Da der Gemeinderat den Naturschutz als obsolet und kostenintensiv abgeschafft hat, möchte ich mal auflisten was uns die Zerstörung unserer Natur die letzten Jahre so alles gekostet hat und weiter kosten wird.
Ein großer Posten ist die Entwässerung vom Ziegeleschle mit 1.524.000 Euro. Wobei das sogar noch unterschätzt ist, da hier die Sanierung vom Kennerbach und auch an der Schaffhauser Straße nicht dabei sind.
Kosten RÜB
Dann die vielen RÜB (Regenüberlaufbecken). RÜB sind ein zentraler Bestandteil der Siedlungsentwässerung und spielen eine wichtige Rolle im Schutz gegen sogenannte Spitzenabflüsse. Sie puffern Niederschlagsmengen, entlasten kurzfristig die Kanalisation und es wird behauptet die trügen zum Gewässerschutz bei. Was die tun, ist unsere Häuser vor Hochwasser schützen. Ja, ist natürlich ganz toll für uns, möchte ich nicht abstreiten. Es wäre den Politikern aber ziemlich egal, wenn euer Keller mit Wasser und Fäkalien voll laufen, aber der ganze Dreck geht dann irgendwann in die Kanalisation und würde dort Schaden anrichten. Deswegen behaupten die es sei Gewässerschutz. Somit gehören dann diese RÜB zu den Pflichtausgaben beim angeblichen Naturschutz.
RÜB für Neubaugebiet
Diese Kosten werden im Haushalt kleinteilig mehr oder weniger versteckt. Aber es gibt natürlich in jeder Ortschaft mehrere dieser Dinger. So zwei neue in Fürstenberg, eins in Behla und eins in Sumpfohren. Man kann locker von ner halben Million ausgehen, was allein die Anschaffung von einem RÜB kostet. Aber wie man sieht, rechnet man beim Strom mit 26.000 Euro im Jahr – jedes Jahr!
Was diese RÜB übrigens auch nebenher tun, ist das Regenwasser davon abzuhalten unser Grundwasser aufzufüllen. Also der Regen kommt von der versiegelten Fläche in die RÜB und in die Kanalisation, von wo aus das ganze Wasser direkt in die Breg geleitet wird. Wir spülen also das Trinkwasser der nächsten Generation die Donau runter.
Was so als Investition gewertet wird
Wenn ich schon bei Kanälen bin: Der Regenwasserkanal von Fürstenberg nach Hondingen ist mit 164.000 Euro natürlich eine super Investition. Immerhin spart es Strom, da das Wasser nicht in die Breg gepumpt werden muss, sondern in die Aitrach läuft. Die Schifffahrt hats nötig. Vermutlich gilt dies auch als Naturschutz.
Karl Merz wurde am 3. Januar 1890 in Unterbaldingen geboren und ist am 10. März 1970 in Donaueschingen gestorben.
Alte Donaubrücke Pfohren 1921
Alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg 1937
1937 Pfohren
An der Donau bei Neudingen 1929
Im Rathaus in Pfohren hängen die alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg und auch der Blick über die Baar von 1937.
Karl Merz machte nach der Schule eine Lehre bei einem Dekorationsmaler und besuchte danach die Karlsruher Kunstgewerbeschule . Von 1909 an war er Schüler unter anderem der Professoren Landenberger und Pötzelberger an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart *.
Mühlengasse in Pfohren von Karl Merz 1936
Im ersten Weltkrieg war Karl Merz an der Front für die Donaumonarchie in Mazedonien, Serbien und Galizien. Mehrfach war er als Kriegsmaler abkommandiert. In den Inflationsjahren verdiente er sich sein Brot vor allem als Porträtmaler in der nahen Schweiz, in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Schaffhausen. Auch in Bad Dürrheim fand der Bauernsohn aus der Ostbaar zahlreiche Porträtaufträge. *
1920 kehrte Karl Merz in seine Heimat zurück und gründete mit Karl Bartels und Hans Schroedter die Künstlergruppe „Maler und Bildhauer Oberbadens“.
Im zweiten Weltkrieg war Karl Merz zum Luftschutzwarndienst eingezogen, tat eineinhalb Jahre in Blumberg Dienst bei der Gendarmerie und wurde im letzten Kriegsjahr erneut zur Wehrmacht einberufen. *
Schellenberg von Karl Merz 1956
Seine Werke mit der Baaremer Landschaften fanden nie den Weg in die Museen der großen Städte, sondern mehr in Rat- und Gasthäuser, sowie ungezählten Bürgerhäusern und Bauernstuben auf der Baar.
In Donaueschingen war im im August 2024 eine kleine Ausstellung im blauen Rathaus und dort waren auch zwei Bilder von Karl Merz ausgestellt. Diese zwei Bilder sind ein Gemälde von Titisee mit dem Feldberg und das Trachtenbild mit der Frau seines Neffen, Ursula Merz.
Schwenninger, Villinger und Donaueschinger Tracht. In Villinger Tracht Ursula Merz.
Gretle und Hansel, Donaueschingen von 1950
Der Bruder von Karl Merz war Eugen Merz. Eugen Merz sein Sohn war der in Villingen berühmte Schemmenschnitzer Manfred Merz. Die Dame in Villinger Tracht oben ist Ursula Merz, die Frau des Schemmenschnitzers Manfred Merz. Ursula Merz wurde nach dem Tod ihres Mannes von weitläufiger Familie enterbt und in ein Pflegeheim abgeschoben wo sie 2018 verarmt und einsam starb.
Postkarte von Andreas Weißhaar aus den Kommentaren unten. Das Ölgemälde von 1929 befindet sich irgendwo im Besitz der Stadt Hüfingen.
Foto aus dem Jahr 1953
Allmendshofen Kirchplatz
Auf der Insel Hüfingen
Hasewäldle Hüfingen
Härlefalle Hüfingen
Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund
Bregspiegel Hüfingen
An der Breg Hüfingen
*Infos von einem Zeitungsschnipsels von Lorenz Honold etwa 1980
Keine Wegverlegung in die Biberauen am Höllenstein!
Das Mühlöschle ist heute mit einem Gewerbegebiet überbaut
In Hüfingen konnte die Besiedelung schon im Endneolithikum nachgewiesen werden. Diese Zeit ist ca. 2800–2200 v. Chr. und bezeichnet die jüngste, neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ gleichgesetzt. Siehe auch Fürstenberg und Ziegeleschle.
Es gab schon vor dreitausend Jahren um die Breg recht viele Menschen. (Unten ist der Artikel aus dem Gräberfeld im Mühlöschle. ) Die Seemühle wird am 1. März 1291 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Menschen konnten sich nachweislich seit dreitausend Jahren frei zwischen der Seemühle, dem Höllenstein, dem Rotrain und dem Ziegeleschle bewegen.
Im Jahr 1820 hat Fürst Karl Egon mit Hofrath Anton Baur und zusammen mit Freunden der Natur den Weg ausgebaut und einen neuen Steg über die Breg zum Römerbad gebaut. (Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845). Dies war nötig, da es zum einen an der Breg entlang gefährlich war, aber man auch einen Steg benötigte, um auf die andere Seite zu gelangen. Vermutlich war dort auch früher schon ein Steg, da die Menschen vom Mühlöschle in das Ziegelöschle mussten. Unser Alt-Bürgermeister, Anton Knapp, hat diesen Steg wieder bauen lassen. (Bregbrücke).
Heute wird der Weg von vielen Hüfingerinnen und Hüfingern als Naherholungsgebiet genutzt. In den Auen vom alten Mühlenbach, Steinerbächle und Höllenstein leben mindestens zwei Biber und es ist nicht nur ein Biotop, sondern zählt auch als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet).
Wir wollen ein Wegerecht für alle auf den Wegen wie sie seit 3000 Jahren bestehen!
Ein Gräberfeld im Mühlöschle aus der Bronzezeit
8. August 2022
Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden, die von den römischen Anlagen nicht gestört worden waren.
Die Urnenfelderkultur bestand etwa von 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr. in der Urnenfelderzeit. Der Bestattungsritus (Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und die Beisetzung des Leichenbrandes in Urnen) ist durch weitere Kriterien, wie typische Bronze- und Keramikformen, definiert. Die Urnenfelderkultur folgt der Hügelgräberkultur der mittleren Bronzezeit.
Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle Foto: Karl Schweizer
Grab 1 lag unter dem westlichen Graben der römischen Straße in etwa 1,20 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche, Grab 2 lag in 80 cm Tiefe. *
Beide Gräber durften zusammen mit einer Bronzenadel, die während der Grabung 1957 als Einzelfund geborgen wurde, der Beweis dafür sein, dass sich in der Breg-Schleife, die später von der römischen Siedlung eingenommen wurde, ein urnenfeldzeitliches Gräberfeld befunden hat. *
Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle Foto: Karl Schweizer
Beide Gräber waren echte Urnenflachgräber ohne weitere erkennbare Grabanlage, bei denen sämtliche Beigefäße und sonstigen Grabbeigaben innerhalb der Urne auf dem Leichenbrand niedergelegt waren.*
Hier eine Liste der Funde von Edward Sangmeister:
Liste der Funde aus Grab 1 (1)
Urne und Beigefäße der Urnenfeldgräber im Mühlöschle (2)
Liste der Funde aus Grab 2 (1)
Beide Gräber seien Musterbeispiele für die gegenseitige Durchdringung der untermainisch-schwäbischen und der rheinsch-schweizeischen Gruppe im Gebiet des Hegaus.
Die Kegelhalsurne aus Grab 1 tendiert gerade wegen ihres Kegelhalses zur untermainisch-schwäbischen Gruppe während in der Verzierung die Halbbuckel, vielleicht auch die Reihe stehender schraffierter Dreiecke auf die rheinisch-schweizerische Gruppe hindeuten.
kammstrichverzierter Schulterbecher (1,2), kannelurenverzierter Schulterbecher (3), flache Deckschale mit Innenverzierung aus Kanneluren (4), Kegelhalsurne (5),
Schalen und Schüsseln mit schwach gewölbter Wandung
Ganz eindeutig zur untermainisch-schwäbischen Gruppe dürfte die Amphore gehören.
Aufgrund der Keramik ist eher an eine Zugehörigkeit beider Gräber zur rheinisch-schweizerischen Gruppe zu denken, während nur in den Urnen und in der Amphore der Einfluß der untermainisch-schwäbischen Gruppe zu spüren ist.
Urne bei der Ausgrabung 1958
Foto: Karl Schweizer
bronzene Mohnkopfnadel (2), schwalbenschwanzförmiger Anhänger (6a), Anhänger in Kammform mit blitzähnlichen Auswüchsen am Aufhängering (6b),
Eine Begegnung zwischen den Kulturen am Rande der Baar wird durch den Einzelfund der Mohnkopfnadel vom Bereich des ehemaligen Urnengräberfeldes Hüfingen deutlich, mag sie doch belegen, dass hier der Friedhof vielleicht schon in dieser Stufe begann.
Wir befinden uns in einer Zone des Austauschs von Kulturelementen, der in der schwierigen Deutung der letzten Bronzezeiterscheinungen schon faßbar, in der Auseinandersetzung der untermainisch-schwäbischen und der rheinisch-schweizerischen Gruppe der älteren Umenfelderkultur fortgesetzt und in der Vorrangstellung der Schweiz in der jüngeren Urnenfelderkultur besonders deutlich wird. (1)
Edward Sangmeister meinte 1962, dass die Gräber sicher aus Ha A2 seien.
Urnenfeldkultur in Hüfingen
Die Urnenfelderkultur wird in mehrere chronologische Stufen eingeteilt, die als Bronzezeit D, sowie Hallstatt A und B (Ha) bezeichnet werden, da die Unterscheidung zur eisenzeitlichen Hallstattkultur zunächst undeutlich war.
So haben wir hier die späte Hallstattzeit A2. Diese war 1100 v. Chr. bis 1050 v. Chr.
Also sind die Gräber gut 3.000 Jahre alt.
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Grabungen im Mühlöschle 1958. Fotos von Karl Schweizer.
(1) Gräber der Urnenfeldkultur von Hüfingen, Ldkrs. Donaueschingen, Edward Sangmeister, Badische Fundberichte, 22. Jahrgang, Seite 9-13 (1962). Vielen Dank an die Universitätsbibliothek Heidelberg für die digitale Version unter https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0447
(2) Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984.
Familien im ländlichen Raum tragen oft eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung, weil ihre Kinder den öffentlichen Nahverkehr nutzen müssen, um überhaupt eine Schule besuchen zu können. Diese Kosten entstehen besonders dort, wo es keine Schule am eigenen Wohnort gibt oder die Wege zu weit sind. Mit dieser Petition soll diese finanzielle Ungerechtigkeit hinterfragt werden. Fahrten mit dem ÖPNV, die ausschließlich dem Schulbesuch dienen, dürfen für Familien – insbesondere Mehrkindfamilien – keine existenzielle Belastung darstellen. Ein konkretes Beispiel ist der Schwarzwald-Baar-Kreis mit dem Verkehrsverbund „move“. Der Kreistag hat beschlossen, dass ab dem 01.01.2026 die Fahrtkosten für Grundschüler nicht mehr übernommen werden. Dadurch entstehen Familien 45 € Kosten pro Kind und Monat, denn das JugendBW-Ticket ist das einzige verfügbare Ticket. Dieses Ticket ist für junge Erwachsene sinnvoll, aber für Grundschüler völlig überdimensioniert – sie müssen lediglich in den Nachbarort zur Schule fahren. Trotzdem bietet „move“ kein preisgünstigeres Ticket an, da Mindereinnahmen befürchtet werden. Damit werden Familien mit Grundschulkindern finanziell belastet, obwohl diese bereits stark unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden. Auch für Schüler weiterführender Schulen ohne Bedarf an bundesweiter Nutzung gibt es keine günstigere Alternative. Innerhalb von 2 Jahren sind durch Ticketpreiserhöhungen Mehrkosten für den ÖPNV von 14,60 € pro Monat und Kind entstanden. Selbst unter Berücksichtigung der Kindergelderhöhung bleibt eine Unterdeckung von 5,60 € pro Monat und Kind – das Leben im Schwarzwald-Baar-Kreis wird für Familien somit spürbar teurer. Zusätzlich hat der Kreistag die 3-Kind-Regelung gestrichen, wodurch Familien ab 2026 für jedes schulpflichtige Kind voll zahlen müssen. Das führt zu folgenden jährlichen Mehrkosten: • 3 Kinder: 540 € • 4 Kinder: 1.080 € • 5 Kinder: 1.620 € • 6 Kinder: 2.160 € Obwohl die Verwaltung selbst aufführt, dass die finanziellen Auswirkungen der 3-Kind-Regelung für den Landkreis „überschaubar“ sind, kann diese Entscheidung für Mehrkindfamilien existenzbedrohend sein. Die Begründung – hoher Verwaltungsaufwand – wäre durch moderne Digitalisierung längst lösbar. Dies stellt eine finanzielle Benachteiligung und faktische Diskriminierung von Mehrkindfamilien dar.
Ziele der Petition
1. Untersuchung, wie Familien im ländlichen Raum bei den ÖPNV-Kosten für den Schulweg finanziell entlastet werden können. Ausarbeitung konkreter Maßnahmen mit Zielzeitvorgabe. 2. Verpflichtung der ÖPNV-Unternehmen – insbesondere im Schwarzwald-Baar-Kreis – spezielle und bezahlbare Tickets für Grundschulkinder anzubieten, mit verbindlichen Höchstpreisen, die sich am Kosten-Leistungs-Verhältnis des „D-Tickets JugendBW“ orientieren. 3. Verpflichtung der ÖPNV-Unternehmen – insbesondere im Schwarzwald-Baar-Kreis – günstige Tickets für Schüler weiterführender Schulen bereitzustellen, die keine bundesweite Nutzung benötigen, ebenfalls mit Maximalpreisgrenzen, die sich am Kosten-Leistungs-Verhältnis des „D-Tickets JugendBW“ orientieren. 4. Prüfung und Umsetzung sozialverträglicher Einsparmaßnahmen im Haushalt des Schwarzwald-Baar-Kreises, die nicht einseitig Familien mit schulpflichtigen Kindern belasten – mit dem Ziel, deren aktuelle Mehrbelastung ganz-oder teilweise zurückzunehmen. 5. Überprüfung der Abschaffung der 3-Kind-Regelung in der Schülerbeförderungskosten-Satzung des Schwarzwald-Baar-Kreises.
Ein Mitglied vom Hüfinger Künstlerkreis war Josef Heinemann, geboren am 29. Dezember 1825 in Hüfingen und gestorben am 2. April 1901 ebenfalls in Hüfingen. Das Grab scheint leider ganz abgeräumt zu sein.
Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt „Muckle“ (1817 – 1902) mit Fes (Das Tragen eines Fes war im Biedermeier ein Zeichen der Gemütlichkeit); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.
Der Vater, Josef Heinemann (18.03.1794 – 31.12.1855) war Naglermeister und Armenhausverwalter. Er war am Bau der Hüfinger Anlage beteiligt und wird in dieser Beziehung mehrfach in den Akten erwähnt: Akte über die Anlage auf dem Rotrain. Die Mutter Katharina Strobel (16.04.1791-20.11.1869) war die Tochter des herrschaftlichen Försters Anton Strobel (1762-02.10.1812) aus Mundelfingen.
Josef Heinemann, hat am 03.11.1857 Maria Josefa Gleichauf (10.02.1828-23.03.1891) in Bonndorf geheiratet. Josefa war eine Schwester von seinem Freund Rudolf Gleichauf und das Paar hatte 7 Kinder.
Josef Heinemann (1825 – 1901) Bleistiftzeichnung von seinem Bruder Nepomuk Heinemann.
Pfarrer Josef Heinemann, Onkel des Malers Josef Heinemann und des Lithographen Nepomuk Heinemann.
Marie Heinemann (1857 – 1948) Gemalt von ihrem Taufpaten und Onkel Josef Heinemann. Mehr zu Marie gibt es im Artikel über das Haus Nober.
Marie und Kätherli (Katharina Heinemann 30.04.1828-27.01.1900. Kätherli war die Schwester von J. Nepomuk und Josef Heinemann) Foto von Johann Nepomuk Heinemann etwa 1868
Großherzog Leopold finanzierte Josef Heinemann ein Stipendium in Höhe von 200 Gulden, das ihm einen Aufenthalt in München ermöglichte. Dort hielten sich damals auch Lucian und Xaver Reich, Rudolf Gleichauf sowie sein Bruder Nepomuk auf. Sein erster Lehrer in München wurde der Akademieprofessor Strählhuber und nach ihm Julius Schnorr von Carolsfeld. Damals arbeitete Schnorr an seinen Darstellungen aus dem Nibelungenbuch. Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:
Mit Jäger, Gießmann und Strähuber, die unter Schnorrs Leitung dessen Nibelungen in der Residenz ausführten, bekannt geworden, beteiligte ich mich regelmäßig an ihren Kegelabenden in einem Privatgarten.
Josephsgeschichte: Jacob schenkt Joseph einen bunten Rock (1850)
Bildnis der Malerin Ida Müller, Freiburg (1841). Heinemann war hier erst 16 Jahre alt.
Xaver Reich, etwa 1850 gezeichnet von Josef Heinemann
In das vielseitige, nach außen hin aber wenig bewegte Leben unseres Frankfurter Aufenthaltes tönten bald auch schrille Mißklänge politischer Geschehnisse. Mit dem Rufe auf der Straße: Die Liberalen stürmen die Hauptwache waren eines Abends die Bewohner der freien Stadt aus ihrer Ruhe und Behaglichkeit geschreckt worden. Es galt, wie bekannt, zunächst den Sitzen der Herrn in der Eschenheimer Gasse. Das über die festgenommenen studentischen Tollköpfe verhängte, jahrelange heimliche Gerichtsverfahren, von dem nur zuweilen ein Schein gleich dem einer Blendlaterne in die Öffentlichkeit drang, war nichts weniger als geeignet, die bundestägliche Justiz populär zu machen. Und als eines Morgens — wir befanden uns just auf dem Wege zum Städelschen Institut — einer dem andern in den Straßen zurief: Sie sind durch heut Nacht! und die Leute in Gruppen vor der Konstablerwache standen und zu den Käfigen hinauf schauten, an welchen die Stricke, an denen sie sich herabgelassen, noch zu sehen waren, und es hieß, draus im Weiher beim Bethmannschen Garten habe man die Fußstapfen der Flüchtlinge entdeckt — da war unter der nach hunderten zählenden Menge gewiß nicht Einer, der ihnen nicht von Herzen glückliche Reise gewünscht hätte. … Nachdem der Sturm sich gelegt, und man in Ruhe sich wieder den Künsten des Friedens zuwenden konnte, hatten wir, ehe wir unser angefangenes Werk fortsetzten, Musterblätter für Schwarzwälder Uhrenschildmaler herauszugeben begonnen, wozu auch Joseph Heinemann und Heinrich Frank Beiträge gaben. … Im Jahr 52 hatte mich der Bau eines andern Kunsttempels wieder in die Residenz geführt, das Hoftheater, an und in welchem es Verschiedenes zu malen gab, wozu auch Joseph Heinemann und Gleichauf berufen wurden und auch mein Bruder mit seinen Terrakotten sich beteiligen sollte.
Josef Heinemann kam danach wieder zurück nach Hüfingen. Hier wurde er berühmt durch die Bilderbibel die er im Auftrag der Herderschen Verlagsbuchhandlung schuf.
Nach dieser Bilderbibel schnitten die Holzschneider die Illustrationen in der Schulbibel für Volksschulen des Freiburger Weihischofs von Dr. Friedrich Justus Knecht, die später von Dr. J. Schuster und G. May neu bearbeitet, in mehreren Diözesen offiziell eingeführt und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Ein Foto einer kolorierten Fassungen ist sogar schon in den Kommentaren auf dem Hieronymus aufgetaucht.
Zu den Arbeiten Josef Heinemanns zählen auch 14 Kreuzwegstationen für die Kirche in Ettlingen, Wandbilder in der Kirche von Ohlsbach und Oberöwisheim und ein Apostelzyklus im Chor und in der Kuppel der Gruftkirche zu Neudingen. Er malte auch die Fresken in der Kapelle des Schlosses Heiligenberg und das Rosenkranzbild für einen Seitenaltar in der Stadtkirche zu Donaueschingen, der im Jahre 1873 aufgestellt wurde. Er zeichnete 1868 die Kartons für die Glasfenster der Donaueschinger Stadtkirche. Im Treppenhaus eines Museums in Donaueschingen war auch mal eine Kohlenzeichnung mit dem Titel: Graf Heinrich zu Fürstenberg nach der siegreichen Schlacht bei Dürnkrut 1278 auf seine Burg Fürstenberg zurückkehrend.
Unten die Biblische Geschichte für Schule und Haus
Biblische Geschichte für Schule und Haus
Die Erschaffung der Welt
Adam und Eva
Kain und Abel
Die Sündflut
Noah geht aus der Arche und opfert
Turmbau zu Babel
Abraham
Joseph wir von seinen Brüdern verkauft
Joseph prüft seine Brüder
Jakobs und Josephs Tod
Der geduldige Job
Moses‘ Geburt
Moses‘ Flucht und Berufung
Die zehn Plagen
Das Osterlamm und der Auszug aus Ägypten
Der Durchgang durch das Rote Meer
Die Wunder in der Wüste
Gott verkündet die zehn Gebote
Das heilige Zelt
Der Hohepriester, die Priester und die Leviten
Moses‘ und Marons Zweifel. Die eherne Schlange.
Der Einzug in das Gelobte Land.
Heli und Samuel
David wird zum Könige gesalbt
Davids Kampf mit dem Riesen Goliath
David, der fromme und gotterleuchtete König
Salomons Gebet und weises Urteil.
Der Bau und die Einweihung des Tempels.
Der Prophet Elias.
Das Opfer des Elias.
Elias wird getötet und beruft den Elisäus. Seine Auffahrt.
Tobias und der Engel Raphael.
Judith
Jeremias
Daniel rettet die keusche Susanna.
Die drei Jünglinge im Feuerofen
Daniel in der Löwengrube
Esther
Die makkabäischen Brüder
Die Verkündung der Geburt des Johannes
Die Verkündung der Geburt Jesu
Mariä Heimsuchung
Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Weisen aus dem Morgenlande
Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr
Der Knabe Jesu im Tempel
Jesu wird von Johannes getrauft
Die Hochzeit zu Kana
Jesus reinigt den Tempel
Jesus und die Samariterin
Jesus lehrt, treibt den Teufel aus und heilt Kranke
Der reiche Fischfang
Die Bergpredigt
Der Erweckung des Jünglings von Raim
Die Büßerin Magdalena
Die Seepredigt
Der Sturm auf dem Meer
Die Tochter des Jairus und das kranke Weib
Jesus vermehrt Brote
Bekenntnis und Vorrang des Petrus. Gewalt der übrigen Apostel
Die Verklärung Jesu
Das Gleichnis vom bamherzigen Samariter
Jesu der gute Hirt
Das Gleichnis vom verlorenen Sohne.
Das Gleichnis von dem reichen Manne und dem armen Lazarus.
Jesu segnet Kinder.
Die Auferweckung des Lazarus.
Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem.
Das Osterlamm und die Fußwaschung.
Jesus sagt den Verrat des Judas, die Flucht der Apostel und die Verleugnung des Petrus vorher.
Jesus am Ölberge.
Jesus wird dem Barabbas nachgesetzt, gegeiselt und gekrönt.
Jesus wird dem Volke vorgestellt und zum Tode verurteilt.
Jesus wird gekeuzigt.
Jesus spricht die sieben letzten Worte und stirbt.
Die Eröffnung der Seite und das Begräbnis Jesu.
Die Auferstehung Jesu.
Die Himmelfahrt Jesu.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Stephanus der erste Märtyrer.
Der Kämmerer aus Äthopien.
Die Bekehrung des Saulus.
Die Taufe des Heiden Kornelius.
das letzte Bild fehlt im Buch. Falls jemand noch ein vollständiges hat, freue ich mich über ein Foto!
Leider wurde die künstlerische Arbeit Josef Heinemanns seit dem Beginn der 1870er Jahre durch den Grünen Star (Glaukom) immer stärker gehemmt. Es zwang ihn schließlich, Pinsel und Stift für immer aus der Hand zu legen. Am 2. April 1901 starb Josef Heinemann in Hüfingen.
Fridolin Heinemann (19.12.1859-4.2.1926) führte später das künstlerische Erbe des Vaters weiter. Er stand als Glasmaler in München in hohem Ansehen. Die Glasgemälde in der Heiliggeistkirche in München und in St. Verena und Gallus in Hüfingen wurden im 2. Weltkrieg zerstört. In der Lorettokapelle ist ein Gemälde von ihm zu finden.
„Madonna“ (laut Chronik von August Vetter 1984 sei das eine Madonna?) in der Lorettokapelle von Fridolin Heinemann.
Spätlese steht hier einmal nicht für Prädikatswein, den man im Badischen bekanntlich »sürpfle, nitt suffe« soll.
Gemeint ist vielmehr das »Spätwerk«, das einer im fortgeschrittenen Seniorenalter abgeliefert hat.
Eigentlich wollte der Autor es ja mit dem Bücherschreiben endlich gut sein lassen, spätestens 2018 mit dem Erscheinen von Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald, dem letzten von insgesamt sechs Bildtextbänden. Doch dann hat sich plötzlich eine neue, ungemein verlockende »Spielwiese« auf-getan: Nach einer Jubiläumsveranstaltung aus Anlass des 200. Geburtstags des Hüfinger Schriftstellers Lucian Reich, bei der ich einen bebilderten Vortrag (»Zwischen Dichtung und Wahrheit – Hieronymus und der Wald«) beisteuerte, war hier der Blog hieronymus-online.de entstanden, in welchem mir eine Kolumne eingeräumt wurde. In ihr sammelten sich Texte zu Themen an, die mir aktuell und mitteilenswert erschienen sind – jeweils wohlwollend aufgenommen und begrüßt, mitunter auch kommentiert von der überaus engagierten Hüfinger Bloggerin, der Naturwissenschaftlerin Dr. Hannah Miriam Jaag. Und irgendwann kam die Idee auf, eine Auswahl aus der Kolumne – sozusagen als »Spätlese« – nun doch auch noch analog in lesbarerer Papierform zu veröffentlichen: ein Sammelsurium teils bereits in Zeitschriften erschienener, teils unveröffentlichter Texte zu mich in meinem Ruhestand umtreibendem Zeitgeschehen. Die meisten kreisen natürlich auch diesmal wieder um Baum, Wald und Landschaft, doch mehr und mehr drängten sich mir auch ganz andere Themen auf, seien es die Auswirkungen des Klimawandels und der Energiewende auf Wald und Landschaft oder persönliche Wertungen von Vorgängen in unserer so krisengeschüttelten Gegenwart. In der sich Großeltern immer öfter die Frage stellt: Werden sich unsere Enkel in dieser Welt wohl noch zurechtfinden und wohlfühlen können?
Es traf sich gut, dass sich in Donaueschingen, unserem Alterssitz, mit Morys Hofbuchhandlung erneut ein Verleger fand, sodass mir der Entschluss leicht gemacht wurde, es doch noch einmal zu versuchen, diesmal nicht mit einem Bildtextband, sondern mit einem bebilderten Lesebuch. An Ermunterungen zu diesem Wagnis hat es nicht gefehlt. Bleibt zu hoffen, dass meine »Spätlese« gehaltvoll, frisch und fruchtig genug, doch nicht gar zu trocken ausgefallen ist und so auch diesmal wieder Leser und Liebhaber finden wird.
Die Buchvorstellung
Am 23. April 2025 in der Stadtbücherei, Donaueschingen.
Wolf Hockenjos wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet
13. Mai 2025 Pressemitteilung aus Donaueschingen
Am Montag, 12. Mai 2025, wurde Wolf Hockenjos im Donaueschinger Rathaus mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung nahm Minister Peter Hauk MdL vom Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor.
Mit der Auszeichnung wird das langjährige, vielseitige und außergewöhnliche Engagement von Wolf Hockenjos gewürdigt. Als Forstmann, Naturschützer, Autor zahlreicher heimatkundlicher und naturwissenschaftlicher Publikationen sowie Mitbegründer und Vorsitzender des Clubs Thurnerspur e.V. hat er über Jahrzehnte hinweg nachhaltige Spuren hinterlassen.
„Wolf Hockenjos steht für eine Haltung, die unser Gemeinwesen stärkt. Er übernimmt Verantwortung und gestaltet im Kleinen wie im Großen unsere Gesellschaft aktiv mit“, sagte Oberbürgermeister Erik Pauly in seiner Begrüßung. „Die Stadt Donaueschingen ist stolz, ihn in ihrer Mitte zu wissen.“
An der Feierstunde nahmen Weggefährten, Vertreter von Umwelt- und Sportverbänden sowie Mitglieder der Familie Hockenjos teil.
Das Bild zeigt bei der feierlichen Veranstaltung im Sitzungssaal des Rathauses (v.l.): den Landtagsabgeordneten Niko Reith, Peter Hauk (Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz), Wolf Hockenjos, Oberbürgermeister Erik Pauly und Manfred Kreutz, Bürgermeister von St. Märgen. (Foto: Martina Bolkart, Stadtverwaltung Donaueschingen)
Der gesamte Hieronymus liegt seit 2023 auch in Textform vor. Vorlage war die von Lucian Reich überarbeitete Auflage, die er zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen konnte und die 1957, von der Heimatzunft Hüfingen als Band XII der Schriftenreihe des Kreises Donaueschingen, unter großem Aufwand von Dr. Johne, veröffentlicht wurde.
Zehntes Kapitel gelesen aus dem Hieronymus von Lucian Reich
“E freie frohe Muth e gsund und frölich Blut goht über Geld und Guth.” >Johann Peter Hebel
Es muß kalt sein, denn wir sehen auf dem Bilde den Stoffel wider Gewohnheit frühe schon von der Jagd heimkehren. Mag aber auch das Alter Ursache haben, vor dem rücksichtslosen Gaste sich zurückzuziehen und Türen und Fenster zu verschließen, so hat doch für die Jugend jegliche Jahreszeit ihre eigenen Freuden: ist es nicht die blühende Rose am Stock, so ist es die Eisblume an der Fensterscheibe.
Nehmen wir einen Sonntagnachmittag. Der Nebel hat das Feld geräumt und die Sonne strahlt glanzvoll über dem weißbepuderten Tannenwald; die Birken und Erlen sehen aus, als kämen sie frisch vom Zuckerbäcker – und in tausend und tausend flimmernden Sternchen glitzert das Schneefeld. – Das ist für die Buben eine Lust, denn jetzt gilt es zu zeigen, wer dort auf der „Schleifer“ des Mühlbachs der Gewandteste und Keckste sei – und die Mädchen am besten zu necken verstehe. – Das waren auch für Hieronymus und seine Kameraden stets um so vergnügtere Tage gewesen, als sie nicht so häufig sind, diese Tage fröhlichen Treibens; denn oft erblickt man in der tief eingeschneiten Landschaft auch nicht ein menschliches Wesen. Nur Raben und Schneegeier flattern über das öde Gefilde, während scharfe Windswehen die Hütten und Höfe mit gewaltigen Schneemassen förmlich in Belagerungszustand versetzen, so daß der Hausvater morgens weder Laden noch Haustüre zu öffnen vermag und genötigt ist, wenn er dem Nachbar einen Besuch machen will, zuerst Minen und Tunnels zu graben.
Wie aber nach dem Ausspruch des Dichters: „Eines schickt sich nicht für alle“, gewisse Dinge in Scherz und Ernst immer nur einem gewissen Alter zukommen, so sahen die herangewachsenen Bürschlein bereits schon eine jüngere Altersklasse lustig auf dem Eis sich tummeln. – Ganz entsagen jedoch konnten sie diesem Vergnügen nicht. War die Schuljugend mit einbrechender Dämmerung vom Bache verschwunden, stieg der Vollmond über dem Wald empor und bestrahlte er die Schneelandschaft so helle, als wollte er’s mit wunderbarem Flimmern und Blitzen der verschwundenen Sonne fast gleichtun, so begaben sich Hieronymus, Dionys und Romulus mit anderen auf den überfrorenen „Gumpen“ unterhalb der Mühle; und auch Florentina und Juliana mit ihren Gespielinnen machten sich herbei, um ein halbes Stündchen lang die spiegelglatte Bahn wieder einmal zu probieren.
Die kurzen Tage hindurch saß Hieronymus fleißig bei der Arbeit. Die langen Abende jedoch gewährten Muße genug, auch noch eine Nebenbeschäftigung vornehmen zu können. – Wie damals in den meisten Kirchen bildliche Weihnachtsvorstellungen, sogenannte Kripplein, beliebt waren, so konnte man in manchen Häusern ebenfalls welche sehen. Für Kinder bildeten sie eine sehr anmutige Unterhaltung. Denn nicht nur erblickten sie da in romantischer Landschaft den Stall mit der Heiligen Familie, auch die drei Weisen aus dem Morgenlande kamen bereits über das Gebirge daher, und am Neujahrstag fand die Darstellung im Tempel statt – und so ging es fort, bis zum ersten Wunder am Hochzeitstisch zu Kana.
Auch Vater Mathias besaß von früher her eine Schachtel voll solcher Figürchen, nur war ihm bisher noch nie so viel Zeit geblieben, dieselben renovieren und eine Landschaft dazu erbauen zu können. Diesem Geschäfte unterzog sich jetzt Hieronymus. Frisch machte er sich daran, von Kohlenstücken eine Felsenlandschaft zu gestalten – eine Schöpfung, die indes nicht sogleich gelingen wollte. Denn bereits war der Berg erbaut, und Bachweber, der sich’s nicht nehmen ließ, auch mit Hand anzulegen, wollte eben als Schlußstein noch ein Kohlenstück einsetzen, als der Brocken seinen Fingern entschlüpfte und der Erschrockene, im Begriff, denselben noch zu erhaschen, an eine der hinten angebrachten Stützen stieß, wodurch – zum nicht geringen Entsetzen der Zuschauer, unter denen auch der Laubhauser sich befand – ein fataler Rutsch erfolgte, der dem mühsam geschaffenen Heiligen Lande den Untergang brachte. – Beim zweiten Versuch wurde der Leim zu schwach genommen und das Werk zu nahe an den warmen Ofen gestellt, was abermals Senkungen und Risse zur Folge hatte; und so gelang die Arbeit erst, nachdem Bruder Cyriak herbeigeholt und zu Rat gezogen worden war. Der in solchen Dingen wohlerfahrene Mann gab die rechten Rezepte und Anleitungen zum Leimen – und bald konnte man zum Grundieren und Kolorieren der Landschaft schreiten.
Der Bruder hatte sich anheischig gemacht, ein neues, in Wachs gegossenes Christkindlein zu stiften, während Hieronymus sich angeregt fühlte, manche Lücke im biblischen Personal kunstgerecht auszufüllen. Er machte es hierbei wie die alten Meister: er griff keck ins Leben hinein und brachte Personen seiner nächsten Umgebung – so gut es seiner Unzulänglichkeit gelingen mochte – in den historischen Rahmen. So stellte er seinen Vater, kenntlich an Haltung und Kleidung, als Hirten dar, sich selbst nebst Dionys und Romulus als Hirtenkinder. Auch der Lehrer Bachweber erschien in einer folgenden Darstellung, und zwar als Schriftgelehrter.
Am meisten Beifall erhielten von seinen Schöpfungen: ein Einsiedler, der im Habit des Bruders Cyriak oben auf den Felsen hinter Bethlehem vor seiner mit einem Kreuze gezierten Klause das Ave-Maria läutete; ferner ein Tiroler Gemsjäger, benebst einer Schwarzwälder Ankenhändlerin, im Begriff, mit ihrer Ware den Wochenmarkt in Jerusalem zu besuchen. – Um die Kritik gelehrter Ästhetiker und Kunstliteraten brauchte er sich ebensowenig zu kümmern wie die alten Meister, weil er glücklicherweise ebensowenig wie diese von solchen etwas wußte.
Am Heiligen Abend und die ganze Weihnachtszeit über kamen viele Kinder und Erwachsene aus dem Tal, um das Werk zu bewundern. Manche fühlten sich bemüßigt, dem Christkindle ein kleines Opfer zu entrichten – was zwar nicht verlangt, aber vernünftigerweise auch nicht abgelehnt wurde.
War unter dem Opfergeld auch mehr Kupfer als Silber zu finden, so gab solches dem Künstler doch schon wieder – rechnete er – Futterzeug zum neuen Rock; denn daß ein solcher notwendig, darüber herrschte im Hause längst keine Meinungsverschiedenheit mehr; nur hatte die Anschaffung bisher immer verschoben werden müssen, der im vorigen Kapitel erwähnten finanziellen Bedrängnisse wegen.
Am Neujahrstage mußte Hieronymus, wie gewöhnlich an diesem Tage, schon vor dem Kirchgang mit den Eltern hinübergehen in den Hof, um den bäuerlichen Herrschaften pflichtschuldigst zu gratulieren. Es geschah mit der üblichen Redensart: Glückseliges Neujahr, und man wünsche, was man sich selber wünsche – Gesundheit und langes Leben und nach diesem die ewige Seligkeit usw. Auf dem Tisch im Hofe dufteten bereits die von allen übrigen Gratulanten sehr bewunderten Attribute des Tages, Meisterstücke der Bäckerkunst unseres Mathias und seiner Anastas: ein mit Zucker bestreuter „Guck-inofen“ nebst etlichen mürben, von Butter glänzenden „Eierringen“, im Durchmesser nicht viel kleiner als ein Pflugrad.
Festtäglich geputzt trat Florentina rasch aus der Kammer in die Stube ein, dem Besuche das Neujahr „abzugewinnen“- Hieronymus sah sie heute zum erstenmal wieder seit ihrer Rückkehr aus dem Hause des Kaiserzollers, wo sie seit etwa acht Wochen sich aufgehalten, um nach dem Wunsche der Mutter im dortigen Wirtshaus das Kochen zu lernen. – Hieronymus konnte eine leichte Überraschung kaum verbergen; war es die Glorie der Morgensonne, die in vollem Winterglanze durch die Scheiben strahlte, oder machten es die neuen Kleider, in denen die Tochter des Hauses nun zum erstenmal in die Kirche gehen wollte – genug, der Freund schien sich heute zum erstenmal bewußt zu werden, daß Florentina ein – bildschönes Mädchen sei. Und fast gar wäre ihm der Ausruf entschlüpft: „O wie schön bist du!“ – Aber er korrigierte sich schnell und sagte – „sind deine Kleider!“
Es waren in der Tat auch Prachtstücke von bestem Samt und Seide: das grüne, reich verzierte Goller, fast zu eng für den weißen Hals, der dunkelrote Brustlatz, gestickt in echtem Gold und Silber, dazu die bauschige, violett schimmernde Taffetschürze mit dem silbernen Gürtel darüber, das faltenreiche Halstuch, die feinen Hemdärmel, weiß wie frisch gefallener Schnee. – Alles zeigte klar, daß ihr Vater in Sachen des Putzes, wie er jetzt selbst oft zu sagen pflegte, nimmer Meister sei.
Und als die liebliche Maid ihrem jugendlichen Freund zur Bekräftigung der guten Wünsche für das neue Jahr die Hand gab, bemerkte dieser am Ringfinger der dargebotenen Rechten ein massiv silbernes Ringlein mit einem leuchtenden Karfunkelstein – ein Neujahrsgeschenk war’s von ihrer Patin, der Frau Kaiserzollerin.
Wie nun das an der Schwelle des jungfräulichen Alters stehende Mädchen in diesem standesgemäßen Anzuge vor ihm prangte, mochte ihm wohl ein leises Gefühl sagen, wie beträchtlich der Abstand sei zwischen dem Sohne des armen Hausmanns – und der Tochter des reichsten Hofbauern im ganzen Tal.
Geschärft mochte diese Erkenntnis noch werden durch das Gespräch der Eltern, die im Fortgehen zu allerlei Betrachtungen sich veranlaßt fühlten über den Reichtum der Familie und über das einstige große Heiratsgut des einzigen Töchterleins, auf dessen Hand sicherlich schon dieser und jener vermögliche Hofbauernsohn spekuliere usw. – Oft schon hatte Hieronymus dieses Thema von den Eltern besprechen gehört, aber noch nie war es ihm so nachhaltig ins Gehör gefallen – wie heute.
Zerstreut kam er aus der Kirche nach Haus; und nach dem Essen begab er sich zum Stabhalter, diesem einen schön gemalten Neujahrswunsch zu überreichen; ein blankes Käsperle war der Lohn für diese Aufmerksamkeit, welches Geldstück der Empfänger mit einer gewissen Befriedigung den übrigen Sparpfennigen beigesellte. – War er nur einmal gehörig ausgerüstet – dann sollte ihn nichts mehr zurückhalten hier im Tal; denn daß da sein Glück nicht blühe, daß er hinaus, etwas Rechtes erlernen und werden müsse, das wurde dem guten Burschen mit jedem Tage mehr klar.
Im Laufe des Nachmittags kamen noch sämtliche nächste Anverwandte des Laubhausers auf den Hof. Es ging hoch her im Haus, denn bei solchen Anlässen wollte der Bauer zeigen, wie gut es mit Küche und Keller zu Laubhausen bestellt sei. Aber nur Ebenbürtige waren zur Teilnahme berechtigt.
Vettern und Basen, mit denen kein Staat zu machen war, wurden nur so nebenbei, in der Küche oder im Hinterstüblein abgespeist. Während kleinere Hausmanns- oder Taglöhnerskinder vor der Haustür dort standen und die ankommenden Schlitten und ihre Insassen musterten oder begehrlich und wunderfitzig durch die Fensterscheiben lugten und vom Peter zuweilen ein duftendes „Küchle“ oder ein paar „Sträuble“ hinausgelangt bekamen – wandelte Hieronymus gedankenvoll hinter den Häusern hinweg, hinüber zur einsamen Hütte des Stoffels.
Jagdschloss im Unterhölzer Wald
Der wunderliche alte Junggeselle war eben im Begriff, von seinem unzertrennlichen Dachshund begleitet, einen Gang in den Wald zu machen, und Hieronymus schloß sich ihm an. – Im Fortgehen erzählte der Stoffel seinem jungen Freund, wie nächstens wieder ein großes, von der Herrschaft anbefohlenes Treibjagen auf Säu und Hochwild abgehalten werden solle. „Du weißt“, sagte er, „daß kürzlich in Unterhölzer beim Wartenberg der große Eichwald zum Tiergarten eingezäunt worden ist, wo allein noch Hoch- und Schwarzwild g’hegt werde soll. «
„Vorgestern“, bestätigte Hieronymus, „hab ich g’seh‘, wie sie schon die Wehrblahen und die Garn und Schweinsseil mit den Steckgabeln auf Wägen von Donaueschingen herbracht haben – nüber ins Jägerhaus. Da sind schon die Hundsbube versammelt mit den Leit- und Hetzhund; auch das Zelt hab ich g’sehen ablade für die Herrschaft, – die Fürstin soll ja selber eine so g’schickte Jägerin sein.“
„Allerdings – aber wenn’s so fortgeht“, meinte der Alte verdrießlich, indem er Feuer schlug, um seinen Ulmer wieder in Brand zu versetzen, „wird’s bald höre haben mit der Jagd auf Edelwild. Weiß noch gut die Zeit, wo die Hirsch rudelweis in strenge Winternächte vor die Bauernhöf komme sind, oft bis in die Scheuern, wenn der Knecht vergessen hat, das Scheuertor recht zu schließe.“
Ulmerkopf aus der
Privatsammlung von Anton Manger,
Pfeifenbauer aus Wollbach/Unterfranken.
Fotos: Jenny Schmitt
Indem sie unter solchen Gesprächen den Wald durchstreiften, der – weil der Schnee fest gefroren – gut zu begehen war, und der Stoffel seinen Begleiter da und dort auf die Fährten und das Getieger des Wildes aufmerksam machte – flog ein Kreuzschnabel über ihren Köpfen hinweg. – „So ein Kreuzschnabel„, sagte der Stoffel, „ist ein wahrhafter echter Schwarzwälder. Wenn die andern wehleidig vor dem Winter Reißaus nehmen oder vor den Häusern und Scheuren auf dem Bettel rumziehen, ist es dem Bürschle erst recht wohl im Wald, so daß es mitten im Winter, im Jänner schon, ans Nesten und Brüte denkt.“
Kreuzschnabel im Schwarzwald
Zu einer Lichtung des Waldes gekommen, wo ein hungriges Häslein um einzelne, aus der Schneedecke ragende Sträucher und Stäudlein sich mühte, nahm der Stoffel seinen Stutzen von der Schulter und machte mit einem wohlgezielten Schusse den Nahrungssorgen des guten Tierles, wie er sich ausdrückte, ein Ende. – „Es wird auf eins rauskomme“, lachte er, indem er zur Stelle schritt und den armen Lampe in den Büchsenranzen schob, „ob dich heut nacht ein Fuchs oder morgen der alte Stoffel verspeist. – Einer lebt vom andern, das ist der Lauf der Welt – und selber essen macht fett, das heutig‘ Evangelium! – Hast du Lust, Hieronymus, so bist du höflich invitiert auf morgen zum ersten Werktagsschmaus. – Man darf die alten ehrwürdige Bräuch nit abgehe lasse.«
„Ihr habt’s gut, Stoffel!“ entgegnete Hieronymus, den Alten, der sein Gewehr wiederum lud, mit lächelnder Miene betrachtend. „Ihr lebt, wie es Euch g’fallt, und schert Euch um niemand und um nix, was andern ’s Herz schwer macht.“
„Närrischer Kerl“, versetzte mit heiserem Lachen der Stoffel, „kannst’s ja auch so haben, wenn du willst! – Was braucht sich einer viel zu kümmern, wenn er nur sein bißle Leben und von Zeit zu Zeit sein Brätesle uf em Tisch hat!“ „Um das handelt es sich nit allein!“ sagte Hieronymus mit einem halb unterdrückten Seufzer. „Man strebt halt b’ständig weiter – in der Hoffnung -„ „Ei was, Hoffnung!“ brummte der Alte, unwirsch ihn unterbrechend. „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Die Hoffnung ist ein betrügliches Weibsbild, das viel verspricht und wenig halt‘; hat manchen schon sein Lebtag am Narrenseil rumg’führt.“ „Wenn die Hoffnung nit wär“, meinte Hieronymus ernst, „so wär’s ja zum Verzweifeln. – Und wege was soll man nit hoffen und trachten – nach Glück und -„ „Hoffen und trachte nach Luftschlössern?“ fiel der Alte höhnisch ein. „Schau, en Spatz in der Hand ist mir lieber als die Taub uf ‚em Dach, das magre Häsle da im Ranzen mir ang’nehmer als der fetteste Rehbock drüben am Feldberg. – Laß das unnötige Schmachten und Trachte. – Laß anderen ihr eingebildet Glück; laß ihne den Geldsack und die Ehrestelle. – Hast du wenig – so brauch wenig, hast dann au nit nötig, dich viel zu bedanken oder jemand zu schmeicheln. – Und kommt dir trotzdem emal einer überzwerch – so zeig ihm, wo er her ist – und daß du nix nach ihm z‘ frage hast.“ Das war in kurzen Worten so ziemlich die ganze Lebensphilosophie des Stoffels, der übrigens seinen jungen Freund nicht ganz verstanden, nicht erraten zu haben schien, wo diesen der Schuh drückte. – Der Alte kümmerte sich in der Tat um niemand, und niemand kümmerte sich viel um ihn, weder der Stabhalter, Vogt noch Amtmann oder der Pfarrer. Er seinerseits brauchte keinen; er zahlte weder Steuern noch Abgaben, weder Sporteln noch Frevelbußen, und kam auch nie in die Lage, Stolgebühren entrichten oder um Dispens nachsuchen zu müssen. – Von Haus aus Wilderer und Fischer nach Belieben, an dem die Jäger und Aufseher gerne vorbeigingen, als hätten sie ihn nicht gesehen, hatte er später sich herbeigelassen, ein Dienstlein anzunehmen.
Der einsichtsvolle Oberförster übertrug ihm nämlich die Aufsicht über das Wild und die Dressur der Jagdhunde. Die Besoldung bestand hauptsächlich im Schußgeld vom Raubzeug; und wenn hie und da auch einmal eine Kugel nebenaus ging und zufällig einen fetten Rehbock oder – wie heute – ein unvorsichtiges Häslein traf, so fiel es niemand ein, den Schützen deshalb zur Rede setzen zu wollen.
Die Raben zogen schon heimwärts, den Bergwäldern zu, als die beiden, herabgestiegen ins Tal, den Rückweg antraten – und am Kreuzweg sich verabschiedeten. – Der klare Wintertag schloß mit einem prächtigen Sonnenuntergang. Als Hieronymus einmal zurückschaute, sah er das Tagesgestirn eben in glühendes, nach oben hin violett verschwimmendes Rot hinabsinken.
Die Berge standen in kaltblauen Schatten am Horizont, nur der Schnee im Tal und auf dem eingefrorenen Bache schimmerte stellenweis wie angehaucht vom Abendrot. – Gedankenvoll betrachtete Hieronymus das schöne Naturspiel eine Weile – dann schritt er weiter. – Aus eisgrauen Wolkenschichten schaute im Osten die blaßgelbe, unvollkommene Scheibe des Mondes über die Höhen, finster schon lagen die Häuser und Hütten – nur die Fenster am Laubhauserhof flammten und spiegelten noch die späte Glut des Himmels ab.
Am andern Tage kam richtig der Gemeindsbote mit der Ansage zur großen Jagd. – Auch Hieronymus rüstete sich dazu; es war nicht das erste Mal, daß er eine solche Hetze mitmachen mußte. – Aber die fürstlichen Herrschaften kamen nicht; die Jagd wurde verschoben, von einem Tag zum andern – bis endlich Tauwetter einfiel. – Ein lauer Föhn war über Nacht ins Land gekommen. Die Tannen verloren ihren Duft und schauten schwarz und melancholisch über das Schneefeld. Es schien, als wolle am Dreikönigstag der Frühling schon seinen Einzug halten. Seine Vorboten, Sturm und Regen, hatten bereits eine allgemeine Mobilmachung angeordnet, und selbst das Eis auf dem Bache erhielt schleunigst Marschbefehl. Es drängten und schoben sich die Schollen auf- und untereinander, gleich einem retirierenden Heere, das im Abziehen noch Brücken und Stege sprengt und soviel wie möglich am Wege hin verwüstet. – Aus allen Wäldern und Schluchten stürzten reißende Gießbäche hervor; das Wasser wuchs stündlich, und man fürchtete für die Hütten und Höfe im Tal, und selbst im Laubhauserhof fand man’s geraten, die Haus- und die Stalltüre mit Mist zu verschanzen.
Einsilbig, in sich gekehrt, verbrachte der von seinem Spaziergang gehörig durchlüftete Bursche den Abend. Früh ging er zu Bett, aber noch lange traf die laute Unterhaltung drüben im Hof sein Ohr – er hörte die umständliche Verabschiedung der Gäste vor der Haustür, das „Bhütigott!“ und „Kommet guet heim!“ der Zurückbleibenden und der Scheidenden – bis endlich, mit dem Geklingel des letzten abziehenden Schlittens, alles in Nacht und Schweigen versank.
Aber der besiegte Winter gab sein Spiel noch lange nicht verloren. Kurz nach Lichtmeß nahm er, als erfahrener Feldherr, im Sturme wieder die Höhen und Pässe – und es fiel eine solche Masse Schnee, daß die Wohnungen in den Niederungen förmlich gesperrt und blockiert wurden.
Dazumal war es auch, daß ein einsamer Hof am Feldberg mit seinen Bewohnern wochenlang unter der Schneedecke begraben lag, bis endlich – es war gerade Karfreitag – Umwohnende den Dachfirst endlich wieder aus dem Schneemeer hervorragen sahen und zu Hilfe zogen. Man brach ein Loch in das Dach und rief hinunter, ob alle noch am Leben seien. „Ja“, erscholl es aus der Tiefe. „Wißt ihr auch, daß heut Karfreitag ist?“ war die zweite Frage der Obenstehenden. „Gottsnamen!“ hieß es unten, »wir verspeisen soeben ’s letzte Stück vom letzten Stier!«
Feldberg vom Klippeneck aus
Auch Unglücksfälle durch Lawinen kamen vor, ähnlich der gänzlichen Zertrümmerung des Königenhofs bei Waldau in neuerer Zeit, wobei die vom jähen, von keinem schützenden Waldmantel mehr bedeckten Berg herabrutschende Schneemasse sämtliche Bewohner mit ins Grab riß. – Wie häufig geschieht, mußten auch damals die Leute am Feldberg aufgeboten werden, diesem Beherrscher des Schwarzwaldes im Juli oder August den Schnee vom Haupte zu schäufeln; denn, sagen sie, wär’s ihm nur einmal wieder gelungen, die uralte Mode einzuführen und die Haube das ganze Jahr hindurch aufzubehalten, so wäre der Schwarzwälder Gletscher fertig, wie er’s vor Jahrtausenden gewesen.
In der ersten Ausgabe hatte Lucian Reich auch noch den Text eines Liedes mit drin:
Ich bring heut ein`sehr fröhliche Bost, Auf daß ihr Hirten die Freuden verkost`; Als ich nun bei der Nacht, Bei meinen Schäflein wacht, Habens ein`liebliche Musik gemacht.
Ich greif einlends nach meiner Schalem; Und ruf gleich meinen Schäflein herbei, Aber sie lassen mich, Sammt meiner Pfeif`im Stich, Springen, frohlocken und erfreuen sich.
Kommt laß uns nach Bethlehem geh`n Um nun alldorten das Wunder zu seh`n: Es war ein alter Stall, Der voller Feuer stral`, Wo sich die himmlische Musik erschall.
Ich sah dorten das göttliche Kind, Liegen im Viehstall bei Esel und Rind. Herzliebstes Jesulein, Wir wollen dir dankbar sein, Daß du bei Sünder gekehret hast ein!
Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch von 1853 mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.
Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript und zusätzlich ein paar Bildern.
Hier das 4. Kapitel:
Die Kinder waren an der Hand ihrer Eltern erwartungsvoll in die, nur schwach von dem Feuer des Öfleins erhellte Zelle, eingetreten. Im Hintergrund bemerkte man den geschäftigen Bruder Martin, halb verhüllt von einem Vorhang von Binsengeflechte. – Nach einer Weile kam er hervor, seine Gäste zu begrüßen und ihnen Plätze anzuweisen, wo sie Alles gut sehen konnten.
Der Alte schritt wieder gegen die Wand, – die Kinder verhielten den Atem, – man hätte ein Mäuslein in dem engen Raume laufen hören. – Jetzt sank die Verhüllung, und: – o, wie schön! Tönte es wie aus einem Munde. – Die Kleinen klatschten vor Freude in die Händchen, während die Größeren sich schweigsam dem Eindrucke der lieblichen Erscheinung hingaben.
So etwas Herrliches hatten die guten Schwarzwälder-Kinder ihrer Tage des Lebens noch nicht gesehen.
In Mitten der Landschaft, welche die ganze Wandvertiefung ausfüllte, erblickte man zwischen Felsen und Bäumen einen Stall, in welchem Maria und Josef zu sehen waren, nebst den Hirten, welche betend das zarte, in der Krippe liegende, süß schlummernde Christkindlein umstanden.
Über der heiligen Familie schwebte ein strahlender Stern sowie liebliche Engelsgestalten, welche ein Band in den Händen hielten, worauf in goldener Schrift die Worte standen: „Gloria in excelsis Deo.“ In den grünen Wiesen um den Stall weideten die Lämmer, und hoch oben auf zackigem Felsgestein sah man die Stadt Bethlehem, vor deren Tore der Wächter soeben Mitternacht rief.
Als der erste Eindruck der Überraschung bei den Zuschauern vorüber war, ging das Fragen an, so dass der gute Martin nicht schnell genug auf alles antworten konnte.
Klärchen wollte wissen, warum denn das Christkind allein nur auf Stroh und in gar keinem guten Bettlein liege. Und Wolfgang fragte, wer den Hirten denn schon gesagt habe, dass das Christkindlein heute Nacht auf die Welt gekommen sei und wer in der schönen Stadt auf dem Berge wohne usw..
Ich sehe wohl, sagte Bruder Martin lächelnd, daß ich Euch alles von Anfang bis zu Ende erzählen soll. Und wenn Ihr mir versprecht, hübsch still und aufmerksam zu sein, so will ich es herzlich gerne tun.
O ja! riefen die Kinder, wir bitten darum. Und auch den Ältern war es erwünscht, die lehrreichen Geschichten wieder einmal im Zusammenhange zu hören, was ihnen in dieser Einöde, entfernt von einem geistlichen Lehrer, nicht oft zuteil ward.
Zuerst, begann Bruder Martin, muss ich Euch von dem Vorläufer Christi sagen: – welches von euch Kinder weiß seinen Namen?
Johannes der Täufer, antworteten die Größeren, und die Kleineren wiederholen: ja Johannes.
Richtig! nahm Martin wieder das Wort. – Zur Zeit des Königs Herodes lebte in den Gebirgen Judäas ein Priester mit Namen Zacharias und seine Frau, welche Elisabeth hieß; beide waren fromm und gottesfürchtig wie Wenige im Lande, und hatten keine Kinder und waren schon wohl auf Jahren. Längst hatten sie alle irdischen Hoffnungen aufgegeben; nur Eines wünschten sie noch zu erleben: die Geburt des verheißenen göttlichen Königs.
Den Priester Zacharias hatte wieder einmal das Loos getroffen, im Tempel zu Jerusalem dem Herrn zu dienen, als er im priesterlichen Gewande in das Heiligtum getreten, während das Volk draußen betete, erschien ihm ein Engel Gottes. – Zacharias erschrak, der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, dein Gebet ist erhört, deine Gemahlin Elisabeth wird dir einen Sohn schenken und den sollst du Johannes heißen. An diesem Kinde wirst du Freude und Wonne erleben, und viele werden dich über seine Geburt freuen, denn er wird ein Liebling des Herrn sein. Wein und starke Getränke wird er nicht trinken, erfüllt vom Heiligen Geiste, wird er viele Israeliten zu Gott ihrem Herrn bekehren, und dem kommenden Erlöser die Wege bahnen.
Zacharias voll Erstaunen konnte kaum glauben, dass ihre Ehe in so hohem Alter noch mit einem Sohne gesegnet werden solle, und sprach zu dem Engel: Was soll mich von der Verheißung überzeugen? Der Engel antwortete: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, dir die Freudennachricht zu bringen. Und siehe – weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, so wirst du stumm sein bis auf den Tag, an dem die Verheißung wird in Erfüllung gegangen sein.
Während dieses im Tempel geschah, wartete das Volk außerhalb auf Zacharias, und konnte nicht begreifen, warum er so lange im Heiligtum verweile. Als er endlich herauskam, bemerkten sie sogleich, dass ihm etwas Außergewöhnliches begegnet sein müsse. Er gab durch Zeichen zu verstehen, dass er stumm sei, und segnete schweigend die harrende Menge.
Seht, Kinder! sagte Bruder Martin, so war denn das Außerordentliche und Wichtigste, was ich seit der Geschichte der Menschheit zugetragen: die Geburt des lang verheißenen Heilandes, auch auf außerordentlichem Wege angekündigt von einem der erwählten, seligen Geister, welche um den Thron des Höchsten stehen.
Zur selben Zeit, fuhr der Erzähler fort, lebte in dem kleinen Städtlein Nazareth, welche ihr, liebe Kinder, hier auf dem Felsen abgebildet sehet, Maria, eine Jungfrau aus dem Geschlecht des Königs David; Joseph, ein Zimmermann, hatte das Versprechen, sie mit der Zeit einmal zur Ehe zu bekommen. Maria war arm an irdischen Gütern, aber reich an Gottesfurcht und Demut. Ihr liebendes Gemüt sehnte sich, wie viele gute Seelen jener Zeit, voll Gottvertrauen auf die Ankunft des verheißenen göttlichen Erlösers.
Als sie einst in ihrem einsamen Kämmerlein zu Gott betete – da trat auf einmal, umflossen von himmlischer Glorie, der Engel zu ihr und sprach: Gegrüßet seist du Holdseligste, der Herrn ist mit dir, du Gesegnete deines Geschlechtes!
Maria erschrak und dachte: welch ein Gruß ist das? Der Engel aber sprach: Fürchte dich nicht, Maria! denn du hast Gnade gefunden vor Gott, du wirst die Mutter eines Sohnes werden, dem du den Namen Jesus geben sollst. Dieser wird groß sein, und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden, Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakobs ewiglich, sein Reich wird ohne Ende sein.
Maria fragte verwundert: Wie kann das sein, Ich weiß ja von keinem Manne?
Der Engel aber sprach: Der Heilige Geist wird über dich herabkommen, darum wird dein heiliges Kind – Sohn Gottes genannt werden, auch Elisabeth deine Base, wird einen Sohn erhalten, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.
Maria antwortete in Demut und Vertrauen: Ich bin eine Dienerin des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort! Der Engel aber verschwand.
Kurze Zeit darauf machte Maria eine Reise über das Gebirge, um Elisabeth, ihre Base, zu besuchen. Diese, als sie die heilige Jungfrau erblickte, kam ihr entgegen und begrüßte sie voll des heiligen Geistes: Gesegnete deines Geschlechtes, rief sie, wie kommt es, dass die Mutter meines Herrn mich heimsucht? O selig bist du, dass du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.
Und Maria sprach voll himmlischer Freude: Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlockend in Gott, meinem Heilande. Denn er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd. Siehe, von nun an werden mich selig, preisen alle Geschlechter: denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist. Er ist barmherzig denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arme, zerstreuet, die da hoffärtig sind in ihren Herzend Sinne. Die Mächtigen stößt er vom Throne und erhört die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seiner Dieners: eingedenk seiner Barmherzigkeit, die er gesprochen hat zu unseren Vätern, zu Abraham und seine Nachkommen auf ewig.
Dieses, meine Kinder, fuhr der Waldbruder fort, nennt man den Lobgesang Maria’s, wie ihn uns der heilige Evangelist genau verzeichnet hat.
Bevor wir nun zur Geburt Christi kommen, muss ich euch noch etwas von Johannes erzählen.
Als die Weissagung des Engels in Erfüllung gegangen war und Gott dem Zacharias und der Elisabeth wirklich einen Sohn geschenkt hatte, berieten die Anverwandten des frommen Ehepaars lange, wie das Kind heißen solle. Zuletzt wurden sie einig, dass es seinen Vatersnamen Zacharias haben müsse. Aber die Mutter sagt: nein, er soll Johannes heißen. Die Anverwandten machten Einsprache in der ganzen Freundschaft, sagten sie, ist ja kein Mensch, der also heißt, und winkten dem Vater, wie er ihn nennen solle. Zacharias aber war noch immer stumm. Er forderte ein Täfelein und schrieb: Johannes ist sein Name. Im nämlichen Augenblicke bekam er zur Verwunderung aller die Sprache wieder und pries mit lauter Stimme den Herrn und weissagte von dem Kinde: dass es ein Prophet des Höchsten heißen und vor dem Herrn hergehen werde, damit er seine Wege bereite.
Und siehe! alles dieses ging genau in Erfüllung. Der Knabe wuchs und ward stark im Geiste, und als er größer geworden war, begab er sich in die Wüste und blieb daselbst bis zur Zeit, wo er öffentlich auftreten sollte, wie es von ihm vorausgesagt war.
Während dieses geschah, begab es sich, dass ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume erschien und ihm offenbarte, dass Maria auserwählt sei, Mutter des Sohnes Gottes zu werden, und dass er Maria zu sich nehmen und das Kind Jesus heißen solle.
Ehe jedoch der Messias geboren ward, erschien ein Befehl des Kaisers Augustus, dass alle Untertanen des Römischen Reiches sollen eingeschrieben werden. Jedermann müsse daher in die Stadt gehen, wo sein Geschlecht herstamme, um sich da zu melden.
Maria und Josef waren aus dem Geschlechte Davids, daher machten sie sich gehorsam nach den weltlichen Geboten auf den Weg und zogen nach Bethlehem, der Vaterstadt des Königs David.
Es war Abend, als sie dem Städtlein ankamen. Schon waren viele Fremde da, die sich wollten einschreiben lassen; alle Häuser waren überfüllt. Vergebens suchte Joseph für sich und Maria eine Herberge. Überall wurde er abgewiesen. – Bei den letzten Häusern des Städtleins fand er endlich eine Höhle, welche arme Hirten und ihren Herden zum zeitweisen Aufenthalte diente. In diesem Orte nahmen sie ihre Nachtherberge. – Hier kam nun das Christkindlein zur Welt. – Maria wickelte es in Windeln und legte es, weil sonst nirgends ein besseres Plätzlein war, in die Krippe.
Aber warum hat es denn nicht einmal ein Bettlein? fragte Klärchen. Darum, sagte die Mutter, dass die Menschen schon bei seiner Geburt sehen sollten, Arm und Reich gelten bei ihm gleich, und dass es nicht auf äußerliche Güter und Reichtümer ankomme, sondern auf Tugend und Heiligkeit.
Ganz richtig, fiel der Bruder Martin ein, nun wirst du auch hören, Wolfgang, wie den Hirten die Ankunft des Erlösers kund ward. – Die guten Leute hielten eben die Nachtwache bei ihren Herden, als Engel über ihnen erschienen und verkündigten: dass in dieser Nacht der Heiland geboren worden sei, in Bethlehem der Stadt Davids. Das Zeichen, woran sie dies erkennen würden, solle sein, dass sie ein Kind in Windeln eingewickelt in der Krippe liegend finden würden.
Nach diesem erschien neben dem Engeln die Menge der himmlischen Heerscharen, welche Gott lobten und sangen: – Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind.
Die Engelschöre verschwanden; die Hirten aber sagten zueinander: Kommt, wir wollen nach Bethlehem gehen und das Wunder sehen, welches uns die Engel verkündet haben. Und sie liefen eilends fort und fanden in ihrer Hütte die heilige Familie, Maria und Joseph, und in der Krippe das Christkindlein.
Ja, rief der kleine Wolfgang, auf die Darstellung an der Wand zeigend – da bringen die Hirten dem Christkindlein ihre Schäflein und Blumen vom Felde, dort auf dem Berge ist die Stadt Bethlehem und dahinten kommt der Mond –
Und die Englein oben singen das Gloria – nicht wahr, Mutter? fragte Klärchen. Ja, erwiderte diese; sehet, die Hirten haben dem heiligen Joseph und der heiligen Jungfrau Maria alles erzählt, was sie von den Engel gehört hatten, und Maria, die glückseligeste aller Mütter, war hocherfreut darüber und behielt alle Worte in ihrem Herzen.
Wie das Christkindlein so schön die Händchen ausstreckt! rief Wolfgang; -damit will es sagen, erklärte die Mutter, dass alle Kinder zu ihm kommen sollen – um so gut und fromm zu werden wie es selbst, und dass es allen Menschen hilfreich die Hand reichen wolle.
Zum Schlusse, sagte Bruder Martin, will ich euch noch ein schönes Weihnachtslied lernen, und sehen, wer es von euch am besten auswendig lernt und morgen, am heiligen Weihnachtsfeste, wenn ihr Alle wieder zu mir kommt, ohne Fehler hersagen kann:
Weihnachts-Liedchen von J.W. Kalliwoda, gespielt von Ursula Albert.
Gotthard hatte sich ein Blatt Papier erbeten, um das Liedlein aufzuschreiben. –
Lange verweilten Alle noch freudig und betend vor dem Kripplein; es war schon beinahe Mitternacht, als die gute Familie dankend und erfüllt von dem anmutigen Eindrücken des heiligen Abends auf den Heimweg sich begab.
Als ich den Artikel über Willibald Strohmeyer schrieb, waren wir in St. Trudpert. Zu meiner großen Überraschung war in der Trudpertkapelle – die übrigens auch in den Wanderblühten erwähnt wird – die Eröffnung einer Krippenausstellung in deren Zentrum die Dekan-Strohmeyer Krippe steht.
Münstertäler Krippenbauer
Der Brauch des Krippenbauens hat in der Schwarzwaldgemeinde Münstertal in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine Renaissance erlebt. Die diesjährige Ausstellung in der Trudpertskapelle ist die 24. seit 1995.
Krippenausstellung in der Trudpertskapelle
Die feierliche Eröffnung ist am Sonntag 21. Dezember um 11:45 Uhr in der Trudpertkapelle.
Öffnungszeiten sind jeweils montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Letzter Ausstellungstag ist am Sonntag 11. Januar 2026.
Trudpertskapelle
Dekan-Strohmeyer-Krippe
(Willibald Strohmeyer, Pfarrer in St. Trudpert von 1909 – 1945)
Pfarrer-Krippen sind in der Regel große Kirchenkrippen. Das gilt in ganz besonderem Maße für die Dekan-Strohmeyer-Krippe, die alljährlich zur Advents- und Weihnachszeit von 1912 bis 1960 das barocke Gotteshaus St. Trudpert schmückte. Beim jüngsten Aufbau dieser Krippe wurden überraschenderweise Reste einer Zeitung zu Tage gefördert – mit dem Datum 26. April 1870 – erschienen in der damals in Karlsruhe gedruckten Zeitung Badischer Beobachter.
Es war die Zeit von Strohmeyers Amtsvorgänger Alois Baur, der im Jahre 1863 aus Sterzing in Tirol kommend Pfarrer in St. Trudpert wurde (1863-1909). Die ältesten Krippenteile und Figuren tragen deutlich die Handschrift von Pfarrer Alois Baurs Südtiroler Heimat.
Während Strohmeyer’s Amtszeit in St. Trudpert wurde die Krippe seit dem Jahre 1912 (diese Jahreszahl ist auf einem der Krippenbauteile gut lesbar) von ihm unter fleißiger Assistenz seines langjährigen Messners Johann Franz im Chor von St. Trudpert alljährlich aufgebaut – auch noch etliche Jahre über Strohmeyer’s Tod hinaus.
Als unter Pfarrer Hermann Meier (1950-1975 in St. Trudpert) ab Weihnachten 1960 eine neue Kirchenkrippe die Barockkirche schmückte, geriet die Strohmeyer-Krippe in Vergessenheit.
Die Münstertäler Krippenbauer haben in mühevoller Kleinarbeit die verstreuten Einzelteile wieder so zusammengefügt, dass daraus der weitgehend ursprüngliche Krippenberg geworden ist auf 3,5 Metern Breite, 1,8 Metern Höhe und 1,5 Metern Tiefe.
Ein glänzendes Beispiel tiefer Religiosität und ungebrochener Brauchtumspflege ist damit auch nach mehr als 100 Jahren für die Nachwelt erhalten geblieben.
Trudpertkapelle mit der Gruft
Wer hin geht, vergesst die Gruft nicht zu besuchen mit der Quelle und der Geschichte zum Heiligen Trudpert!
Um das Jahr 607 hat der Heilige Trudpert im Münstertal eine Einsiedelei gegründet und wurde von zwei Knechten mit einer Axt erschlagen. Nach der Legende entsprang an dem Ort, an dem St. Trudpert starb, die Trudpertsquelle. Sie wurde im 18. Ih. gefasst und in die Gruft unter der Kapelle geleitet.
Die Trudpertskapelle wurde anstelle eines älteren Rundbaues 1698 erbaut und 1731 konsekriert. Danach begann eine Blüte der Trudpertsverehrung mit achttägigen Feierlichkeiten Hauptfestzeit und Wallfahrtsprozessionen aus der weiteren Umgebung. Heute wird der Sonntag nach dem 26. April von der Gemeinde als Trudpertsfest begangen. In feierlicher Prozession wird an diesem Tag der barocke Reliquienschrein von 1714 um Kapelle, Kloster und Pfarrkirche getragen.
Die Brunnenkapelle, Gruft genannt, wird von einem Barockgitter abgeschlossen. Der symbolische Sarkophag des Heiligen wird von Skulpturen Ehrentrud und Rupert, nach der Legende Geschwister des Heiligen Trudpert, flankiert.
Ehrentrud
Trudpert
Rupert
Weiterer Fun Fact für Mundelfingen
Um 800 entstand das erste Benediktinerkloster rechts des Oberrheins, das 1632 durch die Schweden vollkommen zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau durch den Vorarlberger Baumeister Peter Thumb, wurde die jetzige Pfarrkirche St. Trudpert 1727 geweiht.