Magie lebender Museen

Beitrag vom 15. April 2021

De Zauber vu lebige Musee`e

Der Ort isch tot für immer. Aber die doale saget nei ! Mir bruuchet lebige Musee`e, wo Liit mit ihrene Wurzle bekannt gmacht wered oder andere die Wurzle kennelehre könnet.

Mir bruuchet die ursprünglich, die oache Natur.


D Gschicht sott uns glehrt haa, en so wesentliche Teil vu unsere Kultur wie e derartigs Dorf i iiseri Obhuet z nehme. De Puls muess schlaa. Denno kennet mir iis gegesiitig mit Kreativität und Phantasie beflügle. D` Bäckerei dezue bringe, dass sie wieder duftet, de Lade und s` Wirtshuus, dass die Türeglocke und d` Gläser wieder klinglet.

Die Obere hond aagfange Verantwortung defüer allmählich zuezgäe.


Du triffscht villi guete Geischter im Ort. E paar sind besunders uff die Obere uus und uff sonige, die nit sehnet, dass iiseri Kultur en Schatz isch, wo bewahrt were muess. Nit nuu fer iis und dieselle, die noch iis kummet. Nei, au dass s` Urteil vu de Gschicht über iis e klei weng milder uusfallt.

Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.


Die Gespenschter ruefet jungi Liit, die meh erlebe wend wie stickige Stubbe, locket Reisende mit Erlebniss, wo sie i me Kurhuus oder uff e me Traumschiff nit überkummet. Die Gespenschter versuchet, die aazrege, die Gschichte und Määrli wohrnehmet, dass sie und mir alli, vu dene ihrem Riichtum ebbis abzwacke kinnet.

Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.


Do isch e Perle, die noch johrhunderte langem Waarte zu dere Perle wore ischt. Sie word en uuwürdige Tod sterbe, wenn ihr sie mit falsche Glunker und Nippes uusstaffieret.

Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.


Frei in Baaremer Mundart nach Herbjörg Wasmo,
Norwegische Schriftstellerin, Bestseller „Dina“ u. „Der lange Weg“
von Hubert Mauz / Donaueschingen Nov. 2018

Artefakt sind Botschafterinne us e re Ziit, die nie meh zruckkumme word, wenn mir uuachtsam und nochlässig ihre Zeitreis „ abbreche „ wered.

Die Magie lebender Museen

Dieser Ort ist tot für immer. Aber einige sagen nein ! Wir brauchen lebende Museen, wo Menschen mit ihren Wurzeln bekannt gemacht werden oder die Wurzeln anderer kennenlernen können.

Wir brauchen die ursprüngliche Natur.


Die Geschichte sollte uns gelehrt haben, einen so wesentlichen Teil unserer Kultur wie ein solches Dorf in unsere Obhut zu nehmen. Der Puls muss schlagen. Dann kann man sich gegenseitig mit Kreativität und Phantasie beflügeln. Die Bäckerei dazu bringen, dass sie wieder duftet, den Laden und das Wirtshaus, dass die Türglocke und die Gläser wieder klingeln.


Die Politiker haben angefangen die Verantwortung dafür zuzugeben


Du triffst viele guten Geister im Dorf. Einige sind besonders auf Politik aus und auf solche, die nicht sehen, dass unsere Kultur ein Schatz ist, den wir bewahren müssen. Nicht nur für uns und die, die nach uns kommen, sondern auch, um das Urteil der Geschichte über uns etwas zu mildern.

Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.


Die Gespenster rufen junge Menschen, die etwas mehr erleben wollen als stickige Klassenzimmer, locken Reisende mit Erlebnissen, die sie in einem Hotel oder Traumschiff nicht bekommen. Die Gespenster versuchen, die zu gewinnen, die Geschichten und Mythen wahrnehmen, um von ihrem Reichtum zu profitieren.

Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.


Da ist eine Perle, die in jahrhunderte langem Warten zu dieser Perle geworden ist. Sie wird einen unwürdigen Tod sterben, wenn ihr sie mit falschem Beiwerk und Tand schmückt.

Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.


Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin
Weltbestseller „Dina“ und „Der lange Weg“

Artefakte sind Botschafterinnen aus einer Zeit, die nie zurückkehren wird, falls wir unachtsam ihre Zeitreise „abbrechen“ werden.

Mit de Draisine zum Herrgottstag

Herrgottstag anne 2019 z Hifinge

„So Gschichte muss man am Morgen aufschreiben, wenn die Träume noch wach sind“.

Thomas Hürlimann

Aufgenommen in Oelsnitz/Erzgebirge von Kora27*

Eisenbahnfahrrad – Technisches Museum in Berlin von Piotr Tysarczyk*

Handhebeldraisine im Bayerischen Eisenbahnmuseum zu Nördlingen von Flominator (talk)*

*Fotos von Wikimedia

Herrgottstag gesprochen von Maria Simon am 13. Juni 2023

Wenn des de Freiherr von Drais no mitkriegt hett

Herrgottsdag- Morge Aafang 1920- er Johr: Am Untere Bahwartshiesli z Degginge sind Motter Sophie, de Wilhelm, d` Berte , s`Klärli und de Seppli mit em Sunntigshäs vor de Hieslitüre fertig zum Abfahre an Herrgottstag gi Hifinge. S Häergatter isch kontrolliert, dass jo kon Fuchs im Hennefang e Bluetbad aarichtet S. Mekker- Gäessli und grunzig s `Süehli isch gfuetteret und und de Duubeschlag speerangelwiit uffklappt. D Sophie isch e Ur- Hifingeri und sie hät en Hotz ghierote, de Lixx, de Felix Hilpert vu Hiesere bei St. Bläsi im Obere Hotzewald. Ihn häts gi Degginge ad Bah verschlage. S kursierend Familie Grüecht sait, dass er ebbis verbootzget heb, de bärestark, oerche Haumoeschter us de Urwaldähnliche Wälder um Hiesere rum. Dä, z Uurberg, Dachsberg, Blasiwald und Menzeschwand kennt er sich uus wie im oegene Hosesack. Dä hinne hond sie scho immer gern gwilderet. De Lochheiri, de muusarm Gietler mit eme Stall voll Kind häts mit em Lebe zahlt. De gnadelos Waldhieter hät ihn in Flagranti verwischt und mit de Flinte verschosse. S Opfer isch wege dere Gnadelosigkeit aber zum heimliche Held, zum „Ganghofer“, vum St. Bläsemer Land wore. Die Not vu dene ville Halbwaisle vum Lochheiri us em Mucheland hond die raue Hotze dem Förster und de Obrigkeit uff langeewig nit vergesse. Sogar e Wirtschaft „Zum Lochheiri“ i de Iisebrechi bi Schluechs gihts, ganz zum Aadenke an den Wilderer, der us Mundraub- Not gwilderet hät. Wege so ere ähnliche Kummedi isch also de Lixx wahrschienli entweder freiwillig vu dä vertloffe oder sie honds ihm nahegleit. Er soll doch lieber oehmets änni gau, wo`s weniger dichte Wälder und weniger Reh und Hase gäb. Zum Biispiel uff die offe Boor.

So soll also de Lixx gi Degginge kumme sii, a d Bah und is „Unter Bahwartshieli“. Dä wo jetzet de Thomas Esslinger huuset. Dä sind au alli vier Kind uff d Welt kumme. Dieselle Kind also vum Lixx und de Hiefingeri, de Sophie, geborene Kramer, d Schweschter vum letzte Städlibuur Beppi Kramer, us em Siesse Winkel, sind dä z Degginge uffgwahse.

Hai, Hai, hucket huff

Vor em Bahwartshiesli stoht e Gamp- Draisine nebem Gleis. Gamp Draisine sind die bei de Bahn normale Gschierer, die i de Mitti zwei Schwengel hond wie bei ere Gillepumpi zum uff- und abgampe. En Exzenter triebt denno d Achs aa. Im Gegensatz zu de neie, moderne Tourischte- Draisine mit Fahrradtreter und Ketteritzel. Mit e paar Flüech schindet de bomstark Lixx des Gschier uff s Gleis. De ältscht, de Wilhelm, au scho e gross Kamel, hilft ihm debii. Im Lixx sin legendäre Fluech, der sich bald i de ganze Familie iignischtet hät, war : „Mundidie“, nu den därf er i sim Hotzejähzorn uussiblose, wenns wieder mol klemmt. Dodruff aachet die gottesfüerchtig und volksfromm Sophie wie en Gendarm. Vu wege die booremer Universalflüech wie „Herrgottsackrament“, „Himmel Arsch und Wolkebruch“ oder „Gottverdammi“. So holose, gottsläschterliche Fluech usem Hotze- und Buurefluechrepertoir gihts bi de Sofie nit. Nit ummesuscht isch de ältscht, de Wilhelm, später au Pater und Missionar z Brasilie wore. Den zuelässige, nit biichtpflichtige Fluech, hät übrigens de Lixx us em 1. Weltkrieg us Lothringe mitbroocht, und denno verhotzewälderet. Er kunnt lammfromm und d Sophie äschtimiert nuu den Fluech. Er kunnt vum französiche „Mon Dieux“.

D`Berte, d`Motter Sophie, de Josef, s`Klärle, de Felix und de Wilhelm vor em Bahwartshiesli z Degginge (dehindert s Fahrrad mit Karbidfunzel)

Getti Wilhel und Sigfried Kramer

Also stieget alli noch em letschte luute „Mundidie“ uff die verrusste, mit em Staubwedel, em Honefiefer, abgstaubte Sitzbänkli vu de Draisine. Vorher isch no en aalte Heardepfelsack uff d Dielebretter Sitzbänk gleit wore. De Vater Lixx und de Wilhelm gond an Gamp- Schwengel und die Draisine nimmt Fahrt uff gege Huuse und Hifingen. De Fahrplan vu de Hölletalbah hät de Bähnler natierli genau im Kopf und die uffzoge Sackuhr zoeget genau aa, wenn sie z Hiefinge ab em Gleis sii mond. Weils geg Hiefingen liicht bergab goht rennst wie de Deifel und i 20 Minute micket de Lix am Herregarte, D Maidli, de Josef und d Sofie stieget ab, sortieret s Feschtagshääs und de Wilhelm und de Lixx schindet die bolleschwer Draisine uffs Bankett. Jetzt kaa de Zug vu Eschingen gi Friiborg, oder de Bregtäler gi Fortwange dampfe und schnuufe.

Herrgottstag

Fascht jede Gmond hät sin hochheilige Fiirtig. Entweder s Patrozinium, oder, wie uff de Reichenau de Markustag, z Weingarte de Bluetritt, de Leonhardi Tag z Lenzkirch, z Appezell Fronleichnam oder ebe z Hiefinge de legendär und populär Herrgottstag. Die Däg zellet fascht meh wie die Hochfeschter Wihnächte, Oschtere oder Pfingschte.

No isch vor em Hochamt Ziit zum beim Getti, em Brueder und em Schwoger, bei Kramer Beppi und de Emme im Süesse Winkel uff en Zigorie Kaffe mit frisch bachenem Zopf vorbei z gucke. Die ganz Kramer Sippe füllt aaschliessend oe ganzi Bankreihe im Hochamt i St. Verena uus und innbrünschtig wered die Lieder, die an ere Schiebenummere Tafel unter de Kanzel hängt, im Magnifikat uffgschlage und mitgsunge. Noch em erhebende Te-Deum mit Orgelgebraus stellt mer sich zu de Prozession uff. De Pfarr mit de Monschtranz unterm Baldachim, unterm Himmel, voruus. Nuu er schriitet würdevoll mit em Allerheiligschte über de kunstvoll und hingebungsvoll uusgleit Hiefinger Bluemeteppich. Die farbefroh und aarührend Art de Natur und de Schöpfung z huldige, des hät de Xaver Reich vun ere Studiereis anne 1841 us Italie mitbroocht und dodemit Hiefinge und de Herrgottstag, Fronleichnam im ganze Südweschte berühmt gmacht. So könnts immer no sii, wenn nit die Wiesemonokulture, des Silofuetter und de Kunschtdünger die wunderbare booremer Bluemewiese fascht ganz uusgrottet hättet. Tausende Schauluschtige verfolget gerührt mit eme sanfte Gänsehautgfühl des Gesamtkunstwerk wenns stattfindet, den spirituelle Hifinger Kult: Die poesivoll, volksfromm Prozession über d Bluemeteppich, vorbei a de kunstvolle Bluemebilder- Altärli vor de Hieser.

Mir gond zum Herrgottstag

Noch dem erhebende Ritual gihts no bim Getti e gueti Nuddlesuppe, en Schunke im Brotdoeg mit Herdepfelsalot und en Zigorie Kaffe mit eme Käskueche und eme steife, fettige Buureschlagrohm. De Getti und de Lixx rauchet no en Burgerstumpe, d Wiiber verzellet und verkartet s Neischt us em Städtle , de Verwandschaft, vu Hiesere und vu Degginge.



Herrgottstag anne 2019 z Hifinge

Hoemfahrt

D Sackuhr vum Lixx zoeget aa, dass mer die Zugpause um Vieri nutze muess, zum mit de Draisne hoem, gegg Degginge z`Giege. D Draisine word wieder uffs Gleis gschunde und de Wilhelm und de Lixx mond jetzet aber draa. Mundidie. Es goht nämli berguff und do rennt des Monstrum nimme so gattig wie bei de Aafahrt zum Herrgottsdag.

Die Aareis vu dere Bagage mit ere Draisine düerft die kuriosescht Bsucherfahrt vum Hifinger Herrgottsdag zu dere Ziit gsii sii. Do kummet nit emol die Aafahrte vum Tal, vum Rande und de Westboor mit de kleine Bulldöggli aa, wo uff em ohne Radkaste Sitz d Grossmotter huckt, und uff em andere d Bierin. Und uff de Ackerschiene Kischte d Kind.

Und de Freiherr von Dreis het bestimmt die allergröscht Freid ghaa mit dere Reiseart mit sinere Bahgleis- Draisine , obwohl er wohrschienli evangelisch war.

Jo, so wars.

Ein Vierteljahrhundert Walderneuerung nach dem Orkan „Lothar“

Lothar-Denkmal am Siedigkopf

Größere Waldkatastrophen gaben jeweilen die äußere Veranlassung, einige Zeit über die wünschbaren Heil- und Abwehrmittel zu reden und zu schreiben. Aber meist windet und dreht man sich dabei wie eine Katze um den heißen Brei. (Ammon, W.: Das Plenterprinzip in der Waldwirtschaft. Bern, 1937)
Ich wohnete auf einem hohen Gebürg, die Moos genannt, so ein Stück vom Schwarzwald, und überall mit einem düsteren Tannenwald überwachsen ist. (Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch. 1667. Projekt Gutenberg-DE) 

Der Orkan vom zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1999 mit dem so harmlos klingenden Namen „Lothar“ ragt noch immer heraus aus der Vielzahl von extremen Sturmereignissen, von denen der mitteleuropäische Wald bis dato heimgesucht worden ist: 200 Millionen Festmeter Holz lagen nach diesem waldwirtschaftlichen „Super-GAU“ auf dem Boden, 30 Millionen allein in Baden-Württemberg, wobei der mittlere und der nördliche Schwarzwald am stärksten betroffen waren. Die meteorologischen Stationen verzeichneten die höchsten bei uns je registrierten Windgeschwindigkeiten: Auf dem Feldberg versagte das Messgerät bei 212 km/h, auf dem Hohentwiel wurden gar 272 km/h gemessen. Lothars Spitzenböen schien buchstäblich gar nichts mehr standgehalten zu haben, keine Baumart und keine Waldstruktur. Weshalb sich in der Waldwirtschaft vielerorts auch Resignation breit machte, anders als noch nach „Wiebke“ und „Vivian“, den vermeintlichen Jahrhundertstürmen ein knappes Jahrzehnt zuvor; von denen waren vorwiegend standortswidrige Fichtenbestände geworfen worden mit insgesamt immerhin auch bereits 70 Millionen Festmetern Sturmholz, mehr als alle bis dahin verbuchten Sturmholzmassen zusammen genommen, wie forstliche Statistiker errechnet hatten. Damals, im Jahr 1990, fand in Deutschland bekanntlich nicht nur die politische Wende statt, sondern auch ein waldbaulicher Paradigmenwechsel, der nach dem Fiasko mit der allzu labilen Fichte eine neue Hinwendung zu sturmfesteren Baumarten und Waldstrukturen brachte, hin zum Konzept des naturnahen Waldbaus – zur Waldwende

Doch nun, nach „Lothar“, schien sich im forstlichen Schrifttum eine erneute Kehrtwende abzuzeichnen: „Short rotation“ war angesagt, die drastische Verkürzung der Umtriebszeiten, um damit die Hebel zu verkürzen, an denen die künftigen, womöglich noch verheerenderen Stürme ansetzen würden. Um die „wünschbaren Heil- und Abwehrmittel“ (so auch um das „Plenterprinzip“ des Walter Ammon s. o.) war es still geworden angesichts der brutalen Gewalt, ausgelöst womöglich durch den menschengemachten Klimawandel in der Treibhausküche des Nordatlantiks. Zwar verursachte im Februar 2007 der Orkan „Kyrill“ abermals 59 Millionen Festmeter Sturmholz, dennoch sollten alsbald wieder andere Waldschäden die Schlagzeilen liefern: die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit, erst jene des Jahrhundertsommers 2003 (in den badischen Weinbaugebieten noch als Jahrhundertjahrgang gepriesen), schließlich jedoch die sich steigernden Hitzerekorde von 2018 bis heute, von den Medien als Ursache eines Waldsterbens 2.0 gehandelt. Ob da vom Lothar-Schock der Jahrtausendwende noch recht viel hängengeblieben ist? Als wie intakt erweist sich da das Langzeitgedächtnis der damals Betroffenen aus der Forst- und Holzbranche?? Oder wie viel wurde zwischenzeitlich verdängt und überlagert von den TV-Bildern der Waldbrände und der noch spektakuläreren Vernichtungsgewalt karibischer Tornados? Vor allem aber: Welche Lehren hat man aus der Katastrophe gezogen? Und wie sieht es auf den Lotharflächen heute aus? 

Damals war das Entsetzen groß, nicht nur unter den Augenzeugen und unmittelbar Betroffenen, sondern selbst bei den Bewohnern waldfernerer Regionen, für die sich die vertraute Kulisse der Schwarzwaldberge auf einen Schlag verändert hatte. Dass unmittelbar nach dem Orkan nicht mehr als 18 Todesopfer zu beklagen waren, dürfte vornehmlich dem Umstand zu verdanken gewesen sein, dass die Spitzenböen zur besten Mittagessenszeit über uns hinweg brausten, während der dichtauf folgende Orkan „Martin“ – zum Glück für die Schwarzwälder, Pech für die Wälder des Massif Central – abrupt nach Süden abgedreht und sich im Midi vollends ausgetobt hatte. 

Lothar-Schadensfläche rund um den Moosturm im mittleren Schwarzwald


Im Bereich der baden-württembergischen Landesforstverwaltung hatte man bereits nach „Wiebke“ samt deren Vorläuferinnen die Lektionen in den Pflichtfächern Sturmholzaufarbeitung und Vermarktung hinlänglich gelernt: Bereits im  Juli 2000 war mit 7 Millionen Festmetern schon die doppelte Menge von anno 1990 – vornehmlich aus dem besonders leidgeprüften Privatwald stammend – vermarktet, gar die dreifache Menge zur Konservierung auf Beregnungsplätzen eingelagert worden. Beim Räumen der Sturmflächen war es bis zum Herbst zu 3633 Unfällen gekommen – zwanzig (!) Personen waren dabei, überwiegend im Privatwald, zu Tode gekommen. 

Für den Waldbau im Staatswald galt nach wie vor der Stuttgarter Ministerialerlass „Walderneuerung auf Sturmwurfflächen“ vom 31. 7. 1990, wonach die Wiederaufforstung nur ja nicht überstürzt werden sollte. Stattdessen waren die Selbstheilungskräfte des Waldes zu nutzen, wobei der neue Wald vom Schutz und der Nährstoffpumpe der Pionierwaldgesellschaften profitieren sollte. Demgegenüber wurde in den großen Privatforstbetrieben die Wiederaufforstung im Hauruck-Verfahren propagiert, die integrierte vollmechanisierte Sturmholzaufarbeitung, Flächenräumung und Pflanzung „just in time“ – dies nicht zuletzt der günstigeren psychologischen Auswirkungen auf alle Beteiligten wegen.1

Andernorts schlug die Geburtsstunde der Polypropylen-Wuchshüllen: Allein im Stadtwald von Baden-Baden wurden auf 2.000 ha Lothar-Fläche 350.000 der aus England bezogenen Kunststoffköcher ausgebracht, mit denen die durch Wildverbiss besonders gefährdeten Laubbäume geschützt und zu rascherem Jugendwachstum angeregt werden sollten. Zaunschutz auf Flächen solcher Größenordnung, so die Begründung, würde sich als untaugliches Mittel erweisen. Ein Vierteljahrhundert nach Lothar steht fest: Krisengewinner sind unterdessen eindeutig die Wuchshüllen – mag die Plastik- und Mikroplastikproblematik weltweit noch so besorgniserregende Ausmaße angenommen haben.

Einer der baden-württembergischen Schadensschwerpunkte war der ehem. Forstbezirk Gengenbach mit seinen ca. 700.000 Fm Schadholz auf 2.000 ha Sturmfläche, mitten drin der 871 m hohe, vormals dicht bewaldete Mooskopf, Hausberg der Gengenbacher und Oberkircher Wanderfreunde. Auf ihm hatte anno 1890 die Oberkircher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins den sandsteinernen Moosturm errichtet, der mit seinen 21 Metern Höhe freilich kaum mehr aus den Fichten- und Tannenkronen herausgeragt hatte. Nun stand er plötzlich wie ein ausgestreckter Mittelfinger auf der kahlen Buntsandsteinkuppe. 

Blick vom Moosturm im Frühjahr 2000

Es bot sich an, von hier oben aus das weitere Geschehen zu dokumentieren2: Ein Foto vom Frühjahr 2000 zeigt erste Aufarbeitungserfolge unterhalb des Turms. Auf der Wegspinne am Sattel wartet bereits ein Forwarder auf den Abtransport weiterer Sturmholzmassen, und auch etliche „Katastrophentouristen“ sind per Mountainbike schon unterwegs, um die so brutal veränderte Welt rund um den Berg in Augenschein zu nehmen. Gegenüber, am Siedigkopf, liegt das Holz noch dicht auf dicht, wie es umgeblasen worden war. Der Bildvordergrund zeigt sich bereits mit erster Schlagflora, vereinzelt haben auch junge Fichten und Tannen den Orkan und die Räumung überlebt. Insgesamt nur ein Drittel der Lotharflächen sei im Bereich der damaligen Freiburger Forstdirektion rekultiviert worden, der Rest sei der natürlichen Sukzession überlassen worden, so las es sich in den vielerlei Rückblicken zum Jahresabschluss 2009 aus Anlass der zehnjährigen Wiederkehr des Schreckenstags. Wie lange würde es dauern, bis am Mooskopf wieder neuer Wald herangewachsen ist, und aus welchen Baumarten würde er sich zusammensetzen, wo die Wiederaufforstung unterlassen wurde?

Blick vom Turm im Frühsommer 2010


Auf dem im Frühsommer 2010 wiederholten Foto vom Turm herab zeigt sich die Szenerie bereits im Zustand fortgeschrittener Sukzession mit Birken und blühenden Ebereschen, dazwischen aber auch noch mit viel braunem Waldboden (oder doch mit brauner Adlerfarn-Matratze) sowie auch schon mit allerlei Nadelgehölz aus natürlichem Anflug von vor der Katastrophe. Am gegenüberliegenden Siedigkopf war – nach Räumung des Sturmholzes – inzwischen (im Jahr 2003) ein Bannwald ausgewiesen worden. In ihm überwog nach zehn Jahren noch immer die Farbe Braun. Erstaunlicherweise haben sich jedoch auch schon etliche Douglasien eingefunden. Wie sähe es dort wohl aus, wenn das Sturmholz auf der Fläche belassen worden wäre? Auf der südwärtigen Stirnseite des Lothar-Glatzkopfs hatte ein einheimischer Künstler aus drei vom Forstamt gestifteten Weißtannenstämmen ein Lothardenkmal errichtet, das für Wald- und Landschaftsfreunde fortan zur beliebten Pilgerstätte wurde. Ohnehin hatten etliche Bürgermeister und Kurdirektoren von mit Wald überreich gesegneten Gemeinden nach der Katastrophe hörbar aufgeatmet, denn mit seinen Schneisen hatte der Orkan doch endlich für freien Ausblick gesorgt. Oben am Schliffkopf an der Schwarzwaldhochstraße wurde die Erinnerung an das Extremereignis mit einem Lotharpfad wach gehalten, am Plättig mit einem Wildnis-Erlebnispfad, beide erfreuen sich noch immer eines überaus regen Besucherverkehrs über die allmählich vermorschenden Stämme und Wurzelteller hinweg. Im Sattel am Fuß des Mooskopfs hatten immerhin eine Wolfsgrube sowie ein Grimmelshausen-Denkmal den Super-GAU überlebt, unweit davon erinnert ein weiterer Gedenkstein an das Geschehen: an den tödlich verunglückten Waldarbeiter Roman Kwiatkowsky, Vater von fünf Kindern, der zusammen mit einem polnischen Forstunternehmer aus der Offenburger Partnerstadt Olstzyn (Allenstein) zur Sturmholzaufarbeitung in den verwüsteten Schwarzwald geeilt war.

Blick vom Turm im Dezember 2019

Ende Dezember 2019 hat der Chronist erneut den Moosturm bestiegen, um die Fortschritte der Wiederbewaldung ein weiteres Mal zu dokumentieren. Und siehe da: nun steht der Turm tatsächlich wieder im Wald! Lediglich westwärts, gegen die Rheinebene hinab, auf stark verhagertem und blocküberlagertem Standort tut sich die Sukzession im Filz der Beerstrauchdecke einstweilen noch schwer; hier blieb es bei einzelnen Birken. Nach Süden hin überwiegen indessen die Nadelbäume, vorwiegend Fichten, vereinzelte Tannen und Douglasien. Nichts davon sei gepflanzt worden, versichert der inzwischen im Ruhestand befindliche Forstamtsleiter (oder wurde womöglich doch da und dort mit Pflanzung nachgeholfen, wie er einräumt?), sicher nicht im Bannwald um den Siedigkopf. Auch dort sind die Fichten im Vormarsch, dazwischen finden sich seltsam verstrubbelte, teils auch bereits von Schneebruch gezeichnete Douglasien, deren Höhenwachstum dem der Fichtenkonkurrenz kaum überlegen zu sein scheint.

Ein letzter Blick vom Turm im Frühsommer 2025   

Letztmals am 22. Mai 2025 haben die Beiden, der einst zuständige Forstamtsleiter und der Chronist, den Turm bestiegen,. Jetzt, im voll belaubten Zustand, scheint der Jungwald gegenüber dem Zustand vor nur eben mal fünfeinhalb Jahren einen erstaunlichen Wachstumsschub erhalten zu haben, wobei sich insbesondere Birken, Ebereschen und Weiden mächtig ins Bild drängen und fast das Bild eines Laubmischwalds hinterlassen. 

Gewinnerin auf den Lotharflächen, ob diese der natürlichen Sukzession überlassen oder bepflanzt worden sind, dürfte letztendlich dennoch die Fichte sein, wenn sie die Konkurrenz der Pionierbaumarten überwunden haben wird. Aber ob sie als „Brotbaum“ in der neuen Waldgeneration noch taugen wird? Wie würde die sich heute wohl darstellen, darf gefragt werden, wenn die Altbestände zum Zeitpunkt der Katastrophe reichlicher mit Naturverjüngungsvorräten aus Schatten ertragenden Tannen und Buchen unterfüttert gewesen wären? Wie viel davon hätte unterm Sturmholz überlebt? So aber ist es allenfalls bei vereinzelt eingesprengten Überlebenden der Bergmischwaldgesellschaft geblieben. Und es wird wieder eine ganze Generation dauern, bis diese erneut für überlebensfähigen Nachwuchs gesorgt haben könnte – immer vorausgesetzt, die Balance zwischen Wald und Wild wird dann gelungen sein. Oder muss am Ende auch nach „Lothar“ wieder Walter Ammon, dem schweizerischen Forstkollegen, beigepflichtet werden, wonach sich die für den Wald Verantwortlichen wohl weiterhin wie die Katze um den heißen Brei winden und drehen – wo immer die Defizite an vorausschauender  naturnaher Waldwirtschaft nicht behoben sein werden? Und wird auf der Moos, wo Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen einst seinen Einsiedler über „düstere Tannenwälder“ hinweg in die Täler hinabschauen ließ, jemals wieder der Schwarzwälder Charakterbaum dominieren?

Lothar-Denkmal am Siedigkopf



1 Elbs, A. (2000): Erfahrungen zur Aufforstung von Orkanflächen. AFZ-DerWald Nr. 16: 831 f.

 2 Hockenjos, W. (2009): Zehn Jahre nach dem Orkan „Lothar“: Folgerungen für die Waldwirtschaft. AFZ-DerWald Nr. 18: 978 ff.

Königsfeld, ein Vorbild für Hüfingen!

Buch 50 Jahre Königsfeld

Im Jahr 2020 hatte ich Königsfeld erwähnt, da dort eine, für den Schwarzwald-Baar Kreis ungewöhnliche Transparenz herrscht. Also ich schrieb:
Als leuchtende Vorbilder möchte ich Königsfeld, Mönchweiler und auch St. Georgen und Donaueschingen erwähnen.

Königsfeld 2020


Von der Webpage aus dem Jahr 2020.
Die Webpage von Königsfeld wurde 2023 neu aufgestellt

In Sachen Transparenz hat sich hier seit 2020 sehr viel getan. Nicht nur weil sich Hüfingen Sachkenntnis aus Mönchweiler in Städtle holen durfte, sondern natürlich auch wegen des Hieronymus.

Königsfeld hat jetzt ein Buch heraus gegeben über 50 Jahre Gesamtgemeinde Königsfeld:



Ein halbes Jahrhundert Gesamtgemeinde Königsfeld
Bewusst gemeinsam gestalten!

Buch 50 Jahre Königsfeld



Chronik Königsfeld
347 Seiten Festeinband
Gemeinde Königsfeld VK 35 €


Königsfeld hat um die 6.000 Einwohner und umfasst neben dem Kernort auch fünf Ortsteile: Buchenberg, Burgberg, Erdmannsweiler, Neuhausen und Weiler.

Königsfeld konnte also ganz alleine eine Chronik stemmen – vermutlich bezahlt es auch nicht über 40.000 € an eine tendenziöse VHS.

Karte aus dem Jahr 1620 von der Baar

Landkarte der Baar von 1620
Foto: Dr. Jörg Martin, FF-Archiv Donaueschingen.

Ein halbes Jahrhundert Gesamtgemeinde Hüfingen

Seit 1. April 1970 Sumpfohren.
Seit 1. Januar 1972 Behla.
Seit 1. Januar 1972 Fürstenberg.
Seit 1 .März 1972 Hausen vor Wald.
Seit 1. Januar 1975 Mundelfingen.

Fürstenberg
Hausen
160227 Mundelfingen


Lieber Gemeinderat von Hüfingen:
Wie wärs?

Ästlinge Fortsetzung

junger Hausrotschwanz

Liebe Bürgerpostleser,

die Hausrotschwanzgeschichte ging noch etwas weiter, weil sich ein Jungtier bei uns im Haus verirrte und tags darauf im Zimmer unseres Sohnemannes. Das Bild zeigt den stolzen Burschen, wie er selbstverständlich auf der Gardinenstange sitzt. Ich machte das Fenster auf und versuchte ihn zum Hinausfliegen zu bewegen. Aber anscheinend kannte er mit seinem jungen Alter noch nicht, dass man durch ein offenens Fenster fliegen kann. Immer wieder, wenn ich dachte, jetzt müsste es passieren, flog er die Gardinenstange an. Es half nur, ihn mit einem Käscher zu fangen und in der Hand – sicher gehalten – aus dem Zimmer zu begleiten. Er zeigte sich sehr vital und nach dem Fototermin flog er auf den nächsten Baum. Die Elterntiere waren sofort zu Stelle. Anders als bei Kitzen macht bei Vögeln die Berührung der Jungtiere durch uns Menschen nichts aus. Ein Riesenvorteil.

Das 2. Bild zeigt das zweite Eindringen. Er ist erstaunlicher Weise durch das gekippte Fenster in die Wohnung gelangt. Ich vermute, es war der gleiche Bursche wie am Vortag, dem hat es einfach gut gefallen. Über die Balkontüre verließ er anstandslos die Wohnung.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ästlinge 1. Teil vom 4. Juni 2025

Liebe Bürgerpostleser, 

ist das nicht ein putziges Kerlchen auf dem Bild unten? Man fragt sich, was ist mit dem Schwanz los, hat er ihn verloren oder kommt er noch? Ich habe ihn in den Status gestellt, nur Ralf Claaßen aus Villingen und Oliver Bury aus Frittlingen hatten die richtige Antwort, es sei eine junge Mönchsgrasmücke. Hätten Sie sie erkannt? Ich war auch unsicher, anhand der braunen Kappe hatte ich einen unsicheren Verdacht. Ein Dank gilt Ingo Kirchhoff aus Wietzen, der mir dieses Bild geschickt hat. Übrigens, der Schwanz kommt noch, er ist das letzte, was sich entwickelt. Eine Frage stellt sich einem bei diesem Anblick, muß man dem Vogel helfen oder nicht. Sie können sich kurz dazu Gedanken machen, die Lösung kommt noch.



Die nächsten drei Bilder sind bei mir entstanden und zeigen auch einen Jungvogel. Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen, es ist ein junger Hausrotschwanz. Die brüten die letzten Jahre gerne bei unserem Haus auf dem Firstbalken meist mit zwei Bruten. Ich wusste das natürlich, aber erst am Geschrei bei der Fütterung der Jungvögel hab ich es gemerkt. Das wird mit der Zeit immer lauter und man kann abschätzen, wann das Ausfliegen beginnen könnte.

15 bis 17 Tage sind die Jungvögel Nestlinge.  Am 1. Juni entdeckte ich den Jungvogel im Gartenschuppen und er ließ mich in Ruhe an sich herankommen, bis die Altvögel ihm zuriefen: „Versteck Dich, wer weiß, was der Franz Maus mit Dir vorhat“. Wie vom Blitz getroffen war er in der Hütte verschwunden. Auch hier die Frage, muß man helfen oder nicht?

Ein klares nein, das muss man nicht!

Denn die Altvögel versorgen sie weiterhin mit allem, was sie brauchen. Natürlich haben Feinde in der Phase ein leichteres Spiel, aber das ist Natur. Dieser Ästlingsphase genannte Zeitraum dauert bei den Hausrotschwänzen etwa zehn Tage, bis der Schwanz die volle Länge hat, vergehen zwei bis drei Wochen. Gott sei Dank gibt es in Villingen beim Ehepaar Claaßen eine Aufzucht- und Pflegestation. Wenn man unsicher ist, ob alles klar läuft in der Ästlingsphase, ob die Eltern noch leben beispielsweise, dann kann man sich telefonisch melden. Dort erhält man dann eine Händynummer, an die man ein Bild des Jungvogels schickt. Anhand dessen wird entschieden, was zu tun ist. Ich habe schon mehrmals einen guten Rat bekommen, wofür ich sehr dankbar bin. 

Zum Hausrotschwanz noch ein paar Fakten: Er wurde Vogel den Jahres 2025. Rund 70 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt er als einer der ersten Sänger und ist bis nach der Abenddämmerung zu hören. Über den Gesang des Jahresvogels schrieb der bekannte Zoologe Alfred Brehm in seinem „Tierleben“ allerdings ein wenig erbauliches Urteil: Das ihm eigene Röcheln, das sich mit knirschenden, klappernden Tönen und flötenden Trillerlauten abwechselt, nannte er als „jeden Wohlklanges bar“. Dem Hausrotschwanz kommt zugute, dass er keine hohen Ansprüche an seine Brutgebiete stellt. Steinig, trocken und warm sollte es sein, dann kann der Hausrotschwanz seine Nester in nahezu jede Nische und jeden Hohlraum bauen. Gesellige Typen sind Hausrotschwänze allerdings nicht. Im Spätherbst machen sich die Mittelstreckenzieher allein auf den Weg und halten sogar an Sammelstellen wie Gewässern, Feldern oder Klippen einen angemessenen Abstand zueinander.

Ich freue mich jedenfalls, dass er bei uns ist und besonders im Frühjahr, wenn er relativ früh wieder bei uns erscheint. Mit 800.000 bis 1.000.000 Brutpaaren ist er bei uns in Deutschland verhältnismäßig häufig.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wie das alte Krankenhaus zum Kunsthotel und dann zu Wohnungen wurde

Das Künstlerhotel 1998

aktualisierter Beitrag

Heute erinnern sich nur noch wenige: In Hüfingen gab es mal ein Krankenhaus.

Am 14. Juli 1844 beschloß die Stadt vom Fürstenhaus das 1832 erstellte Ökonomiegebäude des aufgehobenen Gutshofes an der Bräunlinger Straße für 6000 fl. zur Einrichtung eines Armenhauses zu kaufen. *

Die Stadt ging an die Ausführung des Bauplanes, ohne die behördliche Genehmigung einzuholen, und stellte das umgebaute Haus 1846 fertig. Auch jetzt blieb eine Ökonomie im nördlichen Teil des Hauses erhalten. Ein Brandgiebel trennte sie vom Wohnteil. Tatsächlich wurde eine Krankenabteilung eingebaut und das Haus als Armen- und Krankenhaus bezeichnet.*

Das ehemalige städtische Krankenhaus war zuvor herrschaftlicher Gutshof.
Foto etwa 1940*

Mit der Zeit stieg die Bedeutung als Krankenhaus, während die Funktion als Armenhaus in den Hintergrund zu treten begann, und mit dem Absinken des Vermögens des Armenfonds ging die Trägerschaft ganz auf Hüfingen über.

Im Jahre 1929 zählte man im Städtischen Krankenhaus Hüfingen 37 Betten, unter denen sich 2 Kinderbetten, 2 Wöchnerinnenbetten und neun Betten für Pfleglinge befanden. Unter dem Personal befanden sich 5 Schwestern der Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen).*

Als Vorsteherinnen des Krankenhauses Hüfingen ließen sich feststellen:

Schwester Rosine von 1865 – 1902.
Schwester Flavia von 1902 – 1910.
Schwester Markina (Sofie Zimmermann), geb. am 15. 6. 1857 in Bräunlingen, bis 8. 2. 1917.
Schwester Erasma (Anna Engist), geb. am 10. 2. 1867 in Endingen, vom 1. 4. 1922-29. 11. 1922.
Schwester Barnabas (Anna Söhner), geb. am 8. 7. 1868 in Waldmühlbach/Mosbach, vom 29. 11. 1922-12. 8. 1925.
Schwester Hermengild (Rosa Riesler), geb. am 26. 2. 1869 in Oberwinden, vom 13. 8. 1925-25. 7. 1928.
Schwester Natalia (Franziska Riede), geb. am 5. 10. 1874 in Riedheim/Engen, vom 26. 7. 1928-14. 9. 1949.
Schwester Felizitas vom 15. 9. 1949-




Schwester Mathilda 1964

Dr. Erwin Sumser wurde am 1. Oktober 1920 sogenannter „Kassenarzt“. Nach der Einberufung von Dr. Erwin Sumser wurde im August 1944 Assistenzärztin Dr. Maria Fritz nach Hüfingen not-dienstverpflichtet. Sie erwarb sich die Achtung der Einwohnerschaft durch ihr mutiges Verhalten während der Luftangriffe auf Hüfingen und bei der Behandlung der Verletzten und Verwundeten.


Am 1. Januar 1971 sah sich die Stadt gezwungen, das städtische Krankenhaus zu schließen. Aus Altersgründen waren die drei Ordensschwestern gezwungen, ihren Dienst aufzugeben, und so kündigte das Mutterhaus der Vincentinerinnen den Vertrag.

Das moderne Kreiskrankenhaus in Donaueschingen war im Bau und schließlich zeigte es sich, daß die dringenden Instandhaltungsarbeiten Ausgaben in Höhe von 100000 DM erforderlich gemacht hätten.

So wurde das bisherige Krankenhaus mit 26 Betten ab 1. Dezember 1971 an das F.F. Sägewerk verpachtet und darin Werksangehörige untergebracht.

Das alte Krankenhaus in den 1970ern

Fotos: Karl Schweizer

Kunsthotel

Mitte der 90er Jahre sollte aus dem ehemals alten Krankenhaus, das der Sparkasse Donaueschingen gehörte, ein Kunsthotel entstehen, das kreative Urlauber anlocken sollte.

Nachdem (1994) ein Blitz in das Hotel einschlug, begann ein finanzielles Desaster und der Investor musste 1999 aufgeben und verabschiedete sich mit sehr vielen Schulden nach Luxemburg.

Kunsthotel nach dem Blitzeinschlag 1994

Das Künstlerhotel 1998

Kunsthotel im April 2005 vor dem Abriss

Kunsthotel im April 2005

Neubauten im März 2005

Das „Atelierhaus“ im März 2005

Im Frühjahr 2006 wurde das zerfallene Hotel abgebrochen.

Töpferweg 2006

Das Kunsthotel wird 2006

auf den Bauplätzen vergraben.

Der Bauschutt vom Abriss ist dann auf wundersamer Weise unter dem neuen Baugebiet erschienen und musst dann von den neuen Besitzern kostenpflichtig entsorgt werden. Es sind also nicht nur die Landwirte die alte Schweine- oder Kuhställe vergraben. Die Stadt ist hier gerne Vorbild.

Über alte Fotos und Infos in den Kommentaren, freue ich mich!

*Chronik von August Vetter, 1984

Generalentwässerungsplan, esb Erdkabel, neue Server, Zufahrt Kindergarten Behla, Feuerwehrgerätehaus, Sanierung Nepomuk-Schelble-Str., Essenspreise in Kitas, Verlust Stadtwerke

Es gab keine Ausschusssitzung.

Als erstes wurde der ehemalige Inklussionsbeauftragte verabschiedet der diesen Job über 20 Jahre gemacht hatte. Danke, Peter Müller!

TOP 2
Bürgerfragestunde

Keine Wortmeldungen.

TOP 3
Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen

Es gab keine Beschlüsse in der letzten nicht öffentlichen Sitzung.

TOP 4
Vorstellung Generalentwässerungsplan Hüfingen

Der Generalentwässerungsplan (GEP) ist Planungsinstrument für die örtliche Siedlungsentwässerung . Die Stadt Hüfingen erhält durch den Generalentwässerungsplan eine fundierte Handlungsempfehlung, in der die Belange der Stadtentwicklung, der Siedlungsentwässerung und des Gewässerschutzes mit ihren gegenseitigen Abhängigkeiten Berücksichtigung finden.




Ich fände hier nett, liebe Stadtverwaltung, wenn der ganze Kanalplan auf der Webseite von Hüfingen zur Verfügung gestellt werden könnte. Vielleicht irgendwo beim Baumamt?


„Es wird aufgezeigt, welche kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine dauerhafte Entwässerung gewährleisten zu können.
Andererseits sind Einleitungen erlaubnispflichtig und aufgrund einer Befristung in regelmäßigen Abständen zu erneuern, wobei die Schadlosigkeit der Einleitung nachzuweisen ist.“


Schadlose Einleitung mit natürlicher Schaumbildung
Staatsanwalt G.


Hauptinhalt von diesen Plan ist die hydraulische Kanalnetzberechnung, mit der festgestellt wird, in welchen Bereichen es hydraulische Schwachstellen gibt und Überflutungen aus dem Kanalnetz heraus auftreten können.

Laut derzeitigem Stand trete bei 17 von 2.353 Schächten unzulässige Überstauungen auf. Für die Regenentlastungsanlagen ist ein deutlicher Sanierungsbedarf vorhanden.

Für die Umsetzung ist die Erstellung einer gesamtheitlichen Schmutzfrachtberechnung des Einzugsgebiets der Kläranlage Donaueschingen erforderlich.
An insgesamt 24 Einleitstellen ist eine stoffliche Behandlung notwendig und es werden mehrere zentrale Behandlungsanlagen erforderlich, insbesondere für große Verkehrsflächen und Gewerbeflächen.

Arbeiten am Kanalnetz
Hydraulische Berechnung – Maßnahmen
Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen
▪ Ziel: Überstaufreiheit für die Berechnungsregen
▪ Ausarbeitung von hydraulischen Maßnahmen
– Aufdimensionierungen
– Querschlüsse
– Flächenabkopplung (auch: Außengebiete)
– Stilllegung Notentlastung
– Fehlanschlüsse beheben

Kostenschätzung: 2,5 Mio. €

Es kommen also ziemliche Kosten auf Hüfingen zu. Viel Geld, das sich wohl nicht vermeiden läßt. Hoffentlich gibt es vom Land Zuschüsse!

Bekannte Fehlanschlüsse die direkt in die Breg gehen an der Gierhalde? Habe ich richtig gehört? Kein Wunder, dass die Donau der schmutzigste Fluss Europas ist.

Dies war alles nur zur Kenntnisnahme.

TOP 5
Projektvorstellung Energieversorgung Südbaar GmbH

Die esb stellt ihre anstehenden Projekte in Hüfingen und den Ortsteilen vor. Also es werden eine ganze Reihe Erdkabel verlegt. Wer sich dafür interessiert wo genau, soll selber gucken.

https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/getfile.asp?id=8780&type=do

(link funktioniert nur bis im August 2025)

Auch dies war nur zur Kenntnisnahme.

TOP 6
Vergabe Erneuerung der Server Infrastruktur
Vorlage: 2025/305

Die derzeitige technische Ausstattung im Rathaus entspricht nicht mehr den Anforderungen an einen ausfallsicheren und modernen Verwaltungsbetrieb.
Die Erneuerung der Server wurde im Rahmen der Haushaltsberatungen im Herbst 2024
angemeldet und vom Gemeinderat einstimmig genehmigt.

Heute geht es darum eine Firma mit der Erneuerung der Serverinfrastruktur in Höhe von 74.720,10€ zu beauftragen.

Der Gemeinderat stimmt hier einstimmig zu.

TOP 7
Zufahrt Kindertagesstätte St. Georg Behla – Vergabe von Bauleistungen

Der Plan war nicht bei SessionNet dabei, deswegen habe ich ihn abfotografiert.
Leider ist die Qualität nicht sonderlich gut. Ich werde das Bild bei Gelegenheit ersetzen.

Die ausgeschriebenen Arbeiten beinhalten Erd- und Straßenbauarbeiten in der Zufahrt zum Kindergarten Behla (Professor-Hall-Weg), sowie Pflasterarbeiten mit Randeinfassungen zur Verbreiterung des Gehwegs und zur Herstellung von zusätzlichen Parkplätzen vor dem Kindergarten.
Das günstigste Angebot wurde von eine Firma aus Hattingen mit einer Angebotssumme von 117.854,70 € brutto eingereicht.

Der Ortsvorsteher von Behla erzählt die lange Geschichte vom Versuch die Zufahrt zum Kindergarten endlich sicherer zu machen. Es gab bisher 15 Planungsvarianten. Bei dieser Planungsvariante haben alle Ortschaftsräte zugestimmt.

Der Gemeinderat stimmt auch einstimmig zu.

TOP 8
Sanierung Nepomuk-Schelble-Straße Ost – Vergabe von Ingenieurleistungen

Die Nepomuk-Schelble-Straße Ost muss saniert werden.

So ist die Sanierung der Straße und des Gehwegs auf eine Länge von ca. 160 m geplant.
Die Wasserleitung wird erneuert von Schulstraße über die Nepomuk-Schelble-Straße und die Karl-Bromberger-Straße (ca. 300 m). Der Kanal wird wegen schlechtem Zustand auf einer Länge von ca. 200 m ausgetauscht.

Das hierfür übliche CDU-Ingenieurbüro aus Donaueschingen soll mit den Planungsleistungen für die Sanierung der Nepomuk-Schelble-Straße Ost i. H. v. 103.430,33 € beauftragt werden. Es soll aber noch dieses Jahr gebaut werden.

Der Gemeinderat stimmt einstimmig zu.

TOP 9
Vergabe Feuerwehrgerätehaus Hüfingen – Holzbauarbeiten

Eine Zimmerei aus Mundelfingen soll für die Holzbauarbeiten in Höhe von 239.775,12 € beauftragt werden.

Auch hier stimmt der Gemeinderat einstimmig zu.

TOP 10
Reduzierung des Essenspreises in Kindergärten und Kitas in Hüfingen

In den Kindertagesstätten St. Verena in Hüfingen, St. Georg in Behla, St. Theresia in Mundelfingen und in der Kita Luise-Scheppler gibt es das Angebot des warmen Mittagessens. Ebenso gibt es Mittagessen in der Krippe Felix in Allmendshofen.

Die Preise für die Mittagsverpflegung an der Lucian-Reich-Schule wurden vom Gemeinderat in der Sitzung am 12.12.2024 ab 01.02.2025 neu und wie folgt festgelegt

Grundschüler (Klasse 1 bis 4) : 4,50 €/Essen
Sekundarstufe (Klasse 5 bis 10) : 4,80 €/Essen
Erwachsene und Lehrkräfte : 7,00 €/Essen


Der Gemeinderat soll die Reduzierung der Essenspreise auf 4,50 € auch für die Kindergartenkinder der katholischen Kindergärten ab dem 01.09.2025 beschließen.

Der Gemeinderat stimmt hier mit einer Enthaltung zu.

Im Herbst gibt es eine Klausurtagung mit Elternvertretern über die Kindergärten und deren Finanzierung.

TOP 11
Feststellung des Jahresabschlusses für den Eigenbetrieb Stadtwerke 2024

Der Eigenbetrieb Stadtwerke Hüfingen bestand im Jahr 2024 aus der Badsparte (Hallenbad, Sauna und Zinserträgen) sowie der Versorgungssparte (Elektrizität, Solar-Anlagen, Wasserversorgung und Nahwärmeversorgung).


Nach der Gesamterfolgsrechnung beträgt der Jahresfehlbetrag der Stadtwerke im Jahr 2024 0,495 Mio. Euro (2023: Jahresgewinn 1,283 Mio. Euro). Im Erfolgsplan 2024 der Stadtwerke Hüfingen war ein Verlust von 0,444 Mio. € veranschlagt.
Aufgrund des Sondereffekts aus dem erfolgswirksamen Überschuss aus dem ESB-Anteil-Verkauf im Jahr 2023 in Höhe von 1,440 Mio. Euro ist das Gesamtjahresergebnis 2023 und 2024 nicht vergleichbar.

Der Jahresabschluss der Stadtwerke Hüfingen soll für das Wirtschaftsjahr 2024 festgestellt werden.
Der Jahresfehlbetrag 2024 der Stadtwerke in Höhe von 495 T Euro soll mit dem Gewinnvortrag zu verrechnet werden.
Dem Bürgermeister, dem kaufmännischen Leiter der Stadtwerke, dem Wassermeister und dem
Elektromeister soll ohne Einschränkungen die Entlastung nach § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 Eigenbetriebsgesetz Baden-Württemberg erteilt werden.

Der CDU Fraktionssprecher bedankt sich für die aussagekräftige und so frühe Ausarbeitung und hofft, dass die Erhöhung des Wasserpreises zum 1. Januar 2025 in Zukunft reicht. Die SPD Fraktionssprecherin bedankt sich auch für die ausführliche Ausarbeitung und stellt viele sehr detaillierte Fragen, die ich selber nicht kapiert habe. Der Amtsleiter der Kämmerei antwortet sehr detailliert. Es geht hier um die Auslegung der Zahlen. Kerstin Skodell meint, dass man die Zahlen anders darstellen muss und das Aquari eigentlich nicht so schlecht aussieht, wie hier dargestellt.

Der Gemeinderat stimmt dem Beschlussvorschlag einstimmig zu.


TOP 12
Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat

Es gab Vergaben bei der Hackschnetzelanlage.

Der Bürgermeister informiert über die Nachbarschaftshilfe, das Hotel Frank und ein Ärztehaus.

Es gibt 4 neue Leute in der Stadtverwaltung.

Behlaer Weiher einst, heute und morgen

Hannah Miriam Jaag stellt das Buch Lorax vor beim Vortrag im Kranz in Behla

Am Mittwoch den 4. Juni 2025 war im Kranz in Behla ein Vortrag mit Diskussion zum Behlaer Weiher. Ich möchte mich hier recht herzlich bedanken bei den vielen Zuhörern für das rege Interesse und die schönen Diskussionen im Anschluß! Es tut gut, wenn sich so viele Menschen für meine, zugegeben manchmal etwas durchgeknallten, Aktionen interessieren.

Hier erst mal ein paar Eindücke:



Da einige nicht teilnehmen konnten, hatte ich versprochen hier zu berichten. Es gibt auf dem Hieronymus ja nun wirklich genug zum Thema, deswegen habe ich so ungefähr meinen Vortrag im Vorfeld als Podcast aufgenommen und jeder der sich das antun mag, darf es sich unten anhören. Dies allerdings auf auf eigene Verantwortung – ist lang geworden.
Daneben ist eine pdf mit fast allen Bildern die ich gezeigt habe, allerdings etwas kürzer durch Selbstzensur.


Podcast zum Vortrag Bellemer Weiher einst, heute und moren.

Beitrag vom 17. Januar 2021

Der Bellemer Weiher einst und heute

Im November 2020 konnte ich nachweisen, dass seit Jahren Abwasser in den Behlaer Weiher floss, ohne dass ernsthaft etwas dagegen unternommen wurde: Abwasser im Behlaer Weiher.

Heute ist der Weiher eine Klärgrube und auf der anderen Seite das „Feuchtbiotop“, wie ich das Habitat des Bibers nannte, ist als Folge stark eutrophiert. Eutrophierung ist ein Terminus aus der Ökologie. Damit wird allgemein die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem bezeichnet. Dies hat meist nachteilige Folgen für die Ökologie der Gewässer. Eutrophierung beruht also auf Nährstoffeintrag mit Nährstoffanreicherung im System. Der Duden definiert sie „als unerwünschte Zunahme eines Gewässers an Nährstoffen und damit verbundenes nutzloses und schädliches Pflanzenwachstum“ (aus Wikipedia).

Nach diesen traurigen Ist-Zuständen will ich hier jetzt zeigen, was einmal war.

1978 erschien in den Schriften der Baar, Band 32, von Hannelore Borzer und Professor Dr. Günther Reichelt: Lurchwanderungen am Behlaer Weiher – ein Beitrag zur Rettung von Amphibien

Plan von 1978

Die Rettungsaktion wurde damals mit Unterstützung von Alt-Bürgermeister Gilly und den Stadträten durchgeführt. Auch 1978 schon war die Erdkröte (Bufo bufo), der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) und der Teichmolch (Lissotriton vulgaris, Syn.: Triturus vulgaris) geschützt. So meinte Professor Dr. Reichelt, dass die Erdkröte menschliche Korrekturmaßnahmen seltener nötig oder überhaupt überflüssig mache. Es sei noch nicht lange her, dass die Kröte im Garten als Glücksbringer galt! So verzehren 10 Kreuzkröten (Bufo calamita). pro Tag durchschnittlich 50 Kartoffelkäferlarven, 50 Speckkäferlarven und 48 Asseln.

Kreuzkröte

Der Behlaer Weiher ist laut Prof. Dr. Reichelt der letzte Rest von mehreren mittelalterlichen Fischweihern, deren Lage und Größe aus Landtafeln des 17. und 18. Jahrhunderts hervorgehen.

Erdkröte

Der Behlaer Weiher war das Laichgebiet einer großen Zahl von Lurchen. Zahlenmäßig waren die Erdkröten weitaus am häufigsten. In den meisten Jahren dürfte zur Laichzeit der Behlaer Weiher von über 5000 Erdkröten aufgesucht worden sein.

Teichfrosch

Ziel der Arbeit 1978 war die Rettung der Tiere vor der Bundesstraße. Dafür wurde damals ein Zaun angelegt und die Tiere wurden über die Straße getragen. Damit sollten die Tiere auch auf das neue Laichgewässer auf der anderen Straßenseite geprägt werden.

Kaulquappen von der Erdkröte am Höhlenstein

Prof. Dr. Reichelt konnte damals das meiste was er wollte nicht erreichen, aber immerhin durften er und seine Helfer das kleine Biotop im Osten der B27 anlegen. Dort, wo heute der Biber waltet, ist also ein „Reichelt-Biotop“!

Laichklumpen des Grasfrosches im Ersatzteich 1978

Diese Zahlen zeigen, dass der Behlaer Weiher ein recht bedeutendes Laichgewässer für mindestens drei geschützte Amphibienarten war.

Grasfrosch

Mit Vorsicht lassen sich aus den Zahlen Anhaltspunkte für die Größe der Laichpopulation des Behlaer Weihers und die Besiedlungsdichte der Erdkröten der Umgebung gewinnen. Wir wissen nämlich aus Stichprobenzählungen, dass aus dem Jagdgebiet westlich der Straße etwas mehr als die Hälfte der gesamten Population zum Weiher zieht. Danach wird man annehmen dürfen, dass in Jahren wie 1977 rund 7000 Erdkröten zum Laichen wandern. Geht man davon aus, dass mindestens 75% der Tiere nicht weiter als 500 Meter vom Laichgewässer entfernt leben, käme man zu einer durchschnittlichen Besiedlungsdichte von 5250 Tieren auf 78 ha, also etwa 67 Kröten/ha. Man muss aber berücksichtigen, dass Kröten unterschlupfreiche, mit Baumstrünken, Astwerk, Krautansammlungen, Erdhöhlen und/oder Steinen ausgestattete Biotope bevorzugen; dann wird man die Wälder und extensiv genutzten Feuchtflächen als Hauptaufenhaltsorte ansetzen können.

Prof. Dr. Reichelt 1978

Im Jahre 2018 wurde im Zuge der Ortsumgehung Behla der neue Krötentunnel an der Bundesstraße 27 gebaut.

Krötentunnel an der B27

Das sagt Prof. Dr. Reichelt heute zu den Zuständen am Behlaer Weiher

„Wie bedauerlich diese schlimme Entwicklung, wo doch die Stadt Hüfingen seit Jahren mit dem Markenzeichen „Ökologie“ wirbt! Ob  die  Umsetzung wenigstens in den nächsten 50  Jahren (!) erfolgen wird? Immerhin war das Echo auf unseren Aufsatz 1978 erfreulich groß. Freilich: das war vor fast 50 Jahren. Aber das Sterben in der Natur geht noch immer fast unvermindert weiter!“

Junger Bergmolch

Das sage ich zu den Zuständen am und im Behlaer Weiher

Wassergesetz für Baden-Württemberg
§56 WG und Abschnitt 2 Abwasserbeseitigung § 46 Verpflichtung zur Abwasserbeseitigung

Strafgesetzbuch
§324
StGB (1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Tierschutzgesetz
§17
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer (1) ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet.

Auch in Anbetracht der Tatsache, dass mehrere Gesetzte gebrochen wurden, fordere ich die sofortige Instandsetzung des Weihers!

Dies beinhaltet eine Winterung des Gewässers und die fachgerechte Entsorgung des Klärschlammes.

BLACK FOREST

Buchrezension:

              Wolfgang Schorlau: BLACK FOREST
Taschenbuch, Kiepenheuer & Witsch, 18 Euro

Buch Black Forest von Wolfgang Schorlau

           Landschafts- und Artenschutz vs. Klimaschutz nach Krimi-Art

Georg Dengler, der vielbeschäftigte Privatermittler des Autors, stammt aus dem Schwarzwald. Und sein elfter Fall hat es in sich, geht es doch um die Windenergie, damit um Auseinendersetzungen, wie sie in Deutschlands bekanntestem Mittelgebirge seit über zwei Jahrzehnten besonders heftig toben – hier eskalieren sie bis zum Mord. Scharlau hat dazu am Ort der Handlung, im Hochschwarzwald rund um den Feldberg, fleißig recherchiert, wie der Leser dem Anhang entnimmt.

Hauptperson ist diesmal Denglers alte Mutter, Bäuerin auf dem Denglerhof. Streitpunkt ist ihr Grundstück zuoberst auf dem Feldberg, das sie zunächst partout nicht hergeben will für den Bau einer Windkraftanlage. Die wollen freilich nicht nur Landschaftsschützer hier nicht haben, sondern auch andere, allen voran der Aufsichtsratsvorsitzende des Energiekonzerns VED, der trotz Klimakrise noch immer mehr auf Kohle, Gas und Öl setzt als auf Windstrom. Dabei bedient er sich im Naturschutzgebiet Feldberg wie auch schon anderswo im Schwarzwald eines speziellen Tricks: Der Genehmigungsbehörde wird, selbst auf dem weithin baumfreien Feldberg, Auerhuhnkot nachgewiesen. Wobei dieser allerdings aus dem Gehege eines zwielichtigen russischen Honorarkonsuls stammt, eines Jägers, der sich speziell für solcherlei Zwecke eine Auerhenne hält. Wo doch das Auerhuhn im Schwarzwald am ehesten noch vor dessen „Verspargelung“ schützt.

Auerhahn


Der Schwindel fliegt freilich auf, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf, vor allem für Denglers Jugendliebe, die man für die Ausbringung des Hennenkots angeworben hatte. Nachdem sie sich hiervon losgesagt hat, wird sie vom Jäger und seinen Komplizen ermordet – exakt da, wo sie einst mit dem jungen Dengler noch die Hahnenbalz verfolgt hatte. 

Nachdem Großmutter Dengler unter den von ihrem Enkel und dessen Freundin eindringlichst vorgebrachten  Klimaschutzargumenten ihre Ablehnung des Windrads endlich aufgegeben hat, hält sie an dessen Standort bei einer Demo von Widerständlern und Befürwortern eine vielbeklatschte Rede pro Windenergie. Nach einem (unbeabsichtigten?) Rempler wacht sie erst im Krankenhaus wieder auf, und nun ist auch das Happyend nicht mehr fern. Denn der Projektentwickler zieht einen für den Denglerhof äußerst lukrativen Vertrag aus der Tasche, von dem auch die Grundstücksnachbarn noch profitieren werden. 

Schorlaus Kriminalroman umfasst (inklusive Nachwort mit Quellenangaben, Tatsachen- und Schauplatzrecherchen usf.) 443 Seiten und hinterlässt den Eindruck, als ob sein Plot mit den finsteren Machenschaften des großen Energie- und Finanzkonzerns durchaus nicht fiktiv, sondern der Realität entnommen sein könnte. Im Anhang dankt Wolfgang Scharlau u. a. Andreas Markowsky von der Ökostromgruppe Freiburg, dem Autor des auf Krawall gebürsteten Buchs „Klimaschänder – Gewinner von gestern, Loser von heute“ (2021) für ein ausführliches Gespräch. Fazit: „Wer denkt, das Auslegen von Auerhahnkot sei die Idee eines überdrehten Krimiautors, dem empfehle ich die Lektüre von Markowskys Buch.“ 

Spätestens hier drängt sich dem Leser der Eindruck auf, dass Arten- und Landschaftsschutz, insbesondere der Schutz des „Schwarzwälder Charaktervogels“, von kriminellen Akteuren unterwandert ist. Alles echt oder doch nur Krimi?

Die Menscheit isch ein Rindvieh

Was mir denkt, schreib ich auf

Umberto Ecco


Die Menscheit isch ein Rindvieh
Die Weisheit eines lebensklugen Mentors

Friedfertige Muscox Family
Foto: Fabian Mauz, Dovre 2020

Mitte Februar han ich mich zu me Gspräch über Literatur und Mundart gi Villinge in Franziskaner aagemeldet. Dem Villinger Testes han i mit em Aameldungsrodel au eweng aadiete welle, dass ich mini berufliche Lebenspflöck i de junge Doppelstadt innighaue han. 12 Johr han ich die Ehestritigkeite vu dene zwangsverhierotete Städt mitgriegt. Dem orientalische Kulturkreis werfet mir zu reacht heftig vor, dass des mit dene Zwangsehe nit so de Brecher sei. Wenns aber druff aakunt, verbozget mir des sogar bei benochberte, gegesätzliche Städt und leget die hemmungslos, gfühllos und lieblos zämet i oe Nescht.


Die erscht Baustell als frischbachene Bauigel han i uff de neu erschlossene Hammerhalde ghet. Ufftraggeber war s Städtisch Tiefbauamt. Jedesmol wenn i vu Pfaffemucke geg Villinge fahr, denk i a die folgend Lebensweisheit. So au Mitte Februar im Johr des Un- Heils 2022, am Schmutzigste aller Dunschtig, am 24.2.2022. Uff die beide uuselige Umständ, die Pandemie und den barbarische Putin- Krieg i de Ukraine, han ich im Aaschriebe kurz ännigwiese. Wiedermol isch mer die gnau passend, saftig, trocke Lebensweisheit vum Urvillinger Baumensch Hans Heuft in Sinn kumme.
Woni mi nämli s Erschtmol mit dem Bauleiter Hans Heuft troffe han uff de Hammerhalde, er de alt Haas, nei, de alt Fuchs und ich, de Bauleitungsaafänger, taxiert er mich stechend vu obe bis unne, leit sin scharfgschnittene Giacometti- Kopf wie immer eweng schreeg, sait traage, theatralisch, beschwörend, wie i me Art feierliche Initialisationsritus. Es hät nu no gfehlt, dass er si reachte segens Hand uff mi rechte Schulter gleit hät :

„Mauz,………… eins muesch der merke, …..die Menscheit isch ein Rindvieh“.


Zwölf Johr han ich mit dem ussergwöhnlich menschliche, berufliche Mentor zämetgschafft. Später sind mir uns immer wider mol beruflich, aber au privat begegnet. Aber immer sind mir us gegesiitigem Respekt bim „Sie„ blibbe. Für s Bauwese, des will ebbis hoesse, isch des eher uuüblich.


Dass ich den Satz nie vergesse han, dass er mir immer wieder in Sinn kunnt, nit nuu, wenn i gi Villinge kumm, sonder au i andere Lebenslage, wo die knochtrocke Hans- Heuft Lebensweisheit passt, wundert mi sit her uff die oe Siite. Anderesiits aber au nit, denn sie stimmt uff de Pfennig und drum isch er mir au am uuselige 24.2.2022 spontan iigfalle.
Eme Datum, wa sich, wie 9/11, is europäisch Gedächtnis iipräge wird.

Muscox Boss (Ähnlichkeiten sind unbeabsichtigt und rein zufällig)
Foto: Fabian Mauz, Dovre 2020

Volpone von Peter Lenk

Ja so wars, und so isches mit em skurile, weise, lebenskluge Hans Heuft us Villinge.

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