Maria-Lichtmess

Genau 40 Tage nach der Heiligen Nacht ist mit der Weihnachtszeit endgültig vorbei. Das Fest knüpft an das Lukas-Evangelium an, wonach Jesus wie alle jüdischen Erstgeborenen 40 Tage nach seiner Geburt von seinen Eltern zum Tempel in Jerusalem gebracht und dem Herrn „dargestellt“, also geweiht wurde.

Bis Lichtmess wurde früher in den Abendstunden und bis lange in den Morgen hinein bei Kerzenlicht gearbeitet. Die Menschen haben in der immer länger dauernden Dunkelheit das Wirken böser Mächte gesehen, die mehr und mehr Gewalt über die Erde gewinnen wollten. Am Michaelistag sollten die Gläubigen daran erinnert werden, dass Gott Macht hat über Kälte, Unbarmherzigkeit und Tod.

Der Erzengel Michael gilt als Lichtbringer in der Dunkelheit, als derjenige, der die Seelen der Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits begleitet. Er gilt als Bezwinger des Satans in Gestalt eines Drachens. Michael wird mit den Attributen Waage und Flammenschwert dargestellt.

Ein alter Brauch ist es, am Vorabend vom Tag des heiligen Michael im Haus eine Kerze und draußen ein Feuer anzuzünden. Das Michaelislicht zeigt, dass man nun bei der Arbeit wieder Licht braucht. Als es noch keinen Strom gab und Kerzen teuer waren, wartete man bis zu diesem Datum damit. Nach dem 2. Februar musste es dann erneut ohne künstliches Licht gehen:

Wenn’s zur Lichtmess stürmt und schneit – is des Frühjahr nimmer weit!
Is zur Lichtmess hell und rein, wird es no a langer Winter sein!
Lichtmess im Klee — Ostern im Schnee!
Maria Lichtmess bläst das Licht aus, St. Michael zündet’s wieder an.

Mariä-Liechtmeß von Gottfried Schafbuch

Heiliger Nepomuk

Mariä-Liechtmeß vorgelesen von Maria Simon

D‘ Liechtmeß duet a d’Sunn sech loane.
s‘ Büebli blooset d’Liechtli uus,
d’Feischterschiibli frindli blinzelt,
ghuuchet g’frorni Blüemli druus.

s‘ knöschbelt scho im Gart d’Schtuude
und de Dag bliibt länger schtau.
A de Kunkle ’s Wearch isch gschpunne
umme ischt z’Hogarde gau.

’s Waas ischt geweiiht und liit im Zeänli,
Kerze schlank und Schtöcki klei.
D‘ Modder duets zmol liebli schtriichle.
’s ischt e Taufkerz‘ schint’s debei.

Gottfried Schafbuch

Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation

Vorwort

13.02.2025 Hannah Miriam Jaag

Thomas Winterhalder aus Urach war von 1811 bis 1816 der Besitzer vom Haus Nober, dem damaligen Gasthaus „Sonne“. Seine 8 Kinder (von denen wohl nur Matthä, Maria, Karl und Thomas erwachsen wurden) gingen bei Luzian Reich senior in die Schule. Nach dem Tod seiner Frau verließ Thomas Winterhalder mit seiner Familie Hüfingen wieder, um in seiner Heimat bei Friedenweiler eine Uhrenwerkstatt einzurichten.

Vermutlich verband die Familien Reich und Winterhalder auch nach dem Umzug eine langjährige Freundschaft. So berichtet Lucian Reich junior in den Wanderblühten lange über seine wiederholten Urlaube in Friedenweiler und Umgebung bei Freunden. Ein Freund, dessen Namen er nicht nennt, war mit einer Uhrenschildmalerin verheiratet, die früh verstorben ist: https://hieronymus-online.de/die-beiden-schwestern. In den Wanderblühten beschreibt Lucian Reich auch mehrfach, dass damals viele Wirtshäuser von Frauen geführt wurden, sie aber einen männlichen „Beschützernamen“ hierfür brauchten, da nur Männer offiziell Geschäfte führen durften. Ebenso wie die Künstlerinnen, deren Kunst nicht unter ihrem Namen verkauft werden konnte. Auch drückt er seinen Unwillen, aber auch Verständnis, darüber aus, dass viele junge Frauen in die USA ausreisten, um ein eigenes Leben verwirklichen zu können.
Des Weiteren schrieb Lucian Reich damals die Hauschronik einer Schwarzwälder Schildmalers-Familie von Anton Kirner ab.

“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886).
Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller

Luzian Reich senior und Josefa Schelble 1866

Friedenweiler in den Wanderblühten

Friedenweiler 2022

Ahorn im März 2022

Geschichten zum Ahorn gibt es hier: https://www.historische-gasthaeuser.de/gasthaeuser-b/gasthaus-ahorn

Über das Haus Nober ist der Kontakt zu Dr. Peter Schlesselmann entstanden, der anlässlich der 950 Jahr Feier, am 20.10.2023, in Friedenweiler einen Vortrag zur Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation gehalten hatte.

Vielen Dank für die Überlassung des Textes!

Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation

Dr. Peter Schlesselmann 12.02.2025

1. Wo es begann: Kalte Herberge, Urach

Das Gasthaus Kalte Herberge ist am oberen Ende des Urach-Tals, 1370 zum ersten Mal erwähnt. Es ist zentral gelegen, am Durchgangsverkehr zwischen Breisgau und der Baar.

1.1 Thomas Winterhalder (1761 – 1838) auf der Kalten Herberge

Thomas Winterhalder war Uhrmacher, Wirt und Bauer auf dem Steighof. Seine Eltern waren Georg (1730-1783) und Veronika Winterhalder (1740-1809), Besitzer von Steighof und Gasthaus. Thomas kam am 15. Dezember 1761 als zweites von neun Kindern zur Welt.

Die Kalte Herberge und der Steighof (auf der anderen Strassenseite, 1989
abgetrennt)

Kalte Herberge im Schnee 1988

Schnee Fotos von Wolf Hockenjos

Thomas besuchte die Dorfschule in Urach und lernte in der Uhrmacherwerkstätte von Anton Dilger, dem damaligen Wirt auf der Kalten Herberge das Uhrenmachen.
Im Herbst 1789 reichte Thomas Winterhalder bei der fürstlichen Regierung in Donaueschingen ein Baugesuch ein, um einen Acker kaufen und eine Wohnhaus neben das Wirtshaus bauen zu können, was ihm erlaubt wurde (Mathisle Häusle, abgebrannt 1831, 1832 neu erbaut). Gleichzeitig war er noch Bauer auf dem Steighof, bis sein jüngster Bruder, Lorenz (1777-1853), sein Erbe als Steighofbesitzer antreten konnte (1798).
Im Mai 1792 feierte er seine Hochzeit mit Maria Mayer (1789-1813), der Tochter des Magremmebauern Franz Mayer aus Schwärzenbach. Auf der Kalten Herberge stellten sich nun nach und nach acht Kinder ein. Für die weitere Geschichte sind die Brüder Matthä, Karl und Thomas zu erwähnen.

2. Umzug nach Hüfingen

Thomas machte sich etwa 1810 als Uhrmacher selbständig. Allerdings entschloss er sich 1811 zum Kauf des Gasthaus „Sonne“ in Hüfingen und zog mit der Familie um. Den Kaufpreis von 4.347 Gulden für das Anwesen konnte er bar bezahlen, was sicher ein Zeugnis seines Wohlstandes ist. Das Gasthaus lag innerhalb der Stadtmauern, Hauptstr. 5, Ecke Ochsengasse, nahe zum südlichen Tor Richtung Döggingen.

Im April 1811 beantragte Thomas die Bürgeraufnahme für seine Familie. Warum Thomas Winterhalder nach Hüfingen umgezogen ist, lässt sich nur vermuten: zum einen die nicht endenden Kriegsverhältnisse, auf Grund dieser Verhältnisse waren wohl die Export-Möglichkeiten für Uhren sehr schwierig bis unmöglich, sodass das Einkommen mit dem Uhrenbau nicht gesichert war.

1811-1816 war Thomas Winterhalder Wirt in der „Sonne“. Über die Tätigkeit des neuen Sonnenwirtes und über den Geschäftsgang ist uns nichts bekannt. Es ist wohl anzunehmen, dass er, wenigstens nebenbei, auch die Uhrmacherei weiter betrieben hat. In einem Kassenbuch des Neustädter Uhrengroßhändlers Kromer aus dem Jahre 1812 (Stadtarchiv Neustadt) kommt ein Thomas Winterhalder vor, leider wird sein Wohnort nicht genannt, aber es könnte der Hüfinger Sonnenwirt sein.

Es liegt nahe, dass Thomas die Wirtsgeschäfte mehr seiner Frau überließ und nebenbei die Uhrenherstellung weiterführte. Die Kinder gingen wohl in Hüfingen zur Schule, Lehrer war damals Oberlehrer Reich, der Vater jenes Lucian Reich, der ein bedeutender Schwarzwaldmaler wurde.

Pater Winterhalder hatte in seiner Familien-Chronik das Gasthaus „Sonne“ dem Haus, Dögginger-Strasse 1, gegenüber der Weinhandlung Baum, zugeordnet, ausserhalb der Stadt, vor dem Stadttor und vor der Brücke über die Breg, was allerdings wohl nicht korrekt ist. Laut den Unterlagen zum Haus Nober, Hauptstrasse 5, erwarb urkundlich 1823 Johann Caspar Nober das Haus, durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder und dessen Pächter, Johannes Fischerkeller. Dieser baute danach, also nach 1823, dieses neue Gasthaus „Zur Sonne“, Dögginger Strasse 1. Dieses Haus brannte
1891 ab und wurde neu gebaut (Siehe: Haus Nober).

Leider starb 1813 seine Frau Maria, was sicher ein harter Schlag für die Familie mit 4 Kindern war. In diesem Jahr waren viele Truppen auf dem Rückmarsch von Russland und machten natürlich auch Halt in Hüfingen. Die Soldaten und Verwundeten brachten ansteckende Krankheiten (z.B. Typhus, Fleckfieber) nach Hüfingen „Es ist ein Elend, es sind kaum noch 10 -12 Häuser ohne Kranke vorhanden“ (Aug. Vetter, Chronik Hüfingen, S.266).

Ob seine Frau infolge dieser Krankheiten starb, ist nicht bekannt.
Nach dem Tode seiner Frau beschloss Thomas, das Gasthaus zur Sonne zu verkaufen (oder zu verpachten) und nach Friedenweiler zu ziehen. Ob er diesen Entschluss gleich fasste oder noch ein bis zwei Jahre wartete, ist nicht klar.

3. Thomas Winterhalder in Friedenweiler

Es gibt einen Kaufvertrag 1816 für das, „Alte Haus“ sodass der Umzug der Familie mit 4 Kindern nach Friedenweiler wohl 1816-17 stattgefunden hat. In seinem neu erworbenen Haus richtete er seine Uhrenwerkstatt ein und begann mit der Herstellung von Uhren. In welchem Ausmaß er tätig war und wieviele Angestellte er beschäftigte, ist nicht festzustellen. Allerdings war Thomas auch als Weinhändler tätig, wie später nach der Übergabe des Geschäfts an Matthä offenkundig wurde. Thomas gewann bald die Wertschätzung seiner Mitbürger, er war 1819-1829 Gemeinderechner in Friedenweiler.

Inzwischen waren die Kinder größer geworden. Matthä war ein tüchtiger Mitarbeiter in der Werkstatt des Vaters. Tochter Maria musste tüchtig zugreifen, um die Mutter zu ersetzen.

Die Söhne Karl und Thomas zeigten gute Begabung für das Studium. Offenbar war es Thomas, der zuerst zum Studieren bestimmt wurde, bald nach ihm begann auch Karl damit, wohl nachdem er die Grundschule beendete und auch schon mit der Uhrmacherlehre begonnen hatte. Es ist anzunehmen, dass die beiden in Donaueschingen das Gymnasium besuchten.

Thomas entschied sich zur zweiten Heirat. Seine Wahl fiel auf Marianna Straub aus Schollach, was sicher auch gut war für seine noch minderjährigen Kinder. Sie war am 14. Juni 1775 geboren, also 14 Jahre jünger als Thomas, der 45 Jahre alt war, als am 19. Juli 1820 in Friedenweiler die Hochzeit gefeiert wurde. Von Maria Anna Straub wissen wir nicht viel. Es sind lediglich zwei Schriftstücke da, wonach sie am 14. September 1830 ein Testament aufsetzte und 1838 eine Bürgschaft für 100 Gulden leistete.
1830 übergab er das Haus und das Geschäft an Sohn Matthä, die Eltern gingen ins Altenteil „Libding“ (d.h. eigene Wohnung im Haus). Ein Drittel des Krautgartens wurde ihnen belassen, und Matthä hatte die Auflage, den Garten alle Jahre gut zu düngen. Auf dem Acker am Rudenberger Weg konnten sie jährlich Kartoffeln setzen, auch dort hatte Matthä für die Düngung zu sorgen. Einmal im Tag durften sie eine Kuh nach Wahl melken, ein Schwein wurde jährlich für sie gemästet.

Altes Haus, Friedenweiler, ca. 1970, heute, Lindenstrasse 6

Im Erdgeschoss vorne und auf der rechten Seite sind jew. 3 Fenster, dort war sicher die Uhrmacherwerkstatt von Thomas Winterhalder. Dort lernte wohl auch sein Sohn das Handwerk (oder hat schon vorher in Hüfingen Kenntnisse erhalten).

Friedenweiler, Bildauschnitt aus dem Gemälde von Nikolaus Ganter

Uhren von Thomas Winterhalder

Welche Uhren hat er hergestellt? Bis jetzt wurde nur eine Uhr mit seinem Namen gefunden (es tragen auch nur wenige Uhren den Namen des Herstellers). Aber, wie in dieser Zeit (1780-1830) üblich, hat er wohl Lackschilduhren mit Holzplatinen, mit Holzzahnrädern oder Messing Zahnräder angefertigt.
Ob er auch Wanduhren, (wag on the wall – Postman’s Alarm clock), mit rundem Lackschildern für den englischen Markt hergestellt hat, weiss man nicht.

4. Matthä Winterhalder (1799 – 1863) in Friedenweiler

Eine entscheidende Wende im Leben Matthä Winterhalders brachte das Jahr 1830. Nach der Übergabe von Haus und Hof heiratete Matthä Johanna Höfler, 26 Jahre alt, sie stammte vom Kilianhof in Schwärzenbach. Der Ehevertrag gibt uns Einblick in die Vermögensverhältnisse der Brautleute. Matthä besaß damals ein Vermögen von 7.600 Gulden, von denen er 1.860 Gulden in die Ehegemeinschaft einlegte. Johanna Höfler brachte 1.300 Gulden, eine recht ansehnliche Mitgift. Erhalten ist auch noch eine eigenhändig geschriebene Liste von Dingen, die Vater Thomas noch zum Hochzeitsgut gab.

Nicht ganz ein Jahr waren die beiden verheiratet, da starb die junge Frau am 17. August 1831, sie hatten keine Kinder .
Im Januar 1832 heiratete Matthä Winterhalder ein zweites Mal. Er wählte Magdalena Beha, Ihr Vater, Johann Beha, war Pächter, des Schafhofes in Friedenweiler. Laut Ehevertrag betrug das Vermögen von Matthä Winterhalders 8.000 Gulden. Matthä und Magdalena Winterhalder hatten 7 Kinder: Für die weitere Geschichte sind Thomas (1834-1906), Karl (1836- 1918), Anton (1838,-1912) und Johannes (1842- 1916) wichtig.

Um die Jahreswende 1837 und 1838 wurde der Vater Thomas krank und starb am 9. Januar 1838. Nach seinem Tod wurde eine große Menge Wein, 2800 l, versteigert. Dies lässt darauf schließen, dass Thomas, der ehemalige Kalt-Herberge-Wirt und Sonnenwirt von Hüfingen, in Friedenweiler noch einen Weinhandel betrieb. Matthä hatte offenbar kein Interesse daran.

Die Erbschaft verbesserte Matthä´s Vermögensstand erheblich: Am Friedenweiler Gemeindeleben nahm Matthä Winterhalder regen Anteil. Er war in der Gemeinde ein angesehener Mann und wirkte von 1843 bis 1846 als Gemeinderechner und von 1852 bis 1863, also bis zu seinem Tode, als Gemeinderat.

Matthä Winterhalder

4.1. Uhren von Matthä Winterhalder, 1830-1860

Kunden in Vereinigten Königreich, (England, Schottland und Irland), der bedeutendste Markt dieser Zeit, waren besonders interessiert an Tischuhren („Biedermeier Uhren“) und drop dial-Uhren mit Voll-Messing-Uhrwerken. Diese Uhrwerke waren bekannt für ihre hohe Ganggenauigkeit. Um sich an die Marktbedürfnisse in England anzupassen, musste auch Matthä sich diesem Trend anschliessen denn die Herstellung und Einbau von Messing-Platinenwerken, brachte höhere Preise.

Tischuhr mit Holz-Platinenwerk
www.heimatmuseumschwarzwald.de
Matthias Hüttlin, Furtwangen

Drop-dial Uhr mit Messig-
Platinenwerk

5. Johannes Hofmeier (1802-1876) in Schwärzenbach

Als siebter von 9 Kindern kam 1802 Johannes Hofmeier auf dem „Ahorn“ in Schwärzenbach zur Welt. Seine Eltern waren Joseph Hofmeier (1758 – 1825) und Katharina, geb. Bär (1764-1812), sie heirateten 1789. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1812 heiratete Joseph Hofmeier Anna Willmann (1767-1840). Wie so viele Söhne von Schwarzwälder Bauern, die keine Aussicht hatten, den Hof zu erben, lernte er Uhrmacher. Auch seine Brüder Georg (1800-1825, Uhrenhändler, + Spanien), Fidel (1798-1869), Jakob (1807-1835, Uhrenhändler, + Spanien) und Martin (1809-1880, Uhrenhändler in England) wurden Uhrmacher.

Wer sein Lehrmeister war, ist nicht bekannt. Es muss aber ein fähiger Meister gewesen sein, denn er machte aus Johannes einen ausgezeichneten und gewandten Uhrmacher, darüber hinaus aber auch einen unternehmungsfreudigen Geschäftsmann, der seinen Betrieb zu einer großen Firma ausbauen konnte. 1825 starb sein Vater der schon vorher ins Libding gegangen war. Den Hof und das Gasthaus „Ahorn“ hatte er seinem Sohn Fridolin überlassen.

Ahornhof, Schwärzenbach

Johannes kaufte am 25. Mai 1836 dasAhornhäusle von seinem Bruder Fridolin. Es ist zu vermuten, dass er schon vorher dort gewohnt und seine Uhrmacherei dort betrieben hat.
Schon vor dem Kauf des Hauses war Johannes auf Brautschau gegangen. Er heiratet 1832 Agatha Mayer vom Magremmehof. Sie war vier Jahre jünger als er, geboren 1806. Lange mussten sie auf ein Kind warten. 1838 kam eine Tochter, Elisabeth, zur Welt. Es war eine schwere Geburt, die junge Mutter starb leider kurz danach, erst 32 Jahre alt.
1839 heiratet Johannes zum zweiten Mal, Maria Mayer (1812-1897), die Schwester seiner ersten Frau.
Wie man auf den Bild hier sieht, war er ein stattlicher Mann.

Hier sind noch Bilder von ihm in späteren Jahren, und seiner 2. Frau, Maria (Gemälde wohl von Dionys Ganter).

Laut Winterhalder Chronik von Pater Christof Winterhalder, war Johannes Hofmeier wohl 14-mal in England. In seiner Chronik hat Pater Winterhalder diese Reisen etwas ausgeschmückt, als wäre Johannes Hofmeier und manchmal auch sein Bruder Martin, der Uhrenhändler in Birmingham war, zu Fuss mit Krätze und Uhren nach England gereist. Es war aber schon damals üblich, Uhren, in Kisten gepackt, per Spedition in die Zielländer, Frankreich England oder Russland, zu transportieren.
Laut einer Anzeige im Bericht in Gewerbeblatt für den Schwarzwald, im Dez. 1852, organisierte damals schon die Spedition Johann Michael Widt, Strassburg, den Transport von Neustadt, Furtwangen oder Triberg nach London innerhalb von 10 Tagen!

Die Kosten waren:
Nach Strassburg: 1 Gulden / Zentner
Strassburg bis London: 3 Gulden / Zentner
Über Frankreich nach England : 2 Gulden / Zentner

Die Uhren wurden in grosse Holzkisten, ca. 2 x 0.6 x 0,6 m verpackt, geschützt durch Stroh oder anderes Material. Manchmal wurde auch noch Speck oder Butter mit in die Kisten gepackt, damit die Uhrmacher nicht auf einheimische Kost verzichten mussten.

Ausserdem ist zu bedenken, dass das erste Dampfschiff schon 1838 bis Basel kam, und 1847 die Eisenbahn bis Freiburg gebaut war. Die Tulla Rheinbegradigung (1817-1876) war im nördlichen Teil schon weit fortgeschritten, südlich von Breisach dauerte es etwas länger. Wie hoch die Preise für Kutsche, Eisenbahn oder Schiff waren, ist nicht bekannt.

5.1. Johannes Hofmeier Uhren

Johannes Hofmeier fertigte überwiegend Uhren mit Holz-Platinenwerken, eine Uhr mit Messing-Platinenwerk mit seiner Signatur wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Seine bekannten „Drop-dial Uhren“ mit eigener Uhrenkasten-Form oder typischer englischer Form findet man öfters.

R.Constable,
London

Heitzmann &Co, Cardiff

Wehrle, Cambridge

C.J.J. Ketterer, Ware

Drop dial Uhren mit und ohne Schlag

6. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation
6.1. Zusammenschluss der Firmen

Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen, Winterhalder, Friedenweiler und Hofmeier, Schwärzenbach erfolgte wohl ca. 1850-1860. Das genaue Datum ist unbekannt, da keine Geschäftsunterlagen oder Steuerunterlagen mehr vorhanden sind.
Es könnte Johannes Hofmeiers Idee gewesen sein, die Verwaltung und Uhrenherstellung beiden Firmen zu zentralisieren und ein gemeinsames Marketing zu nützen, um Produktsortiment aus der heimischen Uhrenherstellung bereitzustellen, das mit einer grossen Uhrenfabrik konkurrieren konnte (siehe auch Preis-Courant von ca. 1875). Diesen Punkt kann man auch darin sehen, dass in den 1860er Jahren Kuckucksuhren von Baptist Beha ins Sortiment kamen, zum Teil aber auch eigene Entwicklungen auf Basis der Beha Uhrwerke erfolgten. Später wurden aber Kuckucksuhren wieder aus dem Sortiment genommen. Es bestanden ausserdem verwandtschaftliche Beziehungen, der Sohn von Matthä, Anton, arbeitete bei Hofmeier und heiratete 1864 seine Tochter Elisabeth.

Firmengründer (1. Generation) waren also Matthä Winterhalder (1799 – 1863), hervorragend im Nutzen von Innovationen, Entwicklung neuer Uhrwerke und andere Uhrenformen, und Johannes Hofmeier (1802-1876), führend in Nutzen von geschäftlichen Beziehungen in England, aber eher konservativ in Bezug auf Technik. Einen grossen Einfluss auf der Hofmeier Seite hatte sicher seine Tochter Elisabeth.

Man stellte sich wohl erst allmählich auf Tischuhren, Standuhren und Wecker um. Je mehr aber der Export nach England aufblühte, umso mehr wandte man sich der rentableren Herstellung der für England bestimmten Uhren zu und überliess die Anfertigung der Kuckucksuhren anderen Betrieben.

Etikette mit Datum 2.8.67,
also nach dem Tod von M. Winterhalder (1864)

6.2. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, oHG

Die Söhne von Matthä Winterhalder, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. hatten ja beim Vater Matthä in Friedenweiler das Uhrmacherhandwerk gelernt Anton Winterhalder arbeite nach seiner Lehre bei Johannes Hofmeier in Schwärzenbach.
Matthä Winterhalder starb 1864, sodass seine Söhne nun im gemeinsamen Geschäft mit Johannes Hofmeier vertreten waren. Ab 1869 wurde die Firma in eine neue Rechtsform, offene Handelsgesellschaft (oHG) in Schwärzenbach, übergeführt.

Gesellschafter: 2. Generation:
Winterhalder-Seite: Söhne von Matthä:

Thomas (1834-1906), Anton (1838-1912), Karl (1836-1918), Johannes sen. (1842-1921)
Hofmeier-Seite:
Johannes Hofmeier (bis 1876), Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899), Frau von Anton Winterhalder
Nach dem Tod von Johannes Hofmeier war von der Hofmeier Seite nur noch Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899) als Ehefrau von Anton Winterhalder vertreten, der Name Hofmeier im Firmenname wurde deshalb beibehalten.

Die Herstellung der Uhren war wie folgt verteilt:
Herstellung Uhrenteile
Thomas (1834-1906), Friedenweiler, (Strandbadstrasse 6 / Schwesternhaus)
Herstellung Uhrwerke
Karl (1836-1918), Friedenweiler, Altes Haus, Lindenstrasse 6, Werkstatt und Haus vom Vater
Johannes (1842-1918) Neustadt, Wohnhaus und Fabrik, Scheuerlenstrasse 3 (37)?), Gesamtleitung der Firma ab 1870.
Herstellung Uhrwerke, Uhrwerke in Gehäuse einbauen und Vertrieb
Anton (1838-1912), Schwärzenbach, Haus 19a. Übernahme Werkstatt Hofmeier (nach dem Tod von Johannes Hofmeier). Gesamtleitung der Firma bis 1869.

W & H Wanduhr (Postman´s – wag on the wall clock) für den englischen Markt

6.3. Uhren aus der Zeit 1860-1870

Die folgende Uhren sind wohl in der Zeit von 1860-1870 entstanden. Leider lässt sich keine genaues Entstehungsjahr finden, da keine Kataloge oder Markierungen vorhanden sind. Es sind Holz-Platinen- oder Messing-Platinen-Uhrwerke verbaut.

7. Entwicklung in Schwärzenbach

Während des Krieges 1870/71 stockte das Geschäft, da viele Arbeiter eingezogen waren oder dienstverpflichtet wurden. Dann blühte das Geschäft aber mächtig auf, und Anton mußte an eine Erweiterung der Arbeitsräume und an Neubau denken.
Am 25. November 1873 übergab Johannes Hofmeier das ganze Anwesen seiner Tochter. Er war damals 71 Jahre alt. Zweieinhalb Jahre später, am 22. März 1876, starb er.
Kurz nach dem Tode seines Schwiegervaters entschloß sich Anton zum Bau eines neuen Hauses östlich neben dem alten „Ahornhäusle“. Noch 1876 wurde der Bau begonnen. Nach seiner Fertigstellung verlegte er die Uhrmacherei in die neuen Räume, weshalb das neue Haus auch einfach die „Uhrmacherei“ hieß. Er selbst zog mit seiner Frau ebenfalls in dieses Haus.

Mitarbeiter in Schwärzenbach, vor dem Ahornhäusle

Nach und nach wurden weitere Häuser und Werkstätten um das Stammhaus „Ahornhäusle“ mit dem Anbau für Matthä und seine Frau Elisatbeth herum gebaut. Es kam die die Packerei/Holzmagazin (1874), die Schreinerei, die Meisterwohnung D. Kleiser und das Haus für Bernhard Kleiser dazu (1878).

8. Entwicklung in Neustadt

Schon 1869 war als Sitz der Firma Neustadt festgelegt und ins ins Handelsregister eingetragen worden. Antons Bruder Johannes Winterhalder hatte 1873 einen Teilbetrieb der Firma M. Winterhalder und Hofmeier nach Neustadt, in der Scheuerlenstraße gegründet. Er baute ein Wohnhaus mit Werkstätten und Büros, Die Uhrmacherwerkstätten wurden dort im ersten Stock links untergebracht, während rechts die Büroräume lagen. Im zweiten Stock des Neubaus hatte Johannes seine Wohnung. Damit war die erste Niederlassung eines Teilhabers der Firma M. Winterhalder und Hofmeier in Neustadt begründet.

Im Jahr darauf, am 26. Mai 1874 feierte Johannes in Friedenweiler seine Hochzeit mit Emma Oberle aus Saig, Tochter des Saiger Oberlehrers Joseph Oberle, geboren 1850. Trauzeugen waren Karl Winterhalder, der Bruder des Bräutigams, und Adolf Oberle, der Bruder der Braut, der der erste Geschäftsreisende der Winterhalder-Firma wurde. Es war ihm eine Selbstverständlichkeit, dass er seine Arbeiter gut behandelte. Er bezahlte ihnen immer Stundenlohn, während zum Beispiel sein Bruder Anton fast nur im Akkord arbeiten ließ, allerdings in einem gut angesetzten Akkord. Dabei war er aber nicht etwa unwirtschaftlich in seiner Betriebsführung, sondern leitete seine Firma gut und rentabel. Dementsprechend waren seine wirtschaftlichen Verhältnisse immer sehr gut Die Winterhalder in Neustadt erweiterten natürlich auch ihren Besitz mit zusätzlichen Häusern für ihre Kinder.

9. Entwicklung in Friedenweiler

Thomas (1834-1906) und Karl (1836-1918), Winterhalder hatten ihre Werkstätten in Friedenweiler. Karl im Elternhaus, Lindenstrasse 6 (Altes Haus) und Thomas in seinem Haus
Strandbadstrasse 6 (später Schwesternhaus). Beide fertigten Uhrwerke, die In Schwärzenbach in Gehäuse eingebaut wurden. Karl heirate 1864 Katharina Kirner (1841-1897) aus dem Kleineisenbächle. Sein Ansehen war sehr gross, er war 1870 – 1885 Bürgermeister von Friedenweiler. Er baute 1873 das „Neue Haus,neben dem „Alten Haus“.
Sein Sohn Adolf (1883-1954) übernahm später das Haus. Thomas war sehr eigenbrötlerisch und sein Lebtag ein eingefleischter Junggeselle. Er wollte bei seiner Arbeit allein sein und frei über seine Zeit verfügen können. Er machte deshalb seine Uhrenbestandteile allein für sich in der kleinen Werkstätte in seinem Haus, das er sich am Weg zum Klosterweiher erworben hatte. Er arbeitete sehr exakt, und seine
Arbeit erbrachte ihm jedenfalls soviel, dass er in geordneten finanziellen Verhältnissen lebte . Er war ein Individualist, groß gewachsen. Wenn er ausging, trug er immer einen dunklen Havelock, einen Herrenmantel mit langem Pelerinenkragen. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein Gesicht.

10. Entwicklung in Rudenberg

Matthäus (1868-1937), Sohn von Karl Winterhalder, erbte 1893 durch Heirat das Haus Nr. 28 in Rudenberg. Matthäus, ausgebildeter Uhrmacher, war eher ein Einzelgänger. Er baute in seinem Haus Uhren und Uhrenbestandteile, Joseph, ebenfalls Sohn von Karl Winterhalder, kaufte 1895 den Kirnerhof (Haus Nr.10). Er hatte Uhrmacher gelernt, war aber unzufrieden mit seiner Rolle im Firmenverbund. Er
war zuständig für die Transporte der Uhrenteile von Friedenweiler nach Schwärzenbach und Neustadt, deshalb gab er diese Aufgabe auf und widmete sich nur noch der Landwirtschaft.

11. W & H Firmen-Etiketten mit Medaillen

Die Firma Winterhalder & Hofmeier beteiligte sich mehrmals an Ausstellungen im In- und Ausland und erhielt dort mehrere Medaillen, die sie natürlich stolz auf ihren Firmen-Etiketten zeigten.

Goldene / Silberne Verdienstmedaille
Freiburg/Brsg (1887)

Verdienstmedaille Wien 1873, III. Preis-Medaille Melbourne (AUS) 1881

11. Preis-Courant von ca 1875

Als einziges Dokument aus der Zeit von 1870-1875 ist eine Preisliste (Preis-Courant) vorhanden. Daraus lässt sich die Vielfalt der angebotenen Uhrentypen erschliessen. Es scheint, dass die Firma sich nach aussen als Lieferant aller typischen Schwarzwalduhren darstellen wollte. Allerdings ist wohl klar, dass sie, auf Grund der geringen Mitarbeiterzahl sicher nicht alle Uhren selbst herstellen konnten, sondern nicht selbst produzierte Typen zukauften.

12. Uhrentypen aus der Zeit 1880-1900

Einer der schönsten Kataloge von W&H stammt von ca. 1890. Zusätzlich gibt es noch einen Preis-Courant, der Einblick in die Vielfalt der hergestellten Uhrwerktypen und die verlangten Grosshandelspreise gibt.
Es wird angenommen, dass die dort gezeigten Uhren sicher zum Teil auch ab ca. 1880 hergestellt wurden. Eine eigene Uhrenkastenschreinerei war ja schon ca 1870, mit dem Meister Philipp Kirner, eingerichtet worden. Es wurden aber immer noch Gehäuse zugekauft. Es sind nun auch eigene Entwürfe von Gehäusen zu sehen. Ob diese zu grossem Umsatz geführt haben, lässt sich natürlich nicht herausfinden, es fehlen detaillierte Geschäftsbücher. Lediglich ein Kontobuch, wohl von Winterhalder in Friedenweiler ist aufgetaucht. Darin finden sich Angaben über die Zeit von 1901-1909 (und die Zünder-Produktion in den Jahren 1914-1917).

13. 1885-1914: Die besten Jahre

Ob alle Uhrengehäuse selbst in der eigenen Schreinerei gefertigt wurden ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, das Gehäuse mit aufwendigen Schnitzereien ( wie Nr. 321, 325, 349, 351 entweder als Teile oder als Ganzes zugekauft wurden. In der Chronik von Eisenbach (Auf dem hohen Wald,(1991), S.192) wird Rupert Wehrle als Lieferant von Uhrenkästen für Winterhalder & Hofmeier erwähnt (1891). Eventuell wurden auch Uhrwerke nach England geliefert und in dort zugekaufte Uhrengehäuse eingebaut. Es gibt einige Beispiele, bei denen in identischen oder ähnlichen Uhrengehäusen englische Uhrwerke zu finden sind, also dort hergestellt worden waren. Dazu kamen bei den neuen Uhrengehäusen auch künstlerische Messing-Applikationen, die sicher zugekauft waren. Die schönen, aufwendigen Zifferblätter wurden in Eisenbach bei Johann Hogg hergestellt.

Zifferblätter von Kaminuhren, Johann Hogg, Eisenbach.
Ähnliche Zifferblätter findet man auch in Standuhren

Laternenuhren, um 1900, ca. 40 cm hoch, Messing.
Das Gehäuse der Laternenuhren wurde wohl in Friedenweiler gefertigt, dies ergibt sich aus Eintragungen in einem Kontobuch von 1901-1909 (Leihgabe Norbert Winterhalder, Friedenweiler). Die Applikationen wurden sicher zugekauft.

14. Geschäfts-Rückgang, 1900-1903

In den Jahren 1900-1903 gingen die Umsätze stark zurück. Die junge Generation, besonders Ludwig und Linus Winterhalder, führten das auf die veralteten Uhrenmodelle zurück. Nach sicher heftigen Diskussionen überliessen die Senioren, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. (alle über 60 Jahre alt) die Entscheidungen der jüngeren Generation. Ludwig und Linus Winterhalder forcierten den Umbau auf neue Modelle, wobei die reduzierte Produktion der alten Modelle wegen Bedenken aus Friedenweiler beibehalten wurde. Ludwig und Linus bauten die Fabrikation in Neustadt durch Errichtung neuer Gebäude für Werkstätten und einer Gehäuseschreinerei aus. Der Absatz stieg nun wieder merklich an. Den neuen Stil kann man in den Katalogen der folgenden Jahre sehen. Auch in den Bildern
des Ausstellungsraums von 1908 lässt sich das feststellen.

Ausstellungsraum, um 1900 (aus:“In die Neue Zeit (1999))

15. Winterhalder & Hofmeier oHG ab 1909

In den Jahren 1908-1909 zog sich die ältere Generation, die Söhne von Matthä Winterhalder, Thomas, Karl Anton und Johannes, alle geboren 1834-1842, vollständig aus dem Geschäft zurück und die junge Generation, Söhne von Anton und Karl Winterhalder übernahm offiziell die Firma. Die Firma lief nun unter dem Namen M. Winterhalder & Hofmeier GmbH Neustadt (Baden).

16. Neuer Stil der Uhrengehäuse, ab ca. 1901

In der Übergangsphase wurden die neuen Gehäuse noch mit althergebrachten Zifferblättern, reich verziert ausgestattet. Später findet man nur noch die einfachen silberfarbenen Zifferblätter.

Der neue Namen der Firma, M. Winterhalder & Hofmeier, Neustadt (Baden) wurde nun auch als Markierung auf den Uhrwerken verwendet.

17. Handelsagenten in UK und USA

Winterhalder & Hofmeier arbeiteten als Uhren-Grosshändler mit Uhrengeschäften in UK und USA zusammen. Dabei wurden sie durch ihren Vertreter (Geschäftsreisenden) in England, Adolf Oberle (Saig), (1846-1927), unterstützt. Er war der Schwager von Johannes sen. Winterhalder. Gelegentlich war auch Linus Winterhalder in England. Er hatte ja seine Ausbildung in Buchhaltung und Finanzwesen in England gemacht und hatte auch einige Monate bei Camerer & Kuss, London gearbeitet.
Die Haupt-Abnehmer ihrer Uhren waren:
Morath Brothers, Liverpool und Nordengland
Beringer Bros (aus Langenordnach) in Belfast, Irland
Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)
Lorenz Fehrenbach, London
Kleyser & Laule, Kleyser & Tritschler, Oxford Street, London
In USA war es die Firma J.E. Caldwell & Co in Philadelphia.

Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)

Was noch übrig bleibt

Es ist wirklich vorbei…
Heute ist nichts mehr übrig von der ruhmreichen Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, wie bei vielen bekannten anderen Uhrenfabriken im Schwarzwald.
In Schwärzenbach erinnert nur noch die umfangreiche Sammlung von W&H Uhren im „Cafe Feldbergblick“.


Herr Vogelbacher hat viele seiner Schätze direkt im Cafe ausgestellt, lohnenswert.

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation incl. aller Abbildungen aller bekannten Uhren und Uhrwerke, der Geschichte der HAWINA, Standuhrenfabrik, Hans Winterhalder, und vielen Katalogen von W&H sind im Buch „Winterhalder & Hofmeier aus Friedenweiler, Schwärzenbach und Neuststadt, 1816-1932“ zu finden.
Das Buch (328 Seiten, 40€ + Versand) ist erhältlich über:
winterhalder.hofmeier@gmail.com
Peter Schlesselmann

Baden nach Bayern eingliedern?

Wahlergebnisse 1950

Da aus Bayern die Rufe nach einer Neuordnung der Bundesländer kommen, hat mich dies veranlasst den Ruf nach einer Eingliederung in die Schweiz zu überdenken.

Am 24. September 1950 stimmten etwa 65% der hiesigen Wahlberechtigten gegen einen Südweststaat und für die Wiederherstellung Badens. Unter Missachtung der Volksbefragung untersteht Hüfingen der baden-württembergischen Landkreisordnung, wird von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Im Unterschied zu Bayern und 14 anderen Bundesländern dürfen wir den Landrat nicht direkt wählen und bekommen von Stuttgart einen 1. Landesbeamten bestimmt.

Jetzt beschimpfen schwäbische Männer aus Stuttgart Bayern, dass eine Neuordnung der Bundesländer aus Heimatliebe nicht möglich sei. Was ein Blödsinn. Die haben Angst um ihre Fleischtöpfe! Die undemokratische baden-württembergische Landkreisordnung wird zum Machterhalt benötigt.

Landräte werden in Baden-Württemberg durch den Kreistag gewählt. Die Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist unbegrenzt möglich. Eine vorzeitige Abwahl ist nicht möglich. Ein Landrat bekommt in Baden-Württemberg das höchste Gehalt in ganz Deutschland und wir haben 35 Stück davon.

Gehalt für Landräte in Deutschland
Gehalt für Landräte in Deutschland laut Stepstone.
Abgerufen am 14.09.2025

Von den vielen höheren Beamten möchte ich gleich gar nicht anfangen. So gibt es an den verschiedenen Regierungpräsidien unzählige davon. Dann auf den Landratsämtern die ganzen Dezernenten und ähnliches. Die Besoldungen von Beamten in Baden-Württemberg kann hier nachgelesen werden:

https://lbv.landbw.de/-/besoldungstabellen

Die Arbeit wird übrigens von Menschen gemacht die nicht verbeamtet sind, sondern beim Gehalt abhängig von den Erfolgen von Verdi sind. Auf genau auf diese Menschen zeigen jetzt die Beamten zum sparen.
Von einer echten Reform würden nämlich diese „normalen“ Menschen profitieren, ganz gewiss nicht die Politiker. Deswegen wird es keine Reformen geben. Mit „Heimatliebe“ hat dies absolut gar nichts zu tun.

Eine Neuordnung der Bundesländer wäre eben aus Heimatliebe dringen notwendig, damit unser Steuergeld auch bei den Menschen ankommt. Momentan wird alles kaputt gespart. Ausgaben für ÖPNV, Kultur, Jugend und Natur werden gekürzt, damit die oberen Beamten sich weiter in Sicherheit wiegen können.

Für mehr demokratische Partizipation!
Fremdverwaltet von oben herab.
Kreistag erhöht die Kreisumlage

75 Jahre nach der Abstimmung für einen Südweststaat
Südbaden nach dem Krieg

Beitrag vom 24. September 2025

Am 24. September 1950 stimmten 60 % der Bevölkerung Südbadens für die Beibehaltung Badens. Gleich im Anschluß an die Abstimmung hatte Leo Wohleb erklärt, „der schwäbische Angriff auf Baden ist abgeschlagen„.

Allerdings wurde damals nicht gesehen, dass dies nur eine „Volksbefragung“ war und um das badische Volk hat sich Stuttgart noch nie sonderlich geschert.






Baden in die Schweiz eingliedern?

Beitrag vom 11. November 2024

Am 10. November 2024 habe ich eine kurze, eher spöttische, Bemerkung von den Südbadischen Landsenioren in der Zeitung gelesen : „….schlug er mit mit einem Lächeln vor, Baden in die Schweiz einzugliedern…“. Dies war auf die Landkäufe in Südbaden von Schweizern bezogen – aber die Bemerkung hat doch einige Überlegungen in mir ausgelöst.

Wenn man es genau nimmt, so wurde Südbaden nach dem Krieg gegen seinen Willen von Stuttgart annektiert. Aber fangen wir früher an, bei den Schellenbergern. Diese stammten nämlich aus Liechtenstein:

Burg Schellenberg in Liechtenstein.

Nach den Schellenbergern wurde Hüfingen an das Haus Fürstenberg verkauft und gehörte sehr lange dem Fürstenhaus – obwohl immer wieder verschiedene plündernde Armeen durchzogen. Während der 1848er Revolution waren die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger ganz vorne dabei und der Fürst flüchtete in die Schweiz. Nach Zuhilfenahme der Württemberger Armeen wurden die Aufständischen, soweit nicht rechtzeitig in die Schweiz und USA entfleucht, ermordet.

Also gehörte Hüfingen im Grunde seit der missglückten 1848er Revolution den Preussen und dem Deutschen Kaiser. Dies ist natürlich sehr verkürzt dargestellt und die Nazizeit lasse ich besser mal weg. (Da gibt es mal einen eigenen Artikel sobald ich Zeit habe.)

Heute wird Hüfingen von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Wir unterliegen also der Landkreisordnung von Baden-Württemberg, die den Bürgerinnen und Bürgern nur sehr wenig demokratische Rechte einräumt.

Deswegen hätte die Idee ein Schweizer Kanton zu werden doch einigen Charme. Wir hätten eine von uns gewählte Kantonsregierung und eine Regierungspräsidentin oder Regierungspräsident, anstatt eines von oben bestimmten Landrates. – Der Regierungspräsident wechselt in der Regel jährlich oder nach dem Anciennitätsprinzip (Anzahl Jahre in der Regierung). Dieses Amt wäre mit keinerlei anderen Privilegien und keinem anderen Sonderstatus verbunden als der Leitung der Regierungssitzungen.

Davon abgesehen würden die Schweizer uns auch besser verstehen, als die in Stuttgart.

De Südweschtstaat

1950 von Gottfried Schafbuch

S’rumoret zmol landuff, landab.
Min Nochber debret bsässe:
Jetzt, guck emol des Gschmier do aa,
d’Badenser sottes fresse.

Südweschtstaat schtoht do krottebroat,
Potzhageldunderwätter,
sott ech am End en Schwob no geä?
Ho sell, sell wär no nätter.

Wertschaftlech dei’s iis besser gau,
Minischter kennt mer spare.
Und s’badisch Ländle sei fer sech
en ganz verfahrne Karre!

Wie dear Borscht frech ischt mit sim Gschmuus!
Dem will ech d’Moaning sage.
Am liebschte dät jo schüttle ech
des Schwäbli fescht am Krage.

Worum wend d’Schwobe iis denn ha,
dont alli Schlech probiere?
Merkscht nit, sie wend e riiechi Bruut
gi Schtugart inni fiehre.

Sie wend de Rhii und d’Häfe haa,
de Wald und iisri Rübe.
De hoaße Quelle boazets au,
de Dubak no denäbe.

Nitt lang wurs gau, no dätet hie
im Rothuus Schwobe sitze
und i de Schuel e Schwäbli dät
zmol iisri Kinder fitze.

Glaub nu, iis ginges dräckig gnueg,
mier dierftet ninnt me sage.
Vum Muschterländli wäret d’Liit
… halt blos s’fifft Rad am Wage.

Wer des nit merkt, kennt d’Schwobe nitt,
die ‚Hoiligsblechliberger‘.
Ech glaub, wer nit fer Bade schtimmt,
der goschet nochher erger.

Wenn Wertteberg iis sacket ii,
dont d‘ Kind i spätre Ziite
im Kerchhof vu de Hoamettreu
uff isri Grabschtea diite.

Guet Nacht, schloof gsund, und moarn nitt z’frich.
Dues hinter d’Ohre schriibe:
Wear nitt im Hern vernaglet ischt,
will oafach BADISCH bliibe!

Pflichtausgaben auf Kosten der kommenden Generation

kosten für Kanalbau für das Gewerbegebiet Ziegeleschle
Kanalbau für das Gewerbegebiet Ziegeleschle

Da der Gemeinderat den Naturschutz als obsolet und kostenintensiv abgeschafft hat, möchte ich mal auflisten was uns die Zerstörung unserer Natur die letzten Jahre so alles gekostet hat und weiter kosten wird.

Ein großer Posten ist die Entwässerung vom Ziegeleschle mit 1.524.000 Euro. Wobei das sogar noch unterschätzt ist, da hier die Sanierung vom Kennerbach und auch an der Schaffhauser Straße nicht dabei sind.

Kosten RÜB
Kosten RÜB

Dann die vielen RÜB (Regenüberlaufbecken). RÜB sind ein zentraler Bestandteil der Siedlungsentwässerung und spielen eine wichtige Rolle im Schutz gegen sogenannte Spitzenabflüsse. Sie puffern Niederschlagsmengen, entlasten kurzfristig die Kanalisation und es wird behauptet die trügen zum Gewässerschutz bei. Was die tun, ist unsere Häuser vor Hochwasser schützen. Ja, ist natürlich ganz toll für uns, möchte ich nicht abstreiten. Es wäre den Politikern aber ziemlich egal, wenn euer Keller mit Wasser und Fäkalien voll laufen, aber der ganze Dreck geht dann irgendwann in die Kanalisation und würde dort Schaden anrichten. Deswegen behaupten die es sei Gewässerschutz. Somit gehören dann diese RÜB zu den Pflichtausgaben beim angeblichen Naturschutz.

Kosten RÜBen für Neubaugebiet
RÜB für Neubaugebiet

Diese Kosten werden im Haushalt kleinteilig mehr oder weniger versteckt. Aber es gibt natürlich in jeder Ortschaft mehrere dieser Dinger. So zwei neue in Fürstenberg, eins in Behla und eins in Sumpfohren. Man kann locker von ner halben Million ausgehen, was allein die Anschaffung von einem RÜB kostet. Aber wie man sieht, rechnet man beim Strom mit 26.000 Euro im Jahr – jedes Jahr!

Was diese RÜB übrigens auch nebenher tun, ist das Regenwasser davon abzuhalten unser Grundwasser aufzufüllen. Also der Regen kommt von der versiegelten Fläche in die RÜB und in die Kanalisation, von wo aus das ganze Wasser direkt in die Breg geleitet wird. Wir spülen also das Trinkwasser der nächsten Generation die Donau runter.

Was so als Investition gewertet wird

Wenn ich schon bei Kanälen bin: Der Regenwasserkanal von Fürstenberg nach Hondingen ist mit 164.000 Euro natürlich eine super Investition. Immerhin spart es Strom, da das Wasser nicht in die Breg gepumpt werden muss, sondern in die Aitrach läuft. Die Schifffahrt hats nötig. Vermutlich gilt dies auch als Naturschutz.

Mit den 40.000 Euro für eine obsolete Volkshochschule  möchte ich nicht schon wieder anfangen.

Schönen Sonntag!

Wegerecht für alle!

Keine Wegverlegung in die Biberauen am Höllenstein!

Das Mühlöschle ist heute mit einem Gewerbegebiet überbaut

In Hüfingen konnte die Besiedelung schon im Endneolithikum nachgewiesen werden. Diese Zeit ist ca. 2800–2200 v. Chr. und bezeichnet die jüngste, neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ gleichgesetzt. Siehe auch Fürstenberg und Ziegeleschle.

Es gab schon vor dreitausend Jahren um die Breg recht viele Menschen. (Unten ist der Artikel aus dem Gräberfeld im Mühlöschle. )
Die Seemühle wird am 1. März 1291 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Menschen konnten sich nachweislich seit dreitausend Jahren frei zwischen der Seemühle, dem Höllenstein, dem Rotrain und dem Ziegeleschle bewegen.

Im Jahr 1820 hat Fürst Karl Egon mit Hofrath Anton Baur und zusammen mit Freunden der Natur den Weg ausgebaut und einen neuen Steg über die Breg zum Römerbad gebaut. (Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845). Dies war nötig, da es zum einen an der Breg entlang gefährlich war, aber man auch einen Steg benötigte, um auf die andere Seite zu gelangen. Vermutlich war dort auch früher schon ein Steg, da die Menschen vom Mühlöschle in das Ziegelöschle mussten. Unser Alt-Bürgermeister, Anton Knapp, hat diesen Steg wieder bauen lassen. (Bregbrücke).

Heute wird der Weg von vielen Hüfingerinnen und Hüfingern als Naherholungsgebiet genutzt. In den Auen vom alten Mühlenbach, Steinerbächle und Höllenstein leben mindestens zwei Biber und es ist nicht nur ein Biotop, sondern zählt auch als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet).

Wir wollen ein Wegerecht für alle auf den Wegen wie sie seit 3000 Jahren bestehen!

Ein Gräberfeld im Mühlöschle aus der Bronzezeit

8. August 2022

Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden, die von den römischen Anlagen nicht gestört worden waren.

Die Urnenfelderkultur bestand etwa von 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr. in der Urnenfelderzeit. Der Bestattungsritus (Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und die Beisetzung des Leichenbrandes in Urnen) ist durch weitere Kriterien, wie typische Bronze- und Keramikformen, definiert. Die Urnenfelderkultur folgt der Hügelgräberkultur der mittleren Bronzezeit.

Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle
Foto: Karl Schweizer

Grab 1 lag unter dem westlichen Graben der römischen Straße in etwa 1,20 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche, Grab 2 lag in 80 cm Tiefe. *

Beide Gräber durften zusammen mit einer Bronzenadel, die während der Grabung 1957 als Einzelfund geborgen wurde, der Beweis dafür sein, dass sich in der Breg-Schleife, die später von der römischen Siedlung eingenommen wurde, ein urnenfeldzeitliches Gräberfeld befunden hat. *

Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle
Foto: Karl Schweizer

Beide Gräber waren echte Urnenflachgräber ohne weitere erkennbare Grabanlage, bei denen sämtliche Beigefäße und sonstigen Grabbeigaben innerhalb der Urne auf dem Leichenbrand niedergelegt waren.*

Hier eine Liste der Funde von Edward Sangmeister:

Liste der Funde aus Grab 1 (1)
Urne und Beigefäße der Urnenfeldgräber im Mühlöschle (2)
Liste der Funde aus Grab 2 (1)

Beide Gräber seien Musterbeispiele für die gegenseitige Durchdringung der untermainisch-schwäbischen und der rheinsch-schweizeischen Gruppe im Gebiet des Hegaus.

Die Kegelhalsurne aus Grab 1 tendiert gerade wegen ihres Kegelhalses zur untermainisch-schwäbischen Gruppe während in der Verzierung die Halbbuckel, vielleicht auch die Reihe stehender schraffierter Dreiecke auf die rheinisch-schweizerische Gruppe hindeuten.

kammstrichverzierter Schulterbecher (1,2), kannelurenverzierter Schulterbecher (3), flache Deckschale mit Innenverzierung aus Kanneluren (4), Kegelhalsurne (5),

Schalen und Schüsseln mit schwach gewölbter Wandung

Ganz eindeutig zur untermainisch-schwäbischen Gruppe dürfte die Amphore gehören.

Amphore (1), Urne (5), Schulterbecher (3, 7), Schalen (2, 4), flaschenartiges Gefäß (6)

Aufgrund der Keramik ist eher an eine Zugehörigkeit beider Gräber zur rheinisch-schweizerischen Gruppe zu denken, während nur in den Urnen und in der Amphore der Einfluß der untermainisch-schwäbischen Gruppe zu spüren ist.


Urne bei der Ausgrabung 1958
Foto: Karl Schweizer

bronzene Mohnkopfnadel (2), schwalbenschwanzförmiger Anhänger (6a), Anhänger in Kammform mit blitzähnlichen Auswüchsen am Aufhängering (6b),

Eine Begegnung zwischen den Kulturen am Rande der Baar wird durch den Einzelfund der Mohnkopfnadel vom Bereich des ehemaligen Urnengräberfeldes Hüfingen deutlich, mag sie doch belegen, dass hier der Friedhof vielleicht schon in dieser Stufe begann.

Wir befinden uns in einer Zone des Austauschs von Kulturelementen, der in der schwierigen Deutung der letzten Bronzezeiterscheinungen schon faßbar, in der Auseinandersetzung der untermainisch-schwäbischen und der rheinisch-schweizerischen Gruppe der älteren Umenfelderkultur fortgesetzt und in der Vorrangstellung der Schweiz in der jüngeren Urnenfelderkultur besonders deutlich wird. (1)

Edward Sangmeister meinte 1962, dass die Gräber sicher aus Ha A2 seien.

Urnenfeldkultur in Hüfingen

Die Urnenfelderkultur wird in mehrere chronologische Stufen eingeteilt, die als Bronzezeit D, sowie Hallstatt A und B (Ha) bezeichnet werden, da die Unterscheidung zur eisenzeitlichen Hallstattkultur zunächst undeutlich war.

So haben wir hier die späte Hallstattzeit A2. Diese war 1100 v. Chr. bis 1050 v. Chr.

Also sind die Gräber gut 3.000 Jahre alt.

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Grabungen im Mühlöschle 1958. Fotos von Karl Schweizer.


(1) Gräber der Urnenfeldkultur von Hüfingen, Ldkrs. Donaueschingen, Edward Sangmeister, Badische Fundberichte, 22. Jahrgang, Seite 9-13 (1962). Vielen Dank an die Universitätsbibliothek Heidelberg für die digitale Version unter https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0447

(2) Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984.

Neujahrsschießen der Bürgerwehr 2026

Historische Bürgerwehr Hüfingen 1741 e.V beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Wagrain.

2026

Neujahrsschiessen 2026
Vielen Dank Monika Thoma-Walkenbach!
Neujahrsschiessen 2026

2025

Filme und Fotos von Thomas Kring

2024

2023

Historische Bürgerwehr Hüfingen 1741 e.V beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Wagrain mit anschließender Kommandoübergabe.


Zum 200. Geburtstag von Josef Heinemann

Erste Version war im Dezember 2023

Ein Mitglied vom Hüfinger Künstlerkreis war Josef Heinemann, geboren am 29. Dezember 1825 in Hüfingen und gestorben am 2. April 1901 ebenfalls in Hüfingen. Das Grab scheint leider ganz abgeräumt zu sein.

Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt „Muckle“ (1817 – 1902) mit Fes (Das Tragen eines Fes war im Biedermeier ein Zeichen der Gemütlichkeit); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.

Der Vater, Josef Heinemann (18.03.1794 – 31.12.1855) war Naglermeister und Armenhausverwalter. Er war am Bau der Hüfinger Anlage beteiligt und wird in dieser Beziehung mehrfach in den Akten erwähnt: Akte über die Anlage auf dem Rotrain. Die Mutter Katharina Strobel (16.04.1791-20.11.1869) war die Tochter des herrschaftlichen Försters Anton Strobel (1762-02.10.1812) aus Mundelfingen.

Josef Heinemann, hat am 03.11.1857 Maria Josefa Gleichauf (10.02.1828-23.03.1891) in Bonndorf geheiratet. Josefa war eine Schwester von seinem Freund Rudolf Gleichauf und das Paar hatte 7 Kinder.

Josef Heinemann (1825 – 1901)
Bleistiftzeichnung von seinem Bruder Nepomuk Heinemann.
Pfarrer Josef Heinemann, Onkel des Malers Josef Heinemann und des Lithographen Nepomuk Heinemann.
Pfarrer Josef Heinemann, Onkel des Malers Josef Heinemann und des Lithographen Nepomuk Heinemann.
Marie Heinemann (1857 – 1948)
Gemalt von ihrem Taufpaten und Onkel Josef Heinemann.
Mehr zu Marie gibt es im Artikel über das Haus Nober.
Marie und Kätherli (Katharina Heinemann 30.04.1828-27.01.1900. Kätherli war die Schwester von J. Nepomuk und Josef Heinemann)
Foto von Johann Nepomuk Heinemann etwa 1868

Großherzog Leopold finanzierte Josef Heinemann ein Stipendium in Höhe von 200 Gulden, das ihm einen Aufenthalt in München ermöglichte. Dort hielten sich damals auch Lucian und Xaver Reich, Rudolf Gleichauf sowie sein Bruder Nepomuk auf. Sein erster Lehrer in München wurde der Akademieprofessor Strählhuber und nach ihm Julius Schnorr von Carolsfeld. Damals arbeitete Schnorr an seinen Darstellungen aus dem Nibelungenbuch.
Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

Mit Jäger, Gießmann und Strähuber, die unter Schnorrs Leitung dessen Nibelungen in der Residenz ausführten, bekannt geworden, beteiligte ich mich regelmäßig an ihren Kegelabenden in einem Privatgarten.

Josephsgeschichte: Jacob schenkt Joseph einen bunten Rock (1850)
Bildnis der Malerin Ida Müller, Freiburg (1841). Heinemann war hier erst 16 Jahre alt.

1848 verließen die Freunde München und gingen nach Frankfurt zum Onkel der Brüder Reich, dem Musikdirektor Johann Nepomuk Schelble.
Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

Xaver Reich, etwa 1850 gezeichnet von Josef Heinemann

In das vielseitige, nach außen hin aber wenig bewegte Leben unseres Frankfurter Aufenthaltes tönten bald auch schrille Mißklänge politischer Geschehnisse. Mit dem Rufe auf der Straße: Die Liberalen stürmen die Hauptwache waren eines Abends die Bewohner der freien Stadt aus ihrer Ruhe und Behaglichkeit geschreckt worden. Es galt, wie bekannt, zunächst den Sitzen der Herrn in der Eschenheimer Gasse. Das über die festgenommenen studentischen Tollköpfe verhängte, jahrelange heimliche Gerichtsverfahren, von dem nur zuweilen ein Schein gleich dem einer Blendlaterne in die Öffentlichkeit drang, war nichts weniger als geeignet, die bundestägliche Justiz populär zu machen. Und als eines Morgens — wir befanden uns just auf dem Wege zum Städelschen Institut — einer dem andern in den Straßen zurief: Sie sind durch heut Nacht! und die Leute in Gruppen vor der Konstablerwache standen und zu den Käfigen hinauf schauten, an welchen die Stricke, an denen sie sich herabgelassen, noch zu sehen waren, und es hieß, draus im Weiher beim Bethmannschen Garten habe man die Fußstapfen der Flüchtlinge entdeckt — da war unter der nach hunderten zählenden Menge gewiß nicht Einer, der ihnen nicht von Herzen glückliche Reise gewünscht hätte.

Nachdem der Sturm sich gelegt, und man in Ruhe sich wieder den Künsten des Friedens zuwenden konnte, hatten wir, ehe wir unser angefangenes Werk fortsetzten, Musterblätter für Schwarzwälder Uhrenschildmaler herauszugeben begonnen, wozu auch Joseph Heinemann und Heinrich Frank Beiträge gaben.

Im Jahr 52 hatte mich der Bau eines andern Kunsttempels wieder in die Residenz geführt, das Hoftheater, an und in welchem es Verschiedenes zu malen gab, wozu auch Joseph Heinemann und Gleichauf berufen wurden und auch mein Bruder mit seinen Terrakotten sich beteiligen sollte.

Bild aus der Kinderbibel in der polnischen Version. Aus dem Kommentar 1761.
Bild aus der Kinderbibel in der polnischen Version. Aus hieronymus/#comment-1761

Josef Heinemann kam danach wieder zurück nach Hüfingen. Hier wurde er berühmt durch die Bilderbibel die er im Auftrag der Herderschen Verlagsbuchhandlung schuf.

Nach dieser Bilderbibel schnitten die Holzschneider die Illustrationen in der Schulbibel für Volksschulen des Freiburger Weihischofs von Dr. Friedrich Justus Knecht, die später von Dr. J. Schuster und G. May neu bearbeitet, in mehreren Diözesen offiziell eingeführt und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Ein Foto einer kolorierten Fassungen ist sogar schon in den Kommentaren auf dem Hieronymus aufgetaucht.

Zu den Arbeiten Josef Heinemanns zählen auch 14 Kreuzwegstationen für die Kirche in Ettlingen, Wandbilder in der Kirche von Ohlsbach und Oberöwisheim und ein Apostelzyklus im Chor und in der Kuppel der Gruftkirche zu Neudingen.
Er malte auch die Fresken in der Kapelle des Schlosses Heiligenberg und das Rosenkranzbild für einen Seitenaltar in der Stadtkirche zu Donaueschingen, der im Jahre 1873 aufgestellt wurde. Er zeichnete 1868 die Kartons für die Glasfenster der Donaueschinger Stadtkirche. Im Treppenhaus eines Museums in Donaueschingen war auch mal eine Kohlenzeichnung mit dem Titel: Graf Heinrich zu Fürstenberg nach der siegreichen Schlacht bei Dürnkrut 1278 auf seine Burg Fürstenberg zurückkehrend.

Unten die Biblische Geschichte für Schule und Haus

Biblische Geschichte für Schule und Haus
Die Erschaffung der Welt
Adam und Eva
Kain und Abel
Die Sündflut
Noah geht aus der Arche und opfert
Turmbau zu Babel
Abraham
Joseph wir von seinen Brüdern verkauft
Joseph prüft seine Brüder
Jakobs und Josephs Tod
Der geduldige Job
Moses‘ Geburt
Moses‘ Flucht und Berufung
Die zehn Plagen
Das Osterlamm und der Auszug aus Ägypten
Der Durchgang durch das Rote Meer
Die Wunder in der Wüste
Gott verkündet die zehn Gebote
Das heilige Zelt
Der Hohepriester, die Priester und die Leviten
Moses‘ und Marons Zweifel. Die eherne Schlange.
Der Einzug in das Gelobte Land.
Heli und Samuel
David wird zum Könige gesalbt
Davids Kampf mit dem Riesen Goliath
David, der fromme und gotterleuchtete König
Salomons Gebet und weises Urteil.
Der Bau und die Einweihung des Tempels.
Der Prophet Elias.
Das Opfer des Elias.
Elias wird getötet und beruft den Elisäus. Seine Auffahrt.
Tobias und der Engel Raphael.
Judith
Jeremias
Daniel rettet die keusche Susanna.
Die drei Jünglinge im Feuerofen
Daniel in der Löwengrube
Esther
Die makkabäischen Brüder
Die Verkündung der Geburt des Johannes
Die Verkündung der Geburt Jesu
Mariä Heimsuchung
Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Weisen aus dem Morgenlande
Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr
Der Knabe Jesu im Tempel
Jesu wird von Johannes getrauft
Die Hochzeit zu Kana
Jesus reinigt den Tempel
Jesus und die Samariterin
Jesus lehrt, treibt den Teufel aus und heilt Kranke
Der reiche Fischfang
Die Bergpredigt
Der Erweckung des Jünglings von Raim
Die Büßerin Magdalena
Die Seepredigt
Der Sturm auf dem Meer
Die Tochter des Jairus und das kranke Weib
Jesus vermehrt Brote
Bekenntnis und Vorrang des Petrus. Gewalt der übrigen Apostel
Die Verklärung Jesu
Das Gleichnis vom bamherzigen Samariter
Jesu der gute Hirt
Das Gleichnis vom verlorenen Sohne.
Das Gleichnis von dem reichen Manne und dem armen Lazarus.
Jesu segnet Kinder.
Die Auferweckung des Lazarus.
Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem.
Das Osterlamm und die Fußwaschung.
Jesus sagt den Verrat des Judas, die Flucht der Apostel und die Verleugnung des Petrus vorher.
Jesus am Ölberge.
Jesus wird dem Barabbas nachgesetzt, gegeiselt und gekrönt.
Jesus wird dem Volke vorgestellt und zum Tode verurteilt.
Jesus wird gekeuzigt.
Jesus spricht die sieben letzten Worte und stirbt.
Die Eröffnung der Seite und das Begräbnis Jesu.
Die Auferstehung Jesu.
Die Himmelfahrt Jesu.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Stephanus der erste Märtyrer.
Der Kämmerer aus Äthopien.
Die Bekehrung des Saulus.
Die Taufe des Heiden Kornelius.

das letzte Bild fehlt im Buch. Falls jemand noch ein vollständiges hat, freue ich mich über ein Foto!

Leider wurde die künstlerische Arbeit Josef Heinemanns seit dem Beginn der 1870er Jahre durch den Grünen Star (Glaukom) immer stärker gehemmt. Es zwang ihn schließlich, Pinsel und Stift für immer aus der Hand zu legen. Am 2. April 1901 starb Josef Heinemann in Hüfingen.

Fridolin Heinemann (19.12.1859-4.2.1926) führte später das künstlerische Erbe des Vaters weiter. Er stand als Glasmaler in München in hohem Ansehen. Die Glasgemälde in der Heiliggeistkirche in München und in St. Verena und Gallus in Hüfingen wurden im 2. Weltkrieg zerstört. In der Lorettokapelle ist ein Gemälde von ihm zu finden.

„Madonna“ (laut Chronik von August Vetter 1984 sei das eine Madonna?) in der Lorettokapelle von Fridolin Heinemann.

Über Weihnachten und Neujahr

Hieronymus Kapitel 10

“E freie frohe Muth
e gsund und frölich Blut
goht über Geld und Guth.”
>Johann Peter Hebel

Es muß kalt sein, denn wir sehen auf dem Bilde den Stoffel wider Gewohnheit frühe schon von der Jagd heimkehren. Mag aber auch das Alter Ursache haben, vor dem rücksichtslosen Gaste sich zurückzuziehen und Türen und Fenster zu verschließen, so hat doch für die Jugend jegliche Jahreszeit ihre eigenen Freuden: ist es nicht die blühende Rose am Stock, so ist es die Eisblume an der Fensterscheibe.

Nehmen wir einen Sonntagnachmittag. Der Nebel hat das Feld geräumt und die Sonne strahlt glanzvoll über dem weißbepuderten Tannenwald; die Birken und Erlen sehen aus, als kämen sie frisch vom Zuckerbäcker – und in tausend und tausend flimmernden Sternchen glitzert das Schneefeld. – Das ist für die Buben eine Lust, denn jetzt gilt es zu zeigen, wer dort auf der „Schleifer“ des Mühlbachs der Gewandteste und Keckste sei – und die Mädchen am besten zu necken verstehe. – Das waren auch für Hieronymus und seine Kameraden stets um so vergnügtere Tage gewesen, als sie nicht so häufig sind, diese Tage fröhlichen Treibens; denn oft erblickt man in der tief eingeschneiten Landschaft auch nicht ein menschliches Wesen. Nur Raben und Schneegeier flattern über das öde Gefilde, während scharfe Windswehen die Hütten und Höfe mit gewaltigen Schneemassen förmlich in Belagerungszustand versetzen, so daß der Hausvater morgens weder Laden noch Haustüre zu öffnen vermag und genötigt ist, wenn er dem Nachbar einen Besuch machen will, zuerst Minen und Tunnels zu graben.

Wie aber nach dem Ausspruch des Dichters: „Eines schickt sich nicht für alle“, gewisse Dinge in Scherz und Ernst immer nur einem gewissen Alter zukommen, so sahen die herangewachsenen Bürschlein bereits schon eine jüngere Altersklasse lustig auf dem Eis sich tummeln. – Ganz entsagen jedoch konnten sie diesem Vergnügen nicht. War die Schuljugend mit einbrechender Dämmerung vom Bache verschwunden, stieg der Vollmond über dem Wald empor und bestrahlte er die Schneelandschaft so helle, als wollte er’s mit wunderbarem Flimmern und Blitzen der verschwundenen Sonne fast gleichtun, so begaben sich Hieronymus, Dionys und Romulus mit anderen auf den überfrorenen „Gumpen“ unterhalb der Mühle; und auch Florentina und Juliana mit ihren Gespielinnen machten sich herbei, um ein halbes Stündchen lang die spiegelglatte Bahn wieder einmal zu probieren.

Die kurzen Tage hindurch saß Hieronymus fleißig bei der Arbeit. Die langen Abende jedoch gewährten Muße genug, auch noch eine Nebenbeschäftigung vornehmen zu können. – Wie damals in den meisten Kirchen bildliche Weihnachtsvorstellungen, sogenannte Kripplein, beliebt waren, so konnte man in manchen Häusern ebenfalls welche sehen. Für Kinder bildeten sie eine sehr anmutige Unterhaltung. Denn nicht nur erblickten sie da in romantischer Landschaft den Stall mit der Heiligen Familie, auch die drei Weisen aus dem Morgenlande kamen bereits über das Gebirge daher, und am Neujahrstag fand die Darstellung im Tempel statt – und so ging es fort, bis zum ersten Wunder am Hochzeitstisch zu Kana.

Auch Vater Mathias besaß von früher her eine Schachtel voll solcher Figürchen, nur war ihm bisher noch nie so viel Zeit geblieben, dieselben renovieren und eine Landschaft dazu erbauen zu können. Diesem Geschäfte unterzog sich jetzt Hieronymus. Frisch machte er sich daran, von Kohlenstücken eine Felsenlandschaft zu gestalten – eine Schöpfung, die indes nicht sogleich gelingen wollte. Denn bereits war der Berg erbaut, und Bachweber, der sich’s nicht nehmen ließ, auch mit Hand anzulegen, wollte eben als Schlußstein noch ein Kohlenstück einsetzen, als der Brocken seinen Fingern entschlüpfte und der Erschrockene, im Begriff, denselben noch zu erhaschen, an eine der hinten angebrachten Stützen stieß, wodurch – zum nicht geringen Entsetzen der Zuschauer, unter denen auch der Laubhauser sich befand – ein fataler Rutsch erfolgte, der dem mühsam geschaffenen Heiligen Lande den Untergang brachte. – Beim zweiten Versuch wurde der Leim zu schwach genommen und das Werk zu nahe an den warmen Ofen gestellt, was abermals Senkungen und Risse zur Folge hatte; und so gelang die Arbeit erst, nachdem Bruder Cyriak herbeigeholt und zu Rat gezogen worden war. Der in solchen Dingen wohlerfahrene Mann gab die rechten Rezepte und Anleitungen zum Leimen – und bald konnte man zum Grundieren und Kolorieren der Landschaft schreiten.

Der Bruder hatte sich anheischig gemacht, ein neues, in Wachs gegossenes Christkindlein zu stiften, während Hieronymus sich angeregt fühlte, manche Lücke im biblischen Personal kunstgerecht auszufüllen. Er machte es hierbei wie die alten Meister: er griff keck ins Leben hinein und brachte Personen seiner nächsten Umgebung – so gut es seiner Unzulänglichkeit gelingen mochte – in den historischen Rahmen. So stellte er seinen Vater, kenntlich an Haltung und Kleidung, als Hirten dar, sich selbst nebst Dionys und Romulus als Hirtenkinder. Auch der Lehrer Bachweber erschien in einer folgenden Darstellung, und zwar als Schriftgelehrter.

Am meisten Beifall erhielten von seinen Schöpfungen: ein Einsiedler, der im Habit des Bruders Cyriak oben auf den Felsen hinter Bethlehem vor seiner mit einem Kreuze gezierten Klause das Ave-Maria läutete; ferner ein Tiroler Gemsjäger, benebst einer Schwarzwälder Ankenhändlerin, im Begriff, mit ihrer Ware den Wochenmarkt in Jerusalem zu besuchen. – Um die Kritik gelehrter Ästhetiker und Kunstliteraten brauchte er sich ebensowenig zu kümmern wie die alten Meister, weil er glücklicherweise ebensowenig wie diese von solchen etwas wußte.

Am Heiligen Abend und die ganze Weihnachtszeit über kamen viele Kinder und Erwachsene aus dem Tal, um das Werk zu bewundern. Manche fühlten sich bemüßigt, dem Christkindle ein kleines Opfer zu entrichten – was zwar nicht verlangt, aber vernünftigerweise auch nicht abgelehnt wurde.

War unter dem Opfergeld auch mehr Kupfer als Silber zu finden, so gab solches dem Künstler doch schon wieder – rechnete er – Futterzeug zum neuen Rock; denn daß ein solcher notwendig, darüber herrschte im Hause längst keine Meinungsverschiedenheit mehr; nur hatte die Anschaffung bisher immer verschoben werden müssen, der im vorigen Kapitel erwähnten finanziellen Bedrängnisse wegen.

Am Neujahrstage mußte Hieronymus, wie gewöhnlich an diesem Tage, schon vor dem Kirchgang mit den Eltern hinübergehen in den Hof, um den bäuerlichen Herrschaften pflichtschuldigst zu gratulieren. Es geschah mit der üblichen Redensart: Glückseliges Neujahr, und man wünsche, was man sich selber wünsche – Gesundheit und langes Leben und nach diesem die ewige Seligkeit usw. Auf dem Tisch im Hofe dufteten bereits die von allen übrigen Gratulanten sehr bewunderten Attribute des Tages, Meisterstücke der Bäckerkunst unseres Mathias und seiner Anastas: ein mit Zucker bestreuter „Guck-inofen“ nebst etlichen mürben, von Butter glänzenden „Eierringen“, im Durchmesser nicht viel kleiner als ein Pflugrad.

Festtäglich geputzt trat Florentina rasch aus der Kammer in die Stube ein, dem Besuche das Neujahr „abzugewinnen“- Hieronymus sah sie heute zum erstenmal wieder seit ihrer Rückkehr aus dem Hause des Kaiserzollers, wo sie seit etwa acht Wochen sich aufgehalten, um nach dem Wunsche der Mutter im dortigen Wirtshaus das Kochen zu lernen. – Hieronymus konnte eine leichte Überraschung kaum verbergen; war es die Glorie der Morgensonne, die in vollem Winterglanze durch die Scheiben strahlte, oder machten es die neuen Kleider, in denen die Tochter des Hauses nun zum erstenmal in die Kirche gehen wollte – genug, der Freund schien sich heute zum erstenmal bewußt zu werden, daß Florentina ein – bildschönes Mädchen sei. Und fast gar wäre ihm der Ausruf entschlüpft: „O wie schön bist du!“ – Aber er korrigierte sich schnell und sagte – „sind deine Kleider!“

Es waren in der Tat auch Prachtstücke von bestem Samt und Seide: das grüne, reich verzierte Goller, fast zu eng für den weißen Hals, der dunkelrote Brustlatz, gestickt in echtem Gold und Silber, dazu die bauschige, violett schimmernde Taffetschürze mit dem silbernen Gürtel darüber, das faltenreiche Halstuch, die feinen Hemdärmel, weiß wie frisch gefallener Schnee. – Alles zeigte klar, daß ihr Vater in Sachen des Putzes, wie er jetzt selbst oft zu sagen pflegte, nimmer Meister sei.

Und als die liebliche Maid ihrem jugendlichen Freund zur Bekräftigung der guten Wünsche für das neue Jahr die Hand gab, bemerkte dieser am Ringfinger der dargebotenen Rechten ein massiv silbernes Ringlein mit einem leuchtenden Karfunkelstein – ein Neujahrsgeschenk war’s von ihrer Patin, der Frau Kaiserzollerin.

Wie nun das an der Schwelle des jungfräulichen Alters stehende Mädchen in diesem standesgemäßen Anzuge vor ihm prangte, mochte ihm wohl ein leises Gefühl sagen, wie beträchtlich der Abstand sei zwischen dem Sohne des armen Hausmanns – und der Tochter des reichsten Hofbauern im ganzen Tal.

Geschärft mochte diese Erkenntnis noch werden durch das Gespräch der Eltern, die im Fortgehen zu allerlei Betrachtungen sich veranlaßt fühlten über den Reichtum der Familie und über das einstige große Heiratsgut des einzigen Töchterleins, auf dessen Hand sicherlich schon dieser und jener vermögliche Hofbauernsohn spekuliere usw. – Oft schon hatte Hieronymus dieses Thema von den Eltern besprechen gehört, aber noch nie war es ihm so nachhaltig ins Gehör gefallen – wie heute.

Zerstreut kam er aus der Kirche nach Haus; und nach dem Essen begab er sich zum Stabhalter, diesem einen schön gemalten Neujahrswunsch zu überreichen; ein blankes Käsperle war der Lohn für diese Aufmerksamkeit, welches Geldstück der Empfänger mit einer gewissen Befriedigung den übrigen Sparpfennigen beigesellte. – War er nur einmal gehörig ausgerüstet – dann sollte ihn nichts mehr zurückhalten hier im Tal; denn daß da sein Glück nicht blühe, daß er hinaus, etwas Rechtes erlernen und werden müsse, das wurde dem guten Burschen mit jedem Tage mehr klar.

Im Laufe des Nachmittags kamen noch sämtliche nächste Anverwandte des Laubhausers auf den Hof. Es ging hoch her im Haus, denn bei solchen Anlässen wollte der Bauer zeigen, wie gut es mit Küche und Keller zu Laubhausen bestellt sei. Aber nur Ebenbürtige waren zur Teilnahme berechtigt.

Vettern und Basen, mit denen kein Staat zu machen war, wurden nur so nebenbei, in der Küche oder im Hinterstüblein abgespeist. Während kleinere Hausmanns- oder Taglöhnerskinder vor der Haustür dort standen und die ankommenden Schlitten und ihre Insassen musterten oder begehrlich und wunderfitzig durch die Fensterscheiben lugten und vom Peter zuweilen ein duftendes „Küchle“ oder ein paar „Sträuble“ hinausgelangt bekamen – wandelte Hieronymus gedankenvoll hinter den Häusern hinweg, hinüber zur einsamen Hütte des Stoffels.

Der wunderliche alte Junggeselle war eben im Begriff, von seinem unzertrennlichen Dachshund begleitet, einen Gang in den Wald zu machen, und Hieronymus schloß sich ihm an. – Im Fortgehen erzählte der Stoffel seinem jungen Freund, wie nächstens wieder ein großes, von der Herrschaft anbefohlenes Treibjagen auf Säu und Hochwild abgehalten werden solle. „Du weißt“, sagte er, „daß kürzlich in Unterhölzer beim Wartenberg der große Eichwald zum Tiergarten eingezäunt worden ist, wo allein noch Hoch- und Schwarzwild g’hegt werde soll. «

„Vorgestern“, bestätigte Hieronymus, „hab ich g’seh‘, wie sie schon die Wehrblahen und die Garn und Schweinsseil mit den Steckgabeln auf Wägen von Donaueschingen herbracht haben – nüber ins Jägerhaus. Da sind schon die Hundsbube versammelt mit den Leit- und Hetzhund; auch das Zelt hab ich g’sehen ablade für die Herrschaft, – die Fürstin soll ja selber eine so g’schickte Jägerin sein.“

„Allerdings – aber wenn’s so fortgeht“, meinte der Alte verdrießlich, indem er Feuer schlug, um seinen Ulmer wieder in Brand zu versetzen, „wird’s bald höre haben mit der Jagd auf Edelwild. Weiß noch gut die Zeit, wo die Hirsch rudelweis in strenge Winternächte vor die Bauernhöf komme sind, oft bis in die Scheuern, wenn der Knecht vergessen hat, das Scheuertor recht zu schließe.“

Indem sie unter solchen Gesprächen den Wald durchstreiften, der – weil der Schnee fest gefroren – gut zu begehen war, und der Stoffel seinen Begleiter da und dort auf die Fährten und das Getieger des Wildes aufmerksam machte – flog ein Kreuzschnabel über ihren Köpfen hinweg. – „So ein Kreuzschnabel„, sagte der Stoffel, „ist ein wahrhafter echter Schwarzwälder. Wenn die andern wehleidig vor dem Winter Reißaus nehmen oder vor den Häusern und Scheuren auf dem Bettel rumziehen, ist es dem Bürschle erst recht wohl im Wald, so daß es mitten im Winter, im Jänner schon, ans Nesten und Brüte denkt.“

Kreuzschnabel im Schwarzwald

Zu einer Lichtung des Waldes gekommen, wo ein hungriges Häslein um einzelne, aus der Schneedecke ragende Sträucher und Stäudlein sich mühte, nahm der Stoffel seinen Stutzen von der Schulter und machte mit einem wohlgezielten Schusse den Nahrungssorgen des guten Tierles, wie er sich ausdrückte, ein Ende. – „Es wird auf eins rauskomme“, lachte er, indem er zur Stelle schritt und den armen Lampe in den Büchsenranzen schob, „ob dich heut nacht ein Fuchs oder morgen der alte Stoffel verspeist. – Einer lebt vom andern, das ist der Lauf der Welt – und selber essen macht fett, das heutig‘ Evangelium! – Hast du Lust, Hieronymus, so bist du höflich invitiert auf morgen zum ersten Werktagsschmaus. – Man darf die alten ehrwürdige Bräuch nit abgehe lasse.«

„Ihr habt’s gut, Stoffel!“ entgegnete Hieronymus, den Alten, der sein Gewehr wiederum lud, mit lächelnder Miene betrachtend. „Ihr lebt, wie es Euch g’fallt, und schert Euch um niemand und um nix, was andern ’s Herz schwer macht.“

„Närrischer Kerl“, versetzte mit heiserem Lachen der Stoffel, „kannst’s ja auch so haben, wenn du willst! – Was braucht sich einer viel zu kümmern, wenn er nur sein bißle Leben und von Zeit zu Zeit sein Brätesle uf em Tisch hat!“
„Um das handelt es sich nit allein!“ sagte Hieronymus mit einem halb unterdrückten Seufzer. „Man strebt halt b’ständig weiter – in der Hoffnung -„
„Ei was, Hoffnung!“ brummte der Alte, unwirsch ihn unterbrechend. „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Die Hoffnung ist ein betrügliches Weibsbild, das viel verspricht und wenig halt‘; hat manchen schon sein Lebtag am Narrenseil rumg’führt.“
„Wenn die Hoffnung nit wär“, meinte Hieronymus ernst, „so wär’s ja zum Verzweifeln. – Und wege was soll man nit hoffen und trachten – nach Glück und -„
„Hoffen und trachte nach Luftschlössern?“ fiel der Alte höhnisch ein.
„Schau, en Spatz in der Hand ist mir lieber als die Taub uf ‚em Dach, das magre Häsle da im Ranzen mir ang’nehmer als der fetteste Rehbock drüben am Feldberg. – Laß das unnötige Schmachten und Trachte. – Laß anderen ihr eingebildet Glück; laß ihne den Geldsack und die Ehrestelle. – Hast du wenig – so brauch wenig, hast dann au nit nötig, dich viel zu bedanken oder jemand zu schmeicheln. – Und kommt dir trotzdem emal einer überzwerch – so zeig ihm, wo er her ist – und daß du nix nach ihm z‘ frage hast.“ Das war in kurzen Worten so ziemlich die ganze Lebensphilosophie des Stoffels, der übrigens seinen jungen Freund nicht ganz verstanden, nicht erraten zu haben schien, wo diesen der Schuh drückte. – Der Alte kümmerte sich in der Tat um niemand, und niemand kümmerte sich viel um ihn, weder der Stabhalter, Vogt noch Amtmann oder der Pfarrer. Er seinerseits brauchte keinen; er zahlte weder Steuern noch Abgaben, weder Sporteln noch Frevelbußen, und kam auch nie in die Lage, Stolgebühren entrichten oder um Dispens nachsuchen zu müssen. – Von Haus aus Wilderer und Fischer nach Belieben, an dem die Jäger und Aufseher gerne vorbeigingen, als hätten sie ihn nicht gesehen, hatte er später sich herbeigelassen, ein Dienstlein anzunehmen.

Der einsichtsvolle Oberförster übertrug ihm nämlich die Aufsicht über das Wild und die Dressur der Jagdhunde. Die Besoldung bestand hauptsächlich im Schußgeld vom Raubzeug; und wenn hie und da auch einmal eine Kugel nebenaus ging und zufällig einen fetten Rehbock oder – wie heute – ein unvorsichtiges Häslein traf, so fiel es niemand ein, den Schützen deshalb zur Rede setzen zu wollen.

Die Raben zogen schon heimwärts, den Bergwäldern zu, als die beiden, herabgestiegen ins Tal, den Rückweg antraten – und am Kreuzweg sich verabschiedeten. – Der klare Wintertag schloß mit einem prächtigen Sonnenuntergang. Als Hieronymus einmal zurückschaute, sah er das Tagesgestirn eben in glühendes, nach oben hin violett verschwimmendes Rot hinabsinken.

Die Berge standen in kaltblauen Schatten am Horizont, nur der Schnee im Tal und auf dem eingefrorenen Bache schimmerte stellenweis wie angehaucht vom Abendrot. – Gedankenvoll betrachtete Hieronymus das schöne Naturspiel eine Weile – dann schritt er weiter. – Aus eisgrauen Wolkenschichten schaute im Osten die blaßgelbe, unvollkommene Scheibe des Mondes über die Höhen, finster schon lagen die Häuser und Hütten – nur die Fenster am Laubhauserhof flammten und spiegelten noch die späte Glut des Himmels ab.

Am andern Tage kam richtig der Gemeindsbote mit der Ansage zur großen Jagd. – Auch Hieronymus rüstete sich dazu; es war nicht das erste Mal, daß er eine solche Hetze mitmachen mußte. – Aber die fürstlichen Herrschaften kamen nicht; die Jagd wurde verschoben, von einem Tag zum andern – bis endlich Tauwetter einfiel. – Ein lauer Föhn war über Nacht ins Land gekommen. Die Tannen verloren ihren Duft und schauten schwarz und melancholisch über das Schneefeld. Es schien, als wolle am Dreikönigstag der Frühling schon seinen Einzug halten. Seine Vorboten, Sturm und Regen, hatten bereits eine allgemeine Mobilmachung angeordnet, und selbst das Eis auf dem Bache erhielt schleunigst Marschbefehl. Es drängten und schoben sich die Schollen auf- und untereinander, gleich einem retirierenden Heere, das im Abziehen noch Brücken und Stege sprengt und soviel wie möglich am Wege hin verwüstet. – Aus allen Wäldern und Schluchten stürzten reißende Gießbäche hervor; das Wasser wuchs stündlich, und man fürchtete für die Hütten und Höfe im Tal, und selbst im Laubhauserhof fand man’s geraten, die Haus- und die Stalltüre mit Mist zu verschanzen.

Einsilbig, in sich gekehrt, verbrachte der von seinem Spaziergang gehörig durchlüftete Bursche den Abend. Früh ging er zu Bett, aber noch lange traf die laute Unterhaltung drüben im Hof sein Ohr – er hörte die umständliche Verabschiedung der Gäste vor der Haustür, das „Bhütigott!“ und „Kommet guet heim!“ der Zurückbleibenden und der Scheidenden – bis endlich, mit dem Geklingel des letzten abziehenden Schlittens, alles in Nacht und Schweigen versank.

Aber der besiegte Winter gab sein Spiel noch lange nicht verloren. Kurz nach Lichtmeß nahm er, als erfahrener Feldherr, im Sturme wieder die Höhen und Pässe – und es fiel eine solche Masse Schnee, daß die Wohnungen in den Niederungen förmlich gesperrt und blockiert wurden.

Dazumal war es auch, daß ein einsamer Hof am Feldberg mit seinen Bewohnern wochenlang unter der Schneedecke begraben lag, bis endlich – es war gerade Karfreitag – Umwohnende den Dachfirst endlich wieder aus dem Schneemeer hervorragen sahen und zu Hilfe zogen. Man brach ein Loch in das Dach und rief hinunter, ob alle noch am Leben seien. „Ja“, erscholl es aus der Tiefe. „Wißt ihr auch, daß heut Karfreitag ist?“ war die zweite Frage der Obenstehenden. „Gottsnamen!“ hieß es unten, »wir verspeisen soeben ’s letzte Stück vom letzten Stier!«

Auch Unglücksfälle durch Lawinen kamen vor, ähnlich der gänzlichen Zertrümmerung des Königenhofs bei Waldau in neuerer Zeit, wobei die vom jähen, von keinem schützenden Waldmantel mehr bedeckten Berg herabrutschende Schneemasse sämtliche Bewohner mit ins Grab riß. – Wie häufig geschieht, mußten auch damals die Leute am Feldberg aufgeboten werden, diesem Beherrscher des Schwarzwaldes im Juli oder August den Schnee vom Haupte zu schäufeln; denn, sagen sie, wär’s ihm nur einmal wieder gelungen, die uralte Mode einzuführen und die Haube das ganze Jahr hindurch aufzubehalten, so wäre der Schwarzwälder Gletscher fertig, wie er’s vor Jahrtausenden gewesen.

In der ersten Ausgabe hatte Lucian Reich auch noch den Text eines Liedes mit drin:

Ich bring heut ein`sehr fröhliche Bost,
Auf daß ihr Hirten die Freuden verkost`;
Als ich nun bei der Nacht,
Bei meinen Schäflein wacht,
Habens ein`liebliche Musik gemacht.

Ich greif einlends nach meiner Schalem;
Und ruf gleich meinen Schäflein herbei,
Aber sie lassen mich,
Sammt meiner Pfeif`im Stich,
Springen, frohlocken und erfreuen sich.

Kommt laß uns nach Bethlehem geh`n
Um nun alldorten das Wunder zu seh`n:
Es war ein alter Stall,
Der voller Feuer stral`,
Wo sich die himmlische Musik erschall.

Ich sah dorten das göttliche Kind,
Liegen im Viehstall bei Esel und Rind.
Herzliebstes Jesulein,
Wir wollen dir dankbar sein,
Daß du bei Sünder gekehret hast ein!


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Frohe Weihnachten!

Weihnachtsliedchen aus Bruder Martin
von Wenzel Kalliwoda.
gespielt von Ursula Albert

Es kommt die gnadenvolle Nacht,
Die uns den hellsten Tag gebracht.
Wie freute sich der Engel Schaar,
Da Gottes Sohn geboren war!

Froh jubelte der Engel Heer:
“Gott in den höhen Gott sei Ehr’!
Und Friede, Freud’ und Seligkeit
Herrlich’ auf der Erde weit und breit!

Aus goldnen Wolken fangen so
Die Boten Gottes himmlisch froh;
Und himmlisch froh und hoch entzückt
Hat sie der Hirten Schaar erblickt.

Die hocherfreuten Hirten geh’n,
In Windeln Gottes Sohn zu seh’n;
Erblicken in der Krippe Ihn,
Und sinken auf die Kniee hin.

Und Jeder, der das Kindlein sah,
War froh und sprach: der Herr ist da!
Es kommt sein gnadenvolles Reich
Welch’ Kind ist diesem Kinde gleich?

O, wie viel Trost und Freunde gab
Mit ihm Gott in die Welt hernab!
O, wie uns unser Vater liebt,
Daß er den liebsten Sohn uns gibt.

Ja Gottes Lieb’ ist unbeschränkt,
Ein Gott, der seinen Sohn uns schenkt,
Schenkt Alles uns was heilsam ist,
Er schenkt es uns durch Jesum Christ.





Conrad Franz Xaver Gruber schrieb 1818 die Melodie zum bekanntesten Weihnachtslied der Welt, Stille Nacht, heilige Nacht, das Joseph Mohr 1816 gedichtet hatte. Hier eine Klavierfassung gespielt von Ursula Albert.

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