Dass der Wald nicht nur Wirtschaftsobjekt, Wasserspeicher und Biotop ist, sondern dass er schön sein kann, sollte wieder öffentlich gesagt werden dürfen und als Argument zählen. (W. Stölb: Waldästhetik. 2005)
Jetzt hat die Kunststoff-Mode also auch die Weißtannen erreicht. Schienen deren Jungpflanzen sich bisher doch erfolgreich gewehrt zu haben gegen den in der Waldwirtschaft seit der Jahrtausendwende grassierenden Trend zu hässlichen Polyprophylen-Wuchshüllen, das Rundum-sorglos-Paket gegen Verbiss- und Fegeschäden bei gleichzeitiger Beschleunigung des Jugendwachstums. Weshalb sich der Tannenwaldbau noch vergleichsweise naturnah und ästhetisch ansprechend präsentieren durfte, wo immer eine ausreichende Bejagung des auf Weißtannenäsung fixierten Rehwilds gewährleistet war. Wo immer ein paar Samenbäume die sich verschärfenden Kalamitäten wie die forstliche Nutzung überlebt hatten, brauchte zumeist ja auch nicht gepflanzt zu werden, da verjüngt sich der Wald von allein.
Wo hingegen Tannen gepflanzt werden müssen, sind es nicht die so hässlichen weißen bis grünlichen Röhren, die das Waldbild mit dem Charme von Kriegerfriedhöfen verunzieren. Besser bewährt haben sich bei jungen Nadelbäumen neuerdings engmaschige Gitterhüllen an hölzernen Stäben, im Forstkatalog als „Baumschutz-Gitterhülle Freiwuchs“ angepriesen. Ihre Farbe soll in sattgrüner Bodenflora wohl der Tarnung dienen, anders jedenfalls als zuvor die knallig farbigen Kunststoffklammern, mit denen der Waldwirt bisher die Gipfelknospen seiner Tännchen zu schützen pflegte, sofern er nicht sogar Drahthosen oder den Wildschutzzaun bevorzugte. Schließlich möchte es die Forstpartie mit den Waldbesuchern ja auch nicht gänzlich verscherzen beim Anblick all der Drahtgestelle – gilt der Wald doch manch einem noch immer als Sehnsuchtsort und Gegenwelt.
Wie es scheint, heiligt heutzutage unterm Vorzeichen des vom Klimawandel erzwungenen Umbaus auch im Wald der Zweck die Mittel: so auch den immer exzessiveren Kunststoffeinsatz auf Erdölbasis. Man tut den Wuchs- wie den Gitterhüllen-Praktikern sicher nicht Unrecht, wenn man festhält, dass es von Anfang an in aller Regel die ungelöste Wald-Wild-Problematik war, die sie zu diesen Rettungsankern greifen ließ. Alle anderen Argumente (Wuchsbeschleunigung, Ersparnis an Pflegekosten) scheinen eher nachgeschoben zu sein. Sicher ist sicher, zumal wenn der mit der Pflanzung beauftragte Unternehmer auch noch eine Anwuchsgarantie geleistet hat!



Ups, dachte ich beim Lesen des neuesten Hockenjos-Berichts, kommt jetzt doch die Altersmilde bei meinem geschätzten Kollegen? Da hat er schon bissiger formuliert.
Aber halt, halt -falsch gedacht: Mit den 3 naturfernen Kunststoffbildern im Wald will er wohl sagen, daß der von aktiven Kollegen so hoch gepriesene naturnahe Waldbau noch längst nicht überall eingezogen ist.
Raffiniert gemacht! Hut ab!