Glasi Wihnächte

Glasi Wihnächte

19. Dezember 2020 1 Von Hubert Mauz

Verzeller, Schrieber sottet konni Gschechte verzelle, wenn sie konni Bilder und Gschichte i sich hond.

Uubekannte Verzeller.

Heilig- Obet Vorleseversion für Kinder aber au Erwachsene uff wälderisch

De Winter het kalt und glii mit viel Schnee aagfange. Es sind die letschte Wihnächte vun de Glasmacher in de Glashitte im Ferndobel. Am Johrgricht, so heisst die alljährlich Versammlung vun de Glasmacher, het d` Glasmachergmeinschaft beschlosse, dass mer gi Buebach in Briilinger Wald umzieht. De Wald isch im Umkreis vum Ferndobel durchs Abholze für d` Pottasche, durchs Köhlere für d` Holzkohle und zum Aafiere und Wärme vum Huuswese so abgholzt, so uusbainet gsii, daß mer nimmi mit guetem Erfolg Glasmache het kinne. Sit her isch d` Stimmung im luschtige Gmeinwese e weng druckter gsien wie in de vergangene Johr.

Wie immer am Martinitag am 11.11. hät mer d` Glasöfe, diesmol leider für immer im abglegene Ferndobel uusgehn losse. Sunscht isch mer immer ans Repariere und Überhole vun de Öfe, de Wasserräder, vum Huuswese und em Handwerksgschier gange. Me hät Fierholz gmacht, Schindle gspalte, Kischtle baut und me het au gmietlich gfeschtet und nette Obet zeme uff em warme Ofebank und de gmietliche Stubbe verbroocht. D` Wieber hend gspunne, gschtickt, gschtrickt, gschtopft, Strauschuhe gmacht und s` ganz Huuswese putzt, gschrubbt und hergriecht.

D` Manne hend Cego oder Benokel gspielt, musiziert und viel Spässle gmacht. De Thies Kappeler, de Gründer und de erscht Glasmaischter vun de Glashitte im Ferndobel, en knorrige Tiroler, der het au e Zither und s` Spiele uff dem Instrument vun dert mitbroocht. Überhaupt waret Ferndöbler Glasmacher e bsunders luschtigs, sangesfreudigs und musikalischs Völkle. Des war au wichtig, weil im Winter d` Sunn nimmi ins Loch, ins tief Tal im Ferndobel nab kumme isch. S` war ellemol fascht so duuschter wie in ere nördliche Polarnacht.

Am Sunntig sind d` Wibbervölker alle zemet mit de Kinder und de Manne in eme tiefe Schneegrabe fröhlich hinterenand, so wie d` Schäfli ellemol, in d`Kapelle uf de Thurner, oder in d` Fernhofkapelle oder an d` Neihieslikapelle in d` Sunntigskirch gange. Wenn sie Glick ghet hend, het d` Sunne gstrahlt. Dennoo sind sie alli für paar Stunde doch für die Mühe im dunkle Loch dunde in de Glashitte mit strahlendem Sunnelicht belohnt wore.

In dem Advent war aber diesjohr alles ganz andersch. Reparature mache, s` Schindle vun de Glashitte- Hiesli, s Holz mache war nimmi notwendig. Nu des was mer uff Buebach, in die neu Heimet, mitnehme het welle, des het mer gflickt und mit Sorg überholt.

Me het scho langsam aagfange zum Verpacke und Herrichte vum Umzugssach. De Studiosus, der Lehrer Pirmin, het s` Schuelsach, Büecher, Karte, Tafle au scho sortiert und Kischtli defür baut. Aber grad in de ruhige Wintererzit war jeden Tag Schuel und d` Buebe und Maidli hend in dere Zit viel glehrt. Überhaupt waret Hinterstrasser Glasikinder gschieder wie die Kinder vun de Höf und de Gietlerhiesli rundum, die nuu im Winter unregelmässig in d` Schulstunde uf de Schwaighöf, St. Märje, z` Waldau oder au in d Neikirch bei strenge, uuluschtige und aifältige Schuelmaischter gange sind.

Am Heilige Obe anno 1726 hets dusse ghörig gwaiet und gstürmt. Es het Schnee rab glosse, dass mer gmaint het, d` Welt dät under gehn. Zu deene Johr um 1700 het mer später au die „Klei Eiszitt“ gsait. D` Manne hend sorgevoll an Himmel gugget. D` Fraue und Mütter hend uuruhig und bsorgt gfrogt, wies dusse ussehne dät, mit dem verblosene und verwaihetete Pulverschneegstürm. Zwei Sorge het mer im Ferndobel im Winter scho immer khaan: S` Sunnelicht het mer vermisst und uff de meterhoh, hohlos Pulverschnee hettet die Erwachsene gern am liebschte ganz verzichtet. Der isch nämlich villmol wie e Drohung an de steile Häng ghanget. Lawine hend scho ellemol ganze Höf, Gietlerhiesli und Familie in ihre Aawese uusglöscht. Vor so Pulverschneelawine het mer en Heiderespekt, en mords Mores khaan.

Wenn`s gschneit het ohni End, denno isch mer eng zemet ghuckt und het in ai Fiddle nii Rosekranz betet. An dene bedrohliche Schneetäg het sich kainer meh in Ferndobel traut. Dert sind die freie Wiese übervoll ghanget mit staubliichtem Pulverschnee. Es het nu no paar Spure vun de zitternde, frierende und hungernde Reh bruucht und die Staublawine wäret mit eme dumpfe Knall gnadelos ins Tal nab grauscht.

Die letscht gmeinsam Wihnächte im Ferndobel waret wege de drohende Schneelawine nit so fröhlich wie früher sunscht. Sogar die lebensfrohe Kind hend e grosse Aaspannung gspürt. Au d` Tierli in de Ställ hend uuruhig an de Kette gschaaret und grisse. Eweng sorgevoll het mer in d` Zuekunft gucket und nit ganz genau gwisst, was eim im Buebach erwartet. Aber ebbis war guet, hend die Erwachsene gsait: Daß es dert kaini bedrohliche Lawine giht und dass mer d` Sunn viel meh und öfter sieht wie im duuschtere Glashitteloch.

De Glasvogt Melchior het in Himmel und in d Wolke uffi gschächt und de Frau Theodora gmeldet, dass die gröscht Gfohr ummi sei. Es heb Vorwind, der kalt und trocke Wind vun de Boor her. Die Angst, dass am letschte Wihnächsobet, am Heilige Obet, s` Glasvölkle durch e Lawine uusglöscht wird, die het de Melchior Gott sei Dank wege dem erhoffte, draihende Wind jetzt verscheuche kinne. Wo sie vun dere grosse Bedrohung verschont wore sind und s` Schneegstöber uffgehrt hät und sogar d` Sternli zaghaft us de Wolke gucket hend, denno sind

alli erliichteret, erlöst und wie befreit gsiin. S` innbrünstig und fromm Bete het halt doch wieder ebbis gnützt und gholfe.

Jetzt sind sie in de grosse Stubbe vum Glasvogt Melchior, eng und gmüetlich zemet gsesse und hend sich uff de „ Heilig Obe „ gfreit. Die Zitherspieler hend „Stille Nacht , Heilige Nacht…..“ * aangstimmt und alli waret jetzt hoffnungsfroh und zueversichtlich gstimmt. D` Kerze am Christbaum sind anzunde wore und hend molerisch d` Stubbe erleuchtet. S` Schuellehrerli, de schlau Pirmin, het s` Weihnachtsevangelium feierlich vorglese. Diesjohr het die Gschicht vun de Flucht vun de heilige Familie e noo tiefere Bedietung khaan. In paar Woche mien au sie umziehe und in e andere Gegend zügle und uuswandere. Ob mer au so herzlos abgwiese wird, wie diesell Heilig Familie ? No weiss mer nit, was eim erwartet uff de Reis und im neue Wohn- und Glasiort, im Briilinger Buebach.

Die ganze Weihnachsliedle usem Gsangbuech sind innbrünstig und feierlich gsunge wore und d` Glasmaischterin Theodora het no e aarührends Gebet vorbetet. Und dennoo het sie allne e kleis Gschenkli, was in Spanschächteli und in Holzwolle inpackt war, mit warme Wort an jeden verteilt. Keiner isch vergesse wore und die Socke, die Hember, die Hendsche, die Zipfelkappe, die Stoffbuppeli, die gschnitze Holzsoldätli und Rössli, die gschnitzte Hirschli und Gaisse, des Weihwasserkesseli für s` Grossi, die Dubackspfiife ver de Grossvater, die Schnitzmesserli für d`Manne, de Schnupfduback, die Schnapsfläschli, de Pfiifeduback und die hellklingende Messing- Glöckli für d` Gaisse, die Strohschuhe für Maidli und d Mägd sind voller Freud und dankbar uuspackt und grührt, freudig entgegegnomme wore.

Jetzt hend d` Mägd und d` Maidli ufftrage. Die ganz Woch sind die zwei Jäger, de Dionys und de Eusebi, uf d` Jagd gange im lawinesichere, dichte Wald und hend vor drei Tag grad no rechtziitig en grosse Hirsch gschosse. Der iiglegt Hirschbrotis mit handgschaabte Spätzle, Preiselbeere, Pfifferling, Steipilz und iigmachte Birne, des war de Heilig Obet Festschmaus. Die gross Fleischplatte war ratzeputz, rubbis und stubbis leergschlecket und d` Kätzli hend no so schnurre kinne und eim um d` Bai striche kinne wie sie ehnd welle. Es isch kai Fetzli Fleisch meh an de Knechli ghanget. Nu die beide Hofhund hend no d` Knöcheli gräuschvoll vergnaage kinne.

Nochher het`s no ebbis seltes, ebbis ganz Guetes, ebbis Siesses gai: Bachemogge mit Staibeermues, frischgschlagenem, steifem Schlagrohm und iigmachte Sauerkirsche mit wunderbarem, duftendem Zimtzucker überrieselet. Me hät sich zueproschtet und sich Glück und Sege gwunsche für des neu aabrechend Johr und für die hoffnungsvoll Zuekunft im Buebacher Tal. E klei weng hend Kinder au am siesse Beerliwii schlecke und schneike dürfe.

Und jetzt het de gnitz Jodok feierlich verkündt, dass er in sinem Alter uff kain Fall meh mit nach Buebach gehn dät, sondern zemet mit de treue, brave, hilfsbereite Johanna, em bsorgte, trollige Töchterle vuns Glasvogts, do im Ferndobel bliibe dät. In siinere eigenschte Urheimet, mit dere er uuzertrennlich verwurzelt sei wie e knorrigi Tanne in dene uuvergängliche Felsbolle. Do dät er warte bis sini Lebensuhr abgrieslet sei. Er wünscht dene Umsiedler in die neu Heimat, in die neu Glasmacherhütte im Buebach „Vun Herze Alles, Alles Guete und Gottes Sege, und e dankbars Vergelts Gott au allne Glasi Liit für die viele guete Johr im Glashittedobel.

Wege dene bescheidene und ergreifende Wort vum Jodok mien alli, au die hertgsottene Manne, hählinge d` Sackdiecher hindefieri ziehe und sich no mol kräftig, s` letschmol an ere Waldweihnachte in de Glashitte im Ferndobel, mit verschrauene Auge herzlich und grührt zueproschte.

S` Einzig was an dem Obet gfehlt het, war de stimmungsvoll, nächtlich Gang mit Laterne ins Thurnerkirchli, in die feierlich Christmette. Die gwaltige Schneemasse, hend des verhindert. S` het diesjohr aifach kai durchkumme durch die Schneewaijete gai. Für des Johr waret sie abgschlosse vun de ussere Welt.

So het mer diesjohr wieder Zit ghet zum Zemetsitze, zum Gschichte verzehle, zum Spiele mit de Kinder, zum Singe, Zither spiele und musiziere und au zum uusgiebig Schlittefahre, Schneballschlachte mache, gegsiitig Iisaife und Schneemanne baue.

Die Wihnächte anne 1726, die Allerletscht Glasiwihnächte im Glashitteloch, die war die schönste, die berührendscht und die feierlichscht vun de fröhliche Glasigsellschaft im stille, einsame Ferndobel.

Jo , so dürft`s gwese siin.