Und denkt daran, die Sitzungen sind öffentlich und wenn man nicht von den Einschätzungen und subjektiven Berichten anderer abhängig sein will, so darf man auch sehr gerne selbst kommen.
Kommentare sind immer willkommen!
Seit dem 8. November ist unser Bürgermeister 100 Tage im Amt! Herzlichen Glückwunsch!
Hier geht es um die Sitzung am 14. November 2024
Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik
In Fürstenberg auf einem Acker Richtung Hondingen wird eine neue, etwa 300m2 große Lagerhalle gebaut. Da der Acker im Außenbereich von Fürstenberg liegt, ist der Landwirt nach § 35 BauGB privilegiert. Der Gemeinderat muss also zustimmen.
Zwei Baugesuchen für Wohnhäuser in Fürstenberg Zähringerstraße 15 und Obstgarten 8 wird auch zugestimmt.
In Hüfingen Grubengarten (Hausener Straße gegenüber vom Ziegeleschle) wird eine neue Lagerhalle mit 2.200 m2 gebaut. Das Grundstück liegt innerhalb des rechtskräftigen Bebauungsplan „Kleines Stückle /Grubengarten“ in einem Gewerbegebiet. Deswegen muss der Gemeinderat auch hier zustimmen.
Dem Bauantrag zur Erweiterung des Feuerwehrgerätehaus mit 24 zusätzlichen Pkw-Stellplätzen in das Gewerbegebiet Ziegeleschle wird auch einstimmig zugestimmt.
Wobei ich mich ernsthaft frage, warum die Feuerwehr so eine riesige Fläche für 31 Pkw braucht? Ist dies ein Zeichen dafür, dass die neuen Schulungsräume auch für externe Schulungen genutzt werden dürfen?
TOP 5 Abteilungskommandanten der Feuerwehr-Einsatzabteilung Hausen vor Wald
Zum Abteilungskommandanten der Feuerwehr-Einsatzabteilung Hausen vor Wald wurde Marcel Schwinge und zum stellvertretenden Abteilungskommandanten wurde Thomas Happle gewählt.
TOP 6 Festsetzung des Hebesatzes der Grundsteuer A und der Grundsteuer B
Grundsteuer-Berechnungsverfahren: Sowohl im Bundesrecht als auch im Landesgrundsteuergesetz wird die Grundsteuer wie im bisherigen Recht in einem dreistufigen Verfahren ermittelt:
Im ersten Schritt, dem Bewertungsverfahren, stellen die Finanzämter den Grundsteuerwert fest. Das Verfahren endet mit dem Erlass eines Grundsteuerwertbescheids.
Im zweiten Schritt wird von den Finanzämtern auf der Grundlage des Grundsteuerwerts der Messbetrag berechnet. Das Verfahren endet mit dem Erlass eines Messbescheids.
Im dritten und letzten Schritt errechnet die Gemeinde die Grundsteuer, in dem sie den Messbetrag mit dem vom Gemeinderat beschlossenen Hebesatz multipliziert. Durch den Grundsteuerbescheid wird die Grundsteuer dann gegenüber dem Steuerpflichtigen festgesetzt.
Für das Grundvermögen (Grundsteuer B) hat der Landesgesetzgeber in Baden-Württemberg mit dem modifizierten Bodenwertmodell einen eigenen Weg gewählt. Bei diesem Modell wird die Grundstücksfläche mit dem vom örtlichen Gutachterausschuss auf den 01.01.2022 festgestellten Bodenrichtwert multipliziert. Die Gebäudewerte auf den entsprechenden Grundstücken sind dagegen nicht relevant. In Baden-Württemberg bleibt die Bebauung eines Grundstücks und damit ein etwaiger Gebäudewert auf der Ebene der Bewertung damit unberücksichtigt.
Der sich ergebende Grundsteuerwert (Grundstücksfläche x Bodenrichtwert) wird mit der sogenannten Messzahl, für die insbesondere für bebaute Wohngrundstücke ein Abschlag von 30 % vorgesehen ist, vervielfacht.
Formel ab 2025: Grundstücksfläche x Bodenrichtwert x Messzahl x Hebesatz = jährliche Grundsteuer (Formel bis 2024: Einheitswert x Messzahl x Hebesatz = jährliche Grundsteuer)
Bei der Land- und Forstwirtschaft (Grundsteuer A) hat der Landesgesetzgeber das Bundesmodell übernommen. Die Bewertung erfolgt hier auf Basis eines typisierenden durchschnittlichen Ertragswertverfahrens. Während im bisherigen Recht bei land- und forstwirtschaftlichen Betrieben die Wohngebäude der Betriebsinhaber und seiner Familienangehörigen bei der Grundsteuer A mitbewertet worden sind, werden diese zukünftig als eigenes Grundsteuerobjekt bei der Grundsteuer B bewertet.
Aufgrund der neuen, ab 2025 geltenden Bemessungsgrundlagen sind auch die Hebesätze 2025 neu zu beschließen.
Bisherige Hebesätze
Der Hebesatz der Grundsteuer A (Betriebe der Land- und Forstwirtschaft) beträgt im Jahr 2024 in Hüfingen 390 %. Der Hebesatz der Grundsteuer B beträgt im Jahr 2024 in Hüfingen 435 %.
Neue Hebesätze für Hüfingen2025
Heute wurde mit zwei Gegenstimmen beschlossen:
Der Hebesatz der Grundsteuer A (Betriebe der Land- und Forstwirtschaft ohne Wohnhäuser) wird für 2025 in Hüfingen auf 361 % (-29%) gesenkt. Der Hebesatz der Grundsteuer B wird im Jahr 2025 auf 442 % (+ 7%) erhöht.
Das Finanzministerium hat für die Grundsteuer B ein sogenanntes Transparenzregister veröffentlicht: Transparenzregister Für Löffingen habe ich aber gestern in der Zeitung gelesen, dass der Hebesatz B jetzt für 2025 460% beschlossen wurde.
Ich denke das alles hat fast niemand kapiert. Also ganz banal: Kramt den Bescheid vom Finanzamt raus und multipliziert den Steuermessbetrag bei einem Grundstück innerhalb der Stadtgrenzen mal 4,42 und beim Flurstück von Landwirtschaftsflächen mit 3,61.
Zu Landwirtschaftsflächen, also A, gehören nur Flächen die für Ackerbau oder als Grünland genutzt werden und außerhalb von Ortslagen sind. Alle Gärten sind B , ob sie nun Bauland sind oder nicht, sind sie Siedlungsfreifläche und werden in Zukunft etwa das 20-fache an Steuern kosten. Hierfür ist aber nicht die Stadt verantwortlich, sondern das Finanzamt das den Steuermessbetrag willkürlich so festgesetzt hat.
Auf jeden Fall kann man sich nicht bei der Stadt beschweren, sondern das Finanzamt ist zuständig. Also können kann man das schon, nützt nur nichts.
Meine Prognose ist, dass die Höhe des Hebesatzes weniger das Problem sein wird, sondern der Grundsteuermessbescheid, der die Basis hierfür ist. Gegen diesen Grundsteuermessbescheid laufen in Baden-Württemberg auch schon einige Klagen und deswegen hätte man damals gleich widersprechen sollen.
Von der SPD Fraktionssprecherin kam der Vorschlag sich für die Zukunft eine Einführung von der Grundsteuer C zu bemühen. Bei der Grundsteuer C geht es um nicht bebaute aber bebaubare Grundstücke. Also Bauland als Kapitalanlage oder für Spekulationen.
TOP 7 Wassergebühren 2025
Heute soll eine Erhöhung der Wasserverbrauchsgebühr besprochen werden.
Anstatt irgendwas zu bescheinigen müsste der Landrat eigentlich eine Sanierung anordnen und auch das Betriebsgelände, im Besitz des Donaueschinger Fürstenhauses, Teil unseres Wasserschutzgbietes werden lassen, wo es 1958 raus genommen wurde. Vermutlich müssen die Hüfinger irgendwann für die Sanierung selber bezahlen, da der Landrat Angst vor dem Fürstenhaus hat. Das blöde Volk muss er ja nicht fürchten, wir dürfen ihn ja nicht wählen oder gar abwählen.
Der neuen Wassergebühr wurde einstimmig zugestimmt.
Wasserverbrauchsgebühr neu 2,50 €/m³ Wassergrundgebühr* neu 80,04 €/Jahr; 180,00 €/Jahr; 486,00 €/Jahr; 1.296,00 €/Jahr *je nach Zählergröße Irgendwer muss ja auch die 53.165,45 € für die Bräunlinger Wasserleitung bezahlen, aber immerhin bekommen wir dann teures, sauberes Wasser aus Bräunlingen, falls der Palmhof havariert.
TOP 8 Festhalle Hüfingen: Beauftragung Austausch Seilwinden im Zuge der Brandverhütungsschau
Bezüglich der Brandverhütungsschau der Bühnenanlage wurde festgestellt, dass die Seilwinden in der Festhalle Hüfingen nicht mehr zulässig sind. Heute wurden die Umbauarbeiten in Höhe von 22.312,50 € vom Gemeiderat einstimmig genehmigt.
TOP 9 Neubesetzung der Feldwegekommission
Für die neue Feldwegekommission wurden heute drei neue Stadträte gewählt. Es sind Gunther Limberger, Reinhard Isak und Patrick Moog, sowie der Stadtbaumeister Thilo Mayer.
Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.
Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.
Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches hier gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz. In blau einige Fotos und Erklärungen.
Hier der 1. Teil vom Kapitel Mainau
Mainau
Gegen das Ende der schmalen Landzunge, welche den Untersee vom Überlinger See trennt, m Eingange des letzteren, erhebt sich das Land nochmals aus der Fluth und bildet ein Terrassenförmiges, bis zu 89 Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand des Sees ansteigende Eiland, welches eine halbe Stunde im Umfange hat.
Es ist dies einer jener außerordentlichen Punkte, über welchen die Mutter Natur alle ihre Schönheit und Güte ausgegossen zu haben scheint. Die Alten gaben ihm den Namen Mahgenowe oder Mahen-Anue, wie Badrian sagt „von Luftes wegen“.
Ohne Zweifel stammt die Benennung aus den Zeiten, wo das jugendliche Volk der Germanen das bis heute um den See nicht ganz erloschene Maienfest als religiösen Kultus beging. Und wahrlich, welchen Platze machte der unverdorbene Sohn der Natur wohl passender den Namen seines Luft- und Lieblingsmoments beilegen, als der feenhaft aus den Wellen des geheimnisvollen Bodan empor steigenden sonnigen Aue?
Die geschichtlichen Nachrichten über die liebliche Insel beginnen jedoch erst mit den christlichen Ansiedlungen am See. Die Mainau wird seit frühesten Zeiten eine Zugehörige der Abtei Reichenau genannt, von welcher sie an dem Deutschorden kam. Nach einer Volkssage waren die Herren von Bodman die ursprünglichen Besitzer, und eine Erbin dieses Hauses vergab die schöne Au an den deutschen Orden.
Meister Sepp von Eppishusen (Freiherr von Laßberg) erzählt die Sage in seinem wenig verbreiteten Büchlein „vom Littower“ folgendermaßen:
Ein Fräulein von Bodenmann, welche von ihrer Mutter große Güter am Bodensee besaß, nämlich die Mahnau, mit Dörfern, Weilern und Höfen, war in züchtiger Minne einem jungen Ritter von Langenstein hold, und er hinwieder auch ihr. Da sie als eine Waise frei und selbstständig über ihr Gut walten konnte; so war auch des Ritters Vater ganz geneigt, zu dieser Verbindung seine Einwilligung zu geben, und schon nahte der Zeitpunkt heran, der die beiden Liebenden auf immer vereinen sollte. Als der alte Ritter von seinen Lehnsherren, dem Abt der zur Reichenau plötzlich aufgerufen wurde, ihm auf einem Kreuzzug nach Syrien zu folgen. Alter und Behden hatten den Vater gebrechlich gemacht, und der rüstige Sohn mußte an seiner Stelle das Kreuz nehmen und die so nahe Vermählung vertagen.
In den damaligen Zeiten war es wie jetzt, zu einer reichen Erbin standen sich immer viele Bewerber. Aber die treue Maid von Bodnman hing zu innig an ihrem geliebten Ritter und gab den übrigen kein Gehör. Langensteins Zug war nicht glücklich: Die Kreuzfahrer erlitten im Heiligen Land mehrere Niederlagen, und bei einer derselben fiel ihm das traurige Los, verwundet und gefangen zu werden. Tief in das Land der Araber geschleppt und zu schmählicher Knechtschaft gezwungen, blieb ihm wenig Hoffnung, die schönen Augen der holden Frau seines Herzens und die Reben umgrenzten Ufer des Bodensees je wieder zu sehen.
Indessen war die Kunde von Langensteins Verwundung und Gefangenschaft auch nach Schwaben gelangt, und die Bewerbungen um die Hand des schönen Fräuleins fingen mit verdoppelten Eifer wieder an, aber die treue Maid von Bodman, war zu keiner Sinnesänderung zu bewegen, und als ihr die Bewerber zu lästig wurden, zog sie sich zu einer Verwandten in ein benachbartes Kloster zurück, um da ungestört für die baldige Erlösung ihres geliebten Ritters zu beten. Jahre auf Jahre entflohen; In Syrien wurden hie und da gefangene Christen ausgewechselt und losgekauft., aber in das ferne Arabien drang kein mitleidiger Priester, der den Heiden Gold für christliche Sklaven geboten hätte. Standhaft hatte der Ritter von Langenstein alles Anerbieten von Freiheit, Ehre und Reichtum, wenn er den Glauben des Landes annehmen wolle, abgewiesen; aber auch beinahe gänzlich die Hoffnung auf Erlösung aufgegeben, als ihm einst mal im Traume einfiel, die Geliebte seines Herzens und sich selbst Gott aufzuopfern, und hierdurch die himmlischen Mächte zu Mitleid und Hilfe zu bewegen. Er tat also bei sich, das Gelübde: wenn er der Heimat wiedergegeben würde, in einem der drei geistlichen Ritterorden zu treten.
Schon am folgenden Abend fand er die Türe seines Gefängnisses offen, und dem Wink der Vorsehung benutzend, trat er, mit wenigen Lebensmitteln versehen, hinaus in die Sternen. Helle Sandwüste, welche seine Flucht begünstigen sollte, seinen Weg nach dem Laufe der ihm wohlbekannten Sterne* richtend, erreichte er nach vielen Tagen und umfänglichen Mühseligkeiten die Ufer des unendlichen Meeres. Auch entdeckte er in geringerer Entfernung ein Schiff, das auf wiederholte Zeichen und Rufen Ein Boot abgesandte, ihn aufzunehmen. Christliche Männer, die Handel nach Ägypten trieben, waren vom Sturm an diese unwirtliche Küste verschlagen worden und warteten mit Sehnsucht auf günstigen Wind, um ihre Heimfahrt nach Italien anzustellen. Als er erschien, richteten sie ihren Lauf nach dem heimatlichen Strande und erreichten ihn auch ohne besondere Färlichkeiten auszustehen.
Der Freiheit und dem Vaterlande wiedergegeben, hatte der Ritter von Langenstein keine dringendere Angelegenheit als die schnelle Erfüllung seines Gelübdes. Er stellte sich vor dem Landkomture zu Altshausen und bat demütig um Aufnahme in einen Orden, der im neuen, unaufhörlichen Krieg gegen die Heiden zur ersten Pflicht machte.
Der Ruf seiner Tapferkeit war ihm vorausgegangen, und vielleicht damals schon als Dichter bekannt, konnte er in jener Zeit nur als ein Mann von hoher Geistesrichtung gelten. Er mußte also dem Orden ein willkommener Bruder sein, und seine Aufnahme fand keinen Anstand.
Auf sein eigenes Verlangen ward er alsbald mit mehreren jüngeren Brüdern nach dem damals noch heidnischen Preussen gesandt, um im neuen, immerwährenden Kampfe gegen ein tapferes Volk, das den vaterländischen Boden Schritt vor Schritt verteidigte, das noch stets für die holde Erbin von Bodman schlagende Herz zu beschwichtigen.
Die Nachricht vom Langensteins Heimkehr aus dem Morgenlande war kaum in seinem väterlichen Gaue erschollen, als die treue Maid vom Bodman aus den Klostermauern wieder nach ihrer Burg sich aufmachte. Liebliche Gedanken vom seligen Beisammensein und fröhlicher Zukunft umschwebten sie auf ihrem Wege und begleiteten sie bis unter das Burgtor. Ein vertrauter Jugendfreund ihres Ritters*erwartete sie hier: Er brachte ihr den letzten Gruß des für sie nun auf ewig verlorenen Geliebten, und die hochzeitlichen Fackeln erloschen da, wo sie kaum noch in Gedanken angezündet waren.
Nicht lange Zeit bedurfte die edle Schwaben Maid, bis sie zu allem ihres Herzens und ihrer reinen Minne würdigen Entschlusse kam. Tief empfindend
„Wie Liebe mit Leide Ze jüngest lonen kan“
beschloß sie dem geliebten Manne ein Zeichen zu hinterlassen, das ihn ewig an die Liebe und Treue seiner Herzensgespielin erinnern sollte. Sie reiste zu dem frommen Landeskomtur des Deutschen Ordens, und eröffnete ihm, wie sie gesinnt sei, ihr mütterliches Eigen, die schöne Insel Mahnau, mit Dörfern und Höfen, seinem Orden als eine freie Vergabung zuzustellen, wenn derselbe ihr gewährleisten werde, dass Bruder Hug von Langenstein, erster Hauskomtur auf der Insel werden solle.
Strenge waren die Regeln und Gesetze des Ordens. Durch mehrere Kriegszüge und nützliche Dienste musste der Bruder seine Tüchtigkeit erprobt und den Dank seiner Oberen verdient haben, ehe ihm die Türen zu den Würden desselben geöffnet wurden. Nur ausgedienten, durch Wunden und Alter, dem Kriege gegen die Ungläubigen entzogenen Brüdern wurde damal Komtureien verliehen und hiervon konnte weder der Wille, noch die Macht eines Ordensgebieters abweichen. Der Landeskomtur mußte die treue Maid an den obersten Meister des Ordens verweisen. Was sie da ausgerichtet, hat uns die Sage nicht aufbewahrt. Allein soviel ist gewiss, dass wir unter den auf der Insel aufgehängten Wappenschildern, der dortigen Komtur, jenen des Ritters von Langenstein als den sechsten zählen.
Wo nach diesem die treue Maid von Bodman mit ihren zertrümmerten Hoffnungen und mit ihrem zerrissenen Herzen sich hin gewendet, in welches Kloster sie ihren Schmerz begraben, wissen wir nicht anzugeben; es mag für sie wohl gleichgültig gewesen sein, wo sie ihre Tage verweinte. Der Gedanke: mein Geliebter lebt jetzt in meinem Hause, in demselben Gemächern, die einst Zeugen unserer unschuldigen Minne waren, er isst von dem Brot meiner Äcker und trinkt von dem Wein meiner Reben; die hohen Nußbäume, unter denen wir so oft beisammen saßen, beschatten ihn nun wieder, und in der kleinen Kapelle, wo unser kindliches Gebet so manchmal sich vereinigte, flehet er jetzt im Himmel um Mut und Standhaftigkeit für uns beide an: An diese Gedanken müssen sich oft in die stille Zelle der treuen Maid geschlichen und ein bitter süßes Gefühl in dem liebenden Herzen erweckt haben, das gewiss nur unter dem kalten Grabsteine aufhörte, für den geliebten Ritter zu schlagen.
Dies ist die Sage von dem treuen Maid von Bodman und dem Sänger von Langenstein, wie ich sie vor mehr dann dreissig Jahren, aus dem Munde des Volkes vernommen und aufbewahrt habe.
Von dem Ende des Sängers Hug von Langenstein ist mir keine Nachricht bekannt; wahrscheinlich starb er Lebens müde als Komtur auf seiner Insel, und wenn einmal die Gruft in der kleinen Ordenskirche daselbst geöffnet werden sollte, dürfte auch sein Grab entdeckt werden. Er selbst schildert sich uns am Schlusse seines großen Gedichtes als einen Mann, dessen Lebensschiff das Ruder der göttlichen Minne aus dem Sturm bewegten Fluten in den Hafen geschafft hat; der aber auch da nie wahre Ruhe genoß, noch einer sanften Stille. Dieser Gemütszustand deutet doch wohl auf unglückliche Liebe.
Die heimatliche Burg des Ritters Hugo liegt im Hegau, links der Landstraße, welche nach Engen führt. Sie liegt zwischen Felsen, selbst auf einem Fels von weitläufigen Eichen- und Buchenwäldern umgeben. Es ist das größte und festeste Bauwesen aller edeln Sitze des Gaues. Rings um einen ungeheuren Turm her, den das Volk irrig aus dem Fels gehauen wähnt und dessen Alter wenigstens in den Anfang des elften Jahrhunderts, wenn nicht vielleicht sogar in den karolingischen Zeitraum hinauf reicht, sind die Wohngebäude eingereiht und nehmen mit den Wirtschaftsgebäude einen großen Raum ein. Der mit Wappen verzierte Eingang, die großen steinigen Stiegen und Wendeltreppe, die hohen gewölbten Gänge, die von Säulen getragenen Hallen, die hohen geräumigen Säle und Gemächer, die vielen, zum Teil in den Fels gehauenen unterirdischen Gänge und Keller geben dem Ganzen ein großartiges, die vielen sonderbar gealterten Kalkfelsen, ein wunderbares und romantisches Aussehen.
Nach dem Absterben der Ritter von Langenstein kam die Burg in wechselndem Besitz, zuerst als reiche reichenauisches Lehen an die Grafen von Nellenburg, im 15. Jahrhundert an die Edlen von Heudorf, später an die Freiherren von Reischach, und nach diesen an die von Reitenau, zuletzt an die Grafen von Welschberg, von denen es der höchst selige Großherzog Ludwig von Baden erkaufte, zu bleibenden Wohnorte der jetzigen gräflichen Besitzer.
Über den Ursprung des Ritterhauses zu Mainau gibt uns die Geschichte von der Sage abweichende Aufschlüsse. Dr. Josef Bader teilte darüber folgendes mit:
Die Ritter Familie von Langenstein war ein Dienstmannsgeschlecht (ministerialed) der Abtei Reichenau. Die historische Kunde von diesem Geschlecht geht bis zum Jahre 1197, allwo ein Hugo de Langenstein ministerialis ecclesiae Augiensis, das Gut seines Knechtes Machtolf am Donnersberg für 9 Pfund Münze und das Stift Salem überlässt*. Weiter finden wir, dass die Salemer diesen Hugo als Belohnung für seine Bemühungen bei einem Kaufgeschäfte des Stiftes 40 Käse übermachen; woraus es erhellt, wie patriarchalisch die damaligen Zustände, und wie bescheiden der Adel von Langenstein in jener Zeit gewesen sein müssen. Nach diesem Hugo werden noch achte des Geschlechtes urkundlich erwähnt, so dass sich folgende Stammtafel ergibt
Hugo 1197 bis 1211. Hugo 1211 bis 1216. Arnold stirbt 1272. Arnold Ritter bis 1282. Hugo 1259 bis 1267. Arnold Berthold Friedrich. Hugo stirbt 1319 als letzter Spross des Hauses.
Die genannte Familie besaß unter mehreren anderen reichenauischen Benefizien (Dienstmannslehen). auch die Insel Mainau – Im Jahr 1272 geschah zwischen Abt Albrecht zu Reichenau und dem Komtur Rudolf von Schafhus vom Deutschorden über gewisse streitige Güter folgender Vertrag. Der Abt überläßt mit Einstimmung seines Klosters den Landeskomtur für dem Deutschorden die Höfe zu Almansdorf, Eck, Stad, Oberndorf und Dinglsdorf mit dem Kirchensatze und Zehnten und allen reichenauischen Gütern daselbst, ferner das Dorf Lützelstetten mit allen Leuten und Gütern, mit Zwing und Bann und allen anderen Rechten (die Mannslehen ausgenommen), sodann das Schloss und die Insel Maienowe und alle übrigen Güter Arnolds von Langenstein seelig, mit dessen Maieramte, mit der Vogtei und allen Rechten, welche derselbe da gehabt. Dagegen überlässt der Deutschorden dem Stifte Reichenau zu einem Ersatze: das Schloss Sandeck mit der Vorburg, die Höfe zu Wald, Heroltsweil, Landertsweil, bei Ermatingen, Bernag, und Steckborn, nebst verschiedenen Rebgütern und Zehnten in diesen Orten, zu Frutweiler H. Actum in Gotteliubon, anno MCCLXXII, Feria IV podz vinculum S. Petri.
Dies verhielt sich aber folgendermaßen: Der Abt von Reichenau hatte den reichenauischen Dienstmännern von Langensteinen, von Steckborn, von Feldbach und von Frutweiler erlaubt, die oben gezeichneten Besitzungen und Rechte zu Mainau, Almensdorf, Eck, Stad, Oberndorf und Dingelsdorf an den Deutschorden zu vermachen (weil es reichenauische Lehen waren), da nun über diese Güter dennoch ein Streit entstand, so mußte der Deutschorden erstens dieselben als reichenauische Lehen anerkennen und jährlich mit 20 Pfunden Wachses verzinsen, zweitens aber dagegen noch die kleine Herrschaft Sandeck an das Kloster abtreten, welchen die Söhne des Eberhard von Steckborn, (der zu Salem Mönch geworden), ihm vermacht hatten.
Dieses Sandeck war wohl auch ein reichenauisches Lehen im Besitz der Familie von Steckborn gewesen, und da der Abt das vortrefflich gelegene Schloss gern selber zu bewohnen wünschte, ergriff er die Gelegenheit des obrigen Streites, um es dem Deutschorden wieder abzujagen.
Das ist nun wahre Ursprung des Ritterhauses zu Mainau und nicht erst jener Schenkung von 1282, wie gewöhnlich angegeben wird. Im Jahr 1272 war der Schenker Arnold schon verstorben. Daher die urkundlichen Ausdrücke: (qondan oder bonae memoria Arnoldus de Langenstein) er hatte aber Brüder und Söhne.
Mit den angeführten zwei Schenkungen vom Jahre 1282, die Schönhut, wie es scheint, aus Urkunden darthut, kann es sich so verhalten haben: Arnold von Langenstein, der ältere vermachte vor dem Jahre 1272 Schloss und Insel Mainau als reichenaischer Lehenbesitzer dem Deutschorden; dieser war also von dem an Inhaber dieses reichen Lehens, verlieh dasselbe aber afterlehenweis wieder an die Familie von Langenstein, welches es so besaß bis 1282, wo Arnold der jüngere es dem Orden wieder aufgab, das heißt denselben wieder in unmittelbarem Besitz der Mainau setzte, damit ein Deutschhaus daselbst errichtet werde.
Wie bereits bemerkt, hatte Arnold, der Ältere vier Söhne. Von diesem widmeten sich drei dem Deutschorden, den einen Arnold, finden wir als Komtur zur Mainau, wo er 1319 als letzter seines Geschlechts das Leben beschließt. Sein Bruder Hugo verweilte um 1298 im Hause des Deutschordens zu Freiburg im Breisgau, nachdem er vorher, wie sicher annehmen läßt, im Ritterhause zu Mainau sich aufgehalten. Dieser Hugo von Langen Stein ist der berühmte Sänger, von dem noch zwei Gedichte und ein Prosawerk allein vorhanden sind. Von ersteren verherrlicht das eine die heilige Märtyrerin Martina, das andere besingt die wunderbarliche Bekehrung des heidnischen Königs Littower. Das Prosawerklein, genannt „Mainauer Naturlehre„, handelt von der Astronomie, von der Gestalt der Erde und den Bewegung der Himmelskörper und vielem mehr. (Baseler Pergamenthandschriften B. VIII, 27.).
* Er schrieb ja, wie wir nachher vernehmen werden, eine astronomische und astrologische Abhandlung.
* Vielleicht der benachbarte und gleichzeitige Minnesänger Burkhard von Hohenfels.
Der römische Feldherr Tiberius brachte gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Drusus in den Jahren 15 bis 13 v. Chr. Raetien und das im Norden gelegene Vindelicien unter römische Herrschaft. Dem war der Befehl des römischen Kaisers Augustus, ihres Stiefvaters, vorausgegangen, der die Unterwerfung des von den Rätern bewohnten Landes rund um den Bodensee anordnete. Laut dem antiken griechischen Geschichtsschreiber Strabon soll im Jahr 15 v. Chr. Tiberius im Seekampf gegen die Vindeliker eine „kleine Bodenseeinsel“ als Flottenstützpunkt genutzt haben. Man hat abwechselnd jede der vier damaligen Inseln (Lindau, Mainau, Reichenau und Wasserburg) für diese Insel gehalten. Nach dem sicheren Ausscheiden von Lindau und Wasserburg verbleiben noch die Reichenau und die Mainau, jedoch angesichts zahlreicher römischer Fundstücke kommt wohl nur die Mainau in Frage.[28] Das würde bedeuten, dass die Römer die Insel unweit des späteren Constantia (Konstanz) kurzzeitig für ein Kastell, eine Schiffswerft und eine kleinere Flottenstation der römischen Bodenseekriegsflotte des Tiberius, die ihren Hauptsitz in Brigantium (Bregenz) hatte, nutzten.
Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg, (geboren 10. April 1770 in Donaueschingen; gestorben 15. März 1855 in Meersburg) nannte sich selber der Meister Sepp von Eppishusen. Er war Gründer des Baarvereins und auch leidenschaftlicher Sammler. Über ihn gibt es sehr viele Geschichten und auch Kontroversen wegen seines Nachlasses.
Burg Meersburg, Eigentum und Wohnsitz von Laßberg von 1838 bis zu seinem Tode
Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg
Die Maische Säule von Peter Lenk in Meersburg
Laßberg von Lenk in Meersburg
Ritter von Langenstein
Die Freiherren von Langenstein (ein schweizer Adelsgeschlecht über das viel mehr bekannt ist) sind nicht zu verwechseln mit der Ministerialenfamilie des Klosters Reichenau Langenstein. Diese Familie bestand aus Arnold I. von Langenstein und seinen oben erwähnten Söhnen Hugo dem Jüngeren, Berthold, Arnold II. und Friedrich. Sie schenkten 1271 die Insel Mainau, ein Lehen des Klosters Reichenau, eigenmächtig dem Deutschen Orden. 1272 richtet der Orden dort eine Kommende ein, in welche Hugo der Jüngere und ein weiterer seiner Brüder eintraten. Hugo war ein mittelhochdeutscher Dichter und verfasste eine umfangreiche Reimlegende über das Leben und das Martyrium der Heiligen Martina. Ihren Namen leitete die Familie von der Burg Langenstein im Hegau ab, dessen Bergfried heute als Untergeschoss Teil des Schlosses Langenstein ist.
Das Schloss Langenstein liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Orsingen-Nenzingen südlich der Gemeinde Eigeltingen zwischen Stockach und Singen im Hegau. Um 1100 wurde der heute noch als Untergeschoss bestehende Bergfried von der Abtei Reichenau auf einem langgestreckten Felsen aus Jurakalk errichtet. Nachdem das Geschlecht derer von Langenstein zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestorben war, waren in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Adlige im Besitz der Burg, so auch Ritter Bilgeri von Heudorf. Foto: Wikipedia
Kreuzzug nach Syrien
Heißt heute Kreuzzug der Barone. In den Jahren von 1239 bis 1241 war ein von der Kirche geförderter Kriegszug in das heilige Land zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten im Kampf gegen die benachbarten Herrschaftsgebiete der Ayyubiden. Der Kreuzzug umfasste zwei Kreuzzugsunternehmen, den Kreuzzug Theobalds von Champagne und den Kreuzzug Richards von Cornwall. Wikipedia
Deutschordenskommende Altshausen
Die Deutschordenskommende Altshausen war von 1264 bis 1806 eine Kommende des Deutschen Ordens in der Deutschordensballei Schwaben-Elsass-Burgund in Altshausen im heutigen Landkreis Ravensburg in Oberschwaben. Das Schloss Altshausen ist heute Residenz des Chefs des Hauses Württemberg Carl Herzog von Württemberg und Unternehmenssitz der Hofkammer des Hauses Württemberg. Wikipedia
Lucian Reich geht also davon aus, dass jeder Leser die Nibelungen kennt.
Die Mainauer Naturlehre
Die Mainauer Naturlehre ist ein um 1300 entstandenes Werk und laut Wikipedia unbekannten Autors:
Das Werk stellt den Versuch dar, das naturwissenschaftliche Wissen der Zeit in deutscher Prosa darzustellen, so wird z. B. auch die Kugelgestalt der Erde postuliert („div erde, div ist kvgeleht“). Als Grundlage dienten vor allem der Tractatus de sphera und der Computus des Johannes de Sacrobosco sowie das anonyme Secretum secretorum. Der Entstehungsort ist unbekannt, es ist sicher nicht die 1831 von Wilhelm Wackernagel in seiner Ausgabe vermutete Insel Mainau im Bodensee. Erhalten ist sie vollständig nur in einer um 1300 entstandenen Handschrift der Universitätsbibliothek Basel (B VIII 27 293ra-304rb)
Basler Manuskript (B VIII 27 293r) der Mainauer Naturlehre, um 1300 (Wikipedia)
Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.
Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.
Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches hier gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz. In blau einige Fotos und Erklärungen.
Uebersicht
Der Bodensee, welcher, sechs und zwanzig Meilen im Umfang, wie eine große Marke zwischen fünf Ländern germanischer Zunge ruht, hat in seiner größten Ausdehnung von Bregenz bis zur Mündung der Stockach eine Länge von sechszehn Stunden, während seine größte Breite von Rorschach bis Friedrichshafen (von Süd nach Nord) fünf Stunden beträgt. Er liegt zwischen 26 ° 42′ 42“ und 47 ° 24 ‚ 56“ Länge und zwischen 47 ° 28 ‚ 32“ und 47° 48‘ 45“ Breite in einer Höhe von dreizehnhundert und vier und dreißig badischen Fuß über der Meeresfläche. Sein Flächeninhalt beläuft sich auf neun eine halbe Quadratmeilen.
Bei den Römern heißt er Brigantinischer See von der rhätischen Stadt Brigantia; welche keltische Namen mit denen der Schwarzwälder Bäche, Brig und Breg Verwandtschaft haben.
Erst später, im neunte Jahrhundert, taucht sein jetziger Name Bodensee lacus podamicus in Urkunden auf. – Dies beweist aber noch nicht, dass dieser Name wirklich der jüngere sei. Vielmehr dürfen wir der Ansicht G. Schwab’s folgend, annehmen, die Bucht um Bregenz, noch heute der Bregenzer See habe zu Römer Zeiten Brigantinischer See geheißen, während die unteren Gewässer bereits den Namen Bodensee getragen, welche Benennung etwas Allgemeines bedeutet, später die herrschende werden werden mußte. Boden, altdeutsch Bodam, heißt nämlich Vertiefung.
Je nach ihrer Lage tragen wiederum die verschiedenen Teile des Sees andere Namen. Der Ober- und Untersee, jener oberhalb Konstanz, dieser von da abwärts bis Zell, nach dieser Stadt auch Zellersee genannt. Beide verbunden durch das grüne Band des durchströmenden Rheins; die langgestreckte Bucht sodann vom Horn bei Dingelsdorf bis Bodman heißt der Überlingersee, auch der Bodmersee.
Die Tiefe des Bodensees wurde früher in übertriebenen Maßen angegeben. Der See, elf Stunden in der Länge von Konstanz bis Lindau, soll, wie Schiffsleute behaupten, zwischen Lindau und Bregenz 2208 Fuß tief sein, also 900 Fuß tiefer als der Grund der Ostsee. Wenn dies unglaublich erscheint, so ist doch gewiss, das könnte, der See ausgetrocknet werden, sein Becken, das tiefste Tal der angrenzenden Gauen bilden würde.
Neuere Messungen haben folgendes ergeben. Die größte Tiefe zwischen Friedrichshafen und Arbon beträgt 964 Fuss zwischen Langenargen und Rorschach, wo der See eine Breite von drei dreiviertelstunden hat, 693 württembergische Fuss. Die Tiefe zwischen Friedrichshafen und Rorschach, wo das fünf 1/10 in die Breite misst, beträgt 489 württembergische Fuß. Mithin ist das sehr tiefer als der Grund von manchem Meere und tiefer als der tiefste Punkt des Königreichs Württemberg. Nach den Karten des badischen Militärischen topographischen Bureaus hat der See innerhalb der badischen Grenzen zwischen Hagnau und Landschlacht, eine Tiefe von 730 badischen Fuß. Zwischen dem Eichhorn (unweit Konstanz) und Münsterlingen 150 zwischen der Insel Mainau und dem Ufer der Richtung nach Daisendorf 570 badische Fuß. Weiterhin gegen Überlingen und Bodman hat das Gewässer ähnliche Abgründe, während die Tiefe des Untersee im Durchschnitt viel geringer ist.
Zwischen der Insel Reichenau und Allensbach misst die größte Tiefe 80 badische Fuß zwischen der Höri und der Mettnau (bei Radolfzell) 105 und zwischen Überlingen und Thorn 148 Badische Fuß. Sonst finden wir fast überall im Untersee mit 60 Fuß Grund.
In diesen Tiefen-Verhältnissen liegt ohne Zweifel die Ursache, warum der Ober- und Überlinger See so selten, der Untersee hingegen beinahe jedes Jahr zufriert. Das Eis bildet sich bekanntlich von unten herauf. Eine tiefe Wassermasse erkältet aber schwerer, und es braucht eine außerordentliche Temperatur, bis ihr das Grundeis geht.
Das Wasser des Bodensees ist grünlich klar. Es steigt im Frühling während der Schneeschmelze in den Alpen oft bis auf 10 bis 12 Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand. Nebst dem Rhein hat das große Bassin noch 13 Zuflüsse durch kleinere Bäche, nämlich die Dornbirner Ach, die Bregenzer Aach, die Lauterach, die Goldach, die Steinach, alle von Südost kommend, vom Norden die Laibach, die Argen, die Schussen, die Urnauer- und die Seefelder Aach, die Stockach und der Goldbach ergießen sich in den Überlinger-, die Aach bei Zell strömt in den Untersee.
Selten erscheint der ganze See in blanker Spiegelfläche, fast immer zeigen sich farbige Streifen wie von leichten Aufzügen oder innerer Strömung. Eine auffallende Erscheinung sind auch die regelmäßigen Winde, namentlich auf dem Obersee. An heiteren Sommertagen zieht gewöhnlich vormittags ein leichter Ost, der gegen 10:00 in Nord oder West umschlägt, bis gegen Abend wiederum Ostwind sich einstellt.
Der gefährlichste Wind auf dem See ist die Föhn. „Föhn“ heißt der Schiffer, den Südwind, „Westerwind“ den Westwind, „Osterluft“ den Ost- und „Ortwind“ den Nordwind.
Ihr Kommen verkündet ein rötlicher Schein an den Alpen. Auch kann der Nordwest oft der Ostwind sehr Gefahr bringend sein. Ein sonderbares Phänomen, was man beobachtet haben will, ist das plötzliche Aufsteigen des Wassers gegen das Ufer ohne Vergrößerung der Wassermasse und das ebenso schnelle Sinken ohne Sturm oder sonstige äußerliche Ursache. Auf dem Bodensee heißt diese Erscheinung Ruhß. Auf dem Genfer See, wo sie auch vorkommen soll Seiches.
Das sogenannte Blühen des Sees (an einzelnen Stellen) soll vom Blütenstaub nahe stehender Bäume und Wälder herrühren. Der Überlinger See zum Beispiel erscheint oft weiterhin gelblich gefärbt. Das ganze See Becken mit den Alpen und den nächsten schwäbischen Gebirgen ist, wie die Geognosten versichern, das Ergebnis einer der späteren Katastrophen jener Zeit, in welcher die elementarischen Großmächte in übergewaltigen Ringen das tellurische Gleichgewicht herzustellen bemüht waren. Im Verlaufe dieses Kampfes scheinen ungeheure Alpentrümmer zermalmt und von der Flut zu Thal geschwemmt, sich über die genannte Gegend ausgebreitet zu haben.
Wir finden deshalb unter der obersten Dammerde überall Rollsteine (Kies) dann Nagelflue und nach dieser Sand, der an manchen Orten wie bei Meersburg, Überlingen etc. in den haubaren Sandstein übergeht, zuweilen auch mit Gold, Sand und vermengt ist. Das Ganze ruht zuletzt auf einem mächtigen Lager von Thon, der an vielen Stellen unmittelbar den Grund des Sees bildet. Inbegriffen in tiefe Formation zeigt sich auch das Hegau, mit Ausnahme seiner hohen Bergkegel, die ein Werk Meister Vulkans erst später aus dem vertrockneten Bodensatz der Flut wie Blasen in die Höhe stiegen. Wichtige Gründe sprechen dafür, dass zu jener Zeit der Mensch noch nicht existiert, sondern erst nach geschlossenem Frieden das Erdreich betreten habe.
Ringsum an den Ufern hat der See fast überall ein breites Vorland, welches gegen die Tiefe abfällt. Es heißt im landesüblichen Ausdruck die Halde; einer helleren Farbe des Wassers zeigt deutlich ihre Ausdehnung.
Von alters her bildeten Schifffahrt und Fischerei die Haupt Erwerbszweig auf dem Bodensee. Handelsverkehr, namentlich der Transport des Getreides von den gesegneten schwäbischen Ufern in die Schweiz belebte schon in frühen Jahrhunderten diese Gewässer. Die Fahrzeuge waren Segelschiffe von mittlerer Größe, Lädinen genannt, an deren Stelle später die kleineren Segner in Gebrauch kamen.
Das erste Dampfboot, ein württembergisches, befuhr den See im Jahre 1824. Heutzutage durchkreuzen ihn über 20 Dampfschiffe, sie sind Eigentum der Konstanzer, Schaffhauser, Lindauer und württembergischen Aktiengesellschaften.
Nebst dem brachten auch Kriegsleute hin und wieder kleine Flottille in den Bodensee. Die erste erschien unter Tiberius sechszehn Jahre vor Christi Geburt. Der römische Feldherr fuhr mit Schiffen über den See, befestigte eine dortige Insel, wahrscheinlich die Reichenau, und lieferte von da aus den Bindeliciern eine siegreiche Seeschlacht.
Im 30-jährigen Kriege waren es die Schweden, welche unter Wrangel größere Schiffe auf dem See erbauten, und in dem Kriegsjahre 1799 lief eine Flottille unter dem englischen Obristen Williams von Bregenz aus, um die Operationen des Großherzogs Karl zu unterstützen.
Die Fischerei ist zwischen den Orten durch obrigkeitliche Verträge geregelt, die jedoch nicht allzu strenge eingehalten werden. Der bedeutendste und eigentümlichste Bodensee-Fischfang ist der Fölchenfang. Nach ihm kommt der des Gangfischs. Außer diesen beiden Fisch Gattungen wohnen noch 24 andere in dem Gewässer, unter denen die des Brarmen die allermeiste ist.
Zahlreicher sind die verschiedenen Arten geflügelter Gäste, welche theils beständig, theils als Strichvögel an und auf dem großen Weier ihr Fortkommen suchen. Ihre Zahl (Sumpf- und Schwimm Vögel) wird auf etliche und neunzig geschätzt; dazu kommen zur strengen Winterzeit zuweilen noch landesfremde Besucher aus dem hohen Norden.
Das Klima um den See ist im allgemeinen mild. Der Rebe und dem Nussbaum durchaus günstig. Doch hat das schwäbische Ufer ein milderes als das schweizerische. Die badische Strecke von Immenstad bis Deningen, misst, die Inseln ausgenommen, beiläufig zehneinhalb deutsche Meilen; sie bildet Teile der Großherzoglichen Bezirksämter Meersburg, Salem, Überlingen, Stockach, Konstanz und Radolfzell.
Laut Wikipedia ist der Umfang vom Bodensee 273 km; die Länge von Bregenz nach Bodman 63 km; die Breite von Friedrichshafen nach Romanshorn ist 14 km; das Volumen ist 48 km³; die Fläche ist Obersee: 473 km², Untersee: 63 km², zusammen 536 km² (ohne Seerhein); die Mittlere Tiefe ist 90 m; die Höhe über Meeresspiegel ist 395,23 m; Koordinaten sind 47° 38′ N, 9° 22′ O (744895 / 277632).
Wikipedia: Der römische Geograph Pomponius Mela nennt um das Jahr 43 n. Chr. den Lacus Venetus und den Lacus Acronius, die beide vom Rhein durchflossen werden. Man nimmt an, dass es sich um die Namen für den Obersee (nach dem rätischen Stamm der Vennoneten) und den Untersee handelt. Beide Namen kommen sonst in der antiken Literatur nicht mehr vor.
Tabula Peutingeriana (Peutingersche Tafel) mit Silva marciana (Schwarzwald) oben. Der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee, drunter Brigantia (Bregenz) und oben drüber Brigobanne (Hüfingen) (https://tp-online.ku.de)
Der Naturforscher Plinius der Ältere bezeichnet den gesamten Bodensee um 75 n. Chr. erstmals als Lacus Raetiae Brigantinus nach dem damaligen römischen Hauptort am See, Brigantium (Bregenz). Dieser Name ist mit den hier ansässigen keltischen Brigantiern verbunden, wobei offen ist, ob der Ort nach dem Stamm hieß oder sich die Einwohner der Region nach ihrem Hauptort benannten. Bei Ammianus Marcellinus ist später die Form Lacus Brigantiae zu finden.
Wikipedia: Der heutige deutsche Name „Bodensee“ leitet sich vom Ortsnamen Bodman ab und bedeutet damit „See bei Bodman“. Dieser Ortsname geht auf althochdeutsch bodam zurück, was als Gattungswort „Boden, Erdboden, Grundfläche“ und als Ortsname „tief gelegener Siedlungsplatz“ oder „Ort auf einer Ebene“ bedeutet. Der Name des Sees ist erstmals 840 in latinisierter Form als in lacum Potamicum erwähnt, es folgen 890 (jüngere Kopie) ad lacum Podamicum, 902 und 905 prope lacum Potamicum und 1087 deutsch Bodinse, Bodemse. Als althochdeutsche Ursprungslautung ist *Bodamsē beziehungsweise mit Zweiter Lautverschiebung *Potamsē anzusetzen.
Lacus Podamicus. Der Boden See. Kolorierter Kupferstich, um 1640. Quelle: Wikipedia
Aus dem eLexikon: Ruhß (Ruhs), eine noch nicht vollkommen aufgeklärte, ganzen seltene Erscheinung auf dem Bodensee, welche das Wasser desselben scheinbar ohne äußere Veranlassung plötzlich steigen und fallen macht. Vgl. Seiches.
Von Peter Hug: Seiches (franz., spr. ssähsch), periodische Niveauschwankungen des Genfer Sees und im weitern Sinn auch andrer Seen. Nach einer von Merian aufgestellten, von Thomson vereinfachten Formel ist die Dauer der Oszillation der Länge des Sees direkt, der Quadratwurzel seiner mittlern Tiefe umgekehrt proportional, und dies gilt nach Forel auch für den Neuenburger, Brienzer, Thuner, Wallen- und Bodensee, wo die Erscheinung »Ruhß« genannt wird.
tellurisch: von lateinisch tellus (Erde). Tellus ist in der römischen Mythologie die Gottheit der mütterlichen Erde, daher auch oft Terra Mater genannt, und entspricht der griechischen Gaia. Sprich „tellurische Gleichgewicht“ ist die Erde betreffendes Gleichgewicht.
Aus Wikipedia: Juranagelfluh Stark bemooster Aufschluss der Jüngeren Juranagelfluh, schlecht sortiert, wohl gerundet, „Tengener Rinne“, Hegaualb, Schwäbische Alb. Im mittleren Südwestdeutschland schütteten wasserreiche Urflüsse Juranagelfluh genannte Sedimente, darunter auch Konglomerate, deren Gerölle vom Schwarzwald bzw. von der damals noch weiter nach Nordwesten reichenden Albtafel und deren nördlichen Vorland stammen. Diese Urflüsse mündeten in die Graupensandrinne (am Nordrand des Molassebeckens) und später in die entstehende Urdonau. Ober-oligozäne Ältere-Juranagelfluh-Gerölle sind nur am Nordrand des Hegaus erhalten. Die im Ober-Miozän geschütteten Jüngeren Juranagelfluhe sind zwischen dem Kanton Schaffhausen (vor allem aber im deutschen Hegau) und der östlichen Schwäbischen Alb (nördlich und südlich der heutigen Oberen Donau) nachgewiesen und auf geologischen Karten eingetragen.
Bild einer der letzten Lädinen auf dem Bodensee und eines der ersten eisernen Kiesschiffe mit Dieselmotor am Lagerplatz von Immenstaad. Gemalt von Gustav Levering vor 1921. Quelle: Wikipedia
Der Glattdecker Wilhelm, genannt Seeschneck, gilt als das offiziell erste Dampfschiff im regulären Betrieb auf dem Bodensee. Es wurde 1824 mit Unterstützung des württembergischen Königs König Wilhelm I. gebaut, der auch Namensgeber für das Schiff war. Gemalt von Eberhard Emminger (1808-1885) um 1825 Ludwigsburg, Heimatmuseum, Inv.Nr. 212 S. 1072. Quelle: Wikipedia
Wikipedia: Die Seeschlacht auf dem Bodensee war eine militärische Konfrontation zwischen Römern und Kelten, die sich im Jahr 15 v. Chr. ereignete. Das Gefecht war Bestandteil der von Drusus und Tiberius zur Eroberung Rätiens durchgeführten letzten Phase der Alpenfeldzüge. Hierbei drang Drusus von Norditalien aus über die Alpen in Richtung des heutigen Augsburg (Augusta Vindelicorum) vor, während Tiberius sein Heer von vermutlich etwa 10.000 Legionären und einer ähnlich großen Zahl an Auxiliartruppen zunächst im Südwesten Deutschlands (Römerlager Dangstetten) sammelte, um dann über den Bodensee ostwärts nach Augsburg vorzustoßen. Am Bodensee angekommen, ließ Tiberius eine Flottille von Transportschiffen bauen, wobei er eine Insel (möglicherweise die Mainau) als Stützpunkt verwendete. Laut Strabon soll es dann zu einem Seegefecht mit dem dort ansässigen keltischen Stamm der Vindeliker gekommen sein, das die Römer zu ihren Gunsten entscheiden konnten.
Bindeliciern sind also Vindeliker. Die vindelikischen Stämme sind aus der augusteischen Reichsvermessung rekonstruierbar, die der „Geographie“ des Ptolemaios zu Grunde liegt.
Die Römischen Provinzen im Alpenraum nach dem Tod des Augustus, 14 n. Chr. Weisse Beschriftungen bezeichnen wichtige Stämme im römischen Herrschaftsgebiet. Quelle: Wikipedia
Hermann von Wrangel (1587–1643), schwedischer Feldmarschall. Quelle: Wikipedia
De Gangfisch isch e silbrige länglische Fisch, wo 25 bis 30 cm lang werd und öppe 300 g wögt. De Rugge isch echli dünkler, aber nöd ase starch gfärbt, wie bim Blaufelche. Sini Rugge- und Buuchflosse gönd is hend e geele Farbton. De Gangfisch het groossi Auge aber e chliis Muul. Quelle: Wikipedia Alemannisch
Brarmen: Wer weiß was?
Wikipedia: Zu Strichvögeln zählt man alle im Sommer in einem Gebiet heimischen Vogelarten, die vor allem im Winter ihr Brutgebiet verlassen, aber keine Wanderungen nach Süden unternehmen, wie etwa die Zugvögel, sondern in denselben Breiten bleiben. Bei winterlicher Kälte wechseln sie oft den „Landstrich“ und suchen etwas wärmere Regionen auf, wie beispielsweise mild-gemäßigte Gebiete oder aber auch menschliche Siedlungen. Zu den Strichvögeln zählen in Europa zum Beispiel Finken, die Goldammer oder der weit ziehende Gänsegeier
etliche und neunzig: Sprichwörtlich für „sehr viele Pi mal Schnauze“.
4. März 2021 – Fundstück aus einem Zeitungsartikel vom 13. Februar 1954 von unbekannt
Das Städtchen Fürstenberg, das am 18. Juli 1841 innerhalb 2 Stunden abbrannte, hat in früheren Zeiten eine eigene Mühle besessen. Diese Mühle hieß die Spitzmühle. Sie lag auf der Gemarkung Fürstenberg in dem Gewann Brunnenwiesen, rechts an dem Weg, der vom Weiler Schächer nach Hondingen führt.
Um das nötige Wasser zum Betrieb der Mühle beizubringen, wurden drei Weiher angelegt. Trotzdem kam es oft vor, daß nicht genügend Wasser vorhanden war.
Im Januar 1700 wurde dem Müller Andreas Bäurer aus Hondingen von dem damaligen Grafen Froben Ferdinand v. Fürstenberg die Erlaubnis zur Erbauung einer Mühle mit zwei Gängen erlaubt. Die Erlaubnis wurde unter dem Vorbehalt gegeben, daß die beiden Müller in Hondingen und Steppach nichts dagegen einzuwenden hätten. Dies war allerdings nicht der Fall.
Da es bei den damaligen Abgrenzungen der Gemarkungen zweifelhaft war, auf welcher Gemarkung die Mühle gehörte, mußte das Oberamt Hüfingen im Jahre 1706 entscheiden. Die Mühle kam zu Fürstenberg und Bäurer wurde von Herrschaftswegen zu einem leibeigenen Untertanen und Bürger auf Fürstenberg angenommen.
Davon war die Bürgerschaft von Fürstenberg nicht sehr erbaut. Als Bäurer 1706 das Fürstenberger Bürgerrecht erwerben und seine Gebühr bezahlen wollte, wurde er abgewiesen. Der dortige Schultheiß und verschiedene Bürger befürchteten, daß ihnen ein Nachteil und neue Gerechtigkeiten erwachsen könnten und daß man eine Zwangsmühle einrichten wolle.
Ferner machten die Bewohner von Fürstenberg geltend, daß durch die dem Müller gehörenden Tiere Schaden anrichten würden. Einige Bürger gaben auch an, daß die Wiesen durch das Ableiten des Wasser in die Weiher Schaden erleiden könnten, und wenn einmal Wassermangel herrsche, könne der Müller die vereinbarte Frist des Mahlens nicht einhalten.
Der neue Müller verteidigte sich mit der Auffassung, dass die Wiesen eingezäunt werden sollten, sodaß Vieh keinen Schaden anrichten könne; zudem habe er sein Haus mit obrigkeitlicher Genehmigung dahin gebaut, wo es jetzt stünde.
Sollte aber trotzdem noch Schaden durch sein Vieh entstehen, würde er diesen ersetzen. Trotzdem mußte Bäurer noch bis zum Jahre 1710 warten, bis er als Bürger von Fürstenberg aufgenommen wurde. Der fürstenbergische Landvogt von Hüfingen sagte dem Fürstenberger Bauern zu, daß sie ihre Frucht in irgend einer Nachbarmühle mahlen lassen könnten, wenn Bäurer seiner Pflicht nicht nachkommen könne. Im gleichen Jahr gab Bäurer das Versprechen ab, daß er, wie es Handwerks Brauch sei, jedem Bauer der bei ihm mahlen läßt das im gebührende Maß zueignen würde.
Ende 1751 oder anfangs 1752 brannte die Spitzmühle ab. Im Jahre 1752 kaufte der Neudinger Müller Martin Riedmüller den Mühlenplatz samt dem Recht, eine neue Mühle erbauen zu können. Er und seine Rechtsnachfolger zahlten dafür an das Rentamt Hüfingen einen jährlichen Wasserzins von 6 fl. Doch wurde die Mühle nicht wieder aufgebaut, da die Rentabilität in Frage gestellt war. 1804 ging die „Spitzmühlenwiese“ durch Kauf in den Besitz der Standesherrschaft über.
Vielen Dank an German Kramer für die Abstammung des Müllers der Spitzmühle, Andreas Bäurer, der aus Hondingen von der Hinteren Mühle stammte.
Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.
Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.
Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz. In blau habe unten Bilder und Erklärungen.
Vorwort
Die vorliegende Arbeit ist eine geschichtliche und landschaftliche Schilderung der Insel Mainau und der übrigen badischen Bodensee Gestade mit bildlichen Darstellungen, verdankt ihr Entstehen einem allerhöchsten huldvollen Auftrag Seiner königlichen Hoheit des badischen Prinzen und Regenten Friedrich von Baden.
Durch fürstliche Munificenz (Freigebigkeit) mit den nötigen Mitteln ausgerüstet, besuchte der Verfasser in den Monaten April und Mai vorigen Jahres die Mainau und die gesamte Vaterländische Seeuferstrecke. Diesem Ausflug folgte ein zweiter zur schönen Herbstzeit unverzüglich nach der Mainau, welches liebliche Eiland durch seinen allerhöchsten, durchlauchtigsten Besitzer im Laufe des verflossenen Sommers verschiedene neue Einrichtungen und Verschönerungen erhalten hatte.
Nebst einer geschichtlichen und landschaftlichen Darstellung schien es zur Vervollständigung des Bildes wünschenswert, der Sage und Überlieferung, den Sitten und Gebräuchen im Volksleben eine Stelle einzuräumen. Während der Stoff hierzu unmittelbar an Ort und Stelle gesammelt werden mußte, erhielt ich durch gütige Vermittlung des Herrn Geheimen Sekretärs Kreidel, mit welchem in Bezug auf Herstellung des Ganzen überhaupt ein mündlicher und schriftlicher Verkehr stattfand, das erforderliche historische Material über die ehemalige Deutschordenskommende Mainau und dem großherzoglichen General Landesarchiv in Karlsruhe.
Der Archivar Dr. Bader hatte die Güte, Auszüge und Zusammenstellungen aus den betreffenden Akten zu machen und mir an die Hand zu geben. Ich fühle mich daher verpflichtet, für die Förderung öffentlich meinen Dank auszusprechen. Umso mehr, als auch bei den übrigen Teilen des Textes der freundschaftliche Rat und Beistand dieses gründlichen Kenners vaterländischer Geschichte mir wesentlich zustatten kam.
Bei Darstellung des politischen und sittengeschichtlichen Teils der Stadt Konstanz schöpfte ich aus den bisher wenig oder gar nicht benützten handschriftlichen Sammlungen und Aufzeichnungen von Schultheiß, Braunegger und Nikolaus Hug.
Auszüge aus diesen Schriften verdanke ich der Gefälligkeit des Herrn praktischen Arztes Marmor in Konstanz, und dessen Feder wohl nächstens eine ausführliche Geschichte dieser Stadt ans Licht treten wird.
Nicht minder freundliches Entgegenkommen fand ich an den meisten übrigen zur gleichen Zwecken besuchten Orten, wofür ich manchen ehrenwerten Bewohner der Gegend zu Dank verpflichtet bin. Von dem gezeichneten Darstellungen glaube ich sagen zu dürfen, dass diese durch ihre glückliche Lithographie gleiche Behandlung eine schützenswerte Beigabe des Werkes bilden.
Das Urteil über das Ganze einer wohlwollenden Beurteilung anheim stellend, wünsche ich zunächst mit dem Gegebenen einen Theil des allerhöchsten Beifalls meines huldreichen gnädigsten Mäcens, des erhabenen Beschützers aller Bestrebungen in Kunst und Wissenschaft, zu erringen. Gelinge mir solches, so wird diese Arbeit sicherlich ihren weiteren Zweck erreichen, dem Einheimischen das Eigene, Gute und Erhaltenswerte auf vaterländischen Boden unter passenden Rahmen und Gesichtspunkte vorzuführen, dem fremden Touristen aber, bei einem Besucher der schönen, neuer Zeit zu höherer Bedeutung gelangten Insel Mainau und der übrigen Seegestade ein unterhaltender und willfähriger Begleiter zu sein.
Rastatt, zu Ostern 1856.
Der Verfasser.
Lucian Reich
Schloss Mainau mit Palmenhaus, 2002. [Quelle: www.kloester-bw.de] Das Urbar der Deutschordenskommende Mainau von 1394 (mehr auf leo-bw).
Joseph Bader, auch Josef Bader (geboren 20. Dezember 1805 im Schloss Tiengen im Klettgau; gestorben am 7. Februar 1883 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Archivar und Historiker, der am Großherzoglich Badischen Landesarchiv in Karlsruhe tätig war. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Bader
Christoph Schultheiß (geboren 22.07.1512 in Konstanz, gestorben Juni 1584 ebenda), Bürgermeister von Konstanz und Chronist. (Quelle: leo-bw)
Josef Ignaz Braunegger (geboren am 26.01.1774 in Konstanz, gestorben am 5.05.1833 ebenda), Arzt und Heimatforscher in Konstanz. (Quelle: leo-bw)
Nikolaus Hug (geboren 14. Juni 1771 in Konstanz; gestorben 2. Dezember 1852 ebenda) war ein badischer Maler, Kupferstecher und Radierer. https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Hug
Johann Friedrich Marmor (geboren 26.03.1804 in Konstanz-Petershausen, gestorben am 12.12.1879; in Konstanz). Arzt, Archivar, Historiker und Kunsthistoriker. (Quelle: leo-bw)
Konstanzer Münster (1819) von Nikolaus Hug [Quelle: wikipedia]
In einen Hundehaufen zu treten, ist mehr als ärgerlich. Spätestens seit der drohenden Vereinsamung der Bürger im Zuge der Corona-Krise hat die Hundehaltung hierzulande spürbar zugelegt. Zugleich wuchs mit ihr, nebst dem Hundesteueraufkommen der Kommunen, die Zahl der Gassi-GängerInnen. Weshalb in Siedlungsnähe allenthalben die blauen Hundekotbeutel angeboten werden – neuerdings sogar eingangs der stadtnahen Wälder.
Doch hat man Fifi oder Waldi jemals, ob angeleint oder frei laufend, auf einem Waldweg sein Geschäft verrichten sehen? In all den Jahrzehnten, in denen Unsereiner durch den Wald joggt oder spaziert, war doch nie ein Missgeschick mit Hundekot zu beklagen. Umso mehr fallen einem im Wald jetzt regelwidrig hinterlassene, gefüllte oder ungefüllte blaue Beutel ins Auge. Als ob der Kot, gleich welcher Herkunft, nicht auch als Dünger taugen, nicht Schmeißfliegen und Gewürm ernähren würde. Und als ob nicht beide, Menschen wie Hunde, die Angewohnheit auszeichnen würde, möglichst kurz „auszutreten“, sprich: das kleine oder gar große Geschäft möglichst nicht mitten auf dem Weg zu verrichten.
Beutelnachweis im Wald
Ausgabe und Einsammlung am Waldeingang
Die Leinenpflicht mag im vielbegangenen stadtnahen Wald ja ihre Berechtigung haben. Was aber soll hier eine Beutelpflicht? Ist sie nicht – anders als auf Bolz- und Kinderspielplätzen – höchst überflüssig? Als müssten Waldwege im Herbst auch noch mit dem Laubbläser behandelt werden. Umweltbewusstsein und Hygiene in Ehren, doch hier scheint des Guten denn doch gar zuviel verlangt zu werden. Wo der im Korb am Waldeingang gesammelte Inhalt ja auch wieder geleert, entsorgt und recycelt sein will.
Hinzugefügt von Hannah Miriam Jaag am 09.11.2024
In diesem Zusammenhang möchte ich auf mein Müllstillleben aus der „Coronazeit“ hinweisen:
mit dem Bild oben geht diese Geschichte los. Ganz kleine Eier, links ist mein Zeigefinger zum Vergleich, sind an der Garagenwand außen angebracht. Was könnte das sein, war die Frage an mich. Die Antwort war, ich weiß es nicht, aber das werde ich schon herausbekommen.
Das Bild zeigt das nächste Stadium, es sind Larven aus den Eiern geschlüpft und blitzartig erinnerte ich mich, so etwas schon einmal gesehen zu haben. In einem früheren Beitrag vom Juli 2018 habe ich darüber geschrieben, es sind schlicht und ergreifend Wanzen.
Bei diesem Bild hatte ich Glück, denn rasant machten sie sich auch dem Staub und waren und blieben verschwunden.
Das Bild zeigt, dass Wanzen auch schön sei können, hier habe ich im Garten eine Zweikeulenweichwanze vor die Linse bekommen.
Allerdings kann ich nicht sagen, welche Wanzenart aus den hiesigen Eiern entstand. Den weiteren Part werde ich aus meinem letzten Wanzenbeitrag übernehmen. Denn wie heißt es so wahrhaft, die Wiederholung ist die Mutter der Studierenden.
Die etwa 1 Millimeter kleinen befruchteten Eier wurden in einer Gruppe dicht nebeneinander gelegt. Die daraus schlüpfenden Larven leben meist gesellig, wobei sie – man höre und staune – durch Zusammenhaltsduftstoffe (Aggregationspheromone) beieinander bleiben. Dieses Zusammensein war sehr auffallend. Wenn die Tiere Gefahr wittern, sondern sie Alarmdurftstoffe (-pheromone) aus, durch die sich die Gruppe zerstreut. Auch spannend. Sie durchlaufen sage und schreibe fünf Larvenstadien. In Europa überwintern sie überwiegend im Erwachsenenstadium.
Wanzen sind einfach der Hammer. Die Feuer- und erst kürzlich die Lindenwanze habe ich schon vorgestellt. Es gibt weltweit 6.000 Arten. Damit ist sie die artenreichste Familie dieser Insektengruppe. In Mitteleuropa kommen mit etwa 70 Arten relativ wenige vor. Etliche Baumwanzen haben Stinkdrüsen, ich nehme an, dass viele von Ihnen mit deren Inhalt schon einmal unangenehme Bekanntschaft gemacht haben. Die meisten Arten ernähren sich von Pflanzensäften, die sie aufsaugen. Es gibt aber auch räuberisch lebende Arten, die als Nützlinge gelten, da sie sich von zahlreichen Schädlingen ernähren.
Herzliche Grüße Franz Maus
Linden- oder Malvenwanze
Beitrag vom 16.10.2024
Liebe Bürgerpostleser,
Hand aufs Herz, haben Sie so etwas bei uns schon einmal gesehen? Ich vermute nicht. Denn ursprünglich waren diese Krabbeltiere im westlichen Mittelmeerraum, im westlichen Nordafrikas und den Kanaren verbreitet. Auf Europa bezogen sind das Portugal, Spanien, das südliche Frankreich, fast ganz Italien bis ins Tessin und nach Südtirol, und der Nordwesten der Balkanhalbinsel. Und jetzt kommts: Kurioser Weise begann die Art seit etwa Mitte der 1990 er Jahre sich nach Norden und Osten mit rasanter Geschwindigkeit auszubreiten. Bis 2000 wurden Ungarn (1994), die Slowakei (1995) und Bulgarien erreicht, 2001 Österreich. Der erste deutsche Nachweis stammt von 2004 aus der Oberrheinebene, von wo aus sich die Art rasch im Rheintal nach Norden ausbreitete. 2019 waren sie in Berlin angekommen. In der Schweiz gibt es bereits 2005 Massenvorkommen. Nach Osten hin wurden Serbien, Bulgarien und Rumänien besiedelt. Inzwischen kommt die Art auch in Nordfrankreich bis in die Normandie vor. Eine erstaunlich schnelle Gebietserweiterung, finden Sie nicht auch? Man könnte sagen, ein absoluter Hammer. Die Bedingungen in den neuen Gebieten haben sich anscheinend so positiv verändert, dass das die fünf bis sechs Millimeter kleinen Tierchen angezogen hat.
Diese Bilder erhielt ich dankenswerter von Frau Dr. Doris Seichter aus München-Grub. Im ersten Moment dachte ich kurz, es seien Feuerwanzen. Zu sehen sind typische große Ansammlungen der Linden- beziehungsweise Malvenwanzen, wie sie im Herbst vorkommen. Es sind in der Mehrzahl verschiedene rot-schwarz gefärbte Nymphenstadien zu sehen, die wenigen erwachsenen Tiere sind auf dem Rücken weiß gefärbt. Idealerweise überwintern sie als erwachsene Tiere an den Lindenbäumen. Im Sommer saugen Larven und erwachsene Tiere in Mitteleuropa an Trieben und Ästen von Linden, und zwar ohne die Bäume zu schädigen. Im Ursprungsgebiet findet man die Lindenwanzen auch an Malvengewächsen wie Strauchpappeln, Eibisch, Hibiskus und Malven, weshalb sie auch Malvenwanzen genannt werden.
Wir brauchen vermutlich nicht lange warten, bis sie auch auf der Baar auftauchen.
Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr
Jedes Land, jedi Stadt und jedes Oert hät sinni uroegenschte Bsunderheite und Merkmäler. Pfohre hät glii mehreri: D `Enteborg, de Karl de Dick, de Schnuufer, de Pfohremer Emil, fehlende Wald und die aalt Boschestich- Kultur. Die kaa uf de Boor nu no Sumpfohre, Hifinge, und Baldinge vorwiese. Erscht im Oberschwäbische giehts des nomol. Und natierli ganz im Norde im Böllsche Torfklassikerland Irland.
Au so en erschte, uvergässliche Kindheits- Iidruck verbandlet mich mit Pfohre. Wenn de Onkel Fränzle us Villinge, en mittelständische Muurermoaschter, am Sunntig zum Kaffeebsuch kumme isch, war vielmol e Überraschung im Programm. Wenn de Kaffe und de Kakko trunke war, de Kurche verdruckt und d`Manne wohlgfällig Zigarre azunde hond und Wiiber no e Praline gschneiget hond hät de Onkel Fränzle sage kinne: „ Älli Kinder iistiege , me machet e Spritztour “ Die ganz Bagage isch in Opel- Kapitän innigschlupft und ab ischs gange a sie Spezialstrecki. Es hät nu zwei Strosse gäe wo er des zoage hät kinne wa iis und ihn selber pfupferet hät. Die pfielgrad Diiremer- oder i dem Fall d` Pfohremerstrooß. Am Fischerhof hät er Vollgas gähe, on nochem andere Gang uffigschaalte und gjohlet : „ Gucket uf de Tacho “ Ganz figgerig hond mir gschächt wie die analog VDO- Noodle sich gege Hundert ufizitteret hät. 6 Zylinder, 90 PS, 2,6 Liter hond des schwer Blechschiff aatriebe. Kurz vor dem Sauboge am Rote Roae war sie knapp dribbert und alli hond glasige Auge ghet und giigset und ghjohlet. Die magisch Schallmuur vu 100 Sache war dorchbroche. S ́erscht mol 1000 Sache, uvergesslich.
Z `friede und strahlend und mit gliehige Backe simmer und de Onkel Fränzli i de Ledersitz versoffe . De Sunntig war meh wie glunge und am Schuel- oder Kindergarte- Mäntig giits hofährtig ebis zum aagähe. No im Abbremse vor dem gähe, giftige Boge isch de hämisch Sproch kumme vum armselige Mangel vu de Pfohremer a Wald. Zaghaft hond Pfohremer am Rote Roa probiert endlich au mol vu Tännliwieber en Wald z` setze z`lau . Denne iibildte Eschinger hät mer endlich emeol s Muul stopfe welle mit ihrene oaföltige Sprich vu wege konn Waald. Mit dem hät mer die Schnuufer immer gfuxt und versecklet. Und grad gege Eschinge sott der zuekünftig Prachtswaald Wald au selewäeg zoage. Denne weremers scho no zoage !
Gmächlich isch es dorch Pfohre gange und d`Gschecht vum Dicke Karl, de Enteborg mit em Schnuufer und em Pfohremer Emil isch wiedermol ufgwermt wore. Womer aber vu de Giisinger Strooß geg Baldinge und de Unterhölzer abboge isch, hät e anders Gschechtli aagfange: „ Gucket do, do gond d `Pfohremer gi Boschestäche. Des sind Torfschibbel die trocknet weret, hoam gfiehrt weret mit em Fuhrwerk mit broate Räder dammer i de Sumpfwiese nit versuuft und im Boscheschopf scheen iibieget weret. Mir z`Villinge hond en Rieswelle- und en Holzschopf und d`Pfohremer halt en Boscheschopf. Die Bosche nimmt mer zum Fiehre vu de Kochi, de Stubbe und zum Bosche- Speck räuche. De Onkel Fränzli hät Verwandschaft z`Pfohre kha, i de „ Bloome“. Selewäg hät er sich i dem Oort uskännt. Die Lektion wär also au glehrt.
Boschepräzision vus Vetters
Johre später, i de Storm und Drang Jugendjohr han ich die näscht Bosche Lektion griegt. Im Büro Greiner hät d `Wolfe Marlies und Raible Irma vu Pfohre gschafft. De Ur- Hifinger, de Frischi- Jacob hät die Büro- Maidli am Mäntig- Morge immer verseckle welle mit dem Sproch: „ Weller Suuländli – Latschi hät ei wieder im Boscheschopf ummenannt druckt ? „ Well die zwei gifizige Pfohremer Maidli koeweng ufs Muul ghait sind, hond sie ihm denno immer ummigäe und knitz pfitteret, „ dass es imme Boscheschopft gmietlicher, wärmer und woacher sei wie i dene stupflige Hifinger Rieswelleschöpf und ihne nie en Hifinger is Huuswese käm „ Wenn sie manchmol no den Sproch: „ Lieber kon Finger als en Hifinger „ no hät de Jacob für e paar Woche wieder s `Muul khaalte. Nomol e Lektion, desmol eweng oachener und feinsinnig ufklärerisch. Die näscht Bosche Lektion hanni noch Fäschter bald au no intus khaa. Wenn d `Wirtschafte und Feschtzelter gege Morge zuegmacht hond, sogar im Caffee Hemdhoch oder im Bahnhof im Münzer Bolozeistund bote wore isch und es fascht scho daget hät häts ghoasse:
„ Kummet , me gond zu mir gi Speckesse“ hät d`Marlies sage kinne. Also mit e paar Promill Vorsprung ab zu de Wolfe- Marlies. I de Kochischublad d`Messer und Brettli uusi, en Loab Brot uf de Tisch, Moscht usem Stoakrueg und us de Rauchkammer en gherige Mogge Schpeck, manchmol häsch au de Oortmogge verwischt. Meischtens hond denno die Weschtbooremer und Vorderwälder bim erschte Bisse s`Gsiecht verzoge. Der Speck hät ganz andersch gschmeckt wie iisern Holder- Fichterieswelle- und Wellebängel- Speck. Er war ebbe mit Bosche , mit Torf gräucht und hät ganz andersch groche und gschmekt, halt Pfohremerisch. E weng abgstande, bodig, erdig, torfig, moorig, eweng au sumpfig, rauchbissig, halt oafach boschig. Der bosche- Rauch isch ebbe en viel ältere, us Hochmoor- Torf der uralt isch und nit us frischen Riis und Holz wie bei iis. S `lieget e paar Johrhunderti zische denne zwei Rauch- Sorte, zwische denne zwei Speck- Guu.
Aber au e hohe Brauchtumskultur und Räuchertradition bei beide und zwei ganz bsunderi Gschmaker. Schad dass es en nimme giit, sunscht kennte er no so berühmt were wie de Irisch Whiskey der au en weltberühmte Gschmak noch Torf hä und enorme Zuwachsrate hät. Wie wärs ihr Pfohremer mit eme Märtstand am Friitig mit Boschespeck, Boschebrotwürscht, Boscheschwarzworscht und boschegräuchte Forelle ? Ebis wunderet mi hit no. Wieso d`Pfohremer ufem neie Dorfplatz so en oafältige Storch ufgstellt hond und nit de Boschestecherkult darstellet ? S`gäng au sogar beides. I dene Boschestichgräbe sind die Störch dene sicher überzellige Frösch an Kragge gange.
s Vetter`s im Boscheclaim Vetter
Aber jetzt wet ech im kundige, am oagene Liib gschundene Boschestecher, em Pfohremer Zimmermanne – Ernscht, alias Alfons Hueber, de Griffel übergähe. Der verzellt eich wa hinter dem Boschesteche für e Kultur, für en Kult, für e Gschier, für e Handwerk, für e Wisse, für en Wetteiffer, für e Leischtung, für e Fuhrwerk , au für en Handel, füer e Iikumme, für e Borgerreacht und wa für e Hischtorie dehintersteckt.
Jo , so dierfts gsi sii, dämols .
Und jetzt loset emol im Zimmermaa zue.
Wenn en Eschinger – sell ist des Hubert Mauz – über de Pfohremer Boschestech schriibt, no ist sell für d’Pfohremer ungfähr so, wie wenn d’UNO ‘s Mittelmess, d’Röhling und auch die Unter und die Ober Berche zum Weltnaturerbe erklärt het. De Pfohremer pfuffereds aber auch eweng, wenn si bei dere wechtige Sach nicht selber z’Wort kummet. Sell ist der Grund worum ech zu de Gschecht vum Hubert Mauz auch no min oagene Sempf dezu gä mo. Fer mech sind nämli mit em Bosche steche scheeni Erinnerunge verbunde. Erinnerunge, die mir toalwiis hit no weh dont, wenn i dra denk. Wo ech no e Kind gsi bi, hät mech d’Motter ufem Fahrrad Gepäckträger mit in Boschestech gnomme, wenn si mim Vatter und mim Biäder nochem Zwelfi-Liite ‘s Mittagesse broocht het – ä gueti Suppe im Essekäntli, a paar gsottni Ajer, Broot- und Leberworst us de Bigs, en halbe Loab Brot, Kueche, Boschekiächli und Kaffe zum Nachtisch. S’Gschier, wo d’Suppe und der Kaffe drin gsi sind, ware i nasse Handtiächer iigwicklet, dass alls warm blibe ist. D’Ajer hond au warm bliibe messe. Us dem Grund hät sie d’Motter oafach i d’Kaffekante inigleit. Im Boschestech han ech mitesse derfe. So guet wiä dert, häts Esse dehoam niä gschmeckt. Au ech bi nit ewig e Kind blibe. Bald ha au ech bi de Arbet im Boschestech mithelfe messe. Zum Bosche schalte hät der Vatter mech iitoalt. Ear selber hät d‘Bosche g‘stoche und min Briäder hät ihm oder auch mir gholfe. ’S ist e herti Arbet gsi, aber auch e Sach di mer ‘s ganz Lebe lang nimme vergisst. Boschesaison ist offiziell Ende Mai losgange und ganz Oart hät sich zum Boschesteche im Boschestech troffe. ’S wared aber nit nu on, sondern drei Boschestech – on im Mittelmess, on i de Untere Berche und on i de Obere Berche. Wo die onzelne Familie ehri Bosche g’stoche hond, ist paar Woche vorher uf em Roothuus usgloset worre. Am beste hät mer d’Bosche i de Berche steche kenne, wenn mer der rechtig Platz verwischt hät. Im Mittelmess ist mer obe gege de Hasegarte zu nämlech auf Lett g’stoße, der gar nit brennt hät. Friä am Morge so zwische Segsi und Sibini isches im Boschestech los gange. De Ufsehner im Stech, mir hond Boschekenig zu ihm gsait, dämols isches noch der Ruädli Milli, also de Wolfe Emil, gsi, hät di onzelne Stech scho usgmesse ka – ziä Meter broat, wemmer 10.000 Bosche hät steche derfe. Sovil Bosche hät nämlech jeder Birger steche derfe. Wenn zwei Birger i dä Familie gsi sind – de Vatter und de Grossvater – hät mer 20.000 Bosche steche derfe. Am erste Tag, ist Boschewand no so gstande, wemer fearn ufghert hät, so en meterseachzg oder den meterachzg hoh. Unne im Stech wars meistens matschig. Me hät also am Fueß vu de Wand erst en Grabe unssteche messe, dass ‘s Wasser abgloffe ist. De Nochber hät sell messe abneah. Jetzt hät mer i de Ebini obedra zerst abdecke messe, des hoaßt mer hät de gwase Bode vu etwa zwonzg Zentimeter mitem Spate abstoche, abtrait und in Stech abi gworfe. Joo, und jetzt häts Boschesteche los gau kenne. Im Stech une ist meistens on Maa gstande, der mitem Boschespate horizontal Bosche fer Bosche us de Boschewand usigstoche hät.
Des hät zwar ganz liicht usgsene, me hät defir aber scho ordili Kraft brucht, wemmer de Spate ungfähr driißg Zentimeter i d‘Boschwand – sell ist die gwase Torfschecht – inidruckt hät. Miteme kleine Ruck ausem Ellebogeglenk hät mer hinne de uusstoche Bosche abbroche und sälle denno mit Schwung uf d’Ebini obedra, abgleit. Do obe hät de Boscheschalter gschaffet. Er hät die vom Boschestecher ufigleite Bosche, me ka au Torfschibbel dezue sage, uf de Boschekarre g’lade. Wa sell ist, moss ech glaubi auch erkläre. Im Prinzip ist de Boschekarre ein spezielle Schubkarre fers Boschesteche. Vorne ist e broat Holzrad miteme Iisereife, dann kunnt e etwa fufzg Zentimeter broati und seachzg Zentimeter langei Ladeflächi und hinter dere no e uugfähr fufzg Zentimeter hohe Hinterwand. Uf der Karre hät mer so uugfähr vierzg nassi Bosche ulfade kenne. Aber nu, wemmers verschalte hät. Des Ziig war nämli saumäßig schwer, und wenn de Stech nu ziä Meter broat gsi ist, hät mer den Karre wiit hinteri schalte messe.
Also, ech sags wiä ‘s ist – meh we driißg Bosche, han ech niä uf der Boscherkarre glade, well mir Kraft fer e greßeri Biig g’fehlt hät. Wenn d’Bosche uf der Karre glade gsi sind, hät mer diä uugfähr ziäh Meter hinterem Stech i Zille ufschechte messe und zwar allewiil inere dopptlete Raje, zwei parallel zuenand, zwei – wider parallel – obedruf und dann nomol ganz obe on Bosche schräg. Des wared dann ziäh Bosche, ziäh fu dene Heckli wared dann hundert Bosche. I de oberst Bosche vu dere Zehnerraje hät mer en kleine Grasbischel inidruckt. So hät mer d’Bosche guet zelle kenne und Zille fer Zille, jeweils taused Bosche ufgstellt. ‘S war aber nit so, dass mer die Bosche wo mer selber g’stoche hät im Herbst dann auch hät hoamfahre kenne. Wer welli Bosche kriät hät, ist nämli wider ufem Roothus usglost worre. So hät jeder bim Boschesteche druf g‘achtet, dass die vu ihm gstochene Bosche dem vum Boschufsehner voargebene Normmaß entsproche hond.
Boschestecher Gottfried Vetter
Tricknet hät mer Bosche scho dämols ganz modern, nämli mit Sunneenergie. Wenn d’Sunn aber nit g’schunne hät, oder viel Rege abikumme ist, hond Bosche nicht tricknet. Ime normale Johr, hät mer Bosche nooch uugfähr vier Woche umgschlage. Do dezu kamer auch umsetze sage. Jetzt hät mer Bosche vu zwei Zille zu oore Zille ufgschechete – also wieder inere Zweieraje, aber jetzt miteme zweite Stock obedruf. Jetzt hät im om Heckli scho zwonzg Bosche gha. Bosche wared jetzt scho vill liichter und au scho vill kleiner. Wieder hät mer d’Sunneenergie wirke lau. Wieder paar Woche später hät mer d’Bosch zu kleine, etwa on halbe Meter hohe runde Termli aufbaue und d’Bosche debei immer übers Eck g’lait. So hät prima de Luft durchpfiife kenne. Fer jedes Termli hät mer vierzg Bosche bruucht. Noch wiitere vier Woche wared d’Bosche meistens trucke. Jetzt hät mer Boschehiife mache kenne – und zwar e kreisrunde Boschemuur, en metersechzg hoh, diä obe konisch zuegloffe ist und mit eme Spitz gendet hät. Die Boschemuur ist nooch und nooch mit Bosche ufgfillt worre. Jede Hufe hät taused Bosche zellt. Diä Boschehiife sind dann bis im Herst im Boschestech gstande. Erst wenn d’Earn drin war, hät mer Bosche hoamgfiert, ganz friäer noch mit de War und später dann auch mit de Traktore. Im Boschestech mit dem toalwiis sumpfige Bode giits jo ko Strooß. Es war also e Problem, mit de Fuhrwearcher bis zu de Boschhiife z’fahre. Also hät mer bis dert äni e Strooß baue. Allerdings nit mit eme Stoasatz, oder mit ere Teerdecki, sondern mit langem Gras usem Boschestech. Streii hät mer dezu gsait. Wenns also as Bosche hoamfahre gange ist, hond d’Männer, wieder inere Gmeinschaftsleistung Streii maje messe. Diä Streii hät mer dann uf de holose Stelle vertoalt, so dass der d’War, d’Boschwäge und später Traktore nit versunke sind. Wenn alls guet gange ist, Hät mer d’Bosche dehoam abglade und im Boscheschopf g’lageret. Truckni Bosche staubed und ‘s brechet vu de Bosche au kleine Stickli ab. Des giit de Boschedreck. Au seller hät mer als Brennmaterial iigsetzt, villmool aber auch zum Speck raiche.
Mittelmess etwa 1960
Nomol zu zum Schaffe und zu de Atmosphäre im Pfohremer Boschestech: Me said, dass mer sech nochere lange Ziit nu no a die scheene Sache erinnere kaa. Stimme duet sell nit ganz. Ech jedefalls woaß hit no, dass ech no dene Tag im Boschestech allewiil mords d’Widergente gha ha. Au dass om d’Breame fast g’gfresse hond und die ganz Arbet im Boschestech e wahnsinnige Schinderei gsi ist. Und wa ist scheen gsi? Dass alli Pfohremer im Boschestech beienand gsi sind,dass mer zum Ziini- zum Mittagesse und zum Vesper gmiätlech äni gsesse ist und mitenand g’schwätz hät und auch dass ‘s Esse guet gsi ist. Debei denk ech a d’Suppe usem Essekänntli, a diä im Kaffee warmghaltene Ajer, a de Kuche und Boschekiächli, an Speck und a d’Broot- Leber- und Schwarzworst us de Bigs und natiirlech auch a de Most, vu dem mer aber nit z’vill hät trinke derfe.
Wiä sait de Mauze Hubert amel: Joo, so isches gsi. Wear nomeh wisse will, soll oafach de Beitrag vom Huber Alfons i de Pfohremer Chronik noolese, oder im Hochdiitsche Text d’Informatione zum historische Hintergrund aagugge.
heute gibt es einen krassen Themenwechsel. Hinauf an das Firmament. Können Sie sich vorstellen, was Sie da zu sehen bekommen? Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen. Es sind über 20 Satelliten, die gemeinsam in die Erdumlaufbahn geschossen wurden. Und zwar auf den Bildern unten, am 27. Oktober 2024, einen Tag nach dem Abschuß noch relativ nahe beieinander und deswegen durch die längere Belichtungszeit als Strichspur zu sehen.
27. Oktober 2024
Ich bekam zufällig Wind davon, weil meine Nichte Nadine Scherer aus Blumberg-Hondingen mir ein Bild schickte und mich vor ein Rätsel stellte. Ein Gedanke war ein Meteor, also eine Sternschnuppe, aber die ist viel schneller. Dieses Gebilde brauchte zwei bis drei Minuten, bis es verschwand. Dann fand ich die Lösung im Internet unter: Starlink. Mit diesen Starlink Satelliten bringt Elon Musk schnelles Internet in entlegene Orte unseres Globus. Nach jedem neuen Start fliegen die Satelliten erstmal in einer Kette beieinander, bevor sie sich auf die für sie vorgesehenen Umlaufbahnen verteilen. Die Satelliten werden von einer Falcon 9 Rakete von SpaceX in den Erdorbit geschossen. Hier lösen sie sich und die Rakete landet wieder heil auf der Erde.
Nebenbei habe ich erfahren, dass diese Satelliten am 28. Oktober kurz vor 18.40 Uhr wieder zu sehen sind. Das wollte ich nicht verpassen und mir ist das Bild unten gelungen. 21 Satelliten wie eine Perlenkette, ich sags Ihnen, mir liefs bei dem Anblick kalt den Rücken hinunter. Wie ein Zug am Firmament sah es aus, ein Gedanke war auch, dass der Weihnachtsmann dieses Jahr etwas früher kommt. Wie wenn ein Schalter umgelegt wird, war der Spuck vorbei und nichts mehr zu sehen. Sie wissen es wahrscheinlich, der Grund für das Leuchten der Satelliten ist das Bestrahltwerden durch die Sonne und sobald der Erdschatten auf sie fällt, ist Feierabend.
28. Oktober kurz vor 18.40 Uhr
Zwei Bilder habe ich im Status der ehemaligen Kollegin Claudia Baur aus St. Georgen-Stockwald gesehen und war begeistert von der Qualität. Sie erlaubte mir sie zu benutzen, herzlichen Dank dafür. Ich vermutete, dass sie ein Stativ nahm. Sie verneinte. „Mein Samsung s23 hat eine Nacht-Funktion, wodurch 3 Sekunden lang belichtet wird“. Das kann sich doch prima sehen lassen. Für mich war es ein Lerneffekt, denn ich stellte fest, dass mein Händi auch diese Funktion hat. Toll, was man noch alles lernen darf.
Die Bilder unten zeigen, dass die Abstände deutlich größer sind als tags zuvor und mit der Zeit schwenkt jeder Satellit in seine vorgesehen Umlaufbahn.Vorbei ist die Perlenkette, aber noch ist nicht aller Tage Abend, es sind noch viele Abschüsse geplant. Über die „Satellite Tracker app“ kann man die Geschehnisse verfolgen.
Das Bild links zeigt den großen Abstand vom ersten Satelliten und ganz oben it zur Orientierung der sechsthellste Stern Wega in der Leier als Orientierungspunkt zu sehen.
Herzliche Grüße Franz Maus
Claudia Baur schickte mir vom 29. Oktober ein weiteres Bild, das letzte, auf der man deutlich sieht, wie die Abstände nochmals deutlich größer geworden sind. Ich habe das Ereignis auch wieder sehen dürfen und war wiederum sehr begeistert.
Der Gedenkstein für Günther Reichelt wurde eingeweiht
Ein Gedenkstein, wie er passender nicht sein könnte: Mit Ecken und Kanten, in seiner Aussage und Klarheit aber eindeutig! Der Gedenkstein für Prof. Dr. Günther Reichelt wurde am Freitag, 25. Oktober 2024, bei einer feierlichen Gedenkstunde im Reichelt-Biotop offiziell eingeweiht. Im Wuhrholz, beim Pfohrener Riedsee gelegen, begrüßte Dr. Hannah Miriam Jaag, Vorsitzende der Freunde der Natur Hüfingen, die über 30 Anwesenden. Darunter auch die beiden Töchter von Prof. Dr. Reichelt.
Einführung und Danksagung Dr. Hannah Miriam Jaag
Im Namen des Vereins übergab der Bürgermeister von Hüfingen, Patrick Haas, symbolisch den Stein an die Stadt Donaueschingen. Bürgermeister Severin Graf nahm das Geschenk gerne entgegen und fügte, an den Hüfinger Bürgermeister gerichtet, an:
„Du bist noch nicht einmal ganz die berühmten 100 Tage im Amt und kommst gleich mit solch bedeutenden Geschenken aus der Nachbarschaft zu uns. Das wissen wir besonders zu würdigen; das läßt auf eine gute Zusammenarbeit hoffen! Herzlichen Dank Dir ganz persönlich und vor allem auch den Freunden der Natur Hüfingen!“
Reden Bürgermeister Patrick Haas und Bürgermeister Severin Graf
Der ehemalige Oberbürgermeister von Donaueschingen, Thorsten Frei MdB, hat seine Erinnerung mit uns geteilt:
Rede von Thorsten Frei, MdB
Prof. Dr. Helmut Gehring, langjähriger Weggefährten von Prof. Dr. Günther Reichelt hat seine Erinnerungen mit uns geteilt:
Prof. Dr. Günther Reichelt war die treibende Kraft hinter der Entstehung der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwarzwald-Baar-Heuberg e.V., des Vorgängervereins des heutigen BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) Regionalverbands.
Durch seine Forschung und Publikationen hat er entscheidende Impulse für den Naturschutz in unserer Region gegeben und das Bewusstsein für ökologische Fragestellungen bei politischen Entscheidungsträger geschärft. Durch seinen großen Wissensschatz und seine umfassenden Kenntnisse über die Natur der Region war er stets eine anerkannte Autorität und sein Wort hatte Gewicht. Wir möchten an dieser Stelle an seinen Einsatz gegen die „Schwarzwald-Autobahn“, für die Etablierung einer geregelt Müllentsorgung und Wertstofftrennung, sowie für die Ausweisung und Entstehung zahlreicher Biotope und Naturschutzgebiete erinnern.
Sein Engagement für den Schutz bedrohter Arten und Lebensräume war beispielhaft und hat viele dazu motiviert, sich ebenfalls für die Natur einzusetzen. Er gab denen eine Stimme, die nicht selbst für sich sprechen konnten – den Tieren, den Pflanzen, unserer Natur, unserer Umwelt, unserer Heimat.
Sein selbstloser und unermüdlicher Einsatz für eine lebenswerte Zukunft imponieren noch heute und erfüllt uns mit großer Dankbarkeit. Wir freuen uns sehr über die Ehrung, die unserem Gründer durch die heutige Gedenksteineinweihung zu Teil wird und bedanken uns bei den Freunden der Natur Hüfingen, die seinen großen Leistungen und seinem bedeutenden Wirken in unserer Region Nachhall verleihen.
Ganz im Sinne von Günther Reichelt ließen die Freunde der Natur neben dem Gedenkstein ein Überwinterungshabitat für Reptilien und Amphibien errichten. Finanzielle Unterstützung für das gesamte Vorhaben erhielten sie dafür von der Sparkasse Schwarzwald-Baar, der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg, dem Steinmetz Udo Weisser, dem Bagger- und Forstbetrieb Heinrich Jägle und der Umweltgruppe Südbaar.
Dr. Hans Joachim Blech, Weggefährte und Gründungsmitglied der Freunde der Natur Hüfingen
In Memoriam Professor Günther Reichelt
Im Herbst 1975 zogen meine Frau und ich nach Donaueschingen Aasen und engagierten uns schnell in der evangelischen Kirchengemeinde Donaueschingen wie auch im Themenbereich Umweltschutz.
Die Kirchengemeinde Donaueschingen feierte 1976 Fastnacht im ehemaligen Pfarrhaus. Dort trafen wir unter anderem auf Günther Reichelt, ich im Kostüm der Waldschrats, Günther Reichelt als Mephisto im Sinne von Gustav Gründgens. Wir tanzten Freistiel bis in den Morgen.
Wir trafen uns wieder im Kirchengemeinderat, im Baarverein, bei Diskussionen mit dem Fürstenhaus um die Bibliothek des Baarvereins, bei Exkursionen z.B. mit Otti Willmanns, Freiburg, bei Pflegeeinsätzen, Pflanzungen, dem ersten Lehrpfad Hüfinger Orchideenwald im Deggenreuschen, bei Vorträgen Z.B. Höhlenmalereien ….usw. Man lernte sich natürlich auch privat etwas näher kennen. So stellte sich heraus: In seinem Geburtsort Schladen südlich von Braunschweig lebte eine Cousine meiner Frau, Ich selbst lebte nach dem Krieg seit 1950 bis 1967 in Göttingen, Die Universität war die Alma Mater sowohl für Günther Reichelt wie auch 15 Jahre später für mich.
Nun nochmal zu zwei Aktivtäten:
Waldsterben und saurer Regen war Anfang der 80iger Thema, Saurer Regen, radioaktiver Fallout von Tritium durch Fessenheim. Angeblich zu erkennen u.a. an abnormalen Stengeln vom Löwenzahn.
Gemeinsam haben Günther Reichelt und ich 1982 beim Land Baden Württemberg Widerspruch eingelegt gegen den „sogenannten Sicherheitsausbau“ des Donaueschinger Flughafens. Als alle Personen bei uns im Garten versammelt waren fing es an zu schneien und vom Vollgas des Flugzeuges auf der Startbahn war nichts mehr zu hören.
In dem Biotop, wo der Stein jetzt steht jahrelange Pflegemassnahmen und als Abfall Christbäume für Weihnachten.
Was bleibt ist die Erinnerung an einen Mentor und Vorbild mit immens viel Wissen. Wenn ich thematisch etwas wissen wollte hiess es z.B. Schriften der Baar Jahrgang 19xx, Seite von bis….
Von einer Idee zur Umsetzung
Hannah Miriam Jaag am 15.10.2024
Vor drei Jahren habe ich eine Idee entwickelt und seit dem sehr viele Anträge und E-Mails geschrieben. Die Idee war im Reichelt-Biotop Überwinterungshabitate und einen Gedenkstein an Prof. Dr. Günther Reichelt zu entwickeln.
Die Ersten die meine Idee gut fanden, war die Sparkasse Schwarzwald-Baar. Deswegen unten mein Beitrag vom November 2022 über den Vereinswettbewerb.
Inzwischen konnte die Idee umgesetzt werden. Finanziert und unterstützt von der Sparkasse-Schwarzwald Baar, der Stiftung Naturschutzfonds, der Umweltgruppe Südbaar, dem Bagger- und Forstbetrieb Heinrich Jägle, dem Steinmetz Udo Weisser und dem Naturschutzgroßprojekt Baar.
Begrüßung: Dr. Hannah Miriam Jaag, Vorsitzende Freunde der Natur Hüfingen Übergabe Gedenkstein Patrick Haas, Bürgermeister Stadt Hüfingen Severin Graf, Bürgermeister Stadt Donaueschingen Erinnerungen Thorsten Frei, MdB und Oberbürgermeister a.D. Stadt Donaueschingen Prof. Dr. Helmut Gehring, Weggefährte Dr. Hans Joachim Blech, Weggefährte und Gründungsmitglied der Freunde der Natur Hüfingen Schlusswort Thomas Kring, Projektleiter Naturschutzgroßprojekt Baar
Am 14. November fand die Preisverleihung des Vereinswettbewerbes der Sparkasse Schwarzwald-Baar statt. Die Stadt Donaueschingen war die große Gewinnerin! Herzlichen Glückwunsch an unsere Nachbarstadt für die tollen Vereine und auch ihren super Oberbürgermeister!
Nach Hüfingen gingen auch zwei Preise.
So ging Platz 4 des Votingpreises mit 6.000 Euro an die Musikkapelle Fürstenberg e.V.
Herzlichen Glückwunsch nach Fürstenberg!
Ein Jurypreis ging an die Freunde der Natur Hüfingen e.V. mit 2.500 Euro für das Überwinterungshabitat für Reptilien im Gedenken an Prof. Dr. Günther Reichelt .
Vielen Dank an die Sparkasse Schwarzwald-Baar für das wirklich gelungene Event!