Eispalmen

Liebe Bürgerpostleser, 

heute war ich überrascht von diesen schönen Eisblumen auf unserem Auto. Jemand hat geschrieben, das sind doch eher Eispalmen, fürwahr, so könnte man das auch nennen. Laut Wikipedia ist eine Eisblume ein Eiskristall, dem wegen seiner Form Ähnlichkeit mit einer Pflanze respektive Blume zugesprochen wird. Es handelt sich um eine Sonderform von Raureif. Eisblumen entstehen typischerweise an Fenstern. Ich erinnere mich noch gut an die Kindheit, als man an Ihrer Größe die Kältesituation abschätzen konnte. Seltener ist der umgekehrte Fall: Streicht etwa Außenluft mit über Null Grad über vorher unter den Gefrierpunkt gekühlte Oberflächen, entstehen die Gebilde an der Außenseite.

Auf der Windschutzscheibe

Auf dem Auto

Genau diesen Fall sehen wir hier, über Nacht hat es geregnet und am Morgen – typisch für die Baar – ging die Temperatur bei klarem Himmel unter Null und es entstanden diese schönen Eispalmen. Auf der Frontscheibe sehen sie anders aus. Eisblumen sind ebene Kristalle des Wassers. Meist mischen sich sechseckige (blumenartige) Formen, die auf der hexagonalen Symmetrie beruhen (wie bei der Schneeflocke) mit dendritischen, baumähnlich verzweigtem Wachstum. Zum Schluß heißt es: „Die genauen Prozesse sind bis heute nicht konkret verstanden“. 

Ist das nicht sensationell?

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Wie Bruder Martin sein Hauswesen einrichtet,

und wie er die Tageszeiten eintheilt.

Christoph hatte sein Versprechen gemäß des anderen Tages, Haue, Schaufel und ein Beil mitgebracht, und die beiden Männer säumten keinen Augenblick, ihr Werk zu beginnen.

Zuerst wurde die Felskluft von dem üppig wuchernden Gestripp und Steingerölle gesäubert, bei welcher Arbeit viele Knochen großer und kleiner Tiere zum Vorschein kamen, woraus Bruder Martin schloß, dass die Höhle vor Zeiten, wenn nicht einem Drachen, doch wahrscheinlich Bären oder Wölfen zum Aufenthalte gedient haben müsse. Als die Kluft ausgeräumt und der Platz davor geebnet war, fällten die Männer im nahen Walde einige Stämme, um von deren Ästen und Zweigen eine Hütte mit Vordach in den Fels hineinzubauen. Nach diesem ging es an die Beschaffung der Tische und Bänke sowie auch einer Schlafstätte. Alles so einfach, wie es einem Waldbruder geziemt. Auf den Radtdes Köhlers wurde zuletzt noch ein starker Zaun von spitzigen Pfählen vor dem Eingang der Klause aufgeführt. Zur Vorsicht gegen wilde Tiere, denn die Wildnis des Schwarzwaldes beherbergten dazumal noch Wölfe, und auch Bären ließen sich hin und wieder in den Wäldern blicken.

Nachdem alles so weit hergerichtet war, dass ein Mensch zur Not daselbst wohnen konnte, entließ Martin seinen Freund unter vielen Dankesbezeugungen. Sie machten unter sich noch aus, dass sie auch ferner sich besuchen und stets nachbarsliche Freunde bleiben wollten.

Im Verlauf der Zeit war es dem Waldbruder Martin gelungen, ein Plätzlein an der nahen, steinigen Halde, wo sonst nur Heidekraut und einzelne verkrüppelte Tannen wuchsen, urbar zu machen und zum Gärtlein herzurichten. Hier wollte er den Sommer über Gemüse und einige taugliche Fruchtgattungen pflanzen. So sehr aber der emsige Mann auch mit Sorgen und Mühen für das Leibes Notdurft beschäftigt war, so vergaß er darüber doch niemals das Wesentlichere, nämlich seine Seele zu Gott zu erheben und in frommen Betrachtungen den unsterblichen Geist zu einem schöneren, ewig dauernden Leben vorzubereiten. Bei ihm wurde der Kernspruch unserer Vorälteren zur Wahrheit:

Das Herz bei Gott, die Hand bei der Arbeit.

Früh, wenn kaum der junge Tag im Osten graute, und das leuchtende Tagesgestirn noch hinter den dunkleren Wäldern verborgen lag, öffnete der fromme Bruder die Tür seiner Zelle, um Gott zu danken für den gesund erlebten Tag und seine Nacht und Güte zu preisen im Angesicht der großen, herrlichen Schöpfung.

Allmächtiger Vater, betete er dann, Du Morgenstern der ewigen Liebe, der Du die finstere Nacht verscheuchest und den Tag erleuchtest; – die ganze Natur verkündet Deine Macht und Größe, Dich verkündet das Morgenrot und der Strahl des kommenden Lichtes, der blinkende Tau und die farbigen Blumen; Dich preiset das laute Rauschen des Waldes sowie das Plätschern der Quelle; Dich lobet die Lerche in heiterer Luft und das Geschrei der Raben im hohen Bergwalde. – Herr aller Gewalten des Himmels und der Erde, Dir sei Lob und Dank, dass Du mich in dieser Nacht durch deine große Barmherzigkeit und Milde behütet hast. Verleihe, dass auch ich den heutigen Tage verlebe mit aller Liebe, Ausdauer und Geduld, in nützlicher Arbeit sowie in Gehorsam Deiner göttlichen Gebote. Behüte mich vor allem Übel des Leibes und der Seele durch deinen Sohn Jesum Christum, der gekommen ist, die Welt zu erlösen. Amen.

Nach dem Gebete schritt er zum quellenden Brünnlein, Gesicht und Hände zu waschen, dann erst begann sein Tageswerk.

Der Platz an der Felsenwohnung hatte nach und nach ein freundliches Ansehen gewonnen. Es war dem Bruder gelungen, im nahen Walde einige Kirsch- und Birnbäume zu bekommen, welche er vor den Eingang seiner Hütte pflanzte. – In einer Ecke des Gärtleins ward eine kleine Baumschule angelegt, um aus Kernen bessere Obstgattungen, welche Martin aus dem Rheintal mitgebracht, Bäumchen zu erziehen, und jene Wildstämme durch Pfropfen zu veredeln.

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Auch mit der Bienenzucht beschäftigte sich der tätige Altvater. Als er einst im Walde nach Wurzeln und Kräutern suchte, fand er an dürren Ästen einer Eiche einen Schwarm junger Bienen angehängt. Eiligst verfertigte er einen Korb aus Binsen und Waldgras, zog die Kapuze seines härenen Gewandes über den Kopf, um sich vor dem Stiche der Tiere zu sichern, und näherte sich vorsichtig, – schüttelte und der ganze Klumpen aneinander hängender Bienen fiel glücklich in den Korb, welchen er auf ein Stück Baumrinde stellte, um den noch außerhalb Umherschwärmenden Zeit zu lassen, sich ebenfalls in der neuen Wohnung ein Plätzlein zu suchen. – Nachdem Alles in Ordnung war, trug der erfreute Bruder die ganze Bescherung nach Hause, wo er den Korb in einem sonnigen, windstillen Winkel an der Felswand aufstellte.

Schon des anderen Tages flogen die fleißigen Tierlein aus, um auf dem blumigen Wiesen im Tale Wachs und Honig zu sammeln. Und das ganze Jahr darauf vermehrte sich der Schwarm, so dass der Bruder neue Körbe flechten, und ein eigenes Häuslein zu ihrer Unterkunft bauen mußte.

Der gegenseitige Verabredung gemäß kam Christoph, der Köhler, oft zu dem Waldbruder, um aus dem Munde des erleuchteten Mannes Worte der Belehrung und Weisheit zu hören. Der fromme Martin besaß nämlich die Gabe, sein schlichtes Wissen, sein starker Glaube und sein Gottvertrauen überzeugend auch auf andere überzutragen. Sein Geist sah in der Tiefe und erkannte die Quelle gar mancherlei Übel, so wie die Schwächen des menschlichen Herzens. Der Ruf seiner Heiligkeit und Weisheit hatte sich bald weit umher verbreitet. Leute von nah und fern kamen herbei, und allen war er Freund, Lehrer und Ratgeber.

Christoph, welcher dem frommen Vater sich gerne dankbar erweisen wollte, brachte ihm eines Tages eine Ziege mit ihren Jungen, welch‘ nützliche Haustiere mit ihrer Milch dem Waldbruder sehr wohl zu statten kamen, zumal der lange Winter die kargen Vorräte, welche die rauhe Gegend bot, oft nur all‘ zu früh zu Ende gehen ließ. Aus diesem Grunde hatte Martin auch ein Stücklein Feld neben dem Gärtlein aufgebrochen und mit etwas Hafer und Wintergerste angeblümt; ein Unternehmen, welches so gut einschlug, dass der Pflanzer von dem Ertrag der kleinen Ernte seinem Freund Christoph und anderen Waldbewohnern die Mittel zu ähnlichen Versuchen darreichen konnte. – Müßiggang war überhaupt dem tätigen Manne fremd; selbst wenn er an den öden Halden seine Ziegen hütete, mußte sein Geist oder die Hand Beschäftigung haben: Entweder vertiefte er sich im Lesen der heiligen Schriften, oder er fertigte mit geschickter Hand aus Binsenweiden oder Stroh künstliche Geflechte, welche zu Decken, Hüten oder Körben verarbeitet wurden.

Wenn dann unter solcherlei Tätigkeit das Ende des Tages heran genaht und die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, so beschloß er mit frommen Dankgebeten sein Tagwerk.

Allmächtiger! betete er, öffne meinen Mund Dich zu benedeien und zu loben Deinen heiligen Namen. Durch dich leuchtet der Mond und der liebliche Abendstern. Dein Hauch bewegt die ziehenden Wolken und die rieselnden Nebel, welche das tiefe Tal bedecken. Unter Deinem Schutze ruhe das Fischlein im Bache und das Wild in den Wäldern. Allen Geschöpfen schenkst Du Ruhe und Frieden. Aber dem Menschen allein gabst Du Vernunft und ein fühlendes Herz, damit er Dir Danke und Lob singe. Beschirmen mich, o Vater, diese Nacht, und befehle mich Deinen Engeln, damit ich ruhen möge unter dem Schatten ihrer Flügel, in Deinem Namen, o Herr, will ich schlafen, damit ich glücklich den Tag erlebe und Dir diene in diesem wie dereinst im ewigen Leben. Amen.

Die einbrechende Nacht stand unserem Waldbruder regelmäßig schon auf seinem Lager, wo bald ein erquicklicher Schlummer seine Augen schloß. Und ob Sturm und Gewitter auch seine Hütte schlugen oder in nächtlicher Stille Wölfe die Wohnung umheulten, – ihn schreckte nichts, denn ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen, und wer Gott vertraut, hat wohl gebaut.

Gott, der die Welten schuf und träg,
Der in sich selbst bleibt unbewegt,
Der Du des Lichtes Lauf beschränkst
Ser Tageszeiten Wechsel lenkst.

Schenk‘ uns am Abend, Herr, dein Licht!
Des Lebensgluth entzieh‘ uns nicht!
Führ‘ uns in sel’gem Tod erneut.
In deines Reiches Herrlichkeit!

Dies, Vater, gibt vom Gnadenthron,
Und Du, dem Vater gleicher Sohn,
Dem mit dem Geist, der Trost verleiht,
Sey Ehr‘ und Preis in Ewigkeit. Amen.

Fortsetzung hier

Übersicht hier:

Wie Bruder Martin Haus und Hof verlässt und sich als Einsiedler in den Schwarzwald begibt.

Mit einer Zeichnung von Lucian Reich.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch von 1853 mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren. Aus diesen Gründen ist der Text ein Gemisch aus alter und neuer Schreibweise.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript und ein paar Bildern vom Hieronymus.

Vor mehr als 300 Jahren lebte am Hofe eines mächtigen Herzogs, der in einer großen Stadt im Rheintal wohnte, ein Mann namens Martin. Seine Jugend hatte er meist im Kriege und auf den Heereszügen seines Herrn, des Herzogs, zugebracht. Ergraut in den Wechselfällen einer bewegten Zeit, hatte er manche Erfahrung und Lebensweisheit gesammelt. Es war ihm klar geworden, dass der Mensch sein Glück nicht allzu sehr in äußerlichen Dingen suchen dürfe, und dass nur der innere Friede und das Bewusstsein redlich erfüllter Pflichten die Seele wahrhaft glücklich mache. Er hatte gefunden, dass die Ruhe des Gemütes uns gar oft geraubt werde im Geräusche der Welt, und ihrem Haschen und Jagen nach eitlen, vergänglichen Dingen.

Längst war daher in ihm der Wunsch entstanden, den Rest seiner Tage in stiller Zurückgezogenheit, fern von dem Getriebe der großen Stadt zu beschließen. – Er verabschiedete sich von seinem Herrn, schenkte all sein Hab und Gut den Armen, und ergriff, mit Wenigem ausgerüstet, den Wanderstab.

Der Pilgrim wendete sich östlich gegen das hohe waldige Gebirge, welches man den Schwarzwald nennt.

Mehrere Tage war er schon gewandert und hatte bereits die finstere Schlucht des Höllentales durchschritten, als er auf eine Höhe kam, wo er, rückwärts blickend zum letzten Mal das Rheintal sah und dem silberglänzenden Strom, und der fernen im bläulichen Dufte verschwindenden Stadt, für immer Lebewohl zuwinkte.

Der rauhe, hochgelegene Schwarzwald war aber dazumal noch nicht so bewohnt und wegsam wie heut zu Tage. In den fast ununterbrochenen Tannenwäldern hausten nur hin und wieder einzelne Jäger, Holzmacher oder Kohlenbrenner, die im Dienste irgend eines Ritters oder Klosters ihre Geschäfte betrieben.


In den Tälern, wo rinnende Quellen und Bächlein üppige Matten bewässerten, lag da und dort ein Einödhof, um welchen zahlreiche Viehherden weideten, die den Hauptreichtum des Waldbauern ausmachten.

So schlicht und einfach die Menschen waren, die der Wanderer hier traf, so gastlich und herzlich war die Aufnahme, wenn er in den Hütten einsprach, um eine Erfrischung oder Herberge zu erbitten.


Einst, nach längerem Marsch, war er in ein düsteres Tal gekommen, wo im steinigen Bette ein wilder Waldbach rauschte. Die Sonne war längst hinunter, und Finsternis bedeckte die wenig begangenen Pfade. Schon hatte der Pilgrim alle Hoffnung aufgegeben, in dieser Wildnis ein beschützendes Dach zur Nachtherberge zu finden, als er unverhofft in einiger Entfernung Licht erblickte. Näher gekommen sah er ein hohes, mit Mauern umschlossenes Gebäude vor sich, welches auf einem Hügel über dem Bache lag. Es war ein Kloster. – Die hohen Fenster der Kapelle waren hell erleuchtet; die frommen Brüder hielten Gottesdienst, weil der morgige Tag ein Festtag war. – Eben rückte die glänzende Scheibe des Vollmondes über das dunkle Gebirge empor, – da ertönte von innen die Orgel und mit ihr die feierlichen Choräle. – Andächtig faltete der Pilgrim die Hände, und sein Herz hob sich mit den geheiligten Tönen des Liedes.


Als der Gesang verstummt und der Gottesdienst zu Ende war, klopfte der Fremdling an das Tor und bat den öffnenden Pförtner um Einlass und Nachtherberge, was beides ihm bereitwillig gewährt wurde. Die frommen Mönche nahmen den Pilgrim freundlich auf und fragten ihn, wo er hinzureisen gedenke. Nachdem er ihnen gesagt hatte, dass er gesinnt sei, in einer Einöde sein Leben als Waldbruder zu beschließen, machten sie ihm den Vorschlag, bei ihnen in dem Kloster zu verbleiben, was er jedoch, getreu seinem Gelübde, abzulehnen zu müssen glaubte.

Nur die Feiertage wollte er in den geheiligten Mauern zubringen, und dann wiederum weiterziehen.

Der Abt des Klosters, als er gesehen, dass der Gast durchaus nicht zum Bleiben zu bewegen sei, gab ihm die Erlaubnis, in den umliegenden Wildnissen, welche zum Kloster gehörten, sich niederzulassen wo und wie er für gut befinden würde. – Dankend und voll Vertrauen auf die göttliche Vorsicht, welche seine Schritte hierher gelenkt, schied der Pilgrim.

Nach zweitägiger, mühsamer Wanderung gelangte er an eine Stelle des Waldes, wo nebst einem rauchenden Meiler ein Kohlbrenner saß, welcher, sobald er den Fremdling gewahrte, aufstund, um ihm ehrerbietig zu begrüßen.


Der Angekommene ließ sich mit dem Manne in ein Gespräch ein und erfuhr von ihm, dass er ein Dienstmann des Klosters sei und seit frühester Jugend hier in diesem Walde die Kohlenbrennerei betreibe. Dass er Christoph heiße, Weib und Kinder habe und im benachbarten Tal ein Häuslein bewohne.

Martin, der noch mancherlei gefragt hatte, freute sich der verständigen Sinnesart dieses Mannes und teilte ihm sein Vorhaben mit, in dieser Gegend einsiedlerisch sich niederzulassen. Der Köhler that ihm hierauf zu wissen, dass hier in der Nähe eine geräumige Felsenhöhle sei, wo in der Vorzeit, wie er von seinem Großvater gehört, ein gräulicher Drache gehaust habe; daneben sei ein Brünnlein, welches im heißesten Sommer niemals versiegen und im Winter nicht zu friere, so wie eine sommerlich gelegene Halde, welche sich sehr gut zum Anbau eigne.

Der gute Martin erachtete diese Kunde für einen Fingerzeig Gottes und beschloß, den Platz einzusehen und sich daselbst niederzulassen. Der Köhler erbot sich zu bereitwilliger Mithilfe und lud, weil es schon Abend war, den Pilgrim ein, bei ihm in der Köhlerhütte zu übernachten und ein kleines Mahl daselbst einzunehmen; ein Vorschlag, den der müde Wanderer dankend und mit Freude annahm.

Am anderen Tag, früh morgens, geleitete Christoph seinen Gast zu der bezeichneten Höhle. Nach längerer Wanderung waren sie an einen Ort gekommen, wo eine wildbewachsene jähe Halde in ein tiefes Tal sich senkte. Oben in dem zackigen Gestein eines Granitfelsens fand sich eine leicht zugängliche Grotte, überragt von einer mächtigen Eiche, daneben das Brünnlein, welches ein terrassenförmiges, sonniges Wiesenplätzlein vergrünend bewässerte.

Die ganze Lage hat etwas Einladendes, heimliches; die aufgehende Sonne bestrahlte eben golden die Baumwipfel, in welchen vielstimmig der Vöglein Morgenlied erschallte.

Martin gerührt, und voll Dank gegen Gottes gütige Führung und Vorsorge, fiel auf die Knie, und drückte in den Worten des Psalms seine Empfindungen aus:

„Heil dem, sprach er, der in des Höchsten Schutze, * Im Schatten seiner Allmacht wandelt.
Er kann so sich mit Wahrheit sprechen: * Ich darf auf Gottes Hilfe bauen.
Flieh‘ ich zu Ihm in Angst und Nöten: *Ist Er mir eine Burg auf Felsen.
Mich werden seine Flügel bedecken. * Sein starker Arm wird mich beschützen.

Ein Schirm und Schild ist seine Treue. * Ich darf beim Grau’n der Nacht nicht zittern.
Beim Tage darf ich furchtlos wandeln. * Wenn Seuchen meinem Leben drohen.
Kein Unfall naht sich meiner Hütte, * Wenn ich den Ewigen vertraue.
Er hat den Engeln anbefohlen, * Auf allen Wegen mich zu tragen.
Und wenn ich seinen Namen ehre, * Nach seinem Reich vor Allem trachte:
So wird er mein Gebet erhören, * Aus jeder Lebensnoth mich retten;
Nach seiner Huld mich täglich speisen, * Gesunde Tage mir verleihen.
Er wird, bin ich des Pilgerns müde, * Das Heil der Ewigkeit mir zeigen.
Dem Vater und dem Sohne sei Ehre, * Und gleicher Ruhm dem heiligen Geiste.
So wie im Anbeginn der Zeiten, * So nun auch jetzt und dereinst ewig. Amen.

Nachdem der Pilgrim seinen Lobgesang geendet und sich wieder erhoben hatte, wurde verabredet, dass morgen schon die Vorbereitungen zur neuen Ansiedelung getroffen werden sollten. Christoph machte sich anheischig, das nötige Handwerksgeschirr herbeizuschaffen und einige Tage selbst mit Hand anzulegen.

Somit verließen die beiden Männer den Ort, um morgen mit Gottes Hilfe frisch ans Werk zu gehen.

Fortsetzung hier

Übersicht hier:

Bruder Martin



Ein Hausbüchlein für die Jugend,
von
Lucian Reich.

Mit Bildern von Heinrich Frank, Lucian Reich und Anderen,
nebst einer Musikbeilage von J. W. Kalliwoda.

Mit der Feder auf Stein gezeichnet
von J. Nep. Heinemann

Hüfingen, Steindruckerei von J. Nep. Heinemann.

1853

S´ Weggetaler Kripple

17. Dezember 2020

Die Weihnachtsgeschichte in schwäbischer Mundart, geschrieben von Sebastian Blau

Zum Autor:
Sebastian Blau – unter diesem Pseudonym hat Josef Eberle (1901–1986) ab 1928 seine schwäbischen Texte veröffentlicht.
Er wurde in Rottenburg geboren, war Buchhändler in Tübingen und Berlin, dann Journalist und Schriftsteller, von 1927 bis 1933 Leiter der Vortragsabteilung des Süddeutschen Rundfunks. 1936 wurde er mit Schreibverbot belegt. Von 1945 bis 1971 war Eberle Mitherausgeber der »Stuttgarter Zeitung«. Neben vielen anderen Ehrungen wurde ihm der Ehrendoktor, der Titel eines Professors und – von der Universität Tübingen – eines »poeta laureatus« verliehen. (Quelle: Verlag / vlb)

Prof. Josef Eberle, alias Sebastian Blau, STZ-Herausgeber und Verleger.

„s‘ Weggetaler Kripple“ ist das klassische schwäbische Weihnachtsgedicht. Alle Jahre wieder herrscht zwischen Weihnachten und Lichtmeß in der Wallfahrtskirche im Weggental bei Rottenburg Gedränge, wenn die mächtige Weihnachtskrippe ausgestellt ist, die Leopold Lazaro geschnitzt hat.
Von ihr hat sich Sebastian Blau, „der Meister aller Mundartdichter“ (so sein Dichterkollege Fritz Holder), anregen lassen zu seiner gedichteten schwäbischen Weihnachtsgeschichte.
„s‘ Weggetaler Kripple“, so Fritz Holder weiter, „hat immer zweifache Wirkung: die einen rührt es zu Tränen, den anderen macht es das Herz heiter.“

So hatte auch ich die ehrenvolle Aufgabe in den Jahren 1980 bis 1987 das Gedicht alljährlich bei unserer Weihnachtsfeier in meiner damaligen Bundeswehreinheit in Ellwangen/Jagst vortragen zu dürfen.

Ich möchte Ihnen, geneigte Leser des Hieronymus, dieses Kleinod schwäbischer Dichtung nicht vorenthalten und habe deshalb das Gedicht im unten angehängten Podcast aufgenommen.
Vielleicht finden Sie ja, zusammen mit Ihrer Familie, gerade am diesjährigen, doch etwas besonderen Weihnachten, die Zeit, sich das Gedicht anzuhören.
Da es der schwäbische Dialekt ist, wie er in der Rottenburger Gegend gesprochen wird, dürfte es auch nicht zu schwer sein, es zu verstehen.

Podcast: S´Weggetaler Kripple, vorgetragen von Andreas Hofmann

Außerdem ist die Wallfahrtskirche Weggental, gerade in der Vorweihnachtszeit mit der aufgebauten großen Krippe immer einen Ausflug wert.

S Weggetaler Kripple (Quelle: Netzfund)

Der Schokoladenzwerg

S‘ Schokoladezwergli

E Mährli vum Heiner Graf us Iisebach.
Übersetzung vu de Buechsproch is Booremerisch und is Züritüütsche.

Bilder und Idee: Heinrich Graf.
Texte: Ramona Graf, Roswitha Stemmer-Beer, Martin Graf, Hubert Mauz, Maria Simon, Barbara Rohrer und Hans Peter Rohrer.

Veröffentlicht am 26.02.2023.

Hochdeutsch: Heinrich Graf

Booremerisch: Maria Simon und Hubert Mauz

Zürichdeutsch von Barbara und Hans Peter Rohrer 

Zwuggl ist ein kleiner Zwerg. Er ist nicht sonderlich stark, dafür aber schlau und gewitzt. Zwuggl ist besonders, denn er liebt nicht die Beeren aus dem Wald, wie alle anderen Zwerge, sondern er liebt den Schokoladenpudding. Er ist so süß und schokoladig  und lecker und vergeht so zart auf der Zunge. Um Schokoladenpudding zu bekommen würde Zwuggl so einiges machen. 

De Zwuggel isch en kleine Zwerg. Bärestark sich e nit, aber selli gschied und schlau. Und waa isch er sunscht no? Er isch ganz verruckt uff Schokeladpudding. Siessi Waaldbeeri, die jeder mag, nei die mag er nit. Und sunneriefi Himbele, au die mag er nit. Aaber Schokeladpudding! Hmmm, well der so agnehm uff de Zunge vergoht. Dodefür stell de Zwuggel scho manchi Stroech aa.

De klei Zwerg Zwuggel isst fers Lebe gearn Schokeladpudding. Zwergli sind friendli , wered aber bees, wenn sie Gier und Fuetterneid spüret.

De Zwuggel isch en chline Zwärg. Er isch nöd bsunders starch aber defür schlau und pfiffig. Er isch öpper Bsunders, will er nöd wie alli andere Zwärgli am liebschte Waldbeeri hät, nei er hät am allerliebschte Schoggipudding. Dä isch nämli so süss und schoggig- zart und fein und vergaht grad uf de Zunge. Für Schoggipuddig miech de Zwuggel allerhand.

D’Gschicht vom chline Zwärg wo so gärn Schoggipuddig isst.

De Zwuggel isch en chline Zwärg. Er isch nöd bsunders starch aber defür schlau und pfiffig. Er isch öpper Bsunders, will er nöd wie alli andere Zwärgli am liebschte Waldbeeri hät, nei er hät am allerliebschte Schoggipudding. Dä isch nämli so süss und schoggig- zart und fein und vergaht grad uf de Zunge. Für Schoggipuddig miech de Zwuggel allerhand.

Jeden Tag geht er vom Rappenloch, wo er mit seiner Familie in einer kleinen Hütte aus Holz wohnt in das Bergwerk nach Eisenbach. In Eisenbach gibt es viele Zwerge, die nach Gold suchen, doch für gewöhnlich finden sie nur Eisen, ein Metall das nicht so wertvoll ist. Eines Tages doch hat Zwuggl schon morgens beim Aufstehen das Gefühl, dass etwas Großes passieren würde. Er nimmt seinen Rucksack, packt sein Vesper aus einem Brötchen und zwei Würsten und einen Pickel wie jeden Morgen ein. Er geht über die Felder am kleinen Bächlein vorbei und betritt das dunkle Bergwerk. Sein kleines Lämpchen hat er immer dabei und das hilft ihm in der Dunkelheit zu sehen. Immer tiefer geht er in den Stollen hinein und pickelt mit seinem kleinen Pickel auf den Stein. Da plötzlich leuchtet etwas. Er hat zuvor noch niemals Gold gesehen, doch das musste wohl ein Goldklumpen sein, so golden wie er leuchtet. Er pickelt vorsichtig weiter und es kullert nicht nur ein Goldklumpen aus der Steinwand sogar noch einer und noch einer und noch einer – so viele bis er letztendlich fünf  Goldklumpen in seinen kleinen schmuddeligen Händen hält. Zwuggl kann seinen Augen kaum trauen und beginnt zu träumen. Wie viel Schokoladenpudding er dafür bekommen könnte – so viel, dass er die vielen Gläschen gar nicht tragen könnte und sich Jahre lang den Bauch vollschlagen könnte mit Schokoladenpudding. 

Jede Tag lauft er vum Rappeloch z Iisebach is Bergwerk is Untertal. Im Rappeloch wohnet Zwergli. Vill Zwergli, ganze Zwergesippene. Au de Zwuggel wohnt dä innere kleine Holzhitte. Fascht alli schaffet im Bergwerk und suechet und buddlet dä noch Iiseerz.

Aber eigetli, pass uff, nit wietersage, suechet sie noch Gold. Dem glitzige Wundermetall , dem saghafte Gold. 

A me scheene Morge hoppet de Zwuggel heiter us de Bettstatt. Er isch sich ganz secher, dass hit ebbis Gwaltigs passiere werd. Er packt sie Rucksäckli und packt en Ortmogge , zwoe Würscht ii und oberdruff, natierli de Bergmanne Pickel. Er hoppet über d Felder und Wiese, vorbei am kleine, luschtige Iiisebächli, wo blätscheret is rappeschwarz Bergwerk a de Badmilli. Sii kloeni Karbit-Funzle liichtet enu a glei weng im Fiischtere. Er goht a d Arbet und schleglet, haut und klopfet mit sinere Spitzhaue uff die bockelherte Stoeschichte.
Do, uff s mol, glitzeret und funklet ebbis. Jegesmaraie, wie des funklet und blitzt. Waa isch denn dees? Saacht scharret er wieter. Und zmols kaiht en granate Goldbolle vor ihm uff sinni winzige Zwergefiess aabi. Grad woner sich denoch bucke hät welle, kaiht no on , und no on, und no on vu dere Stoewand obe aabi. Zmols hät er fief prächtige Goldbolle i de kleine Händli. De Zwuggel khaa`s kum glaube. Doch wan er sich vu dem riiche Goldsege kaufe will, des woess er gnau. Er macht d Äugle zue und sieht sich in ere kloene Speis vu kleine, große, nei vu gwaltige Gläser voll mit Schokeladpudding umgebe.

De Zwuggel hät en ständige Kamerad, d Muus Minna. Die goht mit ihm is Bergwerk und pfiefft ihm villmol e Liedli vor, S Zwuggeli versirgt sie defür mit sim Vesper. Siteher ruckt sie nimme vu sinere Siite.

Er wohnt mit sinere Familie in ere  Holzhütte im Rappeloch und gaht jede Tag is Bergwerk uf Eisenbach. Det sueched vill Zwergli nach Gold, aber meischtens findets nur Ise, aber das isch es Metall wo nöd bsunders vill Wert hät. Da, ame schöne Tag, hät de Zwuggel scho bim Ufsto s Gfühl, hüt passieri öppis Grosses. Wie a jedem Morge, packt er es Brötli und zwei Würscht als Znüni i sin Rucksack und zoberscht druf ue sin Pickel. Er lauft über d’Fälder ame chline Bächli verbi und dänn gaht er is dunkel Bergwerk ie. Er hät immer e chlises Lämpli debii, dass er im Tunkle öppis gseht. Er gaht immer tüfer in Stolle ie und picklet mit sim chline Pickel uf d’Felse. Plötzlich lüchtet öppis. Er hät zwar no nie Gold g’seh, aber so wie das lüchtet isch das sicher en Goldchlumpe. Vorsichtig picklet er wiiter und scho chugled nüd nu ein Goldchlumpe us de Felswand, nei no eine und no eine und no eine, im Ganze hät er föif Goldchlümpe i sine chline schmuddelige Händli. De Zwuggel cha fascht nöd glaube was er gseht und er fangt aa träume. Wie vill Schoggipudding gäbti das ächt? – So vill dass er all die Töpfli  gar nöd mögti träge und er chönti jahrelang Schoggipudding ässe bis gnueg.


Er kann sich kaum halten und mit kleinen schnellen Schritten springt er glücklich und vorfreudig  tips taps tips taps zu dem nächsten Ort an dem es Schokoladenpudding gibt. Das ist bei dem Mann der das Brot, die Brötchen und den Schokoladenpudding macht – dem Bäcker Fieser. Dort angekommen streckt er dem Bäcker freudestrahlend einen Goldklumpen entgegen und verlangt so viel Schokoladenpudding wie er tragen kann. Doch der Bäcker sagt: Zwuggl das ist ein Stein, der ist nicht viel Wert. Dafür bekommst du drei Gläser Schokoladenpudding und keines mehr. Da wusste der kleine Zwuggl dass der Bäcker Fieser ihn übers Ohr haut. Es fällt ihm wie Blätter von den Augen – der Bäcker Fieser heißt doch so weil er ein ganz fieser ist. Er gibt die kleinsten Brötchen für das größte Geld und er nutzt jede Gelegenheit um die Bewohner im Dorf zu betrügen und sich zu bereichern.

De Zwuggel isch vor luuter Freid nimme zum Hebbe. Es hoppet und rennt mit sinne kleine Fiessli ganz uffgweckt und verruckt is Nochberort zum Beck Vieser. Voller Freid streckt er im Beck en Goldklumpe vergegge: „Ich het gern so vill Schokeladpudding wie ich trage khaa“ und de Zwuggel zoeget ihm de Stoa, woner im Händle hebt.De Beck Vieser word ganz wunderfitzig; „ Zwuggel, wa häsch du do? Aah, nuu en wertlose Stoe us Iise. Dodefür gib ich dir drei Gläser mit Schokeladpudding, koe onzigs meh“, sait de Beck. Ums ummigucke nimmt er im Zwuggel den Goldklumpe us de Fingerli und lot ihn im Schoopesack verschwinde. De Zwuggel fuxt des, wie de Beck Vieser ihn über`s Ohr haue will. Wo denno de hinterlistig Beck in Kähr schlurpft isch, um im Zwuggel e paar aalti, verstaubeti, abgstandini Gläser mit Pudding z hole, hät sich de Zwuggel, taps, taps, taps, zu dene Gschtelaasch sgschliche, uff dene all de guet Schokeladpudding stoht. „ Nei, Nei, verseckle lan ich mich nit“, dismet s Zwergli vor sich änni. Und klick, klack , klick , klack verschoppet er wuselig alle Gläser i sim Rucksack.

De Beck Vieser verscherblet für vill Penunze die miggrigschte Brötle. Er loot koe Glegeheit uus, d Liit über de Tisch zum ziehe. Sau Riich will er were, und dodezue sind ihm alle holose, miese Schereschliefereie grad reacht.

Er vergitzlet fascht vor Vorfreud und rännt mit chline schnälle Schrittli tips taps, tips taps glücklich bis is nächscht Dorf wo‘s Schoggipudding git. Det hät de Beck Fieser sin Lade und macht  det Brot, Weggli und ebe Schoggipuddig. Voll Freud streckt er am Beck en Goldchlumpe ane und seit er well so vill Schoggipudding wie n‘ er mög träge. Aber de Beck seit: Zwuggel, das isch nu en Schtei und nöd vill wert. Für de gits numme drü Töpfli Schoggipudding und kei einzigs dezue. Do hät de Zwuggel gmerkt, dass de Beck Fieser ihn wott bschisse, natürli, klar, dä heisst doch Fieser will er en Fiesling isch. Bi däm gits munzig chlini Brötli für vill Gält und er probiert all Lüt z’bschisse zum sälber gschnäll riich z‘werde. Aber de Zwuggel hät scho en Plan: wo de Beck in undere Stock abe gaht zum drü uralti Töpfli mit Schoggipudding go hole, schliicht de Zwuggel tips taps, tips taps zum Gschtell ane wo de frisch Schoggipudding staht, de wo de Beck wott verchaufe. Mit eim Schwick laht de Zwuggel klicker klacker alli Töpfli mit Schoggipudding i sim Rucksack verschwinde.  


Doch der kleine Zwuggl hat schon einen Plan. Als der Bäcker nach unten geht, um dort nach drei besonders alten Schokopudding Gläsern für Zwuggl zu gucken schleicht der kleine Zwuggl tips taps tips taps zu den Regalen mit dem ganzen Schokopudding der zum Verkauf ausgestellt ist. Mit einem Schwung seines Arms lässt er klickeri klacker alle Gläschen mit Schokoladenpudding in seinem Rucksack verschwinden. Durch den krach schöpft der Bäcker Fieser Verdacht, dass Zwuggl was im Schildre führt. Was ist da oben los?

S Moritzle lebt im Lade vum Beck Vieser. De Moritz muuset am Brot und em Kueche uff de Uuslage vu de Bäckerei umenand. Überall hät de Vieser Muusfalle gstellt, nuu im Lade nit. Dä lebt sichs wie im Schlaraffeland.
Wo denno de Moritz d Minna, im Zwuggel sie Kamerädle, sieht, isch er sofort i d Minna verliebt, wie en junge, hoffährtige Gickel.

„Klick, klack, klick, klack…….des hert de Beck im Kähr unnä. Wa isch denn do los?, denkt, aber zmols däämeret ’s ihm. So schnell wie ihn die krumme Fiess traget hond kinne, rennt er d Stäge uffi und merkt, dass alli Gschtelasch mit em Schokeladpudding rubis und stubbis leergrummt worre sind. De Beck rennt uussi und johlet und joemmeret um Hilf. „Gandarme, Gandarme, kummet, helfet. S‘ ganz Ort und de Oberpolizei sind deher grennt kumme.

Da g’hört aber de Beck überunne s’Schäppere vo dene Töpfli. Was macht de Zwerg det obe? De Beck rännt d’Stäge uf und gseht, dass s’Gschtell mit de Töpfli scho rübis und stübis läär g’rumt isch und de Zwuggel scho mit em ganze Pudding uf und devo isch. De Beck rännt veruse und rüeft luut: Polizei, Polizei, hebed de Dieb! De Zwuggel hät natürli Angst, dass mer ihn verwütscht und rännt und rännt so schnäll er cha mit sine churze Bei, tips taps tips taps über d’Fälder, de Berg duruf und in Wald.


Der Bäcker stürzt die Treppe hoch und sieht, dass die Schokoladengläser aus den Regalen ratzt putze leer gefegt waren und Zwuggl schon mit den ganzen Gläschen reiß aus genommen hatte. Er rennt raus und ruft laut nach der Polizei: Polizei – Polizei haltet den Dieb! Zwuggl hat solche Angst erwischt zu werden und rennt und rennt und rennt mit seinen kurzen Beinchen so schnell er kann tips taps tips taps über die Felder, den Berg hinauf in den Wald. Der Bäcker Fieser und die Polizisten mit ihren Spürhunden sind ihm dicht auf den Fersen. 

De Oberbolizei Vöhrenrechtle sorgt im Wälderwaald für Reacht und d Ornig. Er goht dene schreege sache uff de Grund und isch selli gwissehaft und dipflischiessig. Jeden Bandit oder Hambis quetscht er so lang uus, bis er woess wa Sache isch und wa gnau passiert isch.

De Zwuggel wetzt und rennt mit sinne korze Fiessli und dem pralle Rucksack wie er e Gschoss über d Wiese und Felder und Buckel uffi und abi. Jegesgott hät der Zwuggel e Hoseschiesser- Angscht.
De krummfiessig Beck und de Oberbolizei mit sim bissige Bolizeihund sind ihm schwer uff de Ferse.

De Beck Fieser und d’Polizischte mit de Spürhünd händ en scho fascht iigholt. De Zwuggel schnuufet und pfnuchset und isch eso erschöpft, dass er e Pause bruucht. Eine vo de Hünd macht en Satz uf en zue und fangt wie verruckt aa bälle zum de Polizischte z’rüefe. Was söll de Zwuggel jetzt mache? Wänn er uf en Baum ue chlätteret dänn g’sehnt en d’Polizischte, wänn er sich versteckt oder devo rännt, dänn bället de Hund bis en d’Polizischte finded. Und wänns en finded, dänn chunnt er is Chefi und er isch dänn Tag und Nacht iigschpeert. S‘einzig Intressanti wär dänn dass er d’Spinne a de Tecki chönti beobachte und gseh wies ihri Netz spinned.


Zwuggl schnaubt so hat er sich angestrengt und ist so erschöpft, dass er eine Pause braucht. Einer der Hunde kommt mit einem Satz auf ihn zugesprungen und beginnt ganz fürchterlich laut zu bellen um die Polizisten zu rufen. Was soll der kleine Zwuggl nun machen? Wenn er auf einen Baum klettert, dann sehen die Polizisten ihn, wenn er sich versteckt oder wegläuft, dann bellt der Hund bis die Polizisten ihn finden. Wenn die Polizisten ihn finden, dann wird er im Gefängnis Tag ein und Tag aus eingesperrt sein und das einzig spannende ist dann die Spinnen an der Decke zu beobachten, die ihre Netze spinnen und mit jedem Lufthauch tanzen. Plötzlich hat er eine gute Idee. Blitzschnell packt er seinen Rucksack vom Rücken nimmt die Wurst aus seinem Vesper und gibt sie dem Hund.

De Zwuggel schnuufet und baischtet u d isch baald so miäd, dass er verschnuufe mue. De schwarz Bolizeihund hoppet uff ihn zue und bellet wie en Närsche. Wa soll do de klei Zwuggli mache? Uff en Bomm gräsle? sich verschopp ?
Z mols hät er en zindende Gedanke. Ratzfatz holt er sin Rucksack vum Buckel obe aabi, kromt noch em e Schübling und streckt die Knackwurscht im Bolizeihund änni.

Als uusbildete Bolizeihund hät de Max e ganz bsunderi Nase und au g spitzi Ohre. Sie zottligs Feal verrotet kumm, dass er boemager isch.

De zottlig, schwarz Spitz mit em wiiße Flecke uff de Bruscht isch immer en Wolfhunger. Blitzartig schnappt er die Worscht. sie schmeckt ihm selli guet. Des sieht de Zwuggel glie, well de Bolizeihund mit dem Wadel wedlet. „En Guedde, ich bi de Max, de Bolizeihund und wie hoesssisch duu ?“ . „Zwuggel hoess ich“, sait und giiht im Max die zweit Worscht. Wo denno de Bolizeihund die zweit rubis und stubbis verschlunge gha hät, stupft er de Zwuggel mit sinnere fiichte Nase saacht aa: „ So frindli war no nährmert zu mir. Derf ich bi dir bliebe, Zwuggel?“. „Nint lieber wie des“, sait s Zwergle und freit sich über den neie Kamerad.

Aber jetzt hät er e Idee: Blitzschnäll zieht er sin Rucksack ab und nimmt sini Znüniwurscht use und git si em Hund. De Hund isch en schöne, chline,  echli zottelige schwarze Spitz mit eme wisse Fläcke uf de Stirne. Er hät immer Hunger und isst die Wurscht grad uf. Dänn wädlet er mit em Schwanz, er hät nämlich so fescht Hunger, will em d’Polizischte nie gnueg z’Ässe gänd. Also bsunders guet behandled die ihre Hund nöd, debii hät er doch eso e gueti Spürnase und sini Ohre ghöred sogar es Blettli vom Baum abe falle. Wo n‘em de Zwuggel au no di zweiti Wurscht fuettered, tänkt de Hund: de chli Zwärg isch so lieb und überhaupt nöd gföhrlich und bös, wie ich gmeint ha und wie das Polizischte gseit händ. Eigentlich chönnt de Zwuggel sogar sin Fründ werde. De Hund seit: ich bi de Max, de Polizeihund und drum säged mir d’Mäntsche Polimax. De Polimax wett jetzt lieber bim Zwuggel bliibe statt für d’Polizei schaffe. De Zwuggel freut sich, dass er jetzt en Fründ übercho hät wo mit em wott witerzie. Eso gönds miteneand tips taps, tips taps vo de Polizischte furt über Fälder und Wiese und Berge bis si is Bäretal chömed. 


Der Hund ist ein schöner zotteliger kleiner schwarzer Spitz mit einem weißen Fleck auf der Stirn. Er hat immer Hunger und isst die Wurst genüsslich auf. Er wedelt mit dem Schwanz, denn er ist so hungrig gewesen, weil die Polizisten ihm nie genug zu essen geben. Sonderlich gut gehen die Polizisten nicht mit ihm um und das obwohl er doch so eine gute Spürnase hat und seine Ohren selbst ein fallendes Blatt hören können. Als Zwuggl ihm auch noch die zweite Wurst fütterte dachte der Hund der kleine Zwerg ist so lieb. Er ist gar nicht gefährlich oder böse so wie er das dachte, weil die Polizisten das so sagten. Zwuggl könnte sogar ein Freund werden.  Der Hund sagt: Ich bin Max- der Polizeihund und die Menschen nennen mich deshalb Polimax. Polimax möchte nun lieber bei Zwuggl bleiben und ihn anstatt die Polizisten begleiten. Zwuggl freut sich einen Freund gefunden zu haben, der mit ihm weitergehen möchte. So gingen sie gemeinsam tips taps tips taps von den Polizisten weg über die Felder, Wiesen und Berge bis sie letztendlich in ein Tal namens Bärental kommen.

Ganz liesli schliechet sie sich, taps, taps, taps, devuu. Sie kummet is Bäretal am Feldberg, wo sie uff e klei Hiesli stosset.

„Zum gschiede Beck“

stoht do uff em Ladeschild. Wa fer en Guu, wie des guet schmeckt. De Zwuggel und de Max strecket ihre Näsli und Kepfle i die aaglihnet Derre inni.
A me große Haffe stoht en kleine, grauhoorige Maa, wo saacht und fliessig en fieni, dicke, bruune Schokoladpudding aariehrt. Im Zwuggel lauft s Wasser im Muul zämet vor Gluschte.

De Schlau Beck gucket i de Welt ummenand. Bei ihm giihts fascht alls zum kaufe.S Bescht wan er uff sine Reise findet, bietet er i sim Kuriositäte Lade aa.

De Zwuggel kromet on vu sine Goldbolle us sim Hosesack. „Grieg ich bittschee vu dem guete Schokeladpudding? Und fer de Max Würscht, soviel ich trage khaa?“
De gschied Beck, so hoesst de Maa a dem grosse Haffe im Volksmund, isch Beck, en ehrliche und en guete Maa. Und als en frindliche, gspassige, gsprächige Maa und als Gifitz im Hohschwarzwald guet bekannt.
Er bedient die zwo mit sim berühmte Schokeladpudding und sinne knackige Würscht. „ Hmmm, Hmmm, des schmeckt jo granateguet“, siefzet die zwo selig.„Des wars allerbescht wa mer jemols gschmaust hond“. Und wa macht de schlau Beck? Er steckt vill Gläser Schokeladpudding in Rucksack vum Zwuggel und obedruff no en Hufä Würscht für de gierig Max.

Det chömed’s zum e chline Hüsli und det drus use schmöckts gluschtig vo Schoggipudding. De Zwuggel und de Polimax gügsled is Hüsli ie und gsehnd wie de Beck Schläuli grad im Schoggipudding ume rüert. Hmm, das schmöckt soo fein, am Zwuggel lauft s’Wasser im Muul zämme. Er grüblet en chline Goldchlumpe us sim Sack use und streckt en am Beck Schläuli mit sine chline schmuddelige Händli ane und seit er wetti Schoggipudding für sich und au no Würschtli für de Polimax eso vill wie er träge chönni. De Beck Schläuli isch en ehrliche und gschide Maa und isch scho überall umeg’reist zum di bescht Schoggi und di allerbeschte Würschtli z’finde. Er weiss was guet und fein isch und füllt s Büchli vom Zwuggel mit feinem Schoggipudding und de Polimax chunnt  knackige Würschtli über. Hmm so schmatz mampf säged die Beide, das isch de aller- allerbeschti Schoggipudding wo ich überhaupt je probiert ha – und di beschte Würschtli, seit de Polimax.


Dort kommen sie an ein kleines Häuschen aus dem es so lecker nach Schokoladenpudding duftet. Zwuggl und Polimax strecken ihre Nase in das Häuschen und sehen dort den Bäcker Schaule wie er gerade im Schokoladenpudding rührt. Hmmm es riecht so lecker, dass Zwuggl das Wasser im Mund zusammenläuft. Er kramt einen kleinen Goldklumpen  aus seiner Tasche, streckt ihn dem Bäcker Schlaule mit seiner kleinen schmuddeligen Hand entgegen und verlangt so viel Schokoladenpudding und so viele Würstchen für Polimax wie er tragen kann.

„Sag emol, Ggchiede Beck, worum schmeckt do bei dir alls so selli guet? frogte de Zwuggel. „ ahh…. , die Würscht han ich vum Megxer Fritz vu Oberbränd. Der isch landuff , landab bekannt fer die allerbeschte Würscht, Fleisch- und Speckware. De Schokelad aber, de sell kunnt uus de Schwiizer Berg. Dert gänd die zfriedene Kühe die bescht Milch wo mer sich denke khaa. Und im große Sprüngli-Huus nemet Schokeladkocher nuu de bescht Kakoo us Brasilie, dä wo die nette, bruune Kaffeebohnemaidli a de Copa Cabana badet. Und us dene zwei Zuetate word beim Sprüngli de fein Sprüngli Schokelad gmacht“, sait de gschied Beck.
„Wo sich denn dees ?“, do änni wendmir zwo, ich und de Max kuntinend änni gau. De gschied Beck verkaartet ihne de Weag. Er zoechnet ihne sogar Wanderkart. De Weag goht über hohni und stoenige Berg, vorbei a saftige Wiese und Felder, über en ganz große Fluss und wieder über hohni Berg. Sie saget dankbar und vergnüegt Adee. „ Wartet emol“, sait de gschied Beck, langet is oberscht Laderegal und nimmt e Fläschli Schokeladliker ussi. Des sich eigetli ninnt für ei zwo, aber wer woess, amend kinnet ihr des Gütterli doch emol guet bruuche“.

De Beck Schläuli füllt jetzt em Zwuggel sin Rucksack mit ganz villne Töpfli Schoggipudding und eme Huufe Würschtli. De Zwuggel fröged wunderfitzig: Beck Schläuli warum sind dänn din Schoggipudding und dini Würschtli so super fein? Ich verrate‘ s dir seit de Beck, die Würschtli sind vom Fritz und de macht di beschte Würschtli vo de ganze Wält. Und d’Schoggi, d’Schoggi  heb er uf ere Reis entdeckt. Si chömi vo de Berge i de Schwiiz. Det gänd di glücklichste Chüe di beschti Milch und im  grosse Hüpfli-Huus macheds di feinschti Schoggi. De Zwuggel wett jetzt unbedingt det ane, wo die feini Schoggi g’macht wird. Dänn erchlärt de Beck Schläuli em Zwuggel de Wäg über de höch Berg ie, über d‘Wiese und Fälder, über de gross Fluss und nomol über d’Berge und zeichnet em sogar no e Charte, dass er de Wäg guet findi. Si säged enand Adie und de Beck Schläuli git dene Zwee  no eine vo sine guete Schoggi-Liköör mit uf de Wäg. De isch zwar nur für di grosse Lüt, aber villicht chönted  mir de emal no guet bruuche, händ‘s tänkt.


Der Bäcker Schlaule ist ehrlich und keck und reiste durch die ganze Gegend um die leckerste Schokolade und die leckersten Würstchen zu finden. Er hat einen Sinn für das Gute und das Leckere und füllt die Bäuche des kleinen Zwuggl und Polimax mit leckerem Schokoladenpudding und knackigen Würstchen. Hmmm soooo lecker, sagten die Beiden, das ist der leckerste Schokoladenpudding den ich je probiert habe und die leckersten Würstchen. Der Bäcker Schlaule füllte nun auch den Rucksack klickeri klacker mit einem, zwei, drei  – vielen Gläsern mit Schokoladenpudding und Würstchen.  Zwuggl ist neugierig geworden und fragte den Bäcker Schlaule: Warum sind dein Schokoladenpudding und deine Würstchen denn so lecker? Bäcker Schlaule verrät ihm, dass die Würstchen vom Fritz kommen und dieser Fritz die weltbesten Würstchen macht. Die Schokolade hat er auf einen seiner Reisen entdeckt. Sie kommt von den Bergen in der Schweiz wo die glücklichsten Kühe die frischeste Milch geben und das große Sprüngli – Haus steht in dem sie die feinste Schokolade machen. Bäcker Schlaule erklärt ihm den Weg über den hohen Berg, über die Wiesen und Felder, über den Fluss und wieder durch die Berge und zeichnet ihm eine Karte, die ihnen helfen soll den Weg zu finden. Sie verabschieden sich herzlich und Bäcker Schlaule gibt den Beiden noch einen seiner Schokoliköre mit auf den Weg. Die sind zwar nur für große Menschen und Tiere aber sie dachten sich vielleicht wird er ihnen irgendwann behilflich sein. 

Allmählich verschlupft d Sunn hinterem Buckl. Sie machet sich e Fiehr und bauet e Lager zum Schloofe. De Zwuggel will nuu no en Schokeladpudding schlecke. Hmm… wie der schmeckt. Grad wo er de Löffel is Gals dunkt, bellet de Max luut: „Do isch ebbis zwische de Bämm!“ Jo, do raschlets zwische de Bämm. De Zwuggel verschobbet sich, taps, taps, taps , so schnell er khaa hinterem Felse. Er siät zmol, dass en große Brummbär mit eme luute Brummbass und mit eme zottlige Fell us em Waald hinneverri kunt, gradweags uff de Schokeladpudding zue. Und schlabber di schlapp, sucklet er de ganz Schokeladpudding us dem Gläsli.

Wos wiiter gönd, verschwindet d’Sunne langsam hinter em höche Berg. Also  mached sie sich es es Füür  und es Lager zum Schlafe.  S‘ Schläckmuul Zwuggel möcht no echli Schoggipudding als Bettmümpfeli ässe bevor er iischlaft. Wo er de Deckel vom Töpfli uufmacht  schmöckt das soo süess und schoggig dru use. Grad wo er de erscht Löffel näh wott, fangt de Polimax ganz luut aa bälle und sait: „da isch öppis zwüsched de Bäum“. S‘ Raschle i de Bäum chunnt nächer und nächer. Jetzt chunnt de Zwuggel aber Schiss über. Er versteckt sich gschwind tips taps tips taps hinder eme grosse Felse. Da tapset mit eme luute Brummle en grosse, starche , brune Bär mit eme zottelige Fäll us em Wald dethär. Er lauft schnuergraad, taps tips taps tips taps, uf de Schoggipuddig zue. Und, mit eme schlips und eme schlaps schläckt de Bär mit sinere Zunge grad de ganz Schoggipuddig uf. Hmmm sait de Bär, dos schmockt so got hosch do no mor vo dom Schoggopoddong?


Als sie weitergehen verschwindet die Sonne langsam hinter dem hohen Berg. Sie machen sich ein Lager und ein Feuer zum Schlafen. Zwuggl möchte nur noch einen der leckeren Schokoladenpuddings essen bevor er einschläft. Der duftet als er ihn öffnet so schokoladig und süß.  Gerade als er seinen ersten Löffel nehmen möchte beginnt Polimax ganz laut zu bellen. Da ist etwas zwischen den Bäumen, sagt er. Es raschelt in den Bäumen und das Rascheln kommt näher und näher. Zwuggl bekommt es mit der Angst zu tun. Mit schnellen Schritten geht er tips taps tips taps hinter einen großen Felsen, wo er sich versteckt. Da kommt mit einem lauten Brummen ein großer, starker Braunbär mit zotteligem braunem Fell aus dem Wald getapst. Er tapst tips taps tips taps schnurgerade auf den Schokoladenpudding zu und mit einem schlips und einem schlaps seiner Zunge hat Brommi den ganzen Schokoladenpudding aus dem Gläschen geschleckt. Hmmm sagt der Bär, dos schmockt so got host do noch mohr Schokolodonpoddong? Zwuggl hat Angst, muss aber auch ein bisschen Lachen, weil der Bär so komisch brummt. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen, nähert sich dem Bären und gibt ihm noch vier weitere Gläschen. Der Bär schleckt auch diese genüsslich schlips schlaps aus. Dann brummt er wieder dos schmockt so got host do noch mohr Schokolodonpoddong? Zwuggl hat eine Idee, geht leise tips taps tips taps zu seinem Rucksack und zieht den Schokoladenlikör, den sie vom Bäcker Schlaule bekommen haben, aus dem Rucksack.  Der Bär trinkt die ganze Flasche mit einem großen Bärenschluck aus. Schon nach einem Moment ist der Bär davon ganz beschwipst und tänzelt von einem Bein auf das Andere,  beginnt ein Lied zu brummen und lallt gobt mor noch mohr von dom Scho schoo schoololo poooddooong. Zwuggl und Polimax finden den Bär nun ganz lustig und gar nicht mehr furchteinflößend. Sie sagen, wenn du noch mehr Schokoladenpudding möchtest, dann komm mit uns. Wir sind auf dem Weg über den Berg, über die Wiesen und Felder über den Fluss in die Schweiz wo die beste Schokolade gemacht wird. Der Bär freute sich sehr und wollte gerne mitkommen, er legt sich hin, sieht noch ein Paar Sternchen über seinem Kopf tanzen und schläft nach kurzer Zeit schon ein. 

„Hmmh…..“, siefzt de Bär gnüssli: „Wa han ich fer en ghörige Hunger gha. Und dös gluschtet mirsoo guet, dan ich gern no mehh so Pudding wet“. De Zwuggel hinterem Felsbolle mueß lache, well de Bär sich de Buuch riebt und zfriede brabblet und brummlet. Do nimmt de Zwuggel sin ganze Muet zämit, schliecht gmietli uff de Bär zue und streckt ihm no e Gläsli vergegge. „Des isch aber kaibe nett vu dir, derf ich mich vorstelle?“ „Ich bi de Brummi“, schnuufet de Bär und sucklet au des Gläsli rubis und stubbis leer. „ Des het aber ein fiine Guu, hesch au no mehr vu dem Ziig?“ brummlet de Bär glüschtig. De Zwuggel schliecht liesli zum Rucksack und zieht de Schokeladlikör vum gschiede Beck hinneverri.
Des hät de Zwuggel schlau gmacht. De Bär suuft die ganz Flasche uus mit gwaltige Bäreschlück.

De Zwuggel hät echli Schiss, mues aber au es bitzeli lache will de Bär eso komisch brummlet. Er nimmt sin ganze Muet zäme und gaht zum Bär ane und bringt em nomol 4 Töpfli. De Bär schläckt au die no gnüsslich schlips schlaps uuf. Dänn brummlet er wider: das osch so got, hosch do no mo Schoggopoddong? De Zwuggel hät jetzt en Idee: er gaht ganz liislig, tips taps tips taps zu sim Rucksack und nimmt de Schoggi-Liköör vom Beck Schläuli use und git en em Bär. De trinkt di ganz Fläsche mit eim grosse Bäreschluck uus. Scho bald hät de Bär en chline Ruusch devo und tänzlet vo eim Bei ufs ander umenand. Dänn fangt er aa es Liedli z’brummle und laalet: gobt mor no moh vo dom Scho schoo schoololo pooddoong. De Zwuggel und de Polimax findet de Bär jetzt ganz luschtig und händ gar kei Angscht meh vor em. Si säged em, wänn du no meh Schoggipudding wottsch, dänn chomm doch mit eus. Mir sind nämli underwägs über de Bärg, über d’Wiese und Fälder und über de Fluss bis i d’Schwiiz, wos di bescht Schoggi mached. De Bär freut sich und wott gärn mitcho. Dänn liit er ab, gseht nur no es paar Stärndli um sin Chopf ume tanze und schlaft glii ii.


Früh am nächsten Tag gehen die drei Freunde weiter über den Berg, über die Wiesen und Felder. Brommi ist ein sehr lustiger, tapsiger Bär. Den ganzen Weg lang brummte Brommi Lieder, Polimax fing Hasen und Zwuggl war schon ganz aufgeregt. Gemeinsam überlegten sich die drei wie es wohl sein würde mit so viel leckerer Schokolade in den Bergen zu wohnen. Dort musste es auch so viele Rebhühner und Hasen für Polimax geben.

Scho noch wenige Schluck hät de Bär en Ruusch. Er tänzlet und hoppet wie e Danzbärli vu om Fuess uff de ander , drillet sich im Kreis ummenand und brabblet bsoffe: „Gänd mir gottverdelli no meh vu dem kaibe guete Scho- Scho Schokeladpudding“. De Zwuggel und de Max lachet sich krumm und bucklig und hond en mords Spass a dem Danzbär. Sie hond koe weng Angscht meh vor dem Ries. De Zwuggel striechlet de Brummi am Arm und sait: „Du Bär Brummi, wenn du no meh Schokeladpudding witt, deno muesch mit iis dorri id Schwiiz gau. Mir sind uff em Weag über d Berg, Wiese, Felder und Wälder, über den große Fluss, dorri i d Schwietz, wo de allerbescht Schokelad gmacht word“. Do hoppet de Bär vor Freid und brummlet: „ Hah, joo, ich gang gerne mit ei“. Zfriede leit er sich is weich Gras und Moos, sieht no eweng de Sternli zue, die über sim Kopf Ringelreihe tanzet, und schlooft bald seelig ii.

Brommi isch en riesige Braunbär. Er hät immer Kohldampf, duet aber nähmert ebbis z loed. Sii Uussprooch isch eweng uugwähnlich. Er sait nämli meischtens O, wenn er A, U, oder E sage sott. Des schiniert ihn aber koe weng. Er findet des sogar luschtig, wenn anderi do drübert pfittere und kittele mond.

Am nächschte Morge frühe wandered die drei Fründe wiiter über de Berg, über d’Wiese und Fälder. De tapsig Bär Brommi  isch en Luschtige und brummlet di ganz Ziit Lieder; de Polimax fangt Hase und de Zwuggel isch ganz uufgregt. Die drei träumed mitenand vom Läbe i de Berge mit ganz vill feiner Schoggi. Sicher gits det au vill Rebhühner und Hase für de Polimax.

Als sie am Ende des Wiesentals sind kommen sie an einen großen Fluss. Der Fluss ist sehr groß – so groß, dass sie nicht darüber hüpfen können.  Deshalb gehen sie am Ufer entlang und finden ein altes, morsches Boot. Brommi der Bär hiebt mit einem Ruck das Boot auf das Wasser, Polimax und Zwuggel springen rein und dann paddelt der Bär plitsch platsch los. Sie sind schon fast in der Mitte. Da plötzlich drückt sich Brommi beim Paddeln so stark mit seinen Füßen vom Boden des Bootes ab, dass der Boden des Bootes kricks kracks kracht. Zwuggl, Polimax und Brumm fallen mit einem Platsch ins kalte, schäumende Wasser. Der Zwerg fuchtelt voller Angst fürchterlich mit den Armen weil er nicht schwimmen kann. Er schluckt Wasser und wird mit der Strömung flussab getrieben. Doch im letzten Moment hat er Glück, denn Brommi schwimmt an ihm vorbei und er hält sich am zotteligen Fell des Bären fest.

Am andere Tag wacklet die drei Kamerade ganz frieh am Morge devuu. De Brummi isch en fidele, luschtige, dappige Bär. De ganz lang Weag brummlet de Brummi gattigi Bärelieder. De Max jagt mit Begeisterung Hase und de Zwuggel isch scho ganz uffgregt.

Zämet molet sich de Zwuggel und de Brummi uus, wie s wohl sii word mit dene ville siesse Schokeladschleckereie und dene Berg, wo si mitänand lebe und huuse wend. De Max aber droomet vu de Jagd uff jungi Rebhär und fätti Hase.

Am End vum Wiestal unterhalb vum Feldberg kummet sie a den broete Fluss, so wis i de Kart iizoechnet isch. Die drei Spezie watet rotlos am Fluss entlang. „Ich des e Boot?“ rieft de Brummi und verschwindet im hohne Schilf. Brummi, de Bär, ebe bärestark, lupft mit eme Ruck en aalte Waidling is Wasser. De Zwuggel und de Max hoppet volle Freid inni und de Bär hinnedrii. „ Hojoo, isch des wackelig“, freit sich de Brummi und paddlet plitsch-platsch devuu. De Max und de Zwuggel hebet sich verzwatzelt am Bootsrand fescht und de Brummi ruederet mit aller Bärekraft und Gwalt. Und uffs mol, knicki-knacki, brecht de Kahn z mitts abenand. „Zu Hilf, SOS, ich kha nit schwimme, joohlet de Zwerg und fuchtlet gruusig mit de Ärmli, woner is kaalt Wasser platscht isch. Er schluckt vill Wasser und d Strömig nimmt en mit flussabwärts. Aber de Zwuggel hät Glick. De Brummi schwimmt an ihm vorbei und de Zwuggel kha sich am zottlige Fell feschtkralle .

De Max wartet scho am Ufer. Si Fell tropfet. Erschöpft keihjet die drei is Gras. Si zindet e aa`schtändig Fier aa, dass sie s Fell, d Hoor und Klamotte troche grieget. Noch dere Kummedi bruuchet sie zerscht mol en Schokeladpudding und de Max e Worscht.

So chömmeds am Ändi vom Wiesetal an en grosse Fluss. De Fluss isch riesig, so gross und breit, dass sie nöd drüber ie gumpe chönnted. Drum gönds am Ufer naa und findet es alts morsches Boot. De Brommi lupft das Schiffli mit eim Ruck ufs Wasser, de Polimax und de Zwuggel jucked ie und de Brummi paddlet los. Scho fascht i de Mitti vom Fluss passierts, de Bär truckt bim Paddle so fescht uf de  Schifflibode dass er  kricks kracks  zämmechroset. De Zwuggel, de Polimax und de Brommi gheiet mit eim Plumps is chalti, schumigi Wasser. De Zwerg fuchtlet voll Angscht mit sine Ärmli, will er nöd cha schwümme. Er schluckt Wasser und triibt mit de Strömig de Fluss durab. Zum Glück schwümmt de Brommi an ihm verbii und so chann er sich im letzte Moment a sim zottlige Fäll festchralle. De Polimax warted scho am Ufer und all drei gheiet ganz erschöpft is Gras. Zerscht ruebet si sich echli uus und dänn zündets es Füür aa zum s’Fäll und d’Chleider z’tröchne. Uf de ganzi Schreck abe ässeds grad z’erscht emal en Schoggipudding und e paar Würschtli und scho bald isch die gföhrlichi Gschicht wieder vergässe. 


Polimax erwartet sie schon am Ufer und ganz erschöpft fallen die drei ins Gras. Nachdem sie sich ein bisschen ausgeruht haben zünden sie ein Feuer an um das Fell und die Kleider zu trocknen und essen erst einmal auf den Schock einen Schokoladenpudding, der sie direkt wieder alles vergessen lässt. 

Am nächsten Morgen wandern sie weiter über Felder und Wiesen und Bächlein, über kleine Berge und große Berge und die Sonne lächelt ihnen ins Gesicht. Das freut den Bären so sehr, dass er seine Lieder zu brummen beginnt und so gehen sie tips taps tips taps mit großer Vorfreude in die Berge in der Schweiz. Polimax schnüffelt aber er ist ganz verwirrt. Denn die Schokolade duftet von zwei Richtungen in seine Nase. Polimax und Zwuggl sind sich unsicher. Zwuggl hat eine gute Idee wir fragen Brommi. Welchen Weg nehmen wir?

Noch ere gruesame Naacht gohts dene Kamerade wider guet. Sie machet sich uff de Weag, vorbei a gräene Wiese und geale Felder, über kleini und großi Berg und Hügel, id Schwiiz innizue. D Sunne lacht ihne debei mollig warm is Gsiecht. Des freit de Bär so selli, dass er die luuteschte und luschtigschte Bärelieder schmetteret. Uffs mol hebt de Max sii fiini Bolizeihund-Nase i d`Luft und schnüfflet : „Komisch“, murmlet er „s`schmeckt us glii zwei Richtunge noch Schokelad“.
„Wa machemer jetzt?, wo noh sollemer gau?“, fraget er die andere zwo.
I dere Ziit wo de Max und de Zwuggel no überleget, gaitschet de Brummi scho is Tal abi und rieft: „Ich ha gnueg vu dere Bergstiegerei, jetzt gommer is Tal abi, des isch gmitlicher. Kummet.“ Und so hond sies gmacht.

S hät Nochwuchs gähe. D Minna hät glii drei herzigi Miesli überkumme.

Im Tal aakumme loset de Zwuggel gnau. „Wa gluckeret do so komisch?“ froget er. De Max, wo de andere scho e Stuck voruus isch, rieft: „ „Gugget emol, wa isch des fer en wunderlichne Bach?„ De Brummi und de Zwuggel rennet dezue und sehnet deno au des dick, bruu Wasser. De Zwuggel schnupperet, grinset, steckt sin Doope gifizig inni und schleckt in muetig ab. Er juchzet vor Freid und Glick: „Schokelad“ rieft er und hoppet wie en Verruckte über d Wiese. Obe uff em Hogge entdeckt er s Sprüngli-Huus, wo en siesse, kleine Schokeladbach uussischliecht.

Zum Glück schwümmt de Brommi an ihm verbii und so chann er sich im letzte Moment a sim zottlige Fäll festchralle. De Polimax warted scho am Ufer und all drei gheiet ganz erschöpft is Gras. Zerscht ruebet si sich echli uus und dänn zündets es Füür aa zum s’Fäll und d’Chleider z’tröchne. Uf de ganzi Schreck abe ässeds grad z’erscht emal en Schoggipudding und e paar Würschtli und scho bald isch die gföhrlichi Gschicht wieder vergässe.

Am nächschte Morge wanderets wiiter über Fälder und Wiese und Bächli, über chlini Berge und grossi Berge und d’Sunne lächlet ihne is Gsicht. Die warme Sunnestrahle tüend am Bär eso guet, dass er grad wieder aafangt sini Lieder z’brummle, und so laufed‘s tips taps tips taps wiiter und freued sich scho  uf d’Berge i de Schwiiz. De Polimax schnüfflet und isch ganz zunderobsi, will vo zwo Site her schmöcks vo Schoggi. De Polimax und de Zwuggel sind unsicher. Wo dure sölled mir gah? De Zwuggel fröged de Brommi um Rat. De Brommi isch zwar starch aber au e chli fuul und seit: gommer do Borg hoch odor  gommor do Borg obo? Do oborlogon mor doch nocht long, do gohon wor don Borg obo, dos osch gomotloch. Eso mached‘s es eso und gönd durab. 


Brommi ist zwar stark aber sehr gemütlich er sagt mit jeder Selbstverständlichkeit Gohon wor don Borg hoch odor gohon wor don Borg ronter? Do oborlogon wor nocht long do gohon wor don Borg rontor dos ost gomotloch. Plötzlich kommen sie an einen Bach mit sehr braunem Wasser, das ganz langsam fließt und seltsam gluckert. Brommi hält seine Tatze hinein und kostet. Hmmm herrlich Schokolade. Zwuggel war entzückt und außer sich vor Freude. Er sprang hinein und schwamm und öffnete seinen Mund so weit, dass sein ganzer Bauch mit Schokoladenpudding gefüllt war. Dann taucht er wieder ganz braun voller Schokoladenpudding auf und blickt sich um. Da sieht er, dass das Bächlein oben auf dem Berg aus dem Sprüngli Haus entspringt und dass überall Rebhühner und Hasen auf den Wiesen hüpfen. Hier möchten Brommi Polimax und Zwuggl bleiben und bauen sich ein kleines Häuschen in dem sie glücklich du zufrieden leben. 

„Homm, hoho“, brummt de Bär Brummi. „Do bliebet mir,“ bellet de Max, well er scho Rebhär und kleini Hase usgloschoret hät und scho uff de Wiese am Jage isch. Und de Zwuggel, wo mit eme broete Schokeladgrinse und eme Holzleffel im Schokeladbächli huckt, nickt fidel mit glitzige Auge.
Er isch halt en echte, wohre Schokeladchokeladzzwerg.

Uf eimal chömmeds an en Bach mit ganz bruunem Wasser wo ganz langsam flüsst und ganz komisch gluckset. De Brommi tünklet sini Tatze ie und probiert. Hmm schmatzigi Schoggi. De Zwuggel isch ganz us em Hüsli, er gumpet ie, und schwümmt mit offnem Muul bis sin ganze Buuch mit Schoggi gfüllt isch. Wo er wieder uuftaucht, ganz bruun vo Schoggi, gseht er, dass das Bächli obe uf em Berg, us em Hüpflihuus useflüsst. Und dänn gumped  au no überall uf de Wiese Rebhühner und Hase umenand. Em Brommi, em Polimax und em  Zwuggel gfallt das eso guet dass sich entscheided zum da bliibe. Si boued sich e chlises Hüsli und läbed det glücklich und zfriede.


Schwarzwald, de Wälderwaald

De Wälderwaald liet im Süd-Weschte vu de Republik. Er isch uff 150 km e uusdehnts Mittelgebirg. De höchscht Berg isch de 1493 Meter hoh Feldberg. De Wälderwaald isch dünn besiedlet. Typisch sind sine große Buurehöf mit tiefe Walmdächer, Hofmillene große, freie Waidberg und rundum Nodelwaald.

De Hotzewald

De Hotzewald liet im südliche Wälderwaald. De Name Hotzewald kunnt vum Häs, wo d Waldarbeiter friehner trait hond. Des waret so Art Pludedrhose.

De Rhii

De Rhii isch on vu de gröschte Flüss z Europa. Er kunnt us de Schwiitz. De Hochrhii isch vum Bodesee bis gi Basel Grenz zwische de Schwiitz und Dietschland. De Rhiifall vu Schaffhuuse isch de gröscht Wasserfall in Mittel- Europa. Uff e Bräeti vu 150 m dunnderet s Wasser über e Felskante.

D Schwiiz

D Schwiiz isch e Alpeland in Mitteleuropa. Sie gründet sich uff Eidgenosseschafte, wo sich im Mittelalter zu de eigene Verteidigung zämet dau hond. I de Schwiiz schwätzt mer vier Sprooche: Ditsch, Franzesich, Italienisch und Rätisch. Alli sind Amtssprooche.

Sprüngli-Schokelad

Vor uugfähr 175 Johr hät de Schokelad- Fabrikant Sprüngli si Schokoladfabrik an en Bach (im Schliefdobel) i de Nähi vu Horge am Zürisee verleit. Zwischeziitlich isch er gi Züri umzüglet und er hät z ganz Europa Gschäfter. Sin Schokelad isch hit selli bekannt uff de ganze Welt.


Nit nuu de Zwuggel und de Brummi sind gueti Kunde, sondern au de gschied Beck us em Bäretal am Feldberg.

Zum Tod von Hermann Sumser

Unser herzliches Beileid an seine Witwe und allen Angehörigen.

Hier stellte Hermann Sumser im April 2021 das Brigobannis-Projekt im Hieronymus vor:

Brigobannis auf kulturellen Abwegen

06.04.2021 von Hermann Sumser

Statt nach der Realisierung der Fußgängerbrücke über die Breg ein nächstes Element im Rahmen des „Brigobannis-Projektes“ anzugehen,  riskiert man auf Anraten der CDU-Fraktion wie ich annehme lieber den Untergang dieses Projektes und der angesagten 50%-Zuschüsse des Landes, um das verfügbare Kapital für das nächste Großprojekt der Stadt anzusparen: z.B. die Umwandlung von Grünlandschaft in kommunales Bauland in der Kernstadt und in den Ortsteilen entgegen der Umweltpolitik des Landes und riskiert damit auch noch den Verlust der verfügbaren Finanzen  durch riskante Geldanlagen, die keinesfalls dem Fachbeamten allein anzulasten sind, sondern der politischen Vorgabe durch den Bürgermeister und die CDU-Fraktion, wie ich annehme.

Nun nach dem möglichen Verlust von 3 Millionen und dem großzügigen Verlust von Zuschüssen zum von Anfang an verunglimpften Projekt des „Römerparks“ kann man sich wohl die Wunschvorstellungen der Rekonstruktion von Serpentinenpfaden zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ und hoch vom Römerbad zum Galgenberg und die Landschaftsgestaltung zur optischen Wiedergabe des Kastells auf dem Galgenberg bis zum Beispiel  die Umwandlung der leer stehenden Wasserreservoire in Schauräume zur Ausstellung von wichtigen Repliken des „Hüfinger Reiters und anderer spektakulären archäologischen Fundobjekten an den Hut schreiben; wahrscheinlich auch das Vorhaben der Darstellung des „Unteren Tores“ im Städtle als wichtigen Abschluss der Straßengestaltung in den letzten 10 Jahren, die das Städtle attraktiver gestalten  und das Geschichtsbewusstsein der Einwohner stärken soll.

Vermutlich können sich die Hüfinger Bürger auch das begehbare Archiv  im Erdgeschoss des Hüfinger Rathauses und die Ausstellung der Hüfinger Geschichte dort vergessen, weil kein Geld für sowas „Überflüssiges“ nach einem solchen Verlust mehr da ist, zumal auch noch die Großinvestition der Erneuerung des Schwimmbades ansteht. Wie schön, dass man immer die verzichtbaren Kultur-Investitionen im Auge hat. Schon einmal wie vor 200 Jahren, als einige engagierte Personen, wie z.B. Luzian Reich der Ältere die Hüfinger „Anlagen“ und jene noch heute wunderbare Fußgänger-Baumallee als Zugang, zum Teil sogar auf eigene Kosten,  realisiert haben und dafür von den Hüfinger Normalbürgern belächelt wurden. 

Liebe Hüfingerinnen, liebe Hüfinger,

was macht Hüfingen im Vergleich zu den umliegenden Städten zu etwas Besonderem, das es immer wieder zu stärken gilt? Es sind die Zeugnisse aus der Frühgeschichte und das Stadtbild aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt.

Vor mittlerweile  60 Jahren hatte mich eines Tages Altbürgermeister Max Gilly zu meiner Überraschung nach bestandenem Abitur ins Rathaus rufen lassen, um mit mir über die Zukunft von Hüfingen zu sprechen. Auf seine Fragestellung habe ich ihm damals geantwortet, dass das größte Kapital von Hüfingen seine mittelalterliche Altstadt ist. Wenige Jahre später gehörte Hüfingen zu den ersten Antragstellern an die zuständige Behörde der Landesregierung nach Aufnahme in das neue Städtebauförderungsprogramm. Die folgenden Jahre waren in Hüfingen geprägt von den Sanierungsmaßnahmen in der „Hinterstadt“, später in der „Vorderstadt“, schließlich in der Unterstadt, in der Folge auch von den Auseinandersetzungen um den Erhalt von historischen Häusern in der „Hinterstadt“, dem Sanierungsgebiet Nr. 1. Als ein von Bürgermeister Gilly an mich beauftragtes  Gutachten im Ergebnis das Zerschneiden des besonderen Baudenkmals in der Hinterstadt Nr. 7-9 in Frage stellte, dessen Abbruch schon vorgesehen war,  scheiterte bei unserem Antrag zur Bewahrung dieses nach Aussage des zuständigen Denkmalschützers, der sich voll hinter mein Gutachten zur Bewahrung diese bedeutenden Baudenkmals stellte, unser Antrag zum Erhalt in der anschließenden Gemeinderatssitzung an der CDU-Mehrheitsfraktion. Der Abbruch wurde nach Beschluss im Gemeinderat vollzogen.

Vor nunmehr mehr als 30 Jahren hat das Land Baden-Würrtemberg auf einen Hinweis des inzwischen als Nachfolger gewählten Bürgermeisters Anton Knapp auf die heruntergekommene Ruine des „Römerbades“ auf eigene Rechnung des Landes das Ruinenfeld wieder rekonstruiert  und in aufwändiger  Form eine Besichtigungsbühne auf halber Höhe über den Ruinen mittels einer Stahlkonstruktion einbringen lassen und damit dem bedeutenden Baudenkmal wieder zu neuem Glanz verholfen. Wenige Jahre später habe ich das Projekt „Brigobannis“ mit mehr als 20 Einzelelementen konzipiert vom „Pavillon“ über die Tribünen an der Römerwiese, über eine Brücke über die Breg in Fortsetzung der früheren Römerstraße, über die Reaktivierung von historischen Pfaden im Umfeld des Römerbades bis hin zum ehemaligen Waldhaus im „Roten Rain“ mit Aussicht auf die Altstadt, über die Darstellung des ehemaligen Kastells auf dem Galgenberg mit landschaftlich gestalteten Außenanlagen bis hin zum Ausbau von zwei vorhandenen unterirdischen Wasserreservoiren, die aufgegeben wurden, weil sie technisch überholt waren zu unterirdischen Schauräumen, in denen die bedeutenden Funde der Hüfinger Geschichte aus den verschiedenen archäologischen Grabungsfeldern, die in den Archiven des Landes ruhen,  in Hüfingen präsentiert werden sollten über den Einbau eines unterirdischen Verbindungsbauwerks zwischen den unterirdischen Schauräumen und die Herstellung von Repliken dieser Fundgegenstände. Das Projekt wurde von Bürgermeisetr Knapp aufgenommen und mit der Zentrale des Denkmalschutzes in Esslingen kommuniziert. Der damalige Präsident des Landesdenkmalschutzes Professor Dr. Bader erschien persönlich zu einer Besprechung in Hüfingen und hat seine Zustimmung signalisiert. Das Regierungspräsidium in Freiburg hat das Projekt begrüßt und die Bezuschussung in Höhe von 50% der jeweiligen Baukosten in Aussicht gestellt. Im Gemeinderat in Hüfingen habe ich das Projekt vorgestellt. Einige Elemente wurden realisiert und zu 50% bezuschusst, andere scheiterten bislang am Einspruch der CDU-Fraktion und wurden vorerst zurückgestellt. 

Ein anderer Projektvorschlag: das „Untere Tor“, das ich planerisch und im Detail ausgearbeitet hatte, hat Bürgermeister Knapp ebenfalls im Gemeinderat eingebracht. Es ging dabei um die Darstellung dieses ehemaligen wichtigen Gebäudes der Vorderstadt, das ca. 1840 durch Antrag der Fuhrunternehmer abgebrochen wurde. Die Darstellung in Konturen, die durch eine Stahlkonstruktion erfolgen soll,  um wieder die ehemalige räumliche Wirkung in moderner Form zu vermitteln, ist sie eine wichtige städtebauliche Maßnahme, die das „Städtle“ als Veranstaltungsraum stärken soll. Die Realisierung scheiterte vor 20 Jahren wieder einmal am dem Widerspruch der CDU-Fraktion in der betreffenden Gemeinderatssitzung.  Es wäre gleichzeitig eine bewusste Schickane, um den immer noch heftigen Durchfahrtsverkehr etwas zu reduzieren, die Attraktivität im und vor dem „Städtle“ zu steigern und das Brauchtum zu stärken durch die Figuren-Installationen an dieser Stahlkonstruktion und die Einbeziehung in die Hüfinger  Fasnacht. 

Sie sehen, dass in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ansätze zur Bewahrung und zur Belebung des Hüfinger Stadtbildes und zur Veranschaulichung der bedeutenden Hüfinger Geschichte durch mich und durch die Unterstützung durch den Bügermeister erfolgt sind. Vor nunmehr 2 Jahren habe ich dem jetzigen Bürgermeister in einem Gespräch im Rathaus diese Projekte vorgestellt, die er als ehemals auswärtiger Bewerber um das Bürgermeisteramt natürlich noch nicht kennen konnten. Sie sehen, dass immer wieder auch wichtige Vorschläge von Außen an den Bürgermeister herangetragen wurden, die immer wieder von den aufeinander folgenden Bürgermeistern aufgenommen wurden und  zur Profilierung der Stadt und auch  ihres Bürgermeisters beigetragen haben.

Obgleich der Bürgermeister bei dem Gespräch einen wirklich interessierten Eindruck auf mich gemacht hat, ist bis heute keinerlei Berücksichtigung erkennbar. Statt dessen ist die Stadtverwaltung bestrebt in der Kernstadt und in allen Ortsteilen die landschaftliche  Umgebung zu Bauland umzuwidmen entgegen der allgemeinen politischen Absicht im Land. Statt dessen schockt uns vor wenigen Tagen  die jüngste Nachricht  von einem Verlust von 3 Millionen im Stadtsäckel durch eine verloren gegangene Einlage der Stadtverwaltung in einer privaten Bank. Für diesen Betrag hätten problemlos manche dieser vorgeschlagenen Elemente des Projektes realisiert werden können. Ohne jegliche Schuldzuweisung auszusprechen, schmerzt mich natürlich dieser finanzielle Verlust. Vielleicht wäre eine gewisse Offenheit gegenüber meinen Vorschlägen als gebürtiger und geschichtsbewussten Hüfinger Bürger hilfreich. Statt dessen erklärte der Bürgermeister damals: das Projekt „Brigobannis“ werde nicht weiter verfolgt,  auf Anraten wieder mal der CDU-Fraktion, wie ich annehme, obgleich auch die Realisierung der Wege und Pfade, die Rekonstruktion des Waldhauses, die gärtnerische Gestaltung des Kastells auf dem Galgenberg einmal abgesehen von den unterirdischen Schauräumen genügend Ansätze bieten, auch überschaubare Elemente des Projektes zu realisieren. Also verzichtet man auch großzügig auf die angesagten Zuschüsse des Regierungspräsidiums. 

Sie lagen voll daneben: Legendäre Energie-Zitate mit Faktencheck

Merz im Kernkraftwerk

Eva Stegen am 7. Juli 2023 im Kultur Joker

Es gibt Lügengebäude, die werden nach jedem Einsturz immer wieder neu aufgebaut und man wundert sich, wie häufig der immer gleiche Unfug durch die Medien getrieben wird. Und es gibt immer wieder Journalist:innen, die mit Chuzpe die x-fach widerlegten Lügen neu aufkochen.
Man reibt sich verwundert die Augen. Wie kann es sein, dass ein längst abgehaktes Thema einfach nicht in der Versenkung verschwindet. Ähnlich absurd, als würden die Schreibmaschine oder das Faxgerät die öffentliche Debatte beherrschen, trendet seit Wochen und Monaten das Schlagwort „Atomkraft“ in der Presse, den sozialen Medien und den Talkshows. Blackout-Propheten werden nicht müde, finstere Szenarien von Deindustrialisierung und ausgehenden Lichtern an die Wand zu malen. Das hatten wir alles schon. Unzählige Male. Legendär ist das Zitat des damaligen Ministerpräsidenten, Hans Filbinger, von 1975: „Ohne das Kernkraftwerk Wyhl werden zum Ende des Jahrzehnts in Baden-Württemberg die ersten Lichter ausgehen“. Er lag zu 100 Prozent daneben.
Über die „drohende Stromlücke“ breitete sich 2008 der damalige Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) im Chor mit den fossil-nuklearen Stromriesen quer durch die gesamte Presselandschaft aus. Deutschland könne bereits „ab 2015 dauerhaft auf Stromimporte angewiesen“ sein. Sie lagen voll daneben. Deutschland ist seit 2002 Netto-Stromexporteur. Immerhin bekannte sich Glos später zu seiner Inkompetenz: „Ich wusste damals nicht mal, wo dieses Wirtschaftsministerium genau stand. […] Ich hatte kaum eine Ahnung davon, was die Aufgaben dieses Ministeriums sind.“
Dieselben Märchen überall auf der Welt.
Auch international wird mit denselben Blackout-Ängsten Stimmung gemacht: 2007 versprach der Chef der EdF-Filiale im Vereinigten Königreich, die Briten würden schon 2017 ihren Weihnachtstruthahn mit Atomstrom aus Hinkley Point C bruzzeln. Andernfalls und ohne das AKW würden „die Lichter ausgehen“. Auch 16 Jahre später wird es immer noch keine Hinkley-Power für den Festbraten 2023 geben. Doch unterdessen wurden 10 britische Meiler für immer stillgelegt – was die Erneuerbaren locker aufgefangen haben. Bis zur – derzeit – prognostizierten Inbetriebnahme 2027 werden weitere 4 Stilllegungen folgen.
Dasselbe Spiel in Polen: Wenn das Land bis 2020 kein Atomkraftwerk bekäme, drohe „eine dauerhafte und sich ständig verschlimmernde Stromlücke“, ließen einflussreiche Lobbyisten über die Presse verbreiten. Mehr als die vier Atomruinen von Żarnowiec ist seit 1990 nicht entstanden.
Eine Stromlücken-Drohung schien dem meinungsvariablen Ministerpräsidenten von Bayern dann im Juni 2022 nicht dick genug aufgetragen. Söder halluzinierte von einer „Riesen-Stromlücke“ die wir bekommen „wenn wir die Kernenergie abschalten“. Getreu dem Motto „was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern“ hatte er seine eigenen Rücktrittsdrohungen, für den Fall, dass der Atomausstieg nicht zügig umgesetzt und das AKW Isar 2 noch nach 2022 laufe, aus seiner eigenen Wirklichkeit gelöscht. Andere erinnern sich gut an seinen 2011-er-Auftritt mit grüner Krawatte. Mittlerweile trägt er fürs Fotoshooting AKW-Arbeiter-Overall, gelbe Plastik-Schlüffkes und einen Kompetenz-suggerierenden Helm. Und posiert mit seinem ebenso kostümierten Kumpel Fritze Merz im, am und um das AKW herum. Vermutlich läuft die Show noch bis zur bayrischen Landtagswahl am 8. Oktober.

Der Trick mit der Wannenkurve
Damals, 2011, schürten die Bosse von RWE und Eon unverhohlen Ängste vor „dem Netzkollaps“, was die Bundesnetzagentur mit dem Verweis auf die über Jahre mit Bestnoten ausgezeichnete Stabilität des deutschen Netzes wieder einzufangen versuchte.
Damals nutzten die Atomlobbyisten übrigens exakt denselben Kniff, wie dieses Jahr. Als in Deutschland infolge von Fukushima 8 Atommeiler (in Worten: Acht) abgeschaltet wurden, passierte auf dem europäischen Strommarkt das, was jedes Jahr passiert: Der Strombedarf Frankreichs folgt einer wannenförmigen Kurve. Im Winter ist er hoch, wegen der vielen Elektroheizungen in schlecht isolierten Gebäuden. Ab März fällt er und geht während der langen Schul- und Betriebs-Ferien im Sommer richtig in die Knie. Alle Jahre wieder, wenn in den großen Werken die Maschinen stillstehen, drücken die AKW ihre Überschüsse zu Niedrigpreisen in das europäische Netz – solange genug Kühlwasser vorhanden und nicht große Teile der alternden Kraftwerksflotte in der Zwangspause sind. Rosinenpicker, die aus diesem immer wiederkehrenden Muster eine Alarmismus-Meldung konstruieren wollen, sollten das im September tun, so nehmen sie die kompletten Zahlen aus den französischen Ferien im Juli und August noch mit. So geschehen im Fukushima-Jahr 2011. Der Bundesverband Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft BDEW, schickte im September 2011 eine Pressemitteilung raus, die für Panik-Schlagzeilen à la „Stromimporte steigen durch Atomausstieg“ im gesamten deutschen Blätterwald sorgten. In keiner der Redaktionen war man in der Lage, einen besonders kryptischen Satz aus der Mitteilung richtig zu deuten: “Insgesamt ergibt sich aktuell ein Austauschsaldo von 4 Mrd. kWh“. Er wurde in den Fließtext unter den Alarmschlagzeilen einkopiert, ohne zu erklären, dass Deutschland – das schon zuvor von einem Stromexport-Rekord zum nächsten galoppierte – auch nach der Abschaltung von 8 Reaktorblöcken einen Stromexport-Überschuss von 4 Milliarden kWh verbuchen konnte. Das Erneuerbare-Energie-Gesetzt zeigte deutliche Wirkungen.

Blackout- und Strompreis-Alarmismus 2023
All diese Spielchen werden auch nach der Abschaltung der letzten drei deutschen Altmeiler wieder hervorgekramt. Erfrischender Weise zeigen die Future-Daten an der Strombörse schon jetzt, dass aus Deutschland im den kalten Quartalen (Q1 und Q4) wieder viel Strom exportiert wird. In Frankreich liegen die Börsenpreise im Winter deutlich sichtbar über denen in Deutschland, damit wird Geld verdient. Das mediale Geschrei geht unbeirrt und völlig faktenfrei weiter. Vorneweg die Springerpresse, in deren Redaktion man offenbar nicht in der Lage ist, energiewirtschaftliche Zahlen zu lesen. Unter der Knaller-Headline „So schmutzig ist unser Strom wirklich – Dreckschleuder Deutschland“ wurde der Wert vom 16. Juni ins Schaufenster gestellt, der belegen sollte, dass der gesamte (!) Juni eine besonders schlechte CO2-Bilanz habe. Jens Spahn, überraschend zum Energie-„Experten“ der Union mutiert, erkannte den dicken Fehler nicht sondern verhalf dem Bild-Unfug ungeprüft via Twitter zu noch mehr Reichweite.
„Die deutsche Stromerzeugung aus fossilen Quellen im ersten Halbjahr ist 2023 auf dem zweitniedrigsten Wert. Weniger fossiler Strom wurde nur im Corona-Jahr 2020 erzeugt.“ stellte Professor Bruno Burger vom Freiburger Fraunhofer-Institut ISE klar. Darüber hinaus stellt Deutschland zwei neue Rekorde für den Monat Juni auf: ein neues Minimum für die Produktion von fossilem Strom (Kohle, Öl und Gas) wurde mit 9 TWh erreicht. Und für Solar- und Windstrom wurde ein neues Maximum mit über 15 TWh erreicht.
Populismus-Fürst Söder greift unterdessen jede x-beliebige Ankündigung auf, die irgendein Land zur Atomkraft macht und kocht damit die „Wir schalten in Deutschland sichere Kernenergie ab und kaufen dafür entweder Atomstrom aus dem Ausland oder nutzen Kohle“-Legende neu auf. Da meldet der Fokus: „Frankreich will den Bau neuer Atomreaktoren beschleunigen“, was ja eigentlich Anlass sein sollte, sich johlend über den Boden zu rollen. Ach was, jetzt also noch schneller als der seit 16 Jahren in Bau befindliche EPR Flamanville? Ach nein, keinen EPR, weil der so grandios floppt, sondern der völlig neue, noch nie gebaute EPR-2? Soso, mit dem inzwischen voll verstaatlichten, hochverschuldeten Konzern EdF, dem die Fachkräfte weg erodieren und die Investoren weglaufen? Wie niedlich, das Geld dafür soll aus dem Budget für Sozialwohnungen abgeknapst werden! Man meint schon die Jubelstürme aus Russland zu hören, dessen Konzernkonglomerat Rosatom, mit über 300 Töchtern weltweit, in der gesamten atomaren Lieferkette die Finger mit im Spiel hat. Auch in Frankreich. Und in Deutschland.

Bildquellen

  • Kostümfest im AKW, Friedrich Merz und Markus Söder zelebrieren ihre Liebe zur Atomkraft in kompetenz-suggerierendem Outfit: Quelle: Twitter 04.08.2022

Mit Genehmigung von Eva Stegen und dem Kultur Joker

Insel Mainau – Radolfzell, die Höre, Stein

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier das Kapitel Radolfzell, die Höre, Stein.

Während das Gefrieren des Ober- und Überlingersee’s zu den größten Seltenheiten gehört, legt der Winter beinahe jedes Jahr seine Eisdecke über den minder tiefen Untersee. Auf der Reichenau herrscht ein Sprichwort:

Wenn der Rhein treit,
Kost es Leben und Leut.

Der See gegen die Schweiz hin, heißt nämlich im Volksmund der Rhein, und es soll, wenn er gefroren ist, immer am kältesten auf der Insel sein. – Nach der Tradition führte früher ein steter Weg von Reichenau nach der Mettnau bei Radolfzell.

An der langen Uferstrecke zwischen Allensbach und Zell liegt Markelfingen, durchströmt von einem Wässerlein, welches aus dem oberhalb liegenden Mindelsee rinnt. Das Dorf ist eine der ältesten Ansiedlungen der Umgegend. Im Schwedenkrieg mussten die Einwohner manche Unbill erdulden. Noch zeigt man auf dem Kirchturm in der schweren eichernen Tür, die den oberen Boden abschließt, eine Öffnung. – Als die Schwedischverbündeten den Ort überfielen, flüchtete der Pfarrer auf den Turm und verriegelte die Tür; der Feind verfolgte ihn, und hieb, als er die Tür verschlossen fand, ein Loch in dieselbe, öffnete und reichte dem armen Manne den „Schwedentrunk“ (Mistjauche) bis er unter ihren Händen starb.

Das Städtlein Radolfzell, am Schlusse des Untersee’s, hat mit Toren und Mauern noch ganz die mittelalterliche Tracht. Was jedoch vielen interessanter vorkommen mag, als dieses, ist sein großer Verkehr vom Hegau her, die Frucht- und Viehmärkte und die soliden Gemeindeverhältnisse, welche zu den besten des Seekreis gehören. Der Fruchtmarkt hat seit Einführung des schweizerischen Zolls und des neuen Schweizergeldes sehr gewonnen. Früher führte der Hegauer Bauer sein Getreide nach Stein, jetzt bringt er es in die Amtstadt Radolfzell und überlässt es, wie billig, dem Schweizer Nachbar, seinen Bedarf da abzuholen.

Die Ortsgeschichte hebt vom heiligen Ratoldus (Radolf) an. Dieser vornehme Alemanne war der Nachfolger Bischofs Egino von Verona, und kehrte gleich diesem, von Sehnsucht getrieben, ins Vaterland zurück. Mit Bewilligung des Abts Hatto in der Reichenau baute er am Untersee eine klösterliche Zelle; als Reliquie brachte er die Gebeine der Heiligen, Synesius und Theopontus, wozu noch das Haupt des heiligen Zeno kam, dahin. Sein Ableben fällt in’s Jahr 874; die von ihm gegründete Pfarrkirche in Radolfzell bewahrt sein Grab.

Aus der Ratolduszelle erwuchs später ein Chorherrenstift, dem der Reichenauer Abt Albrecht von Ramstein im Jahr 1290 Regeln gab. Zugleich hatte sich der Ort zur ummauerten Veste als Schutz für die ansässigen Gotteshausleute herangebildet. Schon zurzeit Rudolf’s von Habsburg scheint Zell eine Stadt gewesen zu sein, welche dieser Kaiser samt der Reichsvogtei an sich brachte.

Das Vorspiel des 30-jährigen Krieges, der Bauernkrieg, brachte ihr großes Bedrängnis. Im Frühling des Jahres 1525 durchzogen zwei starke, bewaffnete Haufen das Hegau. Die feige hegausche Ritterschaft hatte sich geflüchtet, und es blieb den Städtern allein überlassen, mit den Aufrührern sich abzufinden. Nachdem diese Engen und Ach durch Überrumpelung genommen, belagerten sie Radolfzell zehn Wochen lang. Die Stadt hielt sich, bis die kriegsgeübten Feldobristen, des Tuchseß von Waldburg und Graf Wilhelm von Fürstenberg mit den Bündischen herbeikamen und den Bauern in verschiedenen Treffen totale Niederlagen beibrachten.

Im 30-jährigen Krieg kam die Stadt ohne Kampf in die Hände der Württemberger; ein Anschlag, den Platz der Kaiserlichen wieder zu gewinnen, schlug fehl. Ein zweiter, offener Versuch missglückte ebenfalls; bis nach der Nördlinger Schlacht die Schweden das Schwäbische räumte und Zell wiederum österreichische Besatzung bekam. Die spätere Zeit brachte wenig hervorragende Ereignisse.

Im bayerischen Erbfolgekriege litt die Stadt viel durch eine französische Besatzung von 7000 Mann. Nicht minder fühlte sie auch die langen Weltwirren des französischen Revolutionskrieges.

Ein schönes Baudenkmal ist die gotische Pfarrkirche mit einer unterirdischen Kapelle. Eine Inschrift außerhalb am Chor sagt, dass der „hochwidrig her Fridrich von Wartenberg, abt der richen owe 1436“ den ersten Stein zu dem Gotteshaus gelegt habe. Rechts im Langhaus findet sich das steinerne Grabmal des heiligen Ratold. Bei einer Ausbesserung im Jahr 1538 wurde der Deckel abgehoben und zwei Leichname in einem Sarg von Eichenholz gefunden, wovon der eine, laut beigegebener in Wachs aufbewahrte Urkunde, als der des heiligen Ratold erkannt ward. Der zweite Tote unbekannter Abkunft, hatte keinen Ausweis bei sich. – Einige altdeutsche Gemälde und die Grabmäler des Ritters Wolf von Homburg und des Abts von Stein, Davids von Winkelheim, sind beachtenswert.

Auf dem Brunnen, der mit seinem frisch schwellenden Strahl eine wesentliche Zierde des Marktplatzes ausmacht, steht die Figur des Kirchengründers; einige Ritterschaft und Amtsgebäude in der Nähe geben eine vorteilhaften Begriff vom städtischen Wesen der mittelalterlichen Zeit. – Zugleich aber bilden sie einen auffallenden Gegensatz zu dem neuen Kauf- und Rathause, das in seinem steifen, schmucklosen Äußeren zu den unerbaulichsten Betrachtungen Veranlassung gibt. – Das Stadtarchiv soll, wie man mich versicherte, wenig Geschichtliches enthalten; die auf die Stadt bezüglichen Urkunden befänden sich in schweizerischen Archiven und aus späterer Zeit sei wenig mehr vorhanden.
*Eine Geschichte von Radolfzell verfaßte der verstorbene Amtmann Wallcher.

Wäre es aber nicht sehr wünschenswert, in jedem Städtlein oder größerem Dorfe historische Aufzeichnungen seine Chronik, zu führen? Die Mühe, auf jedem Rathause ein derartiges Buch zu unterhalten, wäre in der That gering. Der Chronist, etwa ein Schulmann von altem Schrot und Korn, ein patriotischer Ratsschreiber oder Gemeinderat, würde sich wohl überall finden, der mit uneigennützigen konservativen Sinne und historischer Treue, fern von persönlicher Eitelkeit, das Geschäft besorgte. – Solche Arbeiten gäben den Nachkommen manch‘ willkommenen Aufschluss im Gemeindehaushalt, und Belehrung in vorkommenden ähnlichen Fällen; zugleich würde das Andenken des Guten und Würdigen der Vorzeit erhalten, und Anhänglichkeit an den eigenen Grund und Boden, mit der Liebe zum Vaterlande geweckt werden.

Von der Umgebung Zell’s kann mit Recht gesagt werden, dass sie einem fruchtreichen Garten gleiche. Wer einen Mittwochsmarkt in der Stadt besucht, wird alle Erzeugnisse einer bis zur Überfülle begünstigten Gegend beisammen finden. Umso mehr mag es auffallen, diese Bucht des See’s weniger als die übrigen Gewässer befahren und von keinem Dampfschiffe besucht zu sehen. Die kürzere direkte Landverbindung mit der Schweiz, welcher Zell und sein Amtsbezirk kommerziell verbunden sind, scheint den Verkehr zu Wasser einigermaßen entbehrlich zu machen.

In östlicher Richtung von der Stadt erstreckt sich schwertförmig eine Landzunge in den See. Sie heißt die Mettnau (Augiae Meta); in ihrem Umfange trägt sie Wein, und endet in ein niedriges, oft überschwemmtes Ried, wo die städtische Meierei steht.

Ich machte einen Spaziergang durch ihre höher gelegene Weinberge, wo man eine freie Rundschau genießt. – Über dem dunkelblauen Abendsee funkelte bereits der freundliche Hesperus. Die Gegend ringsumher war in Schweigen gesunken; nur eine Lerche, der lieblichen Mettnau entstiegen, schmetterte noch die letzten Strophen ihrer Jubelhymne. – Rückwärts streifte der Blick in’s grüne Hegau, wo in zarten Silhouetten die Schlossberge Hohentwiel, Krähen und Stoffeln standen. – Rechts der mächtige Schienerberg und die blinkenden Villen Thurgau’s – links an der niederen, waldbedeckten Hügelkette Makelfingen und Allensbach; und vor mir in blauer Flut – die Reichenau, und über dem dunklen violetten Wasserstreifen – Konstanz, wie dicht am Fuße der Alpen

Das breite Vorland, überragt von dem Schienerberg, zwischen dem Zellersee und dem Rhein, heißt die Höre (Bischofshöre). Der Name soll „dem Bischof gehörig“ bedeuten, weil der Landteil seit uralten Zeiten den Bischöfen von Konstanz zinsbar und eigen war. Die Höre ist außerordentlich fruchtbar – „wenn der Bauer e Hörnle us em Sack verliert, so wachst es“. Sie gewährt dem Wanderer die angenehmsten Touren, obwohl sie wenig besucht wird von jenen Söhnen Albions, die mit ihrem Wegweiser in der Hand fragen: was muss man hier sehen? – oder von unseren modernen Germanen, denen allein nur Gambrinus den höchsten Genuss verschaffen kann. Desto besser aber wird es einem Solchen gefallen, der überall am rechten Platze ist, wo eine schöne Natur und ein unverdorbener, kräftiger Menschenschlag sich findet.

Von Zell führt der Weg um die flache Seebucht nach dem Dorfe Moos. Ein weiteres schilfiges Ried oder Moor, umschwärmt von zahllosen Möwen und anderen Wasservögeln, bildet ein der Fischerei vorzüglich günstiges Revier. Zudem mündet hier die Ach, welchem Flusse mit lebendigem, und im Frühlinge, wenn kaltes Alpenschneewasser den See füllt, wärmerem Wasser gerne die laichenden Fische zuziehen. Beinahe alle im Bodensee vorkommenden Fische werden hier gefangen: der Aal, die Treische, der Barsch, die Lachsforelle, der Äsch, die Muräne, der Fölchen, die Barbe, der Karpfen, der Hecht, der Brachsmen und viele mehr.

Der Untersee ist überhaupt fischreicher als der Obersee. – Ein alter Fischer, der am Ufer beschäftigt war, Garne zum Trocknen aufzuhängen, erzählte mir mancherlei von seinem Handwerk. Die Laichzeit des Bachsmen dauere in der Regel nicht länger als zwei Tage, und sonderbarerweise falle sie fast immer auf einen Feiertag oder Sonntag. Um diese Zeit werde dann der Fisch zu Tausenden gefangen. Zu Bischofszeiten habe sich einmal die Landgeistlichkeit wegen Entheiligung des Sabbaths durch die Fischer beschwerend an den bischöflichen Obervogt von Hundtbiß auf der Reichenau gewendet. Der alte Herr habe den Spruch gethan: weil die Fische bei ihrem Laichen keinen Feiertag beobachteten, so könne man den armen Fischern, welche sie fangen sollten, ebenfalls nichts gegen ihr Sonntagsgeschäft haben. Es gebe aber, sagt der Mann, von alters her, absolute Seefeiertage, wie zum Beispiel die doppelten Aposteltage. – Über die Schweizer Fischer beklagte er sich; sie machten, behauptete er, auf sehr zudringliche Weise von ihrem diesseitigen Fischrechte Gebrauch und schon dabei die Setzgarne ihrer Genossen nur wenig, während der Badenser Grund genug habe, auf der Schweizerseite sein Recht nicht geltend zu machen.

Bekanntlich treibt im Hegau der Popele von Hohenkrähen noch immer seinen neckischen Spuk. Auch der Fischer von Moos weiß von ihm zu erzählen. In dunklen Nächten hört er oft rufen: „Hol, hol!“ und eilt an die Fahr, im Wahne, es wolle Jemand vom jenseitigen Ufer übersetzen, siehe da – das Schifflein ist los und die Ruder sind in’s Wasser geworfen. Wenn der Fischer bei Nachtzeit „setzt“, so patscht und badet es, als wären sie hundertweis im Garn; wenn er zur Stelle eilt – findet er die Garne zerrissen – und im Nachtwind verhallt ein schelmisches Gelächter. – Gleiches passiert den Jägern, die „beim Hellmond, wenn’s zunachtet“ und in den Fallschirmen der Wasserjagd pflegen. – Jedesmal aber kommt auf solche Spukerei ein Unwetter.

Von diesem wunderlichen Burggeist hörte ich überhaupt allerlei erzählen. Der Wirt von Gayenhofen ritt früher einmal mit einem Kameraden nach Engen auf dem Bohnenmarkt. Sie machten schlechte Geschäfte und suchten ihren Verdruss in einigen Botellen Neuen zu ertränken. Als sie im Heim ritt, am „Krayen“ vorbei kommen, ruft der Eine Spottweise hinauf: „Popele komm, komm!“ Und gibt seiner Mähre lachend die Sporen; – aber siehe – es dauert nicht lang, so liegt er da im Graben – und der Kamerad, der absteigt, ihm aufzuhelfen, verliert ebenfalls das Gleichgewicht und stolpert über ihn hin. Um ihre Ohren schallt es wie Gelächter, und wenn die Gäule nicht so vernünftig gewesen und stehen geblieben wären, hätten sie den Weg bis heim zu Fuße machen müssen. – Ähnliches soll sich noch oft in dieser Gegend zugetragen – „absonderlich in guten Weinjahren“, würde der alte Custode im Konstanzer Conciliumsaale sagen.

Das Geröhricht um Moos ist, wie bereits erwähnt, auch für die Wasserjagd sehr günstig. Es kommen alle Gattungen Wildenten, Strandläufer, auch Wasserhühner vor und zuweilen verirrt sich ein Fischadler oder ein wilder Schwan hierher. Der beständigste Gast jedoch ist die aschgraue Möwe, die mit ihrem heiseren Geschrei die Altwasser und Moore so gierig und dreist umschwärmt, als wolle sie den Fischern alle Augenblicke ihren Fang streitig machen. – Das hier wachsende Ried- oder Schilfgras wird zu ökonomischen Zwecken benützt, der halbe Morgen einer solchen „Streuwiese“ kostet nicht selten 300 fl. Ankauf.

Die Gegend von Moos, Weiler und Iznang heißt die Zwiebelhöre, weil in den Gemarkungen dieser Dörfer vorzugsweise Zwiebeln gepflanzt werden. In dem lockeren, sorgfältig erhöhten Boden, sieht man dieses Gewächs zelgenweise gebaut; es wird nach Schaffhausen verführt, wo alljährlich ein besonderer Zwiebelmarkt an St. Bartholomä abgehalten wird.

Nahe bei Weiler lag früher ein Edelsitz der Herren von Grüneberg, aus dem später ein armes Nonnenklösterlein erwuchs, von welchem aber keine Spur mehr sichtbar ist.

Der Abwechslung wegen zog ich, mit Umgehung der Uferdörflein Itznang und Gundolzen, von Moos über Weiler gen Gayenhofen. Der Weg führt durch ein wohlangebautes Tal und zuletzt über einen waldigen Gebirgskamm. Einem Blicke rückwärts zeigen sich im malerischer Verschiebung zum letzten Mal die Berge des Hegau’s. Die weite Wasserfläche verschwindet, statt ihrer brausenden Gewelle trifft Tannenrauschen unser Ohr, der Schlag der Finken und tief im grünen Forst das Geruuke der wilden Taube. – Doch, die wohltuende Abwechslung dauert nicht lange, bald endet der Wald, die Höhe ist erstiegen, und die Straße führt sachte abwärts. – Die Reichenau taucht wieder aus den Wellen empor und vor uns, zwischen paradiesischen Ufern, zieht der mächtige Vater Rhein.

Über dem Thurgau standen dunstige Wolken und Wetter, und tief im Horizont murmelte der Donner. – In Gayenhofen, wo ich einkehrte, sagte man mir, dass Hagelwetter in dieser Gemarkung keine Seltenheit sein; aber jedesmal bleibe Iznang verschont. Der Wirt erzählte von einem furchtbaren Schloßenwetter, wobei die Rehe gestreckten Laufes aus den oberen Wäldern dem See zu geeilt seien, um sich in dem Wasser zu bergen.

Gayenhofen hat ein altes noch bewohntes Schloss; dieses gehörte seit dem zwölften Jahrhundert zu dem Hochstift Konstanz, von dem es die Herren von Klingenberg, von Reischach, von Heudorf und andere zu Lehen trugen. In späteren Zeiten besaß es der Bischof unmittelbar. Alle Monate wurde hier von dem bischöflichen Amtmann von Bohlingen und Amtstag gehalten, und weil die Keller voll des besten Weines lagen, so soll der fleißige Mann jedes Mal illuminiert und von dannen gezogen sein. Auch mein launiger alter Wirt wusste von den Kellern zu erzählen, wenn der bischöfliche Kellermeister in Geschäften dahin kam, so war jedem, der bei ihm ein sprach, ein gemessener Trunk verabreicht. War aber der Kieferknecht allein in den Gewölben, so ging es mit einem Trunk selten ab. Der Wirt wurde als Bub auch einmal von dem gastfreundlichen Knecht traktiert. – Bei seiner Heimkunft warf es ihn den langen Weg zu Boden und die schwere Zunge lallte unverständliche Worte. Die Mutter, zum Tode erschrocken, rief dem Vater; dieser aber, der sogleich merkte, wo der Haas im Pfeffer liege, sagte: „Bist im Schloss gsi? – Jo – Ist de‘ Kieferknecht d’obe? – , He jo“ – „Für‘ ihn uffi und leg‘ ihn in’s Bett“, habe der Vater die jammernde Mutter lächelnd getröstet, „si Krankhet ist nit so geföhrli!“

Aufwärts im See, bei Hornstad, steht halb zerfallen ein kleineres Schloss. In seinem verwahrlosten holzgetäfelten Stuben wohnt ein armer Bauer. Die Besitzung gehörte früher den Herren von Kopenhagen, die durch üble Wirtschaft so herunterkamen, dass sie in der teuren Zeit der vorigen 70er Jahre, einen Vierling des besten Feldes um einen Laib Brot hergaben.

Horn, eine kleine Viertelstunde von da, bietet eine der freudigsten Aussichten am ganzen See. Die hochgelegene Kirche überschaut ein weites, herrliches Panorama. Wie ein schimmernder Garten liegt die Reichenau vor uns; über der Landzunge schimmert der Überlinger See und seine Felsenufer, herwärts die grauen Mauern von Zell, östlich die Kathedrale von Konstanz und der blaue Gürtel der Alpen, das grüne Schweizerland und seine im See sich spiegelnden Städtlein und Dörfer, Ermatingen, Berlingen und Steckborn. Es ist Sonntag früh, die Glocken erklingen ringsum aus den fliehenden Morgennebeln und stimmen deine Seele zum Gebet und zum Entzücken.

Obwohl abwärts Gayenhofen die Ufer sich verengen und das Wasser bereits merklich rinnt, so ist der Name See bis an die Brücke zu Stein noch immer der bezeichnende. – Oberhalb bei Ermatingen wird bedeutende Wasserjagd und Fischerei getrieben; unter Anderem kommt dort der den Biertrinkern bekannte Gangfisch vor, der zur Laichzeit in ungeheurer Anzahl gefangen wird.

Abwärts Gayenhofen liegt zuerst Hemmenhofen; es gehörte früher dem jenseitigen schweizerischen Kloster Feldbach und mit diesem zur Grafschaft Nellenburg. – Eine heiße Mittagssonne begleitet mich auf diesem Wege. Um so lieber folgte ich der Einladung des Müllers von Hemmenhofen, welcher von seinem Hause stehend, dem Fremden, der ihm um den Weg fragte, zurredete, einzutreten in sein Haus und eine kurze Mittagsruhe darin zu halten. Dem Zuspruch folgend, sass ich denn längerer Zeit gar behaglich in dem altväterlichen Stüblein, neben dem klappernden Mühlwerk, und ließ mir den säuerlichen Seewein und das kräftige Hausbrod, mit welchem mich der Hausherr regalierte, vortrefflich schmecken. – Eine solche alttestamentarische Gastfreundschaft findet sich eben nur noch auf dem Lande.

Eine kleine Strecke vom Dorfe erschauen wir das Schloss Marbach. Es gehörte seit Jahrhunderten den Herren von Ulm, von welchen es käuflich an einen französischen Malteser-Ritter von Grimaldi kam. – Frei auf einem felsigen Hügel an der Straße hatte es vor Kurzem noch Mauern und Umwallungen; der neue Besitzer ließ alles Abtragen, ebnen und dem alten Ritterhause einen nagelneuen weißen Anstrich geben. Dieser vor kurzem verstorbene Mann hatte überhaupt große Baulust, aber zwecklos wie ein Kind, das heute einreißt, was es gestern aufgebaut. „Es ist gut genug auf ein Jahr“ lautete der Wahlspruch des reichen Herrn, dessen Liebhabereien übrigens den umwohnenden Handwerksleuten und Tagelöhnern trefflich zu statten kamen.

In der Pfarrkirche des hübschen, vom alten Obstbäumen beschatteten Dorfes Wangen hatten die Herren von Ulm in einer eigenen Kapelle ihr Begräbnis. In der Kirche, mit der Jahreszahl 1411, sieht man ein Grabmal aus Sandstein gehauen: eine lebensgroße liegende Figur in voller Rüstung, den Kopf auf die Hand gestützt und den Rosenkranz in der Hand. Es gibt dem „edlen und gestrengen Hans Caspar von Ulm zu Marbach und Wangen, der in Gott alt, katholisch gelebt und aus diesem Jammertal abgeschieden im Jahr 1610“.

Als ich am schwülen Nachmittag von Wangen weiter pilgerte, kam mir ein mühselig daherschreitender Alter entgegen, mit dem ich ein flüchtiges Gespräch anknüpfte. Er sei früher einer der wohlhabendsten Bauern der Gegend gewesen, erzählte er, habe aber den Unschick gemacht, Alles seinen Kindern zu geben, denen er jetzt (ein Akt aus König Lear) unwert und überlästig sei; hoffentlich werde es aber mit ihm bald „Feuerthalen“ (dem Fegefeuer) zugehen. Der Tod könne ihn heute oder morgen dahin mähen. – Es waren in eurer Jugend wohl schönere Tage als jetzt? – warf ich hin. – Das will ich meinen, erwiderte er, das war ein anderes Leben – ein viel freieres. Jetzt darf, hol mich Gott – ja Keiner dem anderen mehr eine – Ohrfeige geben, ohne dass er vor Amt kommt. Zu meiner Zeit hat keinem Hahn darnach gekräht – und Tanz und Musik haben wir alle Sonntag und Feiertag gehabt! Sagte er ganz ernsthaft und humpelte kopfschüttelnd weiter, dem Dorfe zu.

Bevor ich sofort mein Tagesziel, Öningen, erreichte, hatte ich Gelegenheit, noch einen romantischen Rest alter Zeiten zu betrachten. – Die alte abenteuerliche Burg Kattenhorn, die, wie ein verrosteter Harnisch aus der Rüstungskammer des Mittelalters, wenig beachtet am flachen Ufer des See’s liegt. In ihren dunklen, holzgetäfelten Gemachen wohnte ein fürstenbergischer Dienstmann, der das schöne fürstliche Rebgut zu bauen und zu beaufsichtigen hat. Das Schloss (mit einigen Häusern) wird schon im Jahr 1155 urkundlich genannt. Die Herren von Landenberg waren seine früheren Besitzer. Eine kleine nebenan stehende Kapelle hat die Jahreszahl 1583. – Oberhalb am Berg erhebt sich ein kleines neueres Schlösslein, welches ein Herr Schultheiß baute, kurze Zeit bevor es an Fürstenberg kam.

Ein mehr in die Augen fallendes altertümliches Bauwerk finden wir hart am See, zwischen Hattenhorn und Öningen – das Schloss Oberstad. Der wohl erhaltene Turm mit zackigen Zinnen und gotischen Fenstern schaut wie ein Gewappnet über den See, den er als Wächter einst beherrschte. Wie Badian erzählt, wurde von hier aus den Schiffern manche Gewalttat zugefügt, weshalb die Schweizer im Jahr 1499 ihren Groll durch Zerstörung des Schlosses ausließen. Vordem besaßen es die Herren von Klingenberg, von welchen es in schnellem Wechsel von einer Hand in die andere kam. An den Mauern dieses Baues haftet die Erinnerung eines schnöden Mordes. Der vorletzte Besitzer war ein allgemein geachteter Herr von Lenz. Früherer Hauptmann im fürstenbergischen Diensten, verwaltete er von dem Schloss aus das benachbarte fürstliche Rebgut in Hattenhorn.

Er hatte eine einzige Tochter, Walburga, die ihre Güte und Leutseligkeit wegen in der Umgebung allgemein beliebt war. – Im Hause bestand die alte Sitte, bei Tagesanbruch mit dem Turmglöcklein die Hora oder „Betzeit“ zu läuten. Als eine Magd, der dies Geschäft oblag, einst um Mitternacht, beirrt durch die Helle des Vollmondes, das Glöcklein zog, eilten die benachbarten Öninger herbei, in der Meinung, es sei dem Hause etwas Übles zugestoßen und das Geläute ein Notruf. Das Fräulein äußerte hierbei, wenn je ein solcher Fall eintreten solle, so werde sie nicht säumen, den bereitwilligen Nachbarn ein Zeichen mit dem Glöcklein zu geben. – Das arme Kind wusste nicht, wie nahe ihr ein solcher Fall bevorstand. – Es war an einem Sonntag, den 16. Dezember des Jahres 1829. Der Vater hatte sich mit den Spätgottesdienst nach Öningen begeben, die Tochter war allein in dem ringsum abgeschlossenen Hause zurückgeblieben. – Zwei Tiger in Menschengestalt mußten aber vorher sich in dem Bau eingeschlichen haben, die jetzt hervorbrachen und das Fräulein, ehe sie noch den Turm und den Glockenstrang erreichen konnte, überfielen. Es scheint, dass die Mörder sie nötigen wollten, ihnen Geld und Kostbarkeiten zu entdecken, und als sie nicht zu ihrem Zwecke gelangten, das Fräulein von ihnen tödlich verletzt zu Boden geschlagen wurde. – Nach einer Weile aus tiefer Ohnmacht erwachend, schleppte sie sich taumelnd in die Wohnstube, wo die Banditen eben im Begriff sind, eine Kommode zu leeren und nun ihr Opfer vollends mit schweren Hammerschlägen töteten. – Indem schellte es am verschlossenen Hoftor – sie eilten hinab und treffen einen Handwerksmann, der in Geschäften zu dem Schlossherrn will. Es entspinnt sich ein verzweiflungsvoller Kampf, in welchem der Einzelne unterliegt. – Von der Schweizerseite, von Mammern aus, sah man zwei Männer querfeldein der waldigen Anhöhe zurennen. – Dem Vater aber ward, als er aus der Kirche zurückkam, der schreckliche Anblick des erbrochenen Hauses und zweier Leichen. – Niemals wurden die Täter entdeckt. Zwei übel berüchtigte Menschen, auf welchen der Hauptverdacht lastete, endeten, des langen Verhörs entlassen, später unter auffallenden Umständen. Der tiefgebeugte Vater aber wollte das Haus nicht mehr bewohnen, weshalb er die ganze Besitzung verkaufte. Jetzt ist sie Eigentum eines schweizerischen Fabrikherrn.

Doch wenden wir den Blick ab von einem unerfreulichen Gegenstande, der uns die Menschennatur auf dem schwärzesten Grunde zeigt. – Die Landschaft umher ruht so mild verklärt im goldenen Abendlichte, als wohnte keine Leidenschaft, nichts als Eintracht und Friede in ihr. Der Klosterbau erhebt sich imponierend über den Dächern des großen Dorfes, und Du glaubst eher eine Stadt als ein Dorf vor dir zu haben.

Von dem alten Augustinerstift Öningen berichtet uns die Geschichte, dass es ein gleiches Schicksal hatte wie das Kloster Reichenau; im Jahr 1534 wurde die Probstei zu den Tafelgeldern des Bischofs von Konstanz gezogen, der sich von da an „Statthalter von Oeningen“ nannte, und das Stift durch Priore, und später durch Dekane verwalten ließ, während die Mönche vom Hochstifte ihren Unterhalt bezogen. – Die Klostergründung fällt ins Jahr 965. Cuno, ein Sprössling der Grafen von Oeningen, die hier in dem Hauptorte der uralten Grafschaft gleichen Namens gewohnt haben, vergab seine Güter und sein Schloss der Kirche, zur Errichtung einer Augustiner-Probstei. Noch jetzt heißt ein mittelalterlicher Teil des Klosters das „Stammhaus“. Die nebenstehende Totenkapelle mit der Mönchsgruft soll die erste Kirche gewesen sein; eine Brüderschaft, „die Todtenbrüder„, hält noch alljährlich darin ihren Gottesdienst. –

Die Grafen von Öningen waren den berühmten Geschlechtern Habsburg und Zähringen nahe verwandt. – Das Dorf wird bereits in der zweiten Hälfte des achte Jahrhunderts als reich begüterter Meierhof genannt. Nahe dabei ist der berühmte Oeninger Steinbruch (Stinkkalk), in welchem zahlreiche Versteinerungen urweltlichen Getiers zu finden sind.

In dem nahen Stiegen, dem letzten badischen Orte, hatte ich übernachtet und machte des anderen Tages eine Tour nach Schienen. – In Oeningen, durch welches der Weg führt, prangten die Brunnen im Schmuck grüner bebänderter Tännlein – ein Werk der Schönen des Dorfes, die hiermit dem ersten Maitag ihre Huldigung dargebracht. – Schienen liegt im Schoße des Berges gleichen Namens, 2006 badische Fuß über dem Meere. Die Abgeschiedenheit des Ortes passt trefflich zu der Sage, welche Schienen, in den ersten christlichen Jahrhunderten, zu einer Zufluchtstätte für verfolgte Christen macht. Das uralte Michelskirchlein (in neuester Zeit eine Privatwohnung), soll an jenen Zeiten herrühren; es war vor Allem von einem großen „Todtengarten“ umgeben.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zu unserer lieben Frauen soll, zugleich mit einem Kloster, unter Karl dem Großen von Otto, einem Grafen im Hegau und der Bertholdsbaar, gebaut und gestiftet worden sein. Das Stift, ein Benediktinerkloster, kam in der Folge so herab, dass es in einen Chorherrenstift verwandelt und endlich im Jahr 1452 der Abtei Reichenau, und mit dieser dem Bistum Konstanz zufiel. -Der Pfarrhof und die ehemalige Chorherrenwohnung. Die Pfarrkirche trägt am Portal die Jahreszahl 1559. In ihren Grundverhältnissen hat sie noch etwas von der Karolingerzeit, obwohl der Bau teilweise neuer ist, als selbst die ebengenannte Jahreszahl.

Ein Gemälde mit einer Inschrift erzählt die Sage von ihrer Erbauung: Als die Kirch, heißt es, öd und alt zu Boden fallen wollt, und man eine neue baute, ließ sich eine weiße Frau, liebreich mit Worten, sehen und ermunterte die Arbeiter zum Fleiße; es war Maria, wird geglaubt. – Von dem Wallfahrtsbild unserer lieben Frauen wird gesagt: Weil die Kirche öd, wildverwüstet und verderbt, ward das Bildniß (Marien’s) von dannen auf Sankt Michelsberg getragen, und von keiner Menschenhand, wie die Alten sagen, angerührt, wieder allhie gefunden.

Links am Chor bewahrt ein Grabstein mit einem unbehülflich gemeißelten Bildnis das Andenken des ehrbaren Hölzlin von Martendorf (gestorben 1598), „der 17 Jahr bei Hans Christoph von Schienen ehrlich gedient und demselben drei Töchter aus der Taufe gehoben.

Nördlich von Schienen, auf einem Vorsprung des Berges, liegt die Schrozburg, mit einem fürstenbergischen Kameralhof. Die Sage schreibt die Erbauung der Veste einem alemannischen Adelichen zu, während die antiken Fundstücke* auf ein Römerkastell deuten.
*Bestehend in mehreren römischen Silbermünzen, die in der fürstlich fürstenbergischen Altertumsammlung im Schlosse zu Hüfingen aufbewahrt sind.

Ihre Zerstörung fällt ins Jahr 1441, in die Zeit, wo die aufblühenden Städte in steter Fehde lagen mit der Ritterschaft, von welcher bereits mancher Sprosse die Tugend der Väter verloren hatte. Auf Schrozsburg saßen die Ritter von Schienen. Einer aus diesem Geschlechte, Werner mit Namen, der in Mitte des 15. Jahrhunderts die luftige Feste bewohnte, trieb in der Gegend um den See unedle Wegelagerei. Einmal fing er auf dem Staderberge bei Konstanz einen Krämer von München, den herbeikommende Konstanzer mit Mühe aus seinen Händen befreiten. Allein der Streitritter hatte ihn bereits geplündert und seine Barschaft in fürsorglichen Besitz genommen; die Münchner, denen man deshalb schrieb, antworteten, dass weder ihre Herrschaft noch sie mit dem gedachten von Sienenen jemals Ungunst gehabt hätten.

Gleichzeitig lagen sich die verbündeten schwäbischen Städte und ein Teil des Adels im Hegau und am Rhein in den Haaren; und es ging bei diesen Feindseligkeiten wie heut zu Tage zwischen den Russen und Westmächten, man nahm und verdarb sich gegenseitig zugehöriges Gut, wobei dann mancher Unschuldige in Schaden kam. So machte unter anderem der Adel bei Stiegen einen Fang an Genfergut, welches zu Schiff von Konstanz nach Stein verbracht werden sollte. –

Es waren dabei Heinrich von Lupfen, Hans von Rechberg und zwei von Landenberg; diese ließen die Beute, 20.000 fl. an Wert, auf Wägen nach der Burg Höwen führen. Ein größerer Teil, auf 10.000 fl. geschätzt, blieb aber in Stein, unter der Obhut des Ritters von Klingenberg, der einen „michel Theil“ davon den Konstanzern, die nicht in das Städtebündnis gehörten und ihr Eigentum zurückforderten, auslieferte. Ebenso wandte sich der Rat von Konstanz auch nach Höwen, und ließ den Rittern sagen, dass unter dem genommenen Gut Vieles von Konstanzer Bürgern sich befinde. Die Adeligen antworteten, was die von Konstanz bei ihrem Eid als eigen ansprechen könnten, solle ohne Schaden gütlich ausgeliefert werden. – Die verbündeten Städte aber wollten einen Zug vor die Burg Höwen tun, kamen aber zu keinem Entschlusse.

Unterdessen betrieb der von Schienen sein Wegelagerergeschäft so schwunghaft, dass Niemand getrost und fröhlich von Konstanz nach Stein und Schaffhausen reisen konnte, weil der Ritter und seine Gesellen zu Wasser und zu Land viel Ungemach verübten und alle vorbeifahrenden Schiffe anriefen und zu Landen nötigten. Eines Tages ritt Werner mit acht Pferden von seiner Schrozsburg aus über den Rhein in den Bonderbach unter Freudenfels. Über den Trupp kamen etliche Gesellen von Konstanz und nahmen ihnen drei Pferde und einen armen Knecht gefangen. – Als aber die verbündeten Städte Ulm, Biberach, Memmingen, Kempten, Ravensburg, Buchhorn, Lindau, Überlingen, Rottweil x. endlich Ernst machten, sich rüsteten und von Konstanz verlangten, dass die Stadt dem Bündnisse beitreten solle, lehnte der Rat das Ansinnen ab, unter dem Vorwande, dass es eine Schmach wäre, wenn Konstanzer Bürger unter dem Hauptmann der Überlinger in’s Feld ziehen würden; auch hätten die Städte Alles verabredet und festgesetzt, ohne Vorwissen und Beiziehung der Konstanzer, sie könnten deshalb ehrenhalber nicht mitziehen; was man den Nachbarn aber sonst zu lieb tun könne, wolle man tun.

Am Allerheiligenabend zogen die Städtischen von Überlingen aus nach dem Hegau. Bald darauf schwuren auch die von Radolfzell zu ihnen, die es früher mit der Ritterschaft gehalten hatten. Man zog vor ein Haus, die Wasserburg geheißen, und gewann auch denen von Rechberg eines ab. Hernach ging’s vor die Schozburg, die Wohnung der Herren von Schienen. Die Burg war fest und wohl versehen mit Wein, Fleisch und anderem. Die Belagerer fingen an, das Holz um den Berg zu fällen, um damit alle Ausgänge ringsherum zu verlegen, dass Keiner entrinne. Als die Belagerten dieses merkten, steckten sie die Burg in Brand und flüchteten. Die Feinde aber löschten das Feuer und machten große Beute. – Nachher brannten sie die Burg nieder und zerstörten sie von Grund aus. Überdies verbrannten sie das Dorf Schienen, einen Torkel und ein dem von Schienen gehöriges Haus, verdarben die Reben und nahmen alles weg, was sie erwischen konnten. Nach diesem verbrannten sie Horn und was denen von Rechberg gehörte, zogen gegen Hilzingen, wovon auch ein Teil diesem Ritter gehörte und zerbrachen daselbst den Turm. Dann wandten sie sich gegen das Städtlein Stein, wo sie an den Hans von Klingenberg wollten; die Steiner widersetzten sich aber, und der Junker Albrecht von Klingenberg zu den Städtern und sagte, Stein wäre sein und die Sache der Adelichen ginge ihn nichts an. Auf dieses ließ man ab und zog in’s Hegau, verbrannte den Anteil des Hans von Rechberg an der Burg Stauffen und gewann die Wasserburg, die dem Vitus von Ast gehörte. Vor Engen wurde nichts unternommen, weil Graf Sigismund den Sturm zu beschwichtigen wusste, dafür wurde aber das Eigentum des Grafen von Lupfen verwüstet. – Da es schon zu kalt war, um Höwen zu belagern, wandte sich der Siegeszug (am 16. November) wiederum heimwärts. – Nachdem die Feindseligkeiten noch längere Zeit fortgedauert und manches arme Dörflein im Hegau mit Feuer und Schwert heimgesucht worden, kam endlich, auf Befehl des Kaisers Friderich, ein Friede zu Stande, der im Jahr 1445 zu Konstanz besiegelt wurde. Jeder Theil mußte den ihm zugegangen Schaden erleiden, ohne Ersatzansprüche. Dergleichen Putsche waren im Mittelalter an der Tagesordnung.

Von der Schozburg ist nur weniges Mauerwerk, umfangen vom Graben, übrig. Die Aussicht, die man hier hat, ist groß und herrlich; wie von einer Königsloge aus betrachten wir ein weites Amphitheater – links das ganze Hegau, rechts den Untersee, Reichenau und Konstanz, den glänzenden Obersee und in blaulicher Ferne das Vorarlberg. – Wie zum Finale drängt sich die weite, von uns durchwanderte Landschaft noch einmal auf die Bühne – ruhendes Gewässer, freundliche Städtlein, Dörfer halbverdeckt im Grünen, auf den Zacken alter Felsen gebrochenes Gemäuer, aus grünem Wiesenplan der Blitz der Bäche, weitgedehnte Wälder, wogende Saatfelder und Gebirge, ruhend in Duft und Wolken.

Die Sonne war bereits hinunter, als ich über die Landesgrenze zum Städtlein Stein zuwanderte. Noch einmal öffnet sich auf luftiger Höhe die Aussicht; über Land und See lagen schon die Schatten der Nacht, aber die ewigen Alpen, schweigend und groß, standen noch glühend wie Abendrot am fernen Horizont.

In dem alterthümlichen Schweizerstädtlein Stein machte ich Rasttag. Es war mir vorzüglich darum zu thun, den schönen Amtssaal im ehemaligen Kloster zu sehen. Aber da der Stadtschreiber zufällig abwesend war, so wollte Niemand über die Schlüssel gebieten, und ich mußte auf den Genuss verzichten. Nach dem Urteile Verständiger sind die Wandgemälde des Klostersaales dem Besten mittelalterlicher Kunst beizuzählen. Sie entstanden unter Abt David von Winkelsheim, der während der Reformation nach Radolfzell flüchtete, und, wie bereits erwähnt, in der dortigen Pfarrkirche begraben liegt.

Als Ersatz für den vorenthaltenen Kunstgenuss betrachtete ich das hübsche Städtlein, seine wohlerhaltenen mittelalterlichen Häuser, ihre Wandgemälde und zierlichen Erker, und hoch über Allem – die ritterliche Burg Hohenklingen.

Ich hatte einen Platz auf dem Eilwagen genommen und war über die Rheinbrücke gegangen, an der Straße nach Schaffhausen den Wagen zu erwarten. – Eine Zigeunerfamilie lagerte nicht weit von meinem Wachposten im Grünen. Einige ihrer braunen Weiber kamen zu dem Reisenden herüber, ein müßiges Gespräch anzuknüpfen. – Sie fragten nach Heimat und Vaterland. – ich hatte keinen Grund, die Frage ausweichend zu beantworten. Sie spendeten dem Lande große Lobsprüche und rühmten seine Gastfreundschaft gegenüber der Schweiz. – Ich fragte, wohin ihre Reise gehe? – Wir wissen es selbst nicht! lautete die Antwort, wir sind überall am rechten Ort, wo sich gute, hilfreiche Menschen finden.

Indem rollte der Wagen heran und hielt, der Passagier stiegen ein, und fort gieng’s es in rascher Fahrt den Ufern des grünen Rheins entlang nach Schaffhausen und weiter.

Ende

Radolfzell (Wikimedia)

Radolfzell, Thor

Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 (Wikimedia)

Grab von Radolf von Verona in der Kirche von Radolfzell. (Foto: Wikimedia)

Die Geschichte über den Ratoldsbrunnen ist im Südkurier aufgearbeitet:

Der Poppele vom Hohentwiel

Über den Poppele kennt wohl auch noch heute jeder eine Geschichte. Falls sich jemand, aus Sicht des frühen 20. Jahrhunderts, dafür interessiert, dem sei zu der Abenteuerliche Reise des kleinen Schmiedledick von Elisabeth Walter geraten.

Felchen

Es sind mehrere Quellen zum Gangfisch vorhanden und sie gehen bis ins Mittelalter zurück. Aus den Quellen lässt sich deuten, dass der Gangfisch ein sehr wichtiges Produkt für den Bodenseeraum war. Offensichtlich war der Fischfang nicht nur auf Ermatingen konzentriert. Gottlieben und Konstanz werden als weitere Fangorte genannt. Seine Wichtigkeit hatte der Gangfisch auch als Handelsprodukt, sei es als Zehntenabgabe oder als Exportprodukt. Fangzeit und –methoden sowie Zubereitungsweisen werden ebenfalls in den Quellen beschrieben.

Wird der Legende des Konstanzer Bischofs Gebhard aus dem 10. Jahrhundert Glaube geschenkt, ist der Fisch schon seit dieser Zeit bekannt. Eine weitere gefundene Erwähnung datiert aus dem 13. Jahrhundert. Damals kommt der Name Gangfisch – dazumals „ganchvisch“, „gangvissche“ oder „gantvisch“ – in alten Fischereiordnungen vor. Die älteste Erwähnung von der Ankunft der Fische im Laichgebiet ist im 1337 vollendeten „Schachzabelbuch“ des Schweizer Benediktinermönchs Konrad von Ammenhausen zu finden. Sie war am 11. November, dem St. Martinstag, und dauerte zwölf Tage. Der Gangfisch war eng mit den Klöstern in der Umgebung verbunden. Zum einem im Rahmen der Klosterfischerei, das heisst zur Versorgung der Klöster selbst, zum anderen vergaben sie auch Fischrechte zur Lehe, deren Zins jährlich in Naturalien, in einer festgelegten Menge an Fischen, zu bezahlen war. Fischereirechte im Untersee vergaben das Kloster von Reichenau und der Bischof von Konstanz. Der Ermatinger Dorfchronist Thomas Vaterlaus berichtet von einer Quelle aus dem 14. Jahrhundert, wonach die Ermatinger „getertem Gantvisch“, also geräucherten Gangfisch, dem Kloster Reichenau als Teil ihres Zehnten abliefern mussten. Aus dieser Quelle geht hervor, dass der Gangfisch bereits damals geräuchert wurde. Auch in der Ortsgeschichte von Gottlieben, einem Nachbardorf von Ermatingen, ist notiert, dass die Bewohner dem Bischof Gangfische als Zinsen ablieferten. 13 000 Stück sollen es im Jahr 1521 gewesen sein. Der Bischof aus Konstanz erlaubte den Gottliebern keinen Grundbesitz, so dass sie sich ausschliesslich der Fischerei widmeten. Dies erklärt die bis heute sehr kleine Fläche des Ortes.

Der Gangfisch hat mindestens zwei Blütezeiten durchgemacht. Von der einen berichtet der Konstanzer Historiker Gregor Mangolt aus dem 16. Jahrhundert. Er beschrieb einen Rekordfang: „Im Jahr 1534 fiengents im Manet December […] ob 46’000 gangfisch…“ Der Gangfisch soll so begehrt gewesen sein, dass 1533 „etlich geterdt Gangfisch“ sogar nach Zürich – zu Heinrich Bullinger – geliefert wurden, wie Mangolt berichtet. Eine zweite Blütezeit soll um die Zeit des 2. Weltkriegs gewesen sein. Damals gab es so viele Gangfische, dass man die Idee hatte, einen Wettbewerb mit ebendiesen Fischen als Preis einzuführen. Im Jahr 1937 wurde das so genannte Gangfischschiessen erstmals durchgeführt und findet bis heute jedes Jahr am zweiten Wochenende im Dezember statt. Geschossen wird natürlich nicht auf die Fische, sondern, wie es sich bei einem Preisschiessen gehört, auf Zielscheiben. Anschliessend wird an diesem Tag der Gangfisch in den Ermatinger Restaurants angeboten. Der Brauch ist ein wichtiges und bekanntes Fest, an dem mittlerweile Schützen auch ausserhalb der Region teilnehmen.

Auch über die spezielle Fangmethode wird berichtet. Immer wieder ist von der Gangfischsegi, dem grössten Fanggerät der Schweiz, die Rede. Sie soll bereits im 14. Jahrhundert erwähnt worden sein. Segi bezeichnet sowohl das Boot, einen schweren, schwarzen, flachbödigen bis 15 Meter langen Kahn, als auch das Garn. Ebenso wird mit Segi die Mannschaft bezeichnet. Eine Statutenrevision der Ermatinger Gilde der Gangfischer vom Jahr 1876 legt dar, dass die Mannschaft 18 Mitglieder umfasst. Die Mitgliedschaft war sehr begehrt. Entsprechend streng waren die Auflagen. Lediglich Ermatinger Bürger durften es sein; schied ein Mitglied aus erhielt sein ältester Sohn das erste Anrecht auf Mitgliedschaft, die dazumals stolze CHF 150.- kostete. Wenn es wieder Zeit für den Gangfischfang war, brachte jeder Fischer sein eigenes Zuggarn. Diese wurden anschliessend nach einem genauen Plan zu einem grossen Fischfanggarn zusammengesetzt. Der Fischfang mit der Gangfischsegi war bis nach dem 2. Weltkrieg viel im Einsatz, seit 1958 respektive 1967 – je nach Quelle – ist es jedoch vorbei. Als 1968 ein Fischer erkrankte und sich kein Ersatz finden liess, um die nötigen 18 Mann für die Gangfischsegi zusammenzubringen, wurde erstmals darauf verzichtet. Jedes Jahr hoffte man, dass sich wieder genügend Fischer finden liessen – jedoch vergeblich. Heute ist die Gangfischsegi im Seemuseum in Kreuzlingen oder am Ermatinger Groppenumzug, einer speziellen Form der Fastnacht, zu sehen. Die wenigen heute aktiven Fischer verwenden einen neuen Bootstyp.

https://www.patrimoineculinaire.ch/Produkt/Gangfisch/302

Öhningen

Das Stift Öhningen liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Untersees in der Nähe zum Rheinübergang bei Stein und wurde möglicherweise an der Stelle eines älteren Adelssitzes gegründet. Die Urkunde, in der Kaiser Otto I. (936-973) im Jahr 965 die Stiftung Öhningens und den zugehörigen Besitz bestätigte, ist wahrscheinlich in allen Teilen eine Fälschung des letzten Drittels des 12. Jahrhunderts. Nach diesem unechten Gründungsprivileg hatte Kuno von Öhningen mit Zustimmung seiner Frau Richlind und seiner vier Söhne das Stift kurz zuvor gegründet. Bereits die Gestalt des vermeintlichen Stifters hat für eine noch andauernde Forschungskontroverse gesorgt. Einigkeit besteht lediglich darin, dass Kuno als ein Mitglied des konradinischen Familienverbands anzusehen ist und dass er eine enge Beziehung zum Rheinauer Stifterverband besaß. Die Forschung tendiert des Weiteren dazu, Kuno mit dem von Otto II. (973-983) eingesetzten Herzog Konrad von Schwaben (982-997) gleichzusetzen sowie Richlind als Enkelin Ottos I. genealogisch einzuordnen. Die Vermutung, Kuno habe in Öhningen eine geistliche Institution gestiftet, ist in gleicher Weise spekulativ wie alle anderen Hypothesen, die einen späteren Gründungszeitpunkt favorisieren. Nicht zu klären ist ebenfalls die Frage nach dem Status Öhningens, das erstmals 1155 als Propstei und 1166 als Augustiner-Chorherrenstift sicher fassbar ist: Entweder bestand bereits eine ältere Gemeinschaft von Geistlichen, die erst später die Augustinerregel übernahm, möglicherweise als Benediktinerkloster oder als nicht reguliertes Kollegiatstift, oder Öhningen wurde als Augustiner-Chorherrenstift eingerichtet, vielleicht während der großen Gründungswelle solcher Institutionen im Bistum Konstanz im ausgehenden 11. und beginnenden 12. Jahrhundert. Im Jahr 1155 bestätigte Kaiser Friedrich I. (1152-1190) dem Konstanzer Bischof Hermann von Arbon (1138-1165) den Besitz der „prepositura Oningen“. Nach dem Tod Hermanns konnte der Kaiser seine Besitzbestätigung von 1155 rückgängig machen und so eigene Familieninteressen wahren. Doch kurz nach dem Tod Friedrichs erhielten die Bischöfe das Augustiner-Chorherrenstift wieder zurück, denn am 1191 übertrugen Heinrich VI. (1190-1197) und seine Brüder Bischof Diethelm von Krenkingen (1189-1206) die Vogtei des Orts unter Einschluss des Stifts. Trotz eines Privilegs Papst Alexanders IV. (1254-1261) aus dem Jahr 1256, in dem dieser das Stift Öhningen und dessen Güter in seinen Schutz nahm, blieb die Vogtei seit dem ausgehenden 12. Jh. unangefochten beim Konstanzer Bischof. Die Vogteirechte übten u. a. in Gaienhofen ansässige Untervögte aus, die den Besitz des Stifts verwalteten, der sich vor allem im Hegau und Klettgau, aber auch im Thurgau sowie im südlichen Schwarzwald befand. Ein Propst ist namentlich erstmals 1160 fassbar, er versah die inneren Angelegenheiten des Stifts und lenkte den meist etwa sechs Chorherren umfassenden Konvent. Besonders im beginnenden 15. Jh., als die Gemeinde Öhningen nach Unabhängigkeit von Bischof und Stift strebte, sind häufig Konflikte um Rechte und Zuständigkeiten belegt. Weitere Spannungen entstanden zwischen dem Augustiner-Chorherrenstift und der Stadt Stein am Rhein oder dem dortigen Kloster. Im Schwabenkrieg 1499 blieb Öhningen weitgehend verschont, im Bauernkrieg 1524/25 vertrieben Öhninger Bauern den Propst, selbst einige Chorherren sollen sich den Aufständischen angeschlossen haben. Mit dem Beginn des 16. Jh. erreichte der wirtschaftliche Niedergang auch im Augustiner-Chorherrenstift Öhningen seinen Höhepunkt, meist konnten nur noch drei Kleriker mit Pfründen versorgt werden. Die Bischöfe warfen den Chorherren sittliches Fehlverhalten vor, in erster Linie dürften die Ordinarien mit diesen Anschuldigungen aber versucht haben, das Stift stärker unter ihre Kontrolle zu bekommen. Zudem bot der Kaiser dem Bischof an, die Inkorporation des Stifts Öhningen zu unterstützen, um die Finanzen des Hochstifts zu verbessern. Unter Johann von Lupfen (1532-1537) wurde der Plan ausgeführt, die Inkorporation erlangte 1534 die Zustimmung Papst Pauls III., 1536 die Billigung König Ferdinands I. Nun fungierte der amtierende Konstanzer Bischof als Propst, der einen Dekan oder einen Prior einsetzte, der für die geistlichen Aufgaben vor Ort zuständig war; das Einverständnis des Konvents zu diesen Personalentscheidungen musste nicht eingeholt werden. In Öhningen residierte ab dem 17. Jh. ein bischöflicher Obervogt, der die weltlichen Belange des Stifts bestimmte. Die Inkorporation brachte eine vorübergehende Verbesserung der wirtschaftlichen Situation auch des Stifts, nun sind meist sechs Chorherren als Pfründner belegt. Allerdings war ihre von Konstanz aus gewährte finanzielle Versorgung oft knapp bemessen und wurde in manchen Fällen verspätet ausgezahlt. Bemühungen, besonders unter Dekan Karl Loder (+1760), die Inkorporation aufzuheben, blieben erfolglos. Im 30-jährigen Krieg kam es wiederholt zu Plünderungen des Stifts, doch die Bischöfe sorgten für die Wiederherstellung des Besitzstands. Das Augustiner-Chorherrenstift kam 1803 an Baden; im selben Jahr wurde seine Auflösung eingeleitet, die zwei Jahre später mit der Einrichtung der Pfarrei Öhningen abgeschlossen war. An der Öhninger Kirche gab es mehrere bruderschaftliche Zusammenschlüsse, die vor allem im 17. Jh. gegründet wurden. Der geistig wirkungsmächtigste Kanoniker war Dominikus Wenz (+1755), der einen Kommentar zur Augustinusregel (1718), eine Vorbereitungsschrift für die Erstkommunion (1724) und eine Sammlung von Sinnsprüchen (1726) zum Druck brachte. Sein Hauptwerk ist das 1757 und 1793 erschienene „Exempel-Buch“, das für die Erzählliteratur des 18. und 19. Jh. wichtige Anstöße gab. Dekan Karl Loder (+1760) verfasste neben einer biblischen Historie handschriftliche Aufzeichnungen zur Stiftsgeschichte. Im Westen des Stiftsareals stehen die Kirche, die Dreiflügelanlage des Konvents und das in der Mitte des 17. Jh. errichtete Amtshaus des Obervogts, im Osten der Wirtschaftshof. Die Baugeschichte lässt sich erst für die Zeit um 1500 sicher rekonstruieren: Auf Anordnung von Propst Nikolaus Christiner (1482-1513/16) wurden die Konventsbauten neu errichtet, einige Teile dieses Bauensembles sind in den heute erhaltenen, von Umbauten und Erweiterungen des 17. und 18. Jh. geprägten Gebäuden noch verbaut. Der weitgehende Neubau der Kirche wurde in Auftrag von Bischof Jakob Fugger (1604-1626) etwa 1610 begonnen und 1620 abgeschlossen. Unter Bischof Franz Johann Vogt von Altensumerau und Prasberg (1645-1689) wurden Schäden an Kirche und Konventsbauten behoben, 1681 konnte der neue Hochaltar geweiht werden. Auf Bischof Kasimir Anton von Sickingen (1743-1750) geht die barocke Umgestaltung des Konventsaals zurück. Den Innenraum der Saalkirche, deren Äußeres weitgehend Züge der Spätrenaissance trägt, ließen die Konstanzer Ordinarien barock ausgestalten. Der mittelalterliche Kirchenschatz und der vorbarocke Kirchenschmuck sind verloren, aus der heute vorhandenen Ausstattung ragen der Hochaltar und die Plastik Christus am Kreuz von Josef Anton Feuchtmayer hervor. Das Chorgestühl mit 30 Sitzen ist barock. Aus dem Besitz des Stifts stammen außerdem zwei Wappenscheiben aus dem Jahr 1520 (heute Zürich, Schweizerisches Landesmuseum).

Autor: ANDREAS BIHRER (LeoBW)

Beiträge zur Geschichte
der Badischen Landessammlungen für Naturkunde in Karlsruhe
IX. Eine Aktion zur Gewinnung öhninger Fossilien 1854-1860

Die wegen ihrer Fossilfunde weltberühmten öhninger Steinbrüche (Untermiozäne Kalke und Mergel),
bis zur Säkularisation im Besitz des Klosters Öhningen, wurden danach staatlicher Besitz und gingen
schließlich in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz über. Der ehemalige Goldarbeiter
Leonhard Barth verstand es daraufhin bald, die meisten Fossilien an sich zu bringen und nach ihrer
Präparation teuer, vorwiegend ins Ausland zu verkaufen, wodurch sie dem Land Baden verloren gingen.
Dies abzustellen, schloß der Bergrat und Professor für Mineralogie und Geologie an der Polytechnischen Schule in Karlsruhe Friedrich August Walchner im Jahr 1852 mit Johann Hangarter, dem Besitzer eines der beiden Steinbrüche einen Vertrag, wonach die anfallenden Fossilien zu sammeln und dem Verwalter Benz auf Schloß Marbach gegen eine jährliche Entschädigung abzuliefern seien. Barth versuchte daraufhin den Steinbruch zu erwerben, weshalb Walchner der Behörde vorschlug, Barth zuvorzukommen, was auch geschah, so daß Walchner von dem Vertrag zurücktreten konnte. Der nunmehr ärarische Steinbruch wurde von nun an vorzugsweise zur Fossiliengewinnung für das Naturalienkabinett in Karlsruhe unter der Direktion von Professor Dr. Moritz Seubert betrieben. Für die Auswahl und Herrichtung der Stücke zum Versand wurde der Apotheker Dr. Julius Schill in Stockach verpflichtet, welchen Auftrag er bis Herbst 1859 erfüllte, dann aber wegen Wegzugs nach Freiburg beendete. Da der Betrieb des Steinbruchs für den Staat letzten Endes ein Verlustgeschäft war, verpachtete er ihn noch im gleichen Jahr an Barth, der auch an einem Kauf interessiert war, der schließlich 1861 zu Stande kam, womit die Aktion zur Gewinnung von Fossilien für das Naturalienkabinett ein Ende fand.

https://www.zobodat.at/pdf/Beitr-natukdl-Forsch-Suedwestdtschl_37_0005-0030.pdf

St. Michaelskirche Schienen

Der spornartige Käppeleberg war vermutlich eine frühgeschichtliche Anlage in Form einer keltischen Zelle. Die ältesten Teile der St. Michaelskirche sind sicherlich die Mauern eines solchen Kultraumes. Der große Eckstein mit schalenförmigen Veriefungen unter der Nordwestecke wurde hier wahrscheinlich schon von den Kelten als Kultstein (Megalith) verwendet.

Nach dem hiesigen Probsteibuch soll die Gründung bis in die Zeit der ersten Christenverfolgungen im Bodenseegebiet zurückgehen. Der Sakralbau stellt somit die Verbindung zwischen keltischer und frühchristlicher Kultur in unserer Gegend dar. Die St. Michaels-Kapelle gehört, wie die Sylvesterkapelle in Goldbach, zu den ältesten Gotteshäusern am Bodensee.

Zwischen Jahren 832/838 wird die St. Michaelskapelle erstmal in einer reichenauischen Handschrift erwähnt. Die Reliquie des heiligen Genesius wurde etwa 800 vom Grafen Scrot aus Florenz auf sein Landgut Schienen und seine Eigenkirche St. Michael gebracht und wurde rasch Ziel zahlreicher Pilger.

https://www.bodenseewest.eu/attraktion/ehemalige-st.-michael-und-st.-mauritius-kirche-db38c1b70f

Stein am Rhein mit Hohenklingen

Die Insel Mainau und der Badische Bodensee

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Insel Mainau – Wollmatingen und Reichenau

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier das Kapitel Wollmatingen und Reichenau

Wollmatingen und Reichenau

Der badische Bodensee hat den unbestrittenen Vorteil großer landschaftliche Abwechslung: Wenn der breite Obersee mit seiner Alpenkrone von verschiedenen Standorten aus gesehen, stets das gleiche Bild gewährt, so wechseln an den schmäleren Buchten des Überlinger- und Untersee’s die Details auf das Mannigfaltigste.

Wie auf dem Überlinger See die Burgen Bodman, Hohenfels und Heiligenberg herniederschauen, so bilden die abenteuerlichen Hegauer Berge für den stilleren Untersee einen erhabenen Hintergrund; dort die ritterliche Mainau als Herrscherin über den Wellen – hier Reichenau, die Trägerin uralter Kultur und Gesittung.

Der erste Ort, von Konstanz abwärts, Wollmatingen, hat eine äußerst anmutige Lage zwischen Weinbergen, Obstgärten und Getreidefeldern. Ein weites torfhaltiges Ried liefert den Einwohnern, sowie auch den Nachbarn wohlfeilen Brennstoff. Das Gemeinvermögen ist eines der bedeutendsten am See. – Von hier führt ein fester Weg in die Reichenau. Ehe dieser hergestellt war, mußte der Übergang mittels einer Fähre bewerkstelligt werden. – So sehr mich die grüne Au im silbernen Gewässer auch verlocken mochte, so ließ ich sie doch noch bei Seite liegen, um vorher Hegne und Allensbach zu besuchen.

Schloss Hegne, mit einem ummauerten Garten, an der Landstraße, hat wie die meisten geistlichen Sitze, eine außerordentlich behagliche Lage; es war früher die Sommerwohnung der Fürstbischöfe von Konstanz und gehörte ehedem der Familie Reichlin von Meldegg. Jetzt ist es Eigentum eines Privaten. Die Schlosskapelle enthält zwei Hochreliefs von Hans Moring.

Das umliegende Dörflein, von Bauern und Schiffern bewohnt, zählt beiläufig 160 Seelen, die nach Wollmatingen eingepfarrt sind. – Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges und der Pest erzählt man, sei in Hegne eine Person mehr verstorben, als der Ort überhaupt Einwohner gehabt habe. Ein Handwerksbursche kam abends in den nächtlichen, verödeten Ort und setzte sich ermüdet auf die Steinbank vor dem Schloss, über Nacht beschlich ihn der „schwarze Tod“.

Das große Pfarrdorf (Marktflecken) Allensbach, eine halbe Stunde von Hegne, soll vorzeiten eine Stadt gewesen sein. Doch wird dieser Behauptung nur insofern Glauben geschenkt werden dürfen, als der wohlgelegene, dem Kloster Reichenau gehörige Ort am See, von jedem möglichst begünstigt und mit Vorrechten begabt worden ist. Allerdings mochten die Gräben und Tore, die Allensbach früher hatte, dem Ganzen den Charakter einer Stadt gegeben haben.

Im Schwedenkrieg wurde hier übel gehaust; der Feind brannte einen Teil des Fleckens nieder, und wer konnte, flüchtete sich. Zudem kam später noch die Pest, die den Ort schrecklich entvölkerte. Bei gänzlichem Mangel an Weltpriestern kamen die Kapuziner von Konstanz und reichten den Sterbenden die heiligen Sterbesakramente zu den offenen Fenstern hinein.

Als ein geflüchteter Bürger endlich wieder in seinem Vaterort zurückkehrte, fand er alles verödet; im Felde standen die überreifen Trauben an den Stöcken. Niemand kam, sie einzuheimsen. – Der Mann ging in die Pfarrkirche und zog die Glocke, um zu sehen, ob sich noch etwas Lebendiges im Flecken rege – da kamen drei Personen, die allein noch Übriggebliebenen.

Nur langsam erholte sich der Gemeindehaushalt. Die großen hiesigen Fruchtmärkte waren während der Verödung nach Radolfzell verlegt worden und blieben für immer daselbst. Ja, noch bis in die neuere Zeiten will man die Folgen jener Unheils Jahre verspürt haben. Als vor etwa 60 Jahren ein bewaffnetes Bürgercorps (sogenanntes Herrgotts-Corporäle) zur Begehung der Fronleichnamsprozession errichtet werden sollte, fanden sich nicht 18 taugliche junge Leute, und man mußte zu fremden, hier dienenden Knechten seine Zuflucht nehmen.

Als hübsches Beispiel brüderlich werktätiger Gesinnung, wie sie vielfach in den Einrichtungen des Mittelalters sich offenbart, kann das hiesige kleine Bürgerspital gelten, wo ehedem eine Stube war, in welcher durchreisende Handwerksgesellen unentgeltlich Herberge und im Winter einen warmen Ofen fanden.

Früher soll auch ein Schloss hier gestanden haben, noch wird der Platz gezeigt. – Ein schwarzer Pudel hütet dort vergrabene Schätze. – Zu Großvaterszeiten lebte im Dorfe ein außergewöhnlich zänkisches Weib; als sie einst in später Nacht mit ihren Geliebten Streit bekommen, verließ sie unter Verwünschungen das Haus. Es war Mitternacht, als sie am „Schloßbuck“ vorbeikam -da vertrat ihr der Borstige mit glühenden Augen den Weg. In stillem Schrecken kehrte sie um – ihrer Wohnung zu; der Hund aber gibt ihr das Geleite. Sie klopft an der Haustüre, der Mann öffnet, und als er die Eskorte sieht, sagt er lakonisch: „Du hast e’n Saubern bei dir.“ Die Xantippe aber soll von der Zeit an nie mehr vom Hauswesen fortgelaufen sein.

Das Dorf hatte eine umfangreiche Gemarkung; früher wurde fast durchgehenden Wein gebaut, bloß zwei Bauern „schnitten Brod“.- Jetzt wird mehr auf Getreide gehalten, während nur in den tauglichsten Geländen Wein gepflanzt wird. Das Allensbacher Gewächs ist übrigens ein sehr preiswürdiges, wovon ich selbst durch die altdeutsche Gastfreundschaft des Herrn Bürgermeisters mich genüglich überzeugt habe.

Die Ufer beim Dorfe sind außerordentlich quellig. Hart am See befindet sich ein Sprudel, der durch Deichel so hoch steigt, dass sämtliche Brunnen des Ortes, von dem ihr Wasser erhalten. Nahe dabei ist die „Fahr“, wo ein Schiffsmann immer bereit ist, Passagiere nach der Insel Reichenau und zurück zu befördern. – Wenn am Fronleichnamstag Kirchen und Brunnen mit grünen Bäumen geschmückt werden, so steckt nach altem Brauch auch der Fährmann seinen geweihten Maien – das „Haldenstäudle“, in den See, an die Halde.

Die Entfernung von hier nach Reichenau beträgt beiläufig eine halbe Stunde. Während meiner Überfahrt, abends vor einem hohen Kirchenfeste, verkündeten die Glocken ringsumher die kommende Feier. Es war, als summe und erklinge der See in seiner Tiefe. – Über dem alten Sankt Markusmünster lagen bereits die Schatten der Dämmerung und in verdüstertem Blau schauten die Hegauer Berge über die farblose Wasserfläche. Es wehte kühl und der Pilgrim, nachdem er in Mittelzell gelandet, war froh, im Wirtshaus zur „Krone“ eine behaglich warme Stube zu finden. – Dieses Gebäude gehörte früher dem Kloster und diente zur Bibliothek. Der hübsche Hausgarten mit seiner grünen Laube gewährt einem bequemen Standort, den tiefer liegenden Klosterbau des einst so berühmten Ortes zu betrachten.

Die Bauart des breiten, massiven Turms mit seinem dreifachen Rundbogenbaien sagt uns deutlich, wie manches Jahrhundert über die mönchische Ansiedelung möge dahingegangen sein. – Und in der Tat müssen wir bis ins achte Jahrhundert zurückgehen, um das Datum ihrer Begründung zu finden. – Die Insel war zu jener Zeit im Besitz eines austrasischen Landvogts, namens Sintlas, der auf der benachbarten Burg Sandeck wohnte; von ihm trug das Eiland den Namen Sintlas-Au; es war aber öde und unbewohnt, ein Aufenthalt giftigen Gewürms und schädlichen Ungeziefer. – Erst durch das Christentum kam Kultur dahin. Der Landvogt Sintlas gestattete nämlich den frommen Bischof Pirmin und seinen Genossen auf der Insel sich niederzulassen. Sie reuteten die Wildnis aus, bepflanzten das Land und bauten sich ein kleines Kloster, dessen Stiftungsbrief von König Carl Martell ausgestellt, die Jahreszahl 724 trägt.

Die junge Pflanzung blühte freudig auf; Könige und Fürsten wendeten ihr besondere Gunst zu und vermehrten den Besitzstand durch fromme Schenkungen. Carl der Große gab ihr zehn Ortschaften, darunter die Dörfer Ulm und Radolfzell. Gerold, Herzog in Schwaben, die Orte Tuttlingen, Wangen, Stetten am Kalten Markt und 24 Dörfer; Karlmann Vier kleine Städte am Comersee; Herzog Berthold aus Schwaben 35 Dörfer, worunter Geisingen und Schaffhausen; Carl der Dritte den Ort Zurzach, Ludwig der Fromme sieben Ortschaften, – Herzog Berthold in Schwaben 30 Dörfer, und Konrad, Herzog von Zähringen Deningen im Breisgau. Dazu kam noch eine Menge geringerer Stiftungen.

80 Jahre nach dem ersten Klosterbau ließ Abt Otto I die jetzt noch (der Hauptsache nach) stehende Münsterkirche ausführen. – Das Kloster erwuchs bald zum reichsten im ganzen Alemannien. Der Hof des gefürsteten Abtes wurde von Kaisern und Päpsten besucht, während zahlreiche und mächtige Vasallen als Lehenträger dem Stifte dienstbar waren. – Aber nicht nur in materieller Beziehung errang sich das Gotteshaus auf der reichen Au große Bedeutung; auch in geistiger Hinsicht war es ein Mittelpunkt, von dem bis weithin wohltätiges Licht und Wärme ausstrahlte. Nicht in stillem Zurückziehen von der Welt suchten die Mönche ihren Beruf; ihre Anstalt war die Pflanzschule des Christentums, das Gehege alles Schönen und Guten, der Künste und Wissenschaften, der deutschen Sprache und Sitte, eine Erziehungsstätte des alemannischen Adels.

Aber wie eben Verwelken und Hinfälligkeit der Heimatschein alles Irdischen ist, so erhielt sich auch diese Einrichtung nicht lange auf ihrem Höhepunkt. Schon vor den Hohenstaufen ging es abwärts, und in Mitte des 14. Jahrhunderts sehen wir das Stift geistig und materiell völlig verarmt und bedeutungslos. Schlechte Verwaltung der Güter, mehr noch Schwelgerei und Ausgelassenheit der Mönche waren Schuld am Ruin. Das Kloster, von dem die Sage geht, dass sein Abt, wenn er nach Rom reiste, jede Nacht auf eigenem Grund und Boden habe übernachten können; oder wenn die Zehntfuhren aneinandergereiht, die erste Fuhre auf der Insel angekommen, die letzte in Ulm das Tor passiert habe; dieses Kloster hatte im Jahr 1385 nicht mehr so viel, seinen Vorsteher, den Abt Werner von Roseneck, mit dem nötigsten Lebensbedarf versorgen zu können. Der gute Mann mußte bei dem Pfarrer zu Niederzell alltäglich Imbiss und Nachtmahl suchen. Drei Mark Silber waren allein die Gesamteinkünfte des Stiftes. Um dieses erklärlich zu finden, mag ein einziger Zug von Verweichlichungen der Klosterangehörigen hier stehen. Ein Lehensbauer hatte mit seinen Leuten die Verpflichtung, zur Nachtzeit die im nahen Weiher quakenden Frösche, welche die frommen Mönche und ihrer vornehmen Gäste den Schlummer stören konnten, mit Stangen zur Ruhe zu verweisen.

Kümmerlich schleppte das einst so berühmte hochverdiente Kloster seine Existenz bis zum Jahre 1538. Längst schon hatten die mächtigen Bischöfe von Konstanz ein begehrliches Augenmerk auf dasselbe gerichtet; aber erst Bischof Johannes von Weza, von Kaiser Karl der Fünfte, begünstigt und im Einverständnis mit Abt Marr von Knörringen, brachte 1538 die Einverleibung des Stiftes ins Bistum Konstanz zuwege. Vergeblich war die spätere Protestation eines Mönches; die Bischöfe waren und. Lieben Herren der Reichenau. Sie ließen als Äbte des Stiftes durch zwölf Mönche den Gottesdienst besorgen, während ein bischöflicher Obervogt die Klostergüter und Einkünfte verwaltete.

Im Jahr 1757 wollten die beibehaltene Mönche, unter ihrem Prior Weichelbeck, von neuem die Selbstständigkeit des Stiftes erringen. Auswärtige Klöster und die Höfe von Frankreich und Preußen unterstützten sie, doch ohne Erfolg. – Kardinal Roth schickte eine Kommission unter dem Schutze bischöflicher Soldaten nach der Reichenau, welche die guten Väter, als sie eben an der Tafel saßen, aufhob und in verschiedene Abteien Schwabens versetzte. Von da an besorgten zwölf Missionäre aus verschiedenen benachbarten Klöstern den Kirchendienst, bis im Kriegsjahr 1799 und diese abgedankt und das Münster als Pfarrkirche der Gemeinde Mittelzell mit drei Weltpriestern besetzt wurde. Fünfundfünfzig Äbte vom Jahr 727 bis 1538, bildeten die Reihe seiner Äbte.

Nach dieser kurzen geschichtlichen Betrachtung steigen wir hinunter in den alten Bau, um zu sehen, was nach so vielen Jahrhunderten an Pracht und Reichtum noch übrig geblieben. – In der Tat verhältnismäßig wenig. Es ging eben auch hier wie anderwärts; während die Gelehrten über den Ort und seine Geschichte weitschweifige Abhandlungen schrieben, verwahrlosten und zerfielen die Denkmale, die ehrwürdigen Zeugen des Bestandenen, und manch anderes wurde verschleppt und verloren. So finden wir denn heute in dem Münster nur Weniges, was den bedeutenden historischen Erinnerungen einigermaßen entsprechend wäre.

Die alte Grabstätte des unglücklichen Kaisers Carl des Dicken ist nicht mehr zu finden. Ein wertloses Gemälde aus der Zopfzeit, den Kaiser darstellend, hängt über der Sakristeitüre und soll bedeuten, dass an dieser Stelle die Gebeine Carl’s ruhen, welche im Jahr 1728 aus ihrem ursprünglichen Grabe genommen und hierher gebracht wurden.

Von dem Ruheort des Herzogs Gerold von Bussen, der ein Schwager Carl’s des Großen, 798 in der Hunnenschlacht fiel, suchen wir vergeblich eine Spur, sowie von dem Grabe des Grafen Mangold von Beringen, der im Kampf gegen Herzog Ernst von Schwaben den Tod gefunden. Das gleiche gilt von den Gräbern der Herzoge Burkard, Berthold und Hermann von Schwaben, welche in der Evanuskapelle bestattet sind. Alte, meist schlecht erhaltene Grabsteine finden sich von mehreren Äbten den des 14., 15. und folgenden Jahrhunderts.

Der Hauptaltar enthält die namenhafteste Reliquie der Kirche, das heilige Blut, verschlossen in einem goldenen Kreuze. – Ein Gemälde, links im Chor, stellt eine Jubiläumsfeier desselben vor aus dem Jahre 1738 am 26. Mai. Das Bild vergegenwärtigt in seinen Einzelheiten recht gut die Pracht des damaligen fürstbischöflichen Hofes, denn der Bischof, als Landesherr und Abt von Reichenau, wohnte der Feier persönlich bei. In der Mitte des Gemäldes schreitet der geistliche Fürst, Bischof Johann Schenck von Staufenberg*, gefolgt von sämtlichen Lehensrittern, Vasallen und den Domherren von Konstanz nebst einer Menge verschiedener Ordensgeistlicher.
*Johann Schenck von Stauffenberg kam zur bischöflichen Würde 1704 und starb 1740 am Schlagfluss im Schlosse zu Meßkirch, wo er die Ehe des Fürsten Froben von Fürstenberg mit der Gräfin Theresia von Sulz eingesegnet hatte.

Zur Seite paradiert das weiß uniformierte bischöfliche Militär mit den von Meersburg hergebrachten Kanonen. Ein anderes, halb vermodertes Ölbild im Seitenchor bezieht sich auf die Besitznahme durch den Heiligen im Pirmin. Der fromme Mann landet auf der einen Seite, während auf der anderen Schlangen, Kröten und Eidechsen das Eiland verlassen. Das Gemälde aus dem vorigen Jahrhundert ist ohne Kunstwerth, verdient aber sorgfältiger Verwahrung, weil es die ganze Lokalität des Klosters mit der, in neuerer Zeit leider als abgegriffenen alten Pfalz und der nicht mehr vorhandene Johanniskirche getreulich darstellt.

Ein älteres Heiligenbild auf Holz und Goldgrund hängt hinter dem Hauptaltar. Es diente früher als Altargemälde und soll nach der Tradition aus der Schweiz stammen, wo es bei der Reformation in’s Wasser geworfen und landend an der Insel aufgefischt und in’s Münster gebracht wurde.

Die Sakristei besitzt noch mancherlei Reste früheren Reichtums. – 6 bis 7 Reliquiensärge von schöner Arbeit; von diesen enthält der eine die Gebeine des heiligen Markus, des Patron der Kirche; Bischof Egino brachte sie (830) aus Italien hierher. – Eine Urne von weißem Marmor, ohne sonderliches Kunstgepräge, wird als ein Krug von der Hochzeit zu Kana vorgewiesen. Ein zierlicher Reif von Silber, mittelalterliche Arbeit, hält das schadhafte Gefäß in der Mitte zusammen. Der griechische Fürst Simon Bardo soll es um’s Jahr 910 nach Reichenau gestiftet haben.

Ein in Silber gefaßter Zahn Carl’s des Dicken; ein sogenannter Smaragd von 28 Pfund, der aber ein bloßer Glasfluß ist. Carl der Dicke, verkappte ihn hierher. – Ein uraltes Evangelienbuch mit zierlichem Einband und figurreichem Beschläg. (Ein Abtsstab aus dem 14. Jahrhundert ist neuerer Zeit abhanden gekommen.) – Ein Siborium von Elfenbein mit geschnitzten Figuren. – Eine Monstranz aus dem 17. Jahrhundert. – Ein Zahn des heiligen Markus usw.. Unter den Messgewändern findet sich ein sehr altes, mit einer Stickerei den gekreuzigten Heiland darstellend, ein anderes soll die Kaiserin Maria Theresia selbst gestickt und anher verehrt haben.

Die Kirche an sich, obwohl zweimal durch Brand beschädigt, trägt noch ganz den einfachen ernsten Charakter der karolingischen Zeit. Als ursprünglich dürften der Turm und das Mittelschiff mit seinen massiven Pfeilern angesehen werden. Die Umfassungsmauern und der Chor gehören einem späteren Jahrhundert an. – Das Kloster, ein armer Überrest des früheren, ist gering an Ausdehnung und enthält nichts Bemerkenswertes. – Die Bibliothek war außerordentlich reichhaltig an seltenen Handschriften. Mit dem Verfalle des Klosters gerieten diese Schätze in Vergessenheit, bis im vorigen Jahrhundert der gründlichste Forscher seiner Zeit, der. sanktblasische Abt Martin Gerbert,* sie wieder hervorzog und teilweise ans Licht stellte.

*Dieser gebildete Prälat stammt aus dem alten Geschlecht der Gebert zu Hornau von Horb. Er wurde im Jahr 1764 Abt von Sankt Blasien und starb 1793. Unter seinem Regiment war das schwarzwaldische Kloster der Hort der Künste und Wissenschaften; und der Ruhm, den sich sein Vorsteher selbst durch Werke geschichtlichen und theologischen Inhalts erwarb, reichte weit über die engen Marken seines Landes. Er durchreiste, mit Altertumsforschung beschäftigt, Deutschland, Italien und Frankreich, und entdeckte eine Menge bisher unbeachtet gebliebener Kunstschätze. Nicht minder ruhmwürdig war sein stilleres, einheimisches Wirken als Vorstand seines Klosters und Sprengels. Die hinterlassenen Stiftungen sind zu wahrhaften Wohlthaten der betreffenden Gemeinden geworden. Erst der neueren Zeit war es vorbehalten, diesen verdienstvollen Mann durch ein öffentliches Monument gebührend zu ehren. Durch geistliche und weltliche Vorstände der Amtstadt Bonndorf angeregt, wird die Porträtstatue des Abtes vom Bildhauer Xaver Reich in Sandstein ausgeführt und im Lauf des nächsten Jahres in genannter Stadt aufgestellt werden.

Die meisten der wertvollen Werke bewahren die Bibliotheken zu Karlsruhe und Heidelberg. Doch verlassen wir die feuchten, düstern Räume und ihre Vergangenheit und begeben uns hinaus in die lebendige Gegenwart. Wir schweifen über die Höhen des gesegneten Eilands – welch‘ liebliche Bilder zeigen uns seine drei Pfarrdörflein zwischen Weingärten, Wiesen und Fruchtfeldern umher gestreut! Hier das eben verlassene Mittelzell und seine Kloster, den See und die Waldhöhen bei Allensbach im Rücken. – Gegen Morgen, zwischen Baumgrün, Oberzell auf lichtschimmerndem Grunde des Sees, aus dem in zarten Silhouetten der Dom von Konstanz und die Hochberge Tirols emporsteigen.

Dort – die schlanken Türme von Niederzell und weiterhin, über der wasserblauen Fläche Radolfzell und die ritterlichen Vorposten des Schwarzwaldes, der gewaltige Hohentwiel und seine hochgeborenen Nachbarn. Wenn uns dieser Blick mit Sehnsucht in die Ferne zieht, so erregt dagegen die Aussicht südwärts auf die Städtlein und Edelsitze des nahen Thurgau’s behagliche Gefühle der Wohnlichkeit. Auf der Rheinseite der schweizerischen Kreisorte Ermatingen; über demselben die Schlösser Hard und Wolfsberg. Unserem Standort gegenüber, auf einer vorspringenden, malerisch bewachsenen Terrasse, die napoleonische Villa Arenaberg; die Burg Salenstein und das Dorf Mannenbach mit seinem Schlosse Eugensberg. – Im ganzen anzuschauen wie ein grüner Gürtel mit kostbarem Gesteine besetzt.

Zur Insel gewendet, betrachten wir zuerst die alte St. Georgskirche in Oberzell. Abt Otto III gründete sie im Jahr 888. Sie enthält als Reliquie das Haupt des heiligen Georg und ist vollständig erhalten, eines der merkwürdigsten Bauwerke der Gegend. Unter dem Chor befindet sich eine Krypta.

Unweit Oberzell sehen wir unförmliche Reste der Burg Schopfeln, die wie ein urweltlicher Zahn im äußersten östlichen Teil der Insel steckt. Ihren Erbauer kennt man nicht; in frühesten Zeiten sollen daselbst Ritter gehaust haben, die in Sankt Gögen (Oberzell) zur Kirche gingen. Später diente die Veste den reichenauischen Aebten zum gelegentlichen Aufenthalte. In einer Fehde der Konstanzer mit dem Abte Mangold von Brandis (dem späteren Bischof von Konstanz) und seinen Brüdern und Vettern auf der Reichenau, wurde sie (1382) zerstört. Die Streitigkeiten hatten schon unter Bischof Heinrich von Brandis, ihrem Oheim, viele Jahre vorher angefangen. Als im Jahre 1366 zwischen Weihnachten und Fastnacht sechzehn Konstanzer Patrizier und Bürger mit zehn Gesellen (Adligen) vom Lande auf ein Stechen nach Zürich reiten wollten, begegnete ihnen bei Bassersdorf, zwischen Winterthur und Zürich, sechsundzwanzig Wäppner, deren von Brandis aus der Reichenau, welche auch zum Turniere zogen. Sobald die Reichenauer aber die verhaßten Städter erblickten, sprengten sie auf sie ein und stachen ihrer fünfe von den Rossen. Ihrerseits aber bekamen Junker Wölfle von Brandis (ein Bruder Mangold’s) einen Stich in’s Gesicht, dass er tot auf dem Acker liegen blieb. Die Konstanzer behaupteten das Feld und machten vier Gefangene. Die Gegner, unter Ritter Türing von Brandis, ergriffen die Flucht, einen Konstanzer als Gefangenen mit sich schleppend. Nach längerem Verhandeln mussten später die Konstanzer eine Strafsumme von 2000 Gulden geben; jedoch machte der Rat dabei die Bedingung, dass weder die Bürger, welche bei dem Strauße zugegen waren, noch ihre Nachkommen sollten gehalten sein, etwas an der Summe zu erlegen.

Als in der Folge ab Mangold und seine Vettern einige Fischer von Konstanz, welche auf ihrem Gebiete fischten, auf das Grausamste mißhandelten, zogen die empörten Städter in die Reichenau und zerstörten die Veste Schopfeln und mehrere Mönchshöfe daselbst.

Die Kirche zu Niederzell verdankte ihr Dasein dem Bischof Egino von Verona, dem edlen Alemannen aus dem Geschlechte der Zähringer, die in der Bertholdsbaar ihren ursprünglichen Sitz hatten. Eine Messingplatte mit Inschrift in Mitte des Chores deckt seine Ruhestätte; sein Tod fällt ins Jahr 802. – Der Bau hat zwei hübsche Türme, die aber durch einen neuen, kreideweißen Verputz und Anstrich um ihr altehrwürdiges Ansehen gekommen sind. – Einige 100 Schritte von da liegt am See das Schlösslein Bürglein, ein ehemaliges Tusculanum der reichenauischen Mönche. – Zu bequemer Überschau der Seelandschaft hat ein Bewohner der Insel, Herr Hofrat Seyfried, auf dem höchsten Punkte, der sogenannten Hochwart (1469 Fuß über der Meeresfläche) ein Belvedere errichtet, wo sich ein Fraunhofer’scher Tubus befindet.

Die Insel an sich mißt fünf Viertelstunden in die Länge und eine halbe Stunde in die Breite; sie hat ungefähr 1400 Einwohner. – Das Leben des Insel Völkleins hat viel Eigentümliches. Ein Teil ihrer Felder liegt außerhalb des Eilands, in dem Gemarkungen Allensbach, Hegne, Radolfzell und Makelfingen, und ihre Produkte müssen auf Schiffen eingebracht werden. Nicht leicht wird ein Fremder auf der Insel ansässig. Seit Menschengedenken, versichert man, sei der Kronenwirth in der Mittelpfarrei der einzige, der sich von auswärts hierher verheiratet habe. Der Wohlstand der Bevölkerung hat zur Ablösung der Grundlasten außerordentlich zugenommen. Eine genügsame Lebensweise, der seltene Verkehr mit den Nachbarsorten, sowie ein löblich konservativer Sinn im Familien- und Gemeindewesen haben diesen Aufschwung mit befördern helfen.

Der Auer“, sagte mir der greise Hirschenwirt in Mittelzell, „ist bereits (etwas) gelinder als alle seine Nachbarn; er muss dienstfertig gegen diese sein, weil er ihre Hilfe, bei Vorfällen auf dem See, namentlich beim gefährlichen Westwind, oft in Anspruch nehmen muss. Händelflüchtiges Wesen ist ihm fremd, auch hat er blutwenig bei Amt zu schaffen, weshalb der selige Geheimrat Ittner in Konstanz zu sagen pflegte: Die Auer seien ihm die Liebsten, sie hätten. Am wenigsten mit ihm zu tun.“ –

Dann erzählte der Mann mit großer Naivität, wie es zu seiner Zeit noch viele Gespenster gegeben, die so oft bis in die Au herübergekommen, seit dem Jubiläum des Papstes Pius VI aber gänzlich verschwunden sein. –

Auf dem „Ergat“ (wo eine alte Linde im Umfang von 36 Fuß steht) habe dazumal eine Hexe gewohnt, die Betrunkene usw. verhext habe; und wenn der Hört-Geist am jenseitigen Gestade über dem Wasser erschienen sei, habe es jedes Mal Unwetter gegeben. Seine Großälteren hätten oft erzählt, wie das Kloster in arger Verderbnis gekommen, und ein Mönch einmal nachts in Niederzell ein Mädchen besucht habe, von dem jungen Burschen erschlagen und der Leichnam vor die Klosterpforte gelegt worden sei.

Nach der Sage ist die ganze Bevölkerung zu Zeiten der Pest ausgestorben; nur drei Männer sind am Leben geblieben; sie retteten sich dadurch, dass sie in einem Fasse sich aufhielten, wo vorher neuer Wein gewesen.

Das Inselland war in den ersten Zeiten als ein geheiligt es angesehen; weshalb der Fromme Wahn, solche Kinder, welche von der Taufe gestorben, oder tot geboren waren, außerhalb beim sogenannten Kindlebild am Wege nach Konstanz bestatten ließ. Auch durften auf der Insel keine Waffen getragen, und Todesstrafen mußten auswärts vollzogen werden.

In der Reichenau war es von jeher der Sitz des Oberfischermeisters über den Untersee. Zwei und zwanzig Ortschaften, acht schweizerische und 14 badische, haben gemeinschaftliches Fischrecht. Die immer noch giltige Satzungen dieser Zunft sind uralt und stammen von den Bischöfen von Konstanz. Alljährlich versammeln sich die Glieder auf der Reichenau, um unter dem Vorsitz des Oberfischermeisters die Bestimmungen für das laufende Jahr festzusetzen.

Unter den herkömmlichen Festen ist das Pirminsfest eines der sinnigsten.

Am Tage des Heiligen, zur Herbstzeit, opfert nämlich jeder Einwohner etwas von den Erzeugnissen der Inselfelder auf dem Pirminsaltar im Münster: Trauben, Getreide, Obst und Gartengewächse aller Art, in dankbarem Andenken der Verdienste des Heiligen um die erste Kultur der Insel. Die dargebrachten Früchte bilden zugleich eine Competenz des Messners.

In sehr feierlicher Weise wird auch das Fest des heiligen Blutes, im Monat Mai begangen. Früher kam an diesem Tage von allen umliegenden Orten die Pfarrgemeinden in Prozessionen nach der Insel. Seitdem jedoch eine Prozession, von der Neubirnau kommend, auf der Fahrt über den See, vom Sturme überfallen, in Todesgefahr gekommen, findet die Zuzüge nicht mehr in dieser Weise statt.

Eben so große Feierlichkeiten bringt das Markusfest, an welchem Tage der silberne Sarg mit den Gebeinen des Heiligen in feierlichem Umgange verehrend zur Schau getragen wird.

In sehr poetischer Weise, und bezeichnend für die Reichenau, wird am Pfingstdiensttag die Inselfahrt abgehalten. An diesem Kirchenfeste macht die ganze Bevölkerung auf etwa 15 Schiffen eine Fahrt um die Au. – Voran die Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten und Kreuz und Fahne. An vier verschiedenen Plätzen, Mittelzell, Nieder- und Oberzell und auf der Rheinseite an der „Städe“ werden die Evangelien gelesen. – Man denke sich einen sonnigen Frühlingstag; über Land und See. Der Blütenhauch linder Maiendüfte – Sonntagsruhe rings umher – nur Glockenklang und Chorgesang der Jungfrauen auf einer eigenen Jacht begleiteten im Weiterziehen den Rudertakt der Bootsleute.

„Horch! wie über’s Wasser hallend,
Klar die Vesperhymne klingt!
Näher jetzt und näher schallend,
Jubilate, Amen!
Ferner jetzt und ferner hallend,
Bis sie sanft im Ohr verklingt,
Jubilate, Amen.

Jetzt, wie Mondscheinwellen rollend
An das Ufer stirbt sie hin;
Jetzt, wie zorn’ge Brandung, grollend
Wächst die Fluth des Liedes kühn,
Jubilate, Amen!
Wieder hoch! wie Wellen rollend
An das Ufer stirbt sie hin;
Jubilate, Amen.

Aussicht auf die westliche Hegaulandschaft vom Hegaublick aus. Foto: Suedkollektiv, Wikimedia

„Pietà von Hans Morlock (jetzt in Karlsruhe)“ laut Lucian Reich Hans Moring, um 1600; ursprünglich in St. Johann, Konstanz, 1819 nach Schloss Hegne gekommen Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 (Photograph Krämer, Kehl, oder German Wolf (1830-1890), Public domain, via Wikimedia)

Schloss Hegne, Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 Rudolf Redtenbacher (1840–1885)
(Wikimedia)

„Trinität von Hans Morlock (jetzt in Karlsruhe)“ laut Lucian Reich Hans Moring, um 1600; ursprünglich in St. Johann in Konstanz, 1819 nach Schloss Hegne gekommen. Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887
(Photograph Krämer, Kehl, oder German Wolf (1830-1890), Public domain, via Wikimedia)

Das zänkische Weib und der Borstige

Im Dorfe Allensbach erzählt die Sage, hüte ein schwarzer Pudel auf dem Platze, wo früher
das Schloss gestanden, vergrabene Schätze.
Vor langen Jahren lebte in selbigem Orte ein zänkisches Weib, das mit ihrem Manne tagaus
tagein Händel hatte. Einmal in später Nacht, als sie wieder mit ihrem Ehegespons im Streite
lag, verliess sie das Haus unter lauten Verwünschungen und sprang zornentbrannt durch das
Dorf. Wie sie nun am »Schlossbuck« vorbeikam, war es gerade Mitternacht. Da vertrat ihr
der »Borstige« den Weg, flösste ihr mit seinen glühenden Augen einen solchen Schrecken
ein, dass sie schnurstracks umkehrte und zu ihrer Wohnung eilte. Doch der schwarze Pudel
geleitete sie bis vor die Haustüre. Hier begann das böse Weib dermassen zu klopfen, als ob
die ganze Hölle hinter ihr her wäre und bis ihr der Mann öffnete. Als dieser den gespenstischen Begleiter sah, den seine Frau bei sich hatte, sagte er spöttisch: »Du hast bei Gott einen
sauberen Gesellen mitgebracht!« Seitdem ist das zänkische Weib geheilt gewesen und nie
mehr vom Hauswesen fortgelaufen.

SAGEN, SCHWÄNKE UND LEGENDEN
aus dem Thurgau und der Nachbarschaft:
https://www.gigers.com/ernst/Sprache/TG_SAGEN.pdf

Kindlebildkapelle vor dem Zugang zur Reichnau



laut Wikimedia: „Reichenau, Münster Mittelzell, Elfenbeinpyxis und Blut-Reliquie“ Lucian Reich schreibt:
Siborium von Elfenbein mit geschnitzten Figuren.
Der Hauptaltar enthält die namenhafteste Reliquie der Kirche, das heilige Blut, verschlossen in einem goldenen Kreuze“.….

Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 (Wikimedia)

Grenzgebiet, Reichenau; Umrissradierung, koloriert. Zwischen 1788 and 1798. Swiss National Library, Prints and Drawings Department (Wikimedia)

Die Abbildung Hermann des Lahmen auf einer Kachel der Schatzkammer des Münsters in Reichenau-Mittelzell wird sehr häufig reproduziert. Der Ofen ist 1745-1746 gesetzt worden, hat schon damals „Ehre eingelegt“ und „wegen schönerer als vereinbarter Malerei“, dem Hafner ein Trinkgeld eingebracht. Walter Berschin hat in „Hermann der Lahme, Gelehrter und Dichter“, Heidelberg 2004 die Schrift in der Kartusche folgendermaßen gedeutet: „Beatus Hermannus Contractus Monachus Augiae a devotione Mariae celebris obiit 19. Julii 1054.“ (Der selige Hermann der Lahme, Mönch der Reichenau, berühmt ob seiner Marienverehrung, starb am 19. Juli 1054.) Foto: Thomas Fink, Veringen (Wikimedia)

Denkmal Abt Martin Gerbert von Franz Xaver Reich aus dem Jahr 1856 im Bonndorfer Martinsgarten

Kirche Sankt Georg in Oberzell

Tatsächlich hatte der Reichenauer Abt und Mainzer Erzbischof Hatto im Jahr 896 König Arnulf zur Kaiserkrönung nach Rom begleitet. Wieweit allerdings der Bau dieser Kirche bis dahin gediehen war, ob sie bereits fertiggestellt war oder sich noch im Bau befand, läßt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen.

Der Platz für die neuerworbenen Reliquien war die vierstützige Krypta der Kirche, die sich unter dem Querhaus und der Ostchoranlage befindet und über eine Treppe erreichbar ist. Was Stilreinheit und Harmonie angeht, ist St. Georg die ausgeglichenste der noch erhaltenen Reichenauer Kirchen.

Nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist die Krypta, deren Ostwand frühmittelalterlich mit zwei Kruzifixen und jeweils einer anbetenden Heiligenfigur bemalt ist, sowie die Michaelskapelle über der heutigen Vorhalle. Dort auf der Westapsis ist eine Parusie Christi, die Wiederkunft Christi zum Weltgericht dargestellt.

https://www.reichenau-privat.de/insel-reichenau/wissenswertes/sankt-georg/index.html

Linde auf dem Ergat in Mittelzell 2023

Hark! the vesper hymn

‚Hark, the vesper hymn is stealing‘ ist ein Text von Thomas Moore den Lucian Reich aus der Übersetzung von Ferdinand Freiligrath anscheinend frei zitiert hat.

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