Für alle Mitarbeiterinnen in katholischen Kindergärten gilt: Durch ihre Tätigkeit tragen diese dazu bei, dass die jeweilige Einrichtung ihrenTeil am Sendungsauftrag der katholischen Kirche erfüllen kann. Deshalb muss sich das gesamte Handeln und „Sein“ der Einrichtung an der Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche ausrichten. „Der kirchliche Dienstgeber kann pastorale, katechetische sowie in der Regel erzieherische und leitende Aufgaben nur einer Person übertragen, die der katholischen Kirche angehört.“ (Grundordnung des kirchlichen Dienstes)
Die Folge davon ist, dass
alle Erzieherinnen in katholischen Kindergärten katholisch sind, und
„die rechte Gesinnung“ nachgewiesen werden muss.
Dies sorgt für eine Selektion der Bewerberinnen für Stellen in diesen Kindergärten!
Wenn Eltern ihr Kind in einen katholischen Kindergarten bringen, haben sie es automatisch mit einer eingeschränkten Auswahl an Erzieherinnen zu tun. Dies mag von manchen Eltern gewünscht sein. Aber diese Eltern bezahlen auch gerne eine Kirchensteuer.
Was ist mit allen anderen Eltern?
Diese müssen in Hüfingen lange Fahrten auf sich nehmen, um ihre Kinder in städtische Kindergärten zu bringen. Trotzdem werden ihre Steuern an die Kirche gezahlt, um Kinder im römisch-katholischen Dogma zu erziehen.
Laizismus in Deutschland
Der Katholizismus akzeptiert seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine relative Laizität des Staates und der weltlichen Sachbereiche, hält aber an seinem geistlichen Absolutheitsanspruch fest.
Christliche Kindergärten werden vom Staat grundsätzlich im Rahmen der Grundversorgung gefördert. Dies heißt am Beispiel Hüfingens, dass die Stadt Kindergärten plant, baut und dann später der Kirche absolute Hoheit über die Erziehung der Kinder gibt. Ja, die Kirche auch noch dafür bezahlt.
Hüfingen ist nicht attraktiv für junge Erzieherinnen, die sich nicht in das alte patriarchale Dogma einfügen möchten. Eltern die ihre Kinder lieber in Toleranz, Naturverbundenheit und auf Augenhöhe mit anderen Kulturen aufwachsen sehen möchten, müssen hohe Kosten und weite Wege in Kauf nehmen.
Es ist mir durchaus klar, dass die Stadt Hüfingen seit einiger Zeit kein begehrter Arbeitgeber mehr ist. Aber der Kirche viel Steuergeld zu bezahlen und den Eltern keine Auswahl zu lassen, kann und darf nicht die Lösung für junge Familien sein.
“Warum finden immer wieder diese Diskussionen mit Vermutungen, unvollständigen Aussagen und Halbwahrheiten beim Thema Hallenbad statt?“, fragte Stadträtin Skodell am 17.10.2019 im Schwarzwälder Boten zu Recht. Liebe Frau Skodell, haben Sie schon eine Antwort erhalten? Ich fürchte nicht. Auf der Facebookseite >SPD Hüfingen< haben Sie im Dezember 2021 nochmals die Thematik in gleicher Weise aufgegriffen. Also mehr als 2 Jahre nach Ihrem Aufruf, dass die Aquari-Situation nun endlich mal konkret angegangen werden soll!
Als Bürger habe ich mich nun nach 6 Jahren der Diskussion zum Hallenbad in Hüfingen auch gefragt, was da eigentlich los ist und mir die Presseartikel der letzten 10 Jahre angesehen. Für jeden, den es wirklich interessiert, ein spannender Verlauf, den die Öffentlichkeit hier zu lesen bekommt. Zu Beginn zeigte sich ganz offensichtlich auch hier – ähnlich anderen Stellen innerhalb der Verwaltung in dieser Zeit – eine hohe Personalfluktuation. Schon das Aquari hatte dauerhaft ein Leitungsproblem (mindestens 4 Namen in 6 Jahren), dass dann über die Einbindung der Bäder Competenz GmbH im Jahr 2017 gelöst wurde. Ein für die Stadt kluger Schritt, kehrte doch dann hinsichtlich des Personals erstmal Ruhe ein. Doch die Ruhe währte nicht lange.
Seit 2019 wurde das Aquari mit erschreckenden Gutachten in der Öffentlichkeit erwähnt und Wahnsinnskosten, die auf die Gemeinschaft der Stadt zukommen sollen. Da wurde neben der klaren Befürwortung des Bades von Seiten der SPD auch von Schließung geschrieben (BFSO). Der (fast schon gewohnte) Hauch von Gleichgültigkeit in der öffentlichen Diskussion drang aus der Fraktion von CDU und UWG/FW/FDP.
Es stellt sich dabei auch die Frage, warum der gesamte Gemeinderat nicht vehement an diesem wichtigen Thema der Stadt – schließlich geht es um ein Investitionsvolumen nach den Gutachtern (für Sanierung und Neubau) in Höhe von 13 Millionen Euro Stadtvermögen, wenn wir dem Pressebericht vom 12.04.2019 („Aquari-Pläne werden richtig teuer“) folgen – nicht eingesetzt hat. Bei anderen wichtigen Themen, wie der Unechten Teilortswahl ging es ja auch. Klar ist die Haltung der SPD. Die CDU versteckt sich hinter presseöffentlichen Floskeln und die FDP äußert sich wohl nur, wenn der Fraktionssprecher von UWG/FW/FDP anwesend ist (Schwabo vom 20.09.2019 „Aquari sollte bald Thema sein“).
Aufgefallen ist dagegen die Tatsache, dass durch das Absenken der Wassertemperatur dem Behindertensportverein Hüfingens 2017 der Hahn abgedreht wurde. Da wäre eine klare Kante des Behindertenbeauftragten (CDU) lobenswert gewesen, jedoch war von diesem hier zu nichts zu lesen. Dagegen von einem anderen Stadtrat der CDU, der die Öffentlichkeit über die Sozialen Netzwerke nutzte, um eine Entscheidung hier schlussendlich zu „erzwingen“.
Bringt das neue Jahr 2022 nun die Wende? Hat die CDU im neuesten Hüfinger Boten vom 12. Januar 2022 doch auf Seite 22 in Ihrem Fraktionsgrußwort davon geschrieben, dass „in diesem Jahr eine Entscheidung fallen muss, wie es mit dem Aquari weiter geht“. Da stellt sich mir die Frage, warum sich die SPD dieses Thema bereits seit über 3 Jahren auf die öffentliche Agenda schreibt und es für die CDU bisher keine so wichtige Rolle gespielt hat. Oder soll das Aquari das Wahlkampfthema zur anstehenden Bürgermeister- und Gemeinderatswahl werden? Davon gehe ich nun nicht aus, wäre dieses Vorgehen doch eher plump.
Oder braucht es noch mehr Zeit, da man nun in den Bürgerfragebögen zum sogenannten Zukunftsdialog das Aquari zum Kernthema erhoben hat? Mit einer scheinbar ganz neuen Investitionsoption, nämlich einer Sanierung über 5 bis 7 Millionen Euro, die dann 15 Jahre halten soll, wie aus dem Fragebogen zum Zukunftsdialog zu lesen war. Und dann? Bereits im Jahr 2001 hat die Stadt mit 3,1 Millionen und dann gute 10 Jahre später nochmals mit einer Million eine Sanierungsinvestition in Hallenbad und Sauna getätigt, hinzu kam der Rutschenanbau. Die Fassadenarbeiten und die Verschönerung durch den Fassadenkünstler Karsten Kruse im Zusammenwirken mit der Firma Labor wurde dann auch nicht mehr öffentlich mit Zahlen unterlegt. Doch ob ich lieber das Aquari als Familienbad oder als Sportstätte nutze, hilft über das neue Investitionsvolumen auch nicht hinweg.
Auffällig ist im gleichen Fragebogen nur ein Absatz weiter, dass hier 3 Optionen genannt werden, wie es mit dem Bad nun weiter gehen könnte. Die hier dargestellten Geldwerte weichen jedoch stark von den Gutachten und dem dargestellten Sanierungsvolumen ab. So wird im 1. Punkt plötzlich von einer Sanierungsinvestition von 5 bis 13 Millionen Euro gesprochen. Wie kommt es zu dieser großen Spanne, während man erst von 5 bis 7 Millionen sprach? In der 2. Option von einem Neubau am aktuellen Standort von 15,5 Millionen Euro am gleichen Standort. Dies wäre dann 2,5 Millionen Euro teurer, als ein von den Gutachtern errechneter Wert inklusive Sauna aus 2019. Als Drittes dann an einem anderen Standort mit 17 Millionen ohne und 19,5 Millionen Euro mit Sauna, und dies ohne Erschließungskosten. Doch wo soll dies dann sein? Und wurde nicht durch das Heizkraftwerk ein klarer Vorteil am bisherigen Standort gesehen. Und warum kann die Sauna dann nicht am Standort verbleiben? Eine Sauna, die – wenn man das glaubt was man hört – mit 14 Euro je Eintrittspreis subventioniert wird. Die auch schon angesprochene Einbindung der Nachbargemeinden in ein Gemeinschaftsprojekt fällt augenscheinlich aus, da Bräunlingen noch immer nicht weiß, was es mit der Infrastruktur ihres alten Bades machen soll und Donaueschingen scheinbar keinen Bedarf sieht.
Aus meiner Sicht sind 6 Jahre nun wirklich Zeit genug gewesen, sich über diese kostenschwere Situation in umfangreichem Maß Gedanken gemacht und Lösungsansätze entwickelt zu haben. Vor allem wenn Rückwirkend schon viele Millionen eingebracht wurden. Verwirrend sind auch die immer neuen Zahlenspiele, die der Bürgerin und dem Bürger präsentiert werden.
Also trauen Sie sich, liebe Gemeinderäte und beginnen Sie damit, Ihren Weg für das Schwimm- und Sportvergnügen Hüfingens gesamtfraktionell öffentlich klar darzustellen. Die Bürgerinnen und Bürger warten.
Die Tanne ist mehr warm als kalt und hat viele Kräfte in sich. Denn an welchem Ort auch immer Tannenholz ist, hassen und meiden es die Luftgeister mehr als andere Orte, und schlechter Zauber und Magie haben dort weniger Kraft.
Hildegard von Bingen, Physika III
Die Weißtannenhöhe, den knapp 1200 m hohen Berg zwischen Hinterzarten, Breitnau und St. Märgen, kennen – zumindest dem Namen nach – fast alle, zumal die Skiläufer, die ihn zu Tausenden zu umrunden pflegen und die Fußwanderer, die ihn auf dem Westweg des Schwarzwaldvereins überqueren. Ob sie sich wohl wundern, weshalb da oben nur Fichten und keine Weißtannen wachsen? Untersuchte man das Gebälk des Weißtannenhofs, dem der Wald gehört, käme unter der Ruß- und Staubschicht gewiss Tannenholz zum Vorschein. Bis zu eintausend Festmeter Holz wurden zum Bau eines einzigen Schwarzwaldhofs benötigt. Und wo immer Tannen zur Wahl und in ausreichender Menge wie Stärke zur Verfügung standen, gaben die Erbauer ihr den Vorzug, galt sie doch als haltbarer und wetterfester. Was zeigt, dass der Wald noch im Spätmittelalter sehr viel tannenreicher gewesen sein muss – wie sonst wären Hof und Berg einst zu ihrem Namen gekommen. Doch wo gerodet, geweidet und in der Neuzeit wieder aufgeforstet wurde, verschwand die Tanne, und so findet sie sich heute am ehesten noch in den schwer zugänglichen Blockhalden des Höllentals oder in den wohlbehüteten Klosterwäldern, dem heutigen Staatswald.
Auch die Erbauer des Freiburger Münsters wussten die Tanne zu schätzen. Ob im Dach- oder im Glockenstuhl, für sie kam nur (Weiß-)Tannenholz in Frage. Und das allein schon der benötigten Dimensionen wegen: Die nahezu zylindrische („vollholzige“) Form von Tannenstämmen erlaubte es, Balken jeder Größenordnung zurecht zu beilen und zu sägen. Und wenn die Zimmerleute der Münsterbauhütte heute Balken altershalber zu ersetzen haben, stöbern sie mit Vorliebe im noch immer verwendbaren Abbruchholz uralter Schwarzwaldhöfe herum. Dass die „Luftgeister“ der heiligen Hildegard das Münster an jenem 27. November 1944, im Inferno des alliierten Luftangriffs, verschont haben, dürfte freilich nicht nur dem Tannenholz zu verdanken gewesen sein.
Tannenholzgebälk im Glockenstuhl des Freiburger Münsters
Klar, dass die Altvorderen sich auch noch darauf verstanden haben, das Bauholz im richtigen Mond und im richtigen Zeichen zu hauen. Wie sonst hätte das Holz so lange schadlos überdauern können. Im Turm der Sulzburger Pfeilerbasilika St. Cyriak, dem ältesten erhaltenen Kirchturm Südwestdeutschlands, fand sich sogar noch ein Balken aus einer im Winter des Jahres 996 n. Chr. gefällten Tanne, wie es die Dendrochronologen ermittelt haben.
Weißtanne für den Innenausbau (Geroldtaler Mühle, Baden-Baden)
Dennoch ist zwischenzeitlich die Fichte zum bevorzugten Produkt der Bauholzsäger avanciert. Die Tanne erlitt ein Minderheitenschicksal: Einzeln beigemischt in den Fichten-Verkaufslosen stört sie nur, denn Weißtannen haben ein anderes Trocknungsverhalten, was den Produktionsprozess verteuert. Weshalb Tannen-Stammholz, allen Vorzügen zum Trotz, ab Wald noch immer mit einem Tannenabschlag belegt wird. Umso mehr Überzeugungsarbeit kostet es die Förster bei der Beratung der Waldeigentümer, einen tannenfreundlichen und damit zukunftsfähigen Waldbau in die Wege zu leiten. Doch das Eigenheim in Holz hat Konjunktur, und die rückläufige Verfügbarkeit von Fichtenholz trägt mit dazu bei, dass mancher Häuslebauer inzwischen auch wieder Wert auf edles Tannenholz legt, nicht nur im Dachstuhl, sondern vermehrt auch im Innenausbau, bei Dielen, Treppen oder Fenstern. „Schwarzwälder Tanne“ hat das Zeug zum Premiumprodukt.
Wo die Weißtannen überlebt haben:
Blockhalde im Höllental
Neuerdings hat auch der Weißtannenbauer wieder Tännchen in seinen Wald gepflanzt, weil er ihn fit machen will angesichts all der klimatischen Unwägbarkeiten. Weshalb die Weißtannenhöhe ihren Namen auch bald wieder zu Recht tragen wird.
Am 1. Januar 1972 ist Behla offiziell ein Teil der Gesamtstadt Hüfingen geworden.
Leider wurde der Stadtteil Behla von der Stadt Hüfingen vergessen, wie auch zuvor Sumpfohren und Fürstenberg. Aber dies erstaunt nicht sonderlich, da einige in der Kernstadt und ihr Bürgermeister doch meinen, nur sie seien Hüfingen. Wie könnte man seiner Exklusivität besser Ausdruck verleihen?
Wobei Behla doch ein besonderer Fall ist. Als einziger Ortsteil hat Behla keine vernünftige Chronik und schleppt schwer an einem Nazimachwerk, das zum Glück keiner liest. Leider ist Georg Baum, als einziger der sich für Geschichte interessierte, viel zu früh verstorben.
Georg Baum als Sarwürker mit dem Wappen der Schellenberger.
So dümpelt seit dem Behla, von der Welt vergessen, vor sich hin. Einzig die Bauten des Kindergartens und der Umgehungsstraße B27 waren Highlights. Ansonsten plätscherten unbemerkt diverse Fäkalien lustig vor sich hin.
Am 20. Dezember 1971 wurde die Vereinbarung zwischen Behla und Hüfingen unterschrieben. Sie trat am 1. Januar 1972 in Kraft. Behla erhielt analog den anderen eingemeindeten Gemeinden den Namen „Hüfingen-Stadtteil Behla“. Bürgermeister Fridolin Kaiser wurde erster Ortsvorsteher des neuen Stadtteils. Die Vereinbarung gleicht großenteils derjenigen, die zwischen Hüfingen und Fürstenberg geschlossen wurde. (Eingemeindungsvertrag Mundelfingen). Der freie Finanzspielraum wurde auf 40.000 DM festgesetzt, für die ersten fünf Jahre aber aus dem gleichen Grunde wie bei Fürstenberg auf 30.000 DM verringert. Innerhalb der ersten Jahre nach dem Inkrafttreten hat Behla an Investitionen anzusprechen: ca. 12.000 DM für den Ausbau des Friedhofs und die Errichtung einer Friedhofskapelle, ca. 110.000 DM für den Ausbau der Gehwege im Ortsetter, ca. 20.000 DM für den Ausbau des Schlachthauses, ca. 50.000 DM für den Ausbau des Brandweihers sowie ca. 150.000 DM für die Verbesserung der Wasserversorgung. Die drei erstgenannten Vorhaben sollten während der ersten drei Jahre nach dem Wirksamwerden der Eingemeindung durchgeführt werden.
Chronik der Stadt Hüfingen 1984 von August Vetter
Schön, dass Behla nach 50 Jahren immer noch dabei ist!
Im grün-schwarzen Koalitionsvertrag des Jahres 2021, dem Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg, findet sich das Thema zwar bereits angekündigt. Und doch war es für die Luchsfreunde eine faustdicke freudige Überraschung, dass das so ausdauernd und so kontrovers diskutierte Artenschutzprojekt kurz vor Weihnachten noch konkrete Formen angenommen hat: Unterschrieben vom Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90 Die Grünen Andreas Schwarz MdL und von Reinhold Pix MdL wurde der Luchs-Initiative Baden-Württemberg e. V. mit Schreiben vom 21. 12. 2021 mitgeteilt, dass im Haushaltsplan des Landes für das Jahr 2022 eine Summe von 200.000 € zum Anschub eines Bestandesstützungsprojekts zur Verfügung gestellt wurde, sodass dieses nun in drei Phasen umgesetzt werden kann:
Vorbereitungsphase rund 0,5 Jahre (bereits angelaufen) zur Vorbereitung der Hauptphase durch die Freiburger Forstl. Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA);
Hauptphase 4 Jahre – 2022-2026: Klärung und Beschaffung der Tiere in 2022 und 2023 (Findelwaisen, Nachzucht, Wildfänge), sodann Freilassung von Luchsen, Finanzierungsbeiträge durch das Land sowie NGO´s, Patenschaften und Sponsoring;
Nachbetreuungsphase: Daueraufgabe ab 2027, begleitendes Monitoring durch die FVA.
Ziel sei es, damit in den kommenden Jahren in Baden-Württemberg die Rahmenbedingungen für eine überlebensfähige, sich reproduzierende Luchspopulation zu schaffen. Im Zentrum des mitteleuropäischen Verbreitungsgebiets von Lynx lynx europaeus soll nun endlich die weit aufklaffende Lücke geschlossen werden.
Offenbar ist der Durchbruch nicht zuletzt auch ein Erfolg der seit 2020 amtierenden Vorsitzenden der Luchs-Initiative, Verena Schiltenwolf, die ehrenamtlich auch für den Landesnaturschutzverband tätig ist; mit ihrer gewinnenden und vertrauenserweckenden Art hatte sie in der Politik kräftig gepunktet – auch im Dezember noch anlässlich des gut besuchten öffentlichen Teils der (digitalen) Mitgliederversammlung, an dem auch etliche Vertreter aus Politik und Naturschutzverbänden teilgenommen haben. Als Mitglied der (2004 vom Stuttgarter Ministerium für den ländlichen Raum gegründeten) AG Luchs und Wolf habe sie, wie es in dem Schreiben heißt, mit dazu beigetragen, Akzeptanz für den Luchs zu schaffen und wertvolle Expertise einzubringen.
Womit sie zweifellos erfolgreicher agiert hat als die bislang zumeist mit Forstleuten besetzten Vorstände der Initiative (mit ihrem zumal aus der Sicht der Jägerschaft eher belasteten Image), die sich über drei Jahrzehnte lang vergebens um das nunmehr in greifbare Nähe gerückte Ziel bemüht hatten. Andererseits war es gewiss auch den Schwarzwälder Dickschädeln und Dickbrettbohrern des Vereins zu verdanken, dass der Luchs seit jenem Jahr 1986, als die Idee für das Projekt erstmals aufgekommen war, nie mehr vollends aus den Schlagzeilen und in der jagd- und naturschutzpolitischen Versenkung verschwunden ist. Erst recht ist den Mitarbeitern des Wildtierinstituts der Freiburger FVA zu danken, allen voran Dr. Micha Herdtfelder, für ihre ebenso beharrliche wie professionelle Arbeit. Kurz vor Weihnachten ist es ihnen erst wieder gelungen, einen der seit Jahren in Baden-Württemberg solitär lebenden Luchskuder zu besendern. Ob sie auch ihm nächstens eine Gefährtin zuführen werden?
Was lange währt, scheint endlich gut zu werden – seit Weihnachten 2021 ist ein Happy-End des baden-württembergischen Luchsdramas abzusehen.
Beim Thema Luchs Wort gehalten (Winfried Kretschmann MdL am 13. 4. 1991 in der Heilbronner Stimme)
Verzeller, Schrieber sottet konni Gschechte verzelle, wenn sie konni Bilder und Gschichte i sich hond.
Uubekannte Verzeller.
Heilig- Obet Vorleseversion für Kinder aber au Erwachsene uff wälderisch
De Winter het kalt und glii mit viel Schnee aagfange. Es sind die letschte Wihnächte vun de Glasmacher in de Glashitte im Ferndobel. Am Johrgricht, so heisst die alljährlich Versammlung vun de Glasmacher, het d` Glasmachergmeinschaft beschlosse, dass mer gi Buebach in Briilinger Wald umzieht. De Wald isch im Umkreis vum Ferndobel durchs Abholze für d` Pottasche, durchs Köhlere für d` Holzkohle und zum Aafiere und Wärme vum Huuswese so abgholzt, so uusbainet gsii, daß mer nimmi mit guetem Erfolg Glasmache het kinne. Sit her isch d` Stimmung im luschtige Gmeinwese e weng druckter gsien wie in de vergangene Johr.
Wie immer am Martinitag am 11.11. hät mer d` Glasöfe, diesmol leider für immer im abglegene Ferndobel uusgehn losse. Sunscht isch mer immer ans Repariere und Überhole vun de Öfe, de Wasserräder, vum Huuswese und em Handwerksgschier gange. Me hät Fierholz gmacht, Schindle gspalte, Kischtle baut und me het au gmietlich gfeschtet und nette Obet zeme uff em warme Ofebank und de gmietliche Stubbe verbroocht. D` Wieber hend gspunne, gschtickt, gschtrickt, gschtopft, Strauschuhe gmacht und s` ganz Huuswese putzt, gschrubbt und hergriecht.
D` Manne hend Cego oder Benokel gspielt, musiziert und viel Spässle gmacht. De Thies Kappeler, de Gründer und de erscht Glasmaischter vun de Glashitte im Ferndobel, en knorrige Tiroler, der het au e Zither und s` Spiele uff dem Instrument vun dert mitbroocht. Überhaupt waret Ferndöbler Glasmacher e bsunders luschtigs, sangesfreudigs und musikalischs Völkle. Des war au wichtig, weil im Winter d` Sunn nimmi ins Loch, ins tief Tal im Ferndobel nab kumme isch. S` war ellemol fascht so duuschter wie in ere nördliche Polarnacht.
Am Sunntig sind d` Wibbervölker alle zemet mit de Kinder und de Manne in eme tiefe Schneegrabe fröhlich hinterenand, so wie d` Schäfli ellemol, in d`Kapelle uf de Thurner, oder in d` Fernhofkapelle oder an d` Neihieslikapelle in d` Sunntigskirch gange. Wenn sie Glick ghet hend, het d` Sunne gstrahlt. Dennoo sind sie alli für paar Stunde doch für die Mühe im dunkle Loch dunde in de Glashitte mit strahlendem Sunnelicht belohnt wore.
In dem Advent war aber diesjohr alles ganz andersch. Reparature mache, s` Schindle vun de Glashitte- Hiesli, s Holz mache war nimmi notwendig. Nu des was mer uff Buebach, in die neu Heimet, mitnehme het welle, des het mer gflickt und mit Sorg überholt.
Me het scho langsam aagfange zum Verpacke und Herrichte vum Umzugssach. De Studiosus, der Lehrer Pirmin, het s` Schuelsach, Büecher, Karte, Tafle au scho sortiert und Kischtli defür baut. Aber grad in de ruhige Wintererzit war jeden Tag Schuel und d` Buebe und Maidli hend in dere Zit viel glehrt. Überhaupt waret Hinterstrasser Glasikinder gschieder wie die Kinder vun de Höf und de Gietlerhiesli rundum, die nuu im Winter unregelmässig in d` Schulstunde uf de Schwaighöf, St. Märje, z` Waldau oder au in d Neikirch bei strenge, uuluschtige und aifältige Schuelmaischter gange sind.
Am Heilige Obe anno 1726 hets dusse ghörig gwaiet und gstürmt. Es het Schnee rab glosse, dass mer gmaint het, d` Welt dät under gehn. Zu deene Johr um 1700 het mer später au die „Klei Eiszitt“ gsait. D` Manne hend sorgevoll an Himmel gugget. D` Fraue und Mütter hend uuruhig und bsorgt gfrogt, wies dusse ussehne dät, mit dem verblosene und verwaihetete Pulverschneegstürm. Zwei Sorge het mer im Ferndobel im Winter scho immer khaan: S` Sunnelicht het mer vermisst und uff de meterhoh, hohlos Pulverschnee hettet die Erwachsene gern am liebschte ganz verzichtet. Der isch nämlich villmol wie e Drohung an de steile Häng ghanget. Lawine hend scho ellemol ganze Höf, Gietlerhiesli und Familie in ihre Aawese uusglöscht. Vor so Pulverschneelawine het mer en Heiderespekt, en mords Mores khaan.
Wenn`s gschneit het ohni End, denno isch mer eng zemet ghuckt und het in ai Fiddle nii Rosekranz betet. An dene bedrohliche Schneetäg het sich kainer meh in Ferndobel traut. Dert sind die freie Wiese übervoll ghanget mit staubliichtem Pulverschnee. Es het nu no paar Spure vun de zitternde, frierende und hungernde Reh bruucht und die Staublawine wäret mit eme dumpfe Knall gnadelos ins Tal nab grauscht.
Die letscht gmeinsam Wihnächte im Ferndobel waret wege de drohende Schneelawine nit so fröhlich wie früher sunscht. Sogar die lebensfrohe Kind hend e grosse Aaspannung gspürt. Au d` Tierli in de Ställ hend uuruhig an de Kette gschaaret und grisse. Eweng sorgevoll het mer in d` Zuekunft gucket und nit ganz genau gwisst, was eim im Buebach erwartet. Aber ebbis war guet, hend die Erwachsene gsait: Daß es dert kaini bedrohliche Lawine giht und dass mer d` Sunn viel meh und öfter sieht wie im duuschtere Glashitteloch.
De Glasvogt Melchior het in Himmel und in d Wolke uffi gschächt und de Frau Theodora gmeldet, dass die gröscht Gfohr ummi sei. Es heb Vorwind, der kalt und trocke Wind vun de Boor her. Die Angst, dass am letschte Wihnächsobet, am Heilige Obet, s` Glasvölkle durch e Lawine uusglöscht wird, die het de Melchior Gott sei Dank wege dem erhoffte, draihende Wind jetzt verscheuche kinne. Wo sie vun dere grosse Bedrohung verschont wore sind und s` Schneegstöber uffgehrt hät und sogar d` Sternli zaghaft us de Wolke gucket hend, denno sind
alli erliichteret, erlöst und wie befreit gsiin. S` innbrünstig und fromm Bete het halt doch wieder ebbis gnützt und gholfe.
Jetzt sind sie in de grosse Stubbe vum Glasvogt Melchior, eng und gmüetlich zemet gsesse und hend sich uff de „ Heilig Obe „ gfreit. Die Zitherspieler hend „Stille Nacht , Heilige Nacht…..“ * aangstimmt und alli waret jetzt hoffnungsfroh und zueversichtlich gstimmt. D` Kerze am Christbaum sind anzunde wore und hend molerisch d` Stubbe erleuchtet. S` Schuellehrerli, de schlau Pirmin, het s` Weihnachtsevangelium feierlich vorglese. Diesjohr het die Gschicht vun de Flucht vun de heilige Familie e noo tiefere Bedietung khaan. In paar Woche mien au sie umziehe und in e andere Gegend zügle und uuswandere. Ob mer au so herzlos abgwiese wird, wie diesell Heilig Familie ? No weiss mer nit, was eim erwartet uff de Reis und im neue Wohn- und Glasiort, im Briilinger Buebach.
Die ganze Weihnachsliedle usem Gsangbuech sind innbrünstig und feierlich gsunge wore und d` Glasmaischterin Theodora het no e aarührends Gebet vorbetet. Und dennoo het sie allne e kleis Gschenkli, was in Spanschächteli und in Holzwolle inpackt war, mit warme Wort an jeden verteilt. Keiner isch vergesse wore und die Socke, die Hember, die Hendsche, die Zipfelkappe, die Stoffbuppeli, die gschnitze Holzsoldätli und Rössli, die gschnitzte Hirschli und Gaisse, des Weihwasserkesseli für s` Grossi, die Dubackspfiife ver de Grossvater, die Schnitzmesserli für d`Manne, de Schnupfduback, die Schnapsfläschli, de Pfiifeduback und die hellklingende Messing- Glöckli für d` Gaisse, die Strohschuhe für Maidli und d Mägd sind voller Freud und dankbar uuspackt und grührt, freudig entgegegnomme wore.
Jetzt hend d` Mägd und d` Maidli ufftrage. Die ganz Woch sind die zwei Jäger, de Dionys und de Eusebi, uf d` Jagd gange im lawinesichere, dichte Wald und hend vor drei Tag grad no rechtziitig en grosse Hirsch gschosse. Der iiglegt Hirschbrotis mit handgschaabte Spätzle, Preiselbeere, Pfifferling, Steipilz und iigmachte Birne, des war de Heilig Obet Festschmaus. Die gross Fleischplatte war ratzeputz, rubbis und stubbis leergschlecket und d` Kätzli hend no so schnurre kinne und eim um d` Bai striche kinne wie sie ehnd welle. Es isch kai Fetzli Fleisch meh an de Knechli ghanget. Nu die beide Hofhund hend no d` Knöcheli gräuschvoll vergnaage kinne.
Nochher het`s no ebbis seltes, ebbis ganz Guetes, ebbis Siesses gai: Bachemogge mit Staibeermues, frischgschlagenem, steifem Schlagrohm und iigmachte Sauerkirsche mit wunderbarem, duftendem Zimtzucker überrieselet. Me hät sich zueproschtet und sich Glück und Sege gwunsche für des neu aabrechend Johr und für die hoffnungsvoll Zuekunft im Buebacher Tal. E klei weng hend Kinder au am siesse Beerliwii schlecke und schneike dürfe.
Und jetzt het de gnitz Jodok feierlich verkündt, dass er in sinem Alter uff kain Fall meh mit nach Buebach gehn dät, sondern zemet mit de treue, brave, hilfsbereite Johanna, em bsorgte, trollige Töchterle vuns Glasvogts, do im Ferndobel bliibe dät. In siinere eigenschte Urheimet, mit dere er uuzertrennlich verwurzelt sei wie e knorrigi Tanne in dene uuvergängliche Felsbolle. Do dät er warte bis sini Lebensuhr abgrieslet sei. Er wünscht dene Umsiedler in die neu Heimat, in die neu Glasmacherhütte im Buebach „Vun Herze Alles, Alles Guete und Gottes Sege, und e dankbars Vergelts Gott au allne Glasi Liit für die viele guete Johr im Glashittedobel.
Wege dene bescheidene und ergreifende Wort vum Jodok mien alli, au die hertgsottene Manne, hählinge d` Sackdiecher hindefieri ziehe und sich no mol kräftig, s` letschmol an ere Waldweihnachte in de Glashitte im Ferndobel, mit verschrauene Auge herzlich und grührt zueproschte.
S` Einzig was an dem Obet gfehlt het, war de stimmungsvoll, nächtlich Gang mit Laterne ins Thurnerkirchli, in die feierlich Christmette. Die gwaltige Schneemasse, hend des verhindert. S` het diesjohr aifach kai durchkumme durch die Schneewaijete gai. Für des Johr waret sie abgschlosse vun de ussere Welt.
So het mer diesjohr wieder Zit ghet zum Zemetsitze, zum Gschichte verzehle, zum Spiele mit de Kinder, zum Singe, Zither spiele und musiziere und au zum uusgiebig Schlittefahre, Schneballschlachte mache, gegsiitig Iisaife und Schneemanne baue.
Die Wihnächte anne 1726, die Allerletscht Glasiwihnächte im Glashitteloch, die war die schönste, die berührendscht und die feierlichscht vun de fröhliche Glasigsellschaft im stille, einsame Ferndobel.
„Die Kindertageseinrichtungen stoßen trotz sechs Kindertageseinrichtungen an ihre Grenzen“. So beginnt der Zeitungsartikel von Rainer Bombardi vom 17.12.2021 im Schwarzwälder Boten als Feststellung und lässt vermutlich schon bei vielen Bürgerinnen und Bürgern den Kopf schütteln. Seit nunmehr über drei Jahren stehen Eltern von Kita-Kindern sowie Elternvertreterinnen und Elternvertreter immer wieder auf, und zeigen den Mangeln an Plätzen auf. Ein Blick in die Daten des Statistischen Landesamtes Baden-Württembergs zeigt seit über 6 Jahren für den Schwarzwald-Baar-Kreis eine stark steigende Tendenz an Geburten in unserer Region. Weit höher als im Landesdurchschnitt.
Schon beim Umbau der Schule in Behla zum jetzigen Kindergarten wurde in Bürgersprechstunden beim Bürgermeister über die zu geringen Plätze hingewiesen. Betont wurde dabei auch, dass schon bei den damaligen Geburtenzahlen und geplanten Bauplätzen ein Mehrbedarf zu erwarten ist. Das Einzige was passiert ist:
Man hat trotz dieser Tendenz die Kita in Hausen vor Wald – mit über 20 Kindern belegt – geschlossen,
Fürstenberg und Mundelfingen sollten mittelfristig folgen,
Sumpfohren wurde nach vehementem Einsatz der Bürgerinnen und Bürger zu einer Kinderkrippe gemacht und nicht ganz geschlossen,
Ein fertiges Konzept für einen Naturkindergarten wurde vom Bürgermeister ohne weitere Prüfung abgelehnt.
Jetzt stehen dringende Entscheidungen an, um den Bedarf an Betreuungsplätzen decken zu können. Der aktuelle Plan: Die noch bestehende Kita-Einrichtung in Mundelfingen soll erweitert werden, um den „geburtenstarken Jahrgängen in Mundelfingen und Hausen vor Wald Rechnung zu tragen“.
Liebe Gemeinderätinnen und -räte, wenn Sie sich die Familienstruktur Hüfingens und der Ortsteile ansehen, dann werden Sie feststellen, dass wir nicht in einer Welt der Ein-Kind-Politik leben. Viele Familien haben 2, 3 oder mehr Kinder. Wenn ich nun in Hausen vor Wald wohne, mein erstes Kind in Behla in der Kita betreut ist, so können diese Eltern damit rechnen, dass aufgrund Platzmangels das nächste Angebot demnächst in Mundelfingen sein soll? Bei einem Bedarf für ein weiteres Unterdreijähriges Kind, könnten sich die Ziele sogar bis Sumpfohren ausweiten. Wie viel Zeit und Kilometer meine lieben Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sollen Eltern am Morgen und am Mittag auf der Straße zubringen, um ihre Kinder von Ortsteil zu Ortsteil zu fahren, hin und her, weil Sie sich nicht einfach mal intensiv mit einer Generallösung beschäftigen wollen, sondern stets in Sachen Kinder- und Jugendlichen eine baulich kostengünstige Alternative suchen und anstreben. Und wir sprechen hier nicht von Fahrtzeiten in besonders außergewöhnliche Einrichtungen wie Montessori-, Waldorf-, oder Waldkindergärten als Kinderbetreuung, was bereits zahlreiche Eltern in unserer Gemeinde auf sich nehmen. Wenn es Ihnen nur ums Geldsparen geht, dann lassen Sie es doch einfach mit diesen halbseidenden Beschlüssen gleich ganz sein und präsentieren sie dies nicht als eine Lösung. Aber ich kann Sie – falls Sie sich hier aufregen sollten – gleich wieder beruhigen. Wir leben mittlerweile in einer Gesellschaft, wo Eltern froh sind, ihre Kinder überhaupt unterbringen zu können. Und zwar so, dass es bedarfs-, familien- und berufsgerecht ist. Dafür fahren diese – vor allem in den Ortsteilen – auch und nehmen Vieles hin. Daher werden Sie kaum Widerstand erfahren, außer in Artikeln wie meinem.
Halten wir also fest:
Der Reporter hält zwar in seiner Zwischenüberschrift diese „Erweiterungen durchdacht“, sie zeigt jedoch, dass sich eine Entscheidung platziert hat, die von wenig Weitsicht im Sinn von familienorientierter Handlung und Weitblick gesellschaftlicher Entwicklungen sondern alleine aus finanziellen Gesichtspunkten gezeichnet war.
Liebe Kernstadteltern. Sie können zumindest froh sein, dass Sie nicht in naher Zukunft ihre Kinder in einer „Massenanstalt“ St. Verena der frühkindlichen Erziehung unterbringen müssen, weil man dann doch aus pädagogischer, aber vor allem verkehrstechnischen Gründen von einem weiteren Ausbau in der Friedenstraße abgesehen hat. Vielleicht auch, weil sich mehrstöckige Wohngebäude in diesem Bereich, wie bereits gezeigt, für Investoren mehr lohnen, als eine Kindertageseinrichtung.
Sie bekommen einen tollen neuen Kindergarten. Ich vermute jedoch nicht „Auf Hohen“, wo auch dort? Oder meinen Sie „Auf Hohen II“ am neuen vierspurig ausgebauten Kreuzungspunkt von B27/B31 direkt am Bauhof, weil dort noch ein für junge Familien unattraktives Grundstück frei wäre? Man könnte ja auch das Aquari abreißen und hier den in millionenschweren Investitionen geformten Bildungscampus um eine frühkindliche Einrichtung erweitern. Das wäre doch auch eine prima Lösung. Vielleicht wird dann auch die Lucian-Reich-Schule in Zukunft von mehr Hüfinger Kindern in Anspruch genommen werden, was eine planerische Zukunftsvision als Basis voraussetzen würde. Doch wie wir lesen, streben Sie, liebe Gemeinderätinnen und –räte nach bautechnisch günstigen Lösungen. Vielleicht wäre dann eher im neuen Gewerbe-Mischgebiet Ziegeleschle II ein Plätzchen machbar. Da lässt es sich dann auch prima spielen, während das Gewerbe ihren handwerklichen, halbindustriellen oder anderen Arbeiten nachgeht und der Zulieferverkehr täglich an- und durchrollt. Zumindest wäre hier ausreichend Platz und vielleicht wird bei einem Neubau auch großzügig die Quadratmetervorgabe des KVJS von 2,5 qm überschritten, um tatsächlich mal einen Ort für Kinder zu schaffen und nicht eine baulich kostengünstige Einrichtung in kleinklein und engeng. Vielleicht wird dann auch dieses Konzept gleich weitergedacht und man plant eine Jugendeinrichtung wie das lang ersehnte Jugendhaus gleich dort mit, damit die Kids mal aus dem verschimmelten Kronekeller in eine den heutigen Anforderungen angemessene Einrichtung ihre Freizeitgestaltung umsetzen können. Oder mangelt es hier, weil wir nach vielen Monaten noch nicht mal eine Lösung für eine neue Stadtjugendpflege haben und die Jugendarbeit so eh langsam den Bach runtergeht.
Zudem lese ich mit Fassungslosigkeit, dass dadurch gleichzeitig die Kita in Behla entlastet werden soll. Eine Kita, bei der noch im Bau nicht nur Eltern darauf hingewiesen haben, dass die Einrichtung zu klein geplant ist, und vom Bürgermeister lediglich die kalte Schulter gezeigt bekommen haben. Diese ist nun zu klein?
Am Schluss möchte ich noch eines feststellen. Der Gemeinderat folgt hier nicht einer Initiative von Eltern oder einer kindgerechten Zielvorstellung. Es geht hier darum, schnell einen Bedarf zu decken. Hat nicht derselbe Gemeinderat vor 4 Monaten im Zusammenhang mit den Kita-Gebühren und einer Entlastung von Eltern bei den jährlich und seit über 10 Jahren stetig steigenden Kita-Gebühren (mittlerweile in diesem Zeitraum gut 25%) in seiner Abstimmung klar mit allen Stimmen von CDU und FDP gegen die Familien und Eltern gestellt.
Und eines zu guter Letzt: Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Wenn Sie darauf verweisen, dass die Stadt von dem qualitativ hochwertigen pädagogischen Engagement der kirchlichen Träger gerade in diesen Zeiten der Pandemie profitieren, schlage ich Ihnen gerne mal vor, sich mit Eltern ehrlich ins Gespräch zu begeben, um hier die zum Großteil gänzlich gegenteilige Meinung sich zumindest mal anzuhören. Sprechen Sie auch gerne mit solchen Eltern, die nicht mit Ihnen auf Du und Du sind. Sie könnten überrascht sein, wie falsch Sie in Ihrer Aussage liegen. Die Einrichtungen haben es schwer mit all den Verordnungen und Auflagen – keine Frage. Genau deshalb braucht es eine andere, intensivere Kommunikation mit den Eltern, neue Ideen und mehr Unterstützung der Fachkräfte.
Hinsichtlich des Durchschnittsalters der Bevölkerung Hüfingens von 42,9 Jahren, wünsche ich mir auch im Gemeinderat ein solches Durchschnittsalter. Vielleicht wäre dann in Bezug auf eltern- und familienbezogener Politik wieder einiges realer, als dass, was ich in dem besagten Artikel lesen musste. Da reicht es nicht aus, liebe Gemeinderätinnen und –räte, Enkel in einer Kita das ein oder andere Mal abzuholen.
In der Hoffnung, dass sich die Eltern- und Familienpolitik in Zukunft stärker an den Bedarfen orientiert, die Prognosen und gesellschaftlichen Veränderungen konkret mit einbezieht, setze ich nun hier meinen Punkt.
Rede Michael Steinemann, der BFSO/DIE GRÜNEN-FRAKTION vom 21. Dezember 2021
Sehr geehrte Damen und Herren,
ein anstrengendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Die Pandemie hat uns nun fast zwei Jahre im Griff. Ich hoffe, irgendwann im nächsten Jahr können wir mal behaupten: WIR haben die Pandemie im Griff. Alle politischen Ebenen vom Bund bis zu uns auf kleiner Kommunalebene spüren die Auswirkungen. Gesellschaftlich, aber auch wirtschaftlich und nicht zuletzt finanziell. Wenn ich das Zahlenwerk anschaue, sehe ich aber eine zuversichtliche und seriöse Planung fürs nächste Jahr. Wir alle hier am Tisch waren zur Zurückhaltung aufgerufen und haben dies auch umgesetzt. Bevor ich aber in die Zukunft blicke, möchte ich kurz die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lassen.
Fraktionssitzung am 18. April 2021
Die Stadt Hüfingen hat viel investiert, trotz oder gerade wegen der Pandemie. Vereine wurden unterstützt durch erhöhte Corona-Zuschüsse, auch das neue Vereinshaus Fürstenberg möchte ich nennen, aber auch kleinere Unterstützungen, egal ob es Mähroboter oder Schankstände sind. Für unsere öffentlichen Einrichtungen, ob Hallenbad, Sauna, Museen oder Hallen war es vermutlich das härteste Jahr der letzten Jahrzehnte. Selbstverständlich denke ich da nicht nur an entgangene Umsätze, sondern an die vielen potentiellen Besucher und Gäste die durch Zwangsschließungen ins Leere schauten.
Vereinshaus Fürstenberg
Das kommunalpolitische Thema des Jahres war mit Sicherheit der Bürgerentscheid am 26. September. Unsere Demokratie und das Zusammenleben und das Zusammenarbeiten muss auch mal völlig unterschiedliche Ansichten aushalten. Jeder Mensch tickt anders. So sind auch die Emotionen anders. Das hat man bei der hitzigen Debatte immer wieder gemerkt. Alle sind auch angehalten, dass Bürgerentscheide nur die Ausnahme darstellen dürfen. Hierfür hat der Gesetzgeber ja nicht ohne Grund gewisse Hürden für das Herbeiführen von Bürgerentscheiden festgelegt.
Hüfingen ist ohne Zweifel attraktiv. Das sieht man nicht zuletzt bei der Einwohnerentwicklung. Hierbei ist darauf zu achten, dass auch alles andere an Infrastruktur mehr oder weniger auch mitwachsen muss, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Dieses Wachsen kann aber nur unter der Rücksichtnahme von Ökologie und dem Schutz vor Emissionen wie Straßenlärm stattfinden. Alles andere wäre nicht langfristig gedacht.
Bei den Neubaugebieten sind wir in Behla im Rekordtempo bis zum Spatenstich in der letzten Woche marschiert. Fürstenberg und Hausen vor Wald sind da ein wenig langwieriger. Gerade aber Sumpfohren macht mir große Sorgen, da wir den jetzigen Bauboom dort gut brauchen könnten, aber noch viel hängt dort in der Schwebe. Für Behla müssen wir baldmöglichst die Preise für die Bauplätze beschließen.
Egal ob Neubaugebiet für Wohnbedarf oder für Gewerbe, wir werden auch künftig uns stark machen, vor allem in die Höhe zu bauen und mit unseren Flächen mit Bedacht umzugehen. Zuletzt war das ja vor nur wenigen Monaten bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal in aller Munde.
Mit Sorge schauen wir auf die Personalsituation im Bauamt. Das Personal-Karussell drehte sich in der dortigen Leitungsstelle leider viel zu schnell. An dieser Stelle an alle Mitarbeiter im Bauamt, auch an Sie Herr Bürgermeister, die diese Lücke gemeinsam fachlich irgendwie schließen mussten, damit es nicht zu einem kompletten Stillstand kommt, einen herzlichen Dank für die zusätzlich geleistete Arbeit.
Es wird keine Steuererhöhungen geben! Das ist für die Bürger sicherlich die wichtigste Erkenntnis des Haushaltsplans 2022. Wenn ich auf Nachbargemeinden schaue, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Dies schließt wiederum Gebühren, die ja eine direkte Gegenleistung abdecken sollen, natürlich nicht mit ein. Hier sind wir gefordert, Gebührenanpassungen regelmäßig im Auge zu behalten, damit es nicht alle 10 Jahre zu massiven Erhöhungen kommt. Am massivsten werden dies im nächsten Jahr zynischer Weise nicht die Betroffenen selbst, sondern deren Erben bemerken. So mussten wir u. a. die Friedhofsgebühren stark erhöhen. Wir müssen aber als Stadt darauf achten, nicht in allen Lebensbereichen ein Zuschussbetrieb zu werden.
2021 aber auch in den Vorjahren stand finanziell die Erweiterung der Lucian-Reich-Schule im Fokus. Insgesamt haben wir als Stadt knapp 14 Mio. EUR in kürzester Zeit für dieses Projekt investiert. Eine wirkliche finanzielle Herkulesaufgabe, die sich in dieser Größenordnung so schnell nicht wiederholen darf.
Hüfingen ist die letzten Jahre im Personalbereich immer sehr auf Sicht gefahren. Die Verwaltung ist nicht aufgebläht, sodass wir – anders als umliegende Kommunen – keine Überlegungen über Stellenreduzierungen verschwenden brauchen. Im Gegenteil, wir als Arbeitgeber müssen uns überlegen mit welchen Benefits wir genügend gute Mitarbeiter in den Öffentlichen Dienst bekommen und langfristig an die Stadt Hüfingen binden.
Exotische Projekte oder freiwillige Mammutvorhaben wird es im nächsten Jahr nicht geben. Wir sind sehr bemüht den gesetzlichen Pflichtaufgaben nachzukommen. Alles andere wäre in diesen doch unsicheren Zeiten unseriös und nicht vertretbar. Einziger nennenswerter Luxus, wenn man es überhaupt so nennen darf, wird der kürzlich mit großer Mehrheit beschlossene Kreisverkehr im Bereich der Dögginger Straße mit ca. 1 Mio. EUR werden. Davon werden aber voraussichtlich alle Bürgerinnen und Bürger jahrzehntelang profitieren. Die größte Ausgabe in den Ortsteilen wird ebenfalls in den Straßenbereich gehen, konkreter gesagt in die Haidenbachbrücke über den Aubach in Mundelfingen, die nun mit über einer halben Millionen Euro vor der Sperrung gerettet wird. Eine genauso wenig aufschiebbare Maßnahme ist die Ertüchtigung des Brandschutzes der Festhalle in der wir uns gerade befinden. Das ist ebenfalls kein Luxus, sondern gesetzliche Notwendigkeit, auch wenn man von der eingeplanten Summe von 500.000 EUR ruhig etwas erschrecken darf. Alles in allem sind im nächsten Jahr Investitionen von fast 10 Mio. EUR vorgesehen. Zwar ist die Summe vergleichbar mit den beiden Vorjahren, allerdings liegt der Fokus nun eher Richtung Straßen- und Kanalbau, sprich beim Erhalt der jetzigen Infrastruktur.
Lobend erwähnen möchten wir die eingestellten 80.000 EUR für die Säuberung des Behlamer Weihers.
Die volle Wucht der Baukostensteigerung der letzten Monate spüren wir als Stadt nun auch mit dem Neubau des Vereinshauses Fürstenberg. Immerhin befinden wir uns hier im Endspurt, fürs nächste Jahr werden noch 354.000 EUR übertragen aus 2021. Die Fürstenberger Vereine hatten vermutlich das große Glück, dass der Baubeschluss knapp vor Beginn der Baukostenexplosion herbeigeführt wurde. Der Kostensprung ist schon gewaltig. Aber das Glück ist ja mit den Tüchtigen.
Hüfingen ist noch schuldenfrei. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt. Zu unserer Überraschung planen wir 2022 mit einem leichten Überschuss. Corona wird noch vieles durcheinander wirbeln, auch einige Bereiche des vorgelegten Zahlenwerks. Umso positiv überraschter sind wir, dass sich unsere Steuereinnahmen in diesem Jahr aber auch 2022 relativ robust gegen die Pandemie und seine Folgen zeigen. Hoffen wir, dass dies so bleibt.
Zum Schluss danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Hüfingen für die engagierte Arbeit tagtäglich für unsere Gemeinde. Auch ihre Arbeit unterschied sich durch die Pandemie in diesem Jahr sehr stark von der Vergangenheit und war sicher nicht immer einfach. Ich denke da nur mal an sehr kurzfristige Allgemeinverfügungen des Landes, die am Folgetag von den Kommunen umzusetzen waren. Mein besonderer Dank geht heute auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kämmerei und der Stadtkasse.
Vielen Dank!
Wirtschaftsplan
Laut Wirtschaftsplan werden wir die Schwarze Null knapp verfehlen. Meines Erachtens sollen Stadtwerke Gewinne erwirtschaften. Dieses Ziel erreichen wir nun zum zweiten Mal in Folge nicht. Hallenbad und Sauna machen in diesem Jahr ca. 800.000 EUR Verlust, im kommenden Jahr 700.000 EUR. Um bei unseren Stadtwerken nicht längere Zeit mit Verlusten zu leben, bliebe ja aktuell nur im Bereich der Wasserversorgung die Gewinne durch höhere Gebühren zu steigern um an anderer Stelle die beschriebenen Verluste auszugleichen. Die Pandemie besser gesagt die Zwangsschließungen von Sauna und Hallenbad macht es uns natürlich etwas schwierig, für 2021 und 2022 repräsentative Zahlen herauszulesen. Auf der anderen Seite gehören schlechte Zahlen genauso wie gute Zahlen zum Geschäft und können nicht einfach ausgeblendet werden. Die Zukunftsfrage des aquari, das ob und wie, wird vermutlich in den nächsten 1 bis 2 Jahren fallen müssen. Ich wünsche mir im Gemeinderat eine offene Debatte mit dem Aufzeigen aller Vor- und Nachteile der verschiedenen denkbaren Varianten. So wie wir es zuletzt auch beim Thema Kindergarten und Schaffhauser Straße in Gemeinderatssitzungen und Klausurtagungen angegangen sind. Hierfür nochmals nachträglich einen herzlichen Dank.
Auch wenn bei der Wärmeversorgung nur ein Mini-Gewinn zu verzeichnen ist, sind wir fest überzeugt, dass das künftig neben der Wasserversorgung unser Zugpferd in den Stadtwerken sein wird. Hier bedanken wir uns besonders bei allen beteiligten Akteuren des Nahwärmeverbunds.
Wir stimmen dem vorgelegten Wirtschaftsplan 2022 zu und bedanken uns herzlich bei allen Mitarbeitern der Stadtwerke für ihre Arbeit.
Dies sagt man in den USA, wenn mal wieder was zerstört wurde.
Wie jede anderen Stadt hat auch Hüfingen mit asozialen Menschen zu kämpfen, dies ist leider kein amerikanisches Phänomen.
Abgeknickter Baum beim Hasewäldle
Doch macht es einen immer wieder traurig, wie manche Menschen mit unserer Umwelt umgehen.
Unser Bauhof beseitigt stoisch fast jeden Tag deren Dreck. Sogar schon Sonntag Morgen um sieben in der früh habe ich jemanden „erwischt“ am Bahnhof den rausgerissenen Mülleimer wieder im Boden zu versenken.
Für alle die es nicht wissen: Es gibt in Hüfingen einen Schadensmelder.
Das letzte Jahr habe ich einige Fotos gesammelt. Falls jemand mitmachen will, in den Kommentaren kann man auch Fotos hochladen. Ich werde das Foto dann gerne in die Galerie integrieren.
„Endlich offiziell Donauquellstadt“, so werden die Donaueschinger am 10. Dezember 2021 auf der Lokalseite der Tageszeitung beglückt. OB Pauly habe von Innenminister Strobl die Auszeichnung im Rahmen einer virtuellen Feierstunde erhalten. Damit werde in besonderer Weise gewürdigt, welchen Stellenwert die Donauquelle seit jeher innehatte. Die Zusatzbezeichnung auf den Ortsschildern der Kernstadt soll nun also dem Highlight im fürstlichen Park weitere Strahlkraft, dem Tourismus der Stadt weiteren Schub verleihen. Vor lauter Stolz ist im Zeitungsbericht fast untergegangen, dass sich nun auch Furtwangen so nennen darf – welch salomonische Entscheidung in Stuttgart! Oder war sie womöglich doch nicht ganz so weise?
Als ob da nicht auch noch eine dritte Stadt ein Anrecht auf die Auszeichnung hätte! Wo doch spätestens seit 1719 klargestellt ist, wo sich die wahre Donauquelle befindet. Friedrich Wilhelm Breuninger hat darüber nicht nur ein umfangreiches Buch geschrieben, sondern auch vor Ort Beweise gesammelt. Sein fraglos etwas sperriger Buchtitel lautet:
Fons Danubii primus et naturalis: Oder die Ur-Quelle Des Welt-berühmten Donau-Stroms Welche In dem Herzogthum Würtemberg und nicht zu Don-Eschingen wie bißhero davor gehalten worden zu sein gründlich behauptet wird, und von wannen der Fluß als von seinem wahren und eigentlich Ursprung an biß zu seinen Ostiis und Aueflüssen unter mancherley Anmerkungen neben zerschiedenen Preliminarien.1
Breuningers Werk war ganz offensichtlich eine Auftragsarbeit: Der junge Geistliche des (seit 1556 evangelischen) Klosters St. Georgen hatte seinem Landesherrn, Herzog Leopold Eberhard von Württemberg-Mömpelgard, den prestigeträchtigen Nachweis zu erbringen, dass die Donau nicht etwa im fürstenbergischen Donaueschingen oder an der Martinskapelle im Vorderösterreichischen entspringt, sondern im Herzogtum Württemberg, genauer: am Hirzbauernhof, wenige Kilometer westlich der Bergstadt St. Georgen. Pech nur für Autor und Auftraggeber, dass per Staatsvertrag von 1810 das württembergische Oberamt Hornberg mitsamt St. Georgen und Ur-Quelle badisch werden sollte.
Friedrich Wilhelm Breuningers Kartenblatt (1719)
Breuningers wichtigstes Beweisstück war – ja was denn nun? – eine Wettertanne, die Gedächtnuß-Danne nämlich. Sie findet sich eingezeichnet auch auf einem von ihm sorgfältigst ausgearbeiteten Kartenblatt, knapp daneben Fons Danubii primus et naturalis, die so postulierte wahre Donauquelle. Diß ist der Baum, so schreibt er in seinem Buch, dessen wir schon oben mehrmal gedacht und das erste übergelassene Wahrzeichen von der Donau- und ihres Nahmens-Ursprung; es stehet selbiger auff der südlichen Seite der (Brigach-)Quelle etwas Ostwärts an dem aufsteigenden Hirtzberg bey 300 Schritt von dem Ursprungsort entfernt.
Der mit der mehrstämmigen Gedächtnis-Tanne offenbar bestens vertraute Verfasser scheint sich zwar durchaus darüber im Klaren gewesen zu sein, dass am Hirzbauernhof in Wahrheit die Brigach entspringt (weshalb sonst hätte er deren Namen in seinem Text in Klammern gesetzt?), doch allein dieses Brigachbächleins wegen, so argumentiert er messerscharf, hätten die Altvorderen doch nie und nimmer eine solche Wettertanne auf ihrem Feld stehen lassen! Sollte nämlich jemand danach fragen, warum der Baum mitten auf dem Acker stehen bleiben durfte und nicht auch, damit er das Land nicht hindere, ausgereutet worden, so bekommt man von den ältesten Leuten die Antwort, dass sie von den Alten gehöret und diese wiederum von ihren Vorfahren. Man habe diesen Baum an diesem Ort als eine vor allen andern schöne und besonders gewachsene Danne zum Gedächtnis stehen lassen, dass nicht weit davon die Donau entspringe und ihren Nahmen in dieser wilden Dannen-Revier bekommen habe.
Ausschnitt: Gedächtnus Danne an der „Donauquelle“ Fons Danuby primus et naturalis (Ausschnitt)
Was, bitteschön, ist – gegen ein solches Wahrzeichen! – die Aufstoßquelle in Donaueschingens fürstlichem Park oder gar das Brünnlein hinterm Kolmenhof auf der Martinskapelle!
Hätten sich die Mitarbeiter von Innenminister Strobl nicht doch etwas gründlicher informieren müssen? Und das, nachdem Breuninger es bei seiner Beweisführung nicht bei dieser einen Tanne belässt, sondern auch noch eine weitere Kronzeugin bemüht, eine zweite Gedächtnis-Tanne:
Die Au-Danne nämlich. Eine gute Viertelstunde oberhalb von St. Georgen beginne das Tal sich zu einer Aue zu weiten, durch welche das Donau-Bächlein herunter fället. Fast am unteren Ende stehe die sogenannte Au-Danne, welche die Alten zu einem Merckmahl als einen gleichfalls extraordinäre schönen Baum von besonderer Höhe und Dicke stehen lassen: welches daraus erhellet, weilen 2 biß 3 Personen in dem Baum stehen können, nachdem er von ohngefehr 20 Jahren durch einen Donnerstreich in seinem Stamm ganz hohl gemacht worden. Welcher Streich aber den Baum noch ferner zu grünen nicht verhindert, sondern nachdem allerhand Gesind durch die Kriegs-Zeiten unterdessen schattichten Schirm sich Tag und Nacht auffgehalten und Feuer darunter angezündet, geriehte er vor wenigen Jahren in eine Flamme, und brannte also der schöne und andere Donau-Gedächtnuß-Baum biß auf den Storren ab und gienge zu grund. Dahero man billich dieses Wahrzeichens hier gedenket und selbiges, weil es an sich selbsten nach und nach zu verschwinden beginnet, von der gäntzlichen Vergessenheit noch einigermaßen zu verwahren.
Das Missgeschick dieses zweiten Donau-Gedächtnuß-Baumes, an dessen hohlem Stammfuß Kriegsgesindel ein Feuer entzündet hatte, sodass leider nur noch der Stumpen übrig geblieben war, hindert den Autor nicht, auch ihn als Beweis für den württembergischen Ursprung der Donau anzuführen. Zumal doch zwei bis drei Personen im hohlen Stamm Platz gefunden hätten. Was zweifelsfrei daraus schließen lässt, dass der Stamm dieser Au-Danne noch erheblich mächtiger gewesen sein muss als jener der Wettertanne des Hirzbauern oberhalb der Quelle. Doch damit nicht genug: Vikar Breuninger versteigt sich in seinem Werk (auf S. 348) sogar zu der gewiss etwas abenteuerlichen Hypothese, der Flussname Donau sei womöglich auf eben diese Aue mit ihrer Tanne, der Dann-Au nämlich, zurückzuführen: Hiervon kann man geben keine gezwungene, sondern die allernatürlichste und deutlichste Derivation des Wortes Donau welches Dannau heißen sollte.
Keltisch-römischer Dreigötterstein
Doch um wie viel überzeugender für seinen Herzog wie für die Nachwelt wäre Breuningers Hypothese von der „Ur-Quelle des „Welt-berühmten Donau-Stromes“ ausgefallen, hätte er nicht nur mit Gedächtnistannen argumentiert, sondern auch noch mit dem über 2000 Jahre alten keltisch-römischen Dreigötterstein? Leider wurde der halt erst 170 Jahre nach seiner Buchveröffentlichung entdeckt – bei der Erneuerung des Küchengewölbes im Hirzbauernhof. Ob die Expedition des römischen Kaisers Tiberius um 15 vor Christus (von der Strabo berichtet: „Tiberius aber sah die Quellen der Donau“) also nicht doch zuvorderst dem Quellheiligtum an Breuningers eigentlicher Donauquelle gegolten hat? Ach, hätten sich dieMitarbeiter im Stuttgarter Innenministerium doch etwas gründlicher vorbereitet
Donauquellstadt St. Georgen? Lassen wir den Stuttgarter Ministerialen doch noch etwas Zeit bis zur Feierstunde mit der dritten Auszeichnung.
In freudiger Erwartung der neuen Auszeichnung: Donauquellstadt St. Georgen
1 Hockenjos, W.: Baumdenkmäler – Vereinnahmung und Gefährdung. Nicht nur im Dienst des Donau-Quellenstreits (Schwäbische Heimat 2019/1, S. 36 ff.)