„Xerophila brigobannis“ oder die Geschichte der Heideschnecken am Bahnhof in Hüfingen

Originalartikel vom 23. April 2020
Ein ähnlicher Artikel wurde von mir in den Schriften der Baar Band 66/2023 veröffentlicht.


Neben und um den Bahnhof in Hüfingen herum waren ganz früher Weiden, später dann wilde Brachflächen mit abertausenden Heideschnecken.
Ein Stück nach dem anderen wurde seit 2010 für Eigenheime zugebaut. Die neuen Eigenheimbesitzer haben sich für Schottergärten oder englischen Rasen entschieden. So wurde alles Leben dort mit einer Plastikplane oder Ähnlichem überzogen, um das störende Bodenleben zu beseitigen. Es gibt leider nur ein winziges Ausweichquartier für wilde Tiere vor einem alten Haus.
Auf diese Fläche sind einige wenige der Schnecken ausgewichen, und ich konnte sie vor ihrem vermutlich endgültigen Verschwinden dokumentieren.

Garten am Bahnhof etwa 1940
Foto: Karl Schweizer

Kurz bevor der Schacht für das letzte Haus ausgehoben wurde habe ich versucht einige dieser Schnecken in meinen Garten zu retten. Ob diese dort überleben werden ist ungewiss, da Schnecken doch sehr spezialisiert sind.

Leider habe ich von den Schnecken nur sehr schlechte Aufnahmen, da ich damals noch keine so gute Kamera hatte und heute nur noch tote Häuser zu finden sind.

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Natürlich wollte ich wissen was das für eine Schnecke ist. Deshalb habe ich ihre DNA untersucht. Wen interessiert was ich genau mache, der darf  hier schauen.

Auf jeden falls ist unsere Schnecke zu 90% mit Xerolenta obvia verwandt, das ist eine Heideschnecke. Das heißt aber auch es läßt sich nichts gleiches momentan in der Datenbank finden. Deshalb nenne ich hiermit unsere Weiße Heideschnecke, die wohl jetzt ausgestorben ist: Bahnhofs Heideschnecke oder Xerophila brigobannis

.

Heideschnecken

Die Heideschnecke lebt in Steppen und auf trockenen Grashängen, sie verbringt oft in großer Anzahl den Trockenschlaf in der Vegetation.
Wie auch andere Landschneckenarten ist die Heideschnecke ein wichtiger Zeigerorganismus für die Qualität ihres Lebensraums. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass Schnecken immer viel Feuchtigkeit brauchen, legen gerade die Heideschnecken Wert auf Trockenheit und Sonnenschein. Die Heideschnecken leiden daher unter der Zunahme von Busch- und Baumgesellschaften in ihren herkömmlichen Trockenlebensräumen. Im entstehenden kühleren Mikroklima können die Schnecken nicht überleben und sterben aus.

Die Östliche oder Weiße Heideschnecke hieß früher Xerophila obvia. Heute heißt die Weiße Heideschnecke Xerolenta obvia. Die Echte Heideschnecke hieß früher Xerophila ericetorum und heißt jetzt Gemeine Heideschnecke, wissenschaftlich Helicella itala oder Helicella ericetorum. Xerophila ericetorum und Xerophila obvia wurden 1925 von Lais auf dem Randen (Baar) beschrieben.*1

Lais*1 schreibt in den Berichten der Naturforschenden Gesellschaft: „Xerophila bevorzugt grasige Raine und Abhänge und trockene Wiesen auf Kalk- oder Mergelboden. Sie meidet kristallinen Untergrund.” Die hochgradig thermophile Weiße Heideschnecke stammt womöglich ursprünglich aus Südosteuropa und wurde wohl mit der Eisenbahn nach Hüfingen gebracht. *2

Xerolenta obvia steht auf der Roten Liste für Baden-Württemberg als Art auf der Vorwarnliste. Da sie trockene, warme Standorte bevorzugt, ist sie wohl eine Klimagewinnerin, solange man die Standorte nicht versiegelt.

Da die Hüfinger Heideschnecke nur etwa 90% Übereinstimmung mit Xerolenta obvia hatte und inzwischen wohl auch an ihrem letzten viel zu kleinen Standort ausgestorben ist, möchte ich ihr hier einen Nachruf schreiben und sie feierlich “Xerophila brigobannis” nennen.

Zur Erinnerung an Robert Lais, sowie die vergangene Flora und Fauna um den Hüfinger Bahnhof.


*1 Lais, Robert (1925): Dr. Hans Kauff- mann’s hinterlassene Schneckensammlung. Ein Beitrag zur Kenntnis der Schneckenfauna Südbadens und ihrer Beziehungen zum Klima. Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Frei- burg im Breisgau (Band 25), Seite 1–74.
Lais, Robert (1928): Beiträge zur Kennt- nis der badischen Molluskenfauna. Beiträge zur naturwissenschaftlichen Erforschung Badens, Seite 135–145.

*2 Schmid, Günter (2002): In Baden-Württemberg eingeschleppte oder ausgesetzte Mollusken. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
(Band 158), Seite 253–301.

Kleine Bildnotizen von Günther Reichelt

Die Kleinen Bildnotizen von Professor Dr. Günther Reichelt aus dem Jahr 2006

Kleine Bildnotizen aus sechs Jahren. Preisgegeben für Freunde Weggefährten und Wegelagerer von Günther Reichelt

Für Weggefährten lagen zu viele Jahre zwischen uns; da er mir als Mentor zur Wegelagerei aber gerne zur Verfügung stand, möchte ich diese Seite allen Wegelagerern in Sachen für die Natur widmen.

Zum Andenken will ich ihn hier persönlich sprechen lassen.

Lebenslauf von Günther Reichelt (1959)

Einige Stationen:

1926 in Schladen/Harz geboren. Volksschule und vergebliche Domestikationsversuche durch das Deutsche Jungvolk ebendort. 1939 Aufbauschule in Wolfenbüttel; dort auch ab 1941 Flieger-Hitlerjugend. Lessingschule in Braunschweig von 1941 bis zur Heranziehung als Luftwaffenhelfer im März 1943; eingesetzt rund um Braunschweig. Ab Juli 1944 Soldat bis zur endlichen Befreiung durch die Alliierten, zuletzt auf dem „geordneten Rückzug“ in die Alpen mit kurzer Gefangenschaft. 1945 Landarbeiter in Schladen; dort Gründung und Leitung einer „Kutlurgemeinschaft“ 1946-1948. Nachgeholte Reifeprüfung für Kriegsteilnehmer und erfolgreiches Studium in Göttingen und Freiburg (Biologie, Geografie/Geoligie, Chemie; Philosophie/Psychologie) von 1946-1951. Sodann Wissenschaftlicher Sachbearbeiter am Forschungsinstitut für Höhenlandwirtschaft Donaueschingen bis 1954, danach Lehrer an Gymnasien in Freiburg, Baden-Baden und Villingen. Kreisbeauftragter für Naturschutz 1959-1970.

1964 Berufung ans neue Studienseminar Rottweil als Fachleiter und Fachberater für Biologie; Ernennung zum Professor 1970 und 1980. Lehrauftrag für Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes an der Fachhochschule Furtwangen 1978-1983. Seit 1988 im „Ruhesand“ in Donaueschingen.

Rund 150 Publikationen in internationalen und regionalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Autor
und Mitautor bei rund 30 Fach- und Sachbüchern zu geowissenschaftlichen, ökologischen und
Umwelt- Themen, darunter die Hochschullehrbücher: „Biologische Geographie“ mit J. ILLIES (1963)
und „Praktische Arbeitsweisen der Vegetationsgeographie“ mit 0. WILLMANNS (1973). Bücher u.a.:
„Luflbildatlas v. Baden-Württemberg“ (1971); „Ökologie exemplarisch: der Bodensee“ (1972), „Wurzeln der Umweltkrise“ (1997); „Arche Noah 2000 (1981) „Ökologie exemplarisch: der Rhein“ (1983, 1986); „Waldschäden durch Radioaktivität?“ (1985), „Ökologie und ihre biologischen Grundlagen“ (1985); „Wach sein für morgen“ (1992); „Die Baar 1945-1995 – Landschaftswandel im ländlichen Raum“ (1995); „Baarwanderungen“ (2004).

Sonstiges: Verschiedene Bürgerinitiativen, u.a. auch Vorsitz im Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg und Mitglied mehrerer Landesbeiräte 1976 bis 1991. Gewähltes Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften. Bundesverdienstkreuz a.B. (1980), Staatsmedaille Baden-Württemberg in Gold (1986), Verdienstmedaille Baden-Württemberg (1989).



“ ”

Gefahren für IGEL

21. März 2022 von Manuela Martin von der Igelhilfe E/igeltingen

Was jeder tun kann

TODESFALLE GELBER SACK

Am Straßenrand und am Boden abgestellte gelbe Säcke sind ein beliebtes Ziel der Igel bei ihrer nächtlichen Pirsch. Igel haben eine hochsensible Nase und der verheißungsvolle Duft von den Lebens-/Futtermittelbehältnissen lockt die IGEL an. Auf der Suche nach Fressbarem und Unterschlupf verschwinden die Stachelritter im gelben Sack zwischen Joghurtbechern und Blechdosen. Zum einen können sich die Stachelritter Krankheiten durch Bakterien wie 

z. B. Salmonellen einhandeln, zum anderen können Sie mit dem Kopf in Dosen und Bechern stecken bleiben. Tiefe Schnittverletzungen und ein verheddern im gelben Sack sind meistens die Folge. Finden sie nicht mehr heraus, werden die Igel mit dem Müll „entsorgt“ und sterben einen grausamen Tod.

WOLLEN S I E das verhindern????

Dann bitte den GELBEN SACK

  • Erhöht an ein Gartentor oder Zaun hängen
  • Auf eine Mauer, Mülltonne o.ä. legen
  • so spät wie möglich herausstellen
  • zum Lagern die Gelben Säcke z. B. in einem Laubsack sammeln oder hochlegen

Danke, dass Sie mithelfen, unnötiges Tierleid zu vermeiden!

Hüfinger Erpelgang

Gerne möchte ich die Gang und den Beitrag aus 2019 mal wieder hoch holen. Vielleicht erinnert sich ja doch noch jemand oder hat Fotos?

Originalbeitrag vom 30.08.2019

Als ich 2006 aus Kentucky auf Urlaub nach Hüfingen kam, begegneten uns bei einem Spaziergang an der Breg drei Erpel. Ein Weißer, ein Punk und ein „Normalo“. Das Erlebnis mit der Gang war sehr eindrucksvoll und ich habe es nie vergessen.

2011 sind wir aus den USA nach Hüfingen gezogen und seit dem verbringe ich fast täglich an der Breg. Täglich konnte ich die Gang beobachten, die entweder unter der Brücke oder unweit davon bregaufwärts ihrer Arbeit nach ging. Immer gemeinsam, immer ganz dicht beisammen.

Den Winter 2017/18 mit der Vogelgrippe hatten die drei Jungs unbeschadet überstanden. Auch der Winter 2018/19 ging spurlos an ihnen vorüber.

Dann, im Mai 2019, kam mir auf der Höhe der Hühner der Punk hysterisch schreiend entgegen. Ich folgte ihm die Breg herab. Er stieg noch kurz beim Wehr hoch, schrie Richtung Insel Alarm, drehte um, setzte seinen Weg laut schreiend Breg abwärts fort und ward nie mehr gesehen.

Seit diesem Tag gibt es nach mindestens 13 Jahren Freundschaft keine Gang mehr auf der Breg.

Vorkaufsrecht

Da nach wie vor großes Interesse besteht wollte ich die Bestimmungen in Baden-Württemberg zum Vorkaufsrecht mal nach vorne kramen und die Linksammlung aktualisieren.

Originalbeitrag vom 24. Juni 2022

Kürzlich war eine kleine Diskussion mit Landwirten, wann und wie das Vorkaufsrecht der Gemeinde zieht und was die gesetzlichen Vorgaben sind. Da eigentlich keiner so richtig Bescheid weiß oder einen Überblick hat, wollte ich es hier mal kurz grob zusammenfassen.

Das Vorkaufsrecht für die Kommune ist in den §§ 24-28 BauGB geregelt. Schon für das „allgemeine Vorkaufsrecht“ unterscheidet § 24 BauGB acht verschiedene Fälle. Politisch besonders wichtig ist das Vorkaufsrecht im Zusammenhang mit förmlich festgelegten Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen sowie mit Erhaltungssatzungen nach § 172 BauGB, die dem Erhalt des städtebaulichen Charakters eines Gebiets, dem Erhalt der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung („Milieuschutz“) oder einer städtebaulichen Umstrukturierung dienen.

Bei dem link oben kann man es sich genauer durchlesen. Die Zusammenfassung unten gilt für den Schwarzwald-Baar-Kreis im August 2024.

Vorkaufsrecht Landwirtschaft

Für landwirtschaftliche Grundstücke benötigt man im allgemeinen eine Genehmigung der Landwirtschaftsbehörde, die man hier beantragt.

Der Antrag kann auch schriftlich beim Landwirtschaftsamt eingereicht werden. Unter bestimmten Voraussetzungen hat die Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen das Vorkaufsrecht. Übt die Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH das Vorkaufsrecht aus, verlängert sich die Frist um einen weiteren Monat. Die Rechtsgrundlage hierfür ist das Agrarstrukturverbesserungsgesetz (ASVG)

Vorkaufsrecht Gewässerrandstreifen

Die Flächen entlang von Gewässern jenseits ihrer Böschungen werden Gewässerrandstreifen genannt. Sie dienen dem Gewässer als Schutzsaum und halten Stoffeinträge, die dem Gewässer schaden können, zurück. Durch das am 1. Januar 2014 in Kraft getretene neue Wassergesetz für Baden-Württemberg wurde erstmalig im sogenannten Innenbereich ein gesetzlich vorgeschriebener Gewässerrandstreifen von fünf Meter Breite eingeführt. Im Außenbereich besteht nach wie vor ein Gewässerrandstreifen auf einer Breite von 10 Metern. (vgl. § 29 Wassergesetz).

Durch § 29 Abs. 6 Wassergesetz wurde außerdem ein gesetzliches Vorkaufsrecht an Grundstücken geschaffen, auf denen sich Gewässerrandstreifen befinden. Befindet sich der Gewässerrandstreifen nur auf einem Teil des Grundstücks, so erstreckt sich das Vorkaufsrecht auf diese Teilfläche. Das Vorkaufsrecht steht dem jeweiligen Träger der Unterhaltungslast zu. Dies ist bei Gewässern I. Ordnung das Land, für das in den Regierungsbezirken jeweils der Landesbetrieb Gewässer (Referate 53.1 und 53.2) diese Aufgabe wahrnimmt. Bei Gewässern 2. Ordnung steht das Vorkaufsrecht den Gemeinden zu.

Die Gewässer I. Ordnung sind in der Anlage 1 zum Wassergesetz aufgeführt. Alle dort nicht aufgeführten Gewässer oder Gewässerabschnitte sind Gewässer 2. Ordnung.

Vorkaufsrecht Naturschutz

Dem Land Baden-Württemberg steht ein Vorkaufsrecht zu an Grundstücken, zu

  • die in Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Naturschutzgebieten oder als solchen einstweilig sichergestellten Gebieten liegen,
  • auf denen sich Naturdenkmäler oder als solche einstweilig sichergestellte Gegenstände befinden,
  • auf denen sich oberirdische Gewässer befinden.

Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege, Bundesnaturschutzgesetz § 66 Vorkaufsrecht

Vorkaufsrecht Wald

Der Gemeinde und dem Land steht ein Vorkaufsrecht an Waldgrundstücken zu.

Waldgesetz für Baden-Württemberg, (Landeswaldgesetz – LWaldG), in der Fassung vom 31. August 1995.

Vorkaufsrecht Kommune bei Bebauungsplänen und Sanierungsgebieten

Bei Übertragungen von Grundstücken hat die Gemeinde in bestimmten Fällen ein Vorkaufsrecht. Dies besteht beispielsweise bei

  • Grundstücken, für die der Bebauungsplan eine Nutzung für öffentliche Zwecke festlegt und
  • Grundstücken, die in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet liegen.

Wollen Sie ein Grundstück erwerben, benötigen Sie ein Negativzeugnis, damit das Eigentum im Grundbuch umgeschrieben werden kann. Mit dem Negativzeugnis bestätigt die Gemeinde Ihnen, dass sie kein Vorkaufsrecht für das Grundstück hat oder dieses nicht ausübt.

Hier gibt es einen Onlineantrag.

Baugesetzbuch (BauGB) § 24 Allgemeines Vorkaufsrecht

Fehler oder kaputte links gerne in die Kommentare!

Donau ist Nr. 1 bei Schadstoffbelastungen in Europa

Da las ich am 7. Juli in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Überschrift:

Den Rekord stellte die Donau auf

Von den 610 Chemikalien, auf die das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) untersucht hatte, konnten in der Donau 505 gefunden werden. Knapp die Hälfte davon Pestizide und Biozide, aber auch 175 pharmazeutische Chemikalien, Tenside, Kunstoff- und Gummizusätze sowie Per- und Polyfluroalkylsubsanzen.

Da musste ich daran denken, wie das Landratsamt Schwarzwald-Baar mich doch verlacht hatte, als ich Abbauprodukte von Glyphosat im Stadtbächle nachgewiesen hatte. Sie würden dies doch ständig untersuchen und nichts finden und überhaupt können nur sie fachgerecht Proben ziehen. Beim Ehrenamt würde vermutlich eine Probe automatisch durch unerwünschte Schwingung mit Pestiziden aller Art verunreinigt.

Vielleicht befolgt das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz eine Anweisung nie etwas zu finden, was politisch nicht gewollt ist? (das kennen wir ja schon) Ansonsten könnte, ebenso vielleicht, auch noch dieses Amt mit einem Juristen gedeckelt werden, der durch gute Beziehungen ans RP und nach Stuttgart Rechtssicherheit herstellt? Oder gibt es den schon? Fragen über Fragen.
Aber kommen wir zu den Fakten, die Veröffentlichung* gibt es hier.

Die Donau beginnt in Bayern

Für die Studie wurde Oberflächenwasser aus 22 europäischen Ländern und 22 verschiedenen Flusseinzugsgebieten gesammelt. Flusseinzugsgebiete? Ja, steht da: „river basins“. Die Proben in Deutschland wurden bei Ulm, Neuburg an der Donau, Passau, Augsburg und Eggenfelden gezogen.

Das interessante an der Studie ist, dass Baden-Württemberg einfach mal ausgeklammert wurde.
Womit der Streit über die Donauquelle endlich gelöst wurde: Sie befindet sich nämlich in Bayern!

Da gibt das schwarz-grün regierte Baden-Württemberg einen solch sauberen Strom nach Bayern rüber und was machen die? Verseuchen die schöne Donau mit Pestiziden, Bioziden, pharmazeutischen Chemikalien, Tensiden, Kunstoff- und Gummizusätze und Per- und Polyfluroalkylsubsanzen.
Schamt eich!

* Finckh et al.: Mapping chemical footprints of organic micropollutants in European streams. Environment International 183 (2024)

Kompetente Visionen des Patriarchats Teil 12

Ein alter Briefkopf zeigt Hüfingen etwa 1840 mit den Pappelpflanzungen und der Anlage am Rotrain.

Über das Jahr 1821 gibt es ein Spottgedicht aus Hüfingen in dem das Niedermetzeln von 216 Bäumen in einer einzigen Nacht beklagt wird.

Spottgedicht von 1821
Staatsarchiv Freiburg B 695/1 Nr. 731

Die Zersterung der neuen Anlag in der Nacht vom 4. auf den 5. März 1821
Fallet Bäumchen fallet
Alles heute nacht erschallet
Laut vom Jubelthon
Luna selbst wird mich erheren
Eine Anlag zu zersteren
Ruf ich auch noch Pluto an
Als uns gedanken=Räthe niemand wollte Mehren
Unterstand ich mich, und half zersteren
Ein Erholungsort sehr angenehm und schön
Ruf ich jetzt Ruhe es ist geschehen.
Ruft nicht so laut! Sprach nach vollbrachter That ein Heüchlerischer Bether
Und nehmt euch wohl in Acht, es gibt ein fürchterliches Wetter.
Fort fort es ist geschehen, wir müssen jetzt ganz still nach Hause gehen.

Dieses Gedicht musste damals in Freiburg versteckt werden, da die Täter wohlbekannt waren und von ihren Familien geschützt wurden.

Lucian Reich klagt 1853 im Hieronymus im Kapitel 5:

Auch 200 Jahre später ist der Bauersmann kein Freund vom Schatten und hierbei ist ebenso wie damals egal, ob auf eigenem Grund und Boden oder fremdem.

So wurde in Fürstenberg für das neue Baugebiet vorsorglich eine alte Streuobstwiese platt gemacht. Da dies auch heute illegal ist, wurde das CDU Netzwerk auf dem Landratsamt aktiviert und die Fällaktion nachträglich genehmigt.

Ein freiwilliger Ausgleich wurde vom Bm mit unlauteren Mitteln komplett blockiert, was sogar ausnahmsweise zu einer Abmahnung durch die Kommunalaufsicht führte.

gefällter Apfelbaum in Fürstenbeg
ehemalige Streuobstwiese im Baugebiet Hondinger Straße
Wichtiger Feldweg für den OV Fürstenberg, da „dieser von seinen Vorfahren angelegt wurde“

Ermutigt durch das schlagkräftige Netzwerk vom Landratsamt, sinniert der Bm im Winter 2021 über die Vernichtung einer Streuobstwiese in Hüfingen im Ziegeleschle und murmelte etwas über „Kinderchen die vom Streuobst im von ihm erträumten Kindergarten im Gewerbegebiet bedroht“ würden.

Kurz nach dem Rumsinnieren des Bm schritt der Eigentümer zur Tat und riss das Streuobst kurzerhand aus. Der Bm und die auch die Polizei wurden währenddessen von Anwohnern informiert. Der Bm freute sich und aktivierte seine Freunde auf dem Landratsamt.

Alter Apfelbaum der kleine Kinder bedrohte

Bildschirmfoto von den Karten der LUBW vom ehemaligen Streuobstbestand.

Es wurde über 2.000 m2 Streuobstbestand vernichtet.

Der ehemalige FDP Stadtrat der illegal den über 100 Jahre alten Baumbestand entfernt hat, wurde wegen einer Ordnungswidrigkeit zur Zahlung eines Bußgeldes verurteilt. Das Bußgeld entsprach einem Bruchteil des Planungsgewinnes, den er durch die Rodung hatte. Außerdem musste er eine Ersatzpflanzung tätigen.

Da in Hüfingen kein Streuobst erwünscht ist, wurde die Ersatzpflanzung mit 12 Bäumen in Bräunlingen auf einer schon vorhandenen Streuobstwiese getätigt. Sie befindet sich am Lützelberg.


Es wäre auch hier ratsam vom Wahlrecht Gebrauch zu machen und einen neuen Gemeinderat und Bürgermeister wählen gehen!

Bleibt nicht daheim!

Gesamtfortschreibung des Flächennutzungsplans 2040

Ein Flächennutzungsplan (FNP) ist ein vorbereitender Bauleitplan, in dem die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung einer Gemeinde kartografisch und textlich dargestellt wird. Die dargestellten Bodennutzungen, zum Beispiel Wohn- oder Gewerbegebiet, werden dann durch Bebauungspläne konkretisiert und rechtsverbindlich festgesetzt. Gemeinsam bilden Flächennutzungspläne und Bebauungspläne die gemeindliche Bauleitplanung.

Der aktuell gültige FNP für das Städtedreick ist auf den Seiten des Umweltbüros zu finden:
https://www.gvv-umweltbuero.de/arbeitsfelder/bauleitplanung/flaechennutzungsplan/

Hier der Link zu allen Unterlagen:
https://nc.in-donaueschingen.de

Bis zum 16. Februar fand die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit zur Fortschreibung des FNPs des Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen (GVV) statt.

Der NABU Landesverband von Baden-Württemberg,
der BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg und der
Landesnaturschutzverbandes von Baden-Württemberg haben folgende öffentliche Stellungnahme hierzu abgegeben:

Die Freunde der Natur Hüfingen haben am 6. Februar 2024 eine öffentliche Stellungnahme hierzu abgeben:

Wald am Fürstenberg Südhang wird umgebaut

Die Fichten am Südhang Fürstenberg sind alle gefällt!

Südhang Fürstenberg
am 16. Februar 2024

Pressemitteilung „Naturschutzgroßprojekt Baar“ vom 5. Januar 2024

Voraussichtlich ab Mitte Januar bis Ende Februar werden am Südhang des Fürstenberges auf zirka einem Hektar standortfremde Fichten im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Baar (NGP-Baar) entnommen. Im Frühjahr 2024 sollen rund 800 heimische Laubbäumen gepflanzt und damit ein standortangepasster und lichter Mischwald begründet werden. Das NGP Baar hatte für diese Maßnahme Flächen erworben. So soll der Biotopverbund zwischen den Freiflächen oberhalb, westlich und unterhalb des jetzigen Fichtenbestandes verbessert werden. Der artenreiche und lichte Zielbestand soll dazu vielfältige Strukturen und baumfreie Korridore aufweisen. Von der Verbesserung des regionalen Biotopverbundes sollen Arten wie der Baumpieper (Anthus trivialis) und die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) sowie der Silberfleck-Perlmutfalter (Boloria euphrosyne) und das Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) profitieren.

Auskünfte rund um die Maßnahme und zum NGP Baar gibt Jörg Fünfgeld.

Hintergrundinformationen zum Naturschutzgroßprojekt Baar

Seit März 2013 werden Teile der Baar und der Baaralb, aufgrund ihrer gesamtstaatlichen und internationalen Bedeutung für den Naturschutz, als „Naturschutzgroßprojekt Baar“ durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und des Landes Baden-Württemberg gefördert. Ziel des NGP Baar ist es zum einen, die Wald-, Trocken- und Feuchtlebensräume für den Arten- und Biotopschutz sowie den regionalen und internationalen Biotopverbund zu sichern. Zum anderen wird aber auch die qualitative und quantitative Verbesserung von bedeutsamen Lebensräumen angestrebt. Damit leistet das Naturschutzgroßprojekt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der Biodiversität, also der biologischen Vielfalt. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist Träger des Naturschutzgroßprojektes Baar. Daneben sind der Landkreis Tuttlingen und die folgenden zehn Kommunen beteiligt: Bad Dürrheim, Blumberg, Bräunlingen, Brigachtal, Donaueschingen, Geisingen, Hüfingen, Königsfeld, Mönchweiler und Villingen-Schwenningen. Die Gesamtfläche der Fördergebiete von 4.289 Hektar gliedert sich in 17 Teilflächen.

An der Witwenblume findet nicht nur das Esparsetten-Widderchen (rechts), sondern auch eine Skabiosen-Langhornmotte Nahrung.

Abschlussrede von Gemeinderätin Hannah M Jaag 2024

3 Epitaphe auf dem Hüfinger Friedhof in der Mitte das mit einer Dame die das Schwert im Arm hat und in die Ferne schaut
Die Rede wurde vor der Sitzung aufgenommen, da es während der Sitzung verboten ist.

Eigentlich wollte ich ja nichts mehr sagen, aber da Sie sonst meinen, Sie hätten mich mit ihren Unverschämtheiten zum Schweigen gebracht, möchte ich zumindest die letzte Haushaltsrede halten, bei der ich eigentlich als Fraktionssprecherin hätte reden sollen.

Als ich 2019 zum ersten Mal in diesem Gemeinderat saß, war ich zu allererst schockiert über das großkotzige, arrogante Verhalten vieler Männer.
Lange habe ich darüber nachgedacht, ob dies eine Eigenheit nur von Hüfingen oder vielleicht in ganz Deutschland ein Problem ist.
Ich bin promovierte Naturwissenschaftlerin und auch Ingenieurin und von daher gewohnt mit vielen Männern zu arbeiten. Nach vielen Jahren in den USA und auch der Schweiz war ich allerdings an eine kollegiale Zusammenarbeit und ein vollkommen anderes Demokratieverständnis gewohnt. 

Es ist so, dass sich Frauen heute zwar wählen lassen dürfen, aber wenn sie gewählt sind, keinerlei Schutz ausserhalb einer Partei bekommen. Es kommt weder die Kommunalaufsicht, noch das Regierungspräsidium zur Hilfe. Ohne starken Mann in einer der Parteien im Hintergrund, ist eine Frau zum Abschuss frei gegeben. Genau dies wird vom Bm und seinem Fraktionssprecher hemmungslos ausgenutzt und genüsslich betrieben. Frei nach dem Motto: “Politische Teilhabe könnt ihr haben, aber dann werdet ihr eben fertig gemacht.” Qualifikation oder demokratische Grundprinzipien sind vollkommen egal.

Der Rechtsstaat wird für eine bestimmte Gesellschaftsschicht ausgesetzt und dies kann öffentlich betrieben werden, da es keine Presse mehr, sondern nur noch unreflektierte Hofberichterstattung gibt. 
Die ständigen kompetenzfreien Machtdemonstrationen, das zusammenhangslose, dümmliche Sinnieren und auch das sinnlose, zerstörerische Verschwenden von Steuergeldern nervt mich einfach nur noch. 

Ich wurde gewählt, damit auch die Natur und der Artenschutz in Hüfingen wieder eine Rolle spielen. Dies ist nicht möglich und wird verwehrt. Kompromisse gibt es keine. Bei der CDU sind Kompromisse: Ich mach was ich will und Du hältst den Mund. Wenn man diesen nicht hält, ist man halt nicht kompromissfähig.

Zum Haushalt

Dieser gesamte Haushalt ist ein Schlag ins Gesicht vom Naturschutz, von jungen Familien, die ihre Kinder nicht katholisch erziehen möchten, von Jugendlichen und auch aller Menschen, die irgendwie im 21. Jahrhundert angekommen sind, oder dies vielleicht möchten.

Was haben wir in Hüfingen:
5 katholische und 1 evangelischer Kindergarten. Ausser einer zuerst stark bekämpften Elterninitiative keine laizistische oder sonstige Einrichtung. Kein pädagogisches Personal das nicht den Wertvorstellungen des hiesigen Klerus entspricht.
Aber gut, es wurde mir bereits öfters gesagt, dass ich über keinerlei Kompetenzen verfüge über Kindergärten zu sprechen. Leider ist die hierfür ausgebildete Stadträtin komplett verstummt und überlässt es brav alten Männern.

Kommen wir zu meiner Expertise, dem Naturschutz.
Baugebiete Fläche Behla 0,85 ha (Nettobaufläche 6.924 m2), Fürstenberg 3 ha (Nettobaufläche 16.520 m2), Ziegeleschle 4,3 ha (Nettobaufläche 13.700 m2), Loretto 6,9 ha, Hausen vor Wald 2,17 ha (Nettobaufläche 11.303 m2), Mundelfingen 2,06 ha, Sumpfohren 0,9 ha (Nettobaufläche 4.329 m2).
Das sind mindestens 20 ha Neuversiegelung – ohne die 16 ha vom Lidl. Diese Neuversiegelung wird die Stadt die nächsten Jahre mindestens 10 Mio Euro kosten. Alleine 2024 stehen im Haushalt “immense Investitionen von 8.8 Mio Euro”. Es ist fraglich, ob sich diese Investitionen in den nächsten 20-30 Jahren amortisieren; insbesondere vor dem Hintergrund stark rückläufiger Bauanträge und steigender Zinsen.

Stellen wir uns den Aufschrei einiger Landwirte vor, wenn der Naturschutz 20 ha aus der intensiven Nutzung nehmen wollte. Aber gut, deshalb investiert die Stadt Hüfingen gleich besser rein gar nichts in den Naturschutz. Ganz im Gegenteil:

  • Für das illegale 13b Baugebiet Hondinger Straße wurde ebenfalls illegal (nachträglich durch das LRA genehmigt) eine Streuobstwiese vernichtet.
  • In das Biotop Behlaer Weiher wurde über Jahre hinweg Mischwasser eingeleitet. Um nichts wiederherstellen zu müssen, wird gelogen, betrogen und es werden alle verfügbaren Beziehungen ausgespielt.
  • Auf Wunsch eines bestimmten Landwirtes seine Neupachtung ohne Hecke zu bekommen, wird auf der Längewiese illegal ein geschütztes Heckenbiotop gerodet.
  • Für das Gewerbegebiet Ziegeleschle und einen CDU Wahlkampfhelfer wird ebenso vorsorglich wieder illegal eine Streuobswiese ausgerissen. Auch hier werden wieder alle verfügbaren Kontakte und Beziehungen ausgespielt.

Naturschutz ist in Hüfingen, wenn Ökopunkte generiert werden, um den gesetzlichen Vorgaben zu genügen.

Neben dem Naturschutz spielen auch die Jugendlichen in Hüfingen keine Rolle mehr. So wird gerade mal getan, was vom Staat gegenfinanziert wird. Der Stadtjugendpfleger wurde in die Nachbarstadt weggemobbt. Offene Jugendarbeit und seine Beliebtheit war den herrschenden Männern ein Dorn im Auge. Gerade nach der schlimmen “Coronazeit” wird diese fehlende Sozialisation vieler Jugendlichen der gesamten Stadt noch ordentlich auf die Füsse fallen.
Wie kann eine Stadt von der Größe Hüfingens auf ein funktionierendes Jugendhaus verzichten? Und nein, Vereine und Ehrenamtliche können und werden dieses Defizit nicht auffangen können.

Wofür aber Geld da ist, neben der Versiegelung und Zerstörung unserer Natur, ist ein sogenannter Bürgerdialog, Consulter, Anwälte, Berater, Architekten und natürlich Dienstwägen. Zum Ausverkauf des Hüfinger Stromnetzes sage ich gar nichts.
Aber zum vermeintlichen Luxusgut Sauna: Die einzigen Luxusgüter die Hüfingen sich leistet, sind Consulter, Anwälte und Architekten, deren Kosten und Beauftragungen sich dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit entziehen. Hierzu wurden nie Zahlen genannt.

Dies war vermutlich das Letzte, was ich als Stadträtin sagen werde und ich hoffe, die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger nutzen das Wahljahr 2024, um der unguten Entwicklung nachhaltig entgegen zu wirken.

Vielen Dank an meine Fraktionskollegen für die spannenden Diskussionen und die Unterstützung der letzten Jahre!

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