Genau 40 Tage nach der Heiligen Nacht ist mit der Weihnachtszeit endgültig vorbei. Das Fest knüpft an das Lukas-Evangelium an, wonach Jesus wie alle jüdischen Erstgeborenen 40 Tage nach seiner Geburt von seinen Eltern zum Tempel in Jerusalem gebracht und dem Herrn „dargestellt“, also geweiht wurde.
Bis Lichtmess wurde früher in den Abendstunden und bis lange in den Morgen hinein bei Kerzenlicht gearbeitet. Die Menschen haben in der immer länger dauernden Dunkelheit das Wirken böser Mächte gesehen, die mehr und mehr Gewalt über die Erde gewinnen wollten. Am Michaelistag sollten die Gläubigen daran erinnert werden, dass Gott Macht hat über Kälte, Unbarmherzigkeit und Tod.
Der Erzengel Michael gilt als Lichtbringer in der Dunkelheit, als derjenige, der die Seelen der Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits begleitet. Er gilt als Bezwinger des Satans in Gestalt eines Drachens. Michael wird mit den Attributen Waage und Flammenschwert dargestellt.
Ein alter Brauch ist es, am Vorabend vom Tag des heiligen Michael im Haus eine Kerze und draußen ein Feuer anzuzünden. Das Michaelislicht zeigt, dass man nun bei der Arbeit wieder Licht braucht. Als es noch keinen Strom gab und Kerzen teuer waren, wartete man bis zu diesem Datum damit. Nach dem 2. Februar musste es dann erneut ohne künstliches Licht gehen:
„Wenn’s zur Lichtmess stürmt und schneit – is des Frühjahr nimmer weit!„ „Is zur Lichtmess hell und rein, wird es no a langer Winter sein!„ „Lichtmess im Klee — Ostern im Schnee!„ „Maria Lichtmess bläst das Licht aus, St. Michael zündet’s wieder an.„
D‘ Liechtmeß duet a d’Sunn sech loane. s‘ Büebli blooset d’Liechtli uus, d’Feischterschiibli frindli blinzelt, ghuuchet g’frorni Blüemli druus.
s‘ knöschbelt scho im Gart d’Schtuude und de Dag bliibt länger schtau. A de Kunkle ’s Wearch isch gschpunne umme ischt z’Hogarde gau.
’s Waas ischt geweiiht und liit im Zeänli, Kerze schlank und Schtöcki klei. D‘ Modder duets zmol liebli schtriichle. ’s ischt e Taufkerz‘ schint’s debei.
ergänzt mit Fotos und Infos, Originalbeitrag vom 16. Dezember 2022
Der Leinenweber, bzw. Tuchmacher Johann Martin Nober wurde am 9.01.1688 in Hüfingen geboren und verstarb ebenda am 27.11.1741. Ein Enkel, Joh. (C)Kaspar Nober (1765-1842) wurde Tuchmachermeister und kaufte das Haus an der Hauptstraße 5.
Katharina Schelble, geborene Götz (1760-1847)
Sohn Johannes Evangelist Nober (18.10.1806-11.02.1887) heiratet Katharina Schelble (1806-1871, Tochter des Korrekturhausverwalters Franz Josef Schelble und Katharina Götz). Mit der Heirat wird Luzian Reich der Ältere sein Schwager, da dieser mit der Schwester von Katharina, Josepha Schelble, verheiratet ist. Der Bruder der beiden Schwestern ist der berühmte Musiker Johann Nepomuk Schelble.
Die Fabrikantenfamilie Nober betreibt auch eine Weberei außerhalb in der Donaueschinger Straße.*
J.C. Nober ist hier der Sohn Johann Evangelist Nober 16.10.1806 -11.02.1887
Die Anfänge des Hauses Hüfingen Hauptstraße 5 sind nicht geklärt.
Haus J.C. Nober etwa 1900
1953
Haus Nober 1910
Haus J.C. Nober etwa 1930
1978
Haus Nober 1998
Die Hauptstrasse als wesentlicher Teil der Vorderstadt scheint nach einem Brand irgendwann um 1400 erbaut worden sein. 1702 Abriss des alten oberen Schlosses und Beginn eines Neubaus durch die Fürstenberger. Es werden auch Steine des alten hinteren Schlosses verwendet. Bis 1744 wohnte der Fürst von Fürstenberg zeitweise selbst im Schloss.
Das Haus Hauptstraße 5 muss irgendwie mit dem Schloss zu tun gehabt haben und möglicherweise auf Grund der Stilrichtung in Richtung Barock zwischen 1702 und 1744 errichtet oder wenigstens modernisiert worden zu sein.*
Auf einer Karte von 1786 besitzt das Haus schon den heutigen Grundriss (leider keine Quelle in dem Zeitungsartikel).
Alle Bürger Hüfingens, egal welchen Handwerks, hatten im Nebenerwerb noch etwas Landwirtschaft und so hatte auch das Haus Hauptstraße 5 noch bis 1960 eine Scheuer und noch Relikte von Aufbewahrungsräumen und möglicherweise kleine Stallungen.
Ende 18.Jhd war es nachweislich das Gasthaus zur Sonne.*
Das Sonnenkreuz trägt im Fuße des Sockels die Jahreszahl 1783
Thomas Winterhalder von der Kalten Herberge (Urach) hatte das Haus 1811 gekauft und war bis 1816 als Besitzer und Wirt eingetragen. Winterhalder war mit Maria Mayer (1769 –1813 ) verheiratet und hatte 8 Kinder, ein Sohn war Matthä Winterhalder (23.07.1799-18.11.1863). Thomas Winterhalder war Uhrmacher und dessen Sohn gründete ca. 1850-1860 die Firma Winterhalder und Hofmeier (W&H, Schwärzenbach). (Infos per E-Mail von Dr. Peter Schlesselmann).
Nach dem Tod von Maria Mayer hatte Winterhalder das Haus 1815 an seinen Pächter Fischerkeller verkauft und zog nach Fiedenweiler. Er hatte aber noch eine Hypothek von 2500 Gulden auf dem Besitz.
Im Jahre 1823 erwarb urkundlich Johann Caspar Nober das Haus Hüfingen Hauptstraße 5 durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder bzw. seinem Pächter und seit 1815 auch Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller (30.6.1781- 25.8.1853).
Fischerkeller war mit Martha Engesser verheiratet (seit 1813) und baute sich ein neues Gasthaus zu Sonne an der Schaffhauser Straße.
Fischerkeller musste diese “Winterhalder- Hypothek“ auf sein neues Anwesen übertragen, damit J.C. Nober den vollen Kaufpreis an Fischerkeller bezahlen und die Eigentumsübertragung erfolgen konnte. *
Hier ruht Johann Babtist Fischerkeller geboren zu Donaueschingen den 21ten August 1749. gundler Kaplan zu Jungnau druch 13 – zu Kaseifingen G_ und endlich dazu ad 6. Blasium durch 26 Jahre ? seine irdische Laufbahn den 21 ten Juny 1852. Gott gebe Ihm und allen ? die Ewige ? Amen
Aufnahme „Fischerkeller“ von 1880. Vermutlich Ferdinand oder Mathias, Gastwirt zur Sonne
Caspar Nober stellte im Haus Webstühle auf und betrieb eine Woll-und Textilweberei. Er hatte das Geschäft der Weberei von seinem Vater, Johannes Nober (16.12.1719-13.09.1788) und Großvater Martin Nober (9.01.1688 -27.11.1741) erlernt. (Fa. Martin Nober und Comp).
In dem Universal Lexikon von dem Großherzoglichen Baden von 1843 steht unter anderem: „Hüfingen hat 238 Häuser…. Herr Xaver Reich hat hier ein Bildhaueratelier…. In diesem Schloss wohnen gewöhnlich die Witwen aus der Fürstenbergischen Familie. Unweit des Schlosses steht eine Nobersche Spinnmaschinenfabrik für Tuchweber, wobei 12 Arbeiter beschäftigt sind…..“*
Später betrieb Caspar Nober zusammen mit seinem Sohn Johann Evangelist Nober die Weberei in noch größerem Stil in der Schaffhauserstraße (nach dem 2. WK Schreinerei Schelble). Firma Caspar Nober und Sohn.*
Maria Heinemann (23.12.1857-19.05.1948)
Maria Josepha Heinemann am Brunnen an der Hauptstrasse 52 mit ihrer Cousine Elisabeth Heinemann (Grießhaber). Maria Heinemann war die Tochter von J. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich, der Tochter von Luzian Reich.
Marie Heinemann und Joh. Karl Nober
Maria Nober (geborene Heinemann) im Jahr 1878
Johann Evangelist jüngster Sohn (von 14 Kindern), Johann Karl Nober (11.04.1850-11.12.1920) heiratete Maria Josefa Heinemann (23.12.1857-19.05.1948) die Enkeltochter von Luzian Reich und Tochter des Litographen Joh. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich. Sie übernahmen später die Hauptstraße 5, handelten dort mit Woll- und Textilwaren und nannten sich J.C. Nober, wie schon der Vater in seiner Todesanzeige. Das Gründungsdatum des Geschäftes wurde auf den Beginn der Nobers in diesem Haus mit 1823 festgeschrieben.
Eingang mit alter Tür 1974
Glasnegativ von Wilhelm Kratt (1869-1949), Generallandesarchiv Karlsruhe
Die Spinnerei in der Schaffhauser Straße wurde von seinen Brüdern weiterbetrieben und wurde 1875 geschossen.*
Robert Rosenstiel und Klara Nober. Im Hintergrund das Gemälde von Marie Heinemann.
Das Wollgeschäft des Johann Karl Nobers funktionierte erfolgreich weiter und wurde später an den Schwiegersohn Robert Rosenstiel aus Unadingen übergeben.
Maria Josepha Nober, geborene Heinemann in der Hauptstr. 5
*Alle Daten und Infos sind aus dem Sippenbuch von Hüfingen und den unten aufgeführten Zeitungsausschnitten.
Hüfingen, 15. März 1927 Zur Zeit läßt Herr Kaufmann Robert Rosenstiel in seinem alten Patrizierhaus dem ehemaligen Gashaus zur Sonne die Zimmer renovieren. Dabei wurden im oberen Stock die Deckengemälde blosgelegt, von deren Vorhandensein die Familie wohl Kenntnis hatte, aber nie wußte, was die Gemälde darstellen und welchen Charakter und Kunstwert sie haben. Dann seit Jahrzehnten sind die Gemälde übertüncht gewesen und nur die reiche Stückarbeit im ganzen Obergeschoß verriet, daß hier echte Heimatkunst einmal herrliche Räume geschaffen hatte. Die ganze Lamperie zeigt später eingemalte Jagdszenen. An der Decke wurden nun die Bildwerke in den reichumrahmten Feldern wenigstens zum Teil frei gelegt. Es stellt sich heraus, daß lauter biblische Bilder wohl aus dem 18. Jahrhundert an die Decke gemalt sind und zwar ist die Geschichte des ägyptischen Josef in verschiedenen Szenen dargestellt, Josef wird von seinen Brüdern verkauft, Josef und das Weib des Buthiphar, Josef als König, wie er sich zu erkennen gibt etc. Wenn einmal die Bilder wieder von kunstfertiger Hand hergestellt sind, dann besitzt sicher Herr Rosenstiel eines der schönsten Häuser weit und breit. Die Familie bewahrt auch noch eine ganze Reihe von kunstvollen Schnitzarbeiten, Zeichnungen, Bildern und allerlei anderen Kunstgegenständen aus dem Nachlaß der Hüfinger Künstlerfamilien Heinemann-Reich als kosbare Erbstücke auf, denn Frau Rosenstiel ist die Enkelin des Lithographen J. Nep. Heinemann und amit mit den Künstlern Luzian und Franz Xaver Reich und Gleichauf verwandt oder verschwägert. Herr Rosenstiel weiß den reichen Familienschatz wohl zu würdigen.
Zeitungsartikel von 1927
Wappen Rosenstiel
Zeitungsartikel unbekannter Herkunft und Datum
Das Geschlecht der Tuchmacher und Wollenweber Nober war in den Kirchenbüchern der katholischen Pfarrei Hüfingen seit 1596 erwähnt. In direkter Linie können folgende Ahnherren festgestellt werden: Georg Nober, geboren am 2. Juni 1679, Johannes Nober (28. Dezember 1641 bis April 1690), Johann Martin Nober, Tuchwalker (9. Januar 1688 bis 27. November 1741), Johannes Nober, Leineweber und Tuchmacher (16. Dezember 1719 bis 13. September 1788), Johann Caspar Nober, Tuchmachermeister und Leineweber (13. Dezember 1765 bis August 1842), Johann Evangelist Nober, Kaufmann und Tuchfabrikant (18. Oktober 1806 bis 11. Februar 1887), Johann Carl Nober, Textilkaufmann (11. April 1850 bis 11. Dezember 1920), Robert Rosenstiel, Textilkaufmann (4. Juni 1887 bis 3. Dezember 1960), verheiratet mit der einzigen Tochter Clara des Johann Carl Nober (am 22. Oktober 1912).
Erwerb des Geschäftshaus in der Hauptstraße am Tor 1823 durch Johannes Caspar Nober und zwar durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalter, Vormals aus Friedenweiler bei Neustadt, beziehungsweise seinem Pächter und Nachbesitzer Johann Baptist Fischerkeller, Gastwirt zur Sonne (30.Juni 1781 bis 25. August 1853), der seit 18. November 1813 mit Martha Engesser verheiratet war und sich ein neues Gasthaus zur Sonne vor dem Tor an der Schaffhauser Straße an der Abzweigung nach Freiburg erbaute. Die Ehefrau des vormaligen Sonnenwirts Thomas Winterhalter, Maria Mayer, geboren 1769, war am 20. Juni 1813 kinderlos gestorben. Dieser hatte das Haus um 1815 an den oben genannten Johann Baptist Fischerkeller verkauft, hatte aber noch eine Hypothek von 2500 Gulden auf dem Anwesen, welche dann von Fischerkeller auf seinen Neubau übernommen wurden, so dass Caspar Nober den Kaufpreis ganz an Fischerkeller zu bezahlen hatte.
Gründung der Firma J. C. Nober: Sie ist auf 1823 datiert. Daß der »Handel mit Wolle und Wollenwaaren schon vom Vater des Johann Caspar Nober unter der Firma Martin Nober & Comp. und später unter der Firma Caspar Nober & Sohn, ferner, dass Johann Evangelist Nober das Geschäft des Wollenwaaren-Handels bei seinem Vater erlernt und betrieben habe«, geht aus einen Zivilprozess des Jahres 1839 (16. April) »in Sachen des Handelsmannes Limberger und Comp. von hier, Kläger, gegen den Tuchmacher Johann Evang. Nober wegen Beeinträchtigung im Handelsgewerb« beim Bezirksgericht Hüfingen hervor.
Tuchfabrik und Wollweberei: Diese betrieben Johann Caspar und Johann Evangelist Nober in Hüfingen an der Schaffhauser Straße (jetzige Schreinerei Schelble). Diese konnte unter den Brüdern des Johann Carl Nober um 1875 den Anschluss an das Maschinenzeitalter nicht mehr finden und ging als Handwerksbetrieb in den folgenden Jahren ein. Nur das Handelsgeschäft mit Textilwaren und Wolle wurde von Johann Carl Nober im Haus Hauptstraße 5 und später von dessen Schwiegersohn Robert Rosenstiel unter der Firma J. C. Nober, Textilwaren und Garngroßhandlung, weiter betrieben.
Ofen in der Hauptstr. 5
Zeitungsartikel unbekannter Herkunft etwa aus 1990 vermutlich von von Franz-J. Filipp
Die Josefsgeschichte an der Stuckdecke
Bilder aus der Genesis im Obergeschoss
Hüfingen (ff). In fünf Bildszenen dokumentiert ist im Gebäude Rosenstiel-Nober in Hüfingens Hauptstraße im zweiten Obergeschoss die so genannte Josefsgeschichte als Deckengemälde, eingefasst in Stuck. Thema ist die biblische Erzählung, die auch Stoff für Thomas Manns Roman, aber auch für das Musical zum Thema Josef waren. Ein historischer Kern mag sicher vorhanden, aber nicht belegt sein. Literarisch ist die Josefsgeschichte als Novelle zu betrachten. Wie die Geschichte erzählt, begegnet der zweitjüngste Sohn des Erzvaters als Siebzehnjähriger Jakob (Genesis 37 bis 50, Ps 105). Wegen der Bevorzugung durch den Vater und seiner Träume, die einen Vorrang vor seinen Brüdern und sogar vor seinen Eltern ausdrückt, erregt er den Hass seiner Brüder. Die Absicht der Brüder, ihn zu töten, wird wegen des Einspruchs von Ruben, dem Ältesten, und von Juda nicht ausgeführt. Er wird aber als Sklave an eine ismaelitische Karawane mitgegeben und durch diese nach Ägypten verkauft. Dem Vater wird der Tod durch ein wildes Tier vorgetäuscht. Der reiche Ägypter Potifar kauft Josef schließlich als Sklaven.
Das erste Motiv der Deckengemälde stellt die Brüder Josefs dar wie sie ihn an ägyotische Kaufleute verkaufen. Dieses Deckengemälde wurde durch Bombenabwürfe in der Nähe des heutigen Bürgerhauses Krone im Kriegsjahr 1945 in Mitleidenschaft gezogen.
Ein weiteres Bild zeigt den Versuch der Verführung Josefs im Hause Potifars durch dessen Ehefrau.
Das zentrale Motiv, das heute jedoch durch eine Zwischenwand zerteilt wird und deshalb in seiner Bildaussage nicht erkennbar ist, stellt eine Traumszene des König mit sieben mageren und sieben fetten Kühen dar. Das vierte Bild unmittelbar über dem Eingang zur Wohnstube von der Treppe zeigt ein Gastmahl, zu dem Josef als Verwalter der königlichen Kornspeicher eingeladen hatte. Auf einem abgebildeten Becher ist die Jahreszahl 1748 zu erkennen, was Rückschlüsse auf das Alter der Gemälde zulassen dürfte. In der letzten Szene direkt am Fenster zur Hauptstraße ist Josef schließlich mit seinen Brüdern zu sehen.
Für Theo Wössner, den langjährigen Vorsitzenden des katholischen Bildungswerkes Hüfingen und dessen Frau die in dem Haus früher gewohnt hat, sind die Darstellungen »einmalig«, wie er erklärt. Und Klaus Sigwart, der Hüfinger Restaurator, verweist in diesem Zusammenhang auf Bürgerhäuser in Villingen. Dort konnten sich die Gemälde in den Stuben lediglich nur wohlhabende Bürger leisten.
Zeitungsartikel vom 19. Juni 2004 von Franz-J. Filipp
Biblische Szenen über dem Sofa
Hüfingen. Strategien und Lösungsansätze für den Einzelhandel, ein Thema mit dem sich schon bald der neu gewählte Gemeinderat beschäftigen dürfte. Doch mit dem Ankauf des Hauses Rosenstiel-Nober hat die Stadt Hüfingen zugleich auch ein historisches Erbe angetreten.
Das alte Gemäuer entpuppt sich für Bürgermeister Anton Knapp und Stadtbaumeister Ewald Fürderer bei einem ersten Rundgang als kleines Schatzkästchen. Vor allem die in Stuck gefassten Deckengemälde sind älteren Datums und eine Rarität, direkt über dem Wohnzimmersofa der heutigen Wohnungsmieter.
Und was von der Straßenseite hinter der in früheren Jahren sanierten Fassade kaum zu vermuten ist, Türen, Holztäfelungen oder Fußböden scheinen ebenfalls die Jahrhunderte unbeschadet überstanden zu haben. Bis auf das Ladengeschäft mit einer Nutzfläche von 184,5 Quadratmetern im Erdgeschoss geben die alten Holzdielen auf den 183,9 Quadratmetern im ersten Obergeschoss knarrende Stadtgeschichte preis. Mit zum Teil alten Schlössern bewehrte Tü-ren, dem alten Kachelofen oder durch die Trennwände mit kunstvollen Schnitzereien eröffnet das Haus Rosenstiel-Nober zugleich den Blick auf ein Stück Stadtgeschichte.
Weitere 191,7 Quadratmeter Nutzfläche stehen im zweiten Obergeschoss zur Verfügung.
Hüfingens Verwaltungschef möchte zudem die Idee eines Dienstleistungszentrums in dem historischen Gemäuer mit den neu gewählten Bürgervertretern voraussichtlich noch vor der Sommer im Rahmen einer Klausurtagung gemeinsam mit der Komm-In GmbH aus Sternenfels zur Diskussion stellen. Ziel soll es dabei sein, Dienstleister in der Kernstadt zu halten. Das Konzept von Dienstleistungen, etwa der Stadtverwaltung oder von Banken, sowie Lebensmittelhandel oder Bäcker unter einem Dach als modulares System soll durch interessante Öffnungszeiten etwa an Samstagen neue Impulse zur Belebung der Innenstädte bieten und »Tante-Emma-Läden«, überlebensfähig machen. Träger der Zentren können dabei Kommunen oder Investoren sein.
Der letzte Zeitungsartikel über das Haus war am 9. Januar 2014
Zeitungsartikel über das Haus am 9. Januar 2014 von Stephanie Jakober
Bauantrag aus dem Jahr 2020
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2020
Seit 2019
Seit 2020 Krav Maga umgezogen ist, steht das Gebäude leer. Im Jahr wurde 2020 dem Gemeinderat ein Bauantrag gezeigt und die Baufreigabe erfolgte im Dezember 2022. Im September 2023 gab es kurzfristig einige Aktivitäten und am Fenster des Zimmers mit dem Tanzboden und dem Gastraum mit den Wandbemalungen aus 1748, wurden ermordete Fische getrocknet.
Laut Landratsamt würde „das Vorhaben von einem denkmalerfahren Architekten begleitet“.
Was also mal übrig bleibt von den barocken Kunstwerken steht in den Sternen.
E anders, eher eweng uuchrischtlichs Brauchtum, lauft zwische de Johr uff de Boor und im Wälderwald no i winzigkleine, kum wohrnembare Restrelikt ab. De Kult vu de Raunächt oder de Lostäg. Begnet ischer mir nu no bi de Oma Paula. Freya war eren zweite Name und des hät scho eweng ebbis heidnischs a sich. D Freya ghert zu dene Göttinne die zemet mit ihrem Göttergatte Wotan a de ewige Tafelrunde ufem Bergfried Asgaard alldag usgibig feschtet. Dert word s` Wetter idoelt und verkartet. Natierli word zwische de Johr de Plan ver die näschte Monde uusdenkt. Die versoffe, verlotteret und verkumme Bande striitet natierli gherig und jeder wills besser wisse. I dere Ziit schicket sie au ihr Wildes Heer dorch d` Lüft zum d` Liit verschrecke und willfährig halte. Natierli au dorch de Schwarzwald und die rau Boor.
Am Heilige Obet, eweng hoamlich und verduckt, hät d`Oma Paula zwölf Zwiebel- Hälftene zuegschnitte. Die hät sie uff de Stubbefenschterbank i Reih und Glied gleit und i jede Zwibelmulde e Schechli Salz gstreut. Jetzt hät die akkurat usgrechtet Reihe nähmert meh aalange oder verrucke derfe. Jede Dag hät sie die Schäleli aaguckt und uf en Rodel uffgschriebe, ob und wie viel Wasser des Salz i dere Zwibelmulde zoge hät und ob sogar e kleine Lache i de Zwiebelhälfti war. Je noch Zuestand vu dene Schäleli, jedes hät on Monet vum kummende Johr abzoachnet und dargstellt, hät sie gwisst, wie s` Wetter im kummende Johr word. Ob im Heibet mit Soachwetter zum rechne wär, ob s` Öhmt guet und wohlriechend reesch word, d` Herdepfel ufem Feld halb verfuulet usi ghacket were mond oder ob sie bim Rieswelle mache im Herbscht all Dag de Regeschobbe bruucht und ob mer im November scho Schnee schoore muess. Natierli hät ver sie nu der Wetterkalender golte und bim beschte Wille hät sie kon Fehler i dem Bruuch enddecke kinne. Des Orakle hät besser battet wie de Hundertjährig Kalender us em Lahrer Hinkende Bote. Losdäg waret des also, die 12 Däg zwischem Heilige Obet und Drei König die des Los vum kummende Johr entschiede hond. En zweite Bruuch hät sie hählinge am Morge vum erschte Weihnachtfiertig, no bevor sie is chrischtlich, weihnachtlich Hochamt gange isch, zelebriert.
Ufem Hoamweag vum Amt häts se vu dere Verrichtung am Morge dene andere Hochamtswieber natierli nint verzellt. Sunscht wär sie uusglachet und versecklet wore wege ihrem altbachene Bruuch und Glaube a so Fürz. Am Festdagsesse isch dodevu au nint verzellt wore. De onzig Hiwies war der breselig und rauchig Guu der im Huuswese glege isch. D` Biebli hond zwar gfroget wa des fer Zwibelschnitz uf em Fenschterbank wäret. Aber do war sie eher eweng verstockt und verdruckt. Wemer no nochem Kaffe d` Äsche i dem gußiisene Holzliim-Pfännli mit dene 3 Fiess ufem Bord i de Kochi entdeckt hät, hät mer gwisst: Hit hond Raunächt aagfange. Eigentlich hoasset sie Rauchnächt. I dene Nächt wered ebe d` Hieser, de Stall, d` Schier, de Schopf, d` Schlofkammere und d` Stubbe usgräucheret. Räuchere isch en uralte, oefache und wirkungsvolle Haltbarkeitsvorgang. Bim Speck, au bim Pfohremer Boschespeck, merkt mers am allerbeschte. Also isch mer mit eme Kächeli oder eme Pfännli i des usem Kachelofe e weng Holzkohle gfillt war, dorch die ganze Räum aadächtig und ernst gange und hät debei so mystische quinkili- quankili – Sprich bruddlet. Und so hät mers s` Huus und s` ganz Huuswese uusgräucheret. Vu Böse Geischter, Uugziffer, schlechte Gedanke, Hexereie und Boshaftigkeite befreit. Des mit dem Räuchere kamer i allne Religione beobachte, sogar ebe i de heidnische, keltische – germanische- druidische Ritual. I dem Leimpfännle sind no wohlriechende, reinigende Kräuter usem Garte wie Holunder, Reckholder- Juniperuswädel saut mer z Aamedshofe, Pfefferminz und vor allem de reesch gweiht Palmewedel vu de Krieterbuscheleweihe verkloschteret wore. Mit dem qualmende Rauchgschirr wo d`Oma no e Rietere druff dau hät, dass jo koa Glut de Heistock azindet, isch sie hählinge dorch s` Huus zoge und hät ebe uusgräucheret.
Zu dene Losdag und de Rauhnächt hond die phantsievolle Volkskundler immer wieder mol ebbis Netts dezuedichtet, vu wege dass mer a dene Täg koe Wäsch wäsche sot, d` Träum uff bhaalte sot, also nit verzelle sot, e Münz in Brunne lege und vieli andere Gschechtle, halt netti Märli dezue gfummlet. Des poesievollscht devu isch aber doch der mit em Stall. I de erschte Raunacht, des isch die Heilig Nacht, soll neamert de Stall betrete und dä ummemuuse und loschore. Weil i dere Nacht, und nu i dere Nacht, s` Vieh mitenand schwätze kennt und des au dät. Natierli hät do scho mancher wunderfitzig Buur des uugschribbe Naturgsetz nit iighalte und doch heimlich gloset und gschächt und denno mitkriegt wie s` Vieh über ihn , den grobe Buurekerli, goschet und gschnorret hät. Und jähzornig wie mancher Buur ebe au war, hät er den vorluute Ochs mit de Goassle gschlage und verdescht. Do hond sich aber die geduldige, gütige, alldag selli freigebige, milchspendende, jetzt aber so gedemütigte, hintergangene Kühe mol grausam grächt und de Buur gnadelos i de Raufe verdruckt. Sit des im ganze Gai verzellt wore isch hond sie Ruhe, die Kühe i dere Nacht, und kennet usschweifend und theatralisch die ganz Nacht zogate. Falls des nit wohr isch, isches zmindscht pfundig und unterhaltsam erfunde.
Wenn a Dreikönig de Bsuech vu dere Königs- Karawane im kleine, krumme Schwarzwaldhiesli bi de Oma Paula aagstande isch und sie andachtsvoll d` Sprichli und Liedli vu de Heilige Dreikönig i de niedere Stubbe aagloset hät, de Chrischtbomm nomol aazunde hät und de Melchior am niedere Huusderekriezstock die drei Segensbuechstabe ännikriedet hät, denno hät sie den Weihrauchfasskönig no aaschwattiert und in Stall gfiehrt. Dä wo vor paar Johr no e Wälderkiehli und e struppige Goass gstande isch, hät er no kräftig Weihrauchkörnle scherre messe und s Fass schwaie messe. Genauso i de Schier. Wenn jetzt no de christlich, de gweiht Weihrauch – Guu im ganze Huus und im Buuretoal glege isch, no hät gar nint meh krumm laufe kenne. Deno hät sie selig und knitz grinset und in de Zueversicht uf e guets Johr no en wiitere Batz i d` Schatulle vum Kollektesammler König gleit.
De Bruuch mit em Sternsinge verhebt immer no, wa mer selli guet gfallt. De zweit isch jetzt noch Johrtausende im Zug vu de Wetterbericht, em minütliche Wetterradar, Meteoblue, Wolkesimulatione im Internet tatsächlich und endgültig am ussterbe. Wenn er au nimme glebt word. Verzelle sot mers trotzdem no und so kenne mers amend no e paar Generationen i de Köpf und ufem Papier und digital uf de Feschtplatte im Hieronymus bewahre und besinnlich, aaregend den alte Bruuch id Erinnerung zruckruefe.
On Sproch us dem Raunacht Brauchtum verhebbt i de Familie immer no und hoesst übrigens so: A Maria Lichtmess (2. Februar eme wiitere Lostag) isch Tag Ess, des hoasst dass mer dä scho wieder im Helle uhni Kerzeliechter am Obet vespere ka. S` isch bald scho wieder so wiet.
Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge, z Gräninge , z Wulterdinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum Kriezwehkriez im Bregtal.
Die Entscheidung des Umweltministeriums zur Tötung von GW2672m
Keine Sorge: wir befinden uns hier mitnichten in Minneapolis, wo derzeit maskierte und bewaffnete ICE-Trupps Jagd auf Einwanderer und unbescholtene Bürger machen. Der Auftrag zur „Entnahme“ des Wolfs GW2672m erging streng nach Recht und Gesetz: in einer insgesamt 21 (!) Seiten umfassenden Entscheidung des Stuttgarter Umweltministeriums über eine Ausnahmegenehmigung vom artenschutzrechtlichen Verbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz zum Nachstellen und Töten geschützter Tierarten. Ihr ist auch zu entnehmen, dass aus geschulten Spezialisten ein Entnahmeteam (dessen Namen im Text geschwärzt sind) zur Tötung bereitsteht. Sein Vorgehen, seine Bewaffnung (mit Nachtsichtgerät) und sein Einsatzgebiet sind minutiös festgelegt, selbst für den Fall, dass sich der Wolf listigerweise im Nationalpark zu verstecken versucht. Zusätzlich hat das Ministerium bei der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg Antrag auf Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung gestellt, wozu sich die anerkannten Naturschutzverbände äußerst kurzfristig zu äußern hatten. Was, alles in allem, den Eindruck verstärkt, dass die Entscheidung zur Entnahme des als gefährlich eingestuften Wolfs als ein politisch hochbrisanter Fall einzuordnen ist.
Denn bei GW2672m handelt es sich um den auffällig gewordenen, in der Bevölkerung auf den Namen „Hornisgrinden-Wolf“ getauften Rüden, dem angelastet wird, dass er sich insbesondere während der winterlichen Ranzzeit in Ermangelung einer artgerechten Partnerin allzu oft Menschen mit Hündinnen genähert hat – und dies auf weniger als 30 Meter! Alle Versuche, ihn einzufangen, zu besendern und zu vergrämen (wie es das Wolfsmanagement des Landes in derlei Fällen vorsieht) seien erfolglos geblieben. „Auch aus Gründen des Artenschutzes“, so äußerte sich bedauernd die NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes, „gilt es zu verhindern, dass sich Wölfe mit Haushunden paaren und sogenannte Hybride bilden“, wozu auch ein zu befürchtender „Wolfstourismus“ beitrage. Die Entscheidung sei traurig, aber nachvollziehbar, meint auch der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle und ergänzt: „Umweltministerin Thekla Walker liegt meines Erachtens richtig, wenn sie jetzt handelt und nicht erst wartet, bis es doch zu einer brenzligen Situation kommt.“ Die Entnahme zeige auch, dass das Wolfsmanagement in Baden-Württemberg funktioniere und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht überflüssig sei – ein Seitenhieb auf den seit Jahren schwelenden Zuständigkeitsstreit zwischen Umwelt- und Ernährungsministerium.
Der Umgang mit „Problemwildtieren“ gilt als besonders delikat, wie man spätestens seit dem Abschuss des im Sommer 2006 nach Bayern eingewanderten (vom bayerischen Umweltminister zunächst willkommen geheißenen) Bären Bruno weiß, nach dessen Ende die öffentliche Meinung plötzlich zu kippen drohte; „Problembär“ ist seitdem zum geflügelten Schimpfwort geworden. Nach welchen Kriterien wird man also wohl das nächste Mal einen „auffällig gewordenen“ Wolf zum „Problemwolf“ abstempeln und zum Abschuss freigeben? Wo es um Isegrims Image hierzulande doch seit den Gebrüdern Grimm, seit Rotkäppchen und den sieben Geißlein, ohnehin noch nie gut bestellt war? Ab wie vielen Nutztierrissen wird es um ihn geschehen sein? Wo anfangs doch auch die Rückkehr der Wölfe noch als Erfolg des europäischen Artenschutzes gefeiert wurde – als hoffnungsvolles Zeichen wider den weltweiten Artenschwund.
In der Badischen Zeitung war heute ein Artikel über das Schlammsaugen im Staufener Stadtsee. Da musste ich an das Schlammsauen in St. Georgen im Klosterweiher denken. Wir hatten damals so etwas angedacht für den Behlaer Weiher. Die Zahlen die damals in Hüfingen behauptet wurden waren um ein vielfaches höher als jetzt die Stadt Staufen benennt mit 220.000 Euro. (Das ist weniger als die Hälfte des Geldes für einen Kunstrasenplatz.)
Wobei Staufen natürlich mit dem Rhein eine viel bessere Möglichkeit hat den belasteten Schlamm an eine Fachfirma zu transportieren. Was ich vor allem spannend finde ist, dass Staufen zuerst mal den Schlamm entfernt, trocknet und dann eine Firma den Dreck untersucht.
Hüfingen ist hier einen ganz anderen Weg gegangen. Erst Abwasser ins Biotop, dann bisschen untersuchen, dann teuere Kamerabefahrung anstatt Kanalplan zu lesen, dann wieder teuere Untersuchungen, dann alles abstreiten und weiter untersuchen. Ich möchte nicht wissen, was dies alles bis jetzt gekostet hat und der Weiher ist immer noch vom Biotop weit entfernt. Aber das wird schon, da bin ich zuversichtlich. Inzwischen haben neue Männer übernommen – und das meine ich nicht polemisch, sondern wirklich wertschätzend. Vielen Dank an unseren neuen Stadtrat und auch Ortsvorsteher von Behla, Johannes Bogenschütz!
Schlammsaugen am Klosterweiher
29. November 2021
In St. Georgen gab es früher eine Benediktiner-Abtei. Um die Mönche mit Fisch zu versorgen, wurde für einen Weiher die Brigach aufgestaut: Der Klosterweiher.
Das Kloster ist längst Geschichte, aber der Weiher erfreut sich heute großer Beliebtheit bei Badegästen, Fischern und auch bei dem Biber.
Zeichnung aus der Reformationszeit mit Darstellung des Grundbesitzes im Umfeld des Klosters (Foto: Wikipedia bei KALCHSCHMIDT)
Im sogenannten Absetzbecken vor dem eigentlichen Weiher hat sich nun jede Menge Schlamm angesammelt.
Diese Problematik und deren pragmatische Lösung der Stadt St. Georgen hat nun auch in Hüfingen für großes Interesse gesorgt. Hier will ich die Technik des Schlammabsaugens der Amodes GmbH allen interessierten Hüfingerinnen und Hüfingern vorstellen.
Mobile Teichschlammentwässerung
Teichentschlammungen werden momentan oft durch eine sogenannt Winterung und Sömmerung gemacht. Das heißt man lässt den Teich austrocknen und baggert dann den Schlamm ab. Dies wurde z.B. erfolgreich im Winter 2004/2005 und im anschließenden Sommer am Unterhölzer Weiher gemacht (1).
Dies ist allerdings sehr zeit- und arbeitsaufwändig, teuer und ein großer Eingriff in den Lebensraum. Die Anlagen von amodes bieten hier eine Lösung.
Der Schlamm wird aus dem Weiher mit einem amphibischen Schwimmsaugbagger abgesaugt.
Von diesem Schwimmsaugbagger wird der Schlamm durch eine Leitung zu der mobilen Entwässerungsanlage gesaugt. In St. Georgen geschieht dies durch ein etwa 400 Meter langes Röhrensystem.
Diese mobile Entwässerungsanlage benötigt Frischwasser für das Reaktionstrennmittel. Am Ende kommt Trockenschlamm mit einer Trockensubstanz von etwa 65% raus.
Die mobilen Entwässerungsanlage war in St. Georgen wegen des Frostes leider eingepackt.
Tagesleistung der mobilen Entwässerungsanlage ca. 250 – 350 m3 Schlamm. So braucht man für 5.000 m3 etwa 16 bis 20 Tage.
(1) Markus Röhl, Susanne Popp, Friedrich Kretzschmar, Ingo Kramer, Hans Offenwanger und Konrad Reidl: Winterung und Sömmerung des Unterhölzer Weihers – Chancen und Risiken einer traditionellen Pflegemaßnahme. Schriften der Baar 50 (2007) Seite 59-78.
Thomas Winterhalder aus Urach war von 1811 bis 1816 der Besitzer vom Haus Nober, dem damaligen Gasthaus „Sonne“. Seine 8 Kinder (von denen wohl nur Matthä, Maria, Karl und Thomas erwachsen wurden) gingen bei Luzian Reich senior in die Schule. Nach dem Tod seiner Frau verließ Thomas Winterhalder mit seiner Familie Hüfingen wieder, um in seiner Heimat bei Friedenweiler eine Uhrenwerkstatt einzurichten.
Vermutlich verband die Familien Reich und Winterhalder auch nach dem Umzug eine langjährige Freundschaft. So berichtet Lucian Reich junior in den Wanderblühten lange über seine wiederholten Urlaube in Friedenweiler und Umgebung bei Freunden. Ein Freund, dessen Namen er nicht nennt, war mit einer Uhrenschildmalerin verheiratet, die früh verstorben ist: https://hieronymus-online.de/die-beiden-schwestern. In den Wanderblühten beschreibt Lucian Reich auch mehrfach, dass damals viele Wirtshäuser von Frauen geführt wurden, sie aber einen männlichen „Beschützernamen“ hierfür brauchten, da nur Männer offiziell Geschäfte führen durften. Ebenso wie die Künstlerinnen, deren Kunst nicht unter ihrem Namen verkauft werden konnte. Auch drückt er seinen Unwillen, aber auch Verständnis, darüber aus, dass viele junge Frauen in die USA ausreisten, um ein eigenes Leben verwirklichen zu können. Des Weiteren schrieb Lucian Reich damals die Hauschronik einer Schwarzwälder Schildmalers-Familie von Anton Kirner ab.
“Tanz auf der Ahorn” von Nikolaus Ganter (1809–1886). Aus “Der Maler Nikolaus Ganter” in den Schriften der Baar Band 55, 2012 von Gerrit Müller
Über das Haus Nober ist der Kontakt zu Dr. Peter Schlesselmann entstanden, der anlässlich der 950 Jahr Feier, am 20.10.2023, in Friedenweiler einen Vortrag zur Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation gehalten hatte.
Vielen Dank für die Überlassung des Textes!
Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation
Dr. Peter Schlesselmann 12.02.2025
1. Wo es begann: Kalte Herberge, Urach
Das Gasthaus Kalte Herberge ist am oberen Ende des Urach-Tals, 1370 zum ersten Mal erwähnt. Es ist zentral gelegen, am Durchgangsverkehr zwischen Breisgau und der Baar.
1.1 Thomas Winterhalder (1761 – 1838) auf der Kalten Herberge
Thomas Winterhalder war Uhrmacher, Wirt und Bauer auf dem Steighof. Seine Eltern waren Georg (1730-1783) und Veronika Winterhalder (1740-1809), Besitzer von Steighof und Gasthaus. Thomas kam am 15. Dezember 1761 als zweites von neun Kindern zur Welt.
Die Kalte Herberge und der Steighof (auf der anderen Strassenseite, 1989 abgetrennt)
Thomas besuchte die Dorfschule in Urach und lernte in der Uhrmacherwerkstätte von Anton Dilger, dem damaligen Wirt auf der Kalten Herberge das Uhrenmachen. Im Herbst 1789 reichte Thomas Winterhalder bei der fürstlichen Regierung in Donaueschingen ein Baugesuch ein, um einen Acker kaufen und eine Wohnhaus neben das Wirtshaus bauen zu können, was ihm erlaubt wurde (Mathisle Häusle, abgebrannt 1831, 1832 neu erbaut). Gleichzeitig war er noch Bauer auf dem Steighof, bis sein jüngster Bruder, Lorenz (1777-1853), sein Erbe als Steighofbesitzer antreten konnte (1798). Im Mai 1792 feierte er seine Hochzeit mit Maria Mayer (1789-1813), der Tochter des Magremmebauern Franz Mayer aus Schwärzenbach. Auf der Kalten Herberge stellten sich nun nach und nach acht Kinder ein. Für die weitere Geschichte sind die Brüder Matthä, Karl und Thomas zu erwähnen.
2. Umzug nach Hüfingen
Thomas machte sich etwa 1810 als Uhrmacher selbständig. Allerdings entschloss er sich 1811 zum Kauf des Gasthaus „Sonne“ in Hüfingen und zog mit der Familie um. Den Kaufpreis von 4.347 Gulden für das Anwesen konnte er bar bezahlen, was sicher ein Zeugnis seines Wohlstandes ist. Das Gasthaus lag innerhalb der Stadtmauern, Hauptstr. 5, Ecke Ochsengasse, nahe zum südlichen Tor Richtung Döggingen.
Im April 1811 beantragte Thomas die Bürgeraufnahme für seine Familie. Warum Thomas Winterhalder nach Hüfingen umgezogen ist, lässt sich nur vermuten: zum einen die nicht endenden Kriegsverhältnisse, auf Grund dieser Verhältnisse waren wohl die Export-Möglichkeiten für Uhren sehr schwierig bis unmöglich, sodass das Einkommen mit dem Uhrenbau nicht gesichert war.
1811-1816 war Thomas Winterhalder Wirt in der „Sonne“. Über die Tätigkeit des neuen Sonnenwirtes und über den Geschäftsgang ist uns nichts bekannt. Es ist wohl anzunehmen, dass er, wenigstens nebenbei, auch die Uhrmacherei weiter betrieben hat. In einem Kassenbuch des Neustädter Uhrengroßhändlers Kromer aus dem Jahre 1812 (Stadtarchiv Neustadt) kommt ein Thomas Winterhalder vor, leider wird sein Wohnort nicht genannt, aber es könnte der Hüfinger Sonnenwirt sein.
Es liegt nahe, dass Thomas die Wirtsgeschäfte mehr seiner Frau überließ und nebenbei die Uhrenherstellung weiterführte. Die Kinder gingen wohl in Hüfingen zur Schule, Lehrer war damals Oberlehrer Reich, der Vater jenes Lucian Reich, der ein bedeutender Schwarzwaldmaler wurde.
Pater Winterhalder hatte in seiner Familien-Chronik das Gasthaus „Sonne“ dem Haus, Dögginger-Strasse 1, gegenüber der Weinhandlung Baum, zugeordnet, ausserhalb der Stadt, vor dem Stadttor und vor der Brücke über die Breg, was allerdings wohl nicht korrekt ist. Laut den Unterlagen zum Haus Nober, Hauptstrasse 5, erwarb urkundlich 1823 Johann Caspar Nober das Haus, durch Kauf vom damaligen Sonnenwirt Thomas Winterhalder und dessen Pächter, Johannes Fischerkeller. Dieser baute danach, also nach 1823, dieses neue Gasthaus „Zur Sonne“, Dögginger Strasse 1. Dieses Haus brannte 1891 ab und wurde neu gebaut (Siehe: Haus Nober).
Leider starb 1813 seine Frau Maria, was sicher ein harter Schlag für die Familie mit 4 Kindern war. In diesem Jahr waren viele Truppen auf dem Rückmarsch von Russland und machten natürlich auch Halt in Hüfingen. Die Soldaten und Verwundeten brachten ansteckende Krankheiten (z.B. Typhus, Fleckfieber) nach Hüfingen „Es ist ein Elend, es sind kaum noch 10 -12 Häuser ohne Kranke vorhanden“ (Aug. Vetter, Chronik Hüfingen, S.266).
Ob seine Frau infolge dieser Krankheiten starb, ist nicht bekannt. Nach dem Tode seiner Frau beschloss Thomas, das Gasthaus zur Sonne zu verkaufen (oder zu verpachten) und nach Friedenweiler zu ziehen. Ob er diesen Entschluss gleich fasste oder noch ein bis zwei Jahre wartete, ist nicht klar.
3. Thomas Winterhalder in Friedenweiler
Es gibt einen Kaufvertrag 1816 für das, „Alte Haus“ sodass der Umzug der Familie mit 4 Kindern nach Friedenweiler wohl 1816-17 stattgefunden hat. In seinem neu erworbenen Haus richtete er seine Uhrenwerkstatt ein und begann mit der Herstellung von Uhren. In welchem Ausmaß er tätig war und wieviele Angestellte er beschäftigte, ist nicht festzustellen. Allerdings war Thomas auch als Weinhändler tätig, wie später nach der Übergabe des Geschäfts an Matthä offenkundig wurde. Thomas gewann bald die Wertschätzung seiner Mitbürger, er war 1819-1829 Gemeinderechner in Friedenweiler.
Inzwischen waren die Kinder größer geworden. Matthä war ein tüchtiger Mitarbeiter in der Werkstatt des Vaters. Tochter Maria musste tüchtig zugreifen, um die Mutter zu ersetzen.
Die Söhne Karl und Thomas zeigten gute Begabung für das Studium. Offenbar war es Thomas, der zuerst zum Studieren bestimmt wurde, bald nach ihm begann auch Karl damit, wohl nachdem er die Grundschule beendete und auch schon mit der Uhrmacherlehre begonnen hatte. Es ist anzunehmen, dass die beiden in Donaueschingen das Gymnasium besuchten.
Thomas entschied sich zur zweiten Heirat. Seine Wahl fiel auf Marianna Straub aus Schollach, was sicher auch gut war für seine noch minderjährigen Kinder. Sie war am 14. Juni 1775 geboren, also 14 Jahre jünger als Thomas, der 45 Jahre alt war, als am 19. Juli 1820 in Friedenweiler die Hochzeit gefeiert wurde. Von Maria Anna Straub wissen wir nicht viel. Es sind lediglich zwei Schriftstücke da, wonach sie am 14. September 1830 ein Testament aufsetzte und 1838 eine Bürgschaft für 100 Gulden leistete. 1830 übergab er das Haus und das Geschäft an Sohn Matthä, die Eltern gingen ins Altenteil „Libding“ (d.h. eigene Wohnung im Haus). Ein Drittel des Krautgartens wurde ihnen belassen, und Matthä hatte die Auflage, den Garten alle Jahre gut zu düngen. Auf dem Acker am Rudenberger Weg konnten sie jährlich Kartoffeln setzen, auch dort hatte Matthä für die Düngung zu sorgen. Einmal im Tag durften sie eine Kuh nach Wahl melken, ein Schwein wurde jährlich für sie gemästet.
Altes Haus, Friedenweiler, ca. 1970, heute, Lindenstrasse 6
Im Erdgeschoss vorne und auf der rechten Seite sind jew. 3 Fenster, dort war sicher die Uhrmacherwerkstatt von Thomas Winterhalder. Dort lernte wohl auch sein Sohn das Handwerk (oder hat schon vorher in Hüfingen Kenntnisse erhalten).
Friedenweiler, Bildauschnitt aus dem Gemälde von Nikolaus Ganter
Uhren von Thomas Winterhalder
Welche Uhren hat er hergestellt? Bis jetzt wurde nur eine Uhr mit seinem Namen gefunden (es tragen auch nur wenige Uhren den Namen des Herstellers). Aber, wie in dieser Zeit (1780-1830) üblich, hat er wohl Lackschilduhren mit Holzplatinen, mit Holzzahnrädern oder Messing Zahnräder angefertigt. Ob er auch Wanduhren, (wag on the wall – Postman’s Alarm clock), mit rundem Lackschildern für den englischen Markt hergestellt hat, weiss man nicht.
4. Matthä Winterhalder (1799 – 1863) in Friedenweiler
Eine entscheidende Wende im Leben Matthä Winterhalders brachte das Jahr 1830. Nach der Übergabe von Haus und Hof heiratete Matthä Johanna Höfler, 26 Jahre alt, sie stammte vom Kilianhof in Schwärzenbach. Der Ehevertrag gibt uns Einblick in die Vermögensverhältnisse der Brautleute. Matthä besaß damals ein Vermögen von 7.600 Gulden, von denen er 1.860 Gulden in die Ehegemeinschaft einlegte. Johanna Höfler brachte 1.300 Gulden, eine recht ansehnliche Mitgift. Erhalten ist auch noch eine eigenhändig geschriebene Liste von Dingen, die Vater Thomas noch zum Hochzeitsgut gab.
Nicht ganz ein Jahr waren die beiden verheiratet, da starb die junge Frau am 17. August 1831, sie hatten keine Kinder . Im Januar 1832 heiratete Matthä Winterhalder ein zweites Mal. Er wählte Magdalena Beha, Ihr Vater, Johann Beha, war Pächter, des Schafhofes in Friedenweiler. Laut Ehevertrag betrug das Vermögen von Matthä Winterhalders 8.000 Gulden. Matthä und Magdalena Winterhalder hatten 7 Kinder: Für die weitere Geschichte sind Thomas (1834-1906), Karl (1836- 1918), Anton (1838,-1912) und Johannes (1842- 1916) wichtig.
Um die Jahreswende 1837 und 1838 wurde der Vater Thomas krank und starb am 9. Januar 1838. Nach seinem Tod wurde eine große Menge Wein, 2800 l, versteigert. Dies lässt darauf schließen, dass Thomas, der ehemalige Kalt-Herberge-Wirt und Sonnenwirt von Hüfingen, in Friedenweiler noch einen Weinhandel betrieb. Matthä hatte offenbar kein Interesse daran.
Die Erbschaft verbesserte Matthä´s Vermögensstand erheblich: Am Friedenweiler Gemeindeleben nahm Matthä Winterhalder regen Anteil. Er war in der Gemeinde ein angesehener Mann und wirkte von 1843 bis 1846 als Gemeinderechner und von 1852 bis 1863, also bis zu seinem Tode, als Gemeinderat.
Matthä Winterhalder
4.1. Uhren von Matthä Winterhalder, 1830-1860
Kunden in Vereinigten Königreich, (England, Schottland und Irland), der bedeutendste Markt dieser Zeit, waren besonders interessiert an Tischuhren („Biedermeier Uhren“) und drop dial-Uhren mit Voll-Messing-Uhrwerken. Diese Uhrwerke waren bekannt für ihre hohe Ganggenauigkeit. Um sich an die Marktbedürfnisse in England anzupassen, musste auch Matthä sich diesem Trend anschliessen denn die Herstellung und Einbau von Messing-Platinenwerken, brachte höhere Preise.
Tischuhr mit Holz-Platinenwerk www.heimatmuseumschwarzwald.de Matthias Hüttlin, Furtwangen
Drop-dial Uhr mit Messig- Platinenwerk
5. Johannes Hofmeier (1802-1876) in Schwärzenbach
Als siebter von 9 Kindern kam 1802 Johannes Hofmeier auf dem „Ahorn“ in Schwärzenbach zur Welt. Seine Eltern waren Joseph Hofmeier (1758 – 1825) und Katharina, geb. Bär (1764-1812), sie heirateten 1789. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1812 heiratete Joseph Hofmeier Anna Willmann (1767-1840). Wie so viele Söhne von Schwarzwälder Bauern, die keine Aussicht hatten, den Hof zu erben, lernte er Uhrmacher. Auch seine Brüder Georg (1800-1825, Uhrenhändler, + Spanien), Fidel (1798-1869), Jakob (1807-1835, Uhrenhändler, + Spanien) und Martin (1809-1880, Uhrenhändler in England) wurden Uhrmacher.
Wer sein Lehrmeister war, ist nicht bekannt. Es muss aber ein fähiger Meister gewesen sein, denn er machte aus Johannes einen ausgezeichneten und gewandten Uhrmacher, darüber hinaus aber auch einen unternehmungsfreudigen Geschäftsmann, der seinen Betrieb zu einer großen Firma ausbauen konnte. 1825 starb sein Vater der schon vorher ins Libding gegangen war. Den Hof und das Gasthaus „Ahorn“ hatte er seinem Sohn Fridolin überlassen.
Ahornhof, Schwärzenbach
Johannes kaufte am 25. Mai 1836 dasAhornhäusle von seinem Bruder Fridolin. Es ist zu vermuten, dass er schon vorher dort gewohnt und seine Uhrmacherei dort betrieben hat. Schon vor dem Kauf des Hauses war Johannes auf Brautschau gegangen. Er heiratet 1832 Agatha Mayer vom Magremmehof. Sie war vier Jahre jünger als er, geboren 1806. Lange mussten sie auf ein Kind warten. 1838 kam eine Tochter, Elisabeth, zur Welt. Es war eine schwere Geburt, die junge Mutter starb leider kurz danach, erst 32 Jahre alt. 1839 heiratet Johannes zum zweiten Mal, Maria Mayer (1812-1897), die Schwester seiner ersten Frau. Wie man auf den Bild hier sieht, war er ein stattlicher Mann.
Hier sind noch Bilder von ihm in späteren Jahren, und seiner 2. Frau, Maria (Gemälde wohl von Dionys Ganter).
Laut Winterhalder Chronik von Pater Christof Winterhalder, war Johannes Hofmeier wohl 14-mal in England. In seiner Chronik hat Pater Winterhalder diese Reisen etwas ausgeschmückt, als wäre Johannes Hofmeier und manchmal auch sein Bruder Martin, der Uhrenhändler in Birmingham war, zu Fuss mit Krätze und Uhren nach England gereist. Es war aber schon damals üblich, Uhren, in Kisten gepackt, per Spedition in die Zielländer, Frankreich England oder Russland, zu transportieren. Laut einer Anzeige im Bericht in Gewerbeblatt für den Schwarzwald, im Dez. 1852, organisierte damals schon die Spedition Johann Michael Widt, Strassburg, den Transport von Neustadt, Furtwangen oder Triberg nach London innerhalb von 10 Tagen!
Die Kosten waren: Nach Strassburg: 1 Gulden / Zentner Strassburg bis London: 3 Gulden / Zentner Über Frankreich nach England : 2 Gulden / Zentner
Die Uhren wurden in grosse Holzkisten, ca. 2 x 0.6 x 0,6 m verpackt, geschützt durch Stroh oder anderes Material. Manchmal wurde auch noch Speck oder Butter mit in die Kisten gepackt, damit die Uhrmacher nicht auf einheimische Kost verzichten mussten.
Ausserdem ist zu bedenken, dass das erste Dampfschiff schon 1838 bis Basel kam, und 1847 die Eisenbahn bis Freiburg gebaut war. Die Tulla Rheinbegradigung (1817-1876) war im nördlichen Teil schon weit fortgeschritten, südlich von Breisach dauerte es etwas länger. Wie hoch die Preise für Kutsche, Eisenbahn oder Schiff waren, ist nicht bekannt.
5.1. Johannes Hofmeier Uhren
Johannes Hofmeier fertigte überwiegend Uhren mit Holz-Platinenwerken, eine Uhr mit Messing-Platinenwerk mit seiner Signatur wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Seine bekannten „Drop-dial Uhren“ mit eigener Uhrenkasten-Form oder typischer englischer Form findet man öfters.
R.Constable, London
Heitzmann &Co, Cardiff
Wehrle, Cambridge
C.J.J. Ketterer, Ware
Drop dial Uhren mit und ohne Schlag
6. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation 6.1. Zusammenschluss der Firmen
Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen, Winterhalder, Friedenweiler und Hofmeier, Schwärzenbach erfolgte wohl ca. 1850-1860. Das genaue Datum ist unbekannt, da keine Geschäftsunterlagen oder Steuerunterlagen mehr vorhanden sind. Es könnte Johannes Hofmeiers Idee gewesen sein, die Verwaltung und Uhrenherstellung beiden Firmen zu zentralisieren und ein gemeinsames Marketing zu nützen, um Produktsortiment aus der heimischen Uhrenherstellung bereitzustellen, das mit einer grossen Uhrenfabrik konkurrieren konnte (siehe auch Preis-Courant von ca. 1875). Diesen Punkt kann man auch darin sehen, dass in den 1860er Jahren Kuckucksuhren von Baptist Beha ins Sortiment kamen, zum Teil aber auch eigene Entwicklungen auf Basis der Beha Uhrwerke erfolgten. Später wurden aber Kuckucksuhren wieder aus dem Sortiment genommen. Es bestanden ausserdem verwandtschaftliche Beziehungen, der Sohn von Matthä, Anton, arbeitete bei Hofmeier und heiratete 1864 seine Tochter Elisabeth.
Firmengründer (1. Generation) waren also Matthä Winterhalder (1799 – 1863), hervorragend im Nutzen von Innovationen, Entwicklung neuer Uhrwerke und andere Uhrenformen, und Johannes Hofmeier (1802-1876), führend in Nutzen von geschäftlichen Beziehungen in England, aber eher konservativ in Bezug auf Technik. Einen grossen Einfluss auf der Hofmeier Seite hatte sicher seine Tochter Elisabeth.
Man stellte sich wohl erst allmählich auf Tischuhren, Standuhren und Wecker um. Je mehr aber der Export nach England aufblühte, umso mehr wandte man sich der rentableren Herstellung der für England bestimmten Uhren zu und überliess die Anfertigung der Kuckucksuhren anderen Betrieben.
Etikette mit Datum 2.8.67, also nach dem Tod von M. Winterhalder (1864)
6.2. M. Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, oHG
Die Söhne von Matthä Winterhalder, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. hatten ja beim Vater Matthä in Friedenweiler das Uhrmacherhandwerk gelernt Anton Winterhalder arbeite nach seiner Lehre bei Johannes Hofmeier in Schwärzenbach. Matthä Winterhalder starb 1864, sodass seine Söhne nun im gemeinsamen Geschäft mit Johannes Hofmeier vertreten waren. Ab 1869 wurde die Firma in eine neue Rechtsform, offene Handelsgesellschaft (oHG) in Schwärzenbach, übergeführt.
Gesellschafter: 2. Generation: Winterhalder-Seite: Söhne von Matthä: Thomas (1834-1906), Anton (1838-1912), Karl (1836-1918), Johannes sen. (1842-1921) Hofmeier-Seite: Johannes Hofmeier (bis 1876), Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899), Frau von Anton Winterhalder Nach dem Tod von Johannes Hofmeier war von der Hofmeier Seite nur noch Elisabeth, geb. Hofmeier (1838-1899) als Ehefrau von Anton Winterhalder vertreten, der Name Hofmeier im Firmenname wurde deshalb beibehalten.
Die Herstellung der Uhren war wie folgt verteilt: Herstellung Uhrenteile Thomas (1834-1906), Friedenweiler, (Strandbadstrasse 6 / Schwesternhaus) Herstellung Uhrwerke Karl (1836-1918), Friedenweiler, Altes Haus, Lindenstrasse 6, Werkstatt und Haus vom Vater Johannes (1842-1918) Neustadt, Wohnhaus und Fabrik, Scheuerlenstrasse 3 (37)?), Gesamtleitung der Firma ab 1870. Herstellung Uhrwerke, Uhrwerke in Gehäuse einbauen und Vertrieb Anton (1838-1912), Schwärzenbach, Haus 19a. Übernahme Werkstatt Hofmeier (nach dem Tod von Johannes Hofmeier). Gesamtleitung der Firma bis 1869.
W & H Wanduhr (Postman´s – wag on the wall clock) für den englischen Markt
6.3. Uhren aus der Zeit 1860-1870
Die folgende Uhren sind wohl in der Zeit von 1860-1870 entstanden. Leider lässt sich keine genaues Entstehungsjahr finden, da keine Kataloge oder Markierungen vorhanden sind. Es sind Holz-Platinen- oder Messing-Platinen-Uhrwerke verbaut.
7. Entwicklung in Schwärzenbach
Während des Krieges 1870/71 stockte das Geschäft, da viele Arbeiter eingezogen waren oder dienstverpflichtet wurden. Dann blühte das Geschäft aber mächtig auf, und Anton mußte an eine Erweiterung der Arbeitsräume und an Neubau denken. Am 25. November 1873 übergab Johannes Hofmeier das ganze Anwesen seiner Tochter. Er war damals 71 Jahre alt. Zweieinhalb Jahre später, am 22. März 1876, starb er. Kurz nach dem Tode seines Schwiegervaters entschloß sich Anton zum Bau eines neuen Hauses östlich neben dem alten „Ahornhäusle“. Noch 1876 wurde der Bau begonnen. Nach seiner Fertigstellung verlegte er die Uhrmacherei in die neuen Räume, weshalb das neue Haus auch einfach die „Uhrmacherei“ hieß. Er selbst zog mit seiner Frau ebenfalls in dieses Haus.
Mitarbeiter in Schwärzenbach, vor dem Ahornhäusle
Nach und nach wurden weitere Häuser und Werkstätten um das Stammhaus „Ahornhäusle“ mit dem Anbau für Matthä und seine Frau Elisatbeth herum gebaut. Es kam die die Packerei/Holzmagazin (1874), die Schreinerei, die Meisterwohnung D. Kleiser und das Haus für Bernhard Kleiser dazu (1878).
8. Entwicklung in Neustadt
Schon 1869 war als Sitz der Firma Neustadt festgelegt und ins ins Handelsregister eingetragen worden. Antons Bruder Johannes Winterhalder hatte 1873 einen Teilbetrieb der Firma M. Winterhalder und Hofmeier nach Neustadt, in der Scheuerlenstraße gegründet. Er baute ein Wohnhaus mit Werkstätten und Büros, Die Uhrmacherwerkstätten wurden dort im ersten Stock links untergebracht, während rechts die Büroräume lagen. Im zweiten Stock des Neubaus hatte Johannes seine Wohnung. Damit war die erste Niederlassung eines Teilhabers der Firma M. Winterhalder und Hofmeier in Neustadt begründet.
Im Jahr darauf, am 26. Mai 1874 feierte Johannes in Friedenweiler seine Hochzeit mit Emma Oberle aus Saig, Tochter des Saiger Oberlehrers Joseph Oberle, geboren 1850. Trauzeugen waren Karl Winterhalder, der Bruder des Bräutigams, und Adolf Oberle, der Bruder der Braut, der der erste Geschäftsreisende der Winterhalder-Firma wurde. Es war ihm eine Selbstverständlichkeit, dass er seine Arbeiter gut behandelte. Er bezahlte ihnen immer Stundenlohn, während zum Beispiel sein Bruder Anton fast nur im Akkord arbeiten ließ, allerdings in einem gut angesetzten Akkord. Dabei war er aber nicht etwa unwirtschaftlich in seiner Betriebsführung, sondern leitete seine Firma gut und rentabel. Dementsprechend waren seine wirtschaftlichen Verhältnisse immer sehr gut Die Winterhalder in Neustadt erweiterten natürlich auch ihren Besitz mit zusätzlichen Häusern für ihre Kinder.
9. Entwicklung in Friedenweiler
Thomas (1834-1906) und Karl (1836-1918), Winterhalder hatten ihre Werkstätten in Friedenweiler. Karl im Elternhaus, Lindenstrasse 6 (Altes Haus) und Thomas in seinem Haus Strandbadstrasse 6 (später Schwesternhaus). Beide fertigten Uhrwerke, die In Schwärzenbach in Gehäuse eingebaut wurden. Karl heirate 1864 Katharina Kirner (1841-1897) aus dem Kleineisenbächle. Sein Ansehen war sehr gross, er war 1870 – 1885 Bürgermeister von Friedenweiler. Er baute 1873 das „Neue Haus,neben dem „Alten Haus“. Sein Sohn Adolf (1883-1954) übernahm später das Haus. Thomas war sehr eigenbrötlerisch und sein Lebtag ein eingefleischter Junggeselle. Er wollte bei seiner Arbeit allein sein und frei über seine Zeit verfügen können. Er machte deshalb seine Uhrenbestandteile allein für sich in der kleinen Werkstätte in seinem Haus, das er sich am Weg zum Klosterweiher erworben hatte. Er arbeitete sehr exakt, und seine Arbeit erbrachte ihm jedenfalls soviel, dass er in geordneten finanziellen Verhältnissen lebte . Er war ein Individualist, groß gewachsen. Wenn er ausging, trug er immer einen dunklen Havelock, einen Herrenmantel mit langem Pelerinenkragen. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein Gesicht.
10. Entwicklung in Rudenberg
Matthäus (1868-1937), Sohn von Karl Winterhalder, erbte 1893 durch Heirat das Haus Nr. 28 in Rudenberg. Matthäus, ausgebildeter Uhrmacher, war eher ein Einzelgänger. Er baute in seinem Haus Uhren und Uhrenbestandteile, Joseph, ebenfalls Sohn von Karl Winterhalder, kaufte 1895 den Kirnerhof (Haus Nr.10). Er hatte Uhrmacher gelernt, war aber unzufrieden mit seiner Rolle im Firmenverbund. Er war zuständig für die Transporte der Uhrenteile von Friedenweiler nach Schwärzenbach und Neustadt, deshalb gab er diese Aufgabe auf und widmete sich nur noch der Landwirtschaft.
11. W & H Firmen-Etiketten mit Medaillen
Die Firma Winterhalder & Hofmeier beteiligte sich mehrmals an Ausstellungen im In- und Ausland und erhielt dort mehrere Medaillen, die sie natürlich stolz auf ihren Firmen-Etiketten zeigten.
Verdienstmedaille Wien 1873, III. Preis-Medaille Melbourne (AUS) 1881
11. Preis-Courant von ca 1875
Als einziges Dokument aus der Zeit von 1870-1875 ist eine Preisliste (Preis-Courant) vorhanden. Daraus lässt sich die Vielfalt der angebotenen Uhrentypen erschliessen. Es scheint, dass die Firma sich nach aussen als Lieferant aller typischen Schwarzwalduhren darstellen wollte. Allerdings ist wohl klar, dass sie, auf Grund der geringen Mitarbeiterzahl sicher nicht alle Uhren selbst herstellen konnten, sondern nicht selbst produzierte Typen zukauften.
12. Uhrentypen aus der Zeit 1880-1900
Einer der schönsten Kataloge von W&H stammt von ca. 1890. Zusätzlich gibt es noch einen Preis-Courant, der Einblick in die Vielfalt der hergestellten Uhrwerktypen und die verlangten Grosshandelspreise gibt. Es wird angenommen, dass die dort gezeigten Uhren sicher zum Teil auch ab ca. 1880 hergestellt wurden. Eine eigene Uhrenkastenschreinerei war ja schon ca 1870, mit dem Meister Philipp Kirner, eingerichtet worden. Es wurden aber immer noch Gehäuse zugekauft. Es sind nun auch eigene Entwürfe von Gehäusen zu sehen. Ob diese zu grossem Umsatz geführt haben, lässt sich natürlich nicht herausfinden, es fehlen detaillierte Geschäftsbücher. Lediglich ein Kontobuch, wohl von Winterhalder in Friedenweiler ist aufgetaucht. Darin finden sich Angaben über die Zeit von 1901-1909 (und die Zünder-Produktion in den Jahren 1914-1917).
13. 1885-1914: Die besten Jahre
Ob alle Uhrengehäuse selbst in der eigenen Schreinerei gefertigt wurden ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, das Gehäuse mit aufwendigen Schnitzereien ( wie Nr. 321, 325, 349, 351 entweder als Teile oder als Ganzes zugekauft wurden. In der Chronik von Eisenbach (Auf dem hohen Wald,(1991), S.192) wird Rupert Wehrle als Lieferant von Uhrenkästen für Winterhalder & Hofmeier erwähnt (1891). Eventuell wurden auch Uhrwerke nach England geliefert und in dort zugekaufte Uhrengehäuse eingebaut. Es gibt einige Beispiele, bei denen in identischen oder ähnlichen Uhrengehäusen englische Uhrwerke zu finden sind, also dort hergestellt worden waren. Dazu kamen bei den neuen Uhrengehäusen auch künstlerische Messing-Applikationen, die sicher zugekauft waren. Die schönen, aufwendigen Zifferblätter wurden in Eisenbach bei Johann Hogg hergestellt.
Zifferblätter von Kaminuhren, Johann Hogg, Eisenbach. Ähnliche Zifferblätter findet man auch in Standuhren
Laternenuhren, um 1900, ca. 40 cm hoch, Messing. Das Gehäuse der Laternenuhren wurde wohl in Friedenweiler gefertigt, dies ergibt sich aus Eintragungen in einem Kontobuch von 1901-1909 (Leihgabe Norbert Winterhalder, Friedenweiler). Die Applikationen wurden sicher zugekauft.
14. Geschäfts-Rückgang, 1900-1903
In den Jahren 1900-1903 gingen die Umsätze stark zurück. Die junge Generation, besonders Ludwig und Linus Winterhalder, führten das auf die veralteten Uhrenmodelle zurück. Nach sicher heftigen Diskussionen überliessen die Senioren, Anton, Thomas, Karl, Johannes Sen. (alle über 60 Jahre alt) die Entscheidungen der jüngeren Generation. Ludwig und Linus Winterhalder forcierten den Umbau auf neue Modelle, wobei die reduzierte Produktion der alten Modelle wegen Bedenken aus Friedenweiler beibehalten wurde. Ludwig und Linus bauten die Fabrikation in Neustadt durch Errichtung neuer Gebäude für Werkstätten und einer Gehäuseschreinerei aus. Der Absatz stieg nun wieder merklich an. Den neuen Stil kann man in den Katalogen der folgenden Jahre sehen. Auch in den Bildern des Ausstellungsraums von 1908 lässt sich das feststellen.
Ausstellungsraum, um 1900 (aus:“In die Neue Zeit (1999))
15. Winterhalder & Hofmeier oHG ab 1909
In den Jahren 1908-1909 zog sich die ältere Generation, die Söhne von Matthä Winterhalder, Thomas, Karl Anton und Johannes, alle geboren 1834-1842, vollständig aus dem Geschäft zurück und die junge Generation, Söhne von Anton und Karl Winterhalder übernahm offiziell die Firma. Die Firma lief nun unter dem Namen M. Winterhalder & Hofmeier GmbH Neustadt (Baden).
16. Neuer Stil der Uhrengehäuse, ab ca. 1901
In der Übergangsphase wurden die neuen Gehäuse noch mit althergebrachten Zifferblättern, reich verziert ausgestattet. Später findet man nur noch die einfachen silberfarbenen Zifferblätter.
Der neue Namen der Firma, M. Winterhalder & Hofmeier, Neustadt (Baden) wurde nun auch als Markierung auf den Uhrwerken verwendet.
17. Handelsagenten in UK und USA
Winterhalder & Hofmeier arbeiteten als Uhren-Grosshändler mit Uhrengeschäften in UK und USA zusammen. Dabei wurden sie durch ihren Vertreter (Geschäftsreisenden) in England, Adolf Oberle (Saig), (1846-1927), unterstützt. Er war der Schwager von Johannes sen. Winterhalder. Gelegentlich war auch Linus Winterhalder in England. Er hatte ja seine Ausbildung in Buchhaltung und Finanzwesen in England gemacht und hatte auch einige Monate bei Camerer & Kuss, London gearbeitet. Die Haupt-Abnehmer ihrer Uhren waren: Morath Brothers, Liverpool und Nordengland Beringer Bros (aus Langenordnach) in Belfast, Irland Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988) Lorenz Fehrenbach, London Kleyser & Laule, Kleyser & Tritschler, Oxford Street, London In USA war es die Firma J.E. Caldwell & Co in Philadelphia.
Camerer, Kuss & Co, New Oxford Street, London (1788-1988)
Was noch übrig bleibt
Es ist wirklich vorbei… Heute ist nichts mehr übrig von der ruhmreichen Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation, wie bei vielen bekannten anderen Uhrenfabriken im Schwarzwald. In Schwärzenbach erinnert nur noch die umfangreiche Sammlung von W&H Uhren im „Cafe Feldbergblick“.
Herr Vogelbacher hat viele seiner Schätze direkt im Cafe ausgestellt, lohnenswert.
Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der Winterhalder & Hofmeier Uhrenfabrikation incl. aller Abbildungen aller bekannten Uhren und Uhrwerke, der Geschichte der HAWINA, Standuhrenfabrik, Hans Winterhalder, und vielen Katalogen von W&H sind im Buch „Winterhalder & Hofmeier aus Friedenweiler, Schwärzenbach und Neuststadt, 1816-1932“ zu finden. Das Buch (328 Seiten, 40€ + Versand) ist erhältlich über: winterhalder.hofmeier@gmail.com Peter Schlesselmann
am 9. Januar 2026 hatte ich etwas Zeit, mich in Balingen umzusehen. Das Zollernschloß an der Eyach gelegen, macht einen tollen Eindruck. Am beeindrucktesten war ich aber von etwas anderem, was ich so noch nie gesehen habe. Ich sah Eis, das unter Wasser war. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht, Eis ist über 10 Prozent leichter als Wasser und liegt deswegen im Regelfall oben auf. Schaut die Bilder an das Eis liegt eindeutig unter dem fließenden Wasser.
Ein echter Hammer. Also einmal tief durchschnaufen, ein Video in den Status stellen und hoffen, dass jemand eine Erklärung hat. Axel Ortlieb aus dem Münstertal antwortete und schrieb: „Bei uns hieß es früher Grundeis. Mir wurde gesagt, wenn der Bach von unten zufriert, ist das Grundeis. Das entsteht sehr selten und nur bei tiefen Minustemperaturen“. Hut ab Alex, kann ich da nur sagen. Normalerweise gefriert Wasser von oben. Denn es hat bei plus vier Grad die höchste Dichte und fällt nach unten. Aber, wenn es lang saukalt ist, dann gefriert der Bach auch von unten zu, weil dann in der Gewässersohle Minustemperaturen erreicht. Das kann man ruhig den Oberhammer nennen.
In der Grafik sind die Temperaturen in Balingen vor dem 9. Januar dargestellt. Dort ist zu sehen, dass die Mitteltemperatur seit dem 22. Dezember 2025 bis zum 7. Januar 2026, also 17 Tage lang immer unter 0 Grad lag. Etliche Tage zeigten Mittelwerte um die minus 5 Grad und darunter. Auf jeden Fall so, dass anscheinend Grundeis entstehen konnte. Jetzt weiß ich auch, was der Hintergrund für den Spruch ist, „mir ging der A….. auf Grundeis“.
Etwas Interessantes fand ich in der Pressemitteilung Nr. 1/2009 des Bayerisches Landesamtes für Umwelt und des Wasserwirtschaftsamtes München. „Wenn das Grundeis nicht frühzeitig beseitigt wird, kann es auch bei normaler Wasserführung zu starken Winterüberschwemmungen kommen“, so LfU-Präsident Albert Göttle. „Am Schwebelbach im Norden Münchens sind daher die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamtes München zusammen mit den technischen Hilfskräften im Dauereinsatz. In Wathosen stehen die Männer mit ihren sogenannten Abeislanzen im eiskalten Wasser und hacken das Grundeis auf, damit die Strömung es wegschwemmt“. Das hört sich richtig spannend an.
Dieses Bild zeigt die Situation an der Breg bei Hüfingen vor etlichen Jahren. Das dicke Eis nach langer Frostperiode wurde durch ansteigendes Wasser gebrochen und die Eisschollen ans Ufer abgelegt. Das ist der klassische Fall des Zufrierens von oben.
Diese fantastischen Bilder von Hans Lang sind in Hüfingen aufgetaucht. Vielen Dank an Alfred Riegger!
Es würde uns interessieren wo das Original ist. Vielleicht weiß wer was?
Dieses Bild wurde dem ehemaligen Hauptamtsleiter, Karl Hahn, zum Abschied geschenkt.
Das etwas andere Lebensbild des lebenslustigen Künstlers Hans Lang
gelesen von Richard Ketterer im März 2024
Eine Vita als Leporello
Nicht nur Gassen sind etwas Unverlierbares, auch Menschen, Personen, und Originalitäten.
De Lange Hans us de Wassersrooss z Eschinge
Auf den Gedanken einen Bauingenieur und Mundartler übers Leben und Wirken vom Hans Lang reden zu lassen, das kann nur der Lange Christel und Rolf Karl einfallen. Darum schwenk auch diesmal kein Kunsthistoriker oder Kunstkritiker das Weihrauchfass zu Ehren eines städtischen Universaltalentes. Dieses Leben, diese Vita, diese Hommage soll man nach dem Willen der Nachfahren, und sicher nach seiner eigenen Gedankenwelt, möglichst unterhaltsam und skizzenhaft aus dem episodischen und narrativen Gedächtnis eines jungen, heranwachsenden Eschingers erzählt werden. So sind sie halt die Langs, die Maiers us de Unterstadt, us de Wasserstroos.
Fast jeden Morgen ist mein Vater zum Bahnhof auf den Zug gegangen. Bei „Theodor Maier- Kolonialwaren“, bei den frühaufstehenden „Maier Wiebern“, Gretel und beim Tantele Bertel Maier, hat er seinen 6-er Pack Burgerstumpen als Tagesration geordert. Der Hans hat den beiden Frauen ziemlich lustlos die Regale mit den schweren Waren aufgefüllt und den Freiluftmarktstand vor dem Laden aufgebaut. Schnell hat er sich dann verdrückt um auf Motivjagt zu gehen. Während der erste Bürgerstumpen schon geglüht hat, haben sich die beiden kurz die neuesten Witze und die neuesten Stadtgeschichten, Skandälchen und Missgeschicke erzählt und zusammen einen gepafft. Vater den dicken Bügerstumpen und Hans ein Pfeifchen oder eine Gitan oder eine Troup aus dem Economat oder dem Casino. Neben fürchterlichen traumatischen Erlebnissen brachten unsere Väter auch eine schwere Sucht nach Hause. Die glühende Sehnsucht nach Zuhause wurde nämlich in der Soldatenzeit auch mit der glühenden Nikotinsucht der härtesten Sorte bekämpft. Machorka, Reval, Troup. „Bahndamm dritter Schnitt“ hießen diese Stengel- und Strunktabake im Militärjargon und sie forderten nach dem Krieg als Spätfolgen nochmals viele Opfer.
Haus Maier, zerstört 20.April 1945
Wiederaufbau Wasserstr. 1
Im Kopf vom Hans rumorte schon das nächtliche Traummotiv: Stadtkirche vom Brigachufer am Schützen, monochrome, in Kohle. Also ab mit Staffelei, Kohlestiftholzkästchen und Zeichenkarton ans Brigachufer vor der Falkenpost. Kaum war der Dreibock aufgestellt und der Karton eingespannt, schauten ihm schon die lustlose daherschlurfenden Schüler, die entrückten Frauen von der Frühmesse und die am frühen Morgen schon schlappen Bürokraten von der FF-Kammer über die Schulter. In deren ledernen, speckigen Aktentäschen ein Butterbrot, eine Thermosflasche Zichorien- Kaffee Pnache mit viel Cognac und den obligaten Ärmelschonern,: „Hans, wa hät der hit Naacht wieder troomt, wa wit hit mole?“. „Ha waisch, de böhmisch Stadtkirchearchitekt Kanka hät vorfern bestimmt als erschtes e Kohlestiftzeichnung gmacht vu de böhmische Barockkirch uff em Donauquellebuckel. Genau dem sin uusdenkte Iifall vu dämols für die Barockkirch uff dem Kalkfelsebuckel über de Dunnequell, dem will ich nochschmecke, nochmuuse. Aber nit wie ichs als Technische Zeichner glehrt han, mit Reißschiene und Tusche, sondern mit Kohlestift, so wie ebe dämols de Kanka“. Dieses Bild, dieses Sujet, war eines der besten und erfolgreichsten von Hans Langs Bildern.
Und schon steigt in seinem Kopfkino ein Karikaturen Bild auf und wird im prallgefüllten Kopfzettelkasten abgelegt: Ein dürrer oder vielleicht fülliger Kammerbürokrat mit Nickelbrille, Zigarre, Ärmelschoner, Tintenfeder und Tintenfass an einem barocken Stehpult mit englischem Banker- Schreibpultlämple.
In „Brusel“ (Bruchsal) ist Hans Lang aufgewachsen und hat unter sachkundiger Anleitung seines Decomaler-Vaters und Restaurators mit Bleistift und allen verfügbaren Papierresten ständig skizziert. Von 1934 bis 1947 war auch er, so wie viele jungen Deutschen, im doppelten Sinne gefangen vom bedrückenden und erdrückenden Nationalsozialismus. Das war die Zeit des düsteren Monochromismus in seinem Leben und in seinem Malen. Mit Bleistift und Papier hat er in den Kriegsjahren und Gefangenenjahren Hunger, Not, Erschöpfung, Düsternis aber auch Freundschaft trefflich und einfühlsam gezeichnet. Schwarz-Weiss nicht nur wegen seiner Gemütslage, sondern auch in Ermangelung von Malfarben, Leinwand und Utensilien.
Als aber nach 1947 Hoffnung aufkeimte, kamen wieder sanfte, zaghafte Aquarellfarbe zwischen die Flächen seiner grauen Linien. Bis in die Fünfziger herrschte dennoch die Monochromie vor. Sicher auch Ausdruck der Traumata die allen unseren Vätern innewohnte. Das düstere Bild des zerbombten Haus von „Theodor Maier- Kolonialwaren“ war finaler Höhepunkt der düsteren Bedrücktheit. Selbst das „Mathisle“ Porträt in Öl von 1963 hat noch diesen dunklen Taint.
Und genau an diesem Bild kommt die einfühlsame, rücksichtsvolle Skizzen- und Portraitmeisterschaft ganz deutlich zum Ausdruck. „S Mathisle“ war mehr als ein Eschinger Original. Er war der Hofnarr, der lustige August, der verkommene, muffelnde, ungepflegte Taglöhner, Rumtreiber, schlagfertige Witzbold der jeden Dutze, auch den Fürst. Von den Bildungsbürgern geduldet, wenn nicht sogar geschätzt , hielt er ihnen vorwitzig den Spiegel vor. Vermeintlich ein verhöhnter, verachteter Versager. Was macht Hans Lang daraus: Er bildet seine menschliche Würde ab. Sein Schalk, sein Gifizz kommt zum Ausdruck. Man glaubt einen stolzen, geachteten Eschinger Bauern vor sich zu haben. Nichts von all den aufgeführten Vorurteilen kommt zum Vorschein. Nur Respekt, Menschlichkeit, Wärme, Würde. Die wahre Kunst des Porträtisten. (Volksbad Episode?).
S’Mathisle
Diese Meisterschaft kommt auch zum Vorschein bei seinen legendären, aber auch berüchtigten Wirtshaus und Veranstaltungsskizzen. Vor seinem spitzen Bleistift und Skizzenblock war keiner sicher. Es wird kolportiert, dass er dem Gegenüber direkt in die Augen sah und ohne einen Blick auf den Block zu werfen mit wenigen Strichen und Schattierungen ein Porträt zeichnete. Viele halten diese „Blind Views“ sogar für seine Besten.
In den 60-ern kommt dann viel Farbe in die Bilder und in das Leben von Hans Lang. Fast hat man das Gefühl, dass die Traumatas abfallen, bewältigt sind. Ästhetik, Ironie , Satire, Stimmungen, Harmonie, Erotik werden mit wenigen Strichen aber auch farbig opulent eingefangen.
Und wieder steigen Kindheitserinnerungen auf. Eschingen war in den 50-60-ern tatsächlich eine Schlittschuhstadt. Wenig Schnee aber knackige Kälte am Kältepool Alemanniens bewirkten und beförderten diesen Kult. Wieder bewahrheitet sich der Satz: „Nicht die Herrschenden schreiben so Geschichten sondern die Landschaftsgeographie“. In dem Fall das Klima. Dennoch schaffen die Herrschenden die Voraussetzungen zu diesem Eiskult, indem sie östlich des Parkes im klirrenden Kältesee im Haberfeld einen großen Eisweiher und ein beispiellosen Eishaus bauen. Auf diesem Polareis vergnügen sich seit 1910 die Eschinger am Sonntag zu Hunderten beim Schlittschuhlaufen, Eistanzen, Eisstockschießen und Eishockey spielen.
Eiswiese um 1910
Zwei Bürger ragen davon heraus: Hans und Gretel Lang. Die beiden üben unter der Woche am Abend fast vor der Haustüre auf der damals oft zugefrorenen Brigach vor dem Irmapark Paarlauf, Eistanzen. Die beiden Turnvereinler, Körperbeherrschung, Körperspannung, grazile Bewegungen scheinen ihnen in die Wiege gelegt zu sein, proben für ihre Auftritte am Sonntag auf dem Eisweiher. Auch da werden mit wenigen Kufenspuren Skizzen, Zeichnungen, Ornamente aufs Eis gezeichnet, ja gezaubert, so wie es Hans auf dem Skizzenblock nicht besser könnte. Nur wenige Bilder prägen sich üblicherweise im episodischen Gedächtnis eines 10 jährigen ein. Eine Szene aber läuft immer noch in meinem Kopfkino beim Brigachspaziergang ab. Die Langs, die Eschinger Kilius Bäumlers, beim grazilen Eistanz auf der Brigach. Hans Lang muss diese Ästhetik geradezu pirouettenhaft umgetrieben haben. Denn immer wieder taucht dieses harmonische Eislauf- Ballett- und Tanzsujet auf. Mit wenigen Strichen in Blei- oder Kohlestift aufs Papier gezaubert.
Beim Frauenfreund Hans Lang kommt das weibliche Geschlecht bestens und formvollendet weg. Neben dem Eislaufsport brachte Hans Lang als Ski- und Tourenwart des TV auch die fast schwerelose Funktionslust dieses Skisportes eindrücklich zur Geltung.
Woher aber rühren die zahlreichen Pferdeskizzen und Graphiken? Hans Lang kam zwar als Militärmusiker nach Eschingen, wurde aber in der großen Kaserne zum „Rittmeister“, zum Kavalleristen in der großen Reithalle und den Stallungen. Dass das Reitturnier den Stift zum traben, galoppieren brachte, war deshalb naheliegend und fast zwangsläufig. Naheliegend war auch der Bezug zu den Musiktagen, für die er oft die symbolträchtigen Plakate entwarf. Obwohl er als Musiker nach Eschingen kam, kann man sich durchaus fragen, kam eigentlich die Musik- Reit- Eis-Sport und Kunststadt Eschingen zu ihm oder er zu ihr? Die Antwort liegt aber in der Mitte: Bei der Zuneigung zu der hübschen Eschingerin Gretel Maier, später eben „D Lange Gretel“.
Eins kann ich aber Hans Lang nicht vergessen und kaum verzeihen, es ist fast schon ein Kindheitstrauma, mein einziges, zwar leicht zu bewältigendes, verkraftbares, aber latent. Im altbackenen Turnsaal der Volksschule hing an der nördlichen Wand ein mächtiges Gemälde, gemalt von Hans Lang in Ocker, Bleiweiss und Kohle: Turnvater Jahn wachte streng über die Schul- und Turnvereinseleven. Und dieser bärbeißige schaute einem überall nach und machte einem wirklich Angst, weil er so lebendig wirkte und einem stechendscharf, disziplinfordernd ansah. Egal ob man sich hinter Mattenbergen, Kletterseilen oder Bündeln von Rundlaufstrickleitern versteckte, immer vermieste der Alte einem den Spaß am Turnen und Spielen. Hans Lang ließ sich vom Turnvater Jahn beim malen direkt in die Augen blicken. Dieser scharfe Blick verfolgt einem immer und überall im Saal. „Turnvater Jahn is watching you“, so könnte die Bildunterschrift lauten. Viele Ex-Volksschüler teilen noch heute diese Furcht vor dem strengen Blick des deutschen Obervorturners. (Ich glaube deshalb bin ich nicht in den Turnverein gegangen, sondern zur DJK in die modernen Gymnasiumshalle ?)
Turnvater Jahn
Sprühende, rastlose Phantasie hat den musischen Malerpoeten Hans Lang lebenslang umgetrieben. Falls dieses Erzählte doch eine kleine Vita gewesen sein sollte, haben sie vielleicht abgelauscht, dass das im reinsten Wortsinn ein „Vitales“ ein „Phantastisches, phantasievolles“ Leben war. Hans Lang bereicherte die Stadt Eschingen, die Baar, die Region und machte sie noch lebenswerter, noch anregender, noch poesievoller. Er war ein stadtverliebter, ein freiheitsliebender, ein selbstverwirklichender Bohem. Verliebt in Land, Leute, Jung und Alt, in Bauwerke, Flora, Fauna, ins Ried, die Donauauen, die Baardörfer, in Bewegung, Grazie, Genüsse aller Art, Geselligkeit, Humor, Jahreszeiten, Kontraste, Pinsel, Blei, Leinwand, Papier, Styropor, in Wasser, Eis, Luft, Licht und Liebe.
Denn die Liebe zu seiner Muse, seiner Ehefrau und Mutter seiner Kinder Monika, Christel, Hans Albert, zu Gretel Maier- Lang, machte seine freie Selbstverwirklichung erst möglich.
So ein originelles Leben kriegen nicht viele fertig. Und darum:
Memento Hans und Gretel Lang
Die zwei Bilder unten von Hans Lang waren im August 2024 in Donaueschingen zu sehen:
Wer im Vertrauen auf die Biber-Verordnung Abschüsse vornimmt, kann dafür persönlich haften und muss im schlimmsten Fall mit einem Strafverfahren vor Gericht rechnen.
Das strenge und umfassende Schutzregime des Bibers gemäß Art. 12 Abs. 1 FFH-RL bzw. § 44 BNatSchG ist ausreichend zu berücksichtigen!
Biber in der Breg
Hauptkritikpunkte von BUND und NABU an der Biber-Verordnung:
Zweifelhafte Erfordernis und Begründung
Es gibt bisher keinen einzigen dokumentierten Fall im Land, bei dem der Abschuss eines Bibers einen Konflikt langfristig gelöst hat. Bürokratie wird nicht abgebaut, sondern nur auf die unteren Behörden verlagert, die dann wiederum mit rechtlichen Unsicherheiten zu kämpfen haben.
Gefährdung des Biber-Managements
Das Töten von Bibern führt höchstens zu einer kurzfristigen Beruhigung von Konflikten, aber nicht zu nachhaltigen Lösungen. Darauf setzt aber das gut funktionierende Biber-Management im Land. Die Verordnung erschwert die Arbeit der ehrenamtlichen Biber-Beratenden, weil sie eine kurzfristige Scheinlösung durch vermeintlich einfachen Abschuss verspricht. Viele der Engagierten werden sich überlegen, ihr Engagement aus Frust und mangelnder Akzeptanz zu beenden.
Rückschritt im Natur-, Arten- und Klimaschutz
Der Biber ist eine Schlüsselart mit erheblichen positiven Effekten auf die Gewässerökologie, die Biodiversität, den natürlichen Klimaschutz und die Klimaanpassung. Angesichts der kritischen Lage in diesen Bereichen ist es fahrlässig, dass die Verordnung diese kostenlosen Leistungen des Bibers in den Wind schlägt.
Rechtsunsicherheit und absehbare Rechtswidrigkeit
Der Entwurf bleibt an vielen Stellen so unkonkret, dass er in seiner aktuellen Form aus Sicht der Naturschutzverbände zu erheblichen Rechtsunsicherheiten führt. Artenschutzrechtliche Ausnahmen müssen stets eindeutig begründet werden, verhältnismäßig sein und im Einzelfall geprüft werden. Das geplante Instrument der Allgemeinverfügung hingegen ist nicht rechtssicher ausformulierbar und stellt die Unteren Naturschutzbehörden vor eine kaum lösbare Aufgabe. Wer im Vertrauen auf die Biber-Verordnung Abschüsse vornimmt, kann dafür persönlich haften und muss im schlimmsten Fall mit einem Strafverfahren vor Gericht rechnen. Erst im August wurde eine vergleichbare Allgemeinverfügung in Bayern vom dortigen Verwaltungsgericht gestoppt. Das Ergebnis: noch mehr Bürokratie.
Alternativvorschläge für den Umgang mit dem Biber im Land
BUND und NABU fordern von der Landesregierung, von der neuen Biber-Verordnung abzurücken und auf nachhaltige Lösungen zu setzen. Dazu gehört:
naturnahe Gewässer und Auenlandschaften zu stärken und bauliche Eingriffe sowie die intensive Nutzung bis nahe an die Uferböschungen zu verhindern,
das etablierte Bibermanagement mit seinen langfristigen Lösungen personell und finanziell zu stärken und dessen Instrumente, wie z. B. den Schutz von Bäumen mit Drahthosen oder den Einsatz von Elektrozäunen, konsequent anzuwenden,
den Biber als heimische Art zu akzeptieren und seine positiven Leistungen für die Renaturierung anzuerkennen, statt den Fokus auf wenige Konflikte zu legen.
Zum Jahresbeginn war wieder mal ein Arzttermin angesagt, diesmal im VS-Zentralbereich knapp neben dem ausufernden Klinikkomplex. Mein letzter Besuch dort war mir freilich in unguter Erinnerung geblieben, nicht wegen des Befunds, sondern weil ich mich an der Kasse beim Bezahlen des Parkscheins peinlich schwergetan hatte, sodass mir ein erfahrenerer Gutmensch beispringen musste. Ich war also gewarnt und hatte zuhause reichlich Münzgeld eingesteckt!
Doch zu meiner Überraschung fehlte diesmal die Schranke samt Parkscheinautomat, und so rollte ich ohne Zwischenstopp in eine der wenigen noch freien Parklücken, um sodann guter Dinge zu den Praxen zu eilen, neben deren Eingang – oha! – noch immer die Kasse platziert war. Und auch diesmal hatte sich vor ihr ein Rückstau gebildet; wie nicht zu übersehen war, wechselten die Wartenden dabei ungeduldig von einem Bein aufs andere, denn das „Sturmtief Elli“, in den Morgennachrichten bereits angekündigt, war mit seinem Ausläufer eingetroffen, und es blies heftig um die Gebäudeecken. Doch weshalb bloß der Stau vor der Kassenbox, so staunte ich im Vorübereilen, wo es doch an der Einfahrt weder eine Schranke noch einen Parkscheinautomaten mehr gab?
Schon in der Praxis beim EKG auf dem Schragen liegend erkundigte ich mich bei der Arzthelferin, wie ich die Ansammlung vor der Kasse zu deuten hätte. Ach die Schranke, so klärte sie mich auf, die sei ja immer wieder mal mutwillig oder versehentlich umgefahren worden, weshalb die Parkplatzbetreibergesellschaft ihr Bezahlsystem umgestellt habe auf ein Neues mit Überwachungskamera. Und wehe dem, der nicht bezahle! Dann komme die Rechnung nachträglich per Post – und zwar eine gesalzene.
Wahrhaftig, der Stau vor der Kasse hatte sich noch immer nicht aufgelöst, als ich nach der Untersuchung noch recht frohgestimmt wieder ins Freie trat, derweil die Böen von „Sturmtief Elli“ offensichtlich an Stärke weiter zugelegt hatten. Auch diesmal waren es vorwiegend verunsicherte Alte, umstanden und beraten von Hilfswilligen beiderlei Geschlechts und meist technikaffineren Alters. Mit zittrigen Händen machte sich soeben Einer an der (wie heißt das doch gleich?) Touchscreen-Scheibe zu schaffen. Derweil ich mit langem Hals bemüht war, deren korrekte Bedienung vorneweg zu erspähen und zu kapieren. Eben bemühte sich mein Vordermann verzweifelt, mit seiner Bank-Card klar zu kommen – war da etwa die PIN-Nummer noch gefragt – und wie war die doch noch? Erst recht: wie gibt man die mit klammen Fingern ein?
Wie gut, dass ich mich zuhause mit Münzgeld eingedeckt hatte. Endlich war auch ich an der Reihe: Aha, es war das Autokennzeichen einzutippen, Buchstabe für Buchstabe – Bindestrich – Zahl für Zahl … und prompt musste ich mich vertippt haben! Hinter meinem Rücken wurde bereits geraunt, und von der Seite her will auch mir jemand behilflich sein. „WEITER“ befiehlt mir endlich die gläserne Scheibe, und ich werde (mit Symbolen) gefragt: mit Card oder mit Münzgeld? Klar, bei gerade mal 1,40 € nichts wie den Geldbeutel rausgekramt, doch – o Schreck – weder die Ein-, noch die Zweieuromünze will in den Schlitz passen, die letztere ist mir dann auch noch vor lauter Aufregung entglitten und davongerollt, um von einem hilfsbereiten Mitmenschen aufgelesen zu werden. Hatte man die Münzgeld-Zahlweise mittlerweile gestrichen? Unterdessen ist das Gemurmel hinter mir lauter und lauter geworden. Was bleibt da zu tun? Die Karte aus dem Geldbeutel genestelt und in mehreren Versuchen an der vorbezeichneten Stelle des Bildschirms eingelegt! Doch auch jetzt streikt das System – offenbar mag es mich einfach nicht.
Schließlich resigniere und entschuldige ich mich bei den Nachgerückten, suche frustriert meinen Wagen, steige ein und starte – Hauptsache, der kardiologische Befund hat keinen Anlass gegeben, mir Sorgen zu machen. Spätestens an der Kasse wäre womöglich ja doch ein Herzflimmern zu befürchten gewesen, gar ein Infarkt vor lauter Stress. An der Ausfahrt grüßt von hoch oben die Kamera auf ihrem Mast.
Noch immer nicht ist zuhause die schriftliche Zahlungsaufforderung eingetroffen. Immerhin war zwischenzeitlich zu erfahren, dass mit dem Jahreswechsel auch meine Bank-Card hätte ausgewechselt werden müssen.