Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation

Vorwort

13.02.2025 Hannah Miriam Jaag

Thomas Winterhalder aus Urach war von 1811 bis 1816 der Besitzer vom Haus Nober, dem damaligen Gasthaus „Sonne“. Seine 8 Kinder (von denen wohl nur Matthä, Maria, Karl und Thomas erwachsen wurden) gingen bei Luzian Reich senior in die Schule. Nach dem Tod seiner Frau verließ Thomas Winterhalder mit seiner Familie Hüfingen wieder, um in seiner Heimat bei Friedenweiler eine Uhrenwerkstatt einzurichten.

Vermutlich verband die Familien Reich und Winterhalder auch nach dem Umzug eine langjährige Freundschaft. So berichtet Lucian Reich junior in den Wanderblühten lange über seine wiederholten Urlaube in Friedenweiler und Umgebung bei Freunden. Ein Freund, dessen Namen er nicht nennt, war mit einer Uhrenschildmalerin verheiratet, die früh verstorben ist: https://hieronymus-online.de/die-beiden-schwestern. In den Wanderblühten beschreibt Lucian Reich auch mehrfach, dass damals viele Wirtshäuser von Frauen geführt wurden, sie aber einen männlichen „Beschützernamen“ hierfür brauchten, da nur Männer offiziell Geschäfte führen durften. Ebenso wie die Künstlerinnen, deren Kunst nicht unter ihrem Namen verkauft werden konnte. Auch drückt er seinen Unwillen, aber auch Verständnis, darüber aus, dass viele junge Frauen in die USA ausreisten, um ein eigenes Leben verwirklichen zu können.
Des Weiteren schrieb Lucian Reich damals die Hauschronik einer Schwarzwälder Schildmalers-Familie von Anton Kirner ab.

“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886).
Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller

Luzian Reich senior und Josefa Schelble 1866

Friedenweiler in den Wanderblühten

Friedenweiler 2022

Ahorn im März 2022

Geschichten zum Ahorn gibt es hier: https://www.historische-gasthaeuser.de/gasthaeuser-b/gasthaus-ahorn

Über das Haus Nober ist der Kontakt zu Dr. Peter Schlesselmann entstanden, der anlässlich der 950 Jahr Feier, am 20.10.2023, in Friedenweiler einen Vortrag zur Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation gehalten hatte.

Vielen Dank für die Überlassung des Textes!

Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation

Dr. Peter Schlesselmann 12.02.2025

1. Wo es begann: Kalte Herberge, Urach

Das Gasthaus Kalte Herberge ist am oberen Ende des Urach-Tals, 1370 zum ersten Mal erwähnt. Es ist zentral gelegen, am Durchgangsverkehr zwischen Breisgau und der Baar.

1.1 Thomas Winterhalder (1761 – 1838) auf der Kalten Herberge

Thomas Winterhalder war Uhrmacher, Wirt und Bauer auf dem Steighof. Seine Eltern waren Georg (1730-1783) und Veronika Winterhalder (1740-1809), Besitzer von Steighof und Gasthaus. Thomas kam am 15. Dezember 1761 als zweites von neun Kindern zur Welt.

Die Kalte Herberge und der Steighof (auf der anderen Strassenseite, 1989
abgetrennt)

Kalte Herberge im Schnee 1988

Schnee Fotos von Wolf Hockenjos

Thomas besuchte die Dorfschule in Urach und lernte in der Uhrmacherwerkstätte von Anton Dilger, dem damaligen Wirt auf der Kalten Herberge das Uhrenmachen.
Im Herbst 1789 reichte Thomas Winterhalder bei der fürstlichen Regierung in Donaueschingen ein Baugesuch ein, um einen Acker kaufen und eine Wohnhaus neben das Wirtshaus bauen zu können, was ihm erlaubt wurde (Mathisle Häusle, abgebrannt 1831, 1832 neu erbaut). Gleichzeitig war er noch Bauer auf dem Steighof, bis sein jüngster Bruder, Lorenz (1777-1853), sein Erbe als Steighofbesitzer antreten konnte (1798).
Im Mai 1792 feierte er seine Hochzeit mit Maria Mayer (1789-1813), der Tochter des Magremmebauern Franz Mayer aus Schwärzenbach. Auf der Kalten Herberge stellten sich nun nach und nach acht Kinder ein. Für die weitere Geschichte sind die Brüder Matthä, Karl und Thomas zu erwähnen.

2. Umzug nach Hüfingen

Thomas machte sich etwa 1810 als Uhrmacher selbständig. Allerdings entschloss er sich 1811 zum Kauf des Gasthaus „Sonne“ in Hüfingen und zog mit der Familie um. Den Kaufpreis von 4.347 Gulden für das Anwesen konnte er bar bezahlen, was sicher ein Zeugnis seines Wohlstandes ist. Das Gasthaus lag innerhalb der Stadtmauern, Hauptstr. 5, Ecke Ochsengasse, nahe zum südlichen Tor Richtung Döggingen.

Im April 1811 beantragte Thomas die Bürgeraufnahme für seine Familie. Warum Thomas Winterhalder nach Hüfingen umgezogen ist, lässt sich nur vermuten: zum einen die nicht endenden Kriegsverhältnisse, auf Grund dieser Verhältnisse waren wohl die Export-Möglichkeiten für Uhren sehr schwierig bis unmöglich, sodass das Einkommen mit dem Uhrenbau nicht gesichert war.

1811-1816 war Thomas Winterhalder Wirt in der „Sonne“. Über die Tätigkeit des neuen Sonnenwirtes und über den Geschäftsgang ist uns nichts bekannt. Es ist wohl anzunehmen, dass er, wenigstens nebenbei, auch die Uhrmacherei weiter betrieben hat. In einem Kassenbuch des Neustädter Uhrengroßhändlers Kromer aus dem Jahre 1812 (Stadtarchiv Neustadt) kommt ein Thomas Winterhalder vor, leider wird sein Wohnort nicht genannt, aber es könnte der Hüfinger Sonnenwirt sein.

Es liegt nahe, dass Thomas die Wirtsgeschäfte mehr seiner Frau überließ und nebenbei die Uhrenherstellung weiterführte. Die Kinder gingen wohl in Hüfingen zur Schule, Lehrer war damals Oberlehrer Reich, der Vater jenes Lucian Reich, der ein bedeutender Schwarzwaldmaler wurde.

Pater Winterhalder hatte in seiner Familien-Chronik das Gasthaus „Sonne“ dem Haus, Dögginger-Strasse 1, gegenüber der Weinhandlung Baum, zugeordnet, ausserhalb der Stadt, vor dem Stadttor und vor der Brücke über die Breg, was allerdings wohl nicht korrekt ist. Laut den Unterlagen zum Haus Nober, Hauptstrasse 5, erwarb urkundlich 1823 Johann Caspar Nober das Haus, durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder und dessen Pächter, Johannes Fischerkeller. Dieser baute danach, also nach 1823, dieses neue Gasthaus „Zur Sonne“, Dögginger Strasse 1. Dieses Haus brannte
1891 ab und wurde neu gebaut (Siehe: Haus Nober).

Leider starb 1813 seine Frau Maria, was sicher ein harter Schlag für die Familie mit 4 Kindern war. In diesem Jahr waren viele Truppen auf dem Rückmarsch von Russland und machten natürlich auch Halt in Hüfingen. Die Soldaten und Verwundeten brachten ansteckende Krankheiten (z.B. Typhus, Fleckfieber) nach Hüfingen „Es ist ein Elend, es sind kaum noch 10 -12 Häuser ohne Kranke vorhanden“ (Aug. Vetter, Chronik Hüfingen, S.266).

Ob seine Frau infolge dieser Krankheiten starb, ist nicht bekannt.
Nach dem Tode seiner Frau beschloss Thomas, das Gasthaus zur Sonne zu verkaufen (oder zu verpachten) und nach Friedenweiler zu ziehen. Ob er diesen Entschluss gleich fasste oder noch ein bis zwei Jahre wartete, ist nicht klar.

3. Thomas Winterhalder in Friedenweiler

Es gibt einen Kaufvertrag 1816 für das, „Alte Haus“ sodass der Umzug der Familie mit 4 Kindern nach Friedenweiler wohl 1816-17 stattgefunden hat. In seinem neu erworbenen Haus richtete er seine Uhrenwerkstatt ein und begann mit der Herstellung von Uhren. In welchem Ausmaß er tätig war und wieviele Angestellte er beschäftigte, ist nicht festzustellen. Allerdings war Thomas auch als Weinhändler tätig, wie später nach der Übergabe des Geschäfts an Matthä offenkundig wurde. Thomas gewann bald die Wertschätzung seiner Mitbürger, er war 1819-1829 Gemeinderechner in Friedenweiler.

Inzwischen waren die Kinder größer geworden. Matthä war ein tüchtiger Mitarbeiter in der Werkstatt des Vaters. Tochter Maria musste tüchtig zugreifen, um die Mutter zu ersetzen.

Die Söhne Karl und Thomas zeigten gute Begabung für das Studium. Offenbar war es Thomas, der zuerst zum Studieren bestimmt wurde, bald nach ihm begann auch Karl damit, wohl nachdem er die Grundschule beendete und auch schon mit der Uhrmacherlehre begonnen hatte. Es ist anzunehmen, dass die beiden in Donaueschingen das Gymnasium besuchten.

Thomas entschied sich zur zweiten Heirat. Seine Wahl fiel auf Marianna Straub aus Schollach, was sicher auch gut war für seine noch minderjährigen Kinder. Sie war am 14. Juni 1775 geboren, also 14 Jahre jünger als Thomas, der 45 Jahre alt war, als am 19. Juli 1820 in Friedenweiler die Hochzeit gefeiert wurde. Von Maria Anna Straub wissen wir nicht viel. Es sind lediglich zwei Schriftstücke da, wonach sie am 14. September 1830 ein Testament aufsetzte und 1838 eine Bürgschaft für 100 Gulden leistete.
1830 übergab er das Haus und das Geschäft an Sohn Matthä, die Eltern gingen ins Altenteil „Libding“ (d.h. eigene Wohnung im Haus). Ein Drittel des Krautgartens wurde ihnen belassen, und Matthä hatte die Auflage, den Garten alle Jahre gut zu düngen. Auf dem Acker am Rudenberger Weg konnten sie jährlich Kartoffeln setzen, auch dort hatte Matthä für die Düngung zu sorgen. Einmal im Tag durften sie eine Kuh nach Wahl melken, ein Schwein wurde jährlich für sie gemästet.

Altes Haus, Friedenweiler, ca. 1970, heute, Lindenstrasse 6

Im Erdgeschoss vorne und auf der rechten Seite sind jew. 3 Fenster, dort war sicher die Uhrmacherwerkstatt von Thomas Winterhalder. Dort lernte wohl auch sein Sohn das Handwerk (oder hat schon vorher in Hüfingen Kenntnisse erhalten).

Friedenweiler, Bildauschnitt aus dem Gemälde von Nikolaus Ganter

Uhren von Thomas Winterhalder

Welche Uhren hat er hergestellt? Bis jetzt wurde nur eine Uhr mit seinem Namen gefunden (es tragen auch nur wenige Uhren den Namen des Herstellers). Aber, wie in dieser Zeit (1780-1830) üblich, hat er wohl Lackschilduhren mit Holzplatinen, mit Holzzahnrädern oder Messing Zahnräder angefertigt.
Ob er auch Wanduhren, (wag on the wall – Postman’s Alarm clock), mit rundem Lackschildern für den englischen Markt hergestellt hat, weiss man nicht.

4. Matthä Winterhalder (1799 – 1863) in Friedenweiler

Eine entscheidende Wende im Leben Matthä Winterhalders brachte das Jahr 1830. Nach der Übergabe von Haus und Hof heiratete Matthä Johanna Höfler, 26 Jahre alt, sie stammte vom Kilianhof in Schwärzenbach. Der Ehevertrag gibt uns Einblick in die Vermögensverhältnisse der Brautleute. Matthä besaß damals ein Vermögen von 7.600 Gulden, von denen er 1.860 Gulden in die Ehegemeinschaft einlegte. Johanna Höfler brachte 1.300 Gulden, eine recht ansehnliche Mitgift. Erhalten ist auch noch eine eigenhändig geschriebene Liste von Dingen, die Vater Thomas noch zum Hochzeitsgut gab.

Nicht ganz ein Jahr waren die beiden verheiratet, da starb die junge Frau am 17. August 1831, sie hatten keine Kinder .
Im Januar 1832 heiratete Matthä Winterhalder ein zweites Mal. Er wählte Magdalena Beha, Ihr Vater, Johann Beha, war Pächter, des Schafhofes in Friedenweiler. Laut Ehevertrag betrug das Vermögen von Matthä Winterhalders 8.000 Gulden. Matthä und Magdalena Winterhalder hatten 7 Kinder: Für die weitere Geschichte sind Thomas (1834-1906), Karl (1836- 1918), Anton (1838,-1912) und Johannes (1842- 1916) wichtig.

Um die Jahreswende 1837 und 1838 wurde der Vater Thomas krank und starb am 9. Januar 1838. Nach seinem Tod wurde eine große Menge Wein, 2800 l, versteigert. Dies lässt darauf schließen, dass Thomas, der ehemalige Kalt-Herberge-Wirt und Sonnenwirt von Hüfingen, in Friedenweiler noch einen Weinhandel betrieb. Matthä hatte offenbar kein Interesse daran.

Die Erbschaft verbesserte Matthä´s Vermögensstand erheblich: Am Friedenweiler Gemeindeleben nahm Matthä Winterhalder regen Anteil. Er war in der Gemeinde ein angesehener Mann und wirkte von 1843 bis 1846 als Gemeinderechner und von 1852 bis 1863, also bis zu seinem Tode, als Gemeinderat.

Matthä Winterhalder

4.1. Uhren von Matthä Winterhalder, 1830-1860

Kunden in Vereinigten Königreich, (England, Schottland und Irland), der bedeutendste Markt dieser Zeit, waren besonders interessiert an Tischuhren („Biedermeier Uhren“) und drop dial-Uhren mit Voll-Messing-Uhrwerken. Diese Uhrwerke waren bekannt für ihre hohe Ganggenauigkeit. Um sich an die Marktbedürfnisse in England anzupassen, musste auch Matthä sich diesem Trend anschliessen denn die Herstellung und Einbau von Messing-Platinenwerken, brachte höhere Preise.

Tischuhr mit Holz-Platinenwerk
www.heimatmuseumschwarzwald.de
Matthias Hüttlin, Furtwangen

Drop-dial Uhr mit Messig-
Platinenwerk

5. Johannes Hofmeier (1802-1876) in Schwärzenbach

Als siebter von 9 Kindern kam 1802 Johannes Hofmeier auf dem „Ahorn“ in Schwärzenbach zur Welt. Seine Eltern waren Joseph Hofmeier (1758 – 1825) und Katharina, geb. Bär (1764-1812), sie heirateten 1789. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1812 heiratete Joseph Hofmeier Anna Willmann (1767-1840). Wie so viele Söhne von Schwarzwälder Bauern, die keine Aussicht hatten, den Hof zu erben, lernte er Uhrmacher. Auch seine Brüder Georg (1800-1825, Uhrenhändler, + Spanien), Fidel (1798-1869), Jakob (1807-1835, Uhrenhändler, + Spanien) und Martin (1809-1880, Uhrenhändler in England) wurden Uhrmacher.

Wer sein Lehrmeister war, ist nicht bekannt. Es muss aber ein fähiger Meister gewesen sein, denn er machte aus Johannes einen ausgezeichneten und gewandten Uhrmacher, darüber hinaus aber auch einen unternehmungsfreudigen Geschäftsmann, der seinen Betrieb zu einer großen Firma ausbauen konnte. 1825 starb sein Vater der schon vorher ins Libding gegangen war. Den Hof und das Gasthaus „Ahorn“ hatte er seinem Sohn Fridolin überlassen.

Ahornhof, Schwärzenbach

Johannes kaufte am 25. Mai 1836 dasAhornhäusle von seinem Bruder Fridolin. Es ist zu vermuten, dass er schon vorher dort gewohnt und seine Uhrmacherei dort betrieben hat.
Schon vor dem Kauf des Hauses war Johannes auf Brautschau gegangen. Er heiratet 1832 Agatha Mayer vom Magremmehof. Sie war vier Jahre jünger als er, geboren 1806. Lange mussten sie auf ein Kind warten. 1838 kam eine Tochter, Elisabeth, zur Welt. Es war eine schwere Geburt, die junge Mutter starb leider kurz danach, erst 32 Jahre alt.
1839 heiratet Johannes zum zweiten Mal, Maria Mayer (1812-1897), die Schwester seiner ersten Frau.
Wie man auf den Bild hier sieht, war er ein stattlicher Mann.

Hier sind noch Bilder von ihm in späteren Jahren, und seiner 2. Frau, Maria (Gemälde wohl von Dionys Ganter).

Laut Winterhalder Chronik von Pater Christof Winterhalder, war Johannes Hofmeier wohl 14-mal in England. In seiner Chronik hat Pater Winterhalder diese Reisen etwas ausgeschmückt, als wäre Johannes Hofmeier und manchmal auch sein Bruder Martin, der Uhrenhändler in Birmingham war, zu Fuss mit Krätze und Uhren nach England gereist. Es war aber schon damals üblich, Uhren, in Kisten gepackt, per Spedition in die Zielländer, Frankreich England oder Russland, zu transportieren.
Laut einer Anzeige im Bericht in Gewerbeblatt für den Schwarzwald, im Dez. 1852, organisierte damals schon die Spedition Johann Michael Widt, Strassburg, den Transport von Neustadt, Furtwangen oder Triberg nach London innerhalb von 10 Tagen!

Die Kosten waren:
Nach Strassburg: 1 Gulden / Zentner
Strassburg bis London: 3 Gulden / Zentner
Über Frankreich nach England : 2 Gulden / Zentner

Die Uhren wurden in grosse Holzkisten, ca. 2 x 0.6 x 0,6 m verpackt, geschützt durch Stroh oder anderes Material. Manchmal wurde auch noch Speck oder Butter mit in die Kisten gepackt, damit die Uhrmacher nicht auf einheimische Kost verzichten mussten.

Ausserdem ist zu bedenken, dass das erste Dampfschiff schon 1838 bis Basel kam, und 1847 die Eisenbahn bis Freiburg gebaut war. Die Tulla Rheinbegradigung (1817-1876) war im nördlichen Teil schon weit fortgeschritten, südlich von Breisach dauerte es etwas länger. Wie hoch die Preise für Kutsche, Eisenbahn oder Schiff waren, ist nicht bekannt.

5.1. Johannes Hofmeier Uhren

Johannes Hofmeier fertigte überwiegend Uhren mit Holz-Platinenwerken, eine Uhr mit Messing-Platinenwerk mit seiner Signatur wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Seine bekannten „Drop-dial Uhren“ mit eigener Uhrenkasten-Form oder typischer englischer Form findet man öfters.

R.Constable,
London

Heitzmann &Co, Cardiff

Wehrle, Cambridge

C.J.J. Ketterer, Ware

Drop dial Uhren mit und ohne Schlag

6. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation
6.1. Zusammenschluss der Firmen

Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen, Winterhalder, Friedenweiler und Hofmeier, Schwärzenbach erfolgte wohl ca. 1850-1860. Das genaue Datum ist unbekannt, da keine Geschäftsunterlagen oder Steuerunterlagen mehr vorhanden sind.
Es könnte Johannes Hofmeiers Idee gewesen sein, die Verwaltung und Uhrenherstellung beiden Firmen zu zentralisieren und ein gemeinsames Marketing zu nützen, um Produktsortiment aus der heimischen Uhrenherstellung bereitzustellen, das mit einer grossen Uhrenfabrik konkurrieren konnte (siehe auch Preis-Courant von ca. 1875). Diesen Punkt kann man auch darin sehen, dass in den 1860er Jahren Kuckucksuhren von Baptist Beha ins Sortiment kamen, zum Teil aber auch eigene Entwicklungen auf Basis der Beha Uhrwerke erfolgten. Später wurden aber Kuckucksuhren wieder aus dem Sortiment genommen. Es bestanden ausserdem verwandtschaftliche Beziehungen, der Sohn von Matthä, Anton, arbeitete bei Hofmeier und heiratete 1864 seine Tochter Elisabeth.

Firmengründer (1. Generation) waren also Matthä Winterhalder (1799 – 1863), hervorragend im Nutzen von Innovationen, Entwicklung neuer Uhrwerke und andere Uhrenformen, und Johannes Hofmeier (1802-1876), führend in Nutzen von geschäftlichen Beziehungen in England, aber eher konservativ in Bezug auf Technik. Einen grossen Einfluss auf der Hofmeier Seite hatte sicher seine Tochter Elisabeth.

Man stellte sich wohl erst allmählich auf Tischuhren, Standuhren und Wecker um. Je mehr aber der Export nach England aufblühte, umso mehr wandte man sich der rentableren Herstellung der für England bestimmten Uhren zu und überliess die Anfertigung der Kuckucksuhren anderen Betrieben.

Etikette mit Datum 2.8.67,
also nach dem Tod von M. Winterhalder (1864)

6.2. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, oHG

Die Söhne von Matthä Winterhalder, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. hatten ja beim Vater Matthä in Friedenweiler das Uhrmacherhandwerk gelernt Anton Winterhalder arbeite nach seiner Lehre bei Johannes Hofmeier in Schwärzenbach.
Matthä Winterhalder starb 1864, sodass seine Söhne nun im gemeinsamen Geschäft mit Johannes Hofmeier vertreten waren. Ab 1869 wurde die Firma in eine neue Rechtsform, offene Handelsgesellschaft (oHG) in Schwärzenbach, übergeführt.

Gesellschafter: 2. Generation:
Winterhalder-Seite: Söhne von Matthä:

Thomas (1834-1906), Anton (1838-1912), Karl (1836-1918), Johannes sen. (1842-1921)
Hofmeier-Seite:
Johannes Hofmeier (bis 1876), Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899), Frau von Anton Winterhalder
Nach dem Tod von Johannes Hofmeier war von der Hofmeier Seite nur noch Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899) als Ehefrau von Anton Winterhalder vertreten, der Name Hofmeier im Firmenname wurde deshalb beibehalten.

Die Herstellung der Uhren war wie folgt verteilt:
Herstellung Uhrenteile
Thomas (1834-1906), Friedenweiler, (Strandbadstrasse 6 / Schwesternhaus)
Herstellung Uhrwerke
Karl (1836-1918), Friedenweiler, Altes Haus, Lindenstrasse 6, Werkstatt und Haus vom Vater
Johannes (1842-1918) Neustadt, Wohnhaus und Fabrik, Scheuerlenstrasse 3 (37)?), Gesamtleitung der Firma ab 1870.
Herstellung Uhrwerke, Uhrwerke in Gehäuse einbauen und Vertrieb
Anton (1838-1912), Schwärzenbach, Haus 19a. Übernahme Werkstatt Hofmeier (nach dem Tod von Johannes Hofmeier). Gesamtleitung der Firma bis 1869.

W & H Wanduhr (Postman´s – wag on the wall clock) für den englischen Markt

6.3. Uhren aus der Zeit 1860-1870

Die folgende Uhren sind wohl in der Zeit von 1860-1870 entstanden. Leider lässt sich keine genaues Entstehungsjahr finden, da keine Kataloge oder Markierungen vorhanden sind. Es sind Holz-Platinen- oder Messing-Platinen-Uhrwerke verbaut.

7. Entwicklung in Schwärzenbach

Während des Krieges 1870/71 stockte das Geschäft, da viele Arbeiter eingezogen waren oder dienstverpflichtet wurden. Dann blühte das Geschäft aber mächtig auf, und Anton mußte an eine Erweiterung der Arbeitsräume und an Neubau denken.
Am 25. November 1873 übergab Johannes Hofmeier das ganze Anwesen seiner Tochter. Er war damals 71 Jahre alt. Zweieinhalb Jahre später, am 22. März 1876, starb er.
Kurz nach dem Tode seines Schwiegervaters entschloß sich Anton zum Bau eines neuen Hauses östlich neben dem alten „Ahornhäusle“. Noch 1876 wurde der Bau begonnen. Nach seiner Fertigstellung verlegte er die Uhrmacherei in die neuen Räume, weshalb das neue Haus auch einfach die „Uhrmacherei“ hieß. Er selbst zog mit seiner Frau ebenfalls in dieses Haus.

Mitarbeiter in Schwärzenbach, vor dem Ahornhäusle

Nach und nach wurden weitere Häuser und Werkstätten um das Stammhaus „Ahornhäusle“ mit dem Anbau für Matthä und seine Frau Elisatbeth herum gebaut. Es kam die die Packerei/Holzmagazin (1874), die Schreinerei, die Meisterwohnung D. Kleiser und das Haus für Bernhard Kleiser dazu (1878).

8. Entwicklung in Neustadt

Schon 1869 war als Sitz der Firma Neustadt festgelegt und ins ins Handelsregister eingetragen worden. Antons Bruder Johannes Winterhalder hatte 1873 einen Teilbetrieb der Firma M. Winterhalder und Hofmeier nach Neustadt, in der Scheuerlenstraße gegründet. Er baute ein Wohnhaus mit Werkstätten und Büros, Die Uhrmacherwerkstätten wurden dort im ersten Stock links untergebracht, während rechts die Büroräume lagen. Im zweiten Stock des Neubaus hatte Johannes seine Wohnung. Damit war die erste Niederlassung eines Teilhabers der Firma M. Winterhalder und Hofmeier in Neustadt begründet.

Im Jahr darauf, am 26. Mai 1874 feierte Johannes in Friedenweiler seine Hochzeit mit Emma Oberle aus Saig, Tochter des Saiger Oberlehrers Joseph Oberle, geboren 1850. Trauzeugen waren Karl Winterhalder, der Bruder des Bräutigams, und Adolf Oberle, der Bruder der Braut, der der erste Geschäftsreisende der Winterhalder-Firma wurde. Es war ihm eine Selbstverständlichkeit, dass er seine Arbeiter gut behandelte. Er bezahlte ihnen immer Stundenlohn, während zum Beispiel sein Bruder Anton fast nur im Akkord arbeiten ließ, allerdings in einem gut angesetzten Akkord. Dabei war er aber nicht etwa unwirtschaftlich in seiner Betriebsführung, sondern leitete seine Firma gut und rentabel. Dementsprechend waren seine wirtschaftlichen Verhältnisse immer sehr gut Die Winterhalder in Neustadt erweiterten natürlich auch ihren Besitz mit zusätzlichen Häusern für ihre Kinder.

9. Entwicklung in Friedenweiler

Thomas (1834-1906) und Karl (1836-1918), Winterhalder hatten ihre Werkstätten in Friedenweiler. Karl im Elternhaus, Lindenstrasse 6 (Altes Haus) und Thomas in seinem Haus
Strandbadstrasse 6 (später Schwesternhaus). Beide fertigten Uhrwerke, die In Schwärzenbach in Gehäuse eingebaut wurden. Karl heirate 1864 Katharina Kirner (1841-1897) aus dem Kleineisenbächle. Sein Ansehen war sehr gross, er war 1870 – 1885 Bürgermeister von Friedenweiler. Er baute 1873 das „Neue Haus,neben dem „Alten Haus“.
Sein Sohn Adolf (1883-1954) übernahm später das Haus. Thomas war sehr eigenbrötlerisch und sein Lebtag ein eingefleischter Junggeselle. Er wollte bei seiner Arbeit allein sein und frei über seine Zeit verfügen können. Er machte deshalb seine Uhrenbestandteile allein für sich in der kleinen Werkstätte in seinem Haus, das er sich am Weg zum Klosterweiher erworben hatte. Er arbeitete sehr exakt, und seine
Arbeit erbrachte ihm jedenfalls soviel, dass er in geordneten finanziellen Verhältnissen lebte . Er war ein Individualist, groß gewachsen. Wenn er ausging, trug er immer einen dunklen Havelock, einen Herrenmantel mit langem Pelerinenkragen. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein Gesicht.

10. Entwicklung in Rudenberg

Matthäus (1868-1937), Sohn von Karl Winterhalder, erbte 1893 durch Heirat das Haus Nr. 28 in Rudenberg. Matthäus, ausgebildeter Uhrmacher, war eher ein Einzelgänger. Er baute in seinem Haus Uhren und Uhrenbestandteile, Joseph, ebenfalls Sohn von Karl Winterhalder, kaufte 1895 den Kirnerhof (Haus Nr.10). Er hatte Uhrmacher gelernt, war aber unzufrieden mit seiner Rolle im Firmenverbund. Er
war zuständig für die Transporte der Uhrenteile von Friedenweiler nach Schwärzenbach und Neustadt, deshalb gab er diese Aufgabe auf und widmete sich nur noch der Landwirtschaft.

11. W & H Firmen-Etiketten mit Medaillen

Die Firma Winterhalder & Hofmeier beteiligte sich mehrmals an Ausstellungen im In- und Ausland und erhielt dort mehrere Medaillen, die sie natürlich stolz auf ihren Firmen-Etiketten zeigten.

Goldene / Silberne Verdienstmedaille
Freiburg/Brsg (1887)

Verdienstmedaille Wien 1873, III. Preis-Medaille Melbourne (AUS) 1881

11. Preis-Courant von ca 1875

Als einziges Dokument aus der Zeit von 1870-1875 ist eine Preisliste (Preis-Courant) vorhanden. Daraus lässt sich die Vielfalt der angebotenen Uhrentypen erschliessen. Es scheint, dass die Firma sich nach aussen als Lieferant aller typischen Schwarzwalduhren darstellen wollte. Allerdings ist wohl klar, dass sie, auf Grund der geringen Mitarbeiterzahl sicher nicht alle Uhren selbst herstellen konnten, sondern nicht selbst produzierte Typen zukauften.

12. Uhrentypen aus der Zeit 1880-1900

Einer der schönsten Kataloge von W&H stammt von ca. 1890. Zusätzlich gibt es noch einen Preis-Courant, der Einblick in die Vielfalt der hergestellten Uhrwerktypen und die verlangten Grosshandelspreise gibt.
Es wird angenommen, dass die dort gezeigten Uhren sicher zum Teil auch ab ca. 1880 hergestellt wurden. Eine eigene Uhrenkastenschreinerei war ja schon ca 1870, mit dem Meister Philipp Kirner, eingerichtet worden. Es wurden aber immer noch Gehäuse zugekauft. Es sind nun auch eigene Entwürfe von Gehäusen zu sehen. Ob diese zu grossem Umsatz geführt haben, lässt sich natürlich nicht herausfinden, es fehlen detaillierte Geschäftsbücher. Lediglich ein Kontobuch, wohl von Winterhalder in Friedenweiler ist aufgetaucht. Darin finden sich Angaben über die Zeit von 1901-1909 (und die Zünder-Produktion in den Jahren 1914-1917).

13. 1885-1914: Die besten Jahre

Ob alle Uhrengehäuse selbst in der eigenen Schreinerei gefertigt wurden ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, das Gehäuse mit aufwendigen Schnitzereien ( wie Nr. 321, 325, 349, 351 entweder als Teile oder als Ganzes zugekauft wurden. In der Chronik von Eisenbach (Auf dem hohen Wald,(1991), S.192) wird Rupert Wehrle als Lieferant von Uhrenkästen für Winterhalder & Hofmeier erwähnt (1891). Eventuell wurden auch Uhrwerke nach England geliefert und in dort zugekaufte Uhrengehäuse eingebaut. Es gibt einige Beispiele, bei denen in identischen oder ähnlichen Uhrengehäusen englische Uhrwerke zu finden sind, also dort hergestellt worden waren. Dazu kamen bei den neuen Uhrengehäusen auch künstlerische Messing-Applikationen, die sicher zugekauft waren. Die schönen, aufwendigen Zifferblätter wurden in Eisenbach bei Johann Hogg hergestellt.

Zifferblätter von Kaminuhren, Johann Hogg, Eisenbach.
Ähnliche Zifferblätter findet man auch in Standuhren

Laternenuhren, um 1900, ca. 40 cm hoch, Messing.
Das Gehäuse der Laternenuhren wurde wohl in Friedenweiler gefertigt, dies ergibt sich aus Eintragungen in einem Kontobuch von 1901-1909 (Leihgabe Norbert Winterhalder, Friedenweiler). Die Applikationen wurden sicher zugekauft.

14. Geschäfts-Rückgang, 1900-1903

In den Jahren 1900-1903 gingen die Umsätze stark zurück. Die junge Generation, besonders Ludwig und Linus Winterhalder, führten das auf die veralteten Uhrenmodelle zurück. Nach sicher heftigen Diskussionen überliessen die Senioren, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. (alle über 60 Jahre alt) die Entscheidungen der jüngeren Generation. Ludwig und Linus Winterhalder forcierten den Umbau auf neue Modelle, wobei die reduzierte Produktion der alten Modelle wegen Bedenken aus Friedenweiler beibehalten wurde. Ludwig und Linus bauten die Fabrikation in Neustadt durch Errichtung neuer Gebäude für Werkstätten und einer Gehäuseschreinerei aus. Der Absatz stieg nun wieder merklich an. Den neuen Stil kann man in den Katalogen der folgenden Jahre sehen. Auch in den Bildern
des Ausstellungsraums von 1908 lässt sich das feststellen.

Ausstellungsraum, um 1900 (aus:“In die Neue Zeit (1999))

15. Winterhalder & Hofmeier oHG ab 1909

In den Jahren 1908-1909 zog sich die ältere Generation, die Söhne von Matthä Winterhalder, Thomas, Karl Anton und Johannes, alle geboren 1834-1842, vollständig aus dem Geschäft zurück und die junge Generation, Söhne von Anton und Karl Winterhalder übernahm offiziell die Firma. Die Firma lief nun unter dem Namen M. Winterhalder & Hofmeier GmbH Neustadt (Baden).

16. Neuer Stil der Uhrengehäuse, ab ca. 1901

In der Übergangsphase wurden die neuen Gehäuse noch mit althergebrachten Zifferblättern, reich verziert ausgestattet. Später findet man nur noch die einfachen silberfarbenen Zifferblätter.

Der neue Namen der Firma, M. Winterhalder & Hofmeier, Neustadt (Baden) wurde nun auch als Markierung auf den Uhrwerken verwendet.

17. Handelsagenten in UK und USA

Winterhalder & Hofmeier arbeiteten als Uhren-Grosshändler mit Uhrengeschäften in UK und USA zusammen. Dabei wurden sie durch ihren Vertreter (Geschäftsreisenden) in England, Adolf Oberle (Saig), (1846-1927), unterstützt. Er war der Schwager von Johannes sen. Winterhalder. Gelegentlich war auch Linus Winterhalder in England. Er hatte ja seine Ausbildung in Buchhaltung und Finanzwesen in England gemacht und hatte auch einige Monate bei Camerer & Kuss, London gearbeitet.
Die Haupt-Abnehmer ihrer Uhren waren:
Morath Brothers, Liverpool und Nordengland
Beringer Bros (aus Langenordnach) in Belfast, Irland
Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)
Lorenz Fehrenbach, London
Kleyser & Laule, Kleyser & Tritschler, Oxford Street, London
In USA war es die Firma J.E. Caldwell & Co in Philadelphia.

Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)

Was noch übrig bleibt

Es ist wirklich vorbei…
Heute ist nichts mehr übrig von der ruhmreichen Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, wie bei vielen bekannten anderen Uhrenfabriken im Schwarzwald.
In Schwärzenbach erinnert nur noch die umfangreiche Sammlung von W&H Uhren im „Cafe Feldbergblick“.


Herr Vogelbacher hat viele seiner Schätze direkt im Cafe ausgestellt, lohnenswert.

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation incl. aller Abbildungen aller bekannten Uhren und Uhrwerke, der Geschichte der HAWINA, Standuhrenfabrik, Hans Winterhalder, und vielen Katalogen von W&H sind im Buch „Winterhalder & Hofmeier aus Friedenweiler, Schwärzenbach und Neuststadt, 1816-1932“ zu finden.
Das Buch (328 Seiten, 40€ + Versand) ist erhältlich über:
winterhalder.hofmeier@gmail.com
Peter Schlesselmann

Grundeis

Liebe Bürgerpostleser, 

am 9. Januar 2026 hatte ich etwas Zeit, mich in Balingen umzusehen. Das Zollernschloß an der Eyach gelegen, macht einen tollen Eindruck. Am beeindrucktesten war ich aber von etwas anderem, was ich so noch nie gesehen habe. Ich sah Eis, das unter Wasser war. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht, Eis ist über 10 Prozent leichter als Wasser und liegt deswegen im Regelfall oben auf. Schaut die Bilder an das Eis liegt eindeutig unter dem fließenden Wasser.

Ein echter Hammer. Also einmal tief durchschnaufen, ein Video in den Status stellen und hoffen, dass jemand eine Erklärung hat. Axel Ortlieb aus dem Münstertal antwortete und schrieb: „Bei uns hieß es früher Grundeis. Mir wurde gesagt, wenn der Bach von unten zufriert, ist das Grundeis. Das entsteht sehr selten und nur bei tiefen Minustemperaturen“. Hut ab Alex, kann ich da nur sagen. Normalerweise gefriert Wasser von oben. Denn es hat bei plus vier Grad die höchste Dichte und fällt nach unten. Aber, wenn es lang saukalt ist, dann gefriert der Bach auch von unten zu, weil dann in der Gewässersohle Minustemperaturen erreicht. Das kann man ruhig den Oberhammer nennen. 

In der Grafik sind die Temperaturen in Balingen vor dem 9. Januar dargestellt. Dort ist zu sehen, dass die Mitteltemperatur seit dem 22. Dezember 2025 bis zum 7. Januar 2026, also 17 Tage lang immer unter 0 Grad lag. Etliche Tage zeigten Mittelwerte um die minus 5 Grad und darunter. Auf jeden Fall so, dass anscheinend Grundeis entstehen konnte. Jetzt weiß ich auch, was der Hintergrund für den Spruch ist, „mir ging der A….. auf Grundeis“. 

Etwas Interessantes fand ich in der Pressemitteilung Nr. 1/2009 des Bayerisches Landesamtes für Umwelt und des Wasserwirtschaftsamtes München. „Wenn das Grundeis nicht frühzeitig beseitigt wird, kann es auch bei normaler Wasserführung zu starken Winterüberschwemmungen kommen“, so LfU-Präsident Albert Göttle. „Am Schwebelbach im Norden Münchens sind daher die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamtes München zusammen mit den technischen Hilfskräften im Dauereinsatz. In Wathosen stehen die Männer mit ihren sogenannten Abeislanzen im eiskalten Wasser und hacken das Grundeis auf, damit die Strömung es wegschwemmt“. Das hört sich richtig spannend an.

Dieses Bild zeigt die Situation an der Breg bei Hüfingen vor etlichen Jahren. Das dicke Eis nach langer Frostperiode wurde durch ansteigendes Wasser gebrochen und die Eisschollen ans Ufer abgelegt. Das ist der klassische Fall des Zufrierens von oben.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Neue Bilder von Hans Lang von Hüfingen

Diese fantastischen Bilder von Hans Lang sind in Hüfingen aufgetaucht. Vielen Dank an Alfred Riegger!

Es würde uns interessieren wo das Original ist. Vielleicht weiß wer was?
Dieses Bild wurde dem ehemaligen Hauptamtsleiter, Karl Hahn, zum Abschied geschenkt.

Das etwas andere Lebensbild des lebenslustigen Künstlers Hans Lang

gelesen von Richard Ketterer im März 2024

Eine Vita als Leporello

Nicht nur Gassen sind etwas Unverlierbares, auch Menschen, Personen, und Originalitäten.

De Lange Hans us de Wassersrooss z Eschinge

Auf den Gedanken einen Bauingenieur und Mundartler übers Leben und Wirken vom Hans Lang reden zu lassen, das kann nur der Lange Christel und Rolf Karl einfallen. Darum schwenk auch diesmal kein Kunsthistoriker oder Kunstkritiker das Weihrauchfass zu Ehren eines städtischen Universaltalentes. Dieses Leben, diese Vita, diese Hommage soll man nach dem Willen der Nachfahren, und sicher nach seiner eigenen Gedankenwelt, möglichst unterhaltsam und skizzenhaft aus dem episodischen und narrativen Gedächtnis eines jungen, heranwachsenden Eschingers erzählt werden. So sind sie halt die Langs, die Maiers us de Unterstadt, us de Wasserstroos.

Fast jeden Morgen ist mein Vater zum Bahnhof auf den Zug gegangen. Bei „Theodor Maier- Kolonialwaren“, bei den frühaufstehenden „Maier Wiebern“, Gretel und beim Tantele Bertel Maier, hat er seinen 6-er Pack Burgerstumpen als Tagesration geordert. Der Hans hat den beiden Frauen ziemlich lustlos die Regale mit den schweren Waren aufgefüllt und den Freiluftmarktstand vor dem Laden aufgebaut. Schnell hat er sich dann verdrückt um auf Motivjagt zu gehen. Während der erste Bürgerstumpen schon geglüht hat, haben sich die beiden kurz die neuesten Witze und die neuesten Stadtgeschichten, Skandälchen und Missgeschicke erzählt und zusammen einen gepafft. Vater den dicken Bügerstumpen und Hans ein Pfeifchen oder eine Gitan oder eine Troup aus dem Economat oder dem Casino. Neben fürchterlichen traumatischen Erlebnissen brachten unsere Väter auch eine schwere Sucht nach Hause. Die glühende Sehnsucht nach Zuhause wurde nämlich in der Soldatenzeit auch mit der glühenden Nikotinsucht der härtesten Sorte bekämpft. Machorka, Reval, Troup. „Bahndamm dritter Schnitt“ hießen diese Stengel- und Strunktabake im Militärjargon und sie forderten nach dem Krieg als Spätfolgen nochmals viele Opfer.

Haus Maier, zerstört 20.April 1945

Wiederaufbau Wasserstr. 1

Im Kopf vom Hans rumorte schon das nächtliche Traummotiv: Stadtkirche vom Brigachufer am Schützen, monochrome, in Kohle. Also ab mit Staffelei, Kohlestiftholzkästchen und Zeichenkarton ans Brigachufer vor der Falkenpost. Kaum war der Dreibock aufgestellt und der Karton eingespannt, schauten ihm schon die lustlose daherschlurfenden Schüler, die entrückten Frauen von der Frühmesse und die am frühen Morgen schon schlappen Bürokraten von der FF-Kammer über die Schulter. In deren ledernen, speckigen Aktentäschen ein Butterbrot, eine Thermosflasche Zichorien- Kaffee Pnache mit viel Cognac und den obligaten Ärmelschonern,: „Hans, wa hät der hit Naacht wieder troomt, wa wit hit mole?“. „Ha waisch, de böhmisch Stadtkirchearchitekt Kanka hät vorfern bestimmt als erschtes e Kohlestiftzeichnung gmacht vu de böhmische Barockkirch uff em Donauquellebuckel. Genau dem sin uusdenkte Iifall vu dämols für die Barockkirch uff dem Kalkfelsebuckel über de Dunnequell, dem will ich nochschmecke, nochmuuse. Aber nit wie ichs als Technische Zeichner glehrt han, mit Reißschiene und Tusche, sondern mit Kohlestift, so wie ebe dämols de Kanka“. Dieses Bild, dieses Sujet, war eines der besten und erfolgreichsten von Hans Langs Bildern.


Und schon steigt in seinem Kopfkino ein Karikaturen Bild auf und wird im prallgefüllten Kopfzettelkasten abgelegt: Ein dürrer oder vielleicht fülliger Kammerbürokrat mit Nickelbrille, Zigarre, Ärmelschoner, Tintenfeder und Tintenfass an einem barocken Stehpult mit englischem Banker- Schreibpultlämple.


In „Brusel“ (Bruchsal) ist Hans Lang aufgewachsen und hat unter sachkundiger Anleitung seines Decomaler-Vaters und Restaurators mit Bleistift und allen verfügbaren Papierresten ständig skizziert. Von 1934 bis 1947 war auch er, so wie viele jungen Deutschen, im doppelten Sinne gefangen vom bedrückenden und erdrückenden Nationalsozialismus. Das war die Zeit des düsteren Monochromismus in seinem Leben und in seinem Malen. Mit Bleistift und Papier hat er in den Kriegsjahren und Gefangenenjahren Hunger, Not, Erschöpfung, Düsternis aber auch Freundschaft trefflich und einfühlsam gezeichnet. Schwarz-Weiss nicht nur wegen seiner Gemütslage, sondern auch in Ermangelung von Malfarben, Leinwand und Utensilien.

Als aber nach 1947 Hoffnung aufkeimte, kamen wieder sanfte, zaghafte Aquarellfarbe zwischen die Flächen seiner grauen Linien. Bis in die Fünfziger herrschte dennoch die Monochromie vor. Sicher auch Ausdruck der Traumata die allen unseren Vätern innewohnte. Das düstere Bild des zerbombten Haus von „Theodor Maier- Kolonialwaren“ war finaler Höhepunkt der düsteren Bedrücktheit. Selbst das „Mathisle“ Porträt in Öl von 1963 hat noch diesen dunklen Taint.

Und genau an diesem Bild kommt die einfühlsame, rücksichtsvolle Skizzen- und Portraitmeisterschaft ganz deutlich zum Ausdruck. „S Mathisle“ war mehr als ein Eschinger Original. Er war der Hofnarr, der lustige August, der verkommene, muffelnde, ungepflegte Taglöhner, Rumtreiber, schlagfertige Witzbold der jeden Dutze, auch den Fürst. Von den Bildungsbürgern geduldet, wenn nicht sogar geschätzt , hielt er ihnen vorwitzig den Spiegel vor. Vermeintlich ein verhöhnter, verachteter Versager. Was macht Hans Lang daraus: Er bildet seine menschliche Würde ab. Sein Schalk, sein Gifizz kommt zum Ausdruck. Man glaubt einen stolzen, geachteten Eschinger Bauern vor sich zu haben. Nichts von all den aufgeführten Vorurteilen kommt zum Vorschein. Nur Respekt, Menschlichkeit, Wärme, Würde. Die wahre Kunst des Porträtisten. (Volksbad Episode?).

S’Mathisle

Diese Meisterschaft kommt auch zum Vorschein bei seinen legendären, aber auch berüchtigten Wirtshaus und Veranstaltungsskizzen. Vor seinem spitzen Bleistift und Skizzenblock war keiner sicher. Es wird kolportiert, dass er dem Gegenüber direkt in die Augen sah und ohne einen Blick auf den Block zu werfen mit wenigen Strichen und Schattierungen ein Porträt zeichnete. Viele halten diese „Blind Views“ sogar für seine Besten.


In den 60-ern kommt dann viel Farbe in die Bilder und in das Leben von Hans Lang. Fast hat man das Gefühl, dass die Traumatas abfallen, bewältigt sind. Ästhetik, Ironie , Satire, Stimmungen, Harmonie, Erotik werden mit wenigen Strichen aber auch farbig opulent eingefangen.


Und wieder steigen Kindheitserinnerungen auf. Eschingen war in den 50-60-ern tatsächlich eine Schlittschuhstadt. Wenig Schnee aber knackige Kälte am Kältepool Alemanniens bewirkten und beförderten diesen Kult. Wieder bewahrheitet sich der Satz: „Nicht die Herrschenden schreiben so Geschichten sondern die Landschaftsgeographie“. In dem Fall das Klima. Dennoch schaffen die Herrschenden die Voraussetzungen zu diesem Eiskult, indem sie östlich des Parkes im klirrenden Kältesee im Haberfeld einen großen Eisweiher und ein beispiellosen Eishaus bauen. Auf diesem Polareis vergnügen sich seit 1910 die Eschinger am Sonntag zu Hunderten beim Schlittschuhlaufen, Eistanzen, Eisstockschießen und Eishockey spielen.

Eiswiese um 1910

Zwei Bürger ragen davon heraus: Hans und Gretel Lang. Die beiden üben unter der Woche am Abend fast vor der Haustüre auf der damals oft zugefrorenen Brigach vor dem Irmapark Paarlauf, Eistanzen. Die beiden Turnvereinler, Körperbeherrschung, Körperspannung, grazile Bewegungen scheinen ihnen in die Wiege gelegt zu sein, proben für ihre Auftritte am Sonntag auf dem Eisweiher. Auch da werden mit wenigen Kufenspuren Skizzen, Zeichnungen, Ornamente aufs Eis gezeichnet, ja gezaubert, so wie es Hans auf dem Skizzenblock nicht besser könnte. Nur wenige Bilder prägen sich üblicherweise im episodischen Gedächtnis eines 10 jährigen ein. Eine Szene aber läuft immer noch in meinem Kopfkino beim Brigachspaziergang ab. Die Langs, die Eschinger Kilius Bäumlers, beim grazilen Eistanz auf der Brigach. Hans Lang muss diese Ästhetik geradezu pirouettenhaft umgetrieben haben. Denn immer wieder taucht dieses harmonische Eislauf- Ballett- und Tanzsujet auf. Mit wenigen Strichen in Blei- oder Kohlestift aufs Papier gezaubert.


Beim Frauenfreund Hans Lang kommt das weibliche Geschlecht bestens und formvollendet weg.
Neben dem Eislaufsport brachte Hans Lang als Ski- und Tourenwart des TV auch die fast schwerelose Funktionslust dieses Skisportes eindrücklich zur Geltung.


Woher aber rühren die zahlreichen Pferdeskizzen und Graphiken? Hans Lang kam zwar als Militärmusiker nach Eschingen, wurde aber in der großen Kaserne zum „Rittmeister“, zum Kavalleristen in der großen Reithalle und den Stallungen. Dass das Reitturnier den Stift zum traben, galoppieren brachte, war deshalb naheliegend und fast zwangsläufig. Naheliegend war auch der Bezug zu den Musiktagen, für die er oft die symbolträchtigen Plakate entwarf. Obwohl er als Musiker nach Eschingen kam, kann man sich durchaus fragen, kam eigentlich die Musik- Reit- Eis-Sport und Kunststadt Eschingen zu ihm oder er zu ihr? Die Antwort liegt aber in der Mitte: Bei der Zuneigung zu der hübschen Eschingerin Gretel Maier, später eben „D Lange Gretel“.


Eins kann ich aber Hans Lang nicht vergessen und kaum verzeihen, es ist fast schon ein Kindheitstrauma, mein einziges, zwar leicht zu bewältigendes, verkraftbares, aber latent.
Im altbackenen Turnsaal der Volksschule hing an der nördlichen Wand ein mächtiges Gemälde, gemalt von Hans Lang in Ocker, Bleiweiss und Kohle: Turnvater Jahn wachte streng über die Schul- und Turnvereinseleven. Und dieser bärbeißige schaute einem überall nach und machte einem wirklich Angst, weil er so lebendig wirkte und einem stechendscharf, disziplinfordernd ansah. Egal ob man sich hinter Mattenbergen, Kletterseilen oder Bündeln von Rundlaufstrickleitern versteckte, immer vermieste der Alte einem den Spaß am Turnen und Spielen. Hans Lang ließ sich vom Turnvater Jahn beim malen direkt in die Augen blicken. Dieser scharfe Blick verfolgt einem immer und überall im Saal. „Turnvater Jahn is watching you“, so könnte die Bildunterschrift lauten. Viele Ex-Volksschüler teilen noch heute diese Furcht vor dem strengen Blick des deutschen Obervorturners. (Ich glaube deshalb bin ich nicht in den Turnverein gegangen, sondern zur DJK in die modernen Gymnasiumshalle ?)

Turnvater Jahn


Sprühende, rastlose Phantasie hat den musischen Malerpoeten Hans Lang lebenslang umgetrieben. Falls dieses Erzählte doch eine kleine Vita gewesen sein sollte, haben sie vielleicht abgelauscht, dass das im reinsten Wortsinn ein „Vitales“ ein „Phantastisches, phantasievolles“ Leben war. Hans Lang bereicherte die Stadt Eschingen, die Baar, die Region und machte sie noch lebenswerter, noch anregender, noch poesievoller. Er war ein stadtverliebter, ein freiheitsliebender, ein selbstverwirklichender Bohem. Verliebt in Land, Leute, Jung und Alt, in Bauwerke, Flora, Fauna, ins Ried, die Donauauen, die Baardörfer, in Bewegung, Grazie, Genüsse aller Art, Geselligkeit, Humor, Jahreszeiten, Kontraste, Pinsel, Blei, Leinwand, Papier, Styropor, in Wasser, Eis, Luft, Licht und Liebe.

Denn die Liebe zu seiner Muse, seiner Ehefrau und Mutter seiner Kinder Monika, Christel, Hans Albert, zu Gretel Maier- Lang, machte seine freie Selbstverwirklichung erst möglich.


So ein originelles Leben kriegen nicht viele fertig. Und darum:

Memento Hans und Gretel Lang


Die zwei Bilder unten von Hans Lang waren im August 2024 in Donaueschingen zu sehen:

Feuer frei auf die Hüfinger Biber?

Wer im Vertrauen auf die Biber-Verordnung Abschüsse vornimmt, kann dafür persönlich haften und muss im schlimmsten Fall mit einem Strafverfahren vor Gericht rechnen. 

Das strenge und umfassende Schutzregime des Bibers gemäß Art. 12 Abs. 1 FFH-RL bzw. § 44 BNatSchG ist ausreichend zu berücksichtigen!

Biber in der Breg
Biber in der Breg

Hauptkritikpunkte von BUND und NABU an der Biber-Verordnung:

  • Zweifelhafte Erfordernis und Begründung 

Es gibt bisher keinen einzigen dokumentierten Fall im Land, bei dem der Abschuss eines Bibers einen Konflikt langfristig gelöst hat. Bürokratie wird nicht abgebaut, sondern nur auf die unteren Behörden verlagert, die dann wiederum mit rechtlichen Unsicherheiten zu kämpfen haben.

  • Gefährdung des Biber-Managements

Das Töten von Bibern führt höchstens zu einer kurzfristigen Beruhigung von Konflikten, aber nicht zu nachhaltigen Lösungen. Darauf setzt aber das gut funktionierende Biber-Management im Land. Die Verordnung erschwert die Arbeit der ehrenamtlichen Biber-Beratenden, weil sie eine kurzfristige Scheinlösung durch vermeintlich einfachen Abschuss verspricht. Viele der Engagierten werden sich überlegen, ihr Engagement aus Frust und mangelnder Akzeptanz zu beenden.

  • Rückschritt im Natur-, Arten- und Klimaschutz 

Der Biber ist eine Schlüsselart mit erheblichen positiven Effekten auf die Gewässerökologie, die Biodiversität, den natürlichen Klimaschutz und die Klimaanpassung. Angesichts der kritischen Lage in diesen Bereichen ist es fahrlässig, dass die Verordnung diese kostenlosen Leistungen des Bibers in den Wind schlägt.

  • Rechtsunsicherheit und absehbare Rechtswidrigkeit

Der Entwurf bleibt an vielen Stellen so unkonkret, dass er in seiner aktuellen Form aus Sicht der Naturschutzverbände zu erheblichen Rechtsunsicherheiten führt. Artenschutzrechtliche Ausnahmen müssen stets eindeutig begründet werden, verhältnismäßig sein und im Einzelfall geprüft werden. Das geplante Instrument der Allgemeinverfügung hingegen ist nicht rechtssicher ausformulierbar und stellt die Unteren Naturschutzbehörden vor eine kaum lösbare Aufgabe. Wer im Vertrauen auf die Biber-Verordnung Abschüsse vornimmt, kann dafür persönlich haften und muss im schlimmsten Fall mit einem Strafverfahren vor Gericht rechnen. Erst im August wurde eine vergleichbare Allgemeinverfügung in Bayern vom dortigen Verwaltungsgericht gestoppt. Das Ergebnis: noch mehr Bürokratie.

Alternativvorschläge für den Umgang mit dem Biber im Land

BUND und NABU fordern von der Landesregierung, von der neuen Biber-Verordnung abzurücken und auf nachhaltige Lösungen zu setzen. Dazu gehört:

  • naturnahe Gewässer und Auenlandschaften zu stärken und bauliche Eingriffe sowie die intensive Nutzung bis nahe an die Uferböschungen zu verhindern,
  • das etablierte Bibermanagement mit seinen langfristigen Lösungen personell und finanziell zu stärken und dessen Instrumente, wie z. B. den Schutz von Bäumen mit Drahthosen oder den Einsatz von Elektrozäunen, konsequent anzuwenden,
  • den Biber als heimische Art zu akzeptieren und seine positiven Leistungen für die Renaturierung anzuerkennen, statt den Fokus auf wenige Konflikte zu legen.

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2025/dezember/36838.html

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/imperia/md/content/badenwuerttemberg/2025-12-17_nabu_stellungnahme_biber-vo.pdf

Später Lernprozess

Zum Jahresbeginn war wieder mal ein Arzttermin angesagt, diesmal im VS-Zentralbereich knapp neben dem ausufernden Klinikkomplex. Mein letzter Besuch dort war mir freilich in unguter Erinnerung geblieben, nicht wegen des Befunds, sondern weil ich mich an der Kasse beim Bezahlen des Parkscheins peinlich schwergetan hatte, sodass mir ein erfahrenerer Gutmensch beispringen musste. Ich war also gewarnt und hatte zuhause reichlich Münzgeld eingesteckt!

Doch zu meiner Überraschung fehlte diesmal die Schranke samt Parkscheinautomat, und so rollte ich ohne Zwischenstopp in eine der wenigen noch freien Parklücken, um sodann guter Dinge zu den Praxen zu eilen, neben deren Eingang – oha! –  noch immer die Kasse platziert war. Und auch diesmal hatte sich vor ihr ein Rückstau gebildet; wie nicht zu übersehen war, wechselten die Wartenden dabei ungeduldig von einem Bein aufs andere, denn das „Sturmtief Elli“, in den Morgennachrichten bereits angekündigt, war mit seinem Ausläufer eingetroffen, und es blies heftig um die Gebäudeecken. Doch weshalb bloß der Stau vor der Kassenbox, so staunte ich im Vorübereilen, wo es doch an der Einfahrt weder eine Schranke noch einen Parkscheinautomaten mehr gab?

Schon in der Praxis beim EKG auf dem Schragen liegend erkundigte ich mich bei der Arzthelferin, wie ich die Ansammlung vor der Kasse zu deuten hätte. Ach die Schranke, so klärte sie mich auf, die sei ja immer wieder mal mutwillig oder versehentlich umgefahren worden, weshalb die Parkplatzbetreibergesellschaft ihr Bezahlsystem umgestellt habe auf ein Neues mit Überwachungskamera. Und wehe dem, der nicht bezahle! Dann komme die Rechnung nachträglich per Post – und zwar eine gesalzene.

Wahrhaftig, der Stau vor der Kasse hatte sich noch immer nicht aufgelöst, als ich nach der Untersuchung noch recht frohgestimmt wieder ins Freie trat, derweil die Böen von „Sturmtief Elli“ offensichtlich an Stärke weiter zugelegt hatten. Auch diesmal waren es vorwiegend verunsicherte Alte, umstanden und beraten von Hilfswilligen beiderlei Geschlechts und meist technikaffineren Alters. Mit zittrigen Händen machte sich soeben Einer an der (wie heißt das doch gleich?) Touchscreen-Scheibe zu schaffen. Derweil ich mit langem Hals bemüht war, deren korrekte Bedienung vorneweg zu erspähen und zu kapieren. Eben bemühte sich mein Vordermann verzweifelt, mit seiner Bank-Card klar zu kommen – war da etwa die PIN-Nummer noch gefragt – und wie war die doch noch? Erst recht: wie gibt man die mit klammen Fingern ein?

Wie gut, dass ich mich zuhause mit Münzgeld eingedeckt hatte. Endlich war auch ich an der Reihe: Aha, es war das Autokennzeichen einzutippen, Buchstabe für Buchstabe – Bindestrich – Zahl für Zahl … und prompt musste ich mich vertippt haben! Hinter meinem Rücken wurde bereits geraunt, und von der Seite her will auch mir jemand behilflich sein. „WEITER“ befiehlt mir endlich die gläserne Scheibe, und ich werde (mit Symbolen) gefragt: mit Card oder mit Münzgeld? Klar, bei gerade mal 1,40 € nichts wie den Geldbeutel rausgekramt, doch – o Schreck – weder die Ein-, noch die Zweieuromünze will in den Schlitz passen, die letztere ist mir dann auch noch vor lauter Aufregung entglitten und davongerollt, um von einem hilfsbereiten Mitmenschen aufgelesen zu werden. Hatte man die Münzgeld-Zahlweise mittlerweile gestrichen? Unterdessen ist das Gemurmel hinter mir lauter und lauter geworden. Was bleibt da zu tun? Die Karte aus dem Geldbeutel genestelt und in mehreren Versuchen an der vorbezeichneten Stelle des Bildschirms eingelegt!  Doch auch jetzt streikt das System – offenbar mag es mich einfach nicht.

Schließlich resigniere und entschuldige ich mich bei den Nachgerückten, suche frustriert meinen Wagen, steige ein und starte – Hauptsache, der kardiologische Befund hat keinen Anlass gegeben, mir Sorgen zu machen. Spätestens an der Kasse wäre womöglich ja doch ein Herzflimmern zu befürchten gewesen,  gar ein Infarkt vor lauter Stress. An der Ausfahrt grüßt von hoch oben die Kamera auf ihrem Mast.

Noch immer nicht ist zuhause die schriftliche Zahlungsaufforderung eingetroffen. Immerhin war zwischenzeitlich zu erfahren, dass mit dem Jahreswechsel auch meine Bank-Card hätte ausgewechselt werden müssen.

zwei verschneite Bäume im Tiefschnee auf dem Feldberg
Es grüßt das Sturmtief Elli

Baden nach Bayern eingliedern?

Wahlergebnisse 1950

Da aus Bayern die Rufe nach einer Neuordnung der Bundesländer kommen, hat mich dies veranlasst den Ruf nach einer Eingliederung in die Schweiz zu überdenken.

Am 24. September 1950 stimmten etwa 65% der hiesigen Wahlberechtigten gegen einen Südweststaat und für die Wiederherstellung Badens. Unter Missachtung der Volksbefragung untersteht Hüfingen der baden-württembergischen Landkreisordnung, wird von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Im Unterschied zu Bayern und 14 anderen Bundesländern dürfen wir den Landrat nicht direkt wählen und bekommen von Stuttgart einen 1. Landesbeamten bestimmt.

Jetzt beschimpfen schwäbische Männer aus Stuttgart Bayern, dass eine Neuordnung der Bundesländer aus Heimatliebe nicht möglich sei. Was ein Blödsinn. Die haben Angst um ihre Fleischtöpfe! Die undemokratische baden-württembergische Landkreisordnung wird zum Machterhalt benötigt.

Landräte werden in Baden-Württemberg durch den Kreistag gewählt. Die Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist unbegrenzt möglich. Eine vorzeitige Abwahl ist nicht möglich. Ein Landrat bekommt in Baden-Württemberg das höchste Gehalt in ganz Deutschland und wir haben 35 Stück davon.

Gehalt für Landräte in Deutschland
Gehalt für Landräte in Deutschland laut Stepstone.
Abgerufen am 14.09.2025

Von den vielen höheren Beamten möchte ich gleich gar nicht anfangen. So gibt es an den verschiedenen Regierungpräsidien unzählige davon. Dann auf den Landratsämtern die ganzen Dezernenten und ähnliches. Die Besoldungen von Beamten in Baden-Württemberg kann hier nachgelesen werden:

https://lbv.landbw.de/-/besoldungstabellen

Die Arbeit wird übrigens von Menschen gemacht die nicht verbeamtet sind, sondern beim Gehalt abhängig von den Erfolgen von Verdi sind. Auf genau auf diese Menschen zeigen jetzt die Beamten zum sparen.
Von einer echten Reform würden nämlich diese „normalen“ Menschen profitieren, ganz gewiss nicht die Politiker. Deswegen wird es keine Reformen geben. Mit „Heimatliebe“ hat dies absolut gar nichts zu tun.

Eine Neuordnung der Bundesländer wäre eben aus Heimatliebe dringen notwendig, damit unser Steuergeld auch bei den Menschen ankommt. Momentan wird alles kaputt gespart. Ausgaben für ÖPNV, Kultur, Jugend und Natur werden gekürzt, damit die oberen Beamten sich weiter in Sicherheit wiegen können.

Für mehr demokratische Partizipation!
Fremdverwaltet von oben herab.
Kreistag erhöht die Kreisumlage

75 Jahre nach der Abstimmung für einen Südweststaat
Südbaden nach dem Krieg

Beitrag vom 24. September 2025

Am 24. September 1950 stimmten 60 % der Bevölkerung Südbadens für die Beibehaltung Badens. Gleich im Anschluß an die Abstimmung hatte Leo Wohleb erklärt, „der schwäbische Angriff auf Baden ist abgeschlagen„.

Allerdings wurde damals nicht gesehen, dass dies nur eine „Volksbefragung“ war und um das badische Volk hat sich Stuttgart noch nie sonderlich geschert.






Baden in die Schweiz eingliedern?

Beitrag vom 11. November 2024

Am 10. November 2024 habe ich eine kurze, eher spöttische, Bemerkung von den Südbadischen Landsenioren in der Zeitung gelesen : „….schlug er mit mit einem Lächeln vor, Baden in die Schweiz einzugliedern…“. Dies war auf die Landkäufe in Südbaden von Schweizern bezogen – aber die Bemerkung hat doch einige Überlegungen in mir ausgelöst.

Wenn man es genau nimmt, so wurde Südbaden nach dem Krieg gegen seinen Willen von Stuttgart annektiert. Aber fangen wir früher an, bei den Schellenbergern. Diese stammten nämlich aus Liechtenstein:

Burg Schellenberg in Liechtenstein.

Nach den Schellenbergern wurde Hüfingen an das Haus Fürstenberg verkauft und gehörte sehr lange dem Fürstenhaus – obwohl immer wieder verschiedene plündernde Armeen durchzogen. Während der 1848er Revolution waren die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger ganz vorne dabei und der Fürst flüchtete in die Schweiz. Nach Zuhilfenahme der Württemberger Armeen wurden die Aufständischen, soweit nicht rechtzeitig in die Schweiz und USA entfleucht, ermordet.

Also gehörte Hüfingen im Grunde seit der missglückten 1848er Revolution den Preussen und dem Deutschen Kaiser. Dies ist natürlich sehr verkürzt dargestellt und die Nazizeit lasse ich besser mal weg. (Da gibt es mal einen eigenen Artikel sobald ich Zeit habe.)

Heute wird Hüfingen von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Wir unterliegen also der Landkreisordnung von Baden-Württemberg, die den Bürgerinnen und Bürgern nur sehr wenig demokratische Rechte einräumt.

Deswegen hätte die Idee ein Schweizer Kanton zu werden doch einigen Charme. Wir hätten eine von uns gewählte Kantonsregierung und eine Regierungspräsidentin oder Regierungspräsident, anstatt eines von oben bestimmten Landrates. – Der Regierungspräsident wechselt in der Regel jährlich oder nach dem Anciennitätsprinzip (Anzahl Jahre in der Regierung). Dieses Amt wäre mit keinerlei anderen Privilegien und keinem anderen Sonderstatus verbunden als der Leitung der Regierungssitzungen.

Davon abgesehen würden die Schweizer uns auch besser verstehen, als die in Stuttgart.

De Südweschtstaat

1950 von Gottfried Schafbuch

S’rumoret zmol landuff, landab.
Min Nochber debret bsässe:
Jetzt, guck emol des Gschmier do aa,
d’Badenser sottes fresse.

Südweschtstaat schtoht do krottebroat,
Potzhageldunderwätter,
sott ech am End en Schwob no geä?
Ho sell, sell wär no nätter.

Wertschaftlech dei’s iis besser gau,
Minischter kennt mer spare.
Und s’badisch Ländle sei fer sech
en ganz verfahrne Karre!

Wie dear Borscht frech ischt mit sim Gschmuus!
Dem will ech d’Moaning sage.
Am liebschte dät jo schüttle ech
des Schwäbli fescht am Krage.

Worum wend d’Schwobe iis denn ha,
dont alli Schlech probiere?
Merkscht nit, sie wend e riiechi Bruut
gi Schtugart inni fiehre.

Sie wend de Rhii und d’Häfe haa,
de Wald und iisri Rübe.
De hoaße Quelle boazets au,
de Dubak no denäbe.

Nitt lang wurs gau, no dätet hie
im Rothuus Schwobe sitze
und i de Schuel e Schwäbli dät
zmol iisri Kinder fitze.

Glaub nu, iis ginges dräckig gnueg,
mier dierftet ninnt me sage.
Vum Muschterländli wäret d’Liit
… halt blos s’fifft Rad am Wage.

Wer des nit merkt, kennt d’Schwobe nitt,
die ‚Hoiligsblechliberger‘.
Ech glaub, wer nit fer Bade schtimmt,
der goschet nochher erger.

Wenn Wertteberg iis sacket ii,
dont d‘ Kind i spätre Ziite
im Kerchhof vu de Hoamettreu
uff isri Grabschtea diite.

Guet Nacht, schloof gsund, und moarn nitt z’frich.
Dues hinter d’Ohre schriibe:
Wear nitt im Hern vernaglet ischt,
will oafach BADISCH bliibe!

Des isch bigott doch de Koffer

Des isch bigott doch de Koffer

De klei Brueder, 65 Johr, aber mit 1,90 de gröscht vu iis 8 Kinder, hät e Reparatur bruucht. De sunscht puddelgsund Handwerker häts beim Schneeschuhefahre uff de Ranze ghaue. Am Schulterkugellager sind ihm  paar Sehne verkaibet. De aagfresse Holzwurm hät koni Bretter oder Schpanplatte me lupfe kenne. „Das bekommen wir problemlos wieder verkabelt“, so des buchsprachlich OP Dokterle. Wo sen wieder us sinere Traumwelt uffgweckt  hond, pfiifts, sorrets und giegsets im OP wie beim Raumschiff Enterprise. Verdacht uff Schlagafall. Dass er nit wieslos word, kunnt er kuntenent uff Intensiv. Dä hond sin wieder uff d Fiess brocht und en Dachschade abgwendet. I dere Großfamilie isch jetzt aber Fiehr unterm eng glismete Familienetz gsii. Die paar Johr älter Schwester hät Rotz und Wasser bläret wie des ihrem sorgsam verhätschlete, kleinere Briederle hät passiere kenne. Bald kunnt er direkt i d Nachsorge im Breisgau. D Frau hät nit emol me reächt Ziht zum en Koffer packe. Wo der denno zuegsesse war, en hochmodische Hartschalekoffer Modell „Digital Work Station“ , isch er de Schwägerin zum Transfer is Auto gleit wore. Blederewies isch beim Zuesitze s rot Händyladekabel us em Koffer glampet. Wo aber de älter Brueder für de Bsuech e anders Auto gnomme hät wie des wo de Koffer drin war, isch s Uuglick losgange. „Wo häsch de Koffer mit de Klamotte?“ frogt de Klei. „Jegges maraie, der parkt no de Hoem a de Relaisstation, uff de andere Siite vum Wälder Wald.“ Mit de schlapprige Turnhose und em no schlottrigere  Hemdli gomer in e Stehkaffe. „Dä sind sie so Schlawacke gwähnt, bruuchsch di nit schäme wie en Rossbolle, do kennet sie iis nit“. De Kaffee und de Berliner hond mir geschmeckt, ihm i sim Uffzug nit so selli. Beim Kassiere lächlet mir d Bedienung anerkennend und friendli zue, weil ich wohlwollend und menschefreundli, gönnerhaft dem Hambis de Kako zahl. Am andere Tag bring ich de IT Koffer zum übergäe denno zum Schweschterli für Ihren Krankebsuech. Des Biebli bruucht endlich  gschieds Häs zum aaziehe.

Im Gang vu de REHA kunnt er im Schweschterli mit em gliiche holose  Uffzug vu Geschtert vergege. Nuu dass er jetzt  no e  verdlähnti Belzkappe uffhät und dicki, handglismete Socke a de hoorige Scheiche. „Jetzt do mer de Koffer uffs Zimmer und du ziehsch di aaständig aa“. „Nei, jetzt will i zerscht e Wienerli im Bischtro“. „I dem Uffzug gang ich kon Meter mit dir“. Bocksboenig war er scho immer, ihr  klei verhätschlets Briederle. De Workstation Koffer bliebt uff em Gang am Empfang stau. Wo sie zruckkummet isch de Koffer weg. Wa mer uff Flugplätz mit herrelose, vermeintliche Schwarzpulvergladene- Köffer für Fürz veranstaltet, des kennt mer jo. Bestimmt isch der Belzkappe Zottle scho vu de Aastalts- Videokameras als de psychisch labil vum Zimmer 465  verortet wore. Oe Hoffnung gihts: IS Terrorischte hond gwähnlich  koe Belzkappe uff. No isch kon Alarm  aabi gange, und me hört koe Hubschrauberknatter vu de Anti – Terrorstaffel GSG 9. De Belzkappebue, s Schweschterle

und de Schwoger rennet dorch die labyrintartig Aastalt und suechet de Koffer. Fickerig druckt us Versehne s Schweschterle im Uffzug au no zu allem Überfluss statt „EG : Anmeldung, Auskunft, Meldungen“ de Knopf „UG 2“ . Wo sich vor ihre wie vu Geischterhand s Tor zur Unterwelt, de bunkerartige, sprengstoffdämpfende Katakombe theatralisch  uffduet, stoht er einsam, schamhaft mit de knallrote Kabelfahne direkt  gegenüber a de duschtere Bunkerwand. Gspenstische Stille, kon Mensch dä dunne. En heldehafte Hausel muess ihn dä mit Angstschweiß uff de Stirn todesmutig abgestellt ha.

„Des  isch aber jetzt doch de Koffer“, schnuuft sie, schnappt die Box und nint wie ab, noch dem sie Lunte groche hät, is 4. OG, Zimmer 465 mit em Koffer.

Übrigens isch d Belzkappe, s Schlapperhösle, s verwäsche Hemdle und die uusgliehrete Wollsocke in Rotkriez- Kleidersack kumme.

Soll sich doch ebber Andersch mit dem Schlapperglumpp  schäme.

© Hubert Mauz, Unteres Bregtal, Dez. 2025 nach einer absolut wahren, aktuellen Familienbegebenheit,  bis aufs rote Kabel. ©

Zum Heulen schön – Freudentränen beim Sport

Artikel vom 21. Dezember 2021

Freudentränen – wann sind sie dir bloß das letzte Mal über die Backen gelaufen? Oder sind womöglich die Zeiten nicht mehr danach? Mehr als mir lieb und recht ist verbrachte ich die Tage vor der Glotze im vergangenen so absonderlichen Winter. Denn mal hatte es zuviel, dann wieder zu wenig, noch dazu mit Saharastaub eingepuderten Schnee für meine skisportlichen Außenaktivitäten, von den Corona-Einschränkungen ganz zu schweigen. Wintersportübertragungen müssen da allzu oft als Ersatzbefriedigung herhalten, zumal wenn die jeweilige Veranstaltung an Wettkampforten stattfindet, an denen man als Langläufer auch selbst einst schon um sportlichen Lorbeer gekämpft hat oder wo man doch zumindest als Tourist schon zugange war, egal ob auf der slowenischen Pokljuka, in Lillehammer, in den Dolomiten oder in Oberstdorf.

Start in Schonach in der Morgendämmerung

Was nicht heißen soll, dass ich bei meiner nordischen Präferenz alpine Rennen gänzlich verschmähe. Wo es doch auch da bisweilen dramatisch, ja sogar hochemotional zugeht: So wie letztmals in der ARD, als aus Cortina das erste Männerrennen der alpinen Skiweltmeisterschaften, der Super-G, übertragen wurde. Und dies nach mehrmaligen Verlegungen und Programmänderungen, mal wegen zuviel Schneefall (neuerdings neckisch als „Flockdown“ abmoderiert), mal wegen einer plötzlich auftretenden Nebelbank im oberen Streckenteil, dem so gefürchteten Tofana-Schuss. Als fachkundiger, kritischer und dabei durchaus lockerer Co-Kommentator war Ex-Slalomkünstler Felix Neureuther aufgeboten, der die Linienführung der neu in den Berg gefrästen Piste nach den ersten Startern und deren spektakulären Ausfällen als gar zu selektiv, ja geradezu als allzu riskante Zumutung für die Rennläufer einstufte. Milder wurde sein Urteil erst, als die absoluten Spitzenkönner an der Reihe waren, die Cracks aus Österreich, der Schweiz und Frankreich, die mit ihren artistischen Einlagen, mit viel Courage und optimaler Materialabstimmung den heiklen Parcours dennoch irgendwie meisterten.

In pure Euphorie schlug die Stimmung im Studio um, als mit Romed Baumann, der erste deutsche Starter unterwegs war, der dank fabelhafter Linienwahl und makelloser Fahrweise die bisherige Bestzeit um die Winzigkeit von 0,07 Sekunden verfehlte. Schon kurz nach Zielsprung und Ziellinienpassage im Höchsttempo, noch bevor er vollends abgeschwungen hatte, brüllte er sein Glück und seine Erleichterung schon lauthals mit einem gutturalen Jawollll! heraus. War er doch – noch als Tiroler – vor wenigen Jahren aus dem österreichischem Nationalkader ausgemustert worden. Verheiratet mit einer Deutschen, hatte er flugs die Nationalität gewechselt und im Team des deutschen Skiverbands wieder fußgefasst. Was ihm da und dort wohl als Fahnenflucht ausgelegt worden war, gar einen Shitstorm entfacht hatte. Nun also reüssierte er im deutschen Rennanzug mit diesem überraschenden Erfolg: mit der WM-Silbermedaille! Kein Wunder, dass er vor laufender Kamera ein paar Tränen verdrücken musste. Auch Co-Kommentator Neureuther hatte feuchte Augen vor Rührung und Begeisterung bekommen. Wo sonst noch außer im Sport, so seine Schlussbemerkung, dürfen die Emotionen noch derart durchgehen mit unsereinem!

Der Autor

Im heimischen Fernsehsessel war eben dies der Moment, in dem sich mir die Frage aufdrängte: Wann zuletzt sind eigentlich auch bei mir am helllichten Tag die Freudentränen geflossen? Gewiss, im abgedunkelten Konzertsaal konnte einen plötzlich schon mal ein kurzer Lustschmerz übermannen, im langsamen Satz eines Schubert-Klaviertrios etwa, auch im Adagio eines Mozart-Klavierkonzerts, insgeheim und aus purer Ergriffenheit auch mal im Kino. Zugegeben: Damals, noch als Student, habe ich nachts am Radio aus Anlass von John F. Kennedys Ermordung unter den Klängen der Brahms´schen Symphonie Nr. 4 in e-Moll Rotz und Wasser geheult, und wann immer sie mir seitdem zu Ohren kommt, pflegt es mich wieder ein bisschen zu würgen. Aber Freudentränen, und die auch noch beim Sport – wann mögen die zuletzt geflossen sein?

Doch tatsächlich, da taucht aus dem Nebel des Langzeitgedächtnisses urplötzlich wieder ein Erinnerungsfetzen auf, noch dazu gespickt mit erstaunlichen Details: Knackig kalter Pulverschnee im Winter anno 1978 beim allerersten Rucksacklauf über die einhundert Kilometer auf dem Fernskiwanderweg von Schonach nach Multen am Belchen! Nach einer kräftezehrenden Schinderei quer durch den mittleren und südlichen Schwarzwald, mit Überquerung des Brends, der Fern- und der Weißtannenhöhe, des Grüblesattels auf dem Höchsten, mit Passieren des Notschreis, dann des Trubelsmattkopfs, schließlich nach ratternder Abfahrt zum Wiedener Eck hinunter ein letzter, nimmer enden wollender Anstieg zur Hohtann hinauf. Worauf nach Kilometer 95 endlich, endlich die finale Schlussabfahrt auf die erschöpften Läufer wartet hinab in Richtung Ziel. Und genau da, nach einem allerletzten kurzen Gegenanstieg durch Nadelwald geschieht es: Plötzlich taucht rechts unterhalb der Laufstrecke das Multenwirtshaus auf, winkt das Ziel, höre ich schon den Sprecher am Mikrofon – jetzt bitte nur ein sturzfreier Rechtsschwung noch und ich werde es geschafft haben! Und exakt da ist es offenbar um meine Fassung geschehen: Es schießen mir gänzlich unverhofft Tränen in die Augen, Tränen des Glücks und des Stolzes über die erbrachte Leistung – dazu aber auch schon im Vollbewusstsein einer gelungenen Premiere!

Rucksackläufer nach 100 km im Ziel

Ja doch, wir befinden uns da noch in der Pionierzeit der Siebzigerjahre, als der Skilanglauf erstmals als Volkssport boomte und allenthalben Loipen, Langlaufzentren samt Volksskiläufen entstanden. Und so war ich denn auch in doppelter Mission gefordert an diesem Februartag, als Teilnehmer wie als Veranstalter: Letzteres als Vorsitzender der den Rucksacklauf ausrichtenden Arbeitsgemeinschaft Skiwanderwege Schwarzwald e. V., die 1974 auf Anregung des Schwarzwaldvereins gegründet worden war, um den Wildwuchs der Loipenmarkierungen zu steuern und mit dem Fernskiwanderweg eine wintertouristische Alternative zu bieten zu den oft schon überfüllten Rundloipen. In der Nacht vor dem Lauf hatte ich kaum ein Auge zugetan bei all den auf einer hundert Kilometer langen winterlichen Wettkampfstrecke lauernden Risiken und Unwägbarkeiten. Dann endlich, nach der Anreise in aller Herrgottsfrühe, nach dem Skiwachsen und der Rucksackkontrolle, um 7.00 Uhr mit dem Glockenschlag der Schonacher Kirchturmuhr, der Massenstart in die Morgendämmerung hinaus. Doch jetzt, am fortgeschrittenen Nachmittag unterm Belchengipfel und in Sichtweite des Ziels war im Rausch der Glückshormone mit einem Mal auch der lang aufgestaute Druck von mir gewichen.

Wie sich schon bei der Premiere zeigte, war gottlob niemand von der Strecke abgekommen oder gar aus Erschöpfung liegen geblieben: Insgesamt 80 Läufer hatten damals das Ziel erreicht, die letzten kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Sieger und Gewinner des Wäldercups 1978 war der vierzigjährige Goldjörgle Thoma aus Hinterzarten mit sattem Vorsprung vor dem Zweitplazierten, dem Verfasser. Der Olympiasieger von Squaw Valley sollte in der Folge noch etliche Male gewinnen; bis heute hält er mit 5.51 Stunden die Streckenrekordzeit, erlaufen bei blitzschnellem Harsch und schneebedingt leicht modifizierter Streckenführung.

Jörgle Thoma, der Olympiasieger, unterwegs.

Soviel Nostalgie im Fernsehsessel muss erlaubt sein in diesem Krisenwinter 2021, wo doch schon die nächsten Übertragungen warteten. Der gefeierte Zweitplazierte des Super-G-Rennens, der Freudentränen vergießende Romed Baumann, war erneut am Start, diesmal in der Königsdisziplin der Speedfahrer, in der Abfahrt, wo Freud und Leid anscheinend noch enger zusammenrücken: Beim Abschwingen nach dem Überqueren der Ziellinie im Höchsttempo stürzte er, schoss unter der Bande hindurch und zog sich Schnittwunden im Gesicht sowie eine Gehirnerschütterung zu. Ob er auch diesmal wieder Tränen vergossen hat, ob aus Wut oder Schmerz, blieb ausgeblendet. Zweitplazierter und Silbermedaillengewinner wurde indes sein deutscher Teamkollege: Um eine einzige Hundertstelsekunde ist er am Weltmeistertitel vorbei geschrammt. Feuchte Augen zeigte auch er im nachfolgenden Interview. Freute er sich über die Silbermedaille oder haderte er mit sich über den so knapp verpassten Sieg? Als cool und glücklich – doch erstaunlich tränenlos – sollte sich im Zielraum-Interview einzig die überraschende Zweitplazierte im Abfahrtsrennen der Damen erweisen, auch sie Mitglied des deutschen Teams. Nicht einmal mehr auf die Klischees scheint noch Verlass zu sein beim Sport. Erst bei der so unerwarteten Goldmedaille für das Mixed Team beim Obersdorfer WM-Springen passte wieder alles zusammen: Es heulten alle Vier vor Glück!

Emotionen pur – selbst unter
Rucksackläufern

Pflichtausgaben auf Kosten der kommenden Generation

kosten für Kanalbau für das Gewerbegebiet Ziegeleschle
Kanalbau für das Gewerbegebiet Ziegeleschle

Da der Gemeinderat den Naturschutz als obsolet und kostenintensiv abgeschafft hat, möchte ich mal auflisten was uns die Zerstörung unserer Natur die letzten Jahre so alles gekostet hat und weiter kosten wird.

Ein großer Posten ist die Entwässerung vom Ziegeleschle mit 1.524.000 Euro. Wobei das sogar noch unterschätzt ist, da hier die Sanierung vom Kennerbach und auch an der Schaffhauser Straße nicht dabei sind.

Kosten RÜB
Kosten RÜB

Dann die vielen RÜB (Regenüberlaufbecken). RÜB sind ein zentraler Bestandteil der Siedlungsentwässerung und spielen eine wichtige Rolle im Schutz gegen sogenannte Spitzenabflüsse. Sie puffern Niederschlagsmengen, entlasten kurzfristig die Kanalisation und es wird behauptet die trügen zum Gewässerschutz bei. Was die tun, ist unsere Häuser vor Hochwasser schützen. Ja, ist natürlich ganz toll für uns, möchte ich nicht abstreiten. Es wäre den Politikern aber ziemlich egal, wenn euer Keller mit Wasser und Fäkalien voll laufen, aber der ganze Dreck geht dann irgendwann in die Kanalisation und würde dort Schaden anrichten. Deswegen behaupten die es sei Gewässerschutz. Somit gehören dann diese RÜB zu den Pflichtausgaben beim angeblichen Naturschutz.

Kosten RÜBen für Neubaugebiet
RÜB für Neubaugebiet

Diese Kosten werden im Haushalt kleinteilig mehr oder weniger versteckt. Aber es gibt natürlich in jeder Ortschaft mehrere dieser Dinger. So zwei neue in Fürstenberg, eins in Behla und eins in Sumpfohren. Man kann locker von ner halben Million ausgehen, was allein die Anschaffung von einem RÜB kostet. Aber wie man sieht, rechnet man beim Strom mit 26.000 Euro im Jahr – jedes Jahr!

Was diese RÜB übrigens auch nebenher tun, ist das Regenwasser davon abzuhalten unser Grundwasser aufzufüllen. Also der Regen kommt von der versiegelten Fläche in die RÜB und in die Kanalisation, von wo aus das ganze Wasser direkt in die Breg geleitet wird. Wir spülen also das Trinkwasser der nächsten Generation die Donau runter.

Was so als Investition gewertet wird

Wenn ich schon bei Kanälen bin: Der Regenwasserkanal von Fürstenberg nach Hondingen ist mit 164.000 Euro natürlich eine super Investition. Immerhin spart es Strom, da das Wasser nicht in die Breg gepumpt werden muss, sondern in die Aitrach läuft. Die Schifffahrt hats nötig. Vermutlich gilt dies auch als Naturschutz.

Mit den 40.000 Euro für eine obsolete Volkshochschule  möchte ich nicht schon wieder anfangen.

Schönen Sonntag!

De Schniederli Ferdl

von Dr. Martin Fehrle

De Schniederli Ferdl

Ende Febr 2019 ischt er gschdorbe, de Schniederli Ferdl. Er ischt 88 Johr alt wore. Uf d´Welt kumme ischt er z Ase, i dem Dorf, wo au ech uffgwaße bi, bloß 19 Johr vor mir, also 1930. De Vaddr ischt  de Burgwirt gsii und e Landwirtschaft het er au gha. D’Aasemer Burg giits immer noch, au wenn us de alte Dorfwirtschaft hit e renommierts Restaurant wore ischt. Es het on Michelin Stearn und dodemit on vu dri Michelin Stearn z’Ase. Di andere zwo gheered em Ösch Noir im Öschberghof. Au säll Restaurant ischd uf Aasemer Gmarkig. So het es z’Ase bi uugfähr 1200 Iwohner drei Michelin Stearn. Wievil miesd es also z’Berlin gäa bi uugfär 4 Millione Iiwohner? 

„Burg“ in Aasen, gemalt 1948 von Ernst Fehrle 1948

I d Volksschuel isch de glei Ferdl nu e baar Johr gange, er het nämli en beese Fueß gha, au vu de Middelschuel het er nit älli Johr mache kinne uus em gliiche Grund. Nooch de Middelschuel het de Ferdl e landwirtschaftlichi Lehr gmacht uf de Hochburg bi Emmedinge. Säll het im abr nit glanget und so isch er denoo gi Bad Kreuznach gange zu ne re Uusbildig im Wiibau. Wo säll ferdig gsi ischt, het de Ferdl gsait: So etzt dät ech gern schdudiere. Dodefir het mr abr i de Fuffzgerjohr s Abidur bruucht. Wie kriegt mr abr etzed s Abidur mit e baar Johr Volks- und Middelschuel? Mr mues halt s wildi Abidur mache, säll hoaßd, mr mues fer sech lehre und deno ame Gimnasium mit de normale Schieler zemme d Abidurspriefung mache. So ischd de Ferdl mit ugfär 25 Johr zu mim Vaddr kumme und het gfroged, ob er im viliecht helfe kinnt bi de Vorbereitung uff die Abidurspriefung. Min Vaddr het mit em Ferdl deno Dietsch und Gschichte gmacht, und zwoa Kolleginne vu mim Vaddr hond au gholfe: D Frau Aleck het mit em Ferdl Mathe und Chemie gmacht und d Frau Lienhard, d Schweschtr vum Landrat Englisch. D Priefung het de Ferdl deno abr aloanig mache mieße und er het si bschdande. So ischd er i de Middi vu de Fuffzgerjohr gi Schtuegert Hohenheim gange und het Landwirtschaft schdudiert. Wo n er denn Diplomlandwirt gsi ischd, het er gsait: Etzted mach ech no de Dokder. De frischbache Dokder agr. isch deno bald gi Friburg gange und het sech dert am Schdaatliche Wiibauinschdidut mit Bedriebs- und Arbetswirtschaft beschäfdigt.

Gege Ende vu de Fuffzgerjohr het de Ferdl emol de Ekkehard vum Scheffel vu mim Vaddr uusglie. Wo ner des Buech widr zruck broocht het, han echs au gläse. Es ischt min erschde Roman gsi und ech war grad emol 10 Johr jung. 

Solang de Ferdl no Junggsell gsi ischt, ischt er ämmel gern am alde Obed zu isere Famili gi Ase kumme. S hät selber gmachti Sülz zum Esse gäe und de Ferdl het mir e klaini Dischkanon mitbroocht. Sälli het mr entwedr mit eme Schdriichholz oder zum Helzli-Schbare mit ere Kerz zinde kinne. D Kerz het mr abr schnell vu de Zindschnuer wegziehe miese, sunscht het die Druckwelle d Kerz uusbloose und mer het koni Schdriichhelzli gschbart. Abr Feinschtaub het sälli Dischkanon vil wenigr gmacht wie di hittige Rakete.

Mini Eltere hond i sällere Ziit koa Audo gha und so isch es fer mech a bsunders Vergniege gsi, wenn de Ferdl ab und zu am Sunndig mit sim Käfr kumme ischt und iis zum e Fährlti an Bodesee oder zum Feldberg iiglade het. 

Modorradfahre isch au e Hobby vum Ferdl gsi, bis er i sällere 180 Grad Kurv vum Feldberg abi is Wisedal usgrudscht ischt. Ech woaß nimme, ob en Eelfleck uf de Schdrooß war. Jedenfalls isch de Ferdl mit eme brochene Boa, säll wo vu Kinderziite her krank war, wochelang z Friiburg i de Klinik glege, bis mer im gsait het, dass mr sell Boa ambudiere mueß. Siit sällere Ziit het de Ferdl e Holzboa gha.

Ende vu de Sächzgerjohr han ech z Friiburg aagfange Chemie zum Schdudiere. Fer en Schdudent wars kon Fähler, nebebei e weng Geld zum Verdiene. De Ferdl war i sällere Ziit scho Leitr vu de Abteilung Bedriebs- und Arbeitswirtschaft am Wiibauinschdidut und ech ha im schdundewies helfe derfe. So han ech emol a riisigi Tabelle gmacht, wo mr het ablese kinne, wie lang en Wiibur fer onn Hekdar Rebe bruucht abhängig vum Ziileabschdand und vu des Bulldog-Gschwindigkeit. Ech ha defier e mechanischi Rechenmaschie vu Olivetti gha und sälli Maschie rechdig zum Rauche broocht. Mr het de Dampf vum Eel gschmeggt. 

Scheen isch au gsi, dass ech ha debei si dirfe bei de große Wiiprobe vum Inschdidut. Wemmr z Ase, also innere Biergegend uffgwaße ischt, isch Wii scho e neii Erfahrig, vor ällem wenn de Wii vu Brofis vorgschdellt wurd. Und als Insdidutsmitarbeiter han ech au no 50 Brozent Rabatt kriegt bim Wii-Ikaufe.

1973, de Ferdl waar scho mit de Eva verhiiroded und het zwei gleini Buebe gha, hond mier die Schnapsidee zue nere Schdudiereis gi Italie gha. S Thema wared die Vulkan und ihre Folge. En Doal vu de Vorbereitig war e ganz dolli Pompeji-Usstellig in de Villa Hügel z Esse. Also sind de Ferdl und ech mit Audo und Zelt gi Italie gfaare, am erschde Dag bis zum Trasimener See, am zweite bis gi Neapel. Gfare bin ech. Vum Audobahnend in Caserta bis zu iiserem Quardir im Stadtzentrum hommer 2 Schdund bruucht. Links en Fiat, rechts en Fiat, vorne en Fiat, hinne en Fiat und älli imme Abschdand vu 5 cm. Am andere Morge sin mir deno z Fueß i de Stadt gsi und am Nochmidag het de Ferdl gsait, er sei krank und ech mies in sofort zum Flueghafe bringe, er mieß hoam fliege. Säll han ech nadierlich nit gmacht, sondern en Dokder organisiert, wo gsait hat, de Ferdl sei nit reisefähig. Jetzt wa mache? Gott sei Dank hond mier d Adress vum Hermann Keller gha, vum Sohn vum Sauna-Keller z Eschinge, wo i sellere Ziit als Inscheneer z Neapel gschafft het. De Herman  Keller het e Huus gha in Baia Domizia am Meer und gnueg wiit weg vu dem Chaos vu Neapel. Säll Chaos war nämlig de Grund fer die Kranket vum Ferdl. De Krach, de Dreck, des Durenand hond em Ferdl uf de Kreislauf gschlage. Also han ech de Ferdl zu de Famili Keller gi Baia Domizia gfare, bi wider zruck gi Neapel, ha mi Auto mit vil Gottverdraue vor iserem Quartier parkt und ha am Obed s Schiff gi Stromboli gnomme. Dert bin ech am friee Morge akumme, ha e Privatquartier bimme Rentnerpaar us München gha, ha de ganz Dag am Schdrand verblemberet und bi deno am Obed 3 Stund lang zum Gipfl uffgschige. De Hauptkrater war e weng unterhalb vum Gipfel und älli Viertelschdund het de Vulkan gschbuggt. Di meischt Lava ischt widr zruck i de Krater gfloge, bloß en kloane Doal de Hang abi is Meer. Es het dolli Fotos gäa. Am Morge mit em erschde Liecht bi ech widr abgschige, ha de ganz Dag am Schtrand verschlofe und am Obed widr s Schiff gi Neapel gnomme. Derd hets Audo brav uf mech gwarded und ech bi widr gi Baia Domizia gfare. Wie erwartet hat sech de Ferdl i sellere Rue vu Baia Domizia und dank de guete Pfleg vu de Familie Keller vollschdändig erholt und mir hond iser Programm wiiter mache kinne. Etzed war zerscht de Vesuv dra. Mir hond im valle del cavallo, säll ischt e dal zwischem Krater vum aalde monte somma und em neie Vesuv, zelded.

Unser Zeltplatz im Valle del Cavallo am Vesuv

Zum Kraterrand vum Vesuv hätt mr scho e baar hundert Meter uffeme zimli schteile Weag uffi lauffe miese. Koa Problem fer de Ferdl mit sim Holzfuaß. Denoo wared die Folge vu sällem Usbruch dra: Pompeji und Herculaneum. I beide Oart ware mir vum Morge bis zum Obed und de Ferdl hät koa Problem demit kha, zwoa Täg lang dorch die zwoa Ort z laufe. Uffm Wäag gi Sizilie simmer nadierli au gi Paestum kumme. Scho wider mindeschdens en halbe Dag zum Laufe, wel mr au s Museum hät agugge mieße. Vor Reggio Calabria, wo d Fähri gi Messina abgoot, hommer noch en Abschdecher zum Aspromonte gmachd, wo sech dozumol de Garibaldi umme dribbe het.

Ferdl am Kraterrand des Vesuv

I irgend onere Beiz, wo mier uffem Weag z Obed gässe hond, hommer im italienische Fernsehe gsähe, wie in Neapel die Schdrooße kalkt wore sind als Desinfektion gege Cholera. Zimli schnell hommer gwißt, dass die Inkubationsziit bei Cholera bloß 12 Schdunde ischt. Es wared scho wiit me als 12 Schdunde, dass mier z Neapel Muschele gesse hond. Also älles klar! Etzed war de Ätna dra. Mit em Audo hommer bis Nicolosi uf 1900 m fahre kinne. Deno isches no e Stuck wiit mit de Soalbaa gange, weli grad nit hii war. Aber die letschde baar hundert Meter uffi zum Hauptkrater hommer mieße z Fuaß laufe. Koa Problem fer im Ferdl sin Holzfuaß. Obe am Krater hommer Bsuech kriegt: Uf oamol ischt im große Boge en Schdoa vor iis glandet. Zerscht han ech mir dra d Finger verbrennt, aber nochher han ech den neugeborene Schdoa mit mim Dascheduech abidrait. Die Brandschbure am Dascheduech kammer hit noch sene. Nochem Ätna hom mier eigentlech um die ganz Insel ummi fahre welle: Syrakus, Agrigent, Selinunt, Segesta, Palermo,Taormina. Aber wege de Cholera hond die Italiener i de Zwischeziit die Schdränd vu Sizilie gschberrt. Also wars nint mit de Inselumrundung. So sind mir halt wider abzoge, hond no drei Däg lang in Scilla an Odysseus denkt und sind dann  imme große Boge um Neapel ummi i die Albaner Berg gfüchded. Dert giits e dolls Bild vum Ferdl imme Ruaderboot uffm Lago di Nemi. Vu de Albaner Berg simmer i oam Rutsch gi Nizza gfaare und deno iber älli sälli Päss vu de Tour de France zum Genfer See. D Habsburg bi Aarau war deno de letscht Programmpunkt vu isere Schdudiereis. Es war doll wie de Ferdl äll des gschaffed het, nochdem er s Chaos vu Neapel  verdaut het.

Ferdl im Aspromonte

2010 han ech im zum 80. no drei Flasche Wii i de Hindeburgring broocht, wo er mit de Eva sin verdiende Ruhestand gnosse het. Letscht Woch hommern uff em Eschinger Friedhof beerdit und e Abordnung vu sinnere Studendeverbindung ischt in Wichs am Sarg gschdande.  

De Schniederli Ferdl isch fer mech e  Paradebeischbil dodefir, dass en Mensch uus oafache Verhältnis – hit dät mer sage „bildungsfernen Schichten“ – e erfolgriichi akademischi Karrier und e glunges Läbe schaffe ka, wenn er nu intelligent, fliesig und zielschdrebig ischd.

Ferdl als Ruderer auf dem Nemisee

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