wie schrieb ich ich letzte Woche über die Sackträgermotte? Etwas ganz Verruckts. Den gleichen Kommentar vergebe ich zum heutigen Thema über den Ameisensackkäfer. Was ist das denn für ein komischer Name? Abwarten, die Auflösung kommt.
Das erste Bild schickte mir Tierzuchtleiterkollege Dieter Kraft aus Schwäbisch Hall. Schöner Käfer dachte ich mir, fast wie ein Marienkäfer, aber der ist runder. Dann schickte mir kurz darauf Edmund Zeiser aus Zimmern unter der Burg das zweite Bild und schrieb: „Die Brutbiologie von diesem Käfer würde einen interessanten Beitrag abgeben“.
Ich wurde stutzig und nachdem ich nachgeschaut hatte, war vollkommen klar, dass das wieder ein Hammer ist. In meinem Hirn ratterte es, Mensch, den hast Du doch auch schon fotografiert und tatsächlich am 27. Juni 2024 auf einer verblühten Margerite in unserem Garten.
Der Hammer sind nicht die Käfer, sie ernähren sich ganz normal von Blättern verschiedener Baum- und Straucharten. Der Hammer sind die Larven. Sie leben in Ameisennestern und fressen Reste der eingetragenen Ameisenbeute oder auch tote Ameisen. Und nun kommt der Oberhammer, wie kommen sie in die Ameisennester hinein? Ich glaube, man kann es sich nicht vorstellen. Die Käfermama dreht zwischen den Hinterbeinen eine Eikugel. Dabei wird das Ei am Hinterleibsende immer wieder mit etwas betupft. Es wird dadurch mit einer Exkrementhülle umgeben. Dann wird das Ei in der Nähe eines Ameisennestes, meist von Nestern der Roten Waldameise fallen gelassen. Entweder wird es dann von den Ameisen aktiv in das Nest eingetragen, weil sie es irrtümlich als Nistmaterial verwenden wollen, oder die Larven dringen selbstständig in das Ameisennest ein.
Nach dem Schlüpfen aus dem Ei verbleibt die Larve in der Exkrementhülle, von daher kommt die Bezeichnung „Sackkäfer“, und erweitert sie sogar. Der Kopf der Larve ist stark geschützt. Zieht sie sich in ihren „Sack“ zurück, verschließt sie mit der Kopfkapsel ihr Refugium wie mit einem Deckel, der von den Ameisen nicht zerbissen werden kann. Ich würde sagen, hier kann man vom Oberoberhammer sprechen.
In der Zeit, in der sie sich im Ameisennest entwickeln, werden sie von dem Ameisen nicht als Feind wahrgenommen. Für erwachsene Ameisensackkäfer scheint das nicht zu gelten, weswegen sich die Larve kurz vor der Verpuppung möglichst nah an eine Stelle innerhalb des Nests begibt, die es dem geschlüpften Erwachsenen ermöglicht, das Nest schnell zu verlassen. Aus diesem Grund findet auch die Verpuppung innerhalb des Kotsackes statt. Diese Schutzhülle wird erst verlassen, nachdem der Käfer geschlüpft und sein Chitinpanzer ausgehärtet ist.
Was denken Sie, wie lange diese Entwicklung dauert? Erstaunliche zwei bis vier Jahre, bevor im Frühjahr das Ameisennest verlassen wird. Erwachsene Tiere findet man von Mai bis August beispielsweise an sonnigen Waldrändern, aber auch im menschlichen Umfeld wie Parks und Gärten können sie einem begegnen.
En Guu goht hit dorch iser Huus Vu Schmalzfett, Hefedoag und Epfelmuus Und frischem Moscht, no i de Kante Doo kummet`s grent, die bucklige Verwandte
Hubert Mauz am 28. September 2022
Gewinner Biebli mit Fähnli und Hammel als Preis / Niederesche in den 60-ern. Aus Archivfundus Trachtenverein Reckhölderle Niedereschach
Hammellauf
Wenn i ab und zue mol über die nei Brigachbruck z` Gräninge fahr, no gucki all uf die Feschtwies dorri zwische de Schmitte und de Krone. Denno stieget, wie so vill mol, Kindheitsbilder i mir uff. De erscht Vorhang isch des Leporello vum Gräninger Hammellauf. De Zweit Vorhang sind Schiffschaukle und Karussell, de Dritt de Dreschschuppe und de Viert s` Hohwasser vu de Brigach, wa um die aalt Boge- Bruck schuuset. Aber nochenand.
A Kilbi war de Gräeninger Hammellauf. Uf de Brigachgwies bi de Schmitte vu`s Schorppe war e kleis Karrusell, e Schiffschaukle und e Schiessbuddi uffbaut. D` Feierwehr hät useme grosse, holzgfierete Wäschkessel Serbele und Schibbling mit eme guete, selberbachene Buurebrot verkauft. Uf eme Diele wo uff zwoe Böck gstande isch, häsch useme Eimer, wo e Pumpi draa war, mit eme uuastänige Gräusch en große, geäle, gstrechne Dolke Sempf uf die Worscht pfluddere lau. Des waret halt no Werscht vum Mexer und des Brot hät no de Guu vum Kachelofefier und de Äsche khaa. Daß es usem Bachofe vume Buurehuus war, des häsch am iibachene Ruess und de Holzrescht a de Bodderinde vum Brot gsähne. Uff de Zai häschs au gmerk, wenn de Oortmocke und die knusprig Brotrinde kafflet häsch und es debei eweng gnirscht und knischteret hät. Nochdem mit eme große Gnuss die Serbele verdruckt häsch, bisch am Karrusell, de Schiffschaukel und de Schiessbudi ummegmuuset und häsch kalkuliert, ver waa und wiewiet s` Sachkgeld, de Batz vu de Oma und de Gotte, langet. 20 Pfennig ver de Hammellauf hät uubedingt übrig bliebe messe. Noch ere halbe Stund isch de Entschluss g`stande: 50 Pfennig für Bränti Mandle und oemol Schiffschaukle ver 20 Pfennig. Mit eme kleine Schiffli. Zerscht häsch no de Große Latschi zueguckt wie sie a de Iberschlagschaukel ihre Kraft, Uusduur und Muckis uusprobiert hond. Dieselle sind iigstige und hond vum Karrusellbremser en broate Rähme um de Buuch aagschieret griegt. Uff beide Siite sind sie anere Kette a de Schaukelstrebbe aakettmet wore. De grossgoschig Schaukler hät nomol aageberisch i d` Händ gspeitzt und denno vum Schiffschaukelbremser en Aaschuk griegt. Jetzt hät er bumpet, sech verkrimmt, isch i d` Knie, und höher und höhner gstigge. Korz vor em Überboggle am Ruhepunkt häsch ammel gmond jetzt kait er abi. De gwagt Ibberschlag war s` Ziel vu dere Aastrengung. Wer des gschaffet hät war a dem Mittag de Feschtkönig vu de Brigitäler Feschtlatschi, nebem oder noch em Hammel. Wenn 2-3 Kerli a dem Dag ummi kumme sind, wars vill. Wenn on oamol ummikumme isch, denno isches uf oamol liicht gange, no war de Boge dusse und de Schwung do. De Bremser hät en unter Gjohl vu de Brigitäler Halbstarke und em Giigse vu de mollige Maidli, hit dät mer „ Groupies „ sage, no so 10 mol voll uuschwaie lau. Erscht bim 10. grandiose Überschlag hät er des Schiff abbremst, uusgschieret, de Rähme und d` Ketteme glöst. S` Schätzli, wenn er scho oes kha hät, isch im um de Hals khait und uusnahmswies hät er i aller Öffentlichkeit en Schmatz uf de Backe griegt. Dieselle wo s`halt nit ganz gschaffet hond, den schwerelose Überschlag, die hät de Schaukelbremser noch so 20 meh- oder weniger fascht- Iberschläg mit em Bremsbrett abgmicket. Die gschlagene Helde hond am Obet bim Hammeltanz konni guete Kaarte khaa bei de Maidli. Noch dem mer dem Heldekampf e Ziitlang zuegucket hond, simmer id Kinderschiffli gstige und hond gucket, dammer wenigschtens uf halbi Höhi kumme sind. S´ näascht Johr isch wieder Hammlelauf und denno bisch 3 Kilo schwerer, sterker und schleesch de aalt Rekord um mindschdens 30 cm. Warted nuu, eich zoag echs scho no. Und wenn i groß bi, denno mach au ech de Überschlag. A de Schiessbuddi hond sie au Gickili mit Brennte Mandle oder Erdniss kha. D ` Erdniss waret 20 Pfennig billiger, des duets au. Und wenn bim lahmarschige und triebsinnige Hammellauf no eweng ebbis zum Niss us em Gickeli zum kaffle häsch und im Vordere und im Hintere, bsunders wenns amend no e nett Maidli isch, no eweng langi Zai mache kaasch, isches au guet.
De Feierwehrkommandant hät gschellet und Gjohlet dass i 10 Minute de Hammellauf losgau dai und me gi zahle gau sott. Am Iigang zum magische Kreis, isch de Feierwehrkassier gstande und hät jedem 20 Pfennig abgnipft. Guet 40- 50 Kinder sind jetzt i dem vu de Feierewehrmanne mit Hanfsäeler abzerklete Hammelring gstande. I de MItti ame Pfoschte en scheene, gstriglete und kränzlete Hammel. Er hät bleed us de dicke Wolle gucket und gmäckeret wie ebbe e dumms Schoof. Jetzt hät de Kommandant de „ Kaiser- Uhre“ Wecker mit dene Doppel- Schelle obedruff uf 20 Minute gstellt. Den Wecker hät er in en große Emaildeller gstellt, dass er au reacht schepperet, wenn er abi ghoht. Mit de große Feierwehr- Alarmglocke hät er gschellet wie verruckt und de Wecker renne lau. Jetzt hät sich der Kinderlindwurm im Umlaufring umme draiet im Hennedäppeli Schritttempo. Dä wo de Wecker uff me Schemmel gstande isch, war en kränzlete Torboge mit eme Art Käfig. Wer i dem Gatter gstande isch, wenn de Wecker abigange isch, der hät de Hammellauf und natierli de Hammel gwunne.
Hammellauf Wecker im Resonanz Teller
I manche Boorgmonde hät mer e Fähnli, wie bei me Staffellauf, all im Hintere übergähe messe. Wer beim Weckerscheppere des Fähnli i de Fingerli ghet hät,hät de Hammel gwunne. Zwonzg Minute sind ver e Kind, wo gspannt isch wie en Pfieleboge, e Ewigkeit und d` Spannung fascht nit zum verhebbe. Aber jedi Qual hät au mol e End, de Wecker isch luut und schepprig aabi gange. Min beschte Kinderfreund, de Seppli , isch im Gatter gstande. Ech hinne draa und han do demit de 2. Preis, en kochte Schunke, gwunne. E Maidli vor em Seppli, d` Rita hät die groß Tofle Schokelad gwunne. Die drei Kinder waret zfridde aber die andere 40 hond denkt: „ Jetzt bisch wieder 20 Minute dolorig im Ring umme gwattet und häsch wieder nint gwunne. Ob i do s` näscht Johr die Kummedi nomol mitmach, des moss i mer schwer iberlegge“. De Schunke häts nit lang überlebt. Bis d` Brieder und alli gute Friend versorget waret, isch glii nint meh ibrig bliebbe und eweng schleacht war der` s au. Schunke roh uhni Brot, kah der uff de Mage schlaa. Me sot nit glaube wie vill guete Freund uf oamol kaah häsch. I de Rita isches genauso gange. Sie hät sogar i de bleedschte Kuhe us de Klass e Rippli abgäe messe. So hert kaa halt manchmol s` Schicksal sogar im Glick sii.
Hammelgwinner mit Fahne Mitte, 2. Preis vor dem Fähnlibue / li und 3. Preis nach dem Fähnlibue Niederesche in den 60-er. Aus Archivfundus Trachtenverein Reckhölderle Niedereschach.
Gräeninger Hohwasser
Nebem Hammellauf hät Gräeninge no e andere Rarität zum uffwiese khaa. D` Brigach doalt befrischtet, fascht wie d`Berliner Muur, s` Ort i zwei Doel. Eng verbunde waret die beide Dorfteil a beschtimmt 350 Tag im Johr mit ere scheene Gwölbebruck us ghauene Kalkquaderstäe. Sie war korz und uff beide Siite steil aastiegend. Wie d` Rialto- Bruck z` Venedig hät sie fascht uusgsänne, nit ganz so elegant, halt eweng rustikaler, ehner e romanischi , solidi, bodeständige Bogebruck. Well sie kurz und trocke usem Brigachvorland ussigucket hät, isch s` Brigachhohwasser im Friehjohr und im Herbscht oder bei sau- Wolkebrich uf beid Siite im Hohwasservorland um die Bruck ummigloffe. Sie isch regelreacht versoffe und nuu d` Kuppe hät us dem manchmol broate Brigach- Strom uussigucket. Des hät ghoasse, dass Liit vu de Kirche – Dorfsiite nit uf d` Bah gi Schaffe, nit uf d` Felder oberm Rebberg und au nit gi Klenge und Villinge i d´Schuel oder i d Saaba gi schaffe kumme sind. Und die Rebberg Aawohner sind nit i d` Kerch, i d` Schuel, zu s Muurers gi Iikaufe, i d` Rahmi gi Milch abbgähe und au nit ufs Rothuus oder gege Wulterdinge oder gi Pfudd- Uufe kumme. Des war aber ver die pfiffige Gräeninger koe Problem. E Gmeinschaftsgfiehl, wa z` Gräeninge bis hit no aahebt, hät, im Städtedreieck eimalig, e Lösung gschaffe. Jeder Gräeninger, ob Bue oder Maidli, Wiiber oder Manne, au manche rüstige Oma oder Opa, hät gute Stelze khaa. Die handwerklich meisterhaft gwangerete Stelze hond e Art Brandzoache mit de Familie- Initiale khaa und sind zu de Hohwasserziite a de Krone oder uf de andere Siite, bi de Schorppe- Schmitte, aaglohnet, parkt gstande für de Hohwasserfall. Isch Hohwasser kumme und d` Bruck war uupassierbar hät es koe „Hohwasserfrei„ ähnlech wie Hitzefrei oder i de Feuersteinschuel Kältefrei wege Kohlemangel gäe. I de Gräninger Schuel ischs wiiter gange ohne Uusnahm, au bi Hohwasser. Vu wege Friehmess schwänze. Do sind die oagene Stelze gnomme wore und dorch die beide riissende Hohwasserrinne hochhackig aber troche gstelzt wore. S` wunderet mi hit no, dass de kindlich fromm Pfarrer Wölfle, s`Pfärrli hät mer zue ihm gsait weil er eweng korz und schmal gwaasse war, konn Heilige Christopherus, der mit em Hohwasserstäcke und de uffgraffte Gwänder und em Jesuskind uff em Buckel, a de Brigachbruck uffstelle lau hät.
Näemert im wiite Umkreis hät so guet, so akkrobatisch, zirkusriif Stelze laufe kinne, wie d` Gräeninger. Mir Eschinger mit iiserne vermoderete, vermauchete, verwormete Bohnestecke wo mit krumme 80-er Nägel Trittbrettli- Lotterfalle aagnaglet waret, wo all Forzlängi broche sind, mir hond koe Land gsenne gege die Gräeninger Stelze- Artischte. Vievill mol simmer bin Üebe i de saichte Brigach mit iiserne verlächerete Stelze z mitts im Bach soechnass bis an Buuch gsi, weil des Glump halt wieder broche isch. Natierli häsch denno au en bluetige Strieme an de Wadde kha, well so en rostige Nagel no us em Stäcke uussigucket hät.
Uf de andere Bach Siite z Gräninge sind die Stelze noch em Dorchwatte abgstellt, parkt wore uhni abgschlosse. Hit zu Dag dätet so Sache nit lang stau bliebe. Im gottesfürchtige Gräeninge war des koe Problem. Me hät die Stelze fer de Hoamweag jo wieder bruucht. S´ war fascht wie de biblisch Gang dorchs Rote Meer bi de Vertriebung us Ägypte. Nuu, dass es dert fortztroche gsii isch. Natierli häts au Liit gäe wie krummi, aalti Wieber und Manne, oder vernämmi Bürger oder ebbe Stelze- Aafänger, wie mir Eschinger, die au uff die ander Siite hond welle. Fer die hät mer en Fährdienscht, en Übersetzdienscht iigrecht. Buure mit ihrne Furt erprobte Bulldeggli, Marke Kramer Allesschaffer, i dere Ziit warets ebe au Fährbullogg, sind stundewies iidoalt wore, zum den Ibersetz im Gemeinwohldienscht, im Art Frondienst z` mache. S` hät zwar koa Glocke gähe wie bei den Rheinfähre zum de Fährbulldogg aafordere, me hät jo Sichtkontakt ghet und hät halt gwunke. No bisch uff em kaalte Blechsitzli überm Rad vum Kramer Allesschaffer khuggt und bisch trochenen Fusses dorri kumme. S` Lied „Dont pay the farryman „ vum Chris de Bourgh war no nit gschribbe, aber gstimmt häts trotzdem. S` hät glaub werkli nint koscht. S` war en koschtelose, bürgerschaftliche, Gmeinwohl Bürgerdienscht.
I de 60-er Johr isch au des Kuriosum, wet fascht sage leider, endgiltig verschwunde. Me hät e neie , aber nit uubedingt e scheeneri, Stahlbetonbruck baut, womer jetzt au bi Hohwasser ohne Fährdienst dribber kunnt. S war en Bruuch und e Kuriosität, dä z` Gräninge mit dem nette, beispiellose Bogebrickli. Und kum ebber woass es no, au wemmer draa erinneret. Und drum momers uffschriebe, sunscht words no ganz vergesse und verschwindet i de Versenkung oder versuuft im Brigachhohwasser.
Daß es fascht, wenn nit sogar scho ganz, vergesse isch, des zoaget des wunderschee 900 Johr Fescht wo z` Gräeninge anne 2009 mit eme aaschauliche, historische Lebenslauf über des Ort darbote wore isch. Dä hanni selber als historische Rebberg- Schi- und Schlittefahrer mitgmacht. Hit kunnts mer erscht, damer jo des Stelzelaufe dorch d` Brigach, de Fährdienscht dorch`s Brigachhowasser mit de Bulldeggli und de Hammlelauf vergesse hät zum zoage. Amend kinnet d` Gräninger bime nei uffglaite Hammellauf und eme Stelzelauf des no mol nochhole ?
D Niedereschmer Rechhölderli Liit hond den aalte Bruuch fascht als die Allerletschte nit verkumme lau und triebets gottlob all Johr a Kilbig no. So wie früher. Aber wahrschienlich kinntet die junge Gräninger gar nimme Stelzelaufe ? En Hammel miesst mer ehner no zämetgriege wie guet gwangereti Stelze.
Stelzenläuferin im Neuen Akerbryggen in Oslo (Wär doch au e aussagestarke Gräninger Sculptur / Relief a de Brigachbruck?)
Ich khaa alles, au Fährdienscht beim Gräeninger Hohwasser
Hammellauf
Z’Gräninge a de Brigachbruck Do stoht zwar konn Sanct Nepomuk Dä isch äbs gsii, des war jo s‘ Bescht E ganz e bsunders Kinderfescht
Fahr ech vorbei no denk ech draa Wa Kinderherzer selig mache khaa E oafach Spiel, koa halbi Stund Me bruucht e Wies, e großi Rund
Und z`Mitt en Pfohl wo aabindt isch En fette Hammel, wo gstrigglet isch Und kränzlet schee, des ischer au So kaa des Spiel au glii aagau
Zwonz Pfennig dierft’s scho koschtet haa Wa s’Kässli fillt vum Feierwehrmaa No häsch di iigreiht i die Kinderschaar Un gspanne warsch, mit Huut und Haar
De Kommandant hät gliitet, gschällt Uff zwonzg Minute war de Wecker gstellt Jetzt bisch im ringrum allbot gwattet Des Weckergschäll häsch kum verwaatet
Und wenn de Wecker am Schäfer- Wisch rattret Sell Kind, des hät de Hammel jetzt ergattret De Vorder und de Hinter grad Der grieget en Schunke und en Schokelad
S` war wieder nint, säll mit em Hammel De Seppli hät en ghet, den Bammel Der kochet Schunke, der war mer lieber Glii war er gfresse , zemet mit de Brieder
heute kommt etwas „ganz Verruckts“, wie der Schweizer säge dät. Dr. Gerhard Bronner vom GVV Donaueschingen schickte mir als Privatmann das Bild und meinte, das wäre doch auch was für die Bürgerpost. Gott sei Dank lieferte er auch die Erklärung dazu. Zunächst vermutete er eine Köcherfliegenlarve bei diesem Gebilde an seiner Hauswand, aber die kann nur im Wasser existieren. Über „iNaturalist“, inzwischen eine der beliebtesten Natur-Beobachtungs-Plattformen weltweit, kam er auf die Lösung, es ist ein Weibchen einer Rauch-Sackträgermotte. Ein Oberhammer, finden Sie nicht auch? Als ich die E-mail von Dr. Gerhard Bronner gelesen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich ging sofort in den Garten, weil ich genau wusste, dass ein Exemplar an der Hauswand und eins sich am Wasserfass befand.
Rauch-Sackträgermotte von Dr. Bronner
„Wasserfass“ Sackträgermotte
Mich würde an der Stelle interessieren, wer von Ihnen das Wesen gekannt hat? Oder wem es ging wie mir, der es gesehen hat und trotzdem blind war. Denn ich dachte, das kann nichts Lebendes sein.
Die Larven der Sackträgermotte bauen sich nämlich einen schützenden Sack aus Seide und verschiedenen Materialien wie Blättern, Zweigen oder anderen kleinen Partikeln. In diesen Säcken leben sie und schützen sich so vor Fressfeinden. Wenn sie ausgewachsen sind, verpuppen sie sich in ihrem Sack und schlüpfen schließlich als erwachsene Motten. Jetzt kommt aber ein zweiter Oberhammer, das machen nur die Männchen. Denn die Weibchen sind meist flügellos und bleiben oft ihr Leben lang im schützenden Gespinstsack. Der Körper des Weibchens ist madenförmig und kann gelblich oder hellbraun gefärbt sein, mit einigen dunkelbraunen Rückenplatten. Es hat gut entwickelte Beine, mit denen es sich fortbewegen kann.
Die Weibchen locken mit Duftstoffen die Männchen an, um sich zu paaren, und legen ihre Eier im Sack ab. Die Männchen leben nur wenige Tage, eigentlich nur wegen der Paarung.
Jetzt noch ein Detail: Vergeichen Sie die Sackträgermotte von Bild 1 mit den anderen beiden. Ich würde sagen, bei Bild 1 sieht man das weibliche Wesen, wie es aus dem Sack schaut. Meine sind in der Puppenruhe.
Vielen Dank Ihnen Herr Dr. Gerhard Bronner für die Zurverfügungstellung der Sackträgermotte. Das war Spitze.
Der Ort isch tot für immer. Aber die doale saget nei ! Mir bruuchet lebige Musee`e, wo Liit mit ihrene Wurzle bekannt gmacht wered oder andere die Wurzle kennelehre könnet.
Mir bruuchet die ursprünglich, die oache Natur.
D Gschicht sott uns glehrt haa, en so wesentliche Teil vu unsere Kultur wie e derartigs Dorf i iiseri Obhuet z nehme. De Puls muess schlaa. Denno kennet mir iis gegesiitig mit Kreativität und Phantasie beflügle. D` Bäckerei dezue bringe, dass sie wieder duftet, de Lade und s` Wirtshuus, dass die Türeglocke und d` Gläser wieder klinglet.
Die Obere hond aagfange Verantwortung defüer allmählich zuezgäe.
Du triffscht villi guete Geischter im Ort. E paar sind besunders uff die Obere uus und uff sonige, die nit sehnet, dass iiseri Kultur en Schatz isch, wo bewahrt were muess. Nit nuu fer iis und dieselle, die noch iis kummet. Nei, au dass s` Urteil vu de Gschicht über iis e klei weng milder uusfallt.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Die Gespenschter ruefet jungi Liit, die meh erlebe wend wie stickige Stubbe, locket Reisende mit Erlebniss, wo sie i me Kurhuus oder uff e me Traumschiff nit überkummet. Die Gespenschter versuchet, die aazrege, die Gschichte und Määrli wohrnehmet, dass sie und mir alli, vu dene ihrem Riichtum ebbis abzwacke kinnet.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Do isch e Perle, die noch johrhunderte langem Waarte zu dere Perle wore ischt. Sie word en uuwürdige Tod sterbe, wenn ihr sie mit falsche Glunker und Nippes uusstaffieret.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Frei in Baaremer Mundart nach Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin, Bestseller „Dina“ u. „Der lange Weg“ von Hubert Mauz / Donaueschingen Nov. 2018
Artefakt sind Botschafterinne us e re Ziit, die nie meh zruckkumme word, wenn mir uuachtsam und nochlässig ihre Zeitreis „ abbreche „ wered.
Die Magie lebender Museen
Dieser Ort ist tot für immer. Aber einige sagen nein ! Wir brauchen lebende Museen, wo Menschen mit ihren Wurzeln bekannt gemacht werden oder die Wurzeln anderer kennenlernen können.
Wir brauchen die ursprüngliche Natur.
Die Geschichte sollte uns gelehrt haben, einen so wesentlichen Teil unserer Kultur wie ein solches Dorf in unsere Obhut zu nehmen. Der Puls muss schlagen. Dann kann man sich gegenseitig mit Kreativität und Phantasie beflügeln. Die Bäckerei dazu bringen, dass sie wieder duftet, den Laden und das Wirtshaus, dass die Türglocke und die Gläser wieder klingeln.
Die Politiker haben angefangen die Verantwortung dafür zuzugeben
Du triffst viele guten Geister im Dorf. Einige sind besonders auf Politik aus und auf solche, die nicht sehen, dass unsere Kultur ein Schatz ist, den wir bewahren müssen. Nicht nur für uns und die, die nach uns kommen, sondern auch, um das Urteil der Geschichte über uns etwas zu mildern.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Die Gespenster rufen junge Menschen, die etwas mehr erleben wollen als stickige Klassenzimmer, locken Reisende mit Erlebnissen, die sie in einem Hotel oder Traumschiff nicht bekommen. Die Gespenster versuchen, die zu gewinnen, die Geschichten und Mythen wahrnehmen, um von ihrem Reichtum zu profitieren.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Da ist eine Perle, die in jahrhunderte langem Warten zu dieser Perle geworden ist. Sie wird einen unwürdigen Tod sterben, wenn ihr sie mit falschem Beiwerk und Tand schmückt.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin Weltbestseller „Dina“ und „Der lange Weg“
Artefakte sind Botschafterinnen aus einer Zeit, die nie zurückkehren wird, falls wir unachtsam ihre Zeitreise „abbrechen“ werden.
Herrgottstag gesprochen von Maria Simon am 13. Juni 2023
Wenn des de Freiherr von Drais no mitkriegt hett
Herrgottsdag- Morge Aafang 1920- er Johr: Am Untere Bahwartshiesli z Degginge sind Motter Sophie, de Wilhelm, d` Berte , s`Klärli und de Seppli mit em Sunntigshäs vor de Hieslitüre fertig zum Abfahre an Herrgottstag gi Hifinge. S Häergatter isch kontrolliert, dass jo kon Fuchs im Hennefang e Bluetbad aarichtet S. Mekker- Gäessli und grunzig s `Süehli isch gfuetteret und und de Duubeschlag speerangelwiit uffklappt. D Sophie isch e Ur- Hifingeri und sie hät en Hotz ghierote, de Lixx, de Felix Hilpert vu Hiesere bei St. Bläsi im Obere Hotzewald. Ihn häts gi Degginge ad Bah verschlage. S kursierend Familie Grüecht sait, dass er ebbis verbootzget heb, de bärestark, oerche Haumoeschter us de Urwaldähnliche Wälder um Hiesere rum. Dä, z Uurberg, Dachsberg, Blasiwald und Menzeschwand kennt er sich uus wie im oegene Hosesack. Dä hinne hond sie scho immer gern gwilderet. De Lochheiri, de muusarm Gietler mit eme Stall voll Kind häts mit em Lebe zahlt. De gnadelos Waldhieter hät ihn in Flagranti verwischt und mit de Flinte verschosse. S Opfer isch wege dere Gnadelosigkeit aber zum heimliche Held, zum „Ganghofer“, vum St. Bläsemer Land wore. Die Not vu dene ville Halbwaisle vum Lochheiri us em Mucheland hond die raue Hotze dem Förster und de Obrigkeit uff langeewig nit vergesse. Sogar e Wirtschaft „Zum Lochheiri“ i de Iisebrechi bi Schluechs gihts, ganz zum Aadenke an den Wilderer, der us Mundraub- Not gwilderet hät. Wege so ere ähnliche Kummedi isch also de Lixx wahrschienli entweder freiwillig vu dä vertloffe oder sie honds ihm nahegleit. Er soll doch lieber oehmets änni gau, wo`s weniger dichte Wälder und weniger Reh und Hase gäb. Zum Biispiel uff die offe Boor.
So soll also de Lixx gi Degginge kumme sii, a d Bah und is „Unter Bahwartshieli“. Dä wo jetzet de Thomas Esslinger huuset. Dä sind au alli vier Kind uff d Welt kumme. Dieselle Kind also vum Lixx und de Hiefingeri, de Sophie, geborene Kramer, d Schweschter vum letzte Städlibuur Beppi Kramer, us em Siesse Winkel, sind dä z Degginge uffgwahse.
Hai, Hai, hucket huff
Vor em Bahwartshiesli stoht e Gamp- Draisine nebem Gleis. Gamp Draisine sind die bei de Bahn normale Gschierer, die i de Mitti zwei Schwengel hond wie bei ere Gillepumpi zum uff- und abgampe. En Exzenter triebt denno d Achs aa. Im Gegensatz zu de neie, moderne Tourischte- Draisine mit Fahrradtreter und Ketteritzel. Mit e paar Flüech schindet de bomstark Lixx des Gschier uff s Gleis. De ältscht, de Wilhelm, au scho e gross Kamel, hilft ihm debii. Im Lixx sin legendäre Fluech, der sich bald i de ganze Familie iignischtet hät, war : „Mundidie“, nu den därf er i sim Hotzejähzorn uussiblose, wenns wieder mol klemmt. Dodruff aachet die gottesfüerchtig und volksfromm Sophie wie en Gendarm. Vu wege die booremer Universalflüech wie „Herrgottsackrament“, „Himmel Arsch und Wolkebruch“ oder „Gottverdammi“. So holose, gottsläschterliche Fluech usem Hotze- und Buurefluechrepertoir gihts bi de Sofie nit. Nit ummesuscht isch de ältscht, de Wilhelm, später au Pater und Missionar z Brasilie wore. Den zuelässige, nit biichtpflichtige Fluech, hät übrigens de Lixx us em 1. Weltkrieg us Lothringe mitbroocht, und denno verhotzewälderet. Er kunnt lammfromm und d Sophie äschtimiert nuu den Fluech. Er kunnt vum französiche „Mon Dieux“.
D`Berte, d`Motter Sophie, de Josef, s`Klärle, de Felix und de Wilhelm vor em Bahwartshiesli z Degginge (dehindert s Fahrrad mit Karbidfunzel)
Getti Wilhel und Sigfried Kramer
Also stieget alli noch em letschte luute „Mundidie“ uff die verrusste, mit em Staubwedel, em Honefiefer, abgstaubte Sitzbänkli vu de Draisine. Vorher isch no en aalte Heardepfelsack uff d Dielebretter Sitzbänk gleit wore. De Vater Lixx und de Wilhelm gond an Gamp- Schwengel und die Draisine nimmt Fahrt uff gege Huuse und Hifingen. De Fahrplan vu de Hölletalbah hät de Bähnler natierli genau im Kopf und die uffzoge Sackuhr zoeget genau aa, wenn sie z Hiefinge ab em Gleis sii mond. Weils geg Hiefingen liicht bergab goht rennst wie de Deifel und i 20 Minute micket de Lix am Herregarte, D Maidli, de Josef und d Sofie stieget ab, sortieret s Feschtagshääs und de Wilhelm und de Lixx schindet die bolleschwer Draisine uffs Bankett. Jetzt kaa de Zug vu Eschingen gi Friiborg, oder de Bregtäler gi Fortwange dampfe und schnuufe.
Herrgottstag
Fascht jede Gmond hät sin hochheilige Fiirtig. Entweder s Patrozinium, oder, wie uff de Reichenau de Markustag, z Weingarte de Bluetritt, de Leonhardi Tag z Lenzkirch, z Appezell Fronleichnam oder ebe z Hiefinge de legendär und populär Herrgottstag. Die Däg zellet fascht meh wie die Hochfeschter Wihnächte, Oschtere oder Pfingschte.
No isch vor em Hochamt Ziit zum beim Getti, em Brueder und em Schwoger, bei Kramer Beppi und de Emme im Süesse Winkel uff en Zigorie Kaffe mit frisch bachenem Zopf vorbei z gucke. Die ganz Kramer Sippe füllt aaschliessend oe ganzi Bankreihe im Hochamt i St. Verena uus und innbrünschtig wered die Lieder, die an ere Schiebenummere Tafel unter de Kanzel hängt, im Magnifikat uffgschlage und mitgsunge. Noch em erhebende Te-Deum mit Orgelgebraus stellt mer sich zu de Prozession uff. De Pfarr mit de Monschtranz unterm Baldachim, unterm Himmel, voruus. Nuu er schriitet würdevoll mit em Allerheiligschte über de kunstvoll und hingebungsvoll uusgleit Hiefinger Bluemeteppich. Die farbefroh und aarührend Art de Natur und de Schöpfung z huldige, des hät de Xaver Reich vun ere Studiereis anne 1841 us Italie mitbroocht und dodemit Hiefinge und de Herrgottstag, Fronleichnam im ganze Südweschte berühmt gmacht. So könnts immer no sii, wenn nit die Wiesemonokulture, des Silofuetter und de Kunschtdünger die wunderbare booremer Bluemewiese fascht ganz uusgrottet hättet. Tausende Schauluschtige verfolget gerührt mit eme sanfte Gänsehautgfühl des Gesamtkunstwerk wenns stattfindet, den spirituelle Hifinger Kult: Die poesivoll, volksfromm Prozession über d Bluemeteppich, vorbei a de kunstvolle Bluemebilder- Altärli vor de Hieser.
Mir gond zum Herrgottstag
Noch dem erhebende Ritual gihts no bim Getti e gueti Nuddlesuppe, en Schunke im Brotdoeg mit Herdepfelsalot und en Zigorie Kaffe mit eme Käskueche und eme steife, fettige Buureschlagrohm. De Getti und de Lixx rauchet no en Burgerstumpe, d Wiiber verzellet und verkartet s Neischt us em Städtle , de Verwandschaft, vu Hiesere und vu Degginge.
Herrgottstag anne 2019 z Hifinge
Hoemfahrt
D Sackuhr vum Lixx zoeget aa, dass mer die Zugpause um Vieri nutze muess, zum mit de Draisne hoem, gegg Degginge z`Giege. D Draisine word wieder uffs Gleis gschunde und de Wilhelm und de Lixx mond jetzet aber draa. Mundidie. Es goht nämli berguff und do rennt des Monstrum nimme so gattig wie bei de Aafahrt zum Herrgottsdag.
Die Aareis vu dere Bagage mit ere Draisine düerft die kuriosescht Bsucherfahrt vum Hifinger Herrgottsdag zu dere Ziit gsii sii. Do kummet nit emol die Aafahrte vum Tal, vum Rande und de Westboor mit de kleine Bulldöggli aa, wo uff em ohne Radkaste Sitz d Grossmotter huckt, und uff em andere d Bierin. Und uff de Ackerschiene Kischte d Kind.
Und de Freiherr von Dreis het bestimmt die allergröscht Freid ghaa mit dere Reiseart mit sinere Bahgleis- Draisine , obwohl er wohrschienli evangelisch war.
Größere Waldkatastrophen gaben jeweilen die äußere Veranlassung, einige Zeit über die wünschbaren Heil- und Abwehrmittel zu reden und zu schreiben. Aber meist windet und dreht man sich dabei wie eine Katze um den heißen Brei. (Ammon, W.: Das Plenterprinzip in der Waldwirtschaft. Bern, 1937) Ich wohnete auf einem hohen Gebürg, die Moos genannt, so ein Stück vom Schwarzwald, und überall mit einem düsteren Tannenwald überwachsen ist. (Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch. 1667. Projekt Gutenberg-DE)
Der Orkan vom zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1999 mit dem so harmlos klingenden Namen „Lothar“ ragt noch immer heraus aus der Vielzahl von extremen Sturmereignissen, von denen der mitteleuropäische Wald bis dato heimgesucht worden ist: 200 Millionen Festmeter Holz lagen nach diesem waldwirtschaftlichen „Super-GAU“ auf dem Boden, 30 Millionen allein in Baden-Württemberg, wobei der mittlere und der nördliche Schwarzwald am stärksten betroffen waren. Die meteorologischen Stationen verzeichneten die höchsten bei uns je registrierten Windgeschwindigkeiten: Auf dem Feldberg versagte das Messgerät bei 212 km/h, auf dem Hohentwiel wurden gar 272 km/h gemessen. Lothars Spitzenböen schien buchstäblich gar nichts mehr standgehalten zu haben, keine Baumart und keine Waldstruktur. Weshalb sich in der Waldwirtschaft vielerorts auch Resignation breit machte, anders als noch nach „Wiebke“ und „Vivian“, den vermeintlichen Jahrhundertstürmen ein knappes Jahrzehnt zuvor; von denen waren vorwiegend standortswidrige Fichtenbestände geworfen worden mit insgesamt immerhin auch bereits 70 Millionen Festmetern Sturmholz, mehr als alle bis dahin verbuchten Sturmholzmassen zusammen genommen, wie forstliche Statistiker errechnet hatten. Damals, im Jahr 1990, fand in Deutschland bekanntlich nicht nur die politische Wende statt, sondern auch ein waldbaulicher Paradigmenwechsel, der nach dem Fiasko mit der allzu labilen Fichte eine neue Hinwendung zu sturmfesteren Baumarten und Waldstrukturen brachte, hin zum Konzept des naturnahen Waldbaus – zur Waldwende.
Doch nun, nach „Lothar“, schien sich im forstlichen Schrifttum eine erneute Kehrtwende abzuzeichnen: „Short rotation“ war angesagt, die drastische Verkürzung der Umtriebszeiten, um damit die Hebel zu verkürzen, an denen die künftigen, womöglich noch verheerenderen Stürme ansetzen würden. Um die „wünschbaren Heil- und Abwehrmittel“ (so auch um das „Plenterprinzip“ des Walter Ammon s. o.) war es still geworden angesichts der brutalen Gewalt, ausgelöst womöglich durch den menschengemachten Klimawandel in der Treibhausküche des Nordatlantiks. Zwar verursachte im Februar 2007 der Orkan „Kyrill“ abermals 59 Millionen Festmeter Sturmholz, dennoch sollten alsbald wieder andere Waldschäden die Schlagzeilen liefern: die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit, erst jene des Jahrhundertsommers 2003 (in den badischen Weinbaugebieten noch als Jahrhundertjahrgang gepriesen), schließlich jedoch die sich steigernden Hitzerekorde von 2018 bis heute, von den Medien als Ursache eines Waldsterbens 2.0 gehandelt. Ob da vom Lothar-Schock der Jahrtausendwende noch recht viel hängengeblieben ist? Als wie intakt erweist sich da das Langzeitgedächtnis der damals Betroffenen aus der Forst- und Holzbranche?? Oder wie viel wurde zwischenzeitlich verdängt und überlagert von den TV-Bildern der Waldbrände und der noch spektakuläreren Vernichtungsgewalt karibischer Tornados? Vor allem aber: Welche Lehren hat man aus der Katastrophe gezogen? Und wie sieht es auf den Lotharflächen heute aus?
Damals war das Entsetzen groß, nicht nur unter den Augenzeugen und unmittelbar Betroffenen, sondern selbst bei den Bewohnern waldfernerer Regionen, für die sich die vertraute Kulisse der Schwarzwaldberge auf einen Schlag verändert hatte. Dass unmittelbar nach dem Orkan nicht mehr als 18 Todesopfer zu beklagen waren, dürfte vornehmlich dem Umstand zu verdanken gewesen sein, dass die Spitzenböen zur besten Mittagessenszeit über uns hinweg brausten, während der dichtauf folgende Orkan „Martin“ – zum Glück für die Schwarzwälder, Pech für die Wälder des Massif Central – abrupt nach Süden abgedreht und sich im Midi vollends ausgetobt hatte.
Lothar-Schadensfläche rund um den Moosturm im mittleren Schwarzwald
Im Bereich der baden-württembergischen Landesforstverwaltung hatte man bereits nach „Wiebke“ samt deren Vorläuferinnen die Lektionen in den Pflichtfächern Sturmholzaufarbeitung und Vermarktung hinlänglich gelernt: Bereits im Juli 2000 war mit 7 Millionen Festmetern schon die doppelte Menge von anno 1990 – vornehmlich aus dem besonders leidgeprüften Privatwald stammend – vermarktet, gar die dreifache Menge zur Konservierung auf Beregnungsplätzen eingelagert worden. Beim Räumen der Sturmflächen war es bis zum Herbst zu 3633 Unfällen gekommen – zwanzig (!) Personen waren dabei, überwiegend im Privatwald, zu Tode gekommen.
Für den Waldbau im Staatswald galt nach wie vor der Stuttgarter Ministerialerlass „Walderneuerung auf Sturmwurfflächen“ vom 31. 7. 1990, wonach die Wiederaufforstung nur ja nicht überstürzt werden sollte. Stattdessen waren die Selbstheilungskräfte des Waldes zu nutzen, wobei der neue Wald vom Schutz und der Nährstoffpumpe der Pionierwaldgesellschaften profitieren sollte. Demgegenüber wurde in den großen Privatforstbetrieben die Wiederaufforstung im Hauruck-Verfahren propagiert, die integrierte vollmechanisierte Sturmholzaufarbeitung, Flächenräumung und Pflanzung „just in time“ – dies nicht zuletzt der günstigeren psychologischen Auswirkungen auf alle Beteiligten wegen.1
Andernorts schlug die Geburtsstunde der Polypropylen-Wuchshüllen: Allein im Stadtwald von Baden-Baden wurden auf 2.000 ha Lothar-Fläche 350.000 der aus England bezogenen Kunststoffköcher ausgebracht, mit denen die durch Wildverbiss besonders gefährdeten Laubbäume geschützt und zu rascherem Jugendwachstum angeregt werden sollten. Zaunschutz auf Flächen solcher Größenordnung, so die Begründung, würde sich als untaugliches Mittel erweisen. Ein Vierteljahrhundert nach Lothar steht fest: Krisengewinner sind unterdessen eindeutig die Wuchshüllen – mag die Plastik- und Mikroplastikproblematik weltweit noch so besorgniserregende Ausmaße angenommen haben.
Einer der baden-württembergischen Schadensschwerpunkte war der ehem. Forstbezirk Gengenbach mit seinen ca. 700.000 Fm Schadholz auf 2.000 ha Sturmfläche, mitten drin der 871 m hohe, vormals dicht bewaldete Mooskopf, Hausberg der Gengenbacher und Oberkircher Wanderfreunde. Auf ihm hatte anno 1890 die Oberkircher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins den sandsteinernen Moosturm errichtet, der mit seinen 21 Metern Höhe freilich kaum mehr aus den Fichten- und Tannenkronen herausgeragt hatte. Nun stand er plötzlich wie ein ausgestreckter Mittelfinger auf der kahlen Buntsandsteinkuppe.
Blick vom Moosturm im Frühjahr 2000
Es bot sich an, von hier oben aus das weitere Geschehen zu dokumentieren2: Ein Foto vom Frühjahr 2000 zeigt erste Aufarbeitungserfolge unterhalb des Turms. Auf der Wegspinne am Sattel wartet bereits ein Forwarder auf den Abtransport weiterer Sturmholzmassen, und auch etliche „Katastrophentouristen“ sind per Mountainbike schon unterwegs, um die so brutal veränderte Welt rund um den Berg in Augenschein zu nehmen. Gegenüber, am Siedigkopf, liegt das Holz noch dicht auf dicht, wie es umgeblasen worden war. Der Bildvordergrund zeigt sich bereits mit erster Schlagflora, vereinzelt haben auch junge Fichten und Tannen den Orkan und die Räumung überlebt. Insgesamt nur ein Drittel der Lotharflächen sei im Bereich der damaligen Freiburger Forstdirektion rekultiviert worden, der Rest sei der natürlichen Sukzession überlassen worden, so las es sich in den vielerlei Rückblicken zum Jahresabschluss 2009 aus Anlass der zehnjährigen Wiederkehr des Schreckenstags. Wie lange würde es dauern, bis am Mooskopf wieder neuer Wald herangewachsen ist, und aus welchen Baumarten würde er sich zusammensetzen, wo die Wiederaufforstung unterlassen wurde?
Blick vom Turm im Frühsommer 2010
Auf dem im Frühsommer 2010 wiederholten Foto vom Turm herab zeigt sich die Szenerie bereits im Zustand fortgeschrittener Sukzession mit Birken und blühenden Ebereschen, dazwischen aber auch noch mit viel braunem Waldboden (oder doch mit brauner Adlerfarn-Matratze) sowie auch schon mit allerlei Nadelgehölz aus natürlichem Anflug von vor der Katastrophe. Am gegenüberliegenden Siedigkopf war – nach Räumung des Sturmholzes – inzwischen (im Jahr 2003) ein Bannwald ausgewiesen worden. In ihm überwog nach zehn Jahren noch immer die Farbe Braun. Erstaunlicherweise haben sich jedoch auch schon etliche Douglasien eingefunden. Wie sähe es dort wohl aus, wenn das Sturmholz auf der Fläche belassen worden wäre? Auf der südwärtigen Stirnseite des Lothar-Glatzkopfs hatte ein einheimischer Künstler aus drei vom Forstamt gestifteten Weißtannenstämmen ein Lothardenkmal errichtet, das für Wald- und Landschaftsfreunde fortan zur beliebten Pilgerstätte wurde. Ohnehin hatten etliche Bürgermeister und Kurdirektoren von mit Wald überreich gesegneten Gemeinden nach der Katastrophe hörbar aufgeatmet, denn mit seinen Schneisen hatte der Orkan doch endlich für freien Ausblick gesorgt. Oben am Schliffkopf an der Schwarzwaldhochstraße wurde die Erinnerung an das Extremereignis mit einem Lotharpfad wach gehalten, am Plättig mit einem Wildnis-Erlebnispfad, beide erfreuen sich noch immer eines überaus regen Besucherverkehrs über die allmählich vermorschenden Stämme und Wurzelteller hinweg. Im Sattel am Fuß des Mooskopfs hatten immerhin eine Wolfsgrube sowie ein Grimmelshausen-Denkmal den Super-GAU überlebt, unweit davon erinnert ein weiterer Gedenkstein an das Geschehen: an den tödlich verunglückten Waldarbeiter Roman Kwiatkowsky, Vater von fünf Kindern, der zusammen mit einem polnischen Forstunternehmer aus der Offenburger Partnerstadt Olstzyn (Allenstein) zur Sturmholzaufarbeitung in den verwüsteten Schwarzwald geeilt war.
Blick vom Turm im Dezember 2019
Ende Dezember 2019 hat der Chronist erneut den Moosturm bestiegen, um die Fortschritte der Wiederbewaldung ein weiteres Mal zu dokumentieren. Und siehe da: nun steht der Turm tatsächlich wieder im Wald! Lediglich westwärts, gegen die Rheinebene hinab, auf stark verhagertem und blocküberlagertem Standort tut sich die Sukzession im Filz der Beerstrauchdecke einstweilen noch schwer; hier blieb es bei einzelnen Birken. Nach Süden hin überwiegen indessen die Nadelbäume, vorwiegend Fichten, vereinzelte Tannen und Douglasien. Nichts davon sei gepflanzt worden, versichert der inzwischen im Ruhestand befindliche Forstamtsleiter (oder wurde womöglich doch da und dort mit Pflanzung nachgeholfen, wie er einräumt?), sicher nicht im Bannwald um den Siedigkopf. Auch dort sind die Fichten im Vormarsch, dazwischen finden sich seltsam verstrubbelte, teils auch bereits von Schneebruch gezeichnete Douglasien, deren Höhenwachstum dem der Fichtenkonkurrenz kaum überlegen zu sein scheint.
Ein letzter Blick vom Turm im Frühsommer 2025
Letztmals am 22. Mai 2025 haben die Beiden, der einst zuständige Forstamtsleiter und der Chronist, den Turm bestiegen,. Jetzt, im voll belaubten Zustand, scheint der Jungwald gegenüber dem Zustand vor nur eben mal fünfeinhalb Jahren einen erstaunlichen Wachstumsschub erhalten zu haben, wobei sich insbesondere Birken, Ebereschen und Weiden mächtig ins Bild drängen und fast das Bild eines Laubmischwalds hinterlassen.
Gewinnerin auf den Lotharflächen, ob diese der natürlichen Sukzession überlassen oder bepflanzt worden sind, dürfte letztendlich dennoch die Fichte sein, wenn sie die Konkurrenz der Pionierbaumarten überwunden haben wird. Aber ob sie als „Brotbaum“ in der neuen Waldgeneration noch taugen wird? Wie würde die sich heute wohl darstellen, darf gefragt werden, wenn die Altbestände zum Zeitpunkt der Katastrophe reichlicher mit Naturverjüngungsvorräten aus Schatten ertragenden Tannen und Buchen unterfüttert gewesen wären? Wie viel davon hätte unterm Sturmholz überlebt? So aber ist es allenfalls bei vereinzelt eingesprengten Überlebenden der Bergmischwaldgesellschaft geblieben. Und es wird wieder eine ganze Generation dauern, bis diese erneut für überlebensfähigen Nachwuchs gesorgt haben könnte – immer vorausgesetzt, die Balance zwischen Wald und Wild wird dann gelungen sein. Oder muss am Ende auch nach „Lothar“ wieder Walter Ammon, dem schweizerischen Forstkollegen, beigepflichtet werden, wonach sich die für den Wald Verantwortlichen wohl weiterhin wie die Katze um den heißen Brei winden und drehen – wo immer die Defizite an vorausschauender naturnaher Waldwirtschaft nicht behoben sein werden? Und wird auf der Moos, wo Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen einst seinen Einsiedler über „düstere Tannenwälder“ hinweg in die Täler hinabschauen ließ, jemals wieder der Schwarzwälder Charakterbaum dominieren?
Lothar-Denkmal am Siedigkopf
1 Elbs, A. (2000): Erfahrungen zur Aufforstung von Orkanflächen. AFZ-DerWald Nr. 16: 831 f.
2 Hockenjos, W. (2009): Zehn Jahre nach dem Orkan „Lothar“: Folgerungen für die Waldwirtschaft. AFZ-DerWald Nr. 18: 978 ff.
Im Jahr 2020 hatte ich Königsfeld erwähnt, da dort eine, für den Schwarzwald-Baar Kreis ungewöhnliche Transparenz herrscht. Also ich schrieb: „Als leuchtende Vorbilder möchte ich Königsfeld, Mönchweiler und auch St. Georgen und Donaueschingen erwähnen.“
Von der Webpage aus dem Jahr 2020. Die Webpage von Königsfeld wurde 2023 neu aufgestellt
In Sachen Transparenz hat sich hier seit 2020 sehr viel getan. Nicht nur weil sich Hüfingen Sachkenntnis aus Mönchweiler in Städtle holen durfte, sondern natürlich auch wegen des Hieronymus.
Königsfeld hat jetzt ein Buch heraus gegeben über 50 Jahre Gesamtgemeinde Königsfeld:
Ein halbes Jahrhundert Gesamtgemeinde Königsfeld Bewusst gemeinsam gestalten!
Chronik Königsfeld 347 Seiten Festeinband Gemeinde Königsfeld VK 35 €
Königsfeld hat um die 6.000 Einwohner und umfasst neben dem Kernort auch fünf Ortsteile: Buchenberg, Burgberg, Erdmannsweiler, Neuhausen und Weiler.
Königsfeld konnte also ganz alleine eine Chronik stemmen – vermutlich bezahlt es auch nicht über 40.000 € an eine tendenziöse VHS.
Landkarte der Baar von 1620 Foto: Dr. Jörg Martin, FF-Archiv Donaueschingen.
die Hausrotschwanzgeschichte ging noch etwas weiter, weil sich ein Jungtier bei uns im Haus verirrte und tags darauf im Zimmer unseres Sohnemannes. Das Bild zeigt den stolzen Burschen, wie er selbstverständlich auf der Gardinenstange sitzt. Ich machte das Fenster auf und versuchte ihn zum Hinausfliegen zu bewegen. Aber anscheinend kannte er mit seinem jungen Alter noch nicht, dass man durch ein offenens Fenster fliegen kann. Immer wieder, wenn ich dachte, jetzt müsste es passieren, flog er die Gardinenstange an. Es half nur, ihn mit einem Käscher zu fangen und in der Hand – sicher gehalten – aus dem Zimmer zu begleiten. Er zeigte sich sehr vital und nach dem Fototermin flog er auf den nächsten Baum. Die Elterntiere waren sofort zu Stelle. Anders als bei Kitzen macht bei Vögeln die Berührung der Jungtiere durch uns Menschen nichts aus. Ein Riesenvorteil.
Das 2. Bild zeigt das zweite Eindringen. Er ist erstaunlicher Weise durch das gekippte Fenster in die Wohnung gelangt. Ich vermute, es war der gleiche Bursche wie am Vortag, dem hat es einfach gut gefallen. Über die Balkontüre verließ er anstandslos die Wohnung.
Herzliche Grüße Franz Maus
Ästlinge 1. Teil vom 4. Juni 2025
Liebe Bürgerpostleser,
ist das nicht ein putziges Kerlchen auf dem Bild unten? Man fragt sich, was ist mit dem Schwanz los, hat er ihn verloren oder kommt er noch? Ich habe ihn in den Status gestellt, nur Ralf Claaßen aus Villingen und Oliver Bury aus Frittlingen hatten die richtige Antwort, es sei eine junge Mönchsgrasmücke. Hätten Sie sie erkannt? Ich war auch unsicher, anhand der braunen Kappe hatte ich einen unsicheren Verdacht. Ein Dank gilt Ingo Kirchhoff aus Wietzen, der mir dieses Bild geschickt hat. Übrigens, der Schwanz kommt noch, er ist das letzte, was sich entwickelt. Eine Frage stellt sich einem bei diesem Anblick, muß man dem Vogel helfen oder nicht. Sie können sich kurz dazu Gedanken machen, die Lösung kommt noch.
Die nächsten drei Bilder sind bei mir entstanden und zeigen auch einen Jungvogel. Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen, es ist ein junger Hausrotschwanz. Die brüten die letzten Jahre gerne bei unserem Haus auf dem Firstbalken meist mit zwei Bruten. Ich wusste das natürlich, aber erst am Geschrei bei der Fütterung der Jungvögel hab ich es gemerkt. Das wird mit der Zeit immer lauter und man kann abschätzen, wann das Ausfliegen beginnen könnte.
15 bis 17 Tage sind die Jungvögel Nestlinge. Am 1. Juni entdeckte ich den Jungvogel im Gartenschuppen und er ließ mich in Ruhe an sich herankommen, bis die Altvögel ihm zuriefen: „Versteck Dich, wer weiß, was der Franz Maus mit Dir vorhat“. Wie vom Blitz getroffen war er in der Hütte verschwunden. Auch hier die Frage, muß man helfen oder nicht?
Ein klares nein, das muss man nicht!
Denn die Altvögel versorgen sie weiterhin mit allem, was sie brauchen. Natürlich haben Feinde in der Phase ein leichteres Spiel, aber das ist Natur. Dieser Ästlingsphase genannte Zeitraum dauert bei den Hausrotschwänzen etwa zehn Tage, bis der Schwanz die volle Länge hat, vergehen zwei bis drei Wochen. Gott sei Dank gibt es in Villingen beim Ehepaar Claaßen eine Aufzucht- und Pflegestation. Wenn man unsicher ist, ob alles klar läuft in der Ästlingsphase, ob die Eltern noch leben beispielsweise, dann kann man sich telefonisch melden. Dort erhält man dann eine Händynummer, an die man ein Bild des Jungvogels schickt. Anhand dessen wird entschieden, was zu tun ist. Ich habe schon mehrmals einen guten Rat bekommen, wofür ich sehr dankbar bin.
Zum Hausrotschwanz noch ein paar Fakten: Er wurde Vogel den Jahres 2025. Rund 70 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt er als einer der ersten Sänger und ist bis nach der Abenddämmerung zu hören. Über den Gesang des Jahresvogels schrieb der bekannte Zoologe Alfred Brehm in seinem „Tierleben“ allerdings ein wenig erbauliches Urteil: Das ihm eigene Röcheln, das sich mit knirschenden, klappernden Tönen und flötenden Trillerlauten abwechselt, nannte er als „jeden Wohlklanges bar“. Dem Hausrotschwanz kommt zugute, dass er keine hohen Ansprüche an seine Brutgebiete stellt. Steinig, trocken und warm sollte es sein, dann kann der Hausrotschwanz seine Nester in nahezu jede Nische und jeden Hohlraum bauen. Gesellige Typen sind Hausrotschwänze allerdings nicht. Im Spätherbst machen sich die Mittelstreckenzieher allein auf den Weg und halten sogar an Sammelstellen wie Gewässern, Feldern oder Klippen einen angemessenen Abstand zueinander.
Ich freue mich jedenfalls, dass er bei uns ist und besonders im Frühjahr, wenn er relativ früh wieder bei uns erscheint. Mit 800.000 bis 1.000.000 Brutpaaren ist er bei uns in Deutschland verhältnismäßig häufig.
Heute erinnern sich nur noch wenige: In Hüfingen gab es mal ein Krankenhaus.
Am 14. Juli 1844 beschloß die Stadt vom Fürstenhaus das 1832 erstellte Ökonomiegebäude des aufgehobenen Gutshofes an der Bräunlinger Straße für 6000 fl. zur Einrichtung eines Armenhauses zu kaufen. *
Die Stadt ging an die Ausführung des Bauplanes, ohne die behördliche Genehmigung einzuholen, und stellte das umgebaute Haus 1846 fertig. Auch jetzt blieb eine Ökonomie im nördlichen Teil des Hauses erhalten. Ein Brandgiebel trennte sie vom Wohnteil. Tatsächlich wurde eine Krankenabteilung eingebaut und das Haus als Armen- und Krankenhaus bezeichnet.*
Das ehemalige städtische Krankenhaus war zuvor herrschaftlicher Gutshof. Foto etwa 1940*
Mit der Zeit stieg die Bedeutung als Krankenhaus, während die Funktion als Armenhaus in den Hintergrund zu treten begann, und mit dem Absinken des Vermögens des Armenfonds ging die Trägerschaft ganz auf Hüfingen über.
Im Jahre 1929 zählte man im Städtischen Krankenhaus Hüfingen 37 Betten, unter denen sich 2 Kinderbetten, 2 Wöchnerinnenbetten und neun Betten für Pfleglinge befanden. Unter dem Personal befanden sich 5 Schwestern derBarmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen).*
Als Vorsteherinnen des Krankenhauses Hüfingen ließen sich feststellen:
Schwester Rosine von 1865 – 1902. Schwester Flavia von 1902 – 1910. Schwester Markina (Sofie Zimmermann), geb. am 15. 6. 1857 in Bräunlingen, bis 8. 2. 1917. Schwester Erasma (Anna Engist), geb. am 10. 2. 1867 in Endingen, vom 1. 4. 1922-29. 11. 1922. Schwester Barnabas (Anna Söhner), geb. am 8. 7. 1868 in Waldmühlbach/Mosbach, vom 29. 11. 1922-12. 8. 1925. Schwester Hermengild (Rosa Riesler), geb. am 26. 2. 1869 in Oberwinden, vom 13. 8. 1925-25. 7. 1928. Schwester Natalia (Franziska Riede), geb. am 5. 10. 1874 in Riedheim/Engen, vom 26. 7. 1928-14. 9. 1949. Schwester Felizitas vom 15. 9. 1949-
Schwester Mathilda 1964
Dr. Erwin Sumser wurde am 1. Oktober 1920 sogenannter „Kassenarzt“. Nach der Einberufung von Dr. Erwin Sumser wurde im August 1944 Assistenzärztin Dr. Maria Fritz nach Hüfingen not-dienstverpflichtet. Sie erwarb sich die Achtung der Einwohnerschaft durch ihr mutiges Verhalten während der Luftangriffe auf Hüfingen und bei der Behandlung der Verletzten und Verwundeten.
Am 1. Januar 1971 sah sich die Stadt gezwungen, das städtische Krankenhaus zu schließen. Aus Altersgründen waren die drei Ordensschwestern gezwungen, ihren Dienst aufzugeben, und so kündigte das Mutterhaus der Vincentinerinnen den Vertrag.
Das moderne Kreiskrankenhaus in Donaueschingen war im Bau und schließlich zeigte es sich, daß die dringenden Instandhaltungsarbeiten Ausgaben in Höhe von 100000 DM erforderlich gemacht hätten.
So wurde das bisherige Krankenhaus mit 26 Betten ab 1. Dezember 1971 an das F.F. Sägewerk verpachtet und darin Werksangehörige untergebracht.
Das alte Krankenhaus in den 1970ern
Fotos: Karl Schweizer
Kunsthotel
Mitte der 90er Jahre sollte aus dem ehemals alten Krankenhaus, das der Sparkasse Donaueschingen gehörte, ein Kunsthotel entstehen, das kreative Urlauber anlocken sollte.
Nachdem (1994) ein Blitz in das Hotel einschlug, begann ein finanzielles Desaster und der Investor musste 1999 aufgeben und verabschiedete sich mit sehr vielen Schulden nach Luxemburg.
Kunsthotel nach dem Blitzeinschlag 1994
Das Künstlerhotel 1998
Kunsthotel im April 2005 vor dem Abriss
Kunsthotel im April 2005
Neubauten im März 2005
Das „Atelierhaus“ im März 2005
Im Frühjahr 2006 wurde das zerfallene Hotel abgebrochen.
Töpferweg 2006
Das Kunsthotel wird 2006
auf den Bauplätzen vergraben.
Der Bauschutt vom Abriss ist dann auf wundersamer Weise unter dem neuen Baugebiet erschienen und musst dann von den neuen Besitzern kostenpflichtig entsorgt werden. Es sind also nicht nur die Landwirte die alte Schweine- oder Kuhställe vergraben. Die Stadt ist hier gerne Vorbild.
Über alte Fotos und Infos in den Kommentaren, freue ich mich!
Als erstes wurde der ehemalige Inklussionsbeauftragte verabschiedet der diesen Job über 20 Jahre gemacht hatte. Danke, Peter Müller!
TOP 2 Bürgerfragestunde
Keine Wortmeldungen.
TOP 3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen
Es gab keine Beschlüsse in der letzten nicht öffentlichen Sitzung.
TOP 4 Vorstellung Generalentwässerungsplan Hüfingen
Der Generalentwässerungsplan (GEP) ist Planungsinstrument für die örtliche Siedlungsentwässerung . Die Stadt Hüfingen erhält durch den Generalentwässerungsplan eine fundierte Handlungsempfehlung, in der die Belange der Stadtentwicklung, der Siedlungsentwässerung und des Gewässerschutzes mit ihren gegenseitigen Abhängigkeiten Berücksichtigung finden.
Ich fände hier nett, liebe Stadtverwaltung, wenn der ganze Kanalplan auf der Webseite von Hüfingen zur Verfügung gestellt werden könnte. Vielleicht irgendwo beim Baumamt?
„Es wird aufgezeigt, welche kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine dauerhafte Entwässerung gewährleisten zu können. Andererseits sind Einleitungen erlaubnispflichtig und aufgrund einer Befristung in regelmäßigen Abständen zu erneuern, wobei die Schadlosigkeit der Einleitung nachzuweisen ist.“
„Schadlose Einleitung mit natürlicher Schaumbildung“ Staatsanwalt G.
Hauptinhalt von diesen Plan ist die hydraulische Kanalnetzberechnung, mit der festgestellt wird, in welchen Bereichen es hydraulische Schwachstellen gibt und Überflutungen aus dem Kanalnetz heraus auftreten können.
Laut derzeitigem Stand trete bei 17 von 2.353 Schächten unzulässige Überstauungen auf. Für die Regenentlastungsanlagen ist ein deutlicher Sanierungsbedarf vorhanden.
Für die Umsetzung ist die Erstellung einer gesamtheitlichen Schmutzfrachtberechnung des Einzugsgebiets der Kläranlage Donaueschingen erforderlich. An insgesamt 24 Einleitstellen ist eine stoffliche Behandlung notwendig und es werden mehrere zentrale Behandlungsanlagen erforderlich, insbesondere für große Verkehrsflächen und Gewerbeflächen.
Arbeiten amKanalnetz Hydraulische Berechnung – Maßnahmen Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen ▪ Ziel: Überstaufreiheit für die Berechnungsregen ▪ Ausarbeitung von hydraulischen Maßnahmen – Aufdimensionierungen – Querschlüsse – Flächenabkopplung (auch: Außengebiete) – Stilllegung Notentlastung – Fehlanschlüsse beheben
Kostenschätzung: 2,5 Mio. €
Es kommen also ziemliche Kosten auf Hüfingen zu. Viel Geld, das sich wohl nicht vermeiden läßt. Hoffentlich gibt es vom Land Zuschüsse!
Bekannte Fehlanschlüsse die direkt in die Breg gehen an der Gierhalde? Habe ich richtig gehört? Kein Wunder, dass die Donau der schmutzigste Fluss Europas ist.
Dies war alles nur zur Kenntnisnahme.
TOP 5 Projektvorstellung Energieversorgung Südbaar GmbH
Die esb stellt ihre anstehenden Projekte in Hüfingen und den Ortsteilen vor. Also es werden eine ganze Reihe Erdkabel verlegt. Wer sich dafür interessiert wo genau, soll selber gucken.
TOP 6 Vergabe Erneuerung der Server Infrastruktur Vorlage: 2025/305
Die derzeitige technische Ausstattung im Rathaus entspricht nicht mehr den Anforderungen an einen ausfallsicheren und modernen Verwaltungsbetrieb. Die Erneuerung der Server wurde im Rahmen der Haushaltsberatungen im Herbst 2024 angemeldet und vom Gemeinderat einstimmig genehmigt.
Heute geht es darum eine Firma mit der Erneuerung der Serverinfrastruktur in Höhe von 74.720,10€ zu beauftragen.
Der Gemeinderat stimmt hier einstimmig zu.
TOP 7 Zufahrt Kindertagesstätte St. Georg Behla – Vergabe von Bauleistungen
Der Plan war nicht bei SessionNet dabei, deswegen habe ich ihn abfotografiert. Leider ist die Qualität nicht sonderlich gut. Ich werde das Bild bei Gelegenheit ersetzen.
Die ausgeschriebenen Arbeiten beinhalten Erd- und Straßenbauarbeiten in der Zufahrt zum Kindergarten Behla (Professor-Hall-Weg), sowie Pflasterarbeiten mit Randeinfassungen zur Verbreiterung des Gehwegs und zur Herstellung von zusätzlichen Parkplätzen vor dem Kindergarten. Das günstigste Angebot wurde von eine Firma aus Hattingen mit einer Angebotssumme von 117.854,70 € brutto eingereicht.
Der Ortsvorsteher von Behla erzählt die lange Geschichte vom Versuch die Zufahrt zum Kindergarten endlich sicherer zu machen. Es gab bisher 15 Planungsvarianten. Bei dieser Planungsvariante haben alle Ortschaftsräte zugestimmt.
Der Gemeinderat stimmt auch einstimmig zu.
TOP 8 Sanierung Nepomuk-Schelble-Straße Ost – Vergabe von Ingenieurleistungen
Die Nepomuk-Schelble-Straße Ost muss saniert werden.
So ist die Sanierung der Straße und des Gehwegs auf eine Länge von ca. 160 m geplant. Die Wasserleitung wird erneuert von Schulstraße über die Nepomuk-Schelble-Straße und die Karl-Bromberger-Straße (ca. 300 m). Der Kanal wird wegen schlechtem Zustand auf einer Länge von ca. 200 m ausgetauscht.
Das hierfür übliche CDU-Ingenieurbüro aus Donaueschingen soll mit den Planungsleistungen für die Sanierung der Nepomuk-Schelble-Straße Ost i. H. v. 103.430,33 € beauftragt werden. Es soll aber noch dieses Jahr gebaut werden.
Der Gemeinderat stimmt einstimmig zu.
TOP 9 Vergabe Feuerwehrgerätehaus Hüfingen – Holzbauarbeiten
Eine Zimmerei aus Mundelfingen soll für die Holzbauarbeiten in Höhe von 239.775,12 € beauftragt werden.
Auch hier stimmt der Gemeinderat einstimmig zu.
TOP 10 Reduzierung des Essenspreises in Kindergärten und Kitas in Hüfingen
In den Kindertagesstätten St. Verena in Hüfingen, St. Georg in Behla, St. Theresia in Mundelfingen und in der Kita Luise-Scheppler gibt es das Angebot des warmen Mittagessens. Ebenso gibt es Mittagessen in der Krippe Felix in Allmendshofen.
Die Preise für die Mittagsverpflegung an der Lucian-Reich-Schule wurden vom Gemeinderat in der Sitzung am 12.12.2024 ab 01.02.2025 neu und wie folgt festgelegt
Grundschüler (Klasse 1 bis 4) : 4,50 €/Essen Sekundarstufe (Klasse 5 bis 10) : 4,80 €/Essen Erwachsene und Lehrkräfte : 7,00 €/Essen
Der Gemeinderat soll die Reduzierung der Essenspreise auf 4,50 € auch für die Kindergartenkinder der katholischen Kindergärten ab dem 01.09.2025 beschließen.
Der Gemeinderat stimmt hier mit einer Enthaltung zu.
Im Herbst gibt es eine Klausurtagung mit Elternvertretern über die Kindergärten und deren Finanzierung.
TOP 11 Feststellung des Jahresabschlusses für den Eigenbetrieb Stadtwerke 2024
Der Eigenbetrieb Stadtwerke Hüfingen bestand im Jahr 2024 aus der Badsparte (Hallenbad, Sauna und Zinserträgen) sowie der Versorgungssparte (Elektrizität, Solar-Anlagen, Wasserversorgung und Nahwärmeversorgung).
Nach der Gesamterfolgsrechnung beträgt der Jahresfehlbetrag der Stadtwerke im Jahr 2024 0,495 Mio. Euro (2023: Jahresgewinn 1,283 Mio. Euro). Im Erfolgsplan 2024 der Stadtwerke Hüfingen war ein Verlust von 0,444 Mio. € veranschlagt. Aufgrund des Sondereffekts aus dem erfolgswirksamen Überschuss aus dem ESB-Anteil-Verkauf im Jahr 2023 in Höhe von 1,440 Mio. Euro ist das Gesamtjahresergebnis 2023 und 2024 nicht vergleichbar.
Der Jahresabschluss der Stadtwerke Hüfingen soll für das Wirtschaftsjahr 2024 festgestellt werden. Der Jahresfehlbetrag 2024 der Stadtwerke in Höhe von 495 T Euro soll mit dem Gewinnvortrag zu verrechnet werden. Dem Bürgermeister, dem kaufmännischen Leiter der Stadtwerke, dem Wassermeister und dem Elektromeister soll ohne Einschränkungen die Entlastung nach § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Eigenbetriebsgesetz Baden-Württemberg erteilt werden.
Der CDU Fraktionssprecher bedankt sich für die aussagekräftige und so frühe Ausarbeitung und hofft, dass die Erhöhung des Wasserpreises zum 1. Januar 2025 in Zukunft reicht. Die SPD Fraktionssprecherin bedankt sich auch für die ausführliche Ausarbeitung und stellt viele sehr detaillierte Fragen, die ich selber nicht kapiert habe. Der Amtsleiter der Kämmerei antwortet sehr detailliert. Es geht hier um die Auslegung der Zahlen. Kerstin Skodell meint, dass man die Zahlen anders darstellen muss und das Aquari eigentlich nicht so schlecht aussieht, wie hier dargestellt.
Der Gemeinderat stimmt dem Beschlussvorschlag einstimmig zu.
TOP 12 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat
Es gab Vergaben bei der Hackschnetzelanlage.
Der Bürgermeister informiert über die Nachbarschaftshilfe, das Hotel Frank und ein Ärztehaus.