Besorgnis kehrten die bekümmerten Eltern zurück nach Jerusalem, wo sie ihn erst nach drei Tagen wieder fanden. Er saß im Tempel, mitten unter den Lehrern und Volksältesten, die er befragte und ihnen zuhörte. Alle, die seine Reden hörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.

Sorgenvoll sprach seine Mutter zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.

Was ist’s, dass er mich gesucht habt? sprach der Sohn im Bewusstsein seiner göttlichen Sendung. Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem Hause meines Vaters.

Den Eltern war der Sinn dieser Worte nicht ganz klar, doch behielt, sagt die heilige Schrift, Maria alle seine Worte in ihrem Herzen.

Hoch erfreut, ihr liebes Kind wieder gefunden zu haben, zogen sie hinab gegen Nazareth, wo Jesus ihnen wie sonst gehorsam und kindlich untertan war, und zunahm an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Von seinem öffentlichen Auftreten und Lehren bis zu seinem Opfertode, will ich euch ein andermal erzählen, sagte Martin, wenn ihr mir versprecht, so folgsam, fromm und gut zu werden wie euer himmlisches Vorbild, das Christkindlein.

„Sei Messias, uns willkommen,
Du der Völker Heil und Licht!
Zeige uns mit deinem Frommen
Deines Vaters Angesicht.
Lass an Tugend reich auf Erden,
Dort dereinst und selig werden.„

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Die Weisen aus dem Morgenlande

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Siebentes Kapitel

Schwerlich gab es jemand auf dem ganzen Schwarzwalde, der sich mehr auf den heiligen Dreikönigstag gefreut hätte als die Kinder des Köhlers Christoph.

Sie wußten, dass an diesem Tage Bruder Martins Zelle wieder der Schauplatz eines neues Bildchen aus dem Leben Jesu sein werde. Als sie jedoch am heiligen Dreikönigstage frühmorgens erwachten und zum Fenster hinausschauten, – o, welch‘ eine unangenehme Überraschung, – es hatte die Nacht über so geweht und geschneit, dass weit und breit weder Steg noch Weg zu sehen waren. So sehr die Kleinen zu jeder anderen Zeit sich über das endlose Flockenmeer gefreut haben würden, so groß war im jetzigen Augenblicke ihre Betrübniß.

Nun können wir nicht zu Bruder Martin! jammerte Wolfgang und Klärchen, und auch Christine zweifelte an der Möglichkeit eines Ausmarsches. Gotthard aber lachte und sprach ihnen Mut ein. Er und der Vater holten sogleich den Bahnschlitten aus dem Holzhause, spannten ein Paar Kühe davor, und die Kleinen mußten als Ballast sich oben auf das Fuhrwerk setzen, und so ging es langsam, aber mit großem Jubel vorwärts, durch das Tal bis zu der Halde, wo der Bruder wohnte.

Hier lag der Schnee etwas dünner, weil ihn der Sturm mehr weggefegt, und die Kleinen konnten bequem ihre Reise zu Fuß fortsetzen.

Der erfreute Alte, welcher ihnen eine Strecke Weges entgegengekommen war, führte sie in die Zelle, wo Wolfgang beim ersten Blick auf das Kripplein überrascht ausrief: Da sind sie ja schon! nämlich die Heiligen Drei Könige, meinte er, welche man im Stalle angekommen und das Christkindlein begrüßen sah. – Die Vorstellung war aber auch wirklich gar zu schön: Maria, die himmlische Mutter, hatte das Kindlein vor sich auf dem Schoße; ihr zu Füßen kniete einer der Weisen im Begriff, dem Kinde das zarte, segensreiche Händlein zu küssen, während die beiden anderen mit Geschenken nahten. Der heilige Josef, welcher neben Maria der jungfräulichen Mutter stand, schien mit abgezogener Mütze die vornehmen Gäste ehrfurchtsvoll begrüßen zu wollen. Im Hintergrunde sah man Gefolge und Dienerschaft der fremden Könige.

Bruder Martin mußte den kleinen Wolfgang auf eine Bank lüpfen, damit er alles Recht in der Nähe sehen und bewundern konnte. Am meisten entzückte den Kleinen der funkelnde Stern, der senkrecht über dem Stalle stand. Ebenso hatte auch Balthasar, der Mohrenkönig, mit seinem reich verzierten türkischen Säbel und Dolch, seinen unbedingten Beifall.

Während die Kinder das Bildlein betrachteten, erzählte ihnen Bruder Martin die Geschichte dazu:

Da Jesu geboren war, begann er, kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und fragten am Hofe des König Herodes: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

Als Herodes dies hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. – Der stolze König befürchtete nämlich, seinen Thron zu verlieren, wenn ein neuer Herrscher ins Land kommen würde.

Eiligst ließ er daher alle Hohepriester und Wahrsager zu sich kommen und fragte sie: Wo denn Christus sollte geboren werden? Sie sagten ihm: zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn es steht geschrieben durch den Propheten: Du Bethlehem im Lande Juda bist keineswegs die Geringste unter den Städten Judas, aus Dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk regieren wird.

Herodes lief daraufhin heimlicher Weise die Könige aus dem Morgenlande wieder vor sich kommen und erkundigte sich genau, wann der Stern erschienen wäre, und riet ihnen, nach Bethlehem zu gehen: Ziehet dahin, sprach er und forschte fleißig nach dem Kinde, und wenn ihr es gefunden habt, so sagt ihr mir’s wieder, dass ich auch hinkomme und es anbete.

Nachdem Herodes ihnen dies gesagt hatte, zogen sie hin, und der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatte, zog wieder vor ihnen her, bis an den Ort, wo die heilige Familie sich befand, da stand er still.

Hocherfreut gegen die Könige in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria und Josef. Sie fielen auf ihre Knie und beteten es an, dann öffnete sie ihre Schatzkästlein und reichten ihm Geschenke, die in Gold, Weihrauch und Myrrhen bestanden.

In der Wahl dieser Geschenke aber lag eine hohe Deutung: – Gold brachten sie, um Ihn als König zu ehren, Weihrauch opferten sie dem wahren Gott, und die Myrrhe ist das Bild der Schwachheit und des Todes, welch‘ Beidem der Heiland sich unterwerfen wollte, zur Erlösung des Menschengeschlechtes.

Die morgenländischen Weisen hatten sich zur Ruhe begeben und wollten des anderen Tages beizeiten ihre Reise zu Herodes antreten; da erschien ihnen Nachts im Traume der Engel des Herrn und befahl ihnen, nicht mehr zu Herodes zurückzukehren; denn der böse König hatte den finsteren Anschlag ausgebrütet, das Kindlein ermorden zu lassen.

Die Weisen gehorchten der göttlichen Eingebung und kehrten auf anderen Wegen wieder in ihr Land zurück.

„Was sollen wir für Gaben
Dir Herr zum Opfer weih’n?
Ist, was wir sind und haben,
Nicht Alles, Alles Dein? –
Ein Herz, Dir ganze geben,
Von allen Sünden rein,
Ein liebevolles Leben
Soll unser Opfer sein.„

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Die Darstellung Jesu im Tempel

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript.

Am anderen Tage hatten die Kinder nach Beendigung des allgemeinen Morgengebets, welches Bruder Martin in einem kleinen Bethäuslein in Thale abgehalten, sich sogleich wieder in Martins Zelle begeben, um den guten Altvater mit dem Weihnachtsliedlein, welches er ihnen gestern mitgeteilt hatte, zu überraschen.

Gotthard hatte die Verse zu Hause seinen Geschwistern so lange vorgesagt, bis die Kinder sie auswendig wußten, um die Freude noch vollständiger zu machen, hatte ihnen die Mutter eine alte Kirchenmelodie gelernt, die recht gut auf die Worte paßte und den Kindern leicht ins Gehör fiel. Das war denn ein großer Jubel, als sie morgens ihren Freund Martin mit dem Gesange überraschen konnten. Der gute Mann versprach ihnen hierauf als Belohnung ihres Fleißes und Geschicklichkeit auf kommenden Neujahrstag eine weitere Vorstellung auf dem Krippelein, nebst einer lehrreichen Geschichte dazu.

Die Kinder waren äußerst begierig, was wohl wieder kommen werde, und nachdem der bezeichnete Tag herangekommen, stellten sie sich erwartungsvoll bei ihrem Freunde ein. Und siehe da, beim lieblichen Schimmer der Morgensonne, die ihre Strahlen durch das Fenster der Zelle warf, erblickten die Kinder ein neues Bildchen. An der Stelle, wo früher der Stall und die Krippe gestanden, sah man jetzt ein prächtiges Münster mit herrlichen Säulen und Schmuckwerk im Inneren die ehrwürdigen Gestalten Marias und Josefs, wie sie das Christkindlein dem Herrn im Tempel darbrachten; neben ihnen standen andächtig der weise Greis Simeon und die fromme Anna. – Auf den Bergen und Felsweglein erblickte man die Einwohner von Jerusalem und Bethlehem, wie sie in allerlei Geschäften sich herumtrieben: Da war zum Beispiel zu sehen ein Mädchen mit einem Korbe, in dem es Eier und Butter in die Stadt trug; dort ein anderes beschäftigt am Brunnen Wasser zu holen – hier stand eine Bettlerin mit ihrem Kinde, Vorübergehende, um einen Almosen anzusprechen, und auf dem selbigen Gebirge, wo Hirsch und Reh liefen, hatte ein Jäger mit der Armbrust Posto gefaßt, eben im Begriff, den tödlichen Pfeil auf eines der Tiere loszuschnellen. – Die Kinder konnten sich nicht satt sehen, nicht genug sich verwundern über die Mannigfaltigkeit der Schönheit. Zuletzt entdeckte Klärchen noch gar die heiligen Drei Könige im Hintergrunde, wie sie von fernen Meeresstrand herankamen, und mit vielen Dienern und Lasttieren über das Gebirge daherzogen um das Christkindlein aufzusuchen.

Nach genügsamer Betrachtung all dieser Einzelheiten lenkte Bruder Martin die Aufmerksamkeit der Beschauer wiederum auf die Hauptvorstellung: die Darstellung im Tempel, und schickte sich an, ihnen die Geschichte ausführlich zu erzählen.

Sehet, liebe Kinder, sprach er, nach dem Gesetze Moses mußten alle Eltern ihre erstgeborenen Knäblein Gott im Tempel darbringen, auf dass sie geheiligt würden. Dabei war es gebräuchlich, dass die Reichen ein Lamm, die Ärmeren ein paar junge Tauben opferten. Diesem Gebote folgten auch Josef und Maria. Sie trugen das kleine Jesuskind nach Jerusalem auf den Tempel und brachten das übliche Opfer. Zu jener Zeit aber lebte ein Mann in dieser Stadt mit Namen Simeon. Derselbe war fromm und gottesfürchtig und wartete voll des heiligen Geistes mit Sehnsucht auf die Ankunft des göttlichen Erlösers. Es war ihm geoffenbart, dass er den Tod nicht sehen solle, bevor er Christum den Herrn mit Augen gesehen hätte.

Während Maria und Josef mit dem Kinde im Tempel verweilten, kam Simeon aus göttlichem Antriebe auch in den Tempel. Als der fromme Greis das Kind Jesu erblickte, nahm er es sogleich voll Freude auf die Arme, blickte gen Himmel und rief: Nun lasse mich Herr in Frieden scheiden, denn meine Augen haben den Heiland gesehen; – das Licht der Völker und die Zierde Israels.

Josef und Maria verwunderten sich, dass ein fremder Mann das göttliche Kind erkenne und solche Worte rede. Simeon aber segnete sie und sprach zu Maria: Dieses Kindlein wird Vielen in Israel zum Falle, und Vielen zur Auferstehung gereichen. Es wird ein Zeichen sein zum Widerspruche und Schwert wird durch deine Seele dringen.

Kaum hatte der Greis Simeon seine Weissagung ausgesprochen, so kam Anna herbei, eine 84-jährige Witwe – auch sie pries den Herrn und verkündete wie Simeon laut die Ankunft des Erlösers.

Alles dieses, Schloss Bruder Martin, trug sich mit dem neugeborenen Kindlein zu, dreißig Tage nach seiner Geburt, und Alles, was jene erleuchteten Menschen prophetisch von ihm vorausgesagt hatten, sollte buchstäblich in Erfüllung gehen.

„Lass dich, Jesus, von mir preisen,
Der zu unserem Heil erschien;
Dank und Ehrfurcht zu erweisen,
Bet‘ ich an dich auf den Knie’n!
Heiland, dich als Kind ich grüß‘!
Jesus! Name hold und süß.„

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

Über die Haushaltsitzung für 2025 am 19. Dezember 2024

Die Sitzung hat pünktlich um 17:30 angefangen und es sind erstaunlich wenig Zuschauer dabei gewesen. Womöglich wollen alle auf dem Hieronymus nachlesen.

Die Rede von unserem Bürgermeister Patrick Haas

17:49 Uhr startete der CDU Fraktionssprecher, Markus Leichenauer, mit seiner Rede.

Hier die Rede der CDU Hüfingen:

17:58 dann die SPD Fraktionssprecherin, Kerstin Skodell, mit ihrer Rede zum Haushalt und um 18:06 Reinhard Isak mit der Rede zu den Stadtwerken.

Hier die Rede der SPD Fraktionssprecherin

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Haas, sehr geehrte Herren Amtsleiter, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats!

„Gemeinsam sind wir stark“

„Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.“ – Dieses Zitat von Mahatma Gandhi erinnert uns eindringlich daran, dass die politischen Entscheidungen, die wir heute treffen, die Lebensqualität und das Miteinander in unserer Stadt Hüfingen von morgen entscheidend beeinflussen. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Der vergangene Sommer hat mit der Kommunal- und Bürgermeisterwahl 2024 für Hüfingen einen echten Neustart signalisiert. Wir haben nun die Chance, gemeinsam die Entwicklung unserer Stadt so zu gestalten, dass sich weitestgehend alle alle Bürgerinnen und Bürger mitgenommen fühlen und hier gerne leben. Doch damit verbunden ist viel Arbeit – Arbeit für unseren neuen Bürgermeister, für die Verwaltung und für uns alle im Gemeinderat. Ein Zusammenfinden auf Augenhöhe, klare Zielsetzungen, Transparenz und das Schaffen von gegenseitigem Vertrauen: Das sind für uns die zentralen Voraussetzungen, um kommunale Politik nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten.

Als SPD-Fraktion sehen wir uns auf einem guten Weg, um Hüfingen in diesen schwierigen innenpolitischen wie weltpolitischen Zeiten bestmöglich aufzustellen. Natürlich können wir auf globale Entwicklungen nur begrenzt einwirken. Aber wir können und müssen auf lokaler Ebene verantwortungsvolle und zukunftsweisende Entwicklungs- und Finanzpolitik betreiben.

Zum Ergebnishaushalt:
Wir können ein Gesamtergebnis mit einem Gewinn von nahezu 70.000 Euro verzeichnen. Unsere Rücklagen belaufen sich auf erfreuliche 13,4 Millionen Euro. Die Gewerbesteuereinnahmen bleiben bis jetzt noch stabil, der Anteil der Einkommenssteuer steigt leicht an. Als finanzschwache Gemeinde im Sinne des Finanzausgleichsgesetzes profitieren wir zudem von entsprechenden Schlüsselzuweisungen, was zu Gesamteinnahmen von rund 11,4 Millionen Euro führt – ein erneuter Anstieg gegenüber 2024.

Die Zinserträge in Höhe von rund 313.000 Euro bleiben zwar ernüchternd, aber auf diesem Niveau wohl stabil. Trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen bestätigt die Stadt Hüfingen ihre gute finanzielle Grundausstattung. Die Personalkosten steigen überwiegend aufgrund tariflicher Anpassungen. Hier ist hervorzuheben, dass wir wieder junge Menschen für eine Ausbildung in der Stadtverwaltung gewinnen konnten. Unsere langjährigen, erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein hohes Gut; sie tragen wesentlich dazu bei, Wissen weiterzugeben und junge Fachkräfte zu integrieren.

Bildung und Kinderbetreuung sind für uns als SPD-Fraktion seit Jahren ein zentrales Anliegen. Die aktuelle Bedarfsplanung zeigt, dass in der Kernstadt Handlungsbedarf bei der Kinderbetreuung besteht. Unsere Schulen sind grundsätzlich gut aufgestellt, aber wir dürfen nicht nachlassen, an Qualitätsverbesserungen zu arbeiten und die Bildungsinfrastruktur an die Anforderungen der Zukunft anzupassen.

Der Gemeinderat hat sich bei der letzten Klausurtagung unter anderem ein Ziel deutlich gemacht: Eine bürgernahe Stadtentwicklung. Was bedeutet das konkret? Es geht um ein neues Bürgerhaus, in dem soziale Angebote durch eine Stabstelle koordiniert werden. Ehrenamtliches Engagement soll hier eingebunden und gefördert werden. Bürgerinnen und Bürger möchten wir in diesen Prozess einbinden, um gemeinsam ein Leuchtturmprojekt zu entwickeln, das unser Miteinander stärkt. Wir stehen am Anfang dieser Entwicklung, und dieser Anfang wird auch mit finanziellen Aufwendungen verbunden sein, die wir alle gemeinsam tragen müssen.

Die SPD-Fraktion wird diesen Weg unterstützend begleiten, denn wir setzen uns bereits seit Jahren für folgende Punkte ein:

  1. Ein Mehrgenerationenhaus zu schaffen: Ein Ort des Austauschs, der Begegnung und der gegenseitigen Unterstützung.
  2. Die offene Jugendarbeit weiter auszubauen: Unsere Jugend ist die Zukunft unserer Stadt. Gerade in unsicheren Zeiten dürfen wir sie nicht allein lassen. Unsere Vereine leisten hier wertvolle Arbeit. Doch wir wissen, dass es auch Jugendliche gibt, die anderweitige Unterstützung benötigen. Hier muss die Stadt handeln.
  3. Wohnraum für junge Familien fördern: Wir sollten städtische Anreize schaffen, um jungen Familien den Verbleib in Hüfingen zu ermöglichen. Dies ist von zentraler Bedeutung, um die Attraktivität unserer Stadt zu erhalten und zu steigern.

Neben diesen zentralen Themen halten wir das Investitionsvolumen von knapp 7,9 Millionen Euro für sinnvoll. Damit können wir wichtige Projekte und Sanierungsmaßnahmen voranbringen. An erster Stelle steht der Anbau des Feuerwehrgebäudes mit rund 1,5 Millionen Euro. Auch der gezielte Erwerb von Grundstücken ist für eine vorausschauende kommunale Entwicklung entscheidend.

Die geplante Einlage ins Eigenkapital der Stadtwerke für das Familienbad Aquari halten wir hingegen für überflüssig und nicht zielführend. Wir weisen in den Stadtwerken eine Eigenkapitalquote aus, nach der sich viele Firmen die Finger lecken würden. Es fragt sich deshalb wieso die zum derzeitigen Zeitpunkt um über 1 Mio. aus dem Haushalt erhöht werden soll. Es macht doch finanzwirtschaftlich Sinn, weiter benötigtes Investitionskapital den Stadtwerken aus dem Hoheitshaushalts als Darlehen zur Verfügung zu stellen und damit selbst Zinsen zu erwirtschaften, anstatt eine Einlage ins Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Hier wünschen wir uns eine kritische Prüfung der Notwendigkeit und der langfristigen Effekte auf die städtischen Finanzen.

Insgesamt können wir von einem soliden Haushalt ausgehen, der weiterhin Spielräume für zukunftsweisende Investitionen bietet – und das ohne die Aufnahme neuer Kredite. Hüfingen ist seit 2013 schuldenfrei, und wir freuen uns, dass dies auch so bleibt. Das gibt uns die Freiheit, gestaltend tätig zu werden und optimistisch in die Zukunft von Hüfingen zu blicken.

Wir wissen, sehr geehrter Herr Bürgermeister Haas, dass Sie mit Ihrem Tatendrang, Ihrer Kompetenz und im engen Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung einen wesentlichen Beitrag leisten werden, um diese Entwicklung moderat, aber entschlossen voranzubringen. Das ist eine Mammutaufgabe, für die wir Ihnen schon jetzt danken – ebenso wie für die vergangenen Monate des Aufbruchs und der bereits spürbaren Veränderungen.

Unser Dank gilt der gesamten Mitarbeiterschaft mit den verantwortlichen im Hauptamt, Rechnungsamt und Bauamt. Meine Herren Amtsleiter, bitte geben Sie unseren Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt weiter – denn nur gemeinsam sind wir stark. 

Wir freuen uns auf 2025 mit ihnen liebe Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat. Die letzten Monate haben gezeigt, dass es auch miteinander geht. Das bereitet Freude und macht neugierig auf das, was kommen wird. Bleiben sie gesund und voller Tatendrang, damit wir weiterhin in lebendiger und fairer Gemeinderatsarbeit unsere Stadt für die Bürgerinnen und Bürger gestalten können.

Kerstin Skodell, Fraktionsvorsitzende



18:12 startete der Fraktionssprecher vom Freien Forum und um 18:22 die LBU mit Peter Albert.

Hier die Rede der LBU Hüfingen

Haushaltsrede zur Verabschiedung des Haushalts 2025

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats,
werte Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher,
liebe Bürgerinnen und Bürger

Haushaltsberatungen haben mit ihren Entscheidungen nicht nur Einfluss auf ein umfangreiches Zahlenwerk, sondern spiegeln in ihren Ergebnissen vor allem den politischen Willen der Mitglieder des Gemeinderates und der Verwaltung. Wir von der LBU wollen die nun folgenden Vorhaben als für unsere Bürger:innen so wichtig und weiterführend ansehen, dass sie jetzt und in den künftigen Beratungen der folgenden Jahre Berücksichtigung im Zahlenwerk der Haushaltspläne finden müssen, soweit sie nicht schon jetzt dort verankert sind.

Wir setzen folgende Schwerpunkte:

Das Trinkwasser ist unser höchstes Gut. Seine Verfügbarkeit und Qualität ist von überragendem Wert. Ich hatte in der Vergangenheit im Gremium diesbezüglich mehrfach auf das Sondergebiet Palmhof in Bräunlingen im Zusammenhang mit der Nitratbelastung hingewiesen. Der Brandfall auf dem Palmhof hat eindrücklich gezeigt, wie fragil unsere Versorgung ist.

Die erhöhten Nitratwerte und die daraus resultierende neuerliche Einstufung als Problemgebiet ist kein gutes Zeichen. Wir müssen hier gemeinsam nach nachhaltigen Lösungen suchen.

Nach wie vor gibt es im Städtedreieck keine ausreichende Vernetzung des Rohrleitungssystems. Gerade in einem Havariefall stünden wir vor großen Problemen!

Die Verwaltung unter Bürgermeister Kollmeier wurde vom Gemeinderat deshalb angehalten, mit Donaueschingen im Zusammenhang mit einer dortigen neuen Bohrung in Kontakt zu treten, um die Lücke auch nach Donaueschingen endlich zu schließen. Von Bräunlingen aus können wir in Sachen Wasserlieferungen jedenfalls keine große Hilfe erwarten.

Verkehr ist kein Zufall, er muss politisch gesteuert und reguliert werden, wenn er die Bürger:innen durch Abgase oder Lärm, zu sehr belastet, sodass ein angenehmer Einkaufsbummel oder das Flanieren im Zentrum nicht mehr möglich ist. Wie überall ist auch hier der Klimawandel eine besondere Herausforderung. Es führt kein Weg daran vorbei, auch einst bewährte Konzepte zu überdenken und Routinen zu verändern.

Damit dieser Wandel nicht von den Bürger:innen als Freiheitsverlust empfunden wird, müssen Alternativen geschaffen werden. Das beginnt beim Fahrradweg an den Straßen, bei den E-Ladestationen in der Stadt oder besseren Bahnanbindungen im ländlichen Raum und endet möglicherweise bei der Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone, die die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und damit den Kaufanreiz erhöht. Wenn alle bei Amazon oder an der Peripherie einkaufen, verliert das Zentrum immer mehr an Qualität. Falls deshalb die Urbanität verloren geht, schwindet auch der touristische Reiz. Hier sollten aus unserer Sicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Das Beispiel Schaffhauser Straße hat uns verdeutlicht, dass die Kfz-Fahrbahn viel zu breit und der gemeinsame Fuß- und Radweg zu schmal und nicht gesetzeskonform sind. Der Fuß- und Radweg entsprach bereits bei der Fertigstellung nicht der Norm und endet abrupt an der Ochsengasse. Um die Verkehrssicherheit in diesem Bereich zu erhöhen, benötigen wird dort eine sichere Radwegeinfädelung vom Fahrradweg auf die Fahrbahn der Hauptstraße. Das ist eine dringende Maßnahme, die keinen Aufschub duldet.

Damit die Fuß- und Radwege nicht nur in der Schaffhauser Straße fast täglich von Pkw`s zugeparkt werden, ist eine Kontrolle unbedingt erforderlich.

Der Ausbau des Radwegenetzes im Rahmen des schon lange angedachten Verkehrskonzeptes Hüfingen – im Einklang mit dem Städtedreieck – muss endlich angegangen werden. Als Beispiel möchte ich hier die völlig unzureichende und gefährliche Verkehrssituation des Schulwegs bei der Feldwegbrücke an der Hohenstraße anführen. Wir sollten dort einen zweiten Brückenschlag für den Rad- und Fußverkehr, so wie über die Breg bei der Leonhards Kapelle ins Auge fassen. Mehrere Fördertöpfe stehen für Maßnahmen wie die Erarbeitung eines Konzeptes oder den Bau von Radwegen und Brücken zur Verfügung. Herr Bürgermeister Haas, wie schon mehrfach erwähnt, steht Herr Wahl vom Büro Trans- Rapp hier gerne zur Verfügung.

Ein wichtiger positiver Schritt war die Umsetzung der 4. Stufe des Lärmaktionsplanes und die Einführung von Tempo 30. Jetzt heißt es, die im Gremium beschlossenen flankierenden Maßnahmen 2025 auch zügig umzusetzen, da sich viele motorisierte Verkehrsteilnehmer nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit halten.

Gesundheitsversorgung und Wohnen im Alter

In Donaueschingen gibt es einen Hausarzt, der über 4000 Patienten betreut, darunter viele auch aus Hüfingen. Wenn dieser Arzt ausfällt, was voraussichtlich bald geschehen könnte, wird die Gesundheitsversorgung von heute auf morgen äußerst schwierig werden. Kein Hausarzt mehr vor Ort: Das ist in einigen Gegenden Deutschlands schon Realität.

Wer krank wird, will möglichst schnell und in der Nähe ärztliche Hilfe – ohne lange Wege oder endlose Wartezeiten. Ein Hausarzt im selben Wohnviertel oder eine Kinderärztin in der Nähe von Schule oder Kita wünschen sich viele. Die Realität sieht aber oft ganz anders aus: Gerade in ländlichen Regionen oder in strukturschwachen Gebieten fehlen viele Haus- und Kinderärzte. Wer einen Facharzttermin braucht, wartet schon mal wochenlang. Wir sollten daher gemeinsam ein Ärztehaus aufbauen und Wohnraum für junge Ärzt:innen bereit stellen. Eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden wäre zwar wünschenswert, ist aber keine Bedingung.

Die LBU könnte sich auch eine Angliederung eines Generationenhauses in unmittelbarer Nähe zu solch einer zukunftsweisenden Einrichtung durchaus vorstellen. Die Friedensstraße wäre für einen solchen Standort geradezu prädestiniert.

Förderung der Jugendarbeit

Viele Familien und Alleinerziehende würden sich über eine umfangreichere städtisch geförderte Ferienbetreuung sehr freuen. Wir sollten hier alles in unserer Macht stehende versuchen, um die momentane zeitliche Lücke zu schließen. Die fünf Ferienwochen sind aus unserer Sicht nicht ausreichend, da die Eltern in der Regel berufstätig sind. Im Rahmen der Jugendarbeit wäre die Schaffung eines Jugendgemeinderats

sehr wünschenswert. Bei der Gastronomie für Jugendliche hat sich glücklicherweise im Löwen eine erste Möglichkeit ergeben.

Mindestens ein sogenanntes Leuchtturmprojekt in der Hauptstraße (Innenstadt)

Die vielen Leerstände in der Haupt- und Donaueschinger Straße sind besorgniserregend und erfordern seitens der Stadt eine ähnliche Kraftanstrengung wie seinerzeit die Sanierung der Hinterstadt unter Bürgermeister Gilly. Daher möchten wir zu einem gemeinsamen Leuchtturmprojekt anstoßen. Dies könnte zum Beispiel eine Bücherei für Erwachsene mit einem angeschlossenen Inklusions – Bistro sein. Das ist aber nur „eine“ Anregung. Es freut uns, dass die Verwaltung unseren Hinweis in Sachen der Raumnot des Stadtmuseums aufgegriffen hat.

Um Abhilfe in Sachen Platzmangel im Rathaus zu schaffen, sollte die ehemalige Gutmann`sche Scheune im Süßen Winkel und das Nachbargebäude ausgebaut werden, die sich bereits im Eigentum der Stadt befinden.

Ab einer Einwohnerzahl von 8000 besteht für eine Kommune die Möglichkeit die untere Baurechtsbehörde einzurichten. So könnten zukünftig die Bauanträge im eigenen Rathaus selbst bearbeitet werden.

In Hüfingen fehlt es an Übernachtungsmöglichkeiten, nicht nur für den Tourismus. Das Hotel Frank an der Donaueschinger Straße hat vor Jahren geschlossen. Ein früheres Hotelneubauprojekt an der Donaueschinger Straße auf dem heutigen Aldi Areal scheiterte vor geraumer Zeit. Wir sollten versuchen, das Hotel Frank unter neuer Regie wieder zum Leben zu erwecken. Der Standort beim Bahnhof wäre dafür ideal.

Sorge für die betagten Bürger:innen

In der Kernstadt hat Hüfingen ein architektonisches Schmuckstück. Es ist das katholische Pfarrhaus – übrigens ein Haus von Franz Joseph Salzmann, dem Fürstenbergischen Baumeister des Archivs und der Hofbibliothek.

Dies wäre ein idealer Ort für altersgerechte Wohneinheiten in der Innenstadt in Kooperation mit der katholischen Kirche und möglicherweise mit der Stiftung.

Solche Projekte wurden anderorts schon mit großem Erfolg umgesetzt. Damit könnte im Rahmen der Umwandlung auch ein Modell mit einer CO 2-armen Energieversorgung geschaffen werden, das Nachahmer findet.

Klimaziele und erneuerbare Energie

Ein sehr guter Ansatz ist und bleibt das Naturschutz-Großprojekt Baar.

Wir wurden in der letzten Gemeinderatssitzung über die Fortschreibung genauestens informiert. Es muss dringend im Interesse der nachkommenden Generationen fortgeführt werden.

Ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Erreichung der Klimaziele ist die Kommunale Wärmeplanung. Unsere Nachbarstädte sind uns bei diesem Thema bereits vorausgegangen. Wir sollten hier baldmöglichst nachziehen und ein geeignetes Büro mit den Planungen beauftragen. Professor Burger vom Fraunhofer Institut in Freiburg wird uns sicher auf diesem Weg begleiten. Die nötigen Gelder sind im Haushalt dankenswerterweise eingestellt worden.

Die Errichtung von PV-Freiflächenanlagen finden wir zukunftsweisend. Um bei der Bevölkerung auf breite Unterstützung zu stoßen, wäre eine Beteiligung der Bürgerschaft von Vorteil. Warum nicht in Form einer Energiegenossenschaft?

Hüfingen sollte mittelfristig auch versuchen, Abwärme aus Abwasser auf unserer Gemarkung zu nutzen. Der Bereich bei der Schächerkapelle wäre hierzu ideal, da dort auch die Abwärme anderer Ortschaften mit nutzbar gemacht werden könnte.

Zum Haushaltsplan

Die LBU stimmt dem Haushaltsentwurf und dem Wirtschaftsplan gerne zu.

Herzlichen Dank für die Aufstellung des Haushalts- und Wirtschaftsplanes 2025 an Herrn Binninger und sein Team.

Wir bedanken uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauptamtes, der Kämmerei und des Bauamtes für die geleistete Arbeit in diesem Jahr.

Zum Schluss sagen wir herzlichen Dank an unsere Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat für die Zusammenarbeit.

Dank auch an die gesamte Verwaltung und Herrn Bürgermeister Patrick Haas.

Wir wünschen allen ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins neue Jahr.

Peter Albert (LBU Hüfingen)



Am Schluß gab es noch ein großes Danke an unseren Bürgermeister von allen Gemeinderäten.

Schon einmal hatte ich von einer Baaremer Zeitenwende gesprochen. Patrick Haas hat diese in einem halben Jahr vollführt. Dieser Gemeinderat hat mit dem Gemeinderat von vor einem Jahr überhaupt nichts mehr gemeinsam. Dies liegt aber sicher auch an der neuen CDU mit ihrem Fraktionsvorsitzenden.

Anstatt andere Meinungen brutalst möglichst platt zu machen und den dazugehörigen Menschen klein zu stauchen, gibt es nun einen wertschätzenden Umgang miteinander. Man spricht offen und mit Respekt!

An dieser Stelle auch mein Dankeschön an unseren Bürgermeister Patrick Haas und die gesamte CDU Fraktion mit Markus Leichenauer und natürlich die schon immer von mir sehr geschätzte SPD mit der Fraktionsvorsitzenden Kerstin Skodell.

Von mir gibts keinen Blumenstrauß sondern ein paar Schlossrollen

Mein Kommentar zum Haushalt 2025

Ich habe auch bisschen gelesen aber hatte nicht so viel Zeit, wie ich wollte. Das bisschen dazu von mir gibt es deshalb hier am Schluss.

Meine erste Suche war nach der Hundesteuer da unsere Nachbarstädte wieder erhöht haben. Aber zum Glück ist dies nicht in Hüfingen passiert.

Hier mal unsere wesentlichen Gebührensätze:

Das mit der Grundsteuer hatte ich ja schon bei der Gemeinderatssitzung dazu erklärt und für alle die es nicht lesen wollen den banalen Satz hier aufgestellt:
Kramt den Bescheid vom Finanzamt raus und multipliziert den Steuermessbetrag bei einem Grundstück mit Haus mal 4,42 und beim Flurstück vom Garten/Acker mit 3,61.

Dann habe ich nach dem schrecklichen Bürgerdialog geschaut für den der letzte Bürgermeister jedes Jahr viel Geld ausgeben hatte – im Herbst 2023 allein 38.046,10 € . Unter „Bürgerdialog“ (der auf 0 gesetzt wurde) gibt es jetzt eine neue Kostenstelle für 2025 und da steht „Gesamtstädtisches Entwicklungskonzept“ für 35.000 €. Da bin ich mal gespannt, Konzept kann ja nie schaden.

Den Haushalt gibt es hier: huefingen-sitzungsdienst

Ich freue mich über Kommentare!

Johann Nepomuk Heinemanns „Hieronymus“

Johann Nepomuk Heinemann

aktualisierte Version, Original vom 07. Februar 2020

Ein Angehöriger des Hüfinger Künstlerkreises war „Muckle“, der Lithograph Johann Nepomuk Heinemann (30.05.1817 – 22.02.1902).

Selbstportrait

Verheiratet war er mit Elisabeth Reich (15.12.1819- 24.06.1871) der Tochter von Luzian Reich der Ältere (07.01.1787 – 18.12.1866) und somit der Schwester von Lucian Reich dem Jüngeren (26.02.1817 – 02.07.1900 ).

Die Schwäger Lucian Reich und Johann Nepomuk Heinemann haben zusammen vier Bücher herausgebracht: Den Hieronymus, die Wanderblühten, die Insel Mainau und Bruder Martin.

Hier will ich die Lithographien von Johann Nepomuk Heinemann aus dem Hieronymus, die er „mit Feder auf Stein gezeichnet“ hat, vorstellen. Die erste Litographie von der Ruine Zindelstein ist nur in der Erstausgabe von 1853 vorhanden. In späteren Nachdrucken wurde dieses vergessen.

s‘ chunt alles jung und neu und alles schlicht
im Alter zu, und alles nimmt en End,
und nüt stoht still. Hörsch nit, wie ’s Wasser ruuscht,
und siehsch am Himmel obe Stern an Stern?
Me meint, vo alle rühr si kein, und doch
ruckt alles witers, alles chunnt und goht.
>Johann Peter Hebel

„geb dir Gott e glücklich Jahr und freudige Sinne!“
>Johann Peter Hebel

„Es isch en Engel usem Paradies
u Mutterliebi heißt si schöne Amme.“
>Johann Peter Hebel

„Sie ziehn di uf, und lehre di laufe,
gen der n freudige Sinn u zeige der nüzlige Sache“
>Johann Peter Hebel

„und jez göhnt in d’Schul –
fall mer keis, gent achtig u lehret was menich ufgit!“
>Johann Peter Hebel

„Kennst du auch die goldene Zeit
Mit den frommen Kinderträumen
Ach sie darf nicht lange träumen
Ihre Heimath liegt gar weit“
>A. Schreiber

„Sie lüte weger s‘ Zeiche scho
der Pfarrer, schint’s, well zitli cho.“
>Johann Peter Hebel

So hüt di vorem böse Ding
s’bringt nume Weh und Ach‘
Wenn’s Sunntig isch se bet und sing
Am Werchtig schaff di Sach.
>Johann Peter Hebel

„So sprechen die Kinder und drücken sich schnell,
Da zeigt sich vor ihnen ein alter Gesell:
Nur stille Kind! Kinderlein, stille!“
>Goethe

„E freie frohe Muth
e gsund und frölich Blut
goht über Geld und Guth.“
>Johann Peter Hebel

Es chunnt e chuele Abedluft,
und an de Halme hangt der Duft
denckmol, mer göhn jez an alsgmach
im stille Frieden unter Dach!
>Johann Peter Hebel

Ruhig Gewissen, eigner Herd
Ist Gott und aller Ehren werth.
>Johann Peter Hebel

„Siehsch des ordelig Städtli
mit sine Fenstern und Gieble,“
>Johann Peter Hebel

„De freudig Stündli
isch’s nit e Fündli?“
>Johann Peter Hebel

„E freude Stund e guti Stund,
s‘ erhaltet Lib und Lebe gsund,
doch muß es in der Ordnig goh,
sust het me Schand und Leid dervo.
>Johann Peter Hebel

„s‘ lauft so Waar jez gnueg im Land, wo bettlen und stehle,
Schere-Schlifer, Hafe-Binder, alti Soldate,
Säge-Feiler, Zeinemacher, anderi Strolche.“
>Johann Peter Hebel

Willchumm Herr Storch! bisch au scho do,
und schmecksch im Weiher d’Frösche scho?
und meinsch der Winter heig si Sach,
und’s besser Wetter chöm alsgmach?
>Johann Peter Hebel

Vetter Hans Zerg, s’dunneret, s’dunneret ehnen am Rhi-Strom,
und es git e Wetter! I wott, es zög si vorüber.
>Johann Peter Hebel

Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte
Jeder: da wär’s ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu sein.
> Goethe

„Drunter ischs und drüber gange was me cha sage.
Menge brave Ma hets nime chönne prästiere,
het si Sach verlohren und Hunger glitten und bettlet.
>Johann Peter Hebel

„O wie chlopft der di Herz, wie lüpft si di flatterig Halstuch,
und wie stigt der d’Röthi jez in die lieblige Backe,
wie am Himmel s’Morgeroth am duftige Maitag“
>Johann Peter Hebel

„Zum frohe Sinn, zum freie Muth,
und Heimet zu schmeckt alles gut.“
>Johann Peter Hebel

Schlof wohl, schlof wohl im chüele Bett!
De ligsch zwor hert uf Sand und Chies;
doch spürts din müede Rucke nit.
Schlof sanft und wohl!
>Johann Peter Hebel
ist aus den Wanderblühten 2020 mit rein gerutscht aber ich lasse es hier jetzt stehen

Und chunt zur Zit e Biderma,
ans Füür, und zündet ’s Pfifli a,
und setzt si nänmen ane mit,
se schmeks em wohl, un – brenn di nit!
>Johann Peter Hebel

„Erhalt mer Gott mi Friedli!!
>Johann Peter Hebel

Hüfingen, 24. Febr. Heute wird der älteste Mann von hier zu Grabe getragen, der 85jährige Litograph und Photograph Johannes Nepemuck Heinemann. Er war nicht nur der älteste, sondern auch wohl einer der brävsten und tüchtigsten hießigen Bürger, bei einer gewissen Wohlhabenheit doch immer ein Muster edelster Einfachheit und altbürgerlicher Bescheidenheit. Wie rührend konnte er oft erzählen von der guten alten Zeit, und bitter klagen über die Maßlosen Ansprüche der heutigen Zeit, besonders der Jugend. Mit Heinemann ist ein Künstler von Gottes Gnaden gestorben, bekannt und geschätzt weit über die Baar hinaus. Der alte Fürst war sein liebevoller Gönner. Um nur einen Beweis seines künstlerischen Könnens anzuführen, sei hier erinnert an die Prächtigen Illustrationen in Luzian Reich’s „Hieronymus“. Sie sind eine der schönsten Arbeiten Heinemanns, leider nur zuwenig bekannt. Heinemann ist gestorben, ohne eigentlich krank gewesen zu sein, infolge von Altersschwäche im Vollbesitz der Geistesfrische bis zur letzten Stunde. Versehen mit den hl. Sterbesakramenten ist er in die Ewigkeit gegangen, um beim lieben Gott nun auszuruhen von einem langen, frommen, arbeitsreichen Leben.

5 Jahre Hieronymus – in tempore mutationis

Liebe Hüfingerinnen, liebe Hüfinger,

Achtung dies ist ein Jahresendbettelbrief!

Im Sommer 2019 habe ich den Hieronymus gegründet, der erste Blogeintrag war am 19.07.2019.
Seit da hat sich viel verändert. Ursprünglich aus Frust über eine unehrliche Zeitung gegründet ist über die Jahre mehr entstanden als ein rein politischer Blog einer rebellierenden Fraktion.

Obwohl ich mich immer um größtmögliche Transparenz bemüht hatte, gab es die verrücktesten Gerüchte und Behauptungen auf die ich nicht näher eingehen will.
Was heute wohl jeder weiß: Der Hieronymus-online ist mein ganz persönliches Steckenpferd und wird von keiner Partei finanziert noch unterstützt. – Das Gegenteil ist der Fall.

In den letzten 5 Jahren hat sich der Hieronymus immer wieder gewandelt und all das hätte ohne Euch nicht funktioniert. Deswegen bedanke ich mich bei allen Mitstreitern – Ihr habt durch Eure Beiträge, Überlegungen und auch Kritik den Hieronymus mit Leben gefüllt!

Dankeschön!

Ich habe überlegt was für mich das Schönste in den letzten 5 Jahre war und kam auf das Konzert mit Tanja Futter und Thomas Heinsohn in St. Verena und Gallus. Weswegen ich es hier extra noch einmal erwähne.

So, dann kommen wir zu meinem Steckenpferd, dem Hieronymus. Das Finanzamt bezeichnet ein Steckenpferd als Liebhaberei – man könnte es Neudeutsch auch als Hobby bezeichnen, also ein Hobby das Geld kostet. Eine Webpage braucht nämlich zu allererst mal Speicherplatz, einen sogenannten „Host“, natürlich einen Namen, der registriert sein muss und dann muss auch der „Traffic“ (die verschiedenen Besucher in einem Zeitraum) bezahlt werden.

Der Hieronymus hat (Stichtag 24.11.2024) 851 Beiträge, 4.907 Bilder, 1.134 Kommentare, 246 Audios, 105 Videos und 64 Dokumente gespeichert. Der Traffic ist recht unterschiedlich, aber bewegt sich zwischen 4.000 und 10.000 Besuchern im Monat.

Es ist so, dass dies alles dem großen, weiten www nicht entgangen ist. „Traffic“ bedeutet nämlich „Klicks“, Kommerz und Geld. Deswegen blinkt bei anderen, kommerziellen, Seiten überall Werbung auf. Eine weitere Möglichkeit Geld zu verdienen ist „Content“. Man bekommt hier Anfragen was es kosten würde einen Artikel auf seiner Webpage zu platzieren. Dieser „Content“ soll dann die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser auf sich ziehen. Eure Aufmerksamkeit ist Geld wert! Eine andere Möglichkeit ist eine sogenannte „Paywall“, hier bekommen nur der bezahlende Gast Einblick in den Inhalt einer Seite.

Ich habe mich für eine barrierefreie Seite entschieden.
Das bedeutet keine Werbung, kein bezahlter Inhalt und auch keine Bezahlung für Artikel.

Womit wir wieder bei der Liebhaberei sind.

Jeder der mich kennt weiß, dass mir neben dem Hieronymus die Natur von Hüfingen wichtig ist. Unten ist der Artikel über die Freunde der Natur, die wir 2021 wieder gegründet haben.
– Auch auf Basis vom Hieronymus.

Die Freund der Natur Hüfingen e.V. sind als gemeinnützig vom Finanzamt anerkannt und beim Amtsgericht Freiburg in das Vereinsregister unter der Nummer VR 703285 eingetragen, die Steuernummer ist 22101/42953. Spenden und Mitgliedsbeiträge können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Wenn im Betreff die Adresse angegeben wird, dann schicke ich im Januar einen Spendenbescheid.

Freunde der Natur e.V.
DE11 6945 0065 0151 0739 22
SOLADES1VSS
Sparkasse Schwarzwald-Baar

Ich bitte Euch heute und hier um Spenden für den Verein Freunde der Natur Hüfingen e.V.

Die Freunde der Natur Hüfingen vertreten die Natur und Landschaft auf der Baar und stehen für Bürgerbeteiligung.  Die Freunde der Natur Hüfingen bilden mit den Mitgliedern eine basisdemokratisch organisierte Ehrenamtsorganisation. 

Zur Wiedergründung der Freunde der Natur am 7. August 2021

Ein alter Briefkopf zeigt Hüfingen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Pflanzungen der Freunde der Natur.

Treibende Kraft der Freunde der Natur waren und Luzian Reich senior  (7.01.1787 in Bad Dürrheim – 18.12.1866), Maria Josefa Reich (Schelble) (18.03.1788 -12.11.1866) und ihr Bruder Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789 – 7.08.1837 in Hüfingen).

Johann Nepomuk Schelble war auch Gründer und Direktor des Cäcilienvereins in Frankfurt a. M. und Hofsänger in Wien. Seine Schwester Josefa war mit Luzian Reich senior verheiratet und alle gehörten dem Hüfinger Künstlerkreis  an.

Luzian Reich senior und Maria Josefa Schelble 1865

Zu den Unterstützern der Freunde der Natur Hüfingen gehörte auch der damaligen Stadtrat Heinemann. Vermutlich war dieser Stadtrat Heinemann der Vater von Johann Nepomuk Heinemann, der später Elisabeth Reich heiratete und zusammen mit Lucian Reich den Hieronymus verfasst hat.

Das Staatsarchiv Freiburg hat einige Unterlagen über die Freunde der Natur Hüfingen, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.

Der Verein Freunde der Natur Hüfingen war weit über die Landesgrenzen bekannt. Zu seinen Unterstützern zählten auch Johann Wenzel Kalliwoda, dem Hofkapellmeister am Hoftheater Donaueschingen und Salomon Gugenheim aus der Schweiz. Johann Wenzel Kalliwoda hatte 1853 für Lucian Reich im Bruder Martin ein Weihnachtslied geschrieben:
https://hieronymus-online.de/der-heilige-weihnachtsabend-und-das-krippelein/

Spendenliste Freunde der Natur etwa 1820 (Staatsarchiv Freiburg)

Der Verein Freund der Natur Hüfingen vor der Nistkästenpflege auf der Jungviehweide im Herbst 2024

https://www.freunde-der-natur-huefingen.de/

Bebauungspläne, NGP, Kindergärten, Stegle, Essen in der LRS und Schulhof in Mundelfingen

Die Unterlagen gibt es wie immer hier: https://huefingensitzungsdienst

Hier geht es um die Sitzung am 12. Dezember 2024

Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik

Der Bauantrag 50/2024 ist besonders interessant, weil ein Besitzer auf Hohen II um die Befreiung vom Bebauungsplan ersucht hat. Die Familie möchte gerne einen „Stahlzaun“ mit einer Höhe von 1,80 m bis 2,00 m auf ca. 35 m errichten. Über den Bebauungsplan auf Hohen II hatte ich mich schon 2022 hier lustig gemacht. Es ist ja so, dass auf dem Hohen II jeder macht was er möchte aber nur bei den „Dummen“, die einen Bauantrag stellen, der Bebauungsplan auch durchgedrückt wird. Ich bin richtig gespannt, wie der neue Gemeinderat zur Realisierung des Bebauungsplanes steht.
Ob sich in Zukunft auch andere Besitzer in Hüfingen an Bebauungspläne halten müssen?
Und was geschieht mit den in der Vergangenheit errichteten „illegalen Bauwerken“?

18:48 Die Gemeinderäte sind sich einig, dass dem Bebauungsplan gefolgt werden soll. Der Bebauungsplan hatte ja damals einen Sinn. Es gab auch den Vorschlag, dass der GR mal eine kleine Exkursion auf den Hohen macht.

Übrigens: Es wurde einmal vom Gemeinderat genehmigt, wegen eines verhaltenskreativen Kindes das gerne spazieren geht, aber ich glaube das wurde dann irgendwie anders gelöst.

Die anderen TOPs vom Ausschuss sind eine neue Dachgaupe in Fürstenberg, eine Garage an der Hochstraße, Werbetafeln vom Lidl und die Errichtung eines schmucken Bürogebäudes neben der Feuerwehr im Gewerbegebiet Ziegeleschle.

Geplantes dreigeschossiges Bürogebäude im Ziegeleschle für ca. 40 Mitarbeiter.

Auch hier fällt uns der irrsinnige Bebauungsplan wieder auf die Füße, da die Befreiung von den „Festsetzungen des Bebauungsplans“ wegen Überschreitung der Firsthöhe um 2,0m (12,0m anstatt 10,0m) beantragt werden muss.

Vielleicht mag ja der neue Bürgermeister und Gemeinderat unsere engstirnigen, aus der Zeit gefallenen, Bebauungsvorschriften modernisieren?

Eine kleine Anekdote aus 2020:

Für das zu planende Wohngebiet in Fürstenberg fragte der Ortsvorsteher den damaligen Bürgermeister warum denn sogar die Farben der Häuser vorgeschrieben seien. Die Antwort war:
„Wollen Sie etwa bunte Häuser?„

Öffentliche Gemeinderatssitzung ab 19:00 Uhr

TOP 4
Naturschutzgroßprojekt Baar (NGP Baar)

Maßnahme am Südhang des Fürstenberges vom Naturschutzgroßprojektes Baar (NGP-Baar)

Der Gemeinderat hat 2016 festgelegt, dass die im Kalenderjahr anstehenden Maßnahmen des NGP Baar in Hüfingen vorgestellt und zur Umsetzung beschlossen werden.

Die geplanten Maßnahmen in 2025 sind auf der Jungviehweide in Mundelfingen die Neupflanzung von ca. 40 Obstbäume und Erziehungsschnitte an den vorhandenen Obstbäumen.
Im Fördergebiet Riedseen sollen Kleinstgewässer angelegt werden und die Optimierung der Flachwasserzonen erfolgen. Die Einrichtung einer Beweidung und Zaunbau ist für auch für 2025 oder 2026 geplant.

Fördergebiet mit erworbenen Grundstücken bei Fürstenberg.

Lage und Größe der Fördergebiete des NGP auf dem Gebiet der Stadt Hüfingen mit beabsichtigtem Zaunbau am Riedsee.

TOP 5
Beschlussfassung zur örtlichen Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen in der Stadt Hüfingen 2025

Das Thema Kinderbetreuung ist nicht nur komplex, sondern auch sehr schnellen Änderungen unterworfen. Ich möchte hier nur die Liste der Betreuungsplätze in Hüfingen rein und bitte um Kommentare, falls jemand Anmerkungen hierzu hat.

Betreuung Kinder 0 bis 3 Jahre

Betreuung Kinder 3 bis 6 Jahre in Kindergärten und Kitas


„Wir haben genug Betreuungsplätze für unsere Kinder“ war eine der ersten Aussage, die mich persönlich ziemlich überrascht hat. Lediglich in der Kernstadt sei eine Unterdeckung im U3 Bereich, aber es geht noch. Der Bürgermeister sagte: „Wir sind auf Kante genäht, aber es funktioniert.“ Wir brauchen erst mal keinen Neubau, da es momentan keinen Bedarf und auch keinen passenden Stadtort gibt.

Noch eine Neuerung hat mich überrascht: Von der CDU durfte dieses Mal die Fachfrau sprechen. Sehr schön!

Der Gemeinderat und der Bürgermeister wollen langfristig über einen Naturkindergarten auch in der Kernstadt nachdenken. Dann ist der Kindergarten in Fürstenberg sicher, auch wenn unter 12 Kinder dort angemeldet sind. Diese Richtlinie soll bei Gelegenheit überarbeitet und aufgelöst werden.

TOP 6
Erschließung Neubaugebiet „Im Stegle“ in Hausen vor Wald
a) Vorstellung der Erschließungsplanung
b) Beschluss über eine mögliche Bauabschnittsbildung
c) Beschluss zur Ausschreibung der Tiefbau- und Straßenarbeiten

Wer sich hier genauer interessiert, die Unterlagen gibt es auf der Seite der Stadt hier unter Stegle:

https://www.huefingen.de/de/Wirtschaft-Bauen/Bauen-in-Huefingen/Bebauungsplaene/Rechtskraeftige-Bebauungsplaene


Hier blockiert momentan das Regierungspräsidium in Freiburg, da ein Hochwasserrisiko bestände. Deswegen müsse eine „Überflutungsvorsorge“ getroffen werden, also ein Starkregen mit eingerechnet werden. Deswegen wird eventueller Starkregen um das Neubaugebiet herum geleitet.

Insgesamt sollen über den Bebauungsplan auf einer gesamten Geltungsbereichsfläche von
2,17 ha 26 Wohnbaugrundstücke planungsrechtlich ausgewiesen werden. Die resultierende
und zur Vermarktung anstehende Nettobauplatzfläche beläuft sich auf ca. 11.400 m².

Die Ortsvorsteherin meint, der Ortschaftsrat von Hausen möchte, dass das Neubaugebiet in Abschnitte unterteilt wird, da momentan nicht so viele Grundstücke benötigt werden. Die CDU ist der Meinung, dass gleich alles erschlossen wird, auch da die Bauplätze für die Tiny-Häuser im 2. Bauabschnitt lägen. Die SPD schließt sich dem Ortschaftsrat an. Die anderen Gemeinderäte sind unterschiedlicher Meinung. Die Verwaltung bevorzugt auch zwei Bauabschnitte und findet 26 Bauplätze zu viel für eine Ortschaft in der Größe von Hausen. Elf Bauplätze würden erst mal genug sein und wenn man irgendwann mehr braucht, dann kann man jederzeit den Rest erschließen.

14 Stadträte sind für eine Bauabschnittsplanung und 6 dagegen. Es werden also erst nur 11 Bauplätze erschlossen.

TOP7
Änderung der Satzung über die Erhebung einer Tourismusabgabe (Tourismusabgabesatzung)

Hier wird von der Verwaltung eine Erhöhung von 50 Cent vorgeschlagen. Also Erwachsene sollen ab nächstes Jahr 2 € und Kinder 1 € Tourismusabgabe entrichten.

TOP8
Festlegung Essenspreis für die Lucian-Reich-Schule Hüfingen ab 2025

Einige Familien der Schülerinnen und Schüler der LRS forderten von der Schulleitung die Teilnahme an der gemeinsamen Mensaverpflegung freizustellen und beschwerten sich über die Qualität des Mittagessens. Deswegen wurde, bis auf die „Ganztagskinder“ der Grundschule, die Teilnahme frei gestellt.
Das Schuljahr 2023/24 hat gezeigt, dass die Essenzahlen durch die Freiwilligkeit der Teilnahme ab Klasse 5 insgesamt um ca. 1/3 zurückgegangen sind. Wurden im Schuljahr 2022/23 noch rund 45.500 Essen in der Mensa ausgegeben, waren es im Schuljahr 2023/24 nur noch 31.161 Essen.

Kostendeckende Essenspreise würden zu folgenden Preisen führen:
Grundschüler (Klassen 1 bis 4) 6,30 €/Essen
Sekundarstufe (Klassen 5 bis 10) und Lehrkräfte 6,50 €/Essen

Die Essenspreise sollen also angepasst werden. Die Verwaltung schlägt vor

Grundschüler (Klassen 1 bis 4) 4,90 €/Essen
Sekundarstufe (Klassen 5 bis 10) 5,10 € und Lehrkräfte 6,50 €/Essen

CDU bemängelt, dass das Essen aus Rheine in NRW geliefert wird und einige Eltern sind mit der Qualität nicht zufrieden. Es soll versucht werden einen regionalen Anbieter oder Alternativen zu finden.

CDU schlägt vor:

Grundschüler (Klassen 1 bis 4) 4,50 €/Essen
Sekundarstufe (Klassen 5 bis 10) 4,80 € und Lehrkräfte 6,50 €/Essen

SPD will auch lieber einen regionalen Anbieter. Geschmack, Qualität und Frische soll in Zukunft im Mittelpunkt stehen. SPD schlägt vor:

Grundschüler (Klassen 1 bis 4) 4,50 €/Essen
Sekundarstufe (Klassen 5 bis 10) 4,80 € und Lehrkräfte 7 €/Essen

Das Freie Forum und LBU möchten gerne einen „Fleischzusatzpreis“ von einem Euro, da sonst das Fleisch von den „Nichtfleischessern“ subventioniert wird. Andere Schulen in der Region würden das schon so machen.

Der Vorschlag der SPD wurde mehrheitlich angenommen

Grundschüler (Klassen 1 bis 4) 4,50 €/Essen
Sekundarstufe (Klassen 5 bis 10) 4,80 € und Lehrkräfte 7 €/Essen

Alle sind sich einig, einen regionalen Anbieter zu finden – es wurden einige Vorschläge gemacht. Auch muss man da wissen, dass regionale Qualität sicher nicht günstiger wird.

TOP9
Schulhofneugestaltung Mundelfingen

Die Schulhofumbauarbeiten beinhalten das Umsetzen der Tischtennisplatte, ein Gartenschrank zur Spielgerätelagerung, 2 neue Kletteranlagen auf einem Fallschutzbelag, ein aufgemaltes Hüpfspiel, sowie ein aufgezeichnetes Fußballfeld mit 2 Kleinspielfeldtoren und einem seitlichen Ballfangzaun. Auch eine neue Liegefläche auf einem Holzdeck und ein Pflanzbeet wird geschaffen.

Mit was sich die Kinder des Kohlenbrenners Christoph beschäftigen,

und wie sie den Bruder Martin zuweilen besuchen.


Christoph, der Kohlebrenner hatte mehrere Kinder, welche oft zu dem freundlichen Waldbruder in seine Felsenwohnung kamen. Besonders geschah dies zur Winterszeit, wo die Kinder nicht wie im Sommer im Wald und Feld beschäftigt waren; denn alle, das Kleinste ausgenommen, waren beflissen, ihren Eltern bei der Sorge für den täglichen Lebensunterhalt getreulich an die Hand zu gehen.

Gotthard, der älteste Knabe, war stets der Gehilfe des Vaters auf dem Kohlplatz im Walde. Ein kleines hölzernes Hüttlein war ihre Wohnung, wo sie ihre Suppe kochten und nachts je einer von ihnen der Ruhe genoß, während der andere draußen bei dem brennenden Meiler die Wache hielt, um fleißig zu schüren und acht zu haben, dass der Haufe nicht in Flammen gerate, weil alsdann das Holz, statt langsam zu verkohlen, in Asche verwandelt würde.

Das war denn für den jungen Gotthard eine Lust, wenn er in stiller Nacht beim glühenden Meiler stand, über ihm das endlose Heer der Sterne und alles rund umher, so geheimnisvoll und lautlos, und nur das Wasser rauschte im fernen Waldthale.

In solchen Augenblicken wurde das Herz des Jünglings oft wunderbar bewegt, und Worte und Sprüche kommen ihm in den Sinn, die er von Bruder Martin oder sonst gehört hatte. Fast unbewußt lispelte dann sein Mund die Worte:

„Wenn ich, o Schöpfer Deine Macht,
Die Weisheit Deiner Wege,
Die Liebe, die für alle wacht,
Anbetend überlege:
So weiß ich von Verwundrung voll,
Nicht wie ich Dich erheben soll,
Mein Gott, Mein Herr und Schöpfer.“

Und wenn nach treu durchwachter Nacht der erste Strahl des Lichtes die Dämmerung verscheuchte, so unterließ der junge Köhler nie, sein andächtiges Morgengebet zu sprechen. Während Gotthard also im Walde seine Geschäfte betrieb, half Christine, die ältere Schwester auf andere Art den ihrigen das tägliche Brot verdienen.

An die heimatliche Waldgegend stieß eine große weite Ebene, in welcher viele Bauern hausten, die so viel Korn und Gerste pflanzten, dass sie zur Erntezeit mit den eigenen Leuten nicht ausreichten und fremde Schnitter und Schnitterinnen brauchten, die ihnen das Getreide schneiden und unters Dach bringen helfen mußten. In diese Gegend nun zog auch Christine, wo sie als fleißige Schnitterin Dienste tat, und Klärchen, ihr jüngeres Schwesterlein, begleitete sie, um dort mit Ährenlesen sich zu beschäftigen.

Unter Segnungen und Ermahnungen wurden die beiden Mädchen jedes Mal von der Mutter entlassen, wenn sie von Hause weg in die Ebene, zu den Bauern zogen.

Frühe vor Tag, beim ersten Hahnenschrei, zogen sie alsdann dort hinaus mit dem übrigen Gesinde auf die Kornfelder; und während Christine mit den Anderen rüstig die Sichel handhabte, oder die Frucht in Garben binden half, folgte Klärchen mit ihrem Säcklein hinten nach, die verzettelten, liegengebliebenen Ähren aufzulesen; und wenn nach heißem Vormittag die Schnittersleute rings im Schatten eines Baumes sich gelagert hatten, um ihr Mittagsmahl einzunehmen, wurde jedes Mal das fleißige Kind herbeigerufen und zu Gaste geladen.

Nach vollbrachter Tagesmühe, wenn der Mond und sein Begleiter, der liebliche Abendstern, bereits die laue Sommernacht bestrahlten, zogen sie unter munteren Gesängen heim in die Dörfer und Höfe ihrer Dienstherren, wo die warme Suppe oder das Habermuß für die Heimgekommenen schon auf dem Tische dampfte. Auch hier durfte die Kleine wieder bei den anderen Platz nehmen und nach Belieben zugreifen; aber nie geschah dieses, ohne vorher ein andächtiges Tischgebet gesprochen zu haben. Ebenso auch beim Schlafengehen, wenn beide noch so schläfrig und müde in die finstere Kammer kamen, unterließ die Ältere nie, mit der kleinen Schwester ihr Sprüchlein herzusagen.

Nach der Erntezeit, wenn die Schwalben und Störche sich zum Wegzuge rüsteten, wanderten auch die beiden Schwestern wieder ihrer Heimat zu. Christine mit ihrem wohlverdienten Lohn in der Tasche und Klärchen mit einem Sack voll Lesefrucht, dessen größte Hälfte oft noch vom Bruder auf einem Karren abgeholt werden mußte.

Später, wenn schon kalte Winterstürme über die toten, schneebedeckten Fluren sausten und Alle Arbeit in Feld und Wald einstellten, besuchten die Kinder fast täglich den Bruder Martin. Als sie nach längerer Zeit wieder einmal dahin kamen, um zum Ersten Mal den Bären erblickten, wie dieser behaglich ausgestreckt vor dem Eingang der Hütte lag, fürchteten sich die Kleinen und wollten wieder umkehren. Wolfgang, der Jüngste unter den Geschwistern, schrie und lärmte aus Leibeskräften, so dass Bruder Martin schleunigst herbeikam, um zu sehen, was vorgefallen sei. – Er ging den Kindern entgegen und führte sie in die Zelle, wo sie bald mit Bläß so vertraut wurden, dass sie mit ihm, wie mit einem Pudel, spielen und allerlei Possen treiben durften.

Die Klause des Waldbruders war überhaupt der Lieblingsaufenthalt der Kinder. Es war auch gar kurzweilig bei dem guten Altvater. Nicht nur die Kinder fühlten sich heimisch bei ihm, auch die scheuen Tiere des Waldes fanden sich angelockt, in seiner Nähe zu kommen. – Es schien, als verbreite der stille Gottesfriede in der Umgebung des heiligen Mannes seine gewinnbringende Macht auch auf die wilden Bewohner der Wildnis.

Gar lustig war es anzusehen, wenn morgens früh die Vögelein dicht geschaart in den Zweigen der Eiche über der Felsenzelle saßen, und wie dann beim Heraustreten des Waldbruders alle zumal mit großem Geschrei um ihn herum flatterten und das Frühstück forderten, welches er ihnen gewöhnlich zu bringen pflegte. – Im Winter, wenn Bäche und Bächlein zugefroren, kamen in kalten, mondhellen Nächten oft ganze Rudel Hochwild, Hirsche und Rehe aus den Wäldern um an dem Brünnlein vor der Hütte ihren Durst zu löschen, oder das Wischlein Heu wegzuschmausen, welches der Bruder für sie hingeworfen hatte.

Manchen Tieren behagte es so sehr in Martins Klause, dass sie für immer daselbst ihre Wohnung aufschlugen. Oben im Dache zum Beispiel hatte sich ein paar wilde Tauben eingenistet. Im Inneren leistete ein zahmes Eichhörnchen dem heiligen Bruder beständig Gesellschaft und belustigte ihn durch seine Sprünge. Und wenn er ausging, so setzte sich das mutwillige Tierlein in die Kapuze seines härenen Gewandes und machte keck den Spaziergang mit.

Nebst solcher Kurzweil fanden die Kinder auch sonst noch allerlei nützlichen Unterricht bei ihrem Freunde. Nicht nur im Lesen und Schreiben unterwies er sie. Auch im Strohflechten und anderen Handarbeiten machte er ihr Lehrer. – Das Liebste jedoch war den Kleinen, wenn er ihnen erzählte: von Kain und Abel, vom ägyptischen Joseph, vom Hirtenknabe David, von Daniel in der Löwengrube und anderen biblischen Geschichten.

Die größte Freude verursachte ihnen aber die Art und Weise, wie der freundliche Altvater sie am heiligen Weihnachtsfeste überraschte.

Es war dies ein sogenanntes Kripplein, oder eine bildliche Weihnachtsvorstellung.

Einige Wochen vor der heiligen Weihnachtszeit hatte Martin seine Freunde in dem Kloster besucht und dort einen alten Mönch kennengelernt, welcher in der Bildhauer und Malerkunst wohl erfahren war. Dieser Meister hatte unserem Bruder als Beweis seiner besonderen Zuneigung verschiedene schöne, hübsch bemalte Figürchen, die heilige Familie und mehr anderes vorstellend, zum Geschenke gemacht. Bruder Martin hatte sich vorgenommen, dieselben zur Freude und anmutigen Belehrung der Kinder in passenden Gruppen in seiner Zelle aufzustellen. – Kaum konnten die Kinder die Zeit erwarten, wo die Herrlichkeiten alle enthüllt und ihnen gezeigt werden sollten. – Klärchen und Wolfgang zählten Tage und Stunden bis zum heiligen Tag, – denn bis dahin hatte der gute Martin sie zu vertrösten gesucht.

Mit Hilfe des Kohlbrenners Christof hatte Martin eine nischenförmige Vertiefung in die Wand seiner Zelle gemeißelt und aus Moos und Rinde eine artige Landschaft hineingebaut. Ein malerisches Gebirge mit einer Hütte, im Hintergrund eine Stadt mit vielen Türmen. In dieser Berglandschaft, welche das Heilige Land vorstellen sollte, wurden die Figürchen postiert und befestigt. Der heilige Tag nahte heran. Die Kinder konnten vor Freude und Erwartung die ganze Nacht vorher kein Auge zutun, und das kleine Klärchen fragte alle Augenblicke die Mutter, ob denn das Christkind noch nicht komme und warum es so lange nicht morgen sei.

Am Heiligen Abend begaben sich die Kinder, begleitet von ihren Eltern, zu Bruder Martin: was sie jedoch dort Freudiges sahen und hörten, soll im nächsten Kapitel ausführlich dargestellt und erzählt werden.

„Deines Heiles mich zu freuen,
Laß mein Herz dein eigen sein;
Heiland, Dir will ich es weihen,
Ewig, ewig sey es Dein!
Komm‘ und bringe uns den Frieden,
Den Du Jenen hast beschieden,
Die da guten Willens sind;
Komm zu uns, O göttlich Kind!„

Fortsetzung hier:

Übersicht hier:

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