Vereidigung und Verpflichtung des neugewählten Bürgermeisters Patrick Haas für die erste Amtszeit


Zuerst gab es eine Begrüßung durch den ersten Bürgermeisterstellvertreter und dann die Wahl des „die Verpflichtung des Bürgermeisters vornehmenden Mitglieds des Gemeinderates“. Hier wurde einstimmig Reinhard Isak gewählt.

Es folgte die Vereidigung und Verpflichtung des Bürgermeisters:
Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegenüber jedermann üben werde. Insbesondere gelobe ich, die Rechte der Stadt Hüfingen gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern. So wahr mir Gott helfe.


Dann gab es eine Ansprache von Herrn Landrat Sven Hinterseh und Grußworte von Niko Reith (MdL), Jörg Frey (Bürgermeister von Schonach und Vizepräsident des Gemeindetags Baden-Württemberg), Kerstin Skodell (als Stadträtin für den Gemeinderat)

Als letzter hatte dann unser Bürgermeister Patrick Haas das Wort. Hier seine Rede:

auf den Pfeil drücken beim Handy


.


Die Hüfinger Stadtmusik ist der Wahnsinn! Atemberaubend schön! Vielen Dank, das war unglaublich toll!

Nochmal die Rede vom Wahlabend am 30. Juni 2024

„Xerophila brigobannis“ oder die Geschichte der Heideschnecken am Bahnhof in Hüfingen

Originalartikel vom 23. April 2020
Ein ähnlicher Artikel wurde von mir in den Schriften der Baar Band 66/2023 veröffentlicht.


Neben und um den Bahnhof in Hüfingen herum waren ganz früher Weiden, später dann wilde Brachflächen mit abertausenden Heideschnecken.
Ein Stück nach dem anderen wurde seit 2010 für Eigenheime zugebaut. Die neuen Eigenheimbesitzer haben sich für Schottergärten oder englischen Rasen entschieden. So wurde alles Leben dort mit einer Plastikplane oder Ähnlichem überzogen, um das störende Bodenleben zu beseitigen. Es gibt leider nur ein winziges Ausweichquartier für wilde Tiere vor einem alten Haus.
Auf diese Fläche sind einige wenige der Schnecken ausgewichen, und ich konnte sie vor ihrem vermutlich endgültigen Verschwinden dokumentieren.

Garten am Bahnhof etwa 1940
Foto: Karl Schweizer

Kurz bevor der Schacht für das letzte Haus ausgehoben wurde habe ich versucht einige dieser Schnecken in meinen Garten zu retten. Ob diese dort überleben werden ist ungewiss, da Schnecken doch sehr spezialisiert sind.

Leider habe ich von den Schnecken nur sehr schlechte Aufnahmen, da ich damals noch keine so gute Kamera hatte und heute nur noch tote Häuser zu finden sind.

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Natürlich wollte ich wissen was das für eine Schnecke ist. Deshalb habe ich ihre DNA untersucht. Wen interessiert was ich genau mache, der darf  hier schauen.

Auf jeden falls ist unsere Schnecke zu 90% mit Xerolenta obvia verwandt, das ist eine Heideschnecke. Das heißt aber auch es läßt sich nichts gleiches momentan in der Datenbank finden. Deshalb nenne ich hiermit unsere Weiße Heideschnecke, die wohl jetzt ausgestorben ist: Bahnhofs Heideschnecke oder Xerophila brigobannis

.

Heideschnecken

Die Heideschnecke lebt in Steppen und auf trockenen Grashängen, sie verbringt oft in großer Anzahl den Trockenschlaf in der Vegetation.
Wie auch andere Landschneckenarten ist die Heideschnecke ein wichtiger Zeigerorganismus für die Qualität ihres Lebensraums. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass Schnecken immer viel Feuchtigkeit brauchen, legen gerade die Heideschnecken Wert auf Trockenheit und Sonnenschein. Die Heideschnecken leiden daher unter der Zunahme von Busch- und Baumgesellschaften in ihren herkömmlichen Trockenlebensräumen. Im entstehenden kühleren Mikroklima können die Schnecken nicht überleben und sterben aus.

Die Östliche oder Weiße Heideschnecke hieß früher Xerophila obvia. Heute heißt die Weiße Heideschnecke Xerolenta obvia. Die Echte Heideschnecke hieß früher Xerophila ericetorum und heißt jetzt Gemeine Heideschnecke, wissenschaftlich Helicella itala oder Helicella ericetorum. Xerophila ericetorum und Xerophila obvia wurden 1925 von Lais auf dem Randen (Baar) beschrieben.*1

Lais*1 schreibt in den Berichten der Naturforschenden Gesellschaft: „Xerophila bevorzugt grasige Raine und Abhänge und trockene Wiesen auf Kalk- oder Mergelboden. Sie meidet kristallinen Untergrund.” Die hochgradig thermophile Weiße Heideschnecke stammt womöglich ursprünglich aus Südosteuropa und wurde wohl mit der Eisenbahn nach Hüfingen gebracht. *2

Xerolenta obvia steht auf der Roten Liste für Baden-Württemberg als Art auf der Vorwarnliste. Da sie trockene, warme Standorte bevorzugt, ist sie wohl eine Klimagewinnerin, solange man die Standorte nicht versiegelt.

Da die Hüfinger Heideschnecke nur etwa 90% Übereinstimmung mit Xerolenta obvia hatte und inzwischen wohl auch an ihrem letzten viel zu kleinen Standort ausgestorben ist, möchte ich ihr hier einen Nachruf schreiben und sie feierlich “Xerophila brigobannis” nennen.

Zur Erinnerung an Robert Lais, sowie die vergangene Flora und Fauna um den Hüfinger Bahnhof.


*1 Lais, Robert (1925): Dr. Hans Kauff- mann’s hinterlassene Schneckensammlung. Ein Beitrag zur Kenntnis der Schneckenfauna Südbadens und ihrer Beziehungen zum Klima. Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Frei- burg im Breisgau (Band 25), Seite 1–74.
Lais, Robert (1928): Beiträge zur Kennt- nis der badischen Molluskenfauna. Beiträge zur naturwissenschaftlichen Erforschung Badens, Seite 135–145.

*2 Schmid, Günter (2002): In Baden-Württemberg eingeschleppte oder ausgesetzte Mollusken. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
(Band 158), Seite 253–301.

Blindschleiche

eine Blindschleiche ohne Schwanzspitze

Liebe Bürgerpostleser, 

heute kommt eine von zwei Urlaubsgeschichten. Wir waren im Erzgebirge und, um es vowegznehmen, es war ein toller Urlaub. Okay, das sind die Urlaube doch meistens. 

Ein Erlebnis war dieses: Wir wanderten am „Grünen Graben“ entlang im Schwarzwassertal. Der „Grüne Graben“ wurde auf über acht Kilometer Länge vor über 200 Jahren errichtet, um im anschließenden Bergwerk Wasser zur Energiegewinnung zu haben. Eine beeindruckende Leistung, zumal 700 Meter durch den Fels gehauen wurden. 

Ausschnitt vom „Grünen Graben“ mit dem Wanderweg daneben. 

Dann sehe ich diese Situation und sofort war mir klar, dass da eine Blindschleiche im Wasser liegt.

Die Frage war, wird sie noch leben? Schwimmen kann sie, das ist bekannt, aber sie kommt offensichtlich nicht aus dem Wasser heraus ans Land. Als Echsen sind Blindchleichen wechselwarme Tiere, die nicht zu lange im relativ kühlen Wasser überleben können. Das war Fakt. Was ist zu tun? 

Nun, ich wollte die nette Blindschleiche retten. Also bin ich elegant über den Graben gesprungen, habe einen meterlangen Stock genommen, die Blindschleiche darauf balanciert und mit Schwung auf den Wanderweg buxiert. Es gibt Videos davon, aber leider keine Bilder. 

Unten zeigt, wie sie sich in meiner Hand aufwärmen durfte. Anschließend legten wir sie in die Sonne und wenige Zeit später war sie verschwunden. Ich war richtig gerührt über dieses Erlebnis, können Sie das verstehen? Beim Nachlesen über die Blindschleiche sind mir einige Dinge hängengeblieben: Sie ist unsere häufigste Echse, sie ist im Garten sehr nützlich, weil sie auch Nacktschnecken frisst und sie kann 40 Jahre alt werden. Das fand ich hammerhart. 

Im Schwanz hat die Blindschleiche ein paar Sollbruchstellen, an denen sie den Schwanz abwerfen kann. Der Schwanz wächst aber nicht nach. Fast die Hälfte aller erwachsenen Tiere fehlt ein Teil des Schwanzes. Auch hammerhart. 

So, das war die erste von zwei Geschichten aus dem Erzgebirge.

Herzliche Grüße
Franz Maus  

Kleine Bildnotizen von Günther Reichelt

Die Kleinen Bildnotizen von Professor Dr. Günther Reichelt aus dem Jahr 2006

Kleine Bildnotizen aus sechs Jahren. Preisgegeben für Freunde Weggefährten und Wegelagerer von Günther Reichelt

Für Weggefährten lagen zu viele Jahre zwischen uns; da er mir als Mentor zur Wegelagerei aber gerne zur Verfügung stand, möchte ich diese Seite allen Wegelagerern in Sachen für die Natur widmen.

Zum Andenken will ich ihn hier persönlich sprechen lassen.

Lebenslauf von Günther Reichelt (1959)

Einige Stationen:

1926 in Schladen/Harz geboren. Volksschule und vergebliche Domestikationsversuche durch das Deutsche Jungvolk ebendort. 1939 Aufbauschule in Wolfenbüttel; dort auch ab 1941 Flieger-Hitlerjugend. Lessingschule in Braunschweig von 1941 bis zur Heranziehung als Luftwaffenhelfer im März 1943; eingesetzt rund um Braunschweig. Ab Juli 1944 Soldat bis zur endlichen Befreiung durch die Alliierten, zuletzt auf dem „geordneten Rückzug“ in die Alpen mit kurzer Gefangenschaft. 1945 Landarbeiter in Schladen; dort Gründung und Leitung einer „Kutlurgemeinschaft“ 1946-1948. Nachgeholte Reifeprüfung für Kriegsteilnehmer und erfolgreiches Studium in Göttingen und Freiburg (Biologie, Geografie/Geoligie, Chemie; Philosophie/Psychologie) von 1946-1951. Sodann Wissenschaftlicher Sachbearbeiter am Forschungsinstitut für Höhenlandwirtschaft Donaueschingen bis 1954, danach Lehrer an Gymnasien in Freiburg, Baden-Baden und Villingen. Kreisbeauftragter für Naturschutz 1959-1970.

1964 Berufung ans neue Studienseminar Rottweil als Fachleiter und Fachberater für Biologie; Ernennung zum Professor 1970 und 1980. Lehrauftrag für Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes an der Fachhochschule Furtwangen 1978-1983. Seit 1988 im „Ruhesand“ in Donaueschingen.

Rund 150 Publikationen in internationalen und regionalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Autor
und Mitautor bei rund 30 Fach- und Sachbüchern zu geowissenschaftlichen, ökologischen und
Umwelt- Themen, darunter die Hochschullehrbücher: „Biologische Geographie“ mit J. ILLIES (1963)
und „Praktische Arbeitsweisen der Vegetationsgeographie“ mit 0. WILLMANNS (1973). Bücher u.a.:
„Luflbildatlas v. Baden-Württemberg“ (1971); „Ökologie exemplarisch: der Bodensee“ (1972), „Wurzeln der Umweltkrise“ (1997); „Arche Noah 2000 (1981) „Ökologie exemplarisch: der Rhein“ (1983, 1986); „Waldschäden durch Radioaktivität?“ (1985), „Ökologie und ihre biologischen Grundlagen“ (1985); „Wach sein für morgen“ (1992); „Die Baar 1945-1995 – Landschaftswandel im ländlichen Raum“ (1995); „Baarwanderungen“ (2004).

Sonstiges: Verschiedene Bürgerinitiativen, u.a. auch Vorsitz im Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg und Mitglied mehrerer Landesbeiräte 1976 bis 1991. Gewähltes Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften. Bundesverdienstkreuz a.B. (1980), Staatsmedaille Baden-Württemberg in Gold (1986), Verdienstmedaille Baden-Württemberg (1989).



“ ”

Wie lang häsch no, Bläsi?

„Wie lang häsch no, Bläsi?“ gelesen von Maria Simon



über den Bläsi von Hubert Mauz

„Guete Morge“, du ich dorri brummle
de Morgemuffel hangt mer i de Zai
„Guede“, duet er herwärts mummle
Soo gohts sit Woche mit iis zwei

En Wälder also, seller Kleiser Maa,
denkt han ich’s glii, jetzt isch es klar.
Kumsch Obend’s z’ruck, stoht er no doo
Uf sim Podest, doo, uff de Boor

„Guete n’Obet“, ruef ich zu ihm riber
„Guede“ huucht er zu mir niber
Er guckt nit nab und au nit nuff
Sii Handwerk hät der wirkli druff

So giit’s nuu on wo bloost und drillt
Des flüssig Glas noch sinem Bild.
d‘ Betziit Glock nimmt er kum wohr
am „Bläsi – Brunne,“ uff dem Brunnestoe

Dem isch’s au glich wenn d‘ Rentner froge:
„Wie lang widd duu dich denn no bloge?“
Erst reacht bloost er noo uff die Backe
Und loot de glüejig Buddel knacke

Denn Arbet isch e Kunscht nie gsii
Drum zooeget er lis wie es sott sii
Daß z‘ fridde mir ad Arbet gond
Und froh sind, dass mir oni hond

„Häsch nit baald gnueg?“ lot er nit gelte
do kennet alli morre, schelte
„Wie lang häsch noo?“, isch ihm en Gruus
Drum schaffft er zue, johrii, johruus

Den Kerle mueß mer oefach mege
und kon isch au nuu weng degege
Sitt der im Oort isch, des sei gseit
Macht iis der „Bläsi“ werkli Freid.

Gefahren für IGEL

21. März 2022 von Manuela Martin von der Igelhilfe E/igeltingen

Was jeder tun kann

TODESFALLE GELBER SACK

Am Straßenrand und am Boden abgestellte gelbe Säcke sind ein beliebtes Ziel der Igel bei ihrer nächtlichen Pirsch. Igel haben eine hochsensible Nase und der verheißungsvolle Duft von den Lebens-/Futtermittelbehältnissen lockt die IGEL an. Auf der Suche nach Fressbarem und Unterschlupf verschwinden die Stachelritter im gelben Sack zwischen Joghurtbechern und Blechdosen. Zum einen können sich die Stachelritter Krankheiten durch Bakterien wie 

z. B. Salmonellen einhandeln, zum anderen können Sie mit dem Kopf in Dosen und Bechern stecken bleiben. Tiefe Schnittverletzungen und ein verheddern im gelben Sack sind meistens die Folge. Finden sie nicht mehr heraus, werden die Igel mit dem Müll „entsorgt“ und sterben einen grausamen Tod.

WOLLEN S I E das verhindern????

Dann bitte den GELBEN SACK

  • Erhöht an ein Gartentor oder Zaun hängen
  • Auf eine Mauer, Mülltonne o.ä. legen
  • so spät wie möglich herausstellen
  • zum Lagern die Gelben Säcke z. B. in einem Laubsack sammeln oder hochlegen

Danke, dass Sie mithelfen, unnötiges Tierleid zu vermeiden!

Weidenbohrer

Liebe Bürgerpostleser, 

jetzt kommt die Fortsetzung zum Thema Weidenbohrer, aber eine, die sich gewaschen hat. Sie erinnern sich, Anfang Juni kroch die Raupe in das Erdreich meines Schlupfbehälters. Die Frage war, wie lange es dauert, bis er fertig verpuppt ist und wann wird er schlüpfen. Also voll verpuppt sei er erst mit etwa 20 Tagen, und schlüpfen soll er sechs bis acht Wochen nach dem Einbuddeln. Das finde ich kurz. Wissen Sie noch, wie lange es beim Schwalbenschwanz dauerte? Sehr lange acht Monate. 

Am 23. Juli 2024 erhielt ich aus der weiteren Nachbarschaft eine Bildnachricht von Kurt Zimmermann mit den Bildern: „Ein Totenkopfschwärmer ist geschlüpft“. Nun, das mit dem Totenkopfschwärmer war schnell geregelt, denn der ist noch zwei Zentimeter größer und hat einen Totenkopf auf dem Haupt. Nein, das war der frischgeschlüpfte Falter des Weidenbohrers.

Das Schlupfloch im Gemüsegarten, das runde Grüne ist Schnittlauch als Größenvergleich

Einfach tolle Bilder!
Dankeschön an Kurt Zimmermann.

Die Puppenhülle und den Falter mit noch nicht voll aufgepumpten Flügeln.

Da ich tagsüber unterwegs war, bin Ich abends noch hin zu den Zimmermänners Birgit und Kurt.

Der wuchtige Körper des Falters von vorne an einer Holzabgrenzung aufgenommen. Da ist Power dahinter.
Er ließ sich auf meine Hand nehmen, ein Zeichen, dass er noch nicht ganz flugfähig war oder noch nicht fliegen wollte, weil es noch zu hell war.
Sehen Sie die sehr großen Augen des Weidenbohrers? 

Man sieht, dass die Flügel voll ausgebildet sind. Als es dämmrig wurde, hat er sich aus dem Staub gemacht. Übrigens, Männchen haben 8 cm Flügelspannweite, die Weibchen sogar 10 cm. Der Saugrüssel des Weidenbohrers ist verkümmert, deshalb kann der Falter keine Nahrung aufnehmen und stirbt nach wenigen Wochen. Den nachtaktiven Falter bekommt man selten zu Gesicht, da er tagsüber gut getarnt schläft. Umso schöner ist es, ihn vor die Linse bekommen zu haben.

Nachdem ich das gesehen hatte, habe ich am anderen Tag meinen Schlupfbehälter untersucht und siehe da, die Puppe war noch da. Na ja, es wird nicht mehr lange gehen, dachte ich. Täglich kontrollierte ich, es tat sich aber nichts. Vier Wochen später, am 21. August 2024 wurde es mir zu bunt. Ich durchsuchte den Boden und jetzt, ob Sie es glauben oder nicht, ich fand null und nichts in Richtung Puppe. Ich wollte es nicht wahrhaben, ich leerte den Inhalt langsam in einen anderen Eimer und wieder zurück und nochmals, es war nichts zu finden. Ach Du grüne Neune, was könnte passiert sein? Ich vermute, der Kerle ist geschlüpft und da der Deckel nur lose aufgelegt war, hat er ihn mit seiner Kraft hochgewuchtet und ist entfleucht. Sie müssen bedenken, er muss sich ja aus dem Boden kämpfen. Das nächste Mal passiert mir das nicht mehr, das wird der Deckel beschwert.

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Beitrag vom 12. Juni 2024

Liebe Bürgerpostleser, 

unser Nachbar Wolfgang Schorp klingelte bei uns am 5. Juni 2024. Da ich ihn nicht gleich in Empfang nehmen konnte, sprach er in die Sprechanlage: „Du Franz, ich stell Dir etwas vor die Haustür, es ist etwas Grandioses“. Oha, dachte ich und beeilte mich natürlich, das Objekt zu sehen. Mann oh Mann, war ich baff, eine große rotgefärbte Raupe hatte er in einem Eimer platziert. Da ich diese fast 10 cm lange Raupe schon ab und zu gesehen habe, war mir sofort klar, dass es eine Weidenbohrerraupe ist. Als Wolfgang dann erklärte, dass er sie beim Verebnen eines Ameisenhaufens im Rasen entdeckt hatte, war mir vollkommen klar, dass sie in den Boden wollte, um sich dort zu verpuppen. Er ist damit nicht allein, so verpuppen sich zum Beispiel auch der Totenkopf- und der Windenschwärmer. 

Also, können Sie sich vorstellen, was ich gemacht habe? Genau, ich vermute es zumindest. Ich habe zügig einen Fünflitereimer halb mit Gartenboden gefüllt und die Raupe darauf platziert. Sofort begann sie sich in den Boden zu schieben und in sage und schreibe nur vier Minuten war sie im Erdreich verschwunden. Schauen Sie auf die Bilder. Ich glaube, die Raupe hatte richtige Legenot. Sie kam mir vor, wie ein Mensch, der dringend auf die Toilette muss. 

Wie kommt die Raupe in Wolfgangs Garten? Nun, dort befindet sich an der Grenze ein schon etwas lädierter Weidenbaum. Und in diesem hat die Karriere vor zwei bis vier Jahren begonnen, als die Mutter dieser Raupe ihn als Ei in die Rinde gelegt hat. Er ist dann als Räupchen in den Stamm gekrochen und hat Löcher gebohrt, mit zunehmender Entwicklung richtig große. Gewaltig kann man da nur sagen. Dass sich eine Raupe von Holz ernährt , ist auch staunenswert. 

Also, die Grundlage der Falterzucht ist gelegt, irgendwann wird der Falter aus dem Boden kommen. Der Eimer ist mit perforiertem Deckel verschlossen.

Da bin ich gespannt, weil den Weidenbohrer sieht man als Nachfalter kaum, auch weil er gut getarnt ist. Was schätzen Sie, wie lange die Raupe braucht bis sie vollkommen verpuppt ist? Sage und schreibe drei bis vier Wochen. Ich werde Sie dann freilegen um zu sehen, wie das Ganze aussieht. Natürlich wird die Puppe wieder im Boden –  wie vorgefunden – vergraben. Ich will ja auch den Falter sehen.

Beitrag vom 5. Mai 2022

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist wieder eine spannende Geschichte. Dieses Frühjahr ist rechts vor der Bahnunterführung Hüfingen nach Hausen vor Wald das Gehölz stark auf den Stock gesetzt worden. Für meinen Geschmack etwas zu stark für die Natur und speziell für die Vogelwelt. 

Als die Schlüsselblumen dort blühten, schaute ich mir das Ganze aus der Nähe an. Verwundert erblickte ich die unterschiedlich vielen Löcher auf den Weidenstöcken, die auch noch unterschiedlich dick waren. Fast jeder Stock hatte diese Löcher. 

Nach einem kurzen effektiven Austausch mit Dr. Hans- Peter Straub waren wir uns einig, das sind die Fraßgänge einer Raupe. Ja sag mal, ist das nicht der Hammer? Raupen, die lebendes Holz fressen? Für mich war noch interessant, dass die meisten Gänge ausgekleidet waren, hat das der Baum gemacht als Gegenreaktion gegen den „Aggressor“ oder war es die Raupe selber? Sehr gut sieht man das auf Bild 3 links. Tatsache ist, dass sich die Raupe zwei bis vier Jahre lang in der Weide im wahrsten Sinne des Wortes durchfrisst, ehe sie den Stamm verlässt, um sich im Boden zu verpuppen. Und daher rühren auch die unterschiedlich dicken Gänge. Die Weiden überleben dies im Normalfall. 

Ein solches Prachtexemplar sah ich vor fast genau vier Jahren und habe darüber einen Bericht verfasst. Wissen Sie noch, wie der Nachfalter heißt? Ganz einfach, bezeichnender Weise Weidenbohrer, ein Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer. Anhand der zahlreichen Gänge vermute ich, dass der Falter dort nicht selten ist. Als Nachtfalter ist er halt für uns Menschen schwer sichtbar. 

Herzliche Grüße

Franz Maus

Hüfinger Erpelgang

Gerne möchte ich die Gang und den Beitrag aus 2019 mal wieder hoch holen. Vielleicht erinnert sich ja doch noch jemand oder hat Fotos?

Originalbeitrag vom 30.08.2019

Als ich 2006 aus Kentucky auf Urlaub nach Hüfingen kam, begegneten uns bei einem Spaziergang an der Breg drei Erpel. Ein Weißer, ein Punk und ein „Normalo“. Das Erlebnis mit der Gang war sehr eindrucksvoll und ich habe es nie vergessen.

2011 sind wir aus den USA nach Hüfingen gezogen und seit dem verbringe ich fast täglich an der Breg. Täglich konnte ich die Gang beobachten, die entweder unter der Brücke oder unweit davon bregaufwärts ihrer Arbeit nach ging. Immer gemeinsam, immer ganz dicht beisammen.

Den Winter 2017/18 mit der Vogelgrippe hatten die drei Jungs unbeschadet überstanden. Auch der Winter 2018/19 ging spurlos an ihnen vorüber.

Dann, im Mai 2019, kam mir auf der Höhe der Hühner der Punk hysterisch schreiend entgegen. Ich folgte ihm die Breg herab. Er stieg noch kurz beim Wehr hoch, schrie Richtung Insel Alarm, drehte um, setzte seinen Weg laut schreiend Breg abwärts fort und ward nie mehr gesehen.

Seit diesem Tag gibt es nach mindestens 13 Jahren Freundschaft keine Gang mehr auf der Breg.

Vorkaufsrecht

Da nach wie vor großes Interesse besteht wollte ich die Bestimmungen in Baden-Württemberg zum Vorkaufsrecht mal nach vorne kramen und die Linksammlung aktualisieren.

Originalbeitrag vom 24. Juni 2022

Kürzlich war eine kleine Diskussion mit Landwirten, wann und wie das Vorkaufsrecht der Gemeinde zieht und was die gesetzlichen Vorgaben sind. Da eigentlich keiner so richtig Bescheid weiß oder einen Überblick hat, wollte ich es hier mal kurz grob zusammenfassen.

Das Vorkaufsrecht für die Kommune ist in den §§ 24-28 BauGB geregelt. Schon für das „allgemeine Vorkaufsrecht“ unterscheidet § 24 BauGB acht verschiedene Fälle. Politisch besonders wichtig ist das Vorkaufsrecht im Zusammenhang mit förmlich festgelegten Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen sowie mit Erhaltungssatzungen nach § 172 BauGB, die dem Erhalt des städtebaulichen Charakters eines Gebiets, dem Erhalt der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung („Milieuschutz“) oder einer städtebaulichen Umstrukturierung dienen.

Bei dem link oben kann man es sich genauer durchlesen. Die Zusammenfassung unten gilt für den Schwarzwald-Baar-Kreis im August 2024.

Vorkaufsrecht Landwirtschaft

Für landwirtschaftliche Grundstücke benötigt man im allgemeinen eine Genehmigung der Landwirtschaftsbehörde, die man hier beantragt.

Der Antrag kann auch schriftlich beim Landwirtschaftsamt eingereicht werden. Unter bestimmten Voraussetzungen hat die Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen das Vorkaufsrecht. Übt die Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH das Vorkaufsrecht aus, verlängert sich die Frist um einen weiteren Monat. Die Rechtsgrundlage hierfür ist das Agrarstrukturverbesserungsgesetz (ASVG)

Vorkaufsrecht Gewässerrandstreifen

Die Flächen entlang von Gewässern jenseits ihrer Böschungen werden Gewässerrandstreifen genannt. Sie dienen dem Gewässer als Schutzsaum und halten Stoffeinträge, die dem Gewässer schaden können, zurück. Durch das am 1. Januar 2014 in Kraft getretene neue Wassergesetz für Baden-Württemberg wurde erstmalig im sogenannten Innenbereich ein gesetzlich vorgeschriebener Gewässerrandstreifen von fünf Meter Breite eingeführt. Im Außenbereich besteht nach wie vor ein Gewässerrandstreifen auf einer Breite von 10 Metern. (vgl. § 29 Wassergesetz).

Durch § 29 Abs. 6 Wassergesetz wurde außerdem ein gesetzliches Vorkaufsrecht an Grundstücken geschaffen, auf denen sich Gewässerrandstreifen befinden. Befindet sich der Gewässerrandstreifen nur auf einem Teil des Grundstücks, so erstreckt sich das Vorkaufsrecht auf diese Teilfläche. Das Vorkaufsrecht steht dem jeweiligen Träger der Unterhaltungslast zu. Dies ist bei Gewässern I. Ordnung das Land, für das in den Regierungsbezirken jeweils der Landesbetrieb Gewässer (Referate 53.1 und 53.2) diese Aufgabe wahrnimmt. Bei Gewässern 2. Ordnung steht das Vorkaufsrecht den Gemeinden zu.

Die Gewässer I. Ordnung sind in der Anlage 1 zum Wassergesetz aufgeführt. Alle dort nicht aufgeführten Gewässer oder Gewässerabschnitte sind Gewässer 2. Ordnung.

Vorkaufsrecht Naturschutz

Dem Land Baden-Württemberg steht ein Vorkaufsrecht zu an Grundstücken, zu

  • die in Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Naturschutzgebieten oder als solchen einstweilig sichergestellten Gebieten liegen,
  • auf denen sich Naturdenkmäler oder als solche einstweilig sichergestellte Gegenstände befinden,
  • auf denen sich oberirdische Gewässer befinden.

Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege, Bundesnaturschutzgesetz § 66 Vorkaufsrecht

Vorkaufsrecht Wald

Der Gemeinde und dem Land steht ein Vorkaufsrecht an Waldgrundstücken zu.

Waldgesetz für Baden-Württemberg, (Landeswaldgesetz – LWaldG), in der Fassung vom 31. August 1995.

Vorkaufsrecht Kommune bei Bebauungsplänen und Sanierungsgebieten

Bei Übertragungen von Grundstücken hat die Gemeinde in bestimmten Fällen ein Vorkaufsrecht. Dies besteht beispielsweise bei

  • Grundstücken, für die der Bebauungsplan eine Nutzung für öffentliche Zwecke festlegt und
  • Grundstücken, die in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet liegen.

Wollen Sie ein Grundstück erwerben, benötigen Sie ein Negativzeugnis, damit das Eigentum im Grundbuch umgeschrieben werden kann. Mit dem Negativzeugnis bestätigt die Gemeinde Ihnen, dass sie kein Vorkaufsrecht für das Grundstück hat oder dieses nicht ausübt.

Hier gibt es einen Onlineantrag.

Baugesetzbuch (BauGB) § 24 Allgemeines Vorkaufsrecht

Fehler oder kaputte links gerne in die Kommentare!

100 Jahre Festschrift vom Gausängertag 1924

überarbeitet – Originalartikel vom 26. Mai 2022

Die ersten 14 Seiten der Festschrift wurden mit Trankribus transkribiert und von mir mit Anmerkungen bebildert. Der Text der Festschrift ist in schwarz, meine Anmerkungen in blau oder (kursiv).
Wer weiß, wo sich die Fahne befindet oder hat ein Foto dieser?

Die vorliegende Festschrift wurde im Auftrage des Gesangvereins Liederkranz verfaßt.
Es sei dies vorweg gesagt und damit betont, daß das Schriftchen keinerlei Anspruch auf schriftstellerische Vollendung macht, sondern diesbezüglich um weitgehendste Nachsicht bittet. 
Auch ist eine erschöpfende Darstellung der Geschichte des Hüfinger Liederkranzes leider nicht möglich, da ein Teil der Vereinsakten bei dem im Jahre 1897 stattgehabten Brande des Gasthauses zur Sonne in welchem sich zu jener Zeit das Vereinslokal befand, zerstört wurde.

Es gab in Hüfingen mehrere Gasthäuser zur Sonne. Hier ist wohl die um 1815 von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) neu erbaute an der Schaffhauser Straße gemeint, sie befand sich in der Nähe des Sonnenkreuzes und des Sonnenbrunnens und ist 1897 abgebrannt.

Skizze vom Sonnenbrunnen von Alexander Albert


Unsere Festschrift verfolgt auch noch einen anderen Zweck. Sie soll unseren jetzigen und künftigen Mitgliedern ein Ansporn sein, das, was die Alten schon vor Mitte des vorigen Jahrhunderts gegründet was sie erstrebt und erwirkt, in ernster Zeit erhalten und erweitert haben, in treue Obhut zu übernehmen und als heiliges Vermächtnis zu betrachten. Wir können das Andenken unserer Gründer und verstorbenen Mitglieder nicht besser ehren als dadurch daß wir fleißig und treu auf unser Ziel losstreben, nämlich unser herrliches deutsches Lied immerfort zu hegen und zu pflegen.

Im Bauernkrieg 1525 wurde Hüfingen von den aufständischen Bauern unter Anführung des Hans Müller von Bulgenbach eingenommmen und trat sodann förmlich in das Bauernbündnis ein, mußte aber diese Stellungnahme nach der Niederwerfung des Aufstandes bitter büßen.

Häßliche Schatten warf auf die Geschichte des 16. u. 17. Jahrhunderts auch die Hexenverfolgung, denn schon im Jahr 1613 wurden in Hüfingen viele Hexen verbrannt, darunter 7 ehrbare Bürgersfrauen, welche durch Intervention des damaligen Geistlichen insofern begnadigt wurden, daß sie erst enthauptet und dann auf den Scheiterhaufen gelegt wurden. 

1631-1632 fand der abscheuliche Hexenprozeß gegen den fürstlichen Registrator Tinktorius statt. In den Jahren 1622 und 1628 herrschte in Hüfingen eine große Hungersnot und erreichte der Nahrungsmangel einen solchen Grad daß viele Arme beim Wasenmeister (Abdecker) um Fleisch bettelten.

Einige Jahre später, 1632, hatte Hüfingen im Dreißigjährigen Kriege vieles zu leiden. Im Oktober genannten Jahres hatten die Hüfinger den Kaiserlichen Beistand geleistet und sollte sie der württembergische Oberst Rau dafür züchtigen. Mit 5000 Mann zog er vor das Städtlein, solches zur Übergabe auffordernd. Die Beamten eilten auch aus der Stadt und taten vor dem Obersten einen Fußfall. Die Bürgerschaft aber wollte von einer Übergabe nichts wissen und während die Beamten mit dem Feinde unterhandelten, fiel aus der Stadt ein Schuß in die Reihen der württembergischen Soldaten. Darob sehr ergrimmt begannen diese wutentbrannt den Sturm, erbrachen das Tor, nahmen die Stadt im ersten Anlauf und richteten unter den Bürgern ein furchtbares Blutbad an.  Auch wurde die Kirche ausgeraubt und gegen 1000 Stück Vieh hinweggetrieben. Aber auch im weiteren Verlauf des Krieges hatte Hüfingen Schlimmes zu erdulden; bald quälte es der Feind bald der Freund dazu wütete auf’s neue eine Hungersnot und als im Jahre 1633 auch die Pest viele Einwohner dahinraffte, war die Stadt entvölkert und zerfallen. Kaum hatte sich die verminderte Einwohnerschaft ein wenig erholt, als neue Kriegsstürme auch wieder neue Leiden und Lasten brachten.

Ludwig XlV. König von Frankreich, schickte seine Heere von 1673-1678, von 1666-1698 über den Rhein. Auch in Hüfingen fehlte es in dieser Zeit nicht an Durchmärschen, Einlagerungen, Winterquartierungen, Brandschatzungen und anderen schweren Kriegslasten, wodurch die wirtschaftlichen Verhältnisse abermals schwer darniederlagen. Im Jahre 1775 erbaute der damalige Herr von Hüfingen Fürst Ferdinand von Fürstenberg-Meßkirch ein Schloss, das heute noch steht in welchem das Fürstl. Fürstenb. Landesspital untergebracht ist.

Ferner wurde im Jahre 1775 auch das damals für die fürstenbergischen Lande in Schwaben neuerrichtete Zuchthaus erbaut, deren Räume heute das vom Caritasverband geleitete Knabenheim, Mariahof, beherbergen.

Als zur Zeit der französischen Revolution 1796 Moreau, von Erzherzog Karl verfolgt seinen Rückzug durch den Schwarzwald nahm, erlitt Hüfingen wiederum eine Plünderung. In dem sog. Russenwinter 1813-1814 forderte der Typhus viele Opfer während ungeheure Durchmärsche der Verbündeten stattfanden.

Zur Zeit der Volksbewegung im Sommer 1849 war sämtliche Artillerie der revolutionären badischen Truppen, auf dem Rückzuge vor den hessischen Reichstruppen begriffen, in Hüfingen anwesend.

Im Jahre 1850 wurde das Bezirksamt Hüfingen nach hundertjährigem Bestehen aufgehoben und nach Donaueschingen/ der Residenz des Fürsten von Fürstenberg, verlegt.

Geschichte des Gesangvereins „Liederkranz“ Hüfingen.

Motto:
Teure Heimat, traute Baar,
Deutsches Lied pflegt immerdar.

Hüfingen mit seiner bedeutenden geschichtlichen Vergangenheit war stets eine sorgsame Pflegestätte der Musik und des Gesanges, dieser idealen Güter des von höherer Macht verliehenen Volksvermögens, wo für, um nicht weiter zurückzugreifen, das vorige Jahrhundert so manche Anhaltspunkte gibt. Wenn auch Landwirtschaft und Gewerbe die Hauptberufe der Bürger bildeten, so machte sich im Verhältnis zur Größe und Bedeutung des Platzes auch höheres Wissen und Können in reichstem Maße erkennbar, denn aus den Familien Gleichauf, Heinemann, Schelble, Reich, Seele und Schrenk sind Männer hervorgegangen, deren Schaffen und Wirken weit über die Grenzen ihrer Vaterstadt Bewunderung erregten und deren Werke fortleben werden.

Auf dem Gebiete der Tonkunst waren es der Fürstl. Fürstenb. Hofmusiker Ambros Schrenk, der sich als Klarinettvirtuose bei der f. f. Hofkapelle einen bedeutenden Namen erworben hatte und der hervorragende Opernsänger Joh. Nep. Schelble, welcher in Berlin, Wien und Frankfurt a. M. wegen seinen künstlerischen Leistungen ganz besonders gefeiert wurde.

Johann Nepomuk Schelble Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

Der F. F. Hof in Donaueschingen unterhielt nebst einer berühmten Kapelle ein Theater, wozu bei großen Aufführungen dann und wann männliche und weibliche Sangeskräfte aus Hüfingen beigezogen wurden. Unter den Staats und f. f. Beamten befanden sich stets lebensfrohe junge Leute. 

All diese Momente haben die Liebe zu Musik und Gesang stets wach gehalten und mögen ohne Zweifel dazu beigetragen haben, daß Hüfingen unter den kleineren Städten Badens eine der ersten war, in welcher ein Männergesangverein in’s Leben gerufen wurde.



Es ist nicht unsere Aufgabe, die Geschichte des deutschen Männergesangs unserer Festschrift einzuverleiben, doch wollen wir kurz anführen, daß sich im Jahre 1808 auf Anregung “Zelters” von der Berliner Sangakademie der erste deutsche Männerchor, die Zelter’sche Liedertafel abzweigte. Zelter ist als der geistige Vater des norddeutschen Männergesanges zu betrachten, während der Schweizer J. Nägeli, der Gründer der süddeutschen Männerchöre ist.

Dem Beispiele Berlins folgten bald eine ganze Reihe anderer Großstädte unter diesen auch Frankfurt a. M. im Winter 1826-28. Hier war es der obengenannte Joh. Nep. Schelble der Gründer und Dirigent des heute noch berühmten Cäzilienvereins, der aus Herren dieser Gesellschaft die Frankfurter Liedertafel in’s Leben rief. Schelble war ein treuer Freund Zelters und stand s. Zt. im Mittelpunkt des gesamten Musiklebens der Stadt Frankfurt, die ihm bis in unsere Tage ein treues Andenken bewahrt hat.

Nachdem schon vorher der Männergesang in engerem Kreise gepflegt wurde, trat man im Jahre 1844 an die Gründung des Gesangvereins heran, wobei sich die Herren Gleichauf, Revellio und Rombach besonders verdient gemacht haben. Die Zahl der ausübenden Sänger belief sich damals auf 15, worunter auch Amtsphysikus Dr. Würth, Ehrenbürger der Stadt Hüfingen war, der erst im Jahre 1905 in Freiburg i. B. als Neunundneunzigjähriger zur ewigen Ruhe gegangen ist.

Medizinalrat Dr. med. Fidel oder Fidelis Würth (geboren 1806 ? gestorben 1905 in Freiburg), Großherzoglicher Physikus, verheiratet mit Anna Hasenfratz etwa 1847. Ein Sohn Stefan (27.12.1848-27.12.1848). Mehr gibt das Sippenbuch und die Chronik nicht her.

Die Statuten des Vereins welcher sich gemäß §1 zur Aufgabe stellt, den Gesang in der hiesigen Stadt und der Umgegend nach Kräften zu veredeln und zu verbreiten, sowie auch mittelbar das gesellige Verhältnis zu heben, wurden erst am I8. Oktober 1845 festgelegt. Diese wurden von 44 aktiven Mitgliedern unterschrieben, ein Zeichen, mit welch‘ großer Begeisterung die damaligen Bürger dieser idealen Bestrebung zugetan waren.

Aber auch weitere Kreise der Bürgerschaft würdigten den jungen Verein, indem sie ihm Mittel an die Hand gaben, um die Anschaffung nebst Volksgesängen auch klassischer Musikalien zu ermöglichen. Nebst der Pflege des Gesangs wurde auch stets für geselliges Zusammensein durch Wagen- und Schlittenfahrten Sorge getragen.

Einen großen Eifer zeigte der Verein im Jahre 1845 durch Veranstaltung eines Wohltätigkeits-Konzertes, bei welchem 234 Gulden eingenommen wurden und durch Beteiligung am 2. Hegauer Sängerfest in Engen, sowie am großen Gesangswettstreit in Schaffhausen im darauffolgenden Jahre, bei welchem der Verein einen silbernen Becher nebst Urkunde als Preis erhielt.

Die bekanntesten Namen außer den obenerwähnten Gründern sind: Hofmusikus Flaig, Forstinspektoren Ekart und Gebhard, Lehrer Neumeister und Aktuar Bühler. Auch unser größter Hüfinger Kunstfreund und Kenner Lucian an Reich würdigte den damals entstandenen Verein und gehörte demselben als Ehrenmitglied an. 

Nach dem Ausscheiden des 1. Vorstandes und Dirigenten Gleichauf trat an dessen Stelle Oberlehrer Rombach. Nach der Versetzung Rombachs scheint der Verein für die Leitung Mangel an geeigneten Personen gehabt zu haben , da bis zum Jahre 1860 Tätigkeit und Aufzeichnungen fehlen. Der sich anfangs der 60er Jahre von neuem aufraffende Verein wurde alsdann von Oberlehrer Martin Brugger geleitet die alte Gemütlichkeit wurde wieder wachgerufen. (In jener Zeit gehörte das vor einigen Jahren verstorbene Ehrenmitglied Altbürgermeister Wilhelm Krausbeck als einer der eifrigsten Sänger dem Verein an.)  Musikinstrumente wurden angeschafft und Gesangverein und Blechmusil zu einem Vereine gebildet. Nebst privaten Stiftungen des damaligen Bürgermeisters Jakob Bausch wurden dem Verein von der Stadtkasse für Mitwirkung bei den 3 Kirchenfesten jährlich 25 Gulden überwiesen. Auch wurden wiederholt im Schloßgarten in Donaueschingen Konzerte veranstaltet.

Kurz vor Ausbruch des 70er Krieges wurde Oberlehrer Brugger nach Konstanz versetzt. Während des Krieges lies der Verein seinen im Felde stehenden Mitgliedern 15 Gulden verteilen und ebensoviel übergab er dem Frauenverein für die Verwundetenfürsorge. 1871 wurde Fridolin Dufner ein ehemaliges Mitglied des F. F. Hoforchesters Dirigent des Vereins. Am 8. September 1878 nahm der Verein an einem Sängerfeste in Konstanz teil. Nachdem seither der Dirigent zugleich die Vorstandsstelle wahrzunehmen hatte, wurde im Jahre 1879 erstmals ein Vorstand in der Person des Ferd. Fischerkeller gewählt. Dafür daß der Verein in guten Händen lag, spricht die Genauigkeit der Anmeldungen aktiver und passiver Mitglieder, die stets auf schriftlichem Wege zu erfolgen hatten. 

Das Vereinslokal war bis zum Brand 1897 das Gashaus Sonne. Diese wurde von Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853) erbaut. Sein Sohn, Matthias Fischerkeller (18.2.1820-6.6.1893) übernahm die Sonne und später eins seiner 11 Kinder: Ferdinand Fischerkeller (15.03.1845-?1899?)

Zum Vereine zählten in jener Zeit unter anderen: Josef Fischerkeller, Matthäus Riegger, Karl Schelble, Valentin Bromberger, Emil Heinemann, Bürgermstr. Julius Faller, Richard Schelble, Adolf Eisele, Adolf Martin, Rudolf Riedlinger und Josef Moog.

Aus dem Jahre 1880 befindet sich das erste gedruckte Programm bei den Akten. Mit dem Austritt des Fridolin Dufner wurde Ferdinand Fischerkeller Dirigent, und Bürgermeister Julius Faller 1. Vorstand. Unter Leitung dieser beiden bewährten Musikfreunde entfaltete der Verein eine rege Tätigkeit mit bestem Erfolg. Leider gingen dem Verein durch den Brand (1897) der Wirtschaft zur Sonne Aufzeichnungen aus jener Zeit verlustig und auch das ziemlich um fangreiche Inventar erlitt beträchtliche Einbuße. Darunter befanden sich die Fahne aus dem Jahre 1866, ein Podium, Musikinstrumente, Musikalien und eine originelle reichhaltige Garderobe. Im Jahre 1866 war Ludwig Schmid Vorstand dessen Stelle Josef Martin von 1902-06 einnahm. Nach dem Austritt des Dirigenten F. Fischerkeller,  welcher im Jahre 1899 erfolgte, trat wieder eine Pause ein bis 1909 wo Josef Heinemann die Dirigentenschaft übernahm und Adolf Sulzmann 1. Vorstand wurde, dem drei Jahre nachher Jakob Müller folgte.

Während des Krieges setzte die reguläre Tätigkeit des Vereins aus indem der Dirigent, der auf dem Feld der Ehre den Tod gefunden hat und eine erhebliche Anzahl der Mitglieder unter die Fahnen gerufen wurden. Die Zurückgebliebenen wirkten in jener Zeit bei einigen Feierlichkeiten mit, wobei in dankenswerter Weise Oberlehrer Bach dirigierte.

Durch die Beteiligung an der Empfangsfeier für die heimkehrenden Krieger am Stephanstage 1918 wurde Veranlassung gegeben, den Verein neu ins Leben zu rufen. Durch den Vorstand erging an sangeskundige Herren eine Aufforderung dem Verein als aktive Mitglieder beizutreten. Diese Aufforderung schlug nicht fehl, denn schon bei der ersten Veranstaltung unter Leitung des neuen Dirigenten Hauptlehrer Ferd. Frei zählte der Verein gegen 50 aktive und über l00 passive Mitglieder. Im Jahre 1920 wurde Adolf Müller 1. Vorstand. Durch die anerkannten musikalischen Kenntnisse des Dirigenten und dessen zielbewustes energisches Vorwärtsstreben kam der Verein bald zu neuem Aufblühen. In den letzten Jahren kamen nebst Männerchören auch gemischte Chöre und Männerchöre mit Orchesterbegleitung durch die hiesige Streichmusikgesellschaft zum Vortrage, welche die Kritik gut überstanden haben. Auch wurden einige Operetten gegeben, welche den besten Anklang fanden und auch von auswärtigen Besuchern stark frequentiert waren. Tatkräftiges Eingreifen des Vorstandes in die übrigen Vereinsgeschäfte trug dazu bei, daß der Verein auf einer vordem noch nicht erreichten Höhe angelangt ist.

Am 2. Juli 1922 beteiligte sich der Verein an dem Sängerfeste in Bonndorf und erhielt dort in heißumumstrittenem Wettsingen la. mit Ehrenpreis im erschwerten Volksgesang.

In der jetzigen schweren Zeit hat der Gesangverein das Bestreben, seinen Mitgliedern wie auch der Allgemeinheit durch die edle Sangeskunst Gelegenheit zu bieten neben all‘ den Tageslasten und Gedanken über Vergangenheit und Zukunft auch von Zeit zu Zeit einen wärmenden Sonnenstrahl in das Innere eines Jeden dringen zu lassen denn Gesang erfreut das Menschenherz und jeder nach höherem Ziele strebende Mann wird im Gesang ein Ideal finden.

Hüfingen,  im Mai 1924 Josef Bausch, Altbürgermstr.

Foto von Karl Schweizer

Die Fahne des Vereins.

Wie oben erwähnt, wurde die sich jetzt im defekten Zustande befindliche Fahne im Jahre1846 beschafft und genau 20 Jahre später die Fahne, welche beim Brande des Gasthauses zur Sonne zerstört wurde.

Der Verein sah sich daher veranlaßt, im Hinblick auf das 80jährige Stiftungsfest eine neue Fahne zuzulegen, mit deren Anfertigung das Kloster Gengenbach, welches in diesem Industriezweige bedeutenden Ruf besitzt betraut wurde.

Die neue Fahne.

Die vordere Seite der Fahne ist in ihrer Grundfarbe dunkelgrün, trägt eine im Goldton gestickte Lyra, das Symbol des Gesanges, welche mit Lorbeerzweigen, dem Zeichen des Ruhmes bekränzt ist. Der in die Lyra eingestickte weise Schwan deutet auf das alte deutsche Lied hin, das durch unsere großen Meister der Dichtungen festgehalten worden ist. Die Deutschen haben im Mittelalter ein sinniges, ausdeutendes Verhältnis zur Natur gehabt.

Das Volk sah in der Natur Vorgänge, welche in allen Arten liebenden, segnenden, neckenden oder Verderben bringenden Vorkommnissen geheimnisvoll in das Menschenleben hineinragten. So gewann damals der Schwan bei unsern Vorfahren einen Platz in verschiedenen Formen u. a. auch für den Gesang. Als Darstellung des deutschen Liedes, sowie zur Versinnbildlichung der Stärke des Mannes zieren Eichenzweige mit Eicheln die Fahnenecken. Die hieran angeflochtenen Bänder tragen die Worte:

Teure Heimat, traute Baar,
Deutsches Lied pflegt immerdar!

Die Rückseite hält als Grundfarbe amarandrot. Auf den ersten Blick erhält der Beschauer von dem Bild den Eindruck des Heimats- und Vaterlandsgedankens. Ährenbündel in Bändern in den vier Ecken verkörpern die ährenschmucke Baar, welche sich an die Höhen des Schwarzwaldes anschließt und dieser hier durch einen leichten Tannenzweigenkranz angedeutet wird. Daran schließt sich ein Schriftband mit der Aufschrift, “Liederkranz Hüfingen 1844-1924”ferner sind zwei Sternkreuze eingefügt um unsern Herrgott nicht zu vergessen, in dessen Obhut wir gestellt sind.

Durch ein leicht gehaltenes, in das Schriftband verschlungenes Bänderarragement in badischen Farben wird ein aufgerolltes Pergament mit dem Stadtwappen aus dem Jahre 1477 als Fahnenbild getragen. Nach dem Fürstl. Fürstenb. Arkundenbuch Band Vll erscheint das gewählte Wappen auf einer Urkunde des genannten Jahres, ist also geschichtlich das richtige Stadtzeichen unserer Vorfahren. In Silberstickarbeit auf tiefblauem Tatschenschild als Untergrund, sowie dem fahlgelben, geschlitzt, aufgerollten Pergament erhebt sich der viereckige Turm mit Türmchen (das Wappen markant hervor, gleichsam uns an unsere Stadtgeschichte und Altvordern ermahnend.

Altherkömmlich sind die Stadtfarben “Blau- Weiß” oder in der Heraldik “Blau-Silber”. Das in ruhigen Farben stilvolle Bild gibt der Fahne durch das Festhalten an dem heraldisch/ geschichtlich Nichtigen einen wirklichen dokumentarischen Wert, ehrt hierin die Vergangenheit und ehrt die Gegenwart indem darin die Verehrung zum Vaterlande, sowie die Liebe zur Heimat niedergelegt ist. 

Die Fahne wird aber auch der Zukunft zur Ehre gereichen, solange und so oft sich die Sänger Hüfingens um ihr Wahrzeichen zur Verherrlichung des deutschen Liedes versammeln.

Karl Moog. Bürgermstr. Hausach.

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