Wanderblühten – Geschichten aus der Region um Staufen

Der Herr zu Bamlach

Auf dem Schlosse der Herren zu Bamlach, einem Pfardorfe am Rhein unweit Mülheim, hauste vor Zeiten der gewaltige Marschall, gefürchtet und gehasst von seinen Untertanen. Alle Ortseinwohner mußten ihm Frondienste tun, und wie und wann es seinem Übermuthe gutdünkte. – Einmal hatten die Frauen im Schlosse eine Wäsche, wobei die meisten Weiber des Dorfes fronweise mittun mussten. Nach vollbrachte Arbeit wurde die Leinwand auf einer Wiese, nächst dem Dörflein, zum Trocknen ausgebreitet. Da begab sich später, dass ein Stück Wäsche vermisst wurde, worüber der Burgherr so aufgebracht ward, dass er einem armen Manne, der viele Kinder hatte, einen Acker wegnehmen ließ, bloß weil das Grundstück an jene Wiese grenzte. Durch solche und ähnliche Gewalttaten vergrößerte er sein Gut immer mehr, und wenn auch das Flehen und der Jammer der Armen zum Himmel stieg, so wollte die Strafe immer noch nicht kommen, denn der Böse sollte den Ritter noch mehr in seine Gewalt bekommen. Nachdem endlich das Maß seiner Sünden voll war, bekam der Kaiser Kunde von diesen Ungerechtigkeiten und ließ den Marschall zur Verantwortung und Strafe nach Wien fordern. Der Geladene erschien, ohne im mindesten Reue über das Geschehene an den Tag zu legen. Der Kaiser und sein Gericht sprachen das Urteil: dass er zur Strafe seiner Vergehungen die „Jungfrau küssen“ und noch drei Tage zur Reue und Buße haben solle. Nachdem der Ritter hingerichtet war, sandte der Kaiser, zum Zeichen der vollzogenen Strafe, den Bamlachern des Marschalls Hut mit dem Befehl, dass den Beraubten ihr früheres Eigentum wieder zurückerstattet werden solle. Ehe aber das Wahrzeichen noch an Ort und Stelle ankam, war der ruchlose Geist des Verurteilten schon da, und rumorte auf dem Schlosse und den Gütern, wo oft in finsteren Nächten Vorübergehende beunruhigt und in die Irre geführt werden. Und noch bis auf den heutigen Tag geht man den Bamlacher Weg nach dem Schlosse nicht gern um Mitternacht,, ohne vorher den Memento gemacht zu haben.

Bamlach ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Bad Bellingen. Laut Wikipedia gehörte Bamlach von 1417 bis 1805 den Freiherren von Rotberg.
Die Herren von Rotberg waren Mitglieder des Kantons Donau der schwäbischen Reichsritterschaft. Jakob von Rotberg verlegte 1516 den Sitz der Familie nach Rheinweiler. 1747 verzichteten die Rotberg auf ihren reichsfreien Stand, da sie von den Habsburgern als Landesherren im umgebenden Vorderösterreich vom 16. Jahrhundert an „beinahe gewaltsam zum landsäßigen Adel herabgedrückt“ wurden.
Die Familie v. Rotberg hatte bis ins 20. Jahrhundert ihren Stammsitz auf dem Schloss Rheinweiler, das Anfang des 18. Jahrhunderts anstelle eines 1676 zerstörten Vorgängerbaues erbaut wurde. 1928 verkaufte die Familie das Bamlacher Schlossgut an die „Anstalt von Herten“.
nach https://de.wikipedia.org/wiki/Rotberg_(Adelsgeschlecht)

Die Geschichte geht um einen Herrn von Bamlach, der mit seinen Untertan nicht gut umging und scheinbar vom Habsburger Kaiser deshalb verurteilt wurde „die Jungfrau zu küssen“. Das heißt wohl ein Herr von Rotberg wurde vom Kaiser hingerichtet.

Vermutlich spielt die Geschichte um 1747 als die Rotbergs von den Habsburgern „beinahe gewaltsam herabgedrückt“ wurde.

Die Geschichte vom Postboten im alten Grubenschacht bei Grunern

Eine halbe Stunde von Staufen, an den wein- und obstreichen Anbergen des Schwarzwaldes, liegt das freundliche Dorf Grunern. In früherer Zeit wurde in seiner Gemarkung Bergbau getrieben auf Bleierze, wovon eine Menge Schachten Zeugnis geben.

Im August des Jahres 1825 sollte ein Bote von Badenweiler einen Brief ins Münsterthal tragen. Der Mann schlug den Weg über das Gebirge ein, verlor aber den rechten Fußpfad, und nachdem er eine zeitlang in der Gemeindeverwaltung Grunern mühsam durch Gras und Gestrüpp sich fortgearbeitet, hatte er das Unglück in den Schacht einer verlassenen Grube zu fallen. Als er von der Betäubung wieder zu sich gekommen, sah er bald die Unmöglichkeit, aus der Tiefe herauszukommen. Der Tag verging, die Nacht brach an, es wurde morgen und wieder Abend, ohne dass dem Unglücklichen Rettung geworden wäre. Und schon bereits zum Zweiten Male sangen die Vögel über seinem Grabe er fröhliches Morgenlied, zum zweiten Mal schon hallten die Morgen- und Mittagsglocken der benachbarten Dörfer in die fürchterliche Stille seines Aufenthalts – und alle Hoffnung schwand; denn ach! keines Menschen Tritt noch eine Stimme nah und fern wollte sich hören lassen; nur der Wind raschelte in den hohen Haselnussbüschen. Von Hunger und Durst entsetzlich geplagt und entkräftet, legte sich der Lebendigbegrabene nieder und bereitete sich zum Sterben vor. Unterdessen war das Ausbleiben des Briefträgers aufgefallen. Man suchte nach ihm und forschte – aber alles vergebens. Gegen das Ende des dritten Tages führte das Geschick den Bannwart von Ballrechten, der in Staufen bei den Vätern Kapuzinern die Vesper besucht hatte, ihm Nachhause gehen durch den Wald. Als er zufällig in die Nähe des Schachts gekommen, ließ er, wie er schon öfters gethan, im Vorbeigehen ein Steinchen in den Abgrund rollen – und horch – aus der Tiefe tönt ein Schrei – die Stimme eines Menschen. Sogleich fällt dem Bannwart der Vermißte ein, und er ruft dem Untenbefindlichen zu, guten Mutes zu sein, er werde Hilfe bringen. Eiligst läuft er in das nächste Dorf und bringt Leute und Stricke, mit welchen der arme Mann glücklich heraufgebracht wird.

Oft erzählte der Gerettete nachher, wie er, von Hunger und Durst entsetzlich geplagt, sich niedergelegt und mit dem Gedanken des nahen Todes beschäftigt habe, da sei von Oben das Steinlein herabgekommen und habe ihm die Nähe eines menschlichen Wesens verkündet. Mit einem Male sei die Liebe zum Leben wieder erwacht, und er habe die letzten Kräfte zusammengenommen und einen lauten Schrei ausgestoßen, der seine Rettung herbeigeführt habe. – Er konnte es sagen, wie es einem Lebendigbegrabenen zumute ist. – Der Schacht aber, in dem einige Jahre früher auch eine Ziege verunglückt war, wurde zugeworfen.

Die Geschichte der Stadt Kems und das versunkene Heer

An den Ufern des Neumagens, zwischen Staufen und dem Rhein, liegt Krozingen mit drei Höfen, welche den Namen Kams tragen. In alter Zeit, so berichtet eine Sage, kam einst ein großes christliches Heer bis an den Schliengener Berg, wo es sich in zwei Teile sonderte; die eine Hälfte wendete sich gegen Frankreich auf das „Ochsenfeld“, die andere nach der Stadt Kems, (auch Tonsal und Ehrenstätten genannt), welche vier Stunden im Umfange gehabt haben soll. Auf dem Platze, wo jetzt die Pfarrkirche steht, heißt es, soll ein Schloss und die Sankt Ulrichskapelle gestanden haben, und die sogenannten Weingärten hätten zu einem in der Nähe befindlichen Frauenkloster gehört. An der Stelle aber, wo heut zu Tage der Laufbrunnen ist, wäre der Marktbrunnen und nicht weit davon im Sumpfe ein prächtiges Münster gestanden. Die Stadt und das Heer, welches sich vor ihr gelagert, sollen, ohne dass man weiß warum, in die Erde versunken sein. Steht aber dem Reiche ein Krieg bevor, so ertönt aus der Tiefe Trommelschlag und das dumpfe Geläut der Münsterglocken. Sind, so lautet die Sage weiter, die Christenheere im Kampf gegen die Ungläubigen zu einem kleinen Häuflein zusammengeschmolzen, so kommen ihnen die geisterhaften Heere zu Hilfe, worauf diese zur ewigen Ruhe gelangen und die geretteten Christen in Heiligkeit leben werden, wie zu den Zeiten der Apostel.

Der Hunnenfürst in Schlatt

Ähnliches berichtet eine Sage von Schlatt, einem Dorfe unweit Krozingen in der Rheinebene. Als die Hunnen einst nach Deutschland gekommen, zerstörten sie in hiesiger Gegend Schlatt und ein Frauenkloster in der Nähe der Quelle, welche am Hügel entspringt und als Bächlein bei Feldkirch in den Rhein sich ergießt. Auf dieser Fläche kann es zwischen den Deutschen und den Hunnen zur Schlacht, wobei erstere siegten und der Hunnenfürst selbst erschlagen wurde. Die Seinigen legten den Leichnam eiligst in einen silbernen Sarg, der wiederum in Holz und Eisen eingeschlagen ward, und an der Stelle verscharrt wurde, welche jetzt noch der „Heidenbuck“ heißt. Auch sollen dem Toten große Schätze, unter Anderem ein gegossenes Kalb von massivem Golde, mitgegeben worden sein, nach welchen bis auf den heutigen Tag vergebens gesucht und gegraben wird.

In manchen Nächten, um die Zeit des Advents und der Fasten, will man auf dem alten Schlachtfelde Waffengetöse und Kampfgeschrei unsichtbar Streitender gehört haben.

Der Neugierige von Kirchhofen

Am Sigristenhause zu Kirchhofen ist noch ein alter Stein zu sehen, worauf ein Kopf ausgehauen ist, in dem ein Nagel steckt. Es soll dieses Monument, wie eine wunderliche Sage berichtet, von folgenden Ereignissen herrühren.

Es war in der Fronfastennacht, als ein Mann von Kirchhofen sich unter die Kirchenlinde stellte, um die „Fronfastenweiber,“ von welchen er schon so viel erzählen gehört, vorbeireiten zu sehen. Er stand nicht lange da, als um Mitternacht der ganze Zug auf Besen vorbei galoppierte. Eines der gespenstischen Weiber, das den Lauscher bemerkt hatte und ihn für seinen Vorwitz bestrafen wollte, sagte: „Ich will einen Nagel in den Pfosten dort einschlagen“, und im Nu stark dem Manne einen schuhlanger Nagel im Kopfe. Der arme Gefoppte trug dieses Zeichen bis über’s Jahr herum, wo er sich abermals in der Fronfastennacht unter die Linde stellte und das vorbeiziehende Weiblein flehentlich bat, ihm doch wieder von der fatalen Zierde zu befreien, worauf ihm die Alte den Nagel wiederum herauszog. Später soll diese Geschichte zur Warnung vorwitziger Lauscher, in Stein ausgehauen und an oben genannten Orte eingemauert worden sein.

Ein Sigristenhaus ist das Haus vom Mesner (Küster) oder von Lucian Reich meist Bruderhaus oder Waldbruderhaus genannt. Leider konnten wir das Haus 2021 nicht mehr finden. Wann und warum die Fronfastennacht ist, konnte ich nicht raus finden. Aber in dieser Nacht geschehen um Mitternacht viele wunderliche Dinge. Meine Vermutung ist, dass dieser Tag mit Maria Lichtmess zusammenhängt. Dies war einer der wichtigsten Tage im Bauernjahr da am 2. Februar Knechten und Mägden in der Landwirtschaft erlaubt war, ihren Dienstherrn zu wechseln.

Die fleißige Spinnerin von Bollschweil

In dem Dorfe Bollsweil beim sogenannten Kuckuck lebte in früheren Zeiten eine Frau, bekannt durch übergroße Häuslichkeit und Knausererei. Sie spann oft ganze Nächte hindurch. Als sie eines Samstags um Mitternacht noch am Spinnrad saß, klopfte es von Außen an ihrem Fenster, und als sie geöffnet, reichte eine weiße, hagere Weibsgestalt drei leere Spulen herein mit den Worten: „In fünf Minuten müssen die Spulen voll sein, sonst sehe zu, wie es dir geht!“ Die Frau weckte ihren Mann, der schon längst schlafen gegangen war, und erzählte ihr mit Zittern und Beben die Forderung der Gestalt. Der Mann aber besann sich nicht lange und riet ihr eiligst drei Fäden auf jede Spule zu spinnen. Nachdem dieses geschehen, legte die Frau die gefüllten Spulen vor das Fenster, und sogleich erschien die weiße Gestalt wieder und sprach: „Du hast einen guten Gedanken gehabt, ohne welche es dir schlecht gegangen wäre.“ – Von dieser Zeit an soll das Weib nie mehr so geackert und bis Mitternacht gesponnen haben. Auch sey, setzt die Sage bei, unter den Mädchen und Frauen Bollsweil’s das Arbeiten am Spinnrocken seitdem außer Mode gekommen (was auch anderwärts im lieben Vaterlande der Fall geworden).

Vermutlich ist mit Bollsweil Bollschweil gemeint.

Durch die Gründung der ersten fabrikmäßigen mechanischen Spinnerei auf dem europäischen Festland durch Johann Gottfried Brügelmann 1783 in Ratingen gab es für die Frauen abends zum Glück andere Beschäftigungen.

Der prügelnde Edle von Bellingen

Es war im Jahr 1813, erzählt der alte Lehrer von Bellingen, als ich zu meiner Erholung gegen Abend einen Spaziergang nach Schliengen machen wollte. Wie ich zu dem alten Bannkreuzlein komm‘, fährt eben ein beladener Waidling den Rhein aufwärts gegen Basel. Als ich so in Gedanken dastehe und dem Schifflein zuschaue – bekomme ich plötzlich von hinten ein paar so tüchtige Ohrfeigen, dass ich niederstürze – hör‘ und seh‘ aber Niemand. Dieses Schlagen soll schon Mehreren (Schulmeistern?) begegnet sein, ohne dass man weiß, wie und woher. Einige aber behaupten, es kommt von einem Edlen des Dorfes her, der geisterweise gehen müsse, weil er teuflisch gelebt habe und immer noch nicht erlöst sei, und deshalb sein Spuk treibe in heiligen Zeiten. – Genug, Ich hatte den Schaden und durfte für den Spott nicht sorgen.

Der Prior von Heitersheim und das Johanniterschloss

An den Verläufern des Gebirges gegen den Rhein liegt das Städtlein Heitersheim in einer der lieblichen Lagen des heiteren Markgräflerlandes, umgeben von Rebengeländen, Obstbäumen und Wiesen. Etwas entfernt von dem Städtlein erhebt sich aus der Ferne die johannitergemeindliche Burg, einst der Sitz der Großpriore deutscher Zunge; heutzutage aber Privateigentum und größtenteils unbewohnt. Das weitläufige Gebäude mit seinen massiven Ecktürmen und Gräben macht zwar von außen noch immer den Eindruck geziemender Festigkeit, wenn wir aber durch das verwitterte Tor in das Innere schreiten, so mahnt an uns Alles an die Vergänglichkeit irdischer Macht und Einrichtung in der. In dem Querbau, welcher den grasbewachsenen Hofraum in zwei Hälften scheidet, werden die Zimmer gezeigt, wo ehedem der Prior gewohnt; aber die weiland fürstlichen Gemächer sind leer, und ihre eingebrochenen Decken und zerissenen Tapeten dienen nur noch den Spinnen und Mäusen zum Aufenthalt, während die übel verwahrten Fenster dem Wind und Wetter Einlass geben.

Zu Ende des zwölfte Jahrhunderts soll die Veste von einem Markgrafen von Hachberg dem Johanniterorden geschenkt worden sein, welch‘ Letzterer in der Gegend verschiedene Besitzungen hatte, und zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Heitersheim seinen Hauptsitz aufschlug. Der letzte Statthalter daselbst war Ignaz Rink von Baldenstein, welcher im Jahre 1817 verstarb, nachdem der Orden schon zwei Jahre früher aufgelöst gelöst worden war.

Das alte Schloss hatte im Lauf der Zeiten manche Unbilden erfahren. Im Bauernkrieg wurde es beinahe gänzlich zerstört und verwüstet. Die Aufrührer hatten ein Lager bezogen hart an der Grenze der comturischen Herrschaft gegen Wettelbrunn auf dem „Buck“. Nachdem sie unter Anführung des Stadtschreibers Müller von Staufen den johannitischen Zehntkeller zu Brinzingen geplündert und in den umliegenden Dörfern übel gehaust hatten, rückten sie vor das Schloss und nahmen es nach harter Belagerung, auf welcher eine teilweise Zerstörung folgte. Ähnliches geschah im Jahr 1675 durch den französischen Mordbrenner Melack.

In den Zeiten, wo noch die geistlichen Ritter hier hausten, war das Schloss der Hauptschauplatz manch fröhlicher Feste und Zusammenkünfte sowohl der Herren wie ihrer Untergebenen.

Alljährlich im Mai hielten die Ritter zu Heitersheim das Kapitelfest ihres Ordens, dem oft mehr als 60 Mitglieder an wohnten. Bei dieser Gelegenheit gab es stets großartige Bankette und Festlichkeiten, wobei nicht wenig Luxus herrschte. Namentlich war dies in der späteren Zeit des Ordens der Fall. Der letzte große Prior war ein sehr prachtliebender Herr. Wenn er ausfuhr, so geschah es immer mit einem Viergespann kleiner polnischer Pferdlein, mit Kammerdiener und Leibkutscher auf dem Bocke, während hinten oben ein Haiduck und der Schalksnarr sich präsentierten. Vor dem Wagen sah man in einiger Entfernung den Läufer springen, in roter Jacke, kurzen weißen Beinkleidern und einem schwarzen Samtbarette, worauf eine mächtige Straußenfeder prangte, in der Hand eine Pritsche, womit er entgegenkommende Fuhrwerke auf die Seite wies, um den nachkommenden Herrschaften Platz zu machen. Der Herr selbst saß in der Regel allein im Wagen, angetan mit einem schwarzen Talar, auf dem Haupte ein Sammtbarett und auf der Brust das große goldene Ordenskreuz.

Bei der Tafel war es gebührender Weise das Amt des Schalksnarren durch allerlei Possen für die Heiterkeit der Gäste zu sorgen, und selbst der große Prior blieb nicht immer von seinen Bolzen verschont. Mancher dieser Schwänke lebt noch im Andenken des Volkes. Vor allem war es der Haushoffmeister mit seinen langen, roten Nase, welchen sich der Narr zur Stichplatte seines Witzes gemacht hatte. Einmal begegnete Jenem das Unglück, an reich besetzter Tafel dem Grossprior einen Teller voll Sauce über den Rücken zu schütten, was der Schalksnarr dahin deutete: der Haushofmeister habe seinen Herren geschmiert, um eine fette Pension von ihm zu erhalten.

Es herrschte an dem fürstlichen Hofe die alte Sitte, dass die Abgaben, welche die Untertanen dahin zu geben hatten, stets mit einer Gegnerkenntlichkeit in Empfang genommen und vergoldet wurde. So mußte eben zum Beispiel die Einwohner der Orte Britzingen, Muggert, Dattingen und Güttingen den Frucht- und Weinzehend stellen und in das Schlosse verbringen, wogegen ihnen sodann für jede traubengefüllte Bütte ein Laib Brot verabreicht wurde. – Ein alter Brauch war es auch, dass die Ritter zweimal des Jahres sämtliche Weiber des ganzen Kirchspiels auf ihrer Veste bewirteten mußten, einmal auf den Tag Bartholomäi zur Zeit der Heitersheimer Kirchweih, das andermal nach beendigter Weinlese. Es läßt sich denken, welch ergiebiges Feld diese Anlässe für die Launen des Schalksnarren gewesen, „der die Weiber manchmal nicht übel traktierte, was aber weder diese noch ihre Männer zu Hause bös aufgenommen haben“. Auf einen anderen Tag im Spätjahr wurden nicht minder auch die Kinder der genannten Orte in den Zehnthof geladen, wo ein jedes, groß und klein, ein „Mütschelein“ Brot von selbstgesetztem Gewichte gereicht bekam. Es waren alle diese Tage eigentlich Volksfeste, worauf sich Jung und Alt das ganze Jahr hindurch gefreut. Mit der Aufhebung des Ordens aber hörte Alles auf, und die betreffenden Gemeinden erhielten nach langwierigen Prozessen endlich vom Staate eine Abfindungssumme von 9000 Gulden.

Über die Herrschaft Heitersheim gibt es auf Wikipedia eine umfassenden Artikel.

St. Gotthardshof, Waldbruderhäuschen und die Gotthardus Kapelle

Ehe ich von dem schönen Rheintal Abschied nahm, machte ich noch eine kleine Wallfahrt zu dem Gotthardshof, an einem waldbegrenzten Vorhügel des Gebirges, in der Nähe Staufens. Die Gnaden, die an diesem freundlichen Orte zu gewinnen sind, bestehen in nichts weniger als in einer herz- und gemütserhebenden Blick über die wohlbebaute Ebene bis hinaus in die „kristallene Ringmauer Deutschlands“, und weiter über das herrliche Elsass. Ferner in einem Glase vortrefflichen Markgräflers aus dem Keller des Hofbauern und Schenkwirths, eine Labe, die mit Maß und Ziel getrunken, alle Schwermut bannt und alle Sorgen verseucht.

In dieser traulichen Waldstille ward es etwa dreihundert Jahren dem heiligen Gotthardus eine Kapelle erbaut, weil durch seine Fürbitte die Pest abgewendet worden. Ein Waldbruder besorgte den Dienst des Kirchleins bis zu Anfang unseres Jahrhunderts unter einem seiner Nachfolger die Zelle so baufällig geworden, dass der Bruder ausziehen mußte und eine neue wieder Niederlassung auf dem benachbarten Johannisberglein gründete. Der Vogt und das städtische Gericht hatten ihm hierzu das benötigte Bauholz unentgeltlich folgen lassen, „damit er dem Gebet obliege, und Gott auf die Mutter Maria anflehe, dass endlich das leidige Kriegsungemach aufhöre.“

Eine Erzählung, die sich von einem zufälligen Reisegefährten hatte und hier wiedergeben wollte, gab Veranlassung zu dem im Anfange dieses Abschnitts beigegebenen Bildlein, welches eine solche Klausenwirtschaft von ehemals darstellen soll. Ich fand jedoch später, dass das Blättchen auch ohne weitere Beziehung bestehen könne, und es daher dem Beschauer überlassen bleiben mag, nach Belieben einiges hinein zu denken.

Den St. Gotthardshof und die Kapelle gibt es heute noch.

Das „Bildlein“ soll also eigentlich nicht die Johanneskapelle, sondern eine „solche Klausenwirtschaft“ wie den St. Gotthardhof und die Gotthardus-Kapelle daneben darstellen.

„Ne gattig Chilchli hen si do,
so sufer wie in menger Stadt,
s’isch Sechsi uffem Zifferblatt.“
Johann Peter Hebel

Das Münstertal mit St. Trudpert und den „Spukenden“ die auf den Feldberg verbannt wurden

Unmittelbar hinter Staufen betritt der Wanderer das Münstertal, aus dem stattlich ein First des Gebirges, der Belchen, hervorschaut. In seinen Vorbergen wird seit Jahrhunderten Bergbau betrieben, und zwar auf Kobalt und Silber. Die Gruben „Teufelsgrund“ und „Schindler“ sollen, der Sage nach, früher sehr mächtig an edlen Erzen gewesen, die Grubenarbeiter aber in der Folge so übermütig geworden sein, dass sie einst einem lebendigen Ochsen die Haut abzogen, ob welchem Frevel der Segen Gottes und die Stollen verschwunden seien und Not und Armut eingerissen habe.

Auch wird erzählt, wie zu den Zeiten, als die wundergläubige Phantasie die wenig erforschten Reiche der Natur gern mit geheimnisvollen Geisterwesen bevölkerte, in jenen Gruben sich Bergmännlein aufgehalten haben, die wohlwollend die Geschäfte der Menschenkinder förderten und ihnen in den dunklen Schachten entgegenarbeiteten: eine Freude für die dankbaren Bergleute, wenn sie die dumpfen Hammerschläge der Geheimnisvollen in der Tiefe des Berges vernahmen.

Gerne erinnern ältere Bergleute sich der Zeit, wo der Grubenbau noch von der Abtei Sankt Trudpert betrieben wurde. Manch heiteres Fest gewährte damals dem mühseligen arbeitenden Bergmann Erholung und Freude. Ein Hauptfest aber war am Tage Sankt Barbara als der Schutzpatronin der Bergleute, welch letztere sich aus den Gruben „Teufelsgrund“ und „Gotteseintracht“ bei Badenweiler alljährlich zur gemeinsamen Feier vereinigten. Früh morgens versammelten sich die ganze Gewerkschaft bei der Münstertaler Boche und Schmelze. Von da ging es im Zuge, voran die Bergwerksfahne, die Ober- und Untersteiger und eine Musikbande, zur Klosterkirche, allwo ein feierliches Hochamt abgehalten wurde. War dieses zu Ende, so begab man sich wieder auf den Sammelplatz, um die Regeln und Satzungen zu verlesen und ein förmliches Sittengericht über Zuwiderhandeln abzuhalten. Nebst diesem wurde strenge Ermahnung gegeben zur Haltung der Gebote Gottes und der Kirche.

Die zweite Hälfte des Tages sodann war der Fröhlichkeit gewidmet. Ein reichbesetztes Mahl im Klosterhofe erwartete die Teilnehmer, deren Zahl zuweilen über dreihundert stieg. Jedes Mal während dem Essen erschien auch der Prälat, der mit seinem Mohren und Heiducken im prächtigen, mit Mauleseln bespannten Gallawagen daher fuhr und seine Leute begrüßte. Später begann der Tanz, zu dem die Dirnen des Tales gerne sich einladen ließen, und wobei es gebräuchlich war, dass jede Schöne ihrem Liebhaber ein farbiges Sacktüchlein zum Geschenk machte. Zuweilen kam es auch vor, (wenn der eine oder andere Knappe ein Glas bösen Wein getrunken oder die Fratze Eifersucht ihn quälte), dass, wie bei Verbrüderungsfesten sich ziemt, ergötzliche Händel und Prügeleien ausbrachen, die nicht selten mit blutigen Köpfen endigten.

Die Kriegsjahre und endlich die Aufhebung des Klosters machten diesen Zuständen ein Ende. Seitdem, heißt es, wolle aber auch der Bergbau nicht mehr recht gedeihen; der Grubenbau ward immer lässiger betrieben und wurde zuletzt in den 20er Jahren, vom Staate an eine Privatgesellschaft verpachtet, die wenig mehr auf die Bräuche und Feste der Gewerkschaft hielt, und auch das stets so feierlich begangene St. Barbarafest eingehen ließ, nachdem die Schutzheilige bei der Knappschaft doch so viele Jahrhunderte lang in dankbaren Andenken gestanden hatte.

Wenn mit dem „Rufe Glückauf“ der Bergmann beim Schein seines Grubenlichtes in die Schachten einfuhr, und mit bösen Wettern kämpfend die reichhaltigen Adern der Erde aufschloß und zutage förderte – war sein Gedanke: Heilige Barbara, bitte für uns!

Weiter in dem Tale führt der allmählich aufsteigende Weg an den Gebäuden der ehemaligen Abtei St. Trudpert vorüber. Die Geschichte nennt diesen Ort eine der ersten Stätten unseres Vaterlandes, wo das junge Christentum Wurzeln geschlagen. Der Irländer Trudpert, der hier das Evangelium predigte, soll die einsame Talgegend von einem Ritter Otbert zum Geschenk erhalten haben. Der Bau selbst, wie er heute zu Tage mit seinem inneren kirchlichen Prunk von unseren Blicken steht, gehört einer späteren, geschmacklosen Zeit an. Ein älterer Überrest scheint allein der steinerne Brunnen zu sein in einer halb unterirdischen Seitenkapelle, welches Monument die Form eines Sarges hat, auf dessen Deckel die liegende Gestalt des Ortsheiligen ausgehauen ist.

Die Volkssage gedenkt eines Abtes, der mit zwei seiner Untergebenen ruhelos umher geistern müsse, weil er mit deren Hilfe manche Bedrückung verübt habe. Später seien die Spukenden von einem Kapuziner aus Staufen in das hohe Schneerevier des Feldberges, der bekannte Aufenthalt der Geister, gebannt worden, wo sie noch zuweilen als wunderliche Fischer oder Jäger in weidmännischen Aufzügen den Vorübergehenden erscheinen sollen.

Einem Bürstenhändler von Mezenschwand, und später einem Todtnauer Zundlhändler (ich weiß nicht, hatten die Beiden im Adler oder Sternen einige Schoppen über den Durst getrunken), begegneten die Drei in ihrer Ordenstracht an der Bärenhalde, Einer hinter dem Andern hergehend. Der Vorderste, mit einem goldenen Kreuze auf der Brust, sprach: „o weh!“ der Zweite, „die Armuth!“ und der Dritte endlich „das ungerechte Gut!“

Der Weg nach Hauenstein und Pater Lorenzo

Der Prälatenhof war eine Schaffnei des Klosters St. Trupert, welches Rebgüter und Gülten dort besaß. Ein Aufseher besorgte die Geschäfte. Zur Zeit der Weinlese, die mehrere Wochen dauerte und vom Gesinde des Klosters besorgt wurde, ging es hier besonders lustig zu; man sang und sprang bis in die späte Nacht hinein:

„Viel Ochsen, viel Kühe,
Viel Maidle sind hie,
Sind Alle wol dran!
Hat keine ein Mann!“

Von Kirchhofen durften wohl junge Bursche nicht aber Mädchen an der Lustbarkeit teilnehmen.


Nach alten Berichten stand ehemals in dem Tale eine Stadt, Münster genannt, die in einer Fehde um’s Jahr 1320 von den Bürgern Freiburgs eingenommen und zerstört wurde. Dem Münsterischen Krieger, heißt es, zogen gegen Krozingen in der Absicht, die Feinde dort zu überfallen; unterdessen waren diese von Freiburg her über das Herenthal und den Kohler (einen Teil des Bölchen) gegangen, eroberten die Stadt und zerstörten sie von Grund aus. Die Einwohner sollten sich später in Staufen angesiedelt haben.

In unseren Tagen dagegen gewährt das stille Tal mit seinen wasserreichen Wiesen und hohen Bergweiden nur das Bild friedlichen Besitztumes. Das Klima Klima ist so mild, dass noch allenthalben der Nussbaum gedeiht. Die breiten Vorberge des Belchen, wohin den Sommer über die Kühe getrieben werden, liefern vortreffliche Futterkräuter, weshalb unter den Künsten des Friedens, die hier florieren, Käserei die namhafteste ist.

Noch hatte ich das Wirtshaus im „Spielweg“ nicht erreicht, als ein heranziehendes Gewitter meine landschaftlichen Betrachtungen störte. Das Sprichwort: Morgens um zehn am Bölchen ein Nebel – Mittags zwei Uhr im Thal ein Wetter, war vor meinen Augen zur Wahrheit geworden. Denn bei meiner Abreise von Staufen hatte leichter Nebel das Haupt des Alten verhüllt, die jetzt in heftigen ergüssen zu Tale gingen. Der hochanschwellende Neumagen wälzte trübes Gewässer in seinem Bette, und von allen Bergen und Berglein liefen die Wasserrinnen und überschwemmten den Weg.

Ich hatte meine Zuflucht in einem Haus an der Straße genommen, in dessen Hausgang bald noch mehrere wasserscheue Flüchtlinge sich einfanden. Zuerst ein hinkendes Männlein, dann zwei meisterlose Handwerksburschen, wovon der Eine, kaum angelangt, seine Wasserstiefel auszog und im Hausgang ausschüttete; ein Metzger mit seinem Hunde, ferner ein bemooster Waldhüter und zum Schluss ein ländliches Ehepaar mit seinem einzigen Kinde und Regenschirm. Die Hauseigentümer, wie ich hörte, ein paar fromme Betschwestern, hatten vor den unberufenen Gästen scheu die Stube abgeschlossen, wahrscheinlich weil sie in ihrer in ihren Nächstenliebe wenig gekümmert hätte, die sündigen Menschenkinder draussen in der Sintflut umkommen zu sehen.

Als das Ärgste vorüber war, verließ einer nach dem anderen die Arche. Ich hatte den, weit hinter den Fortschritten der Jüngeren zurückbleibenden hinkenden Alten, der eine kranke Schwester im entfernten Seitental besuchen wollte, unter mein schützendes Dach genommen; und zum Danke dafür erzählte er mir die Geschichte (eine Art ländlichen Romeo und Julia mit einem Vater Lorenzo auf dem Johannisberglein), die mir zum Entwurf des vorgenannten Bildleins Veranlassung gegeben.

Bald hatten wir das Wirtshaus zum Hirsch erreicht, wo mein Begleiter, nachdem wir ein Gläslein zusammen getrunken, schied, um vor Nacht noch bei der Schwester einzutreffen. – Mir aber blieb während drei langer Regentage Muße genug, Betrachtungen anzustellen, nicht sowohl über die Gegend, denn diese war meist von Nebel und Wolken verhüllt, aber viel mehr über die Abhängigkeit des Menschen von der Laune der Elemente und deren Einflüssen auf das Ding, welches man Gemüt nennt. Hier hieß es nun sich üben in jener Tugend, die nach dem Sprichwort Rosen bringt, und die, wie ich einmal irgendwo gelesen, als heilsamer Trank gegen die Unruhsamkeit des Herzens dienen und den Unmut brechen soll.

Endlich am vierten Tage schien der bleifarbene Himmel wiederum sich aufheitern zu wollen; der Regen ließ nach, und der Fremdling schnürte ungesäumt sein Ränzlein, um weiter zu wandern. Tiefhängende Wolken zogen noch um die Berge, und der kühnanstrebende Scharfenstein schaute verdüstert in das enge Tal, durch welches der alte Weg gegen Wieden, Utzenfeld und Schönau führt.

Etwa anderthalb Stunden hinter dem Wirtshause geht es durch Waldung steil bergan, längs eines berausenden Sturzbaches, der in siedender Hast durch Wurzeln und Gestein sich Bahn bricht, um unten im Tale dem Neumagen sich zu vermählen. Nach mühsamen kaum halbstündigen Besteigen sieht sich der Wanderer aus blütenreicher Landschaft plötzlich in das hohe schweigsame Revier des Schwarzwaldes versetzt, wo der alte Winter noch ungestört sein Schläflein macht, wenn unten schon lange der Frühling eingezogen. – Diesmal hatte jedoch der Überlästige bereits das Feld geräumt und kaum an den höchsten Kuppen und Bergklüften eine weiße Spur seines Daseins hinterlassen.

Wahrlich, es ist ein innerlich wohltuendes Gefühl, wenn man aus dem geräuschvollen Straßen und Märkten der Rheinebene herauf steigt zu dieser friedvollen, großartigen Ruhe des Hochlandes, zu diesem einsamen Stillleben der Natur. – Der Himmel hatte sich etwas aufgehellt, und die Sonne überschaute groß und warm die Täler und Wälder. Nicht lange aber, so zogen wiederum Gewölk und Nebel, gleich den Kolonnen eines geisterhaft flüchtigen Heeres über die menschenleeren Haiden, und der Gedanke an ein schützendes Dach und etwas zur Herzstärkung verdrängte jedwede andere Betrachtung. – Ich weiß nicht mehr, war es ein Adler oder Bär, wo ich endlich fand was ich suchte, nur so viel ist mir noch erinnerlich, dass der Imbiss und das Glas Wein, kredenzt von der Hand einers schlanken, stillen schwarzwälder Kindes, welches verständig und sinnend aus seinen schwarzen Augen lugte, dem Gaste trefflich schmeckten.

Um mir einen Begriff von der Höhe meines gegenwärtigen Standpunktes zu geben, erzählte der Wirt, dass oft gegen Ende Oktober die Herren von Staufen und der Umgegend zu ihm kämen, um die reifen Kirschen zu essen. Dann kam er auf das Jahr 48 zu sprechen, und schilderte die Retirade der Freischärler nach dem fehlgeschlagenen Putsch in Staufen; und wie sich dann hier in seinem Hause der Anführer demokratisch zum Bauern verpuppt habe, während die Angeführten, ähnlich einem Schwarm wandernder Heuschrecken, alle Vorräte des Hauses aufgezehrt hätten; und wie ihm später die gezwungene Maskenverleihung und Anderes übel genommen worden sei x.

Draußen hatte es sich unterdessen wieder etwas freundlicher gestaltet, und ich sollte nicht länger meinen Gebirgsübergang fortzusetzen. Nachdem man die Wasserscheide des westlichen und südlichen Schwarzwaldes überschritten, geht es allmählich abwärts dem hinteren Wiesental entgegen, wo uns bei Utzenfeld des Feldberges bewegliche Tochter mit rauschenden Wellen ihre Grüße bringt. Wer am schönen Tage dieses Tal durchwandert, wird unwillkürlich an Hebels liebliche Muse erinnert. Natur und ihr dichterisches Bild scheinen vor dem Aug und Ohr des Beschauers in Eins zu verschmelzen; wir lesen das schöne Gedicht so zu sagen im Original, und Eines wird gehoben und gewinnt durch die Anmut des anderen:

„Alles lebt und webt, und tönt in freudige Wiise;
alles grünt und blüeiht in tusigfältige Farbe;
alles isch im Staat, und will mi Meiddeli grüße!“

Meine Fahrt ging jedoch nur bis Schönau, wo ich Halt machte, um den Sonntag in der freundlichen Waldstadt zuzubringen. Die Lage dieses Ortes, an einem Ausläufer des Bölchen, unmittelbar an der Wiese, hat in der Tat etwas so Einladendes, dass, wenn je in der Brust eines fahrenden Ritters der Gedanke aufkommen dürfte, sich irgendwo bürgerlich niederzulassen, Schönau vor Allem zu berücksichtigen wäre. Ich benütze den Rasttag zu einem Spaziergang in die malerischen Gründe des Höllentales am Fuße des Hochblauen. Weil aber mein nächstes Ziel das Albthal war, so verließ ich des anderen Tages Schönau, um stromaufwärts über Utzenfeld und Bernau nach St. Blasien zu pilgern.

Begleitet von einem Schuhflicker-Altgesellen, den ich als Träger meiner fahrenden Habe aus der Amtsstadt mitgenommen, hatte ich mich auf den Marsch begeben. Trotzdem, dass mich die Straße durch den wildesten Schwarzwald führte, kann von erlebten Abenteuern so gut wie nichts berichtet werden, mit Ausnahme etwa eines lustigen Handels, den mein Sancho Pansa unterwegs in einem Wirtshause mit einem quieszierten Amtsrevisoratsgehülfen zum Besten gab. Der etwas branntweinbegeisterte Schreiber nämlich hatte die Behauptung hingeworfen, dass er bei seiner Durchreise hier zu Land missfällig bemerkt habe, wie so viele Steine in den Feldern lägen, was jedenfalls von einer schlechten Bewirtschaftung zeuge u.s.w. Mein Knappe dagegen nahm den hingeworfenen Federhandschuhe im Namen der geschmähten Landsleute auf, und suchte darzutun, dass eine gewisse Bodenart zu ihrer Fruchtbarkeit dieser Vermengung mit Steinen verlange, so wie auch durch sie Schutz erhalte bei starken Stürmen, die ohne dieselbe den Boden aufwühlen und entführen würde. Dies ungefähr das einfache Thema, über welches die Beiden mit der Verrücktheit moderner Virtuosen Pariationen machten, welche zum betäubendsten, sinnlosesten Spektakel sich steigerten, und mit einem Finale von erbaulichen Schimpfwörtern endigten.

Zum Weiterziehen fragte sodann mein sieghafter Schuhflicker, wie ich mit ihm zufrieden sei, und ob er nicht als kluger, mutiger Schildknappe mir, seinem Herren, alle Ehre gemacht habe?

Bei herrlichem Wetter durchzogen wir das Prähthal, vorüber am Singlerkopf und der einsamen Machthöh‘. Von der Steige des hohen Blößlings kletterten mühselig Wallfahrer, die wir halb eingeholt hatten, und in ihrer Gesellschaft den mächtigen Gebirgstock, welcher die Wasserscheide zwischen der Wiese und Alb bildet, erstiegen.

Die Sonne brannte heiß und zog durstig an dem Schneefeldern, welche da und dort noch um die Berghänge lagen, als wir das Albtal betraten. Diese Gegend ist eine der schwermütigsten des Schwarzwaldes; in einer Höhe, fast 3000 Fuß über der Meereshöhe, liegen die Häuser und Hütten Bernau’s, und nur die Alb, die kaum erst dem großen Mutterhaus der schwarzwälder Ströme, dem Feldberg, entquollene Schwester der Wiese, verleiht der Landschaft einiges Leben. Die Straße führt von hier zunächst nach dem ehemaligen Stift des St. Blasien. Den Anblick dieses Kloster macht einen eigentümlichen Eindruck, indem der Fremde kaum erwarten dürfte, inmitten schwarzwälderisch einsamer Tannenberge nach einem italienischem Muster der Kirche Maria della Notonda erbauten Tempel mit seinen mächtigen Kuppeln emporragen zu sehen. Es ist dieser Bau, eine Schöpfung des berühmten Abtes Gerbert, unter dessen Verwaltung in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Gotteshaus großen wissenschaftlichen Ruhm erlangt hatte.

Das Tal wird von hier ab etwas mannigfaltiger, doch mag es den Wanderer noch überall daran erinnern, dass er inmitten des hohen Schwarzwalds sich befindet. Weiter hinaus begegnen wir schon hin und wieder den malerischen Trachten des hauensteinischen Unterwaldes; das Tal wird enger und düsterer und bietet in seinem Verlaufe bis zum Rheine manches Bild schauerlich erhebender Naturgröße.

Ich hatte jedoch die Albufer verlassen und mich links gewendet, um durch den Hagwald über Birndorf und Alpfen zu wandern. Die südlich abfallende Gegend verliert hier allmählich ihren unmilden Charakter, und Obstbäume, Kornfelder und zuletzt die Weinrebe treten an die Stelle der einförmigen Tannenforste und spärlichen Bergfelder.

In den Dörfern, die ich durchzog, wurden schon überall auf das nahe Feste des Fronleichnamtages gerüstet. Die Kirchen prangten bereits im sinnigen Schmucke grüner Laubbäume, und die Kinder liefen überall mit Körben und Blumen am morgen den farbigen Teppich bereiten zu können, auf welchem die Prozession wandeln sollte.

Es war bereits Abend, als ich in Hauenstein ankam und im schwarzen Adler, dem einzigen und deshalb besten Gasthofe der Stadt, mein Absteigequartier nahm. Ich mußte der Tochter meines Wirts Recht geben, als sie mich, als sie mich versicherte, man nenne Hauenstein eigentlich nur aus Spaß eine Stadt. Der Ort nämlich besteht lediglich aus einer kurzen Reihe Häuser, welche mit der Rückseite die unmittelbare Nachbarschaft des Rheins haben, während vorne der schroffansteigende Burgfels kaum notdürftig Raum zur Führung einer Landstraße übrig gelassen.

Entstanden aus den Nachkömmlingen der Dienstleute der alten Burggrafen, besitzt die Bürgerschaft nur einige spärliche Gartenplätze an der Schloßhalde und im Inneren des alten Gemäuers, wo einst die stolzen Herren des Landes saalten. Hauenstein ist gewiss die einzige Stadt im Badischen, welche kein Museum, keine Lesegesellschaft, keinen Gesangsverein, ja nicht einmal ein abonniertes Bierstüblein besitzt; ob aber die dortigen Beamtenfrauen (nebst den Ortsvorgesetzten finden sich einige Grenzzollwärter daselbst stationiert) auch bei Kartenspiel und Tee in den ehrbaren Wochenvisite sich versammeln, ist mir nicht bekannt.

Während ich mein Nachtessen einnahm, erzählte mir die Wirtstochter mancherlei von ihrem Vaterort. Unter Anderem gab sie auch ein artiges Rätsel zum Besten, welches also lautete: Ist es eine Stadt im Badischen, worin 30 Sigristen sind, und jeder hat zwei Glocken zu läuten! Als ich hierauf zweifelnd Hauenstein nannte, sagte die Schöne „ja, denn es sind im Ganzen hier 30 Bürger, und jeder hat die Verpflichtung, zweimal des Jahres das Glöcklein in der Kapelle im Schlossberg zu läuten.“ Das Städtlein hat nämlich außer einer kleinen Kapelle keine Kirche, und ist nach Luttingen, einem größeren Dorfe am Rhein, eingepfarrt.

Da heißt der Tagesmarsch hatte mich ziemlich müde gemacht und ich begab mich bald in mein Schlafgemach, dessen Fenster auf den Rhein hinaus gingen, der, unruhig, als spüre er schon den Fall des nahen Laufen’s, in breitwallenden Strudel vorüberflutete und in seinem Schlagen und Tosen den Bewohnern Hauensteins sein Schlummerlied singt.

Am folgenden Morgen bestieg ich früh den Schlossberg, um dem alten gräflichen Hause, an dessen Thore seit Jahrhunderten weder Schloss noch Riegel dem Ankömmling den Eingang wehren, einen Besuch abzustatten. Die Burg muß einst von beträchtlichem Umfang gewesen sein; ihre gebrochene Mauern sind aber bis auf weniges abgetragen, weil bei Sturm und Wetter oft losgebröckelte Steine herunter fielen und auf die Dächer und Straßen des Städtleins. Von dem Geschlechte, welches hier gehaust, berichtet die Geschichte wenig. Nur so viel ist gewiss, dass der Gau, über den die Grafen einst geherrscht, noch deren Aussterben, im Laufe des 13. Jahrhunderts, an das Haus von Habsburg kam. Der Hauensteiner aber spricht noch heutigen Tages von ihnen, als habe er sie bei Lebzeiten gekannt, und die Privilegien, welche der letzte hauensteinische Herr, Graf Hans, dem Volke verliehen haben soll, sind noch frisch im Angedenken.

Halbverhüllt von Nebel lag das Land zu meinen Füßen; der Tag schien blass und trübsinnig, noch nicht völlig erwacht zu sein. Aber die Morgenglocken rings umher und die Vögel in den rückwärts liegenden Laubhölzern, sowie die Menschen, welche schon geputzt vor den Häusern standen, hatten oft offenbar Festtag. Und als später die Sonne aus den Dunstgebilden hervorgetreten und die Glocken von Luttingen her zur Kirche riefen, zogen die Einwohner truppweise aus dem Städtlein; die alten in ihrer ehrenfesten Landestracht, die Jungfrauen und die Kinder begränzt; und auch der Träumer auf dem alten Gemäuer verließ seinen Platz, um sich dem Zuge zum schönen Feste anzuschließen.

„Ne gattig Chilchli hen si do,
so sufer wie in menger Stadt,
s’isch Sechsi uffem Zifferblatt.“
Johann Peter Hebel

Hauenstein ist laut Wikipedia seit dem 1. Januar 1972 ein Stadtteil von Laufenburg im Landkreis Waldshut. Bis dahin war Hauenstein die kleinste Stadt Deutschlands.


Trachtenträgerin und Trachtenträger aus dem Hauenstein von Rudoph Gleichauf.
Bilder im Kelnhof in Bräunlingen.

In Dogern auf der Suche nach einer Chronik

Von meinem Wirte in Hauennstein hatte ich erfahren, dass sein Genosse, der Hirschwirth wird in Dogern, eine geschriebene Chronik besitze, von einem seiner Vorfahren verfasst, der lange Zeit das Amt des Einungsmeisters bekleidet habe. Da ich ohnehin die Stadt Waldshut besuchen wollte, so beschloß ich, in jedem Dorfe einzusprechen und der alten Schrift nachzufragen.

Dogern liegt in der Nähe des Rheines sehr angenehm zwischen Wiesen und Baum- und Weingärten, die einigermaßen an die gesegnete Fluren des Breisgau erinnern. Das Wirtshaus zum Hirsch zeigt in seinem Äußeren etwas bürgerlich Wohlhabendes, so wie überhaupt der ganze Ort. Die Straßen waren bei meiner Ankunft vom vormittägigen Feste her noch mit Blumen bestreut; aus den Wirtsgarten zogen weißgekleidete Stadtjungfern als Priesterinnen der Flora mit Sträußen in den Händen. Im Wirtshause aber ging es ziemlich lebhaft und munter her, weshalb ich meine Altertumsforschung auf den stilleren Morgen versparen wollte.

Was mir aber gleich beim Eintritt in die Trinkstube aufgefallen, waren einige Familienporträts, die an den Wänden hingen. Das Eine, halbe Figur, hatte besonders meine Aufmerksamkeit erregt. Es stellte einen Mann vor in reiferem Alter mit langem Barte, verständigem Blicke und scharf ausgeprägten Zügen. Die dunkelgrüne Jacke ohne Kragen, sowie das rote, bis auf die Knie gehende Unterwams bezeichneten den Hauensteiner, während das Schwert an seiner Seite und eine große goldene Medaille, welche an roten Bande auf seiner Brust hing, besondere Würde und Auszeichnung vermuten ließen. Als ich näher schaute, las ich auf einem entrollten Blatte, welches der Maler dem Manne in die Hand gegeben, die nähere Bezeichnung; „Gnadenbrief“, hieß es, „von Carlo, dem VI. Römische kais. Majestät dem Joseph Tröndlin von Alpfen, Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein.“

Da ich zufällig kurz vorher einiges über die Geschichte der Grafschaft gelesen hatte, so reichte mir meine historische Kenntnis gerade hin, zu wissen, welch bedeutende Stellung dieser Mann in den Wirren des sogenannten Salpeterkrieges, im Laufe des vorigen Jahrhunderts eingenommen. Joseph Tröndlin war nämlich in jener Zeit das Haupt der rechtlich gesinnten Partei im Lande, welche, gegenüber dem fanatisch verblendeten Salpeterbunde, die Tröndlin’sche, oder, weil jener zugleich Müller war, die Müllerische genannt wurde. Der wackere Einungsmeister war von den Gegnern so sehr gehasst und gefürchtet, dass einst ein Weib aus dem Volke öffentlich aussprach: es wünsche mit diesem Mann in ein und derselben Stunde zu sterben, weil dann alle Teufel nur auf ihn Acht haben müßten, dass ihnen die Seele dieses Bösewichts nicht entgehe. –

Zwei andere Bildnisse, die ich jedoch wegen der einbrechenden Dunkelheit nur unvollkommen betrachten konnte, hatten, wie mir später der Wirth bedeutete, das eine den Redmann Konrad Ebner, weiland Hirschwirt in Dogern, das andere seine Ehefrau Katharine zum Gegenstande. In der Hoffnung, mehr von dem Leben dieser ehrsamen Einungsvorstände zu erfahren, hatte ich mich entschlossen, im Wirtshause zu übernachten. Am folgenden Morgen beim Frühstück lenkte ich sodann den Diskurs wieder auf die Bildnisse, und versäumte nicht, auch nach der Chronik zu fragen. Das Dokument war jedoch nicht mehr vorhanden; mein Herbertsvater hatte es, wie er mir sagte, vor längerer Zeit einem Schweizer sogenannten Altertumsfreund geliehen, aber trotz aller angewandten Mühe nicht mehr zurück erhalten.

Der gefällige Mann, als er mein Interesse an Allem, was die Verhältnisse seiner Vorfahren betraf, wahrgenommen, erzählte mir noch Manches aus der früheren Zeit, und legte mir unter Anderem auch einige abgerissene Blätter aus einem Tagebuch vor, welche kurz Notizen der Familie enthielten. Und weil Bauwerke, Möbel und andere Hinterlassenschaften uns in der Regel ein anderes Bild vergangener Tage vergegenwärtigen, als selbst Worte und Schriften, so folgte ich dem Wirte gern durch alle Räume seines Hauses, welches von dem Redmann Konrad Ebner erbaut, noch in Allem so ziemlich die alte gute Zeit repräsentierte. Auf den breiten, mit hölzernen Docken und Geländern eingefassten Gängen, hingen verschiedene Bildnisse aus dem österreichischen Kaiserhause, die wohl in die Gesinnung des früheren Besitzers andeuten mochten, und in einem geräumigen Zimmer des oberen Geschosses erinnerte noch Vieles an die Solidität alt bürgerlicher Einrichtung. Auch ein großes Porträt, welches den Redmann Ebner in seiner Amtstracht vorstellte, war an dem an der Wand zu schauen, sowie dessen Kanzlei noch in einem rückwärts gelegenen Anbau des Hauses gezeigt wurde.

Alle diese Erinnerungen ließen in mir den Wunsch entstehen, die gewonnenen Materialien zur kleinen Geschichten zu ordnen und mit einem bildlichen, dem Familienportrait entnommenen Darstellung zu ergänzen, welche Arbeit im nächstfolgenden Kapitel eingefügt werden soll.

Fortsetzung hier:

Wanderblühten – Die Familie des Einungsmeisters

Wanderblühten – Das Buch

Zackeneule

Liebe Bürgerpostleser,  

darf ich Ihnen die Zackeneule vorstellen? Vielleicht kennen Sie diesen Nachtfalter ja schon. Das Besondere ist, dass er als Falter den Winter übersteht wie einige bekannten Tagfalter auch: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Aurora- und Zitronenfalter um die wichtigsten zu nennen. 

Das Bild zeigt ihn innen an unserer Garagenwand hängend am Fastnachtsdienstag, den 4. März 2025. Ich war sehr überrascht und wußte nicht, ob er tot war oder lebte. Ich getraute mich auch nicht ihn zu berühren, nicht dass ich ihn im Winterschlaf störte. Warten war meine Devise und tags darauf war die Zackeneule verschwunden. Der Hammer war, dass am 5. März 2025 Dr. Hans-Peter Straub aus Königsfeld das Bild unten schickte, eine wache Zackeleule. Zwei Standorte und die gleiche Situation mit Faltern, die frisch aus der Winterruhe gekommen sind. Außer die Hausener Zackeleule ist über Nacht nach Königsfeld geflogen, das wäre doch der Oberhammer.

Die Beine sind weiß und braun gemustert. Die Raupen werden ca. 50 Millimeter lang und haben einen schlanken Körper. Die Tiere sind weit verbreitet, unter anderem in Europa, Asien und Nordafrika. Sie leben in verschiedensten Lebensräumen, wie z. B. in Laubwäldern, an Gewässerufern und am Rand von Mooren und Sümpfen, aber auch in Gärten und Parks. Die nachtaktiven Falter können mit ihrem starken Saugrüssel Früchte, wie etwa Brombeeren, anstechen und aussaugen. Sie überwintern als Falter an Orten mit hoher Luftfeuchtigkeit, wie z. B. in Höhlen oder feuchten Kellern und Garagen. 

Die Zackeneule fliegt jährlich in zwei Generationen von Juni bis Juli und von August über den Winter bis in den Juni des nächsten Jahres. Die Raupen findet man von Mai bis Juni und von Juli bis September. Sie ernähren sich vor allem vom Laub von Salweide, Korb-Weide und Zitterpappel sowie von weiteren Arten der Gattungen Weide und Pappel. Die Verpuppung findet an der Basis der Pflanzen zwischen Blättern oder direkt am Boden statt. Die Puppe ist schwarz.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wanderblühten – Pilgerfahrten

Pilgerfahrten durch das Breisgau und den Schwarzwald

Es war, soviel ich mich erinnere, am 9. Mai, als ich aus dem Unterlande kommend, am Freiburger Bahnhof ausstieg, um von dort meine Reise zu Fuß weiter fortzusetzen.

Das Wetter, auf welches ein Fussgänger immer zuerst achten muss, zeigte mitunter schon jene Laune zu Regen und Wind, die bis tief in den Sommer hinein anhielt und gerechte Besorgnisse einer Missernte erregte. – Den Tag vorher hatte ein heftiger, aus Südwesten tosender Sturm mit Regenschauer die umliegenden Berge, den nahen Brunnberg, den Roßkopf, Schauinsland und Gerstenhalm bis tief herunter in das Tal mit Schnee bedeckt, und den ohnehin grauen Scheiteln des Kandel, Feldberg und Bölchen frischen Puder aufgestreut. Die folgenden Tage jedoch waren leidlich und mitunter so schön, wie sie ein fahrender Ritter nur immer sich wünschen mag.

Der junge Mai hatte allenthalben schon sein Panier entfaltet; in warmen Tagen sproßten bereits Roggenähren, und die Kirschbäume in ihrer Blütentracht standen wie weißgekleidete Ehrenmägdlein des Frühlings in der lichten grünen Landschaft.

Nach kurzem Aufenthalte in der alten Zähringerstadt wendete ich mich längs der westlichen Vorhügel des Schwarzwaldes hin, wo an der Grenze des heiteren Markgräflerlandes, am Ausgang des Münstertales das Städtlein Staufen liegt. Bei einer verwandten Familie, die in dem ehemaligen Kapuzinerkloster ihre Wohnung hat, nahm ich mein Absteigequartier. Von diesem Punkte aus hatte ich nun die beste Gelegenheit, in Kreuz- und Querzügen die Gegend zu durchstreifen. Und weil bekanntlich jeder Mensch seine besondere Interessen und Liebhabereien auf der Welt hat, so war es mein Geschäft, mancherlei Geschichtliches und Sagenhaftes* nebenbei zu sammeln und meinem Gedenkbuche einzuverleiben.

Hieraus entstand nun zunächst eine kleine Mosaik von örtlichen Zügen und Begebenheiten, welche zur Kurzweil des geneigten Lesers hier eine Stelle finden mag.
*Größtenteils Mittheilugen des Oberlehrers Seyferle in Staufen.

Johanneskapelle

Wenn der Wanderer auf der Straße von Krozingen gegen Staufen kommt, erschaut er links auf einer weinbegrenzte Höhe die Trümmer des ritterlichen Hauses der ehemaligen Herren von Staufen. Unten an der Burghalde, wo jetzt Rebenfeld ist, stand früher eine zum Schlosse gehörende Kapelle. Als die Ritter einst im Felde lagen mit dem Schweizer Herren Schaler von Benken, geschah es bei einem Überfalle, dass die Burgherren durch einen unterirdischen Gang nach der nahen Rödlesburg sich flüchteten, ihre weiblichen Dienstboten aber, die Mägde und Köchinnen, allein auf der bedrohten Burg zurückblieben.

Wie nun die verlassenen Weiber die Gefahr, in der sie schwebten, wahrgenommen, lief ein Kammerfräulein in die Burgkapelle, fiel vor dem gemalten Bilde der heiligen Jungfrau auf die Knie und flehte um die Rettung der aus der großen Not. Als wäre ihr während des Gebetes ein kühner Rettungsgedanke geoffenbart, wendete sich das beherzte Mädchen hierauf zu den Übrigen: „Zünden wir die Burg an“, rief sie, „das gnadenreiche Muttergottesbild mit dem heiligen Kinde will ich flüchten. Wenn die Feinde das Haus in Flammen sehen, werden sie ablassen, und wir sind gerettet!“ Sie selbst legte den Feuerbrand ein, und als die Lohe emporschlug, nahm sie das Muttergottesbild und warf es über die Mauer in das Gehürst, welches die Halde bedeckte.

Nachdem die Kriegsknechte abgezogen, wurde das Bildnis wiedergefunden und in der neu erbauten Kapelle an der Burghalde aufgehängt. Welcher Dank jedoch der mutigen Jungfrau von ihren Herren, den furchtsamen Rittern, geworden, wüßte ich nicht zu berichten.

Das Rebenfeld an der Burghalde ist einem Baugebiet gewichen, aber der Stationenweg an die Johanneskapelle ist noch da. Laut Wikipedia wurde die Kapelle im Jahre 1685 von dem Eremiten Johannes Willi nach Zerstörung seiner alten Einsiedelei beim Gotthardhof errichtet und Johannes dem Täufer geweiht.

„Ne gattig Chilchli hen si do, so sufer wie in
menger Stadt, s’isch Sechsi uffem Zifferblatt.“
Johann Peter Hebel
Mit der Feder auf Stein gezeichnet von
J. Nepomuk Heinemann

Bei einem Einbruch 2006 in die Johanneskapelle wurden das Altarbild, Holzskulpturen sowie zwei Votivbilder gestohlen. Wobei der Hochaltar, der 1730 der St.-Sebastian-Kapelle auf dem Friedhof gestiftete wurde, erst Ende des 19. Jahrhunderts in die Johanneskapelle kam. Also hat Lucian Reich den Altar damals nur in der Friedhofskapelle besichtigen können.

Auf den Fotos ist eine Leihgabe der Erzdiözese: Eine barocke Muttergottes und darüber das Haupt Johannes des Täufers. Zur Info: Wenn man auf die einzelnen Bilder klickt, erscheint unten die Beschriftung.

[ngg src=“galleries“ ids=“72″ display=“pro_mosaic“]


Rödelsburg

Von der Rödelsburg, (deren wenige Mauerreste von einem einsam, mit tannenbedeckten Hügel herabschauen), wohin sich jene salviert, meldet eine Sage Folgendes.

Es war vor etwa zwölf Jahren, als ein Hirtenbub seine Schafe in der Nähe einer Brunnenquelle am Rothenhofe waidete. Als er, um zu trinken, gegen das Brünnlein schritt, vertrat ihm ein schönes Edelfräulein den Weg mit dem Ansuchen, es zu erlösen. Um Mitternacht, bat sie ihn, solle auf die alte Rödelsburg kommen, an deren Tor er eine Kröte und eine Schlange als Wächter finden werde. Was dieses Paar auch gegen ihn unternehmen würde, er solle unverzagt vorüber in den Hofraum schreiten, wo sie ihn dann in das Burggewölbe führen werde zu dem Schatze, durch den sie alleine erlöst werden könne. Vollbringe er aber das Werk der Erlösung nicht, so müsse sie wiederum warten, bis die Zeit gekommen, wo ein Rabe eine Eichel fallen lasse, und diese zum Baume heranwachsen sey, aus dessen geschnittenen Brettern der Schreiner eine Wiege gefertigt, in welcher ein Knäblein großgezogen werde, welches ihre Erlösung zu bewirken vermöge. Dieses aber könne 100 Jahre gehen. –

Der Bub ging nach Hause und erzählte die wundersame Geschichte seinen Eltern, die ihr Söhnlein allfolglich zum Pfarrer führten, der ihm zusprach und ihr heilige Sakramente spendete, auf dass er das Abenteuer ohne Schaden bestehen möge. In mitternächtlicher Stunde nähert sich der Bursche der verödeten Burg. Ein furchtbarer Sturm wühlt in den Bäumen und Hürsten; es blitzt, donnert und kracht als käme der jüngste Tag. Die wackeren Torwächter speien Feuer und Flammen gegen den Eindringling, welcher entsetzt sich flüchtet und den Berg hinunter eilt, ohne das verdienstliche Werk vollbracht zu haben.

Ob nun, seitdem der Rabe erschienen, weiß ich nicht zu sagen, eben so wenig den Grund der Ruhelosigkeit des wandelnden Fräuleins. – War es vielleicht eine Spekulationsheirat, die sie um den Frieden ihrer Arm Seele gebracht? Oder hing ihr Herz im Leben allzufest an dem betrügerischen Mamon, der noch nach dem Tode sie beunruhigte? – Genug, das Erlösungswerk soll bis heute noch nicht vollbracht sein.

Ein Hirtenbub sollte hier ein Edelfräulein erlösen. Das Tor wurde aber so sehr von einer Kröte und Schlange bewacht, dass der Bub reißaus nahm. Jetzt muss das Fräulein auf seine Erlösung warten, bis ein Rabe eine Eichel einpflanzt, aus deren Samen ein Baum wächst und deren Bretter für den Bau einer Wiege verwendet werden, in der ihr Retter als Baby schläft.

Geschichtsfunde aus Staufen

Im folgenden listet Lucian Reich einige Geschichtsfunde aus Staufen auf.

Im Jahre 1106 herrschte großer Schrecken in den Breisgauischen Landen. Die Sonne hatte nämlich die dreifarbige Cokarde aufgesteckt und Alles war, wie eine Privatchronik sagt, bestürzt und glaubte, der jüngste Tag wäre nahe.


Vom Jahr 1400 wird berichtet, dass der Winter übermäßig streng gewesen, und viele gefräßige Wölfe über den Rhein herübergekommen seyen, welche das Land unsicher gemacht hätten. Ähnliches soll auch später geschehen sein, zum Beispiel im Melakischen Kriege und anno sechsundneunzig.


Weiter erzählt der Chronist, wie im Jahr 1401 die Juden aus Staufen vertrieben worden sein. Die Weiber der guten Israeliten wurden beschuldigt, Christenkinder in ihre Wohnung gelockt, ihnen die Kleider abgezogen und die Beraubten mit schlechten Fetzen bekleidet wieder entlassen zu haben. (Wahrscheinlich nur im figürlichen Sinne gemeint.) Als zu dieser Beschuldigung noch weitere unheilvolle Gerüchte kamen, geschah es, dass die Häuser der Juden angezündet wurden, worauf ihre Bewohner unter Wehklagen abzogen und die Stadt verließen.


Später, im Jahr 1551, kam ein großes Brandunglück über die Stadt und hätte, wie man später oft sagen hörte, noch Schlimmeres geschehen können, wenn der Jude Aaron Levin von Sulzburg, der zufällig hier gewesen, das Feuer durch seine Kunst nicht gestillt hätte.


Als in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts der Bauernkrieg ausbrach, stellte auch Staufen seine Leute. Es war am 19. Mai 1525, als die Schlösser Höhingen, Dachswangen und Kranznau von den Aufrührern eingenommen und verwüstet wurden. Bei der Plünderung des letzten Schlosses zeichnete sich besonders ein gewisser Faßlin, Beutemeister von Staufen aus. Dieser Mann hatte sich mit seinem Haufen etwas verspätet und kam, weil nicht mehr viel zu finden war, mit dem „langen Fischer“ in heftigen Streit. Endlich fand er noch in einer entlegenen Kammer einen eisernen Ofen, den er an Etliche von Schaffhausen um vier Gulden verkaufte, und hernach dem Hans Karrer dem Auftrag gab, das Schloss anzuzünden, welches bald in hellen Flammen aufloderte und in Trümmer sank.


Im Jahre 1586, meldet eine alte Schrift, habe in Staufen ein gottesfürchtigen Weib gelebt, Anna Sütterlin, das, hundert und vier Jahre alt, noch viel von den Schlossherrn und den Bauern Krieg zu erzählen wusste.


Die bösen Wetter des 30-jährigen Krieges, dessen Schläge so tiefe Narben im Leben des deutschen Volkes hinterließen, berührten vorzugsweise auch die breisgauischen Lande und mit ihnen das Städtlein Staufen.

Die Jahre 1621 und 1622 waren der Anfang einer bösen Zeit; nichts als Kriegspräsentationen zur Anwerbung von Leuten zu Ross und zu Fuß; und je länger desto böser wurde es, so dass die Münzen so hoch im Wert stiegen, dass im Jahr 1623 der Reichstaler sechs fl. galt, eine Dublone aber 20 fl.

„Bei diesen verderbten Kriegswesen wollte alles in den Krieg laufen, inmaßen Viele von hier weggezogen, aber mit wenig Ruhm heimkamen. – Das Land ist in Zerfall geraten, und waren überall schlechte Sitten, so dass viele Leute, wenn alltäglich, die große Glocke um zwölf geläutet wurde*, leider nicht darauf achteten, ja Manche den Hut nicht einmal mehr abgezogen.“
*in katholische Landen zum Gedächniß der „sechsten Stunde“, da Christus am Kreuze hieng und Finsterniß über die Erde kam.


Ein Menschenleben galt dazumal wenig. Es wurde oft Bürger in den Städten, Bauern im Felde, Hirten, reisende Kaufleute erschlagen, mir nichts, dir nichts, ohne dass ein Hahn nach innen gekräht hätte. Zuweilen wurden die Leute, und zwar von beiden kriegsführenden Parteien gleich, „so unmenschlich behandelt, dass alles in die Wälder fliehen musste.“ Viele Kinder wurden auf der Flucht geboren und getauft im Walde, in Kohlhütten und auf freiem Felde; und nicht selten setzte es in den Häusern der Quartierträger blutige Händel ab. Im Jahre 1642 hatte, wie man sich noch in Staufen erzählt, der alte Schneider Galli einen rabiaten Schweden im Quartier, der weder mit Kost noch Logis zufrieden sein wollte. Der Schneider sagte, dass er nichts Besseres zu geben imstande sei, indem er durch die früheren Einquartierungen alles eingebüßt habe. Der Soldat aber, nicht faul, stößt ihm den Spieß durch den Leib, so dass der Galli in drei Stunden darauf den Geist aufgeben musste. Die Schneidersfrau aber und ihre drei Buben fielen über den Schweden her und erschlugen ihn, worauf die Schwedischen fünf Häuser in Brand steckten und wohl noch mehr getan hätten, wenn sie nicht eiligst hätten abziehen müssen, weil die Kaiserlichen in Anzug waren.


Infolge einer Missernte und der vielen Einquartierung war im Jahr 1630 große Teuerung entstanden. Der Wein jedoch war geraten und sehr wohlfeil. „Da war ein solch übermütiges Zechen bei Reich und Arm, Mann und Weib (denn der Wein war sehr gut, aber das Brot schlecht und teuer), dass immer Alles voll war, Jung und Alt, alldieweil mit das Weinlein gewähret“-


Um die nämliche Zeit starb hier in des Willis Stall der hinterlassene 9-jährige Knabe des Michael Wüst, dieses gottlosen, flüchtigen und treulosen anjezo Soldaten unter Frankreich. Niemand war bei dem Kleinen. Er ging lange Zeit, „als armes vater- und mutterloses Waislein gänzlich ausgehungert, krank und elend herumben und wurde auf dem Kirchhof an der Mauer begraben.„


Die „dreifarbige Cocarde“ die das Breisgau in Angst und Schrecken versetzte war wohl keine Sonnenfinsternis. Es gab zwar eine am 1. August 1106, aber die war in Deutschland gar nicht zu sehen. Vielleicht konnte man Teile davon sehen und deshalb die „dreifarbige Cocarde“ oder es war ein Vulkanausbruch irgendwo auf der Welt.

Ebenso finde ich nichts zu den Melakischen Kriegen im 14 Jahrhundert.

Juden in Staufen

Die Ratsherren von Freiburg unterzeichneten 1401 feierlich den Beschluss, „daz dekein Jude ze Friburg niemmerme sin sol“.[Wikipedia] Vermutlich haben dies die Staufener nach gemacht.

Im Jahr 1551 rettete der Jude Aron Levi Staufen vor einem größeren Feuer durch „seine Kunst“

Bauernkriege in Staufen

Am 19. Mai 1525 wurden die Schlösser Höhingen, Dachswangen und Kranznau verwüstet. Bei der Versüstung von Kranznau war ein gewisser Faßlin von Staufen und der lange Fischer als Beutemeister, besonders beteiligt. Faßlin von Staufen und der lange Fischer stritten, da sie wohl zu spät zum plündern kamen. Sie raubten dann einen eisernen Ofen und verkauften ihn nach Schaffhausen. Danach zündeten sie das Schloß an.

[ngg src=“galleries“ ids=“73″ display=“pro_mosaic“]

Dreißigjähriger Krieg in Staufen

Hier erzählt er unter anderem die Geschichte vom alten Schneider Galli von 1642. Dieser wurde von einem Schweden mit einem Spieß erstochen, weil der Soldat mit dem Quartier nicht zufrieden war. Der Schwede wurde darauf hin von der Frau und den drei Söhnen des Schneiders erschlagen. Aus Rache hätten die Schwedischen fünf Häuser in Brand gesteckt und hätten wohl noch mehr getan, wenn die Kaiserlichen nicht im Anzug gewesen wären.

1630 scheinen sich die Staufener von Wein ernährt zu haben. Ebenso um diese Zeit starb ein neunjähriges Kind, dessen Vater, der Michael Wüst, in den Krieg gezogen war. Allem Anschein nach hat man den Jungen verhungern lassen und an der Friedhofsmauer begraben.

Kirchhofen

In dieser Zeit wurde auch das Pfarrhaus Kirchhofen durch die Schweden zerstört. In der Kirche dieses Ortes befindet sich am Hochaltar ein Stein mit folgender Inschrift:

„Anno 1633 den 19. Brachmonat, ist Kirche, Schloss und Kirchspiel verbränt und kam das Land in schwedische Händ; ungefähr 500 Bauersleute erbärmlicher Weis totgeschlagen, darunter 89 vom Pfaffen- und Oelinsweiler waren. Gott wolle ihnen und allen geben ein fröhlich Auferstehen. Amen – Gott und Maria seiner lieben Mutter zu Lob, hab ich Hans Scherlin und Anna Göpfridin mein ehelich Frau, weil uns Gott, durch Fürbitt Maria wunderbarlich durch das leidig Kriegswesen erhalten, den Stein anher verehret.“

Eine alte Schrift im Pfarrarchive zu Kirchhofen erzählt Die Begebenheit, welcher das Denkmal seine Entstehung verdanken soll, auf folgende Weise. – Zur Zeit, als die Schweden unter General Horn das Breisgau überzogen und Breisach belagerten, versammelte der greise Kastellan des Schlosses (ein Dienstmann derer von Weyher) zu Kirchhofen die streitbaren Männer des Kirchspiels, und stellte ihnen die gefahrdrohende Lage des Landes vor mit der Aufforderung, die Waffen zu ergreifen und den Feind von vaterländischen Boden verjagen zu helfen. Unter der Führung des jugendlichen Waldmeisters Hans Scherlin ordneten sich die willfährigen Kirchenspielsgenossen, um, vereinigt mit den Truppen des Herzogs Feria, vor Breisach zu ziehen, welches von den Schweden belagert wurde. Vor dem Ausmarsch überreichte Anna, des Kastellans Töchterlein, dem mutigen Scherlin, ihren Verlobten, eine Rose, welche sie einst von einem Pilgrim aus dem Morgenland erhalten hatte, und die Demjenigen, welcher sie trug, geheime Kräfte verleihen sollte.

Die Schar zog aus und schlug sich rühmlich, wurde aber zuletzt genötigt, von den überlegenen Feinden zurückzuweichen und sich wieder in’s Kirchhofer Schloss zurückzuziehen. In diesem vesten Baue hatten sich auf die Kunde von dem Auszug des Feindes bereits 90 Bauern von Oelinsweiler und Pfaffenweiler versammelt, um den Platz auf Tod und Leben zu verteidigen. Scherlin mit seiner Schar postierte sich am Fuße des Hügels vor der Kirche, wo ein Verhau von Reiswellen und Baumstämmen den Weg versperrte. Als die Feinde nahten, ertönten die Sturmglocken, und mancher „ketzerische Schwed“ ward von den Verteidigern zu Boden gestreckt, bis Letztere endlich im Rücken angegriffen sich auf’s Schloss zurückziehen mussten. Ein Wassergraben, über den eine Zugbrücke führte, umgab die Veste, hinter deren Mauern die Kirchspielgenossen mit Karthaunen und Doppelhacken dem Feind weidlich aufzuspielten.

Unterdessen hatten die Schweden das Dorf eingeäschert und auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. In diesem heiligen Orte war kurz vorher Anna, des Kartellans Tochter, mit mehreren Jungfrauen im Gebete versammelt, als die wilden Soldaten heranstürmten. Nirgends mehr einen Ausweg vor sich sehend, betete Anna zur Muttergottes; da schien es dem Mädchen, als winke das Gnadenbild von der Hand zur Seite nach der Türe des Turmes, die offen stand und ins Freie führte. Die Jungfrau folgte dieser Eingebung und führte ihre Gespielinnen glücklich hinaus über die Türme dem Walde zu, worin schon vorher die Einwohner sich geflüchtet hatten.

Die Nacht war unterdessen hereingebrochen und an den rauchenden Feuerstätten ragte allein noch unversehrt das Schloss. Es war dem Feinde gelungen, die Schleusen des Wassergrabens zu zerstören und so diesen trocken zu legen. Früh am Tage stürmten sie die Mauern. Der heftige Kampf fand am Tore bei der Falltür statt, wo Schafffaluzki, der schwedische Obrist, selbst, den Angriff leitete. Durch Feuerbrände, welche über die Mauern in’s Schloss geschleudert wurden, kamen die Belagerten in Gefahr, unter den einstürzenden Giebeln begraben zu werden. Hans Scherlin, der tapfere Führer, war gefallen, und die Überlebenden suchten durch Capitulation freien Abzug zu gewinnen. Es wird in solcher zugesagt; aber beim Herauskommen werden die Wehrlosen Einer nach dem Anderen mit Keulen erschlagen.

Nach dem Abzug des Feindes wagen die versprengten Weiber und Kinder sich wieder aus den Wäldern hervor, um die gefallenen Angehörigen auf dem Kampfplatz aufzusuchen und zu bestatten. Also hat auch die Tochter des Kastellans, die der Verlust des Vaters und Geliebten zu beklagen hatte. – Doch siehe, als sie unter Tränen um die Leiche des erschlagenen Waldmeisters sich beschäftigte, erwacht der Schwerverwundete aus seiner Betäubung, um unter der liebenden Pflege der Jungfrau und Braut dem Leben wiedergeschenkt zu werden.

Auf Veranlassung des geretteten Paares wurden später die Gebeine der erschlagenen Kirchspielgenossen gesammelt und begraben, die Schädel aber mit den sichtbaren Todeswunden in einer eigens erbauten Kapelle zur ewigen Erinnerung aufbewahrt.

Mit welcher Pietät das Volk noch lange diese Überreste betrachtete, mag aus dem Umstande erhellen, dass die Kapelle, welche die Gebeine in sich schloß, erst nach langem Widerstreit der Gemeinde (im Jahre 1812) konnte abgebrochen und ihr Inhalt zur Erde bestattet werden. Der Pfarrer, welcher den Abbruch betrieben, weil die Kapelle die Aussicht aus dem Pfarrhof hemmte, soll noch auf dem Totenbett reuevoll ausgerufen haben: „Wieder aufbauen das Todtenhäuslein!“ Auch sagen die Pfarrangehörigen, dass der Maurer, welcher die Demolierung vollzogen, noch in selbigem Jahr, wo der Geistliche verstarb, beim „Holzriesen“ erschlagen worden sei.

Anno 1633 den 19. Bachmonat, ist Kirche, Schloß und Kirchspiel verbrännt und kam das Land in schwedische Händ; ungefähr 500 Bauersleut erbärmlicher Weis todtgeschlagen, darunter 89 von Pfaffen- und Oelinsweiler waren. Gott wolle ihnen und allen geben ein fröhlich Auferstehen. Amen. – Gott und Maria seiner lieben Mutter zu Lob, hab ich Hans Scherlin und Anna Gottfriedin mein ehelich Frau, weil uns Gott, durch Fürbitt Maria wunderbarlich durch das leidig Kriegswesen hindurch erhalten, den Stein anher verehrt.

Inschrift auf dem Stein am Hochaltar laut Lucian Reich.

Die Geschichte vom Massaker 1633 und über Hans Scherlin läßt sich auf den Seiten vom Arbeitskreis Ortsgeschichte Ehrenkirchen nachlesen:

http://www.arbeitskreis-ortsgeschichte-ehrenkirchen.de/Personlichkeiten/Hans-Scherlin/Die-Weisse-Rose/die-weisse-rose.html

Staufen nach dem Dreißigjährigen Krieg

Neue Kriegsunruhen brachten die 70er Jahre des 17. Jahrhunderts. In jener Zeit beklagte sich der Ortsvorstand von Staufen, dass während mehrerer Jahre keine Rechnung gestellt werden konnte, weil der leidige Krieg alles in Unordnung gebracht habe, so dass weder Gefälle noch Zinsen bezahlt und auch keine Steuern mehr bezogen werden konnten. Die Bürger seien zu öfteren Malen versprengt und verjagt worden, sogar der Stadtvogt und der Richter hätten in dieser Drangsal keine bleibende Stätte mehr gehabt und seien während der Zeit vielmal ausgeplündert und verjagt worden; ihre Schriften hätten sie nach Schönau geflüchtet, aber leider in dem dortigen großen Brand verblieben und verloren gegangen seyen.

Aus jenen Zeiten finden wir verzeichnet, dass dem „Waldhans“ drei Batzen verehrt worden sind, „weilen er einen Bären geschossen“; ebenso dem „Hafengrunder“ von zwei Wölfen sechs Batzen, den Schützen von Kirchhofen für sechs erlegte Wölfe 18, und denen aus dem Münstertal für drei solcher Raubtiere neun Batzen.


Nach der unglücklichen Zeit des 30-jährigen Krieges soll die Stadt Staufen infolge der Pest ganz ausgestorben gewesen seyn bis auf eine Magd (in’s Barbier alt Maiers Haus). Diese ging eines Morgens an den oberen Brunnen, um Trinkwasser zu holen. Als sie dort ankam, sah sie einen Handwerksgesellen bei des obern Martins Haus auf einem Eckstein sitzen. Sie sagte zu ihm: ob er nicht wisse, dass der Ort ganz ausgestorben sei? – Der Handwerksbursche erwiderte: er komme eben hierher gereist und wollte auf diesem Stein ein wenig ausruhen; er bitte von ihr einen Trunk Wasser, sonst, sagte er, wäre er gesund! – Die Magd gab ihr zu trinken und setzte naiv hinzu: „Wir wollen einander heiraten und die Stadt, so Gott will, wieder bevölkern.“ – Der Handwerksbursch war nicht abgeneigt; sie wurden einig, schlossen das Ehebündnis und erfüllten später die Worte der Schrift: Machet und vermehret euch! – Noch heut zu Tage aber ist jener Eckstein zu sehen vor des Fr. Xaver Martins Haus.

Später, bemerkte die Sage weiter, ist dieses Ehepaar nach dem Dorfe Gunnern gezogen, weil es ihm in Staufen nicht mehr gefallen habe.

Zu der Sage am Eckstein an Xaver Martins Haus in Staufen kann ich leider nichts finden. Auch gibt es keine genaue Bezeichnung des „Oberen Brunnens“. Ich bin mir aber sicher, dass der Eckstein von dem Lucian Reich redet, auch heute nach 200 Jahren noch da ist.

[ngg src=“galleries“ ids=“74″ display=“pro_mosaic“]

Anno 1702 begann ein neues Kriegsgetümmel im badischen Oberland, unter dem bald in Pforzheim, bald in Durlach regierenden Markgrafen Friederich Magnus. Es war der spanische Sezessionskrieg, der damals seinen Anfang nahm. Der französische General Villars war bei Hünningen über den Rhein gegangen, um sich mit den Bayern zu vereinigen; Markgraf Ludwig von Baden, der gefürchtete Held, aber sie suchte dieses zu verhindern, weshalb es am 7. Oktober 1702 zu dem blutigen Treffen bei Friedlingen, eine Stunde von Lörrach, kam. Die Franzosen hatten bei 15.000 Mann 3000 Tote, darunter 200 Offiziere, der Markgraf aber zählte bei seinen nur 8000 Mann starken Korps 1500 Tote, worunter auch der Graf von Fürstenberg. Der Erbprinz von Baden-Durlach, Markgraf Wilhelm, der auf dem Berge „Käferhölzlein“ bei Schliengen focht, von einer früheren erhaltenen Wunde noch nicht ganz hergestellt, wurde hier abermals verwundet; der Obrist Gagern aber an seiner Seite von einer Kartäschenkugel tödlich getroffen. Die deutschen Truppen unter Markgraf Wilhelm zogen hernach hier in Staufen ein, während die Franzosen, welche Neuenburg noch in Händen hatten, die Umgegend brandschatzten.


Als im Jahr 1713 Marschall Villars mit 7000 Mann von der Stadt Staufen erschienen war, und die Bürger, weil sie „gut kaiserlich“ waren, die Tore nicht gleich öffnen wollten, wurden 15 Häuser angezündet und der Bürgerschaft eine Brandschatzung von 1200 Gulden auferlegt. Dieser Summe wurde, da Geld sehr rar war, bei der Familie Litschgi in Krozingen entlehnt. Der Gläubiger mußte der Folge dadurch befriedigt werden, dass man ihm freistellte, hundert und zwanzig Stück der schönsten Eichen aus dem hiesigen Stadtwalde sich auszulesen.


Es wird erzählt, dass dem ersten Rheinübergang unter Moreau im Jahr 1796 allerlei überrheinisches Gesindel bei der französischen Division Ferino sich befunden, welches die Gegend weit umher unsicher gemacht habe. Besonders meisterlos erzeigten sich herumschwärmende Husaren, die gerne Frauen und Mädchen in den Feldern überfielen und ängstigten. Als einst ein Weib von Staufen im „oberen Steiner“, nahe an dem Zollhäuslein bei Grunern, in den Reben arbeitete, sprengte ein französischer Reiter, der diese Frau erblickt hatte, in tollem Ritte über Stock und Stein in das Rebfeld. Das Weib flüchtete von einem Stück Reben zum anderen und erreichte glücklich das Zollhäuslein, sprang hinein und hinten wieder hinaus, aber auch hier folgte ihr der wilde Reiter. Mit bloßem Säbel sprengte er hinter ihr her und erreichte fast gleichzeitig mit der Verfolgten das untere Tor der Stadt Staufen. Da stürzten plötzlich vor den Augen der verwunderten Zuschauer Ross und Mann – wie von unsichtbarer Hand getroffen – zu Boden und beide, der Mensch und das Tier, waren tot.

Ein französischer Reiter jenes Korps, so erzählte ein glaubwürdiger Zeuge, der einen mit Geld ziemlich erfüllten Beutel bei sich hatte, ritt, wahrscheinlich mit einer gefahrbringenden Order beauftragt, bei dem Kruzifixe am Wege von Staufen nach Kirchhofen vorbei, und sagte, dem Bilde sich nähernd: „Da – heb mir diesen Beutel auf“, legte den Schatz hinter das Haupt des Gekreuzigten und ritt seines Wegs. Als nach Jahresfrist die Kriegsläufe den Soldaten wieder in hiesige Gegend brachten, hielt er bei dem Kreuze an – und siehe – der Beutel lag noch unversehrt am nämlichen Orte. – Der Reiter, ein Elsässer und etwas „religionsspöttisch“, erzählte die Geschichte nachher seinen Quartiersleuten.


Seltsameres soll dem alten Boten Pfefferle von Staufen passiert sein, als er im Jahre 1812 auf seinem Gange nach Freiburg an dem Kreuze am Kirchhoferweg vorbeikam. Eine hagere Gestalt trat ihm plötzlich in den Weg, so dass er stehenbleiben mußte; in den Lüften hörte er Getöse wie Schwertergeklirr von Geharnischten. Als zufällig Bekannte von Staufen des Weges kamen und den alten Geisterseher anredeten, verschwand das Phantom. – Kurze Zeit darauf kamen Soldaten aller Waffengattungen der Alliierten auf ihrem Wege nach Frankreich durch diese Gauen und nahmen Paris ein.


Als die Franzosen unter Moreau auf ihrem Rückzug im Oktober 1796 von Schwaben her gegen das Breisgau kamen, herrschte daselbst große Angst und Verwirrung. „Die Franzosen sind geschlagen und retiriren“ hieß es, „sie rauben und plündern, sengen und brennen, wo sie hinkommen.“ – In Heitersheim flüchteten die Einwohner mit Allem, was sie in der Eile fortbringen konnten, in die Wälder. Eine arme Wittwe, die krank lag, mußte mit ihrer Tochter, in die ihre Pflegerin war, zurückbleiben. Am nächsten Morgen kamen mehrere Banden Reiter und Fußvolk in das Städtlein, brachen in die verschlossenen Häuser, raubten was sie fanden und trieben mit den zurückgebliebenen Einwohnern schnöden Mutwillen. Ein Soldat mit bärtigem, sonnenverbrannten Gesichte voller Schrammen kommt aus einem Hause, mit einem Geldbeutel in der Hand, den er dort geraubt. Gierig nach weiterer Beute schaut er umher und sieht im Nachbarshause ein schönes Mädchen furchtsam hinter dem Fenstervorhang stehen. In wilder Begehrlichkeit rennt er gegen das Haus und tobt und rüttelt an der verschlossenen Türe, bis diese endlich einbricht. Hastig eilt er durch den Hausgang, die Treppe hinauf, wir aber die Türe aufreißt, begierig sein Opfer zu erhaschen – tritt die Jungfrau, ihr blaues Auge nach Oben, dann nach der kranken Mutter gerichtet, vor ihn hin und spricht: „Tu mir kein Leid, meiner armen, kranken Mutter bin ich die einzige Stütze!“ und schaut dem rauhen Kriegsmanne treuherzig und mild in’s verderbenblitzende Auge. Überwältigt und gerührt durch die Unschuld der Schönheit des Mädchens, steht der Soldat da, ohne ein Wort hervorzubringen, und Tränen rollen über die gebräunte Wange. Er wirft den vollen Beutel mit den Worten zu den Füßen: „da nimmt für deine Mutter – eine brave Tochter du!“ und stürzt zur Türe hinaus auf die Straße, und das Mädchen berührt zu haben.

Zwei Tage nachher war die Schlacht bei Schliengen und Kandern.
Mutter und Tochter sind längst gestorben, und auch der Soldat wird das Zeitliche geschieden sein, aber die That lebt bis heute noch im Andenken des dortigen Volkes.

Der spanische Erbfolgekrieg

Der Spanische Erbfolgekrieg war ein Kabinettskrieg zwischen 1701 und 1714, der um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wurde.

Am 24. September umging Willard mit 30 Bataillonen, 40 Schwadronen und 33 Geschützen das Gebirge durch den Güninger Durchgang und erreichte Güningen, wo er den Bau einer Brücke anordnete, die am Mittag des Oktobers fertig gestellt wurde. In Sichtweite des Feindes überquerte der Marschall am 2. Oktober das rechte Rheinufer (ein Kunststück, das zu seiner Zeit als herausragende Episode des gesamten Feldzuges hoch angesehen wurde) und beschloss, die Kaiserlichen unter Umgehung von Wilz anzugreifen und dann den Bayern, auf deren Vereinigung der französische König aus politischen Gründen besonders drängte, die Hand zu reichen.

Nach einer Reihe von Manövern und Umwegen griff er den Markgrafen bei Frillingen (14. Oktober) an. Die Franzosen hatten 17.000 Mann in ihren Reihen, die Kaiserlichen 14.000. Die 2-stündige Schlacht war hart umkämpft, und der Sieg geriet ins Wanken. Die Einnahme von Schützengräben auf den Friedlinger Höhen und ein brillanter Angriff der Kürassiere entschieden die Schlacht zugunsten der Franzosen, die 2.500 Gefallene und Verwundete verloren; die kaiserlichen Verluste betrugen bis zu 2.000 Mann. Markgraf Ludwig zog sich nach Staufen zurück, wo er auf Verstärkung stieß.

Nach der Kapitulation von Friedlingen (15. Oktober) wurden die feindlichen Armeen in Winterquartiere verlegt.

https://www.trenfo.com/de/geschichte/spanischer-erbfolgekrieg

Koalitionskrieg

Der Erste Koalitionskrieg war der erste Krieg einer großen Koalition zunächst aus Preußen, Österreich und kleineren deutschen Staaten gegen das revolutionäre Frankreich zwischen 1792 und 1797 zur Verteidigung der Monarchie.

Wer sich genauer für die Wirren der Koalitionskriege interessiert, sei auf die Seite des Geschichts- und Heimatvereins Villingen verwiesen: https://www.ghv-villingen.de/.
Villingen im Zeitalter der Französischen Revolution (1770-1815) von Michael Tocha.

Erzherzog Carl Ludwig Johann Joseph Laurentius von Österreich, Herzog von Teschen, (* 5. September 1771 in Florenz; † 30. April 1847 in Wien) aus dem Haus Habsburg-Lothringen war ein österreichischer Feldherr…. Die Zurückdrängung der französischen Rhein-Mosel Armee unter General Moreau über den Rhein nach der Schlacht bei Emmendingen verschafften Karl große Popularität in Deutschland.

aus Wikipedia

Die Schlacht bei Schliengen war eine Schlacht des Ersten Koalitionskrieges, in der sich die Armeen Österreichs und der französischen Republik gegenüberstanden. Sie fand am 24. Oktober 1796 im Markgräflerland zwischen Basel und Freiburg im Breisgau statt. Das Kampffeld erstreckte sich auf Schliengen (mit seinen heutigen Ortsteilen Mauchen, Liel, Obereggenen, Niedereggenen), Steinenstadt, Sitzenkirch und Kandern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Schliengen

Fortsetzung hier:

Wanderblühten – Geschichten aus der Region um Staufen

Wanderbluehten – Das Buch

Wanderblühten – Das Burgele

Dr. Ursula Speckamp schrieb hier über Heinrich Jansjakob (1837-1916) aus seinem Reisetagebuch, Verlassene Wege unterm 21. Juni 1900:

Ehe ich heute meine Reise fortsetzte, besuchte ich noch einen alten Ehrenmann, der einst in Rastatt mein Zeichenlehrer war – den Maler und Volksschriftsteller Lucian Reich. – Im dritten Stock eines kleinen Häuschens in Hüfingen, über dessen schmale Treppe ich mich förmlich hinaufzwängen mußte, traf ich ihn. Er war hocherfreut über meinen Besuch, der dreiundachzigjährige Greis, in dessen Zügen Bitterkeit und Biederkeit sich die Waage halten. – Er kommt seit Jahren nicht mehr aus seiner Stube und unter die Menschen, und sein einziges Kind, eine Tochter, pflegt ihn. – Unermüdlich ist er aber noch geistig tätig, liest und zeichnet und schriftstellert.

Wanderblühten
aus dem
Gedenkbuche eines Mahlers.
Von
Lucian Reich.

Mit einem Titelblatt von Rudolf Gleichauf und Bildern
von L. Reich,

mit der Feder auf Stein gezeichnet
von
Johann Nepomuk Heinemann.

Karlsruhe.
Herder’sche Buchhandlung (A. Geßner).

1855


Das Buch habe ich hier im Januar 2022 veröffentlicht. Allerdings veraltet auch eine Webpage ziemlich schnell und die nächsten Monate möchte ich die einzelnen Kapitel aktualisieren. Deswegen werde ich jedes aktuelle Kapitel wieder nach vorne kramen.
Das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift hatte ich damals vorgelesen, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.
Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz.
In blau sind unten Erklärungen dabei.

Eingang

Eingang

Mehrere durch Lebensberuf und Neigung gleichgesinnte Freunde, welche in ihrer kleineren Stadt des badischen Oberlandes ihren Sitz hatten, waren gewohnt, ihre abendlichen Mußestunden vereint im häuslichen Kreise einer befreundeten Familie zuzubringen.

Es war in Zeiten gesellschaftlicher Verwirrung und Zwiespältigkeit, die Manchen, dem es unerquicklich erscheinen mochte, dem Tagesgetriebe sich hinzugeben, auf sich selbst oder den Umgang Weniger zurückwiesen. Das Haus, wo die Verbündeten ihre Zusammenkünfte hielten, war eine freundliche Gartenwohnung am Rande der Stadt, und hatte, um mich eines beschreibenden Vergleiches zu bedienen, einige Ähnlichkeit mit der Villa des Cicero bei Tusculum, wo bekanntlich dieser Philosoph öfter mit seinen Freunden zusammenkam, um diejenigen Materien zu besprechen, die er später niederschrieb, und nach dem Namen seines Landhauses betitelte, der Nachwelt hinterließ.

Wenn unser schwarzwäldisches Tuskulanum, welches, beiläufig gesagt, dem Italienischen gleichen mochte wie etwa einer Tanne dem Lorbeer, wenn es auch nicht das Glück hatte, Philosophen und große Gelehrte unter seiner seine Besucher zu zählen, so steht, so fehlte es doch keineswegs an Stoff zu gegenseitiger Unterhaltung und probaten Mitteln, den einförmigen Tageslebens eine farbige Folie unterzulegen.

Die Zeit, wo die Sonne im Zeichen der Waage zum zweiten Mal, dem Tage und der Nacht gleiche Dauer gibt, war vorüber, und der Winter begann bereits sein ganzes Aufgebot von dienstbaren Geistern: Frostn Nebel und Stürme, mobil zu machen und über das Land zu schicken, so dass jedermann wieder gerne zu Stuben und Ofen seine Zuflucht nahm.

Auch in unserem Tuskulanum hatte die Behaglichkeit einer stillen Häuslichkeit sich wieder geltend gemacht, und statt wie noch vor Kurzem die Abende im Freien zu verbringen, saßen jetzt die Freunde in dem Stüblein am runden Tische in der Nähe des Ofens, in welchen ein tüchtiges Feuer brummte, wie um die Wette mit dem eisigen Nordwinde, der draußen über die herbstlichen Stoppelfelder brauste und im Kamin seine Klagelieder sang.

Eines Abends, als ein junger Mann, der gewöhnlich das Amt eines Dorflehrers bekleidete, der Gesellschaft eine Novelle vorgetragen, bemerkte der Zuhörer, als jener geendet: „das ist wieder einmal eine jener romanhaften Liebesgeschichten, wie sie gewöhnlich in Büchern, aber selten oder nie im Leben vorkommen.“

„Ja wohl“, versetzte daraufhin ein Anderer, „man sieht auf den ersten Blick, dass das Ding keinen wahren Boden hat, also rein aus der Luft gegriffen und lediglich nur Machwerk ist. – Es gibt aber, sollte man meinen, im Leben genug Motive, die zu solchen Schilderungen recht guten Stoff abgeben und jedenfalls mehr Interesse erregen würden, als solche oberflächliche Erzeugnisse. – Mir fällt gerade ein Geschichtchen ein, welches ich einst von einem gesprächigen Alten vernommen, und wenn ihr mir Gehör schenken wollt, so will ich es gerne zum Besten geben.“

„Es soll uns willkommen sein!“ hieß es von allen Seiten, und nachdem der Freund sein Pfeifchen gestopft und angezündet hatte, begann er seinen Vortrag.

„Druf bruckt er ’s Füür mit de Fingeren abe,“ und macht ’s Deckli zu.
„Se willi den näumis verzehle,“ seit er,
und sizt nieder, „doch müender ordeli still sy, aß i nit verstunn, ebs us isch;“
von Johann Peter Hebel
Mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. Nepomuk Heinemann

Die erste Geschichte ist die eines alten Herren, des Baschi, den der Erzähler bei einer seiner Wanderschaften in einer alten Friedhofskapelle trifft. Der alte Baschie erzählt, wie er seine Frau, das Burgele, kennenlernte.

Das Burgele

Als ich einst, fing er an, nach längerer Abwesenheit meinen Aufenthalt wieder auf einige Monate im elterlichen Hause genommen, ward mir manche freie Zeit zu Ausflügen in die Umgegend und den angrenzenden Schwarzwald.

Auf einer dieser Wanderung in den nächsten Schwarzwaldtäler wollte ich bei einem alten Bekannten nicht vorübergehen. Es war dies ein schon bejahrter Mann mit gutem Gedächtniß, welcher mancherlei von der alten Zeit und ihren Sitten zu erzählen wußte.
Seine Wohnung lag etwas abseits des Städtleins, dicht neben dem Kirchhofe, auf welchem er das Geschäft seines Totengräbers zu verstehen, eines Totengräbers zu versehen hatte.

Eine in der Mitte des Platzes stehende, halb zerfallene Kirche war ihres hohen Alters wegen schon oft der Gegenstand meiner Betrachtung geworden. Einst die Pfarrkirche des Dorfes, war sie, seit der Erbauung einer neuen Kirche innerhalb des Städtlein selbst verlassen, und seit Menschengedenken kein Gottesdienst mehr in ihr gehalten worden. Von den verödeten, entweihten Altären blickten noch alte holzgeschnitzte Heiligenbilder, als Denkmäler jener kräftigen, begeisterten Zeit, welche dem Leben und der Kunst einen goldenen Boden bereitete und an den Wänden zeigten sich noch hie und da Überreste von alten Malereien; aber die Fenster waren zerbrochen und das Blei hing schlotternd herab, dem Wind und Wetter seinem Durchzug gewährend. Nur noch einzelnen Betern diente jetzt die Kirche zur einsamen Gottesverehrung, und in den hinteren Räumen, neben zertrümmerten Kirchenstühlen, bewahrte der Totengräber die Bahre auf und sein übriges Geschirr. Denn der Kirchhof ist immer noch wie vor Zeiten die Begräbnisstätte der Ortseinwohner, und die Glocken im alten Turme läuten noch jeden Abgeschiedenen auf dem Heimweg.

Diesmal fand ich das Haus des Totengräbers verschlossen und suchte deshalb meinen Mann auf dem Kirchhof. Es war zur schönen Sommerzeit; der alte Lindenbaum an der Mauer stand in vollen Blüten, und einige Kinder waren beschäftigt, diese in Körbchen zu sammeln, zum heilsamen Tranke. Ein paar fromme Mütterlein wandelten betend zwischen den Gräbern, und weiterhin sah ich endlich den Alten, wie er eben einem Verstorbenen seine letzte Ruhestätte bettete.

Ich trat näher und grüßte ihn; er reichte mir die Hand aus dem halbfertigen Grabe und sagte, wie es ihn freue, mich wieder einmal hier zu sehen. Zugleich erkundigte er sich nach meinem bisherigen Aufenthalte, und als ich ihm gesagt, ich komme aus ich komme aus dem Unterland, so fragte er mit Theilnahme nach Neuigkeiten von dort.

„Das Neueste“, antwortete ich, „ist jetzt die Eisenbahn, an welcher über Kopf und Hals gearbeitet wird, so dass schon eine Strecke unterhalb Karlsruhe befahren werden kann.“ Es war nämlich zu Anfang der vierziger Jahre.

„Hm!“ sagte er, „was der Mensch doch für Erfindungen macht, um schneller durch’s Leben z’kommen – es geht ja ohnehin schnell g’nug, d’Zeit selber ist en Eisenbahn.“

„Und ihr seid der Bahnwärter an der letzten Station, nicht wahr?“ erwiderte ich, auf das offene Grab deutend, „da müssen eben alle Passagiere aussteigen, weil jenseits eine andere Spurweite beginnt, zu welcher die irdischen Räder nicht mehr passen“, setzte ich bei, sein Gleichnis weiter ausmalend.

Er nickte, obwohl er mich nicht ganz verstanden haben mochte. „Ja, ja“, sagte er nach einer Weile, „’s geht rasch mit dem Lebe, das ist jetzt das dritte Mal, dass ich den Kirchhof umgab‘. Ihr könnt Euch denke, wie Mängem ich schon sein Bettle g’macht hab‘. Da schaufle ich eben dem Kranzwirth aus, en Mann, der seiner Zeit in Ehr und Reichtum g’standen, es weiß kein Mensch wie groß, er und seine seine vier schönen Töchter, -und jetzt ist keins mehr da von Allen nix als Knoche – lauter Vergänglichkeit.“

Der Mann fragte mich hierauf, wo ich hin wolle, denn er hatte bemerkt, dass ich Kappe und Regenschirm bei mir trug, und auf meinem meine Erwiderung, dass ich eine kleine Reise vorhabe und beim Rückweg wieder bei ihm zu sprechen gedächte, um mit ihm mehr noch von den alten Zeiten zu plaudern, deutete auf ein altes, graues Männlein, welches mühsam den Hügel herauf gegen die Kirche kam. „Der kann doch von Allerlei erzähle“, sagte er, „das ist einer der Ältesten im Ort, der alt‘ Baschi.“

Dieser Weisung zufolge verabschiedete ich mich von meinem nimmer rastenen Gärtnersmann und schritt auf die Kirche zu, in der Absicht, mit dem Alten anzuknüpfen. Er war schon innerhalb des Gotteshauses angekommen und hatte ermüdet in einem der Kirchstühle Platz genommen.

„Geht’s immer noch ein wenig, Großvater?“ fing ich an.
Kann’s nicht lobe“, gab er zur Antwort, „’s ist bald Mathä am Lezte mit dem Baschi – wär’aber auch kein Wunder“, setzte er lächelnd bei.

„Wie alt, Mann, seyd ihr wohl?“ fragte ich weiter.
„Ihr könnt denke, es sind jetzt schon 65 Jahr, seit ich geheiratet habe, und 15 Jahre sind’s, seit’s Bugele selig tot ist – und ich leb‘ alleweil noch.“
„s’Burgele war euer Weib?“ fragte ich, und als es bejahte, erkundigte mich, ob es auch aus dem Städtlein gewesen.
„Ah, b’hütesgott!“ sagte er kopfschüttelnd, „es ist in der Schollach daheim g’wese, wenn Ihr wisset, wo die liegt.“
„Recht wohl“, versetzte ich, „aber wie habt Ihr sie denn kennengelernt?“
„Auf sonderbarliche Art, Herr, unsere Liebe hat mir Prügel eingefangen – abt Ihr auch schon mal so was gehört – mit Prügel!“ sagte er lachend.
„Das ist allerdings ein wunderlicher Anfang“, bemerkte ich; „denn dass schon manche Liebe auf diese Art geendet hat, ist bekannt, aber damit angefangen, das ist unerhört – Bin doch begierig, zu hören, wie sich’s zugetragen.“
„Von Profession“, fuhr der Baschi fort, „bin ich ein Zimmermann, weil es aber daheim mit allsfort Arbeit gebe hat, so bin ich ‚rum zogen im ganzen Fürstenbergischen und weiters; denn, Herr, dazumal sind nicht noch so viel Häuser im Rauch aufgegange, wie jetzt, und d’rum auch weniger gebaut worden. Vor sechsundsechzig Jahren aber hat es sich ereignet, dass der Wolfshalder-Hof verbronne; ’s hat selbige Tag ein entsetzlich‘ Wetter am Himmel gehabt, und man hat sagen wollen, es sei unter erschröckliche Schlägen en feurige Drach‘ aus finsteren Wolken auf’s Haus ‚rab g’fahre. Gesehen habe ich es nicht, aber so viel ist richtig, dass selbigmal der Wolfshaber-Hof verbrannt worden ist bis auf den Grund. Der Schaden ist groß gewesen, aber das Vermögen vom Wolfshalderbauer noch größer; das Holz zum Bau hat er im eigenen Wald geschlagen, und die Bretter auf der eigenen Sägemühle schneiden lassen, und an baarem Geld hat es ihm nicht gefehlt. – Da habe ich denn auch Arbeit gefunden als junger Zimmergesell. Mein Meister ist der Seppetoni selig gewesen, ein Ausbund von Geschicklichkeit, wie man in siebe Herre Länder kein‘ mehr antrifft, Herr! – Gegen den Herbst ist der Hof wieder gestanden, größer und properer als z’erst, und am Donnerstag nach Michäli ist der Dachstuhl aufgeschlagen worden. Dazumal aber habe ich noch keine Bekanntschaft gehabt; doch bekennen muss ich, s’Zinkebaure Jüngste hat mir gefallen, ne bundesnett Weibsbild, gesund und frisch wie eine Rose. Das Mädel aber hat nichts von mir wissen wollen, und das hat mich bitterlich verdrossen. Wie nun der Dachstuhl glücklich aufgeschlagen gewesen war, habe ich den üblichen Spruch gehalten, denn in derartigen Dingen habe ich meines Gleiche g’sucht. Mein Vater selig ist der Spielhans gewesen, ein Tanzgeiger und Reimereißer obenaus; aber ’s Geigen ist jetzt abgekommen beim Tanz, es muss jetzt Alles pfiffen und trompetet sein. – Des Zinkebaure Jüngster und ihre Kamerädine zum Schabernack, habe ich aber in den Spruch noch das Versle eing‚flickt:

„Von schöne Mädle, das ist bekannt,
hat es die feinste hierzuland;
Doch will ich nicht lang suchen und laufen,
Will ein Dutzend um ein alt’s Strohseil kaufen“,

und da sind sie halt waidlich ausgelacht worden.
Darnach aber ist der Schmaus angangen und alle Nachbarn und Bekannten sind dazu invitiert worden. Herr! das ist en Esse g’wese – potz Dunder! Zuerst sind komme: Knöpfle im Specksuppe, Leberwürste und zwei Dudelsäck, d’rauf grüner Speck, Schulterblättle und Rippestückle, nach dem geräucherten Speck und Bratwürste, und auf das erste noch vier Hammestoze* und Stücker habe wir davor ‚runter g‚säbelt, wie Brieftasche – e Sauerkräudle dazu, so schön wie en Goldfaden; aber z’allereletzt sind noch aufgetrage worden zwei Guckinofen** und Torten und Muskete“.
* Schinken
** Gugelhopf

„Pasteten, wollt Ihr sagen“, unterbrach ich ihn.
„Nun ja, ich sage ja nur Muskete, mit Mandeln und Zibeebe, denn ihr müsst wissen, dass die jüngste Tochter vom Wolfshalder Klosterfrau gewesen ist in Friedenweiler, und die hat das Backwerk spendiert; und was an Wein draufgegangen, ist nicht zum sage.
Am Samstag darauf bin ich heim, um meiner Mutter, tröstet sie Gott, die schwarz Wäsche z’bringe, und wie ich da mit meinem Bündel unterm Arm guten Mutes fort marschiere und zum Bildstöckle komme -was geschieht? Die Mädel passe mir auf, von wegen dem Spruch. „Da kommt er mit seinem wüsten Maul“, höre ich sagen, „und da hat’s Trinkgeld“. Jetzt aber ist es losgegangen mit Ruten und Besen über mich her! Da ist dabeigewesen ’s Zinkebaure Jüngste, ’s Fralkebühlers Rosle, das Brunnenbachers Kätherle, s‘ Bierwirths Sepperle, s‘ Waldbauers Burgerle und noch drei Andere. Da habe ich denn für jedwedes unnütz‘ Wort, was ich gesprochen habe, ein Paar Flausen überkommen und es ist mir ganz recht geschehen.

Die aber, die mir’s am Allerärgsten gemacht hat, die ist s’Burgele gewesen. „Du wirst an mich denken“, sagte es und versetzte mir noch ein Paar herzhafte mit den bloßen Händen und seine weißen Arme – gibt mir en Blick und macht sich aus dem Staub mit den Anderen.

Die Geschicht aber hat mir z’denke g’macht, absonderlich s’Burgele’s Benehmen und seine Wort‘, und ihr dürft mir’s glauben, Herr, es ist mir zur Nacht verkommen im Traum – und fein lieblich Gestalt ist wieder vor mir gestanden, und es sagt mit freundliche Worte zu mir: „Du wirst an mich denken“, und gib mir, statt den Streichen, e‘ Schmüzli und rennt fort .- ‚s ist e‘ Sach, Herr, um d‘ Jugend!

Am Montag darauf komme ich wieder zurück; da habe ich denn für den Spott auch nicht sorgen dürfe, von wege dem Trinkgeld. Am nämlichen Nachmittag aber sehe ich, nit weit von unserem Zimmerplatz s’Burgele, wie es auf dem Grasplatz vor ihrem Haus Garn spreitet; es ist ein schöner Tag gewesen. – Ich lug hinüber, und wie ich so während der das Holz’bschlagen ‚nüber schiel, glitscht mir’s Breitbeil aus am Holz und fahrt mir tief in den Waden am linken Fuß, und das Blut ist rausgesprungen wie ne Brunnenröhre; –‚s Burgele sieht’s und springt rüber.

„Um Gotteswille“, ruft es, „was hast g’macht und was ist passiert, o Baschi!“ Und es reißt in der Eil sein Fürtuch vom Leib und will mir’s Blut stille, nimmt mich am Arm und führt mich in ihr Haus; und die Anderen sind her g’sprungen und haben mich noch gar verbunden. Zum Glück ist grad das Kräuter-Toneli bei der Hand mit seiner Kunst und Sympathi; es nimmt e‘ Gläsle mit Kupferwasser und lasst etliche Blutstropfen d’rein fallen und sagt: „das Glas muss jetzt ‚e reine Jungfrau in ihrem Kleiderkasten aufhebe, doch so, dass weder Sonne noch Mond dazukommt“, und s’Burgele springt auf und sagt: „gebt’s mir her, Tonele!“ und es nimmt’s und verschließt’s in seinem Kasten, und im nämlichen Augenblick ist s’Blut gestillt, und d’Schmerze sind weg, wie weg g’wischt.

„O Burgele, Burgele, sag ich, was tust du am mir, ich kann’s dir mein Lebtag nicht vergelten.“
„Es ist ja gern geschehen“, sagt es, „und wenn’s nur bald wieder gesund wirst, Baschi!“
Ich aber bin bald wieder heil worde, denn es hat sich schnell bessert, und s’Burgele ist bei mir bliebe früh und bis spät und hat mir abg’wartet. Schon nach acht Tagen habe ich wieder marschieren können und bin heim gegangen. Wie ich aber daher oben angekommen, so fangt die Blessur unverhofft wieder an zu bluten und die Mutter meint, es kommt von der Mühe im Laufe; sie rennt fort und holt den Scharfrichter-Hans, der hat auch verstanden z‘ „stille“. – Ich sage ihm, so und so ist’s gegangen und das und das hat mir geholfen; er aber macht seine Spargelementer und sagt, dass ich mindestens acht Tage Hausarrest haben soll. – „Aber das kann ich euch sagen“, macht er, „wenn ich nicht dazugekommen wäre, hätte es euch könne das Leben kosten, Baschi; ich vermute nämlich nichts anderes, als dass das Fläschle, von dem er mir sagt, an der Sonne oder an’s Feuer gekommen ist.“

So wird mir doch, denke ich, s’Burgele den Streich nicht gespielt haben, es täte mir wahrhaftig weher als der böse Fuss, und macht mir so meine Gedanken. Zwölf Tage habe ich d’Stube hüte müssen und wie ich wieder hoch marschieren können, ist der erste Gang – in d’Schollach.

Wie ich zu s‘ Waldbauers Haus hin komm‘, treffe ich gerad ’s Kräuterweible vor der Tür, und es winkt mir und nimmt mich zur Seite.
„Baschi“, sagt es, „Ihr habt nicht gut g’handelt am Bugele“, und Dies und Jenes.
„Warum?“ sagt ich. „und was meint ihr damit?“ und sie erzählte mir Alles.
„Drum hat es en „Anhalter“ g’habt ’s Zinkebauers Franz, und Vater und Mutter haben ihm zugesprochen, es soll ihn nehme. Geld hat er und Haus und Hof dazu; aber s’Burgele will nit. Lieber ledig sterben als den Franz! sagt es, und wie sie ihm weiters zuspreche, wird es krank und ißt nicht und trinkt nicht, denn die Liebe ist eine Krankheit, sagt das Sprichwort. Keinem Menschen aber hat es anvertraut, was ihm fehlt und wo sein Kummer sitzt, als mir.“
„Ich habe ’s im Vertrauen in den Baschi gesetzt.“ sagt es, „und keinen Anderen will ich und mit keinem Anderen kann ich leben; wenn er nur käme und wenn ich mit ihm reden könnt“. – Aber wer nicht kommt, das ist der Baschi, und es wartet und wartet, und es kommt kein Baschi. „Er hat mich vergessen“, seufzt es und brieget. Und so, Freund, stehe jetzt die Sache“, sagt’s Toneli, „sprecht, wie seyd ihr g’sinnt, und was ist z’machen. Euer Zuspruch wird besser helfen als alle meine Kräuter und alle Sympathie.“

Ihr könnt euch vorstellen, Herr, wie groß auf einmal meine Freude und meine Hoffnung geworden sind, und ich sag ihm, wie es mir gegangen, wie mein Fuß wieder rebellisch worden sey und was mir der Scharfrichter-Hans bedeutet habe, von wegen dem Gläsle. Aber s’Töneli erklärt und mir d’Sach.

„s’Burgele ist unschuldig, und ihr könnt ihm keine Schuld beimessen; s’Barbele, seine jüngste Schwester, hat den Streich gespielt und s’Gläsle heimlich aus dem Kasten genommen und an die Sonne gestellt aus Wunderwitz. s’Burgele ist dazugekommen und zum Tod erschrocken, und rennt schnell zu mir und sagt mirs.“

„Burgele, habe ich gesagt, es gibt Gegenmittel und ich will es anwenden, Dir und dem Baschi zuzlieb, aber hätte gefährlich ablaufen können, mit solchen Sachen lässt sich nicht spaßen.“

„Tonele“, sag ich, „Ihr seid mein guter Engel, der mich leitet und führt, und grüßet mir s’Burgele, es soll mir verzeihe, wenn ich es erzürnt habe, und ich wollte selber noch mit ihm reden“, und so und so und so.

Den nämlichen Tag noch ist es aufgestanden, und am anderen Morgen hat es eine Wallfahrt gemacht, mit dem Bärbele und dem alte Tonele nach, Tryberg zur Kreuztanne; und wie sie wieder retour kommen, so stehe ich ihnen auf dem Weg beim Bildstöckle, wo ich vor 14 Tagen die Flause bekommen habe.

Es ist schon ziemlich dunkel gewesen, und wie sie daherkommen, so gehe ich aufs Bugele zu und sage „Verzeiht mir Burgele (denn ich hab’s Herz nimmer g’habt, „Du“ zu ihm z’sagen) und zürnet mir nicht.“ Es aber gibt mir die Hand und sagt „ich wüßte nicht wegen was, Baschi“ zieht e’Betbüchle heraus und reicht mir e‘ Helgele: „da hast dein’n heilige Namenspatron, und wir haben auch e‘ wenig für dich betet bei der Kreuztanne, und du darfst mich aber wohl noch duzen!“ sagt es. Und s’Tonele winkt mir mit den Auge.

Und das ich’s kurz mache, Herr, wir haben einander geheiratet trotz meiner Armut und alle Hindernissen. Aber Harz hat es kostet, das kann ich sagen, bis die Älteren das Jawort gegeben haben und bis alles in Richtigkeit gewesen ist. Denn, selbiger Zeit ist’s Hochzeitmachen nicht so leicht gegangen, wie heut zu Tage; aber ich habe gute Patrone gehabt und unser Bürgermeister hat mir geholfen mit guten Attestate, sonst wär es auch nicht gegangen.

Mit der Arbeit und Sparsamkeit haben wir uns durchgeschlagen, und wenn auch im Anfang Schulden vorhanden gewesen sind, so haben wir uns doch in kurze Jahre frei gemacht. – Freud und Leid, gute und böse Tage haben wir miteinander ertragen und unser Herrgott hat uns geholfen. d‘ Burgele ist jetzt schon 15 Jahre tot, aber kein Stund vergeht dem Tag, wo ich nicht an ihn’s denke, und sein Tag im Jahr und kein Tag im Jahr, wo ich nicht für ihn‘ s bet. – Ich denke, Der, der das Menschenherz trennt, wird’s auch wieder vereinigen. – Das, sagte er, an seinem abgetragenen blauen Rock deutend, ist mein Hochzeitsrock und mit dem soll man mich auch ins Grab legen. – Wenn’s nur bald Gotteswill wär.

Der Alte schwieg, und seine Lippen bewegten sich wie in stillen Gebete. Ich legte ein Geldstücklein in seinen nebenan stehenden Hut und er nickte stumm zum Abschied.
Als ich nach einigen Wochen wieder von meinem Ausflug zurückkam und meinem Versprechen gemäß beim alten Totengräber einsprach, rief mir dieser schon von weitem entgegen „der Baschi ist fort, – er ist erlöst, unser Herr Gott hat ihn endlich zu sich genommen. – Dort hinten bei der Linde habe ich ihm’s Bett gemacht, nicht weit von seinem Burgele. Er hat sich gefreut auf sein‘ Sterbestund, tröst ihn Gott – er hat’s überstanden!“

So erzählte der Freund, und alle baten ihn, diese Geschichte doch aufzuschreiben, dem guten Burgele und dem Baschi zum Gedächtnis und ihren, den Zuhörern, zur freundlichen Erinnerung an eine angenehm verbrachte Stunde.

Der Erzähler hatte der Gesellschaft zu willfahren versprochen und brachte wirklich nach einiger Zeit die kleine Novelle Schwarz auf weiß. – „da bekanntlich“, sagte er mit sehr ernsthafter Miene, indem er das Werk den Freunden reichte, „Bescheidenheit schriftstellerischer Verdienste holdefte Tochter ist, so glaube auch ich mit unserem gefeierten Landsmann und Dichter von dieser Arbeit sagen zu dürfen, dass ihr Inhalt und ihre Manier sie besonders für die Freunde ländlicher Natur und Sitten eignet; und wenn Herren und Damen höherer Bildung sie nicht ganz unbefriedigt aus den Händen legen, so ist der Wunsch des Verfassers erreicht. Ich habe“, schloss er, „der kleinen Gabe nach eine bildliche Darstellung beigegeben, gleichsam als heimatlichen Boden und Fundort des Blümleins, welches also ausgestattet ich Euch überreiche.“

Wie zu erwarten, erntete der Autor großes Lob – ein Ding, womit Freunde in der Regel nicht allzu sparsam umgehen zu pflegen. Auch wurde dabei der Wunsch ausgesprochen, es möchte dem Einzelnen Mehreres dere Art angereihet werden, so dass es, wie eben Kranze die Blume (welche oft für sich alleine wenig ist) im Verein mit anderen gehoben und bedeutsamer erscheine.

„Gut!“ ließ sich der Erzähler der freundlichen Idylle vernehmenm „um also den Anforderungen wohlmeinender Freunde zu entsprechen, wie es gewöhnlich in Vorreden heißt, will ich Eurem Begehren nachkommen und dem Versuch machen. – Was ich jedoch geben möchte, sind, und bei dem gewählten Bild stehen zu bleiben, weniger künstlich gezogene Zier- und Prachtblumen, als vielmehr solche, wie sie etwa ein Wanderer am Wege durch Felder und Wälder zu pflücken Gelegenheit findet, oder mit anderen Worten, Schilderungen aus dem Gedenkhefte eines Reisenden. – Was aber die Art und Weise der Darstellung betrifft, so wolle der geneigte Leser, wie ein alter Scribent in seiner Vorrede sich ausdrückt, dieselbe sich wohl gefallen lassen und wenn einige Fehler und Mängel sich eingeschlichen, dieselben mit seiner Nachsicht und gewohnten Leutseligkeit wohlgeneigt zudecken; was mich nicht allein unendlich obligieren, sondern auch ermutigen würde, in Zukunft mehr Anderes mitzuteilen, sintemal in einige Jahre über durch selbst eigene Notierung, als auch nach gepflogener Korrespondenz, verschiedene Historien zusammen bekommen, welche der wißbegierigen Welt keineswegs verdeckt werden, noch in ewige Vergessenheit geraten sollen. – Indessen bleibe das liebe Publikum mir gewogen und lebe verpflichtet, dass ich ihm zu dienen allzeit bereitwillig verbleibe u.s.w.“

Nach diesen und ähnlichen Präliminarien wurde ganz weiter ausgemacht, dass einige Abende in der Woche den Mitteilungen gewidmet werden sollen, vorausgesetzt, dass nicht etwa wichtige Stadt- und Landneuigkeiten einliefern, die eine gründliche patriotische Besprechung vor Allem notwendig machten. Zum Schluss versprach noch ein Mitglied, den ganzen ehrenwerten Club in Tusculanum, wie er leibte und lebte, zu Papier zu bringen und sollen je die Abhandlung, etwa unter dem ansprechenden Titel: „Wanderblühten“ oder „fliegende Blätter aus der Reisetasche eines modernen Pilgers“, gedruckt und herausgegeben werden, so, meinte er, könne das Ding eben so gut, wie manche bescheidene Neuere ihr eigenes Bildnis als empfehlendes Tavernschild vor ihren Werken aushängen, dem Ganzen als Titelblatt beigegeben werden.

So viel über die Veranlassung, welcher die nachfolgenden Mitteilungen zunächst ihr Entstehen verdanken.

„Und woni gang, go Gresgen oder Wies in Feld und Wald,
go Basel oder heim, s’isch einerlei, igang im Chilchhof zu“
Johann Peter Hebel
Mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. Nepomuk Heinemann

Der Baschi war Zimmermann und hat das Burgele bei Arbeiten an einem niedergebrannten Hof kennengelernt. Aus Unachtsamkeit haut er sich mit dem Breitbeil in die linke Wade. Zum Glück kommt gerade „das Kräuter-Toneli“ vorbei, nimmt ein Gläschen mit Kupferwasser und läßt etliche Blutstropfen hinein fallen. Das Glas muss dann bei einer reinen Jungfrau in ihrem Kleiderkasten aufbewahrt werden. Es darf aber weder Sonne noch Mond drauf scheinen. Burgerle nimmt das Gläschen zu sich in ihren Kleiderkasten. Der Baschi ist sehr dankbar, dass sie ihm das Leben gerettet hat. Die Blutung hört sofort auf.

Danach geht der Baschi zu seiner Mutter ihr die Schmutzwäsche zu bringen. Bei der Mutter angekommen blutet das Bein wieder. Die Mutter holt den Scharfrichter-Hans, der auch verstehen würde Blut zu stillen. Der befiehlt zwölf Tage Hausarrest. Und meint, dass das Fläschle mit dem Blut an die Sonne gekommen sei. Baschi wundert sich, dass das Burgele ihm solch einen Streich gespielt hat, der ihm fast das Leben kostet.

Als es ihm wieder besser geht, trifft er an dem Bildstock das Kräuter-Toneli. Toneli erzählt Burgele hätte einen reichen Mann heiraten sollen, aber sie würde ich weigern und nur den Baschi wollen. Dann sei die kleine Schwester an ihren Kleiderkasten und habe das Fläschchen mit dem Blut am Fenster angeguckt. Kräuter-Toneli wurde sofort von Burgele dazu gerufen und konnte Baschi gerade so nochmal retten, sonst wäre er jetzt tot.

Da lässt Baschi dem Burgele Grüße ausrichten. Darauf hin geht das Burgele mit Freundinen nach Tryberg an die Kreuztanne zum beten. Was es mit der Bildtanne in Triberg auf sich hat, läßt sich auf den überaus interessanten Seiten von Dieter Hund nachlesen. Diese kommt nämlich schon im Kapitel 22 vom Hieronymus vor.

Als das Burgele mit den Freundinnen zurück kommt, wartet der Baschi an dem Bildstock auf sie. Die zwei sprechen sich aus und werden heiraten.

Nach der Geschichte mit dem Baschi und seinem Burgele, entschließen sich die Freunde von nun an Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben.

Pilgerfahrten
durch
das Breisgau und den Schwarzwald.

Die Pilgerfahrt beginnt in Staufen an der Johanneskapelle.

„Ne gattig Chilchli hen si do, so sufer wie in menger Stadt, s’isch Sechsi uffem Zifferblatt.“
Johann Peter Hebel
Mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. Nepomuk Heinemann

Wanderblühten – Pilgerfahrten

Jung – liberal – Bundestagskandidat/in

Offener Brief am 15.03.2025 von Dr. Gerhard Bronner für die Umweltgruppe Südbaar

Offener Brief an die vier jüngsten Bundestagskandidaten in unserem Wahlkreis 

Sehr geehrte Frau Schmidt, geehrter Herr Dold, sehr geehrter Herr Hohensee, sehr geehrter Herr Weißer,

Sie haben für den Bundestag kandidiert und einen Wahlkampf geführt. Dafür meinen Respekt, auch wenn es (diesmal) nicht für ein Mandat gereicht hat. Sie sind jung und politisch engagiert, werden also potenziell noch sehr lange in der Politik aktiv sein können. Deshalb möchte ich Ihnen einige Gedanken auf Ihren weiteren Weg geben, auch wenn die Wahl vorbei ist und Sie Ihre Zeit vorerst nicht im Bundestag verbringen werden. 

Weil mein Interesse besonders dem Umwelt- und Naturschutz gilt, ganz kurz einige Fakten:

  • Wir verbrennen derzeit jedes Jahr die Menge an fossilen Energieträgern, die in 1 Million Jahren entstanden ist
  • Jedes Jahr sterben etwa durch menschliches Handeln 1000 mal mehr Arten aus, als der natürlichen Aussterberate entspricht
  • die etwa 5500 wildlebenden Säugetierarten machen 3 % der Säugetier-Biomasse aus, der Mensch und seine Haustiere 97 %.
  • 360.000 Menschen sterben in Europa jährlich vorzeitig durch die Luftverschmutzung.

Drei von Ihnen haben jüngst an der Podiumsdiskussion der Umweltgruppe Südbaar in Donaueschingen teilgenommen. Sie haben dort dezidiert liberale, teilweise ultraliberale Thesen vertreten. Sie, Herr Dold, haben sich auf die Anfrage nicht gemeldet, aber nach Ihren Aussagen in den Medien würde ich sie ebenso einordnen. Liberal heißt, dem Bürger größtmögliche Freiheit zu gewähren, ihn nicht zu gängeln und ihm Eigenverantwortung zuzubilligen, aber sie auch einzufordern. Das ist eine gute Sache – ohne Frage! Aber die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie die Freiheit seiner Mitmenschen beeinträchtigt. Sie, Herr Weißer, wollen im Umweltschutz den Menschen gar keine Vorschriften machen und auch bestehende abschaffen. Warum nur im Umweltbereich? Ist der weniger wichtig als die Bildung (Schulpflicht), die Sicherheit (Waffenrecht),  die Gesundheit (Verbot harter Drogen), die Verkehrssicherheit (Straßenverkehrsordnung)? Möchten Sie wirklich jedem erlauben, seinen Müll egal wo wegzuwerfen, den Sie dann – wie Sie sagten – beim Wandern aufsammeln?

Sie, Herr Hohensee, wollten dem Gesetzesdschungel auf dem FDP-Parteitag mit der Motorsäge zu Leibe rücken, was dann wegen Sicherheitsregeln des Veranstaltungsortes nicht geklappt hat (Bürokratie!). Ja, eine erstickende und übertriebene Bürokratie abzubauen, ist ein hochaktuelles politisches Anliegen. Aber bitte bedenken sie eines: Bürokratie heißt die Anwendung von Regeln, die einem sinnvollen Zweck dienen. Das ist das Herz des Rechtsstaates. Der Verzicht auf Regeln bedeutet das Recht des Stärkeren. Es kann also nicht darum gehen, Regeln abzuschaffen, sondern sie möglichst schlank und effizient zu gestalten. Das erfordert aber mühsame Detailarbeit mit Pinzette und Zange – und nicht mit der Motorsäge und dem Holzhammer.

Etwas ratlos machen mich Ihre Thesen, Herr Dold. Aussagen wie „Streichung sämtlicher Dokumentationspflichten“, Forderungen nach Beendigung der Energiewende oder die Beobachtung, alles werde in der Bundespolitik immer schlimmer (seit wann? 1949?) lassen nicht erkennen, dass Sie sich mit den Problemen tiefer beschäftigt hätten. Bauchgefühl mag manchmal hilfreich sein, aber Politik macht man dann doch besser mit anderen Organen (Kopf und Herz). Wenn Sie an unserer Diskussion teilgenommen hätten, hätten Sie mitbekommen, dass man bei manchen Problemen doch etwas tiefer einsteigen muss, wenn man echte Lösungen sucht. Die Auswirkungen Ihres Programmes legen einen Faktencheck per Taschenrechner nahe: Steuern radikal runter, aber mehr staatliches Geld für Handwerksausbildung und Kitas. Es wäre spannend, Ihre Haltung zur Schuldenbremse zu kennen… Die Flächenprämien für die Landwirtschaft sollen ja wohl schon noch fließen…

Frau Schmidt, Sie bekennen sich klar und eindeutig zu Europa. Auch dazu, dass Europa Regeln erlässt, die die Spielräume der Einzelstaaten (und auch der Kommunen, meine Herren!) einschränken. Europa ist – bei aller berechtigten Kritik an Bürokratie und Kakophonie – unsere einzige Hoffnung, wenn man sieht, von welchen Gestalten Russland, China, Indien und neuerdings die USA regiert werden. Dass Sie die Inhalte des Natur-Wiederherstellungs-Gesetzes nicht kannten: geschenkt! Es ist wohltuend, von einer Politikerin ein klares „ich weiß es nicht“ anstatt eines nichtssagenden Herumgeredes zu hören. Und beim nächsten Mal werden Sie sich kundig gemacht haben, gell?

Menschen leben in Gemeinschaften – da sind Regeln etwas (über-)lebensnotwendiges. Wenn ich mich besonders umweltbelastend verhalte, so schädige ich nicht nur die Umwelt, sondern auch meine Mitmenschen. Damit widerspricht eine regulatorische Umweltpolitik gerade nicht dem liberalen Prinzip. Den Menschen zu sagen, sie sollen sich umweltfreundlich verhalten, Rad und Bahn fahren oder sparsame Autos kaufen, weniger fliegen, reicht nicht. Es tritt nämlich das „Trittbrettfahrerproblem“ auf: wenn ich mit Bahn oder Flixbus statt mit Lufthansa oder Ryanair verreise, schone ich zwar die Umwelt. Ich habe aber mehr Zeitaufwand und teils auch höhere Kosten. Den Nutzen dieses Verhaltens habe aber nicht ich, sondern die gesamte Gesellschaft – bzw. hätte ihn, wenn sich alle oder zumindest viele so verhielten. Das hat in der Vergangenheit nie funktioniert und wird es auch in Zukunft nicht tun. Wenn sie also wirklich etwas erreichen will, muss die Politik regulieren, Gesetze erlassen, gleiche Spielregeln für alle schaffen. Das bedeutet auch Verwaltungsaufwand. Es sollte eine kluge Mischung aus Ordnungsrecht (Vorschriften, Grenzwerte) und ökonomischen Anreizen sein.

Auch in der Innenstadt von Schwenningen können wir die Luft atmen, ohne gleich krank zu werden. Können. Donau und Neckar sind (halbwegs) sauber und beherbergen Fische. Wilde Mülldeponien in jedem Dorf wie noch vor 50 Jahren gibt es nicht mehr. Das liegt daran, dass in den 70er-Jahren liberale Innenminister wie Hans-Dietrich Genscher und Gerhart Baum eine Vielzahl von Regeln und Gesetzen zum Schutz der Umwelt geschaffen haben. Und die weiteren Fortschritte der letzten 30 Jahre liegen daran, dass die EU das Thema Umwelt übernommen hat. 

Ich gebe Ihnen Recht, Herr Hohensee: der Emissionshandel sollte das zentrale Steuerungselement im  Klimaschutz sein. Wenn man ihn konsequent durchzieht, und nicht – wie jüngst der ADAC – einen Ausgleich für die kommenden Benzinpreissteigerungen durch die CO2-Zertifikate fordert. Spannend bleibt dabei, wie man soziale Verwerfungen vermeidet. Vielleicht wäre ja ein vom Staat an die Bürger gezahltes „Klimageld“ wie in der Schweiz ein Instrument, auf das Sie sich alle vier einigen könnten?

Auch Liberalismus kann zur Ideologie ausarten – wie jede andere politische Richtung auch. In der Geschichte zählt dazu die Hungersnot in Irland im 19. Jahrhundert, als die liberale englische Regierung Nahrungsmittelhilfe verweigerte, weil sie angeblich den Arbeitswillen der irischen Bevölkerung schmälere. Und aktuell beobachten wir gerade, welche Verheerungen ein verquerer „Liberalismus“ in den USA anrichtet.

Ich wünsche Ihnen allen ein erfolgreiches politisches Wirken im Sinne des Gemeinwohls, und beherzigen Sie in allen Diskussionen den Hinwies des Philosophen Hans Georg Gadamer:  „Man muss immer damit rechnen, dass der Andere recht haben könnte.“

Wanderblühten – Das Buch

Bild mit dem Hüfinger Künstlerkreis um den Tisch

Wanderblühten
aus dem
Gedenkbuche eines Mahlers.
Von
Lucian Reich.

Mit einem Titelblatt von Rudolf Gleichauf und Bildern
von L. Reich,

mit der Feder auf Stein gezeichnet
von
Johann Nepomuk Heinemann.

Karlsruhe.
Herder’sche Buchhandlung (A. Geßner).

1855

Wanderblühten – Das Burgele

Wanderblühten – Pilgerfahrten

Wanderblühten – Geschichten aus der Region um Staufen

Wanderblühten – Die Familie des Einungsmeisters

Wanderblühten – Einungsmeister Konrad Ebner

Wanderblühten – Die beiden Schwestern

Wanderblühten –  Badener im Russlandfeldzug 1812

Wanderblühten – Hauschronik einer Schwarzwälder Schildmalers-Familie

Wanderblühten – Friedenweiler und Fürstenberg

Wanderblühten- Der arme Konrad – Prolog

Wanderblühten- Der arme Konrad – Kindheit in Hüfingen

Wanderblühten – Liebe Mariann

Wanderblühten – Johann Baptist Seele

Wanderblühten – Johann Nepomuk Schelble – Prolog

Wanderblühten – Johann Nepomuk Schelble

Wanderblühten – Schlußwort

IGEL-Gefahren – Was jeder tun kann!

21. März 2022 von Manuela Martin von der Igelhilfe Eigeltingen

GEFAHR Mähroboter
Rasentrimmer und Motorsensen

Tagsüber schlafen Igel in hohem Gras, unter Hecken, Büschen, Bodendeckern oder Laub. Der Igel ist kein Fluchttier, er rollt sich bei Gefahr nur ein oder bleibt auf der Stelle sitzen. Dies wird ihm leider oft zum Verhängnis. Igel geben selten Schmerzenslaute von sich. Ein verletzter Igel schleppt sich mit letzter Kraft ins Gebüsch und verendet dort qualvoll.

Setzen Sie MÄHROBOTER nur tagsüber (zwischen 10.00-17.00 h) ein, wenn das Nachttier Igel schläft. Aber Achtung: In den Monaten August und September wärmen sich Igelbabys schon mal auf dem Rasen in der Sonne auf und erkunden die Gärten! Machen Sie den

„Apfel-Test“.

Legen Sie dazu einen 200 gr. Apfel ins Gras und beobachten Sie, ob das Gerät über das Hindernis oder drum herum fährt. Stellen Sie dem IGEL zuliebe einen

Bodenabstand von 4,5 cm oder weniger ein!

Rasentrimmer und Motorsensen können unsere kleinen stachligen Igelfreunde schwer verletzen oder gar töten. Mähen Sie nur bis ca. 30 cm über dem Boden.

Dann sieht man ob ein Igel sich dort zum Schlaf hingelegt hat. Sie können den Bereich auch vorsichtig mit einem Rechen absuchen.

Ein kleiner Gartentipp: Da motorbetriebene Gartengeräte auch Insekten häckseln, sparen sie Blühinseln aus, als Refugium für Insekten und Käfer und als natürliche Nahrungsquelle für Bienen und Igel.

Danke, dass Sie mithelfen, unnötiges Tierleid zu vermeiden!

Rohrdommel

Liebe Bürgerpostleser, 

diese spannende Geschichte beginnt am 9. Februar 2025. Reinhold Mayer aus Tennenbronn schickte mir das Bild und schrieb: „Wir haben heute im Wald oberhalb des Kesselbergs bei Oberkirnach (über 1.000 m NN) eine Rupfung gefunden. Diese Feder ist 20 cm lang. Kann es wirklich eine Rohrdommel sein?“
Wow, eine gerupfte Rohrdommel im Schwarzwald. Mein „google lens“ kam zum gleichen Ergebnis. Ehrlich gesagt finde ich das Erkennen von Vögel anhand von Federn sehr schwierig. Ich wälzte mein dickes Buch über Federn, das ich mir vor Jahren anschaffte, und hielt auch einen Turmfalken für möglich. Jemand brachte eine Waldohreule ins Spiel. „Mein“ Hinterwälderzüchter und Naturmensch Paul Franck aus Kraichtal-Neuenbürg bot folgende Hilfestellung an: „Eulen fliegen lautlos, deshalb die Feder am Ohr auf- und abbewegen, wenns sehr leise ist, dann war es eine Eule“. Reinhold Mayer machte das und kam zum Ergebnis Eule. Was alle Experten erkannt hatten, dass eine Raubsäugetier die Rupfung vorgenommen hatte, wissen Sie wieso?

Weil die Federkiele durchbissen waren, man sieht das sehr deutlich auf dem Bild oben. Jetzt, was war es nun für ein Vogel? Ein Eulenexperte tippte auch auf Rohrdommel und leitete die Federbilder an einen Federexperten weiter. „Das sind definitiv Rohrdommelfedern“ schrieb er. Ouod erat demonstrandum. Klasse. 

In Deutschland kommt die Rohrdommel als ziehender Brutvogel vor allem im Nordosten, besonders in der Mecklenburgischen Seenplatte vor. Sie lebt in ausgedehnten Schilf- oder Röhrichtbeständen am Wasser. Man schätzt den Bestand nur noch auf einige hundert Brutpaare. In Westdeutschland ist sie weitgehend verschwunden. 

Jetzt noch zur Deutung des Fundortes Schwarzwald: Möglicherweise befand sie sich auf dem Durchzug nach Nordwesten und machte Rast in einem Feuchtgebiet mit Biberteichen am Rohrbach 500 m unterhalb des Fundortes. Vielleicht ist sie dort Opfer eines Fuchses geworden, der sie zur Rupfung wegschleifte. Manchmal trifft eben auch das Unwahrscheinliche zu. 

Ich habe aus dem kosmos Vogelführer die Abbildung oben eingefügt, das die Rohrdommel im Laufen und im Flug zeigt. Bekannt ist ihre Pfeilstellung bei Gefahr, sehen Sie, wie hervorragend sie getarnt ist?

Reinhold Mayer und allen beteiligten „Detektiven“ vielen Dank.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Warten auf den Wolf

Es ist wirklich ein Wolf (Überschrift eines Berichts der Donaueschinger Redaktion von Südkurier und Schwarzwälder Bote vom 5. März 2025)

Das Foto einer Wildkamera, aufgenommen in der östlichen Baar, belegt: Er ist wieder da – Rotkäppchen und die sieben Geißlein lassen grüßen! Dass sich seit 2016 auch auf der Baar immer wieder mal ein Wolf gezeigt hat und dass jetzt auch Damwildrisse bekannt werden, hat seine Logik: Der Damwildbestand im und um den Unterhölzerwald ist für Wölfe gar zu verlockend. Weshalb es wenig verwunderlich erscheint, dass auch die Ausrottungsgeschichte mit der Ostbaar eng verbunden ist, vor allem dank der Wartenbergischen Wolfsordnung, die sich ab dem Jahr 1540, wann immer ein Wolf auftauchte, als ein ausgeklügeltes und hocheffizientes Alarmsystem erwiesen hat. Als 1805 endlich der letzte Wolf der Baar erlegt war, kannte die Freude der Wolfsjäger keine Grenzen mehr: Bei ihrer Rückkehr nach Donaueschingen wurden sie (Zitat K. Stephani) „in feierlichem Zuge von der fürstlichen Musik unter Begleitung des Bürgermeisters und des Militärs eingeholt“.

Am Wartenberg: Warten auf den Wolf 


Anno 2016 verkündete der für Jagd zuständige Minister Peter Hauk noch freudig, dass der Wolf bei uns wieder heimisch wird: „Wir begrüßen den Wolf in Baden-Württemberg“ (Pressemitteilung Nr. 100/2016 des Ministeriums für Ländl. Raum und Verbraucherschutz) ließ er wissen. Und auch der Chef der FF-Forst- und Jagdverwaltung, Dr. Jens Borchers, hatte nicht gezögert, den Neuankömmling willkommen zu heißen und zu versichern, dass es hier an frischer Nahrung nicht fehlen werde. Auch die Baaremer Bevölkerung hatte die Nachricht erstaunlich gefasst aufgenommen, ohne dass Urängste aufgetreten wären oder gar die Schließung von Waldkindergärten erwogen worden wäre. Nur seitens der Schafhalter hagelte Kritik.

Inzwischen haben sich die Sympathien für den Wolf freilich stark abgekühlt. Er ist trotz Wolfsmanagementplan längst zum Politikum geworden und soll künftig dem Jagdrecht unterstellt werden. Erfreulicherweise schürt der jüngste Bericht in den Tageszeitungen keine Raubtierängste, auch wenn er in Wäldern, wo Wölfe nachgewiesen worden sind, immerhin zur Vorsicht rät. Wohingegen laut Umweltministerium Begegnungen selbst nachts keine Gefahr darstellen würden. Bleibt zu hoffen, dass uns Wolfshysterie auch weiterhin erspart bleibt.


Wolfshysterie


Porträt eines Zuwanderers
(Foto W. A. Bajohr)

Weltfrauentag – die Barriere im Kopf

08. März 2024 von Wiltrud Siegfried

Zur bisher unvollständigen Gleichberechtigung von Frauen und Männern gibt es in Rundfunk und Zeitung unterschiedliche Stimmen zu hören und zu lesen, z.B. dass wir ein Strukturproblem haben, da es an ausreichender und passender Kinderbetreuung fehlt. Ich halte Regelungen und Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung für sinnvoll und wichtig.

Doch meine ich, dass das grundlegende Problem in unseren Köpfen besteht. 

Unbewusst beeinflussen uns lange geprägte Klischees. Zum Beispiel gelten Frauen als weniger belastbar als Männer. Und unser Erscheinungsbild wirkt sich darauf aus, wie wir eingeschätzt werden: Eine kleine zierliche Frau wird als weniger durchsetzungsfähig wahrgenommen als ein großer und kräftiger Mann. Leider wirken sich diese unbewussten Kriterien noch immer stark auf unsere Selbstwahrnehmung aus und prägen uns. Ein Mann, der sofort gesehen wird, wenn er den Raum betritt, verinnerlicht diese Bestätigung ebenso, wie eine Frau, die aktiv auf sich aufmerksam machen muss, um wahrgenommen zu werden, die ausbleibende Wertschätzung registriert.

Deshalb halte ich es für essenziell in unseren Köpfen zu beginnen, indem wir unsere Wahrnehmung reflektieren. Wir müssen uns unserer inneren Bilder bewusst werden, damit wir sie umgestalten können. Und vor allem halte ich es für wichtig, unsere Kinder darin zu bestärken, neugierig und offen anderen Menschen zu begegnen. Wir brauchen keine schnelle Beurteilung unserer Gegenüber. Wir brauchen kein Einsortieren in Schubladen, auch wenn das auf den ersten Blick den Umgang miteinander einfacher zu gestalten scheint.

Wir brauchen den unvoreingenommenen Blick auf unsere Mitmenschen, um alle Facetten an ihnen erfassen zu können.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner