Neujahrsschießen der Bürgerwehr 2026

Historische Bürgerwehr Hüfingen 1741 e.V beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Wagrain.

2026

Neujahrsschiessen 2026
Vielen Dank Monika Thoma-Walkenbach!
Neujahrsschiessen 2026

2025

Filme und Fotos von Thomas Kring

2024

2023

Historische Bürgerwehr Hüfingen 1741 e.V beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Wagrain mit anschließender Kommandoübergabe.


S` Eishuus

S’Eishuss gelesen von Maria Simon

Neilich woni ums Eishuus, um d` Eiswies und um die Zuelaufkanäl und Stellfalle vu dere Kuriosität umme gmuset bi, hät mer en Maa vu de Prinz-Fritzi Allee her zuegucket und mech au aagschwattiert :
„Sagnsemal Junger Mann, er hät tasächlich Junge Maa gsait, wat isen dat für eehn Jebäude. Keene Fenster, nur en hojes Scheunentor und mächtje Mauern mit sone Feiler anne Wände. So wat ha ick noch nie jesehen“. Ech ha mi beschts Hochdietsch usikromet i de Erwartung dass ers au verstoht. S` häts denno au einigermaasse dau. Ech hann ihm also verzellt dass des s` Eishuus vu de Brauerei sei und dennebet e Eiswies. Zertscht häter mech aagucket wie wenn ihn verseckle wet, aber s` moss bald so glaubwerdig aakumme sie, dass ers kapiert und au glaubt hät. „Dat is ja n` Ding, so wat ha ick noch nie jehöhrt un jesehn. Scheenen Tach ooch noch und nischt für Unjut, wa“.

S` Eishuus am Park z’Eschinge
1999 von German Hasenfratz
Eishuus vu Weste

Des wann ech dem Berliner i 10 stark mundartlaschtige, trochene Sätz verzellt han, des hehreter jetzt uf Booremerisch und uusfiehrlicher.

Jeder vu iis will e scheen zapfts, guet kiehlts Pils vum Fass. Wenn de Zinke Franz vum Bergerstiebli Aafang vu de Woch mit dem Henschel vu de Brauerei s` Holzkischte- Bier, s` Fassbier und de Sprudel kriegt hät, hät er und die Brauereimanne so 4-5 Eisschibbel in Kähr abitreit. Die Bier- oder besser die Eiskutscher hond grossi Lederlappe über d` Schulter glait, dass die Saukälte vu dene Iiisschibbel nit dorch Mark und Boa gange isch. Mit Iiseklammhoocke , so Art Steigeise zum d` Issschibbel hebe, hond sie die kalt Ware in Käer abi trait. Die Schibbel waret ugfähr so groß wie die sauschwere Granitrandstäe wo de Stroossebauer Fischbach i de ganze Stadt versetzt hät. Well sie us Wasser waret, waret sie nit ganz so schwer wie selli Granitbolle. Des Iis hät ver die ganz Woch des Bier kiehl halte messe. Wenns im Summer hoass war hät de Franz e paar Schiebbel meh kriegt. Vu de Pritsche vu de Brauerei- Henschel, Magirus, MAN oder au Daimler häts all abitropfet. S` war koa Tropfbier, s waret die Iisschibbel wo halt verloffe sind. Wenn die Bierkutscher i de Brauerei glade hond sind sie no dorch d` Prinz- Fritzi Allee as Eishuus gfahre und dert, bim Iis- Moaschter, hond sie die Iisschibbel ufglade. S hät schnell gau messe und die klei dopplet Nebederre isch nu korz ufgmacht wore, dass koa Wermi vu dusse inne kumme isch. Dert drin wars au im Summer iisig kaalt. D` Neistädter hond sit e paar Johr e mords grossi Gosche well sie de erscht und greescht Gletscher im Wälderwaald erfunde und und gmacht hebet. Die Wälderdossele hond halt no nie ebbis vu de Ferschtliche Eishieser us de Johrhundertwendi ghert mit denne Eisschätz. Dert sind au mindschtens 2500 cbm Naturgletscher glege. Erscht noch dem des Winter- Iis glade war, sind denno die Bierkutsche zu de oanzelne Wertschafte zugglet.

Kiehlschränk, Kiehlaggregat oder Kiehlhieser wie hit mit Strom häts halt dämolds no nit gäe. De Bierkäer uf de Buechhalde, dert gohts mit Ufzieg granate tief abi in kiehel Lettebode, hät oafach nit des Kiehl Bier hergäe wiemers halt im Summer gern ghet hät. Dert änni hät d`Brauerei en Toal vum Bier au uusglageret. Die Verkarrerei vu de War war aber au selli ufwändig und halt au koschtschpielig. Do war natierli Natur- Iis die Lösung.

Wiederkehr Nordsiite wo de Schrägufzug (Elevator) war

Anne 1898 im Oktober hät mer sich überleit ob mer des Bierdepot, so hät de Bierkäer i de Buechhalde dämols ghoasse, in en Eiskäer ummodlet. Im Hammer, im Bregtal bim Ferschtliche Hammerwerch, hät mer en Eisweiher aalege welle. Wege de Transportkoschte aber hät mer des kheie lau. Me sieht dass au dämols des Fuhrwerche au scho dier war. Jetzt hät mer anne 1901 z` Immedinge bi de FF Maschinegiesserei en Eiskäher mit eme Weiher baue welle. Dert im Dunnedaal ischs au selli kaalt und s` Iis hät mer mit em Zug, de neie Schwarzwaldbah, gi Eschinge fiehre welle. Au des isch nint woore. 1903 hät mer de Bahhof z` Eschinge als Standort ver en Iiskäer usguckt und bi de Maschinefabrik Otto Wehrle us Emmedinge nocheme Koschtevoraaschlag aagfrooget. Die hond so e Iishuus abote zemet mit eme „ Eis- Elevator (später kummemer nomol druf wa des isch). D` Isolierung hät mer bim Bau mit Sägmähel zwischet de zweischalige Wänd usgfillt. Daß mer so ebbis guet Dämme muess, des hond die au scho genau gwisst. Des Sägmähel hät de Sägwerker Ruppert Bader us Wolterdinge glieferet und de Zimmermoaschter Hirt häts iigfilt. S` erscht Aagebot war vum Sägwerk Kromer usem Hammer. Der war aber, wahrscheinlich au wieder wege de Fracht, z` dier.

De Aastrich war, wörtlich us de Genehmigung „ Haagfarbe“ wa so vill wie hoasset wie des stinkig Carbolineum, also Teerfarb. En ziemli schwarze Kaschte inne, usse aber heal aagstriche gege d` Sunnestrahle. Imme Iishuus – Lehrbuech vu 1890 word aber vor Carbolineum gwarnt weil de stechend Guu is Iis innischlupfe dät und stinke dai und wells sichs vu de Sunne mit Wärmi uflade dät. Viel besser wär usse en Aastrich mit wiisse Kalchmilch – Farb. Der Maa hät ebbis verstande und wenn si dem gfolget hettet, hetes sie des Maleur 1919 nit khaa. Anne 1911 nämlech war die Buddi scho dringend reparaturbedierftig. Wahrschienlich war des Sägmähel wege de Nässi vum Iis vermauchet und soachnass dass es nimme isoliert hät. Wa mer ganz nei war: Z` Friedewieler, e FF- Niederlassung mit Forstamt und ere FF- Verwaltung, häts au e FF Brauerei gähe mit eme Iisweiher und eme Iiskäher im Granit/ Gneis Berg. S` Bier hät „Kloschterbräu“ koasse und isch au im Friedewielemer Kloschter, wa de Ferscht i de Säkularisierung saparalisiert hät, braut wore. Den Iiskäer- Stolle sieht mer hit no wemmer usem Ort Friedewiehler wieder uf d` Kreisstrooß ussi fahrt. Die Brauereimäeschter Noll vu Eschinge und de Pietsch vu Freidewieler hät mer 1911 uusduuscht well de Friedewielemer Pietsch amend e bessers Pils zweag broacht hät und sech mit Iis au besser uskennt hät.

Well also des Bahhofsiishuus am verricke und vermauche war hät mer scho 1909 im FF- Sennhof imme
„ Ökonomiehof „ au en Iiskäer ver de Iibergang iigrichtet. Wie mer glii no dietlicher sieht, war des Iis zum Kiehle e mords Kummedi und trotzdem aber au wechtig. 1907 hät mer nebe denne beide andere Iishieser de Platz am jetzige Iishuus, also a de Prinz -Fritzi Allee, mit iberschissigem Uushub vume Brauerei- Neibau uffgfillt. De Uftrag vers Muure vum dem neie Bau hät de Muurer Christian Weber us Briilinge griegt. Desmol hät mer d` Isolierung mit Torf aabiete lau. Wahrschienli hät sich des Sägmähl nit bewährt wie mer am Bahhofsiishuus gsähne hät. De Torf hät denno de Max Gliemann us Mannheim glieferet, man höhre und staune. Waret d`Pfohremer dämols grad nit gut aagsähne oder hond se nit liefere kinne, welle oder war vermuetlich der Torf z` wenig breeselig, ebe z` schibblig, z` boschig ? Alles isch meglich. Aber hauptsächlech hond d`Pfohremer de Torf ver sech selber bruucht dass se im Winter nit an Ranze gfrohre hond. Usserdem het mern no mahle messe dass es breeseliger, mealiger und luftiger wore wär.

D` Fa. Ohrenstein& Koppel, kurz O&K, Feld – und Kleinbahnbau/ Niederlassung Straßburg, hät de Uftrag griegt ver ebe so en „Eis- Elevator“. Strossborg war dämols Diischs Reichsgebiet. So en Elevator hät iis Bube über 50 Johr später immer no fasziniert, beschäftigt und au zume kleine Nebeiikumme verholfe. Aber au des kummt no später. Der Elevator war en Schrägufzug usre Iiseträgerkonschtruckzion wo schreeg so mit 45° a de Nordsiite vum Eishuus aagloehnet war. Er isch us de Eiswies bis iunters Dach vum Iishuus gange und dert imme Wiederkehr- Door verschwunde. Die Iiseträgerrampe hät zwei umlaufendi riesige, giegsigi Ketteme kha a denne luuter Iisedorne wie e Folter- Nagelbrett muntiert waret, hit dät mer Spikes dezu sage. Über die dorneriich Schrägbah sind d` Iisschiebbel uffi transportiert wore zum Iilagere. Die Firma O&K war ibrigens noch em Krieg bis i 90-er Johr e nahmhafte Bagger Fabrik mit eme gute Ruef für Soalbagger aber au Pionier im Hydraulikbaggergschäft. Am 10.Dez. 1906 war schomol en Ufrichtschmaus. S` isch aaznähme dass es dä z` kaalt war zum feschte. Drum hond de Zimmerpolier 3 Mark griegt, de Zimmergsell 2 mark, de Taglöhner 50 Pfennig, de Lehrling sogar oa Mark, de Muurerpolier 2 Mark, also weniger wie de Zimmermaa, und de Muurerhandlanger 50 Pfennig. So ischs imme Schpeserodel verewigt.

Bahnhof- Eishuus vu 1903 – 1911

1917 hät mer e Angebot bruucht ver neie Zuelaufkanäl und Stellfalle zum Eisweiher. Die Halbwertziite vu dene Iishieser waret selli korz. Scho anne 1920 hät d` Fa. Brenzinger us Friiborg e Aagebot wieder ver e nei Iishuus gmacht mit Elevator. Des isch die Firma die au 1909, also glii nochem Stadtbrand, die im ganze Südweschte onzigartig Jugenstilbruck z` Wolterdinge baut hät als erschti „ Eisenbetonbrücke „ in Baden. Also scho wege dem e hischtorischs Unikat. Der Ruef vu dere Ferma muess bis anne 1920 glanget haa, so dass sie im Feber 1920 de Uuftrag ver des nei Iishuus griegt hät. Gnaugnomme s` Viert innerhalb vu so 20 Johr. Desmol in „ Eisenbetonbauweise „ und mit 2 Elevatoren vu de Firma Otto Beck us Bieberach im Elzdaal. (Ibrigens war de Baumoaschter Brenzinger en Vorfahr vum Tobias Brenzinger der ufem Stadtbauamt Eschinge glehrt hät und de Sohn war vu de beliebte Eschinger Musiklehrerin Frau Brenzinger. Der Eschinger Lehrbue isch jetzt Stadtbaumoeschter z` Waldkerch) . D` Abbrucharbete vum aalte Glächter war mit drin aber d` Fundament waret „ verwertbar „. De Lohn ver de Vorarbeiter vum Neibau hät de Brenzinger mit 55 Pfennig aabote, de Facharbeiter mit 54 Pfennig und de Helfer mit 45 Pfennig. Ufschlussriech wär i dem Zemethang wa dämols s`Kilo Brot koschtet hät ? Scho anne 1919 wars Dach vum 3. Iishuus und d` Wänd so desolat, dass die Sanierung 70 000.- Mark koschtet het. Des Geld aber hät mer nit uusgähe, sondern später ebe komplett nei baut.

Ver de Neibau hät mer offesechtlich oageni Eishaus- Ing. Büros aagstellt nämlich die Firme Zangerl us München, Langeloth us Frankfurt und Arnold us Nürnberg. Ver des Ziitalter ohne Fax, Mail, Kopierer und Autobah, kaum e Telefon, ganz scheh „global“. Us dere Kummedi mit dem Sägmähel und dem Torf und Holz hät mer anscheinend glehrt. D` Wänd hät mer 1,75 m !! dick gmacht und hät domit gnug Isolation ghet zum de Gletscher s` ganz Johr z` hebbe. Desmol hät mer au den Fehler mit dere schwarze„ Haagfarb “, die d` Wermi sogar aagsuuget statt zruckwirft, nimme gmacht. D` Wänd waret ockerheal aagmolet dass d` Sunnestrahle zruckgworfe wered und geg Süde waret riesige Laubbämm wo die Iis- Kathetrale verschattet hond. Und so stohts hit no. Ziemli uubeachtet vu de Stadt- und de FF- Verwaltung, wenig äschtemiert und fascht übersehnne. Wenns nit so en Riesebolle wär hetetses bestimmt scho iber de Huufe gschobbe. Wers woass stuunt, hät Respekt dass es so lang ghebt hät und beduuret selli dass de Elevator vor so 25 Johr verschrottet woare isch. Au der Eschinger Bau hät en hohne bauliche und induschtriehischtorische Selteheitswert. Z ́ Dietschland gihts grad no 2-3 ähnlichi, aber viel kleineri Eishieser. Dieselle wered aber au als Event- Hiiser und Gaschtronomie vermärtet. Wie wärs mol mit eme Eiswiesefescht im und am Eishuus so bei minus 20° ?

E Kleinod i dere Art gihts aber au no z` Breitnau. Dert isches us Holz im Schwarzwaldstil und hoasst dert
„ Eisschopf“ statt „ Boscheschopf“, wa eigetlich genau s` Gegetoal isch. Im oane hofft mer uf Kälte , usem andere erwaartet mer molligi Wermi. Der Schopf war au amme Iis- und Brandweiher und war ver e Milchbuuregnosseschaft zum Milch, Rohm, Wii, Bier und Butter kiehle.

S` Eishuus in Eschinge mit Eiswies von Nord im Hintergrund s`Maschiehuus der FF Brauerei

Wa hät des aber alls mit iisere Jugendziit z`dond ? Viel, wie mer glii sehnnet. Wenn also de Brauerei- Iis- Moaschter Mitti November die Stellfalle am Grasellihuus ufgmacht hät und korz vorem Eisweiher die zweit au no, denno isch des Bregwasser usem Kraftwerkskanal i die gmaijet Eiswies gloffe. Je noch Keltiibroch usem Oschte häts sie kinne, dass es Aafang Dezember scho 8- 10 cm Iis dä unne ghet hät. Zum Schlittschuhe fahre hät des scho guet glanget. Dämols war mer nit so verschrocke wie hit, womer mont 15 cm daiet nit trage. Des war also die Ziit bis zum Dreikönig wo Eschinge zum Schlittschuhe – Eldorado wore isch. Die ganz Eiswies hät mer zum fahre kaa.

Eissäge Sammlung Oscar Rohr / Ewattingen ( Zahnung in Stoss- u. nicht in Zugrichtung ! )
Holzeishaus auf Eiswiese von ca. 1912 – 1920 genutzt / Fussballer auf der Eiswiese
Aafang vume „ Canale Grande“

Noch Dreikenig isch d`Fläche aber kleiner wore. D` Brauerei- Iis- Kneacht, verstärkt mit Buure us Eschinge die i de Winterruhe waret, hond jetzt die uugfähr 25 cm dick Iisschecht vum Elevator, also vum Eis- Schrägufzuug, Richtung Norde mit Iissäge ufgsäget. Die Iissäge waret wie langi Fuchsschwänz mit om T- fermige Griff a dene mer mit beide Händ ziehe und Stosse hät kinne. Des warte grobzähnigi Säge wo Zähn i Stossrichtung uusgrechtet hond. Des hät de Sinn kha dass mer i Stossrichtung säget und s` Wasser om beim Zieh nit so entgege spritzt und om nit so soachnass macht. Regelrächte Kanäl wie holländischi Grachte sind entstande. Zerscht hond sie en Hauptkanal freigsäget. Die Manne hond Eisflöß mit so 3 * 4 m mit erne grosse Blattsäge, wie grossi Waldsägefuchsschwänz hond sie uusgsähnne, zuegsäget. Jetzt hond mir Buebe en Flösser- Bohnestäcke wie die Gondoliere z` Venedig i die nasse Fuuschthändsche kriegt und hond die Iisflöß zum Ufzug gondle miesse. Dert isch mer vu dere wacklige Iisplatte abi ghoppet und isch mit de Stang wieder zu de Sägimanschaft gloffe wo de wieder e neis Floß zudoalt griegt häsch. Vorem Ufzug sind Manne gstande und hond die Flöß zu kleinere Schiebbel versäget dass mer se uf des Nagelbett vum Elevator bugsiere hät kinne und sie mit dem giegsige Schrägufzuug gmietli is Eishuus uffi gräslet sind. Im Eishuus hond anderi Manne die Schibbel zu de endgiltige „ Randstoa“ – Gressi zuegsäget und akkurat i Regal und Niesche Iiglageret. Später hond d`Wirt, aber au d`Mezger und Buure die Iisbolle in Käer gliefret griegt zum s` Bier kiehle, Worscht mache und kiehle oder ebe d` Milch und de Butter bi de Buure zum kiehle. Daß des mit dem Flöße uf dene arschglatte und gautschige Iisplatte nit uhni nassi Fiess abgange isch, wenn Pech gha häsch bisch au mol bis as Fiddle im Wasser gstande, des war natierli klar.

Schlittschuehvergniege 2014

Jetzte kummt des groß Manko vu de Unterstadt. Dä hät es ebbe koa Warmluftheitzung gähe, wie i iisere Mariekerch. Ver des hert, kaalt, soachnass und risikoriichs Fleeßergschäft isch mer au entlohnt wore. Am Mittag häsch , je nochdem wie dech aagstellt häsch und wie langs uusghalte häsch, vum Iis- Moaschter so oa Mark oder en Fufzgerle kriegt und 2 iiskaalti „Silberperle“ Schprudel. Daß des Eishuus e Rarität, e Kuriosität, e Einmaligkeit isch im ganze Südweschte, dass dert koa Gras und Schilf dorchs Iis hät waase derfe, dass de Iis- Moaschter de Wasserstand dauernd genau usmebiliere hät messe daß es guets Iis gieht, dass d` Eiswiesflächi noch dere Iis- Earn nu no halb so gross war und dass es im Iishuus au im Summer saukaalt war und dass es ver iis Buebe au im Winter ufregendi Nebeerwerbsquelle gäe hät, des dierft jetzt au ufklärt sie. Übrigens war de Eishuus und die Naturiis – Earn no bis anne 1970 i Betrieb. En Zeitzeug, de Öhler – Fritz, sait dass mer emol 46 cm dicks Eis gernet hät were kinne. D` FF- Brauerei war no die letscht gross Brauerei die so lang des guet, dicht und klar Naturiis gnutzt hät.

Jo , so war`s dämols .

Stellfalle am Maschinehuuskanal, Zuelaufkanal zu de Eiswies

Melodien der Baar im Dezember

Von der Biberaue am Höllenstein in die Breg.

27.12.2023

am Schossenweg
23.12.2025
27.12.2023
27.12.2023
23.12.2025

Brücke über den Röthenbach

27.12.2023

Im Winkel Bräunlingen

27.12.2023
27.12.2023

Im Winkel am Röthenbach

An der Breg, Vor Buchen, Bräunlingen.

27.12.2023
27.12.2023

An der Breg in Bräunlingen.

27.12.2023
27.12.2023

Im Eichhölzle, Bräunlingen.

27.12.2023
28.12.2025
27.12.2023
27.12.2025

Schellenberger Wald, beim Hollohoh.

27.12.2023
27.12.2023
28.12.2025

Blick vom Schellenberg.

27.12.2023
28.12.2025
27.12.2023
27.12.2023
28.12.2025

Wehrdienstzersetzung

Wehrkraftzersetzung?

Zu Weihnachten 1961, sechs Jahre nach Gründung der Bundeswehr, schenkte ich meinem Vater eine Sammlung selbstgefertigter Karikaturen, die aus dem Alltag bei den Mittenwalder Gebirgsjägern stammten. Dorthin war ich – wunschgemäß – eingezogen worden, nachdem mir die Musterungskommission gleich nach dem Abitur die Wehrdiensttauglichkeit bescheinigt hatte. „Mit allem schuldigen Respekt“, so vermerkte ich in der „Gebrauchsanleitung“ meiner Blätter, wolle ich damit meinem (als Weltkriegsveteran vorbelasteten) Vater vermitteln, „dass sich auch zu Zeiten der Überschalljäger und Superbomben hie und da Situationen ergeben, die Vätern und Großvätern aus deren eigener Praxis wohlvertraut erscheinen werden.“ Will heißen: Wehrdienst, gleich welcher Art und in welcher Bedrohungslage, hat nicht nur düstere Seiten – zumal bei der Gebirgstruppe.

„San mir die solzn Alpenjager“ (aus einem Marschlied der Gebirgstruppe)

Daran wurde ich am 6. Dezember 2025, dem Nikolaustag, erinnert, als im Berliner Reichstag das neue Wehrdienstgesetz beschlossen wurde; begleitet wurde dieser heikle gesetzgeberische Akt allenthalben von Demos zahlloser Jugendlicher, die sich darüber entrüstet zeigten, dass ausgerechnet sie, die Betroffenen, nicht gefragt worden seien. Für Deutschland erschossen zu werden, so las man es auf Transparenten und Plakaten, nein danke!

Doch ab 2026 haben 18jährige Jugendliche (die männlichen obligatorisch, die weiblichen freiwillig) nun also einen Fragebogen aus dem Verteidigungsministerium auszufüllen, der Auskunft geben soll über den Fitnesszustand der Befragten, vor allem über deren Bereitschaft zu dienen. Sollte sich die benötigte Zahl an Soldaten nach dem Freiwilligkeitsprinzip nicht realisieren lassen, so soll die im Jahr 2011 ausgesetzte Wehrpflicht für Männer wieder in Kraft gesetzt werden; für die Frauen wird es hierzu erst noch einer Grundgesetzänderung bedürfen, wie sie unter den gegenwärtigen parlamentarischen Kräfteverhältnissen freilich nahezu ausgeschlossen ist.

Flugabwehr bei der Gebirgstruppe

Wann jemals ist Wehrpflicht so schonend, ja, so weichgespült wiedereingeführt worden? Und wann war Mitteleuropa, wann die Bundesrepublik stärker bedroht als seit dem Einfall Putins in die Ukraine? Damals, in den 1960er bis in die 1990er Jahre war es „nur“ der Kalte Krieg mit seinem atomaren Säbelrasseln beidseits des Eisernen Vorhangs; was dazu geführt hat, dass Keiner danach gefragt wurde, ob er denn gewillt ist, als „Bürger in Uniform“ seiner Wehrpflicht nachzukommen. Verweigerer hatten immerhin die Möglichkeit, Ersatzdienst zu leisten. 

Seit vier Jahren tobt unterdessen ein heißer Krieg – keine zwei Flugstunden von uns entfernt. Und es finden auch hier täglich hybride Attacken mit Aufklärungsdrohnen statt, derweil Moskau obendrein mit seinem Atomraketenarsenal droht. All dies bei zunehmender Durchlöcherung des Nato-Schutzschirms durch einen exzentrischen US-Präsidenten. Wie soll da mal nicht von „Zeitenwende“, nicht von „Verteidigungsfähigkeit“, von „Kriegstüchtigkeit“ die Rede sein?

Anno 1961, zu Zeiten des Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß selig, glaubte ich meinem Vater noch versichern zu müssen: „Sollte sich bei aller Einfalt und Skurrilität meiner Zeichnungen versehentlich ein makabrer Unterton eingemischt haben, so sind – angesichts der leider viel weniger komischen Weltlage – Ähnlichkeiten mit wirklichen Begebenheiten oder gar mit lebenden Personen rein zufälliger Natur!“

Ob sich unsere Gesellschaft soweit entstauben lassen wird, dass sie von Moskau und Washington als verteidigungsfähig, von Putin als unangreifbar wahrgenommen wird?

Stubendurchgang des UvDs (des Unteroffiziers vom Dienst)

Schulweg darf keine finanzielle Belastung sein – Ungerechte ÖPNV-Kosten im Schwarzwald-Baar-Kreis stoppen und Familien im ländlichen Raum fair entlasten

https://petitionen.landtag-bw.de/Petitionen/Details/3ff0b20e-d474-42f9-9372-424608406ada

Petent

Marius Süß
78176 Blumberg, DE


Anliegen

Familien im ländlichen Raum tragen oft eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung, weil ihre Kinder den öffentlichen Nahverkehr nutzen müssen, um überhaupt eine Schule besuchen zu können. Diese Kosten entstehen besonders dort, wo es keine Schule am eigenen Wohnort gibt oder die Wege zu weit sind.
Mit dieser Petition soll diese finanzielle Ungerechtigkeit hinterfragt werden. Fahrten mit dem ÖPNV, die ausschließlich dem Schulbesuch dienen, dürfen für Familien – insbesondere Mehrkindfamilien – keine existenzielle Belastung darstellen.
Ein konkretes Beispiel ist der Schwarzwald-Baar-Kreis mit dem Verkehrsverbund „move“.
Der Kreistag hat beschlossen, dass ab dem 01.01.2026 die Fahrtkosten für Grundschüler nicht mehr übernommen werden. Dadurch entstehen Familien 45 € Kosten pro Kind und Monat, denn das JugendBW-Ticket ist das einzige verfügbare Ticket. Dieses Ticket ist für junge Erwachsene sinnvoll, aber für Grundschüler völlig überdimensioniert – sie müssen lediglich in den Nachbarort zur Schule fahren.
Trotzdem bietet „move“ kein preisgünstigeres Ticket an, da Mindereinnahmen befürchtet werden. Damit werden Familien mit Grundschulkindern finanziell belastet, obwohl diese bereits stark unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden.
Auch für Schüler weiterführender Schulen ohne Bedarf an bundesweiter Nutzung gibt es keine günstigere Alternative. Innerhalb von 2 Jahren sind durch Ticketpreiserhöhungen Mehrkosten für den ÖPNV von 14,60 € pro Monat und Kind entstanden. Selbst unter Berücksichtigung der Kindergelderhöhung bleibt eine Unterdeckung von 5,60 € pro Monat und Kind – das Leben im Schwarzwald-Baar-Kreis wird für Familien somit spürbar teurer.
Zusätzlich hat der Kreistag die 3-Kind-Regelung gestrichen, wodurch Familien ab 2026 für jedes schulpflichtige Kind voll zahlen müssen. Das führt zu folgenden jährlichen Mehrkosten:
• 3 Kinder: 540 €
• 4 Kinder: 1.080 €
• 5 Kinder: 1.620 €
• 6 Kinder: 2.160 €
Obwohl die Verwaltung selbst aufführt, dass die finanziellen Auswirkungen der 3-Kind-Regelung für den Landkreis „überschaubar“ sind, kann diese Entscheidung für Mehrkindfamilien existenzbedrohend sein. Die Begründung – hoher Verwaltungsaufwand – wäre durch moderne Digitalisierung längst lösbar.
Dies stellt eine finanzielle Benachteiligung und faktische Diskriminierung von Mehrkindfamilien dar.

Ziele der Petition

1. Untersuchung, wie Familien im ländlichen Raum bei den ÖPNV-Kosten für den Schulweg finanziell entlastet werden können. Ausarbeitung konkreter Maßnahmen mit Zielzeitvorgabe.
2. Verpflichtung der ÖPNV-Unternehmen – insbesondere im Schwarzwald-Baar-Kreis – spezielle und bezahlbare Tickets für Grundschulkinder anzubieten, mit verbindlichen Höchstpreisen, die sich am Kosten-Leistungs-Verhältnis des „D-Tickets JugendBW“ orientieren.
3. Verpflichtung der ÖPNV-Unternehmen – insbesondere im Schwarzwald-Baar-Kreis – günstige Tickets für Schüler weiterführender Schulen bereitzustellen, die keine bundesweite Nutzung benötigen, ebenfalls mit Maximalpreisgrenzen, die sich am Kosten-Leistungs-Verhältnis des „D-Tickets JugendBW“ orientieren.
4. Prüfung und Umsetzung sozialverträglicher Einsparmaßnahmen im Haushalt des Schwarzwald-Baar-Kreises, die nicht einseitig Familien mit schulpflichtigen Kindern belasten – mit dem Ziel, deren aktuelle Mehrbelastung ganz-oder teilweise zurückzunehmen. 
5. Überprüfung der Abschaffung der 3-Kind-Regelung in der Schülerbeförderungskosten-Satzung des Schwarzwald-Baar-Kreises.


https://petitionen.landtag-bw.de/Petitionen/Details/3ff0b20e-d474-42f9-9372-424608406ada

Zum 200. Geburtstag von Josef Heinemann

Erste Version war im Dezember 2023

Ein Mitglied vom Hüfinger Künstlerkreis war Josef Heinemann, geboren am 29. Dezember 1825 in Hüfingen und gestorben am 2. April 1901 ebenfalls in Hüfingen. Das Grab scheint leider ganz abgeräumt zu sein.

Elisabeth (Lisette) Reich (1819 – 1871) am Spinnrad; Katharina Heinemann (1828 – 1900) mit Kind; J. Nepomuk Heinemann, genannt „Muckle“ (1817 – 1902) mit Fes (Das Tragen eines Fes war im Biedermeier ein Zeichen der Gemütlichkeit); Lucian Reich (1817-1900) mit Pfeife; Rudolf Gleichauf (1826 – 1896) rechts unter der Uhr; Josef Heinemann (1825 – 1901) mit Buch. Zeichnung aus den Wanderblühten.

Der Vater, Josef Heinemann (18.03.1794 – 31.12.1855) war Naglermeister und Armenhausverwalter. Er war am Bau der Hüfinger Anlage beteiligt und wird in dieser Beziehung mehrfach in den Akten erwähnt: Akte über die Anlage auf dem Rotrain. Die Mutter Katharina Strobel (16.04.1791-20.11.1869) war die Tochter des herrschaftlichen Försters Anton Strobel (1762-02.10.1812) aus Mundelfingen.

Josef Heinemann, hat am 03.11.1857 Maria Josefa Gleichauf (10.02.1828-23.03.1891) in Bonndorf geheiratet. Josefa war eine Schwester von seinem Freund Rudolf Gleichauf und das Paar hatte 7 Kinder.

Josef Heinemann (1825 – 1901)
Bleistiftzeichnung von seinem Bruder Nepomuk Heinemann.
Pfarrer Josef Heinemann, Onkel des Malers Josef Heinemann und des Lithographen Nepomuk Heinemann.
Pfarrer Josef Heinemann, Onkel des Malers Josef Heinemann und des Lithographen Nepomuk Heinemann.
Marie Heinemann (1857 – 1948)
Gemalt von ihrem Taufpaten und Onkel Josef Heinemann.
Mehr zu Marie gibt es im Artikel über das Haus Nober.
Marie und Kätherli (Katharina Heinemann 30.04.1828-27.01.1900. Kätherli war die Schwester von J. Nepomuk und Josef Heinemann)
Foto von Johann Nepomuk Heinemann etwa 1868

Großherzog Leopold finanzierte Josef Heinemann ein Stipendium in Höhe von 200 Gulden, das ihm einen Aufenthalt in München ermöglichte. Dort hielten sich damals auch Lucian und Xaver Reich, Rudolf Gleichauf sowie sein Bruder Nepomuk auf. Sein erster Lehrer in München wurde der Akademieprofessor Strählhuber und nach ihm Julius Schnorr von Carolsfeld. Damals arbeitete Schnorr an seinen Darstellungen aus dem Nibelungenbuch.
Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

Mit Jäger, Gießmann und Strähuber, die unter Schnorrs Leitung dessen Nibelungen in der Residenz ausführten, bekannt geworden, beteiligte ich mich regelmäßig an ihren Kegelabenden in einem Privatgarten.

Josephsgeschichte: Jacob schenkt Joseph einen bunten Rock (1850)
Bildnis der Malerin Ida Müller, Freiburg (1841). Heinemann war hier erst 16 Jahre alt.

1848 verließen die Freunde München und gingen nach Frankfurt zum Onkel der Brüder Reich, dem Musikdirektor Johann Nepomuk Schelble.
Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

Xaver Reich, etwa 1850 gezeichnet von Josef Heinemann

In das vielseitige, nach außen hin aber wenig bewegte Leben unseres Frankfurter Aufenthaltes tönten bald auch schrille Mißklänge politischer Geschehnisse. Mit dem Rufe auf der Straße: Die Liberalen stürmen die Hauptwache waren eines Abends die Bewohner der freien Stadt aus ihrer Ruhe und Behaglichkeit geschreckt worden. Es galt, wie bekannt, zunächst den Sitzen der Herrn in der Eschenheimer Gasse. Das über die festgenommenen studentischen Tollköpfe verhängte, jahrelange heimliche Gerichtsverfahren, von dem nur zuweilen ein Schein gleich dem einer Blendlaterne in die Öffentlichkeit drang, war nichts weniger als geeignet, die bundestägliche Justiz populär zu machen. Und als eines Morgens — wir befanden uns just auf dem Wege zum Städelschen Institut — einer dem andern in den Straßen zurief: Sie sind durch heut Nacht! und die Leute in Gruppen vor der Konstablerwache standen und zu den Käfigen hinauf schauten, an welchen die Stricke, an denen sie sich herabgelassen, noch zu sehen waren, und es hieß, draus im Weiher beim Bethmannschen Garten habe man die Fußstapfen der Flüchtlinge entdeckt — da war unter der nach hunderten zählenden Menge gewiß nicht Einer, der ihnen nicht von Herzen glückliche Reise gewünscht hätte.

Nachdem der Sturm sich gelegt, und man in Ruhe sich wieder den Künsten des Friedens zuwenden konnte, hatten wir, ehe wir unser angefangenes Werk fortsetzten, Musterblätter für Schwarzwälder Uhrenschildmaler herauszugeben begonnen, wozu auch Joseph Heinemann und Heinrich Frank Beiträge gaben.

Im Jahr 52 hatte mich der Bau eines andern Kunsttempels wieder in die Residenz geführt, das Hoftheater, an und in welchem es Verschiedenes zu malen gab, wozu auch Joseph Heinemann und Gleichauf berufen wurden und auch mein Bruder mit seinen Terrakotten sich beteiligen sollte.

Bild aus der Kinderbibel in der polnischen Version. Aus dem Kommentar 1761.
Bild aus der Kinderbibel in der polnischen Version. Aus hieronymus/#comment-1761

Josef Heinemann kam danach wieder zurück nach Hüfingen. Hier wurde er berühmt durch die Bilderbibel die er im Auftrag der Herderschen Verlagsbuchhandlung schuf.

Nach dieser Bilderbibel schnitten die Holzschneider die Illustrationen in der Schulbibel für Volksschulen des Freiburger Weihischofs von Dr. Friedrich Justus Knecht, die später von Dr. J. Schuster und G. May neu bearbeitet, in mehreren Diözesen offiziell eingeführt und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Ein Foto einer kolorierten Fassungen ist sogar schon in den Kommentaren auf dem Hieronymus aufgetaucht.

Zu den Arbeiten Josef Heinemanns zählen auch 14 Kreuzwegstationen für die Kirche in Ettlingen, Wandbilder in der Kirche von Ohlsbach und Oberöwisheim und ein Apostelzyklus im Chor und in der Kuppel der Gruftkirche zu Neudingen.
Er malte auch die Fresken in der Kapelle des Schlosses Heiligenberg und das Rosenkranzbild für einen Seitenaltar in der Stadtkirche zu Donaueschingen, der im Jahre 1873 aufgestellt wurde. Er zeichnete 1868 die Kartons für die Glasfenster der Donaueschinger Stadtkirche. Im Treppenhaus eines Museums in Donaueschingen war auch mal eine Kohlenzeichnung mit dem Titel: Graf Heinrich zu Fürstenberg nach der siegreichen Schlacht bei Dürnkrut 1278 auf seine Burg Fürstenberg zurückkehrend.

Unten die Biblische Geschichte für Schule und Haus

Biblische Geschichte für Schule und Haus
Die Erschaffung der Welt
Adam und Eva
Kain und Abel
Die Sündflut
Noah geht aus der Arche und opfert
Turmbau zu Babel
Abraham
Joseph wir von seinen Brüdern verkauft
Joseph prüft seine Brüder
Jakobs und Josephs Tod
Der geduldige Job
Moses‘ Geburt
Moses‘ Flucht und Berufung
Die zehn Plagen
Das Osterlamm und der Auszug aus Ägypten
Der Durchgang durch das Rote Meer
Die Wunder in der Wüste
Gott verkündet die zehn Gebote
Das heilige Zelt
Der Hohepriester, die Priester und die Leviten
Moses‘ und Marons Zweifel. Die eherne Schlange.
Der Einzug in das Gelobte Land.
Heli und Samuel
David wird zum Könige gesalbt
Davids Kampf mit dem Riesen Goliath
David, der fromme und gotterleuchtete König
Salomons Gebet und weises Urteil.
Der Bau und die Einweihung des Tempels.
Der Prophet Elias.
Das Opfer des Elias.
Elias wird getötet und beruft den Elisäus. Seine Auffahrt.
Tobias und der Engel Raphael.
Judith
Jeremias
Daniel rettet die keusche Susanna.
Die drei Jünglinge im Feuerofen
Daniel in der Löwengrube
Esther
Die makkabäischen Brüder
Die Verkündung der Geburt des Johannes
Die Verkündung der Geburt Jesu
Mariä Heimsuchung
Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Darstellung Jesu im Tempel
Die Weisen aus dem Morgenlande
Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr
Der Knabe Jesu im Tempel
Jesu wird von Johannes getrauft
Die Hochzeit zu Kana
Jesus reinigt den Tempel
Jesus und die Samariterin
Jesus lehrt, treibt den Teufel aus und heilt Kranke
Der reiche Fischfang
Die Bergpredigt
Der Erweckung des Jünglings von Raim
Die Büßerin Magdalena
Die Seepredigt
Der Sturm auf dem Meer
Die Tochter des Jairus und das kranke Weib
Jesus vermehrt Brote
Bekenntnis und Vorrang des Petrus. Gewalt der übrigen Apostel
Die Verklärung Jesu
Das Gleichnis vom bamherzigen Samariter
Jesu der gute Hirt
Das Gleichnis vom verlorenen Sohne.
Das Gleichnis von dem reichen Manne und dem armen Lazarus.
Jesu segnet Kinder.
Die Auferweckung des Lazarus.
Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem.
Das Osterlamm und die Fußwaschung.
Jesus sagt den Verrat des Judas, die Flucht der Apostel und die Verleugnung des Petrus vorher.
Jesus am Ölberge.
Jesus wird dem Barabbas nachgesetzt, gegeiselt und gekrönt.
Jesus wird dem Volke vorgestellt und zum Tode verurteilt.
Jesus wird gekeuzigt.
Jesus spricht die sieben letzten Worte und stirbt.
Die Eröffnung der Seite und das Begräbnis Jesu.
Die Auferstehung Jesu.
Die Himmelfahrt Jesu.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Stephanus der erste Märtyrer.
Der Kämmerer aus Äthopien.
Die Bekehrung des Saulus.
Die Taufe des Heiden Kornelius.

das letzte Bild fehlt im Buch. Falls jemand noch ein vollständiges hat, freue ich mich über ein Foto!

Leider wurde die künstlerische Arbeit Josef Heinemanns seit dem Beginn der 1870er Jahre durch den Grünen Star (Glaukom) immer stärker gehemmt. Es zwang ihn schließlich, Pinsel und Stift für immer aus der Hand zu legen. Am 2. April 1901 starb Josef Heinemann in Hüfingen.

Fridolin Heinemann (19.12.1859-4.2.1926) führte später das künstlerische Erbe des Vaters weiter. Er stand als Glasmaler in München in hohem Ansehen. Die Glasgemälde in der Heiliggeistkirche in München und in St. Verena und Gallus in Hüfingen wurden im 2. Weltkrieg zerstört. In der Lorettokapelle ist ein Gemälde von ihm zu finden.

„Madonna“ (laut Chronik von August Vetter 1984 sei das eine Madonna?) in der Lorettokapelle von Fridolin Heinemann.

Spätlese von Wolf Hockenjos

Ich möchte hier (leider zu spät für ein Weihnachtsgeschenk) auf das Buch von Wolf Hockenjos aufmerksam machen.

Das Buch gibt es bei Morys Hofbuchhandlung in Eschingen:

https://morys-hofbuchhandlung.de/spatlese-von-wolf-hockenjos

Vorwort

Spätlese steht hier einmal nicht für Prädikatswein, den man im Badischen bekanntlich »sürpfle, nitt suffe« soll.

Gemeint ist vielmehr das »Spätwerk«, das einer im fortgeschrittenen Seniorenalter abgeliefert hat.

Eigentlich wollte der Autor es ja mit dem Bücherschreiben endlich gut sein lassen, spätestens 2018 mit dem Erscheinen von Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald, dem letzten von insgesamt sechs Bildtextbänden. Doch dann hat sich plötzlich eine neue, ungemein verlockende »Spielwiese« auf-getan: Nach einer Jubiläumsveranstaltung aus Anlass des 200. Geburtstags des Hüfinger Schriftstellers Lucian Reich, bei der ich einen bebilderten Vortrag (»Zwischen Dichtung und Wahrheit – Hieronymus und der Wald«) beisteuerte, war hier der Blog hieronymus-online.de entstanden, in welchem mir eine Kolumne eingeräumt wurde. In ihr sammelten sich Texte zu Themen an, die mir aktuell und mitteilenswert erschienen sind – jeweils wohlwollend aufgenommen und begrüßt, mitunter auch kommentiert von der überaus engagierten Hüfinger Bloggerin, der Naturwissenschaftlerin Dr. Hannah Miriam Jaag. Und irgendwann kam die Idee auf, eine Auswahl aus der Kolumne – sozusagen als »Spätlese« – nun doch auch noch analog in lesbarerer Papierform zu veröffentlichen: ein Sammelsurium teils bereits in Zeitschriften erschienener, teils unveröffentlichter Texte zu mich in meinem Ruhestand umtreibendem Zeitgeschehen. Die meisten kreisen natürlich auch diesmal wieder um Baum, Wald und Landschaft, doch mehr und mehr drängten sich mir auch ganz andere Themen auf, seien es die Auswirkungen des Klimawandels und der Energiewende auf Wald und Landschaft oder persönliche Wertungen von Vorgängen in unserer so krisengeschüttelten Gegenwart. In der sich Großeltern immer öfter die Frage stellt: Werden sich unsere Enkel in dieser Welt wohl noch zurechtfinden und wohlfühlen können?

Es traf sich gut, dass sich in Donaueschingen, unserem Alterssitz, mit Morys Hofbuchhandlung erneut ein Verleger fand, sodass mir der Entschluss leicht gemacht wurde, es doch noch einmal zu versuchen, diesmal nicht mit einem Bildtextband, sondern mit einem bebilderten Lesebuch. An Ermunterungen zu diesem Wagnis hat es nicht gefehlt. Bleibt zu hoffen, dass meine »Spätlese« gehaltvoll, frisch und fruchtig genug, doch nicht gar zu trocken ausgefallen ist und so auch diesmal wieder Leser und Liebhaber finden wird.

Die Buchvorstellung

Am 23. April 2025 in der Stadtbücherei, Donaueschingen.

Und jetzt auch noch der Goldschakal

Leider hat hier in der Mitte das Mikrofon versagt

Und jetzt auch noch der Goldschakal

Lob des Krummwüchsigen

Leider schlechter Ton, da das Mikrofon gestreikt hatte


Das Buch gibt es bei Morys Hofbuchhandlung in Eschingen:

https://morys-hofbuchhandlung.de/spatlese-von-wolf-hockenjos




Beim Landeswaldverband gibt es ein ausführliches und legendäres Interview mit Wolf Hockenjos!

https://lwv-bw.de/wolf-hockenjos-interview/


Die Rede von Prof. Dr. Günther Reichelt zur Buchvorstellung 2018 – Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald.

Prof. Dr. Günther Reichelt und Wolf Hockenjos 2018 bei der Buchvorstellung.

2018 Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald.

2017 Hieronymus und der Wald in der Rathausgalerie Hüfingen.

Wolf Hockenjos wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

13. Mai 2025 Pressemitteilung aus Donaueschingen

Am Montag, 12. Mai 2025, wurde Wolf Hockenjos im Donaueschinger Rathaus mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung nahm Minister Peter Hauk MdL vom Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor.

Mit der Auszeichnung wird das langjährige, vielseitige und außergewöhnliche Engagement von Wolf Hockenjos gewürdigt. Als Forstmann, Naturschützer, Autor zahlreicher heimatkundlicher und naturwissenschaftlicher Publikationen sowie Mitbegründer und Vorsitzender des Clubs Thurnerspur e.V. hat er über Jahrzehnte hinweg nachhaltige Spuren hinterlassen.

„Wolf Hockenjos steht für eine Haltung, die unser Gemeinwesen stärkt. Er übernimmt Verantwortung und gestaltet im Kleinen wie im Großen unsere Gesellschaft aktiv mit“, sagte Oberbürgermeister Erik Pauly in seiner Begrüßung. „Die Stadt Donaueschingen ist stolz, ihn in ihrer Mitte zu wissen.“

An der Feierstunde nahmen Weggefährten, Vertreter von Umwelt- und Sportverbänden sowie Mitglieder der Familie Hockenjos teil.

Das Bild zeigt bei der feierlichen Veranstaltung im Sitzungssaal des Rathauses (v.l.): den Landtagsabgeordneten Niko Reith, Peter Hauk (Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz), Wolf Hockenjos, Oberbürgermeister Erik Pauly und Manfred Kreutz, Bürgermeister von St. Märgen. (Foto: Martina Bolkart, Stadtverwaltung Donaueschingen) 

Starkes Zeichen der Bevölkerung an die Bildungspolitik – Landtagspetition „Neue Lernkultur – Jetzt!“

Dagmar Schäfer & Team Neue – Lernkultur – Jetzt!

Logo neue Lernkultur

„Schule mit Zukunft für alle Kinder“ mit sechs Wochen Zeichnungsfrist

Stuttgart, 11.Dezember 2025: Das Team Neue Lernkultur -Jetzt!  war nach Stuttgart angereist um ihr überparteiliches Anliegen zum Start der digitalen Unterschriftensammlung an den Petitionsvorsitzenden Thomas Marwein, sowie den bildungspolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP persönlich zu überbringen. „Wir möchten die Bildungspolitik in die kommende Landtagswahl tragen und eine Bildungswende zum Wohl aller Kinder und Jugendlichen in Gang setzen“, erklärt die Initiative. Die Forderungen sollen Eingang in die Koalitionsverhandlungen und das Regierungsprogramm 2026 finden. Erstes Ziel sei eine Anhörung noch in dieser Legislaturperiode, also bereits im Januar. Dafür erforderlich sind mindestens 10 000 Unterstützer:innen innerhalb der Frist von kurzen sechs Wochen. Dagmar Schäfer, pensionierte Lehrerin betont: „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bürger:innen und Bürger unseres Landes mit ihrer Unterschrift diese gebotene Chance nutzen und ein starkes Zeichen für ihre Kinder und Jugendlichen an die Entscheidungsträger setzen. Hier geht es um die Biografien der jungen Menschen in allen Schularten.“ Sie und ihr ehrenamtliches Team haben die Webseite Neue Lernkultur – Jetzt! aufgebaut, damit sich Interessierte, Entscheidungsträger:innen und Betroffene davon überzeugen können, dass alles für eine erfolgreiche Neuausrichtung des Schulsystems bereit liege. 

Das Team Neue Lernkultur -Jetzt! war nach Stuttgart angereist um ihr überparteiliches Anliegen zum Start der digitalen Unterschriftensammlung an den Petitionsvorsitzenden Thomas Marwein, sowie den bildungspolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP persönlich zu überbringen.
Das Team Neue Lernkultur -Jetzt! war nach Stuttgart angereist um ihr überparteiliches Anliegen zum Start der digitalen Unterschriftensammlung an den Petitionsvorsitzenden Thomas Marwein, sowie den bildungspolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP persönlich zu überbringen.

„Es ist Zeit, dass die Probleme gemeinsam und überparteilich gelöst werden“, so das Team neue Lernkultur – Jetzt. Heute, wo der Bildungsnotstand längst ein Standort- und Fachkräfteproblem sei und Schulen es immer häufiger nicht schafften, grundlegende Kompetenzen verlässlich aufzubauen, fordert die ehrenamtliche Initiative die Veränderung der Schulen vom Ort des Lehrens zum Ort des Lernens. „Unsere Schulen sind extrem wichtige Lebensorte für junge Menschen. Kinder wollen die Welt entdecken und dazulernen – doch in d en Schulen herrscht immer mehr Dauerstress,statt Lernen mit Sinn. Starre Taktung und wenig Zeit für Beziehung machen Schulen zunehmend dysfunktional. Das Ergebnis spüren Familien unmittelbar: Stress, Motivationsverlust, wachsende Lernlücken – und ein Übergang in Ausbildung und Beruf, der für zu viele nicht gelingt, obwohl Potenzial da ist.“

Die Initiative hebt darauf ab, dass Baden-Württemberg als innovatives und demokratisches Bundesland gut gebildete Menschen brauche. „Wir haben staatliche Leuchtturmschulen, die es schaffen, Kindern Geborgenheit und eine förderliche Lernkultur zu bieten. Nachweislich weisen diese Schulen bessere Leistungsergebnisse auf. Die Bildungspolitik soll diese Expertise anerkennen und sich mit erfahrenen Praktiker:innen und Bildungsforscher:innen an einen Tisch setzen, um die Probleme überparteilich und sachorientiert zu lösen“, fordert die Initiative Neue Lernkultur – Jetzt. In einer sich rasant verändernden Welt müsse auch Schule neu gedacht werden. KI, vernetzte Krisen und neue Anforderungen an Kompetenzen machten ein Festhalten an rein kognitiver Wissensvermittlung unmöglich.Gefragt seien Future Skills, Transformationsfähigkeit – und Räume, in denen Menschen einander wirklich begegnen.

Unter anderem fordert die Initiative eine Enquete-Kommission unter Einbezug von Betroffenen und Praktiker:innen zur Vereinbarung eines gemeinsamen Bildungsbegriffes für die Einrichtung einer neuen Lernkultur. Weiterhin verlangt sie eine Begutachtung der Organisationsstruktur und Arbeitsweise des Kultusministeriums durch ein externes Beratungsunternehmen mit dem Ziel, wirksamere Arbeitsergebnisse und eine Team-Kultur des Zuhörens über alle Ebenen zu ermöglichen.

Das Team bittet um weitreichende Unterstützung der Petition: „Erst wenn das Anliegen beim Landtag und der künftigen Landesregierung durch Tausende Unterschriften aus der Bevölkerung großes Gewicht findet, werden die Entscheider:innen weg von der Flickschusterei in ein Handeln kommen, das bei den Kindern dieses Landes Früchte trägt. Schule mit Zukunft für alle Kinder!“

Hier geht es zur Petition: https://www.neue-lernkultur-jetzt.de

Die Verwandlung des Feldberger Hofs

2. Februar 2023

Verwandlung
Vom Berggasthaus zum „Millionenhotel“

Doch wollen wir nicht von des Feldbergs Höhe scheiden, ohne den Wunsch auszusprechen, es möge in aller Zukunft hier oben der alte behagliche und herzliche Ton herrschen bleiben, auf dass nicht eines Tages ein Abschreckungsbädecker nötig falle. (Prof. Dr. Ludwig Neumann: Der Schwarzwald in Wort und Bild. Stuttgart, 1897) 

Mit dem Bädecker hatten sie es nie so arg im Schwarzwald, sehr viel angesagter waren die Führer von Seydlitz, Bayer und Schnars, die über viele Jahrzehnte und in ungezählten Auflagen zu Schwarzwaldtouren einluden, nicht zuletzt rund um den Feldberg. Von den Viehhütten einmal abgesehen, die nur halbjährig genutzt und bewohnt worden sind und in denen der Wanderer notfalls Unterschlupf fand, begann die eigentliche Besiedlung und die touristische Nutzung des Feldbergs erst ums Jahr 1864: Eine Menzenschwander Aktiengesellschaft, zu der sich einige Bürger zusammengetan hatten, eröffnete etwas oberhalb ihrer Viehhütte in geschützter Muldenlage östlich des Seebucks eines der ersten Berggasthäuser des Schwarzwalds, den Feldbergerhof. An dessen Standort lässt ein Neuer Wegweiser durch den Schwarzwald von Dr. G. v. Seydlitz aus dem Jahr 1870 allerdings noch kein gutes Haar: „Dieser neue Gasthof liegt in einer muldenartigen Hochebene, ohne Aussicht, ohne hübsche Umgebung, [ist] offenbar ganz verfehlt angelegt.“ Doch werde er Jedermann zur Stärkung angenehm sein und biete allen wünschenswerte Bequemlichkeit zur Nacht, die auf dem Berg bleiben wollen. Der Durstige finde Bier allerdings nur ausnahmsweise, wenn an schönen Sonntagen viel Besuch aus den umliegenden Tälern erwartet werde „und die Hirten und Knechte hier zahlreich verkehren.“ Bei der Anlage des Hauses sei sogar eine Molken- und Luftkuranstalt beabsichtigt gewesen. Wanderführer durften damals anscheinend auch noch kritisch sein, ohne gleich wegen Geschäftsschädigung verklagt zu werden.

Werbung anno 1865

Der freundliche Feldberger Hof sei „ein kleines Häuschen, das zunächst dem bescheidenen Zuspruch reichlich gerecht wurde“. So wohlwollend beschreibt indessen 1897 in einem opulenten Goldschnitt-Prachtband Der Schwarzwald in Wort und Bild Prof. Dr. Ludwig Neumann das Gasthaus, im Ehrenamt Präsident des 1864 in Freiburg gegründeten Badischen Vereins von Gastwirten und Industriellen, der alsbald in Schwarzwaldverein umbenannt worden war. 

Doch schon damals scheinen den Autor leise Zweifel beschlichen zu haben, ob der touristische Aufschwung nicht eines Tages einen „Abschreckungsbädecker“ erforderlich mache, um der Verrummelung des Bergs vorzubeugen. Neumanns Schreckbild war der aufdringliche „Salonschwarzwälder“, der es womöglich bald nicht mehr erlauben werde, „das Dasein auf der herrlichen Höhe auch weiterhin einfachen und anspruchslosen Menschen sympathisch zu erhalten“. Mit der Eröffnung der Höllentalbahn 1887 sei im Feldberger Hof die Besucherzahl derart sprunghaft angewachsen, „dass an Sonn- und Feiertagen oft 300 Gäste und mehr gleichzeitig hier weilen; die alte Stube wurde zu klein, das Gastzimmer mit den Hebelbildern bekam den großen neuen Speisesaal als Anbau … das Haus ist zu einer großen, umfangreichen Anlage geworden gleich einem stattlichen Herrschaftshof.“ Soweit Ludwig Neumann ausgangs des Jahrhunderts.

Feldberger Hof 1897 (Foto: Netzfund)

Stattlich, herrschaftlich…kein Wunder, wo der Feldberger Hof ja doch, „wie die weiten Waldungen auf der Ostseite des Berges Eigentum des Fürsten von Fürstenberg“ sei, wie Wilhelm Jensen, der holsteinische Reiseschriftsteller, 1901 in seinem kaum minder opulenten und reich bebilderten Werk Der Schwarzwald mutmaßt. Es sei ein großräumiger Gasthof, „in dem auch der zahlreichste Besuch ziemlich sicher, sei es in eigenen Zimmern, sei es in hergerichteten Betten am Boden rechnen darf“. Sicherheitshalber solle man sich telefonisch anmelden. Übrigens erstrecke sich seine Gastlichkeit neuerdings bis zum „Höchsten“, wo von dem rührigen, aber „höchst zuvorkommenden Wirt“ neben dem Luisenturm ein Rasthaus errichtet worden sei. Eine nicht geringe Rolle spiele bei der Befriedigung der Wünsche und Bedürfnisse der Gäste „die erquickliche Beschaffung trocknen Fußzeugs, im Notfall auch Kleidungsstücke für trübselig durchnässte Ankömmlinge, deren Zahl auch im besten Sommer keine unbedeutende ist.“

Erst in Schnars Schwarzwaldführer (dessen Erstauflage wohl 1878  gedruckt wurde) ist in der 16. Auflage von 1908 zum Stichwort Feldberger Hof auch vom Winter die Rede: „Schneeschuhlaufen wird hier als Sport getrieben.“ In seiner 22. verbesserten und erweiterten Ausgabe aus dem Jahr 1922 bekommt die Wintersaison im Feldberger Hof einen noch höheren Stellenwert: „Großartiger Neubau mit allen Erfordernissen eines modernen Gashofes, 200 Zimmer mit über 300 Betten. Schönstes Feld für Skiläufer (Wettläufe im Februar, Skiclub Schwarzwald).“ Und in seiner 25. verbesserten Auflage von 1928 wird daraus ein „gernbesuchtes Familienhotel“ mit Touristenunterkunft, und es wird noch mehr hervorgehoben: „Erster deutscher Wintersportplatz: schönstes Feld für Skiläufer (Wettläufe im Februar, Skiclub Schwarzwald):“

Umso erstaunlicher ist es, dass die beiden prominenten Autoren Neumann und Jensen in ihren Bänden über den Schwarzwald zum Winterbetrieb noch kein Wort verloren haben. Dabei hatten im Feldberger Hof doch bereits seit den 1890er Jahren die Wintertouristen Einzug gehalten und sogleich für einen rasanten Aufschwung der Wintersaison gesorgt, wie es im Gästebuch des Hauses die Einträge der namhaftesten Pioniere der deutschen Skisportentwicklung dokumentieren. Den Boom ausgelöst haben in Todtnau die Berichte über  Fridtjof Nansens Grönlanddurchquerung auf Skiern im Winter 1888; sie hatten den hiesigen Arzt Dr. Tholus dazu animiert, sich ein Paar Ski aus Norwegen schicken zu lassen. Die Erstbesteigung des Feldbergs per Ski erfolgte prompt im Winter 1890/91: Kurioserweise zeitgleich von Todtnau aus vom Rheinländer Fritz Breuer zusammen mit einem einheimischen Begleiter sowie von Titisee aus vom französischen Diplomaten Dr. Pilet in Begleitung eines baltischen Grafen. Beide Partien trafen zum großen wechselseitigen Erstaunen im Feldberger Hof zusammen, ehe sie dann gemeinsam zum Gipfelsturm ansetzten. Noch im nämlichen Jahr gründete Breuer im Todtnauer Ochsen den ersten Skiclub Deutschlands, der bekanntlich Nansen die Ehrenmitgliedschaft antrug, dessen Dankschreiben (v. 5. Januar 1892) seither unstrittig das Gründungsjahr 1891 belegt. 

Schon 1892 verfasste der umtriebige Todtnauer Skiclubvorsitzende Fritz Breuer seine „Anleitung zum Schneeschuhlaufen“, auch organisierte er im Feldberger Hof eine erste „Weltausstellung von Schneeschuhrequisiten“. Die Mitgliederzahl wuchs so rasch an, dass man sich schon 1895 dazu entschloss, einen Verband mit Ortsgruppen, den Skiclub Schwarzwald (nachmals Skiverband Schwarzwald) zu gründen. Noch vor der Jahrhundertwende wurden erste Wettkämpfe, im Winter 1897/98 sogar bereits die ersten Damenskirennen ausgetragen. Im Jahr 1900 fand die erste Deutsche Meisterschaft im Dauerlauf statt mit Start am Belchen und Zieltransparent am Feldberger Hof, gewonnen von einem norwegischen Studenten. Drei Winter später sollte diese strapaziöse Veranstaltung sogar bereits als „Erster Internationaler Dauerlauf um die Meisterschaft in Deutschland“ durchgeführt werden. 

Die Begeisterung für die Nordländer und ihre Skilaufkunst war so immens, dass man von Norwegen damals nicht nur Ski, Ausrüstung und Trainer importierte, sondern zu wintersportlichen Zwecken sogar Rentiere. Die Tiere waren von 1898 bis 1901 im Feldberger Hof stationiert unter der Obhut der Wirtsleute, der skienthusiastischen Karl und Fanny Mayer. Auf der Speisekarte standen nun plötzlich auch Telemarker Bauernsuppe, Grönländer Wal mit Thrantunke, Rentierwürste und Multebeeren. Für die überaus gastfreundliche Umsorgung der Wintergäste sollte Fanny Mayer alsbald den Ehrennamen „Feldbergmutter“ erhalten. 

Feldberger Hof 1904 – 1936

Nichts von alledem erwähnen Ludwig Neumann und Wilhelm Jensen, die beiden Autoren, in ihren Standardwerken: Noch kein Wort zum so jäh aufblühenden Wintertourismus! Fast sieht es so aus, als ob ihnen die geradezu atemberaubende Entwicklung vom traditionellen Sommergeschäft zum Ganzjahresbetrieb, gar zum Wintersportrummel, nicht ganz geheuer erschienen wäre. Schon 1904, nicht lange nach dem Erscheinen der beiden prächtigen Schwarzwaldbände, war aus dem heimeligen Berggasthaus ein neues großes Hotelgebäude geworden. 

Was vom älteren Teil des Hauses erhalten geblieben war, ist 1936 inklusive Hebelstube und Bismarcksaal abgerissen worden und einem noch größeren Neubau gewichen, jetzt nicht mehr mit Walm- sondern mit Flachdach, geräumig genug, um darin auch Großveranstaltungen ausrichten zu können. So wie anno 1939 die 75-Jahr-Feier des Schwarzwaldvereins. Doch auch damit nicht genug der Innovation: In den 1970er Jahren musste auch dieser Bau dem heutigen Hotelkomplex Feldberger Hof weichen, dem Sporthotel mit 700 Appartements und 300 Hotelbetten, dazu Restaurants für jeden Anspruch, Tiefgarage, Ladenpassage und Badelandschaft mit Saunen und Solarien.

Skibetrieb am Feldberger Hof 1975

Parallel zur Verwandlung des Feldberger Hofs veränderte sich auch dessen Umgebung. Im Wald gleich hinterm Hotelkomplex, wo Wilhelm Jensen noch einen „prachtvollen, urwaldartigen Tannenforst“ beschreibt, wurden für die kleinen Gäste Rutschen und Schaukeln, für die größeren der Kletterwald-Feldberg (Kletter- und Abenteuerspaß für Groß & Klein) angelegt sowie (als bei weitem attraktivste Zugnummer) der Wichtelpfad durch den Auerhuhnwald. Wo der Pfad den Wald verlässt, befindet sich ein offensichtlich dem Zerfall überlassenes Skiläuferdenkmal, das den gefallenen Skiläufern des Ersten Weltkriegs gewidmet ist. Höchstwahrscheinlich ist es um 1920 auf Initiative des Skipioniers, Lawinenforschers und Karlsruher Geographie-Professors Wilhelm Paulcke entstanden, der mit seinen Skikameraden im Winter regelmäßiger Gast im Feldberger Hof war und auf dem Köpfle nebenan auch schon paramilitärische Jägerrennen und Skipatrouillen-Wettkämpfe veranstaltet hatte, bevor er in die Türkei entsandt wurde, um auch dort Skitruppen auszubilden.

Feldberger Hof mit Haus der Natur

Kaum weniger gründlich als die Waldseite wird der im Sommer beweidete Hang zum Bismarckdenkmal-gekrönten Seebuck hinauf für den Skibetrieb hergerichtet. Denn die seit den ersten Anfängen sich hier austobenden, erst Telemark- und Kristiania-, dann Parallelschwünge der Arlbergschule übenden Skiläufer benötigen seit den Wirtschaftswunderjahren Lifte – und spätestens seit der Jahrtausendwende auch mehr und mehr Schneekanonen. Erfunden hatte den Schlepplift bereits im Jahr 1908 ein Schwarzwälder Gastwirt, Schneckenwirt Robert Winterhalder aus Schollach; der wollte mit seiner patentierten Erfindung natürlich nicht nur seine Hausgäste, sondern auch die Feldberger beglücken. In seinem Nachlass finden sich neben technischen Zeichnungen und Rentabilitätsberechnungen auch die Lagepläne zweier Schlepplifte für den Seebuck: Der eine war eben dort geplant, wo 1950 der bis heute (mit jährlich bis zu einer halben Million verkauften Liftkärtchen) bestfrequentierte Sessellift des Schwarzwalds errichtet wurde; der andere sollte im nahen Wald an der Max-Egon-Schanze die Skispringer wieder zum Anlauf hinauf befördern, das Nonplusultra moderner Skisprungstadien. Doch die Feldberger lehnten sein Angebot ab – mit der wahrhaft zeitlosen Begründung, es werde die Landschaft  zu sehr verschandelt.

Seit die Skiläufer massenhaft in Pkws anrücken, hatte sich die Parkproblematik rund um den Feldberger Hof dramatisch zugespitzt, weshalb 2015 am Hangfuß, ein Steinwurf vom Hotel entfernt, für 15 Millionen Euro ein gigantisches Parkhaus mit 1200 Stellplätzen, errichtet wurde; um die Kritik der Naturschützer zu entschärfen und das Landschaftsbild zu schonen, erhielt es ein Satteldach „in alpenländischem Stil“ und wurde komplett mit Holz verkleidet. Der winterlichen Parkplatznot wurde dennoch kaum abgeholfen: Was vermisst wird, ist ein Verkehrskonzept mit obligatorischem Shuttle-Betrieb – was freilich auch in Zeiten eines galoppierenden Klimawandels noch immer kaum durchzusetzen sein dürfte.

Kaum Entspannung der Parkmisere auf dem Berg

Weil der Feldberg seit 1937 mit dem ältesten und mit 42 km2 dem größten Naturschutzgebiet des Landes aufwarten kann, wurde dem Hotelkomplex aus Beton und Glas noch vor der Jahrtausendwende ein Haus der Natur in modernster Tonnenform und Holzbauweise zur Seite gestellt. Mit seinen Ausstellungs- und Seminarräumen zu Naturschutzthemen ist es zugleich Sitz des Naturschutzzentrums Südschwarzwald und des Naturparks. Doch auch für deren Raumbedarf sieht man sich bereits genötigt, das Haus durch Anbau oder Abriss und Neubau massiv zu vergrößern. 

Mitten im Hitzesommer 2022 überraschte der Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, zu welcher die Besiedlung mit vielerlei weiteren Hotels und Ferienhäusern unterdessen herangewachsen ist, mit neuerlichen Ausbauplänen: „Wir wollen unser Skigebiet für die Zukunft fit machen“, erläuterte er den Medien. Hierzu soll das Speicherbecken für die Kunstschneeproduktion vergrößert werden, und eine Ganzjahres-Kabinenbahn soll auf den Seebuck hinauf führen, denn die bis fünfsitzigen Sessellifte scheinen an ihre Belastungsgrenzen zu stoßen. 

Dass der Massentourismus am Feldberg eine Kehrseite hat, ist jedenfalls keine neue Erkenntnis, wo doch bereits die frühen Tourismuspioniere von Albträumen heimgesucht worden sind. So braucht es wohl nicht einmal mehr den von Ludwig Neumann erwogenen „Abschreckungsbädecker“. In den Monatsblättern seines Schwarzwaldvereins vom Oktober 1912 findet sich im Beitrag eines H. Flamm „Aus der Geschichte des Feldbergs“ die wohl düsterste Prophezeiung: …es scheint dem herrlichen Berg noch eine Epoche seiner Erschließung bevorzustehen. Der Bau von Millionenhotels wird ernstlich erwogen, und die „Elektrische“ soll nicht nur, was zu billigen wäre, an den Berg heran, sondern hinauf auf seine Höhen führen. Ein leidiger Schluss einer unentweihten Vergangenheit.

Oder sollte H. Flamm mit seiner „Elektrischen“ womöglich die E-Motorisierung vorausgeahnt haben? Es läuft sich derzeit nicht nur das Klima warm, auch die Klima- und Umweltschützer stehen in den Starlöchern.

In Erwartung des Winters

Über Weihnachten und Neujahr

Hieronymus Kapitel 10

“E freie frohe Muth
e gsund und frölich Blut
goht über Geld und Guth.”
>Johann Peter Hebel

Es muß kalt sein, denn wir sehen auf dem Bilde den Stoffel wider Gewohnheit frühe schon von der Jagd heimkehren. Mag aber auch das Alter Ursache haben, vor dem rücksichtslosen Gaste sich zurückzuziehen und Türen und Fenster zu verschließen, so hat doch für die Jugend jegliche Jahreszeit ihre eigenen Freuden: ist es nicht die blühende Rose am Stock, so ist es die Eisblume an der Fensterscheibe.

Nehmen wir einen Sonntagnachmittag. Der Nebel hat das Feld geräumt und die Sonne strahlt glanzvoll über dem weißbepuderten Tannenwald; die Birken und Erlen sehen aus, als kämen sie frisch vom Zuckerbäcker – und in tausend und tausend flimmernden Sternchen glitzert das Schneefeld. – Das ist für die Buben eine Lust, denn jetzt gilt es zu zeigen, wer dort auf der „Schleifer“ des Mühlbachs der Gewandteste und Keckste sei – und die Mädchen am besten zu necken verstehe. – Das waren auch für Hieronymus und seine Kameraden stets um so vergnügtere Tage gewesen, als sie nicht so häufig sind, diese Tage fröhlichen Treibens; denn oft erblickt man in der tief eingeschneiten Landschaft auch nicht ein menschliches Wesen. Nur Raben und Schneegeier flattern über das öde Gefilde, während scharfe Windswehen die Hütten und Höfe mit gewaltigen Schneemassen förmlich in Belagerungszustand versetzen, so daß der Hausvater morgens weder Laden noch Haustüre zu öffnen vermag und genötigt ist, wenn er dem Nachbar einen Besuch machen will, zuerst Minen und Tunnels zu graben.

Wie aber nach dem Ausspruch des Dichters: „Eines schickt sich nicht für alle“, gewisse Dinge in Scherz und Ernst immer nur einem gewissen Alter zukommen, so sahen die herangewachsenen Bürschlein bereits schon eine jüngere Altersklasse lustig auf dem Eis sich tummeln. – Ganz entsagen jedoch konnten sie diesem Vergnügen nicht. War die Schuljugend mit einbrechender Dämmerung vom Bache verschwunden, stieg der Vollmond über dem Wald empor und bestrahlte er die Schneelandschaft so helle, als wollte er’s mit wunderbarem Flimmern und Blitzen der verschwundenen Sonne fast gleichtun, so begaben sich Hieronymus, Dionys und Romulus mit anderen auf den überfrorenen „Gumpen“ unterhalb der Mühle; und auch Florentina und Juliana mit ihren Gespielinnen machten sich herbei, um ein halbes Stündchen lang die spiegelglatte Bahn wieder einmal zu probieren.

Die kurzen Tage hindurch saß Hieronymus fleißig bei der Arbeit. Die langen Abende jedoch gewährten Muße genug, auch noch eine Nebenbeschäftigung vornehmen zu können. – Wie damals in den meisten Kirchen bildliche Weihnachtsvorstellungen, sogenannte Kripplein, beliebt waren, so konnte man in manchen Häusern ebenfalls welche sehen. Für Kinder bildeten sie eine sehr anmutige Unterhaltung. Denn nicht nur erblickten sie da in romantischer Landschaft den Stall mit der Heiligen Familie, auch die drei Weisen aus dem Morgenlande kamen bereits über das Gebirge daher, und am Neujahrstag fand die Darstellung im Tempel statt – und so ging es fort, bis zum ersten Wunder am Hochzeitstisch zu Kana.

Auch Vater Mathias besaß von früher her eine Schachtel voll solcher Figürchen, nur war ihm bisher noch nie so viel Zeit geblieben, dieselben renovieren und eine Landschaft dazu erbauen zu können. Diesem Geschäfte unterzog sich jetzt Hieronymus. Frisch machte er sich daran, von Kohlenstücken eine Felsenlandschaft zu gestalten – eine Schöpfung, die indes nicht sogleich gelingen wollte. Denn bereits war der Berg erbaut, und Bachweber, der sich’s nicht nehmen ließ, auch mit Hand anzulegen, wollte eben als Schlußstein noch ein Kohlenstück einsetzen, als der Brocken seinen Fingern entschlüpfte und der Erschrockene, im Begriff, denselben noch zu erhaschen, an eine der hinten angebrachten Stützen stieß, wodurch – zum nicht geringen Entsetzen der Zuschauer, unter denen auch der Laubhauser sich befand – ein fataler Rutsch erfolgte, der dem mühsam geschaffenen Heiligen Lande den Untergang brachte. – Beim zweiten Versuch wurde der Leim zu schwach genommen und das Werk zu nahe an den warmen Ofen gestellt, was abermals Senkungen und Risse zur Folge hatte; und so gelang die Arbeit erst, nachdem Bruder Cyriak herbeigeholt und zu Rat gezogen worden war. Der in solchen Dingen wohlerfahrene Mann gab die rechten Rezepte und Anleitungen zum Leimen – und bald konnte man zum Grundieren und Kolorieren der Landschaft schreiten.

Der Bruder hatte sich anheischig gemacht, ein neues, in Wachs gegossenes Christkindlein zu stiften, während Hieronymus sich angeregt fühlte, manche Lücke im biblischen Personal kunstgerecht auszufüllen. Er machte es hierbei wie die alten Meister: er griff keck ins Leben hinein und brachte Personen seiner nächsten Umgebung – so gut es seiner Unzulänglichkeit gelingen mochte – in den historischen Rahmen. So stellte er seinen Vater, kenntlich an Haltung und Kleidung, als Hirten dar, sich selbst nebst Dionys und Romulus als Hirtenkinder. Auch der Lehrer Bachweber erschien in einer folgenden Darstellung, und zwar als Schriftgelehrter.

Am meisten Beifall erhielten von seinen Schöpfungen: ein Einsiedler, der im Habit des Bruders Cyriak oben auf den Felsen hinter Bethlehem vor seiner mit einem Kreuze gezierten Klause das Ave-Maria läutete; ferner ein Tiroler Gemsjäger, benebst einer Schwarzwälder Ankenhändlerin, im Begriff, mit ihrer Ware den Wochenmarkt in Jerusalem zu besuchen. – Um die Kritik gelehrter Ästhetiker und Kunstliteraten brauchte er sich ebensowenig zu kümmern wie die alten Meister, weil er glücklicherweise ebensowenig wie diese von solchen etwas wußte.

Am Heiligen Abend und die ganze Weihnachtszeit über kamen viele Kinder und Erwachsene aus dem Tal, um das Werk zu bewundern. Manche fühlten sich bemüßigt, dem Christkindle ein kleines Opfer zu entrichten – was zwar nicht verlangt, aber vernünftigerweise auch nicht abgelehnt wurde.

War unter dem Opfergeld auch mehr Kupfer als Silber zu finden, so gab solches dem Künstler doch schon wieder – rechnete er – Futterzeug zum neuen Rock; denn daß ein solcher notwendig, darüber herrschte im Hause längst keine Meinungsverschiedenheit mehr; nur hatte die Anschaffung bisher immer verschoben werden müssen, der im vorigen Kapitel erwähnten finanziellen Bedrängnisse wegen.

Am Neujahrstage mußte Hieronymus, wie gewöhnlich an diesem Tage, schon vor dem Kirchgang mit den Eltern hinübergehen in den Hof, um den bäuerlichen Herrschaften pflichtschuldigst zu gratulieren. Es geschah mit der üblichen Redensart: Glückseliges Neujahr, und man wünsche, was man sich selber wünsche – Gesundheit und langes Leben und nach diesem die ewige Seligkeit usw. Auf dem Tisch im Hofe dufteten bereits die von allen übrigen Gratulanten sehr bewunderten Attribute des Tages, Meisterstücke der Bäckerkunst unseres Mathias und seiner Anastas: ein mit Zucker bestreuter „Guck-inofen“ nebst etlichen mürben, von Butter glänzenden „Eierringen“, im Durchmesser nicht viel kleiner als ein Pflugrad.

Festtäglich geputzt trat Florentina rasch aus der Kammer in die Stube ein, dem Besuche das Neujahr „abzugewinnen“- Hieronymus sah sie heute zum erstenmal wieder seit ihrer Rückkehr aus dem Hause des Kaiserzollers, wo sie seit etwa acht Wochen sich aufgehalten, um nach dem Wunsche der Mutter im dortigen Wirtshaus das Kochen zu lernen. – Hieronymus konnte eine leichte Überraschung kaum verbergen; war es die Glorie der Morgensonne, die in vollem Winterglanze durch die Scheiben strahlte, oder machten es die neuen Kleider, in denen die Tochter des Hauses nun zum erstenmal in die Kirche gehen wollte – genug, der Freund schien sich heute zum erstenmal bewußt zu werden, daß Florentina ein – bildschönes Mädchen sei. Und fast gar wäre ihm der Ausruf entschlüpft: „O wie schön bist du!“ – Aber er korrigierte sich schnell und sagte – „sind deine Kleider!“

Es waren in der Tat auch Prachtstücke von bestem Samt und Seide: das grüne, reich verzierte Goller, fast zu eng für den weißen Hals, der dunkelrote Brustlatz, gestickt in echtem Gold und Silber, dazu die bauschige, violett schimmernde Taffetschürze mit dem silbernen Gürtel darüber, das faltenreiche Halstuch, die feinen Hemdärmel, weiß wie frisch gefallener Schnee. – Alles zeigte klar, daß ihr Vater in Sachen des Putzes, wie er jetzt selbst oft zu sagen pflegte, nimmer Meister sei.

Und als die liebliche Maid ihrem jugendlichen Freund zur Bekräftigung der guten Wünsche für das neue Jahr die Hand gab, bemerkte dieser am Ringfinger der dargebotenen Rechten ein massiv silbernes Ringlein mit einem leuchtenden Karfunkelstein – ein Neujahrsgeschenk war’s von ihrer Patin, der Frau Kaiserzollerin.

Wie nun das an der Schwelle des jungfräulichen Alters stehende Mädchen in diesem standesgemäßen Anzuge vor ihm prangte, mochte ihm wohl ein leises Gefühl sagen, wie beträchtlich der Abstand sei zwischen dem Sohne des armen Hausmanns – und der Tochter des reichsten Hofbauern im ganzen Tal.

Geschärft mochte diese Erkenntnis noch werden durch das Gespräch der Eltern, die im Fortgehen zu allerlei Betrachtungen sich veranlaßt fühlten über den Reichtum der Familie und über das einstige große Heiratsgut des einzigen Töchterleins, auf dessen Hand sicherlich schon dieser und jener vermögliche Hofbauernsohn spekuliere usw. – Oft schon hatte Hieronymus dieses Thema von den Eltern besprechen gehört, aber noch nie war es ihm so nachhaltig ins Gehör gefallen – wie heute.

Zerstreut kam er aus der Kirche nach Haus; und nach dem Essen begab er sich zum Stabhalter, diesem einen schön gemalten Neujahrswunsch zu überreichen; ein blankes Käsperle war der Lohn für diese Aufmerksamkeit, welches Geldstück der Empfänger mit einer gewissen Befriedigung den übrigen Sparpfennigen beigesellte. – War er nur einmal gehörig ausgerüstet – dann sollte ihn nichts mehr zurückhalten hier im Tal; denn daß da sein Glück nicht blühe, daß er hinaus, etwas Rechtes erlernen und werden müsse, das wurde dem guten Burschen mit jedem Tage mehr klar.

Im Laufe des Nachmittags kamen noch sämtliche nächste Anverwandte des Laubhausers auf den Hof. Es ging hoch her im Haus, denn bei solchen Anlässen wollte der Bauer zeigen, wie gut es mit Küche und Keller zu Laubhausen bestellt sei. Aber nur Ebenbürtige waren zur Teilnahme berechtigt.

Vettern und Basen, mit denen kein Staat zu machen war, wurden nur so nebenbei, in der Küche oder im Hinterstüblein abgespeist. Während kleinere Hausmanns- oder Taglöhnerskinder vor der Haustür dort standen und die ankommenden Schlitten und ihre Insassen musterten oder begehrlich und wunderfitzig durch die Fensterscheiben lugten und vom Peter zuweilen ein duftendes „Küchle“ oder ein paar „Sträuble“ hinausgelangt bekamen – wandelte Hieronymus gedankenvoll hinter den Häusern hinweg, hinüber zur einsamen Hütte des Stoffels.

Der wunderliche alte Junggeselle war eben im Begriff, von seinem unzertrennlichen Dachshund begleitet, einen Gang in den Wald zu machen, und Hieronymus schloß sich ihm an. – Im Fortgehen erzählte der Stoffel seinem jungen Freund, wie nächstens wieder ein großes, von der Herrschaft anbefohlenes Treibjagen auf Säu und Hochwild abgehalten werden solle. „Du weißt“, sagte er, „daß kürzlich in Unterhölzer beim Wartenberg der große Eichwald zum Tiergarten eingezäunt worden ist, wo allein noch Hoch- und Schwarzwild g’hegt werde soll. «

„Vorgestern“, bestätigte Hieronymus, „hab ich g’seh‘, wie sie schon die Wehrblahen und die Garn und Schweinsseil mit den Steckgabeln auf Wägen von Donaueschingen herbracht haben – nüber ins Jägerhaus. Da sind schon die Hundsbube versammelt mit den Leit- und Hetzhund; auch das Zelt hab ich g’sehen ablade für die Herrschaft, – die Fürstin soll ja selber eine so g’schickte Jägerin sein.“

„Allerdings – aber wenn’s so fortgeht“, meinte der Alte verdrießlich, indem er Feuer schlug, um seinen Ulmer wieder in Brand zu versetzen, „wird’s bald höre haben mit der Jagd auf Edelwild. Weiß noch gut die Zeit, wo die Hirsch rudelweis in strenge Winternächte vor die Bauernhöf komme sind, oft bis in die Scheuern, wenn der Knecht vergessen hat, das Scheuertor recht zu schließe.“

Indem sie unter solchen Gesprächen den Wald durchstreiften, der – weil der Schnee fest gefroren – gut zu begehen war, und der Stoffel seinen Begleiter da und dort auf die Fährten und das Getieger des Wildes aufmerksam machte – flog ein Kreuzschnabel über ihren Köpfen hinweg. – „So ein Kreuzschnabel„, sagte der Stoffel, „ist ein wahrhafter echter Schwarzwälder. Wenn die andern wehleidig vor dem Winter Reißaus nehmen oder vor den Häusern und Scheuren auf dem Bettel rumziehen, ist es dem Bürschle erst recht wohl im Wald, so daß es mitten im Winter, im Jänner schon, ans Nesten und Brüte denkt.“

Kreuzschnabel im Schwarzwald

Zu einer Lichtung des Waldes gekommen, wo ein hungriges Häslein um einzelne, aus der Schneedecke ragende Sträucher und Stäudlein sich mühte, nahm der Stoffel seinen Stutzen von der Schulter und machte mit einem wohlgezielten Schusse den Nahrungssorgen des guten Tierles, wie er sich ausdrückte, ein Ende. – „Es wird auf eins rauskomme“, lachte er, indem er zur Stelle schritt und den armen Lampe in den Büchsenranzen schob, „ob dich heut nacht ein Fuchs oder morgen der alte Stoffel verspeist. – Einer lebt vom andern, das ist der Lauf der Welt – und selber essen macht fett, das heutig‘ Evangelium! – Hast du Lust, Hieronymus, so bist du höflich invitiert auf morgen zum ersten Werktagsschmaus. – Man darf die alten ehrwürdige Bräuch nit abgehe lasse.«

„Ihr habt’s gut, Stoffel!“ entgegnete Hieronymus, den Alten, der sein Gewehr wiederum lud, mit lächelnder Miene betrachtend. „Ihr lebt, wie es Euch g’fallt, und schert Euch um niemand und um nix, was andern ’s Herz schwer macht.“

„Närrischer Kerl“, versetzte mit heiserem Lachen der Stoffel, „kannst’s ja auch so haben, wenn du willst! – Was braucht sich einer viel zu kümmern, wenn er nur sein bißle Leben und von Zeit zu Zeit sein Brätesle uf em Tisch hat!“
„Um das handelt es sich nit allein!“ sagte Hieronymus mit einem halb unterdrückten Seufzer. „Man strebt halt b’ständig weiter – in der Hoffnung -„
„Ei was, Hoffnung!“ brummte der Alte, unwirsch ihn unterbrechend. „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Die Hoffnung ist ein betrügliches Weibsbild, das viel verspricht und wenig halt‘; hat manchen schon sein Lebtag am Narrenseil rumg’führt.“
„Wenn die Hoffnung nit wär“, meinte Hieronymus ernst, „so wär’s ja zum Verzweifeln. – Und wege was soll man nit hoffen und trachten – nach Glück und -„
„Hoffen und trachte nach Luftschlössern?“ fiel der Alte höhnisch ein.
„Schau, en Spatz in der Hand ist mir lieber als die Taub uf ‚em Dach, das magre Häsle da im Ranzen mir ang’nehmer als der fetteste Rehbock drüben am Feldberg. – Laß das unnötige Schmachten und Trachte. – Laß anderen ihr eingebildet Glück; laß ihne den Geldsack und die Ehrestelle. – Hast du wenig – so brauch wenig, hast dann au nit nötig, dich viel zu bedanken oder jemand zu schmeicheln. – Und kommt dir trotzdem emal einer überzwerch – so zeig ihm, wo er her ist – und daß du nix nach ihm z‘ frage hast.“ Das war in kurzen Worten so ziemlich die ganze Lebensphilosophie des Stoffels, der übrigens seinen jungen Freund nicht ganz verstanden, nicht erraten zu haben schien, wo diesen der Schuh drückte. – Der Alte kümmerte sich in der Tat um niemand, und niemand kümmerte sich viel um ihn, weder der Stabhalter, Vogt noch Amtmann oder der Pfarrer. Er seinerseits brauchte keinen; er zahlte weder Steuern noch Abgaben, weder Sporteln noch Frevelbußen, und kam auch nie in die Lage, Stolgebühren entrichten oder um Dispens nachsuchen zu müssen. – Von Haus aus Wilderer und Fischer nach Belieben, an dem die Jäger und Aufseher gerne vorbeigingen, als hätten sie ihn nicht gesehen, hatte er später sich herbeigelassen, ein Dienstlein anzunehmen.

Der einsichtsvolle Oberförster übertrug ihm nämlich die Aufsicht über das Wild und die Dressur der Jagdhunde. Die Besoldung bestand hauptsächlich im Schußgeld vom Raubzeug; und wenn hie und da auch einmal eine Kugel nebenaus ging und zufällig einen fetten Rehbock oder – wie heute – ein unvorsichtiges Häslein traf, so fiel es niemand ein, den Schützen deshalb zur Rede setzen zu wollen.

Die Raben zogen schon heimwärts, den Bergwäldern zu, als die beiden, herabgestiegen ins Tal, den Rückweg antraten – und am Kreuzweg sich verabschiedeten. – Der klare Wintertag schloß mit einem prächtigen Sonnenuntergang. Als Hieronymus einmal zurückschaute, sah er das Tagesgestirn eben in glühendes, nach oben hin violett verschwimmendes Rot hinabsinken.

Die Berge standen in kaltblauen Schatten am Horizont, nur der Schnee im Tal und auf dem eingefrorenen Bache schimmerte stellenweis wie angehaucht vom Abendrot. – Gedankenvoll betrachtete Hieronymus das schöne Naturspiel eine Weile – dann schritt er weiter. – Aus eisgrauen Wolkenschichten schaute im Osten die blaßgelbe, unvollkommene Scheibe des Mondes über die Höhen, finster schon lagen die Häuser und Hütten – nur die Fenster am Laubhauserhof flammten und spiegelten noch die späte Glut des Himmels ab.

Am andern Tage kam richtig der Gemeindsbote mit der Ansage zur großen Jagd. – Auch Hieronymus rüstete sich dazu; es war nicht das erste Mal, daß er eine solche Hetze mitmachen mußte. – Aber die fürstlichen Herrschaften kamen nicht; die Jagd wurde verschoben, von einem Tag zum andern – bis endlich Tauwetter einfiel. – Ein lauer Föhn war über Nacht ins Land gekommen. Die Tannen verloren ihren Duft und schauten schwarz und melancholisch über das Schneefeld. Es schien, als wolle am Dreikönigstag der Frühling schon seinen Einzug halten. Seine Vorboten, Sturm und Regen, hatten bereits eine allgemeine Mobilmachung angeordnet, und selbst das Eis auf dem Bache erhielt schleunigst Marschbefehl. Es drängten und schoben sich die Schollen auf- und untereinander, gleich einem retirierenden Heere, das im Abziehen noch Brücken und Stege sprengt und soviel wie möglich am Wege hin verwüstet. – Aus allen Wäldern und Schluchten stürzten reißende Gießbäche hervor; das Wasser wuchs stündlich, und man fürchtete für die Hütten und Höfe im Tal, und selbst im Laubhauserhof fand man’s geraten, die Haus- und die Stalltüre mit Mist zu verschanzen.

Einsilbig, in sich gekehrt, verbrachte der von seinem Spaziergang gehörig durchlüftete Bursche den Abend. Früh ging er zu Bett, aber noch lange traf die laute Unterhaltung drüben im Hof sein Ohr – er hörte die umständliche Verabschiedung der Gäste vor der Haustür, das „Bhütigott!“ und „Kommet guet heim!“ der Zurückbleibenden und der Scheidenden – bis endlich, mit dem Geklingel des letzten abziehenden Schlittens, alles in Nacht und Schweigen versank.

Aber der besiegte Winter gab sein Spiel noch lange nicht verloren. Kurz nach Lichtmeß nahm er, als erfahrener Feldherr, im Sturme wieder die Höhen und Pässe – und es fiel eine solche Masse Schnee, daß die Wohnungen in den Niederungen förmlich gesperrt und blockiert wurden.

Dazumal war es auch, daß ein einsamer Hof am Feldberg mit seinen Bewohnern wochenlang unter der Schneedecke begraben lag, bis endlich – es war gerade Karfreitag – Umwohnende den Dachfirst endlich wieder aus dem Schneemeer hervorragen sahen und zu Hilfe zogen. Man brach ein Loch in das Dach und rief hinunter, ob alle noch am Leben seien. „Ja“, erscholl es aus der Tiefe. „Wißt ihr auch, daß heut Karfreitag ist?“ war die zweite Frage der Obenstehenden. „Gottsnamen!“ hieß es unten, »wir verspeisen soeben ’s letzte Stück vom letzten Stier!«

Auch Unglücksfälle durch Lawinen kamen vor, ähnlich der gänzlichen Zertrümmerung des Königenhofs bei Waldau in neuerer Zeit, wobei die vom jähen, von keinem schützenden Waldmantel mehr bedeckten Berg herabrutschende Schneemasse sämtliche Bewohner mit ins Grab riß. – Wie häufig geschieht, mußten auch damals die Leute am Feldberg aufgeboten werden, diesem Beherrscher des Schwarzwaldes im Juli oder August den Schnee vom Haupte zu schäufeln; denn, sagen sie, wär’s ihm nur einmal wieder gelungen, die uralte Mode einzuführen und die Haube das ganze Jahr hindurch aufzubehalten, so wäre der Schwarzwälder Gletscher fertig, wie er’s vor Jahrtausenden gewesen.

In der ersten Ausgabe hatte Lucian Reich auch noch den Text eines Liedes mit drin:

Ich bring heut ein`sehr fröhliche Bost,
Auf daß ihr Hirten die Freuden verkost`;
Als ich nun bei der Nacht,
Bei meinen Schäflein wacht,
Habens ein`liebliche Musik gemacht.

Ich greif einlends nach meiner Schalem;
Und ruf gleich meinen Schäflein herbei,
Aber sie lassen mich,
Sammt meiner Pfeif`im Stich,
Springen, frohlocken und erfreuen sich.

Kommt laß uns nach Bethlehem geh`n
Um nun alldorten das Wunder zu seh`n:
Es war ein alter Stall,
Der voller Feuer stral`,
Wo sich die himmlische Musik erschall.

Ich sah dorten das göttliche Kind,
Liegen im Viehstall bei Esel und Rind.
Herzliebstes Jesulein,
Wir wollen dir dankbar sein,
Daß du bei Sünder gekehret hast ein!


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