Industriegebiet Palmhof bedroht unser Trinkwasser

1897 beschloss der Hüfinger Gemeinderat eine Hochdruckwasserleitung zu bauen und am am 24. Oktober 1903 konnte Hüfingen das Brunnenfest begehen. Die 1. Hochdruckwasserleitung wurde von den Dellinger Brunnen gespeist. *

Alter Hochbehälter beim Römerbad.

Seit dem Bau des Kirnbergsees 1921 von der Stadt Bräunlingen nahm die Schüttung der Dellinger Quellen immer weiter ab. So entschloss man sich auf Hüfinger Gemarkung einen Tiefbrunnen zu graben. Nach einiger Suche fand man im Gewann „Wasserlanden“ eine Wasserader.*

Schafäcker und Wasserlanden auf einem Kartenausschnitt der LUBW.
Auf dem Furstück Schafäcker sieht man auch die zwei Tiefbrunnen.

Das Hüfinger Trinkwasser kommt aus zwei Tiefbrunnen auf dem Flurstück Schafäcker (oder Schaafäcker). Das Trinkwasser unserer ganzen Gemeinde: Hüfingen, Behla, Fürstenberg, Hausen vor Wald, Sumpfohren und Mundelfingen. Ohne Ausnahme!

Tiefbrunnen auf dem Schafäcker

Wasserschutzgebiet Schafäcker Nitrat-Problemgebiet 2017

Wasserschutzgebiet Schafäcker Nitrat-Problemgebiet 2025

Die Fabrikanalgen des Palmhofes über den Hüfinger Tiefbrunnen


Vielleicht wird nun dem ein oder anderen klar, warum wir im Jahr 2019 so sehr gegen die gigantische Erweiterung des Palmhofes gekämpft hatten. Die Qualität des Trinkwassers der Gesamtstadt Hüfingen hängt maßgeblich vom Wohlwollen der Stadt Bräunlingen ab. Dies war früher schon so als Bräunlingen die Dellinger Quellen versiegen ließ und dies ist heute kein bisschen anders. Damals haben allerdings Hüfinger Bürgermeister und Gemeinderäte sogar vor Gericht (vergeblich) für unser Wasser gekämpft. Heute gibt es in Hüfingen niemanden mehr der sich für unser Trinkwasser einsetzten würde; wie man in der Gemeinderatssitzung am 8. Mai 2025 wieder feststellen durfte.

Im Jahr 2019 fand eine Belehrung eines Handelsvertreters von Biogasanlagen statt. Da der Herr wenig Ahnung von der Baar und der Landwirtschaft hatte, hat man sich darauf beschränkt, über die technischen Gegebenheiten der Biogasanlage zu berichten. Nach den technischen Highlights wurde der Gemeinderat mit einer Milchmädchenrechnung beehrt, mit der die Nachhaltigkeit einer solchen Anlage bewiesen werden sollte.

Die Ausschüttung an Energie der Anlage wird direkt in Heizöl umgerechnet und damit hat man dann eine angebliche Ersparnis. Der Einsatz von Energie für den Anbau und Transport vom Mais, den Fahrzeugpark, die vielen Anfahrten von weit her, die Chemikalien und deren regelmäßige Ausbringung, die Zerstörung der Umwelt, die Vernichtung von Lebensräumen spielt bei der Berechnung keinerlei Rolle. Als ob sich diese Biogasanlage befüllen ließe wie ein Öltank. Der wissenschaftliche Konsens, dass eine solche Anlage nicht nachhaltig ist, spielt keine Rolle. Wissenschaftler und alle anderen die die Nachhaltigkeit anzweifeln, wären ungebildet und uninformiert.

Meine Meinung als Agraringenieurin und Wissenschaftlerin
Biogasanlagen sind Industrieanlagen, die auf Kosten der Natur einen hoch subventionierten Energieaustausch durchführen.

Erweiterung der Industrieanlagen Palmhof 2025

Was soll man da noch weiter sagen? Vom Finanzamt gibt es für die Industrieanlage nach 20 Jahren nicht mehr genug Geld, deswegen muss der Irrsinn nun „weiterentwickelt“ werden. Wir bezahlen diesen Energieaustausch auf Kosten unserer Natur nicht nur mit Steuergeldern, sondern auch eines Tages mit unserem Trinkwasser.

Ich habe mich seit dem letzten Brand auf dem Palmhof gar nicht mehr getraut etwas zu sagen, da ich vermutlich sonst in Zukunft für jede Havarie verantwortlich gemacht werde. Dabei hoffe ich einfach nur, nicht eines Tages Kassandra zu sein. Ganz unten gibt es noch einen Teil vom dazugehörigen Steuermodell.

Weitere Fakten über unser Trinkwasser

Beitrag vom 14. Mai 2025

Ich sammle hier die Fakten über unser Trinkwasser auf einer Seite.
Es ist komplex und unsere Ämter kümmern sich nicht um wissenschaftliche Fakten oder Logik, sondern nur um ihre tausende Vorschriften. Überhaupt sind wissenschaftliche Fakten heute an keiner Stelle mehr erwünscht und es überwiegen gefühlte Wahrheiten gepaart mit Paragraphen und wilden Meinungen.

Schon seit Jahren fordere ich, dass Hüfingen unsere Trinkwassersicherheit selber in die Hand nimmt!

CDU und Freies Forum stimmten am 8. Mai für die Versiegelung des schwer kontaminierten Bodens und die aktive Vertuschung des Grundwasserschadens. Sollen sich doch unsere Kinder mal drum kümmern, wenn das Trinkwasser verseucht ist. Teuer wird es dann ja für die nächste Generation. Aber vielleicht gibt es einigen ja zu denken, dass alle unsere Ortschaften aus den selben Tiefbrunnen beim Schafäcker trinken. Auch Mundelfingen bekommt das in den Kohlwald gepumpt – und Behla sowieso, gell. Es sind genau eure Enkel, nicht die von anderen.

Das Argument, dass die giftigen Abwässer vom FF Sägewerk ja nicht in unsere Tiefbrunnen gingen, sondern in die Breg ist polemisch. Hier möchte ich auf den Artikel über die Donau hin weisen: Donau ist Nr. 1 bei Schadstoffbelastungen in Europa.

Worum es geht

Im Jahr 1933 ging das Hüfinger Sägewerk an das Haus Fürstenberg über und hieß „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. Im Sägewerk arbeiteten, bis zur Befreiung 1945, von den Nazis entführte Zwangsarbeiter aus dem überfallenen und besetzten europäischen Ausland. Seit dieser Zeit werden verschiedene Imprägnieranlagen betrieben. Heute gehen wir davon aus, dass der Boden dort hochgradig verseucht ist.

Im Jahr 2022 gab es einen städtebaulichen Vertrag der Stadt Hüfingen mit der Bima für ein ETZ (Einsatz-Trainings-Zentrum für die Zollverwaltung) in Hüfingen. Da der Fürst aber deutlich zu viel Geld für das verseuchte Land wollte, hat die Bima die Verhandlungen eingestellt.

Jetzt ist es aber so, dass nicht alles Land dem Fürst gehört, ein kleiner Zipfel vorne gehört der Stadt Hüfingen und das Land wurde im Jahr 2021 untersucht.

Das Flurstück 600 im Besitz der Stadt Hüfingen wurde im Jahr 2021 untersucht. Auf diesem Flurstück wurde immer nur Holz gelagert. Die eigentliche Kontamination mit Grundwasserschaden befindet sich weiter westlich.

Grundwasserschaden in Hüfingen

Hüfingen hat einen Grundwasserschaden. Das Gelände vom Sägewerk wurde bereits vor 30 Jahren untersucht. Es wurde ein Grundwasserschaden mit Schwermetallen auf dem Betriebsgelände festgestellt. Dieser Grundwasserschaden wird durch eine Grundwasserentnahme mit anschließender Aufreinigung saniert. Die Grundwassersanierung läuft seit 1998.

Hüfinger Trinkwasser


Wasserschutzgebiet Schafäcker Nitrat-Problemgebiet

Schafäcker

Fakten zum chlorieren vom Trinkwasser

18. Februar 2025

Hier ein sehr aktueller Review vom 21. Januar 2025 in Environmental Health Perspectives von der Universität Upsala: Exposure to Drinking Water Trihalomethanes and Risk of Cancer: A Systematic Review of the Epidemiologic Evidence and Dose–Response Meta-Analysis .

Die Schlussfolgerung lautet: „Gemäß den Kriterien des World Cancer Research Fund haben wir Hinweise darauf gefunden, dass Trihalomethan im Trinkwasser das Risiko von Blasen- und Darmkrebs erhöht und zwar bei Werten, die unter den derzeitigen Grenzwerten in den USA und der EU liegen, was darauf hindeutet, dass diese nicht vor Krebs in der Allgemeinbevölkerung schützen.“

Ich habe noch viel mehr Veröffentlichungen hierzu gefunden. Aber erhöht, oder nicht erhöht, eine prophylaktische Chlorierung von Trinkwasser sollte unbedingt unterbleiben.

Nicht nur das Krebsrisiko ist problematisch, auch führt das Vorhandensein von Chlor/Chloraminen im Abwassersystemen zu zahlreichen Problemen. So die potenzielle Freisetzung von Metallionen und die Beschleunigung der Rohrkorrosion, die Erzeugung toxischer stickstoff- und jodhaltiger Desinfektionsnebenprodukte, sowie die Förderung horizontaler Übertragungen von Bakteriengenen unter der Belastung durch unterschiedliche Chlor-/Chloraminarten, was zur Verbreitung von Chlorresistenzgenen oder Antibiotikaresistenzgenen führen kann.

Durch die unbeabsichtigte Mischform von Chlor/Chloraminen könnten die oben genannten Probleme weit weniger kontrolliert und vorhersehbar werden, was zu zahlreichen gesundheitlichen Bedenken und wachsender Besorgnis führt. Einen Übersichtsartikel hierzu von 2023 gibt es hier:

Mixed chlorine/chloramines in disinfected water and drinking water distribution systems (DWDSs): A critical review

Alles zum Trinkwasser auf dem Hieronymus: https://hieronymus-online.de/?s=Trinkwasser

Wie deutsche Bauern das Finanzamt melken

Die Brüsseler Behörde hatte die Klage gegen die deutsche Umsatzsteuerpauschalierung in der Landwirtschaft am 10. Februar 2022 zurück gezogen, da der Satz der Pauschalierung jedes Jahr angepasst würde. Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Landwirte sich selber ihre eigenen Gülle verkaufen und daran gut verdienen. Aber ich weise darauf hin dass der Artikel unten 6 Jahre alt ist.

von Hannah Miriam Jaag am 12. August 2019

Am 25. Juli 2019 verklagte die EU Kommission Deutschland vor dem EU-Gerichtshof wegen Nichtanwendung der EU-Mehrwertsteuer-Regelung für Landwirte.

Nach den geltenden EU-Vorschriften können die Mitgliedstaaten eine Pauschalregelung anwenden, wonach die Landwirte ihren Kunden einen Pauschalbetrag („Pauschalausgleich“) auf ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Dienstleistungen in Rechnung stellen können. Die Regelung ist eigentlich für Landwirte gedacht, die bei der Anwendung der normalen Mehrwertsteuerregelung auf verwaltungstechnische Schwierigkeiten stoßen dürften.

Deutschland wendet die Pauschalregelung jedoch standardmäßig auf alle Landwirte an. Siehe Besteuerung: Kommission verklagt Deutschland vor dem EU-Gerichtshof wegen Nichtanwendung der EU-MwSt-Regelung für Landwirte

Hierzu kam in der taz am 11. August 2019 der Bericht:

Wie deutsche Bauern das Finanzamt melken

So berechnen Landwirte einen Preis von bis zu 14 Euro pro Tonne Gülle, obwohl auf dem Markt nur 3 Euro üblich sind. Die Biogasanlagen haben damit kein Problem, da ihre Betreiberfirma den Landwirten selbst gehört. Wegen des überhöhten Preises kassieren die Landwirte mehr Umsatzsteuer.

Im Groben zusammengefasst: Die Landwirte verkaufen sich selber zu überhöhten Preisen Gülle und kassieren dafür Umsatzsteuer.

Dies funktioniert über eine Pauschale, die das Finanzministerium festsetzt. Der Bauernverband liefert den Landwirten dann Steuerberater die wissen, wie man diese Pauschale anwendet.

Der Bundesrechnungshof vermutet, dass Landwirte im Jahr 200 Mio Euro mehr Umsatzsteuer einnehmen, als sie an den Staat weiterleiten.

Deutsche Landwirte bekommen also eine „Überkompensation“. Dies ist nach den EU-Vorschriften nicht zulässig und führt zu großen Wettbewerbsverzerrungen auf dem Binnenmarkt, insbesondere zugunsten großer Landwirte.

Dieses Geschäftsmodell fördert die Produktion von Gülle und belohnt industrielle Tierställe.

* Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984

Behlaer Weiher einst, heute und morgen

Hannah Miriam Jaag stellt das Buch Lorax vor beim Vortrag im Kranz in Behla

Am Mittwoch den 4. Juni 2025 war im Kranz in Behla ein Vortrag mit Diskussion zum Behlaer Weiher. Ich möchte mich hier recht herzlich bedanken bei den vielen Zuhörern für das rege Interesse und die schönen Diskussionen im Anschluß! Es tut gut, wenn sich so viele Menschen für meine, zugegeben manchmal etwas durchgeknallten, Aktionen interessieren.

Hier erst mal ein paar Eindücke:



Da einige nicht teilnehmen konnten, hatte ich versprochen hier zu berichten. Es gibt auf dem Hieronymus ja nun wirklich genug zum Thema, deswegen habe ich so ungefähr meinen Vortrag im Vorfeld als Podcast aufgenommen und jeder der sich das antun mag, darf es sich unten anhören. Dies allerdings auf auf eigene Verantwortung – ist lang geworden.
Daneben ist eine pdf mit fast allen Bildern die ich gezeigt habe, allerdings etwas kürzer durch Selbstzensur.


Podcast zum Vortrag Bellemer Weiher einst, heute und moren.

Beitrag vom 17. Januar 2021

Der Bellemer Weiher einst und heute

Im November 2020 konnte ich nachweisen, dass seit Jahren Abwasser in den Behlaer Weiher floss, ohne dass ernsthaft etwas dagegen unternommen wurde: Abwasser im Behlaer Weiher.

Heute ist der Weiher eine Klärgrube und auf der anderen Seite das „Feuchtbiotop“, wie ich das Habitat des Bibers nannte, ist als Folge stark eutrophiert. Eutrophierung ist ein Terminus aus der Ökologie. Damit wird allgemein die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem bezeichnet. Dies hat meist nachteilige Folgen für die Ökologie der Gewässer. Eutrophierung beruht also auf Nährstoffeintrag mit Nährstoffanreicherung im System. Der Duden definiert sie „als unerwünschte Zunahme eines Gewässers an Nährstoffen und damit verbundenes nutzloses und schädliches Pflanzenwachstum“ (aus Wikipedia).

Nach diesen traurigen Ist-Zuständen will ich hier jetzt zeigen, was einmal war.

1978 erschien in den Schriften der Baar, Band 32, von Hannelore Borzer und Professor Dr. Günther Reichelt: Lurchwanderungen am Behlaer Weiher – ein Beitrag zur Rettung von Amphibien

Plan von 1978

Die Rettungsaktion wurde damals mit Unterstützung von Alt-Bürgermeister Gilly und den Stadträten durchgeführt. Auch 1978 schon war die Erdkröte (Bufo bufo), der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) und der Teichmolch (Lissotriton vulgaris, Syn.: Triturus vulgaris) geschützt. So meinte Professor Dr. Reichelt, dass die Erdkröte menschliche Korrekturmaßnahmen seltener nötig oder überhaupt überflüssig mache. Es sei noch nicht lange her, dass die Kröte im Garten als Glücksbringer galt! So verzehren 10 Kreuzkröten (Bufo calamita). pro Tag durchschnittlich 50 Kartoffelkäferlarven, 50 Speckkäferlarven und 48 Asseln.

Kreuzkröte

Der Behlaer Weiher ist laut Prof. Dr. Reichelt der letzte Rest von mehreren mittelalterlichen Fischweihern, deren Lage und Größe aus Landtafeln des 17. und 18. Jahrhunderts hervorgehen.

Erdkröte

Der Behlaer Weiher war das Laichgebiet einer großen Zahl von Lurchen. Zahlenmäßig waren die Erdkröten weitaus am häufigsten. In den meisten Jahren dürfte zur Laichzeit der Behlaer Weiher von über 5000 Erdkröten aufgesucht worden sein.

Teichfrosch

Ziel der Arbeit 1978 war die Rettung der Tiere vor der Bundesstraße. Dafür wurde damals ein Zaun angelegt und die Tiere wurden über die Straße getragen. Damit sollten die Tiere auch auf das neue Laichgewässer auf der anderen Straßenseite geprägt werden.

Kaulquappen von der Erdkröte am Höhlenstein

Prof. Dr. Reichelt konnte damals das meiste was er wollte nicht erreichen, aber immerhin durften er und seine Helfer das kleine Biotop im Osten der B27 anlegen. Dort, wo heute der Biber waltet, ist also ein „Reichelt-Biotop“!

Laichklumpen des Grasfrosches im Ersatzteich 1978

Diese Zahlen zeigen, dass der Behlaer Weiher ein recht bedeutendes Laichgewässer für mindestens drei geschützte Amphibienarten war.

Grasfrosch

Mit Vorsicht lassen sich aus den Zahlen Anhaltspunkte für die Größe der Laichpopulation des Behlaer Weihers und die Besiedlungsdichte der Erdkröten der Umgebung gewinnen. Wir wissen nämlich aus Stichprobenzählungen, dass aus dem Jagdgebiet westlich der Straße etwas mehr als die Hälfte der gesamten Population zum Weiher zieht. Danach wird man annehmen dürfen, dass in Jahren wie 1977 rund 7000 Erdkröten zum Laichen wandern. Geht man davon aus, dass mindestens 75% der Tiere nicht weiter als 500 Meter vom Laichgewässer entfernt leben, käme man zu einer durchschnittlichen Besiedlungsdichte von 5250 Tieren auf 78 ha, also etwa 67 Kröten/ha. Man muss aber berücksichtigen, dass Kröten unterschlupfreiche, mit Baumstrünken, Astwerk, Krautansammlungen, Erdhöhlen und/oder Steinen ausgestattete Biotope bevorzugen; dann wird man die Wälder und extensiv genutzten Feuchtflächen als Hauptaufenhaltsorte ansetzen können.

Prof. Dr. Reichelt 1978

Im Jahre 2018 wurde im Zuge der Ortsumgehung Behla der neue Krötentunnel an der Bundesstraße 27 gebaut.

Krötentunnel an der B27

Das sagt Prof. Dr. Reichelt heute zu den Zuständen am Behlaer Weiher

„Wie bedauerlich diese schlimme Entwicklung, wo doch die Stadt Hüfingen seit Jahren mit dem Markenzeichen „Ökologie“ wirbt! Ob  die  Umsetzung wenigstens in den nächsten 50  Jahren (!) erfolgen wird? Immerhin war das Echo auf unseren Aufsatz 1978 erfreulich groß. Freilich: das war vor fast 50 Jahren. Aber das Sterben in der Natur geht noch immer fast unvermindert weiter!“

Junger Bergmolch

Das sage ich zu den Zuständen am und im Behlaer Weiher

Wassergesetz für Baden-Württemberg
§56 WG und Abschnitt 2 Abwasserbeseitigung § 46 Verpflichtung zur Abwasserbeseitigung

Strafgesetzbuch
§324
StGB (1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Tierschutzgesetz
§17
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer (1) ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet.

Auch in Anbetracht der Tatsache, dass mehrere Gesetzte gebrochen wurden, fordere ich die sofortige Instandsetzung des Weihers!

Dies beinhaltet eine Winterung des Gewässers und die fachgerechte Entsorgung des Klärschlammes.

Behlaer Weiher Follow-up

Im November 2020 durften wir lernen, warum der Behlaer Weiher so stark eutrophiert und fast am umkippen ist:
Eine kleine bakteriologische Untersuchung

Im Januar 2021 habe ich dann mal einen Vergleich angestellt, was wir alles verloren haben:
Behlaer Weiher einst und heute

Abwasser mit nachgewiesenen Fäkalbakterien und mutmaßlichen Kotresten
20. November 2020

Seit damals haben viele Leute versucht etwas zu erreichen. So war die erste Anlaufstelle das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz. Dieses Amt schrieb dann, nach mehrfacher Aufforderung, folgende Nachricht:
Bezüglich des Gewässerverunreinigung konnte ein wesentlicher Eintragspfad in das Gewässer am 07.12.2020 festgestellt werden, welcher seitens der Stadt Hüfingen zeitnah verschlossen wurde.
Hiermit war die Sache für das Landratsamt erledigt.

Abwasser
23. Januar 2021

Da es im Januar nicht ganz so aussah, als ob die Behauptung der Wahrheit entsprach, hat hier der NABU Strafanzeige gestellt. Die Anzeige wurde direkt eingestellt.

Abwasser mit nachgewiesenen Tensiden
11. März 2021

Auf Nachfrage des NABU beim Oberstaatsanwalt mit den oben gezeigten Fotos kam als Begründung: „Das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz vom Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis bewerteten die Schaumbildung als natürlich und sahen keine Verunreinigung des Weihers.

Abwasserpilz

Abwasserpilz ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Lebensgemeinschaft aus diversen Bakterien, die in verschmutzten eutrophierten Gewässern wächst und dabei lange Fäden oder fellartige Überzüge bildet. In der Gewässergütebestimmung dient er als Anzeiger für die Gewässergüteklasse III–IV. Die Gewässergüteklasse IV ist übermäßig verschmutzt. (Polysaprobe Zone. Darstellung in der Gütekarte: rot. Saprobienindex 3,5 bis 4,0. „schlechter“ Zustand) (Wikipedia)

Hier zeige ich ein paar Fotos des „natürlichen Abwasserpilzes“ im verschmutzen Bach zum Weiher vom 11. März 2021.

Die Untersuchungen des weißen Schaumes oben wurde von einem Chemiker der Hochschule Furtwangen durchgeführt und wird später in einem gesonderten Bericht veröffentlicht. Aber hier stellt sich mir schon die Frage, warum diese Untersuchungen von Ehrenamtlichen gemacht werden müssen und das Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz „erfühlt“ seine Wahrheiten. Bis heute war keiner der Männer vom Amt an der Abwassereinleitung.

Versuch der Kontaktaufnahme mit dem Landratsamt

Da leider jeder Kontakt mit dem Landratsamt gescheitert ist, hatte ich am 30. Januar 2021 eine E-Mail an den Ersten Landesbeamten geschrieben, mit der Bitte um Hilfe. Der Mann hat nach 10 Tagen merkwürdig geantwortet. Es ist mir nicht ganz klar, warum der Mann unhöflich war. Aber vielleicht erschliesst es sich ja der Leserin oder dem Leser hier. Deshalb will ich meine E-Mail (mit allen Rechtschreibfehlern) veröffentlichen:

E-Mail an den Ersten Landesbeamten vom 30.01.2021

Aus datenschutzrechtlichen Gründen kann ich hier die Antwort nicht veröffentlichen, wäre aber dankbar wenn mir in den Kommentaren jemand erläutert, warum ich anscheinend sehr beleidigend rüber kam. Ich bin ja lernfähig. Auf jeden Fall hatte ich eine erneute E-Mail geschrieben, die bis heute nicht beantwortet wurde.
Update am 24. März 2021: Es hat sich jetzt alles geklärt und ich weiß, wo mein Fehler lag. Danke an den Ersten Landesbeamten für die E-Mail!

Nach diesen recht frustrierenden Erfahrungen habe ich dann an das Umweltministerium nach Stuttgart geschrieben:

E-Mail an das Umweltministerium vom 10. Februar 2021

Eintragspfade wurden im Dezember 2020 verschlossen?

Die Einleitung von Abwässern in den Bachlauf zum Behlaer Weiher wird ja nicht abgestritten, sondern es wird behauptet dies sei nur ein kurzer „Unfall“ gewesen und die Einleitungen seien im Dezember 2020 abgestellt worden.

Ich vermute mal, dass jeder und jedem bei dem Anblick des Bachlaufes klar ist, dass dies nicht stimmen kann. Allerdings müsste man sich dazu vom warmen Schreibtischstuhl aus in das unwirtliche Gelände des Behlaer Weihers begeben. Dies ist nur Ehrenamtlichen zuzumuten.

Abwasser
21. März 2021

Da die Zustände in Behla eigentlich unzumutbar sind, habe ich am 21. März erneut eine E-Mail an das Umweltministerium in Stuttgart geschrieben.

Es ist also wieder so, dass Ehrenamtliche hier Proben ziehen und Untersuchungen starten. Wobei ich dieses Mal Unterstützung eines Chemikers der Hochschule Furtwangen habe.

Bevor ich hier die mikrobiologischen Ergebnisse veröffentliche, möchte ich noch auf den Laich eines verirrten Frosches eingehen. Es ist ja so, dass es früher tausende Amphibien im und um den Weiher gab (Behlaer Weiher einst und heute). Dieses Jahr hatte sich noch ein letzter Frosch verirrt und hier möchte ich eine kleine Abfolge der mutmaßlichen Verwesung des Laiches zeigen. Innerhalb von drei Wochen ist der Laichklumpen langsam vergammelt. Hier können sich keine Kaulquappen entwickeln.

Erneute Untersuchung des Wassers

Probeentnahme von oberhalb des Abflussrohres
Ehrenamt mit Geschmäckle
Probeentnahme am Abflussrohr

Oben sind die Bilder der Probeentnahme am 21. März 2021. Ich habe eine Probe am Bachlauf vor dem Abfluss genommen und eine am Abfluss selber.

Sowohl am Bachlauf oberhalb des Abflusses, als auch am Abfluss selber sind sehr hohe Nitrat-Werte (über 50 mg/l). Nitrit ist nur am Abfluss selber erhöht (über 10 mg/l).

Nitrit wird durch eine chemische Reaktion in Gewässern und in Kläranlagen von Nitritbakterien (Nitrosomonas) durch Oxidation bei ab 20°C gebildet. Nitrate werden dagegen durch bakterielle Nitrifikation gebildet. Die Nitrifikation wird bei Temperaturen unter 12°C verlangsamt und unter 8°C eingestellt. (Wasser Wissen).

1. Reihe: Hüfinger Trinkwasser 2. Reihe Bachlauf oben 3. Abfluss

Im November 2020 wuchsen auf LB Platten mit 50 µl der Wasserproben bei 37° über Nacht unzählige “Fäkalcoliforme” kurz auch als CFU (coliform units) bezeichnet. 

Wasserproben vom November 2020 auf EMB und LB Platten bei 37° über Nacht. (53=Wasser aus dem Abfluss)

Bei den neuen Proben zeigt sich erstaunlicher Weise ein ganz anderes Bild.

1.000 µl Wasserproben vom 21. März 2021 auf EMB Platten bei 37° über Nacht. (57-Wasser aus dem Abfluss, 58-Wasser aus dem Bachlauf)

Ich kann diesmal keine nennenswerte Anzahl an lebenden Fäkalcoliformen nachweisen. Im Bachlauf oberhalb sind gar keine Fäkalcoliforme, aus dem Abfluss kommen einige wenige, die aber dieses Mal teilweise antibiotikaresistent sind. Staphylokokken sind jetzt gar keine nachzuweisen.

Dieses Mal habe ich das braune Abwasser unter das Mikroskop gelegt.

40 x Vergößerung
10 x Vergrößerung

Oben nur mal zwei Beispielfotos. Ich habe jetzt nicht sehr viel Erfahrung mit dem Mikoskopieren, aber es sieht schon nach verdauten Kadavern aus. Wenn ich jetzt tippen müsste, würde ich sagen, die braune Brühe ist Aas. Also Reste von toten Tieren. Da keine Fäkalcoliforme gefunden werden können, wurden die Kadaver wohl nicht im Darm von Warmblütern vergärt. Hierauf weisen auch die vielen Tenside.

Fazit

Das Abwasser aus dem Rohr hat sich die letzten Monate verändert. Das einzige was wir mit Sicherheit sagen können: Es ist nicht natürlich und schon gleich gar nicht normal!

Die einzige Konstante ist, dass wir sehr viele Abwasserpilze haben, Faulschlamm im Weiher und viel totes verwesendes Material. Laich ist nicht überlebensfähig.

Was wir inzwischen auch wissen ist, dass der letzte Bürgermeister mit seinem Team versucht hat Abhilfe zu schaffen. Seit Amtsantritt des neuen Bürgermeisters 2016 hat sich die Situation deutlich verschlimmert. Es wurden zwei Biotope mit tausenden Amphibien vernichtet. Der Bürgermeister hat keinerlei Ambitionen dieses Problem zu lösen. Er meint, es interessiert keinen. Womit ich ihm wirklich Recht geben muss.

Unterschied Fäkalien und Silage

Im November 2020 konnte ich nachweisen, dass seit Jahren Fäkalien in den Behlaer Weiher flossen: Abwasser im Behlaer Weiher. Allerdings scheinen einige Männer nicht den Unterschied zwischen Fäkalien und Silage zu kennen.

Da ich davon ausging, dass dies weitläufig bekannt sei, ist es sicher meine Schuld, dies nicht richtig erläutert zu haben. Deshalb will ich dies hier nachholen.

Silage

Silage ist ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel für Milchkühe. Es werden aber auch nachwachsende Rohstoffe, die als Energiequelle in Biogasanlagen dienen, durch Silierung haltbar gemacht.

Milchsäuregärung macht man mit Milchsäurebakterien, das sind Lactobazillen. Man kennt es vom Sauerkraut. Kennzeichen dieses fermentativen Stoffwechsels ist, dass die Substrate ohne Sauerstoff abgebaut werden. Die Bakterien die an einer Fermentation beteiligt sein können sind unter anderen: Enterococcus, Lactococcus, Streptococcus, Carnobacterium, Leuconostoc oder Weissella.

Fäkalkeime

Als Fäkalien bezeichnet man die Ausscheidungen von Tieren und Menschen. In Fäkalien findet man im Gegensatz zur Milchsäuregärung vollkommen andere Bakterien.

Als Fäkalcoliforme, wie die korrekte Bezeichnung ist, bezeichnet man Bakterien, die Säure und Gase innerhalb von 48 h bei 35 °C produzieren. Dazu zählen unter anderem die Gattungen Citrobacter, Enterobacter, Escherichia und Klebsiella.

Sie sind Indikatororganismen für die Qualität von Wasser.

Bestimmung von Bakterien

Neben der Untersuchung mit der Nase und der Augen, gibt es heute mikrobiologische Möglichkeiten zu sagen welche Bakterien wo und in welcher Menge vorhanden sind.

Abwasserleitung zum Weiher

Hier konnte ich in meiner Untersuchung vom November 2020 eindeutig nachweisen, dass es sich hierbei um Fäkalcoliforme handelt. Siehe Abwasser im Behlaer Weiher.

Die Menge der aus dem Abwasserrohr kommenden Fäkalcoliforme entspricht der Menge in einem Klärwerk.

Kläranlage

Eine Kläranlage, auch Abwasserbehandlungsanlage, ist eine technische Anlage zur Reinigung von Abwasser. In unserem Falle diente der Behlaer Weiher als Kläranlage.

Der während des Abwasserreinigungsprozesses entstehende überschüssige Klärschlamm wird im Anschluss in einer technischen Kläranlage behandelt.

Da es sich bei dem Weiher um keine technische Anlage handelt, wurde der Klärschlamm auch nicht behandelt.

Folglich befindet sich belasteter Klärschlamm im Weiher.

Klärschlamm

Klärschlamm darf in Deutschland seit 2005 nicht mehr auf Mülldeponien gelagert werden. Deshalb handelt es sich hier um „Sondermüll“.

Es sind Abfälle die festgelegte Gefährlichkeitsmerkmale aufweisen und somit eine Gefahr für die Gesundheit und/oder die Umwelt darstellen.

Wie das europäische Recht spricht das Kreislaufwirtschaftsgesetz von gefährlichem Abfall, an dessen Entsorgung und Überwachung besondere Anforderungen zu stellen sind.

Dazu gehört ganz sicher nicht die Lagerung in einem zerstörten Biotop!

Behlaer Weiher

Eine kleine bakteriologische Untersuchung

vom 28. November 2020

Im Januar 2020 habe ich ja angedroht mich etwas mehr um den Behlaer Weiher zu kümmern.

1873 führte der Gemeinderat anläßlich der Ortsbereisung Klage über den Weiher und die daraus aufsteigenden Dünste. Eine gründliche Reinigung des Weihers von Zeit zu Zeit sei erforderlich. Diesem Verlangen wurde dann auch von der fürstlichen Verwaltung entsprochen.

Behla : Stadtteil von Hüfingen; Geschichte eines Baardorfes im Rahmen der Landschaft / von Alfred Hall; Egon Bäurer; Friedolin Kaiser (1989)

Ich hatte dann das Wasser grob untersucht und einen ziemlich hohen Nitratgehalt (30 mg/l) festgestellt. Mit meiner Aussage: „Leider kann ich die anderen Chemikalien, die die Landwirte in die Umwelt kippen nicht nachweisen“, habe ich den Unmut einiger Landwirte provoziert. Dass diese ja so einiges in die Landschaft kippen (oder vergraben), werden sie kaum bestreiten können. Allerdings an der Kloake im Behlaer Weiher tragen sie keine Schuld.

Schuld trägt die Stadt Hüfingen die es versäumt hat, Behla ordentlich an die Kanalisation anzuschließen. Aber der Reihe nach:

Für eine Besichtigung des Weihers stellten wir das Auto an der B27 ab, um über die Wiese an den Weiher zu gelangen. Fast genau an dieser Stelle kommt eine Abwasserleitung unter der Straße raus.

Eigentlich braucht man keine Mikrobiologin zu sein, um zu sehen (und zu riechen) was da raus kommt:

An dieser Stelle vielen Dank an den Ortschaftsrat Benjamin Schnaitter, der sich mutig und ohne zu zögern in die Brühe gestürzt hat, um Fotos zu machen und Wasserproben zu ziehen.

Wir haben also drei Wasserproben, denen ich (wegen anderer Projekte) folgende Nummern gegeben habe:

53 – am Ausfluss des Abwasserkanals in den Weiherwiesen.
54 – oben am Behlaer Weiher nach dem Zufluss des Baches aus den Weiherwiesen.
55 – Abfluss des Behlaer Weihers in das Feuchtgebiet auf der anderen Seite der B27

Da ich zuerst nur herkömmliche Nährmedien für die Untersuchung der Bakterien zuhause hatte, habe ich die Bakterien auf gewöhnlichen LB (Lennox Broth) Platten über Nacht bei 37°C untersucht.

LB Platten mit 100 µl der Wasserproben bei 37° über Nacht

LB Platten mit 50 µl der Wasserproben bei 37° über Nacht

Was man auf der Platte 53 deutlich sieht sind „coliforme Bakterien“, „Fäkalcoliforme“ oder „thermotolerante Coliforme“ kurz auch als CFU (coliform units) bezeichnet. Diese Bakterien zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei 37°C in geeignetem Nährmedium sehr schnell wachsen. Was ja auch irgendwie logisch ist, da sie von Warmblütern stammen.

Dies ist also schon der eindeutige Beweis, dass es sich bei dem Abwasser um Fäkalien handelt. Ob von Mensch oder Tier lässt sich nicht bestimmen, aber ist in diesem Fall auch unerheblich.

Oben am Behlaer Weiher (54) konnte ich vereinzelt CFU Keime finden, wenn ich 1 ml der Wasserprobe ausplatiert hatte, unten am Ausfluss (55) war nichts zu finden. Der Behlaer Weiher klärt also noch ganz gut.

Im Abwasser wird die Anzahl der CFU pro 100 ml Wasser gemessen, um einen Standard als Vergleich zu haben. Normalerweise kommt man in einem Klärwerk auf eine Anzahl über 1 Mio. Deshalb habe ich hier die CFU für unsere Wasserproben mal kurz überschlagen:

53 – etwa 5.000.000.000 CFU/100 ml
54 – etwa 15.000 CFU/100 ml
55 – etwa 0 CFU/100 ml

Der Standard laut EPA (Environmental Protection Agency) um coliforme Bakterien zu bestimmen ist ein Nährmedium namens EMB (Eosin Methylenblau Broth). Hiermit kann man Escherichia coli von Enterobacter unterscheiden. Dies habe ich auch versucht, aber leider ist mein Methylenblau und auch das Eosin von meinem Großvater und über 50 Jahre alt.

EMB Platten mit 500 µl der Wasserproben bei 37° über Nacht. 53=Wasser aus dem Abfluss.

EMB Platten mit 500 µl der Wasserproben bei 37° über Nacht. 53=Wasser aus dem Abfluss.

Auf diesen EMB-Platten ist weniger gewachsen, als auf LB Platten und auch nur von dem Wasser, das direkt aus dem Abwasser von Behla kam.

Eine Möglichkeit langsam wachsende grampositive Bakterien zu bestimmen, sind sogenannte MSA Platten. Damit kann man verschiedene Kokken bestimmen. Also den berühmten Staphylococcus aureus vom mehr oder weniger harmlosen Staphylococcus epidermidis unterscheiden.

800 µl Wasserproben auf MSA Platten

Der pathogene Staphylococcus aureus fermentiert Mannitol und deshalb ändern die Platten die Farbe rot nach gelb. Oben erkennt man wieder, dass auch Staphylokokken nur im Abwasser zu finden sind. Also in 53 sehr viele, in 54 weniger und 55 keine. Dies bestätigt die Ergebnisse oben mit den CFU. Was man hier auch schon sieht ist, dass die rote Farbe bei 53 Richtung gelb umschlägt.

Aus diesem Grunde habe ich jeweils 8 Kolonien von 53 und 54 nochmal einzeln ausplatiert.

Acht Abstriche von Kolonien der Kokken aus dem Abwasser

Bei fünf der acht Abstriche handelt es sich eindeutig um Staphylococcus aureus.

Acht Abstriche von Kolonien der Kokken aus dem Behlaer Weiher.

Bei zwei der acht Abstriche handelt es sich auch hier eindeutig um Staphylococcus aureus.

An dieser Stelle will ich nichts über Staphylokokken erzählen. Wen es genauer interessiert, der mag auf den Seiten des Robert Koch Instituts nachlesen:

RKI Ratgeber Staphylokokken

Auf jeden Fall rate ich allen, der Hüfinger Klärgrube mit dem Namen Behlaer Weiher und dem offenen Abwasserkanal fern zu bleiben!

Haltet auch eure Tiere und vor allem eure Kinder fern. In wie weit diese Erreger antibiotikaresistent sind, werde ich auch noch abklären.

Hier breche ich vorerst ab und werde weitere Untersuchungen später veröffentlichen, wenn ich die passenden Chemikalien und mehr Zeit habe.

Warum die Eile?

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr ärgere ich mich .

Einer der vielen Stadtbauamtsleiter der von der Stadt Hüfingen „ausgebrannt“ wurde, hatte vor Jahren hier mal interveniert. Leider war dies nur von kurzer Dauer. Es ist den verantwortlichen Männern nicht wichtig und sowieso war es ja schon immer so, dass die Scheisse aus Behla in den Weiher fließt.

Wir schreiben das Jahr 2020, in Hüfingen wird seit Jahrzehnten ein Weiher als Kläranlage missbraucht, weil dies immer so war. Meiner Meinung nach ist das ein Verbrechen nicht nur an der Natur, sondern auch an der nächsten Generation.

Und jetzt höre ich auf, sonst mache ich mich vor Zorn noch strafbar.

Nachtrag
Weitere Infos

Im Januar 2021 habe ich erläutert, wie es am Behlaer Weiher einmal aussah: https://hieronymus-online.de/behlaer-weiher-einst-und-heute/

Dann gibt es auch eine Erläuterung zu Klärschlamm und dessen Entsorgung: https://hieronymus-online.de/unterschied-faekalien-und-silage/

Oberhalb vom Abflussrohr sieht die Welt noch halbwegs gut aus

Dann kommt die Abwasserleitung.

Mit all der Scheisse und was dazu gehört.

Die Exkremente fließen dann weiter in den Weiher.

Die nächsten Teile sind hier zu finden