Liebe Bürgerpostleser,
endlich mal wieder etwas „Normales“ nach der Sackträgermotte und dem Ameisensackkäfer könnte man sagen, eine Schmetterlingspaarung. Brigitte Riesle aus Gütenbach hat sie mit geschickt mit der Frage, „was sind das für zwei Hübsche“? Eines der beiden Bilder ist seitenverkehrt, sie dürfen anhand der Beschreibung erkennen, welches.


Zunächst geht’s um die Frage, ob Sie die Art kennen. Ich behaupte frech, die meisten nicht, aus dem einfachen Grund, weil sie als eine Nachtfalterart normaler Weise tagsüber nicht zu sehen ist. Wieso auch immer, findet aber die Paarung tagsüber statt, dauert um die 20 Stunden und nach Sonnenuntergang läßt sich das Männchen fallen und fliegt fort. Das Weibchen beginnt alsbald mit der Eiablage. Der Hammer ist, dass die Falter keinerlei Nahrung aufnehmen können, weil der Saugrüssel zurückgebildet ist. Deshalb ist nach der Paarung und der Eiablage der biologische Sinn ihres Daseins erloschen und das Leben bald zu Ende. Menschlich grausam, von der Natur konsequent zu Ende gedacht, wenn man es so sagen darf.
Die Falter sind mit 60 bis 80 mm ordentlich groß, die Weibchen in der Regel etwas größer als die Männchen. Aufgrund von etwa 130 Eiern ist der Hinterleib des Weibchens prall gefüllt. Ein weiterer Hammer ist, dass die Eier bereits in der weiblichen Puppe voll entwickelt sind. Obwohl die Färbung der Tiere sehr variabel ist – die Grundfarbe der Tiere reicht von fuchsrot, braun, grau, gelb bis zu grün – ist die Art in ihrem Verbreitungsgebiet unverwechselbar.
Ach, da fällt mir gerade ein, den Namen habe ich noch gar nicht erwähnt, der Nachtfalter heißt Lindenschwärmer. Das leuchtet ein, weil die Eiablage und das Leben als Raupe vorwiegend in Lindenbäumen stattfindet. Sie verpuppen sich im Regelfall in der Vegetation am Boden, überwintern dort und schlüpfen ab Ende Mai des nächsten Jahres.
Und haben Sie erkannt welches das seitenverkehrte Bild ist? Ich vermute schon, Bild 2, Bild 1 mit Weibchen oben und Männchen unten ist richtig.
Vielen Dank Brigitte Riesle für die Überlassung der beiden hübschen Kerle.
Herzliche Grüße
Franz Maus
Nachtrag: Unten ein Exemplar, das mir Cathrin Schelshorn vom Feldberg nach dem letzten Beitrag zugeschickt hat. Auch interessant muss man sagen. Danke Cathrin Schelshorn!
