Ringschnabelente

Liebe Bürgerpostleser, 

heute darf ich Euch eine ornithologische Sensation vorstellen. Die Bilder hat mir Thomas Kring aus Hüfingen überlassen Er ist Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes Baar beim Schwarzwald-Baar-Kreis. Er meinte, das wäre doch sicher auch einen Beitrag wert. Ihr erinnert Euch, von ihm erhielt ich auch die Bilder für den Libellen-Schmetterlingshaft Beitrag

Also, wieso ist das Ganze eine Sensation? Ganz einfach, weil diese Ente, die Ringschnabelente heißt, in großer Anzahl in Kanada und den USA lebt. Die Bestände steigen, obwohl in den USA jährlich 700.000 Exemplare gejagt werden. Bei uns dagegen erscheinen sie nur in ganz geringen Anzahlen: avi-fauna/ringschnabelente.
Zur Zeit sind am Bodensee vier Standorte mit jeweils nur einem Exemplar bekannt. Pro Jahr gibt es deutschlandweit etwa zehn Meldungen überwiegend von Einzelexemplaren über das Winterhalbjahr. Der klassische Begriff für eine solche Vogelart ist „Irrgast“. Man vermutet, dass sie durch Stürme nach Europa „verweht“ wurden. Und hier leben sie im Verbund mit zahleichen anderen Enten, man muss sich wundern, dass sie überhaubt erkannt werden. Wenn dann aber eine Meldung im Internet unter www.ornitho.de eingestellt wird, dann machen sich Vogelfans auf die Suche. So kam Thomas Kring auch zu seinen herrlichen Fotos. 

Für mich war hoch interessant, dass die beiden Enten auf dem Bild oben von zwei Experten auf den ersten Blick für eine Art nämlich für Reiherenten gehalten wurden, bis ich auf ein genaueres Hinsehen hinwies. „Die vordere ist jedenfalls eine Reiherente“. Genau, charakteristisch ist für sie die schwarz-weiße Färbung und der Federschopf am Hinterkopf. Die zweite Ente auf dem Bild ist das Männchen der Ringschnabelente, auch eine schwarz-gräulichweiße Grundfärbung aber ohne Federschopf. Dafür mit weißer Schnabelumrandung und weiß-schwarzem Schnabel. Klar, man muss wirklich genau hinschauen. Bild unten zeigt sie zusammen mit einer Moorente, sie macht den Eindruck, wie wenn sie dazugehörte.

Die nächsten beiden Bilder sind wunderschöne Portraitaufnahmen dieses einen Ringschnabelenten Mannes vom Bodensee. 

Seit einigen Wochen gibt es von mehreren Orten am Bodensee fast tägliche Meldungen jeweils einer einzelnen männlichen Ringschnabelente. Vermutlich sind es mehrere Tiere, die sich am Bodensee aufhalten. Aber die genau Anzahl läßt sich nicht sagen. In jedem Falle hat Thomas Kring seine Fotos am 07. Februar 2026 geschossen und am 11. Februar 2026 könnt Ihr es genießen. 

Vielen Dank an Thomas Kring für die Ermöglichung des sensationellen Berichtes. Ich glaube, er lag richtig, als er meinte, dass das einen Beitrag wert ist. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Besuche aus der Heimat
Zur Erntezeit
Die Fastnacht

Vierzehntes Kapitel gelesen aus dem Hieronymus von Lucian Reich


E freude Stund e guti Stund,
s’ erhaltet Lib und Lebe gsund,
doch muß es in der Ordnig goh,
sust het me Schand und Leid dervo.

>Johann Peter Hebel

Besuche aus der Heimat – Zur Erntezeit – Die Fastnacht

Der nahende Herbst hatte unserem Hieronymus mehrere Besuche von zu Hause gebracht, erst den Vater und die Mutter, welche kamen, nach des Lehrlings Tun und Treiben und nach der Zufriedenheit des Meisters sich zu erkundigen. Dionys, des Stabhalters Sohn, war sogar später bei ihm über Nacht geblieben und hatte mit ihm das Lager geteilt. Er hatte ihm verschiedene Grüße ausgerichtet und Neuigkeiten erzählt aus der Heimat, worunter die interessanteste gewesen, daß die Florentine immer vollkommener und schöner werde. Von sich selber konnte der junge Handelsmann sagen, daß, ohne Rühmens, sein Geschäft prächtig floriere, und daß auf dem ganzen Wald kein Geschäftsmann zu finden sei, dem mehr Geld durch die Hand laufe als ihm und seinem Vater.

Die Eltern des Hieronymus waren hoch erfreut über das gute Zeugnis, welches der Meister seinem Lehrling ausgestellt, nach Hause zurückgekehrt. Denn auch der Feldwaibel hatte ihnen halb scherzhaft die Versicherung gegeben, daß er, als Beistand, bis jetzt noch nicht den mindesten Grund gehabt, hinsichtlich der geleisteten Bürgschaft irgendwie in Sorgen zu sein.

Nicht nur im eigentlichen Geschäft, auch bei Feldarbeiten griff Hieronymus wacker ein, wobei er – dank der Erziehung daheim – in allen Sätteln sich gerecht erzeigte. – Als sein Meister, der nebenbei auch Feldbau betrieb, zur Erntezeit einmal eines Garbenbinders wegen sehr in Verlegenheit war, erbot sich der Lehrling zur Verrichtung dieses sonst nur geübten Männern anvertrauten Geschäftes. Der Meister schüttelte anfangs ungläubig den Kopf; jener aber ergriff alsbald den Bindnagel, holte aus dem Stadtbächlein die dort zum Einweichen eingelegten „Wieden“, die Magd nahm den „Schaub“ auf den Kopf, die mit frischem Wasser gefüllte „Lägel* an den Arm, und die Meisterin ging zum Antragen mit. Und siehe da – Hieronymus band die hundert Korngarben so regelrecht, wie es der geschickteste Oberknecht nicht hätte besser machen können.

Ebenso willig und gewandt zeigte er sich als Mäher. Frühmorgens, wenn kaum der erste Wachtelschlag den anbrechenden Tag verkündete, schritt er mit andern zum Tor hinaus, die Sense oder das Räff (zum Mähen der Mischelfrucht) über der Schulter, das hölzerne „Futterfäßle“ mit dem Wetzstein hinten am ledernen Gurt befestigt. Und kam er nach vollbrachter Arbeit abends heim, und waren Suppe und Sauermilch verspeist, so nahm er ungeheißen wieder das „Dangelgeschirr“ zur Hand und dengelte, auf einem Holzblock vor dem Scheuertor sitzend, mit den Nachbarn lustig um die Wette. – War dieses Geschäft besorgt und hatte er am Brunnen sich gewaschen, dann erst konnte er sich Ruhe gönnen, indem er sich ein Stündchen noch zur Familie setzte, auf das Bänklein vor dem Haus.

Wie zur Winterszeit gewisse Stuben und Stüblein Sammelorte waren für nachbarliche Abendgesellschaften, so waren es im Sommer die Bänklein vor den Häusern, bei welchen die Freunde in und außer dem Haus sich zu versammeln pflegten.

Erforderten unter der Woche die Erntearbeiten ein frühes Schlafengehen, um morgens wieder zeitig bei der Hand zu sein, so fiel diese Rücksicht am Samstagabend sowie vor einem Feiertag natürlich weg. – Da saßen sie denn oft bis Mitternacht, hemdärmelig, barhäuptig unter dem Himmel voll Sternengefunkel und Wetterleuchten, während im offenstehenden Haus nichts sich regte als das Heimchen und der laute Schlag der Wanduhr in der Stube. – Es hörte sich angenehm zu, dem Gesang der fremden Schnitter und Schnitterinnen, die in Gruppen vor dem Haus des Bauers dort noch ein Stündchen sich verkühlen lassen wollten. Und war auch der Oberamtsrat ein gestrenger Herr, so konnte es ihm doch entfernt nicht einfallen, den Schnittersleuten das Singen überhaupt verbieten zu wollen, wie dies ein halbes Säkulum später von einer nahen Amtsstadt aus geschehen sein soll.

Da es dem fruchtreichen Gau zur Erntezeit an Arbeitskräften fehlt, so kam – wie heute noch – regelmäßig Aushilfe vom benachbarten Heuberg oder von den nächsten Schweizerorten daher, jede Schar unter der Obhut eines besonderen Schnittmeisters. Auch Kinder mit Säcklein zum Ährenlesen waren dabei. War ein Großbauer nicht ganz von der filzigen Sorte, so ließ es sein in diesem Punkte löblicher Stolz gewiß nicht zu, seinem Gesinde das Zusammenrechen hinter dem Garbenbinden her zu gestatten. – Das Verzettelte sollte eben lediglich den Armen gehören.

Bevor es ganz einwinterte, war unserm jungen Freunde noch ein unverhofftes Zusammentreffen vorbehalten. Die Heugabel auf der Schulter, war er mit dem Meister und seinen Leuten zum oberen Tor hinausgeschritten, auf der Schlehwiese noch einiges Ohmdgras einzuheimsen, als von dem Wege, welcher nach dem Roten Rain führt, ein wohlbekannter Pfiff sein Ohr traf.

Das Zeichen kam von einem Patrone, welcher auch dem Leser nicht zum erstenmal vor die Augen tritt. Der Kommende trug über der Schulter, an einem glattgeschälten, äpfelbaumenen Stock, eine Anzahl Vogelkäfige, unter dem Arme, in ein hochrotes Nastuch gewickelt, eine Geige; die kurzen, hellgrün gestreiften Beinkleider waren am Knie mit flatternden Bändeln befestigt; über dem rot und gelb getupften „Leible“ glänzte eine herzförmige silberne Busennadel zum Anheften des leicht geschlungenen Halstüchleins.

Ein breiter Filzhut mit Pfauenfedern und ein zinnener Schlagring mit schwerem Knopfe am kleinen Finger der rechten Hand, womit schon manche Stirn und Nase blau oder rot gesiegelt worden, vollendeten das Kostüm eines Landfahrers; und daß es der Lange Hans sei, bedurfte für Hieronymus keines zweiten Blickes. Er war, vom Walde kommend, seiner Bande vorangeschritten, die Baar der Kirchweih willen zu besuchen.

„Auf e paar Wörtle!“ raunte er dem stehengebliebenen Hieronymus zu, indem er ihn etwas auf die Seite nahm. „Der Zufall hot mer ‚en Gang verspart; schau“, sagte er geheimnisvoll, als sie allein waren, „di haun i grad aufsuche wölle!“
-„Ihr kommt von daheim?“ fragte Hieronymus. „Es sind doch alle g’sund und wohl?“
„Alls g’sund und wohl!“ bestätigte der Lange. „Schau! Du woißt gar nit, was de for e Glückskind bist, Gott soll mi leaba lau – wenn’s nit wohr ist. Schau, i hau der no e b’sundere Gruß ausz richte von enere G’wisse – de kennst mi scho – Hieronymus!“ lispelte er verschmitzt, „schau, i hau der was z’bringen; i kenn reiche Bauresöhn, en Finger vo der Hand gäbet si drum, wenn ihne so was passiere tät; roht, was haun i do, Männle?“ Mit diesen Worten zog er ein Päcklein aus der Rocktasche.
„Ihr macht Spaß, Hans“, meinte Hieronymus, mit forschendem Blick auf den Langen.
„Koi bißle!“ versetzte dieser. – „Schau, i will di nit lang im Wunder lau -’s Laubhauserbaure Töchterle hot mer auftrage, i soll di schäa grüeße – und do schickt dir das Dundersmädle ne Krämle – i haun ihr’s sealber b’sorge müesse auf’m Vöhrebacher Johrmärkt; i hau scho lang g’merkt, wo Barthle de Most holt!“ Dem jungen Burschen war das Blut ins Angesicht geschossen; der Lange hatte ihm das Päcklein überreicht. Der Empfänger aber war unwillkürlich mit der Hand in die Tasche gefahren, als wollte er den wohlverdienten Botenlohn herauslangen. „Hans“, sagte er nach einigem scheinbaren Grübeln, „ich hab kein Münz, wenn Ihr aber nach der Kirchweih wieder bei mir einspreche wollt „
„Hot nix z’sage, Hieronymus! Schau, i bin die best Seel im ganze Ländle, und wenn i nor älle Leuta healfa könnt – als Menschefreund – beim Dunder, tät’s!“ – Bei diesen Worten hatte der Landfahrer seinen Hut aufs linke Ohr gedrückt; „mer schwätze noch später mit’nander von deare Sach – adjes!“ sagte er, mit einem Händedruck und streifte im Fortgehen ein Blatt vom nahen Weidenbusche, um darauf die Melodie des Liedes: „Und du kennst mi au mit“ zu pfeifen. Hieronymus aber eilte rasch seinen Leuten nach.

Das Ohmd auf der Wiese war bald in Schober gehäufelt, und der Lehrling erhielt vom Meister die Weisung, auf den Fuhrmann zu warten. Kaum sah der Zurückgebliebene sich allein, als er, aufs duftige Ohmdgras niedergelassen, sein Päcklein bedächtig und nicht ohne einige Beklommenheit öffnete. – Ein schwarzseidenes Halstuch mit roten Zipfeln fiel ihm in die Augen, dabei ein Schreiben von seiner ehemaligen Schülerin: Dieses wenige, schrieb sie, schicke sie ihm für den Kleiderkasten, den er ihr so schön renoviert und für welchen sie ihm noch nichts habe geben können. „Mich und Deine Mutter“, schloß der Brief, „dunkt es schon eine halbe Ewigkeit, seit Du fort bist, und wir reden oft von Dir und hat Dich noch keins vergessen, und wenn wir beten, beten wir auch für Dich.“ – Unten am Rande des Schreibens hatte die Briefstellerin noch ein Verslein beigesetzt:

„So viel Tröpflein in dem Meer,
So viel Sandkörnlein hin und her,
Als Blatt und Früchten an Bäumen sein,
Als Strahlen hat der Sonnenschein,
Als Gras und Kraut die Erde tragt,
Als Stern und Geist der Himmel hat,
So viel hunderttausend Mal seist Du gegrüßt.“

Er lag noch lange träumerisch auf dem weichen Lager und schaute aufwärts in die Luft. In den abgemähten Stoppeln zirpten die Grillen ihr eintöniges Lied, und von den nahen Schlehenbüschen zitterten vergilbte Blätter schon herbstlich zu Boden, aber Hieronymus war es zumute, als breche eben der Frühling an mit all seinen Knospen und Blüten; und wenn er hinüberschaute nach den dunkelblauen Höhenzügen des Schwarzwaldes, wo der Rauch von den Kohlenmeilern wie Säulen in die stille Luft aufstieg und das ferne Rufen und Singen vereinzelter Hirten in den Wiesen umher durch die Landschaft klang – so glaubte er tausend Grüße zu vernehmen aus der Heimat.

Der Fuhrmann war gekommen, der Wagen geladen, und der Glückliche bestieg ihn, um mit dem Hochgefühl eines Siegers durch das Tor in die Stadt einzuziehen. Die Winternebel lagen auf der Landschaft, und schon hatte es der Lehrling so weit gebracht, daß ihn sein Meister für würdig hielt, einen erst kürzlich entdeckten Grundpfeiler der bildenden Kunst kennenzulernen. Es war , die durch Vereinigung der Natur und Kunst auf den rechten Grund und Grad der Vollkommenheit gesetzte Zeichnungswissenschaft oder Proportion der Figuren von der Geburt bis zum vierundzwanzigsten Jünglingsalter«. Ein Werk, worin, beiläufig gesagt, die leibliche Gestalt des Menschen mit ebensoviel Sicherheit und Scharfsinn ausgemessen war wie seine geistige Natur in gewissen philosophischen Abhandlungen der alten und neuen Zeit. – Hieronymus brachte das Heft oft zu seinem Freunde Severin, wo die beiden im warmen Stüblein manche Mußestunde mit Zeichnen und Tuschen zubrachten.

Unter solchen Beschäftigungen verging der Winter; Advent, Weihnachten, der Neujahrstag waren vorüber sowie der Dreikönigstag; und man näherte sich der Zeit, von welcher es heißt: Lichtmeß bei Tag eß, das Spinnen vergeß. – Die Fastnacht fiel heuer ziemlich frühe, und Hieronymus freute sich, das ungewohnte Leben und Treiben dieser Tage einmal mit ansehen zu können.

Bereits einige Tage vor dem „schmutzigen Donnerstag“ , dem ersten der drei Narrentage, sah man allabendlich die Gassenjugend vor dem Untertor versammelt, wo der Baptistle, ihr Liebling, wohnte. – Welch ein Jubel und Geschrei, wenn bald da, bald dort an einem Fensterlein des Tores der Kopf des närrischen Kauzes in wunderlicher Grimasse, ähnlich dem Lällekönig zu Basel, zum Vorschein kam – oder wenn eine Hand herausfuhr, welche Wolken von Puder unter den Haufen streute – oder wenn durch irgendeinen Spalt des alten Gebäudes plötzlich eine große Schlange unter das jugendliche Publikum raschelte, die, ehe sie erhascht werden konnte, ebenso schnell wieder oben verschwand.

Baptistle bewohnte sein Torstüblein, wie Diogenes sein Faß, in Armut, aber in philosophischer Geringschätzung alles dessen, was die Menschen irdische Güter und Schätze zu nennen pflegen. – Hinter dem grünen Kachelofen lagen in bunten Haufen seine Narrenkleider, zusammengeflickte Fetzen, seltsame wunderliche Trachten, welche ihm in Ermangelung eines Bettes das ganze Jahr hindurch zum Lager dienen mußten, weshalb er auch zu sagen pflegte: es gehe nichts über ein Federbett, er habe nur eine einzige Feder darin und schlafe herrlich wie ein König, wie gut müßten erst diejenigen schlafen, die viele darin hätten. Eine gräuliche, an vielen Stellen schon geflickte Riesenschlange nebst einem ausgestopften Kalb, dessen Kopf und Hinterteil einst vergoldet gewesen, teilten mit dem närrischen Patron den engen Stubenraum. – Es war dieses Getier das einzige, was er aus der Erbschaft seiner seligen Großmutter als wünschenswert an sic gezogen, und stammte ursprünglich aus einer Zeit, in welcher man für gut gefunden, moralisch-deklamatorische Aufzüge statt der altväterischen Fastnachtspossen dem Volke zur Erbauung vorzuführen. „Ludendo corrigo mores!“ lautete das Motto auf einem noch vorhandenen Programm. Bei solch einem Umzug, wobei in Begleitung von Instrumental- und Vokalmusik die sieben Todsünden dargestellt wurden und wobei auch die Großmutter des Baptistle mitgewirkt hatte, dienten jene Tiere als symbolische Beigaben.

Wenn unser moderner Diogenes auch keinen eigentlichen Lebenszweck zu kennen schien, denn seine Narrheit war rein um ihrer selbst willen da, und grünte, um zu grünen, wie das Semper vivum, so war er doch in Wirklichkeit nicht ohne Sorgen. Diese aber bestanden nicht etwa darin, daß er sich gekümmert hätte, was er wohl morgen essen werde (dafür ließ der Philosoph unsern Herrgott und gute Leute sorgen), sein Sinn bezog sich lediglich auf die Instandhaltung und zweckmäßige Vermehrung seiner Narrengarderobe. – Ein Geschäft, welches, wenn auch unbewußt, von manch andern, sich weise dünkenden Menschenkindern ebenso sorgsam gepflegt wird!

Sah unser Baptistle eine schön geputzte Person in neuen Kleidern über die Gasse gehen, so konnte man sicher sein, daß der Narr alsbald bei jener seine Aufwartung machte, bittend um einige Abfälle von dem neuen Prachtgewande; ja, ich glaube, wäre ein neuer Alexander vor ihn hingetreten mit der Aufforderung: eine Gnade sich zu erbitten – Baptistle hätte nur um einen einzigen Zipfel des königlichen Purpurs gebeten, um damit seine Narrenjacke zu flicken!

Einmal war allgemeine Landestrauer und das Narrenlaufen von Amts wegen verboten; man mußte sich, wenn auch ungern, fügen. Baptistle aber vermochte es nicht zu überwinden, daß sein Dichten und Trachten eines ganzen Jahres, gerade als er die Früchte davon zu ernten vermeinte, verkümmert und vernichtet werden sollte. Er ging, dem Herrn Amtsrat seine untertänigste Aufwartung zu machen und demütigst die Bitte vorzutragen: ob es ihm nicht wenigstens gestattet werden möchte, maskiert den Kopf durch das Fenster zu stecken? – Dies allenfalls konnte, unbeschadet des Ansehens der obrigkeitlichen Verfügung, verwilligt werden. – Mit vielen Bücklingen nahm Baptistle die gnädigste Erlaubnis entgegen, und mit schmunzelnder Miene sah man ihn seinem Stüblein zuschreiten.

Des anderen Morgens, am Schmutzigen Donnerstag, als der Herr Rat in Seelenruhe sein Pfeifchen zum Fenster herausschmauchte, denn die Frau Rätin liebte den Qualm im Zimmer nicht, entsteht gewaltiger Rumor auf der Gasse; der Stadtknecht stürzt zur Tür herein: „Der Baptistle“, berichtet er atemlos, „erfrecht sich – narrenzulaufen!“
„Augenblicklich her mit ihm“, befiehlt mit zornglühendem Antlitz der Rat. – Und man führt den Kontravenienten vor den gestrengen Herrn. – Baptistle hatte sein stattliches Narrenhäß angetan und ein Schiebfenster als Halskragen über den Kopf gestülpt.

Überrascht starrt der Amtmann bald den Baptistle, bald dessen seltsame Halskrause an, dann aber fährt er heraus: „ Wer hat Ihm erlaubt?“
„Gestrenger Herr!“ entgegnete der Schalksnarr mit tiefer Reverenz, „haben mir ja Permission erteilt zum Maskieren und den Kopf zu meim‘ Fenster rausstrecken zu dürfen. – Das hier ist mein Stubenfenster, wo ich rausschau!“ — Ob diesem Gebaren war selbst richterlicher Ernst nicht mehr haltbar, und mit gnädigem Lächeln gab der Rat den Bescheid: „Für diesmal soll es Ihm hingehen, aber auf den Gassen laß er sich hinfüro nicht mehr blicken – verstanden?“ Der Baptistle geht.

Aber am zweiten Fastnachtstag erblicken die Einwohner des Städtleins oben am Schellenberger Wald ein seltsames Schauspiel. – Es war unser Eulenspiegel mit der Schuljugend, welcher eingedenk der Worte des Stadtgebieters: sich nicht mehr auf der Gasse blicken zu lassen, das freie Feld zum Tummelplatz seiner Narrenstreiche gewählt hatte.

Aus diesem Vorgang hätte der Herr Rat wohl merken können, daß man einen tief gewurzelten Baum nicht wohl ausreißen kann, ohne daß einige Würzelein und Zäserchen zurückbleiben, welche von neuem ausschlagen.

Als diesmal der erste Fastnachtsmorgen angebrochen, hatte sich gleich nach dem Gottesdienste wieder die ganze Kinderschar vor dem Untertor versammelt. – Als der Held nicht alsogleich erscheinen wollte, erhob sich wie bei einem Theaterpublikum Lärm und Spektakel. – Endlich rumpelt es auf der Stiege – Baptistle erscheint – und zwar in der Gestalt eines „Eselsreiters“. – Unter dem scheckigen Waffenröcklein schaut der hölzerne Kopf des Langohrs hervor, auf welchem der Ritter, im Sattel sitzend und die Zügel in der Hand, zu reiten scheint, während auf der Kehrseite Schwanz und Hinterteil des Tierleins zu schauen sind. Über der Schulter hängt die ausgestopfte Kälberhaut, eine malerische Beigabe, die ihrem Träger beinahe das Ansehen eines in die Neuzeit übersetzten Herkules verlieh.

Donnernder Jubelruf erschallt beim Anblick des Heros, der, seiner Rosinante die Sporen gebend, kühn unter den Haufen sprengt – fort bewegt sich der Troß -, während der Ritter, wie Zeus seine Blitze auf verweglich nahende Sterbliche, sein an einem Stricke befestigtes Kalb den neckenden Buben stäubend auf den Rücken schleudert. Gaß auf, Gaß ab, durch Dick und Dünn geht der Ritt, und die begleitende Schar, blau vor Zeter und Rennen, läßt im Chorus die Narrenverslein erschallen:

Alle Vöglele singet so hell
Bis am Samstig z’Obed!
Alle Meideli hättest mi gern,
O! wie bin i ploget!
Narroh!

Hideli, hädele, hinterm Städtlele
Hät en Bettelma Hochzit,
Es giget e Müüsli,
Es tanzet e Lüüsli,
Es schlagt en Igeli Trumme,
Alle Tierli, wo Wädeli hond,
Sollet zur Hochzit kumme!
Narroh!

Somit war die Fastnacht eröffnet, dem Faß der Zapfen ausgestoßen, und nach dem Sprichwort: „ein Narr macht hundert“, ließ sich mancher vorher unentschlossene Geselle bewegen, einzusteigen ins allgemeine Narrenschiff und die zwei- oder dreitägige Lustfahrt mitzumachen.

Doch sehen wir uns gelegentlich auch einmal nach unserm Lehrling um, welche Rolle denn dieser gespielt. Wenn es schwer ist, in solch bewegtem Durcheinander den einzelnen im Auge zu behalten, so darf doch als gewiß angenommen werden, daß Hieronymus weder unter den Maskierten noch auf dem Tanzboden zu finden gewesen; denn unsere Voreltern hatten den einfältigen Glauben, daß einem Lehrjungen (so wie auch einem Schulpflichtigen) noch keine Stelle allda gebühre, und daß ein solcher, dort betroffen, von Meistern und Gesellen nach Haus gejagt zu werden verdiene. Deshalb dürfen wir mit gutem Grund annehmen, daß er unter den Zuschauern sich befunden, ein Platz, der diesmal besonders ergötzlich gewesen sein mochte.

Es waren zu jener Zeit die alten, etwas in Abgang gekommenen Nationalmasken, die „Hansel“, oder wie sie auch heißen, die „Narro“ wieder in Aufnahme gekommen; denn weil Narrheit und Mode sozusagen Geschwisterkind sind, so unterliegt auch erstere dem Wechsel der Zeit und der Laune.

Das „Häß“ dieser Hansel war kurz vorher in der Werkstatt des Meisters Amtsdiener hübsch renoviert, d. h. bunt bemalt worden.

Der Hansel oder „Heine“, in den Städten Rottweil, Villingen, Donaueschingen und Hüfingen sowie in mannigfacher Abwechslung in der Seegegend heimisch, erscheint als ein Gemisch des altdeutschen Pickelhärings und des italienischen Pantalone. Eine große Holzlarve, „Scheme„, bedeckt das Gesicht, eine Kapuze mit hängendem Fuchsschwanz, zuweilen auch ein breiter Kragen, zieren Kopf und Hals. Die weite Jacke, die schlotterige Hose, beide von weißem Zwillich, bemalt mit Laubwerk und Figuren, und die kreuzweis übergehängten Riemen mit schweren metallenen Schellen sind die Kleidung des Hansels. – Als Waffe schwingt er den hölzernen Flamberg oder die Pritsche, oder er bedient sich der weit ausgreifenden „Narrenscher“. – In allen Häusern ist ihm Zutritt gestattet; und hat er hier die Bolzen seines Witzes verschossen oder gestrehlt, wie die Villinger sagen – so betritt er sein eigentliches Lustrevier, die Gasse, wo die dankbare Jugend seiner harrt -; und daß er ja in Gang und Haltung sich nicht verrate, bediente er sich des üblichen „Narrensprungs“, unnachahmlich jedem Hergelaufenen, d. h. Fremden.

Unser Bildchen soll eine solche Hanselsszene veranschaulichen. Gelockt von Apfelkorb und Bierkrug, umschwärmt ein tobender, schreiender, haschender Haufe den Hansel, fort geht es im Takte des Schellengeklingels, und aus hundert Kehlen erschallt es lustig:

I ha de Narr am Seile,
I han e recht erwischt;
I laß en nimme renne,
Bis d’Fasnet umen ischt!

Narro, Narro siebe sie,
Siebe, siebe Narro gsi;
Narro, Narro Gigeboge,
Was de seist, isch all’s verloge.
Narroh!

Nicht immer iedoch sind’s die alten Liedle, welche der jugendliche Troß dem „auswerfenden“ Hansel singt; manchmal bringt dieser ein neues, eigens auf bestimmte Persönlichkeiten oder Ereignisse gereimtes auf’s Tapet. – Erscheint er aber „nüchtern“, d. h. mit leeren Händen, dann muß er sich’s gefallen lassen, selbst die Zielscheibe des Spottes zu werden:

Hansele, due Lumpehund!
Häst nit g’wißt, daß d‘ Fasnet kummt?
Hättest ’s Muul mit Wasser g’riebe,
Wär der’s Geld im Beutel bliebe!
Narroh!

Dem guten Wälderkinde Hieronymus wollte das Tollen und Treiben des närrischen Theaters fast befremdlich vorkommen; ja, es war ihm anfangs unheimlich zumut, wenn ihn so ein schellenbehangener Narr auf der Straße anredete und er dann – in die finstern Augenhöhlen der großen, lächelnden Holzlarve blickend – nicht recht wußte, wie er den „hänselnden“, foppenden Ton des Schalkes passend erwidern sollte. Und da er, wie schon angedeutet – ohnedies als Lehrling zur Passivität verurteilt war, so entschloß er sich, die freie Zeit des letzten Fastnachtstages zu einem Besuch im stillen Dorfe der betagten Großeltern zu benützen. Des andern Tages, am Aschermittwoch, wollte er dann, über Villingen zurückkehrend, seinen Freund Severin aufsuchen, der dort im Wirtshaus „Zum Hecht“ jedesmal über diese Zeit bei der Tanzmusik mitwirkte. Die „Hecht“-Wirtin war die Patin des musikalischen Altgesellen, und dieser nicht der Mann, einem sich darbietenden Nebenverdienst so leicht den Rücken zu kehren.

Auch dort, in der alten vorderösterreichischen Reichsstadt, stand dazumal die Narrenzunft im höchsten Flor. Der erste Tag, der schmutzige Donnerstag, gehörte in Villingen ehedem ausschließlich der Schuljugend; da hatten die Buben das Recht, narrenzulaufen. Fiel es aber einem Jungen ein, auch an den folgenden Tagen maskiert unter die Erwachsenen sich zu mischen, so wurde er ergiffen und zur Abkühlung des allzu hitzigen Narrengeblüts in den nächsten Brunnen getaucht.

Die derben, mitunter anstößigen Späße und Possen der früheren Zeit, die rücksichtslosen Kundgebungen und verletzenden Persiflagen in Prosa und Versen sind überall verschwunden und haben löblicherweise einem harmloseren Humor das Feld eingeräumt; ebenso manche der unschönen, ständigen Figuren der alten Narrenbühne, wie zum Beispiel die „Hexe“ und der „ Wuest„, die es mit ihren Besen in der Hand lediglich auf Scharmützel mit den Gassen-buben abgesehen hatten, sowie auch der wild sich gebärdende „Butzesel*, der stets von einer Anzahl Narros begleitet sein mußte, die ihn mit Peitschenhieben von beliebten Angriffen auf das, namentlich ländliche, Publikum abzuhalten hatten.

Wueschtvater a.D. Roland Weißer

Als der Held unserer Erzählung, nachdem er bei den Großeltern übernachtet, am Aschermittwoch-Nachmittag die Stadt Villingen betrat und über den Marktplatz schritt, bemerkte er dort viele, müßig um ein schwarzes Gerüst herumstehende Leute, und weiterhin in einer Gasse sah er leidtragende Männer in schwarzen Ratsmänteln mit langen, flatternden Trauerflören daherkommen. – Schon wollte er einen Vorübergehenden fragen, was für eine vornehme Person denn begraben werden solle, als ihm einfiel, es werde wohl der alten Fastnacht gelten. Denn schon in Hüfingen hatte er gehört, daß heute auch dort die Fastnacht „begraben“ werden sollte.

Mit Severin, den er richtig noch im „Goldenen Hecht“ traf, konnte er sodann Zeuge sein von dieser, im Charakter damaliger Zeit liegenden (jetzt aber erfreulicherweise nicht mehr gebräuchlichen) Zeremonie. – Nachdem sie im Wirtshaus zusammen eine Flasche geleert und sich die von der Gotte „Hecht“-Wirtin zubereiteten Fastenküchle trefflich schmecken lassen, begaben sie sich auf den Marktplatz, wo man auf einer Art Sarkophag die irdischen Reste der Entschwundenen – in Gestalt eines mit Stroh ausgestopften Narros – bereits enthüllt auf dem Paradebett liegen sah.

Mittlerweile hatte der Zug sich gebildet. In den wunderlichsten An- und Aufzügen, eine antiquarische Blumenlese aus allen Gerümpelkammern des Orts, waren die Teilnehmer herbeigekommen, ohne Larven, nur mit bemalten oder berußten Gesichtern. Die Agnaten und nächsten Anverwandten der allerhöchst Vergangenen trugen alle schwarze Ratsmäntel, von welchen sich dazumal in jedem Hause mindestens ein Exemplar vorfand, weil kein Bürger ohne diesen Mantel vor Rat erscheinen durfte. – Unter lautem Wehklagen und Seufzen setzte sich der Kondukt in Bewegung, voran die Totengräber und der Standartenträger, hinter ihnen die von vier Narro getragene Bahre, dann sämtliche in Sack und Asche trauernden Zunftgenossen, und ganz zuletzt trippelte – als Hauptperson der Feierlichkeit – die „Leidfrau“, in einem Kostüm, wie die Hex vor Tag, wie man zu sagen pflegt. Aller Spott, alle schlechten Witze, gereimt und ungereimt, wurden von den das Geleite umschwärmenden Zuschauern auf die Leidfrau losgelassen, die in unbändigstem Schmerze sich die Haare ausraufte und ganze Fetzen aus ihrer antiken Gewandung riß.

Am meisten Spaß hatten Hieronymus und sein Begleiter an der Person des mit vielen hohen – nunmehr aber schwarzverschleierten Orden gezierten Hofastrologen der jüngst verwichenen Herrscherin, der gravitätisch unter den übrigen traurigen Hof- und Kammerlakaien einherschritt. Durch den oberen Teil einer Kunkel schaute der gelehrte chaldäische Doktor, wie durch ein Fernrohr, beständig nach den Sternen, als sollten dort – wie dies beim Tode mächtiger Potentaten schon der Fall gewesen sein soll – außerordentliche Zeichen und wichtige Ereignisse verkündende Konstellationen sich zeigen; und eben wollte er dem mutwilligen Publikum den nahe bevorstehenden Weltuntergang prophezeien, als er – zum nicht geringen Gelächter der Zuschauer – auf einer, durch das herrschende Tauwetter schlüpferig gewordenen Stelle ausglitschte und – ziemlich unsanft zunächst an seine eigene Hinfälligkeit erinnert wurde.

Das Ziel des Zuges war – eine bittere Ironie auf den Ausgang aller menschlichen Lust und Herrlichkeit – der große Dung- und Kehrichthaufen am Spital, der den Leichnam aufzunehmen bestimmt war. Große Eile hatte es übrigens damit nicht; denn überall, wo man unterwegs ein Wirtshaus traf, wurde haltgemacht und das grambeschwerte Herz mit der süßen Bacchusgabe zu erleichtern gesucht.

Am genannten Orte angekommen, ging sodann die Versenkung mit allerlei Parodien und einer Predigt vor sich – wobei manche alte Narren – wie Hieronymus und Severin zu bemerken glaubten – in ihrem Katzenjammer wirkliche Tränen vergossen – wahrscheinlich im betrübenden Gedanken an ihre so leicht gewordenen Geldbeutel und an die Buß- und Fastenpredigten, die ehelicherseits zu Hause ihrer warteten.

Unsere Schilderung aber sei mit dem bis auf den heutigen Tag noch gültigen Sprichworte geschlossen:

Würden alle Narren Kolben tragen, so würde das Holz teuer.


Drei Filme der Hüfinger Fasnet von 2015



Hier noch zum Vergleich ein Filmchen von 2014 mit Villinger Narros

Und weil es so schön passt hier noch der Hexensunntig in Bräunlingen 2011

Landfahrerleben
Heimreise

Hieronymus
Das Buch von Lucian Reich 1858

Der Hüfinger Künstlerkreis

Johann Nepomuk Heinemanns „Hieronymus“

Sich auf Französisch empfehlen

Vor kurzem fiel mir der amerikanische Ausdruck „Irish Exit“ wieder ein und ich habe mal gesucht, was das Netz hier her gibt.

Was ist ein „Irish Exit“?

Ein Irish Exit ist das lautlose Verlassen einer gesellschaftlichen Veranstaltung, ohne sich zu verabschieden – die diskrete Kunst, sich unbemerkt aus dem Staub zu machen. Eine elegante, manchmal auch rettende Lösung, wenn Gespräche sich endlos ziehen, die Luft zu schwer wird oder die eigene Energie leise den Raum verlassen hat.

Man könnte sagen: Der Irish Exit ist die höfliche Alternative zur umständlichen Flucht mit mehrfachen Entschuldigungen, Handshakes und der Versicherung, es sei „wirklich sehr schön gewesen“. Stattdessen verschwindet man sanft aus dem Blickfeld, beinahe wie eine Randnotiz im Abend. Bei einem gelungenen Irish Exit weiß am Ende niemand genau, wie lange man geblieben ist – oder wann man gegangen ist.

Bemerkenswert ist, dass diese Form des eleganten Verschwindens in vielen Sprachen existiert, allerdings stets mit einem kleinen Seitenhieb auf andere. Im Deutschen sagte man früher sich auf Französisch empfehlen. Die Franzosen wiederum nennen genau dieses Verhalten filer à l’anglaise – sich auf englische Art davonmachen. Im Englischen heißt es to take an Irish leave, also „auf irische Weise gehen“.

Im Italienischen spricht man vom andarsene alla francese, im Spanischen von despedirse a la francesa – beide Male verabschiedet man sich „auf französische Art“, also gar nicht. Jede Sprache schiebt die kleine Unhöflichkeit charmant einem anderen Volk zu. Ein internationales Pingpong der guten Manieren.

Das Chinesische ist in dieser Frage erstaunlich direkt. Die Redewendung 不告而别 (bù gào ér bié) bedeutet schlicht: „gehen, ohne sich zu verabschieden“. Kein nationales Augenzwinkern, keine diplomatische Schuldzuweisung – nur die klare Beschreibung des lautlosen Verschwindens.

So zeigt sich: Der Wunsch, sich gelegentlich unauffällig aus dem Staub zu machen, ist universell. Nur die Verantwortung dafür geben wir gern weiter.

Gruss an die Baar

vom 3. August 2021

Mi Hoamet uff de liebe Boor,
si liit mier halt am Herze,
ech mag mech wehre we ech will,
ech ka si nitt verschme
rze.
Gottfried Schafbuch

Die Kantate Mii Boor – Mii Hoamet nach Versen des Hüfinger Ehrenbürgers und Heimatdichters Gottfried Schafbuch, wurde im Mai 1965 anläßlich des 6. Verbandsmusikfestes des Blasmusikverbandes Baar-Schwarzwald in Hüfingen uraufgeführt.

Dieses mehrteilige Gesangsstück mit instrumentaler Begleitung wurde damals von der Stadtmusik und dam gemischten Chor des Liederkranzes zu Gehör gebracht. Der Marsch „Gruß an die Baar“ bildet den Schluß der Kantate, für die Alfred Kluten die Musik schrieb.

Alemannische Geschichten. Inhalt. 2. S'Rotkäppli von Gottried Schafbuch, Hüfingen
S’Rotkäppli von Gottried Schafbuch aus dem Jahr 1970

Herrgott, segne du iiseri Boor,
schütz iiser Schtädtli lieb,
vor Elend, Not und G’fohr.
Mier wennt dankbar sii,
d’Hüfinger Liit, treu und wohr fer alli Ziit
Boor, o Boor, mii Hoamet bischt du.
O Boor, o Boor, mii Hoamet bliibscht du.

Gottfried Schafbuch

Stadtmusik Hüfingen 1984, Leitung von Günter Walter, Gruß an die Baar
Marsch aus der Kantate Mi Boor, mi Hoamet von Gottfried Schafbuch. Komponist: Alfred Kluten

Lösung vom Rätselgebilde

Liebe Bürgerpostleser, 

ich muss sagen, die Rätselbilder hatten es in sich. Es haben einige sich an die Aufgabe gewagt, sie lagen aber daneben. Am häufigsten wurde der Schleimpilz Hexenbutter genannt, einige vermuteten, dass es sich um die Eiablage von der Gottesanbeterin oder der Wespenspinne handelt. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat Ingeborg Jaag aus Hüfingen. Sie schrieb, „das ist die Kinderstube einer Wespenart“. Auf die Frage, ob sie so etwas schon gesehen habe, kam die Antwort, „sie habe einen Garten und dort sie habe so etwas schon gesehen“. Hut ab und herzlichen Glückwunsch Ingeborg Jaag, sie hatte als einzige die richtige Spur. 

Kinderstube einer Wespenart mitten im Winter, klingt das nicht schier gar utopisch? Also, ich habe die Hilfe von Dr. Hans-Peter Straub, dem Naturschutzamtspensionär aus Königsfeld gebraucht, weil eine Schnellrecherche im Internet nichts Vernünftiges brachte. Er schickte mir den Link:
Brackwespen © Mag. Angelika Ficenc – tierspuren – Spuren auf Schritt und Tritt.

Der Entwicklungszyklus von Brackwespen ist eine hochspezialisierte, parasitische Abfolge, die meist in vier Stadien verläuft: 1. Eiablage mit Legebohrer im oder ohne Legebohrer am Wirt, 2. Larvenentwicklung, 3. Verpuppung oft in Kokons und 4. Erwachsene. Die Larven fressen ihre Wirte, Schmetterlingsraupen oder Käferlarven, von innen oder außen, wobei der Wirt stirbt. Der Zyklus dauert bei optimalen Temperaturen von über 20° C nur etwa 10–12 Tage. Die Larve verpuppt sich entweder im Inneren des Wirts oder spinnt einen Kokon auf oder neben dem toten Wirt. Die fertige Brackwespe schlüpft, paart sich und beginnt nach kurzer Zeit (oft nach wenigen Tagen) mit einer erneuten Eiablage. Sie lebt höchstens 30 Tage. Brackwespen sind als Nützlinge in der Landwirtschaft und im Vorratsschutz von Bedeutung, da sie Schädlingspopulationen (z.B. Mottenlarven) stark dezimieren. Der Kokon, den wir hier auf den Fotos sehen, gehört höchstwahrscheinlich zur Kohlweißling-Brackwespe. Denn diese überwintert darin als verpuppungsbereite Altlarve, bis sie im Frühjahr ausschlüpft. Wie denkt Ihr über diese Geschichte? Ich kann nur sagen, ein wahrhafter Oberhammer. 

Auf der Webpage Schadbild wird hier gezeigt, wie sich die Räupchen der Kohlweißlig-Brackwespe über eine Kohlweißlingraupe hermachen. Da wird sicher nichts mehr übrigbleiben. Die Brackwespen sind relativ klein, in der Regel keinen Zentimeter groß.  

Ein herzliches Dankeschön Karl Wild aus Maichingen, dass er die Bilder zur Verfügung gestellt hat. Dann Hans-Peter für die Hilfestellung und Euch allen, die Ihr mitgemacht habt. Für Ingeborg Jaag nochmals ein herzlicher Glückwunsch zur Rätselslösung. 

Rätselgebilde

Rätsel vom 28. Januar 2026

Liebe Bürgerpostleser, 

heute seid Ihr gefragt. Ich möchte Euch drei Bilder von Karl Wild vorstellen, die er Ende Dezember/Anfang Januar 2026 in Maichingen, einem Ortsteil von Sindelfingen aufgenommen hat. 

Wer hat eine Idee, um was es sich handelt? Hat jemand von Euch so etwas schon gesehen? Ich bin gespannt, ob jemand auf die Lösung kommt. Die Gebilde sind etwa 2,5 cm lang und haben einen Durchmesser von 1,5 cm. Mehr Hinweise gibt es nicht. Die Lösung erfolgt das nächste Mal. Also viel Freude beim Recherchieren. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Maria-Lichtmess

Genau 40 Tage nach der Heiligen Nacht ist mit der Weihnachtszeit endgültig vorbei. Das Fest knüpft an das Lukas-Evangelium an, wonach Jesus wie alle jüdischen Erstgeborenen 40 Tage nach seiner Geburt von seinen Eltern zum Tempel in Jerusalem gebracht und dem Herrn „dargestellt“, also geweiht wurde.

Bis Lichtmess wurde früher in den Abendstunden und bis lange in den Morgen hinein bei Kerzenlicht gearbeitet. Die Menschen haben in der immer länger dauernden Dunkelheit das Wirken böser Mächte gesehen, die mehr und mehr Gewalt über die Erde gewinnen wollten. Am Michaelistag sollten die Gläubigen daran erinnert werden, dass Gott Macht hat über Kälte, Unbarmherzigkeit und Tod.

Der Erzengel Michael gilt als Lichtbringer in der Dunkelheit, als derjenige, der die Seelen der Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits begleitet. Er gilt als Bezwinger des Satans in Gestalt eines Drachens. Michael wird mit den Attributen Waage und Flammenschwert dargestellt.

Ein alter Brauch ist es, am Vorabend vom Tag des heiligen Michael im Haus eine Kerze und draußen ein Feuer anzuzünden. Das Michaelislicht zeigt, dass man nun bei der Arbeit wieder Licht braucht. Als es noch keinen Strom gab und Kerzen teuer waren, wartete man bis zu diesem Datum damit. Nach dem 2. Februar musste es dann erneut ohne künstliches Licht gehen:

Wenn’s zur Lichtmess stürmt und schneit – is des Frühjahr nimmer weit!
Is zur Lichtmess hell und rein, wird es no a langer Winter sein!
Lichtmess im Klee — Ostern im Schnee!
Maria Lichtmess bläst das Licht aus, St. Michael zündet’s wieder an.

Mariä-Liechtmeß von Gottfried Schafbuch

Heiliger Nepomuk

Mariä-Liechtmeß vorgelesen von Maria Simon

D‘ Liechtmeß duet a d’Sunn sech loane.
s‘ Büebli blooset d’Liechtli uus,
d’Feischterschiibli frindli blinzelt,
ghuuchet g’frorni Blüemli druus.

s‘ knöschbelt scho im Gart d’Schtuude
und de Dag bliibt länger schtau.
A de Kunkle ’s Wearch isch gschpunne
umme ischt z’Hogarde gau.

’s Waas ischt geweiiht und liit im Zeänli,
Kerze schlank und Schtöcki klei.
D‘ Modder duets zmol liebli schtriichle.
’s ischt e Taufkerz‘ schint’s debei.

Gottfried Schafbuch

Haus Nober

ergänzt mit Fotos und Infos, Originalbeitrag vom 16. Dezember 2022

Der Leinenweber, bzw. Tuchmacher Johann Martin Nober wurde am 9.01.1688 in Hüfingen geboren und verstarb ebenda am 27.11.1741. Ein Enkel, Joh. (C)Kaspar Nober (1765-1842) wurde Tuchmachermeister und kaufte das Haus an der Hauptstraße 5.

Katharina Schelble, geborene Götz (1760-1847)

Sohn Johannes Evangelist Nober (18.10.1806-11.02.1887) heiratet Katharina Schelble (1806-1871, Tochter des Korrekturhausverwalters Franz Josef Schelble und Katharina Götz). Mit der Heirat wird Luzian Reich der Ältere sein Schwager, da dieser mit der Schwester von Katharina, Josepha Schelble, verheiratet ist. Der Bruder der beiden Schwestern ist der berühmte Musiker Johann Nepomuk Schelble.

Die Fabrikantenfamilie Nober betreibt auch eine Weberei außerhalb in der Donaueschinger Straße.*

Johann Caspar Nober, 13.12.1765-17.08.1842

Josepha Reich geborene Schelble. (19.03.1788-12.11.1866)

Katharina Nober geborene Schelble
(09.08.1806-16.04.1871)

J.C. Nober ist hier der Sohn Johann Evangelist Nober 16.10.1806 -11.02.1887

Die Anfänge des Hauses Hüfingen Hauptstraße 5 sind nicht geklärt.

Haus J.C. Nober etwa 1900
1953
Haus Nober 1910
Haus J.C. Nober etwa 1930
Haus Nober 1978
1978
Verschwommenes Foto vom Bekleidungsgeschäft Haus Nober 1998
Haus Nober 1998

Die Hauptstrasse als wesentlicher Teil der Vorderstadt scheint nach einem Brand irgendwann um 1400 erbaut worden sein. 1702 Abriss des alten oberen Schlosses und Beginn eines Neubaus durch die Fürstenberger. Es werden auch Steine des alten hinteren Schlosses verwendet. Bis 1744 wohnte der Fürst von Fürstenberg zeitweise selbst im Schloss.

Das Haus Hauptstraße 5 muss irgendwie mit dem Schloss zu tun gehabt haben und möglicherweise  auf Grund der Stilrichtung in Richtung Barock zwischen 1702 und 1744 errichtet oder wenigstens modernisiert worden  zu sein.*

Auf einer Karte von 1786 besitzt das Haus schon den heutigen Grundriss (leider keine Quelle in dem Zeitungsartikel).

Alle Bürger Hüfingens, egal welchen Handwerks,  hatten  im Nebenerwerb noch etwas Landwirtschaft und so hatte auch das Haus Hauptstraße 5 noch bis 1960  eine Scheuer und noch Relikte von Aufbewahrungsräumen und möglicherweise kleine Stallungen.

Ende 18.Jhd war es nachweislich das Gasthaus zur Sonne.*

Das Sonnenkreuz trägt im Fuße des Sockels die Jahreszahl 1783

Thomas Winterhalder von der Kalten Herberge (Urach) hatte das Haus 1811 gekauft und war bis 1816 als Besitzer und Wirt eingetragen. Winterhalder war mit Maria Mayer (1769 –1813 ) verheiratet und hatte 8 Kinder, ein Sohn war Matthä Winterhalder (23.07.1799-18.11.1863). Thomas Winterhalder war Uhrmacher und dessen Sohn gründete ca. 1850-1860 die Firma Winterhalder und Hofmeier (W&H, Schwärzenbach). (Infos per E-Mail von Dr. Peter Schlesselmann).

Nach dem Tod von Maria Mayer hatte Winterhalder das Haus 1815 an seinen Pächter Fischerkeller verkauft und zog nach Fiedenweiler. Er hatte aber noch eine Hypothek von 2500  Gulden auf dem Besitz.

Im Jahre 1823 erwarb urkundlich Johann Caspar Nober das Haus Hüfingen Hauptstraße 5 durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder bzw. seinem Pächter und seit 1815 auch Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853).

Fischerkeller war mit Martha Engesser verheiratet (seit 1813) und baute sich ein neues Gasthaus zu Sonne an der Schaffhauser Straße.

Fischerkeller musste diese “Winterhalder- Hypothek“ auf sein neues Anwesen übertragen, damit  J.C. Nober den vollen Kaufpreis an Fischerkeller bezahlen und die Eigentumsübertragung erfolgen konnte. *

Grabstein auf dem Friedhof Hüfingen


Hier ruht
Johann Babtist Fischerkeller
geboren zu Donaueschingen den 21ten August 1749. 
gundler Kaplan zu Jungnau druch 13 – zu Kaseifingen G_ und endlich dazu ad 6. Blasium durch 26 Jahre ? seine irdische Laufbahn den 21 ten Juny 1852.
Gott gebe Ihm und allen ? die Ewige ? Amen

Aufnahme „Fischerkeller“ von 1880.
Vermutlich Ferdinand oder Mathias, Gastwirt zur Sonne

Mehr zu Fischerkeller und Curta gibt es in den Akten zum Rotrain aus 1835.

Caspar Nober stellte im Haus Webstühle auf und betrieb eine Woll-und Textilweberei. Er hatte das Geschäft der Weberei  von seinem Vater, Johannes Nober (16.12.1719-13.09.1788) und Großvater Martin Nober (9.01.1688 -27.11.1741) erlernt. (Fa. Martin Nober und Comp). 

In dem Universal Lexikon von dem Großherzoglichen Baden von 1843  steht unter anderem: „Hüfingen hat 238 Häuser…. Herr Xaver  Reich hat hier  ein Bildhaueratelier…. In diesem Schloss wohnen gewöhnlich die Witwen aus der Fürstenbergischen Familie. Unweit des Schlosses steht eine Nobersche Spinnmaschinenfabrik für Tuchweber, wobei 12 Arbeiter beschäftigt sind…..“*

Später betrieb Caspar Nober zusammen mit seinem Sohn Johann Evangelist Nober die Weberei in noch größerem Stil in der Schaffhauserstraße (nach dem 2. WK Schreinerei Schelble).  Firma Caspar Nober und Sohn.*

Maria Heinemann
(23.12.1857-19.05.1948)

Maria Josepha Heinemann am Brunnen an der Hauptstrasse 52 mit ihrer Cousine Elisabeth Heinemann (Grießhaber).
Maria Heinemann war die Tochter von J. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich, der Tochter von Luzian Reich.

Marie Heinemann und Joh. Karl Nober

Maria Nober
(geborene Heinemann) im Jahr 1878

Johann Evangelist jüngster Sohn (von 14 Kindern), Johann Karl Nober (11.04.1850-11.12.1920) heiratete Maria Josefa Heinemann (23.12.1857-19.05.1948) die Enkeltochter von Luzian Reich und Tochter des Litographen Joh. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich. Sie übernahmen später die Hauptstraße 5, handelten dort mit Woll- und Textilwaren und nannten sich J.C. Nober, wie schon der Vater in seiner Todesanzeige. Das Gründungsdatum des Geschäftes wurde auf den Beginn der Nobers in diesem Haus mit 1823 festgeschrieben.

Eingang mit alter Tür 1974

Glasnegativ von Wilhelm Kratt (1869-1949),
Generallandesarchiv Karlsruhe

Die Spinnerei in der Schaffhauser Straße wurde von seinen Brüdern weiterbetrieben und wurde 1875 geschossen.*

Klara Nober 1892
(06.08.1882-21.08.1961)

Klara Nober und Robert Rosenstiel 1913
Marie Heinemann gezeichnet von ihrem Onkel Josef Heinemann

Haus Nober etwa 1910

Robert Rosenstiel und Klara Nober. Im Hintergrund das Gemälde von Marie Heinemann.

Das Wollgeschäft des Johann Karl Nobers funktionierte erfolgreich weiter und wurde später an den Schwiegersohn Robert Rosenstiel aus Unadingen übergeben.

Maria Josepha Nober,
geborene Heinemann in der Hauptstr. 5

*Alle Daten und Infos sind aus dem Sippenbuch von Hüfingen und den unten aufgeführten Zeitungsausschnitten.

Hüfingen, 15. März 1927
Zur Zeit läßt Herr Kaufmann Robert Rosenstiel in seinem alten Patrizierhaus dem ehemaligen Gashaus zur Sonne die Zimmer renovieren. Dabei wurden im oberen Stock die Deckengemälde blosgelegt, von deren Vorhandensein die Familie wohl Kenntnis hatte, aber nie wußte, was die Gemälde darstellen und welchen Charakter und Kunstwert sie haben. Dann seit Jahrzehnten sind die Gemälde übertüncht gewesen und nur die reiche Stückarbeit im ganzen Obergeschoß verriet, daß hier echte Heimatkunst einmal herrliche Räume geschaffen hatte. Die ganze Lamperie zeigt später eingemalte Jagdszenen. An der Decke wurden nun die Bildwerke in den reichumrahmten Feldern wenigstens zum Teil frei gelegt. Es stellt sich heraus, daß lauter biblische Bilder wohl aus dem 18. Jahrhundert an die Decke gemalt sind und zwar ist die Geschichte des ägyptischen Josef in verschiedenen Szenen dargestellt, Josef wird von seinen Brüdern verkauft, Josef und das Weib des Buthiphar, Josef als König, wie er sich zu erkennen gibt etc. Wenn einmal die Bilder wieder von kunstfertiger Hand hergestellt sind, dann besitzt sicher Herr Rosenstiel eines der schönsten Häuser weit und breit. Die Familie bewahrt auch noch eine ganze Reihe von kunstvollen Schnitzarbeiten, Zeichnungen, Bildern und allerlei anderen Kunstgegenständen aus dem Nachlaß der Hüfinger Künstlerfamilien Heinemann-Reich als kosbare Erbstücke auf, denn Frau Rosenstiel ist die Enkelin des Lithographen J. Nep. Heinemann und amit mit den Künstlern Luzian und Franz Xaver Reich und Gleichauf verwandt oder verschwägert. Herr Rosenstiel weiß den reichen Familienschatz wohl zu würdigen.

Zeitungsartikel von 1927

Wappen Rosenstiel

Zeitungsartikel unbekannter Herkunft und Datum

Das Geschlecht der Tuchmacher und Wollenweber Nober war in den Kirchenbüchern der katholischen Pfarrei Hüfingen seit 1596 erwähnt. In direkter Linie können folgende Ahnherren festgestellt werden: Georg Nober, geboren am 2. Juni 1679, Johannes Nober (28. Dezember 1641 bis April 1690), Johann Martin Nober, Tuchwalker (9. Januar 1688 bis 27. November 1741), Johannes Nober, Leineweber und Tuchmacher (16. Dezember 1719 bis 13. September 1788), Johann Caspar Nober, Tuchmachermeister
und Leineweber (13. Dezember 1765 bis August 1842), Johann Evangelist Nober, Kaufmann und Tuchfabrikant (18. Oktober 1806 bis 11. Februar 1887), Johann Carl Nober, Textilkaufmann (11. April 1850 bis 11. Dezember 1920), Robert Rosenstiel, Textilkaufmann (4. Juni 1887 bis 3. Dezember 1960), verheiratet mit der einzigen Tochter Clara des Johann Carl Nober (am 22. Oktober 1912).

Erwerb des Geschäftshaus in der Hauptstraße am Tor 1823 durch Johannes Caspar Nober und zwar durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalter, Vormals aus Friedenweiler bei Neustadt, beziehungsweise seinem Pächter und Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller, Gastwirt zur Sonne (30.Juni 1781 bis 25. August 1853), der seit 18. November 1813 mit Martha Engesser verheiratet war und sich ein neues Gasthaus zur Sonne vor dem Tor an der Schaffhauser Straße an der Abzweigung nach Freiburg erbaute.
Die Ehefrau des vormaligen Sonnenwirts Thomas Winterhalter, Maria Mayer, geboren 1769, war am 20. Juni 1813 kinderlos gestorben. Dieser hatte das Haus um 1815 an den oben genannten Johann Baptist Fischerkeller verkauft, hatte aber noch eine Hypothek von 2500 Gulden auf dem Anwesen, welche dann von Fischerkeller auf seinen Neubau übernommen wurden, so dass Caspar Nober den Kaufpreis ganz an Fischerkeller zu bezahlen hatte.

Gründung der Firma J. C. Nober: Sie ist auf 1823 datiert.
Daß der »Handel mit Wolle und Wollenwaaren schon vom Vater des Johann Caspar Nober unter der Firma Martin Nober & Comp. und später unter der Firma Caspar Nober & Sohn, ferner, dass Johann Evangelist Nober das Geschäft des Wollenwaaren-Handels bei seinem Vater erlernt und betrieben habe«, geht aus einen Zivilprozess des Jahres 1839 (16. April) »in Sachen des Handelsmannes
Limberger und Comp. von hier, Kläger, gegen den Tuchmacher Johann Evang. Nober wegen Beeinträchtigung im Handelsgewerb« beim Bezirksgericht Hüfingen hervor.

Tuchfabrik und Wollweberei: Diese betrieben Johann Caspar und Johann Evangelist Nober in Hüfingen an der Schaffhauser Straße (jetzige Schreinerei Schelble). Diese konnte unter den Brüdern des Johann Carl Nober um 1875 den Anschluss an das Maschinenzeitalter nicht mehr finden und ging als Handwerksbetrieb in den folgenden Jahren ein. Nur das Handelsgeschäft mit Textilwaren und Wolle wurde von Johann Carl Nober im Haus Hauptstraße 5 und später von dessen Schwiegersohn Robert Rosenstiel unter der Firma J. C. Nober, Textilwaren und Garngroßhandlung, weiter betrieben.

Ofen in der Hauptstr. 5

Zeitungsartikel unbekannter Herkunft
etwa aus 1990 vermutlich von von Franz-J. Filipp

Die Josefsgeschichte an der Stuckdecke

Bilder aus der Genesis im Obergeschoss

Hüfingen (ff). In fünf Bildszenen dokumentiert ist im Gebäude Rosenstiel-Nober in Hüfingens Hauptstraße im zweiten Obergeschoss die so genannte Josefsgeschichte als Deckengemälde, eingefasst in Stuck. Thema ist die biblische Erzählung, die auch Stoff für Thomas Manns Roman, aber auch für das Musical zum Thema Josef waren. Ein historischer Kern mag sicher vorhanden, aber nicht belegt sein. Literarisch ist die Josefsgeschichte als Novelle zu betrachten. Wie die Geschichte erzählt, begegnet der zweitjüngste Sohn des Erzvaters als Siebzehnjähriger Jakob (Genesis 37 bis 50, Ps 105). Wegen der Bevorzugung durch den Vater und seiner Träume, die einen Vorrang vor seinen Brüdern und sogar vor seinen Eltern ausdrückt, erregt er den Hass seiner Brüder. Die Absicht der Brüder, ihn zu töten, wird wegen des Einspruchs von Ruben, dem Ältesten, und von Juda nicht ausgeführt. Er wird aber als Sklave an eine ismaelitische Karawane mitgegeben und durch diese nach Ägypten verkauft. Dem Vater wird der Tod durch ein wildes Tier vorgetäuscht. Der reiche Ägypter Potifar kauft Josef schließlich als Sklaven.

Das erste Motiv der Deckengemälde stellt die Brüder Josefs dar wie sie ihn an ägyotische Kaufleute verkaufen. Dieses Deckengemälde wurde durch Bombenabwürfe in der Nähe des heutigen Bürgerhauses Krone im Kriegsjahr 1945 in Mitleidenschaft gezogen.

Ein weiteres Bild zeigt den Versuch der Verführung Josefs im Hause Potifars durch dessen Ehefrau.

Das zentrale Motiv, das heute jedoch durch eine Zwischenwand zerteilt wird und deshalb in seiner Bildaussage nicht erkennbar ist, stellt eine Traumszene des König mit sieben mageren und sieben fetten Kühen dar. Das vierte Bild unmittelbar über dem Eingang zur Wohnstube von der Treppe zeigt ein Gastmahl, zu dem Josef als Verwalter der königlichen Kornspeicher eingeladen hatte. Auf einem abgebildeten Becher ist die Jahreszahl 1748 zu erkennen, was Rückschlüsse auf das Alter der Gemälde zulassen dürfte. In der letzten Szene direkt am Fenster zur Hauptstraße ist Josef schließlich mit seinen Brüdern zu sehen.

  • Decke im Haus Nober

Für Theo Wössner, den langjährigen Vorsitzenden des katholischen Bildungswerkes Hüfingen und dessen Frau die in dem Haus früher gewohnt hat, sind die Darstellungen »einmalig«, wie er erklärt. Und Klaus Sigwart, der Hüfinger Restaurator, verweist in diesem Zusammenhang auf Bürgerhäuser in Villingen. Dort konnten sich die Gemälde in den Stuben lediglich nur wohlhabende Bürger leisten.

Zeitungsartikel vom 19. Juni 2004 von Franz-J. Filipp

Biblische Szenen über dem Sofa

Hüfingen. Strategien und Lösungsansätze für den Einzelhandel, ein Thema mit dem sich schon bald der neu gewählte Gemeinderat beschäftigen dürfte. Doch mit dem Ankauf des Hauses Rosenstiel-Nober hat die Stadt Hüfingen zugleich auch ein historisches Erbe angetreten.

Das alte Gemäuer entpuppt sich für Bürgermeister Anton Knapp und Stadtbaumeister Ewald Fürderer bei einem ersten Rundgang als kleines Schatzkästchen. Vor allem die in Stuck gefassten Deckengemälde sind älteren Datums und eine Rarität, direkt über dem Wohnzimmersofa der heutigen Wohnungsmieter.

Und was von der Straßenseite hinter der in früheren Jahren sanierten Fassade kaum zu vermuten ist, Türen, Holztäfelungen oder Fußböden scheinen ebenfalls die Jahrhunderte unbeschadet überstanden zu haben. Bis auf das Ladengeschäft mit einer Nutzfläche von 184,5 Quadratmetern im Erdgeschoss geben die alten Holzdielen auf den 183,9 Quadratmetern im ersten Obergeschoss knarrende Stadtgeschichte preis. Mit zum Teil alten Schlössern bewehrte Tü-ren, dem alten Kachelofen oder durch die Trennwände mit kunstvollen Schnitzereien eröffnet das Haus Rosenstiel-Nober zugleich den Blick auf ein Stück Stadtgeschichte.

Weitere 191,7 Quadratmeter Nutzfläche stehen im zweiten Obergeschoss zur Verfügung.

Hüfingens Verwaltungschef möchte zudem die Idee eines Dienstleistungszentrums in dem historischen Gemäuer mit den neu gewählten Bürgervertretern voraussichtlich noch vor der Sommer im Rahmen einer Klausurtagung gemeinsam mit der Komm-In GmbH aus Sternenfels zur Diskussion stellen. Ziel soll es dabei sein, Dienstleister in der Kernstadt zu halten. Das Konzept von Dienstleistungen, etwa der Stadtverwaltung oder von Banken, sowie Lebensmittelhandel oder Bäcker unter einem Dach als modulares System soll durch interessante Öffnungszeiten etwa an Samstagen neue Impulse zur Belebung der Innenstädte bieten und »Tante-Emma-Läden«, überlebensfähig machen. Träger der Zentren können dabei Kommunen oder Investoren sein.

  • Bild im Haus Nober


Der letzte Zeitungsartikel über das Haus war am 9. Januar 2014

Zeitungsartikel aus dem Jahr 2014 über das Haus Nober
Zeitungsartikel über das Haus am 9. Januar 2014 von Stephanie Jakober

Bauantrag aus dem Jahr 2020
Bauantrag aus dem Jahr 2020
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2002
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2020

Seit 2019

Seit 2020 Krav Maga umgezogen ist, steht das Gebäude leer. Im Jahr wurde 2020 dem Gemeinderat ein Bauantrag gezeigt und die Baufreigabe erfolgte im Dezember 2022.
Im September 2023 gab es kurzfristig einige Aktivitäten und am Fenster des Zimmers mit dem Tanzboden und dem Gastraum mit den Wandbemalungen aus 1748, wurden ermordete Fische getrocknet.

Laut Landratsamt würde „das Vorhaben von einem denkmalerfahren Architekten begleitet“.

Was also mal übrig bleibt von den barocken Kunstwerken steht in den Sternen.

Haus Nober am 1. Oktober 2025
Haus Nober am 1. Oktober 2025

Vu de Raunächt, de Losdäg und Omas versteckt Heidetum

Winterliche Brauchtumsgschicht

Losdäg gelesen von Maria Simon

E anders, eher eweng uuchrischtlichs Brauchtum, lauft zwische de Johr uff de Boor und im Wälderwald no i winzigkleine, kum wohrnembare Restrelikt ab. De Kult vu de Raunächt oder de Lostäg. Begnet ischer mir nu no bi de Oma Paula. Freya war eren zweite Name und des hät scho eweng ebbis heidnischs a sich. D Freya ghert zu dene Göttinne die zemet mit ihrem Göttergatte Wotan a de ewige Tafelrunde ufem Bergfried Asgaard alldag usgibig feschtet. Dert word s` Wetter idoelt und verkartet. Natierli word zwische de Johr de Plan ver die näschte Monde uusdenkt. Die versoffe, verlotteret und verkumme Bande striitet natierli gherig und jeder wills besser wisse. I dere Ziit schicket sie au ihr Wildes Heer dorch d` Lüft zum d` Liit verschrecke und willfährig halte. Natierli au dorch de Schwarzwald und die rau Boor.


Am Heilige Obet, eweng hoamlich und verduckt, hät d`Oma Paula zwölf Zwiebel- Hälftene zuegschnitte. Die hät sie uff de Stubbefenschterbank i Reih und Glied gleit und i jede Zwibelmulde e Schechli Salz gstreut. Jetzt hät die akkurat usgrechtet Reihe nähmert meh aalange oder verrucke derfe. Jede Dag hät sie die Schäleli aaguckt und uf en Rodel uffgschriebe, ob und wie viel Wasser des Salz i dere Zwibelmulde zoge hät und ob sogar e kleine Lache i de Zwiebelhälfti war. Je noch Zuestand vu dene Schäleli, jedes hät on Monet vum kummende Johr abzoachnet und dargstellt, hät sie gwisst, wie s` Wetter im kummende Johr word. Ob im Heibet mit Soachwetter zum rechne wär, ob s` Öhmt guet und wohlriechend reesch word, d` Herdepfel ufem Feld halb verfuulet usi ghacket were mond oder ob sie bim Rieswelle mache im Herbscht all Dag de Regeschobbe bruucht und ob mer im November scho Schnee schoore muess. Natierli hät ver sie nu der Wetterkalender golte und bim beschte Wille hät sie kon Fehler i dem Bruuch enddecke kinne. Des Orakle hät besser battet wie de Hundertjährig Kalender us em Lahrer Hinkende Bote. Losdäg waret des also, die 12 Däg zwischem Heilige Obet und Drei König die des Los vum kummende Johr entschiede hond. En zweite Bruuch hät sie hählinge am Morge vum erschte Weihnachtfiertig, no bevor sie is chrischtlich, weihnachtlich Hochamt gange isch, zelebriert.

Ufem Hoamweag vum Amt häts se vu dere Verrichtung am Morge dene andere Hochamtswieber natierli nint verzellt. Sunscht wär sie uusglachet und versecklet wore wege ihrem altbachene Bruuch und Glaube a so Fürz. Am Festdagsesse isch dodevu au nint verzellt wore. De onzig Hiwies war der breselig und rauchig Guu der im Huuswese glege isch. D` Biebli hond zwar gfroget wa des fer Zwibelschnitz uf em Fenschterbank wäret. Aber do war sie eher eweng verstockt und verdruckt. Wemer no nochem Kaffe d` Äsche i dem gußiisene Holzliim-Pfännli mit dene 3 Fiess ufem Bord i de Kochi entdeckt hät, hät mer gwisst: Hit hond Raunächt aagfange. Eigentlich hoasset sie Rauchnächt. I dene Nächt wered ebe d` Hieser, de Stall, d` Schier, de Schopf, d` Schlofkammere und d` Stubbe usgräucheret. Räuchere isch en uralte, oefache und wirkungsvolle Haltbarkeitsvorgang. Bim Speck, au bim Pfohremer Boschespeck, merkt mers am allerbeschte. Also isch mer mit eme Kächeli oder eme Pfännli i des usem Kachelofe e weng Holzkohle gfillt war, dorch die ganze Räum aadächtig und ernst gange und hät debei so mystische quinkili- quankili – Sprich bruddlet. Und so hät mers s` Huus und s` ganz Huuswese uusgräucheret. Vu Böse Geischter, Uugziffer, schlechte Gedanke, Hexereie und Boshaftigkeite befreit. Des mit dem Räuchere kamer i allne Religione beobachte, sogar ebe i de heidnische, keltische – germanische- druidische Ritual. I dem Leimpfännle sind no wohlriechende, reinigende Kräuter usem Garte wie Holunder, Reckholder- Juniperuswädel saut mer z Aamedshofe, Pfefferminz und vor allem de reesch gweiht Palmewedel vu de Krieterbuscheleweihe verkloschteret wore. Mit dem qualmende Rauchgschirr wo d`Oma no e Rietere druff dau hät, dass jo koa Glut de Heistock azindet, isch sie hählinge dorch s` Huus zoge und hät ebe uusgräucheret.


Zu dene Losdag und de Rauhnächt hond die phantsievolle Volkskundler immer wieder mol ebbis Netts dezuedichtet, vu wege dass mer a dene Täg koe Wäsch wäsche sot, d` Träum uff bhaalte sot, also nit verzelle sot, e Münz in Brunne lege und vieli andere Gschechtle, halt netti Märli dezue gfummlet. Des poesievollscht devu isch aber doch der mit em Stall. I de erschte Raunacht, des isch die Heilig Nacht, soll neamert de Stall betrete und dä ummemuuse und loschore. Weil i dere Nacht, und nu i dere Nacht, s` Vieh mitenand schwätze kennt und des au dät. Natierli hät do scho mancher wunderfitzig Buur des uugschribbe Naturgsetz nit iighalte und doch heimlich gloset und gschächt und denno mitkriegt wie s` Vieh über ihn , den grobe Buurekerli, goschet und gschnorret hät. Und jähzornig wie mancher Buur ebe au war, hät er den vorluute Ochs mit de Goassle gschlage und verdescht. Do hond sich aber die geduldige, gütige, alldag selli freigebige, milchspendende, jetzt aber so gedemütigte, hintergangene Kühe mol grausam grächt und de Buur gnadelos i de Raufe verdruckt. Sit des im ganze Gai verzellt wore isch hond sie Ruhe, die Kühe i dere Nacht, und kennet usschweifend und theatralisch die ganz Nacht zogate. Falls des nit wohr isch, isches zmindscht pfundig und unterhaltsam erfunde.

Wenn a Dreikönig de Bsuech vu dere Königs- Karawane im kleine, krumme Schwarzwaldhiesli bi de Oma Paula aagstande isch und sie andachtsvoll d` Sprichli und Liedli vu de Heilige Dreikönig i de niedere Stubbe aagloset hät, de Chrischtbomm nomol aazunde hät und de Melchior am niedere Huusderekriezstock die drei Segensbuechstabe ännikriedet hät, denno hät sie den Weihrauchfasskönig no aaschwattiert und in Stall gfiehrt. Dä wo vor paar Johr no e Wälderkiehli und e struppige Goass gstande isch, hät er no kräftig Weihrauchkörnle scherre messe und s Fass schwaie messe. Genauso i de Schier. Wenn jetzt no de christlich, de gweiht Weihrauch – Guu im ganze Huus und im Buuretoal glege isch, no hät gar nint meh krumm laufe kenne. Deno hät sie selig und knitz grinset und in de Zueversicht uf e guets Johr no en wiitere Batz i d` Schatulle vum Kollektesammler König gleit.

De Bruuch mit em Sternsinge verhebt immer no, wa mer selli guet gfallt. De zweit isch jetzt noch Johrtausende im Zug vu de Wetterbericht, em minütliche Wetterradar, Meteoblue, Wolkesimulatione im Internet tatsächlich und endgültig am ussterbe. Wenn er au nimme glebt word. Verzelle sot mers trotzdem no und so kenne mers amend no e paar Generationen i de Köpf und ufem Papier und digital uf de Feschtplatte im Hieronymus bewahre und besinnlich, aaregend den alte Bruuch id Erinnerung zruckruefe.

On Sproch us dem Raunacht Brauchtum verhebbt i de Familie immer no und hoesst übrigens so:
A Maria Lichtmess (2. Februar eme wiitere Lostag) isch Tag Ess, des hoasst dass mer dä scho wieder im Helle uhni Kerzeliechter am Obet vespere ka. S` isch bald scho wieder so wiet.

Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge, z Gräninge , z Wulterdinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum Kriezwehkriez im Bregtal.

Problemwolf

Die Entscheidung des Umweltministeriums zur Tötung von GW2672m

Keine Sorge: wir befinden uns hier mitnichten in Minneapolis, wo derzeit maskierte und bewaffnete ICE-Trupps Jagd auf Einwanderer und unbescholtene Bürger machen. Der Auftrag zur „Entnahme“ des Wolfs GW2672m erging streng nach Recht und Gesetz: in einer insgesamt 21 (!) Seiten umfassenden Entscheidung des Stuttgarter Umweltministeriums über eine Ausnahmegenehmigung vom artenschutzrechtlichen Verbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz zum Nachstellen und Töten geschützter Tierarten. Ihr ist auch zu entnehmen, dass aus geschulten Spezialisten ein Entnahmeteam (dessen Namen im Text geschwärzt sind) zur Tötung bereitsteht. Sein Vorgehen, seine Bewaffnung (mit Nachtsichtgerät) und sein Einsatzgebiet sind minutiös festgelegt, selbst für den Fall, dass sich der Wolf listigerweise im Nationalpark zu verstecken versucht. Zusätzlich hat das Ministerium bei der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg Antrag auf Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung gestellt, wozu sich die anerkannten Naturschutzverbände äußerst kurzfristig zu äußern hatten. Was, alles in allem, den Eindruck verstärkt, dass die Entscheidung zur Entnahme des als gefährlich eingestuften Wolfs als ein politisch hochbrisanter Fall einzuordnen ist. 

Denn bei GW2672m handelt es sich um den auffällig gewordenen, in der Bevölkerung auf den Namen „Hornisgrinden-Wolf“ getauften Rüden, dem angelastet wird, dass er sich insbesondere während der winterlichen Ranzzeit in Ermangelung einer artgerechten Partnerin allzu oft Menschen mit Hündinnen genähert hat – und dies auf weniger als 30 Meter!  Alle Versuche, ihn einzufangen, zu besendern und zu vergrämen (wie es das Wolfsmanagement des Landes in derlei Fällen vorsieht) seien erfolglos geblieben. „Auch aus Gründen des Artenschutzes“, so äußerte sich bedauernd die NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes, „gilt es zu verhindern, dass sich Wölfe mit Haushunden paaren und sogenannte Hybride bilden“, wozu auch ein zu befürchtender „Wolfstourismus“ beitrage. Die Entscheidung sei traurig, aber nachvollziehbar, meint auch der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle und ergänzt: „Umweltministerin Thekla Walker liegt meines Erachtens richtig, wenn sie jetzt handelt und nicht erst wartet, bis es doch zu einer brenzligen Situation kommt.“ Die Entnahme zeige auch, dass das Wolfsmanagement in Baden-Württemberg funktioniere und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht überflüssig sei –  ein Seitenhieb auf den seit Jahren schwelenden Zuständigkeitsstreit zwischen Umwelt- und Ernährungsministerium.

Der Umgang mit „Problemwildtieren“ gilt als besonders delikat, wie man spätestens seit dem Abschuss des im Sommer 2006 nach Bayern eingewanderten (vom bayerischen Umweltminister zunächst willkommen geheißenen) Bären Bruno weiß, nach dessen Ende die öffentliche Meinung plötzlich zu kippen drohte; „Problembär“ ist seitdem zum geflügelten Schimpfwort geworden. Nach welchen Kriterien wird man also wohl das nächste Mal einen „auffällig gewordenen“ Wolf zum „Problemwolf“ abstempeln und zum Abschuss freigeben? Wo es um Isegrims Image hierzulande doch seit den Gebrüdern Grimm, seit Rotkäppchen und den sieben Geißlein, ohnehin noch nie gut bestellt war? Ab wie vielen Nutztierrissen wird es um ihn geschehen sein? Wo anfangs doch auch die Rückkehr der Wölfe noch als Erfolg des europäischen Artenschutzes gefeiert wurde – als hoffnungsvolles Zeichen wider den weltweiten Artenschwund.

Schlammsaugen

In der Badischen Zeitung war heute ein Artikel über das Schlammsaugen im Staufener Stadtsee. Da musste ich an das Schlammsauen in St. Georgen im Klosterweiher denken. Wir hatten damals so etwas angedacht für den Behlaer Weiher. Die Zahlen die damals in Hüfingen behauptet wurden waren um ein vielfaches höher als jetzt die Stadt Staufen benennt mit 220.000 Euro. (Das ist weniger als die Hälfte des Geldes für einen Kunstrasenplatz.)

Wobei Staufen natürlich mit dem Rhein eine viel bessere Möglichkeit hat den belasteten Schlamm an eine Fachfirma zu transportieren. Was ich vor allem spannend finde ist, dass Staufen zuerst mal den Schlamm entfernt, trocknet und dann eine Firma den Dreck untersucht.

Hüfingen ist hier einen ganz anderen Weg gegangen. Erst Abwasser ins Biotop, dann bisschen untersuchen, dann teuere Kamerabefahrung anstatt Kanalplan zu lesen, dann wieder teuere Untersuchungen, dann alles abstreiten und weiter untersuchen. Ich möchte nicht wissen, was dies alles bis jetzt gekostet hat und der Weiher ist immer noch vom Biotop weit entfernt. Aber das wird schon, da bin ich zuversichtlich. Inzwischen haben neue Männer übernommen – und das meine ich nicht polemisch, sondern wirklich wertschätzend. Vielen Dank an unseren neuen Stadtrat und auch Ortsvorsteher von Behla, Johannes Bogenschütz!

Schlammsaugen am Klosterweiher

29. November 2021

Mann auf Schlammsauger auf dem Klosterweiher

In St. Georgen gab es früher eine Benediktiner-Abtei. Um die Mönche mit Fisch zu versorgen, wurde für einen Weiher die Brigach aufgestaut: Der Klosterweiher.

Das Kloster ist längst Geschichte, aber der Weiher erfreut sich heute großer Beliebtheit bei Badegästen, Fischern und auch bei dem Biber.

Zeichnung aus der Reformationszeit mit Darstellung des Grundbesitzes im Umfeld des Klosters (Foto: Wikipedia bei KALCHSCHMIDT)

Im sogenannten Absetzbecken vor dem eigentlichen Weiher hat sich nun jede Menge Schlamm angesammelt.

Diese Problematik und deren pragmatische Lösung der Stadt St. Georgen hat nun auch in Hüfingen für großes Interesse gesorgt. Hier will ich die Technik des Schlammabsaugens der Amodes GmbH allen interessierten Hüfingerinnen und Hüfingern vorstellen.

Mobile Teichschlammentwässerung

Teichentschlammungen werden momentan oft durch eine sogenannt Winterung und Sömmerung gemacht. Das heißt man lässt den Teich austrocknen und baggert dann den Schlamm ab. Dies wurde z.B. erfolgreich im Winter 2004/2005 und im anschließenden Sommer am Unterhölzer Weiher gemacht (1).

Dies ist allerdings sehr zeit- und arbeitsaufwändig, teuer und ein großer Eingriff in den Lebensraum.
Die Anlagen von amodes bieten hier eine Lösung.

Der Schlamm wird aus dem Weiher mit einem amphibischen Schwimmsaugbagger abgesaugt.

Von diesem Schwimmsaugbagger wird der Schlamm durch eine Leitung zu der mobilen Entwässerungsanlage gesaugt. In St. Georgen geschieht dies durch ein etwa 400 Meter langes Röhrensystem.

Diese mobile Entwässerungsanlage benötigt Frischwasser für das Reaktionstrennmittel. Am Ende kommt Trockenschlamm mit einer Trockensubstanz von etwa 65% raus.

Die mobilen Entwässerungsanlage war in St. Georgen wegen des Frostes leider eingepackt.

Tagesleistung der mobilen Entwässerungsanlage ca. 250 – 350 m3 Schlamm.
So braucht man für 5.000 m3 etwa 16 bis 20 Tage.

(1) Markus Röhl, Susanne Popp, Friedrich Kretzschmar, Ingo Kramer, Hans Offenwanger und Konrad Reidl: Winterung und Sömmerung des Unterhölzer Weihers – Chancen und Risiken
einer traditionellen Pflegemaßnahme. Schriften der Baar 50 (2007) Seite 59-78.

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