Baden nach Bayern eingliedern?

Wahlergebnisse 1950

Da aus Bayern die Rufe nach einer Neuordnung der Bundesländer kommen, hat mich dies veranlasst den Ruf nach einer Eingliederung in die Schweiz zu überdenken.

Am 24. September 1950 stimmten etwa 65% der hiesigen Wahlberechtigten gegen einen Südweststaat und für die Wiederherstellung Badens. Unter Missachtung der Volksbefragung untersteht Hüfingen der baden-württembergischen Landkreisordnung, wird von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Im Unterschied zu Bayern und 14 anderen Bundesländern dürfen wir den Landrat nicht direkt wählen und bekommen von Stuttgart einen 1. Landesbeamten bestimmt.

Jetzt beschimpfen schwäbische Männer aus Stuttgart Bayern, dass eine Neuordnung der Bundesländer aus Heimatliebe nicht möglich sei. Was ein Blödsinn. Die haben Angst um ihre Fleischtöpfe! Die undemokratische baden-württembergische Landkreisordnung wird zum Machterhalt benötigt.

Landräte werden in Baden-Württemberg durch den Kreistag gewählt. Die Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederwahl ist unbegrenzt möglich. Eine vorzeitige Abwahl ist nicht möglich. Ein Landrat bekommt in Baden-Württemberg das höchste Gehalt in ganz Deutschland und wir haben 35 Stück davon.

Gehalt für Landräte in Deutschland
Gehalt für Landräte in Deutschland laut Stepstone.
Abgerufen am 14.09.2025

Von den vielen höheren Beamten möchte ich gleich gar nicht anfangen. So gibt es an den verschiedenen Regierungpräsidien unzählige davon. Dann auf den Landratsämtern die ganzen Dezernenten und ähnliches. Die Besoldungen von Beamten in Baden-Württemberg kann hier nachgelesen werden:

https://lbv.landbw.de/-/besoldungstabellen

Die Arbeit wird übrigens von Menschen gemacht die nicht verbeamtet sind, sondern beim Gehalt abhängig von den Erfolgen von Verdi sind. Auf genau auf diese Menschen zeigen jetzt die Beamten zum sparen.
Von einer echten Reform würden nämlich diese „normalen“ Menschen profitieren, ganz gewiss nicht die Politiker. Deswegen wird es keine Reformen geben. Mit „Heimatliebe“ hat dies absolut gar nichts zu tun.

Eine Neuordnung der Bundesländer wäre eben aus Heimatliebe dringen notwendig, damit unser Steuergeld auch bei den Menschen ankommt. Momentan wird alles kaputt gespart. Ausgaben für ÖPNV, Kultur, Jugend und Natur werden gekürzt, damit die oberen Beamten sich weiter in Sicherheit wiegen können.

Für mehr demokratische Partizipation!
Fremdverwaltet von oben herab.
Kreistag erhöht die Kreisumlage

75 Jahre nach der Abstimmung für einen Südweststaat
Südbaden nach dem Krieg

Beitrag vom 24. September 2025

Am 24. September 1950 stimmten 60 % der Bevölkerung Südbadens für die Beibehaltung Badens. Gleich im Anschluß an die Abstimmung hatte Leo Wohleb erklärt, „der schwäbische Angriff auf Baden ist abgeschlagen„.

Allerdings wurde damals nicht gesehen, dass dies nur eine „Volksbefragung“ war und um das badische Volk hat sich Stuttgart noch nie sonderlich geschert.






Baden in die Schweiz eingliedern?

Beitrag vom 11. November 2024

Am 10. November 2024 habe ich eine kurze, eher spöttische, Bemerkung von den Südbadischen Landsenioren in der Zeitung gelesen : „….schlug er mit mit einem Lächeln vor, Baden in die Schweiz einzugliedern…“. Dies war auf die Landkäufe in Südbaden von Schweizern bezogen – aber die Bemerkung hat doch einige Überlegungen in mir ausgelöst.

Wenn man es genau nimmt, so wurde Südbaden nach dem Krieg gegen seinen Willen von Stuttgart annektiert. Aber fangen wir früher an, bei den Schellenbergern. Diese stammten nämlich aus Liechtenstein:

Burg Schellenberg in Liechtenstein.

Nach den Schellenbergern wurde Hüfingen an das Haus Fürstenberg verkauft und gehörte sehr lange dem Fürstenhaus – obwohl immer wieder verschiedene plündernde Armeen durchzogen. Während der 1848er Revolution waren die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger ganz vorne dabei und der Fürst flüchtete in die Schweiz. Nach Zuhilfenahme der Württemberger Armeen wurden die Aufständischen, soweit nicht rechtzeitig in die Schweiz und USA entfleucht, ermordet.

Also gehörte Hüfingen im Grunde seit der missglückten 1848er Revolution den Preussen und dem Deutschen Kaiser. Dies ist natürlich sehr verkürzt dargestellt und die Nazizeit lasse ich besser mal weg. (Da gibt es mal einen eigenen Artikel sobald ich Zeit habe.)

Heute wird Hüfingen von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Wir unterliegen also der Landkreisordnung von Baden-Württemberg, die den Bürgerinnen und Bürgern nur sehr wenig demokratische Rechte einräumt.

Deswegen hätte die Idee ein Schweizer Kanton zu werden doch einigen Charme. Wir hätten eine von uns gewählte Kantonsregierung und eine Regierungspräsidentin oder Regierungspräsident, anstatt eines von oben bestimmten Landrates. – Der Regierungspräsident wechselt in der Regel jährlich oder nach dem Anciennitätsprinzip (Anzahl Jahre in der Regierung). Dieses Amt wäre mit keinerlei anderen Privilegien und keinem anderen Sonderstatus verbunden als der Leitung der Regierungssitzungen.

Davon abgesehen würden die Schweizer uns auch besser verstehen, als die in Stuttgart.

De Südweschtstaat

1950 von Gottfried Schafbuch

S’rumoret zmol landuff, landab.
Min Nochber debret bsässe:
Jetzt, guck emol des Gschmier do aa,
d’Badenser sottes fresse.

Südweschtstaat schtoht do krottebroat,
Potzhageldunderwätter,
sott ech am End en Schwob no geä?
Ho sell, sell wär no nätter.

Wertschaftlech dei’s iis besser gau,
Minischter kennt mer spare.
Und s’badisch Ländle sei fer sech
en ganz verfahrne Karre!

Wie dear Borscht frech ischt mit sim Gschmuus!
Dem will ech d’Moaning sage.
Am liebschte dät jo schüttle ech
des Schwäbli fescht am Krage.

Worum wend d’Schwobe iis denn ha,
dont alli Schlech probiere?
Merkscht nit, sie wend e riiechi Bruut
gi Schtugart inni fiehre.

Sie wend de Rhii und d’Häfe haa,
de Wald und iisri Rübe.
De hoaße Quelle boazets au,
de Dubak no denäbe.

Nitt lang wurs gau, no dätet hie
im Rothuus Schwobe sitze
und i de Schuel e Schwäbli dät
zmol iisri Kinder fitze.

Glaub nu, iis ginges dräckig gnueg,
mier dierftet ninnt me sage.
Vum Muschterländli wäret d’Liit
… halt blos s’fifft Rad am Wage.

Wer des nit merkt, kennt d’Schwobe nitt,
die ‚Hoiligsblechliberger‘.
Ech glaub, wer nit fer Bade schtimmt,
der goschet nochher erger.

Wenn Wertteberg iis sacket ii,
dont d‘ Kind i spätre Ziite
im Kerchhof vu de Hoamettreu
uff isri Grabschtea diite.

Guet Nacht, schloof gsund, und moarn nitt z’frich.
Dues hinter d’Ohre schriibe:
Wear nitt im Hern vernaglet ischt,
will oafach BADISCH bliibe!

Des isch bigott doch de Koffer

Des isch bigott doch de Koffer

De klei Brueder, 65 Johr, aber mit 1,90 de gröscht vu iis 8 Kinder, hät e Reparatur bruucht. De sunscht puddelgsund Handwerker häts beim Schneeschuhefahre uff de Ranze ghaue. Am Schulterkugellager sind ihm  paar Sehne verkaibet. De aagfresse Holzwurm hät koni Bretter oder Schpanplatte me lupfe kenne. „Das bekommen wir problemlos wieder verkabelt“, so des buchsprachlich OP Dokterle. Wo sen wieder us sinere Traumwelt uffgweckt  hond, pfiifts, sorrets und giegsets im OP wie beim Raumschiff Enterprise. Verdacht uff Schlagafall. Dass er nit wieslos word, kunnt er kuntenent uff Intensiv. Dä hond sin wieder uff d Fiess brocht und en Dachschade abgwendet. I dere Großfamilie isch jetzt aber Fiehr unterm eng glismete Familienetz gsii. Die paar Johr älter Schwester hät Rotz und Wasser bläret wie des ihrem sorgsam verhätschlete, kleinere Briederle hät passiere kenne. Bald kunnt er direkt i d Nachsorge im Breisgau. D Frau hät nit emol me reächt Ziht zum en Koffer packe. Wo der denno zuegsesse war, en hochmodische Hartschalekoffer Modell „Digital Work Station“ , isch er de Schwägerin zum Transfer is Auto gleit wore. Blederewies isch beim Zuesitze s rot Händyladekabel us em Koffer glampet. Wo aber de älter Brueder für de Bsuech e anders Auto gnomme hät wie des wo de Koffer drin war, isch s Uuglick losgange. „Wo häsch de Koffer mit de Klamotte?“ frogt de Klei. „Jegges maraie, der parkt no de Hoem a de Relaisstation, uff de andere Siite vum Wälder Wald.“ Mit de schlapprige Turnhose und em no schlottrigere  Hemdli gomer in e Stehkaffe. „Dä sind sie so Schlawacke gwähnt, bruuchsch di nit schäme wie en Rossbolle, do kennet sie iis nit“. De Kaffee und de Berliner hond mir geschmeckt, ihm i sim Uffzug nit so selli. Beim Kassiere lächlet mir d Bedienung anerkennend und friendli zue, weil ich wohlwollend und menschefreundli, gönnerhaft dem Hambis de Kako zahl. Am andere Tag bring ich de IT Koffer zum übergäe denno zum Schweschterli für Ihren Krankebsuech. Des Biebli bruucht endlich  gschieds Häs zum aaziehe.

Im Gang vu de REHA kunnt er im Schweschterli mit em gliiche holose  Uffzug vu Geschtert vergege. Nuu dass er jetzt  no e  verdlähnti Belzkappe uffhät und dicki, handglismete Socke a de hoorige Scheiche. „Jetzt do mer de Koffer uffs Zimmer und du ziehsch di aaständig aa“. „Nei, jetzt will i zerscht e Wienerli im Bischtro“. „I dem Uffzug gang ich kon Meter mit dir“. Bocksboenig war er scho immer, ihr  klei verhätschlets Briederle. De Workstation Koffer bliebt uff em Gang am Empfang stau. Wo sie zruckkummet isch de Koffer weg. Wa mer uff Flugplätz mit herrelose, vermeintliche Schwarzpulvergladene- Köffer für Fürz veranstaltet, des kennt mer jo. Bestimmt isch der Belzkappe Zottle scho vu de Aastalts- Videokameras als de psychisch labil vum Zimmer 465  verortet wore. Oe Hoffnung gihts: IS Terrorischte hond gwähnlich  koe Belzkappe uff. No isch kon Alarm  aabi gange, und me hört koe Hubschrauberknatter vu de Anti – Terrorstaffel GSG 9. De Belzkappebue, s Schweschterle

und de Schwoger rennet dorch die labyrintartig Aastalt und suechet de Koffer. Fickerig druckt us Versehne s Schweschterle im Uffzug au no zu allem Überfluss statt „EG : Anmeldung, Auskunft, Meldungen“ de Knopf „UG 2“ . Wo sich vor ihre wie vu Geischterhand s Tor zur Unterwelt, de bunkerartige, sprengstoffdämpfende Katakombe theatralisch  uffduet, stoht er einsam, schamhaft mit de knallrote Kabelfahne direkt  gegenüber a de duschtere Bunkerwand. Gspenstische Stille, kon Mensch dä dunne. En heldehafte Hausel muess ihn dä mit Angstschweiß uff de Stirn todesmutig abgestellt ha.

„Des  isch aber jetzt doch de Koffer“, schnuuft sie, schnappt die Box und nint wie ab, noch dem sie Lunte groche hät, is 4. OG, Zimmer 465 mit em Koffer.

Übrigens isch d Belzkappe, s Schlapperhösle, s verwäsche Hemdle und die uusgliehrete Wollsocke in Rotkriez- Kleidersack kumme.

Soll sich doch ebber Andersch mit dem Schlapperglumpp  schäme.

© Hubert Mauz, Unteres Bregtal, Dez. 2025 nach einer absolut wahren, aktuellen Familienbegebenheit,  bis aufs rote Kabel. ©

Zum Heulen schön – Freudentränen beim Sport

Artikel vom 21. Dezember 2021

Freudentränen – wann sind sie dir bloß das letzte Mal über die Backen gelaufen? Oder sind womöglich die Zeiten nicht mehr danach? Mehr als mir lieb und recht ist verbrachte ich die Tage vor der Glotze im vergangenen so absonderlichen Winter. Denn mal hatte es zuviel, dann wieder zu wenig, noch dazu mit Saharastaub eingepuderten Schnee für meine skisportlichen Außenaktivitäten, von den Corona-Einschränkungen ganz zu schweigen. Wintersportübertragungen müssen da allzu oft als Ersatzbefriedigung herhalten, zumal wenn die jeweilige Veranstaltung an Wettkampforten stattfindet, an denen man als Langläufer auch selbst einst schon um sportlichen Lorbeer gekämpft hat oder wo man doch zumindest als Tourist schon zugange war, egal ob auf der slowenischen Pokljuka, in Lillehammer, in den Dolomiten oder in Oberstdorf.

Start in Schonach in der Morgendämmerung

Was nicht heißen soll, dass ich bei meiner nordischen Präferenz alpine Rennen gänzlich verschmähe. Wo es doch auch da bisweilen dramatisch, ja sogar hochemotional zugeht: So wie letztmals in der ARD, als aus Cortina das erste Männerrennen der alpinen Skiweltmeisterschaften, der Super-G, übertragen wurde. Und dies nach mehrmaligen Verlegungen und Programmänderungen, mal wegen zuviel Schneefall (neuerdings neckisch als „Flockdown“ abmoderiert), mal wegen einer plötzlich auftretenden Nebelbank im oberen Streckenteil, dem so gefürchteten Tofana-Schuss. Als fachkundiger, kritischer und dabei durchaus lockerer Co-Kommentator war Ex-Slalomkünstler Felix Neureuther aufgeboten, der die Linienführung der neu in den Berg gefrästen Piste nach den ersten Startern und deren spektakulären Ausfällen als gar zu selektiv, ja geradezu als allzu riskante Zumutung für die Rennläufer einstufte. Milder wurde sein Urteil erst, als die absoluten Spitzenkönner an der Reihe waren, die Cracks aus Österreich, der Schweiz und Frankreich, die mit ihren artistischen Einlagen, mit viel Courage und optimaler Materialabstimmung den heiklen Parcours dennoch irgendwie meisterten.

In pure Euphorie schlug die Stimmung im Studio um, als mit Romed Baumann, der erste deutsche Starter unterwegs war, der dank fabelhafter Linienwahl und makelloser Fahrweise die bisherige Bestzeit um die Winzigkeit von 0,07 Sekunden verfehlte. Schon kurz nach Zielsprung und Ziellinienpassage im Höchsttempo, noch bevor er vollends abgeschwungen hatte, brüllte er sein Glück und seine Erleichterung schon lauthals mit einem gutturalen Jawollll! heraus. War er doch – noch als Tiroler – vor wenigen Jahren aus dem österreichischem Nationalkader ausgemustert worden. Verheiratet mit einer Deutschen, hatte er flugs die Nationalität gewechselt und im Team des deutschen Skiverbands wieder fußgefasst. Was ihm da und dort wohl als Fahnenflucht ausgelegt worden war, gar einen Shitstorm entfacht hatte. Nun also reüssierte er im deutschen Rennanzug mit diesem überraschenden Erfolg: mit der WM-Silbermedaille! Kein Wunder, dass er vor laufender Kamera ein paar Tränen verdrücken musste. Auch Co-Kommentator Neureuther hatte feuchte Augen vor Rührung und Begeisterung bekommen. Wo sonst noch außer im Sport, so seine Schlussbemerkung, dürfen die Emotionen noch derart durchgehen mit unsereinem!

Der Autor

Im heimischen Fernsehsessel war eben dies der Moment, in dem sich mir die Frage aufdrängte: Wann zuletzt sind eigentlich auch bei mir am helllichten Tag die Freudentränen geflossen? Gewiss, im abgedunkelten Konzertsaal konnte einen plötzlich schon mal ein kurzer Lustschmerz übermannen, im langsamen Satz eines Schubert-Klaviertrios etwa, auch im Adagio eines Mozart-Klavierkonzerts, insgeheim und aus purer Ergriffenheit auch mal im Kino. Zugegeben: Damals, noch als Student, habe ich nachts am Radio aus Anlass von John F. Kennedys Ermordung unter den Klängen der Brahms´schen Symphonie Nr. 4 in e-Moll Rotz und Wasser geheult, und wann immer sie mir seitdem zu Ohren kommt, pflegt es mich wieder ein bisschen zu würgen. Aber Freudentränen, und die auch noch beim Sport – wann mögen die zuletzt geflossen sein?

Doch tatsächlich, da taucht aus dem Nebel des Langzeitgedächtnisses urplötzlich wieder ein Erinnerungsfetzen auf, noch dazu gespickt mit erstaunlichen Details: Knackig kalter Pulverschnee im Winter anno 1978 beim allerersten Rucksacklauf über die einhundert Kilometer auf dem Fernskiwanderweg von Schonach nach Multen am Belchen! Nach einer kräftezehrenden Schinderei quer durch den mittleren und südlichen Schwarzwald, mit Überquerung des Brends, der Fern- und der Weißtannenhöhe, des Grüblesattels auf dem Höchsten, mit Passieren des Notschreis, dann des Trubelsmattkopfs, schließlich nach ratternder Abfahrt zum Wiedener Eck hinunter ein letzter, nimmer enden wollender Anstieg zur Hohtann hinauf. Worauf nach Kilometer 95 endlich, endlich die finale Schlussabfahrt auf die erschöpften Läufer wartet hinab in Richtung Ziel. Und genau da, nach einem allerletzten kurzen Gegenanstieg durch Nadelwald geschieht es: Plötzlich taucht rechts unterhalb der Laufstrecke das Multenwirtshaus auf, winkt das Ziel, höre ich schon den Sprecher am Mikrofon – jetzt bitte nur ein sturzfreier Rechtsschwung noch und ich werde es geschafft haben! Und exakt da ist es offenbar um meine Fassung geschehen: Es schießen mir gänzlich unverhofft Tränen in die Augen, Tränen des Glücks und des Stolzes über die erbrachte Leistung – dazu aber auch schon im Vollbewusstsein einer gelungenen Premiere!

Rucksackläufer nach 100 km im Ziel

Ja doch, wir befinden uns da noch in der Pionierzeit der Siebzigerjahre, als der Skilanglauf erstmals als Volkssport boomte und allenthalben Loipen, Langlaufzentren samt Volksskiläufen entstanden. Und so war ich denn auch in doppelter Mission gefordert an diesem Februartag, als Teilnehmer wie als Veranstalter: Letzteres als Vorsitzender der den Rucksacklauf ausrichtenden Arbeitsgemeinschaft Skiwanderwege Schwarzwald e. V., die 1974 auf Anregung des Schwarzwaldvereins gegründet worden war, um den Wildwuchs der Loipenmarkierungen zu steuern und mit dem Fernskiwanderweg eine wintertouristische Alternative zu bieten zu den oft schon überfüllten Rundloipen. In der Nacht vor dem Lauf hatte ich kaum ein Auge zugetan bei all den auf einer hundert Kilometer langen winterlichen Wettkampfstrecke lauernden Risiken und Unwägbarkeiten. Dann endlich, nach der Anreise in aller Herrgottsfrühe, nach dem Skiwachsen und der Rucksackkontrolle, um 7.00 Uhr mit dem Glockenschlag der Schonacher Kirchturmuhr, der Massenstart in die Morgendämmerung hinaus. Doch jetzt, am fortgeschrittenen Nachmittag unterm Belchengipfel und in Sichtweite des Ziels war im Rausch der Glückshormone mit einem Mal auch der lang aufgestaute Druck von mir gewichen.

Wie sich schon bei der Premiere zeigte, war gottlob niemand von der Strecke abgekommen oder gar aus Erschöpfung liegen geblieben: Insgesamt 80 Läufer hatten damals das Ziel erreicht, die letzten kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Sieger und Gewinner des Wäldercups 1978 war der vierzigjährige Goldjörgle Thoma aus Hinterzarten mit sattem Vorsprung vor dem Zweitplazierten, dem Verfasser. Der Olympiasieger von Squaw Valley sollte in der Folge noch etliche Male gewinnen; bis heute hält er mit 5.51 Stunden die Streckenrekordzeit, erlaufen bei blitzschnellem Harsch und schneebedingt leicht modifizierter Streckenführung.

Jörgle Thoma, der Olympiasieger, unterwegs.

Soviel Nostalgie im Fernsehsessel muss erlaubt sein in diesem Krisenwinter 2021, wo doch schon die nächsten Übertragungen warteten. Der gefeierte Zweitplazierte des Super-G-Rennens, der Freudentränen vergießende Romed Baumann, war erneut am Start, diesmal in der Königsdisziplin der Speedfahrer, in der Abfahrt, wo Freud und Leid anscheinend noch enger zusammenrücken: Beim Abschwingen nach dem Überqueren der Ziellinie im Höchsttempo stürzte er, schoss unter der Bande hindurch und zog sich Schnittwunden im Gesicht sowie eine Gehirnerschütterung zu. Ob er auch diesmal wieder Tränen vergossen hat, ob aus Wut oder Schmerz, blieb ausgeblendet. Zweitplazierter und Silbermedaillengewinner wurde indes sein deutscher Teamkollege: Um eine einzige Hundertstelsekunde ist er am Weltmeistertitel vorbei geschrammt. Feuchte Augen zeigte auch er im nachfolgenden Interview. Freute er sich über die Silbermedaille oder haderte er mit sich über den so knapp verpassten Sieg? Als cool und glücklich – doch erstaunlich tränenlos – sollte sich im Zielraum-Interview einzig die überraschende Zweitplazierte im Abfahrtsrennen der Damen erweisen, auch sie Mitglied des deutschen Teams. Nicht einmal mehr auf die Klischees scheint noch Verlass zu sein beim Sport. Erst bei der so unerwarteten Goldmedaille für das Mixed Team beim Obersdorfer WM-Springen passte wieder alles zusammen: Es heulten alle Vier vor Glück!

Emotionen pur – selbst unter
Rucksackläufern

Pflichtausgaben auf Kosten der kommenden Generation

kosten für Kanalbau für das Gewerbegebiet Ziegeleschle
Kanalbau für das Gewerbegebiet Ziegeleschle

Da der Gemeinderat den Naturschutz als obsolet und kostenintensiv abgeschafft hat, möchte ich mal auflisten was uns die Zerstörung unserer Natur die letzten Jahre so alles gekostet hat und weiter kosten wird.

Ein großer Posten ist die Entwässerung vom Ziegeleschle mit 1.524.000 Euro. Wobei das sogar noch unterschätzt ist, da hier die Sanierung vom Kennerbach und auch an der Schaffhauser Straße nicht dabei sind.

Kosten RÜB
Kosten RÜB

Dann die vielen RÜB (Regenüberlaufbecken). RÜB sind ein zentraler Bestandteil der Siedlungsentwässerung und spielen eine wichtige Rolle im Schutz gegen sogenannte Spitzenabflüsse. Sie puffern Niederschlagsmengen, entlasten kurzfristig die Kanalisation und es wird behauptet die trügen zum Gewässerschutz bei. Was die tun, ist unsere Häuser vor Hochwasser schützen. Ja, ist natürlich ganz toll für uns, möchte ich nicht abstreiten. Es wäre den Politikern aber ziemlich egal, wenn euer Keller mit Wasser und Fäkalien voll laufen, aber der ganze Dreck geht dann irgendwann in die Kanalisation und würde dort Schaden anrichten. Deswegen behaupten die es sei Gewässerschutz. Somit gehören dann diese RÜB zu den Pflichtausgaben beim angeblichen Naturschutz.

Kosten RÜBen für Neubaugebiet
RÜB für Neubaugebiet

Diese Kosten werden im Haushalt kleinteilig mehr oder weniger versteckt. Aber es gibt natürlich in jeder Ortschaft mehrere dieser Dinger. So zwei neue in Fürstenberg, eins in Behla und eins in Sumpfohren. Man kann locker von ner halben Million ausgehen, was allein die Anschaffung von einem RÜB kostet. Aber wie man sieht, rechnet man beim Strom mit 26.000 Euro im Jahr – jedes Jahr!

Was diese RÜB übrigens auch nebenher tun, ist das Regenwasser davon abzuhalten unser Grundwasser aufzufüllen. Also der Regen kommt von der versiegelten Fläche in die RÜB und in die Kanalisation, von wo aus das ganze Wasser direkt in die Breg geleitet wird. Wir spülen also das Trinkwasser der nächsten Generation die Donau runter.

Was so als Investition gewertet wird

Wenn ich schon bei Kanälen bin: Der Regenwasserkanal von Fürstenberg nach Hondingen ist mit 164.000 Euro natürlich eine super Investition. Immerhin spart es Strom, da das Wasser nicht in die Breg gepumpt werden muss, sondern in die Aitrach läuft. Die Schifffahrt hats nötig. Vermutlich gilt dies auch als Naturschutz.

Mit den 40.000 Euro für eine obsolete Volkshochschule  möchte ich nicht schon wieder anfangen.

Schönen Sonntag!

De Schniederli Ferdl

von Dr. Martin Fehrle

De Schniederli Ferdl

Ende Febr 2019 ischt er gschdorbe, de Schniederli Ferdl. Er ischt 88 Johr alt wore. Uf d´Welt kumme ischt er z Ase, i dem Dorf, wo au ech uffgwaße bi, bloß 19 Johr vor mir, also 1930. De Vaddr ischt  de Burgwirt gsii und e Landwirtschaft het er au gha. D’Aasemer Burg giits immer noch, au wenn us de alte Dorfwirtschaft hit e renommierts Restaurant wore ischt. Es het on Michelin Stearn und dodemit on vu dri Michelin Stearn z’Ase. Di andere zwo gheered em Ösch Noir im Öschberghof. Au säll Restaurant ischd uf Aasemer Gmarkig. So het es z’Ase bi uugfähr 1200 Iwohner drei Michelin Stearn. Wievil miesd es also z’Berlin gäa bi uugfär 4 Millione Iiwohner? 

„Burg“ in Aasen, gemalt 1948 von Ernst Fehrle 1948

I d Volksschuel isch de glei Ferdl nu e baar Johr gange, er het nämli en beese Fueß gha, au vu de Middelschuel het er nit älli Johr mache kinne uus em gliiche Grund. Nooch de Middelschuel het de Ferdl e landwirtschaftlichi Lehr gmacht uf de Hochburg bi Emmedinge. Säll het im abr nit glanget und so isch er denoo gi Bad Kreuznach gange zu ne re Uusbildig im Wiibau. Wo säll ferdig gsi ischt, het de Ferdl gsait: So etzt dät ech gern schdudiere. Dodefir het mr abr i de Fuffzgerjohr s Abidur bruucht. Wie kriegt mr abr etzed s Abidur mit e baar Johr Volks- und Middelschuel? Mr mues halt s wildi Abidur mache, säll hoaßd, mr mues fer sech lehre und deno ame Gimnasium mit de normale Schieler zemme d Abidurspriefung mache. So ischd de Ferdl mit ugfär 25 Johr zu mim Vaddr kumme und het gfroged, ob er im viliecht helfe kinnt bi de Vorbereitung uff die Abidurspriefung. Min Vaddr het mit em Ferdl deno Dietsch und Gschichte gmacht, und zwoa Kolleginne vu mim Vaddr hond au gholfe: D Frau Aleck het mit em Ferdl Mathe und Chemie gmacht und d Frau Lienhard, d Schweschtr vum Landrat Englisch. D Priefung het de Ferdl deno abr aloanig mache mieße und er het si bschdande. So ischd er i de Middi vu de Fuffzgerjohr gi Schtuegert Hohenheim gange und het Landwirtschaft schdudiert. Wo n er denn Diplomlandwirt gsi ischd, het er gsait: Etzted mach ech no de Dokder. De frischbache Dokder agr. isch deno bald gi Friburg gange und het sech dert am Schdaatliche Wiibauinschdidut mit Bedriebs- und Arbetswirtschaft beschäfdigt.

Gege Ende vu de Fuffzgerjohr het de Ferdl emol de Ekkehard vum Scheffel vu mim Vaddr uusglie. Wo ner des Buech widr zruck broocht het, han echs au gläse. Es ischt min erschde Roman gsi und ech war grad emol 10 Johr jung. 

Solang de Ferdl no Junggsell gsi ischt, ischt er ämmel gern am alde Obed zu isere Famili gi Ase kumme. S hät selber gmachti Sülz zum Esse gäe und de Ferdl het mir e klaini Dischkanon mitbroocht. Sälli het mr entwedr mit eme Schdriichholz oder zum Helzli-Schbare mit ere Kerz zinde kinne. D Kerz het mr abr schnell vu de Zindschnuer wegziehe miese, sunscht het die Druckwelle d Kerz uusbloose und mer het koni Schdriichhelzli gschbart. Abr Feinschtaub het sälli Dischkanon vil wenigr gmacht wie di hittige Rakete.

Mini Eltere hond i sällere Ziit koa Audo gha und so isch es fer mech a bsunders Vergniege gsi, wenn de Ferdl ab und zu am Sunndig mit sim Käfr kumme ischt und iis zum e Fährlti an Bodesee oder zum Feldberg iiglade het. 

Modorradfahre isch au e Hobby vum Ferdl gsi, bis er i sällere 180 Grad Kurv vum Feldberg abi is Wisedal usgrudscht ischt. Ech woaß nimme, ob en Eelfleck uf de Schdrooß war. Jedenfalls isch de Ferdl mit eme brochene Boa, säll wo vu Kinderziite her krank war, wochelang z Friiburg i de Klinik glege, bis mer im gsait het, dass mr sell Boa ambudiere mueß. Siit sällere Ziit het de Ferdl e Holzboa gha.

Ende vu de Sächzgerjohr han ech z Friiburg aagfange Chemie zum Schdudiere. Fer en Schdudent wars kon Fähler, nebebei e weng Geld zum Verdiene. De Ferdl war i sällere Ziit scho Leitr vu de Abteilung Bedriebs- und Arbeitswirtschaft am Wiibauinschdidut und ech ha im schdundewies helfe derfe. So han ech emol a riisigi Tabelle gmacht, wo mr het ablese kinne, wie lang en Wiibur fer onn Hekdar Rebe bruucht abhängig vum Ziileabschdand und vu des Bulldog-Gschwindigkeit. Ech ha defier e mechanischi Rechenmaschie vu Olivetti gha und sälli Maschie rechdig zum Rauche broocht. Mr het de Dampf vum Eel gschmeggt. 

Scheen isch au gsi, dass ech ha debei si dirfe bei de große Wiiprobe vum Inschdidut. Wemmr z Ase, also innere Biergegend uffgwaße ischt, isch Wii scho e neii Erfahrig, vor ällem wenn de Wii vu Brofis vorgschdellt wurd. Und als Insdidutsmitarbeiter han ech au no 50 Brozent Rabatt kriegt bim Wii-Ikaufe.

1973, de Ferdl waar scho mit de Eva verhiiroded und het zwei gleini Buebe gha, hond mier die Schnapsidee zue nere Schdudiereis gi Italie gha. S Thema wared die Vulkan und ihre Folge. En Doal vu de Vorbereitig war e ganz dolli Pompeji-Usstellig in de Villa Hügel z Esse. Also sind de Ferdl und ech mit Audo und Zelt gi Italie gfaare, am erschde Dag bis zum Trasimener See, am zweite bis gi Neapel. Gfare bin ech. Vum Audobahnend in Caserta bis zu iiserem Quardir im Stadtzentrum hommer 2 Schdund bruucht. Links en Fiat, rechts en Fiat, vorne en Fiat, hinne en Fiat und älli imme Abschdand vu 5 cm. Am andere Morge sin mir deno z Fueß i de Stadt gsi und am Nochmidag het de Ferdl gsait, er sei krank und ech mies in sofort zum Flueghafe bringe, er mieß hoam fliege. Säll han ech nadierlich nit gmacht, sondern en Dokder organisiert, wo gsait hat, de Ferdl sei nit reisefähig. Jetzt wa mache? Gott sei Dank hond mier d Adress vum Hermann Keller gha, vum Sohn vum Sauna-Keller z Eschinge, wo i sellere Ziit als Inscheneer z Neapel gschafft het. De Herman  Keller het e Huus gha in Baia Domizia am Meer und gnueg wiit weg vu dem Chaos vu Neapel. Säll Chaos war nämlig de Grund fer die Kranket vum Ferdl. De Krach, de Dreck, des Durenand hond em Ferdl uf de Kreislauf gschlage. Also han ech de Ferdl zu de Famili Keller gi Baia Domizia gfare, bi wider zruck gi Neapel, ha mi Auto mit vil Gottverdraue vor iserem Quartier parkt und ha am Obed s Schiff gi Stromboli gnomme. Dert bin ech am friee Morge akumme, ha e Privatquartier bimme Rentnerpaar us München gha, ha de ganz Dag am Schdrand verblemberet und bi deno am Obed 3 Stund lang zum Gipfl uffgschige. De Hauptkrater war e weng unterhalb vum Gipfel und älli Viertelschdund het de Vulkan gschbuggt. Di meischt Lava ischt widr zruck i de Krater gfloge, bloß en kloane Doal de Hang abi is Meer. Es het dolli Fotos gäa. Am Morge mit em erschde Liecht bi ech widr abgschige, ha de ganz Dag am Schtrand verschlofe und am Obed widr s Schiff gi Neapel gnomme. Derd hets Audo brav uf mech gwarded und ech bi widr gi Baia Domizia gfare. Wie erwartet hat sech de Ferdl i sellere Rue vu Baia Domizia und dank de guete Pfleg vu de Familie Keller vollschdändig erholt und mir hond iser Programm wiiter mache kinne. Etzed war zerscht de Vesuv dra. Mir hond im valle del cavallo, säll ischt e dal zwischem Krater vum aalde monte somma und em neie Vesuv, zelded.

Unser Zeltplatz im Valle del Cavallo am Vesuv

Zum Kraterrand vum Vesuv hätt mr scho e baar hundert Meter uffeme zimli schteile Weag uffi lauffe miese. Koa Problem fer de Ferdl mit sim Holzfuaß. Denoo wared die Folge vu sällem Usbruch dra: Pompeji und Herculaneum. I beide Oart ware mir vum Morge bis zum Obed und de Ferdl hät koa Problem demit kha, zwoa Täg lang dorch die zwoa Ort z laufe. Uffm Wäag gi Sizilie simmer nadierli au gi Paestum kumme. Scho wider mindeschdens en halbe Dag zum Laufe, wel mr au s Museum hät agugge mieße. Vor Reggio Calabria, wo d Fähri gi Messina abgoot, hommer noch en Abschdecher zum Aspromonte gmachd, wo sech dozumol de Garibaldi umme dribbe het.

Ferdl am Kraterrand des Vesuv

I irgend onere Beiz, wo mier uffem Weag z Obed gässe hond, hommer im italienische Fernsehe gsähe, wie in Neapel die Schdrooße kalkt wore sind als Desinfektion gege Cholera. Zimli schnell hommer gwißt, dass die Inkubationsziit bei Cholera bloß 12 Schdunde ischt. Es wared scho wiit me als 12 Schdunde, dass mier z Neapel Muschele gesse hond. Also älles klar! Etzed war de Ätna dra. Mit em Audo hommer bis Nicolosi uf 1900 m fahre kinne. Deno isches no e Stuck wiit mit de Soalbaa gange, weli grad nit hii war. Aber die letschde baar hundert Meter uffi zum Hauptkrater hommer mieße z Fuaß laufe. Koa Problem fer im Ferdl sin Holzfuaß. Obe am Krater hommer Bsuech kriegt: Uf oamol ischt im große Boge en Schdoa vor iis glandet. Zerscht han ech mir dra d Finger verbrennt, aber nochher han ech den neugeborene Schdoa mit mim Dascheduech abidrait. Die Brandschbure am Dascheduech kammer hit noch sene. Nochem Ätna hom mier eigentlech um die ganz Insel ummi fahre welle: Syrakus, Agrigent, Selinunt, Segesta, Palermo,Taormina. Aber wege de Cholera hond die Italiener i de Zwischeziit die Schdränd vu Sizilie gschberrt. Also wars nint mit de Inselumrundung. So sind mir halt wider abzoge, hond no drei Däg lang in Scilla an Odysseus denkt und sind dann  imme große Boge um Neapel ummi i die Albaner Berg gfüchded. Dert giits e dolls Bild vum Ferdl imme Ruaderboot uffm Lago di Nemi. Vu de Albaner Berg simmer i oam Rutsch gi Nizza gfaare und deno iber älli sälli Päss vu de Tour de France zum Genfer See. D Habsburg bi Aarau war deno de letscht Programmpunkt vu isere Schdudiereis. Es war doll wie de Ferdl äll des gschaffed het, nochdem er s Chaos vu Neapel  verdaut het.

Ferdl im Aspromonte

2010 han ech im zum 80. no drei Flasche Wii i de Hindeburgring broocht, wo er mit de Eva sin verdiende Ruhestand gnosse het. Letscht Woch hommern uff em Eschinger Friedhof beerdit und e Abordnung vu sinnere Studendeverbindung ischt in Wichs am Sarg gschdande.  

De Schniederli Ferdl isch fer mech e  Paradebeischbil dodefir, dass en Mensch uus oafache Verhältnis – hit dät mer sage „bildungsfernen Schichten“ – e erfolgriichi akademischi Karrier und e glunges Läbe schaffe ka, wenn er nu intelligent, fliesig und zielschdrebig ischd.

Ferdl als Ruderer auf dem Nemisee

Glorie

Liebe Bürgerpostleser, 

es geht gerade so weiter, nach dem von Sohn Michael vom Flugzeug aus beobachteten Regenbogen konnte Tochter Dina diese seltsamen Lichterscheinungen, ebenfalls aus dem Flugzeug fotografieren. Wie damals war Claudia Hinz meine Helferin bei der Frage, um was es sich dabei handelt. Sie schrieb, „Glorie oder Brockengespenst die wissenschaftliche Bezeichnung dieser Lichterscheinung mit farbigen Ringen um den Schatten des Betrachters. Sie entsteht dann, wenn bei Sonnenschein der Schatten des Beobachters auf eine Wolken- oder Nebeldecke fällt. In den Bergen ist dieses Phänomen häufiger zu sehen als im Flachland. Denn dort gibt es öfters die Situation, dass die Morgen- oder Abendsonne die langen Schatten eines Beobachters auf eine Wolken- oder Nebeldecke wirft. Im Tiefland kommt es nur selten vor, zum Beispiel beim Aufsteigen von Bodennebel.

Der optische Grund der farbigen Ringe liegt in der Lichtbrechung in Wassertröpfchen um den Schatten im Nebel oder auf Wolken, wenn Flugzeugschatten auf sie fallen. Ein Klassiker ist das sogenannte Brockengespenst:

Brocken Inaglory, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Dass man da früher Gespensterangst bekommen konnte, ist leicht verständlich.

Bei den drei Bildern von Dina aus dem Flugzeug, seht Ihr da einen Unterschied? Aber klar doch, Euch fällt sicher auf, dass nur auf Bild 3 der Flugzeugschatten zu sehen ist, bei Bild 1 und 2 nicht. Claudia Hinz schreibt dazu: „Das hängt damit zusammen, wie weit die „Leinwand“ für die Schattenabbildung entfernt ist. Wenn sie zu weit weg ist, dann wird der Schatten zu klein und ist irgendwann nicht mehr zu sehen. Auch wenn die „Leinwand“ nicht eben ist, wird kein Schatten sauber abgebildet. Übrigens, es gibt auch Schatten ohne Glorie, wenn die Tröpfchen nicht einheitlich groß sind“.

Also, so weit so gut. Ganz verständlich ist mir die Sache noch nicht, weil ich dachte, die Glorie sei immer auf Höhe des Schattens zu sehen. Jetzt sieht es so aus, dass es auch anderst sein kann. 

Vielleicht ist ein kundiger Leser dabei, der uns das noch genauer erklären kann. Mich würde das sehr freuen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Vu Sternesinger

Winterliche  Brauchtumsgschicht 

Wie all Johr sind sie wieder do gsi, d` Sternsinger. Über de Huusdere hond sie : C * M * B * mit Kriede ännigmoolet. Wa des eigentlich hoasst , des wisset die wenigschte Liit hit no. Sogar wemmer die kleine Sternsinger frogt, die Buebe und Maidli meischtens vu de Minschtrante oder de Katholische Jugend, saget se meischtens „Caspar, Melchior und Balthasar“. Stimme duets zwar nit, aber e gueti Gedächnisbruck isch es trotzdem. Au Desjohr hond se ihs e Liedli vu de Heilige Drei König usem Morgeland gsunge und ihs e Guets Neis Johr gwinscht. De drei Buechstabe hond sie wieder mit Kriede a de Huusdere-Storz gschribbe und am allerbeschte war, dass sie ihs d` Stubbe mit Weihrauch iigneblet hond. Desell Guu liit denno e paar Dag i iisere „ Mansion“, i iiserm Huuswese. Vor 50 Johr hanni dem Bruuch nimme vill vermacht. Gott sei Dank hann i mi do gherig täuscht.

Me schriebbet dieselle Johr us de Fufzger. Zwische de Johr hond d`Minschtrante , aber au d` Bieble vu de katholische Jugend vu St. Marie, im Mariehuus all Dag Probe kha. De Vikar Kistler, en lange Lulatsch wo mit Hilf vume kleine Honda- Motorrollerle si Dagwerk zwischem Pfarrhuus, em Krankehuus, de Schuele und em Friedhof verrichtet hät, der probt mit iis s` Dreikönigssinge. Rolle wered verdoalt, d` Hääser und Gwänder iidoalt und aprobiert und die Liedli und Segensprich iigstudiert. Desjohr simmer gli 3 Sternsingergruppe. Wunderfitzig spannemer druf wer desjohr de Moorekönig mache word. On isch eigentlich immer scho gsetzt. En Kerli der so kruseligi Hoor hät wie ebe die Schwarze us de Afrikanische Missionsgebiet. Des wissemer well fascht jedes Johr so en Schwarze usem Kongo als Pfarrlehrbue bi iis i de Mariegmond de letzscht Schliff im katholische Pfarrwese kriegt. Dieselle 3 wo de Schwarz König, de Melchior, i de onzelne Gruppe spile mond, wered vor em Uusrucke mit ere dicke Nivea-Crem iigsalbet und denno mit Ruess iipuderet. Daß des bim Abschminke und Abwäsche e Mordsauerei war und mer d` Rescht am andere Dag i de Aadacht all no gsänne hät, hät die Attraktivität vu dere Rolle nit erhöht. Drum hät de Vikar au all Johr e Machtwort schwätze messe. Zum Glick bin i vu dere Rolle all die Johr verschont blibe. Ech war immer en suubere König.

Am Dreikönig- Mittag isches also losgange. Mit ere letschte Hauptprobe simmer, bewaffnet mit em Batterie- betriebene, elektrische Stearn, mit em Rauchfass, mit Gold , Weihrauch und Myrre im Schiffle usgschwärmt um die Frohbotschaft vum Bsuch vu de Heilige Drei König am Krippli z` verkünde. Die sind mit dem Helle Stern am Himmel gi Bethlehem an Heuschopf navigiert wore. Mit iisere Gruppe ische de Vikar Kistler mitgange, mit de zweite de Manus, de Oberminschtrant Karlheinz Stadelmann und mit de dritte de Vize- Oberminschtrant Koni Kunze. Die guete Seele vu de Mariekerch, Stadelmanne Annemie mit de Freundin und Helferin Elisabeth Zink, hond gholfe iis usztafiere, schminke und hond gugget dass mer reacht aagrschierret waret, d` Sptichli kenne hond und au alls parat ghet hond. Iiser Revier war zwische de Millistroß und de Lehe- Friedhofstrooß. De Manus hät d` Eile mit de Käfer- und Herdstrooß kha und de Kunze Koni d` Siedlung; s` Westend. Nebe de liturgische Utensilie war s` wichtigscht Gschier, fascht no wichtiger wie de helle Stern und s` Sammelbichsli , en klepprige Loaterewagge. Des war zwar nit ganz stilgerecht für die Gegend und die Ziit vor 2000 Johr. E Kamel het besser passt. Aber wo nimmsch z Mitts im Winter uff de Boor e Kamel her ? So simmer also loszoge bi Wind und Wetter. Am erschte Huus hät de Sterneträger gschellet und d` Liit hond freundlich d` Huusdere uffgmacht. Bi de Passiv- Katholische hommer d` Sprichli und d` Liedli vor de Derre im Kalte ufgsait. Bi de Aktiv- Katholische im Huusgang und bi de ganz fromme Katholike simmer i die warm Stubbe iiglade wore. De Christbomm hät denno aazunde were messe und s` Weihrauchfass hät nomol kräftig gscherret werre messe.

De Großvater im Ohresessel häts denno fascht gar nimme verschnuufet und hät beischtet und gröchlet. Manchmol hät e Maidli am Klavier gspillt, oder en Bue uff de Giege giigset und gsäget oder d` Klindli uf de Blockflöte mitspille messe. I dene Stubbe isch denno au meeschtens e Papier- Graschel in de Schatzbichs zum vernämme gsi. I dene Huusgangzeremonie häts Minzgeld zwei- dreimol klepperet und i de kalte Huusdiere – Vorführung häts ehnder noch Kupfer glunge. So feingstimmt uff Geld waret iseri Spenderohre scho. S´ hät wenig Fäll ghäe wo entweder gar nit ufgmacht wore isch oder d` Derre vor iisere Nase zuegschlage wore isch. S`näscht Johr hät mer aber wieder oder erscht reacht und no ufdringlicher gschellet. I de seltenschte Fäll aber hät`s d` Herzer doch emol erweicht. Wenn s` letzscht Sprichle vum Balthasar verklunge isch, isch die Sammelbichs oder die Schatulle ufghebt wore. De Caspar hät en Segensproch ufgsait und de Melchior hät die drei Buechstabe : C + M + B über de Huusderebalke mit Kriede ännigschgribe. Eweng ufdringlich und verlege simmer denno no still ummegstande bis d` Hausherrin no eweng ebbis zum Schneigge usigruckt hät. Der Schoklad, die Orange, Mandarine, Spekulatius, Lebkuchebretli oder Niklausmanne sind denno id Pappedeckelschachtle in Loaterewage kumme. So geg Zehni noch 3- 4 Stund war der guet gfillt. Die Füllung war de Gradmesser vum Tageserfolg und war ver iis wichtiger wie de Inhalt vu de Schatulle, Vu dem homm mir jo nint kha. De Vikar aber , der hät mit dem Schatzkäschle bim Stadtpfarr aagäe kinne. Natierli isch unter de Gruppe au e Rivalität gsi wer am meischte Naturalie und au Geld gschefflet hät. I paar Hieser isch au so um achti e Paus gmacht wore wo die güetig Hausherrin en Herdepfelsalot mit Wienerli und Kako grechtet hät zum Ufwärme und zur Stärkung vu dere usdörrte Wüschte- Karawane. A om Obet sind die Sternsingergruppe au immer no bei de Reichin vorbei, bei de Fotographin us de Krankehuusstrooss. Diesell hät iis mit ihrere rauchige, legendäre Brumbassstimm uffgstellt und ännitrapiert, dass es passt hät. Mit erem stadtbekannte Rauchstimme- Kommando : „ Lache !“ , innerlich häsch sowieso scho glachet wege dem uvermeindliche Aapfiff, hät sie des rappeschwarz Tuch hinterm grosse Plattefoto über eren borstige Riebel gleit und unter eme Blitzlichtgwitter vu gli 3 Blitzscherm isch e wunderbar Foto ver s`Album entstande. De Bue, de Xaver, wo au bei de Minschtrante war, hät ver jeden die Bilder innere Minschtrantestund mitbrocht und verdoalt.

So um Zehni sind alli wieder im Mariehuus zemetkumme. Jetzt isch die Beute vu de Loaterwäge abglade wore und Orange, Mandarine, Bretli und Schokoladtafle ufbieget wore. Die drei Karawaneführer hond jetzt akribisch die Schätz gliichmässig a die erschöpfte, daigige Reisende dorchs Morgeland verdoelt. Jeder isch mit eme guet gfillte Leinesäckli vergnüegt, stolz und zfride hoam zottlet. D` Eltere und Gschwischter hond jede Obet gschpannt uf die leibliche Genüsse gwartet und Komplimenter verdoalt. Natierli isch dehoam au fascht alles verdoalt wore. Fascht alles. Bevor i nämli dehom gschellet han und inni bi, hanni no e paar Tafle Schoklad wie e Eichhörnli i de Holzbieg und im Schopf ver knappere Ziite bevorratet und verschobbet. Wenn de no im bissige Winter amel de grösser Brueder vum Vatter usi in Schopf gschgickt wore isch zume Zoane Holz hole zum Kachelofe- Scherre, isch der manchmol mit ere Schokolad- Tafle triumphierend uftaucht und hät den Kako- Nussgenuss grosszügig zum allgemeine Verzehr verdoalt. S` Eichhörnle hät natierli nint verrote kinne woher die Tafle kunnt und schwer ufs Muul hucke messe. Und natierli hät des Hörnle sich schwer gergeret dass des Haselnussdepot vume andere plünderet wore isch. So isch scho mancher Haselnussbosche us Vergesslichkeit usme Versteck ussi gwaase. Gwunderet hät sich des Hörnli aber all, wieso de Bruder so grosszügig verdoalt hät und selber gönnerhaft nu oa gotzigs Rippli khafflet hät. Der Satan hät nämli die ander gfunde Tafle scho vor em Huus rubis und stubbis gfresse. Woni sell mol gschpannt ha, ab dert hanni kapiert dass ech immer nu oa Tafle, also onzeln, weiträumig i de Holzbieg verschobbe sot.

3-4 Tag isch des ergibig Sternsinger- Sammle gange. Und oemol, do kann i mi no ganz guet erinnere, homm mir Mariekerchler 7 000.- Mark gsammlet und hond zu de Sammelkönig vu de Diözese ghert. Sogar im Konradsblättle simer kumme. I dem Johr waret sogar mir genussüchtige Naturaljäger mords Stolz wege dem Mammon der in Schwarze Kontinent gschickt wore isch und wege dem Bericht im Diözesanblättle.
Die drei Buechstabe überm Türestock und de Guu vum Weihrauch im Huus hond sit Johrzehnte iis und iser Huss vor Schade bewahrt und segensriich gwirkt. Sogar alljohr währende de Sternsingerprobe isch iis iibleut wore dass es nit „Caspar, Melchior und Balthasar“ hoasst. Desell Fehler haltet sich au hit no zäh i de Dreikönigsgmonde. Hoasse duet er in Wohrhet : „Christus masionem benedikat“ , wa soviel bedietet, dass Christus des Huus beschütze soll.

Fer iis und villi andere gilt der Spruch gottseidank und glückseligerwiies sit langer, langer Ziit.

Jo so wars , des Buebeglick zEschinge und snächstmol verzell ich eich ebbis über die geheimnisvolle, mystische Loosdäg im Baarschwarzwald.

Karl Merz – der Maler der Baar.
Zum 136. Geburtstag

Karl Merz (3.01.1890 – 10.03.1970)

1. Version war am 14. Juni 2021

Karl Merz wurde am 3. Januar 1890 in Unterbaldingen geboren und ist am 10. März 1970 in Donaueschingen gestorben.

Alte Donaubrücke Pfohren 1921

Alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg 1937

1937 Pfohren
An der Donau bei Neudingen 1929

Im Rathaus in Pfohren hängen die alte Donaubrücke, Wendelinuskapelle und Entenburg und auch der Blick über die Baar von 1937.

Karl Merz machte nach der Schule eine Lehre bei einem Dekorationsmaler und besuchte danach die Karlsruher Kunstgewerbeschule . Von 1909 an war er Schüler unter anderem der Professoren Landenberger und Pötzelberger an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart *.

Mühlengasse in Pfohren von Karl Merz 1936

Im ersten Weltkrieg war Karl Merz an der Front für die Donaumonarchie in Mazedonien, Serbien und Galizien. Mehrfach war er als Kriegsmaler abkommandiert. In den Inflationsjahren verdiente er sich sein Brot vor allem als Porträtmaler in der nahen Schweiz, in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Schaffhausen. Auch in Bad Dürrheim fand der Bauernsohn aus der Ostbaar zahlreiche Porträtaufträge. *

1920 kehrte Karl Merz in seine Heimat zurück und gründete mit Karl Bartels und Hans Schroedter die Künstlergruppe „Maler und Bildhauer Oberbadens“.

Im zweiten Weltkrieg war Karl Merz zum Luftschutzwarndienst eingezogen, tat eineinhalb Jahre in Blumberg Dienst bei der Gendarmerie und wurde im letzten Kriegsjahr erneut zur Wehrmacht einberufen. *

Schellenberg von Karl Merz 1956

Seine Werke mit der Baaremer Landschaften fanden nie den Weg in die Museen der großen Städte, sondern mehr in Rat- und Gasthäuser, sowie ungezählten Bürgerhäusern und Bauernstuben auf der Baar.

Titisee und Feldberg 1950

Foto: Erich Spiegelhalter 2023

In Donaueschingen war im im August 2024 eine kleine Ausstellung im blauen Rathaus und dort waren auch zwei Bilder von Karl Merz ausgestellt. Diese zwei Bilder sind ein Gemälde von Titisee mit dem Feldberg und das Trachtenbild mit der Frau seines Neffen, Ursula Merz.

Schwenninger, Villinger und Donaueschinger Tracht. In Villinger Tracht Ursula Merz.
Gretle und Hansel,
Donaueschingen von 1950

Der Bruder von Karl Merz war Eugen Merz. Eugen Merz sein Sohn war der in Villingen berühmte Schemmenschnitzer Manfred Merz. Die Dame in Villinger Tracht oben ist Ursula Merz, die Frau des Schemmenschnitzers Manfred Merz. Ursula Merz wurde nach dem Tod ihres Mannes von weitläufiger Familie enterbt und in ein Pflegeheim abgeschoben wo sie 2018 verarmt und einsam starb.

Postkarte von Andreas Weißhaar aus den Kommentaren unten.
Das Ölgemälde von 1929 befindet sich irgendwo im Besitz der Stadt Hüfingen.
Foto aus dem Jahr 1953

Allmendshofen Kirchplatz

Auf der Insel Hüfingen

Hasewäldle Hüfingen

Härlefalle Hüfingen

Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund
Härlefalle 1940 mit Tor im Hintergrund

Bregspiegel Hüfingen

An der Breg Hüfingen

*Infos von einem Zeitungsschnipsels von Lorenz Honold etwa 1980

Wegerecht für alle!

Keine Wegverlegung in die Biberauen am Höllenstein!

Das Mühlöschle ist heute mit einem Gewerbegebiet überbaut

In Hüfingen konnte die Besiedelung schon im Endneolithikum nachgewiesen werden. Diese Zeit ist ca. 2800–2200 v. Chr. und bezeichnet die jüngste, neolithische Unterstufe am Übergang zur Bronzezeit. Es wird mit dem Beginn der „Schnurkeramik“ gleichgesetzt. Siehe auch Fürstenberg und Ziegeleschle.

Es gab schon vor dreitausend Jahren um die Breg recht viele Menschen. (Unten ist der Artikel aus dem Gräberfeld im Mühlöschle. )
Die Seemühle wird am 1. März 1291 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Menschen konnten sich nachweislich seit dreitausend Jahren frei zwischen der Seemühle, dem Höllenstein, dem Rotrain und dem Ziegeleschle bewegen.

Im Jahr 1820 hat Fürst Karl Egon mit Hofrath Anton Baur und zusammen mit Freunden der Natur den Weg ausgebaut und einen neuen Steg über die Breg zum Römerbad gebaut. (Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845). Dies war nötig, da es zum einen an der Breg entlang gefährlich war, aber man auch einen Steg benötigte, um auf die andere Seite zu gelangen. Vermutlich war dort auch früher schon ein Steg, da die Menschen vom Mühlöschle in das Ziegelöschle mussten. Unser Alt-Bürgermeister, Anton Knapp, hat diesen Steg wieder bauen lassen. (Bregbrücke).

Heute wird der Weg von vielen Hüfingerinnen und Hüfingern als Naherholungsgebiet genutzt. In den Auen vom alten Mühlenbach, Steinerbächle und Höllenstein leben mindestens zwei Biber und es ist nicht nur ein Biotop, sondern zählt auch als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet).

Wir wollen ein Wegerecht für alle auf den Wegen wie sie seit 3000 Jahren bestehen!

Ein Gräberfeld im Mühlöschle aus der Bronzezeit

8. August 2022

Bei den Ausgrabungen auf dem Mühlöschle wurden im Jahre 1958 zwei urnenfelderzeitliche Gräber gefunden, die von den römischen Anlagen nicht gestört worden waren.

Die Urnenfelderkultur bestand etwa von 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr. in der Urnenfelderzeit. Der Bestattungsritus (Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und die Beisetzung des Leichenbrandes in Urnen) ist durch weitere Kriterien, wie typische Bronze- und Keramikformen, definiert. Die Urnenfelderkultur folgt der Hügelgräberkultur der mittleren Bronzezeit.

Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle
Foto: Karl Schweizer

Grab 1 lag unter dem westlichen Graben der römischen Straße in etwa 1,20 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche, Grab 2 lag in 80 cm Tiefe. *

Beide Gräber durften zusammen mit einer Bronzenadel, die während der Grabung 1957 als Einzelfund geborgen wurde, der Beweis dafür sein, dass sich in der Breg-Schleife, die später von der römischen Siedlung eingenommen wurde, ein urnenfeldzeitliches Gräberfeld befunden hat. *

Ausgrabungen 1958 auf dem Mühlöschle
Foto: Karl Schweizer

Beide Gräber waren echte Urnenflachgräber ohne weitere erkennbare Grabanlage, bei denen sämtliche Beigefäße und sonstigen Grabbeigaben innerhalb der Urne auf dem Leichenbrand niedergelegt waren.*

Hier eine Liste der Funde von Edward Sangmeister:

Liste der Funde aus Grab 1 (1)
Urne und Beigefäße der Urnenfeldgräber im Mühlöschle (2)
Liste der Funde aus Grab 2 (1)

Beide Gräber seien Musterbeispiele für die gegenseitige Durchdringung der untermainisch-schwäbischen und der rheinsch-schweizeischen Gruppe im Gebiet des Hegaus.

Die Kegelhalsurne aus Grab 1 tendiert gerade wegen ihres Kegelhalses zur untermainisch-schwäbischen Gruppe während in der Verzierung die Halbbuckel, vielleicht auch die Reihe stehender schraffierter Dreiecke auf die rheinisch-schweizerische Gruppe hindeuten.

kammstrichverzierter Schulterbecher (1,2), kannelurenverzierter Schulterbecher (3), flache Deckschale mit Innenverzierung aus Kanneluren (4), Kegelhalsurne (5),

Schalen und Schüsseln mit schwach gewölbter Wandung

Ganz eindeutig zur untermainisch-schwäbischen Gruppe dürfte die Amphore gehören.

Amphore (1), Urne (5), Schulterbecher (3, 7), Schalen (2, 4), flaschenartiges Gefäß (6)

Aufgrund der Keramik ist eher an eine Zugehörigkeit beider Gräber zur rheinisch-schweizerischen Gruppe zu denken, während nur in den Urnen und in der Amphore der Einfluß der untermainisch-schwäbischen Gruppe zu spüren ist.


Urne bei der Ausgrabung 1958
Foto: Karl Schweizer

bronzene Mohnkopfnadel (2), schwalbenschwanzförmiger Anhänger (6a), Anhänger in Kammform mit blitzähnlichen Auswüchsen am Aufhängering (6b),

Eine Begegnung zwischen den Kulturen am Rande der Baar wird durch den Einzelfund der Mohnkopfnadel vom Bereich des ehemaligen Urnengräberfeldes Hüfingen deutlich, mag sie doch belegen, dass hier der Friedhof vielleicht schon in dieser Stufe begann.

Wir befinden uns in einer Zone des Austauschs von Kulturelementen, der in der schwierigen Deutung der letzten Bronzezeiterscheinungen schon faßbar, in der Auseinandersetzung der untermainisch-schwäbischen und der rheinisch-schweizerischen Gruppe der älteren Umenfelderkultur fortgesetzt und in der Vorrangstellung der Schweiz in der jüngeren Urnenfelderkultur besonders deutlich wird. (1)

Edward Sangmeister meinte 1962, dass die Gräber sicher aus Ha A2 seien.

Urnenfeldkultur in Hüfingen

Die Urnenfelderkultur wird in mehrere chronologische Stufen eingeteilt, die als Bronzezeit D, sowie Hallstatt A und B (Ha) bezeichnet werden, da die Unterscheidung zur eisenzeitlichen Hallstattkultur zunächst undeutlich war.

So haben wir hier die späte Hallstattzeit A2. Diese war 1100 v. Chr. bis 1050 v. Chr.

Also sind die Gräber gut 3.000 Jahre alt.

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Grabungen im Mühlöschle 1958. Fotos von Karl Schweizer.


(1) Gräber der Urnenfeldkultur von Hüfingen, Ldkrs. Donaueschingen, Edward Sangmeister, Badische Fundberichte, 22. Jahrgang, Seite 9-13 (1962). Vielen Dank an die Universitätsbibliothek Heidelberg für die digitale Version unter https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0447

(2) Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter 1984.

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