Insel Mainau – Bodman und Lüzelstetten

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier das Kapitel Bodman und Lüzelstetten. – Ja, Lüzelstetten steht da, nicht Litzelstetten!

Bodman und Lüzelstetten

Das Wetter war kalt, unfreundlich geworden; in Gewitter, das im Lauf des gestrigen Nachmittags aufgezogen, hatte, die Atmosphäre gekühlt und verdüstert. Ein rauher Ost haderte so gewaltig mit den Wellen, dass ich zwei Ruderer brauchte, um nach Bodman überzusetzen.

Zwischen diesem Dorfe und Ludwigshafen, wo der See gegen das Tal von Espasingen an flachen Ufern endet, mündet die Stockach. – Bodman selbst liegt malerisch am Fuße waldiger Berge, die so hoch im Süden aufsteigen, dass den Einwohnern Winters um zwei Uhr schon die Sonne entschwindet. Trotzdem ist die Vegetation hier früher, als in der südlichen Bucht von Ludwigshafen; ohne Zweifel deshalb, weil Bodman den Vorteil der Morgensonne hat. Das wenige Land um das Dorf ist außerordentlich fruchtbar., die Häuser stehen in einem förmlichen Wald von Obstbäumen. – Das Schloss des Freiherrn von Bodman umgeben zierliche Gärten und Anlagen; es ist von mäßigem Umfang und scheint der Bauart nach dem vorigen Jahrhundert anzugehören.

Das Geschlecht dieses Hauses, ein ehemaliger reichenauischer Dienstadel, gehört zu den ältesten am See. An ihr Wappen mit den dreilinden Blättern hat Dr. Bader in seinem neuesten Werk „Fahrten und Wanderungen im Heimathlande“ interessante Aufschlüsse geknüpft.

Auf einem der drei „Randen“, die sich hinter dem Dorfe erheben, liegt in Ruinen Altbodmann, der frühere Sitz des Geschlechtes – und gegenüber der Frauenberg, welche allgemein für den Ort gilt, wo die alte fränkische Königspfalz Bodama gestanden, auf der Kaiser Karl im Jahre 881 Urkunden ausfertigte, wie vorher Ludewig der Fromme den 18. April 839. In folgenden Jahrhunderten saßen hier die mit dem Bischof Salomo streitenden Kammerboten Echanger und Berthold, welche über dem Kampfe um Wiederherstellung des altalemannischen Herzogtums das Leben verloren. Auch wurde auf dem Frauenberg der heilige Othmar gefangen gehalten, der von einigen umwohnenden Gaugrafen gehasst und verfolgt, auf der Insel Stein (759) sein viel geprüftes Dasein beschloss.

Gegenwärtig steht ein Schlößlein aus mittleren Zeiten an der Stelle. Ein Gang zu seinen hohen Waldgipfel über dem See, versetzt uns in das stille Reich einsamsten Naturlebens. Ein bodmanscher Dienstmann, der hier wohnt, öffnet uns die Hausräume und die Kapelle, in der ehemals ein salemischer Priester den Wallfahrtsdienst besorgte. An der Rückwand hängt ein großes Ölgemälde mit Kostümfiguren; es bezieht sich auf die wunderbare Errettung des einzigen Sprößlings bodman’schen Stammes. Als im Jahre 1307 während eines Familienfestes, „das Bodmerschloss durch Gottes Gewalt und Donnerstrahl“ entzündet ward, und alle Sippen des Geschlechts von Bodman in den Flammen ihren Tod fanden, rettete Adelhaid, des jüngsten Kindes Säugamme, ihren Schutzbefohlenen dadurch das Leben, dass sie den Knaben in einen kupfernen Kessel setzte und selbigen im Namen der heiligen Dreifaltigkeit den Abhang hinunter rollen ließ. Im Mitte des Berges, an der Stelle, wo jetzt ein Bildstöcklein steht, blieb der Kessel mit der teuren Last im Gestrüpp hängen. Der Kleine wurde von Dorfbewohnern gefunden und zu Verwandten auf die Burg Kargeck gebracht, wo er eine sorgfältige Erziehung erhielt.

Eine im Munde des Volkes lebende Sage bringt dieses Ereignis mit einer älteren, wunderlichen Mär in Verbindung. – Ein Ritter von Bodman, heißt es, wollte die Welt ausreiten. Er nahm von seiner Gemahlin Abschied mit dem Bedeuten, dass er binnen sieben Jahre nicht zurückkehren werde, sie ihn für tot halten und, wenn er ihr bliebe, sich wiederum verheiraten dürfe. Von ein paar. Knappen begleitet, machte sich der Ritter auf den Weg; er zog übers Meer in unbekannte, ferne Länder. Nachdem er schon viele Jahre gereist war, kam er in eine wilde Einöde, wo er abends auf einem hohen Berg ein Licht schimmern sah. Er schickte einen Knappen hinauf, um zu erfahren, ob Menschen da wohnten, bei denen man eine Herberge finden könne. Der Diener ging, kam aber nicht wieder; ebenso der zweite und der dritte. Endlich, nach langem Harren, machte sich der Herr selbst auf den Weg. Oben angekommen findet er in einen kleinen Haus ein Weiblein, das ihn mit bedächtiger Miene begrüßt und ihn sagt, ihr Mann sei das Nebelmännlein und ein grausamer Feind der Menschenkinder; wolle er das Schicksal seiner Diener nicht teilen, so müsse er sich schleunigst von hinnen machen. Während sie aber noch sprach, hörte man jemand kommen, und das Weib sagte Ich will Euch verbergen, schlupft da hinunter in den Keller. – Der Ritter folgte dem Wink. Das Nebelmännlein aber ließ sich nicht täuschen. Ich wittere einen Menschen! schnaubte es gleich beim Eintritt. – ein Mensch muss da verborgen sein! und näherte sich dem Kellerloch. Der Ritter, der sich entdeckt sah, trat heraus, aber wie erstaunte er, als ihn der Alte nicht unfreundlich mit Namen begrüßte. Woher wisst ihr, wie ich heiße? Fragte verwundert der Ritter. Ich weiß noch mehr, sagte der Nebelmann, morgen früh wird Eure Gemahlin getraut in der Schlosskapelle zu Bodman. Die sieben Jahr, die ihr Bedung habt, sind längst verflossen. – Den Ritter traf dies Wort wie ein Wetterstrahl; das Nebelmännlein aber fuhr fort: „Ich will einen Vertrag mit Euch abschließen – wisst, ich bin der Nebelmann vom Bodensee, und die Nebelglocke, die jeden Abend in Bodman geläutet wird, schlägt mich jedes Mal bummelnd um den Kopf – wenn ihr mir versprecht, das leidige Ding für ewige Zeiten in den Bodensee zu versenken, so will ich euch noch vor Tagesanbruch in die Heimat schaffen. – Der Ritter willigte ein, worauf das Nebelmännlein einen seiner dienstbaren Geister berief und ihn fragte: Wie schnell bist du? – Wie der Pfeil vom Bogen! Lautete die Antwort. – Du bist zu langsam, versetzte der Nebelmann und zitierte einen zweiten: Wie schnell bist du? So schnell wie der Wind! – erhielt er zur Antwort: Zu langsam – hieß es und ein dritter wurde gerufen, der auf die Frage, wie schnell er sei, zur Antwort gab: So schnell wird es Menschengedanken! Gut, versetzte das Nebelmännlein, Du bist der Rechte auf mit im und davon. –

Der Ritter wusste nicht, wie ihm geschah. – Als er erwachte, lag er auf dem „Gänsriedersteg“ bei Bodman. Lieblich von der Morgensonne beschienen, glänzte der See und die hohe heimatliche Burg, die Glocken riefen zur Kirche. Bei dem Festmahle, das der Trauung folgte, wird dem Fremden im Schlosshofe stehenden Pilgrim hereingerufen und ihm einen Ehrenplatz angewiesen; die Braut selbst kredenzt ihm den üblichen Trunk. Der Ritter lässt seinen Ehering in den Wein fallen, und die gute Frau, als sie Bescheid thun will, sieht das Zeichen auf das Bechers Grunde liegen -sie wird aufmerksam – und erkennt in dem Gaste den todt geglaubten Gemahl – und Alles endet in Freude, der Ritter aber löst getreulich sein Versprechen wegen des Nebelglöckleins. – Gewöhnlich wird der Geschichte im Volksmund durch Verknüpfung der späteren Sage ein tragisches Ende gegeben.- Die Frau will den, durch lange Jahre und Mühseligkeiten gealterten Gemahl nimmer erkennen, worauf dieser des Himmels Strafe und Verderben über die Ungetreue und ihr ganzes Haus herabschwört. Sogleich erfüllt sich die Verwünschung. Ein Wetter zieht am Himmel auf, und der Strahl entzündet die Burg, in welcher alle in den Flammen den Tod finden, mit Ausnahme des jüngsten Sprößlings eines anwesenden Ritters von Bodman, der durch die Geistesgegenwart der Amme gerettet wird. Bis auf den heutigen Tag wird im freiherrlichen Schlosse der Kessel, in dem das Kind gelegen, als Familienreliquie aufbewahrt. Und jeder Fremde, der das gastliche Haus besucht, übt gerne den alten Brauch, stehend auf dem Grunde des ehernen Gefäßes einen Becher Weins auf das Wohl des Geschlechtes von Bodman zu lehren.

Noch soll zuweilen bei niederem Wasserstand die versenkte Nebelglocke gesehen werden. Das Nebelmännlein aber hat seinen Sitz im „Löchle„, einer angeblich unergründlichen Tiefe des See’s bei Bodman, welcher Fleck bei größter Kälte niemals zu gefriert. In stillen Nächten steigt der silberbärtige Alte auf, beirrend die Schiffsleute und beschadigend mit kaltem Reife die Reben.

Die Keller unter dem Schlösslein Frauenberg sollen den heiligen Othmar beherbergt haben. Ein Platz am See heißt noch heute das Othmarsenstücklein; von hier soll der fromme Mönch, aus seinem Kerker entlassen, trockenen Fußes über den See, an das jenseitige Ufer gewandelt sein. – Auch von der ehemaligen Stadt Bodungo lebt noch eine Tradition im Volk. Ein großes Stück Feld, westlich vom Dorf „auf Mauern“ geheißen, soll ihre alten Fundamente bergen.

Unter den hiesigen alten Volkssitten findet sich auch der anderwärts herrschende, jetzt aber abgekommene Brauch, Gegenstände der Landwirtschaft, die vom saumseligen Bauern über Winter draußen im Felde gelassen worden, vogelfrei zu erklären und zur Fastnachtszeit lustig zu verschmausen. – Noch in den dreißiger Jahren holten die Bodman junge Bursche einen Sägklotz vom Felde und schickten sich an, die gute Prise im Wirtshaus zur „Linde“ zu vertrinken – aber man erklärte ihnen, die alten Privilegien hätten aufgehört, und das Fasnachtsrecht sei außer Kraft.

In einer handschriftlichen Chronik fand ich einen ähnlichen Zug aus Hintschingen in der Baar. Bauernweiber, darunter die Frau Vögtin selbst, holten am Aschermittwoch einen im Felde stehen gebliebenen Pflug und hielten auf Kosten des Eigentümers einen Schmaus im Wirtshaus.

Von Bodman bis Wallhausen, die ganze Uferstrecke entlang, führt kein eigentlicher Weg. Ein schmaler Raum zwischen Wald und See dient bei niederem Wasserstand dem Fußgänger zum notdürftigen Pfad. – Von Bodman hatte ich einen Führer und Packträger mitgenommen. Die Luft war immer noch stürmisch, aber wolkenlos und klar. Ein Sonntagnachmittag, ganz geeignet, einen so wild einsamen Landstrich zu durchwandern. Das brausende, tief erregte Gewelle in seinem dunklen Blau bildete einen wundersamen Gegensatz zum jenseitigen grauen Felsgestade und seine sonnenhellen Höhen im zartgrünen Frühlingsgewande. Glänzend stand die verlassene Kirche Neubirnau’s als erhabener Mittelpunkt in der schönen Landschaft.

Während mir längs des Kranzes von verwelkten Blättern, den in vorigen Herbst der Wald dem wellenreichen Bodan um die Stirne gelegt, dahin wandelten, erzählte mein Begleiter mancherlei auf die Gegend bezügliches. – Entlang dem düsteren Bodenwalde, der sich weithin über den Rück ausbreitet, gelangt der Wanderer zu einer Schlucht, über welcher in kolossalen Trümmern auf Felsen die Burg Kargeck, vergessen von der Welt, seit Jahrhunderten die Einsamkeit hütet. Sie ist Eigentum der Herren von Bohman und soll im Bauernkrieg gebrochen worden sein. – Das Gemäuer überblickt weithin den See, und die Besitzer konnten den von Hohenfels am jenseitigen Ufer in die Fenster schauen.

Nach einer Volkssage lebte in dem alten Schlosse eine schöne Fräulein, Fortunata, die von einem Ritter von Hohenfels geliebt wurde. Aber nur in dunkeln, sternenlosen Nächten durfte der Erwählte es wagen, sein von einem tyrannischen Vater bewachtes, Mädchen zu besuchen. Ein zweiter Leander, schwamm er über den breiten See nach dem Schlosse, wo auf hohem Söller ein Licht brannte – das Zeichen der Sicherheit und zugleich dem nächtlichen Schwimmer ein Leitstern. Während er einst dieses Wagnis unternahm, erhob sich ein Unwetter, der rasende Sturm verlöschte das Licht – und der weitverschlagene Ritter fand in den Wogen seinen Tod. – Die Liebende aber nahm ihre Treue mit in’s Grab – sie soll die letzte ihres Stammes gewesen sein. Die Sage läßt wunderseltene Schätze in der Burg verschüttet sein, unter Anderem ein Kegelspiel von purem Golde. Mehr waldeinwärts liegt der boman’sche Prachthof Kargeck. Der See soll in dieser Gegend von außerordentlicher Tiefe sein.

Weiterhin, hart am Ufer, kommen wir zum sogenannten Halbmond, einer alten fichtenbeschatteten schroff ansteigenden Felswand mit einer, wie von Menschenhand gebildeten, Bogenstellung. – Ein harmloses Schneiderlein aus einem benachbarten Dorfe suchte einst im Wald nach Haselnüssen. An der dichtbewachsenen Felswand macht er einen Fehltritt und stürzt hernieder. Aus der Betäubung unverletzt erwachend, gelobte er eine Wallfahrt nach Maria Einsiedeln, mit dem Versprechen, dem dortigen Gnadenbilde so viele Pfund Wachs zu opfern, als sein eigenes körperliches Gewicht betrage. Am fernen Gnadenorte angekommen, läßt er sich wägen – und siehe – sein Gewicht beträgt kaum 10 Pfund. Misstrauisch besteigt er die Waagschale zum zweitenmale – da sieht er bloß noch 5 Pfund. Jetzt ahnt er übernatürlichen Einfluss und wie gut es seinen Fürbitterin die Mutter Gottes mit ihm meine, opfert gläubig nach Maßgabe des reduzierten Gewichtes und scheidet neugestärkt im Glauben von hinnen.

Ferner zeigte mir mein Cicerone die Stelle (vis a vis von Überlingen), wo unterm Wasserspiegel verborgen das sogenannte Teufelstisch liegt – ein isolierter Felsblock von etwa 40 Fuß im Durchschnitte, der nur in ganz trockenen Jahrgängen bei außerordentlich niederem Wasserstand zum Vorschein kommt. Wie der gefrorene See, so wird auch dieses Vorkommniß mit einiger Umständlichkeit gefeiert.

Im Jahre 1829, wo der Block zum Vorschein kam, hielt eine joviale Gesellschaft von Überlingen ein Gastmahl und Tanz auf dem alten Felszahn, dem sie ihre Namen und die Jahreszahl meißeln ließen. Auch im vorigen Jahre (1854) kam der Tisch über der Wasserspiegel. Einen außergewöhnlich niederen Wasserstand beobachtete man auch im Jahr 1672 im März. Damals kam bei Konstanz oberhalb der Rheinmühle nächst der Dominikanerinsel ein großes „Horn“ zum Vorschein, auf welchem ein Freischießen abgehalten, unter Zelten gewirtschaftet und von der Kieferzunft ein Fass gefertigt wurde.

Den höchsten Stand des See’s brachten die Monate Juni und Juli im Jahre 1817. Dazumal machten manche seiner kaltblütigen Bewohner Exkursionen in ganz fremde, vorher nie von Fischaugen erschaute Gegenden. In den Straßen und Häusern von Konstanz zum Beispiel wurden häufig Fische gefangen; in Unteruhldingen stand ein Bäcker, der nach seinem unter Wasser gesetzten Backofen sah, eine mächtige Forelle in demselben, und der Kiefermeister zu Mainau hatte sogar das Glück, in der Schublade des schweren eisernen Tisches, der „Binhausstube“ (am Hafen) allerlei Fische zu fangen.

Unter solchen Diskursen gelangten wir, ermüdet von dem Gang auf Sand und Kies, nach Wallhausen. Wir haben bereits vernommen, dass hier seit 1488 die Commende Mainau den Kelnhof besaß, zugleich mit der Gerichtsbarkeit über das Dorf. Der Ort liegt malerisch hübsch mit den zierlichen landschaftlichen Einzelheiten am Tobelbache, der silberhell durch üppige Wiesen, eingefaßt von Obstbäumen, dem See zueilt.- Westlich, in kaum viertelstündiger Entfernung, steht einsam, hoch über dem See, das Schlösslein Burg, jetzt ein herrschaftlich badischer Parthof. Es ist in der Geschichte vom Mainau gesagt worden, wie die „alte Burg“ zu Dettingen 1405 vom Konstanzer Patriziergeschlechte Blarer mit reichenauischer Bewilligung an den Deutschorden gekommen. Hier ist ohne Zweifel die Heimat des Minnesänger Heinrich von Dettingen zu suchen. – Wenig ist vom Sange dieses Meisters der Nachwelt geblieben; aber das Wenige ist Zeugnis eines tiefen, liebreichen Gemüts. Er singt:

„Lieb, liebes Lieb, liebe Fraue!
Lieb, Trost des Herzens und der Sinne!
Lieb, liebes Lieb, liebe Schaue!
Lieb, daß mich raubet deine Minne!
Hei, lieber Leib,
Selig Weib!
Lieb, liebes Lieb, sehnendes Leid mir vertreib!“

Von der alten Burg sehen wir nur wenige Mauertrümmer; aber nebenan erhebt sich wohlerhalten mit Zinnen und Giebeln, das spätere Herrenhaus von einem Graben umgeben. Das ganze Anwesen macht den Eindruck einladender Heimeligkeit, weitentlegen von prosaischem Weltkram. – Von der einen Seite drängt sich ein finsterer Tannenforst dicht heran, während gegen den See ein urwüchsiges Gehölz von Buchen und Fichten den steilen Abhang beschattet. – Im oberen Stockwerk des Pächterhauses finden wir einen kleinen Saal, der mit Ziegelsteinen gepflastert ist und einen Hausaltar hat und einen Erker, dessen Fenster die anmutigsten Fernsichten geben – von der jenseitigen Sängerburg Hohenfels und den schwarzwaldiegen Höhen hinter Aufkirch bis zum weitsichtbaren Heiligenberg und dem fernen Meersburg, wo die Tiroleralpen noch hervortreten – und tief unter uns liegt der See und der abschüssige, wildverschlungene Wald, deren gemeinsames Brausen feierlich im Winde verhallt.

In der Nähe auf einsamer Wiesenau ruht das Dörflein Dettingen, wohin die Höfe Burg, Rohnhausen und das Dorf Wallhausen pfarrhörig sind. – Von hier kehren wir zurück nach Wallhausen, um von da nach Dingelsdorf zu wandern. – Dieses ehemals mainausche Pfarrdorf hat eine eben so malerische Lage wie Wallhausen. Noch tragen viele Häuser die Farben und das heraldische Kreuz des Ordens. Einige vorhandene Wohngebäude in Renaissance rühren von einem komptur’schen Amann des 17. Jahrhunderts her; sie wären werth, von einem Architekten gezeichnet zu werden, ehe die Zeit ihr eigentümliches Gepräge vollends verwischt.

Von Konstanz über Lüzlstetten bis hierher und zur nahen Schiffslände Sankt Nikolaus (Überlingen gegenüber) führt eine ehemals stark begangene Straße, die jetzt durch die Dampfschifffahrt etwas verödet ist.

Über Lüzelstetten, berichtet Freund Bader, besitzt man noch eine wohl erhaltene Urkunde von 1285, worin ein Ulrich von Alga „vom Heiligen Geiste geleitet“ dem Stift Reichenau, zu seinem und seiner Vorälteren ewigem Seelenheil, all‘ seine eigenthümlichen Güter „in Liuzelenstetten“ unter der Bedingniß vermacht, dass ihm dieselben wieder zu einem „rechten Lehen“ verliehen werden. Diese Güter gelangten später an das Ritterhaus zu Mainau und waren vielleicht der Anfang von dessen Besitzungen zu Lüzelstätten. Aber auch das Domstift von Konstanz hatte Güter daselbst, deren Lehnsbesitzer öfters genötigt waren, gegen die strenge ritterliche Oberherrschaft, welche in dem tonsierten Lehnsherrn einen „Sackaufheber“ sah, Klage zu erheben. Komtur und Bischof stunden wohl nicht immer auf dem brüderlichen Fuße miteinander.

Indem wir Lüzelstetten noch besuchen, nähern wir uns wieder unserem Ausgangspunkte, der Insel Mainau. – Dem holden Eilande mit seinem See letzte Grüße zusendend, schlagen wir den Waldweg ein, nach dem einsamen Klosterbau St. Katharina, und weiter zum Dorfe Wollmatingen, an die Ufer des jenseitigen Untersee’s.

St. Peter und Paul in Bodman. Bleiglasfenster von 1889, Darstellung: Hl. Otmar, Wappen des Stifters Othmar Freiherr von Bodman-Bodman. Foto: GFreihalter.

Pfarrkirche St. Othmar in Kirchberg. Hochaltar: Statue des heiligen Othmar (1710). Foto: Wolfgang Sauber

Pfarrkirche St. Otmar, Ludwigshafen. Photo: Veit Feger

Wappenscheibe der Fürstabtei St. Gallen im Kreuzgang des Klosters Muri. Wappen der Abtei (Schwarzer Bär auf goldenem Grund), der Grafschaft Toggenburg (Schwarze Dogge auf goldenem Grund) und von Fürstabt Diethelm Blarer von Wartensee; neben den Schilden die Heiligen Gallus und Otmar von St. Gallen; im Oberbild Gallus im Gebet und mit dem Bären. Foto: Marco Zanoli

Die Burg brennt

Schloss Frauenberg

Schloss Frauenberg ist eine ehemalige Burg der Grafen von Bodman bei Bodman-Ludwigshafen und wird heute durch die Communitas Agnus Dei als Kloster Frauenberg genutzt.

Die Burg Frauenberg war ursprünglich der Sitz der gräflichen Familie, bis am 16. September 1307 während eines Familienfestes ein Blitzschlag einen Brand verursachte. Der Legende nach verbrannte die gesamte gräfliche Familie und einige Angehörige des Hegauer Adels. Unter den Opfern waren Conrad, Katharina, Adelheid und Anna von Bodman, Gottfried von Kreyen (Krähen), Heinrich von Blumegg und die Ritter Hans von Bodman und Hans von Schellenberg. Nur der jüngste männliche Namensträger des Geschlechts, der einjährige Johannes von Bodman, überlebte die Katastrophe, indem die Amme das Kind in einen großen Kessel steckte und diesen samt Kind aus dem Fenster warf. Der Kessel stürzte die Felsen hinab, wurde von den Büschen gebremst und blieb schließlich hängen. Der Fundort ist heute durch einen kleinen Obelisken gekennzeichnet.

Nach dem Brand errichtete der Großvater des Geretteten am Ort der vollständig zerstörten Burg Frauenberg eine Kapelle mit Priesterhaus und schenkte diese um das Jahr 1308/09 dem Zisterzienserkloster Salem für die Errettung des Stammhalters. Das Kloster baute die abgebrannte Burg zum Kloster Frauenberg aus. Im Jahre 1515 fanden Baumaßnahmen und eine Neukonsekrierung statt; in den Jahren 1610/11 wurde das Gebäude schließlich erneut umgebaut. Im Zuge der Säkularisation gelangte das Kloster 1806 in den Besitz der gräflichen Familie zurück.

Teufelstisch

Der Teufelstisch ist eine Felsformation im Überlinger See. Es handelt sich hierbei um eine Felsnadel, die am Bodanrück im Uferbereich zwischen Wallhausen und dem Beginn der Marienschlucht dem Steilabfall des Flachwasserbereichs (dem „Felsen“) vorgelagert ist. Die Felsnadel endet in einer flachen Platte dicht unter der Wasseroberfläche.

Das häufig sogar von der Seeoberfläche aus sichtbare Plateau des Teufelstisches hat eine Größe von rund 22 m × 10 m (Fläche: 160 m²) und liegt normalerweise bis zu 1,5 m, bei Hochwasser bis zu 3 m unter der Wasseroberfläche. Seeseitig fällt die Wand des Teufelstisches fast senkrecht bis in rund 90 m Tiefe ab. Der Teufelstisch befindet sich 50 m vom Ufer und 14 m vom uferseitigen Niedrigwasserbereich entfernt. Ein schmaler Felssteg an der südsüdwestlichen Seite des Tischs, der sogenannte Sattel, verbindet den Gesteinszacken in rund 32 m Tiefe mit dem Gestein des landseitigen Bodanrück-Sockels, so dass tatsächlich nur etwas mehr als 30 m der Zinne wirklich frei stehen.

Das Plateau liegt nur bei sehr starkem Niedrigwasser über der Wasseroberfläche. Bei einem Pegelstand von unter 2,40 Meter wird es teilweise begehbar, ab einem Wasserstand von unter 2,30 Metern ragt die gesamte Oberfläche aus dem Bodensee. Diese Ereignisse werden von den Jahren 1672, 1823, 1829, 1854, 1858, 1909, 1949, 1963 und 1972 berichtet. Alle Angaben aus Wikipedia. Wobei 1829 mit der Tanzgesellschaft bei Wikipedia nicht verzeichnet ist. Auch über 1672 und dem „großen Horn“, dem Freischießen und dem Faß lässt sich nichts finden.

Seezeichen 22, Teufelstisch.
Foto: Holger666

Teufelstisch.
Foto: Marco Hertwig

Sagen und Legenden um die Burg Tettingen

Wie bei allen Burgen ranken sich auch um die Burg Tettingen Sagen und Legenden. Aber leider sind uns heute nur noch wenige bekannt. Zu ihnen gehören die „Legende von der Christnacht 1790“ und „Das verschollene goldene Kegelspiel.

Die Christnacht im Jahre 1790

Wie es alle Jahre Brauch war, gingen die Leute vom Burghof auch in der Christnacht 1790 zur Christmette. Um die Mitternachtsstunde wurde diese in der Pfarrkirche zu Tettingen abgehalten.

Tief verschneit lagen Wald und Flur. Silbern glitzerte der Schnee in der klaren Mondnacht. Nur ein schwaches Licht brannte oben in der Burgstube. Hier hütete eine junge Magd, die zurückgeblieben war, das jüngste Töchterlein des Burgherren. Fürchten brauchte sich die junge Maid nicht, denn wachsame Hunde lagen am Eingang der Burg. Wehe dem Fremden, der es gewagt hätte, in die Burg einzudringen. Dumpf und schwer schlug die „Osianna“-Glocke auf dem Überlinger Münster die Mitternacht. Ringsum läuteten die Glocken ihr Jubilate in die Heilige Nacht und kündeten die Geburtsstunde des Herrn. In Kirchen und Kapellen knieten die Menschen und feierten das Wunder der Heiligen Nacht. Friedlich schlief das Kleine in der alten Wiege, in der schon sein Urahn gelegen hatte. Die Magd betete vor dem Herrgottswinkel. Über allem lag ein heiliger Zauber: Christus ist geboren!

Plötzlich horchte die Magd auf. Leise Schritte auf dem Gang, ein Rauschen, wie von einem schweren Kleid. Leise öffnete sich die Türe. In ihr steht ganz in weiß gekleidet ein blühend junges Weib. Als wäre ihr eine Heilige erschienen, sinkt die Magd in die Knie und starrt die geheimnisvolle Dame an. „Fürchte die nicht!“, sprach die Erscheinung. „Es soll dir kein Leid geschehen, aber laß mich kurze Zeit bei dir ruhen und meine Not dir klagen. Endlose Jahre schon muß ich friedlos wandern, von einer Christnacht zur andren. Böses tat einstmals einer meiner Ahnen, er verging sich an der Unschuld eines Mädchens. Nun muß eines unserer Sippe dafür büßen. Mich traf dieser furchtbare Fluch. Kinderlos blieb mein Schoß, und früh mußte ich von dieser Erde scheiden. Doch ruhen darf ich nicht, Denn noch ist der Baum nicht gepflanzt, aus dessen Holz man einst die Wiege schnitzt für den, der mich erlösen soll, einmal in der Christnacht durch sein Beten.“

Sprach’s und leise, wie sie gekommen war, verschwand die Erscheinung wieder. Und wieder umgab tiefe Stille die Magd und ihrern Schützling in dieser geheimnissvollen Nacht.

Das verschollene goldene Kegelspiel

In vielen Burgen haben sich die edlen Herren mit Kegelspielen vergnügt. Kunstvolle Figuren aus Holz und sogar aus reinem Gold wurden verwendet. Eines Tages nun war das goldene Kegelspiel verschwunden. Irgendwo auf dem Burghof hatte es ein Ritter vergraben. Lange hatte man danach gesucht, es aber nie mehr gefunden. In dunklen, unheimlichen Nächten allerdings, soll dieser Ritter, der danach keine Ruhe mehr gefunden hat, dieses goldene Spiel hervorholen und die Kugel rollen lassen. Oft haben früher die Leute dieses unheimliche Rollen der schweren goldenen Kugel vernommen und zwar immer dann, wenn wieder einmal Schatzsucher nach dem verschwundenen Kegelspiel gegraben haben.

Quelle: Festschrift und Orts-Chronik anläßlich der 1250-Jahr-Feier



Heinrich von Tettingen

Lieb liebes lieb liebú vꝛowe·
lieb h̾zen troſt vn̄ der ſinne·
lieb liebes lieb liebú ſchowe·
lieb dc mih rǒbet din mīne·
hei lieb̾ lib
ſelig wib·
lieb liebes lieb ſendú leit mir v̾trib·

Lieb dv biſt mir nv vil lange·
lieb vn̄ han dir vil geſvngē·
nach din hulde iſt mir ange·
des hat mich mīne betwūgen·
ach frowe min·
ſich d̾ pin·
nimet froͤide mir ſol ich lange alſe ſin·

IR ſchoͤne ir gvͤte ir gebare·
hant mich ze tode v̾wundet·
des ſtirbe ich nv ī einē iare·
ob mich ir troſt niht geſvndet·
ach wafena·
ſi iſt mir da·
lieb vn̄ lit minē herzen vil na·

Das dú zit iſt alſo ſchoͤne·
da vō ſiht mā nv die heide·
wol gebluͤmet[WS 2] vn̄ dē walt·
dar zv̊ ſingēt ſvͤze doͤne·
kleine vogel dē vil leide·
tet húr ê d̾ wint̾ kalt·
ſi vꝛoͤwēt ſich deſ meijen blvͤte·
dv́ mih twinget doch mit guͤte·
dc dú troſte mī gemvͤte·
ich wurd ǒch ze froͤden balt·

Mir wirt alſe wol zemv̊te·
ſwāne ich die vil liebē ſvͤzen·
ſihe ſo mīneklich getan·
da kvmt es mir ǒch zegv̊te·
wil ſi mīnekliche bvͤzē·
dc ich ſendē kvmb̾ han·
vō ir liebeſ wibes mīne·
lieb minſ herzen kv́nigīnne·
vuͤge dc ich noh gewīne·
vō dir troſt vn̄ liebē wā·

Das mī vꝛowe mir gevellet·
dc kvmt vō vil maniger gvͤte·
vn̄ dē tvgēdē die ſi hat·
nah ir bꝛīnet vn̄ wellet·
h̾ze lib vn̄ mī gemvͤte·
deſ mir ſchiere wurde rat·
wils an frúndeſ trúwe denkē·
alleſ trurē alleſ krenkē·
mvͤſte ſnelle mir entwenkē·
ob ſi mich zeliebe en pfat·

Niemā iehe dc ich ſi tvmber·
ob ich h̾zecliche mīnē·
ein ſo mīnekliches wib·
ein lant ſolte g̾ne in kvmb̾·
komē moͤht es wol gwīnen·
alſe reineſ wibeſ lib·
dú ſo manige vv̊ge hete·
zizelwehe ſi wol nete·
ah dc ichs ir mīne erbete·
wol litte ich darvmbe kib·

https://de.wikisource.org/wiki/Lieb_liebes_lieb_lieb

Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 361r: Heinrich von Tettingen
Zwischen 1305 and 1315
Quelle: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/

Lüzelstetten

Der Name „Litzelstetten“ wurde erstmals 839 als „Luzzilonsteti“ in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Reichenau erwähnt. 1272 wurde die Herrschaft in Litzelstetten durch die Kommende Mainau des Deutschen Ordens übernommen, die sie bis zur Säkularisation 1802 behielt.

Als Großherzog Friedrich I. von Baden 1853 die Insel Mainau übernahm, wurde Litzelstetten zu einem seiner Lieblingsorte, was sich auf die Entwicklung des Dorfes positiv auswirkte. Bis 1918 war die Insel Mainau, das Gebiet des heutigen Stadtteils Egg und das frühere Kloster St. Katharina ein Teil der Gemeinde Allmannsdorf. Im Jahre 1915 wurde Allmannsdorf in die Stadt Konstanz eingemeindet. Nach 1918 entschieden die Grundeigentümer der Mainau, dass die Insel und das in ihrem Eigentum befindliche ehemalige Kloster St. Katharina zur Gemeinde Litzelstetten gehören sollte. Erst mit der Eingemeindung von Litzelstetten in die Stadt Konstanz am 1. Dezember 1971 wurden die Mainau und St. Katharina wieder Teil der Stadt Konstanz, verblieben jedoch beim Stadtteil Litzelstetten. (nach Wikipedia)

Wie Lucian Reich auf „Lüzelstetten“ kommt, konnte ich nicht heraus finden.

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Insel Mainau – Goldbach, Sipplingen und Ludwigshafen

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier der das Kapitel Goldbach, Sipplingen und Ludwigshafen

Von Aufkirch schlug ich den Fußweg nach Goldbach ein. Dieses Dörflein liegt am Ausflusse des Baches gleichen Namens mit einer malerischen Schlucht. Die Einwohner sind der Gemeinde Überlingen zugeteilt. Das Kirchlein soll eines der ältesten der Gegend sein; es hat den Papst Silvester zum Heiligen. Die Strasse hierher und weiter ist in Felsen gehauen, die überall schroff emporsteigen und an deren Absätzen kaum der genügsamen Föhre einiges Wachstum gönnen.

Das längst den hohen Felswänden tiefliegende Terrain eignet sich vorzüglich zum Weinbau; die Hitze erreicht hier im Sommer und Herbst einen außergewöhnlichen Grad, während die stets aus dem Gestein sickernde Feuchtigkeit eine allzu große Trockenheit des Bodens verhindert. – Die Vegetation um Goldbach ist die früheste am ganzen See. Einige 1000 Schritte vom Dorfe tritt der Fels hart am Seegestade heran. Aus der Felsmasse blicken wunderliche Fensteröffnungen und Eingänge; es sind die rätselhaften Heidenlöcher. Nur wenige Reste sind noch davon zu sehen, weil der neuen Straße nothwendig ein Teil des Felsvorsprungs weichen mußte. Doch ist genug übrig geblieben, um den Charakter des Ganzen darin zu erkennen. Eine Stiege, in den weichen Molaß gehauen, führt zu den verlassenen Gemachen, deren es ursprünglich viele waren – Stuben, Kammern, Küche und Keller, alles in Felsen gehauen. Die Sage eignet den Bau den Heiden, auch verfolgten Christen zu, während Neuere römischer Arbeit daran erkennen wollen. Bis jedoch die Gelehrten einig sind, mag es jedem Einzelnen anheim gestellt bleiben, das einsame Felsenfest auf die eine oder andere Weise entstehen zu lassen. Seine unzugängliche Lage scheint jedenfalls für einen Zufluchtsort zu sprechen; die Weichheit des Gesteins mochte zunächst auf einen solchen Gedanken geleitet haben, wie denn in der Nachbarschaft noch häufig ähnlich beschaffene Keller, Felshütten usw. anzutreffen sind.

In späterer Zeit dienten die Kammern, allerlei Gesindel und Landfahrern zum Aufenthalt. – Die letzte historisch erwiesene Person, die darin hauste, ist ein Spitzbube, vulgo „der kleine Fidele“.

Dieser Mensch war in den vorigen 80er Jahren durch seine Einbrüche und frechen Diebstähle lange Zeit der Schrecken der Umgebung, ohne dass man seiner habhaft werden oder seinen Aufenthalt ausfindig machen konnte. Da sahen eines Morgens Fischer, welche den wellenbespülten Felsvorsprung umruderten, Rauch aus einer der Löcher dringen und zugleich den Kopf eines Menschen eilig sich zurückziehen. – Es war der kleine Fidele, welcher in der Morgendämmerung, während sein Frühstück am Feuer schmorte, zur Felsburg herauslugte über das Bereich der Gewässer und Dörfer, die ihm tributpflichtig waren. – Es wurde Lärm gemacht und Mannschaft herbeigeholt, die, an Stricken von oben herab gelassen, in die Höhlen eindrang und den Burgherrn nach verzweifelter Gegenwehr gefangen nahm. An welchem luftigen Rabenstein er sein tatenreiches Leben beschloß, meldet die Geschichte nicht.

Der Abend war bereits herangekommen, als ich diese Gegend durchzog. Geisterhaft finster schauten die halb zerfallenen Taglöcher aus der gelblichgrünen Masse, und bildete dieser Vorgrund einen auffallenden Contrast zu dem glühenden Abendhimmel, in welchem wie auf Goldgrund das alte Bodmerschloss ragte und die Kirchturmspitze von Sipplingen.

Weiterhin gegen Brünnensbach war ehedem eine Einsiedelei mit Küche und Schlafstelle, ebenfalls ein Felsenwerk. – Die Phantasie mag sich’s poetisch ausmalen, hoch über dem Wellengebrause, unangefochten vom Weltenlärm, in einsamen Felskämmerlein der Beschaulichkeit zu leben. Aber ein gewisser Heroismus oder, wenn man will, ein wunderlicher Heiliger gehörte ebenfalls dazu. – Man denke sich wochenlange, tödlich einförmige Regentage, die Schauer der Nacht, wenn kalte Winterstürme dem verschwundenen Frühling und Sommer das Requiem singen, wenn der Schlaf das Lager flieht, in Stunden, wo die trübsinnige Seele nach menschlicher Teilnahme sich sehnt. Ein solches Einsiedelgemüt – gleicht es nicht der Pholade, die in Felsen eingebohrt, mitten im Gebrause des Weltenmeers, einsam, sich selbst leuchtend, ein wunderliches Stillleben führt?

In der Nähe dieser Felsklause stand die uralte Sankt Katharinakapelle, die ebenfalls dem Straßenbau geopfert werden mußte. Sie enthielt unter Anderem eine Votivtafel, die folgendem Vorfall ihr Dasein verdankte. Ein Bauer pflügte mit einem Ochsengespann auf den Feldern unmittelbar über der Kapelle. Sein 15 jähriges Töchterlein leitete das Zugvieh. Durch einen Zufall werden die Tiere scheu, das Kind wird in eine Stränge verwickelt und mitgerissen über die Felswand hinunter in den See. Erstarrt und händeringend steht der Vater -aber siehe, welch ein Wunder! – Unversehrt schwimmen die beiden kräftigen Tiere dem jenseitigen Ufer zu, und die Jungfrau hält sich krampfhaft fest am Riemenzeug – und so teilt der wunderbare Zug, beschützt von himmlischen Mächten, die Wogen und landet glücklich am jenseitigen Ufer des tiefen, wohl eine halbe Stunde breiten Sees. – Aus Dankbarkeit gegen die heilige Katharina, deren Schutz der bedrängte Vater in dem qualvollen Momente angerufen, ließ dieser nachher das Gemälde verfertigen und in der Kapelle aufhängen. Als diese vor einigen Jahren weggeräumt wurde, nahm der Pächter vom gegenüber liegenden Kargeckerhof die Tafel an sich, wo sie bis auf den heutigen Tag noch zu sehen ist.

Wem aber dieses Ereignis in Bezug auf die Ausdauer der Tiere unglaublich scheinen möchte, der kann sich hin und wieder am See Ähnliches aus neuerer Zeit berichten lassen. So zum Beispiel verwilderte vor einigen Jahren dem Pächter auf der Mainau ein Stier, der sich in der See warf und an das jenseitige, wohl drei Viertelstunden entfernte Ufer schwamm, wo er noch einige Zeit verwüstend in den Feldern hauste. Ebenso erzählte ein Metzger, der zufällig mit mir von Allensbach nach der Reichenau überfuhr, wie er kürzlich auf der Insel eine Kalbin gekauft und zu Schiff nach Allensbach habe verbringen wollen. Scheu geworden durch die Ruderschläge, sprang das Tier zum großen Schrecken des Eigentümers ins Wasser, schwamm aber, gezähmt durch das ungewohnte Element, folgsam dicht neben dem Kahne bis zum gegenüberliegenden Landungsplatze.

Jenseits der Heidenlöcher, gegen Sipplingen zu, heißt das Gelände an den Felsengründen der Rosenberg und ist einer der vorzüglichsten Weinlagen am ganzen Seeufer.

In Sipplingen nahm ich mein Nachtquartier. Das Wirtshaus zum Adler, in dem ich logierte, war ehemals ein Nonnenkloster. Die Schwestern hatten vor Zeiten ihren Sitz oberhalb des Pfarrdorfes auf der sogenannten Nonnenebene; als die Gebäulichkeiten zu Ende des 17. Jahrhunderts durch Brand zerstört wurden, siedelten sich die Nonnen im Dorfe an. – Nach der Tradition wurde Sipplingen durch die Schweden abgebrannt; nur ein einziges Haus blieb verschont und zwar durch folgenden freundlichen Zwischenfall.

Als die Schweden und ihre Verbündeten das Dorf in Flammen aufgehen ließen und an diesem Häuslein auch die Brandfackel anlegen wollten, sprang ein Soldat hervor und bat um Schonung. Vor mehreren Jahren sagte er seinen Kameraden, sei als armer wandernder Handwerksbursche, den man nirgends beherbergen wollen, hier in diesem Hause gastlich aufgenommen und unentgeltlich mit einem Trunk Rotwein bewirtet worden. – Die wilden Kriegsknechte fanden die Einsprache beachtenswert, und die Hütte blieb stehen. Noch heute sieht man an seiner Außenwand eine Weinkanne und einen Becher angemalt. Das Haustürgestell trägt die Jahreszahl 1599.

Die Einwohner Sipplingen’s gehören zu den Tätigen am See, weshalb sie von ihren Nachbarn vorzugsweise zu Arbeitern begehrt werden. Ihr Feldumtrieb ist ein eigentümlicher; noch vor wenigen Jahren ging hier ein Pflug, kein Pferde- oder Ochsengespann ins Feld, Alles wurde und wird größten Theils noch durch Menschenhand verrichtet. – Es hat etwas Schönes, die Leute mit ihren silberglänzenden Spaten in’s Feld gehen zu sehen. Diesen, allerdings mühevollen Feldbauverhältnissen ist es zuzuschreiben, dass kein Auswärtiger sich so leicht nach Sipplingen verheiratet oder eingekauft, weshalb der Ortsstamm noch ein ganz unvermischter und eigentümlicher ist.

Der Weinbau hat sich in neuerer Zeit sehr gehoben und das Sprichwort vom sauren Sipplinger durchaus zur Unwahrheit gemacht. Der üble Ruf, in dem dieser Wein früher stand, hat es sein Entstehen vorhandenen Grundverhältnissen zu verdanken. Das meiste Geländ war fremdes Eigentum, und wurde gegen die Ertragshälfte gebaut; die Bauern aber behielten die bessere zurück und gaben das Schlechtere, taten auch überhaupt wenig zur Veredelung der Sorten. Wenn nun der Zinswein in den fremden Kellern zum Verkauf kam, verzog es den Kauflustigen schon unwillkürlich den Mund beim bloßen Ausrufen des Namens „Sipplinger“, der höchstens als Trunk für die Dienstboten gekauft werden mochte. In neuerer Zeit ist aber, wie gesagt, der Sieblinger bedeutend besser als sein Ruf, ja er ist den besten Weinen der ganzen Gegend beizuzählen. Ein Grund der Verbesserung ist die Ablösung der Grundzinse und das Eigenmachen der Grundstücke. Zu dem kam noch ein anderer wohlthätige Einfluss: „Der Herr Markgraf Wilhelm“, sagen die Bauern, „hat uns die ersten Setzlinge edler Rebsorten geschickt. Ihm verdanken wir sehr viel.“

Nicht wenig zur Hebung der Culturverhältnisse hat auch die neue Straße von Überlingen über hier nach Ludwigshafen beigetragen. Bevor sie gebaut war, lag Sipplingen, zu Lande wenigstens, abgeschlossen in seiner berg- und felsumgebenden Kluft. Die Einwohner sehen deshalb den Straßenbau mit Recht als eine große Wohltat an, und vielfach hörte ich die Äußerung: der Weg solle zu dankbarster Erinnerung an ihren durchlauchtigsten Begründer die Leopoldstraße heißen.

Nahe beim Dorf liegt am Absatz der mächtigen Felswand die Ruine Hohenfels, ein kolossaler, zerrissener Burgturm, umgeben von zertrümmerten Wohngebäuden und einer Ringmauer. Es ist die Heimat Burckharts von Hohenfels, des lieberfüllten Sängers und kühnen Weidmanns, dem zu Mute ist „wie dem wilden Fisch im Bären (Bähren, Garn); dessen Freiheit sich neigt, der vielen Liebe zu; – die so gewaltig sitzet auf seines Herzens Thurm, der veste ist von allen Sitten.“ –

Noch hat sich im Volke das Andenken einer „guten Frau Hildegard vom alten Schloss“ erhalten, welche, die letzte ihres Stammes, bedeutende Vergabungen an die Kirchen der Umgebung und an das Spital zu Überlingen gemacht haben soll. Ein Platz bei Hohenfels heißt noch heute das Hildegardens Gärtle. Die Sage berichtet der Guten einen Schweinskopf an und läßt sie ihre Nahrung aus einer silbernen Schüssel zu sich nehmen.

Unterhalb der Burg steht der Hohenfelserhof, und in der Nachbarschaft finden sich die Trümmer der Bergschlösser Clausberg und Heldenburg, die mit mehreren Dörfern im Überlinger Amte die Herrschaft Althohenfels ausmachten, im Gegensatz zu den Neuhohenfels, das von dem deutschen Orden an die Fürsten vonZollern kam.

Eine der herrlichsten Aussichten am ganzen See gewährt ein aus dem Walde hervortretenden Felszacken beim Haldenhof, oberhalb der Burg Althohenfels. – In glänzender Pracht entsteigen die herrlichen Alpen und die Hegauer Berge majestätisch dem Gesichtskreis, während die dunklen Forste des Rück, der Untersee mit Reichenau, der Ober- und Bodmersee von Ludwigshafen bis Bregenz, ausgebreitet zu unseren Füßen liegen.

Nach etwa einstündiger Pilgerfahrt kommen wir nach dem alten Gernantingen, welches seit seiner Erhebung zum Hafenplatze den Namen Ludwigshafen führt.

Gernartingen gehörte früher mit Sipplingen zur Grafschaft Neuenburg, deren Hauptort Stockach war. Beide Orte verbindet eine alte Straße. – Der verewigte Großherzog Ludewig faßte den Plan, dem trefflich gelegenen Verkehrsplatze einen Hafen zu geben. Die neue Schöpfung erhielt rasch große Handelsbedeutung, verlor aber durch die württembergische Eisenbahn und ihre Endstation Friedrichshafen einen großen Teil ihrer Frequenz; doch ist der Transithandel mit Salz, Holz usw. noch immer sehr lebhaft. Nach dem Volksglauben wäre Gernatingen eine der ersten Stätten des Christentums und die Kirche auf den Grundmauern eines Heidentempels errichtet. Der vorhandene Bau ist jedoch einfach mittelalterlich. An einer Außenwand sind noch Überreste eines Fresko Bildes sichtbar, ein heiliger Christoph und zwei Wappenschilde, deren Embleme nicht mehr zu erkennen sind. Vielleicht beziehen sie sich auf das ehemals hier ansässige Adelsgeschlecht.

Einige 100 Schritte vom Dorfe steht eine Gottesackerkapelle, die aus Dank für das Verschwinden einer großen Viehseuche im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Es kam bei diesem Bau die besondere Bestimmung vor, dass eine Kuh von der Gemeinde Herde geopfert, das heißt der Erlös von ihr zur Ausschmückung der Kapelle verwendet werden sollte. Der Zufall mußte entscheiden, von welchem Eigentümer der Beitrag erhoben werden durfte. Man legte nächst dem Neubau eine Stange quer über den Weg und bestimmte, dass die Kuh, welche beim Eingang der Herde das Ziel zuerst überschreiten werde, das verlangte Opfer sein solle. Und siehe, das schönste Stück der ganzen Herde schritt zuerst über die Stange.

Wie die Nachbarorte Sipplingen wird auch hier die gute Hildegard als Wohltäterin verehrt. Nach der Tradition wäre sie die Besitzerin eines noch vorhandenen Schlössleins gewesen, welches jetzt Privateigentum, früher mit Mauern und Graben umgeben, eine Freistatt für verfolgte Verbrecher war.

Im Wirtshaus zum Adler nahe dem Hafen nahm ich Quartier. Nach einer Weile trat ein alter wandernder Musikant herein und bestellte für sich und sein Töchterlein einen Teller voll Suppe. Er erzählte den Anwesenden, dass er in einem nahen württembergischen Grenzorte zu Hause sei und vom Stockacher Jahrmarkt komme, wo er und sein Kind musiziert hätten; das Ergebnis sei aber ein schlechtes gewesen und habe nur wenig über die Erlaubnißtare betragen. Während dem Reden hatte er sein Instrument hervorgezogen und gab, begleitet von der Tochter, ein Stück seiner Kunst zum Besten. Er spielte die (altgriechische) Doppel- oder, wie er sie nannte, Duceflöte; sein Töchterlein, ein ärmlich aber rein gekleidetes Mädchen von 13 Jahren, blies das Waldhorn dazu.

Die Musik bei offenen Fenstern mochte weit in den stillen blauen Frühlingstag hinausströmen, denn alsbald erschien der Ortspolizeidiener, um mit strenger Miene zu fragen, ob das Paar Erlaubnis habe öffentlich zu spielen. – Der Alte nahm seine beiden Pfeifen vom Munde und sagte, mit ironischem Humor auf das Süpplein deutend, das unterdessen aufgetragen worden: „Ich mache für mich Tafelmusik“. Der Dienstmann stand verblüfft, und entfernte sich ohne weitere Einsprache. Die Zuhörer aber freuten sich des guten Einfalls und ließen für den launigen Alten und seine Mignon den Teller herumgehen.

Der jetzt erloschenen Namen Gernatingen spielt übrigens in der Geschichte des bodenseeischen Bauernkriegs eine kleine Rolle. Es lag in dem Dorfe einmal die Mannschaften des schwäbischen Bundes und der Städte, während der kritischen Momentes einer Unterhandlung mit dem sogenannten Seehaufen. Da ergaben sich 600 Bauern, welche Gernantingen hatten erobern sollen, an die Bündischen und dieses entschied den Vorteil der letzteren. – Noch findet sich ein Schreiben vor, worin für einen gefangenen Gernatinger, welcher sich „im verschinen Baurenkrieg unabgefallen und erlich bei der Oberkeit gehalten“ Fürsprache eingelegt wird.


Heidenhöhlen bei Goldbach

Die Heidenhöhlen sind westlich des Dorfes Goldbach in den Molassesandstein des fast senkrecht abfallenden Heidenlöcherfelsens eingehauen, der früher bis in den See hineinragte. Dadurch sperrte der Fels das Ufer, so dass dort nur ein Fußweg bei niedrigem Wasserstand von Goldbach Richtung Sipplingen führte.

Nordwestlich des ebenfalls zu Überlingen gehörenden Weilers Brünnensbach gab es eine weiter Stelle, an der der Molassefels bis zum Seeufer reichte. Dort befand sich die Felskapelle St. Katharina, die aus Hohlräumen im Fels bestand und früher Wohnstätte eines Einsiedlers war. Der Uferweg führte direkt durch die Kapellengrotte, die mit Kruzifixen und Heiligenbildern ausgestattet war.

Die Heidenhöhlen wurden 1846 zum Teil zerstört, als für die Bodensee-Uferstraße (die spätere Bundesstraße 31) eine Schneise durch die Felsen gesprengt wurde. Durch ein Unwetter stürzte 1960 der östliche Teil der Höhlen ein. Daraufhin wurden weitere Teile wegen Einsturzgefahr zur Sicherung der nahe gelegenen Bundesstraße gesprengt.

Auch der Felsen bei der Katharinenkapelle und die Kapelle selbst wurden im Jahre 1847 für den Straßenbau zerstört. Danach wurde im verbliebenen Felsenrest ein schmuckloser „Ersatzraum“ angelegt, der an die alte Kapelle erinnern soll. Der Raum ist heute vergittert und unzugänglich; zudem ist es gefährlich, zu der Stelle zu gelangen, denn an der vielbefahrenen Bundesstraße gibt es dort keine Haltemöglichkeit. Der Rest des Katharinenfelsens gehört heute zu einem gleichnamigen kleinen Naturschutzgebiet. Aus Wikipedia

So unglaublich es ist, was unsere Großväter mit der Sprengung im Jahr 1960 angerichtet haben, so ist es noch blöder, dass keiner die Höhlen vorher fotografiert, beschrieben oder kartiert hätte. Eigentlich fehlen einem die Worte über so viel Banausentum und ich stelle die Männer in die geistige Reihe der Taliban die genau dies 2001 mit den Buddha-Statuen von Bamiyan getan haben.

Zum Glück war die Generation vor den Nazis geistig rege und es wurde ein kleines Bisschen von ihnen über die dunkle Zeit gerettet. Hier einige Bilder aus den Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung aus dem Jahr 2011, Band 129, S. 77-132 „Heidenhöhlen“ von Ralf Keller.


Der dankbare Schwede oder das Weinglas am Bodensee

Von Josef Zimmermann / Sipplinger Sage
(nach J. Schmitt, Badische Sagen, Bd. 1)

Im Frühjahr 1634 belagerten schwedische Truppen unter General Horn drei Wochen lang die feste Stadt Überlingen, aber sie konnten sie nicht einnehmen. Aus Ärger über den Misserfolg ließ General Horn beim Abrücken seiner Truppen mehrere Dörfer im Linzgau und Hegau, Sipplingen, Nesselwangen, Weildorf, Frickingen und Altheim ausplündern und in Flammen aufgehen.

Das Dorf Sipplingen wurde bis auf ein einziges Haus niedergebrannt. Als auch an dieses letzte Haus die Brandfackel gelegt werden sollte, trat einer der schwedischen Soldaten vor seinen Offizier und bat um Schonung des Hauses. Gerührten Herzens erzählte er seinem Vorgesetzten, er sei vor Jahren als armer Handwerksbursche müde und hungrig in dieses Dorf gekommen und habe um bescheidene Gabe gebeten. Überall aber sei er unbarmherzig abgewiesen worden, nur in diesem Haus sei er gastfreundlich aufgenommen und mit Speisen und einem Becher Rotwein bewirtet worden. Der schwedische Offizier freute sich über die dankbare Gesinnung des Soldaten und befahl, das Haus und seine Bewohner zu schonen. So blieb das Haus stehen, bis es im Jahre 1858 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Über der Haustüre war damals noch die Jahreszahl 1599 zu leben, und an der Hauswand war ein Weinkrug und ein Weinglas gemalt, und darunter stand der Spruch: „Seid barmherzig, dann wird auch euch Barmherzigkeit erwiesen werden!“

https://stollen-ueberlingen.de/ueb/minnedichter/index.htm

Gegenüber von Altbodmann, am jenseitigen Ufer des Ueberlinger See’s, ragt ein hoher Fels, abgesondert von der übrigen Bergkette, und auf ihm stehen die Ruinen der alten Burg Hohenfels. Ihr Name hat sich im Volke nur noch in dem sogenannten Hohenfelser Hof, der am Fuße des Berges liegt, erhalten. Dort erzählen die Leute von einer besonders wohlthätigen Frau von Hohenfels, die einst auf der Burg wohnte. Sie soll sich durch reiche Stiftungen an die Kirchen der Umgegend und durch unzählige Almosengaben verewigt haben. Das Volk nennt sie daher nur die gute Frau Hildegard. Ein Platz nahe der Burg Hohenfels heißt jetzt noch das „Hildegardens-Gärtle.“ (Wikipedia)


Doppelflöte

Eine Doppelflöte ist eine Flöte mit zwei separaten oder miteinander verbundenen Spielröhren, die zugleich angeblasen werden. In Europa bestehen Doppelflöten üblicherweise aus einem Holzstück, das zwei über Kernspalte angeblasene Spielröhren enthält, seltener kommen gedoppelte Längsflöten ohne Kernspalt vor und eine Besonderheit stellen in Indien ungefähr mittig angeblasene Querflöten dar. Je nach Anordnung der beiden Grifflochreihen sind Doppelflöten für ein zweistimmiges Melodiespiel, ein Zweiklangspiel mit einem festen Intervall (Akkordflöte), einen Zusammenklang zweier annähernd gleicher Töne, der eine Schwebung bewirkt, oder – wie in den meisten Fällen – für das Spiel einer Melodie- und einer zweiten liegenden Stimme (Bordun) geeignet.

Links zwei Doppelflöten aus der Schweiz (um 1800) und Deutschland (Ende 18. Jahrhundert), rechts zwei dvojnice aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien (19. Jahrhundert). Metropolitan Museum of Art, New York. Wikipedia

Wipfelbruch

Liebe Bürgerpostleser, 

haben Sie so etwas schon gesehen wie auf dem Bild? Das bekam ich von Ingo Kirchhoff, meinem guten Bekannten aus Niedersachsen. Ich habe den Eindruck, dass es so etwas Gigantisches bei uns im Süden nicht gibt, oder haben Sie schon so etwas gesehen? Natürlich war Reinhold Mayer, wie in allen forstlichen Fragen, mein Ansprechpartner, ein herzlicher Dank dafür. 


Nun, jeder kennt den „normalen“ Wipfelbruch. Er passiert gerne bei Nassschneefall in Fichtenbeständen. Diese traurige Aufnahme oben entstand am 27. Januar 2023 in Oberkirnach. In Folge davon übernimmt ein oder mehrere Äste den Ersatzwipfel, streben nach oben und bilden eine hervorragende Nestgrundlage.


Das Bild habe ich von der Homepage des Nabu Schwarzwald-Baar. Dort findet sich eine Auflistung, dass in elf Horsten in Wipfelbrüchen von Fichten folgende Bruten stattgefunden haben:
1 mal Habicht, 2 mal Mäusebussard, 4 mal Rotmilan und 3 mal Wespenbussard. Diese Daten stammen vom Vogelexperten des Landkreises, Hans Schonhardt. Ganz erstaunlich, nicht wahr? 


Nun aber zur unserem norddeutschen Fall: Hammermäßig finde ich das „unrunde“, zackige an der Sache. Reinhold klärte auf, dass der verlorene Gipfeltrieb des Baum nur wenige Jahre alt war. Können Sie sich vorstellen warum? Ganz einfach, weil der untere Stammteil etwa gleich dick ist wie der Ersatztrieb. Wieso aber jeweils mit zwei rechten Winkeln? Weil der Ersatztrieb unmittelbar an der Bruchstelle ansaß und horizontal zum Stamm stand. Da bei Nadelbäume die letzte Knospe am stärksten wächst, strebte der neue Gipfeltrieb sofort wieder in die Senkrechte. Wissen Sie, was ich gedacht habe? Wie werden wohl die Jahresringe angeordnet sein? Ich denke, Sie können sich es gut vorstellen. Erkennen Sie auch den Ellenbogen beim Abgang nach links und die Verdickung beim Abgang nach oben? Das sind Maßnahmen auf Zellebene, um den Baum in der stabilen Lage zu halten. Sehr erstaunlich finde ich.

Übrigens, was für eine Baumart finden wir vor? Genau, eine Lärche. 

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Insel Mainau – Salem und Ueberlingen

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier der das Kapitel Salem und Ueberlingen

Salem

Salem und Uerberlingen

Von Meersburg führt ein Uferweg nach dem Dorfe Unteruhldingen. Dieser Ort, ehemals fürstenbergisch, liegt unmittelbar am See, der Mainau gegenüber, und erinnert mit seinem flachen Ufern und verpfählten Landungsplätzen an Bilder der Niederländischen Schule. – Als wohlgelegene Marktstätte hatte Uhldingen ein großes Kornhaus, welches jetzt, da der Fruchtmark sehr nachgelassen, einer Gesellschaft von acht bevorrechteten Schiffern zum Magazine dient. Noch zeigt man an einer nahen waldbewachsenen Anhöhe die „Knabenlöcher“ verlassene, in den Fels getriebene Gänge, in welchen nach einer Sage einst Gold gegraben und auf dem Heiligenberg, in den „Goldhäuslein“ bei der Heinrichsquelle, geschmolzen wurde.

Der Mittag war heiß, und ich suchte nächst einem Bauernhaus Schatten, wo ein Alter auf grünem Wiesenplatze beschäftigt war, junge nachgesetzte Stämme von Raupennestern zu säubern. Der Mann hatte bereits nahe an die 80 Frühlinge gesehen und trug, eine Seltenheit am See, noch die alte Tracht. – Er schaute den Fremden lächelnd an, als dieser unter Anderem nach den unterirdischen Gängen fragte, wo früher Gold gegraben worden. Es mochte ihm scheinen, als habe er einen Schatzgräber, oder einen goldhungernden modernen Abenteurer vor sich, der in Uhldingen ein zweites Kalifornien suche.

Er wies gleichgiltig mit der Hand nach der Berghöhe, und als ich der Sage weiter nachfragte, meinte er: „von gegrabenem Gold spüre man in der Gemeinde nimmer viel – werde auch wohl Alles nur Erdichtung und Fabelwerk sein.“ Sein großes, ehrliches Gesicht verriet einen Anflug von Beleidigung, dass man ihn für so einfältig halte, an dergleichen zu glauben.

Ich gab ihm Recht, und er erzählte mir, dass vor einigen Jahren ein paar Hirtenbuben, die im Innern der Höhle aus Wunderwitz ein Feuer angezündet hätten, vom Qualm beinahe erstickt, hervor gezogen worden seien. Er berichtete mir mancherlei aus der Zeit, da Uhldingen noch zur Grafschaft Heiligenberg gehörte. Der Fruchtmark sei dazumal ein bedeutender gewesen, und von Sulgau, Altshausen und der Umgegend befahren worden. Alle Mittwoch seien bei 400 Malter Korn von hier über’s Wasser nach Konstanz und in die Schweiz verführt worden. Der Verkehr habe seitdem aber durch die württembergische Eisenbahn sehr gelitten.

Ihre Gemarkung von geringerem Umfang sei erträglich, auch werde etwas Wein gebaut; die Gemeinde habe früher eigene Reben gehabt, und von einem Teil des Weines hätten die Bürger mit ihren Weibern alle Jahr an Fastnacht einen fröhlichen Trunk auf der Gemeindestube gehalten u.s.w.. Die gemütliche Berichterstattung wurde unterbrochen durch ein Kind, welches kam, den Großvater zum Mittagessen zu rufen.

Mein Weg aber ging nach Salem, ein Ausflug landeinwärts von ein paar Stunden. Der Reisende, begünstigt von einer Reihe schöner Tage mit immer gleicher Aussicht auf die weite Wasserfläche und ihren fernen Grenzen, kann leicht von einem Gefühle, wo nicht des Überdrusses, doch gleichgültiger Gewöhnung beschlichen werden, wodurch eine landschaftliche Abwechslung zum Bedürfnis wird.

Die Straße von Unteruhldingen nach Salem führte über Oberuhldingen und Mühlfeld, beides Dörfer an dem Flüsschen Aach. Oberhalb von Oberuhldingen bei Gerhardsberg liegt auf dem weit sichtbaren „Schlossberg„, ganz von dichten Wald umwachsen, eine gebrochene Burg mit einem Walle. Vor vielen Jahrhunderten soll hier ein Ritter von Ober-Riedern gehaust haben, dessen Besitzungen später an Salem kamen. Unter den älteren Fischern und Schiffern herrschte noch jetzt der Glaube, dieser Ritter gehe um, und bei jeder Schiffmannsnoth auf stürmischer See wird der Geist um Hilfe gebeten, und, wie versichert wird, niemals umsonst.

Weiterhin nach dem Kloster begegnen wir dem eigenthümlichen gelegenen Killiberg, einem ehemals salemischen Gute mit Jägerhaus und Kapelle, auf einem Bühel mitten in dem großen waldumgebenden Killi- oder Edelburger Weiher.

Kurz vor meiner Ankunft ward die Leiche eines jungen lang vermissten Burschen in dem Wasser gefunden; bei welcher Gelegenheit mehrere ähnliche Fälle wiederum in Erinnerung gebracht wurden, mit der herrschenden Sage, dass dem tiefen Weiher eine verderbliche, opferheischende Macht inne wohne, – So, hörte ich unter anderem, geschah es einem geachteten Bürger und Metzger von Überlingen, der bei dunkler Nacht an dem Killiweier vorüber wollte, dass eine Gestalt ihn gegen das Gewässer stießt und zuletzt erfaßte, um ihn hinein zu schleudern. Als der Morgen graute, erwachte der Mann aus tiefer Betäubung am jenseitigen Rande des Weihers.

Zwischen Waldung und fruchtbarem Ackergeländ führt der Weg durch Mimmenhausen in den grünen Linzgau, wo in herrlicher wohlbebauter Ebene das ehemalige Reichsstift Salem liegt und von luftiger Höhe die weißen Giebel des fürstenbergischen Schlosses Heiligenberg zu Tal schauen.

Der Bodensee und die Alpen sind dem Blicke verschwunden, und alle Umgebung deutet auf Verhältnisse wohl betriebener Landwirtschaft, die ihren gegenwärtigen Flor hauptsächlich dem Herrn Markgrafen Wilhelm Großherzoglicher Hoheit verdankt. Die Bewirtschaftung der markgräflichen Domaine wird nämlich höchst uneigennützig im Sinne einer Musterwirtschaft für die Umgebung behandelt; Reben-, Acker- und Wiesenbau des ganzen Gaues haben sich unter diesem Einfluss wesentlich gehoben, und die wohlthätigen Folgen werden bis ins späteste Zeiten das schönste Denkmal so ächten hochherzigen Fürstensinnes bilden.

Zu den umfangreichen Gebäulichkeiten des ehemaligen Reichsstifters führen drei Tore. Der Baustil des Ganzen ist der des 17. Jahrhunderts, mit Ausnahme des Münsters und der Vorratshäuser, welche älteren Ursprungs sind. Ein Teil der Räumlichkeiten dient zum Sitz des großherzoglichen Bezirksamtes des markgräflichen Rentenamtes und zur Elementarschule. usw.. Der Klosterbau unter Abt Stephan, 1700 ausgeführt, nunmehr ein markgräflich badische Schloss, ist zum Sommeraufenthalte JJ. HH. der Herren Markgrafen wohnlich und geschmackvoll eingerichtet. Den großen Kaisersaal in imposantem Roccocogeschmacke, zieren lebensgroße Statuen in Stuckarbeit von sämtlichen deutschen Kaisern.

Die Klosterkirche, (das Münster) stammt aus dem 14. Jahrhundert und repräsentiert würdig den reinen gotischen Stil. Ihr Inneres wurde jedoch unter Abt Robert, zu Ende der vorigen 70er Jahre, durch Zutaten (Altäre, Statuen, Reliefs x.) im Sinne dieser geschmacksverirrten Zeit dem ursprünglichen Charakter teilweise entfremdet. Wenn dies dem Eindrucke, den der herrlichen Tempel macht, natürlich nicht wenig Eintrag tut, so versöhnt einigermaßen die Solidität und Kostbarkeit des Materials der neueren Ausstattung. Der Hauptaltar, die zahlreichen Seitenaltäre, mit Reliefs, Statuen und Kandelabern, sind von weißem Alabaster, wie solche an den abschüssigen Ufern der Wutach bei Aselfingen und Achdorf vorkömmt. Nachdem die salemischen Besitzungen an das Haus Baden gefallen, überließ Großherzog Ludwig den schönen Tempel der Gemeinde Salem unentgeltlich zur Pfarrkirche.

Es war gerade Morgengottesdienst, als ich die Kirche betrat; der ehrwürdige 86-jährige Pfarrer Honoratus Hapt, der letzte der ehemaligen salemischen Klostergeistlichen, las eine stille Messe; nur wenige Andächtige waren zugegen. – Der Priester schien ein abgeschiedener Geist aus früheren Tagen, von dessen Pracht und Reichtum die hohen Säulen und Marmorbilder noch stumme Zeugenschaft gaben. Als der Greis mit zitternder Hand die Gemeinde gesegnet hatte und vom Altar zurückgetreten war, sah ich ihn nach einer Weile, umgeben von einer Gruppe Schulkinder, die ihn wie zum Schutze begleiteten, über den Platz seiner nahen Wohnung zuschreiten.

Bei einem Besuche, den ich ihm machte, erzählte er viel von den Zeiten des Klosters; ich erfuhr, dass die alabasterernen Altäre der Kirche in der Werkstätte der salemischen Laienbrüder verfertigt wurden. Bei Aufhebung des Stiftes habe die Zahl der Konventualen achtundsiebzig betragen, eine verhältnismäßig geringe Zahl, da wegen Kriegs- und anderen Umständen längere Zeit keine Novizen mehr aufgenommen werden konnten.

Unter anderem zeigte mir der alte Herr auch ein kleines Bildlein, welches, von einem Freund entworfen, ihn selbst darstellt, wie er betend und sich geißelnd in der Zelle kniet, eine dampfende Tabakspfeife im Mund. Er hatte sich, erläuterte er mit liebenswürdigem Humor, in früherer Morgenstunde einst verleiten lassen, ein Pfeifchen zum Fenster hinaus zu rauchen, als es an der Türe klopfte und der Erschrockene rasch in die Knie sank und sich, wie im Gebet begriffen stellte. Die Schauöffnung an der Türe hatte ihn aber verraten, und er mußte Buße tun.

Als ein natürliches Dokument der alten Zeit betrachtete ich die riesenhafte Linde in dem Klosterhofe. Es ist anzunehmen, dass der Baum irgend einem historischen Moment sein Dasein verdankt. – Zur Zeit aber, wo das Stift noch eigene Gerichtsbarkeit hatte, gab es ein Sprüchwort unter dem Volke: „er ist schon unter der Linde gelegen.“ -was jedoch dem, auf welchem es angewendet wurde, nicht zu sonderlichen Ruhm gereiche. Denn unter dem kühlen Schatten der altwürdigen Linde wurden der Göttin Themis von Amtswegen jene Opfer gebracht, bei welchen der Stock eine Hauptrolle spielte.

Dem Baume hatte aber der Zufall oder das Geschick noch eine Bedeutung höheren Sinnes zugedacht. – Als ich schon seit Wochen von meiner Bodensee Reise wieder zurückgekehrt war, erhielt ich ein Schreiben von achtbarer Hand* des Inhalts: „Die große Linde gehörte zu den allerältesten Bäumen in der Umgegend und erscheint in den frühesten gezeichneten Planen und Ansichten des Klosters Salem. Sie ist älter als das vorhandene Klostergebäu; eine sonderbare Fügung des Zufalls, oder wie man es nennen will, wollte, dass der Baum am 25. April des Jahres plötzlich und unerwartet, ohne dass ein Sturm oder anderes äußeres Ereignis beigetragen hätte, bei ruhiger Witterung in sich zusammenbrach. – Wenige Tage nachher, am 1. Mai, starb altersschwach der 86-jährige Pfarrer von Salem, Honoratus Hapt, der letzte Geistliche des ehemaligen Stiftes – Als er auf seinem Lager, wo ihn seine Schwäche gefesselt hielt, von dem so unerwarteten Zusammenbrechen der Linde hörte, ergriff ihn ein wehmütiges Gefühl, und er sprach gegen die Anwesende seine Ahnung aus, dass er nun bald sterben und zusammensinken werde- wie die Linde.“
*Von A. Ellensohn, Gastwirth auf der Mainau.

Das Kloster Salem oder Salmannsweiler wurde gestiftet im Jahre 1134. Es war früher ein Weiler im Besitze eines Ritters Guntram von Adelsreuthe, der ohne männliche Nachkommen war und das Gut mit verschiedenen anderen Besitzungen dem Zisterzienser-Orden vermachte. Die Schenkung geschah mit Bewilligung des Königs Conrad, des Herzogs Friderich von Schwaben und des Markgrafen Hermann von Baden. Das Stift war ein reichsunmittelbares und genoss alle Vorrechte, die einem Reichsstande zukamen. In kirchlicher und staatlicher Beziehung war das Stift lange Zeit in Streitigkeiten verwickelt, welches teils mit dem bischöflichen Ordinariat Konstanz, andererseits mit Fürstenberg wegen der Grafschaft Heiligenberg. So ging zum Beispiel die Grenzlinie der Jagdgerechtigkeit mitten durch die Münsterkirche zu Salem, und es soll ein Graf von Heiligenberg, um die Rechte zu wahren, einst mit dem ganzen Jagdgefolge durch die Kirche gezogen sein.

Vierzig Äbte bilden die Reihenfolge der Klostervorsteher, von dem ersten, Frowin, der ein Gefährte und Dolmetscher des heiligen Bernhards war, als dieser Deutschland durchzog, bis zu Caspar Öchsle von Schönberg. Von diesem Letzteren sagt Kolb viel Rühmliches. Gastfreundschaft, Liebe für Kunst und Wissenschaft, Eifer für Erziehung der Jugend usw. haben unter seiner Regierung und Fürsorge einen hohen Grad erreicht.

Wenn der Pilgrim von Salem aus seiner Fahrt weiter landeinwärts fortsetzt und dem kaum eine Stunde entfernten Heiligenberg einen Besuch machen will, so wird er den sichersten Führer durch die Hallen jenes prächtigen Fürstenschlosses finden in dem vor einiger Zeit erschienenen Schriftchen von dem vaterländischen Forscher und Geschichtenschreiber C. B. A. Fickler: „Heiligenberg in Schwaben. Mit einer Geschichte seiner alten Grafen und des von ihnen beherrschten Lintzgaues. Bei Macklot, 1853.“

Meine Zwecke führten mich wiederum dem Bodensee entgegen, auf dem Wege über Tüfingen nach Überlingen – Zwischen Salem und Tüfingen, im Walde, durch den die Straße führt, hängt an einem Tannenstamme eine von Wind und Wetter gebleichte Malerei mit einer Inschrift des Inhalts: Als zur Schwedenzeit (1643) der Feind die Kirche Altbirnau’s ruiniert habe, sei das dortige Gnadenbild, eine Mutter Gottes, allein unversehrt geblieben; der Knecht eines benachbarten Hofes habe das Bild nach Salem flüchten wollen, sei aber unterwegs von französischen Soldaten der überlingischen Besatzung (unter Corval), welche mit Kornsäcken beladen von Heiligenberg hergekommen, angehalten und gezwungen worden, seinen Schatz abzulegen und mit einem Fruchtsack beladen nach Überlingen umzukehren. Als er später wieder an die Stelle kam, fand er das Bildnis unversehrt unter der Tanne, wo er es niedergelegt hatte, und brachte es nach Salem. Zum Gedächtnis ließ er eine Votivtafel an der Tanne befestigen, die im vorigen Jahrhundert restauriert, und weil die Tanne altershalber umgefallen, in der Nähe an einem jüngeren Stamme angebracht wurde.

Ungefähr eine Viertelstunde von Überlingen liegt das Schlösslein Burgberg, von einem schilffigen Wassergraben umgeben. Dieser ehemalige Adelssitz ist gegenwärtig ein Wirtshaus, zu dem eines schönen Tages die Herren und Damen aus der Amtsstadt wallfahrten. Über die Höhe wandernd, erblicken wir bald die Stadt und den See, der nach ihr den Namen trägt.

Überlingen selbst hat, zumal in seinem Türmen, öffentlichen Gebäuden und stattlichen Patrizierhäusern noch viel mittelalterliches Gepräge; doch würde es, käme der Schwed‘ zum zweitenmal, dem Feinde nicht mehr die trotzige Stirne von ehemals zu bieten vermögen. – Die alten Stadtmauern und Wälle, da und dort durchbrochen und geebnet, erleiden mit jedem Jahrzehnt neue Einbußen. Hoffentlich werden aber nicht alle Erinnerungen einer rühmlichen Vorzeit dem kahlmachenden Neugeiste zum Opfer fallen.

Vom Ursprung der Stadt berichtet uns die Ahnfrau der Geschichte, die Sage, nichts. In frühen Jahrhunderten sollen mehrere alemannische Herzoge im Iburinga ihren Sitz gehabt haben. Von des einen Tochter, Friedeberge wird erzählt, dass sie in üblen Gemütszuständen von dem heiligen Gallus geheilt, ihrem bestimmten Bräutigam entsagend, sich der Kirche vermählt und auf dem Gallerberge ein Kloster gestiftet habe. Im Jahr 1241, nach Abgang der schwäbischen Herzoge, finden wir Überlingen als Glied des damaligen Städtebundes; unter Conradin wurde die Stadt reichsunmittelbar. Die Ortsgeschichte hat manche rühmliche Momente aufzuweisen und zeugt von kräftiger bürgerlicher Gesinnung. –

Als die aufständischen Bauern weithin im Schwäbischen und am See mit Feuer und Schwert hausten, standen die Überlingen unter dem Patrizier Reichlin-Meldegg auf Seite der Bündischen, welche den übel beratenden Bauern bei Ravensburg einen tödlichen Schlag beibrachten. Als der Aufruhr in der Seegegend von neuem begann, rückten die Überlinger, geführt von ihrem Bürgermeister Keßering, abermals ins Feld, umringten die Rebellen und stellten ihre Anführer vor ein Kriegsgericht. Hundertundfünfzig der Unglücklichen wurden auf dem Credplatze öffentlich enthauptet. Noch sieht man an der Türe auf dem Vorplatz des städtischen Rathauses ein Gemälde, welches diesen blutigen Akt zum Gegenstande hat.

Karl V. stiftete der Entschiedenheit der Reichsstadt dadurch ein Andenken, das er dem aufrecht stehenden Löwen, welcher die Helmzierde ihres Wappens bildet, ein bloßes Schwert zuerkannte.

Der 30-jährige Krieg brachte Überlingen gleiche Bedrängnis wie den Nachbarstädten Konstanz, Radolfzell und Villingen. Die Bürgerschaft hatte das Glück, einen ausgezeichneten, ächt patriotischen Mann an ihrer Spitze zu haben, in der Person des Bürgermeisters Freiherrn Heinrichs von Pflummern. –

Zweimal wurde die Stadt angegriffen, doch jedesmal ohne Erfolg. Der letztere Angriff geschah unter Gustav Horn im Jahre 1634. 24 Tage dauerte die Belagerung, aber die Bürger mit dem ringsum aufgebotenen Bauern in der Stadt wehrten sich als Männer, die um ihr Theuerstes fechten. Der Feind mußte nach großen Verlusten unverrichteter Dinge abziehen. Die Stadt mochte für die damalige Zeit als sehr wohlbefestigt gelten. Ein tiefer, in den Molaßfelsen gehauen Graben trennte sie völlig von dem übrigen Land, während die Mauern auf allen Punkten durch das Geschütz der Türme bestrichen wurden.

Fast noch Schlimmeres als die heißen Kampftage selbst brachten die nachfolgenden Zeiten. Aber auch da war es der wackere Bürgermeister von Pflummern, der mit Bewusstsein und Kraft das städtische Regiment zu führen wusste. Der lange Krieg hatte die Soldaten so sehr verwildert, dass zwischen Freund und Feind wenig Unterschied mehr war. Die Überlinger mußten den befreundeten, in der Stadt lagernden spanisch-österreichischen Kriegstruppen ungeheure Summen bezahlen, während Widerhold von Hohentwiel aus die Umgegend verheerte und endlich (den 30. Juli 1643) die Stadt überfiel und besetzte. „Viele der Bürger verloren das Leben, der Feind raubte, plünderte, was er fand. Viele Bürger verließen aus Elend die Stadt, alles, auch Hunde, waren aufgezehrt.“ –

Als nach Abzug des Feindes bayerische Truppen hereinkamen, fanden die guten Überlinger, dass die Arznei bitterer sei, als die Krankheit gewesen; denn der Freund hauste noch übler als der Feind gethan. – Auch das 7-jährige Kriegswetter verhängte großes Ungemach über den Ort, so wie die nachfolgenden größeren Stürme der französischen Invasion.

Im Äußeren der alten Stadt zeigt sich die Wohlhabenheit des mittelalterlichen, zugleich aber der Stillstand, wo nicht Zerfall der späteren Reichsszeiten. Von ersteren zeugen viele stattlichen Baudenkmale, unter denen das bedeutendste die Münsterpfarrkirche ist. Sie wurde zu bauen angefangen im Jahre 1360, nach dem Plane des Eberhard Raben. Das. Innere des Langhauses hat fünf hohe Gewölbe, getragen von 28 Säulen und 81 Pfeilern, zwischen denen zu beiden Seiten zwölf Kapellen angebracht sind. Die Altäre finden sämtlich aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sie enthalten außer einem Gemälde in einer Kapelle der rechten Abseite, Frauen und Engel um den Leichnam Jesu beschäftigt, nichts Gutes.

Der reich verzierte Hauptaltar ward aus Anlass der Pest, im Jahre 1618, vom Magistrate errichtet. Ein Seitenaltar, der von Schultheiß’sche, enthält Bilderhauarbeiten von Hans Morink, die mit Talent und großem Fleiße ausgeführt, aber, wie alle Arbeiten dieses Meisters nicht mehr der guten Zeit angehören. Der riesige Geist Michelangelo’s, der kühn bis zu den äußersten Grenzen der Plastik vorschreiten durfte, übte bereits auf die Werke des nachahmenden Deutschen beirrenden Einfluss.

Von den beiden Türmen ist nur der eine vollendet; er ist über 200 Schuh hoch und hat eine herrliche Aussicht. Im anderen hängt die große, 177 Centner schwere Osannaglocke, gegossen im Jahre 1664. Vor der Kirche steht ein Ölberg, mit architektonischem Gehäuse. Dieses Werk befand sich vor der Reformation im Münsterkreuzgange zu Konstanz.

Bemerkenswert erscheinen die Reste von Freskobildern an den Außenwänden der Kirche, in dem unter den Fenstern hinlaufenden Feldern. Sie sind biblischen Inhalts und scheinen aus der ersten Zeit des Baues herzurühren. Die Umgebung der Kirche war früher ohne Zweifel Begräbnisort, und die Bilder mochten darauf Bezug haben. Jetzt gewährt der Platz mit seinem Lindengrün und der mittelalterlichen Fassade des altstädtischen Kanzleigebäudes einen überaus malerischen Anblick. Auf dem Brunnen, welcher den Platz ziert, steht aus der Renaissancezeit die Statue eines Knaben mit einem Fisch und Fischergeräth; ob die anmutige Figur auf irgendetwas Örtliches hinweist, konnte ich nicht erfahren.

Ein herrlich Denkmal mittelalterlicher Kunst bewahrt der „zierliche Rathaussaal“ in seiner holzgeschnitzten Dekoration. Die Decke ist flach gewölbt, von braunem Holz und reich verzerrt mit Vergoldung. Die Wandverkleidungen enthalten 40 Felder, über welchen auf Consolen mit Wappen vortrefflich geschnitzte Kostümfiguren zu sehen sind. Der dem Ganzen zu Grunde liegende Gedanke ist: die organische Gliederung der Reichsverfassung deutscher Nation bildlich zu versinnlichen. Über dem Eingange prangert das Wappen des Reichs und der Stadt Überlingen; auf der einen Seite die Figur der Gerechtigkeit, auf der anderen der heilige Nikolaus als Stadtpatron; dann folgen ringsumlaufend die verschiedenen Reichsstände in beiläufig zwölf Zoll hohen Statuetten mit etwas kleineren Wappen.

Diese Gliederung, wie sie in alten Chroniken herkömmlich dargestellt ist, bildet eine Kette von zwölf Standesgruppen, deren jegliche vier Glieder zählt, nämlich

1) der Kaiser (durch das Reichswappen dargestellt) und die drei geistlichen Kurfürsten des Reichs: von Mainz, Trier und Köln;

2) die vier weltlichen Kurfürsten: von der Pfalz, von Böhmen, Sachsen und Brandenburg;

3) die vier Herzoge des Reichs: von Braunschweig, Bayern, Lothringen und Schwaben;

4) die vier Markgrafen des Reichs: von Meisen, Brandenburg, Mähren und Baden;

5) die vier Landgrafen des Reichs: von Thüringen, Hessen, Elsaß und Leuchtenberg;

6) die vier Burggrafen des Reichs: von Nürnberg, Magdeburg, Reineck und Stromberg;

7) die vier Grafen des Reichs: von Kleve, Schwarzburg, Zilli und Savoyen;

9) die vier Freiherren des Reichs: von Limburg, Thufiß, Westerburg und Altenwalden;

9) die vier Ritter des Reichs: von Andlau, von Strondeck, Meldingen und Frauenberg;

10)die vier Städte des Reichs: Augsburg, Aachen, Metz und Lübeck;

11) die vier Dörfer des Reichs: Bamberg, Schlettstadt, Ulm und Hagenau; endlich

12) die vier Bauern des Reichs: Köln, Regensburg, Konstanz und Salzburg.

An der einen Wand erscheint Christus, an der anderen Maria und Johannes, letztere betend um Erleuchtung und Gedeihen des Reichstages. – Der Name des Meisters dieser schönen Arbeiten findet sich nirgends angegeben. Manche wollen in ihm den Ulmer Holzschnitzer Hans Syrlin sehen.

Als spätere Zugabe sehen wir in Feldern der rechten Seite eine Reihenfolge von gemalten Kaiserporträts, von Rudolf II. bis zu Maria Theresia. Auffallend ist der Umstand, dass wir im Römer zu Frankfurt, noch drei leere Felder übrig sind, die für die nachfolgenden deutschen Kaiser.

Die plastischen Figuren, die Repräsentanten des Reichstags, sind mit altdeutscher Treue und Wahrheit gegeben. – charakteristische Bilder ihrer Zeit bis in’s einzelne der Tracht. – Wenn es nicht so großen Schwierigkeiten unterläge, über Holz zu formen, so müßte man wünschen, einen Teil dieser Statuetten zu Nutz und Frommen der Kunst durch Abgüsse vervielfältigt zu sehen. Der architektonische Kunstteil wird von jüngeren Baukünstlern an Ort und Stelle häufig zu Studien benützt. So belehrend solche phantasie- und gedankenreiche Vorbilder auch sein mögen, so werden nicht selten in größeren und kleineren Städten sehr kostspielige öffentliche Gebäude, Brunnen x. errichtet, ohne den mindesten Schmuck, ohne bildliche Beziehung und Bezeichnung, kahl und unerquicklich wie ein Haideland.

Was mich nicht weniger anzog, als die ebenbeschriebene Dekorierung, waren einige Möbel im Ratszimmer. Das eine ein Waschbecken, dessen hohes Gestell von dunklem Holz, herrlich verziert ist mit Wappen und einer Arabeske, Simson mit dem Löwen. Das andere ein ebenso schön verzierter Aktenkasten. Beides Arbeiten aus der Renaissance und darum in ihren freien Formen unserem Gefühle näher, als die in sich mehr abgeschlossene Gotik, die übrigens bei Möbeln, Gittern, Schmucksachen x. auch freierer Motive sich bediente und nie (wie im Neueren geschieht) den streng architektonischen, monumentalen Charakter derartigen Gegenstände geben wollte.

Bei Betrachtung der Rathstube zu Überlingen, können wir nicht umhin, einen Gemeinwesen, dem so Schönes und Würdiges entsproßte, unsere Bewunderung und Achtung zu zollen. Dieser löbliche Sinn, alles Öffentliche, dem Gemeinwesen Dienende, durch künstlerischen Schmuck und Charakter auszuzeichnen, scheint hier einigermaßen bis auf spätere Zeit sich fortgeerbt zu haben; das zeigen wenigstens die Dekorationen der Türen auf den Gängen und der Vorplätzen. Sie sind von einem Überlinger Maler, Christoph Lienhardt, im Jahre 1712 gefertigt und bestehen in grau gemalten allegorischen Figuren und Emblemen, die auf das bürgerliche Regiment Bezug haben. Derselbe Meister verzierte auch die Gänge und Türen des Klosters Salem.

Auf den Vorplätzen des Rathauses finden sich noch einige naturhistorische Merkwürdigkeiten. Auf einer Tafel das gemalte Conterfy eines riesenhaften Seeräubers, der wohl über ein Jahrhundert hindurch die Gewässer des Bodensees beunruhigt haben mag. Es ist ein Hecht, der laut beigegebenen Maßes, nicht weniger als zwölf Fuß in der Länge gemessen und anno 1570, Donnerstag, den 26. November von den Fischern und Bürgern Franz und Christen Ueberlin „in dem See, hinter der Stadt, bei der alten Badstuben an der Halde, gefangen wurde.“ Das andere ist ein Trappe, im Hornung des Jahres 1730 von einem 15-jährigen Knaben bei St. Leonhardskapelle geschossen.

Interessante öffentliche Gebäude, außer den genannten, sind: der massiv erbaute Pfennigturm neben dem Rathaus, wo das städtische Archiv aufbewahrt wird. – Die alte Stadtkanzlei mit ihrer steinernen Wappengeschmückten Fassade. – Das Credhaus (Kaufhaus) an der Schiffslande. – Das große Spital zum Heiligen Geiste, mit einer gut erhaltenen hübschen, gotischen Kapelle, die aber leider, weil das baufällige Haus niedergerissen werden soll, dem Abbruch geweiht ist. Sollte sie aber nicht geschont und erhalten werden können*. Das Spital ist sehr reich, und seine Stiftungen gehen bis in früheste Jahrhunderte zurück; es besaß in der Umgegend Dörfer und Höfe im Wert von 1,5 Millionen.
*Auch einem Teil der in den See gehenden Stadtmauer mit einem alten Turme ist, wie ich hörte, gleiches Schicksal zugedacht. Warum?

Das s.g. Steinhaus mit einer Hauskapelle, früher die Herberge der hier durchreisenden Kaiser. Sigismund stieg daselbst ab auf seiner Reise zum Konstanzer Konzil, und später im Jahre 1430; ebenso Ferdinandi I Anno 1563 x. Das Haus gehörte dem Kloster Salem und hieß deshalb Salmansweilerhof, erbaut von Abt Konrad Schäfer 1530. Jetzt dient es Privatzwecken.

Das ehemalige Franziskanerkloster mit einer Schülerkirche und dem städtischen Theater. Die Leopold- und Sophien-Bibliothek im alten Zeughaus, sie wurde gestiftet vom Dekan und Stadtpfarrer Mocheler, der einer der letzten Benediktiner von Villingen, ein tätiger Freund der Wissenschaften und Wohltäter der Armen war.

Das Reichlin-Meldegg’sche Haus, ein stattlicher Patrizierbau mit Zinnengiebeln und weiter Aussicht; er rührt aus dem Jahre 1462. Die ehemalige Rittercommende St. Johann, auf einem hochgelegenen Punkte über der Stadt und ihrem tiefen Graben mit dem mächtigen Rondellturm, jetzt Eigentum des Freiherrn von Ulm.

Der Gallerturm ein altehrwürdiger Veteran, dessen Namen an die früheste Ortsgeschichte erinnert; seine prächtige Aussicht belohnt reichlich die Mühe des Besteigens. – Das Pflummer’sche Haus, von stattlichem Äußeren mit dem Wappen der ursprünglichen Besitzer. Eingemauerte Kugeln an der Wand gegen die Heldgasse sind Denkzeichen der schwedischen Belagerung, deren Hauptsturm auf die Gasse gerichtet war. Der letzte Sprössling der um die Stadt hochverdienten Freiherrn von Pflummern starb im Jahre 1829 zu Überlingen; eine Seitenlinie hat noch ihren Sitz in Überlingen. Die ehemalige adlige Zunft, jetzt ein Wirtschaftslokal, dem Freiherrn von Bodman gehörig. Die Gaststube wurde neuerlich im Sinne der früheren Zeit mit dem Wappen der in Überlingen existierenden adligen Geschlechter dekoriert.

Das Bad Überlingen ist seit Anfang des 16. Jahrhunderts urkundlich bekannt. Es war städtisches Eigentum bis zum Jahre 1802, wo es käuflich in den Besitz verschiedener Privaten kam, um neuerer Zeit wieder von der Stadt erworben zu werden. Gegenwärtig ist es im Pacht gegeben, und bildet die Anstalt eine Hauptzierde, nicht nur der Stadt, sondern des ganzen See’s. Sie liegt in der Vorstadt zu den Fischerhäusern, mit einem großen Garten am Seegestade. Alles was Gesunden und Kranken zur Erholung und Erheiterung dienen kann, findet sich hier in wünschenswerten Maße: solide Wirtschaftseinrichtungen, gute Bedienung, geschlossene Seebäder, Gelegenheit zu Luftpartien zu Land und zu Wasser, Musik und Bälle; auch ist den Gästen die städtische Bibliothek zugänglich. Und da das Bad zugleich allgemeines Gasthaus und ein beliebter Ausflugsort der Nachbarschaft ist, so sehen wir an schönen Sonntagen seine Räume heiter belebt von Besuchern aus der Nähe und Ferne.

Die Mineralquelle befindet sich etwa 70 Schritte vom Badhaus nahe der Stadtmauer, in einem 17 Fuß tiefen Sammler, sie enthält hauptsächlich Eisen, wovon die Oberfläche des Wassers und seine steinerne Fassung gelbrötlich gefärbt erscheint, außerdem Alkali, gebundene Schwefelsäure Kalkerde und Schwefelsäure. Die Heilkräfte des Wassers sind erprobt bei allen Krankheiten, denen Schwäche, Stockungen in den feinen Geweben, Störungen normaler Funktionen x. zu Grunde liegen. Es ist frisch von der Quelle getrunken etwas herben, aber nicht unangenehmen Geschmackes. Der Gast findet die ganze Saison über stets zahlreiche Gesellschaft; doch verdienen die Vorzüge des Ortes einen viel stärkeren Besuch, denn nicht leicht wird ein Aufenthalt geeigneter sein, wohltätig-beruhigend auf Körper und Gemüt zu wirken, als der hiesige, an der sommerlich gelegenen Buch des schönen Überlingersee’s, umkränzt von Gärten und Weinbergen – mit einem Klima, welches die Nachbarschaft Italiens ahnen läßt.

Unter den wenigen neugeschaffenen Bauwerken der Stadt bemerken wir einen Brunnen in der Vorstadt; er ist von Architekt Schwab entworfen und hat als Säulenzierde einen auf das städtische Wappen bezüglichen Adler von Eisenguss aus der fürstenbergischen Gießerei Zizenhausen, nach einem Modelle von Xaver Reich*.
*Das ursprüngliche Modell diente zum Grabmale, des im Jahre 1849 zu Donaueschingen beerdigten, königlich preußischen Generals von Hannecken.

Ein alter Brunnen auf der Marktstätte wurde in einen modern-gothischen umgewandelt; ein zweiter mit dem Bildnisse Karls V., vor dem Rathause, leider ganz beseitigt, um einem neuen artesischen Quell Raum zu machen.

Wenn der Fremde nach Besichtigung aller dieser Merkwürdigkeiten noch Zeit genug übrig behält, eine Flasche feurigen Meersburger oder Hagenauer zu sich zu nehmen, so wird er gut’thun, dieses löbliche Geschäft auf der Altane des Gasthauses zum Löwen vorzunehmen. – Es gibt wohl nichts angenehmeres, als hier unmittelbar über dem plätschernden Gewoge, von schmeichlerischen Lüften umwoben ein Sommerstündlein zuzubringen; sei es, dass wir gerade unter uns dem wohligen Spiele der Fischbrut zuschauen, die in dem durchsichtigen Kristallgrün zu Tausenden die alten Hafenpfähle umschwärmt; oder dass uns das Brausen des Dampfschiffes in die Ferne zieht, wenn es von dem fernenblauen Eilande der Mainau her direkt auf uns zusteuert, um in der Nähe, am Hafenplatze, das bunte Gewimmel von Passagieren an’s Land zu setzen.

Der Hafen ist neuerer Zeit sehr belebt, namentlich durch den wöchentlichen Fruchtmarkt, dem alljährlich im Durchschnitt gegen 70,000 badische Malter Getreide zugeführt werden, die meist über den See nach der Schweiz kommen; ebenso bedeutend ist der Handel mit Obst, welches meist aus den Orten Nussbach und Sipplingen kommt und von den Bauern vom Heuberg und aus dem Hohenzollernschen als Rückfracht mitgenommen wird.

Es war abends, als ich einen Spaziergang um die Stadt machte. – Der Weg führte mich zufällig zum Gottesacker in die Kapelle, wo noch einige Denkmale aus früherer Zeit vorhanden sind. Das eine berichtet von einer grausamen Pest in den Jahren 1610 und 1611, wo so Viele starben, dass man nicht genug begraben konnte. Anno 1612 aber seien dagegen zahlreiche Ehebündnisse gefeiert worden; und unter Anderem am 5. Februar sei es geschehen:

„Dass im Pfarrmünster von jung und alten Leuten
Gehalten wurde einundzwanzig Hochzeiten.
Das Jahr nachher wurden geboren so viel Kind,
War nichts dann lauf, tauf geschwind.“

Während ich einige andere Inschriften las, kam der Meßner vorbei, ein alter Mann, den ich dem abendlichen Halbdunkel jetzt erst bemerkte. Er sagte, er habe die Obliegenheit, für das ewige Licht in dem Kirchlein zu sorgen, und jeden Abend den Kirchhof zu schließen. Mit großem Eifer erläuterte er die Bedeutung der Gedenktafeln und kam dabei auf das Ehemals und seine eigene Jugend zu sprechen. Am meisten interessierte mich sein Erzählen vom alten Maifest, wie er zu seiner Zeit noch in Überlingen, aber nur in den meist von Rebleuten bewohnten Vorstadt, die das „Dorf“ heißt, gehalten wurde. Am Vorabend war der Maien gehauen und gesteckt. In früher Morgenstunde versammelte sich dann die ledige Welt, Bursche und Mädchen, zum Tanze und um den geschmückten Baum, wobei ein Lied gesungen wurde. Sia, Sia, voll der Freuden, wollte ich, dass der Maien wär usw.. Gesang und Tanz wiederholten sich am Abend, und so ging es fort, 14 Tage lang.

Der 1. Mai war überhaupt beim Landvolk ehedem ein Festtag, an welchem Tanz und Spiele gehalten wurden. – Ein allgemeiner Brauch fand auch statt am 1. März, die sogenannte Märzen- oder Fasnachtsfunken. An diesem Tage flackerten auf Berghöhen beim Beginn der Nacht größere Feuer von Reishaufen. Am See war diese Sitte allgemein. Im südöstlichen Schwarzwald, auf den Waldhöhen um Bonndorf und die Wutach, kann man in der ersten Märznacht noch jetzt weithin die Feuer leuchten sehen. – Auch die Fastnacht wurde in Überlingen in ähnlicher Weise wie in Meersburg gefeiert. Die acht bestehenden Zünfte hatten jede ihr eigenes Gelaghaus mit Schenkrecht*, durch welche Abgrenzung in närrischen wie in ernsten Dingen ein löblicher Wetteifer entstand. – Zu den herkömmlich, en Bräuchen um diese Zeit gehörte unter anderem auch, dass die Überlinger Ratsherren im freundnachbarlichen Ritterhause zu Mainau persönlich das „Fastnachtsküchlein“ abholten, wozu begreiflicherweise der große Landeskomtur-Keller sein Edelstes zu spenden pflegte.
*Noch jetzt sagt der Überlinger statt >von Wirtshaus zu Wirtshaus<, >von einer Zunft in die andere ziehen<.

Als einheimische Fasnachtsmaske findet sich der „Hänsele“; er ist eine Abart von seinem Namensbruder in der Baar, ein Stück mittelalterlichen Pickelhäring mit buntfarbigem „Hääß“, einer Kapuze, die statt der Larve ausgeschnittene Augenlöcher, einen herabhängenden Rüssel und hinten einen Fuchsschwanz hat. – Wie sorgsam das Feld der edlen Narrheit mit unseren Altvorderen gebaut worden, mag eine ehemals bestehende Stiftung dartun. Es war früher zu Fastnacht ein eulenspiegelartiger Brauch, der den „Narren“ erlaubte, in Bäckers- und Metzgersläden, zuweilen auch in Privathäusern, Brot, Schinken, Würste x. listigerweise wegzukapern und ein Mahl daraus zu bereiten, zu dem auch der unfreiwillige Spender eingeladen wurde. Da nun der etwas plumpe Scherz, der oft einen förmlichen Unfug ausartete, zu keiner Zeit verboten werden mochte, fand sich ein möglicher „Narr“ bewogen, ein Gestift zu machen, aus dessen Zinsen den Geplünderten der Schaden jedes Mal zu vergüten sei.

Die alte Reichsstadt ist überhaupt sehr wohl bedacht mit Stiftungen aller Art. Wohl nirgends sind zum Beispiel die Armen reicher als hier; das Spital, welches, wie oben erwähnt, Millionär ist, besitzt sogar ein eigenes, gestiftet es Reben, von deren Blute alltäglich das Krüglein des sorgenfreien Spitäler sich füllt. – Nebst dieser Anstalt besteht noch die sogenannte Spendenpflege, die reichliches, wöchentliches Almosen an Hausarme spendet. – Ebenso gut ist für arme Studierende gesorgt, denen zahlreiche Stipendien zur Unterstützung gedeihen.

Eine hübsche altväterliche Einrichtung besteht noch heut zu Tag in den sogenannten Nachbarschaften. Jede Gasse oder kleinere Stadtgegend bildet nämlich eine für sich bestehende Nachbarschaft, die ihr eigenes Gemeindevermögen besitzt, aus dessen Zinsen jährlich an Johanni in einem Wirts- oder Privathause innerhalb der eigenen Nachbarschaft ein Mahl bestritten wird, dem alle Zugehörigen anwohnen. Der Zweck dieser Stiftung ist (ähnlich dem der 101. Gesellschaft zu Meersburg) Eintracht und gute Nachbarschaft zu hegen und zu pflegen, und entstandene Feindseligkeiten bei einem fröhlichen Becher Wein gütlich beizulegen. Neu hereinkommende Bürger, oder solche, die von einem Stadtteil in den anderen ziehen, kaufen sich mit einer kleinen Summe in die neue Nachbarschaft ein.

An Wein fehlt es überhaupt, den Stadtbürger nicht. Seine Gemarkung hat vorzügliche Weinlagen, die jedoch durchschnittlich mehr der Quantität als der Qualität nach ausgebeutet werden. Auch wird sehr viel Most erzeugt; die Obstbaumzucht dient beinahe ausschließlich diesem Zwecke. Bei dem Überflusse, den eine gütige Natur hier spendet, ist es ein patriarchalischer Brauch, dass zurzeit des Herbstens der ärmere Besitzlose in jedem Torkel sich ein Müsterlein holt. Gleiches tun zu Neujahr die Thurm- und Nachtwächter, Stadtdiener und dergleichen; mit einer Bütte auf dem Rücken statten sie ihren Mitbürgern die Neujahrsgratulation ab, wofür ihnen ein Krüglein oder zwei in das mitgebrachte Gefäß fließen.

Zum Schlusse sei noch eines alten Brauchs erwähnt, der geübt wird, so oft der durchlauchtigste Fürst von Fürstenberg auf Besuch nach Überlingen kömmt. Also Willkommen wird dem hohen Gaste von den Gemeindevorstehern feierlich ein Becher mit Wein kredenzt. Der Ursprung dieser Sitte ist folgender. – Im Jahr 1657 kam die Herrschaft Waldsberg durch Kauf an die Grafen Franz Christoph und Froben Maria von Fürstenberg-Meßkirch. In dieser Herrschaft hat die hiesige Spendenpflege dem zweiten Teil des Groß- und Kleinzehnten zu Salbach (im Amte Pfullendorf) zu Lehen. Es ließen sich die neueren Lehensherren, wie ihre Vorgänger in frühester Zeit, von den Lehnträger den herkömmlichen Revers ausstellen: „dass zu dem allem, so Sye oder Ihre nachkhommen in die Stadt zu Ueberlingen kommen, als dann gedachte Burgermeister und Rath daselbst als Obherrn und Pfleger gemelts Almosens (Spendenpflege) Ihnen Jedesmahls, so oft das geschieht, einen Kopff (Gefäß) mit Wein, wie von Altershero, verehren sollen.“

Am 27. Juli 1853 beerte der nunmehr in Gott ruhende, durchlautigste Fürst Carl Egon von Fürstenberg, in Begleitung Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Fürstin Amalie und Höchstdero hoher Familie, von der Sommerresidenz Heiligenberg kommend, das hiesige Bad mit seinem Besuche. Von Seiten der Stadt wurde diese Gelegenheit benützt, die alt her gekommene Sitte auszuüben. Es wurde dem durchlauchtigsten Herrn ein Becher Wein aus hiesiger Spitalkellerei auf geziemende Weise kredenzt, welcher huldreich angenommen und auf das Wohl der Stadt Überlingen geleert wurde.

Gegenwärtig beläuft sich die Einwohnerzahl auf 3400 meistenteils Katholiken. Die Stadt ist der Sitz eines großherzoglichen Bezirksamtes, einer Obereinnehmerei, Postverwaltung und eines Oberzollamtes.

Ehe wir weiter pilgern ist zu bemerken, dass durch den Ausflug nach Salem die Uferort Seefelden, Maurach und Rußdorf umgangen worden sind. Ersteres, eine Ansiedlung von wenigen Häusern, gehört in’s Amt Salem .Maurach, unmittelbar am Seeufer ist ein markgräflich badisches Schloss mit einem Meierdorf und war früher ein Nonnenkloster. Das wohlhabende, auf fruchtreicher Gemarkung gelegene Dörflein Rußdorf mit seiner alten Pfarrkirche gehört zur Gemeinde Unteruhldingen.

Von interessantesten Punkten der Umgebung Überlingens führen wir noch an: Altbirnau, die ehemalige, sehr alte Wallfahrt ,zu Salem gehörig; sie liegt seit langer Zeit in Trümmern; Sankt Leonhard, eine halbe Stunde von Überlingen, eine mittelalterliche Kapelle mit einer daneben stehenden, gut eingerichteten Wirtschaft und herrliche Aussicht; sodann Spechtshard mit einer großartiger Fernsicht; Luegen und Aufkirch.

Dieser letztere Ort liegt eine Viertelstunde nordwestlich von Überlingen. Bis zum Jahr 1357 war die Stadt hierher eingepfarrt; jetzt bildet Aufkirch eine Filiale von ihr. Das Dörflein ist klein und seine Bürger gehören zur Stadtgemeinde. Die Kirche hat sehr alte Überreste. Einige Gemälde auf Goldgrund und ein Seitenaltar stammen jedenfalls noch aus den Zeiten, da die Überlinger hierher pfarrhörig waren. Sehr schön ist der vergoldete Tabernakel auf dem Hauptaltar; es ist eine zierliche Arbeit aus der Renaissance. Aber alles Vorhandene mit der Kirche ist in äußerlicher Verwahrlosung; die Fenster sind zerbrochen und die Decke verfault und am Einstürzen. – Es scheint, als wäre seit mehreren Menschenalter nicht ein Heller von der Gemeinde, oder wem sonst die Baupflicht obliegt, zur Erhaltung des Kirchleins und seiner Einrichtung verwendet worden.

Beim Anblicke solcher Halbruinen drängt sich unwillkürlich das Gefühl auf, wie notwendig die Wiedererweckung und Befestigung conservativen Sinnes im Volksleben sei, wozu die Erhaltung und Restauration unserer Altertümer nicht wenig beitragen dürfte. – Freilich sollte Letztere, nämlich die Restauration, stets auch im conservativen Sinne, das heißt mit möglichster Pietät gegen das Alte, Vorhandene geschehen, und mit Hinweglassung moderner Schminke und Schönheitspflästerchen.





Die Auszüge unten sind aus dem Buch „Überlinger Sagen, Bräuche und Sitten mit geschichtlichen Erläuterungen“ von Medizinalrat Theodor Lachmann in Überlingen aus dem Jahr 1909. Der Autor hat teilweise bei Lucian Reich abgeschrieben und auch zitiert. Interessant, dass im Jahr 1909 die schreibweise doch etwas verständlicher war als 1856. (Meersburg, Not)

Die Kanabenlöcher bei Unteruhldingen:

Der geistende Ritter von Oberriedern.

Oberhalb von OberuhIdingen, in der Nähe von Gebhardsweiler, befindet sich der weithin sichtbare Schloßberg, ganz vom Wald umgeben. Hier stand dereinft eine Burg, welche der Sitz der Herren von Oberriedern war. Ein Burcardus von Oberriedern wird unkundlich schon 1134 genannt. Gebhardus von Oberriedern gründete 1200 Den Ort Gebhardsweiler; die Vetter Ulrich und Rudolf von Oberriedern ermordeten 1267 Den Frh. Walter von Sastell, weil er in einem Streit ihren Vetter, einen Edlen von Grieß, erschlagen hatte. Die Besitzungen des Rittergeschlechts von Oberriedern, welches Ende des 14. Jahrhunderts ausstarb, kamen an Salem; die Burg wurde im Schwabenkrieg gebrochen und im Bauernkrieg ganz abgetragen. Jetzt ist alles überwachsen, nur einzelne Gräben sind noch vorhanden. Das Wappen der Ritter von Oberriedern war ein schwarzes Schiff mit zwei braunen Rudern auf bewegter See.

Nach altem Schifferglauben geht der letze Ritter von Oberriedern hier um. Bei Schiffersnot auf stürmischem See rufen die Schiffsleute gern hinauf zum Berg und bitten um Hilfe, und nicht selten soll ihnen der Geist des umgehenden Ritters geholfen haben. (Nach Staigers „Salem“ und Reichs „Mainau“.)


Die Linde konnte ich auf den Bildern von Wikipedia nicht erkennen. Die alte Linde ist am 25.April 1855 umgefallen.

Älteste bekannte Darstellung des Salemer Münsters aus dem Jahr 1536, gezeichnet von Augustin Hirschvogel

Salem mit dem Turm des Abtes Anselm II. Schwab. Ölgemälde von Andreas Brugger um 1765

Das Kloster Salem im Entwurf des Architekten Franz Beer um 1700

Das Fenster der Nordfassade: Die repräsentative Nordseite des Münsters im Zustand vor der Restaurierung von 1890, bei der das Fenster verkleinert wurde

Das Maßwerk der Westfassade wurde erst in der letzten Bauphase vollendet. Diese Lithographie von 1823 zeigt die Fassade im Originalzustand vor den entstellenden Veränderungen durch die Restaurierung von 1890

Die Nordfassade vor der Restauration, fotografiert um 1885 von German Wolf

Liste der Äbte von Salem

Carl Borromaeus Alois Fickler

C. B. A. Fickler, (* 8. Mai 1809 in Konstanz; † 18. Dezember 1871 in Mannheim) war ein deutscher Gymnasiallehrer und Historiker. Er war 1849 Verteidiger der Angeklagten der Badischen Revolution in Rastatt. (Wikipedia)

Einen sehr interessanten Artikel über die Wallfahrtskirche Birnau gibt es von David Ganz:

Gottesmutter und Honigschlecker.

Klösterlicher Besitzanspruch und kulinarische Seherfahrung in der Wallfahrtskirche Neu-Birnau.

Originalveröffentlichung in: Ganz, David u.a. (Hrsg.): Rahmen-Diskurse : Kultbilder im konfessionellen Zeitalter (KultBild / Thomas Lentes (Hrsg.) ; 2), [Berlin] 2004, S. 173-218

Christoph Lienhardt, Wahrhaffte Abbildung der Wunderthätigen Mutter Gottes zu Birnaw (unterhalb des Gnadenbildes die Wallfahrtskirche Alt-Birnau und das Wirtshaus), aus: Apiarium Saemitanum, Prag 1706

Maria von Birnau, um 1420/30, Birnau, Wallfahrtskirche, Hochaltar

Gottfried Bernhard Göz, Kleines Andachtsbild der Maria von Birnau, 1750, Augsburg Städtische Kunstsammlungen

Das Reichlin-von-Meldegg-Haus in Überlingen gilt als eines der ältesten Renaissancegebäude Deutschlands und zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmalen und Sehenswürdigkeiten der Stadt. (Wikipedia)


An der Südseite des Münsters steht der Ölberg, ein achteckiger Zentralbau mit Stützen aus Stein und einem Sterngewölbe, der eine betende Christus-Statue beherbergt. Der Ölberg wurde im 15. Jahrhundert von Elbeth Küfferin aus Überlingen gestiftet. (Wikipedia)

Überlinger Rathaus

Das Rathaus wurde im Jahr 1332 erstmals erwähnt, als die Stadt ein Grundstück zur Erweiterung desselben erwarb. 1394 wurde es erstmals ausdrücklich genannt, als man dort einem Priester das Mesneramt übertrug. Die noch ältesten im Westbau an der Münsterstraße erhaltenen Holzdecken werden auf das Jahr 1400 datiert. Alle Abbildungen unten sind von Wikimedia.

Vertragsentwurf zwischen Jacob Russ und der Stadt Überlingen zur Lieferung der Rathaussaal-Ausstattung, 1490/1491; in Ich-Form aus der Sicht des Künstlers geschrieben; die genannte Zeichnung ist nicht erhalten; Stadtarchiv Überlingen, fotografiert in der Ausstellung „Jacob Russ“ im Museum Humpis-Quartier, Ravensburg Transkription siehe https://archive.org/stream/zeitschriftfrdi16langoog#page/n505/mode/2up

Überlingen, Rathaussaal mit den Schnitzereien von Jacob Russ Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887

Der von Lucian Reich beschriebene Aktenschrank Photographie 1887

Jacob Russ: „Salzburger Bauer“; Teil der Darstellung des Quaternionen des Hl. Römischen Reichs im Rathaussaal in Überlingen (fotografiert in der Ausstellung „Jacob Russ“ im Museum Humpis-Quartier Ravensburg)

Überlingen, Rathaussaal, Stadtwappen und kaiserliches Wappen (Reichsadler mit Herzschild: Österreich und Burgund), links: Stadtpatron St. Nikolaus, rechts: Erzengel Michael

Jacob Russ: Pfalzgraf bei Rhein; Teil der Darstellung des Quaternionen des Hl. Römischen Reichs im Rathaussaal in Überlingen (fotografiert in der Ausstellung „Jacob Russ“ im Museum Humpis-Quartier Ravensburg)

Pfennigturm in Überlingen

Überlingen Rathaus mit Pfennigturm.
Bleistiftzeichung von 1877 von Karl Weysser (1833-1904).
(Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe)

Pfennigturm als Sitz der „reichsstädtischen Münze“. Im Hintergrund zu sehen der Turm des Münsters St. Nikolaus.

Kaiserbrunnen vor dem Pfennigturm (Wikimedia)

Unter den wenigen neugeschaffenen Bauwerken der Stadt bemerken wir einen Brunnen in der Vorstadt; er ist von Architekt Schwab entworfen und hat als Säulenzierde einen auf das städtische Wappen bezüglichen Adler von Eisenguss aus der fürstenbergischen Gießerei Zizenhausen, nach einem Modelle von Xaver Reich*.
*Das ursprüngliche Modell diente zum Grabmale, des im Jahre 1849 zu Donaueschingen beerdigten, königlich preußischen Generals von Hannecken.

Spaziergang durch Überlingen im März 2023 auf den Spuren von Lucian Reich:

  • Weinpresse



Insel Mainau – Kirchberg und Hagnau

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier der das Kapitel Kirchberg und Hagnau.

Kirchberg und Hagnau

Es war ein warmer Sonntagvormittag, den ich zu einem Ausfluge nach dem benachbarten großherzoglichen Schloss und Pachtgut Kirchberg benützte.

Der Frühling, jung und hold, hatte bereits die Wiesengelände und ihre Einhegungen mit zartem Grün geschmückt; aber die Obstbäume und Reben warteten noch auf ihren Ostertag. – Der Weg, die Straße nach Ludwigshafen und Lindau führt durch Hagnau, welches Dorf nach wechselndem weltlichem und geistlichem Besitze durch den Preßburger Frieden an das Haus Baden gekommen. Eine kleine halbe Stunde von diesem Orte, unmittelbar an der Straße auf mäßig erhöhtem Terrain liegt Kirchberg – einer der zierlichsten Edelsitze am See. Alte Obstbaum-Alleen führen rechts von der Straße ab, zum Tor und Hofraum, in dessen Mitte ein plätschernder, von Kastanien beschatteter Brunnen erfrischende Labe spendet. Südlich, gegen den See, erhebt sich der Hauptbau des Schlosses mit einem östlich gewendeten, später erbauten Seitenflügel und Tor, während dem Commenden zur Linken die mittelalterliche Pächterswohnung und das Wirtshaus den Hof gegen die Straße hin abschließen.

Die Aussicht aus den Fenstern des Schlosses, oder von dessen Altane, gibt uns jedoch erst den wahren Begriff von der herrlichen Lage dieses behaglichen Sitzes. – In unmittelbarer Nähe ein lieblicher Park und Blumengarten; an der Abdachung gegen die grünen Seeufer sonnige Weingelände, und links ein schattiges Lustrevier junger Büsche und schlanker Buchen mit einem in der See hinaus gebauten Sommerhause. Bei Betrachtung dieses reizenden Landschaftsbildes will es uns bedünken, als sei dieser Ort von Mutter Natur eigens zu einem jener Mußeplätze geschaffen, wo der Geist, von ermüdender Beschäftigung und vom Weltgetriebe ausruhend, neue Luft und Kräfte gewinnen soll.

So trugen Tag und Stunde meines Dortseins ganz den Charakter, solch ein Gefühl zu erwecken. Ein heißer Mittag lag in brütender, allein vom Geschrei schweifender Möwen und dem fernen Rauschen eines nicht sichtbaren Dampfbootes unterbrochene Stille über Land und See, in welch‘ letztem sich strahlenden Glanzes die hochgetürmten Alpen bespiegelten. – Dieser Ruhe rings umher entsprachen die stillen Hausräume der nächsten Umgebung. Die älteren Bewohner Kirchbergs waren mit Ausnahme einiger Dienstboten nach Immenstad in die Kirche gegangen, während die Kinder in den nahen Wiesen nach Primeln und Veilchen suchten, welche die warmen Apriltage hin und wieder den blaßgrünen Teppich eingewoben hatten.

Eine Dienerin erschloss mir die Zimmer, in welchen Seine Königliche Hoheit der Prinz und Regent im Herbst des Jahres 1853 einen längeren Aufenthalt zu nehmen geruhten. Es war mir bekannt, dass das eine dieser fürstlichen Gemächer, der Speisesaal, vorzügliche altdeutsche Gemälde bewahre noch aus den Zeiten, wo Kirchberg ein Besitztum des Reichsstifters Salem war.

Diese vortrefflichen Kunstwerke, vier an der Zahl, sind von der Hand Martin Schaffner’s, und haben die Versuchungen des heiligen Antonius zum Gegenstande. *Bereits im Jahrgang 1822 des Kunstblattes (8. August) von Brouillot erwähnt. Sie sind auf Holz und Kreidegrund gemalt, in gleicher Größe, etwa zwei Fuß breit und viereinhalb hoch.

Auf der ersten Tafel erblicken wir in einsiedlerischer Landschaft den heiligen Altvater, vertieft im Lesen eines Buches. Neben ihm die halbfertige Arbeit eines Korbes von Binsengeflecht, und im Mittelgrunde seine Klause, die er, nach der Legende, über einem verlassenen Grabe errichtet hatte. Die frommen Betrachtungen des Klausners abzulenken, hat sich ihm eine reizende Jungfrau in reichem Schmuck und prächtigem Gewande genähert, welche dem Heiligen ein Gefäße von kostbarer Arbeit, wahrscheinlich eine zweite Pandorabüchse darbietet, die der angefochtene Mann jedoch misstrauisch verwundert anzublicken scheint.

Eine zweite Versuchung versinnlicht die Scene im Mittelgrunde, wo der Böse, in Gestalt eines rotgekleideten Jägers mit Hunden und einem geflügelten Schweine dem Klausner ein netzartiges Jagdgeräte vorweiset, während aus dem nahen Walde mitleidflehende trügerische Gestalten Presshafter und Bedürftiger auf die beiden zukommen. Im oberen Raum Christus in Wolken, vor dessen Erscheinung die Dämonen die Flucht ergreifen.

Die Hauptgruppe des zweiten Gemäldes zeigt den Heiligen betend, bedrängt jedoch und verwirrt von den üppigen Gestalten dreier Mädchen, deren lange rote Gewänder und zierliche Haargeflechte nur unvollkommen Bocksfuß und sprossende Hörnlein verdecken. Die eine der Schönen faßt zudringlich des frommen Vaters Kapuze, während ihre Schwestern, neben einem reich verzierten Ruhebett stehend, mit arglistigem Lächeln die Verwirrung der Heiligen betrachten. Ein Teil des Mittelgrundes rechts füllt ein prächtiges Gebäude, an dessen Treppe Antonius, umgeben von Preßhaften und den drei rot gekleideten verführerischen Weibern. Links mehr in der Ferne gerückt, schließt das Bild mit einer Szene von anmutiger Erfindung und Ausführung. An sommerlichen Tagen sehen wir den Alten in sinnender Beschaulichkeit längs eines Waldrandes dahin wandeln. – Siehe, da tritt ihm der rot gekleidete Versucher wieder in den Weg, und zeigt gegen ein klares, ruhig fließendes Waldwasser, wo drei nixenartig gestaltete Jungfrauen den schönen Leib im Bade kühlen.

Das dritte Bild stellt, im Gegensatze zu den Anfechtungen sinnlicher Begier, den Heiligen dar unter den Händen wilder Dämonen, die im Begriffe stehen, ihrem Opfer äußerliche Körperbeschädigungen beizubringen. Die eine dieser diabolischen Gestalten packt das Gewand des Alten, der in abwendender Gegenwehr nach oben blickt, wo die Lichtgestalt des Heilandes im Wolkenschimmer schwebt.

Den Schluss macht der Tod des viel Gepriesenen. – Auf einer Binsenmatte ausgestreckt findet ihn sein Mitbruder, ein benachbarter Einsiedel, während zwei Löwen, bisherige Gefährten seiner Einsamkeit, emsig bemüht sind, mit ihren Klauen ein Grab in die Erde zu scharren. Im Mittelgrunde deutet der Künstler sinnreich noch den letzten Lebensmoment des Dahingeschiedenen an. – Antonius kniet im Gebete, vor einem in tiefer Waldeinsamkeit stehenden Kruzifixe. In der Ferne wandelt sein Freund, der Waldbruder, auf steinigen Felspfade, um dem Heiligen seinen Besuch abzustatten, der ihn jedoch, wie wir gesehen haben, nicht mehr unter den Lebenden trifft. – Sämtliche Gemälde tragen das Monogramm des Künstlers und die Jahreszahl 1517.

Martin Schaffner’s Werke wurden vielfach irrtümlicher Weise mit denen des Martin Schön, aber, wie er zuverweilen auch genannt wird, Martin Schongauer, verwechselt, obwohl Letzterer früher als Schaffer lebte und bereits in den 80 er Jahren des 15. Jahrhunderts sein rühmliches Dasein in Colmar beschloß. Die Wirksamkeit Schaffner’s dagegen fällt in den Anfang des 16. Jahrhunderts, zu welcher Zeit der Meister in Ulm als Bürger und Mitglied der dortigen Malergilde lebte. Dieser Künstler hatte das sonderbare Schicksal, bis auf die neuere Zeit fast gänzlich im Dunkel geblieben zu sein, wo ihn dann erst sorgfältige Forschungen in das verdiente Licht gestellt haben. Obwohl Martin Schaffner, wie erwiesen, nie Italien gesehen, so tragen seine Werke doch noch den Stempel jener kurzen Blütezeit deutscher Kunst, in welcher die Bekanntschaft mit der italienischen Muse der strengen Charakteristik und der zwar innerlichen, aber in ihrem Äußeren allzu dürftigen Gemütlichkeit der Deutschen mehr künstlerische Freiheit und Schönheit einhauchte – ein Einfluss, der in seinem Verlaufe mißverstanden, später allerdings dem reinen Kunstelemente verderblich wurde, nicht desto weniger aber in seiner anfänglichen Reinheit das Vortrefflichste deutsch mittelalterlicher Kunst hervorbringen half.

Über die Geschichte des Schlosses Kirchberg (oder wie die frühere Schreibart „Killiberg“) berichtet Kolb, dass im Jahr 1288 das Besitztum von dem ehemals fürstlichen Stifte Kempten durch Kauf an das Gotteshaus Salem gekommen; wie denn auch der letzte Vorsteher dieses Klosters, der Reichsprälat Kaspar Öchsle, hier sein Leben beschloß. Das vorhandene Schloss ist teilweise aus späterer Zeit, zweistöckig und ganz im Sinne eines behaglichen Wohnsitzes angelegt und ausgeführt. Die Wirtschaftsgebäude dagegen tragen noch mittelalterlichen Charakter.

Nachdem dieser herrliche Sitz längere Zeit unbewohnt gestanden, würdigte ihn der höchstselige Großherzog Leopold, zu Anfang der 40er Jahre auf kurze Zeit seines Besuches. Einen zweiten Lichtpunkt in der Geschichte des Schlosses bildet das schon erwähnte Aufenthalt Seiner königlichen Hoheit des allverehrten Regenten im Herbst des Jahres 1853. Der Aufenthalt dauert über fünf Wochen und die meisten angehörigen Bodenseeorte hatten das Glück, von ihrem durchlautigsten Herrn und Regenten besucht zu werden.

An schöne Sonntagen ist die Wirtschaft zu Kirchberg ein besuchter Ausflugsort der Umgebung. Und wahrlich, es gibt wohl kaum ein einladenderes Plätzlein, die Muße, eines schönes Sommernachmittag so angenehm zu verbringen, als Kirchberg mit seinem Weinlauben, blumigen Wiesen und schattigen Gehölzen, angespült von den stillen Gewässern des mächtigen Bodan.

Der Volksglaube lässt in dieser Gegend zuweilen Wanderer nächtlicher Weile irre gehen; auch sollen nicht selten Pferde, welche an Fuhrwerken die Straße passieren, scheu werden. Im nämlichen Sinne fährt auch mit sechsspännigem Zuge der Geist des Prälaten Anselm von Salem (gestorben 1778) von seinem Kloster nach Kirchberg. Dieser Abt lebte mit Kardinal Bischof Roth in beständigen Territorial- und Rangstreitigkeiten, infolgedessen der Kardinal dem Abte, als er einstens sechsspännig von Salem über Meersburg nach Kirchberg fahren wollte, zwei Pferde an dem Wagen ausspannen ließ.

In geringer Entfernung östlich von Kirchberg schaut das Schloss Herschberg stattlich von einem rebenbepflanzten Hügel über den See. Es ist der Sitz der fürstlichen Familie von Salem-Krautheim und liegt auf württembergischem, vom badischen Gebiete umschlossenen Grund und Boden. Ein letzter badischer Uferort in genannter Richtung bildet das große Pfarrdorf Immenstad, erstmals unter fürstenbergischer Landeshoheit, ist ein Bestandteil des großherzoglichen Bezirksamtes Meersburg.

Während ich auf dem Wiesenpfade längs des Seeufern von Kirchberg zurückkehrte, zog von Westen her ein Gewitter, welches bald heftige Regengüsse über Land und See schickte, und den Wanderer am Bodensee kaum noch ungenäßt den Ort Hagnau und das Wirtshaus zum Adler erreichen ließ.

In der Nähe des Gasthauses befindet sich ein mächtiger Steinblock, ein Denkmal des gefrorenen Bodensee’s im Februar des Jahres 1830. – Als die Eisdecke Nachts unter furchtbarem Krachen sich hob und bohrst, wurde dieser Stein (wahrscheinlich eingefroren) mit vielen mannshohen tafelförmigen Eisschichten, aus dem See an das Ufer bei Hagnau geschleudert und später von den Einwohnern mittels vier Pferden in’s Dorf geschleift, um vor dem Adler zum ewigen Gedächtnis aufgestellt zu werden. Ähnliche Erinnerungszeichen warf der wunderliche Alte im Jahr 1573 zwischen Lindau und Wasserburg an’s Land, sowie 1659 bei Arbon unweit der Stadtmauern einen Stein, der nicht weniger als hundert und fünfzig Zentner wog.

Das gänzliche Gefrieren des Sees ist übrigens etwas so Seltenes, dass der gemeine Mann am See, vor dem Jahr dreißig, durchaus die Möglichkeit desselben bezweifelte und alle Berichte aus früheren Jahrhunderten in diesem Betreffe für eitel Lug und Fabel hielt. *)

*Auch von außerordentlich gelinden Wintern, berichten die Chronisten. „Anno 1287 war ein sehr warmer Winter, in welchem zu Konstanz die Bäume und Rosenstöcke geblühet, auch Veielin und andere Frühlings- und Sommerblumen gepflückt worden; da denn am Weihnachtsfest die jungen Mägdlin mit Blumenkränzen geschmückt zur Kirche gingen, und die Knaben im Bodensee badeten.

Von jeher wurde das Phänomen, wenn es eintraf, mit allerlei Festlichkeiten und Unternehmungen von den Umwohnern gefeiert. – Als im Jahr 1573, am 22. Januar der See hart gefror und es mehrere Wochen lang blieb, transportierte man schwere Lasten über das Eis, und sogar ein sechsspänniger Güterzug fuhr von Fußach nach Lindau. Bei Rorschach wurden Fastnachtsspiele und andere Lustbarkeiten auf dem Eis gehalten, und zwischen Lindau und Meheran hielten 200 Bürger zu Fuß und zu Pferde die übliche Aschermittwochschlacht. (Die Sage von dem Reiter, der die beschneite Eisdecke für eine Wiese gehalten und darüber geritten, ist bekannt.)

Ebenso lustig ging es auf der Eisdecke im Februar 1830 zu. Güter wurden hin und hergeschafft, und zahllose Spaziergänge von einem Uferorte zum anderen gemacht. Die Küsterzunft von Konstanz verfertigte ein großes Weinfass auf dem Eis, und die Immenstader benutzten die Bahn, um den f.g. Hennenzins auf einem Schlitten von ihrem Dorfe nach Meersburg zu verbringen.

Meister Sepp von Eppishusen aber hatte Laune genug, eine Schlittenpartie von seinem Schlosse (er wohnte damals in Eppishausen) über den See nach Immenstad zu machen. – Manche Wanderer, die sich zu weit in das nebelige Schneegebilde wagten, irrten lange umher und durften froh sein, mit heiler Haut das Land wieder zu erreichen. Doch sind keine eigentlichen Unglücksfälle bekannt geworden, mit Ausnahme eines badischen Soldaten, der von der Garnison zu Konstanz, welcher in eine Eisspalte fiel und nicht mehr zum Vorschein kam.

Ein ganz besonderer Brauch jedoch findet bei dem jedesmaligen Gefrieren des Sees zwischen den Bewohnern von Hagnau und dem schweizerischen Orte Münsterlingen statt. In feierlicher Prozession wird nämlich ein Heiligenbild von einer Pfarrei in die andere gebracht, wo es so lange verbleibt, bis der See wiederum Gelegenheit zu ähnlicher Transferierung darbietet. Dieses Bildnis befindet sich gegenwärtig in Hagnau, wohin es im Winter 1830 mit Kreuz und Fahnen in Begleitung der Schuljugend von Münsterlingen verbracht worden ist.

Mein kurzer Aufenthalt in Hagnau gab mir Gelegenheit, aus dem Munde eines alten Mannes noch von einem anderen ehemaligen Brauche des Dorfes Kenntnis zu erhalten. Es bestand nämlich hier die Gesellschaft der „Käseträger“ – eine Verbrüderung von 24 ledigen Burschen, mit eigenen Sittengesetzen. Von Alters her war es üblich, dass diese Gesellschaft nach verflossenen sieben Jahre jedes Mal am Neujahrstag ein besonderes Fest beging. Mit Unter- und Obergewehr bewaffnet, unter der Führung eines Oberen, den eine Hellebarde auszeichnete, rückte man früh morgens vor den Pfarrhof und die Wohnungen des Amann und der Gemeinderäte, um hier die übliche Gratulation abzustatten. Nach dem Gottesdienste begab sich die Mannschaft nochmals zum Herrn Pfarrer, um einen Käselaib dort in Empfang zu nehmen, welcher auf einer Stange, die oben ein rundes Brett hatte, im Dorf herum vor jedes Haus getragen wurde, wo man, nach Glückwunsch und Gesang, um eine Gabe bat. Wurde die Spende gereicht, so drückte der Geber oder die Geberin die hierzu bestimmte Münze in einen Apfel, steckte diesen an eine Spindel und diese wiederum in den am Fenster empor gehaltenen Käselaib. – Später ließ man wohl noch Gaben an Fleisch, Mehl, Brot und Butter folgen, was alles zusammen bei einem großen Gastmahl, woran alle Ledigen des Ortes teilnahmen, unter Gesang und Tanz verzehrt wurde. Die Beiträge fielen meist so reichlich aus, dass auch der Armen und sämmtlicher Schuljugend auf’s Freigebigste gedacht werden konnte. 3 bis 4 Zentner Fleisch und ein Dutzend saftige Schinken war keine Seltenheit gespendet zu sehen. –

Ein zweiter „Zechttag“ mit Tanz und allerlei Spielen fand an Fasnacht, ein dritter am 1. Mai u.s.w. statt. Jedes Mal durften sämtliche ledige Welt teilnehmen, mußte sich jedoch den bestehenden Gesetzen der Vierundzwanzig unterwerfen. Es war zum Beispiel Sitte, dass beim Ende der Tanzbelustigung der Obere seine Sackuhr auf den Tisch legte und die Minute bestimmte, wo die Burschen, welche Tänzerinnen nach Hause zu begleiten hatten, wieder im Saale erscheinen mußten. Versäumte einer die gegebene Zeit, so wurde er zur Buße von den nächsten Zechtagen ausgeschlossen.

Traf es sich, dass der Genosse heiratete, so „stand die ganze Mannschaft in’s Gewehr“, um unter Trommel- und Pfeifenschall dem Ausscheidenden gebührende Ehre zu erweisen. Wie das Brautpaar aus der Kirche kam, traten zwei Kameraden vor mit einem farbigen Bande, dessen Enden die Beiden, an ihre gezogenen Degen geknüpft, aus einander hielten, während der übliche Glückwunsch gesprochen, und von der Mannschaft eine feierliche Gewehrsalve gegeben wurde.

Im Jahr 1798„, schloss mein Berichterstatter, das letzte lebende Mitglied der ehemaligen Käseträgergesellschaft, „wurde das Neujahrsfest zum letzten Male von uns gehalten. – Es waren vergnügte Zeiten, lieber Herr; unter dem jetzigen Geschlecht ist nicht halb so viel Harmonie und Lustbarkeit.“

So erzählte der Alte, und es wollte mir scheinen, als liege in seiner Schlussbemerkung etwas Wahres. – Lebt die jetzige Generation, fragte ich bei mir selbst, lebt sie mit all‘ ihrem Raffinements und weltbeglückenden Ideen glücklicher als die Vorältern? – Wir sollen uns in einer Übergangs- und Entwicklungsperiode befinden, hört man vielfach behaupten. – Ist aber nicht jede Zeit eine solche? Gewiß. Keine bringt jedoch, halte ich dafür, so Wunders viel Neues, dass es sich der Mühe lohnte, entbehrend lange darauf zu warten. –

Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.“

Allerdings ist viel Poesie, oder was dasselbe ist, Gemüth, aus dem Volksleben geschwunden, vorzugsweise seit der Zeit, wo alles cosmopolitische Zwecke, sociale Ideen und Zukunft gepflegt werden wollte; worüber nothwendig die Freude am Herkömmlichen, das Behagen an der Gegenwart, verloren gehen mußte.

Mit solchen Raisonnements beschäftigt, wanderte ich Meersburg zu. – Das Gewitter war vorüber und die Luft herrlich erfrischt und klar. – In erneuter Pracht lag die noch eben von Regenschauer verhüllte Gegend vor mir, und die uralten Häupter der Alpen schauten in unwandelbarer Ruhe, verklärt durch Apollos scheidendes das Flammengespann, in’s glühende Abendroth.

In Meersburgs Hallen aber herrschte Freude. – Ein Teil der in Konstanz gastierenden Schauspielerbande war mit dem Dampfschiffe herüber gekommen, um auf dem Theater, welches noch aus Bischofszeiten im oberen Saale des Rathauses vorhanden ist, Vorstellungen zu geben. Auch ich ließ mich verlocken. Das Stück war ein wenig erbauliches modernes Lustspiel, dessen Name ich vergessen habe; doch ist mir noch so viel erinnerlich, dass es mich von Neuem in dem Verdacht bestärkte, als schwinde alle ächte Poesie aus dem Leben und der Kunst.

Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg


Schloss Kirchberg

1829 wurde die barocke Schlosskapelle abgetragen. Kurz nach 1850 und ab 1880 wurden die Schlossgebäude jeweils einer tief greifenden Umgestaltung unterzogen. Durch Prinz Wilhelm von Baden wurde ab 1880 der Südflügel in seiner äußeren Gestalt soweit verändert, dass die im Bau vorhandene ältere Bausubstanz nicht mehr zu erkennen war. Das Gebäude wurde um ein Geschoß erhöht und erhielt eine neue Dachkonstruktion.

Martin Schaffner (* um 1478; † nach 1546 in Ulm). Seine Unterschrift findet sich auf dem von Stocker geschaffenen Ennetacher Altar. Schaffner wechselt später zu einer anderen Ulmer Werkstatt, um schließlich in Augsburg mit Hans Holbein dem Älteren zusammenzuarbeiten. Vom Stil des letzteren ist seine eigene Arbeit ebenso beeinflusst wie durch Albrecht Dürer und Hans Burgkmair. Wikipedia

Die von Lucian Reich erwähnten Tafeln aus dem Schloss Kirchberg befinden sich heute als „Salemer Altar Tafeln“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Vermutlich waren sie 1829 aus der Schlosskapelle in das Schloss Kirchberg, und dann 1880 nach Salem gewandert. Die heutig Beschreibung ist eine ziemlich andere als die unten eingefügte von Lucian Reich aus dem Jahr 1855.

Die Hauptgruppe des zweiten Gemäldes zeigt den Heiligen betend, bedrängt jedoch und verwirrt von den üppigen Gestalten dreier Mädchen, deren lange rote Gewänder und zierliche Haargeflechte nur unvollkommen Bocksfuß und sprossende Hörnlein verdecken. Die eine der Schönen faßt zudringlich des frommen Vaters Kapuze, während ihre Schwestern, neben einem reich verzierten Ruhebett stehend, mit arglistigem Lächeln die Verwirrung der Heiligen betrachten. Ein Teil des Mittelgrundes rechts füllt ein prächtiges Gebäude, an dessen Treppe Antonius, umgeben von Preßhaften und den drei rot gekleideten verführerischen Weibern. Links mehr in der Ferne gerückt, schließt das Bild mit einer Szene von anmutiger Erfindung und Ausführung. An sommerlichen Tagen sehen wir den Alten in sinnender Beschaulichkeit längs eines Waldrandes dahin wandeln. – Siehe, da tritt ihm der rot gekleidete Versucher wieder in den Weg, und zeigt gegen ein klares, ruhig fließendes Waldwasser, wo drei nixenartig gestaltete Jungfrauen den schönen Leib im Bade kühlen.

Das dritte Bild stellt, im Gegensatze zu den Anfechtungen sinnlicher Begier, den Heiligen dar unter den Händen wilder Dämonen, die im Begriffe stehen, ihrem Opfer äußerliche Körperbeschädigungen beizubringen. Die eine dieser diabolischen Gestalten packt das Gewand des Alten, der in abwendender Gegenwehr nach oben blickt, wo die Lichtgestalt des Heilandes im Wolkenschimmer schwebt.

Den Schluss macht der Tod des viel Gepriesenen. – Auf einer Binsenmatte ausgestreckt findet ihn sein Mitbruder, ein benachbarter Einsiedel, während zwei Löwen, bisherige Gefährten seiner Einsamkeit, emsig bemüht sind, mit ihren Klauen ein Grab in die Erde zu scharren. Im Mittelgrunde deutet der Künstler sinnreich noch den letzten Lebensmoment des Dahingeschiedenen an. – Antonius kniet im Gebete, vor einem in tiefer Waldeinsamkeit stehenden Kruzifixe. In der Ferne wandelt sein Freund, der Waldbruder, auf steinigen Felspfade, um dem Heiligen seinen Besuch abzustatten, der ihn jedoch, wie wir gesehen haben, nicht mehr unter den Lebenden trifft. – Sämtliche Gemälde tragen das Monogramm des Künstlers und die Jahreszahl 1517.

Die Fotos sind von Wikimedia der Text von Lucian Reich.

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Blume des Jahres 2025 ist das Sumpf-Blutauge

Das Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) ist Blume des Jahres 2025 und liebt Schlamm, um genauer zu sein, Moore, Sümpfe, Gewässerufer und Gräben. Dort ist es wichtiger Lieferant von hochwertigem Pollen und reichlich Nektar für zahlreiche Hummeln, weitere Wildbienen.

In Hüfingen steht es für die Kloake namens Behlaer Weiher, dessen Wiederherstellung 2025 in Angriff genommen wird.

Mehr zum Sumpf-Blutauge bei der Loki Schmidt Stiftung:
blume-des-jahres-2025-sumpf-blutauge

Danke an Thomas Kring für die Fotos!

Insel Mainau – Mersburg

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier das Kapitel Mersburg – ja, es steht Mersburg da!

Da der Text vom Programm transkribiert wurde, ist er teilweise der neuen Schreibweise angepasst

Mersburg

Wie in den vorigen Tagen, war auch bei meiner Abreise von Konstanz der See noch immer schäumender Bewegung. Aeolus blies ein altes Lied, die Aufforderung zum Tanz, so kräftig gegen den Hafen, dass selbst die hier liegende Dampfboote und schweren Segelschiffe in schaukelnde Bewegung gerieten. – Der „Friedrich“, der schnellste Fährmann des Bodensee’s, eröffnete trotz dem Aufruhr der Elemente den Reigen, um im Sturme die alte Meersburg zu gewinnen.

Sprühende Regenschauer verhüllten die fernen Gestade, und wie hinter einem wehenden Schleier erschien bald die seitwärts liegende, wellengeborene Königin des See’s, die liebliche Mainau. Mit ungehinderter Kraft durchschritt das Boot die wallende Flut, welcher bald groß und größer die Felswände Meersburgs und seine Bischofsschlösser erstiegen. – Welche Fortschritte, dachte ich, mögen nicht im Bereiche der Schifffahrt gemacht worden sein, seit den Tagen, wo unter König Dagobert der alte Turm dort oben zum Leuchtturm gedient, und später auf der grauen Meersburg die Gaugrafen von Nordorf saßen, um dem Namen des Kaisers die Überfahrt über den See zu schirmen.

Jene Zeiten mit ihren Sitten- und Kulturzuständen sind längst vorüber, aber ihr Bau, von einem guten Geiste beschützt und erhalten, grüßt noch heute wie vor 1000 Jahren den Ankömmling. Ein Geharnischten mit geschlossenem Visier, schaut er herab auf das alte Städtlein, und hinüber zu seinem jüngeren Nachbarn, der Bischofsresidenz im Gewande des Rokoko. Ein Blick auf die Lage Meersburg gibt einigen Aufschluss über seine Entstehung. Offenbar entstand die untere Stadt unter dem Schutz der Burg, als Stapelplatz von Schiffern und Fischern, während der oberen jüngere Teil den Dienstmannen und Beamten der hier wohnenden Konstanzischen Bischöfe sein Emporkommen verdankt.

Wann aber die letzteren in den Besitz der alten Burg gekommen, davon geben uns die Chronisten keine ganz sichere Nachricht. Jedenfalls diente früher schon die Veste den geistlichen Herren zum Zufluchtsort, in jenem kampferfüllten Zeiten, wo die Kirchenoberen stets in ähnlichem Falle sich befanden, wie jener italienische Meister, der von Nebenbuhler bedroht, immer das gezogene Schwert neben sich an der Staffelei liegen hatte.

Ein solcher Schutz musste die Burg im Jahr 1354 ihrem Besitzer, dem Bischof von Konstanz leisten. Nach Bischof Rudolfs III Tode waren die Wahlstimmen zwiespältig, die einen auf Albrecht von Hohenberg, die anderen auf Nicolaus von Kenzingen gefallen. Der Letztere erhielt des Papstes Bestätigung; Albrechts Vater jedoch, der mächtige Graf von Hohenberg, zog das Schwert, um für seinen Sohn das Bistum, zu gewinnen. Sein Bundesgenosse war Kaiser Ludewig selbst, welcher aus Hass gegen den Papst ein zahlreiches Volk benachbarter Städte gegen Meersburg führte, wo Bischof Nikolaus mit den Seinen das alte Schloss besetzt hielt. Als der Bedrohte das Kriegswetter kommen gesehen, hatte er mehrere 100 Bergleute berufen, welche den Fels um das Schloss abschroten und durch eine tiefe Kluft von den übrigen Lande trennen mußten. Die Bischöflichen hatten kriegserfahrene Hauptleute, einen Grafen von Toggenburg, Kanonikus von Konstanz und den gedienten Feldobersten Jasso.

Während ersterer in blutigen Ausfällen die Feinde schlug, führte Jasso einen kühnen Seekrieg, nahm des Feindes Frachtschiffe weg, und machte mit seinen Pfeilschützen wilde Jagden auf die Nachen der Belagerer; die er, wie der Chronist sagt, mit Netzen fing wie Fische, und als ergrimmter Leu unter ihrer Bemannung wütete. Dieser Widerstand brachte den Feind zum Nachgeben, ohne dass der Graf von Hohenberg seinen Schwur erfüllen gesehen hätte: „nicht eher abzulassen, bis er der hl. Jungfrau Maria (Schutzpatronin des Hochstiftes) das Hemd vom Leib gezogen habe.“ Noch bewahrt das städtische Archiv eiserne Bolzen aus dieser Fehde, die beim Abbruch eines Tores in eichenem Gebälk gefunden wurden.

Weniger glücklich war einer der nachfolgenden Bischöfe, Heinrich von Höwen. Die Bürger Mersburgs empörten sich wider ihn (1436), belagerten das Schloss und zwangen ihn zur Flucht. In die Reichsacht erklärt, mußten sie aber (1457) Stadt und Schloss ihrem Landesherrn wiederum zurückgeben.

Große Drangsale brachte auch der 30-jährige Krieg. Nach städtischen Schriften unternahmen 1647 die Schweden von der Mainau her einen Angriff auf das alte Schloss, wobei der Dachstuhl in Flammen aufging. Als drei Jahre später der Schaden ausgebessert wurde, ersuchte der Bischof seine getreuen Stadtbürger um Ehrenfuhren bei dem Bauwesen; sie wurden bereitwillig, aber mit dem Vorbehalt geleistet, dass dieser Dienst hierfür zu keiner Schuldigkeit ausgedehnt werden möge.

Auch Widerhold, der Peiniger des Volkes im Hegau und am See, suchte die Stadt vor seiner Veste Hohentwiel aus mit Erpressungen heim, wobei er mit „Schwert und Brand“ drohte.

Wie verarmt das städtische Wesen in jenen unseligen Kriegsläufen geworden, kann der Umstand dartun, dass im Jahr 1650, als die Stadt „wegen Armut und Mittellosigkeit“ ein Anlehen machte, der sämtliche Kirchenschatz einem Sohn Abraham’s in Versatz gegeben wurde.

Zu dieser Lebensnot kam bald noch eine Leibesplage, die Pest, welche so verheerend wirkte, dass kein einheimischer Priester mehr in der Stadt am Leben blieb. In diesen schrecklichen Tagen waren es die Franziskaner von Sulgau, welche täglich auf die Stätte des Todes kamen, um auf offener Straße Beichte zu hören und den Sterbenden den Trost der Religion zu bringen – ein Dienst, den die Stadt dadurch zu vergelten suchte, dass den frommen Vätern erlaubt wurde, hierfür alljährlich im Herbst in Meersburg ihr Almosen zu sammeln.

Von dem zerstörenden Wesen jener dreissigjährigen Kriegszeit überhaupt finden wir aller Orten noch schriftliche und mündliche Überlieferungen in Menge. In den Merseburger Rathsprotokollen ist unter Anderem erwähnt, wie anno 1653 im benachbarten Schwaben die Wölfe furchtbar überhand genommen und bereits 24 Kinder zerrissen hätten; weshalb auf Befehl des Erzherzogs Karl von Österreich zu Konstanz die Meersburger Büchsenschützen aufgeboten wurden zu allgemeiner Jagd auf die Bestien.

Alle diese Trübsal und Einbußen mochten jedoch bald verschmerzt sein, in einer Gemeinde wie Meersburg, die durch den fürstlichen Hofhalt der Bischöfe, durch ergiebigen Grundbesitz und lebhaften Getreidehandel über den See so vielfache Erwerbsquellen hatte. Auch gingen die nachfolgenden Zeiten ohne sonderliche Unfälle vorüber.

Im Kriegsjahr 1796 jedoch wäre der Ort durch eines jener, in neuerer Zeit berüchtigt gewordenen Mißverständnisse beinahe dem Brande und der Plünderung anheim gefallen. Die Ursache hiervon war ein französischer emigrierter Mönch, der sich einige Zeit als geistlicher Abenteurer in Meersburg und Umgebung herumtrieb. Dieser Mann kam eines Tages zum fürstlichen Präsidenten (der Hof war in Ulm auf der Flucht) und vertraute diesem, er habe erfahren, dass ein Trupp französischer Marodeurs vom Tareau’schen Corps die Stadt zu überfallen trachte. – Der erschreckte Beamte schickte nach dem Bürgermeister und Rat, und man kömmt überein, die Tore zu schließen, bis anderwärtig Hilfe käme, den eigenen Herd mit Glut und Blut zu verteidigen. Die wehrhaften Bürger schließen und besetzen also die Tore; und wirklich dauert es nicht lange, so erscheint eine starke Reiterschaar, die verwundert die Eingänge verrammelt und die Bürgerschaft in Waffen sieht. Erbittert über solche Feindseligkeit im bereits erworbenen Lande, schickt man sich an, den Eingang mit Gewalt zu erzwingen. – Indessen waren einige Bürger eiligst ins Schloss gelaufen, dem Präsidenten zu melden, dass keine Marodeurs, sondern reguläre französische Husaren vor den Toren hielten. Der gute Mann war jedoch längst über den See geflüchtet; die Bürger aber beeilten sich zu öffnen. Der Feind drohte mit Plünderung und Brand, und als man sich entschuldigte, der bischöfliche Präsident habe die Tore zu schließen befohlen, stürmten die erbitterten Soldaten in’s Schloss und ergriffen den bischöflichen Kanzler, welcher zufällig während des Handels von Ulm her in die Stadt gekommen war. Nur mit Mühe konnte der unschuldige Mann von einer Copulation mit der Seilers Tochter befreit werden. Ebenso schenkten die Republikaner, als das ganze Missverständnis aufgeklärt war, der Stadt Verzeihung, indem sie großmütig mit einer Summe Geldes sich begnügten.

Die größte Einbuße erlitt Meersburg nachmals freilich durch die Verlegung der bischöflichen Residenz. Wer die hinterlassenen großartigen Bauten und Anlagen derselben betrachtet, mag einen Schluss ziehen auf den prachtvollen Hofhalt, der hier geführt worden. Noch leben alte bischöfliche Diener in Meersburg, welche sich jener Tage mit Vorliebe erinnern.

Ihr Gedenken geht bis zu Bischof und Kardinal Fr. Konrad Roth, dem drittletzten der hier regierenden Fürstbischöfe. Er war der Sohn des österreichischen Feldzeugmeisters Baron Johann von Roth und kam im Jahr 1750 auf den bischöflichen Stuhl. Sechs Jahre später wurde er in Gegenwart des Kaisers Franz vom Papst Benedikt dem Vierten in Wien zum Kardinalpriester erhoben. Als ein Mann von großer Energie und Willenskraft hatte er nicht wenig Einfluss auf die Wahl des Papstes Evanganelli, welchem Akte er als kaiserlicher Kardinal beiwohnte.

In seinem bischöflichen Haushalte liebte Roth Pracht und zahlreiche Dienerschaft, doch verstand er auch zu sparen, was seine hinterlassenen Baarvorräthe beweisen. Die bildende Kunst hatte an ihm einen Freund, auch soll er, worauf man dazumal vieles hielt, ein guter Lateiner gewesen sein. Zudem war er ein gewaltiger Nimrod und trefflicher Schütze, der stets einen großen Wildstand unterhielt und gegen Wilddiebe unerbitterliche Strenge handhabte. Alljährlich im Herbst wurden große Hauptjagden in der Höre, um den Schienerberg abgehalten, wo Edel- und Schwarzwild in Mengen hauste. Dieser robusten Beschäftigung entsprechend war der Körperbau des Kardinals. Kaiser Joseph soll von ihm gesagt haben, dass er bei seiner ganzen Garde keinen so kolossalen starken Mann habe, wie der Kardinal Bischof Roth.

Noch erzählt man die Begegnung der beiden im Jahr 1777, als der Kaiser bei seiner Rückkehr von Paris, wo er seine Schwester Maria Antonette besucht hatte, Meersburg berührte. Der Kardinal war dem kaiserlichen Reformator, dem er als Geistlicher nicht sonderlich gewogen sein mochte, ein Stück Weges entgegengegangen, um ihn einzuladen, in dem bischöflichen Schlosse sein Absteigequartier zu nehmen. Der Kaiser bedauerte, seine Einkehr im Gasthaus zum Löwen bereits anmelden lassen zu haben; worauf Roth beleidigt erwiderte: „Nun, so behüte Gott Eure Majestät.“ – und indem er mit der Hand gegen das Gasthaus wies – „Dahinauf führt der Weg zum Goldenen Löwen“ – sich umwendet und schweigend seiner Residenz zuschritt.

Der Kardinal, welcher in seinem Leben so viele hohe Ehrenstellen begleitet hatte (er war zugleich Protektor des hohen Johanniterordens zu Malta und Abt zu Sirard in Ungarn x.), verordnete, dass bei seiner Beerdigung kein Wort in der Leichenrede zu seinem Lobe, sondern nur über die Nichtigkeit des irdischen Lebens überhaupt gesprochen werden solle.

Auf Franz Konrad Roth folgte dessen Bruder Maximilian Christoph, zum Bischof erwählt im Jahr 1775. In seiner Jugend lebhaft und heftig, zeichnete den Mann gereiften Alters, Milde und Güte gegen das Volk und die Armen aus. Unzähligen jungen Leute seines Sprengels gab er das Lehrgeld zu irgendeinem Handwerk; auch liebte er die schönen Künste, weshalb strebende Musensöhne stets erwünschte Unterstützung bei ihm fanden. Als leidenschaftlicher Musikfreund sah der Bischof darauf, dass eine Anzahl seiner Diener zugleich geübte Tonkünstler sein mußten, welche ein ständiges Quartett bildeten. Bei größeren Aufführungen kamen die Domherren von Konstanz noch hinzu. Allen wandernden Spielleuten, Bergknappen, Harfnern und Sängern von Nah und Fern war der Zutritt in’s bischöfliche Schloss gestattet.

Auch die Wissenschaften fanden an diesem Hof ihre Pflege. Das Naturalienkabinet, welches unter Maximilian in Meersburg angelegt wurde, war seiner Zeit eines der bedeutendsten in Deutschland; so dass diese Sammlung noch heute einen wesentlichen Bestandteil des Großherzoglichen Naturalienkabinetts in Karlsruhe ausmacht.

Noch hatte sich damals manches von altershergekommenen Volksfesten und öffentlichen Spielen erhalten, den gegebenen Verhältnissen und Zuständen entsprossen. Wie überhaupt an den früheren geistlichen Höfen in vielen Dingen löbliche Toleranz herrschte, so ward auch der Fastnacht, welche von jeher im Oberland heimisch, in der bischöflichen Hofburg gerne Raum gestattet. Von 4 bis 5 Stunden Weges strömten die Umwohner herbei, um die Aufführungen zu sehen, welche während jener Tage in dem, mit frischem Sand überstreuten, Schloßhofe stattfanden. Da sah man den uralten Schwerdtertanz, von jungen Burschen mit der blanken Waffe in der Hand ausgeführt; das Reiffspringen, das Ringelrennen – eine Übung zu Pferd, von welcher städtische Schriften um’s Jahr 1597 schon Erwähnung tun, und anderes mehr. Nachmittags belebte dann allgemeines Narrenlaufen die Gassen des Stadtleins, wobei der ganzen hoch ansehnlichen Narrenzunft der Zutritt ins fürstliche Tafelzimmer gestattet war.

Herrschte während dieser Lusttage auch Freiheit und buntes Leben, so war nichtsdestoweniger dafür gesorgt, dass gewisse Schranken nicht ungestraft überschritten werden durften. So zum Beispiel war es nur Erwachsenen erlaubt, sich zu maskieren. Ließ sich ein naseweiser Bube verleiten, es den Alten gleichtun zu wollen, so ward er ergriffen und zur Abkühlung des allzu hitzigen Gemüts in den Brunnen getaucht. –

Eine Gelegenheit für das Landvolk, sich hervorzutun, gab das Pfingstfest, wo die Bauernburschen den üblichen Pfingstritt in der Stadt abhielten – ein Überrest der altdeutschen Maienfeier. – In wohlgeordnetem Zug, voran die Maienführer mit grünen Tannenbäumlein in der Hand, ritten sie ein, wo nach den herkömmlichen Sprüchen der in Rinde gehüllte „Pfingstputz“ (ursprünglich den Winter vorstellend) in ein fließendes Wasser geworfen wurde; die ganze Bande aber, vom fürstlichen Hofe und den Bürgern reichlich mit Gaben bedacht, den Tag im Wirtshause bei Schmaus und Tanze beschloss.

Das mögen dann freilich für die kleine Stadt Meersburg angenehme, der Erinnerung werthe der Zeiten gewesen sein, umso mehr, da sie dem Orte nicht wenig Wohlstand brachten, indem die Anwesenheit des Hofes stets zahlreichen Besuch von Hoch und Nieder in die Stadt zog.

Maximilian Christoph schied aus dieser Zeitlichkeit in dreu und achzigjährigem Alter (1800), nachdem er längere Zeit kränklich gewesen war. Er war der Letzte des freiherrlichen Geschlechts von Roth. – Sein sämtliches Mobiliar fiel dem Verkauf anheim. Und also reichlich war die Hinterlassenschaft, dass die Versteigerung im Ganzen über ein Vierteljahr dauerte und so viele Kinder Israels herbeigelockt hatte, dass ein eigener Schächter in Meersburg genug zu tun hatte, dem auserwählten Volke den Fleischbedarf zu liefern.

Bischof Max war von großer Gestalt aber hager, von einnehmender, Wohlwollen aussprechender Gesichtsbildung. Sein Bildnis ist noch in mancher Stube des ehemaligen Sprengels anzutreffen; so wie ich mich auch eines Festkalenders von riesenhaften Formate erinnere, welcher sein Bildnis trägt. Kalender und Porträt, kaum handgroß, sind umgeben von allegorischen Darstellungen, und es mißt der aus mehreren Platten bestehende Kupferstich im Ganzen nicht weniger als fünf Fuß in der Höhe und zweieinhalb Fuß in der Breite.

Mit dem Tode dieses Fürstbischofs schließt die alte Zeit, in dem sein Nachfolger, der edle Karl Theodor von Dalberg, an Bildung und Geistesrichtung schon ganz dem neu gestalteten 19. Jahrhundert angehört. Seit dem Jahr 1788 Coadjutor am Bistum Konstanz, kam er nach Roth’s Hintritt auf den bischöflichen Stuhl, von wo ihn, wie bekannt, das Schicksal nach zwei Jahren abberief, um ihm den erledigten Sitz eines Kurfürsten von Mainz und Erzkanzler des Reiches einzuräumen. Sein kaum zweijähriges bischöfliches Regiment bezeichnen viele vortreffliche Einrichtungen und Stiftungen; sein späteres Leben und Wirken, die Erhebung zum Fürstprimas von Deutschland und Frankfurt u.s.w., hat jedoch mehr weltgeschichtliches als specielles Interesse, und darf daher bei unserer Schilderung nur noch erwähnt werden, dass Dalberg, der 90. Bischof, den würdigen Schluss einer mehr als zwölfhundertjährigen Reihenfolge von Inhabern des bischöflichen Stuhles zu Konstanz machte.

Ein Boden, ein Bauwerk, woran bedeutende historische Erinnerungen haften, übt auf gegenwärtige stets eine anziehende Macht aus. Ein der Trauer verwandtes Gefühl möchte uns beschleichen beim Hinblick auf die schattenhafte Flüchtigkeit alles Irdischen, dessen sichtbare Spuren wir dann mit desto größerem Interesse betrachten.

In solcher Stimmung betrat auch ich den Hof und die Anlagen der herrlichen, aber verlassenen Bischofswohnung, dem alten Schlosse gegenüber. – Ich stand auf der steinernen Terrasse, tief unter mir der See, über den ein heftiger Südwest daher brauste und langsam majestätisch die Wellen, gleich Sturmkolonnen, gegen den Hafen und das Gestade wälzte. Wie unwillig schreiend über die Störung, flatterten vom Winde aufgescheucht die Dohlen um die Dächer der alten Meersburg, welche im gebrochenen Lichte des trüben Tages finster zu meiner Rechten lag. – Die Dämmerung war allmählich hereingebrochen, und an einzelnen Fenstern jener mittelalterlichen Burg bewegten sich Lichter hin und her. Das neuere Schloss dagegen, in meiner unmittelbaren Nähe, stand ohne Zeichen innewohnenden Lebens; seit dem Wegzuge Karls von Dalberg ward es nicht mehr bewohnt.

Mit welchem Interesse, kam mir in den Sinn, mag nicht Bischof Anton von Sickingen aus dem alten Schlosse wegziehend, diesen Bau für ewige Zeiten geschaffen und herrlich für sich und seine Nachfolger eingerichtet haben. – Und jetzt, nach kaum 100 Jahren, steht er leer, ungewiss, ob je einmal wieder ein Besitzer sich darin häuslich niederlassen wird. – Ein glücklicheres Loos dagegen war seinem Nachbar, dem alten Schlosse, beschieden.

Nachdem es unter den Bischöfen nach Anton von Sickingen zu Kanzlei und Beamtenwohnung gedient, später aber, nach dem Anfalle an das Haus Baden und dem Wegzuge des Bischofssitz nach Freiburg, dem Hofgerichte seine Räume geliehen, erkaufte es nach längerer Verwaisung der edle Freiherr von Laßberg, um den alten Bau zum gastlichen Familiensitze und zum Horte herrlicher Sammlungen zu machen.

Doch auch dieser treffliche Mann ist seitdem heimgegangen. – Kurze Zeit vor meinem Hiersein ward er zur Erde bestattet auf dem Kirchhofe der Stadt, neben der Ruhestätte seiner Schwägerin, der zartsinnigen Dichterin Annette Droste von Hülshoff.

Der Abend, rau und unfreundlich, war unter meinen Betrachtungen weit vorgerückt, und ließ mich auf den Rückzug und ein Nachtquartier bedacht sein, welch letzteres ich in den Wirtshause fand, wo acht Jahrzehnte zuvor Kaiser Joseph, zum großen Verdruss des Kardinals Roth, ebenfalls seine Einkehr genommen.

Im Wetter war eine erwünschte Änderung eingetreten. Der Sturm hatte über Nacht das Gewölk vertrieben und den Himmel aufgeklärt. Ein sonniger Morgen folgte dem düsteren Ungestüme des vorigen Tages – und mit den Wolken war auch meine gestrige zur Beschaulichkeit geneigte Stimmung verschwunden. Die warme, frohe Gegenwart machte unbedingt ihr souveränes Recht geltend, und ich eilte, im Lichte des goldenen Morgens, die Gemächer des neuen Schlosses mit ihrer herrlichen Fernsicht in Augenschein zu nehmen.

Die Lage dieses Baues auf einer ansteigenden Terrasse ist wahrhaft imposant. Früher standen hier bürgerliche Gebäulichkeiten, die in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts abbrannten, worauf Bischof Anton das jetzige Schloss (1750) im opulenten Stile ausführen ließ, durch den komturischen Baudirector Bagnato, welcher nebst dem Schlosse Mainau auch das Kornhaus in Rorschach erbaute. Die innere Decorierung trägt vollkommen das Gepräge ihrer Entstehungszeit. – Griechenthum und Klassicität in Puder und Reifrock. – In Statuen und Gemälden, an der Treppe und den Plafonds sehen wir den ganzen Olymp versammelt, um den geistlichen Hausherrn galante Huldigungen darzubringen. Die Zimmerreihe im zweiten Geschosse ist wahrhaft fürstlich und äußerst geschmackvoll: das Getäfel von Eichenholz mit Gold, und an den Wänden große, aus dem alten Schlosse stammende Gobbelins mit Jagden und idyllischen Vorstellungen im Stile der Schule des Julius Romano. –

Und die Aussicht aus den Fenstern – in zauberischer Klarheit und Ruhe lag die noch vor kurzem unendlich aufgeregte Fläche vor meinem Blick – ein Gemälde, hingehaucht mit den zarten Luft- und Wasserfarben: vom westlichen Endpunkte, wo noch deutlich die hochgetürmte Kathedrale von Konstanz ragt, bis zu den dunklen Tannenwäldern um Bregenz; dazwischen in sanft ansteigenden Linien die Vorlande der Schweiz und ihre schneeigen Berghäupter, vom mächtigen Säntis und den Kurfürsten bis zu den blauen Hochwarten Tirols.

Dieselbe prachtvolle Aussicht haben das ehemalige bischöfliche Seminarum ad St. Carolum Boromaeum (in neuerer Zeit der Sitz eines katholischen Schullehrerseminars), die Wohnungen der großherzoglichen Beamten und anderer Teile der vielgebäudigen Hofburg.

Die großartigen Treibhäuser, welche zu Bischofszeiten den Hofgarten zierten, haben zu einem artigen Sprüchworte Veranlassung gegeben. Beim Sonnenschein nämlich strahlen die schräg liegenden Fensterflächen der Treibhäuser in so gewaltigem Glanze, dass ihr Leuchten bis weit ins Appenzeller Land hinein wahrgenommen wurde, daher dort das Sprichwort aufkam „es glänzt – wie Meersburg„.

Ein vorteilhaften Begriff von behäbigen städtischem Wesen gibt das alte Rathaus mit seinem hellen, geräumigen Saal. Obwohl Meersburg nie eine eigentlich freie Reichsstadt gewesen, so gewährte seine alte Verfassung doch große Rechte und Selbstständigkeit. Die städtische Gerichtsbarkeit reichte eine halbe Stunde außerhalb der Stadt, wo dann das heilenbergische Gebiet seinen Anfang nahm. Dem Stadtrat stand das Blut- und Malefizgericht zu, bei welchem der Regierende Bürgermeister als Reichsvogt oder Stabhalter prädierte, zu Handen das entblößte Schwert. – Außerdem bestand in Meersburg die „ehrbare Gesellschaft der Hundertundeinser.“

Diese unabhängige Korporation, welche ihre Stiftung und reichliche materielle Begabung einem Caspar Müller, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, verdankt, hatte den Zweck, in schwierigen Fällen, bei Not und Teuerung, Krieg oder andern städtischen Angelegenheiten, bei gegenseitigen Streitigkeiten und Zerwürfnissen x. beratend und vermittelnd einzuschreiten, so wie das brüderliche Zusammenhalten der ganzen Bürgerschaft überhaupt zu hegen und zu pflegen. – Die Gesellschaft war im Besitz eines eigenen Beratungs- und Gelagehauses (das jetzige Gasthaus Zum Bären). Ihre oberste Leitung lag in der Hand eines Oberpflegers, dem einem Unterpfleger zur Seite stund, welcher das Gesellschaftsvermögen verwaltete, während ein Ober- und Unterordner die Gesellschaftsbestimmungen und die Ordnung bei Festen und Gelagen handhabten. Die ganze Verbrüderung zerfiel, hundert und ein Mitglied zählend, wiederum unter sich in Meister und Gesellen. Von dem ersprießlichen Wirken dieser Verbindung nur ein Beispiel.

Von alters her hatten die benachbarten Thurgauer (in commerzieller Beziehung stets verbunden mit der schwäbischen Bevölkerung) das Recht, in der Meersburger „Gred“ oder dem Kaufhause ihren Bedarf an Früchten vor den Einheimischen einzukaufen.

Als nun in den letztverflossenen 70er Jahren, in Folge mehrerer Mißjahre, große Teuerung, ja beinahe Hungersnot eingetreten, machten die Schweizer also ausgedehnten Gebrauch von ihrem Vorrechte, dass die zurückgesetzten Bürger Einsprache erhoben, welche bald in großen Tumult überging und damit endete, dass die zudringlichen Nachbarn mit Gewalt aus dem Kaufhaus verjagt wurden. Fürst Bischof Kardinal Roth, sehr aufgebracht über diesen Vorfall, und ohnehin nicht der Mann vieler Umschweife, ließ die schuldigen Bürger ergreifen und ohne weiteres in’s Gefängnis werfen. – Die Stadtverordneten hatten nicht den Mut, dem Landesherrn entgegenzutreten; da ließ der Oberpfleger die Hundertundeiser Gesellschaft zusammenrufen, und es ward beschlossen, in der Angelegenheit ein freimüthiges Wort zu sprechen. – Die Abgeordneten begaben sich in das Schloss, wo der Bischof in großer Aufregung sie fragte, in wessen Namen und Auftrag sie kämen? „Im Namen und Rechte der ehrbaren Gesellschaft der Hundertundeiser, lautete die Antwort. – Der Bischof mäßigte sich; die Sache wurde untersucht, und auf Grund der einsichtsvollen Auseinandersetzung der Gesellschaftsvorstände das Gesetz, welches die Schweizer beim Einkauf bevorrechtigte, für immer aufgehoben.

In neuerer Zeit besteht die Gesellschaft eigentlich nur noch dem Namen nach. Wenigstens wurden keine Beispiele ihrer Tätigkeit zu meiner Kenntnis gebracht, ausgenommen ein festliches Bankett, welches die Mitglieder jährlich in der alten Gelagestube zum Bären abzuhalten pflegen.

Von den Thoren, die Meersburg hatte, hieß einst Das Zwingtohr; der Bischof allein soll das Recht gehabt haben, durch dasselbe aus- und einzugehen. Seit Jahrhunderten aber war es zugemauert. Folgendes Begebniß soll die Schließung veranlasst haben. Ein fremder Cavalier, so berichtet die Sage, kam eines Tages gen Meersburg und wollte durch das Zwingtohr einreiten. Ein Bürger vertrat ihm den Weg mit dem Bedeuten, hier dürfe nur der Bischof durchpassieren. Der Fremde, beleidigt durch die Zurechtweisung, zieht das Schwert, der Bürger greift ebenfalls zur Wehr, und es entspinnt sich ein Kampf, in dem der Bürger getötet wird. Hierauf erhob sich ein Tumult in der Stadt; die herbeigelaufenen Bürger wollten ihren Genossen rächen, griffen zu den Waffen und verfolgten den Frevler. Dieser aber flüchtete in’s alte Schloss, wo er sich unter dem Schutz des Bischofs stellte. Vergeblich forderten die Bürger seine Auslieferung; der Bischof wollte das heilig gehaltene Gastrecht nicht verletzen. Es kam zu einer förmlichen Berennung des Schlosses und der Bischof mußte flüchten. – Die Bürger aber mauerten das Zwingtohr für ewige Zeiten zu.

Diese Sage scheint ihren Grund zu haben in den Streitigkeiten zwischen den Bischöfen und der Stadt (in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts), wo Mißverständnisse und Tumulte wegen Schließung det Tore, Verwahrung der Schlüssel, Ein- und Auslass bischöflicher Diener vorkamen, und die herrschsüchtigen Vögte der Bischöfe wiederholt zu Klagen und bewaffneten Widersetzlichkeiten von Seiten der Bürger Veranlassung gaben – worüber die Stadt einmal in die Acht geriet.

Mit einem Teil der Mauern und Tore fiel auch die alte Pfarrkirche und eine daneben stehende Kapelle dem Abbruch anheim. In letzterer befand sich altdeutsche Gemälde, die in jenen Zeiten, wo man das Gute nicht zu schätzen wußte, abhanden gekommen, und, wie versichert wird, nach Berlin in eine dortige Sammlung gewandert sind.

Ein schöner altdeutscher Altar befindet sich in der Nikolaus-Kapelle (alte Hofkapelle) der unteren Stadt, wo die Fischerzunft alljährlich einen Gottesdienst, zu Ehren ihres Schutzpatron, des heiligen Johannes von Nepomuk, abzuhalten pflegt.

Wenn der Besucher Meersburgs alle noch vorhandenen Zeugen der Vergangenheit zur Genüge betrachtet und in den Berggassen sich müde gelaufen hat, so mag er, der genussreicheren Gegenwart sich zuwendend, seine Schritte nach dem Gasthaus zum Schiffe lenken, wo das Zimmer auf den See hinaus einen herrlichen Blick über die weit ausgedehnte Wasserfläche darbietet. Sollte ihn aber an heißen Tagen etwa die Lust an wandeln, in der verlockenden Flut selbst erquickende Kühlung zu suchen, so ist ihm auch diesem Bedürfnisse Rechnung getragen, in einer erst neuerer Zeit errichteten Badeanstalt, welche ihr Entstehen zunächst der anregenden Tätigkeit des Herrn Amtmanns Speer in Meersburg verdankt.

Mir war vor meiner Abreise noch gegönnt, einen Teil der Laßberg’schen Sammlung zu sehen, welche, wahrscheinlich nur noch kurze Zeit, in den Gemächern der alten Dagobertsburg aufbewahrt sind. Durch die edle Gastfreundschaft der verwitweten Freifrau selbst wurden mir die Zimmer geöffnet, deren Wände eine Sammlung von Gemälden älterer Meister schmückt. Es war mir dies umso interessanter, da ich wusste, dass diese Kunstwerke in Bälde in meine Heimat wandern, das heißt in den Besitz Seiner Durchlaucht des Fürsten von Fürstenberg übergehen und einen ergänzenden Bestandteil der Sammlungen im Schlosse zu Hüfingen bilden würden.

Freiherr Joseph von Laßberg wurde geboren in Donaueschingen 1770. Seine Jugend fiel in eine Zeit, wo an dem kleinen fürstenbergischen Hofe alles Schöne und Veredelnde Pflege und Gunst fand. Die Anregungen, welche seine Kindheit von daher empfangen, mögen dem Jüngling und Mann wohl durch’s ganze Leben begleitet und seiner Neigung zu Literatur und bildender Kunst den Grund gelegt haben. Das Gymnasium zu Donaueschingen gab Gelegenheit zu ersten Studien, die in Straßburg und Freiburg fortgesetzt und vervollständigt wurden. Forstwissenschaft war das Fach, welchem, nach dem Beispiele des Vaters, der eines der ersten Hof-Forstämter in Donaueschingen begleitete, der Jüngling sich widmete. Bereits zu Anfang der 90er Jahre erhielt der junge Mann eine selbständige Stellung in dem Amte eines fürstlichen Oberforstmeisters zu Heiligenberg, und im Jahr 1804 wurde er zum Landesoberstforstmeister des Fürstenhauses ernannt.

Es waren die Zeiten, deren Stürmen das deutsche Reich erlag und mit dessen Auflösung Vieles im politischen Haushalte der Nation sich änderte. Die reichsfürstliche fürstenbergische Linie war mit Karl Joachim zu Grabe gegangen und das nunmehr standesherrliche Fürstentum dem erlauchten Sprössling böhmischer Linie Carl Egon zugefallen, während dessen Minderjährigkeit die Fürstin-Mutter Elisabeth, die vormundschaftliche Regierung führte. Laßberg war zum Geheimen Rat nach dem, Tode seines Vaters zum Oberjägermeister ernannt. Mit dem Aufhören der vormundschaftlichen Regierung suchte er jedoch Entlassung aus dem Dienstgeschäften, und widmete sich, in der Umgebung der hohen, durch die seltensten Herzens- und Geistesgaben ausgezeichneten Fürstin Elisabeth, ganz den Musen. Sein Mannesalter war in die Epoche gefallen, wo gleichzeitig mit dem Aufschwunge der neuen Literatur auch den Schätzen der früheren Zeit geschärfte Aufmerksamkeit zugewendet wurde. Dies konnte jedoch nicht hindern, dass bei den in bewegten Zeiten vor sich gehenden Klosteraufhebung manches Wertvolle der Kunst und Wissenschaft verschleudert, verloren oder ganz vernichtet wurde. Freiherr von Laßberg, im Besitze gründlicher Kenntnisse und auch der nötigen materiellen Mittel, hatte sich’s schon früher zur eigentlichen Lebensaufgabe gemacht, Zerstreutes zu sammeln, Verlorenes aufzusuchen, und was sich in profanen Händen befand, an sich zu bringen. So entstand nach und nach eine herrliche Sammlung von seltener Handschriften, Incunabeln und alten Malereien, wie nicht leicht ein Privatmann eine ähnliche aufzuweisen haben mochte. Der Besitzer aber war keiner jener grillenhaften Liebhaber oder pedantischen Gelehrten, welche ihre Schätze misstrauisch verschließen und möglichst unzugänglich machen; das Erworbene sollte wieder dem Leben, der Kunst und Wissenschaft zurückfließen, weshalb er um altdeutsche Literatur und Geschichte so hochverdiente Herausgeber des „Liedersaales“ sein Bestes uneigennützig seinen Freunden zu Lust und Lieb an’s Licht stellte. In Verbindung und Freundschaftsverhältnissen mit vielen Gleichgesinnten und Ähnlichstrebenden sah der gastfreie Burgherr beständig werthe Besuche von Nah und Fern bei sich. Seine geistige wie körperlich ausdauernde Gesundheit ließ den trefflichen Mann all diese glücklichen Lebensverhältnisse bis in’s höchste Alter ungeschmälert genießen. Er starb im 85. Lebensjahr, wenige Monate nach dem vielbetrauerten Hingange seines hochherzigen Fürsten und Herren, Carl Egon von Fürstenberg.

Zahlreichen Freunden aber ist die schöne Erinnerung geblieben an einen genussreichen geistigen Verkehr und manche heitere Stunden im edlen Familienkreise auf der alten Meersburg. „Da finden Sie eben mich“, schrieb von Laßberg nach dem Tode seines Sohnes, seinem Vertrauten Freunde, geistlichen Rat und Professor Fr. Carl Grieshaber in Rastatt,

da finden Sie mich mit liebem Weib und Kindern, mit weißem, schneeweißem Haupte zwar, aber mit immer grünem, warmem und fröhlichem Herzen, der von sich sagen kann:

*Ich versteh es, dem Waidwerk Zierde zu sein und dem Speer, Netzen und fliegendem Rohr.

Ach ja, fuimus Troes! Und jetzt stehe ich da, wie ein alter Baum, dem der Blitz die Krone abgeschlagen hat; denn meine Krone und mein Stolz war dieser Sohn, den mir der Himmel diesem Sommer entführt hat. (*Friedrich von Laßberg, Sohn erster Ehe, war fürstlich sigmaringscher Regierungspräsident; er starb im Jahre 1838)
In eine bessere Welt, so pflegt man zu sagen; aber auch diese wäre ihm vielleicht für viele Jahre noch gut genug gewesen, denn sie konnte ihn wohl brauchen.

Ehe wir von Meersburg schreiben, sei ein anderen verdienten Mannes gedacht. Es ist der vaterländische Geschichtsforscher und Schriftsteller Johannes Baptist Kolb, geboren in Meersburg, 1774, wo sein Vater die Stelle eines fürstbischöflichen Archivars bekleidete. Das Wenige, was ich von den Lebensumständen dieses Mannes noch erhalten, gibt Dr. Josef Bader in seinem neuesten Werke: „Meine Fahrten und Wanderungen im Heimatlande.

Das Lexicon über das Großherzogtum Baden von Kolb ist ein rühmliches Zeugnis unermüdlichen Fleißes und uneigennütziger Liebe zum Heimischen, die ihren bescheidenen Lohn meistens allein nur in den Bewusstsein findet, der Allgemeinheit einen Dienst geleistet zu haben.

Indem ich noch des Grabmals gedenke, welches die naturforschende Gesellschaft in Berlin dem in Meersburg verstorbenen Magnetiseur Dr. Mesmer, in Gestalt einer abgestumpften Pyramide auf dem Gottesacker errichten ließ, kommt mir der Vorschlag von Göthe in den Sinn, Bildnisse verdienter Mitbürger, ausgezeichneter Künstler und Gelehrter, sowie von Großen, welche den Ort durch Wohlthaten oder persönliche Gegenwart ausgezeichnet x. malen oder modellieren zu lassen und nebst dem Porträte der Landesherren in den Rathssäälen für bleibend aufzustellen. Demnach würde Meersburg das Bild von Laßberg’s, Kolb’s, nebst dem bereits vorhandenen Porträt des Bischofs Max von Roth in seiner Rathsstube der Mit- und Nachwelt aufzubewahren haben.

Möchte doch in allen Städten des Landes in diesem Sinne etwas geschehen; der Nutzen (wenn ein solcher auch nicht in der Gemeinderechnung mit Zahlen ausgedrückt werden kann) wäre kein geringer. Denn das Andenken merkwürdiger Männer regt von Zeit zu Zeit den Geist zur Betrachtungen auf, stärkt das nationale Gefühl und ermutigt auf vorgewießener Bahn Ähnliches zu erstreben.



Die Freiherren von Rodt schrieben sich bei Lucian Reich Roth.

Burg Meersburg, Eigentum und Wohnsitz von Laßberg von 1838 bis zu seinem Tode

links: von Joseph Ignaz Appiani, um 1760 das Porträt Franz Konrad von Rodt, Deckengemälde im Neuen Schloss Meersburg. Franz Konrad Kasimir Ignaz von Rodt (* 17. März 1706 in Meersburg; † 16. Oktober 1775 ebenda) war Kardinal der Römischen Kirche, Reichsfreiherr und von 1750 bis 1775 Fürstbischof von Konstanz. Wikipedia

rechts: Maximilian Christoph von Rodt, Porträt von Stephan Bildstein (ca. 1775/1780) im Neuen Schloss Meersburg. Maximilian Augustinus Christoph von Rodt (* 10. Dezember 1717 in Kehl; † 17. Januar 1800 in Meersburg) war Fürstbischof von Konstanz. Wikipedia






Den Pfingstbutz und den Pfingstritt scheint es nur noch in Wurmlingen zu geben.


Die Liste der Bischöfe von Konstanz gibt es bei Wikipedia. Lucian Reich nennt Bischof Maximilian Christoph von Rodt, „Bischof Max„. Laut der Liste ist Karl Theodor von Dahlberg nicht der 90. sondern der 99. Bischof.

Joseph von Laßberg

Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg, (geboren 10. April 1770 in Donaueschingen; gestorben 15. März 1855 in Meersburg) nannte sich selber der Meister Sepp von Eppishusen. Er war Gründer des Baarvereins und auch leidenschaftlicher Sammler. Über ihn gibt es sehr viele Geschichten und auch Kontroversen wegen seines Nachlasses.

Die Magische Säule von Peter Lenk in Meersburg

Burg Meersburg, Eigentum und Wohnsitz von Laßberg von 1838 bis zu seinem Tode

Laßberg von Peter Lenk in Meersburg

Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg

Lucian Reich hatte Glück die Sammlung von Laßberg noch in Meersburg bewundern zu können. 1855 kam die Sammlung, aber meines Wissens nicht in das Hüfinger Schloss, sondern in die FF-Sammlung nach Donaueschingen. Die umfangreiche Büchersammlung von Joseph Maria Christoph Freiherrn von Laßberg kam in die Bibliothek des Baarvereins die damals mit der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zusammen war. Ab Oktober 1999 wurden der Nachlass nachts über die Schweiz aus Donaueschingen verbracht und in verschiedenen Auktionshäusern versteigert.

Mehr dazu gibt es in den Schriften der Baar Band 48 aus dem Jahr 2005:
https://www.baarverein.de/band-48-jahrgang-2005/



Ehrbare Gesellschaft der 101 Bürger von Meersburg


Das Museumsgebäude am Karlsplatz in Donaueschingen wurde im Jahre 1865 von Fürst Karl Egon III. in Auftrag gegeben. Sein Architekt, Theodor Dibold, baute eine leerstehende ehemalige Zehntscheune am heutigen Karlsplatz für seine naturkundlichen, historischen und kunstgeschichtlichen Sammlungen um. Vermutlich stand dies in Zusammenhang mit dem Nachlaß von Laßberg.

Die F. F. Hofbibliothek Donaueschingen des Hauses Fürstenberg verfügte zusammen mit dem Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, (dessen Gründer u.a. Freiherr von Laßberg war) über bedeutende Bestände aus den Gebieten Recht, Theologie, Geologie, Regional- und Familiengeschichte und 7000 seltene Musikalien (darunter Mozarthandschriften). Dazu gehörten auch die ca. 11.000 Bände umfassende Sammlung des Gelehrten Joseph Maria Christoph Freiherrn von Laßberg. Seit Oktober 1999 wurden die Druckwerke der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen – etwa 130.000 Bände – über die Schweiz verbracht und in verschiedenen Auktionshäusern versteigert oder anderweitig auf dem Antiquariatsmarkt angeboten.

Fuimus Troes ist ein Jasper Fisher zugeschriebenes Versdrama über Julius Cäsars Einmarsch in Britannien im Jahr 55 v. Chr. Es wurde 1633 in Quarto in London veröffentlicht. Das Drama ist in Blankversen geschrieben, die mit Lyrik durchsetzt sind; Druiden, Dichter und ein Harfner werden eingeführt, und es endet mit einer Maske und einem Chor. (https://en.wikipedia.org/wiki/Fuimus_Troes)

Franz Anton Mesmer
Der große Magnetiseur

in Publikationen manchmal auch Friedrich Anton Mesmer – (* 23. Mai 1734 in Iznang; † 5. März 1815 in Meersburg) war zunächst Arzt in Wien, führte dann „magnetische“ Kuren durch und begründete den animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt. Wikipedia

Ein dreieckiger gerundeter weißer Marmorblock befindet sich auf drei Stufen aus weißem Sandstein, die sich nach oben hin verjüngen und in einem ebenfalls gerundeten, dreiseitigen Grundriss liegen. Das Grabmal wurde von der Gesellschaft der Naturforscher in Berlin gestiftet, von Bildhauer Sporer in Konstanz gestaltet, 1830 errichtet und 1902 renoviert.

Mesmer von Peter Lenk auf der Hafenmole von Meersburg

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Insel Mainau – Konstanz 2.

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier der 2. Teil vom Kapitel Konstanz

Einzelne Gewerke, wie zum Beispiel die Metzger und Gärtner, gaben den Ihrigen statt den gewöhnlichen Kundschaften große Pergamentbögen mit, auf welchen sich der wanderlustige Geselle, je nach seinem Vermögen, von einem Maler oder Schönschreiber etwas Hübsches malen ließ. Die Gärtner zum Beispiel wollten meistens den Garten ihres Lehrmeisters mit allen Gebäulichkeiten und Pflanzen darauf haben, während die Metzger schönes Vieh bestellten, nebst dem Lieblingshunde „Packan“ oder „Bläß“.

Nikolaus Hug erzählt, dass im Jahr 1797 in einer größeren Stadt des Mittelrheines ein Maler eine solche Bestellung von einem Metzger bekommen, und mit vielem Fleiß also ausgeführt habe, dass er zwischen den zierlichen Buchstaben und Worte „Wir Bürgermeister und Rath“, – Ochsen-, Kälber- und Schafsköpfe x. gemalt habe, was der Metzgerzunft ungemein, dem Rat hingegen so sehr missfallen habe, dass der arme Künstler zu einer Abbitte und Vernichtung des Lehrbriefes sich habe bequemen müssen.

Ein recht lustiges Leben führten auch die Studenten auf den Vakanzreisen. Mit ihren Zeugnissen und langen Degen an der Seite besuchten sie die Landpriester und wohlhabenden Bürger aller Orten. In jedem Kloster ward ihnen Herberge gegeben auf 6 bis 8 Tage und Essen und Trinken im Überfluss. Manche arme Schlucker brachte von einer vierwöchigen Vakanzreise 20 bis 30 Gulden bares Geld nach Hause. In der Stadt gab man armen Studenten bei Prozessionisten gerne Kostage, wofür sie dem Hausherrn, der im Schreiben und Rechnen entweder gar nicht oder schlecht unterrichtet war, die Hausbücher und Rechnungen in Ordnung halten mußten.

Eine eigentümliche Klasse von Menschen bildeten die Waldbrüder oder Eremiten, welche auf Kirchhöfen, bei Kapellen oder in Wäldern ihre Klausen hatten. Sie zeigten sich im Äußeren als sehr fromme Leute, welche in den Kirchen die Priester bedienten, dem Mesner bei Verzierung der Altäre halfen und mit dem Volke zu verschiedenen Zeiten in ihren Kirchlein Betstunde abhielten. Ein solcher Klausner befand sich noch zu Ende des vorigen Säkulums auf dem Schottenkirchhofe in Konstanz. Seine Zelle war mit passenden Symbolen und Versen geziert, zum Beispiel

Wahre Tränen, wahre Buß,
Waschen ab dem Sündenruß.“

Trotz solch frommer Äußerungen scheuten übrigens manche dieser wunderlichen Heiligen ein bisschen „Ruß“ nicht, wenn es darauf ankam, sich ein Bene zu tun.

Zu gleicher Zeit gab es auch Schwärme von Bettlern und abgedankten gardenden Soldaten mit Frauen, Kindern und kleinen Fuhrwerken. Sie zogen von einem Pfarrsprengel zum anderen und besuchten die Kirchweihen. In Konstanz hatten diese Bettler eine eigene Zunftordnung unter sich aufgeteilt. Starb ein alter Mann oder ein altes Weib, so rückte die jeweils ältere Person um einen Platz näher an die Kirchentüre, und durch die ganze Armee fand das gleiche Avancement statt.

An der Straße nach Kreuzlingen konnte man an schönen Sonntagen ganze Bettlerfamilien gelagert erblicken. Hier seufzte einer wegen Krankheit, dort schrie ein anderer seiner brennenden Wunden wegen, alle so erbärmlich wie möglich, um einen Almosen von den Vorübergehenden zu erhalten. Kam der Abend und die traurige Nacht, so hörten die Schmerzen auf; man zog in verschiedene Schenken und Herbergen und verzehrte erheiterten Gemüts, das erbettelte Geld.

Viele Bewohner des an der Straße nach Loretto gelegenen Siechenhauses, (errichtet vom Bischof Hermann III, aus dem Geschlechte von Breitenlandenberg), hatten das Recht, am Neujahrstag die Straßen der Stadt zu durchziehen. Sie sangen geistliche Lieder und führten einen Wagen mit sich zur Fortschaffung des reichen Almosens, was ihnen von mitleidigen Einwohnern gespendet wurde.

Ein anderer anmutiger Brauch war das öffentliche Singen vom Weihnachtsabend bis zur Feste der Heiligen Drei Könige. Am Weihnachtsabend setzten sich Banden alter und junger, oft seltsam verkleideter Leute in Bewegung, um vor denjenigen Häuser der Stadt zu singen, aus welchen sie bereitwillige Spenden erwarten durften. Man sang meist Lieder von der Geburt und dem Leben Jesu. Oft mit sehr schönen Klang reichen Stimmen. Hin und wieder hörte man aber auch ein Kriegs- oder Liebeslied.

War man den nächtlichen Sängern gewogen, so wickelte man die Geldspende in ein langes Papier, zündete es an und warf es zum Fenster hinaus der Bande zu. Ließ aber der flammende Dank allzulange auf sich warten, so rief man in geduldigen Tone:

Wenn ihr üs ge wend,
So gend ü’s bald,
Denn uf den Gaßen ist es kalt.“

Noch im Jahr 1792 war es in Augsburg Sitte, dass an jedem Samstag arme Studenten mit Mänteln angethan, vor jedem Hause, wo sie Wohltaten empfingen, ein deutsches Lied sangen oder ein Vaterunser beteten.

Am heiligen Dreikönigstage stand das bekannte Herumgehen der drei Könige mit dem Sterne statt. Unser Berichterstatter gibt in seinem Nachlass eine Probe von einem Liede, welches an diesem Tage in Konstanz von den verkleideten Weisen gewöhnlich gesungen wurde.

Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern,
Sie suchten den Herrn und sähen ihn gern.
Sie kommen vor’s König’s Herodeßen Haus,
Herodes, der schaue zum Fenster heraus.
Herodes, der sprach mit. Falschem Verdacht:
Warum ist nur der Hintere so schwarz?“
Er ist nicht schwarz, er ist ganz weiß;
Wir suchen Ihn mit ganzem Fleiß.
Zu Nacht sind wir den Berg gegangen.
Dann ist der Stern wohl aufgestanden.
Der Sternen rückt fort, wir folgen ihm nach,
Bis wir zusammen nach Bethlehem kamen ;
Nach Bethlehem in die heilige Stadt,
Wo Jesus Christkindlein die Liegestatt hat.
Wir fallen ihm alle drei zu Füßen
Zum Opfer Ihm schenken wir Gold,
Weihrauch und Myrren.
Dies war das liebste Jesulein.“

Allgemein war auch in der Seegegend das Johannisfeuer. Vom Hafendamme aus konnte man am Abend des Johannistages weithin im Schwäbischen und benachbarten Schweizerlande die Feuer lodern sehen, und noch heute ist dieser Brauch nicht ganz erloschen. In Konstanz aber hört diese alte Sitte auf mit dem Jahre 1805, allwo ein junges Mädchen bei dem üblichen Sprung über das Feuer in die Flammen fiel und sich stark beschädigte. Die Stadtbehörde, welche das Feuermachen in den Gassen ohnehin ungerne sehen mochte, verbot die Abhaltung des Brauchs.

Zu jener Zeit hatte auch an jeder Bürger das altershergekommene Recht, seine selbst gepflanzten Wein öffentlich auszuschenken. Die Verkündigung solcher Schenkeröffnungen geschah durch einen alten Mann mit halb weißen, halb rotem Mantel. Am Sonntagmorgen, nach beendigten Gottesdienste, geschahen die Ausrufungen mittels der Schelle. Es konnte geschehen, dass 12 bis 14 Schankwirte und Weinsorten auf einmal ausgerufen wurden, was dem Aussteller ebenso viel Maßwein und Kreuzer eintrug.

Bei All‘ dem waren die öffentlichen Verkehrsanstalten, den in unserer Zeit fast übergroße Sorgfalt zugewendet wird, in sehr mangelhaften Zustande. Noch in den 80er Jahren des letzten verflossenen Jahrhunderts finden wir im ganzen Lande über kleinere Flüsse keine Brücken. Fuhrwerke und Reisende wurden auf kleinen Fähren übergesetzt. Förmliche Straßen bestanden nur zwischen den bedeutenden Orten, und da waren sie meist so schmal, dass die Pferde eines hinter dem anderen mußten eingespannt werden. Ganz besonders schwierig war das Fortkommen auf schweizerischem Boden. Bis zum Jahr 1776 zum Beispiel mussten die Reisenden auf der stark begangenen Straße zwischen Pfyn und Frauenfeld nach Frankreich, auf Flößen oder flachen Schiffen über den reißenden Thurfluss setzen. War dieser von Gewitterregen oder geschmolzenem Schnee hoch angeschwollen, so mussten die Wanderer eben Geduld haben, bis das Element sich etwas verlaufen hatte. Natürlich, dass auch das Post und Botenwesen dem Zustande der Wege entsprach.

In gedachter Zeit befand sich in Konstanz die Post auf dem oberen Markte, unter den Bögen des jetzigen Leo’schen Kaffeehauses. Ein alter Herr Namens Radergast besorgte gemächlich und ohne Gehilfen das Geschäft. Die Postkutsche fuhr etwa zweimal in der Woche nach Radolfzell. Nach der Schweiz aber gingen bis zum Jahr 1780 noch keine Fahrposten. Erst von da an wurden solche dort eingerichtet und mit der Reichspost in Verbindung gebracht. Die ersten Wagen hatten Raum für vier Personen. Die Kasten ruhten hinten auf hölzernen Eisen beschlagenen Federn und hingen in Ketten, während sie vorne unmittelbar auf der Achse auflagen. Da mochte, zumal auf dem holprigen Straßen, dem Fahrenden das einlullende Schläfchen wohl verscheucht worden sein.

Alle Postillone von der Reichsseite kamen zu Pferde. Die Briefe hatten sie in ledernen Beuteln rückwärts am Sattel festgeschnallt; die Postionen aber von Überlingen, Meersburg u.s.w. trugen kleinere lederne Brieffelleisen auf dem Rücken. Mit noch weniger Umständlichkeit betrieben die Eidgenossen das Geschäft. Von Luzern kam wöchentlich einmal ein Bote zu Fuß mit einem Tragkorb, worin die Korrespondenz sich befand. Von Weil aber brachte, patriarchalischer Sitte gemäß, eine Frau mit einem Esel, das ihr anvertraute, nach Konstanz und von da zurück.

Zwischen vielen schwäbischen und schweizer Orten und Konstanz bestand gar keine regelmässige Verbindung; man konnte von dort nichts erhalten und folglich auch nichts dahin versenden. Der Briefwechsel überhaupt ma damals ein sehr geringer gewesen sein. So genügte zum Beispiel vor 50 Jahren noch eine einzige Person, in Konstanz die Poststücke auszutragen. Es war eine alte Jungfer namens Sidonia, welche mit einem Körblein am Arme die Briefe in der Stadt umher trug; als sie alt und schwach geworden, überließ sie das Geschäft einer Base.

Regelmässige Botenfuhren für Frachtstücke kamen erst im Mitte des vorigen Jahrhunderts auf. Später verband man auch Fahrgelegenheiten für Reisende damit, jedoch nur für solche Passagiere, welche eine allzu große Eile hatten, indem die Reisewagen einfach hinten an den Güterwagen angehängt wurden.

Kutschen gab es dazumal noch wenige. Ums Jahr 1787 zählte man in Konstanz nicht mehr als zehn Kutschen, wovon zwei der Stadtgemeinde, eben so viele zweien vermöglichen Bürgern und die übrigen dem Bischof und dem Domherren gehörten.

Mustern wir Kleidung und Tracht unserer Altvorderen, so finden wir bei ihnen weniger Modewechsel, aber dafür mehr Solidität in den Stoffen. Sonntags (im Winter) ging der reichere Stadtbürger nie anders als im silberbordierten dunkelblauen Mantel; der Patrizier hatte solchen von Scharlach mit Goldborten auf dem Kragen, und als Auszeichnung den Degen, der übrigens auch dem Künstler, Beamten und wohlhabenden Kaufmanne zustand. Vermögliche Prozessionisten pflegten, ihres Handwerks goldenen Boden in massivem silbernen Rock- und Westenknöpfen zur Schau zu tragen, während vor nicht minder kostbarem Metalle die Schuh- und. Hosenschnallen, Uhrgehänge und Anderes sein mussten. Statt unseren leichten Modezeugen sah man an den Frauen fein tuchene, mit echten Silberborten besetzte Kleider, dazu die schmucke Goldhaube. Beim Kirchgang fehlte nicht das silber beschlagene Gebetbuch von kunstreicher Arbeit und der Rosenkranz von Bernstein oder Korallen mit Denk- und Schaumünzen behangen.

Die Erben bekamen damals wertvolle Hinterlassenschaften, während ihnen heute meist wertloser Modekram und verbrauchte Fetzen teil werden.

Manche, uns beinahe unentbehrliche Gerätschaften dagegen, waren dazumal noch selten oder gar nicht im bürgerlichen Hauswesen anzutreffen. Regenschirme zum Beispiel sah man nur bei Vermöglichen. Sie bestanden aus dunkelfarbiger, mit großen Blumen gezierter Wachsleinwand. Die gemeinen Bürger- und Bauernweiber aber behalfen sich bei regnerischer Witterung damit, dass sie einen Teil ihrer Obergewänder über das bedrohte Haupt zogen, wie in unseren Tagen noch auf dem Lande zu sehen.

Vom Gebrauche der Spiegel wußten unsere Landsleute ebenfalls noch wenig. Sie wendeten sich einfach an das bekannte Element, in welchem schon im frühesten Altertum Narciß seine jugendliches Bild erschaute. Samstagabends nämlich stellten die ländlichen Schönen eine Velte voll Wasser in ihre Kammer, worin sie, nach dem Ankleiden ehe sie nur zur Kirche gingen, noch einmal sich bespiegelten, ob Alles in gehöriger Ordnung sei. Also einfach waren die Sitten und Zustände der s. g. guten Zeit. Aus ihren Trümmern erwuchs in raschem Wechsel das Neue, welches zu beschreiben den Nachkömmlingen überlassen bleiben mag.

Nebst den mannigfachen Umgestaltungen der Josephinischen Zeit überhaupt, war unser Konstanz die Ansiedelung der genannten Genferkolonie von großem Einfluss. So wie alles kommende Neue Bewegung und Leben in das vorhandene Alte bringt, so wirkte auch dieses Ereignis anregend auf die Zustände der altbürgerlichen Stadt. In Folge der Ankunft so vieler tätigen und vermöglichen Fremden fing man an, die modernden Kehrichtwinkel in den Gassen zu säubern, die von Wurme zerfressenen Ingebäude der (zur Hälfte leerstehenden) Häuser auszubessern und bequemere Wohnungen darin einzurichten. Alle Handwerksleute, die gute Arbeit zu liefern vermochten, bekamen zu tun. Tagelöhner, welche früher von Almosen und Klostersuppen sich genährt, griffen ermutigt zur Arbeit. Zwischen den Neugekommenen und den ursprünglichen Bürgern bestand das freundlichste Verhältnis; die jüngeren Einheimischen lernten bald Französisch und die Genfer, wenn auch etwas langsamer, Deutsch. Mit jedem Jahr hob sich der Wohlstand.

Die Genferknaben, meist lustigen Blut, besuchten die Schule in Zofingen, so auch die Mädchen. In Religionssachen huldigte man einer gewissen Toleranz. Die Mädchen der protestantischen Genferfamilien nahmen am katholischen Religionsunterricht teil.; es hieß, sie könnten ja größer und urteilsfähiger geworden, selbst sich das Bessere wählen.

Erst nach mehreren Jahren kam ein Genfer protestantischer Geistlicher mit Familie nach Konstanz, und bereitwillig wurde ihm ein Lokal zur Abhandlung des Gottesdienstes eingeräumt.

Im ganzen bestand die Kolonie aus etwa 500 Köpfen. Dem Gewerbe- und Fabriktreibenden ward vom Kaiser 20-jährige Steuer und Militärfreiheit bewilligt. Wie schon bemerkt, bekam die Familie Macaire, zur Errichtung einer Indienne- und Cotonfabrik, die Dominikanerinsel unentgeltlich. Bei dem Einzuge hatte Jakob Macaire, wie Hug erzählt, ein sonderbares Mißgeschick. Als der erste schwer beladene Güterwagen über die Brücke zum Kloster fuhr, brach dieselbe unter der Last zusammen, und Pferde und Wagen stürzten stark beschädigt in den Wassergraben. Die vertriebenen Klostermönche und ihre Anhänger aber frohlockten und wollten eine höhere Fügung darin erkennen. So natürlich es auch war, dass die nur zu Brotfrüchten und Weinfuhren hergerichtete Brücke unter der ungewöhnlichen, übermäßigen Last einbrechen müßte. Bis auf den heutigen Tag wird dies Fabrikgeschäft mit gutem Erfolg betrieben.

Andere von den eingewanderten angefangenen Industriezweige, wie zum Beispiel die Sackuhren und Goldwarenfabrikation sind jedoch wiederum in Abgang gekommen. Um der ersteren aufzuhelfen, ward die zollfreie Einfuhr von 20 ,000 Stück Sackuhren während acht Jahren in die österreichischen Staaten gestattet. Da aber die Fabrik weit mehr zu liefern imstande war, so wurde der Überschuss im Orient verschlossen.

Am Schluss des genannten Jahrhunderts war Konstanz zum andern Mal Zeuge einer Einwanderung. Das große Ereignis der Französischen Revolution scheuchte, wie bekannt, eine Menge Priester und Mönche, welche der neuen gebietenden Macht den Eid nicht leisten wollten, über den Rhein. Unser Gewährsmann schildert sie der Mehrzahl nach als sehr unwissend. Nebst einer Menge der niederen Geistlichkeit waren auch sehr viele höhere Würdenträger der Kirche nach Konstanz gekommen. Die Fronleichnamsprozession 1793 gewährte daher das ungewöhnliche Schauspiel, dass 13 französische Bischöfe, darunter drei Erzbischöfe und nebst diesen der Malteserfürst von Heitersheim zu sehen waren.

Zu Betrachtungen entgegengesetzter Art gaben über rheinische Emigranten im Jahre 1814 Veranlassung. Es waren ehemalige Nationaldeputierte, welche zum Tode König Ludwigs des XIV.. gestimmt hatten und nach Wiederherstellung des Königsthrones aus Frankreich fliehen mussten. Der eine war, der Erdeputierte für Corrèze, Prival, welcher bei Erblickung des Blutgerüstes für den König, in der Voraussetzung, das Volk könne das Schauspiel nicht bequem genug sehen, ausgerufen haben soll. Es ist zu nieder! – Dieser Mann wurde später in Konstanz wahnsinnig, und wo er vor einem Hause eine Treppe erblickte, sprang er heftig hinauf und herunter. Die Stufen zum königlichen Blutgerüste standen immer noch vor seinen wirren Sinnen. Ein zweiter Monnel mit Namen (aus dem Departement Marne) stellte kurz vor seinem Tode in Konstanz eine öffentliche Urkunde aus, worin er seine Reue bezeugte, zum Tode des unglücklichen Königs gestimmt zu haben. – Der dritte Dübois Bellegarde, Deputierter für Charente, wird als roh und religionslos geschildert; er rühmte sich vieler Mordtaten, aß wie ein Schwein faules Fleisch und Fische, spottete über Gott und den Teufel – und fürchtete sich bei seinem Ende doch vor demselben. – Ein vierter, für das Departement Eher, La Brunerie, zeigte sich als ein braver Mann, der oft seinen Kummer aussprach, zum Tode seines Königs gestimmt zu haben. – Alle diese Männer starben während der 20er Jahre.

Bei der Wanderung durch die Stadt lenken wir billig unsere Blicke zuerst auf die altehrwürdige Domkirche. – Wie alte Berichte sagen, rührt ihre ursprüngliche Anlage vom Bischof Rumoald (1052) her. Nach anderen jedoch wäre schon früher, im Jahre 950, zurzeit Konrads des Heiligen, der Grundstein gelegt worden, und Rumoald habe nur die Einweihung des fertigen Baues vollzogen. Die 16 massiven steinernen Säulen im Inneren der Kirche sollen, nach einer Sage, unter Konrad, dem Heiligen gesetzt worden sein. Diese Säulen nebst den übrigen Bausteinen kamen aus einem Steinbruche beim Schlosse Bodman.

Die ursprüngliche Form des Ganzen ist die des Kreuzes, wozu spätere Jahrhunderte, bauend und verändernd, das Ihrige hierzu getan haben. – In früheren Zeiten hatte der Bau zwei Türme. Im Jahr 1497, am 18. April, wurde ein dritter, der „Mittel neue Münsterthurm“ zu bauen angefangen. Das Fundament dazu war drei Mann tief, weshalb etliche Steine von den anderen Türmen abrissen und beinahe fünf Knechte erschlagen hätten. Bischof Hugo (von Hohenladenberg) legte den ersten Stein durch seinen Hofmeister Walther von Hallweil. Zu gleicher Zeit waren die großen Glocken gegossen worden.

Aber die Herrlichkeit dauerte nur kurze Zeit; eine Feuersbrunst ruinierte im Jahr 1511 alle drei Türme samt den Glocken. – Zwei Dachdecker hatten am Kirchendach etwas auszubessern, dem einen entfiel der glühende Löthkolben und entzündete einen unter dem Gebälk liegenden Haufen Hobelspäne. Der Dachstuhl geriet in Flammen, welche bald riesig hoch die Türme umloderten, so zwar, dass die bleigedeckten Helme derselben mit den Glocken schmolzen, und das flüssige Metall herab träufelte wie ein Regen. Drei Tage schwebte dadurch die Stadt in Feuersgefahr, die beiden unseligen Dachdecker aber hatten ihr Heil in der Flucht gesucht.

Nach diesem Ruin ließ das Domkapitel die Werkmeister der benachbarten Städte Freiburg im Breisgau, Straßburg, Zürich, Überlingen, Neuhausen und Salmansweiler nach Konstanz berufen, um von ihnen zu hören, was zu tun sei. Die Meister gaben den Rat, das vom Brande ganz ruinierte Mauerwerk der Türme bis auf weniges abzutragen und mit verzierten Kuppeln oder Helmen zu versehen, in derselben Gestalt, wie das Bauwerk noch bis auf unsere Zeit gekommen ist.

Papst Pius III hatte allen Denen, die einen Beitrag. Zum Bau leisten, würden, einen Ablass verheißen. Nach Braunegger soll ein Amann von Rorschach unentgeltlich die Steine geliefert, und Kaiser Maximilian auf Bitte des Bischofs, Metall zum Gruße neuer Glocken, so wie zur Deckung der Türme gegeben haben.

Nachdem der ganze aus grünlichen Sandstein ausgeführte Bau im Laufe mehrerer Jahrhunderte sehr in Zerfall geraten war, wurde im Jahre 1847 unter Großherzog Leopolds landesväterlicher Regierung, zu einem großartigen Ausbau und einer Reparatur aller schadhaften Teile geschritten. Nach einem Plane von Herr Baudirektor Heinrich Hübsch, (ausgeführt von Architekt Leonhard und Bildhauer Lucas Ahorn), sehen wir jetzt die mittlere Pyramide 50 Fuß hoch den alten Dom überragen und bis in weite Ferne den See und seine herrlichen Ufer beherrschen. Von den drei Statuen, welche über das Hauptportal zu stehen kommen, ist die mittlere, die heilige Jungfrau mit dem Kinde als Kirchenheilige, gefertigt vom Bildhauer Xaver Reich, bereits aufgestellt. Die beiden Nebenfiguren, der heilige Pelagius Stadtpatron und der heilige Konrad, des Sprengels Schirmherr, werden von dem Konstanzer Bildhauer Bauer ausgeführt.

Beim Anblick der Vorhalle und des Inneren der Kirche wird der Mangel alter Skulpturen auffällig, zumal wenn wir bedenken, dass die alten Baumeister in wohlverstandenen Kunstinteresse nicht wohl ein öffentliches Gebäude herstellten, ohne Mitwirkung der Maler und Bildhauer. – Um diese Erscheinung vorliegenden Falles zu erklären, erinnern wir an die Zeiten der reformatorischen Umwälzungen, wo auch in Konstanz alle Bildnisse als anstößig entfernt oder zertrümmert wurden. Unser Gewährsmann erzählt, dass deshalb (sowie überhaupt wegen der Vorfälle zur Reformationszeit) Bischof Balthasar Mercklin sich beschwerend an den Kaiser gewendet und dieser die Bürgerschaft in eine Strafe von 100.000 fl. verfällt habe, wovon jedoch, nach längerem Unterhandeln, nur 20.000 fl. erlegt werden durften.

Trotz diesen Zerstörungen ist noch viel Herrliches von alter Kunst im Dome übrig geblieben. Gleich beim Eintritt erregen die in Eichenholz geschnitzten Türen des Portals unsere Aufmerksamkeit. Sie enthalten in 20 Feldern Reliefs, welche Momente aus dem Leben Christi darstellen. Die Inschrift nennt Simon Baider als den Fertiger (1470).

Von ungleich mehr künstlerischem Werthe sind jedoch die mittelalterlichen Domherren Stühle im Chor des Mittelschiffs. Es war die Aufgabe des Künstlers, drei übereinanderstehende Reihen von hölzernen Sitzen (72 an der Zahl) würdig und sinnreich zu schmücken. Wir sehen deshalb (sehr ähnlich der meist bild- und phantasievollen Gotik unserer Zeit) eine Menge Bildwerke der trefflichsten Erfindung, mit den architektonischen Teil organisch verbunden. Alles, was in der Seele des Künstlers von Gemüt, Phantasie und originellem Humor lebte und webte, erscheint darin wieder gegeben: Die Urängste des Menschengeschlechts, die Verheißung und Erlösungsgeschichte, Legenden, Allegorien und Gestalten aus dem wirklichen Leben.

Von ganz köstlicher Erfindung sind unter anderem die Consolchen auf der Kehrseite der beweglichen Spitzbretter. Gewiss würde es lohnend sein, diese zierlichen Kunstwerke abzuformen und zu vervielfältigen. Bedauerlich ist hierbei allerdings der Anstrich von dicker Ölfarbe, welcher wahrscheinlich im vorigen Jahrhundert dem Ganzen gegeben wurde. – Der Name des Meisters findet sich nirgends verzeichnet. Allem nach aber fällt die treffliche Arbeit in das letzte Viertel des 15. oder in den Anfang des folgenden Jahrhunderts.

Nicht minder schätzbare Skulpturen sind die Bischofsgrabmäler in einigen Seitenkapellen. Sämtliche Monumente sind nach gewohnter Darstellungsweise des Mittelalters auf Särgen liegend, Porträtgestalten, im Kostüm bis ins einzelne ein charakterisches Bild ihrer Zeit, aber groß in der Auffassung und durchaus edlen Stils.

Eigenschaften, welche diesen Denkmälern fern von allem akademisch römernden Pomp und Konventionellidealen, nebst großem Kunstwerk, wahrhaft historischen Gehalt geben. – Wenn da und dort noch schulweise Bedenken entstehen möchten, ob dem Plastiker erlaubt sei, bei Porträtgestalten der Neuzeit das herrschende Kostüm anzuwenden, so lehren uns die vernünftigen Alten ganz einfach das Rechte. Eines der interessantesten dieser Monumente ist das Grabmal des Bischofs Otto dem dritten eines badischen Markgrafen von Hachberg und Röteln, in der mit alten Glasmalereien gezierten, (von Otto erbauten) Margarethenkapelle. Über dem Grabmal erblicken wir in einer Nische ein gleichzeitiges, leider aber stark beschädigtes Freskobild, Christus am Kreuz mit den knienden Gestalten des Bischofs und eines Ritters, wahrscheinlich eines Bruders des ersteren. Otto’s III kirchliches Regiment fällt in die Zeit der großen Kirchenversammlungen; er war einer der gelehrten Männer seiner Zeit und äußerst kunstliebend, nach Schulthaiß besaß er eine ansehnliche Bibliothek und wohl für 3000 fl. silberne Heiligenfiguren, welche letzterere, nach seiner Abtretung des Bisthums an Heinrich von Zollern, das Domkapitel erkaufte und zwei Tafeln daraus machen ließ. Nach seiner Abdankung zog er nach Schaffhausen in das Kloster, kehrte aber bald wieder nach Konstanz zurück, wo er 1437 starb.

Aus dem Chor der linken Seite führen Stufen abwärts in die Kapelle des heiligen Konrad. Neben dem Altar befindet sich ein Sarg ohne Inschrift und auf dessen Deckel, wie angenommen wird, das Bild des Bischofs. – Diesem nach wäre Konrad der Heilige schlanken Wuchs gewesen; das längliche Gesicht ist von einem schwachen Barte eingefaßt, ein Zug von Wohlwollen und Humanität schwebt um das wohlgebildete Antlitz.

Von dieser Kapelle kommt man in die unterirdische Krypta, ohne Zweifel der älteste Teil der Kirche. Aus ihr zurückkehrend, beschreiten wir den Kreuzgang an der nördlichen Seite des Doms, wo sich in einer eigene Kapelle das Grabmal des im Jahre 1398 verstorbenen Bischofs Burckard von Höwen befindet. Weiter gegen Osten führt eine Pforte in die Kapelle des Heiligen Grabes. Bischof Konrad der Heilige, soll sie erbaut haben. Das steinerne Grabgebäude in Mitte der düsteren Kapelle wurde ehedem in der Karwoche abends von vielen 100 Lampen festlich erleuchtet. Die Figuren im Innern des Grabhauses sind sehr alt und geben uns wahrheitsgetreu Trachten der Johanniter oder Spitalbrüder aus den Zeiten der ersten Kreuzzüge.

Verzichtend jedoch auf eine Beschreibung aller Sehenswürdigkeiten, wollen wir noch einige Arbeiten älterer Konstanzer Meister erwähnen. Eine detaillierte Beschreibung des Doms gibt das Schriftchen: „Führer durch die Münsterkirche in Konstanz bei Stadler 1853.“ Ebenso das fragmentarische Werk von Josua Eifelein, „Geschichte der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung. Konstanz, bei W.Meck“.

Im Langhause rückwärts um das große Portal befindet sich ein großes allegorisches Ölgemälde, ein Denkmal für den Canonicus Georg Müller. Es ist das nicht unverdienliche Werk Christoph Storer’s, welcher in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Konstanz lebte. – Bei seinem Vater Lucas erlernte er die Anfangsgründe der Kunst, und bildete sich in der Werkstätte des damals berühmten Malers Herkules Proccacini in Mailand weiter aus. Als praktischer Meister malte er mehrere Bilder für die Kirchen zu Mailand und die Kartause in Pavia. Der junge Mann liebte eine schöne Mailänder, Angelica Phamphora, welche im Jahr 1652 seine Gattin wurde, nachdem die Jungfrau seinem Wunsche gemäß in Konstanz als Bürgerin aufgenommen war. Kurze Zeit nachher ehrte ihn die Vaterstadt durch die Ernennung zum Mitgliede des inneren Rates. Sein Ende fällt in das Jahr 1671. Auf dem Schottenkirchhof in Konstanz ist sein Grab –

Von einem anderen Konstanzer, Ludwig Herrmann, sehen wir auf der linken Seite in zwei Kapellen Altarbilder, jedoch von untergeordneten Wert; das eine die für Marter des Apostels Bartholomä, das andere die Weisen aus dem Morgenland, (gemalt 1750)*
* Ein Sohn Herrmann’s verzierte unter Anderem die Narrenstube, worin die Konstanzer Fasnachtsgesellschaft ihre Versammlungen hielt, mit Arabesken und Masken komischen Genres, welche Arbeit viel Beifall fand.

Einheimische Bildhauer, die für den Dom arbeiten, werden außer dem erwähnten Simon Baider nur die Gebrüder Schenk mit gewiss angeben. Das zwölf hohe Kruzifix im linken Seitenchor soll von ihnen sein. Die beiden lebten zurzeit des 30-jährigen Krieges. – Ungleich besser, als die genannte Arbeit, ist ein steinernes Grabmal: die sterbende Maria von den Aposteln umgeben, im linken Seitenchor. Von besonderer Zartheit erscheint die Hauptfigur. Dieses Werk soll nach Braunecker, der Bildhauer Waldmann dem Andenken seiner geliebten, früh verstorbenen Tochter Sabina zum Gedächtnis errichtet haben.

Auf der südlichen Seite des Domes mit demselben verbunden, stand ehedem die bischöfliche Pfalz, erbaut von Bischof Salomo III im Jahr 891. Bischof Otto III ließ das Bauwerk, „das vorher ein altes, liebloses Ding war“, erneuern und zum würdigen Empfang des Papstes und des Kaisers, kurz vor dem Konzil herrlich restaurieren und ausschmücken. Der kunstsinnige Herr gab den Wänden des großen Saales ein eichenholzenes Getäfel von künstlichem Schnitzwerk mit dem Wappen der damaligen Domherren; an den Säulen, welche die Decke trugen, sah man die Wappen des Papstes und des Kaisers, sowie das des Hochstifts und des hachbergischen Geschlechts; der obere Stock enthielt Wandgemälde von demselben Meister, der den herrlichen alten Saal im alten Kloster zu Stein am Rhein gemalt hat.

Bis zur Reformation war die Pfalz von 52 Bischöfen bewohnt. Hugo von Landenberg, ums Jahr 1527 Bischof, verlegte die Residenz nach Meersburg, wo nach ihm alle Bischöfe residierten.

Im 19. Jahrhundert befanden sich in der verlassenen Pfalz nur noch wenige bewohnbare Zimmer. Alle übrigen waren ohne Fenster und Verschluss; das Ganze gewährte den Anblick einer halb zerfallenen Ruine. Im Jahre 1830 wurde der Bau niedergerissen – und ein f. g. Museum an dessen Stelle gebaut.

Ein schönes wohlerhaltenes Baudenkmal des Mittelalters ist die Pfarrkirche St Stephan. Bischof Salomo III aus dem alten Grafengeschlechte von Ramschwag wird als ihr Erbauer genannt. Vor dem Jahr 900 befand sich diese Kirche noch außerhalb der Stadtmauern und kam erst bei der dritten Erweiterung, um 919 innerhalb derselben zu stehen. Der mehrerwähnte Bischof Otto III renovierte den alten Bau von Grund aus und zierte seine Fenster mit herrlichen Glasgemälden, von welchen noch Reste vorhanden sind. Zur Zeit der Reformation hatte die Kirche, wie alle übrigen das traurige Loos durch Beschluss des übelberatenden Stadtrates (1529) all ihres Schmuckes an Bildsäulen, Grabmäler und Gemälde beraubt zu werden. – Erst nach 100 oder mehr Jahren konnte sie durch milde Beiträge wieder verschönert und zur Pfarrkirche erhoben werden.

Der Hochaltar enthält ein Gemälde, die Weisen aus dem Morgenlande, von dem Konstanzer Meister Philipp Memberger. Das Leben dieses Künstler fiel in die Zeit der vorerwähnten Bilderstürmerei. Als der gute Mann so viel Herrliches der Kunst, welcher sein ganzes Leben geweiht war, in Staub sinken sah, ergriff ihn Unwille und Schmerz, und er lieferte in heftigen Reden gegen den Stadtrat und die fanatischen Predikanten. Da ließen ihn die Stadtverordneten ins Gefängnis werfen, aus dem er erst nach langer Zeit, als die Spanier im Jahr 1548 die Stadt besetzten, wiederum befreit wurde. Nach diesem Umschwung der Dinge malte der misshandelte Künstler das oben genannte Bild.

Von einem anderen einheimischen Künstler des 17. Jahrhunderts, dem bekannten Bildhauer Hans Morink, sehen wir in der Kirche einige Reliefs; ebenso Altarbilder von den Malern Christoph Storer und Ludwig Herrmann.

Eine dritte Pfarrkirche ist die Spitalkirche in dem ehemaligen Augustinerkloster, ihr Hauptschmuck ist ein schönes Altargemälde von der rühmlich bekannten Konstanzer Malerin Maria Ellenrieder.

Ein sehr interessanter Bau ist die alte Stadtkanzlei; sie scheint von einem Italiener erbaut zu sein; der Charakter ihrer Fassade und des äußerst malerischen Hofes erinnern an venezianische Bauwerke.

Bereitwillig werden dem Fremden die wertvollen Dokumente alter Zeit gezeigt, welche das städtische Archiv enthält: darunter die bildreiche Chronik von Ulrich von Richenthal (aus der Zeit des Konzils), die handschriftlichen Sammlungen von Schulthaiß (aus dem 16. Jahrhundert), Zündele, Mangold und Braunecker. Auch einige Glasgemälde von lokalem Interesse sind (durch die Vorlage der Herren Dr. Stanz und Stadtrechner Molitor) dem Verderben früherer geringschätzender Zeiten entronnen. Die Kunst der Glasmalerei war von alters her in Konstanz heimisch. Beinahe alle öffentlichen Gebäude prangten in diesem herrlichen Schmucke. Namentlich reich ausgestattet war die Schießstazt, in welcher alle Gänge und Stuben mit den Wappen von vielen 100 der ältesten Schützen geziert waren. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts jedoch finden sich Namen der Künstler angegeben. Die Glieder der Familie Sprengler übten diese Kunst über zwei Jahrhunderte lang in Konstanz. Das Altertumskabinett des Herrn Nikolaus Vincent in dem großen Saale auf dem Münster Kreuzgang enthält viele Arbeiten von ihnen.

Das Beste aber, was dem Freunde des Schönen in Konstanz werden kann, ist ein Besuch der vorzüglichen Sammlung von Kunstwerken im Hause des verehrten Freiherrn v. Wessenberg. Sowohl bei den Ölgemälden als Kupferstichen gibt sich der fein gediegene Sinn und Geschmack des edlen Besitzers kund. Eine außerordentliche bändereiche Bibliothek schließt sich würdig diesen bildlichen Schätzen an, die mit Liberalität jedem Fremden gezeigt werden.

Unter den Gebäuden, welche noch unverändert aus dem Mittelalter in die Neuzeit hereinragen, zeichnet sich vor allem das Haus zur Katze aus, der ehemalige Versammlungsort der adligen Geschlechter. Der wahrhaft ritterliche Bau enthält einen geräumigen, wohlerhaltenen Saal.

Ein anderes öffentliches Gebäude aus dem 15. Jahrhundert dagegen mußte sich eine Umwandlung ins fahle Moderne gefallen lassen: das Rathaus am Fischmarkt, im Besitze eines Privatmanns. Die schöne alte Portalverzierung ist ihm geblieben; sie ist eine Arbeit des Konstanzer Meisters Ulrich Preysenberg, „welcher den Schildstein anher verehrte“. Wir sehen in ihm die Wappen des Reichs und der Stadt, gehalten von dem Papste und dem Kaiser, mit der Jahreszahl 1479.

Besonderes Interesse hatte im Laufe der Zeit das Kaufhaus erlangt, in dem so genannte Konziliumssaal, (erbaut 1388) obwohl hier nie eine Sitzung des Konzils, wohl aber die Wahl des Papstes Martin V. stattgefunden. Das kolossale Haus mit seinem hölzernen Überbau und mächtigem Dache ist sozusagen das Wahrzeichen der Stadt, – ein Denkmal der großen Kirchenversammlung geworden. Kein Fremder wird Konstanz verlassen, ohne dem Bau und seinem Sehenswürdigkeiten ein paar Augenblicke geopfert zu haben.

Aus der Zeit des Konzils zeigt uns der alte Custos den Thronsessel Kaiser Sigismunds, den Altar auf dem der Papst eine heilige Messe gelesen, ein Stück von Hußens Kerker, den Angeklagten und seine Widersacher selbst, naturwahr fast bis zum Erschrecken; sodann einen städtischen, altväterlichen Galgenwagen, Schilde aus den Kreuzzügen, etwelche heidnische Götzenbilder und diverse Ölgemälde. Wahrlich, wir werden in diesem Umgebungen unwillkürlich in die Vorzeit zurückversetzt, zumal wenn, wie bei meiner Anwesenheit, der Sturm um den riesenhaften Dachstuhl saust und unheimlich mit den Windfahnen musiziert und ächzt, als lebten sie wieder auf die streitenden Geister der alten Tage.

Ich wandelte eine Weile im Gespräch mit dem Custos zwischen den massiven Eichenholzsäulen des weiten Saales auf und ab. Der Mann verbreitert sich gerne über die Zustände der früheren Zeit, deren Zeuge er noch gewesen. – „Gab es“ fragte ich, als der polternde Sturm einige Augenblicke schwieg, „gab es zu jener Zeit auch viele Geister und Gespenster in der Stadt?“ – „Ja wohl!“ erwiderte der launige Altvater, „zumal in guten Weinjahren. – Bei der Stadtmauer, vom Paradieserthor bis zum Pulverturm und Rheintor, beim Kaufhaus u.s.w. sah man bei Nacht Geister, feurige Geissböcke und Gespenster, die einem auf dem Weg standen, so dass man sich kaum getraute, bei Nacht auszugehen. – Nicht viel besser war es hinter dem Franziskanerkloster und bei den Dominikanern, wo einer, der keine Ortskenntnis hatte, nicht leicht ohne Büffe oder sonstige derbe Lektion davon kam. Dann gab es auch noch, das ich’s nicht vergesse, das wohlbekannte Stadtthier, – ein Gespenst, von dem alte Leute noch viel zu erzählen wissen.“ Hierauf kam er auf seine Jugend zu sprechen: wie damals so viel Geselligkeit und Harmonie unter den Bürgern geherrscht habe. Der Hauptspaziergang der alten Konstanzer sei gewesen zum „Schäpfle“ drüben in der Schweiz (wir hatten zufällig die Aussicht durch die hohen Fensteröffnungen dahin); weil der Schoppen groß und der Wein gut gewesen, so sei auch er vom 18. bis gegen sein siebzigstes Jahr regelmäßig dahin gewandelt, und so mäßig er stets im Trinken gewesen, so habe ihm neulich noch Einer ausgerechnet, dass er im Ganzen in selbigen Schäpfle vertilgt habe – „wie viel meinen Sie? – 16 Fuder, 20 Eimer und ungerade Schoppen“ referierte er mit großer Befriedigung.

Unter solchen Gesprächen war sein Stündlein gekommen, wo er gewöhnlich den „Conciliumssaal“ zu verlassen und sich in seine Wohnung zurückzuziehen pflegte. Mir aber gab der Rest des Tages noch Muße genug, am Hafen umher zu schlendern und einen Gang zu machen, um die alten Wälle, Stadtmauern und Tortürme, welche erhaltenswerte malerische Denkmäler der Ortsgeschichte sind.

Der See wälzte stürmisch seine weißgekrönten Wellen gegen den steinernen Damm und die Ufer und ließ erhöhtem Maaße die Wohlfahrt des schimmernden Hafens fühlen. Und wenn wir aus der Gegenwart in vergangene Zeiten zurückschauen, gewahren wir auch hier die mannigfachen Segnungen einer friedlichen Zeit. Denn wo ehedem nur eine einfache Reihe von Pfählen notdürftig den Landungsplatz schützte, sehen wir jetzt den stattlichen Hafenbau, zu welchem unter Großherzog Leopold’s väterlicher Regierung, im Jahre 1836, der Grund gelegt wurde. Mit vielen Freiheiten begabt, hob sich der Platz halb zu großer Bedeutung für das Verkehrsleben der herrlich gelegenen Stadt, welche den natürlichen Mittelpunkt der jetzigen Dampfschifffahrt bildet. Konstanz, der Sitz der großherzoglichen Kreisregierung, eines Hofgerichts, eines Lyzeums, und seit neuester Zeit einer Garnison, zählt, letzterer nicht gerechnet, beiläufig 6500 Einwohner, von denen etwa 350 protestantisch, die übrigen katholischer Konfession sind. Die Stadt besitzt mit ihren drei Vorstädten Kreuzlingen, Paradies und Petershausen einen Umfang von 4000 geometrischen Ruthen. Sie ist bei ziemlich mannigfachen Annehmlichkeiten des geselligen Lebens, umgeben von einer paradiesischen Landschaft und vereinigt alles, was dem Fremden einen längeren Aufenthalt erfreulich machen kann.

Und sollte in je eine Sehnsucht anwandeln nach dem fernen blauen Seegestaden mit den riesigen Massen der Alpen im Hintergrunde, so gibt die tägliche Einkehr bequemer Dampfboote Gelegenheit, dem Zuge des Herzens zu folgen. Aber auch die Nähe bietet unzählige erquickende Luft- und Erholungsorte: die Wirtschaften zum Gütle, Fürstenberg, Käntle, die Insel Mainau und Reichenau, sowie die im obst- und weinreichen Garten des Thurgau’s liegende Orte Kreuzlingen, Emmishofen, Gottlieben, x. die genussreichen Ausflüge und Ruheplätze gewähren.

Liebt aber der Erholungssuchende fern von heiterer Lust Gewühl, mit sich und seinen Träumen allein zu sein, so vertraue er der leicht beweglichen Gondel sich an, dass sie ihn hinaus trage, in das weite, herrliche Element, in der Kühle des duftigen Morgens, zur sommerlich hellen Mittagsstunde, oder am Abend, wenn das Flammenauge des Tages hinabgezogen ist hinter die fernen glutumfangenen Bergschlösser des Hegaus, und eine milde, sternendurchlebte Nacht ihren Zauber ausbreitet über dem tiefen, geheimnisvoll ruhenden Gewässer.

Wir scheiden von Konstanz mit reich gelabter Seele, aber auch mit einem schmerzlichen Blicke voll jener Erinnerungen, welche das Bild einer ehemaligen alten Reichsstadt immer in uns hervorruft. Es erinnert an so manche schöne Blüte, die durch Ungunst der Veränderungen im großen politischen Lebens um ihre Entwicklung gekommen. – Nichts kann uns über diesen Verlust besser trösten, als die Wohlthat guter Fürsten, welche mit edler Liebe zu Land und Volk überall das Gute und Schöne großherzig zu fördern bestrebt sind, und uns so, im Strome der allgewaltigen Zeit, noch die Früchte eines befriedigenden Daseins gewinnen lassen.

Fortsetzung hier:

Insel Mainau – Mersburg

Ausflug an den Bodensee 1931 von Ernst Kramer.

Stadtteile von Konstanz (Quelle: Wikiwand)


Kundschaft des Zimmeramts Hannover handschriftlich datiert vom 15. September 1829 von den beiden Amtsvorstehern, dem Zimmermeister Heinrich Striehl und dem Ratszimmermeister Johann Ludwig Holekamp. Der wohl als Kupferstich geschaffene, nicht mit einer Künstlersignatur signierte Vordruck enthält folgenden Text: Hannover Wir Geschworne, Vor- und andere Meister.
Unterzeichner als Vorsteher des Zimmeramts Hannover: Zimmermeister Heinrich Striehl und Ratszimmermeister Johann Ludwig Holekamp – Freunde des Historischen Museums e.V. (Historisches Museum Hannover): https://ein-stueck-hannover.de/schatzkammer/objekt/handwerkskundschaft-zimmerer/ (Wikipedia)

Nikolaus Hug* (geboren 14. Juni 1771 in Konstanz; gestorben 2. Dezember 1852 ebenda) war ein badischer Maler, Kupferstecher und Radierer. https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Hug.

Ein Felleisen ist ein lederner Rucksack, der früher von Handwerksgesellen auf Wanderschaft getragen wurde.

Narciß – Narziss (griechisch Νάρκισσος Nárkissos, lateinisch Narcissus) ist in der griechischen Mythologie ein schöner Jüngling, der die Liebe anderer zurückwies und sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte.

Bereits am 30. Juni 1785, noch vor Schließung des Klosters, überließ Kaiser Joseph II. die Insel dem Genfer Fabrikanten und Bankier Jacques Louis (Jakob Ludwig) Macaire de L’Or (1740–1824), mit den Gebäuden, gegen Zahlung einer geringen jährlichen Pacht von 25 Gulden, zur Einrichtung einer Indienne-Fabrik mit Indigo-Färberei.

Prozess und Hinrichtung Ludwig XVI.

Am 14. Januar 1793 begannen die Beratungen über das Urteil. Die erste Frage, ob Ludwig sich „der Verschwörung gegen die öffentliche Freiheit und der Anschläge gegen die nationale Sicherheit“ («la conspiration contre la liberté publique et la sûreté générale de l’État») schuldig gemacht habe, beantwortete der Konvent in namentlicher Abstimmung einmütig mit Ja, nur elf Abgeordnete weigerten sich, mit abzustimmen. .. Die dritte Abstimmung über die Strafe zog sich vom 16. Januar vormittags bis zum 17. Januar 1793 am späten Abend hin, denn fast jeder Abgeordnete begründete sein Votum. Im Ergebnis stimmte eine knappe Mehrheit von 366 Abgeordneten für die Todesstrafe, mehrere Abgeordnete waren dem Votum des Girondisten Jean-Baptiste Mailhe gefolgt, der zwar für die Todesstrafe, aber für eine Aussetzung der Vollstreckung gestimmt hatte. Die Abstimmung wurde wiederholt, was eine Mehrheit von 387 : 334 ergab, doch zog man die 26 Stimmen von Mailhe und den Befürwortern seines Vorschlags ab. Somit ergab sich die knappestmögliche Mehrheit von 361 von 721 Abgeordneten für die Todesstrafe. Vom 19. bis zum 20. Januar wurde dann darüber abgestimmt, ob man das Urteil vollstrecken oder aussetzen solle. Bertrand Barère argumentierte, eine Aussetzung würde die inneren Auseinandersetzungen in Frankreich verlängern und somit nur den Invasionstruppen nutzen. Die Aussetzung wurde mit 380 : 310 Stimmen abgelehnt.

Am Vormittag des 21. Januar 1793 trat Ludwig zum Schafott auf der place de la Révolution, vormals place Louis XV. Die Guillotine war sinnfälligerweise direkt neben den Sockel des Reiterdenkmals Ludwigs XV. platziert worden, das beim Tuileriensturm im August 1792 entfernt worden war. 20.000 Menschen sahen zu, wie Ludwig sich kurz gegen den Henker Charles Henri Sanson wehrte, der ihm Handfesseln und Augenbinde anlegen wollte, und zu einer Ansprache ansetzte: «Peuple, je suis innocent! Je pardonne …». Der Kommandant der Garde nationale Antoine Joseph Santerre befahl seinen Trommlern zu spielen, um dessen weiteren Worte zu übertönen. Ludwig wurde unter die Guillotine gelegt und enthauptet, seinen Kopf zeigte der Henker der Menge, die in den Hochruf «Vive la nation!» ausbrach. (Wikipedia).

Über den „Erddputierten?“ Prival, der gerufen haben soll „Es ist zu nieder!“ findet sich heute gar nichts mehr. Auch die öffentliche Urkunde von Monnel (aus dem Departement Marne) worin er seine Reue bezeugte, zum Tode des unglücklichen Königs gestimmt zu haben, ist nicht auffindbar. Auch über Dubois Bellegarde, der Deputierter für Charente, und La Brunerie findet sich nichts.

Standbild des Konstanzer Bischofs Konrad von Xaver Reich.

Marienfigur von Xaver Reich in der Mitte über dem Hauptportal des Konstanzer Münster

Standbild des Konstanzer Bischofs GebhardII. von Xaver Reich.

„Von den drei Statuen, welche über das Hauptportal zu stehen kommen, ist die mittlere, die heilige Jungfrau mit dem Kinde als Kirchenheilige, gefertigt vom Bildhauer Xaver Reich, bereits aufgestellt. Die beiden Nebenfiguren, der heilige Pelagius Stadtpatron und der heilige Konrad, des Sprengels Schirmherr, werden von dem Konstanzer Bildhauer Bauer ausgeführt.“

Xaver Reich ist der Bruder von Lucian Reich.

Links Selbstbildnis der Marie Ellenrieders im Alter von 28 Jahren, 1819.

Rechts Informationstafel in Konstanz, Fischmarkt 2. am Wohnhaus von Marie Ellenrieder.

Wikipedia

Ignaz Heinrich Karl, Freiherr von Wessenberg (* 4. November 1774 in Dresden; † 9. August 1860 in Konstanz) war ein aufgeklärter römisch-katholischer Theologe aus schwäbischem Adel. https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Heinrich_von_Wessenberg

Die Gesellschaft Zur Katz war eine Vereinigung einflussreicher Familien in Konstanz, die bald nach 1342 gegründet wurde; das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, jedoch 1351 wurden die Mitglieder in den Steuerlisten der Stadt aufgeführt. Sie diente vordergründig der Geselligkeit, hatte jedoch in erster Linie politische und wirtschaftliche Funktionen und ähnelte darin den politischen Zünften des ausgehenden Mittelalters. Zunächst bestand sie als reine „Geschlechtergesellschaft“, als Vereinigung der Familien, die im Groß- und Fernhandel mit Leinwand zu Reichtum und Ansehen gelangt und bereits in den Stadtadel aufgestiegen waren. Die bürgerlichen Leinwandhändler gehörten hingegen der Krämerzunft an und waren Mitglieder der Gesellschaft Zum Rosgarten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zur_Katz_(Konstanz)

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Wo mer no mit Gummistiefel Schi gfahre isch

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr.

von Hubert Mauz am 27. Dezember 2021

Mi Familie kaa mit villne Oageheite aagähe. E Schifamilie isch sie aber konni gsi. Des hät zwei Hauptgründ. Eimol häts konni gschiede Bickel um Eschinge rum und s‘ Andermol hät de Vatter nit emol Fahrradfahre, erscht reacht nicht Skifahre kinne. Und es hät fascht konn Schnee im Winter im Laßberg, am Buechberg und z Uufe. Trotzdem waret mir us de Ziiting, de Nochberschaft zum Wälderwaald aber au vu dene Heldegschechte vum Skiclub Feldberg, vum Akademische Skiclub Friiborg und dene legendäre Schwarzwälder Skizünft doch eweng aagfresse. Mi oageni Skigschecht fangt mit eme gruusige Erlebnis aa. Hit dät mer sage mit eme Trauma. Unterm Gräch über de Garage hani vum Grossi e Paar Ski gfunde. Wiis aagmolt, mit eme olivgräne Mittelstriech. D´ Bindung hät vorne e Querrähmli ghet und hinne au e Lederrähmli mit eme Spanner, mit ere Schnalle. E paar Haselnussstäcke mit vermauchete Lederschlaufe und eme suppetellergrosse Schneereife us Mehrröhrli und Ledergflecht und eme Iise- Spitzli sind au dobe gstande. Uusnahmswies häts wieder mol ziemli Schnee kaa. Als kleine Hoseforzer mit so 120 cm Grössi und Schugrössi 35 isch om des Schneeboard i de Laßbergstroos wie e alpine Schneewäechte us dene heroische Trenkerfilm vorkumme. Also hanni die Latte und die Stäcke vu de Garagebihni abigholt. S’einzig Schuhewerch im Huus wo uf die Bindung passt hät, des waret d` Gummistifel vu de Motter, so greessi 39. Uf dere Bindung isch „ Kandahar“ gschtande. Also hond die Wehrmachtgebirgsjäger au mit dere Bindung und dene wiise Latte mit dem gräne Mittelstrich Skifahre miesse. Im Hindukusch sind nämlich i de Naziziit so Berg- und Schihelde Epe gschriebe und propagandamässig, heroisch verzapft wore.

Zerscht also die Gummistiefel a die Bindung gschnallt und no mit 2 paar Socke i die Stiefel inni. Später hät mer des grad andersch rum gmacht. D`Haselnusstäcke mit de Lederschlaufe hond wiit über mech drübert ussi guckt. Die 2,10 m lange Schi hond usgsänne a dem kleine Maali wie Dielebretter a me lottrige Baugrischt vum Finke-Hermann.

So bin i denno mit minere gressere Schweschter Dorle, diesell hät e Schlitteli debei khaa, de Laßberg hinderi und in Hindeborg iiboge. Mir hond a dielegendär Eschinger Kandahar-Abfahrt welle, a diesell Thedys- Wies. Womer uf de Höh vum erschte grosse Kaserne Garnisonsblock gsi sind, hät oe Franzesli zum Fenschter usiguckt. Konni 10 Sekunde später sind 10 a de Fenschter ghanget und noch 20 Sekunde waret alli Fenschter belegt mit korzgschorene Frantösli Köpf und alli hond luut glachet, Schräe abglau, gfeixt und gjohlet wie Aabrennti. 30 Sekunde später war alli Fenschter und die ganz Huusfront vu dem Riesehuus voll vu dutzende vu dene Franzake. Jetzt hät en Schpetakel, e Gjohl, e Feixe, e Gläächter aagfange. Zerscht hommer gmond die hetet e sau Kummedi und en Feetz mit ebbis anderem. Wo sie aber nu no uf mech, des herzig „ Petit Enfant „mit denne trollige riese- Latte, denne Gummistifel- Skischuhe, denne Bohnestäkelange-Schistäcke und dem Zipfelkäppli und mit dene z’grosse Fuschthändsche dietet hond, denno hanni gmerkt, dass der Hohn und der Spott mir ganz aloanig gilt. De erscht Applaus als Skiheld hani mir werklich ganz andersch vorgschtellt. Do sind Welte ufenand prallt. Savoir- vivre und Ost- Schwarzwälder Schihochkultur. Ech glaub ech ha au baald mol aagfange z’bläre und mich denno gschämt wie en Roßbolle. So hanni mer die erscht gloreich Skiexpedition nit vorgschtellt khaa. Mi Skiheroevorstellung isch zämet kheit wie e Kartehuus. Zerstäubt wie in ere Pulverschneelawin.

S’geduldig Dorle war au gherig vergelschteret und hät mi güetig a de Hand gnomme und so schnell wie mi die riese Wehrmachtslatte drait hond zruck in Schutz vum Laßbergsträssli gfiehrt. Und dert häts sie mir die Tränebächli abgwischt und trocknet. Erscht dert waremer vor dere erschte herbe Skiniederlag secher. So mond sich die
Skispringer um de Dieter Thoma Aafang 2000 gfühlt haa wo sie mol als Suppehiener i de Presse verhöhnt wore sind. Jetzt im hoemdappe hanni schwer bereut dass ech nit de gross Brueder, de Heinz, debei khet han. Desell war i de ganze Stadt als min scharfe, bissige Wachund bekannt. Der het bigott die Wackis aagjoolt und denne ganze Franzesli de Ranze verschlage, dass dene die Versecklerei und Uuslacherei vergange wär. Mon dieu.

Obwohl d’Motter nint vu dem Skidebakel mit dene Wehrmachtski mitkriegt hät, s’Dorle war die verschwiegescht Schweschter, hanni so lang dribuliert bis ich anere Wihnächte Ski vum Schi-Wanger, vum Gaisser Karle i de Milligass, mit Stahlkante,eme rote Sohlelack und eme glänzend rote Oberdekor kriegt han. D’Bindung war au e „ Kandahar „aber scho mit eme Vorderstrammer. Und d’Skischuhe waret vus Volze us de Eile. De Skigott hät e IIsähne mit mer kaa, aber zu mim große Verduß nu ganz korz. Am erschte Wihnächtsdag häts den so heissersehnte Schnee kaa. Also nint wie ab mit denne niegelnagelneie Schi as Uufemer Kriitz. Dert waret die paar Skiverruckte und die guete, zümpftige Skifahrer us de Stadt und vu Uufe versammlet. A de Thedyswies waret nu die oafältige Schlittefahrer und die dappige Skiaafänger, die nit emol en Stemmboge zämetbroocht hond. Nuu pfluuge hond die kinne. Die Reachte, die Oarchene, sind a de Riviera unterm Buechberg, am Uufemer Bahhöfli vorbei, dorchs Ort as Eschinger Skimekka, as „Uufemer Kriitz“ gange. Dert hät mer ebbis sehne und lehre kinne. Über drei gherigi Haselnusshecke-Absätz häsch e Schuss-Abfahr vu sage und schreibe guet 100 m und so 25 Höhemeter mache kinne. Die längscht und die schwerscht Abfahrt z’Eschinge.

Die grosse hond au e Schanz baut mit eme Spicker vorne am Tisch, dass es di reacht i d’Luft gjagt hät, und abi kumme bisch wie en Stoa uff des zemetbräglet, veriiset Schneeli. Beschtimmt 10 bis 20 mol isches guet gange. Aber denno: D’Katastroph : De reacht Ski hinter de Spitz abbroche. Nocheme wiite Gumpp hanni mit em Spitz iibohret, wie mer i de Fachsproch sait. Aus der Traum vum Skispringe wie de Sepp Bolkart us Oberstdorf. Mit om Ski hoam fahre häsch nit kinne. Also Ski uf de Buckel und den Hohn und Spott vu de Spaziergänger a de Riviera heldemüetig aber au stolz ertrage. „Biebli häsch d’Schi broche, hä do wort aber d’Motter e Freid haa und gosche“ so giffizigi Sprech vu dene Oafalte häsch demüetig trage miesse. Zum Glick waret konni nähere Bekannte debei, die dech verschwätze hond kinne. Dehoam denno, hählinge die Ski in hinterschte Winkel vu de Garage verschoppet. Und a dem gute Wihnächst-Obetesse häsch des grenzelos Schiglück am Uufemr Kriiz verzelle messe mit dene neie Ski, die „rennet wie de Deifel und d’Stahlkante biisset wie e Zange“. Des moss ech ziemlich überziegend und strahlend ghiechlet haa. Natierlich wars saubleed dass am 2. Wihnächtsfiirtig de Gaisser Karle si Wanger – Werkstatt nit ufghet hät. No nie hanni e saumässigs Tauwetter so innbrünstig herbeigsehnt, nu dass d’Eltere nint merket. Uf die Frog am zweite Wihnächsttag : „Wit hit nit gi Schii Fahre?“ hanni über e granate Widergente, en Muskelkater räsoniert und wehliedig dräesset. Am andere Morge bin i mit dem brochene Ski und dem Spitz hählinge zum Karle i d’Werkstatt gschleche: „Lek mi am Arsch, des häsch aber kinne, fascht nint wie Spriesseli. Ob i des nomol änni krieg, des kaa der no nit verspreche“. Mi Seelenot hät de Skiverruckt Karle aber genau gspiert. Wonni ihm no kleiluut verklikkeret han, dass d’Motter natierli nint merke dierft und ech de erscht Bestechungsversuech i mim Lebe mit mim korz vorher verdähnete Minschtrantegeld gmacht han, hät er willig und verständnisvoll gsait, dass er sofort draa gähng und natierli schwiege dät wie e Grab. Aber Silveschter däts scho were, aloanig scho wegem Liim der trechne miesst und au wegem Lack. No nie hanni en sauwarme Föhn oder en Rege, der den ganze Schnee rubis und stubbis putz, herbetet und ersehnt.

Aber die Skigötter sind halt nit katholisch, des sind nordische, heidnischi, hinterhältige Wikingerheiligi, die uf mich überhaupt koa weng gloset hond. S‘ war abzumsenne dass die Uusred mit dem Muskelkater nimme lang verhebt. Jede Morge bin i beim Karle i de Werkstatt gstande und ha treuherzig wie en gschlagene Hund im Karle i d Auge guckt. „Biebli, schneller gohts oafch nit, solli mol mit de Motter schwätze?“ Am dritte Dag hät si de Broote mit em utrügliche, mütterliche Instinkt gschmeckt; „Gel du häsch die neie Ski verkaibet? Sunsch wärsch nit die ganz Ziit nu zum Schlittefahre uf Thedyswies?“ Jetzt wars dusse und liege hät konn Zopf kaa. Uff die Güeti vu de Motter hanni setzte kinne, erscht reacht wenn i nit lieg: „ Jo, bim greeschte Satz vum Dag, mit de Beschtwiiti, hani iigschpitz und en Spitz am Ski broche“ hann i kleilut zuegähe und halt doch au eweng gflunkeret. „ Morge kann ech se bim Gaisser Karle wieder hole und zahle duen is vum Minschtrantegeld“. Ech glaub nu so knapp über 10 DM hät mer de Karle gnädig und ganz im Sinn vu de Jugend- Skiförderung verlangt. S‘ wär nit mii güetigi und verständigi Motter gsi, wenn sie nit doch au no 5 Mark dezueglait het. De Karle hanni no vu sim Biichtgeheimnis, vum Verschwiegeheitsgebot entbinde kinne. Noch de Neujohrsmess trifft de Karle d Motter: „ Guete Nobet Frau Mauz, eiern Kleine war zwische de Johr jede Dag i de Werkstatt, entweder der word mol Skiwanger oder doch de erscht Skispringer vu Eschinge „ Us Beidem isch, wie mer jetzt woess, nint woore.

Womer no als Studente i de 70-er Johr vu Konstanz manchmol an Säntis gi Schi Fahre gange sind, hät de hartnäckig Skiverweigerer, de Metzger- Josef us Ippinge, bim Abfahre zuegucket, wie mer grad die neimodische Metall- Ski, die neischte Plaschtik- Schnalleschischuhe vum Henke us Tuttlinge und Alu- Stäcke uf de VW- Käfer-Heckträger gschnallt hond. De aaltmodisch Ippinger Ostbaaremer Josef hät dappig und oafältig mit eme uugläubige, verwunderte Kopfschittle gfroget :

„Jo saget bloss, fahrt mer hit zu Tag nimme mit Gummi- Stiefel?“

Jo so wars.

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