falls Sie den Falter schon hier auf der Baar gesehen haben, schätzen Sie sich glücklich, denn nur wenige Personen haben ihn bisher gesehen. Dazu zählt Petra Schmidtmann aus Schramberg, die diese Geschichte angestoßen hat. Sie arbeitet am Bauamt in Bad Dürrheim. Interessant und lustig ist, wieso Sie meinen Kontakt hatte. „Als ich 2020 kurze Zeit das Bauamt in Hüfingen leitete, erhielt ich die Bürgerpost, die ich bis zum heutigen Tag weiter empfange“.
Aha, deswegen habe Sie meinen Kontakt. Auf Bild oben ist der Schmetterling mit geschlossenen Flügeln auf dem Poolflamingo von Petra Schmidtmann in ihrem Garten zu sehen. Das war Ende Juni 2025. Ich hoffte noch auf ein Bild mit offenen Flügeln von oben, aber leider glückte das nicht. Sie sind recht fotoscheu. Ein zweiter ist auch dazugekommen, hoffen wir auf eine Paarbildung.
Mit dieser Information von Petra Schmidtmann wandte ich mich an Thomas Schalk, dem ausgewiesenen Schmetterlingsexperten und NABU – Kreisvorsitzenden. Er schrieb: „Ganz toll, diese Beobachtung. Das ist eine neue Art für den Schwarzwald-Baar-Kreis und angrenzende Gebiete. Sie kommen jetzt aus dem Rheintal hoch, weil es bei uns auch immer wärmer wird. In Döggingen hatte ich schon eine Eiablage beobachten können. In St.Georgen, in Unterkirnach, in Bad Dürrheim und in Tennenbronn gab es ihn auch schon mehrfach. Ein toller Falter“. Das Bild unten hat freundlicher Weise Gabi Ebenhöh zur Verfügung gestellt, es stammt – wie Gabi Ebenhöh auch- von Unterkirnach und zeigt den Falter von der Unterseite.
Ja wie heißt der schöne Kerle? Weißer Waldportier. Die folgenden Fakten stammen aus Wikipedia: Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 55 bis 65 Millimetern. Er ist damit der größte heimische Augenfalter, zu denen auch häufigere Arten wie Schachbrett, Ochsenauge, Wiesenvögelchen und Waldbrettspiel gehören. Auffällig ist der Weiße Waldportier aufgrund seiner Augenflecke auf der Flügeloberseite, aber auch an der Unterseite sind sie zu sehen. Die Falter fliegen jährlich in einer Generation von Anfang Juni bis Mitte September, man kann sie oft auf Blüten beobachten. Die Weibchen werfen ihre Eier während des Fluges auf dem Boden. Wenn das kein Hammer ist. Die Raupen suchen sich dann eine geeignete Futterpflanze. Sie überwintern halbwüchsig und verpuppen sich im nächsten Jahr in einer Kammer unter der Erde. Das ist Hammer Nummer zwei. Sie sind vor allem im Mittelmeergebiet häufig, in den warmen Gebieten Süddeutschlands wie dem Kaiserstuhl sind sie recht selten vorkommend. Man findet sie besonders auf Trockenrasen nahe an Wäldern. Nach 1919 erfolgte in Vorarlberg erst 2024 wieder eine Sichtung, das ist doch interessant.
Schauen wir auch etwas aufmerksamer die Schmetterlinge um uns herum an, vielleicht haben wir auch Glück, einen weißen Waldportier zu sichten.
Vielen Dank Frau Petra Schmidtmann und Frau Gabi Ebenhöh für die Bilderüberlassung und Thomas Schalk für die fachliche Unterstützung.
Da ich immer wieder über kuriose wissenschaftliche Untersuchungen stolpere, wollte ich hier einen kleinen Blogbeitrag über „Fun Facts“ eröffnen. Dies hat nichts mit Hüfingen zu tun, sondern soll eine kleine Sammlung von unnötigem, aber interessantem Wissen sein.
Den Beginn mache ich mit dem Müllteppich im Meer, dem
Great Pacific Garbage Patch
Der „Müllteppich“ ist eine Bezeichnung für die Ansammlung von Meeresmüll wie unten im Nordpazifik.
Großer Pazifischer Müllteppich. Foto: National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)
Der Name „Pazifischer Müllteppich“ läßt vermuten, dass es sich bei diesem Gebiet um einen großen, zusammenhängenden Teppich aus Meeresmüll wie Flaschen und anderen Abfällen handelt – sozusagen eine Müllinsel, die auf Satelliten- oder Luftaufnahmen zu erkennen sein müsste. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar finden sich in diesem Gebiet höhere Konzentrationen von Abfällen, doch besteht ein Großteil des Mülls aus kleinen, schwimmenden Plastikteilen, die mit bloßem Auge nicht sofort erkennbar sind.
Diese Müllteppiche galten lange Zeit als unbewohnt, da das Plastik und die treibenden Fischereigeräte zu schädlich für das Meeresleben waren. Doch Forscher haben in dieser Müllansammlung ein ganzes Ökosystem entdeckt. Es befindet sich in der Mitte des Teppichs und die Meeresbiologin Fiona Chong hat es erforscht.
Zu den häufigsten Bewohnern gehören: Porpita – auch „blauer Knopf“ genannt. Es ist ein kleines scheibenförmiges Tier mit Tentakeln und es ist eng mit Quallen verwandt.
Porpita Foto: Bruce Moravchik (NOAA), Public domain, via Wikimedia Commons
Dann gibt es noch Segelquallen – auch „Windsegler“ genannt und Veilchenschnecken, diese Schnecken fangen Luftblasen ein, um sich über Wasser zu halten.
Segelqualle Foto: Public domain, via Wikimedia Commons
Diese und andere Organismen, die frei auf dem Wasser schwimmen, werden als Neuston, bezeichnet. Dies kommt vom Griechischen η πλωτή – das Schwimmende.
Neuston bildet untereinander ein Ökosystem und ein Nahrungsnetz. So fressen Veilchenschnecken Segelquallen und Porpita. Ein weiterer Räuber ist die Blaue Ozeanschnecke, auch Blauer Drachen oder Seeschwalbe genannt.
Chong merkt an, dass Porpita manchmal Partnerschaften mit kleinen Jungfischen eingehen, die dann gestresst sind, wenn sie von ihrem Porpita getrennt werden. Sie erkennen also ihren „eigenen“ Porpita. Außerdem sind Tiere wie der Sonnenbarsch, Seevögel und Meeresschildkröten dafür bekannt, dass sie Neuston fressen.
Trotz des Ökosystems sollte man nicht vergessen, dass der Müll im Meer vor allem tötet. Er tötet Schildkröten, Fische, Vögel und am Ende auch den Menschen.
Quelle: NPR, Shortwave vom 14.07.2025: Do you clean up ocean trash if it’s part of a vibrant ecosystem?
aktualisierter Beitrag, 1. Version war am 7. Dezember 2023
In Bachzimmern, steht ein ehemaliges Fürstlich-Fürstenbergischen Jagdschloss und daneben eine der heiligen Verena geweihte Kapelle. In der Kapelle ist ein Bild einer sehr blonden Verena die aus Ägypten stamme.
Ehemaliges Fürstlich-Fürstenbergischen Jagdschloss in Bachzimmern.
Verenakapelle in Bachzimmern
Die heilige Verena von Bachzimmern mit Krug und Doppelkamm, ganz links Petrus, rechts das Fürstenbergische Grafenwappen. Foto: Dr. Hans Keusen in den Schriften der Baar Bd. 53/2010*1
Heute will ich mal eine Geschichte erzählen, die mich schon lange fasziniert hat. Es ist die Geschichte der heiligen Verena.
Theben
Die heilige Verena wurde um 260 n. Chr. in Theben geboren.
Die Geschichte Thebens ist reich an Legenden, welche sich um Herakles, Dionysos und Laios ranken. Die Stadt ist Geburtsstadt des Herakles, des Ödipus, der Sieben gegen Theben und Antigones. Eine weitere thebanische Sage ist die der Niobe (Ehefrau des Königs Amphion), welche als eingeheiratete Herrscherin und Mutter von 14 Kindern mit ihrem Hochmut den Zorn der Leto auf sich zog.*2
Verena
altägyptisch mit der Bedeutung „Frucht oder Same der Stadt Theben“ Ⲉⲃⲣⲁⲛⲉ Ebrane; koptisch Ϥⲣⲉⲛⲉ Frene; koptisch Βερενίκη Berenike; altgriechisch*7
Jedenfalls ließen sich bei Theben der Sage nach möglicherweise phönizische Einwanderer nieder, welchen dann griechische aus Kleinasien folgten, wie die Sage von Amphion erzählt, der durch seine Leier die Steine herbeilockte. Amphion und Zethos erweiterten die Mauern und fügten sieben Tore hinzu, die das geflügelte Wort vom „siebentorigen Theben“ auslösten – im Gegensatz zum „hunderttorigen Theben“ in Ägypten, das Homer in der Ilias erwähnt.
Zu dem Geschlecht der Kadmeionen gehörte auch der Sohn des Laios, Ödipus. In die Zeit des Ödipus fällt auch die Sage der Sphinx, die vor Theben hauste und jeden Fremden tötete, der ihre Rätsel nicht lösen konnte. Dies wurde von Ödipus durch das Lösen des Rätsels der Sphinx beendet.
Im Ersten Mithridatischen Krieg (89–85 v. Chr.) ging Theben endgültig an die Römer. In der Folge verfiel Theben zu einem bedeutungslosen Dorf, behielt aber trotz sinkender Einwohnerzahl das Stadtrecht.*2
Das Römische Reich zu Lebzeiten Verenas
Der bedeutende Sassanidenkönig Schapur I. fiel mehrmals plündernd in Syrien ein und konnte dabei mehrere römische Heere besiegen. Im Jahre 260, dem Geburtsjahr von Verena, wurde Kaiser Valerian gefangen und ermordet.
Während Rom im Osten bemüht war, die Provinzen Syriens und Kleinasiens zu sichern, erodierte auch im Westen die kaiserliche Autorität. Dabei kam es immer wieder zu Bürgerkriegen zwischen den Usurpatoren und sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen, die aber unter Kaiser Aurelian wieder rückgängig gemacht werden konnten. Palmyra musste im Jahr 272 gewaltsam unterworfen werden. Die Krise führte zu zahlreichen Veränderungen, betraf allerdings nicht alle Gebiete des Reiches im selben Ausmaß. Und es sollte schließlich noch einmal gelingen, den drohenden Verfall des Reiches abzuwenden.
Mit Diokletian vollzog sich im Jahr 284 der Übergang in die Spätantike. Diese Zeit wird heute als eine Zeit des Umbruchs und der Transformation der antiken Mittelmeerwelt beschrieben.*4
Diokletian reformierte die Verwaltung und führte Diözesen und Präfekturen ein. Die religiöse Festigung kaiserlicher Herrschaft (so nahm Diokletian nach dem Gott Jupiter den Beinamen „Iovius“ an) sollte eine neuerliche Ausrichtung der Reichsbewohner auf Staat und Kaiser bewirken. Besonders die Christen empfand Diokletian daher als illoyal dem Reich gegenüber. Die letzten (und heftigsten) Christenverfolgungen im Römischen Reich fanden in seiner Regierungszeit statt.*3
Diokletian
Diokletian (eigentlich Diocles, altgriechisch Διοκλῆς; vollständiger Name Gaius Aurelius Valerius Diocletianus) wurde zwischen 236 und 245 in Dalmatia geboren; gestorben um 312 in Spalatum) war von 284 bis 305 römischer Kaiser.
Mit seiner Thronbesteigung begann die Diokletianische Ära oder auch Ära der Märtyrer (aera martyrum) genannt. 4
Verena kommt nach Europa
Verena wurde also in Theben am oberen Nil in Ägypten als Kind angesehener Eltern etwa im Jahr 260 geboren. Der Überlieferung zufolge übergaben die Eltern sie einem Bischof zur Taufe und Unterweisung im christlichen Glauben.
Nach dem Tode des Bischofs ging Verena mit anderen Christen und ihrem Vetter nach Unterägypten wo Kaiser Diokletian Soldaten aushob, um die thebäische Legion zu gründen.
Verena reiste im Tross der Legion nach Mailand. In Mailand habe sie einige Jahre beim heiligen Maximus gelernt und gearbeitet. Hier lernte sie wohl die Heilkunst und half bei der Bestattung der toten Christen. Als sie in Mailand von der Enthauptung des Mauritius und der Tötung der Legionären hörte, sei sie nach Saint-Maurice (Agaunum) gereist und bestattete die Märtyrer der thebäischen Legion.
Alle 6.660 Mitglieder der Legion waren Christen. Ein Soldat der thebäischen Legion, Victor, soll Verenas Verlobter gewesen sein. Die Legion wurde von Mauritius geführt, der auch im Besitz der Heiligen Lanze gewesen sein soll. Mauritius war ein Vetter von Verena und wird in den Abbildungen oft als Afrikaner dargestellt – im Gegensatz zur ewig blonden Verena.
In der Krypta des Verenamünsters. Der heilige Mauritius oder Victor von der Thebäischen Legion.
Der Kaiser schickte die Legion in den Krieg gegen die Bagauden nach Gallien. Nachdem Maximian sein Lager in Octodurum (heute: Martigny) aufgeschlagen hatte, forderte er seine Untergebenen vor Kampfbeginn zu einem Opfer für die römischen Götter auf. Mauritius und seine Legion weigerten sich und gingen nach Agaunum (heute: St. Maurice d’Agaune), wo sie lagerten. Nach einer Aufforderung zur Rückkehr und Opferung wurde die Legion zur Strafe zweimal „dezimiert“. Der Grund der „Dezimierung“ war die Weigerung gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen. So ließ Maximian schließlich den Befehl zur Ermordung der gesamten Legion geben. 66 Legionäre entkamen nach Solothurn und wurden dort erst umgebracht. Zwei dieserLegionäre waren Victorund Ursus. *5
Der Heilige Victor. Altarflügel. Öl auf Holz mit Goldgrund, 15. Jahrhundert. Wikimedia
Solothurn
Nachdem Verena ihren Vetter Mauritius und die ermordeten Legionäre in Agaunum bestattet hatte, reiste sie Victor nach Salodurum (heute Solothurn) nach und ließ sich wieder bei einem Eremiten nieder. Hier soll sie mit Fasten, Gebet und Psalmengesang ihre Tage verbracht haben.
Sie wohnte in einer Höhle in der nach ihr benannten Verenaschlucht und soll sich durch den Verkauf ihrer Handarbeiten ernährt haben.
Oft suchte Verena die Aussätzigen vor den Toren der Stadt Solothurn auf, um sie zu waschen. Aufgrund ihrer heilenden Kräfte wurde Verena vom Volk als Heilige betrachtet; Kranke suchten sie in ihrer Einsiedelei auf, um durch ihre Wundertaten zu genesen. Bald schon gesellten sich andere junge Frauen zu ihr und bildeten mit ihr eine Gemeinschaft.
Schließlich wurde sie vom christenfeindlichen Stadtkommandanten Hirtacus gefangen gesetzt. Im Gefängnis erschien ihr Mauritius, im himmlischen Licht strahlend, und stärkte ihren Glauben. Als der römische Statthalter von einem Fieber befallen worden sei, ließ er Verena rufen, damit sie ihn heilen könne. Anschließend wurde sie freigelassen und wurde aus der Stadt verwiesen. *7
Verena soll dann auf einem flachen Stein den Fluss Aare hinunter gefahren sein. In Koblenz, damals eine kleine römische Siedlung, machte sie einen langen Zwischenhalt auf einer Insel im Rhein, befreite diese von Schlangen und widmete sich erneut der Krankenpflege.
Insel an der Mündung der Aare (rechts) in den Rhein (links) Foto: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon.
Verena in Zurzach
Verena folgte wohl eher der alten Römerstraße von Vindonissa (Windisch) nach Tenedone (Zurzach), auf der Peutingerkarte oben von links nach rechts.
Tabula Peutingeriana. Vindonissa, Tenedone, Julio mago und Brigobanne auf 2A5 der Karte die rote Linie ist die Römerstraße. Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de
Der dicke grüne Fleck ist der Bodensee und darüber sieht man Vindonissa (Windisch), Tenedone (Zurzach) und Julio mago (Schleitheim), dann Brigobanne.
Verena kam dann ins nahe römische Kastell Tenedone wo sie Hausgehilfin des Priesters wurde. Mit Krug und Kamm ging sie jeden Tag vor die Stadtmauer und wusch damit die Aussätzigen.
Wunder der Verena
Als sie beschuldigt wurde, Wein und Brot unrechtmäßig zu den Armen zu tragen, verwandelte sich der Wein in Wasser.
Das Mehlwunder: „Als Brot fehlte und Verena zu Gott um Hilfe betete, wurden auf einmal 40 Säcke Mehl am Eingang der Zelle vorgefunden. Nachdem Verena und die Jungfrauen von dem Mehl gegessen hatten, wuchs ihnen immer wieder neues Mehl aus den Zähnen.“
Nachdem sich das Mehlwunder ereignete soll der hl. Verena der Teufel erschienen sein. Da er sich über Verena ärgerte, wollte er einen schweren Stein nach ihr werfen. Der Stein sei aber dem Teufel auf den Fuß gefallen, so dass er seit dieser Zeit hinke.
Der Ring des Priesters, den dieser zur Fastenzeit nicht tragen wollte, wurde ihr zur Aufbewahrung gegeben; ein Diener stahl ihn, fürchtete entdeckt zu werden und warf ihn in den Rhein; ein Fischer brachte einen großen Fisch zum Geschenk, Verena zerlegte ihn und fand den Ring.
Der Priester ließ ihr nun eine Zelle in Zurzach bauen, wo sie bis zu ihrem Tod mit dem heilenden Wasser einer Quelle Kranken das Haupt wusch, sie kämmte, heilte und salbte. In ihrer Todesstunde erschien Verena Maria mit vielen heiligen Frauen, die sie in den Himmel leiteten.
Verena mit Kamm und Krug auf der Rheinbrücke Zurzach–Rheinheim von Ernst Suter 1978
Ein Vasall des Herzogs von Burkhard soll Kirchengüter des Verenastifts geschenkt erhalten haben. Da dies Unrecht gewesen sei, soll der Herzog eine Prozession gesehen haben, die aus den Fenstern des Verenamünster schwebte. Anschließend erstattete der Herzog die Güter an das Stift zurück.
Als ein Bauer am Verenatag (1. September), anstatt zur Messe in den Wald ging, um Bäume zu fällen, seien seine Hände beim ersten Schlag erstarrt. Am Grab bereute dieser und damit gesundete er wieder.
1795 brach in Koblenz Feuer aus, viele Häuser und die Kapelle verbrannten. Nur die Statue der hl. Verena mit ihren Kränzchen und Votivkerzen blieb unversehrt. Bis heute kommen weitere Geschichten und Wunder hinzu, die Gläubigen zählen die (allerdings erst in neuer Zeit) entdeckte Thermalquelle dazu, die für kranke Menschen Heilerfolge bringt.
Die heilige Verena
Im 5. Jahrhundert wurde über Verenas Grab, das in einem Gräberfeld bei einem alten römischen Kastell an der Römerstraße lag eine Kirche gebaut. Um 745 eröffnet dort ein Benediktinerkloster, das im 13. Jahrhundert zum Chorherrenstift umgewandelt und 1876 aufgehoben wurde. An der Stelle steht heute das nach ihr benannte Münster in Bad Zurzach. Die Grabplatte ihres Sarkophags wurde 1613 gefertigt.
ST. VERENA MÜNSTER Rom.- kath. Pfarrkirche Kirche des 1876 aufgehobenen Chorherrenstiftes am Grabe der hl. Verena ( Krypta). Die älteste Kirche an dieser Stelle ist in einem Friedhof (1.-4. Jh. n. Chr.) neben der röm. Strasse errichtet worden. Bestehendes Langhaus 11. Jh., Chorturm 1347 geweiht. Barockisierung 1733 durch Giov. Gaspare Bagnato. 1962 Aussen-, 1975/76 Innenrestaurierung.
Verenamünster in Tenedone (Bad Zurzach)
Die heilige Verena in der Krypta
.
Verena im Verenamünster in Tenedone (Bad Zurzach)
Eine erste Lebensgeschichte von Verena wurde 888 im Kloster Reichenau durch Benediktinerabt Hatto, den späteren Erzbischof von Mainz, verfasst; eine weitere Vita mit Ergänzungen über ihr Wirken in Koblenz und Zurzach entstand im Kloster in Zurzach wohl im 10. Jahrhundert. Eine Sammlung ihrer Wunder folgte um 1000. *7
Brugkapelle der Heiligen Verena
Das römische Kastell in Tenedone wo die Verenakapelle steht.
Taufbecken neben der Verenakapelle unbekannten Datums.
„Burgkapelle“ St. Verena und Mauritius. Nach Schilderung im Mirakelbuch der hl. Verena (Anf. 11.Jh.) zum Gedächtnis an die Auffindung des „Verenakrügleins“ errichtet. 1203 erste urkundliche Erwähnung. Westteil (Schiff)-romanisch, Ende 1. Jahrtausend Saat mit eingezogener Apsis (1949 ergraben). Erweiterungen 1425 (Altarhaus): 1488 (Dach-Aufhöhung über dem Schiff): 1571 Vorzeichen mit Aussenkanzel (1949 abgebrochen) Altar gestiftet von Seb. Borner (Stiftsdekan 1704). Bilderzyklus über das Leben der heiligen Verena. 1610 – 1617 geschaffen vom Zurzacher Maler Joh. Melchior Waldkirch. Renovationen 1772 1851 1949 1994/1995
Die heilige Verena in St. Verena und St. Gallus in Hüfingen.
Unter Pfarrer Rudolf Rauber haben 1909 die Gebrüder Marmon, Bildhauer-Atelier in Sigmaringen, den jetzigen Altaraufbau mit Tabernakel und Verena-und Gallusfigur angefertigt. 1960 wurden die Figuren der hl. Verena und Gallus in der Schächerkapelle untergebracht, 1993 jedoch im Auftrag von Herrn Dekan Andreas Huber wieder zurückgeholt und neben dem Altar aufgestellt, wo früher die Beichtstühle waren.
Nach der Kirchenrechnung des Jahres 1743 erhielt der Villinger Bildhauer Johann Ignatz Schupp für das Bildnis der hl. Verena am 15. Januar 1743 insgesamt 9 fl. *9 In der Kirche ist sie nicht zu sehen. Sie wird nur bei besonderen Anlässen verwendet und wird in der Sakristei aufbewahrt. Sie wurde früher bei den Prozessionen mitgetragen. Siehe auch Lorettokapelle.*8
Deckengemälde aus 1909 von Ferdinand Kaltenbacher.
Fahnenbilder von Luzian Reich senior mit Verena und Gallus. *9
1Die Verenakapelle in Bachzimmern – unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wandmalereien. Werner Fischer, Peter Kempter, Renate Keusen, Antonia Reichmann. Schriften der Baar, Bd. 53/2010 S. 59–80 2 Wikipedia: Theben 3 Wikipedia: Römisches Reich 4 Wikipedia: Thebäische Legion 5 Wikipedia: Diokletian 6 Wikipedia: Einsiedelei Stankt Verena 7 Heiligenlexikon.de 8 Geschichts- und Heimatverein Villingen 9 Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984
Etwa zwanzig Zeckenarten kommen in Deutschland vor. Die Schildzecke Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) ist dabei die deutsche Zeckenart, die am häufigsten Menschen befällt. Andere häufige Schildzeckenarten sind hier z. B. die Igelzecke (Ixodes hexagonus), die Schafzecke (Dermacentor marginatus), in Süddeutschland auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Weltweit die häufigste Art, die auch auf dem Menschen parasitiert, ist die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), die in Deutschland wegen zu geringer Wärme aber nicht dauerhaft leben kann.
Zecken übertragen beim Zeckenstich aufgrund ihrer Lebensweise häufig Krankheitserreger zwischen den Wirten, ohne jedoch selbst zu erkranken. Es handelt sich dabei um mehr Arten von Krankheitserregern als bei jeder anderen parasitischen Tiergruppe. Auch Menschen sind durch Erkrankungen wie Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Babesiose, Ehrlichiose, Rickettsiosen oder Neoehrlichiose betroffen.
Borelliose
ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi oder verwandte Borrelien ausgelöst wird. Die in drei Stadien verlaufende Erkrankung kann verschiedene Organe in jeweils verschiedenen Stadien und Ausprägungen betreffen, speziell die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Bei dem dritten Stadium der Erkrankung könnte es sich dabei um eine Autoimmunerkrankung handeln. Die Infektion mit Borrelia burgdorferi kommt beim Menschen, verschiedenen Säugetieren und Vögeln vor, und sie geschieht in der Regel über einen Zeckenstich.
Bei einer Borelliose ist wichtig, dass sie korrekt diagnostiziert wird und dann möglichst schnell mit Antiobiotika behandelt. Die Prognose nach frühzeitiger antibiotischer Behandlung im ersten Stadium ist gut! Deshalb ist eine frühzeitig Diagnose wichtig.
Nach einer Borelliosefinfektion können rote Flecken auftreten. Foto: James Gathany (CDC), Public domain, via Wikimedia Commons
Diese roten Flecken treten nur bei Borelliose auf! Gegen eine Borelliose kann man nicht impfen!
Hier auf der Baar gibt es aber eine deutlich schlimmere Gefahr:
FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis – TBEV
Diese ist der Grund für meinen Artikel hier!
Endemiegebiete in Deutschland liegen vor allem in Baden-Württemberg, in Bayern, im südlichen Hessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Darüber hinaus sind einzelne Kreise in sechs weiteren Bundesländern betroffen. Eine aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete, eine Zusammenfassung der FSME-Epidemiologie in Deutschland und die FSME-Impfquotenwerden jährlich im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht: www.rki.de/fsme-karte
Karte der FSME-Risikogebiete 2022 veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin des RKI 9/2023
Erreger
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und verwandte Virusenzephalitiden werden durch ein Virus des Genus Flavivirus in der Familie der Flaviviridae verursacht. Weltweit gibt es drei relevante Virussubtypen mit hoher phylogenetischer und antigener Ähnlichkeit, die impfpräventabel sind.
Das heißt: Man kann impfen!
In Deutschland kommt der europäische Subtyp vor, der vor allem durch die Zecke Ixodes ricinus übertragen wird. Daneben gibt es auch einen fernöstlichen und einen sibirischen Subtyp, die in Europa im baltischen Raum und an der finnischen Küste sowie im asiatischen Raum vorkommen und dort von der Zecke Ixodes persulcatus übertragen werden. Tick-borne encephalitis (TBE) ist der englische Überbegriff für alle Virussubtypen; der deutsche Begriff „FSME“ bezeichnet die Erkrankung mit dem europäischen Subtyp.
In den FSME-Verbreitungsgebieten Deutschlands sind kleinräumig in sogenannten Naturherden ca. 0,1-5% der Zecken mit dem Virus infiziert.
Die o.g. Zecken können auch das Bakterium Borrelia burgdorferi übertragen, das zur Lyme-Borreliose führen kann. Diese Erkrankung tritt wesentlich häufiger als die TBE auf, da etwa 10-35% der Zecken mit Borrelien befallen sein können.
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 7–14 Tage, in Einzelfällen bis zu 28 Tage.
Klinische Symptomatik
Der typische Verlauf einer FSME-Erkrankung ist biphasisch und beginnt mit unspezifischen, grippeähnlichen Beschwerden. Nach einem kurzen symptomfreien Intervall von bis zu einer Woche folgen die spezifischen neurologischen Manifestationen der FSME (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis). Ein hoher Anteil der Infektionen (ca. 70–95%) verläuft jedoch asymptomatisch oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus. Bei schweren Verläufen besteht insbesondere bei Erwachsenen die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen, in der Regel in Form von Paresen, aber auch von Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen. Diese Symptome können oft Monate nach der Erkrankung persistieren. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung. Schwere Krankheitsverläufe werden bei Erwachsenen häufiger beobachtet als bei Kindern. Bei ca. 1% der Erkrankten führt die Erkrankung zum Tod.
Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen
1. Präventive Maßnahmen
Expositionsprophylaxe
Ein wichtiger Grundsatz der Prävention der FSME und auch der Borreliose ist, Zeckenstiche nach Möglichkeit zu vermeiden.
Nach naturnahem Aufenthalt in Gebieten mit Zeckenvorkommen wird ein sorgfältiges Absuchen des Körpers nach Zecken empfohlen. Insbesondere bei Kindern können die Zecken am Haaransatz sitzen. Bei Zeckenbefall muss die Zecke umgehend entfernt werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihrem Kopf (niemals am Körper!) und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Die Zecke sollte dabei auf keinen Fall vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen. Falls der Tetanusschutz nicht (mehr) gegeben ist, sollte dieser aktualisiert werden.
Impfung
Die Immunisierung stellt einen wirksamen Schutz für potenziell gefährdete Einwohnerinnen und Einwohner und Besuchende von Risikogebieten dar.
Für die Grundimmunisierung sind drei Impfstoffdosen erforderlich. Auffrischimpfungen sind bei fortbestehender Exposition in Abständen zwischen drei und fünf Jahren erforderlich, je nach Alter und verwendetem Impfstoff (siehe Fachinformationen).
Der wortgewaltige Erzähler Roger Willemsen sagt, er erinnere sich an Städte, Länder, Landschaften, Erlebnisse oder Regionen fast nur anhand von erlebten Geräuschen. An Rom durch das ständige Surren der hochtourigen Motorinos. An Isafjördur im hohen Westisland wegen des Schlagen und Klackens eines sturmgepeitschten Fahnenmastseiles mit Karabiner vor dem Hotelfenster. Weil auch mich das einmal genauso um den Mittsommerhellen Schlaf gebracht hat, ergeht es mir seit Willemsen Tipp genauso. Hamburgs Dampfertuten, Münchens Glockenspiel, Lissabons Tramgebimmel und Gleis- Gekreische, Vierwaldstätter See Raddampfer Geplantschte, Pfferdehufestakkado beim Palio, das Rauschen am Regensburger Schwall, das Sturmgeheul auf der Glarner Fridolinshütte und die unvergessenen Eschinger Töne und Melodien wie d Siedebuddi und abdampfende Lokomotiven.
Und plötzlich, unverhofft und unerwartet ertönt erneut ein wahrhaft schneidendes Geräusch. Im allerwörtlichsten Sinn. Nur noch ganz wage erinnert man sich an dieses zischen aus Kindheitstagen. Auch damals schon selten, denn der Messerbalken am 13 PS Kramerbulldöggle mit seinem metallischen rattern und kreischen hat sich damals schon durchgesetzt. Vor dem stählernen Messerbalken mähten sich die Mäder aus dem Unterland gekonnt und virtuos in grossen Gruppen vom Schwarzwald in die Baar. Und sie brachten nebenbei die neuesten, meist deftigen Geschichten mit und belebten die Zagat- Abende am Hofbrunnen. Auch heirateten sie sich durch diese geselligen Abende in die Baar ein oder aus ihr heraus. Denn manche Magd oder Hoftochter wurde nebenbei durch diesen Heiratsmarkt der Wandermäder an den Kaiserstuhl entführt. Die Bauern, Knechte und Mägde nahmen die nicht mehr gut gepflegten und gedengelten Sensen, d Sägis, nur noch zum Ausmähen um Ecken, Bäume und Halden in die Hand. Da, wo sie mit dem klappernden, unkommoden Messerbalken nicht hinkamen.
Und urplötzlich ist es wieder da, das sanfte, rytmische Zischen in einem gleichmäßigen Tackt. Wie mit einem Metronom vorgegeben. Nur alle 2-3 Minuten unterbrochen von einem Wetzgeräusch. Auch das in einem klaren Polkatackt, linksrechts, linksrechts. Beendet mit einem klapper Klaks, wenn der Wetzstein wieder in den Kuhhorn Köcher fällt.
Wieder erlebt wurde das, als Wolfgang Köhler sich anbot, die Obsbaumwiese dieses Jahr von Hand zu mähen. Denn er hilft jedes Jahr drei Wochen lang einer Südtiroler Bergbauernfamilie Wildheue zu machen. An Steilhängen wird beharrlich von Hand mit hingebungsvoll gepflegten, kenntisreich gedengelten Sensen das Almkräutergras gemäht. Nachdem dieses gehaltvolle Wildheu dann in die Almhütten eingetragen ist, kehrt der „Schwarzwoid Wolferl“, wie ihn die Bergbauernfamilie anerkennend nennt, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zurück auf die Baar. Und dort lässt er seine Rasierklingen scharfen, perfekt gedengelten und gewetzten Sensensortimente durch durch das borstige Obsbaumwiesengras zischen. Es gibt sie also doch noch, die guten, hilfsbereiten Seelen und diese Zischtöne aus längst vergangenen Mädertagen.
endlich mal wieder etwas „Normales“ nach der Sackträgermotte und dem Ameisensackkäfer könnte man sagen, eine Schmetterlingspaarung. Brigitte Riesle aus Gütenbach hat sie mit geschickt mit der Frage, „was sind das für zwei Hübsche“? Eines der beiden Bilder ist seitenverkehrt, sie dürfen anhand der Beschreibung erkennen, welches.
Zunächst geht’s um die Frage, ob Sie die Art kennen. Ich behaupte frech, die meisten nicht, aus dem einfachen Grund, weil sie als eine Nachtfalterart normaler Weise tagsüber nicht zu sehen ist. Wieso auch immer, findet aber die Paarung tagsüber statt, dauert um die 20 Stunden und nach Sonnenuntergang läßt sich das Männchen fallen und fliegt fort. Das Weibchen beginnt alsbald mit der Eiablage. Der Hammer ist, dass die Falter keinerlei Nahrung aufnehmen können, weil der Saugrüssel zurückgebildet ist. Deshalb ist nach der Paarung und der Eiablage der biologische Sinn ihres Daseins erloschen und das Leben bald zu Ende. Menschlich grausam, von der Natur konsequent zu Ende gedacht, wenn man es so sagen darf.
Die Falter sind mit 60 bis 80 mm ordentlich groß, die Weibchen in der Regel etwas größer als die Männchen. Aufgrund von etwa 130 Eiern ist der Hinterleib des Weibchens prall gefüllt. Ein weiterer Hammer ist, dass die Eier bereits in der weiblichen Puppe voll entwickelt sind. Obwohl die Färbung der Tiere sehr variabel ist – die Grundfarbe der Tiere reicht von fuchsrot, braun, grau, gelb bis zu grün – ist die Art in ihrem Verbreitungsgebiet unverwechselbar.
Ach, da fällt mir gerade ein, den Namen habe ich noch gar nicht erwähnt, der Nachtfalter heißt Lindenschwärmer. Das leuchtet ein, weil die Eiablage und das Leben als Raupe vorwiegend in Lindenbäumen stattfindet. Sie verpuppen sich im Regelfall in der Vegetation am Boden, überwintern dort und schlüpfen ab Ende Mai des nächsten Jahres.
Und haben Sie erkannt welches das seitenverkehrte Bild ist? Ich vermute schon, Bild 2, Bild 1 mit Weibchen oben und Männchen unten ist richtig.
Vielen Dank Brigitte Riesle für die Überlassung der beiden hübschen Kerle.
Herzliche Grüße Franz Maus
Nachtrag: Unten ein Exemplar, das mir Cathrin Schelshorn vom Feldberg nach dem letzten Beitrag zugeschickt hat. Auch interessant muss man sagen. Danke Cathrin Schelshorn!
aktualisierter Beitrag, 1. Version am 15. August 2024
Die St. Leonhardskapelle dürfte wohl eine der ältesten Kapellen der Baar sein. Sie wurde 1479 erbaut und ist eine Stiftung der Brüder Konrad und Burkhard von Schellenberg und von Hüfinger Bürgern.
Karte von Martin Menradt aus etwa 1661. Rechts sieht man am Rand das Leänedli.
Vielen Dank an Dr. Jörg Martin für das Foto!
Aus dem Jahre 1620 stammt die „Bräunlinger mappa“, in der die Territorialgrenze gegen Bräunlingen hervorgehoben ist. Sie enthält auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen. Die Schächerkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der Behlaer Weiher sind hier richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar. Verzeichnet sind auch das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.**
Landtafel der Baar von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo der Garten der Stadtapotheke war und wurde 1788 abgerissen (Nikolausgasse). Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der »Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.*
Eine alte Pergamenturkunde berichtet, dass im Jahre 1479, am Samstag vor dem St. Nikolaustag, die Gebrüder Konrad und Burkhard, Ritter von Schellenberg, und die Bürger zu Hüfingen die Kapelle, „vor der Bruck gelegen“, weihen ließen zu Ehren des hl. Lienhard und „am 19. Dezember 1630 wurde das Glöcklein von St. Leonhard geweiht.“*
Vielen Dank an den Mesner Artur Lehnert für das läuten der Glocke!
Die Außenwände der Kapelle sind mit einer Kette umzogen, an der sechs Hufeisen hängen, weil St. Leonhard der Patron der Fuhrleute ist. Sie gelten als „aneinandergereihte Danksagungen“ an den Patron aller angeketteten Wesen, der Gefangenen und der Stalltiere. Daß die Kette von einem Fuhrmann als Dank für die Rettung aus der Hochwasser führenden Breg gestiftet wurde, darf wohl als Sage gelten, da ja die Mehrzahl der Leonhardskapellen mit Ketten versehen sind.
St. Leonhard lebte im 6. Jahrhundert, gehört zu den 14 Nothelfern und ist der Patron der Fuhrleute.
König Theodebert erlaubte St. Leonhard, dass er sich den Gefangenen annahm. Daran hatte bisher noch kein Mensch gedacht, dass Sträflinge auch Seelsorge brauchen. Leonhard sorgte für Gerechtigkeit im Strafvollzug, erwirkte Befreiung für Unschuldige und nahm sich besonders der Strafentlassenen an. Diese mußten wieder Boden unter die Füße bekommen, sonst gerieten sie auf neue Abwege. Er ließ sich Land schenken, stellte seine Schützlinge mit Spitzhacken und Spaten hin, lehrte sie roden und siedeln und wirtschaften. Nach ein paar Jahren waren sie ordentliche Menschen.*
Der Merowingerkönig Chlodwig I. wollte seinem früheren Höfling Leonhard, weil er so tüchtig war, ein Bistum besorgen; aber dem Demütigen stand der Sinn nicht darnach. Er ging in das Kloster Micy bei Orleans und nahm dort den Habit. Als er auch daselbst nach einiger Zeit selber den Stab führen sollte, machte er sich davon und suchte in einem Wald bei Limoges die Einsamkeit auf. Das Regieren Lag ihm nun einmal nicht, er wollte dienen.*
Er selber blieb in der Einsamkeit, aber mit der Zeit gesellten sich ihm Brüder bei. Man baute Zellen und eine Kapelle; der Anfang zum Kloster Noblat, später Leonhardskloster genannt, war gemacht. Als Gründer dieses Klosters wurde er trotz seines Sträubens zum Abt gewählt, man übergab ihm den Abtsstab.
Lucian Reich erwähnt in seinen Schriften, dass in der hiesigen Leonhardkapelle, im „Leänedli“, wie sie geheissen wird, jeweils vor dem Auftrieb des Viehes auf die verschiedenen Weiden Gottesdienste gehalten wurden.
Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhard oder auf seine Anrufung hin auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.
Der heilige Leonhard im Leändeli
Leonhard von Limoges, auch Leonhard von Noblat († 559), war ein fränkischer Adelssohn, der am Hof der Merowinger erzogen wurde; später lebte er als Eremit. Er ist einer der 14 Nothelfer. Sein Gedenktag ist der 6. November.
Der Heilige Leonhard in der Kapelle von der Lochmühle. Die Kapelle wurde 1805 zum Gedenken, der beim Hochwasser 1804 Ertrunkenen, gebaut.
Die Statue in der Kapelle stellt St. Leonhard mit einer Kette mit Handschelle und Schloß und mit dem Abtsstab dar.
Der heilige Leonhard, zunächst Schutzpatron der Gefangenen wird auch als „Kettenheiliger“ bezeichnet. Der Kettenheilige wird von Bauern, Stallknechten, Fuhrmannsleuten, Schmieden und Schlossern sowie Obsthändlern und Bergleuten angerufen. Er gilt auch als Helfer von Wöchnerinnen, bei Kopfschmerzen sowie Geistes- und Geschlechtskrankheiten.***
Der Altar im „Leänedli“ stammt aus der wegen Baufälligkeit im Jahre 1788 abgebrochenen St. Nikolauskapelle. Das Altarbild, gemalt 1748 von Johann Pünner, einem heute unbekannten Maler, trägt oben die Inschrift:
„St. Leonhard und St. Nikolaus, bittet für uns.“
Besonders in Bayern, wo Leonhard der Liebling der Bauern vor allen andern Heiligen ist, wird sein Fest am 6. November recht feiertäglich begangen. In vielen Orten finden alljährlich die Leonhardifahrten statt. Über fünfzig Wagen in hochfestlichem Aufputz bilden in Tölz die freudige Prozession. Die Jungfrauen fahren in einer besonders schönen „Truhe“, im Dirndelwagen. Die Burschen und Männer aber reiten nach der Umfahrt den Kalvarienberg hinauf, nehmen am Gottesdienst teil, traben dreimal um die Leonhardikapelle herum und stellen sich dann zur Pferdesegnung auf.*
„St. Leonhard vorm Himmelstor, wir reiten dir die Rosse vor. Einst kommen wir zu Fuß herauf, halt uns dann deine Hände auf!“
St. Leonhard von Franz Wintermantel 1972 aus Mii Boor – Mi Hoamet von Gottfried Schafbuch
Epitaph der Familie des Obeamtmanns Baur
Der Friedhof hinter der Kapelle wurde im Jahre 1629 vom Abt Georg Gaisser des Beneditinerklosters St. Georgen geweiht, da der Friedhof an der Stadtkirche für den 30-jährigen Krieg und die vielen Hexenverbrennungen zu klein wurde. Im Jahr 1772 wurde der Friedhof bei der Stadtkirche aufgegeben und der Friedhof hinter der Kapelle wurde 1806 und 1861 erweitert.
*nach Gottfried Schafbuch in Mii Boor – Mi Hoamet (1972) ** nach der Chronik von Hüfingen von August Vetter (1984) *** nach Wikipedia
wie schrieb ich ich letzte Woche über die Sackträgermotte? Etwas ganz Verruckts. Den gleichen Kommentar vergebe ich zum heutigen Thema über den Ameisensackkäfer. Was ist das denn für ein komischer Name? Abwarten, die Auflösung kommt.
Das erste Bild schickte mir Tierzuchtleiterkollege Dieter Kraft aus Schwäbisch Hall. Schöner Käfer dachte ich mir, fast wie ein Marienkäfer, aber der ist runder. Dann schickte mir kurz darauf Edmund Zeiser aus Zimmern unter der Burg das zweite Bild und schrieb: „Die Brutbiologie von diesem Käfer würde einen interessanten Beitrag abgeben“.
Ich wurde stutzig und nachdem ich nachgeschaut hatte, war vollkommen klar, dass das wieder ein Hammer ist. In meinem Hirn ratterte es, Mensch, den hast Du doch auch schon fotografiert und tatsächlich am 27. Juni 2024 auf einer verblühten Margerite in unserem Garten.
Der Hammer sind nicht die Käfer, sie ernähren sich ganz normal von Blättern verschiedener Baum- und Straucharten. Der Hammer sind die Larven. Sie leben in Ameisennestern und fressen Reste der eingetragenen Ameisenbeute oder auch tote Ameisen. Und nun kommt der Oberhammer, wie kommen sie in die Ameisennester hinein? Ich glaube, man kann es sich nicht vorstellen. Die Käfermama dreht zwischen den Hinterbeinen eine Eikugel. Dabei wird das Ei am Hinterleibsende immer wieder mit etwas betupft. Es wird dadurch mit einer Exkrementhülle umgeben. Dann wird das Ei in der Nähe eines Ameisennestes, meist von Nestern der Roten Waldameise fallen gelassen. Entweder wird es dann von den Ameisen aktiv in das Nest eingetragen, weil sie es irrtümlich als Nistmaterial verwenden wollen, oder die Larven dringen selbstständig in das Ameisennest ein.
Nach dem Schlüpfen aus dem Ei verbleibt die Larve in der Exkrementhülle, von daher kommt die Bezeichnung „Sackkäfer“, und erweitert sie sogar. Der Kopf der Larve ist stark geschützt. Zieht sie sich in ihren „Sack“ zurück, verschließt sie mit der Kopfkapsel ihr Refugium wie mit einem Deckel, der von den Ameisen nicht zerbissen werden kann. Ich würde sagen, hier kann man vom Oberoberhammer sprechen.
In der Zeit, in der sie sich im Ameisennest entwickeln, werden sie von dem Ameisen nicht als Feind wahrgenommen. Für erwachsene Ameisensackkäfer scheint das nicht zu gelten, weswegen sich die Larve kurz vor der Verpuppung möglichst nah an eine Stelle innerhalb des Nests begibt, die es dem geschlüpften Erwachsenen ermöglicht, das Nest schnell zu verlassen. Aus diesem Grund findet auch die Verpuppung innerhalb des Kotsackes statt. Diese Schutzhülle wird erst verlassen, nachdem der Käfer geschlüpft und sein Chitinpanzer ausgehärtet ist.
Was denken Sie, wie lange diese Entwicklung dauert? Erstaunliche zwei bis vier Jahre, bevor im Frühjahr das Ameisennest verlassen wird. Erwachsene Tiere findet man von Mai bis August beispielsweise an sonnigen Waldrändern, aber auch im menschlichen Umfeld wie Parks und Gärten können sie einem begegnen.
En Guu goht hit dorch iser Huus Vu Schmalzfett, Hefedoag und Epfelmuus Und frischem Moscht, no i de Kante Doo kummet`s grent, die bucklige Verwandte
Hubert Mauz am 28. September 2022
Gewinner Biebli mit Fähnli und Hammel als Preis / Niederesche in den 60-ern. Aus Archivfundus Trachtenverein Reckhölderle Niedereschach
Hammellauf
Wenn i ab und zue mol über die nei Brigachbruck z` Gräninge fahr, no gucki all uf die Feschtwies dorri zwische de Schmitte und de Krone. Denno stieget, wie so vill mol, Kindheitsbilder i mir uff. De erscht Vorhang isch des Leporello vum Gräninger Hammellauf. De Zweit Vorhang sind Schiffschaukle und Karussell, de Dritt de Dreschschuppe und de Viert s` Hohwasser vu de Brigach, wa um die aalt Boge- Bruck schuuset. Aber nochenand.
A Kilbi war de Gräeninger Hammellauf. Uf de Brigachgwies bi de Schmitte vu`s Schorppe war e kleis Karrusell, e Schiffschaukle und e Schiessbuddi uffbaut. D` Feierwehr hät useme grosse, holzgfierete Wäschkessel Serbele und Schibbling mit eme guete, selberbachene Buurebrot verkauft. Uf eme Diele wo uff zwoe Böck gstande isch, häsch useme Eimer, wo e Pumpi draa war, mit eme uuastänige Gräusch en große, geäle, gstrechne Dolke Sempf uf die Worscht pfluddere lau. Des waret halt no Werscht vum Mexer und des Brot hät no de Guu vum Kachelofefier und de Äsche khaa. Daß es usem Bachofe vume Buurehuus war, des häsch am iibachene Ruess und de Holzrescht a de Bodderinde vum Brot gsähne. Uff de Zai häschs au gmerk, wenn de Oortmocke und die knusprig Brotrinde kafflet häsch und es debei eweng gnirscht und knischteret hät. Nochdem mit eme große Gnuss die Serbele verdruckt häsch, bisch am Karrusell, de Schiffschaukel und de Schiessbudi ummegmuuset und häsch kalkuliert, ver waa und wiewiet s` Sachkgeld, de Batz vu de Oma und de Gotte, langet. 20 Pfennig ver de Hammellauf hät uubedingt übrig bliebe messe. Noch ere halbe Stund isch de Entschluss g`stande: 50 Pfennig für Bränti Mandle und oemol Schiffschaukle ver 20 Pfennig. Mit eme kleine Schiffli. Zerscht häsch no de Große Latschi zueguckt wie sie a de Iberschlagschaukel ihre Kraft, Uusduur und Muckis uusprobiert hond. Dieselle sind iigstige und hond vum Karrusellbremser en broate Rähme um de Buuch aagschieret griegt. Uff beide Siite sind sie anere Kette a de Schaukelstrebbe aakettmet wore. De grossgoschig Schaukler hät nomol aageberisch i d` Händ gspeitzt und denno vum Schiffschaukelbremser en Aaschuk griegt. Jetzt hät er bumpet, sech verkrimmt, isch i d` Knie, und höher und höhner gstigge. Korz vor em Überboggle am Ruhepunkt häsch ammel gmond jetzt kait er abi. De gwagt Ibberschlag war s` Ziel vu dere Aastrengung. Wer des gschaffet hät war a dem Mittag de Feschtkönig vu de Brigitäler Feschtlatschi, nebem oder noch em Hammel. Wenn 2-3 Kerli a dem Dag ummi kumme sind, wars vill. Wenn on oamol ummikumme isch, denno isches uf oamol liicht gange, no war de Boge dusse und de Schwung do. De Bremser hät en unter Gjohl vu de Brigitäler Halbstarke und em Giigse vu de mollige Maidli, hit dät mer „ Groupies „ sage, no so 10 mol voll uuschwaie lau. Erscht bim 10. grandiose Überschlag hät er des Schiff abbremst, uusgschieret, de Rähme und d` Ketteme glöst. S` Schätzli, wenn er scho oes kha hät, isch im um de Hals khait und uusnahmswies hät er i aller Öffentlichkeit en Schmatz uf de Backe griegt. Dieselle wo s`halt nit ganz gschaffet hond, den schwerelose Überschlag, die hät de Schaukelbremser noch so 20 meh- oder weniger fascht- Iberschläg mit em Bremsbrett abgmicket. Die gschlagene Helde hond am Obet bim Hammeltanz konni guete Kaarte khaa bei de Maidli. Noch dem mer dem Heldekampf e Ziitlang zuegucket hond, simmer id Kinderschiffli gstige und hond gucket, dammer wenigschtens uf halbi Höhi kumme sind. S´ näascht Johr isch wieder Hammlelauf und denno bisch 3 Kilo schwerer, sterker und schleesch de aalt Rekord um mindschdens 30 cm. Warted nuu, eich zoag echs scho no. Und wenn i groß bi, denno mach au ech de Überschlag. A de Schiessbuddi hond sie au Gickili mit Brennte Mandle oder Erdniss kha. D ` Erdniss waret 20 Pfennig billiger, des duets au. Und wenn bim lahmarschige und triebsinnige Hammellauf no eweng ebbis zum Niss us em Gickeli zum kaffle häsch und im Vordere und im Hintere, bsunders wenns amend no e nett Maidli isch, no eweng langi Zai mache kaasch, isches au guet.
De Feierwehrkommandant hät gschellet und Gjohlet dass i 10 Minute de Hammellauf losgau dai und me gi zahle gau sott. Am Iigang zum magische Kreis, isch de Feierwehrkassier gstande und hät jedem 20 Pfennig abgnipft. Guet 40- 50 Kinder sind jetzt i dem vu de Feierewehrmanne mit Hanfsäeler abzerklete Hammelring gstande. I de MItti ame Pfoschte en scheene, gstriglete und kränzlete Hammel. Er hät bleed us de dicke Wolle gucket und gmäckeret wie ebbe e dumms Schoof. Jetzt hät de Kommandant de „ Kaiser- Uhre“ Wecker mit dene Doppel- Schelle obedruff uf 20 Minute gstellt. Den Wecker hät er in en große Emaildeller gstellt, dass er au reacht schepperet, wenn er abi ghoht. Mit de große Feierwehr- Alarmglocke hät er gschellet wie verruckt und de Wecker renne lau. Jetzt hät sich der Kinderlindwurm im Umlaufring umme draiet im Hennedäppeli Schritttempo. Dä wo de Wecker uff me Schemmel gstande isch, war en kränzlete Torboge mit eme Art Käfig. Wer i dem Gatter gstande isch, wenn de Wecker abigange isch, der hät de Hammellauf und natierli de Hammel gwunne.
Hammellauf Wecker im Resonanz Teller
I manche Boorgmonde hät mer e Fähnli, wie bei me Staffellauf, all im Hintere übergähe messe. Wer beim Weckerscheppere des Fähnli i de Fingerli ghet hät,hät de Hammel gwunne. Zwonzg Minute sind ver e Kind, wo gspannt isch wie en Pfieleboge, e Ewigkeit und d` Spannung fascht nit zum verhebbe. Aber jedi Qual hät au mol e End, de Wecker isch luut und schepprig aabi gange. Min beschte Kinderfreund, de Seppli , isch im Gatter gstande. Ech hinne draa und han do demit de 2. Preis, en kochte Schunke, gwunne. E Maidli vor em Seppli, d` Rita hät die groß Tofle Schokelad gwunne. Die drei Kinder waret zfridde aber die andere 40 hond denkt: „ Jetzt bisch wieder 20 Minute dolorig im Ring umme gwattet und häsch wieder nint gwunne. Ob i do s` näscht Johr die Kummedi nomol mitmach, des moss i mer schwer iberlegge“. De Schunke häts nit lang überlebt. Bis d` Brieder und alli gute Friend versorget waret, isch glii nint meh ibrig bliebbe und eweng schleacht war der` s au. Schunke roh uhni Brot, kah der uff de Mage schlaa. Me sot nit glaube wie vill guete Freund uf oamol kaah häsch. I de Rita isches genauso gange. Sie hät sogar i de bleedschte Kuhe us de Klass e Rippli abgäe messe. So hert kaa halt manchmol s` Schicksal sogar im Glick sii.
Hammelgwinner mit Fahne Mitte, 2. Preis vor dem Fähnlibue / li und 3. Preis nach dem Fähnlibue Niederesche in den 60-er. Aus Archivfundus Trachtenverein Reckhölderle Niedereschach.
Gräeninger Hohwasser
Nebem Hammellauf hät Gräeninge no e andere Rarität zum uffwiese khaa. D` Brigach doalt befrischtet, fascht wie d`Berliner Muur, s` Ort i zwei Doel. Eng verbunde waret die beide Dorfteil a beschtimmt 350 Tag im Johr mit ere scheene Gwölbebruck us ghauene Kalkquaderstäe. Sie war korz und uff beide Siite steil aastiegend. Wie d` Rialto- Bruck z` Venedig hät sie fascht uusgsänne, nit ganz so elegant, halt eweng rustikaler, ehner e romanischi , solidi, bodeständige Bogebruck. Well sie kurz und trocke usem Brigachvorland ussigucket hät, isch s` Brigachhohwasser im Friehjohr und im Herbscht oder bei sau- Wolkebrich uf beid Siite im Hohwasservorland um die Bruck ummigloffe. Sie isch regelreacht versoffe und nuu d` Kuppe hät us dem manchmol broate Brigach- Strom uussigucket. Des hät ghoasse, dass Liit vu de Kirche – Dorfsiite nit uf d` Bah gi Schaffe, nit uf d` Felder oberm Rebberg und au nit gi Klenge und Villinge i d´Schuel oder i d Saaba gi schaffe kumme sind. Und die Rebberg Aawohner sind nit i d` Kerch, i d` Schuel, zu s Muurers gi Iikaufe, i d` Rahmi gi Milch abbgähe und au nit ufs Rothuus oder gege Wulterdinge oder gi Pfudd- Uufe kumme. Des war aber ver die pfiffige Gräeninger koe Problem. E Gmeinschaftsgfiehl, wa z` Gräeninge bis hit no aahebt, hät, im Städtedreieck eimalig, e Lösung gschaffe. Jeder Gräeninger, ob Bue oder Maidli, Wiiber oder Manne, au manche rüstige Oma oder Opa, hät gute Stelze khaa. Die handwerklich meisterhaft gwangerete Stelze hond e Art Brandzoache mit de Familie- Initiale khaa und sind zu de Hohwasserziite a de Krone oder uf de andere Siite, bi de Schorppe- Schmitte, aaglohnet, parkt gstande für de Hohwasserfall. Isch Hohwasser kumme und d` Bruck war uupassierbar hät es koe „Hohwasserfrei„ ähnlech wie Hitzefrei oder i de Feuersteinschuel Kältefrei wege Kohlemangel gäe. I de Gräninger Schuel ischs wiiter gange ohne Uusnahm, au bi Hohwasser. Vu wege Friehmess schwänze. Do sind die oagene Stelze gnomme wore und dorch die beide riissende Hohwasserrinne hochhackig aber troche gstelzt wore. S` wunderet mi hit no, dass de kindlich fromm Pfarrer Wölfle, s`Pfärrli hät mer zue ihm gsait weil er eweng korz und schmal gwaasse war, konn Heilige Christopherus, der mit em Hohwasserstäcke und de uffgraffte Gwänder und em Jesuskind uff em Buckel, a de Brigachbruck uffstelle lau hät.
Näemert im wiite Umkreis hät so guet, so akkrobatisch, zirkusriif Stelze laufe kinne, wie d` Gräeninger. Mir Eschinger mit iiserne vermoderete, vermauchete, verwormete Bohnestecke wo mit krumme 80-er Nägel Trittbrettli- Lotterfalle aagnaglet waret, wo all Forzlängi broche sind, mir hond koe Land gsenne gege die Gräeninger Stelze- Artischte. Vievill mol simmer bin Üebe i de saichte Brigach mit iiserne verlächerete Stelze z mitts im Bach soechnass bis an Buuch gsi, weil des Glump halt wieder broche isch. Natierli häsch denno au en bluetige Strieme an de Wadde kha, well so en rostige Nagel no us em Stäcke uussigucket hät.
Uf de andere Bach Siite z Gräninge sind die Stelze noch em Dorchwatte abgstellt, parkt wore uhni abgschlosse. Hit zu Dag dätet so Sache nit lang stau bliebe. Im gottesfürchtige Gräeninge war des koe Problem. Me hät die Stelze fer de Hoamweag jo wieder bruucht. S´ war fascht wie de biblisch Gang dorchs Rote Meer bi de Vertriebung us Ägypte. Nuu, dass es dert fortztroche gsii isch. Natierli häts au Liit gäe wie krummi, aalti Wieber und Manne, oder vernämmi Bürger oder ebbe Stelze- Aafänger, wie mir Eschinger, die au uff die ander Siite hond welle. Fer die hät mer en Fährdienscht, en Übersetzdienscht iigrecht. Buure mit ihrne Furt erprobte Bulldeggli, Marke Kramer Allesschaffer, i dere Ziit warets ebe au Fährbullogg, sind stundewies iidoalt wore, zum den Ibersetz im Gemeinwohldienscht, im Art Frondienst z` mache. S` hät zwar koa Glocke gähe wie bei den Rheinfähre zum de Fährbulldogg aafordere, me hät jo Sichtkontakt ghet und hät halt gwunke. No bisch uff em kaalte Blechsitzli überm Rad vum Kramer Allesschaffer khuggt und bisch trochenen Fusses dorri kumme. S` Lied „Dont pay the farryman „ vum Chris de Bourgh war no nit gschribbe, aber gstimmt häts trotzdem. S` hät glaub werkli nint koscht. S` war en koschtelose, bürgerschaftliche, Gmeinwohl Bürgerdienscht.
I de 60-er Johr isch au des Kuriosum, wet fascht sage leider, endgiltig verschwunde. Me hät e neie , aber nit uubedingt e scheeneri, Stahlbetonbruck baut, womer jetzt au bi Hohwasser ohne Fährdienst dribber kunnt. S war en Bruuch und e Kuriosität, dä z` Gräninge mit dem nette, beispiellose Bogebrickli. Und kum ebber woass es no, au wemmer draa erinneret. Und drum momers uffschriebe, sunscht words no ganz vergesse und verschwindet i de Versenkung oder versuuft im Brigachhohwasser.
Daß es fascht, wenn nit sogar scho ganz, vergesse isch, des zoaget des wunderschee 900 Johr Fescht wo z` Gräeninge anne 2009 mit eme aaschauliche, historische Lebenslauf über des Ort darbote wore isch. Dä hanni selber als historische Rebberg- Schi- und Schlittefahrer mitgmacht. Hit kunnts mer erscht, damer jo des Stelzelaufe dorch d` Brigach, de Fährdienscht dorch`s Brigachhowasser mit de Bulldeggli und de Hammlelauf vergesse hät zum zoage. Amend kinnet d` Gräninger bime nei uffglaite Hammellauf und eme Stelzelauf des no mol nochhole ?
D Niedereschmer Rechhölderli Liit hond den aalte Bruuch fascht als die Allerletschte nit verkumme lau und triebets gottlob all Johr a Kilbig no. So wie früher. Aber wahrschienlich kinntet die junge Gräninger gar nimme Stelzelaufe ? En Hammel miesst mer ehner no zämetgriege wie guet gwangereti Stelze.
Stelzenläuferin im Neuen Akerbryggen in Oslo (Wär doch au e aussagestarke Gräninger Sculptur / Relief a de Brigachbruck?)
Ich khaa alles, au Fährdienscht beim Gräeninger Hohwasser
Hammellauf
Z’Gräninge a de Brigachbruck Do stoht zwar konn Sanct Nepomuk Dä isch äbs gsii, des war jo s‘ Bescht E ganz e bsunders Kinderfescht
Fahr ech vorbei no denk ech draa Wa Kinderherzer selig mache khaa E oafach Spiel, koa halbi Stund Me bruucht e Wies, e großi Rund
Und z`Mitt en Pfohl wo aabindt isch En fette Hammel, wo gstrigglet isch Und kränzlet schee, des ischer au So kaa des Spiel au glii aagau
Zwonz Pfennig dierft’s scho koschtet haa Wa s’Kässli fillt vum Feierwehrmaa No häsch di iigreiht i die Kinderschaar Un gspanne warsch, mit Huut und Haar
De Kommandant hät gliitet, gschällt Uff zwonzg Minute war de Wecker gstellt Jetzt bisch im ringrum allbot gwattet Des Weckergschäll häsch kum verwaatet
Und wenn de Wecker am Schäfer- Wisch rattret Sell Kind, des hät de Hammel jetzt ergattret De Vorder und de Hinter grad Der grieget en Schunke und en Schokelad
S` war wieder nint, säll mit em Hammel De Seppli hät en ghet, den Bammel Der kochet Schunke, der war mer lieber Glii war er gfresse , zemet mit de Brieder
heute kommt etwas „ganz Verruckts“, wie der Schweizer säge dät. Dr. Gerhard Bronner vom GVV Donaueschingen schickte mir als Privatmann das Bild und meinte, das wäre doch auch was für die Bürgerpost. Gott sei Dank lieferte er auch die Erklärung dazu. Zunächst vermutete er eine Köcherfliegenlarve bei diesem Gebilde an seiner Hauswand, aber die kann nur im Wasser existieren. Über „iNaturalist“, inzwischen eine der beliebtesten Natur-Beobachtungs-Plattformen weltweit, kam er auf die Lösung, es ist ein Weibchen einer Rauch-Sackträgermotte. Ein Oberhammer, finden Sie nicht auch? Als ich die E-mail von Dr. Gerhard Bronner gelesen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich ging sofort in den Garten, weil ich genau wusste, dass ein Exemplar an der Hauswand und eins sich am Wasserfass befand.
Rauch-Sackträgermotte von Dr. Bronner
„Wasserfass“ Sackträgermotte
Mich würde an der Stelle interessieren, wer von Ihnen das Wesen gekannt hat? Oder wem es ging wie mir, der es gesehen hat und trotzdem blind war. Denn ich dachte, das kann nichts Lebendes sein.
Die Larven der Sackträgermotte bauen sich nämlich einen schützenden Sack aus Seide und verschiedenen Materialien wie Blättern, Zweigen oder anderen kleinen Partikeln. In diesen Säcken leben sie und schützen sich so vor Fressfeinden. Wenn sie ausgewachsen sind, verpuppen sie sich in ihrem Sack und schlüpfen schließlich als erwachsene Motten. Jetzt kommt aber ein zweiter Oberhammer, das machen nur die Männchen. Denn die Weibchen sind meist flügellos und bleiben oft ihr Leben lang im schützenden Gespinstsack. Der Körper des Weibchens ist madenförmig und kann gelblich oder hellbraun gefärbt sein, mit einigen dunkelbraunen Rückenplatten. Es hat gut entwickelte Beine, mit denen es sich fortbewegen kann.
Die Weibchen locken mit Duftstoffen die Männchen an, um sich zu paaren, und legen ihre Eier im Sack ab. Die Männchen leben nur wenige Tage, eigentlich nur wegen der Paarung.
Jetzt noch ein Detail: Vergeichen Sie die Sackträgermotte von Bild 1 mit den anderen beiden. Ich würde sagen, bei Bild 1 sieht man das weibliche Wesen, wie es aus dem Sack schaut. Meine sind in der Puppenruhe.
Vielen Dank Ihnen Herr Dr. Gerhard Bronner für die Zurverfügungstellung der Sackträgermotte. Das war Spitze.