Spielplatz Bleichewiese ist wieder frei gegeben!

Zur Sicherheit wurde die Fläche mit unbelasteter Erde aufgefüllt und die Fläche ist jetzt wieder frei gegeben.

Spielplatz Bleichewiese mit aufgefüllter Erde und Reste vom Zaun
Spielplatz Bleichewiese mit aufgefüllter Erde und Reste vom Zaun am 27. Oktober 2025

13. April 2025

Es erreichte uns am 13. April 2025 folgende Pressemiteilung von unserem Landtagsabgeordnetem Guido Wolf:

„Lange Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser – die Folgen des Klimawandels machen sich auch bei uns immer deutlicher bemerkbar. Deshalb investieren wir jetzt gezielt, damit auch künftig ausreichend Wasser in guter Qualität zur Verfügung steht. Gleichzeitig unterstützen wir Projekte zum Hochwasserschutz, um im Ernstfall gut gerüstet zu sein“, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Wolf MdL. „Ich freue mich daher sehr, dass für Fridingen, Gosheim und Hüfingen insgesamt 958.800 Euro für die Wasserwirtschaft vor Ort bewilligt werden“, so Wolf weiter.
(…)
In Hüfingen wird eine Maßnahme aus dem Bereich „Altlasten“ gefördert, die Altablagerung „Lagerplatz beim Sägewerk“ soll voraussichtlich 12.500 Euro für eine Detailuntersuchung erhalten.

Wie ich eben erfahren habe, ist das Geld für die Untersuchungen bei der Bleichewiese. Das mit dem Sägewerk war irreführend. Wobei am Steinersbächle stand ja mal eins – siehe unten:

27. Januar 2025

Während der letzten Gemeinderatssitzung hat Mete Ünal wegen des Spielplatzes an der Bleichewiese gefragt. Also dort ist ein Teil abgetrennt.

Da ich die Antwort nicht kapiert hatte, habe ich nochmal auf dem Bauamt nachgefragt und hier die Erklärung vom Bauamtsleiter Thilo Mayer erhalten:

Die Untersuchung Boden Mensch läuft schon eine ganze Zeit und ist im LRA unter Altlasten hinterlegt:
https://lrasbk.maps.arcgis.com/apps/Viewer/
Das heißt wir, die Kommunen, müssen immer wieder nachweisen dass keine Altlasten im Boden und Grundwasser vorhanden sind. Bei der Untersuchung Boden Grundwasser geht man mit Rammsondierung 2m in den Boden und dann wird das Material auf Schadstoffe hin untersucht. Hier ist nichts auffälliges dabei gewesen und dieses Thema hat sich erledigt.
Allerdings sind bei der Untersuchung Boden Mensch, bei der die oberen 30cm analysiert werden, Auffälligkeiten gefunden worden.

Da man damals eine Mischprobe genommen hatte, muss man jetzt noch einmal genauer untersuchen. Dies gehört zu Altlastenuntersuchungen die vom Land mit bis zu 50% der Kosten gefördert werden. Deswegen liegt dies nun beim RP in Freiburg. Sobald das Angebot geprüft wurde und freigegeben wird, fängt der Geologe mit seinen Untersuchungen an.
Und dann müssen wir schauen was dabei raus kommt.
Wie lange das geht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Vielen Dank an den Bauamtsleiter Thilo Mayer für die ausführliche Erklärung!


Als ich dort war, Fotos vom Spielplatz zu machen, ist mir das 1. Mal diese Geologische Säule aufgefallen.

Genau dort stand die Steinersäge bis sie abgebrannt ist. Vermutlich wurde da auch Holz imprägniert. Das könnten teure Altlasten werden.

Die Steinersäge ist bei Karl Schweizer aus dem Fotoalbum. Sie ist irgendwann vielleicht in den 1960ern abgebrannt.

Vor 74 Jahren wurde Hüfingen und Fürstenberg das Stadtrecht zurück gegeben

Hüfingen, am 28. Oktober 1951.

In der badischen Gemeindeordnung vom Jahre 1921 wurde die Bezeichnung Stadt von einer Einwohnerzahl über 15.000 Personen abhängig gemacht. Damit verloren fast alle Baarstädte ausser Villingen die Bezeichnung „Stadt“. Bis 1935 gelang es lediglich Donaueschingen und Furtwangen seine Stadtrechte zurück zu erhalten. *

Am 31. Juli 1951 beantragte Hüfingen beim Ministerium des Innern des Landes Südbaden in Freiburg die Wiederverleihung des Stadtrechts.

Die Stadt Hüfingen kann auf eine ebenso reiche geschichtliche Vergangenheit zurückschauen wie die andern mittelalterlichen Städte der Baar.
Die ältesten Spuren einer Besiedlung der Gemarkung gehen in die Urnengräberzeit (etwa 1000-800 V.Chr.) zurück, wo schon am Galgenberg eine kleine Siedlung bestand. Derselbe Galgenberg sah dann in den Jahren 40-74 n.Chr. ein römisches Kastell, das immer mehr erweitert und verstärkt , schließlich eine Besatzung von 1000 Mann faßte und dadurch zum ältesten Stützpunkt der Römer an der oberen Donau wurde. Von hier aus wurde einmal in den Jahren 73/74 n.Chr. Weltgeschichte gemacht. Zum ersten Mal wieder seit der Schlacht am Teutoburger Wald waren die Römer damals tiefer in das rechtsrheinische Gebiet vorgedrungen. Von Hüfingen aus setzten sie sich damals mit Erfolg in Bewegung, um den südlichen Schwarzwald südlich der Linie Offenburg-Tuttlingen in das römische Reich einzugliedern.

Im Anschluß an eine kleine alamannische Siedlung des 6. Jahr. n. Chr. haben im Anfang des 13. Jarh. die Herren von Hüfingen, wohl die Nachkommen der Gründer der alamannischen Siedlung, die kleine Burgstadt in der Hinterstadt errichtet und damit den ersten Schritt zur Erhebung des Dorfes Hüfingen zur Stadt getan. Diese kleine Burgstadt wurde dann von den Herren von Blumberg erweitert, ausgebaut und zum Mittelpunkt ihres ausgedehnten Besitzes in der Baar gemacht. Sie sind die eigentlichen Gründer der Stadt Hüfingen. Bereits im Interregnum hatte sich Johann von Blumberg im Schutze der Befestigung einen Markt errichtet, den ihm dann Rudolf von Habsburg schon 1274 bestätigte. 1292 erscheint zum ersten Mal ein Schultheiß und 1320 die Bürger der Stadt. 1353 erhielt der Stadtherr das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten. 1510 zählte man bereits deren sechs. Mit der Verleihung des Blutbannes der hohen Gerichtsbarkeit im Jahre 1364 hatte Hüfingen alle jene Vorrechte erhalten, durch die sich im Mittelalter die Stadt von dem Dorfe unterschied. Hüfingen war damit im Rechtssinn des Mittelalters eine volle Stadt geworden.

Die militärische Bedeutung wurde zum ersten Mal offenkundig, als das Haus Habsburg sich im Jahre 1362 in der Feste das Öffnungsrecht in Kriegszeiten für alle Zeiten sicherte. Die Lage an den Durchgangswegen aus der Schweiz und dem Breisgau verschaffte der Stadt erneute Bedeutung in den großen Kriegen der beginnenden Neuzeit. Schon im Schweizerkrieg wurde sie Sammelplatz der Reichstruppen. Besonderen Wert aber legten die Bauern auf den Besitzt der Stadt. Sie brauchten für ihre Züge einen Waffenplatz und einen Ort, wo sie sich ungestört versammeln konnten. Nach zwei vergeblichen Versuchen sie zu überrumpeln, erzwangen die Bauern die Übergabe der Stadt im Frühjahr 1525.

Schon vorher, im Jahre 1452 gab der damalige Stadtherr Berthold von Schellenberg der Stadt ihr Recht. In die Form eines Weistums gefaßt, ,, gibt uns dieses Stadtrecht eingehende Auskunft über die Rechts- und Wirtschaftsverhältnisse in der damaligen Stadt. Es wurde 1558 noch einmal revidiert, wobei die Herrenrechte erweitert wurden.

Schwer hatte die Stadt im Dreißigjährigen Krieg zu leiden. Zwei Ereignisse sind es, die bis heute in der Erinnerung des Volkes nachzittern: der Hexenprozeß gegen Tinctorius und dessen Gattin (1631/32) und das furchtbare Blutbad, das der württembergische Obert Rau am 15. Oktober 1632 in dem Städtchen anrichtete.

Von neuem blühte die Stadt erst wieder auf, als sie im 18. Jahrh. der Sitz eines fürstenbergischen Oberamts wurde. In jenen Tagen hat auch das geistige Leben durch Beamtenschaft und Hof einen gewissen Anreiz bekommen. Die schmiedeeisernen Wirtshausschilder und die Oberlichtgitter des Spitals und Knabenheims Maria Hof und die schön geschnitzten Kirchentüren, beides Werke von Hüfinger Meistern, zeugen von einer gewissen Blüte des Kunsthandwerks.

Es ist der Boden, auf dem am Anfang des 19. Jahrh. Männer erwachsen sind wie der Musiker Johann Nepomuk Schelble, der vielseitige Anreger Luzian Reich Vater und seine Beiden Söhne Xaver Reich, der Bildhauer , und der Kunstmaler und Volksschriftsteller Luzian, der Maler Rudolf Gleichauf, der Kunstmaler Josef Heinemann, Männer, die den Ruhm des Städtchens über die engen Grenzen der Heimat hinaustrugen.

Ein reich differenziertes Handwerk zeigen schon die Steuerlisten des 18. Jahrh. Schon infolge ihrer günstigen Verkehrslage war die Stadt Jahrhunderte lang die Marktstätte für die landwirtschaftliche Umgebung. Dieses Handwerkertum hat sich in Verbindung mit dem Handel auch im 19. Jahrhundert weiter gehalten und entwickelt. Dazu kam inmitten fruchtbaren Ackergeländes eine ertragreiche Landwirtschaft, wie sie von allem Anfang so bezeichnend ist für diese mittelalterlichen Ackerbürgerstädte. Sie setzte das alte Gemeinwesen instand, all die vielen Krisen und Katastrophen der Vergangenheit verhältnismäßig rasch und leicht zu überwinden.

Ein tüchtiges Gewerbe, eine leistungsfähige Landwirtschaft und eine bedeutende kulturelle Leistung in der Vergangenheit sind die Befähigungsnachweise, die das uralte Gemeinwesen beibringt, wenn es sich um den ihm zu Unrecht genommenen Titel einer Stadt von neuem bewirbt.

Antrag von Bürgermeister Richard Fischer am 31. Juli 1951 beim Ministerium des Innern des Landes Südbaden in Freiburg für die Wiederverleihung des Stadtrechts.

Mit Erlass des Badischen Ministeriums des Innern vom 3. September 1951 Nr. 30218 erhielt das Landratsamt Donaueschingen die Mitteilung, dass der Gemeinde Hüfingen gemäß § 9 Abs. 2 der Badischen Gemeindeordnung vom 23.09.1948 die Bezeichnung „Stadt“ verliehen werde. Am 28. Oktober 1951 überreichte Innenminister Schüly die Urkunde im Beisein des Staatspräsidenten Leo Wohlleb feierlich.*

Leo Wohleb
Foto von Wikipedia

Auch Bräulingen , Blumberg und Fürstenberg bekamen die Stadtrechte zurück. Fürstenberg gab die Stadtrechte allerdings bei der Eingemeindung am 1. Januar 1972 nach Hüfingen wieder auf.

Festakt zur Wiederverleihung des Stadtrechts.

* Nach der Hüfinger Chronik von August Vetter 1984 und Wikipedia.

Entwicklung der katholischen Kirche, Schulsozialarbeit Lucian-Reich-Schule, Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte, Wasserversorgungssatzung, Abwassergebühren 2026

Es geht hier um die Gemeinderatssitzung am 23. Oktober 2025

Die Unterlagen gibt es wie immer hier: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

Die Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik beginnt um 18:20 Uhr

Bauantrag Nr. 46/2025

Neubau Wohnhaus mit Doppelgarage und Einliegerwohnung in Behla. Das Grundstück liegt im Außenbereich von Behla und ist daher nach § 35 BauGB zu bewerten. Das heißt, ein Vorhaben nur zulässig, wenn es einem landwirtschaftlichen Betrieb dient und nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche einnimmt. Dem Antrag wurde vom Ortschaftsrat und Gemeinderat einstimmig zugestimmt.

Bauantrag Nr. 47/2025

Dem Neubau eines Einfamilienwohnhaus mit Doppelgarage auf dem Hohen II wurde einstimmig zugestimmt.

Bauantrag Nr. 48/2025

Umnutzung eines Ladengeschäfts zu Museumsräumen in der Hauptstraße 4, Flst. Nr. 191.

Am 23.01.2025 hat der Gemeinderat dem Kauf der Gewerbefläche mit einer Grundfläche von ca. 125 m² zugestimmt.
Der Gemeinderat stimmte am 8. Mai 2025 zu die Räumlichkeiten dem Stadtmuseum zur Verfügung zu stellen. Die Räumlichkeiten werden momentan grundgereinigt, frisch gestrichen sowie die Elektrik auf neuen Stand gebracht.

Das Gebäude selbst ist ein Kulturdenkmal gem. § 2 Denkmalschutzgesetz und liegt innerhalb des denkmalgeschützten Altstadtensemble von Hüfingen.

Der Umnutzung wird vorbehaltlich der Zustimmung des Denkmalamtes zugestimmt.

Und morgen ist schon Einweihung:
https://www.huefingen.de/de/Stadt-Buerger/Aktuelles/Stadtnachrichten

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderates begann pünktlich um 18:30 Uhr

TOP2. Bürgerfragestunde

Mindestens 27 Zuschauerinnen und Zuschauer sind heute hier. Es gibt keine Fragen.

TOP 3. Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen

Das Industriegebiet Palmhof wurde in der nicht öffentlichen Sitzung diskutiert. Die Stadt Hüfingen fordert ein Hydrogeologisches Gutachten ob die Planungen unsere Tiefbrunnen gefährden. Mehr hier: https://hieronymus-online.de/fakten-zum-trinkwasser/

TOP 4. Information zur strukturellen Entwicklung der katholischen Kirche 2030

Die katholische Kirche steht vor einer großen organisatorischen Umstrukturierung, die durch Veränderungen der Mitgliederzahlen, dem demografischen Wandel und begrenzten Ressourcen bedingt ist.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde das Projekt „Kirche 2030“ mit dem Ziel gegründet, die katholische Kirche zukunftsfähig zu gestalten. Hierzu gehören Veränderungen in den Bereichen Strukturen, Zuständigkeiten und Personal.
Da diese Veränderung final im Jahr 2030 abgeschlossen sein sollen, werden bereits ab dem 01.01.2026 die bisherigen 224 Seelsorgeeinheiten in der Erzdiözese Freiburg zu 36 neuen Pfarreien zusammengeführt.
Diese Veränderungen betreffen auch die katholische Kirchengemeinde Auf der Baar.
Um über die Gründe der strukturellen Veränderungen und die damit verbundenen Auswirkungen zu berichten, wird Pfarrer Fabian Schneider und Pfarreiökonom Mario Isele den Gemeinderat mit einem Sachvortrag informieren.

27 Minuten katholisches Kirchengeschwätz. Liebe Leute, bitte macht das in Zukunft in der Kirche, wo es hin gehört! Wenn jeder Verein hier seine Struktur vorstellen möchte, dann gibts nichts anderes mehr.

TOP 5. Erweiterung Schulsozialarbeit Lucian-Reich-Schule

Seit 2022 gibt es an der Lucian-Reich-Schule Hüfingen Schulsozialarbeit mit einem Stellenumfang von 100%. Die Stelle ist in zwei 50% Teilzeitstellen aufgeteilt. Die beiden StelleninhaberInnen sind beim Caritasverband Schwarzwald-Baar-Kreis e.V. angestellt. Die Grundsätze und Zielsetzungen der Schulsozialarbeit an der LRSH sind ebenso wie die Finanzierung der Stelle vertraglich zwischen der Stadt Hüfingen und dem Caritasverband für
den Schwarzwald-Baar-Kreis e.V. geregelt.
Die Stadt Hüfingen trägt als Schulträger die Personalkosten für die Schulsozialarbeit an der LRSH. Personalkostensteigerungen durch Tarifanpassungen gibt der Caritasverband der Stadt Hüfingen frühzeitig zur Kenntnis. Auf (jährlich zu stellenden) Antrag gewährt das Land Baden-Württemberg für die Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen Zuschüsse. Je 100%- Stelle beträgt der Landeszuschuss aktuell 16.700 €.
Wenn beide Teilzeitstellen besetzt sind, beträgt der Anteil der Stadt Hüfingen für die Schulsozialarbeit an der LRSH aktuell 80.766,54 €. Die tatsächlichen Kosten liegen bei 97.966,54 €.

Durch bereits angekündigte tarifliche Lohnsteigerungen wird der städtische Zuschuss für die beiden bereits bestehenden Teilzeitstellen in 2026 von 80.766,54 € auf 84.755,20 € steigen.

Die Schulleitung der Lucian-Reich-Schule Hüfingen hat am 06.10.2025 einen Antrag auf Ausweitung der Stelle der Schulsozialarbeit an der Lucian-Reich-Schule Hüfingen gestellt. Gewünscht wird eine Ergänzung der bereits bestehenden zwei 50%-Stellen um eine weitere Teilzeitstelle, deren Umfang mindestens 50% betragen soll.

Die Verwaltung teilt mit der Schulleitung die Auffassung, dass die stark gestiegenen Schülerzahlen bei gleichzeitiger Steigerung der vielfältigen Aufgabenfelder in einem auch durch Corona schwieriger gewordenen Umfeld eine Ausweitung der Schulsozialarbeit an der LRSH rechtfertigen würde. Die Wertschätzung und grundsätzliche Notwendigkeit der Schulsozialarbeit steht für die Verwaltung außer Frage.
In Anbetracht der schwierigen Haushaltslage und vielfältiger Pflicht-Aufgabenfelder ist jedoch eine Gewichtung bzw. Priorisierung der Themen und Wünsche unumgänglich. Eine Ausweitung der Schulsozialarbeit an der Lucian-Reich-Schule Hüfingen würde aktuell jährliche Mehrkosten von rd. 40.000 € verursachen. Lohnkostensteigerungen in den Folgejahren sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Meine Meinung hierzu ist, dass ich die Caritas als Arbeitgeber sehr kritisch sehe, da sich die Katholische Kirche oft nicht an unsere freiheitlich demokratische Grundordnung hält. Die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass Klagen gegen die Caritas oft nicht möglich sind und das kirchliche Arbeitsrecht sollte abgeschafft werden. Hier gibt es den Weimarer Appell für Demokratie – Beteiligung, Selbstbestimmung und Tarifverträge in kirchlichen Einrichtungen. Der Staat kommt seinen Aufgaben nicht nach! Aber das nützt uns in Hüfingen jetzt nichts. Wir können wegen eines dysfunktionalen Staates nicht die Kinder sich selbst überlassen.

Egon Bäurer für die CDU lobt die LRS und die kommissarische Leiterin. Dann werden einige detaillierte Fragen gestellt auch nach den Zuständigkeiten. Im Allgemeinen geht es darum, ob dies alles eine kommunale Aufgabe sei. Die vielen Fragen sollen am besten schriftlich beantwortet werden, damit die CDU Fraktion nochmal diskutieren kann. Die CDU will aber keine Verlängerung von einem Jahr, sondern dass auf November geschoben wird.
Die SPD unterstützt den Antrag vollkommen ohne Wenn und Aber.
Das Freie Forum drückt sich wie immer vor Entscheidungen und möchte auf nächstes Jahr schieben. Die LBU will jetzt etwas bewegen und meint es sei keine Zeit weiter zu warten, die die Kinder haben Priorität.

Der Antrag vom Freien Forum wird abgelehnt und es wird beschlossen das Thema im November nochmal vorzulegen.

Verschobener Beschlussvorschlag der Verwaltung:

Die Schulsozialarbeit an der Lucian-Reich-Schule Hüfingen wird dauerhaft ab Schuljahr 2026/2027 um eine weitere 50% Stelle ausgeweitet. Die Verwaltung wird beauftragt, die bestehende Leistungsvereinbarung (=Vertrag) mit dem Caritasverband Schwarzwald-Baar-Kreis e.V. entsprechend anzupassen. Die Personalkosten werden abzüglich laufend gewährter Zuwendungen vom Land, vom Schulträger getragen.
Die Verwaltung wird beauftragt, ggf. in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband mögliche Förderanträge auf Landeszuschüsse zu stellen.

Nachtrag:

Heute (24.10.2025) war in den Nachrichten, dass Städte und Gemeinden in Deutschland immer mehr Geld für Soziales und Verwaltung ausgeben. Für Investitionen bleibe immer weniger übrig, zeigen neue Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dafür verantwortlich sind vor allem Bund und Länder. Den ganzen Artikel gibt es hier:
https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/bjoern-kauder-soziales-und-verwaltung-verschlingen-60-prozent-des-budgets.html

TOP 6. Entscheidung: Benutzungsgebühren für die Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte

Die bestehende Satzung der Stadt Hüfingen über die Benutzung von Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften wurde am 06.02.2014 vom Gemeinderat beschlossen.
Die Gebühren inkl. Nebenkosten für die Obdachlosenunterkunft Im Dreiangel 3 F in Hüfingen betragen aktuell 279,00 €/Person/Monat.

Liste der Liegenschaften der Stadt Hüfingen für Obdachlose und Geflüchtete
Liegenschaften der Stadt Hüfingen für Obdachlose und Geflüchtete

Unter den 104 Personen sind aktuell 3 Obdachlose und 101 Geflüchtete (35 aus der Ukraine und 66 u. a. von Afghanistan, Syrien, Pakistan, China und Türkei) untergebracht.

Eine Gebührenkalkulation für die Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte der Stadt Hüfingen lag bislang nicht vor, wird aber vom Landratsamte veranlagt. Aus Gründen der Rechtssicherheit war deshalb eine Gebührenkalkulation zu erstellen.

Nach der neu erstellte Gebührenkalkulation werden die Kosten von 279,00 €/Person/Monat auf 277,09 €/Person/Monat verringert.

Beschlussvorschlag der Verwaltung:

Die Benutzungsgebühren für die Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte werden ab 01.01.2026 wie folgt festgesetzt:
Benutzungsgebühr (inkl. Nebenkosten) 277,09 €/Person/Monat.

Dem wird einstimmig zugestimmt.

TOP 7. Änderung der Wasserversorgungssatzung der Stadt Hüfingen ab 01.01.2026

Der Gemeindetag BW empfiehlt, die Satzungen über den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung und die Versorgung der Grundstücke mit Wasser (Wasserversorgungssatzung -WVS) anzupassen.

Die Satzung über den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgungsanlage und die Versorgung der Grundstücke mit Wasser (Wasserversorgungssatzung) wird zur besseren Lesbarkeit angepasst werden und tritt am 01.01.2026 in Kraft.

SPD fragt, ob sie bei Zustimmung zu TOP 7 nicht automatisch einem höheren Wasserpreis in 2026 zustimmen werden. Der Kämmerer räumt die Bedenken aus.

Es wird eistimmig zugestimmt.

TOP 8. Abwassergebühren 2026

Die Schmutzwassergebühr beträgt seit 01.01.2014 1,84 €/m³.
Die Niederschlagswassergebühr beträgt seit 01.01.2021 0,56 €/m²

Die Stadt Hüfingen ist rechtlich verpflichtet, ihre zentralen Abwassergebühren für das Jahr 2026 neu zu kalkulieren. Die Beschlussfassung über die neuen Gebührensätze kann erst im Jahr 2026 geschehen.
Die Verwaltung weist darauf hin, dass sich daraus Erhöhungen der Gebührensätze ergeben könnten.
Falls es zu Gebührenerhöhungen kommt, könnte die zentrale Schmutzwassergebühr von 1,84 €/m³ auf bis zu 3,00 €/m³ (Erhöhung um 1,16 €/m³) und die Gebühr für die zentrale Niederschlagswasserbeseitigung von 0,56 €/m² auf bis zu 0,80 €/m² (Erhöhung um 0,24 €/m²) ansteigen.

Auch dies wird 2026 erneut vorgelegt werden. Unter dieser Prämisse wird auch hier einstimmig zugestimmt.

TOP 9. Vergabe Asphaltsanierungsarbeiten Fürstenberg

Dieses TOP ist verschwunden und war nur in der öffentlichen Bekanntmachung.

TOP 10. Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat

Markus Leichenauer zieht den Antrag zur Sicherstellung des Fußgänger-Durchgangs vom Clubhaus des FC Hüfingen zum Höllsteinweiher zurück, da der Fußweg vom Bauamtsleiter garantiert wurde. Allerdings möchte ich einwenden, dass dieser nicht am Wasser entlang durch das Bibergebiet gehauen werden darf.

Silberpappel am Mühlibach

1. Version war am 2. August 2022

Die Silberpappel am Mühlebach auf der Insel hat eine Höhe von etwa 20 Meter und einen Umfang von 4 Meter und 80 cm.

Gepflanzt wurde sie vermutlich vor etwa 100 Jahren. Zuvor stand dort ebenfalls ein Baum der aber wohl um das Jahr 1920 gefällt werden musste.

Postkarte aus 1906 mit dem Vorgängerbaum

Postkarte mit dem Vorgängerbaum aus 1912

Landesheim mit Tor 1916

Foto etwa 1930

Foto etwa 1940

Foto von Garmin Hasenfratz etwa 1940

Foto von Karl Schweizer etwa 1950

Mühlebach 1968

Mühlebach etwa 1970

Mühlebach von Franz Wintermantel 1973
(nach dem Foto von 1940)

Vor dem Rückschnitt
im Oktober 2021

17. Juli 2022
nach dem Rückschnitt

08. Juli 2023

01. September 2024

Auf ihrem massiven Stamm sitzt eine bereits mehrfach zurückgeschnittene sehr voluminöse Krone mit etwa 13 Metern. Aufgrund der Höhe wurde die Pappel 2021 zurück geschnitten, da sie im Falle eines Umfallens bis zur Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes gereicht hätte.

Die Wurzeln weisen Schäden auf, am Stamm befindet sich ein Querriss und auch Schwefelporlinge. Aufgrund der offensichtlichen Wurzelverletzungen und des massiv hohlen Klangbildes auf der Zugseite ist hier von einer ausgeprägten Fäule im Erdstamm auszugehen. Die Pilzfruchtkörper des Schwefelporlings zeigen, dass von Fäule ausgegangen werden muss.

  • Silberpappel

Fotos im Herbst 2021 vor dem Rückschnitt.

Der Rückschnitt sollte zum einen den Baum entlasten und zum anderen auch bei einem Kippen nicht so viel Schaden anrichten.

Hoffen wir, sie bleibt uns noch lange erhalten!

Foto vom 28. Oktober 2021

Nistkästenpflege auf der Jungviehweide

Bei der Nistkästenpflege auf der Jungviehweide in Mundelfingen

Auf der Jungviehweide wurden 2021 von der Sparkasse Schwarzwald Baar  und dem Nabu Schwarzwald-Baar Nistkästen aufgebaut. Diese gilt es im Spätsommer zu reinigen.

Fast alle Vögel die Nistkästen nutzen, bauen ihr neues Nest auf das Alte des Vorjahrs. Das heißt, wenn die Kästen nicht gereinigt werden, werden sie mit den Jahren immer voller. Dann haben Räuber wie Marder und Eichhörnchen leichtes Spiel. Sie können einfach in den Kasten „hineingreifen“ und so leicht Beute machen. Das Ausräumen kann also lebenswichtig für die Vögel sein! Hinzu kommt natürlich die Gefahr von Verunreinigungen wie Parasiten, Milben und Flöhen.

Warum im Spätsommer oder Frühherbst?

Im September ist die letzte Brut sicher vorbei und es sind noch keine Wintergäste in den Kästen. Wintergäste können sein: Fledermäuse, Siebenschläfer, Meise, Kleiber, Spatzen, Zaunkönige, Kleintiere wie Hasel- oder Waldmaus, aber auch Ohrwürmer, Florfliegen, Wespen- und Hummelköniginnen .

Da manche Tiere die Kästen auch als Schlafplatz nutzen können, empfiehl es sich vor der Reinigung anzuklopfen.

Nistkästen auf der Jungviehweide

Am Samstag 18. Oktober 2025 trafen wir uns wieder auf der Jungviehweide, um die Nistkästen zu reinigen.
Vielen Dank an die Helfer!

  • Wiltrud Jungviehweide

Am Samstag 19. Oktober 2024 trafen wir uns auf der Jungviehweide, um die Nistkästen zu reinigen.
Dieses Jahr kam unser Bürgermeister Patrick Haas und Ortsvorsteher Michael Jerg dazu, um sich zu informieren.


Am Samstag 21. Oktober 2023 trafen wir uns wieder auf der Jungviehweide um Nistkästen zu reinigen. Im Anschluss an die praktische Arbeit fand die Mitgliederversammlung statt.
Vielen Dank an die Helfer!


Am Samstag, 17. September 2022 trafen wir uns auf der Jungviehweide um die rund 30 Nistkästen zu reinigen. Die Kontrolle ergab, dass in fünf Kästen Kohlmeisen gebrütet haben. In je zwei Kästen wohnten Wespen und Hornissen. Sehr erfreut zeigte sich das siebenköpfige Team von den zwei gefundenen Siebenschläfer Nestern. Im Anschluss an die praktische Arbeit fand die Mitgliederversammlung statt.


Forstbetriebsplan, Stadtentwicklungskonzept, Projektentwicklung „Gasthof Frank“

Es geht hier um die Gemeinderatssitzung am 16. Oktober 2025.

Unterlagen gibt es wie immer hier: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

TOP 2 Bürgerfragestunde

Etwa 10 Bürgerinnen und Bürger sind anwesend und die Sitzung beginnt zwei Minuten nach sechs. Es gibt noch einen Tagesordnungspunkt 8 über die Essenspreise an einer Schule.

Der Architekt Rolf Schafbuch spricht zur Bebauung am Hotel Frank und plädiert für altersgerechte Bebauung mit 3-4 Hauptzielen.

TOP 3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen

Die Stellungnahme zum Widerspruch zum Gemeinderatsbeschluss über das Feuerwehr Gerätehaus wurde besprochen.

TOP 4 Forstbetriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2026 und Betriebsvollzug für das Forstwirtschaftsjahr 2024

Im Jahr 2024 wurde ein Überschuss in Höhe von 565.300 € erreicht.
Für das Jahr 2025 war ein Gewinn von 140.651 € geplant.
Für das Jahr 2026 wird für den Forstbetrieb ein Überschuss von 59.301 € veranschlagt.

Bericht der Holzverkaufsstelle und der Revierleiter, die auch den Betriebsplan vorstellen.

Dem Forstbetriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2026 wird einstimmig zugestimmt.

TOP 5 Stadtentwicklungskonzept – „Strategie Hüfingen 2040“

Zur strategischen und zukunftsorientierten Steuerung der Stadtentwicklung soll ein Stadtentwicklungskonzepts (SEK) erstellt werden. Das Konzept soll als fachübergreifendes und räumlich orientiertes Planungsinstrument dienen, das wesentliche Handlungsfelder wie Wohnen, Mobilität, Wirtschaft, Klima, kommunale Finanzen, soziale Infrastruktur, Städtebau etc. koordiniert und aufeinander abstimmt.

Die Verwaltung schlägt vor, ein geeignetes Fachbüro mit der Erstellung des Konzepts zu beauftragen.
Die Firma STEG stellt sich in der Sitzung vor. Es gibt eine Präsentation vom Abteilungsleiter Südwest aus Stuttgart der im Grunde die Webpage zeigt und erläutert. Allerdings scheint er sich noch nicht mit Hüfingen beschäftigt zu haben. Was er auch zugibt und meint sein Team müsse sich dann erst mal richtig „rein graben“. Er erläutert die Vorgehensweise und wie sich der Dienstleister in ein Entwicklungskonzept rein arbeiten will. Was sich erst mal ganz gut anhört.

Kathrin Schwarz (CDU) fragt nach den Ergebnissen des Bürgerdialoges, der ja irgendwie nicht so das optimale war, da damals die Ideen der Bürger nicht beachtet wurden. Auch die SPD Fraktionssprecherin meint, dass man die Bürgerbeteiligung von damals vielleicht ausgraben sollte und jetzt auch beachten sollte. Auch gäbe es genug Baustellen die man zuerst bearbeiten sollte in Hüfingen. Insgesamt sorgen sich die Gemeinderäte um die Kosten, also das Preis-Leistungsverhältnis. Mete Ünal von der SPD spricht an, was mir persönlich auch irgendwie nicht passt: „Da kommt jemand aus Stuttgart der uns was sagen möchte.“ Na ja, immerhin spricht der Mann nicht schwäbisch, aber ob die Schwaben bei uns auf den Dörfern überhaupt mit den Menschen kommunizieren können, mag ich auch zu bezweifeln.

Markus Leichenauer, der CDU Fraktionssprecher, spricht sich für ein Konzept aus, allein, damit es mal einen roten Faden gibt und die Stadt sich nicht in allen möglichen Projekten verzettelt.

Der Gemeinderat wird das später in der nicht öffentlichen Sitzung besprechen.

Postkarte: Hüfingen, Gasthaus zum Bahnhof. Ehemaliges Hotel Frank von 1930
Gasthaus zum Bahnhof. Postkarte von 1930
Hotel Frank im Oktober 2021
Das Hotel Frank am 1. Oktober 2021

TOP 6 Projektentwicklung „Gasthof Frank“

Das Grundstück vom Frank hat einer Größe von ca. 1.900 m² und befindet sich seit dem Frühjahr 2025 im Eigentum der Stadt. Die zukünftige Nutzung ist derzeit noch offen und soll auf Basis der letzten Klausurtagung sowie einer professionellen Projektentwicklung erarbeitet werden.

Ablauf der externen Projektentwicklung:
Die Firma STEG Stadtentwicklung GmbH schlägt einen strukturierten Prozess mit 6 wesentlichen Bausteinen vor, der in enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung, den politischen Gremien sowie der Bürgerschaft durchgeführt wird. Die einzelnen Phasen umfassen:

  1. Standort- und Grundstücksanalyse
    Erfassung relevanter Daten sowie Abstimmung der Bedarfe mit der Kommune, um eine fundierte Basis für die weitere Planung zu schaffen.
  2. Zielfindung mit dem Gemeinderat
    Durchführung eines Workshops zur gemeinsamen Definition der gewünschten Nutzungen und Entwicklungsziele.
  3. Planungs- und Nutzungskonzept
    Entwicklung von bis zu drei Konzeptvarianten, einschließlich 3D-Visualisierungen und Richtpreiskalkulationen, um unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten transparent darzustellen.
  4. Vermarktung
    Aktive Akquisition von Miet- und Kaufinteressenten sowie Investoren unter Nutzung des umfangreichen Netzwerks der STEG.
  5. Projektsteuerung
    Überwachung von Leistungen, Kosten und Terminen sowie Begleitung städtebaulicher Fragestellungen während des gesamten Prozesses.
  6. Bürgerinformation
    Durchführung einer öffentlichen Abendveranstaltung zur Vorstellung der Projektziele und zur Aufnahme von Anregungen und Ideen der Bürgerschaft.

Der Projektleiter ist kein Schwabe, sondern kommt aus Nordrhein-Westfalen und stellt sich mit Lebenslauf vor – was ihn für uns badischen Holzköpfe doch recht sympathisch macht.

Er möchte mit Hüfingen ein Nutzungskozept entwickeln, macht aber darauf Aufmerksam, dass es keine „eierlegende Wollmilchsau“ werden kann. Die Zielfindung soll mit dem Gemeinderat zusammen stattfinden, am besten in einem Workshop. Auch muss ein Energiekonzept erstellt werden. Die STEG würde sich um mögliche Investoren kümmern und auch das Bieterverfahren.

Petra Moog (CDU) möchte, dass die Sozialraumplanung und auch die Nachbarschaftshilfe mit einbezogen wird. Sie fragt nach den rechtlichen Vorgaben bei der Vergabe.
Kerstin Skodell (SPD) fragt nach dem Mindestkaufpreis und wie der abgestimmt wird. Das Freie Forum möchte gar nichts tun und alles erst mal ein Jahr schieben. Meine Meinung dazu: Stillstand hatten wir jetzt eigentlich lange genug. Soll sich die FDP doch daheim aufs Sofa hocken, spart viel Geld und Nerven.

Markus Leichenauer fragt nach den Erlösen und was der Planer vermutet ob es sich für Hüfingen am Schluß irgendwie rechnet. Der Planer meint, dass er nicht weiß was am Ende dabei raus kommt. Er kann aber planerisch berücksichtigen, dass für Hüfingen am Ende Geld dabei raus kommt. Auch meint er, dass man mit Hüfingen sehr gut pragmatisch arbeiten könne und bei einem anderen Projekt hatte er nach zwei Jahren einen guten Investor.

Ganz gleich, welche Maßnahmen umgesetzt werden, bitte ich darum, die alten Bäume zu erhalten und ihr Umfeld als naturnahe Grünfläche zu gestalten – mit einem Spielplatz im Grünen und einer wilden, naturbelassenen Ecke.

Hier noch alte Fotos vom Oktober 2021:

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Auch dies wird der Gemeinderat später in der nicht öffentlichen Sitzung besprechen.

TOP 7 Vergabe Türbauarbeiten Erweiterung Feuerwehrgerätehaus Hüfingen

Für die Vergabe „Erweiterung Feuerwehrgerätehaus Hüfingen – Türbauarbeiten“ soll eine Firma aus Bisingen für 75.719,70 € brutto beauftragt werden.

Dem wird einstimmig zugestimmt.

TOP8 Essenspreise an der Schellenberger Schule

Auch diese Essenspreise sollen an die anderen Schulen angepasst werden und auf 4,50 Euro gesenkt werden.

Dem wird einstimmig zugestimmt.

TOP 9 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat

Der Bürgermeister berichtet von der Jugendwoche die allen viel Spaß gemacht hat und möchte das in Zukunft „empowern“.

Dann stellt er noch die neue Leiterin des Umweltbüros vor: Wiltrud Siegfried

Wiltrud Siegfried am Mühlebach
Wiltrud Siegfried ab Januar 2026 Leiterin des GVV Umweltbüros

Zum Gallustag

Am 16. Oktober werden die Kirchweihfeste in den Galluskirchen begangen.

Bauernregeln zum 16. Oktober

  • Bis St. Gallus müssen alle Früchte, die im Frühjahr Samen bringen sollen, aus dem Garten in den Keller.
  • Hedwig und St. Gall‘ machen das schöne Wetter all.
  • Wenn am Gallus Regen fällt, er bis Weihnachten anhält.
  • Mit St. Hedwig und St. Gall‘ schweigt der Vögel Sang und Schall.
  • Auf St. Gallus-Tag nichts mehr draußen bleiben mag.
  • Auf St. Gallen‘ Tag muss jeder Apfel in sein‘ Sack.
  • Auf St. Gall bleibt die Kuh im Stall.
  • Trockenheit am St. Gallus-Tag verkündet einen trockenen Sommer.
  • St. Gallen lässt Äpfel und Schnee fallen.
  • Ist St. Gallus nicht trocken, folgt ein Sommer mit nassen Socken.
  • Wenn Gallus kommt hau‘ ab den Kohl, er schmeckt im Winter trefflich wohl.
  • Gießt Gallus wie aus einem Fass, ist der nächste Sommer nass.

Zur Weihnachtszeit möchte ich gerne an den Bruder Martin aus dem Jahr 1853 erinnern. Dies nicht nur wegen der Weihnachtsgeschichte und dem Hüfinger Weihnachtslied von Kalliwoda, sondern auch wegen dem heiligen Gallus nach dem die Stadtkirche benannt ist und dessen Geschichte bei Bruder Martin wohl als Vorbild gedient hatte.

Über die Geschichte vom heiligen Gallus gibt es mehrere Bearbeitungen, da wir aber auch im Buch der Badische Bodensee auf den Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo eingehen und dessen Fassung die weiteste Verbreitung hatte, gehe ich davon aus, dass Lucian Reich diese Fassung kannte.

Walahfrid von der Reichenau (deutsch Walachfried der Schieler) oder – wie er sich selbst auch nannte – Strabus, wurde 807 geboren und starb 849. Er war ein Benediktiner, Dichter, Botaniker, Diplomat und von 842 bis 849 Abt des Klosters Reichenau.

Der heilige Gallus

Gallus stammte angeblich aus Irland und kam im Gefolge des Wandermönchs Columban von Luxeuil auf den europäischen Kontinent.

Um 590 gründete der Abt Columban ein Kloster in Luxovium (Luxeuil-les-Bains) wo auch Gallus zu seinen Schülern zählte. Von Luxovium aus zogen die beiden um das Jahr 610 gemeinsam mit weiteren Mönchen nach Alemannien.*

Die Missionsreise führte die Gemeinschaft von Luxovium über die Römerstrassen nach Arbor Felix (Arbon) an den Bodensee.

Tabula Peutingeriana mit Arbor felix und Brigantio.
Der dicke Klecks ist der Lacus Brigantinus (Bodensee), oben sieht man Brigobanne.
Die ganze Peutingerkarte gibts es hier: https://tp-online.ku.de

Überall wo die Missionare hin kamen zerstörten sie Statuen einheimischer Gottheiten. Dadurch brachten sie die Einwohner gegen sich auf und die in Brigantio (Bregenz) begonnene Klostergründung misslang. Columban reiste 612 weiter nach Italien und Gallus blieb am Bodensee da er sich mit Columban nicht einig war. Im Gegensatz zu Columban konnte Gallus in alemannischer Sprache predigen und mit den Einheimischen kommunizieren. Gallus wurde von Columban wegen Ungehorsams exkommuniziert und durfte zu dessen Lebzeiten die Messe nicht lesen und nicht daran teilnehmen.

612 beschloss Gallus zusammen mit dem Diakon Hiltibod aus Arbor felix der in den Lacus Brigantinus mündenden Steinach zu folgen und zogen den Bach entlang in den Arboner Forst hinein und kamen an den Wasserfall bei der Mühleggschlucht. Hier stolperte Gallus und fiel in einen Dornbusch. Dies deutete er als göttliches Zeichen hier zu bleiben.

Ewiger Pfennig mit dem Kopfbild des heiligen Gallus

Fotos von Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Foto: Andreas Praefcke, Public domain, via Wikimedia Commons
Foto: PaterMcFly Diskussion Beiträge 16:43, 24. Feb. 2008 (CET), CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Gallus gilt als Gründer des Klosters St. Gallen und ist Schutzpatron von St. Gallen.

Die Legende von Gallus und dem Bären

Jeder Heilige hat sein Attribut. So hatten wir bei der heiligen Verena den Krug und Kamm und beim heiligen Leonhard die Kette. Den heiligen Gallus erkennt man am Bären. Hier die Legende:

Da Gallus von Columban exkommuniziert war und zu dessen Lebzeiten die Messe nicht lesen durfte, lebte er vor der Klostergründung als Einsiedler mit Hiltibod in den Wäldern. Während Hiltibod schlief war Gallus noch wach, als plötzlich ein Bär auftauchte. Gallus liess sich nicht einschüchtern, auch dann nicht, als der Bär sich aufrichtete. Als er sah, dass der Bär einen Dorn in der Pfote hatte, entfernte er diesen. Dann befahl Gallus dem Bären im Namen des Herrn ein Stück Holz für das Feuer zu holen. Der Bär gehorchte und trug das Holz zum Feuer. Anschliessend gab Gallus dem Bären ein Brot. Hiltibod, der zugeschaut hatte, sagte zu Gallus: „Jetzt weiss ich, dass der Herr mit dir ist, wenn selbst die Tiere des Waldes deinem Wort gehorchen.“**

**Von dieser Geschichte gibt es mehrere Variationen und sogar eine Narrenzunft mit dem Namen Quellbären.

Mehr zum heiligen Gallus im Heiligenlexikon: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienG/Gallus.html

St. Gallus mit Bär und Brot in der Stadtkirche St. Verena und St. Gallus.

Wie Bruder Martin einen Gesellschafter bekam, und wie ihm dieser das Leben rettete.

Bruder Martin
1853
Ein Hausbüchlein für die Jugend, von
Lucian Reich.
Mit Bildern von Heinrich Frank, Lucian Reich und Anderen,
nebst einer Musikbeilage von J. W. Kalliwoda.
Mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. Nep. Heinemann.
Hüfingen, Steindruckerei von J. Nep. Heinemann.

Eines Tages ging Bruder Martin in den Wald, um dürres Holz zu holen, womit er Feuer in seiner Zelle machen wollte, weil die Witterung rau und unfreundlich zu werden begann. Eine ziemliche Strecke war er schon unter den hohen Tannen fortgewandelt, als plötzlich ein großer Bär aus dem Gebüsche brach und schnurstracks auf ihn zukam. – Der gute Mann erschrak nicht wenig, es stand ihm nichts zu Gebote, womit er sich wehren konnte, als etwa der Stock, auf den er sich im Gehen stützte. – Zu seiner Verwunderung jedoch gebärdete sich das Tier demütig und gar nicht unartig, wie sonst Bären tun. Es winselte kläglich und hinkte, indem es die vordere Tatze in die Höhe hob. Auf den verdutzten Waldbruder zu. Dieser merkte jedoch bald, wo es dem Tiere fehle. Er sah, dass in der aufgehobenen blutigen Tatze ein scharfer Dorn steckte. Es gelang ihm, den Splitter herauszuziehen, und da in der Nähe ein Bächlein floss, so wusch er sorgfältig die blutende Wunde und verband die mit feuchtem Moos und Waldgras.

Der Bär bezeigte sich dankbar, was sonst nicht Sache wilder Tiere ist. Er leckte seinem Arzte erkenntlich die Hand, brummte, als wolle er sich bedanken, und lief fort in das Dickicht.

Der Waldbruder ging wieder an sein Geschäft, und wollte eben sein Holzbündel schnüren, als er abermals im Gebüsch rauschte und der schnaubende Bär zum Zweiten Male zum Vorschein kam. Diesmal hielt er ein Kaninchen im Rachen, welches er im Walde erjagt hatte und jetzt seinem Wohltäter zu Füßen legte. Der fromme Bruder lächelte, dankte Gott für den Braten, legte das Thierlein oben auf den Bündel und schickte sich an, die Last auf die Schultern zu heben und nach Hause zu tragen. Aber siehe, der Bär suchte dieses zu verhindern, und gab durch Brummen und allerlei Bewegung zu verstehen, dass er dieses Geschäft verrichten wolle. Als Bruder Martin sah, dass der Bär sich durchaus nicht anders zufrieden geben wolle, legte er ihm die Bürde auf den zottigen Rücken, befestigte sie mit einem Strick, den er um den Leib des Tieres schlang, und trat in Gottes Namen mit seinem Begleiter den Heimweg an.

Das treue Tier war vor dieser Zeit so anhänglich, dass es nicht mehr von seinem Wohltäter weichen wollte. Der Waldbruder gab ihm den Namen Bläß und wies ihm ein eigenes Plätzlein in der Höhle an. Der neue Hausbewohner zeigte sich so gelehrig, dass er bald allerlei Geschäften verrichten konnte. – Jedesmal, wenn der Bruder in das Holz ging, so begleitete ihn Bläß und trug ihm wie ein fleißiger Knecht die Bürde heim: auch beim Hüten der Ziegen war er zu gebrauchen; er bewachte die Tiere wie ein Hund und trieb sie abends von selbst wieder in den Stall, und was das Beste bei alldem war Bläß sorgte selbst für seine Nahrung: jeden Morgen früh vor Tag begab er sich in den Wald, um zu jagen, und selten kehrte er zurück, ohne auch etwas von dem Fange, seinem Herrn zum Frühstück mitzubringen.

Einmal rettete sogar der Bär dem Waldbruder das Leben. – Ein verzweifelter Mensch, der nur von Raub und Diebstahl lebte, hielt sich seit einiger Zeit in den umliegenden Wäldern auf. Er hatte bei einer alten heidnischen Zigeunerin, welche sich mit Wahrsagen und anderem untrüglichen Künsten abgab und im Walde wohnte, bereitwillig Unterkunft gefunden. Dieses böse Weib aber war gegen den Bruder Martin feindselig gesinnt wegen seiner Frömmigkeit und Gottesfurcht, und weil er die Leute im Guten unterwies und vor Irrtümern zu bewahren strebte. Sie hatte ihrem Schützlinge, dem Räuber, vorgespiegelt, der Waldbruder besitze große Schätze und Wunderdinge, die er aus dem heiligen Lande mitgebracht habe: er sei im Besitze, suchte ihn das Weib glauben zu machen, eines Ringes mit einem köstlichen Karfunkelstein, welcher die Kraft habe, dass demjenigen, der ihn trage, das Geld in der Tasche nie ausgehe; auch ein Tischlein habe er, dem man nur die Worte: Tischlein deck dich! zurufen dürfe, um sogleich die ersten Leckerbissen und köstlichsten Weine darauf serviert zu sehen. – Dem abergläubischen, genugsüchtigen Menschen wässert sich schon im Voraus der Mund nach diesen Kostbarkeiten, und er beschloß, den frommen Bruder zu ermorden und ihm alles zu rauben.

In einer finsteren Nacht schlich er sich zur Klause des guten Mannes. Schwarze, im Winde vorüberziehende Wolken verdeckten das Licht des Mondes. Geräuschlos hatte der Bösewicht den Zaun am Eingang der Wohnung erstiegen, und sich stille durch die offene Türe, welche der Waldbruder zuzuriegeln vergessen, in die Zelle eingeschlichen. – In der Hand ein scharfes Beil, näherte er sich dem Orte, wo er, wie er wähnte, den Waldbruder laut schnarchen hörte. – Schon hob sich die mit dem Mordinstrumente bewaffnete Hand – da ertönte urplötzlich ein entsetzliches Brummen. – Eben tritt der Mond hinter den fliehenden Wolken hervor und wirft seine Strahlen durch die offene Tür der Hütte. – Welch ein Todesschrecken! – Eine furchtbare zottige Gestalt richtet sich vor dem entsetzten Räuber auf und schlägt ihn mit gewaltiger Tatze zu Boden. – Der entsetzte Bösewicht glaubt nicht anderes, als den leibhaftigen Satan vor sich zu haben: – Pardon! Schreit er heulend und zähneklappernd, Pardon, gnädiger Herr, verschont mich nur diesmal noch, ich will euch ja gern Seele und Leib verschreiben – und alles tun, was ihr wollt – nur schenkt mir das Leben. Bruder Martin, den dieser Lärm vom Schlaf erweckte, erstaunte nicht wenig, eine so seltsame Szene vor sich zu sehen. Der ergrimmte Bär war eben im Begriff, dem bebenden Räuber seinen Lohn zu geben, als der Bruder schnell von seinem Lager aufsprang, und dazwischen tretend, abwehrte. Der Bär ließ seinen Mann los und zog sich brummend zurück.

Der Waldbruder aber wendete sich zu dem zitternden, im Mondlicht auf dem Boden liegenden Menschen und fragte, was ihn hierher führe und was er wolle. Der zerknirschte Räuber gestand sogleich sein böses Vorhaben und bat, indem er die Knie des heiligen Mannes umfaßte, flehentlich um Verzeihung. – Bruder Martin, der die Gefahr, in welcher er geschwebt, überschaute, blickte gen Himmel und sprach mit den Worten des Psalmisten:

Herr! lehr‘ uns, unsere Tage zählen, * Dass unsre Herzen Weisheit lernen.
Ergieß‘ in uns der Gnadenfülle, * Und leit und stets auf Deinem Wegen.
Sey unser Schild und unsre Stärke, * Wenn Todesschrecken sich uns nahen.

Dann sprach er zu dem Räuber: Siehe, Unglücklicher, wie Gott die Absichten seiner Feinde zu nichte macht, und wie schwach ein böser Mensch ist; doch der Herr will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bessere und auf dem Wege der Tugend wandle!

Der Räuber bat unter Tränen wiederholt um Vergebung und legte auch über seine früheren Missetaten ein reumütiges Geständnis ab.

Bruder Martin, welcher sah, dass es dem Manne mit seinem Vorsatz, sich zu bekehren, ernst sei, behielt ihn einige Tage bei sich, um durch Unterricht und Ermahnungen redlich das Seinige zur gründlichen Besserung des Reuigen beizutragen. Er hatte gefunden, dass bei dem unglücklichen Menschen, der zwar dem Namen nach ein Christ war, mehr Unwissenheit und gänzliche Vernachlässigung seiner Erziehung obwallte, als ein böses von Grund aus verdorbenes Herz. Denn als er ihn zum erstenmal fragte: ob er auch etwas von dem Christkinde wisse, welches vom Himmel herabgekommen, die Menschen zu beseeligen? antwortete der verkommene Mensch ganz verwundert: was denn das für eine Geschichte sei? – davon habe er noch nichts gehört. – Der fromme Mann entsetzte sich über diese Verwilderung und erzählte ihm auf das Liebreichste die Geschichten aus der heiligen Schrift und ihre göttlichen Lehren.

Die Bemühungen des guten Bruders waren vom besten Erfolge begleitet; seine Worte fielen wie guter Same in ein frisch gepflügten Erdreich. Der väterlich gesinnte Mann veranlaßte in der Folge seinen Freund Christoph, dass er den Neubekehrten als Köhlerknecht in seine Dienste nahm, worüber der willige Mensch sehr erfreut war, weil er jetzt einsehen gelernt hatte, dass Müßiggang alles Übels Anfang, und der Weg zum Elend und zur Not sei.

Wer oder was ist der GVV?

aktualisierter Beitrag vom 18. Januar 2021

Der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen (GVV) ist ein Zusammenschluss der Städte Donaueschingen, Bräunlingen und Hüfingen, unter dessen Dach die Verbandskläranlage , das Umweltbüro und die vorbereitende Bauleitplanung verwaltet wird.

Für Hüfingen ist der GVV sozusagen ein Überbleibsel aus 1973 als sich die Stadt erfolgreich gegen die Übernahme von Donaueschingen gewehrt hatte.

Demo in Bad Dürrheim am 17. März 1973
Demo in Bad Dürrheim am 17. März 1973

Jetzt will ich mich auf die „vorbereitende Bauleitplanung“ konzentrieren und versuchen zu erklären, was das ist.

Flächennutzungsplan

Der Flächennutzungsplan (vorbereitender Bauleitplan) ist laut Wikipedia ein Planungsinstrument (Planzeichnung mit Begründung) der öffentlichen Verwaltung im System der Raumordnung, mit dem die städtebauliche Entwicklung der Gemeinden gesteuert werden soll.

Um es etwas salopp zu sagen: Auf dem Flächennutzungsplan wird die Nutzung vom Boden bestimmt, der sich auf der Gemeindefläche befindet.

Was der GVV auf seinen Flächen für die Nutzung erlaubt, kann man hier nachlesen: Flächennutzungsplan

Die Nutzung der Flächen ist nicht festgeschrieben, sondern wird regelmäßig den Forderungen der Gemeinderäte und Bürgermeister angepasst.

Wenn also zum Beispiel eine Gemeinde ein neues Gewerbegebiet möchte, wird hierfür vom GVV der Flächennutzungsplan geändert. Dies kann man auf den Seiten der GVV nachschauen.

Auch dürfen verschiedene Ämter, Verbände oder Bürgerinnen und Bürger hierzu eine Stellungnahme abgeben. Diese Stellungnahmen und deren Abwägungen werden auch auf den Seiten des GVV veröffentlicht. Diese Abwägungen kommen in eine Tabelle und werden von einem hierfür bezahlten Ingenieurbüro verworfen, bzw. es schreibt einen Satz der zur Stellungnahme passt und dann „wird nicht gefolgt“.

Änderungen des Flächennutzungsplans

Um den Flächennutzungsplan anzupassen gibt es ein Männergremium das den neuen Plan abnickt. Bei diesem Ausschuss stellt Donaueschingen sechs Männer und Hüfingen und Bräunlingen jeweils drei.

Diese zwölf Männer treffen sich etwa drei Mal im Jahr um, unter anderem, die neuen Baugebiete auf dem Flächennutzungsplan festzuschreiben. Dies geschieht öffentlich und wird von der Stadt Donaueschingen vorher und nachher gut dokumentiert.

Hierbei haben die Männer sich Einstimmigkeit zur Kür gemacht und ihr Altersdurchschnitt beträgt über 60 Jahre.

Diese überwiegend alten Männer bestimmen also welcher Teil unserer Natur als nächstes versiegelt wird und welcher Acker als nächstes den Landwirten genommen wird.

Nutzen des Flächennutzungsplans

Nach den Ausführungen kann sich jeder selbst den Grund von dem Verfahren ausmalen. Das Vorgehen soll aus Gründen der Planungssicherheit die immer weiter fortschreitende Versiegelung demokratisch legitimieren, da die alten Männer von den Fraktionen bestimmt wurden, die bei den Gemeinderatswahlen die Mehrheit hatten. Auch aus diesem Grund wäre es wichtig gewesen, eine etwas höhere Wahlbeteiligung zu haben. Leider ist den meisten Menschen dies alles egal.

Die Schwestern Perpetua und Consolata alias Karolina und Theresia Schafbuch

aktualisierter Beitrag vom 19. Juli 2024


Schwester Perpetua, (Karolina genannt Lineli), geboren am 31.01.1907  in Hüfingen  gestorben am 02.01.1991 in Bonn und Schwester Consolata, (Theresia, genannt Reseli) geboren am 16.10.1901 Hüfingen gestorben im Jahr 1983 in Bonn, waren Ordensschwestern der Benediktinerinnen „Schwestern von der Ewigen Anbetung“, dem Kloster „Maria Hilf“ in Bonn-Endenich.


Sie waren die Schwestern des Ehrenbürgers und Mundartdichters Gottfried Schafbuch und des Musketiers Josef Schafbuch.

Kloster Maria Hilf mit Marterkapelle, Bonn-Endenich, Luftaufnahme (2017). Foto: Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons Wolkenkratzer

Maria Hilf

1927 folgte Karolina Schafbuch ihrer Schwester ins Benediktinerinnenkloster „Schwestern von der Ewigen Anbetung“ nach Bonn-Endenich. Warum ausgerechnet die Benediktinerinnen in Endenich gewählt wurden, bleibt wohl ein Rätsel. Vermuten lässt sich allerdings die Nähe zur Marterkapelle, wo im 3. Jahrhundert die römischen Soldaten der thebäischen Legion Cassius und Florentius gemeinsam mit sieben weiteren Gefährten wegen ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben hingerichtet worden seien.
Die Heilige Verena kam mit Mauritius und der thebäischen Legion aus Theben, siehe: https://hieronymus-online.de/die-heilige-verena/

Die Marterkapelle in Bonn-Endenich. Hawobo, CC BY-SA 3.0 DE https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en, via Wikimedia Commons
Die heilige Verena in St. Verena und Gallus in Hüfingen

Aus der selbstgewählten Zurückziehung aus dem weltlichen Leben, so dachten sie zumindest anfänglich, gäbe es keine Wiederkehr. Eine Annahme, die sich jedoch nicht bestätigen sollte. Die beiden Schwestern, Consolata und Perpetua haben stets einmütig und übereinstimmend versichert, daß sie im Kloster ihr Glück gefunden haben, von dem jene, die „draußen“ leben, sich kaum eine Vorstellung machen könnten. Oberste und vornehmste Aufgabe der Schwestern im Kloster war die Anbetung und das sühnende Gebet. Sie arbeiteten in der Hostienbäckerei und der Paramentenstickerei. Das Kloster mußte sich durch die Arbeit der Schwestern selbst unterhalten.*2

Frater Benno Haan, Dalmatik des Weihnachtsornates (1680), Nadelmalerei und Reliefstickerei, Stift Admont Konrad Rainer,
(Wikipedia)

Ab der Machtübernahme der Nationalsozialisten sahen sich die Benediktinerinnen mehreren Problemen ausgesetzt. So durften sie am 12. November 1933 nicht wählen, bekamen aber kurz vor Ende der Wahlen von Beamten Wahllisten überbracht, da die NSDAP nicht auf ihre Stimmen nicht verzichten wollte. Im Oktober 1934 wurde der vorgeschriebene Eintopf-Sonntag eingeführt, 1935 wollten die Schwestern ein neues Kloster in Ostpreußen gründen – diese Pläne wurden jedoch von der Regierung abgelehnt. Im Juli 1936 fassten die Nationalsozialisten den Beschluss, den Klostergarten an sich zu reißen und ihn für militärische Zwecke zu nutzen. Nach mehreren Bittprozessionen der Benediktinerinnen kam es zu einer Änderung des Plans: Die geplante Kaserne wurde in Duisdorf gebaut. Ab November 1939 bekam das Kloster von einem NSDAP-Mann weltanschaulich-ideologischen Unterricht. Im selben Jahr kamen Gerüchte auf, dass eine Beschlagnahmung des Klosters bevorstehen würde. Diese Beschlagnahmung fand schließlich am 20. April 1941 statt: Gegen 11 Uhr kamen sechs Gestapo-Leute und befahlen den Benediktinerinnen das Kloster in einer Stunde zu räumen.*5

Die Gebäude wurden zum Sammel- und Zwischenlager für Bonner Jüdinnen und Juden, die von hier aus in die KZ-Vernichtungslager deportiert wurden und die „unter erbärmlichen Zuständen von der Gestapo interniert wurden“. 474 Erwachsene und Jugendliche wurden im Endenicher Kloster zusammengepfercht, mussten in der nahe gelegenen Industrie arbeiten und wurden von dort in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur sieben von ihnen überlebten.*3

Auch Endenich
Ist noch vielleicht das Ende nich!
Was in den letzten Monaten gegen die Juden geschehen ist, erweckt begründete Angst, dass man uns einen für uns erträglichen Zustand nicht mehr erleben lassen wird.
*4

Diese Zeilen schrieb der Bonner Mathematiker Felix Hausdorff am 25. Januar 1942 an seinen Freund Hans Wollstein. Bei den zitierten Zeilen handelt es sich um einen Auszug aus dem Abschiedsbrief, welcher von Hausdorff verfasst wurde, kurz bevor er sich zusammen mit seiner Frau und ihrer Schwester das Leben nahm. Hausdorff und seine Angehörigen verstarben am 26. Januar, einen Tag nach dem Verfassen des Briefes. Der Grund für den Suizid war die Anordnung der Nationalsozialisten, dass jegliche jüdische Restbevölkerung, die bis dahin noch nicht vertrieben war, in das Endenicher Lager übersiedeln musste. Doch Endenich „ist noch vielleicht das Ende nich“ — und Hausdorff war sich bewusst, dass die Zwangsumsiedlung nach Endenich nichts Gutes bringen würde. In diesem Brief bat er Wollstein, einen jüdischen Bonner Rechtsanwalt darum, sich um die Bestattung von ihm und seiner Familie zu kümmern. Familie Hausdorff wünschte sich, mit Feuer bestattet zu werden — doch diesem Wunsch konnte Wollstein nie nachkommen, da er selbst festgenommen und deportiert wurde. Wollstein wurde in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager ermordet. Endenich war das Ende nich, da von dort aus die letzten jüdischen Menschen in Bonn die Deportation in die Vernichtungslager im Osten antraten. Der letzte Ort vor der Ermordung: Das Kloster Mariahilf der Benediktinerinnen der Ewigen Anbetung in Bonn-Endenich.*5

Die Internierten wurden vom Kloster aus in Konzentrationslager nach Theresienau, Lodz und Minsk deportiert und ermordet.

Ein kleines Mahnmal am Gebäude erinnert vor allem an die Kinder: Es sind kleine Steine mit ihren Namen und Geburtsdaten darauf. Da findet sich zum Beispiel Ruth Daniel, die seit ihrem sechsten Lebensjahr den Fremdenhass der Nazis zu spüren bekam und im Alter von 15 Jahren mit ihrer Familie nach einem Aufenthalt im Kloster Endenich in einem Wald bei Minsk ermordet wurde. Das gleiche Schicksal ereilte Egon Bucki, der nur 14 Jahre alt wurde. Und nicht zuletzt Ruth Herz aus Beuel, deren Briefe und Karten an ihren Onkel aus dem Kloster einen Eindruck von der leidvollen Zeit dort vermitteln, aber auch Hoffnung ausdrücken. Sie wurde 17 Jahre alt.*6

Exil

Ohne vorherige Ankündigung beschlagnahmten am 20. April 1941 sechs Gestapo-Männer das Kloster und verluden die 140 Benediktinerinnen auf Lastwagen, Mittel- und orientierungslos wurden sie auf einer Landstraße nahe der holländischen Grenze abgesetzt. Nach Irrwegen traten nach kurzem Aufenthalt in einem Kloster in Pempen die Schwestern Consolate und Perpetua in alten Zivilkleidern in Hüfingen bei der Familie ihres Bruders Gottfried ein. Umgehend dienstverpflichtet, mußten sie im Schnellverfahren einen Pflegekurs absolvieren und wurden im Beuroner Klosterhof, der damals als Lazarett diente, als Pflegekräfte eingesetzt. Dieser Einsatz, den beide „Hüfinger Schwestern“ gern übernahmen, war für sie nach ihrem bisherigen kontemplativen Leben ohne Kontakte zur Außenwelt und schon gar nicht zum männlichen Geschlecht, eine unwahrscheinliche Umstellung.*1

Maria Hilf

Am Ende des Krieges zog es die Ordensfrauen wieder zurück nach Bonn. Hier standen sie jedoch vor einem großen Trümmerhaufen an dem Platz, wo ihr Kloster gestanden hatte. Der Wiederaufbau zog sich über mehr als 15 Jahre hinweg. Seit den 50er-Jahren verrichteten die Benediktinerinnen Arbeiten wie die Altenpflege und die Hostienbäckerei, um Verdienstmöglichkeiten zu schaffen*3

Nach Änderung der strengen Bestimmungen durch das Zweite Vatikanische Konzil durfte Schwester Perpetua für ein paar Wochen in Hüfingen einen Erholungsurlaub verbringen, wo sie vieles verändert vorfand. Wenn auch körperlich gebrechlich, so verfolgte sie mit wachem Geist und heiteren Wesens alles was in der Heimat geschah. Der Ehrentag des diamantenen Profeß im Jahr 1990 bescherte Schwester Perpetua den Besuch von Angehörigen. Ihr Neffe, Pater Gerold Schafbuch, hat den Festgottesdienst in der Klosterkirche zelebriert.*1

1982 waren es nur noch 36 Schwestern, von denen viele selbst pflegebedürftig waren.*3

Zeitungsartikel vom 13. Juni 1990 zur diamantenen Profeß von Schwester Perpetua.

Bis 2000 sank die Zahl auf zehn Schwestern, deren Priorin noch im selben Jahr starb. Daraufhin wurde die Schließung des Klosters beschlossen. Der Besitz ging an das Erzbistum Köln über, das ein Jahr später die Einrichtung des Priesterseminars Redemptoris Mater entschied.*3


*1 Zeitungsartikel von Isolde Weidenbach vom 13. Juni 1990
*2 Stammbuch der Stadt Hüfingen
*3 Generalanzeiger 28.08.2019
*4 Abschiedsbrief Felix Hausdorffs: https://de.wikisource.org/wiki/Abschiedsbrief_Felix_Hausdorffs
*5 Bonner Leerstellen von Hera Shokohi: https://bonnerleerstellen.net/kloster-endenich-2/ Stand: 19.07.2024
*6 General-Anzeiger, Kloster in Endenich von Stefan Knopp, 24.10.2013

Tod der Singschwäne

Was die wenigsten wissen, bei Hüfingen gab es mal große Bestände an Zugvögeln, darunter sogar eine Kolonie Singschwäne die jeden Herbst und Winter bei uns auf der Riedbaar anzutreffen war.

Tod der Singschwäne

Auszüge aus dem Buch von Eva Zeller 1983

Da nach Artikel 17 des Grundgesetzes in der Bundesrepubik Deutschland jedermann das Recht hat, sich einzeln oder gemeinschaftlich mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an Regierung, Verwaltung oder Volksvertretung zu wenden, wandte sich ein namhafter Zoologe (Prof. Dr. Günther Reichelt), nunmehr in der Eigenschaft eines Petenten, im Namen einer von ihm ins Leben gerufenen Aktionsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz schriftlich mit bald aktenordnerfüllenden Petitionen und, als auch das nichts fruchtete, demonstrativ mit einer Unterschriftensammlung von sage und schreibe fünftausend Namen samt Adressen an das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt seines Bundeslandes mit der schon nicht mehr dringlich, vielmehr inständig, ja beschwörend zu nennenden Bitte, eine, wie es wörtlich hieß, planfestgestellte Trasse einer zu bauenden Straße um des Himmels willen nicht durch ein Ried zu leiten – welches auf beigefügtem Lageplan deutlich schwarz gestrichelt eingetragen war und das nicht nur neuerdings nach §16 des Landschaftsschutzgesetzes besonderem Schutz unterstehe, sondern auch nach Umfang und Artenbestand als national bedeutsames Feuchtgebiet einzustufen sei, weil nämlich hier, und zwar im direkten Bereich der geplanten Trasse, die Brutgebiete hochseltener Vögel wie des Großen Brachvogels, der Saatgans, des Zwergtauchers, der Löffel-, Reiher-und Pfeifente, vor allem aber die Traditionsplätze zur Überwinterung der weltweit vom Aussterben bedrohten und auf der Roten Liste als gefährdet geführten Singschwäne lägen, deren Erlöschen mit dem Bau der Straße als besiegelt angesehen werden könne, denn Ersatzgelände in unmittelbarer Nähe stehe nicht zur Verfügung, und selbst wenn es zur Verfügung stünde, was die Singschwäne betreffe, die seien nachweislich seit Jahrhunderten auf die rätselhafteste Weise auf diesen Platz fixiert, mit vorzüglicher Hochachtung . .

Reiherenten auf der Brigach.

beigefügt wurden der durch die genannte Unterschriftensammlung bekräftigten Petition nicht nur ein Gutachten des Max-Planck-Institutes für Verhaltensphysiologie sowie diverse Bescheide international anerkannter Ornithologen, sondern auch stattlich vergrößerte Farbfotos, auf welchen man im Hintergrund den Zwiebelkirchturm des Dorfes erkennt, in dessen Nähe das Feuchtgebiet liegt, und im Vordergrund die Schwäne sitzen sieht, sieben Schwäne im eisblauen Schnee mit ihren äugenden, gemalten Augen und gelbschwarzen Schnäbeln; andere Aufnahmen zeigen sie fliegend vor einer Wintersonne mit zwei Nebensonnen, das Flugbild jedes einzelnen Schwanes mythisch noch immer, unerwartet mythisch schon wieder, weil es, wenn es im Augenblick des Flügelabschlags festgehalten wurde, an einen Starfighter oder an einen noch waghalsiger hinzielenden ferngesteuerten Flugkörper erinnert;

Singschwäne auf dem Bodensee.

der Petition wurde ferner beigelegt ein von Verkehrsexperten minuziös ausgearbeiteter Umplanungsplan, will sagen ein Alternativvorschlag, welcher die Wunschtrasse der Singschwäneliebhaber in einer neuen, das auch auf diesem Plan schwarz schraffierte Ried umgehenden Linienführung. zeigt, und zwar so, daß weder verkehrstechnische Verschlechterungen noch Mehrkosten sich ergäben;

belehrt durch den Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, welcher die neugeplante Straße zwar für rechtlich unanfechtbar erklärte, andererseits aber den Verfechtern des in der Tat bedenkenswerten und wohlbegründeten Alternativvorschlags zu bedenken gab, daß ihre neue Straße sich viel zu weit der bebauten Ortsgrenze des Dorfes X näherte, so daß die Zumutbarkeitsgrenze der Lärmbelästigung bei weitem überschritten werden würde; kurz, ein Vergleich der festgestellten mit der Wunschtrasse ergebe aus der Sicht des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr aller Voraussicht nach erhebliche Konflikte mit Grundstückseignern; eine so umfassende nachträgliche Änderung der Planung würde zu hartnäckigstem Widerstand von Neubetroffenen führen, weswegen das Ministerium beantrage, daß der Petition nicht abgeholfen werden könne, zur gefälligen Kenntnisnahme aller Mitglieder des Petitionsausschusses Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz…

woraufhin die unbelehrbaren Petenten, penetrant wie sie waren, sich auf juristische Spitzfindigkeiten verlegten, etwa in Frage stellten, ob eine Ortsgrenze, die ein Zementwerk aufweise und ein Gelände, auf dem zu Schrottpaketen geschnittene Autos gestapelt seien, als bewohnt angesehen werden könne; ob die Gleichstellung des Planfeststellungsverfahrens Bundesstraße mit derjenigen einer Landstraße gesetzlich vertretbar sei und ob das zuständige Fachministerium für Straßenbau und das für den Natur- und Landschaftsschutz sich nicht erneut ins Benehmen setzen müßten, um alle Gesichtspunkte der Aktionsgemeinschaft prüfen zu können,

womit sich ein gutes Jahr gewinnen ließ, in dessen Herbst die Schwäne kamen, wie sie immer gekommen sind, und das, obgleich sie hier nichts zu suchen haben, denn eigentlich hätten sie, wie ihre Artgenossen es seit Schwanengedenken gehalten haben, weiter bis an den wirtlichen Bodensee fliegen sollen; es muß da aber einmal ein Schwanenpaar mit den jungen Schwänen durch einen Sturm oder ein Gewitter zur Notlandung gezwungen worden sein, und das just zu der Zeit, in der allein den Jungtieren starr und unauslöschlich eingeprägt wird, wo ihres Bleibens ist, wenn in den nordischen Brutgebieten die Seen zufrieren;

dank einer Mühle friert ein Stück der Donau nie zu; oberhalb des Wehrs staut, verbreitert und beruhigt sich der Fluß, hier dürften die Schwäne einen russischen oder finnischen See wiedererkannt haben; unterhalb des Wehrs ist das Wasser gut durchwirbelt, so daß es auch in den kältesten Wintern nicht zur Eisbildung kommen kann; so, sagen die Experten, könnte das erste Überwintern der ersten, aus der Luft geworfenen Schwäne sehr wohl geglückt sein, nachts auf dem Wasser, tagsüber im Schnee; die Erfahrung, hier überleben zu können, ließ die erwachsengewordene Schwänegeneration im nächsten Jahr auch nicht mehr weiter südlich fliegen, und in unbeirrbarer Übereinkunft auch die übernächste nicht; nichts in der Welt konnte und kann den Vögeln mehr weismachen, es gebe etliche Flugkilometer weiter ein viel wärmeres Winterquartier;

es konnte dann noch ein Jahr hingebracht werden mit Entkräftungen des Einwandes seitens des Ministeriums für den Natur- und Landschaftsschutz, die planfestgestellte Trasse habe die Belange des Naturschutzes hinlänglich berücksichtigt, mittlerweile werde sogar ernsthaft angezweifelt, ob das behauptete Feuchtgebiet überhaupt noch bestehe, die seltenen Tierarten nicht längst ausgestorben seien infolge welcher widrigen Umstände auch immer; die Farbfotos mit dem Kirchturm am Horizont könnten genausogut Montagen sein und besagten überhaupt nichts; aus diesem Grunde und weil es sich bei den Petenten um seriöse, bekannte und zum Teil durchaus sehr angesehene Einzelpersonen und Vereinigungen handele, werde man dem Petitionsausschuß als auch allen mit der Sache befaßten Regierungsvertretern einen Termin für einen Lokalaugenschein vorschlagen…

dazu mußte der Winter abgewartet werden; Treffpunkt der Mitglieder des Petitionsausschusses Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz und der Vertreter des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt, des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, insbesondere des Fachressorts für Straßenbau und des Fachressorts für den Natur- und Landschaftsschutz, als auch des Bürgermeisters und seines Stellvertreters aus dem dem Feuchtgebiet angrenzenden Dorf war eine Ausflugsterrasse vor einem Ausflugsrestaurant, an deren ummauertem Rand ein verschneites Fernrohr mit Münzeinwurf stand;

Riedbaar bei Neudingen.

wenn sich der Nebel schon gehoben hätte, hätte jeder, der dazu aufgelegt gewesen wäre, für zwei Groschen das Streitobjekt aus der Vogelperspektive in Augenschein nehmen können; den Donaubogen, der die von bereiften, nahegerückten Wäldern umstandene Hochebene im Drittelkreis anschneidet, vom Wind säuberlich aufgeräumte Felder, an jedem Widerstand zusammengefegter Schnee, weiß nachgezogene Ackerfurchen mit schönen Haarnadelkurven an den Rainen, die schrägen Dächer der Mühle zwischen einer Pappelzeile; von dem verschneiten Autofriedhof nur einen Kran, aber klar umrissen und unverrückbar das Zementwerk; neben den Rechtecken der Hochöfen und stumpfen Kegeln der Silos und hinter den noch höheren Schlacken-bergen bescheiden der von den Farbfotos her bekannte Zwiebelturm;

die einzige Dame der Besichtigungsgesellschaft, eine Abgeordnete des Fachministeriums für den Natur- und Landschaftsschutz, bestieg in weißen Pelzstiefeln die Zementstufe vor dem Fernrohr, steckte zwei Groschen in den Geldschlitz, drückte ein Auge zu, das andere an die Linse, bewegte das Fernrohr hin und her, tastete nach der Justierungsschraube, in der Hoffnung, das vergrößerte, nur scheinbar nähergerückte Bild der Landschaft trotz des Nebels erkennen zu können, trat kopfschüttelnd und über sich selber lachend zurück und sagte, sie habe aber ein Maiskolbengerippe zu Gesicht bekommen und einen Sperling, der sich daran zu schaffen gemacht habe, pfiffig wie ein Clown habe der ausgesehen mit schwarzen Flecken auf den weißen Backen;

nachdem im Restaurant Tische für das Mittagessen reserviert worden waren, näherte man sich in sechs Autos dem womöglich gar nicht mehr vorhandenen Nässegebiet; während der kurzen Talfahrt legte die Dame, die das Maiskolbengerippe und den Sperling so angelegentlich betrachtet hatte, auf ihrem Rücksitz den Kopf so weit in den Nacken, daß sie die tiefhängenden Wolken und die unter ihnen schwimmenden Baumkronen als Abziehbilder auf der schrägen Heckscheibe kleben und sich wieder ablösen und wegdrehen sah;

der Gründer der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz schlug vor, auf einem Waldparkplatz zu parken und die letzten paar hundert Meter zu Fuß zurückzulegen, mit diesem Ansinnen überschreite er hoffentlich nicht die Zumutbarkeitsgrenze der Herrschaften; leider sei es überaus fraglich, ob auch nur ein einziger der auf diesen Lebensraum angewiesenen Vögel sich blicken lassen würde; für das Erscheinen der Schwäne könne er seine Hand auch nicht ins Feuer legen, die säßen in ihren Schneegruben, gerne an Maulwurfshügel angelehnt, und besonders die Jungen mit ihren blaugrau gesprenkelten Federn tarnten sich bis zur Unsichtbarkeit, nur die Sonne könne sie hervorlocken; es sei voreilig gewesen, das Mittagessen um Punkt dreizehn Uhr bestellt zu haben; ob die Herren von der Regierung sich vorstellen könnten, wieviel Geduld die Belauschung der Tiere gekostet habe, bis endlich die Aufnahmen gemacht werden konnten; sollten die Schwäne nicht geruhen, sich jetzt zu präsentieren, würde wohl als bewiesen gelten, daß die Fotos nur von der Oper der Landeshauptstadt entliehene und auf künstlichen Schnee gesetzte Schwanenattrappen zeigten, die sonst Lohengrins Schiff über die Bühne zögen oder als Schicksalsjungfrauen Schwanengestalt angenommen hätten, um den Menschen wahrzusagen, wie das Los ihnen fallen werde; und das wäre dann der Beweis für die immerwährende Gültigkeit der Legende von der Verwandlungsfähigkeit der Schwäne; diese hier seien solcher fabelhaften Fähigkeiten allerdings verlustig gegangen, sie könnten sich in nichts verwandeln, falls man ihnen ihre Lebensbedingungen entzöge, und was hülfe es ihnen, wenn sie den ganzen Bodensee gewönnen, ihre mitgeborene Erfahrung hieße sie dort nicht niedergehen, sondern eben nur hier an ihrem Donauufer, wo sie schon im nächsten Jahr nicht mehr werden bleiben können wegen der Bagger und Planierraupen und Erdtransporter und Walzen; ihr letzter Flug müsse nicht ausgedacht werden,

mit solchen und ähnlichen Reden hielt der Petent sich dicht neben oder hinter dem Bürgermeister des Zwiebelturmdorfes; falls nämlich allen Petitionen und Aberpetitionen nicht abgeholfen werden würde – womit zu rechnen war -, wollte der Petent versuchen, ein Äckerchen im Übernachtungsgebiet der Schwäne käuflich zu erwerben; als Grundstückseigentümer sähe er sich dann in die Lage versetzt, gegen den Bau der planfestgestellten Straße Einspruch zu erheben, weil es sich um gar keine Bundes-, sondern um eine Landstraße handelte; als Naturschützer befand er sich in ungleich ohnmächtigerer Lage, denn Schwäne sind nun einmal keine Personen, deren Rechte man einklagen könnte,

man kam nur langsam voran in den stillen, atemgebenden Wäldern, die der frisch gefallene Schnee schier unbetretbar erscheinen ließ, das Weiße, Leichte, Bauschige drückte noch nichts nieder, ließ selbst den Grashalm in einer gefrorenen Pfütze geschmückter aussehen, als etwas so Unscheinbarem zukommt; gut so, vielleicht würde der von Schneestaub und Nebel durchrieselte Wald dem Petenten zur Seite stehen, vielleicht würde bald auch die Sonne noch mitspielen, zart besetzte Brombeerranken durchleuchten und aus den bereiften Federkronen des Schierlings wer weiß was für Kostbarkeiten machen,

eine kurze Wegstrecke hoffte der Petent, es könnte eine Unschuld des Auges sich wiederherstellen bei den Besichtigern, auf die er so sehr angewiesen sein würde, falls die Schwäne sich zeigen sollten; beim Heraustreten der Gesellschaft aus dem Wald fuhr höchst zweckdienlich und lautstark ein Schwarm Schnatterenten aus schneetrockenem Gebüsch, aber was half’s, wo keiner sich auskannte mit dem
Federvieh,

Singschwan auf dem Bodensee.

ein dem Gelände durch den Schnee noch angepaßterer Weg führte ohne Spur in die weiße Übernachtungsfläche der Schwäne und weiter in Richtung Donau, deren Verlauf eine von Pappeln gestrichelte Nebelbank ahnen ließ; der verengte Himmel und das durch den Dunst gefilterte Licht machten einen Innenraum aus dem Ried, die es in Augenschein zu nehmen hatten, stapften im Gänsemarsch – angeführt vom Bürgermeister – einer in die Fußstapfen des Vordermanns, ihr Atem kam stoßweise sichtbar aus ihren Mündern,

vereinzelte Bäume, Sträucher, Schober steckten im Schneenebel, jeder herausragende Stein hatte einen Schneedeckel oder konnte auch ein sich tarnender Singschwan sein oder seine Attrappe, welcher kommende Generationen in die gläsernen Augen sehen und sie anstelle eines lateinischen Wortes noch Singschwäne nennen können; bei der indirekten Beleuchtung waren die Spuren des Hungers auf der gefrorenen Schneedecke nur im nächsten Gesichtskreis zu erkennen; die Dame in den Pelzstiefeln scherte aus der Reihe und beugte sich alle paar Schritte über eine vergessene Schrift, die sie in ihrer Kindheit einmal hatte entziffern können: den Keil des hoppelnden Hasen, die Blüte des schnürenden Fuchses und ganz leicht eingeritzt das Geläuf vieler Vögel,

das Unternehmen Ried wäre nichts als ein winterlicher Betriebsausflug geblieben, hätte die Sonne nicht binnen weniger Minuten aufgeräumt mit dem Halblicht und allen Verschwommenheiten; diese Herabkunft des Lichtes wäre schon starstechend genug gewesen, um die Inspizienten zum Staunen zu bringen; sie sollten nun aber auch der Schwäne ansichtig werden, denn vier der Schneeverwehungen erwiesen sich als solche; bewegungslos, als hätten sie sich selber etwas angetan mit ihren schwarzen Schnabelspirzen, saßen sie wie sich’s gehört auf den gestrichelten Linien, und die Beugung ihrer Hälse war durch keine Bewegung zu überbieten; starren Auges sahen sie den in breiter Front langsam Näherrückenden entgegen, den Menschentieren, die sich durch barbarische Fertigkeiten ausweisen und immer schuldunfähig zur Tatzeit sind;

vor deren Augen machten die schweren Vögel ein paar torkelnde Schritte, streckten die Hälse, spannten die Flügel weit aus und trieben flatternd die Luft unter sich; ihre Schatten schwebten über den Schnee; den halboffenen Mündern derer nach zu schließen, die den Davonfliegenden nachsahen, muß einer der Schwäne den hohen, langhinhallenden Schrei ausgestoßen haben, der ihm den Namen gegeben hat und dessen er nur in Todesnot mächtig ist; selber Klage erhebend, flogen die Schwäne ruhigen Flügelschlags hinter dem Zwiebelturm davon, als schwane ihnen, daß der siebente Landtag des Deutschen Bundeslandes, in dessen Machtbereich ihre Überlebensflächen lagen, auf seiner vierundfünfzigsten Sitzung beschließen werde, daß besagter Petition der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz nicht abgeholfen werden könne,

weil die planerischen Zielvorstellungen des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt im Benehmen mit dem Fachministerium für Straßenbau dem todsicher zu erwartenden Kraftfahrzeugbedarf besser entgegenkomme, weil die Gradiente der festgestellten Straße den Geländeformen harmonischer folgen und weniger zusammengehörige landwirtschaftliche Nutzflächen durchschneiden werde als die Wunschstraße der Petenten, und schließlich weil das Leistungsvermögen der festgestellten Trasse infolge günstigerer Steigungsverhältnisse um rund fünfzehn Prozent höher sein werde…

Soll nach den Singschwänen auch ausgerottet werden: Der Komoran.

Seit 1984 gibt es keine Singschwäne mehr auf der Riedbaar

Hier in Südbaden werden wir seit sehr langem von Holzköpfen regiert, deren einzige Tradition es ist, auf Kosten der nächste Generation sich ihre Taschen zu füllen. Die Holzköpfe des 7. Landtages sind inzwischen wohl alle tot.
Was haben sie uns hinterlassen als betonierte Erde?
Ein Haufen neuer Holzköpfe!

Aber auch die werden ihr erbeutetes Geld nicht ins Grab mitnehmen können.

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