Behlaer Weiher einst, heute und morgen

Hannah Miriam Jaag stellt das Buch Lorax vor beim Vortrag im Kranz in Behla

Am Mittwoch den 4. Juni 2025 war im Kranz in Behla ein Vortrag mit Diskussion zum Behlaer Weiher. Ich möchte mich hier recht herzlich bedanken bei den vielen Zuhörern für das rege Interesse und die schönen Diskussionen im Anschluß! Es tut gut, wenn sich so viele Menschen für meine, zugegeben manchmal etwas durchgeknallten, Aktionen interessieren.

Hier erst mal ein paar Eindücke:



Da einige nicht teilnehmen konnten, hatte ich versprochen hier zu berichten. Es gibt auf dem Hieronymus ja nun wirklich genug zum Thema, deswegen habe ich so ungefähr meinen Vortrag im Vorfeld als Podcast aufgenommen und jeder der sich das antun mag, darf es sich unten anhören. Dies allerdings auf auf eigene Verantwortung – ist lang geworden.
Daneben ist eine pdf mit fast allen Bildern die ich gezeigt habe, allerdings etwas kürzer durch Selbstzensur.


Podcast zum Vortrag Bellemer Weiher einst, heute und moren.

Beitrag vom 17. Januar 2021

Der Bellemer Weiher einst und heute

Im November 2020 konnte ich nachweisen, dass seit Jahren Abwasser in den Behlaer Weiher floss, ohne dass ernsthaft etwas dagegen unternommen wurde: Abwasser im Behlaer Weiher.

Heute ist der Weiher eine Klärgrube und auf der anderen Seite das „Feuchtbiotop“, wie ich das Habitat des Bibers nannte, ist als Folge stark eutrophiert. Eutrophierung ist ein Terminus aus der Ökologie. Damit wird allgemein die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem bezeichnet. Dies hat meist nachteilige Folgen für die Ökologie der Gewässer. Eutrophierung beruht also auf Nährstoffeintrag mit Nährstoffanreicherung im System. Der Duden definiert sie „als unerwünschte Zunahme eines Gewässers an Nährstoffen und damit verbundenes nutzloses und schädliches Pflanzenwachstum“ (aus Wikipedia).

Nach diesen traurigen Ist-Zuständen will ich hier jetzt zeigen, was einmal war.

1978 erschien in den Schriften der Baar, Band 32, von Hannelore Borzer und Professor Dr. Günther Reichelt: Lurchwanderungen am Behlaer Weiher – ein Beitrag zur Rettung von Amphibien

Plan von 1978

Die Rettungsaktion wurde damals mit Unterstützung von Alt-Bürgermeister Gilly und den Stadträten durchgeführt. Auch 1978 schon war die Erdkröte (Bufo bufo), der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) und der Teichmolch (Lissotriton vulgaris, Syn.: Triturus vulgaris) geschützt. So meinte Professor Dr. Reichelt, dass die Erdkröte menschliche Korrekturmaßnahmen seltener nötig oder überhaupt überflüssig mache. Es sei noch nicht lange her, dass die Kröte im Garten als Glücksbringer galt! So verzehren 10 Kreuzkröten (Bufo calamita). pro Tag durchschnittlich 50 Kartoffelkäferlarven, 50 Speckkäferlarven und 48 Asseln.

Kreuzkröte

Der Behlaer Weiher ist laut Prof. Dr. Reichelt der letzte Rest von mehreren mittelalterlichen Fischweihern, deren Lage und Größe aus Landtafeln des 17. und 18. Jahrhunderts hervorgehen.

Erdkröte

Der Behlaer Weiher war das Laichgebiet einer großen Zahl von Lurchen. Zahlenmäßig waren die Erdkröten weitaus am häufigsten. In den meisten Jahren dürfte zur Laichzeit der Behlaer Weiher von über 5000 Erdkröten aufgesucht worden sein.

Teichfrosch

Ziel der Arbeit 1978 war die Rettung der Tiere vor der Bundesstraße. Dafür wurde damals ein Zaun angelegt und die Tiere wurden über die Straße getragen. Damit sollten die Tiere auch auf das neue Laichgewässer auf der anderen Straßenseite geprägt werden.

Kaulquappen von der Erdkröte am Höhlenstein

Prof. Dr. Reichelt konnte damals das meiste was er wollte nicht erreichen, aber immerhin durften er und seine Helfer das kleine Biotop im Osten der B27 anlegen. Dort, wo heute der Biber waltet, ist also ein „Reichelt-Biotop“!

Laichklumpen des Grasfrosches im Ersatzteich 1978

Diese Zahlen zeigen, dass der Behlaer Weiher ein recht bedeutendes Laichgewässer für mindestens drei geschützte Amphibienarten war.

Grasfrosch

Mit Vorsicht lassen sich aus den Zahlen Anhaltspunkte für die Größe der Laichpopulation des Behlaer Weihers und die Besiedlungsdichte der Erdkröten der Umgebung gewinnen. Wir wissen nämlich aus Stichprobenzählungen, dass aus dem Jagdgebiet westlich der Straße etwas mehr als die Hälfte der gesamten Population zum Weiher zieht. Danach wird man annehmen dürfen, dass in Jahren wie 1977 rund 7000 Erdkröten zum Laichen wandern. Geht man davon aus, dass mindestens 75% der Tiere nicht weiter als 500 Meter vom Laichgewässer entfernt leben, käme man zu einer durchschnittlichen Besiedlungsdichte von 5250 Tieren auf 78 ha, also etwa 67 Kröten/ha. Man muss aber berücksichtigen, dass Kröten unterschlupfreiche, mit Baumstrünken, Astwerk, Krautansammlungen, Erdhöhlen und/oder Steinen ausgestattete Biotope bevorzugen; dann wird man die Wälder und extensiv genutzten Feuchtflächen als Hauptaufenhaltsorte ansetzen können.

Prof. Dr. Reichelt 1978

Im Jahre 2018 wurde im Zuge der Ortsumgehung Behla der neue Krötentunnel an der Bundesstraße 27 gebaut.

Krötentunnel an der B27

Das sagt Prof. Dr. Reichelt heute zu den Zuständen am Behlaer Weiher

„Wie bedauerlich diese schlimme Entwicklung, wo doch die Stadt Hüfingen seit Jahren mit dem Markenzeichen „Ökologie“ wirbt! Ob  die  Umsetzung wenigstens in den nächsten 50  Jahren (!) erfolgen wird? Immerhin war das Echo auf unseren Aufsatz 1978 erfreulich groß. Freilich: das war vor fast 50 Jahren. Aber das Sterben in der Natur geht noch immer fast unvermindert weiter!“

Junger Bergmolch

Das sage ich zu den Zuständen am und im Behlaer Weiher

Wassergesetz für Baden-Württemberg
§56 WG und Abschnitt 2 Abwasserbeseitigung § 46 Verpflichtung zur Abwasserbeseitigung

Strafgesetzbuch
§324
StGB (1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Tierschutzgesetz
§17
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer (1) ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet.

Auch in Anbetracht der Tatsache, dass mehrere Gesetzte gebrochen wurden, fordere ich die sofortige Instandsetzung des Weihers!

Dies beinhaltet eine Winterung des Gewässers und die fachgerechte Entsorgung des Klärschlammes.

Die Herren von Schellenberg

Originalbeitrag vom 17.02.2024

Die Schellenbergs wurden in Quellen aus den Jahren 1137 bis 1157 als Vasallen des Otto von Freising erstmals erwähnt. Sie hatten ihren Stammsitz im oberen Isartal, dienten den Staufern ebenso wie Rudolf von Habsburg und gewannen damit politischen Einfluss und Reichtum.**

In der Stauferzeit ließen sich die Herren von Schellenberg auf dem Eschnerberg im heutigen Gebiet Liechtensteins nieder. Hier erbauten sie in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Burg Neu-Schellenberg und einige Jahrzehnte später die Burg Alt-Schellenberg. Es ist wahrscheinlich, dass die Stauferkönige die Schellenberg hier ansässig machten, um die Reichsstraße nach Italien zu sichern. Diesen Besitz im heutigen Fürstentum Liechtenstein verkauften die Herren von Schellenberg 1317 an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Dennoch trägt der Berg bei Eschen bis heute ihren Namen.**

Burg Schellenberg in Liechtenstein.

Obere Burg Schellenberg, 664 m ü.M.
Der Felskopf wurde schon ab dem 4. Jt. v. Chr., also in der Jungsteinzeit, als günstiger Siedlungsplatz genutzt. Der Name der aus Oberbayern stammenden Herren von Schellenberg ist zum ersten Mal in Urkunden des beginnenden 13. Jh. genannt. Die ältesten Bauten wurden möglicherweise bereits im 12. Jh. errichtet. Der Wohnturm stammt aus dem 13. Jh. Ihm folgte etwas später als Repräsentationsbau ein Palas. Im 14/15. Jh. wurde die Anlage mehrfach umgebaut und erweitert. Im Appenzellerkrieg von 1405 wurde sie gebrandschatzt.

Im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war das Geschlecht vor allem im Allgäu, in der Baar und im Hegau begütert. Als reichsritterliches Geschlecht gehörten die Schellenberg dem Ritterkanton Hegau-Allgäu-Bodensee im Schwäbischen Ritterkreis an.**

Wappen der Ritterkreise, darunter auch die der Kantone von 1721 des schwäbischen Ritterkreises**

Elias Daniel Sűssen,
Public domain, via Wikimedia Commons

Herren von Schellenberg**

Johann Siebmacher,
Public domain, via Wikimedia Commons

Von 1280 bis 1374 waren die Schellenberger im Besitz von Wasserburg am Bodensee, das sie mit einer festen Mauer und einem Turm versahen. Wohl Ende des 13. Jahrhunderts erlangten sie als Reichslehen Burg und Herrschaft Rothenfels bei Immenstadt, die sie 1332 an das Haus Montfort-Tettnang verkauften. Um 1300 beerbte Marquard von Schellenberg, der auch mit der Reichsstadt Lindau in Fehde lag, die Herren von Kißlegg (Burg Alt-Kisslegg) und begründete eine eigene Linie und Herrschaft um den Marktort. 1560 bis 1570 erbaute Hans Ulrich von Schellenberg (1518–1606) dort ein hochgiebliges Schloss, das heutige „Alte Schloss“ oder „Wolfegger Schloss“. Mehrfach waren die Herren von Schellenberg-Kißlegg Vögte der Reichslandvogtei Oberschwaben.**

Bereits 1381 wurde die Herrschaft Kißlegg unter zwei Schellenberger Linien geteilt. Der eine Teil war seit 1525 im Besitz verschiedener Familien (Freiberg, Baumgarten, Trauchburger Nebenlinie des Hauses Waldburg) und kam letztlich 1793 an die Wurzacher Linie des Hauses Waldburg. Seit dem späten Mittelalter war eine Linie der von Schellenberg in Bräunlingen ansässig und – neben Österreich und Fürstenberg – auch Mitbesitzer der Stadt. 1557 bis 1609 gehörte den Herren von Schellenberg das Schloss an der Blaumeerstraße. Das dortige „Schloss Schellenberg“ brannte 1917 ab. **

Bertold (Benz) von Schellenberg

Als nach dem Tode Burkards von Blumberg im Jahre 1382 seine Besitzungen an seine Schwester Guta und damit an die Herren und späteren Freiherren von Schellenberg überging, leitete dieser Erbgang einen neuen Abschnitt in der Geschichte Hüfingens ein. Das Spätmittelalter (1273-1492) ist für das Heilige Römische Reich deutscher Nation eine Zeit der Auflösung. Gesetze des Stauferkaisers Friedrich II. (1212-1250) aus den Jahren 1220 und 1231/32 schufen die Grundlage für das Erstarken der Territorialstaaten. Diese Grundlage wurde durch die Goldene Bulle aus dem Jahre 1356 stark erweitert, und in dem Maße, in dem das Königtum an Macht verlor, seine Rechte einbüßte, wuchs die Macht der Landesherren, bauten diese ihre Landeshoheit aus. Diese Machtverschiebung wirkte sich auch bei den Herren von Schellenberg und damit in Hüfingen aus, ja, sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Schellenberger Ära. Er endet im Jahre 1620 mit dem Übergang an das Haus Fürstenberg.*

Die Kißlegger erlangten durch Heirat auch die Herrschaft Sulzberg im Illertal, als Marquard I. die Erbtochter Klara Anna von Sulzberg ehelichte. Dieser Marquard hatte fünf Kinder, neben den Töchtern Margaretha und Anna die Söhne Berthold (Benz), Tölzer und Marquard. Von den Brüdern scheint Benz der Ältere gewesen zu sein. Sein Name taucht erstmals in einer Urkunde vom 16. März 1370 auf. Er vermählte sich mit Guta von Blumberg, die im Jahre 1382 ihren Bruder Burkkard beerbt hatte und wurde damit Herr von Hüfingen und Begründer der Baarer Linie, die bis in das Jahr 1812 bestand.*

LUB I, Bd. 5, Nr. 574.; zitiert nach: www.e-archiv.li/D48188; aufgerufen am 17.02.2024

Graf Heinrich von Fürstenberg erklärt, dass vor ihm sein Dienstmann Burkard von Blumberg, Sohn von Konrad selig, Hüfingen, Burg und Stadt mit aller Zubehör, fürstenbergisches Lehen, seiner Schwester Frau Guta von Blumberg, der Hausfrau von Benz von Schellenberg und allen ihren ehelichen Kindern vermachte und zwar mit der Bedingung, falls er, Burkard, keine ehelichen Erben hinterlasse, Hüfingen an seine Schwester fallen solle.

Graf Heinrich belehnt auf Bitten Burkards Guta und deren Kinder mit Hüfingen nach dem Wortlaut der Lehenurkunde Burkards. Es siegeln Graf Heinrich und Burkard von Blumenberg.

Liechtensteinisches Urkundenbuch (Belege des Schellenbergischen Stammbaums).

Bertold (Benz) von Schellenberg urkundete am 17. Juli 1383 zusammen mit seiner Gemahlin erstmals als Herr von Hüfingen. An jenem Tag erneuerten die Ehegatten dem Herzog Leopold von Österreich das schon von den Blumbergern eingeräumte Recht, daß ihm die Stadt Hüfingen jederzeit zu öffnen sei. Damit setzte Bertold die enge Bindung an Österreich fort, die schon von den Herren von Blumberg eingegangen worden war. Bertold von Schellenberg war jedoch nicht viel Glück beschieden, denn er starb schon bald nach dem Tode seines Schwagers. Bereits am 16. Oktober des gleichen Jahres 1383 weilte er nicht mehr unter den Lebenden. Seine Gemahlin Guta wurde fast gleichzeitig vom Tode ereilt. Sie war am 6. November 1383 ebenfalls nicht mehr am Leben. Zurück blieben die unmündigen Kinder Konrad I., Burkard I. und Klara Anna.*

In ihrer mißlichen Lage wurden die Waisen von ihren Verwandten mütterlicherseits angefeindet, denn diese hatten es nicht gern gesehen, daß die Stadt Hüfingen an ein völlig fremdes Geschlecht gefallen war. Unverzüglich nahm sich ihr Onkel Tölzer, ein Bruder ihres Vaters, tatkräftig der verwaisten Kinder an, wurde ihr Vormund und ließ sich bei ihnen in Hüfingen nieder. Es gelang ihm, wenn auch erst nach einigen Jahren, den Streit mit den Blumbergern, bei dem es u. a. um einen Teil des Laienzehnten in Hüfingen ging, zugunsten seiner Mündel beizulegen.

Während dieser Zeit kaufte er für sich das Dorf Mundelfingen, als dessen Herr er am 26. Juni 1388 aufgeführt ist.

Als Konrad I. volljährig geworden war, zog sich Tölzer wieder in seine Besitzungen zurück. Dort verstarb er am 20. Oktober 1427. Da er nur unebenbürtige Kinder hinterlassen hatte, die wohl von einer hörigen (leibeigenen) Mutter stammten und nicht erbberechtigt waren, und auch sein Bruder Marquard, auch Märk genannt, kinderlos starb, erbten die Hüfinger Schellenberger einen Großteil der Herrschaft Kißlegg im Allgäul.

Konrad I. zählte zu den bedeutendsten Gliedern des Geschlechtes derer von Schellenberg. Seine erste Nennung am 16. Oktober 1383 fällt mit der Bestätigung der Blutgerichtsbarkeit für die Stadt Hüfingen durch König Wenzel (1378-1400) zusammen.*

Schellenberg versus Fürstenberg

Im Jahre 1435 wurde Konrad I. durch seinen Sohn Gebhard I. von neuem in einen Konflikt mit Fürstenberg verwickelt. Graf Egon von Fürstenberg bemächtigte sich Gebhards und hielt ihn längere Zeit gefangen. Fast gleichzeitig waren andere Punkte mit Fürstenberg strittig, und es bestand kein Zweifel daran, daß die Fürstenberger schon seit längerer Zeit versuchten, Konrad I. von Schellenberg zu unterdrücken und zu schädigen.*

Ritter Konrad I. war in weitem Umkreis ein angesehener Mann und wurde mehrfach in wichtigen Rechtstreitigkeiten als Schiedsrichter berufen. Wie fast alle seine Nachkommen gehörte er dem Ritterbund vom St. Georgenschild an. Während der letzten Lebensjahre setzte er seine Söhne zu Mitinhabern seiner Besitzungen ein. Als er ausgangs 1448 oder anfangs des Jahres 1449 starb – er ist am 25. September 1448 letztmals erwähnt – erhielt sein Sohn Berthold II. die Güter in der Baar. Konrad und Gebhard I. bekamen die Herrschaft Sulzberg und die Hälfte von Kißlegg. *

Bertold II., der vom 10. März 1435 an urkundlich faßbar ist, erbte die von ihm während der letzten Lebensjahre seines Vaters mitverwalteten Besitzungen in der Baar. Graf Heinrich von Fürstenberg belehnte ihn am 30. September 1450 mit Hüfingen. Er wird am 17. April 1459 letztmals erwähnt, und am 7. Juni 1460 war seine Frau Ursula von Ellerbach bereits Witwe. Während der rund zehnjährigen Herrschaft konnte er den Familienbesitz zwar nicht vermehren, büßte aber auch nichts davon ein. *

Es fällt auf, daß Bertold II. die alten Beziehungen zu Österreich erneuerte, bevor er den Lehensherren um die Erneuerung des Lehens anging. Es ist unverkennbar, daß es sich dabei um einen Vorgang in dem stetigen schellenbergischen Bestreben handelte, von Fürstenberg vollständig unabhängig zu werden. Es ist verständlich, wenn die Schellenberger beim Hause Österreich Rückhalt suchten. Andererseits machten die Fürstenberger immer wieder den Versuch, die Schellenberger in ihren alten wohlbegründeten Rechten zu beschneiden.*

Der älteste von Bertholds II. Söhnen war sein gleichnamiger Sohn. Er muß noch jung gewesen sein, als er am 9. Juni 1460 auch im Namen seiner Brüder mit Hüfingen belehnt wurde, denn auch noch nach dieser Belehnung treten seine Mutter und die Oheime Konrad II. und Gebhard I. für ihn handelnd auf. Auch er erneuerte 1466 das Öffnungsrecht, erscheint aber schon am 27. Juni 1470 zum letzten Mal in den Urkunden. Im Jahre 1472 werden seine beiden Brüder allein mit Hüfingen belehnt.

Konrad III. zählt ebenfalls zu den bedeutendsten Persönlichkeiten derer von Schellenberg. Unter ihm gelangte das Geschlecht in der Baar auf die Höhe seiner Macht und seines Ansehens. 1478 gerieten Konrad III. und sein Bruder Burkard III, in einen weiteren Streit mit den Grafen von Fürstenberg, der vor das Hofgericht zu Rottweil gezogen wurde.

Die beiden Brüder dotierten am 4. Dezember 1473 die St. Leonhardskapelle, die sie zuvor mit den Bürgern erbaut hatten. Am 18. Februar 1480 wurden von den beiden Brüdern, dem Schultheißen und den Bürgern eine Große Jahrzeit und Bruderschaft in der Pfarrkirche zu Hüfingen gestiftet.* (Der Friedhof war damals neben St. Verena und Gallus).

Leonhardskapelle „s`Leänedli“,
erbaut 1473 und gestiftet von Konrad und Burckhart von Schellenberg.

Am 17. August 1485 kaufte Konrad III. von Heinrich von Almshofen auf der Neuenburg das Dorf Hausen vor Wald. Nach dem Tode seines Bruders Burkard III. im Jahre 1505 oder 1506 ging dessen Anteil am schellenbergischen Familienbesitz auf Konrad III. über. Damit war der Besitz des Geschlechtes in der Baar wieder in einer Hand. Konrad III. konnte ihn im Jahre 1506 um die Neuenburg an der Gauchach und Bachheim vermehren. Damit besaß er mit Allmendshofen, Hüfingen, Behla, Hausen vor Wald, Mundelfingen, der Neuenburg und Bachheim eine zusammenhängende Herrschaft und ein Achtel von Kirchdorf im Brigachtal zusätzlich. Schließlich hatte er am 8. Januar 1480 bedeutenden Grundbesitz des Kosters St. Märgen in Hüfingen und Allmendshofen erworben.

Peter und Paul in Hausen vor Wald

Peter und Paul in Hausen vor Wald

Totenschild des am 9. März 1556 verstorbenen Georg von Schellenberg in Peter und Paul Hausen vor Wald.

Wappen in Peter und Paul in Hausen vor Wald

Grabmahl Konrad III. von Schellenberg und seiner Gemahlin Adelheid von Blumberg in St. Verena und Gallus

Hans von Schellenberg

auch Hans der Gelehrte von Schellenberg (* 19. Februar 1552 oder 19. Februar 1551 im Schloss Hüfingen in Hüfingen; † 29. März 1609 im Schloss Randegg in Randegg bei Gottmadingen) gehörte zu den einflussreichen Männern der Baar und des Bodenseeraums.**

Hans von Schellenberg war der Sohn von Gebhart von Schellenberg († 13. März 1583) und dessen Ehefrau Barbara († 7. Juni 1582), Tochter von Eberhard von Fulach aus Schaffhausen; er hatte noch einen Bruder sowie zwei Schwestern. 1573 heiratet er Anna (geb. von Reischach); die Ehe bleibt kinderlos. Nach der Hochzeit lebt er im Schloss Randegg, das sein Vater 1567, neben der Burg Staufen, nach der Zerstörung im Schweizerkrieg 1499, wieder aufbauen ließ. **

Hans der Gelehrte von Schellenberg nach einem Ölgemälde.*

Nachdem Hans von Schellenberg, gemeinsam mit seinem Bruder, durch Hauslehrer unterrichtet worden war und sie das Jesuitenkolleg in Ingolstadt besucht hatten, immatrikulierte er sich 1564 im Alter von zwölf Jahren gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder an der Universität Ingolstadt; dort hörten sie Vorlesungen über Rhetorik, Dialektik und Geschichte. 1567 begann er mit einem Studium der Rechtswissenschaften und besuchte weiterhin Philosophie-Vorlesungen; gemeinsam mit seinem Bruder wurde er 1569 in den Universitätsmatrikeln der Universität Freiburg erwähnt. Mit seinem Bruder setzt er die Studien in Italien fort – dort stirbt sein Bruder 1572 in Rom – sowie in Burgund und weiteren Orten. Durch die Auslandsaufenthalte sprach er zu seiner Heimatsprache sehr gut auch die französische und italienische Sprache.**

Bereits 1605 berichtete Hans von Schellenberg von römischen Münzfunden und einem Ziegelmosaikboden in Hüfingen, darauf ließ er auf dem Gelände des Kastell Hüfingen am „Galgenberg“ Sondierungsgrabungen vornehmen und Funde bergen. Nach seinem Tod geriet der Fundort als solcher aber wieder in Vergessenheit. Neben seinen archäologischen Studien, er beteiligte sich hierbei auch an den Ausgrabungen in Hüfingen, beschäftigte er sich mit numismatischen, genealogischen, historischen und theologischen Themen.**

Aquatinta von W. Scheuchzer und G.L. von Kreß sc. Verlag J. Velten in Karlsruhe etwa 1825

»Hans war ein Mensch von außerordentlich vielseitiger Begabung, als hochgelehrter Mann und vortrefflicher Historicus ebenso bekannt, wie von der Ritterschaft und dem Hause Österreich als kluger Berater und oft bewährter Geschäftsträger geschätzt«. So beschreibt Paul Revellio zusammenfassend Hansens Persönlichkeit und fährt fort: »Freilich, eine produktive Natur war Hans nicht, aber ein Mann von großer geistiger Regsamkeit, der das ganze Wissen seiner Zeit in sich aufgenommen hatte«. Die Ereignisse seiner Zeit beurteilte Hans von seiner streng katholischen Gesinnung aus. Von seinem kirchlichen Sinne zeugen auch eine Reihe von Stiftungen. So erhielt 1586 eine Glocke in der Mundelfinger Pfarrkirche seinen Namen, erbaute er in Randegg eine neue Kirche, erwarb er sich große Verdienste um die Gründung des Konstanzer Jesuitengymnasiums, vermachte er der Kirche und den Kaplaneien der Stadt Hüfingen zu frommen Zwecken 2150 Gulden.*

Hans ist immer ein guter Deutscher gewesen. Trotz seiner humanistischen Bildung verteidigte der Altertumsfreund seine Muttersprache. Daneben liebte er die Tafelfreuden und benutzte häufig deftige Ausdrücke und derbe Zoten, eine starke sinnliche Natur scheint ihm eigen gewesen zu sein.*

Mit Humor und Sarkasmus versuchte Hans zwar über sein Gichtleiden hinwegzukommen, aber es zwang ihn schon im Jahre 1600 zur Benützung einer Krücke und machte ihm wohl in den letzten Lebensjahren auch das Schreiben unmöglich. Am 29. März 1609 ist Hans der Gelehrte in der Pfarrkirche zu Hüfingen bestattet worden.

Mit seinem Tod starb die Linie aus; er wurde in der Pfarrkirche in Hüfingen begraben und kehrte damit zu der Grabstätte zurück, die er 1572 für seine Eltern errichten ließ. Als Erben werden der Neffe Conrad Vintler von Plätsch und die Nichten Christina und Clara Vintler von Plätsch eingesetzt.**

Die Hauptlinie bis zum Tode Abogasts von Schellenberg

Arbogast, der wahrscheinlich 1521 in Niederbayern geboren ist, wurde Stammvater aller Schellenberger der Baarer Linie und verwaltete ab 1550 den väterlichen Besitz in der Baar. Nach seiner Vermählung mit Helena von Rechberg zu Hohenrechberg nahm das Paar seinen Wohnsitz zu Hüfingen; Arbogast stand aber noch in österreichischen und bayerischen Diensten. Noch vor dem Tode seines Vaters kaufte Arbogast auf eigene Rechnung von den Stehelin von Stockburg ein Drittel des Zehnten von Bräunlingen und um 1570 vom dortigen Schultheißen Ludwig Reif genannt Welter von Bleidegg das »Schellenbergische Gut« (Schloß), das aus zwei mittelalterlichen Burgsässen entstanden war und acht bäuerliche Lehengüter einschloß.*

Im Jahre 1571 – sein Vater lebte noch – wurde Arbogast Schultheiß zu Bräunlingen und blieb es wohl bis 1577. In seiner Bestellungsurkunde ist zu lesen, daß er in Hüfingen wohnen bleiben könne, er müsse aber täglich »von und zu reiten«. Er geriet jedoch mit dem Rat der Stadt, der seine Rechte zu wahren wußte, in Streitigkeiten, so daß er 1576 oder 1577 das Amt wieder verlor, aber die Unstimmigkeiten hielten – wenn auch mit Unterbrechungen – bis zu seinem Tode an. Da Arbogast auch in Hüfingen zahlreiche Liegenschaften erwarb, die in der Fron bebaut werden mußten, beschwerten sich seine Untertanen, und Gebhard II. und Hans der Gelehrte mußten 1578 einen Vergleich herbeiführen.*

Mit dem Hause Fürstenberg lag Arbogast beinahe sein ganzes Leben lang in Streit. Dabei ging es einmal mehr um die Märkte zu Hüfingen, um die hohe Gerichtsbarkeit, aber auch um das Jagdrecht im Bräunlinger Bann und selbst um die Belehnung.*

Als Gebhard II. im Jahre 1583 starb, war für seinen Sohn Hans der Gelehrten und Arbogast eine erneute Belehnung erforderlich. Am 17. April 1583 kamen die beiden Schellenberger beim Grafen Heinrich auch um die neuerliche Belehnung ein. Der Graf war gewillt, Hans den Gelehrten zu belehnen, aber gegen eine weitere Belehnung Arbogasts weigerte er sich mit der Begründung, daß Arbogast das Lehen verändert habe und Differenzen zwischen ihnen bestünden. Selbst mit dem Bischof von Konstanz geriet Abogast 1602 in Steit. *

Arbogast I. von Schellenberg starb am 23. August 1605 und wurde ebenfalls in der Hüfinger Pfarrkirche beigesetzt. Er hatte aus erster Ehe elf Kinder: Es waren Burkard VI., Katharina, Anna, Konrad VI., Arbogast II., Walpurga, zwei Söhne namens Georg, Wolf (Wolfgang), Heinrich II. und Hans III.*

Burkhard von Schellenberg in St. Verena und Gallus.

Epitaph Arbogasts von Schellenberg in St. Verena und Gallus

1620 wurde Hüfingen an das Geschlecht der Fürstenberg verkauft.

Die Hausener Linie

1570 bauten die Herren von Schellenberg eine Burg in Hausen vor Wald. Das Schloß wurde leider 1823 abgeborchen, aber unter dem Haus befinden sich noch das Gewölbe des alten Kellers. Dieser konnte in den 1980ern noch mit Prof. Dr. Günther Reichelt besichtigt werden.

Totenschild des am 9. März 1556 verstorbenen Georg von Schellenberg in Peter und Paul Hausen vor Wald.

Frantz Hector Freiherr von Schellenberg, starb zu Hüfingen den 29. Heumonat 1742

“Hier stand einstmals die Burg der Freiherren von Schellenberg, erbaut um 1570, umgebaut als Schloß 1745-1750, abgebrochen 1823.”

Wappen in Peter und Paul in Hausen vor Wald

Frau Eva Maria Freifrau von Schellenberg ist in Gott entschalfen den 15. Oktober 1682

Herr Joseph Schellenberg gestorben 5. Juni 1740

Joseph Schweichard, 1664 geboren, dürfte der alteste Sohn Ernst Georgs gewesen sein. Er starb am 5. Juni 1740 im Alter von 76 Jahren und wurde in Hausen vor Wald beigesetzt. Seine Geschwister überließen ihm laut Vertrag vom 8. Dezember 1695 den liegenden Besitz der Familie gegen geldliche Abfindung. Das Erbe wurde ihm mit 23 193 Gulden angerechnet. Er blieb in Hausen vor Wald und war seinen dortigen Untertanen ein guter Herr. Nach dem Tode Johann Franz Bertolds erbte er im Jahre 1708 die Besitzungen der Burg-Bachheimer Linie, nämlich Neuenburg und Bachheim und 1727 schließlich beim Aussterben der Landstrost-Bräunlinger Linie auch das schellenbergische Zehntdrittel zu Bräunlingen. Wohl unverheiratet und kinderlos starb er am 5. Juni 1740 in Hausen vor Wald und vererbte seinen Besitz an den 17 Jahre jüngeren Bruder Franz Hektor.*

Franz Hektor, das jüngste unter den dreizehn Geschwistern, war 1695 Edelknabe beim Grafen von Fürstenberg und blieb sein Leben lang in fürstenbergischen Diensten. Er wurde wie sein Vater Oberjägermeister und fürstenbergischer Geheimer Rat. Da er während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) gedient zu haben scheint, wird er auch Hauptmann genannt. Er wohnte die meiste Zeit in Hüfingen, wo seine Familie wieder ein Haus erworben hatte. Die Anteile, die er wie sein Bruder erbte, gingen ihm infolge von Prozessen und Schulden verloren. Franz Hektor vermählte sich um 1712 mit Maria Antonia Susanna von Schönau. Im Jahre 1740 erbte er von seinem Bruder Joseph Schweichard auch Hausen vor Wald und vereinigte danach wieder den ganzen noch vorhandenen schellenbergischen Besitz in seiner Hand. Er starb am 29. Juli 1742 kinderlos. Noch wenige Tage vor seinem Tod hatte er die Patronatsrechte der Hüfinger Pfarrei dem Hause Fürstenberg vermacht. Auch er wurde in der Kirche zu Hausen vor Wald beigesetzt. Seine Gemahlin, die am 27. Januar 1758 starb, erbaute nach dem Tode ihres Gemahls 1747 die schöne Kirche in Hausen vor Wald und das dortige Schloß, wie aus der Grabinschrift in der neuerbauten Kirche hervorgeht.*

Die letzten Freiherren von Schellenberg

Nachdem Johann Franz Bertold am 16. Januar 1708 gestorben war, fielen seine Lehengüter an seinen Vetter Franz Hektor von Schellenberg, den fürstenbergischen Oberjägermeister und späteren Geheimen Rat von der Hausener Linie. Als auch er am 29. Juli 1742 gestorben und in der Pfarrkirche zu Hausen vor Wald beigesetzt war, galt das Geschlecht der Freiherren von Schellenberg als (im Mannesstamm) erloschen, und das Haus Fürstenberg zog noch im gleichen Jahr die erledigten Lehen ein.*

Noch lebte Franz Hektors Gemahlin Maria Antonia Susanna von Schönau, als ein unbekannter angeblicher Freiherr von Schellenberg erschien und seine Ansprüche geltend machte. Es handelte sich um einen Enkel Johann Josephs I. von der Burg-Bachheimer Linie, einem Sohn Hans Ludwigs, der die Linie begründet hatte. Mit dem Auftauchen dieses Freiherrn von Schellenberg nimmt das romantischste und zugleich traurigste Kapitel des alten Rittergeschlechtes seinen Fortgang.*

Schon Lucian Reich schilderte es 1882 in der Karlsruher Zeitung, Eugen Balzer nahm diese Schilderung auf, und auch Gottfried Schafbuch faszinierte das Schicksal der letzten Schellenberger.*

Johann Joseph I., dessen Geburtsdatum sich nicht ermitteln läßt, soll zur Sterbezeit seines Vaters zusammen mit seinem Bruder Johann Franz Bertold in Freiburg studiert haben. Während eines Besuchs bei seiner Schwester Maria Eva von Dankenschweil in Mühlingen bei Stockach verliebte er sich in deren Köchin Maria Herbstin, eine leibeigene junge Witwe. Er war nicht der erste seines Geschlechtes, dessen Herz in Liebe zu einer Unebenbürtigen entbrannte. Dennoch unternahmen seine Verwandten alles, was ihnen möglich erschien, um eine Heirat zu verhindern.*

Trotzdem ließ sich Johann Joseph I. im Jahre 1681 mit Maria Herbstin in Kirchdorf trauen, und es kam zum Bruch mit der Verwandtschaft. Der Sohn Johann Joseph II. und die Tochter Maria waren geboren, als der Vater in die kaiserliche Armee eintrat und wenig später am 6. März 1683 als Oberleutnant bei Sargan in Ungarn im Kampf gegen die Türken fiel. Seine Witwe wurde weder in Mühlingen noch in der Neuenburg geduldet und auch um den Besitzanteil ihres gefallenen Mannes gebracht. In ärmlichen Verhältnissen lebend, wohnte sie in Mainwangen bei Stokkach, wo sie auch verstorben sein soll. Ihre Tochter Maria war ihr im Tode bereits vorausgegangen.*

Johann Joseph II., am 5. September 1783 geboren, diente als Bauernknecht und verdiente später sein Brot als Kohlenmesser in Zizenhausen, das ebenfalls bei Stockach liegt. Er legte den Adelstitel ab, nannte sich fortan einfach »Schellenberger« und heiratete Elisabeth Bellin aus Emmingen ab Egg. Aus ihrer Ehe gingen die Kinder Martin, Maria Anna, Magdalena, Johann Joseph III., Johann Michael und Dominikus hervor.

Dem Sohn Johann Joseph III. (geb. 10. September 1710) gelang es, durch die Beschäftigung seines Vaters in der Hüttenarbeit Fuß zu faßen. Schon in jungen Jahren wurde er Berg- und Hammerwerksverwalter mehrerer Werke im Allgäu und in Vorarlberg und später wurden die vorderösterreichischen Werke seiner Oberaufsicht unterstellt.*

Am 23. April 1752 heiratete Johann Joseph im Alter von 42 Jahren Maria Theresia Notburga Agnes Simpherosa von Pappus und Tratzberg. Durch diese Heirat mit einer Adeligen rehabilitiert und wohl auch zu – wenn auch nur bescheidenen – Geldmitteln gekommen, begann er die Rückgabe der Lehen des 1742 verstorbenen Freiherrn Franz Hektor von Schellenberg von Fürstenberg und dem Bischof von Konstanz zu betreiben. Während ihn der Bischof von Konstanz mit den Zehnten in Hüfingen und Bräun-lingen belehnte, als feststand, daß er seine Forderungen zu Recht gestellt hatte, wurde er von Fürstenberg mit dem Hinweis auf seine unebenbürtige mütterliche Herkunft zurückgewiesen.*

Johann Joseph ließ sich nicht entmutigen und klagte sein Recht beim Reichshofrat in Wien ein, wo er 1754 obsiegte. Nach einem Vergleich wurden er, seine Brüder Johann Michael und Dominikus mit Hausen vor Wald, Neuenburg und Bachheim belehnt. Auch um die Eigengüter Franz Hektors mußte er gegen Reinhard Friedrich von Neuenstein den Rechtsweg beschreiten. Doch kam dieser Streit erst 1781 zum Austrag und endete ebenfalls mit einem Vergleich. Allerdings war Johann Joseph zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben. Der tatkräftige Freiherr hatte es nicht leicht mit seinem neuen Besitz, denn mit ihm hatte er auch die auf ihm liegenden Schulden übernehmen müssen. Von den Geschwistern Johann Josephs III. starben Martin, Maria Anna und Magdalena vor der glücklichen Wende im Prozeß gegen das Haus Fürstenberg in ärmlichen Verhältnissen. Die beiden Brüder Johann Michael und Dominikus beteiligten sich an der Seite ihres Bruders am Kampf um die Wiedereinsetzung in ihre Rechte, traten dabei allerdings nicht hervor. Der eine von ihnen soll die Bierbrauerei und der andere die Bäckerei erlernt haben, aber Johann Michael wird später auch Leutnant genannt.*

Dominikus, der um 1719 geboren sein mag, lebte einige Zeit in Eglofs im Allgäu und kam in den Mitbesitz der Baarer Güter. Er beschloß sein Leben am 16. Januar 1787 und wurde in Hausen vor Wald begraben.*

Johann Joseph III. starb, wie viele seiner Ahnen, verhältnismäßig jung am 6. Oktober 1769 im Alter von 59 Jahren in Ebratshofen im Allgäu, wo er auch seine letzte Ruhe fand. Aus seiner Ehe mit Maria, Theresia Freiin von Pappus und Tratzberg zu Rauchenzell und Laubenberg, die ihren Gatten um 17 Jahre überlebte, war nur der Sohn Johann Joseph Anton neben einem früh verstorbenen Sohn und einer ebenso früh verstorbenen Tochter hervorgegangen.*

Johann Joseph Anton, der am 31. Mai 1754 wahrscheinlich im Allgäu das Licht der Welt erblickte, war also beim Tode seines Vaters noch unmündig. Seine Mutter scheint eine schlechte Haushälterin gewesen zu sein. Sie verheiratete ihren Sohn 1774 im Alter von 20 Jahren mit Maria Franziska von Lilgenau zu Popolan und Kaisersdorf, die aus Böhmen (Eger) stammte. Seine Frau schenkte Johann Joseph Anton am 4. September 1775 ein Töchterchen, das die Namen Johanna Nepomucena Josepha Maria Theresia Barbara Franciska erhielt, aber schon am 17. September 1777 im Geburtsort Hausen vor Wald starb.*

Seiner Schulden wegen war Johann Joseph Anton, der später Joseph Anton genannt wurde, am 11. Februar 1783 gezwungen, die Dörfer Hausen vor Wald, Neuenburg und Bachheim an eine Baronin von Neuenstein, eine Verwandte, zu verkaufen. Diese gab die drei Dörfer noch im gleichen Jahr für 48 000 Gulden an das Haus Fürstenberg weiter. Damit hatte die Herrschaft Schellenberg endgültig aufgehört zu existieren. Es war Johann Joseph Anton gelungen, aus dem Handel eine lebenslängliche Jahresrente von 800 Gulden und 24 Klafter Holz zu erhalten. Daneben blieben ihm die Zehntanteile in Hüfingen und Bräunlingen und ein Haus, das in Bräunlingen stand, erhalten. Bereits 1785 steckte er wieder so tief in Schulden, daß er vor seinen Gläubigern die Flucht ergriff. Kopflos geworden, ließ Johann Joseph Anton seine Frau und seine Mutter in größter Not zurück. Jetzt wurde sein restliches Vermögen mit Beschlag belegt und der Konkurs eröffnet, der sich über Jahre hinzog. Im Zwangswege wurde das Schellenbergische Haus versteigert. Als 1791 auch sein letztes Haus in Bräunlingen vom Magistrat versteigert wurde, trennte sich seine Frau endgültig von ihm. Sie erhielt die Hälfte seiner jährlichen Rente und zog nach München.*

Ohne Vermögen, auf seine halbierte Rente angewiesen, kam Joseph Anton wieder nach Hüfingen zurück. Dort zog er als Mieter des Amtmanns Melchior Reichlin, der das »Schellenbergische Haus« erstanden hatte, in sein einstiges Haus. In ihm verbrachte er den Rest seines Lebens. Seine Gemahlin ließ ihm im Chor der Pfarrkirche in Hüfingen, der Grablege seines Geschlechtes, eine einfache Gedenktafel anbringen. Luzian Reich senior meißelte in die Marmortafel unter dem Wappen derer von Schellenberg diese Inschrift:

»Dem Freiherrn Joseph Anton von Schellenberg,
geboren den 31. Mai 1754, gestorben den 8. Oktober 1812,
letzten Sprossen eines alten, edlen Geschlechts,
setzte dieses Denkmal ehelicher Liebe seine trauernde Gattin,
Franziska von Schellenberg, geb. Freiin von Ligenau.

Wie die Blätter am grünen Stamm wachsen und abfallen,
so die Geschlechter der Menschen.
Das eine stirbt und ein anderes wird geboren.«

Diese Worte aus den Sprüchen des Jesus Sirach wählte Lucian Reich später als Motiv zu seinem »Hieronymus«, aber wo hätten sie größere Aussagekraft als auf dem Grabmal des letzten Freiherrn von Schellenberg, dem letzten Sproß des Geschlechtes, das neben den Fürstenbergern einst das mächtigste Geschlecht in der Baar war.*

*Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984
** Wikipedia

Aloys Hirt – Ein Bällämer Römer in Berlin

18. Juni 2022 von Markus Greif

Die meisten, die diese Zeilen lesen, dürften wohl schon einmal die Bällämer Via Appia, die Alois-Hirt-Straße, gen Sumpfohren bereist haben. Doch wer war dieser Alois Hirt, nach dem die Straße benannt ist? Nun gleich vorweg, er selbst schrieb sich Aloys Hirt. Wer ihm das i im Straßennamen verpasste, muss hier vorerst ungeklärt bleiben. Auch der zweite Vornamen Ludwig ist eine spätere Erfindung – es wäre ja auch ein Art Tautologie. Geboren wurde er am 27. Juni 1759 in Behla als Sohn der wohlhabenden Hofbesitzer Franz und Elisabeth Hirt. Sein stattliches Elternhaus (Alois-Hirt-Straße 3) steht noch heute und zeugt vom damaligen Wohlstand der Familie. 

Elternhaus von Aloys Hirt heute (2022).
Foto: Felix Bogenschütz

Dieser Wohlstand dürfte auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass der junge Aloys ab 1768 das Gymnasium der Benediktiner in Villingen, heute Karl-Brachat-Realschule, besuchen konnte. Es folgten die Gymnasien in Freiburg i. Br. und Rottweil. 

„Altes Gymnasiums“ in Rottweil.
Bildnachweis: Waithamai, Wikimedia
Waithamai, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Der frühe Verlust seiner Jugendliebe trieb ihn in ein Kloster des „grauenvollsten Schwarzwaldes“, von dem er dann doch wieder loskam, um ab 1778 in Nancy Philosophie zu studieren. Dort hielt es ihn aber ebenso wenig wie in Freiburg i. B., wo er sich 1779 kurzeitig den Rechtswissenschaften widmete. Denn noch im gleichen Jahr zog er weiter nach Wien, um an der dortigen Alma Mater Rudolphina das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften zu betreiben.

„Neue Aula“ der Universität Wien aus der Zeit Hirts, heute Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Bildnachweis: Peter Haas, Wikipedia

Dieses Vorhaben wich seiner Begeisterung für die Kunstgeschichte, der er sich in der Folge mehr und mehr zuwandte. Deshalb ging seine Grand Tour 1782 mit dem Ziel Rom weiter, das er u. a. über Venedig, Bologna und Florenz erreichte. Dort angekommen wandte sich sein Hauptinteresse fortan der antiken Architektur und Kunst zu. Als profunder Kenner dieser verdiente er seinen Lebensunterhalt ab 1785 als Cicerone (Fremdenführer) in Rom und Süditalien. Auch die Beratung zu und die Organisation von Kunst- und Gemäldeeinkäufen gehörte zu seinem Repertoire.

Zu den zahlreichen Italienreisenden, die er so kennen lernte, zählten u. a. der Architekt Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff, auf dessen Empfehlung hin Fürstin Luise Henriette von Anhalt-Dessau, des Weiteren der britisch-hannoverische Prinz August Friedrich Herzog von Sussex, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar, der ungarische Fürst Nikolaus II. Esterházy de Galantha, die Mätresse des preußischen Königs Friedrich Wilhelms II., Wilhelmine Gräfin von Lichtenau, und nicht zu vergessen Johann Wolfang von Goethe sowie viele weitere illustre Namen. In den Sommermonaten, in denen sich keine Touristen in den Süden trauten, widmete er sich wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Seine Dienste ließ er sich gut entlohnen. Eine Zechine (Dukat) nahm er am Tag – wie Goethe zu berichten wusste – für die Touren, die in der Regel auf einen Monat, täglich 9–14 Uhr, angelegt waren. Zum Vergleich: Dafür musste ein Tagelöhner oder ein Handwerker ungefähr ein bis zwei Wochen schuften.

Venezianische Zechine (Dukat) des Dogen Paolo Renier (1779–1789)
Bildnachweis: Gorny & Mosch Giessener Münzhandlung, Auktion 246, Los 3616, 8.03.2017.

Doch Hirts Führungen schienen nicht nur auf uneingeschränkte Zustimmung gestoßen zu sein. So meinte selbst Goethe, mit dem ihn später eine lebenslange Freundschaft verband, in einem Brief an Johann Gottfried Herder „Wenn Ihr einen Antiquar braucht, wie Ihr denn einen braucht, so nehmt einen Deutschen, der Hirt heißt. Er ist ein Pedante, weiß aber viel und wird jedem Fremden nützlich sein.“ Herder zog es nach einem kurzen Kennenlernen dann offenbar auch vor, Rom eigenständig zu erkunden. Ähnlich verhielt es sich mit dem Kunsttheoretiker Carl Ludwig Fernow, der Hirts veraltete, eigenwillige Sichtweise erkannte und ihn in einem Brief spöttisch als Günstling der „Königshure“ bezeichnete.

Nichtsdestotrotz brachten ihm seine römischen Bekanntschaften auch viele Möglichkeiten ein. So konnte Hirt 1796, als ihn die Napoleonischen Kriege dazu zwangen Italien zu verlassen, nach einigen Zwischenzielen in Berlin an seine Karriere anknüpfen – besser gesagt, seine eigentliche akademische Karriere erst starten. König Friedrich Wilhelm II. war von der Gräfin Lichtenau, seiner Geliebten, schon über Aloys Hirt unterrichtet worden und stellte ihn prompt als Lehrer des Prinzen Heinrich ein. Außerdem wurde er preußischer Hofrat und Mitglied der Akademien der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften sowie der Akademie der Wissenschaften mit der Aufgabe die preußischen Kunstschätze in einem Museum zusammenzufassen – eine Idee, die von Hirt selbst stammte und aus der erst sehr viel später die Berliner Museumsinsel hervorgehen sollte. In Berlin wurde er aufgrund seines langen Italienaufenthalts schlicht der Römer genannt. 

König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1786–1797)
Gemälde von Johann Christoph Frisch 1797
Bildnachweis: Johann Christoph Frisch, Public domain, via Wikimedia Commons
Wilhelmine Gräfin von Lichtenau (1752–1820)
Bildnachweis: Anton Graff, Public domain, via Wikimedia Commons


Hirt konnte seine enge Bindung zum preußischen Königshaus auch halten, als Friedrich Wilhelm II. bereits 1797 starb und sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm III. die ihm verhasste Gräfin von Lichtenau, Mätresse seines Vaters und Förderin Hirts, aus Berlin verbannen ließ. Er behielt seine Posten, wurde ebenso Berater des neuen Königs und verfolgte weiterhin seine kunstgeschichtlichen / archäologischen Forschungen. 1810 wurde er schließlich ordentlicher Professor für Archäologie der damals neu gegründeten Berliner Universität. Goethe blieb er zeitlebens freundschaftlich verbunden und besuchte ihn mehrmals in Weimar.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Ölgemälde von Joseph Karl Stieler 1828.
Bildnachweis: Joseph Karl Stieler, Public domain, via Wikimedia Commons

Zu seinem Berliner Freundeskreis gehörte die Runde der illegitimen Söhne und Söhne aus morganatischen Ehen König Friedrich Wilhelms II. um den Grafen Ingenheim. Mit Luise Mila, der Ehefrau eines befreundeten hugenottischen Predigers und preußischen Justizrats, soll der Jungesselle Hirt – wie in der neuesten Forschung angedeutet wird – selbst einen Sohn gezeugt haben, den späteren Portraitmaler Paul Mila. Mit dem Grafen Ingelheim unternahm Hirt 1816/17 abermals eine Italienreise.

Gesellige Runde beim Grafen Ingenheim. Aloys Hirt als zweiter v. l., Gemälde von Johann Erdmann Hummel um 1819.
Bildnachweis: Joseph Karl Stieler, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Umstand, dass Hirt immer ein bisschen zwischen den Stühlen saß, sich sowohl als Kunsthistoriker aber auch als Archäologe verstand und zudem ganz eigene bautechnische Überlegungen in seine kunsthistorischen Theorien mit einbrachte, rief auch viele Kritiker hervor. Zudem war er zu großen Teilen auch Autodidakt in seinen Fächern, was eine mangelnde Kenntnis der Fachsprache und Methodik mit sich brachte. Seine Berliner Karriere beruhte auch auf dem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Hirts Ansichten galten letztlich bereits zu seinen Lebzeiten als veraltet oder fehlgeleitet. Mit der ab 1815 verstärkt aufkommenden Kritik – selbst unter seinen Schülern – konnte er offenbar schlecht umgehen. Vielleicht war dies mit ein Grund, warum er sich ab den 1820er allmählich aus der aktiven wissenschaftlichen Arbeit und der Wissenschaftspolitik zurückzog. Er veröffentlichte aber weiterhin wissenschaftliche Artikel, zuletzt 1834. 

Historisch-architektonische Beobachtungen über das Pantheon in Rom von 1791. Titelblatt, eine der ersten Veröffentlichungen Hirts. Exemplar der italienischen Nationalbibliothek in Rom.

Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen liefern auch den Schlüssel zur Verwirrung um seinen Vornamen. So wurde zu seinem Aufsatz „Ueber das Pantheon“ von 1807, den er als „A. Hirt“ veröffentlichte, von den Herausgebern ergänzt:

„Der ganze Namen ist Aloys. Wir merken dies an, weil einige den Namen Luigi, den unser Freund in italienischen Schriften führet, und der allerdings auch Ludwig heissen kann (da Aloys und Ludwig ursprünglich nur Ein Namen ist), auf letztere Art übersetzt haben.“

Den Lebensabend verbrachte Aloys Hirt – unterbrochen von einigen Kuraufenthalten im böhmischen Karlsbad – im Kreise der ihm vertrauten Familie Mila. Er verstarb am 29. Juni 1837, im Alter von 78 Jahren in Berlin – das Datum wurde in der Vergangenheit oft falsch angegeben.

Dass er mit seiner Idee zu einem zentralen Museum für die Kunstschätze des preußischen Königshauses der eigentliche Urheber der weltberühmten Museumsinsel in Berlin war, dürfte heute sowohl dort als auch in Behla weitestgehend vergessen sein. Seine Heimat sah Aloys Hirt 1793, während einer kurzen Unterbrechung seines Italienaufenthalt, wieder. Ob er Behla später noch einmal besuchte, ist nicht bekannt.

Literatur:

Alfred Hall, Egon Bäurer, Fridolin Kaiser, Behla. Stadtteil von Hüfingen. Geschichte eines Baardorfes im Rahmen der Landschaft (Hüfingen 1989), S. 82–84.

Wolfgang Freiherr von Löhneysen, „Hirt, Aloys“. In: Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.), Neue Deutsche Biographie. Bd. 9 Hess–Huttig (Berlin 1972), S. 234–235. Online-Version: https://www.deutsche-biographie.de/sfz32578.html#ndbcontent

Claudia Sedlarz, Einleitung. In: Claudia Sedlarz (Hg.), Aloys Hirt. Archäologe, Historiker, Kunstkenner. Tagung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin April 2000 (Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800. Studien und Dokumente Bd. 1, Hannover 2004), S. 3–14, hier S. 3 und En. 2 auf S. 13. [zur Vaterschaft des Paul Mila]

Jürgen Zimmer, Nachrichten über Aloys Hirt und Bibliographie seiner gedruckten Schriften. In: Jahrbuch der Berliner Museen. Bd. 41 (1999), S. 133–194.

Quellen:

Johann Wolfgang Goethe, Italienische Reise (Frankfurt a. M. 2009), S. 470f. [zur Begegnung mit Hirt im November 1787]

o. V., Aloys Hirt. In: [Georg Friedrich August Schmidt] (Hg.), Neuer Nekrolog der Deutschen. Jg. 15 Teil 2 1837 (Weimar 1839), S. 672–682.

Aloys Hirt. Bildnis von Friedrich Georg Weitsch oder Paul Mila? nach einer Vorlage von Friedrich Georg Weitsch.
Bildnachweis: Friedrich Georg Weitsch, Public domain, via Wikimedia Commons

Kompetente Visionen des Patriarchats Teil 10

Am längsten währte die Geschichte mit dem Behlaer Weiher und es würde hier den Rahmen sprengen zu versuchen alles zu erzählen. Ich fasse es einfach mal möglichst kurz zusammen:

  • Wir schreiben etwa das Jahr 1980 und Männer schaffen einen Bypass vom Abwasserkanal in den Regenwasserkanal unter der Römerstraße in Behla.
  • Wenn in Behla bestimmte Menschen über eine bestimme Menge hinaus Abwasser produzieren und womöglich auch noch duschen, funktioniert der Bypass als Überlauf für „besondere Ereignisse“.
  • Diese „Spitzenabflüsse“ werden direkt in einem Bach zum Behlaer Weiher entsorgt.
  • In den 2000er Jahren fällt dies nicht nur durch Gestank auf und Mann begibt sich auf eine lange Fehlersuche.
  • Da keiner der Herren einen Kanalplan zu lesen vermag, bleibt die Herkunft der Ursache weitgehend unbekannt.
  • Zufällig hat das Bauamt in Hüfingen für ein ganz kurzes Zeitfenster eine Bauamtsleiterin, die die Pläne nicht nur anschaut, sondern auch versteht. Sie lässt den Bypass mit einer PE Platte verschließen.
  • Wir schreiben das Jahr 2022 und ein penetrantes, unflätiges und unterirdisches Weib fordert hartnäckig die Wiederherstellung vom Biotop Behlaer Weiher.
  • Alte Netzwerke tun sich zusammen und scharen sich unter und hinter einen neuen Häuptling der beim Landratsamt Schwarzwald-Baar von anderen Männern auserkoren wurde, unser Patriarchat vor eben diesen Frauen zu schützen.
  • Das System schlägt mit aller Macht zurück und verweist die Frau auf ihren Platz.

Es gibt hierzu nichts weiter zu sagen, außer dass Demokratie und Rechtsstaat vollkommen versagt haben und selbst in Stuttgart, unserem Landtag, das eigene Ego deutlich wichtiger ist, als sich an solch delikaten Dingen wie Fäkalien die Finger zu beschmutzen.

Natur ist, wenn die Blumen blühen!

Falls Hüfingen sich im Sommer für einen integren Bürgermeister entscheidet, wird das Biotop mit viel Frauenpower, der hellen Seite vom Landratsamt und zusammen mit der Stadtverwaltung Hüfingen wieder zu einem Ort für Amphibien, Natur und auch Menschen.

Das letzte Wort zu dem Thema liegt also jetzt bei den Hüfingerinnen und Hüfingern!


Bellemer Kanallabyrinth

Beim Vortrag im Kranz kamen wir auf die Idee die Kanalpläne mal etwas genauer von einem Sachkundigen anschauen zu lassen. Die Fehleinleitung in den Regenwasserkanal zum Behlaer Weiher hätte man seit langem schon, auf dem Bestandsplan (S 20a MW – S20b RW), oder durch Augenscheinnahme , ausmachen können.

Die „Fehleinleitung“ über die Jahre lang Fäkalien in den Weiher geleitet wurde ist sogar auf dem Plan eingezeichnet.

Durchgang zwischen 20a und 20b

Die Ausleitung bzw. Überleitung (Bypass) vom Mischwassersystem 20a (MW) ins Regenwassersystem 20b (RW) ist ein gravierender, umweltschädigender, unverständlicher Mangel. Warum ein Durchgang vom Mischwasserkanal zum Regenwasserkanal existierte und warum so etwas abgenommen werden konnte wird ein ewiges Rätsel unbedarfter Herren vom Landratsamt bleiben.

Schacht 20a mit Mischwasser. Hinten sieht man wie der Durchgang zum Regenwasserkanal mit einer PE Platte verschlossen wurde.

Nach Jahren der Einleitung von Fäkalien aus dem Mischwasserkanal der Römerstraße in den Behlaer Weiher und unzähligen Beschwerden deshalb bei verschiedenen Ämtern, wurde nach meiner Meldung bei der Polizei zumindest diese Einleitung gestoppt.

Bei der aufwändigen Schadenssuche im Jahr 2020 und 2021 wurde zwar der Bypass entdeckt und mit einer Platte abgedichtet, aber eine weitere, eindeutige Abwasserbelastung im Regenwasserkanal oberstromseitig fahrlässigerweise nicht erkannt.

Von kompetenter Problemlösung kann nicht gesprochen werden. Im Zulaufkanal bei S 20b (RW) ist immer noch eine erhebliche, eindeutig sichtbare Abwasserpilzfahne zu erkennen. Dieser immer noch latente Abwasserpilz ist auch deutlich am Auslaufrohr in den Weihervorfluter zu sehen.

Regenwasserkanal 20b
von innen
mit Abwasserpilz

Im Regenwasserkanal 20b sieht man immer noch Abwasserpilz, auch kommt davon noch einiges im Zulauf von Behlaer Weiher an.

Zulauf über dem Behlaer Weiher mit Abwasserpilz

Die Gründe vom Staatsanwalt vom 22.02.2021 kein Verfahren einzuleiten waren: „es hatte lediglich ein technisches Problem im Kanalsystem gegeben, das zu einer minimalen Ausleitung von Wasser in ein Oberflächengewässer welches in den Belaer Weiher mündet führte„.

Diese Gründe beruhen vorgeblich auf ein Protokoll der Polizei und von einer „Lokalisierungsaktion“.

Die Aussagen dieser „Lokalisierungsaktion“ sind falsch und die Behauptung dass das Problem gelöst sei, ist grob fahrlässig.

Nachdem die Stadt nach Jahren endlich die Zuleitung des Mischwasserkanals zum Regenwasserkanal verschlossen hat, ist es am Behlaer Weiher deutlich besser geworden.

Aber noch nicht gut!

In Anbetracht der Tatsache, dass mehrere Gesetzte gebrochen wurden, fordere ich die sofortige Wiederherstellung des Weihers!

Fazit

In der Abwassersatzung verpflichtet sich der Entwässerungsträger (Stadt) die Abwässer sachgerecht zu entsorgen (Kläranlage). Der Bürger (Abwasserbeitragspflichtige) kann und muss davon ausgehen, dass dies ordnungs- und vertragsgerecht geschieht. Die Anlieger des Einzugsbereiches der Römerstraße in Behla haben jahrelang, wenn nicht sogar jahrzehntelang, für eine Leistung bezahlt, die sie nicht erhalten haben bzw. für die der Vertragspartner (Stadt) keine zugesicherte Dienstleistung erbracht hat.

Es wurden über Jahre in Hüfingen – Behla Abwasser aus Haushalten der Römerstraße illegal in einen Regenwasserkanal geleitet und im Behlaer Weiher entsorgt.

Diese Haushalte haben im guten Glauben eine Abwassergebühr bezahlt und wurden getäuscht.

Ich ermutige hiermit die Anwohner ihre zu Unrecht bezahlten Abwassergebühren zurück zu fordern!

20a Mischwasser
20b Regenwasser
20f Regenwasser
20a Mischwasser
21a Mischwasser
21 Mischwasser

Antrag „Gutachten Behlaer Weiher“

Antrag der BFSO/DIE GRÜNEN Fraktion

Der Behlaer Weiher befindet sich seit längerem in einem sehr schlechten Zustand. Die letzten Jahre wurden viele unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt.

So gibt es mikrobiologische und chemische Analysen, Befahrungen und Dokumentationen u.a. vom GVV Umweltbüro, der Stadt Hüfingen, der Hochschule Furtwangen, der Fischereivereinigung, des Amtes für Umwelt Wasser und Bodenschutz und der unteren Naturschutzbehörde. Zeitgleich bestehen zum Teil wissenschaftlich unhaltbare Anschuldigungen gegen einige Landwirte in Behla.

Auch um unsere Landwirte zu schützen, beantragen wir, dass diese „wilde“ Ansammlung von Teilfakten, Gerüchten und Anschuldigungen durch einen unabhängigen Gutachter sortiert, untersucht und analysiert wird.

Beschlussvorschlag:

Der Gemeinderat von Hüfingen möge beschließen:

Der Zustand des Behlaer Weihers wird von einem unabhängigen Ingenieurbüro untersucht. Hierbei soll das Büro Zugriff auf Akten der Stadt Hüfingen bekommen und unabhängig davon den Behlaer Weiher und seine Zuflüsse untersuchen, analysieren und Verbesserungsvorschläge machen.

Behlaer Weiher Vortrag

Vielen Dank an die fast 40 Besucher gestern im  Hotel Landgasthof Kranz in Behla und auch für die tolle Diskussion und die vielen Gäste auf Zoom! Den Menschen in Behla ist der Zustand ihrer Natur nicht egal und wir werden weiter kämpfen.

Vielen Dank auch noch für die vielen Anregungen. Wir werden sie ganz sicher aufgreifen.

Ich möchte hier für alle die gestern nicht dabei sein konnten nochmal die wesentlichen Teile des Vortrages zur Verfügung stellen.

Willkommen bei den Freunden der Natur Hüfingen

Wir haben letztes Jahr den Verein nach 200 Jahren wieder gegründet, einfach, weil es gerade in Hüfingen bitter nötig ist.

Die letzten Jahre gab es hier einen gewaltigen Rollback und zwar nicht ins Mittelalter, sondern in die schwärzesten Zeiten des 20 Jahrhunderts.
Wir wollen das stoppen, nicht nur für unsere Natur, sondern auch für die Menschen;
für unsere Demokratie und freiheitlich Demokratische Grundordnung!

Vortrag vom 29. April 2022 im Hotel Landgasthof Kranz in Behla

Weitere Infos gibt es hier auf dem Hieronymus unter Behla und hier:

50 Jahre Hüfingen – Behla

Am 1. Januar 1972 ist Behla offiziell ein Teil der Gesamtstadt Hüfingen geworden.

Leider wurde der Stadtteil Behla von der Stadt Hüfingen vergessen, wie auch zuvor Sumpfohren und Fürstenberg. Aber dies erstaunt nicht sonderlich, da einige in der Kernstadt und ihr Bürgermeister doch meinen, nur sie seien Hüfingen. Wie könnte man seiner Exklusivität besser Ausdruck verleihen?

Wobei Behla doch ein besonderer Fall ist. Als einziger Ortsteil hat Behla keine vernünftige Chronik und schleppt schwer an einem Nazimachwerk, das zum Glück keiner liest. Leider ist Georg Baum, als einziger der sich für Geschichte interessierte, viel zu früh verstorben.

Georg Baum als Sarwürker mit dem Wappen der Schellenberger.

So dümpelt seit dem Behla, von der Welt vergessen, vor sich hin. Einzig die Bauten des Kindergartens und der Umgehungsstraße B27 waren Highlights. Ansonsten plätscherten unbemerkt diverse Fäkalien lustig vor sich hin.

Am 20. Dezember 1971 wurde die Vereinbarung zwischen Behla und Hüfingen unterschrieben. Sie trat am 1. Januar 1972 in Kraft. Behla erhielt analog den anderen eingemeindeten Gemeinden den Namen „Hüfingen-Stadtteil Behla“. Bürgermeister Fridolin Kaiser wurde erster Ortsvorsteher des neuen Stadtteils. Die Vereinbarung gleicht großenteils derjenigen, die zwischen Hüfingen und Fürstenberg geschlossen wurde. (Eingemeindungsvertrag Mundelfingen). Der freie Finanzspielraum wurde auf 40.000 DM festgesetzt, für die ersten fünf Jahre aber aus dem gleichen Grunde wie bei Fürstenberg auf 30.000 DM verringert. Innerhalb der ersten Jahre nach dem Inkrafttreten hat Behla an Investitionen anzusprechen: ca. 12.000 DM für den Ausbau des Friedhofs und die Errichtung einer Friedhofskapelle, ca. 110.000 DM für den Ausbau der Gehwege im Ortsetter, ca. 20.000 DM für den Ausbau des Schlachthauses, ca. 50.000 DM für den Ausbau des Brandweihers sowie ca. 150.000 DM für die Verbesserung der Wasserversorgung. Die drei erstgenannten Vorhaben sollten während der ersten drei Jahre nach dem Wirksamwerden der Eingemeindung durchgeführt werden.

Chronik der Stadt Hüfingen 1984 von August Vetter

Schön, dass Behla nach 50 Jahren immer noch dabei ist!

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Alle Aufnahmen sind vom 25. Dezember 2021

Schlammsaugen am Klosterweiher

In St. Georgen gab es früher eine Benediktiner-Abtei. Um die Mönche mit Fisch zu versorgen, wurde für einen Weiher die Brigach aufgestaut: Der Klosterweiher.

Das Kloster ist längst Geschichte, aber der Weiher erfreut sich heute großer Beliebtheit bei Badegästen, Fischern und auch bei dem Biber.

Zeichnung aus der Reformationszeit mit Darstellung des Grundbesitzes im Umfeld des Klosters (Foto: Wikipedia bei KALCHSCHMIDT)

Im sogenannten Absetzbecken vor dem eigentlichen Weiher hat sich nun jede Menge Schlamm angesammelt.

Diese Problematik und deren pragmatische Lösung der Stadt St. Georgen hat nun auch in Hüfingen für großes Interesse gesorgt. Hier will ich die Technik des Schlammabsaugens der Amodes GmbH allen interessierten Hüfingerinnen und Hüfingern vorstellen.

Mobile Teichschlammentwässerung

Teichentschlammungen werden momentan oft durch eine sogenannt Winterung und Sömmerung gemacht. Das heißt man lässt den Teich austrocknen und baggert dann den Schlamm ab. Dies wurde z.B. erfolgreich im Winter 2004/2005 und im anschließenden Sommer am Unterhölzer Weiher gemacht (1).

Dies ist allerdings sehr zeit- und arbeitsaufwändig, teuer und ein großer Eingriff in den Lebensraum.
Die Anlagen von amodes bieten hier eine Lösung.

Der Schlamm wird aus dem Weiher mit einem amphibischen Schwimmsaugbagger abgesaugt.

Amphibischer Schwimmsaugbagger im Einsatz am Klosterweiher

Von diesem Schwimmsaugbagger wird der Schlamm durch eine Leitung zu der mobilen Entwässerungsanlage gesaugt. In St. Georgen geschieht dies durch ein etwa 400 Meter langes Röhrensystem.

Diese mobile Entwässerungsanlage benötigt Frischwasser für das Reaktionstrennmittel. Am Ende kommt Trockenschlamm mit einer Trockensubstanz von etwa 65% raus.

Verfahrensaufbau der Teichschlammabsaugung der amodes GmbH

Die mobilen Entwässerungsanlage war in St. Georgen wegen des Frostes leider eingepackt.

Tagesleistung der mobilen Entwässerungsanlage ca. 250 – 350 m3 Schlamm.
So braucht man für 5.000 m3 etwa 16 bis 20 Tage.

Hier ein Film der Firma mit der Anlage in Aktion.

(1) Markus Röhl, Susanne Popp, Friedrich Kretzschmar, Ingo Kramer, Hans Offenwanger und Konrad Reidl: Winterung und Sömmerung des Unterhölzer Weihers – Chancen und Risiken
einer traditionellen Pflegemaßnahme. Schriften der Baar 50 (2007) Seite 59-78.

Behlaer Weiher Follow-up

Im November 2020 durften wir lernen, warum der Behlaer Weiher so stark eutrophiert und fast am umkippen ist:
Eine kleine bakteriologische Untersuchung

Im Januar 2021 habe ich dann mal einen Vergleich angestellt, was wir alles verloren haben:
Behlaer Weiher einst und heute

Abwasser mit nachgewiesenen Fäkalbakterien und mutmaßlichen Kotresten
20. November 2020

Seit damals haben viele Leute versucht etwas zu erreichen. So war die erste Anlaufstelle das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz. Dieses Amt schrieb dann, nach mehrfacher Aufforderung, folgende Nachricht:
Bezüglich des Gewässerverunreinigung konnte ein wesentlicher Eintragspfad in das Gewässer am 07.12.2020 festgestellt werden, welcher seitens der Stadt Hüfingen zeitnah verschlossen wurde.
Hiermit war die Sache für das Landratsamt erledigt.

Abwasser
23. Januar 2021

Da es im Januar nicht ganz so aussah, als ob die Behauptung der Wahrheit entsprach, hat hier der NABU Strafanzeige gestellt. Die Anzeige wurde direkt eingestellt.

Abwasser mit nachgewiesenen Tensiden
11. März 2021

Auf Nachfrage des NABU beim Oberstaatsanwalt mit den oben gezeigten Fotos kam als Begründung: „Das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz vom Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis bewerteten die Schaumbildung als natürlich und sahen keine Verunreinigung des Weihers.

Abwasserpilz

Abwasserpilz ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Lebensgemeinschaft aus diversen Bakterien, die in verschmutzten eutrophierten Gewässern wächst und dabei lange Fäden oder fellartige Überzüge bildet. In der Gewässergütebestimmung dient er als Anzeiger für die Gewässergüteklasse III–IV. Die Gewässergüteklasse IV ist übermäßig verschmutzt. (Polysaprobe Zone. Darstellung in der Gütekarte: rot. Saprobienindex 3,5 bis 4,0. „schlechter“ Zustand) (Wikipedia)

Hier zeige ich ein paar Fotos des „natürlichen Abwasserpilzes“ im verschmutzen Bach zum Weiher vom 11. März 2021.

Die Untersuchungen des weißen Schaumes oben wurde von einem Chemiker der Hochschule Furtwangen durchgeführt und wird später in einem gesonderten Bericht veröffentlicht. Aber hier stellt sich mir schon die Frage, warum diese Untersuchungen von Ehrenamtlichen gemacht werden müssen und das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz „erfühlt“ seine Wahrheiten. Bis heute war keiner der Männer vom Amt an der Abwassereinleitung.

Versuch der Kontaktaufnahme mit dem Landratsamt

Da leider jeder Kontakt mit dem Landratsamt gescheitert ist, hatte ich am 30. Januar 2021 eine E-Mail an den Ersten Landesbeamten geschrieben, mit der Bitte um Hilfe. Der Mann hat nach 10 Tagen merkwürdig geantwortet. Es ist mir nicht ganz klar, warum der Mann unhöflich war. Aber vielleicht erschliesst es sich ja der Leserin oder dem Leser hier. Deshalb will ich meine E-Mail (mit allen Rechtschreibfehlern) veröffentlichen:

E-Mail an den Ersten Landesbeamten vom 30.01.2021

Aus datenschutzrechtlichen Gründen kann ich hier die Antwort nicht veröffentlichen, wäre aber dankbar wenn mir in den Kommentaren jemand erläutert, warum ich anscheinend sehr beleidigend rüber kam. Ich bin ja lernfähig. Auf jeden Fall hatte ich eine erneute E-Mail geschrieben, die bis heute nicht beantwortet wurde.
Update am 24. März 2021: Es hat sich jetzt alles geklärt und ich weiß, wo mein Fehler lag. Danke an den Ersten Landesbeamten für die E-Mail!

Nach diesen recht frustrierenden Erfahrungen habe ich dann an das Umweltministerium nach Stuttgart geschrieben:

E-Mail an das Umweltministerium vom 10. Februar 2021

Eintragspfade wurden im Dezember 2020 verschlossen?

Die Einleitung von Abwässern in den Bachlauf zum Behlaer Weiher wird ja nicht abgestritten, sondern es wird behauptet dies sei nur ein kurzer „Unfall“ gewesen und die Einleitungen seien im Dezember 2020 abgestellt worden.

Ich vermute mal, dass jeder und jedem bei dem Anblick des Bachlaufes klar ist, dass dies nicht stimmen kann. Allerdings müsste man sich dazu vom warmen Schreibtischstuhl aus in das unwirtliche Gelände des Behlaer Weihers begeben. Dies ist nur Ehrenamtlichen zuzumuten.

Abwasser
21. März 2021

Da die Zustände in Behla eigentlich unzumutbar sind, habe ich am 21. März erneut eine E-Mail an das Umweltministerium in Stuttgart geschrieben.

Es ist also wieder so, dass Ehrenamtliche hier Proben ziehen und Untersuchungen starten. Wobei ich dieses Mal Unterstützung eines Chemikers der Hochschule Furtwangen habe.

Bevor ich hier die mikrobiologischen Ergebnisse veröffentliche, möchte ich noch auf den Laich eines verirrten Frosches eingehen. Es ist ja so, dass es früher tausende Amphibien im und um den Weiher gab (Behlaer Weiher einst und heute). Dieses Jahr hatte sich noch ein letzter Frosch verirrt und hier möchte ich eine kleine Abfolge der mutmaßlichen Verwesung des Laiches zeigen. Innerhalb von drei Wochen ist der Laichklumpen langsam vergammelt. Hier können sich keine Kaulquappen entwickeln.

Erneute Untersuchung des Wassers

Probeentnahme von oberhalb des Abflussrohres
Ehrenamt mit Geschmäckle
Probeentnahme am Abflussrohr

Oben sind die Bilder der Probeentnahme am 21. März 2021. Ich habe eine Probe am Bachlauf vor dem Abfluss genommen und eine am Abfluss selber.

Sowohl am Bachlauf oberhalb des Abflusses, als auch am Abfluss selber sind sehr hohe Nitrat-Werte (über 50 mg/l). Nitrit ist nur am Abfluss selber erhöht (über 10 mg/l).

Nitrit wird durch eine chemische Reaktion in Gewässern und in Kläranlagen von Nitritbakterien (Nitrosomonas) durch Oxidation bei ab 20°C gebildet. Nitrate werden dagegen durch bakterielle Nitrifikation gebildet. Die Nitrifikation wird bei Temperaturen unter 12°C verlangsamt und unter 8°C eingestellt. (Wasser Wissen).

1. Reihe: Hüfinger Trinkwasser 2. Reihe Bachlauf oben 3. Abfluss

Im November 2020 wuchsen auf LB Platten mit 50 µl der Wasserproben bei 37° über Nacht unzählige “Fäkalcoliforme” kurz auch als CFU (coliform units) bezeichnet. 

Wasserproben vom November 2020 auf EMB und LB Platten bei 37° über Nacht. (53=Wasser aus dem Abfluss)

Bei den neuen Proben zeigt sich erstaunlicher Weise ein ganz anderes Bild.

1.000 µl Wasserproben vom 21. März 2021 auf EMB Platten bei 37° über Nacht. (57-Wasser aus dem Abfluss, 58-Wasser aus dem Bachlauf)

Ich kann diesmal keine nennenswerte Anzahl an lebenden Fäkalcoliformen nachweisen. Im Bachlauf oberhalb sind gar keine Fäkalcoliforme, aus dem Abfluss kommen einige wenige, die aber dieses Mal teilweise antibiotikaresistent sind. Staphylokokken sind jetzt gar keine nachzuweisen.

Dieses Mal habe ich das braune Abwasser unter das Mikroskop gelegt.

40 x Vergößerung
10 x Vergrößerung

Oben nur mal zwei Beispielfotos. Ich habe jetzt nicht sehr viel Erfahrung mit dem Mikoskopieren, aber es sieht schon nach verdauten Kadavern aus. Wenn ich jetzt tippen müsste, würde ich sagen, die braune Brühe ist Aas. Also Reste von toten Tieren. Da keine Fäkalcoliforme gefunden werden können, wurden die Kadaver wohl nicht im Darm von Warmblütern vergärt. Hierauf weisen auch die vielen Tenside.

Fazit

Das Abwasser aus dem Rohr hat sich die letzten Monate verändert. Das einzige was wir mit Sicherheit sagen können: Es ist nicht natürlich und schon gleich gar nicht normal!

Die einzige Konstante ist, dass wir sehr viele Abwasserpilze haben, Faulschlamm im Weiher und viel totes verwesendes Material. Laich ist nicht überlebensfähig.

Was wir inzwischen auch wissen ist, dass der letzte Bürgermeister mit seinem Team versucht hat Abhilfe zu schaffen. Seit Amtsantritt des neuen Bürgermeisters 2016 hat sich die Situation deutlich verschlimmert. Es wurden zwei Biotope mit tausenden Amphibien vernichtet. Der Bürgermeister hat keinerlei Ambitionen dieses Problem zu lösen. Er meint, es interessiert keinen. Womit ich ihm wirklich Recht geben muss.