Insel Mainau – Mersburg

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier das Kapitel Mersburg – ja, es steht Mersburg da!

Da der Text vom Programm transkribiert wurde, ist er teilweise der neuen Schreibweise angepasst

Mersburg

Wie in den vorigen Tagen, war auch bei meiner Abreise von Konstanz der See noch immer schäumender Bewegung. Aeolus blies ein altes Lied, die Aufforderung zum Tanz, so kräftig gegen den Hafen, dass selbst die hier liegende Dampfboote und schweren Segelschiffe in schaukelnde Bewegung gerieten. – Der „Friedrich“, der schnellste Fährmann des Bodensee’s, eröffnete trotz dem Aufruhr der Elemente den Reigen, um im Sturme die alte Meersburg zu gewinnen.

Sprühende Regenschauer verhüllten die fernen Gestade, und wie hinter einem wehenden Schleier erschien bald die seitwärts liegende, wellengeborene Königin des See’s, die liebliche Mainau. Mit ungehinderter Kraft durchschritt das Boot die wallende Flut, welcher bald groß und größer die Felswände Meersburgs und seine Bischofsschlösser erstiegen. – Welche Fortschritte, dachte ich, mögen nicht im Bereiche der Schifffahrt gemacht worden sein, seit den Tagen, wo unter König Dagobert der alte Turm dort oben zum Leuchtturm gedient, und später auf der grauen Meersburg die Gaugrafen von Nordorf saßen, um dem Namen des Kaisers die Überfahrt über den See zu schirmen.

Jene Zeiten mit ihren Sitten- und Kulturzuständen sind längst vorüber, aber ihr Bau, von einem guten Geiste beschützt und erhalten, grüßt noch heute wie vor 1000 Jahren den Ankömmling. Ein Geharnischten mit geschlossenem Visier, schaut er herab auf das alte Städtlein, und hinüber zu seinem jüngeren Nachbarn, der Bischofsresidenz im Gewande des Rokoko. – Ein Blick auf die Lage Meersburg gibt einigen Aufschluss über seine Entstehung. Offenbar entstand die untere Stadt unter dem Schutz der Burg, als Stapelplatz von Schiffern und Fischern, während der oberen jüngere Teil den Dienstmannen und Beamten der hier wohnenden Konstanzischen Bischöfe sein Emporkommen verdankt.

Wann aber die letzteren in den Besitz der alten Burg gekommen, davon geben uns die Chronisten keine ganz sichere Nachricht. Jedenfalls diente früher schon die Veste den geistlichen Herren zum Zufluchtsort, in jenem kampferfüllten Zeiten, wo die Kirchenoberen stets in ähnlichem Falle sich befanden, wie jener italienische Meister, der von Nebenbuhler bedroht, immer das gezogene Schwert neben sich an der Staffelei liegen hatte.

Ein solcher Schutz musste die Burg im Jahr 1354 ihrem Besitzer, dem Bischof von Konstanz leisten. Nach Bischof Rudolfs III Tode waren die Wahlstimmen zwiespältig, die einen auf Albrecht von Hohenberg, die anderen auf Nicolaus von Kenzingen gefallen. Der Letztere erhielt des Papstes Bestätigung; Albrechts Vater jedoch, der mächtige Graf von Hohenberg, zog das Schwert, um für seinen Sohn das Bistum, zu gewinnen. Sein Bundesgenosse war Kaiser Ludewig selbst, welcher aus Hass gegen den Papst ein zahlreiches Volk benachbarter Städte gegen Meersburg führte, wo Bischof Nikolaus mit den Seinen das alte Schloss besetzt hielt. Als der Bedrohte das Kriegswetter kommen gesehen, hatte er mehrere 100 Bergleute berufen, welche den Fels um das Schloss abschroten und durch eine tiefe Kluft von den übrigen Lande trennen mußten. Die Bischöflichen hatten kriegserfahrene Hauptleute, einen Grafen von Toggenburg, Kanonikus von Konstanz und den gedienten Feldobersten Jasso.

Während ersterer in blutigen Ausfällen die Feinde schlug, führte Jasso einen kühnen Seekrieg, nahm des Feindes Frachtschiffe weg, und machte mit seinen Pfeilschützen wilde Jagden auf die Nachen der Belagerer; die er, wie der Chronist sagt, mit Netzen fing wie Fische, und als ergrimmter Leu unter ihrer Bemannung wütete. Dieser Widerstand brachte den Feind zum Nachgeben, ohne dass der Graf von Hohenberg seinen Schwur erfüllen gesehen hätte: „nicht eher abzulassen, bis er der hl. Jungfrau Maria (Schutzpatronin des Hochstiftes) das Hemd vom Leib gezogen habe.“ – Noch bewahrt das städtische Archiv eiserne Bolzen aus dieser Fehde, die beim Abbruch eines Tores in eichenem Gebälk gefunden wurden.

Weniger glücklich war einer der nachfolgenden Bischöfe, Heinrich von Höwen. Die Bürger Mersburgs empörten sich wider ihn (1436), belagerten das Schloss und zwangen ihn zur Flucht. In die Reichsacht erklärt, mußten sie aber (1457) Stadt und Schloss ihrem Landesherrn wiederum zurückgeben.

Große Drangsale brachte auch der 30-jährige Krieg. Nach städtischen Schriften unternahmen 1647 die Schweden von der Mainau her einen Angriff auf das alte Schloss, wobei der Dachstuhl in Flammen aufging. Als drei Jahre später der Schaden ausgebessert wurde, ersuchte der Bischof seine getreuen Stadtbürger um Ehrenfuhren bei dem Bauwesen; sie wurden bereitwillig, aber mit dem Vorbehalt geleistet, dass dieser Dienst hierfür zu keiner Schuldigkeit ausgedehnt werden möge.

Auch Widerhold, der Peiniger des Volkes im Hegau und am See, suchte die Stadt vor seiner Veste Hohentwiel aus mit Erpressungen heim, wobei er mit „Schwert und Brand“ drohte.

Wie verarmt das städtische Wesen in jenen unseligen Kriegsläufen geworden, kann der Umstand dartun, dass im Jahr 1650, als die Stadt „wegen Armut und Mittellosigkeit“ ein Anlehen machte, der sämtliche Kirchenschatz einem Sohn Abraham’s in Versatz gegeben wurde.

Zu dieser Lebensnot kam bald noch eine Leibesplage, die Pest, welche so verheerend wirkte, dass kein einheimischer Priester mehr in der Stadt am Leben blieb. In diesen schrecklichen Tagen waren es die Franziskaner von Sulgau, welche täglich auf die Stätte des Todes kamen, um auf offener Straße Beichte zu hören und den Sterbenden den Trost der Religion zu bringen – ein Dienst, den die Stadt dadurch zu vergelten suchte, dass den frommen Vätern erlaubt wurde, hierfür alljährlich im Herbst in Meersburg ihr Almosen zu sammeln.

Von dem zerstörenden Wesen jener dreissigjährigen Kriegszeit überhaupt finden wir aller Orten noch schriftliche und mündliche Überlieferungen in Menge. In den Merseburger Rathsprotokollen ist unter Anderem erwähnt, wie anno 1653 im benachbarten Schwaben die Wölfe furchtbar überhand genommen und bereits 24 Kinder zerrissen hätten; weshalb auf Befehl des Erzherzogs Karl von Österreich zu Konstanz die Meersburger Büchsenschützen aufgeboten wurden zu allgemeiner Jagd auf die Bestien.

Alle diese Trübsal und Einbußen mochten jedoch bald verschmerzt sein, in einer Gemeinde wie Meersburg, die durch den fürstlichen Hofhalt der Bischöfe, durch ergiebigen Grundbesitz und lebhaften Getreidehandel über den See so vielfache Erwerbsquellen hatte. Auch gingen die nachfolgenden Zeiten ohne sonderliche Unfälle vorüber.

Im Kriegsjahr 1796 jedoch wäre der Ort durch eines jener, in neuerer Zeit berüchtigt gewordenen Mißverständnisse beinahe dem Brande und der Plünderung anheim gefallen. Die Ursache hiervon war ein französischer emigrierter Mönch, der sich einige Zeit als geistlicher Abenteurer in Meersburg und Umgebung herumtrieb. Dieser Mann kam eines Tages zum fürstlichen Präsidenten (der Hof war in Ulm auf der Flucht) und vertraute diesem, er habe erfahren, dass ein Trupp französischer Marodeurs vom Tareau’schen Corps die Stadt zu überfallen trachte. – Der erschreckte Beamte schickte nach dem Bürgermeister und Rat, und man kömmt überein, die Tore zu schließen, bis anderwärtig Hilfe käme, den eigenen Herd mit Glut und Blut zu verteidigen. Die wehrhaften Bürger schließen und besetzen also die Tore; und wirklich dauert es nicht lange, so erscheint eine starke Reiterschaar, die verwundert die Eingänge verrammelt und die Bürgerschaft in Waffen sieht. Erbittert über solche Feindseligkeit im bereits erworbenen Lande, schickt man sich an, den Eingang mit Gewalt zu erzwingen. – Indessen waren einige Bürger eiligst ins Schloss gelaufen, dem Präsidenten zu melden, dass keine Marodeurs, sondern reguläre französische Husaren vor den Toren hielten. Der gute Mann war jedoch längst über den See geflüchtet; die Bürger aber beeilten sich zu öffnen. Der Feind drohte mit Plünderung und Brand, und als man sich entschuldigte, der bischöfliche Präsident habe die Tore zu schließen befohlen, stürmten die erbitterten Soldaten in’s Schloss und ergriffen den bischöflichen Kanzler, welcher zufällig während des Handels von Ulm her in die Stadt gekommen war. Nur mit Mühe konnte der unschuldige Mann von einer Copulation mit der Seilers Tochter befreit werden. Ebenso schenkten die Republikaner, als das ganze Missverständnis aufgeklärt war, der Stadt Verzeihung, indem sie großmütig mit einer Summe Geldes sich begnügten.

Die größte Einbuße erlitt Meersburg nachmals freilich durch die Verlegung der bischöflichen Residenz. Wer die hinterlassenen großartigen Bauten und Anlagen derselben betrachtet, mag einen Schluss ziehen auf den prachtvollen Hofhalt, der hier geführt worden. Noch leben alte bischöfliche Diener in Meersburg, welche sich jener Tage mit Vorliebe erinnern.

Ihr Gedenken geht bis zu Bischof und Kardinal Fr. Konrad Roth, dem drittletzten der hier regierenden Fürstbischöfe. Er war der Sohn des österreichischen Feldzeugmeisters Baron Johann von Roth und kam im Jahr 1750 auf den bischöflichen Stuhl. Sechs Jahre später wurde er in Gegenwart des Kaisers Franz vom Papst Benedikt dem Vierten in Wien zum Kardinalpriester erhoben. Als ein Mann von großer Energie und Willenskraft hatte er nicht wenig Einfluss auf die Wahl des Papstes Evanganelli, welchem Akte er als kaiserlicher Kardinal beiwohnte.

In seinem bischöflichen Haushalte liebte Roth Pracht und zahlreiche Dienerschaft, doch verstand er auch zu sparen, was seine hinterlassenen Baarvorräthe beweisen. Die bildende Kunst hatte an ihm einen Freund, auch soll er, worauf man dazumal vieles hielt, ein guter Lateiner gewesen sein. Zudem war er ein gewaltiger Nimrod und trefflicher Schütze, der stets einen großen Wildstand unterhielt und gegen Wilddiebe unerbitterliche Strenge handhabte. Alljährlich im Herbst wurden große Hauptjagden in der Höre, um den Schienerberg abgehalten, wo Edel- und Schwarzwild in Mengen hauste. Dieser robusten Beschäftigung entsprechend war der Körperbau des Kardinals. Kaiser Joseph soll von ihm gesagt haben, dass er bei seiner ganzen Garde keinen so kolossalen starken Mann habe, wie der Kardinal Bischof Roth.

Noch erzählt man die Begegnung der beiden im Jahr 1777, als der Kaiser bei seiner Rückkehr von Paris, wo er seine Schwester Maria Antonette besucht hatte, Meersburg berührte. Der Kardinal war dem kaiserlichen Reformator, dem er als Geistlicher nicht sonderlich gewogen sein mochte, ein Stück Weges entgegengegangen, um ihn einzuladen, in dem bischöflichen Schlosse sein Absteigequartier zu nehmen. Der Kaiser bedauerte, seine Einkehr im Gasthaus zum Löwen bereits anmelden lassen zu haben; worauf Roth beleidigt erwiderte: „Nun, so behüte Gott Eure Majestät.“ – und indem er mit der Hand gegen das Gasthaus wies – „Dahinauf führt der Weg zum Goldenen Löwen“ – sich umwendet und schweigend seiner Residenz zuschritt.

Der Kardinal, welcher in seinem Leben so viele hohe Ehrenstellen begleitet hatte (er war zugleich Protektor des hohen Johanniterordens zu Malta und Abt zu Sirard in Ungarn x.), verordnete, dass bei seiner Beerdigung kein Wort in der Leichenrede zu seinem Lobe, sondern nur über die Nichtigkeit des irdischen Lebens überhaupt gesprochen werden solle.

Auf Franz Konrad Roth folgte dessen Bruder Maximilian Christoph, zum Bischof erwählt im Jahr 1775. In seiner Jugend lebhaft und heftig, zeichnete den Mann gereiften Alters, Milde und Güte gegen das Volk und die Armen aus. Unzähligen jungen Leute seines Sprengels gab er das Lehrgeld zu irgendeinem Handwerk; auch liebte er die schönen Künste, weshalb strebende Musensöhne stets erwünschte Unterstützung bei ihm fanden. Als leidenschaftlicher Musikfreund sah der Bischof darauf, dass eine Anzahl seiner Diener zugleich geübte Tonkünstler sein mußten, welche ein ständiges Quartett bildeten. Bei größeren Aufführungen kamen die Domherren von Konstanz noch hinzu. Allen wandernden Spielleuten, Bergknappen, Harfnern und Sängern von Nah und Fern war der Zutritt in’s bischöfliche Schloss gestattet.

Auch die Wissenschaften fanden an diesem Hof ihre Pflege. Das Naturalienkabinet, welches unter Maximilian in Meersburg angelegt wurde, war seiner Zeit eines der bedeutendsten in Deutschland; so dass diese Sammlung noch heute einen wesentlichen Bestandteil des Großherzoglichen Naturalienkabinetts in Karlsruhe ausmacht.

Noch hatte sich damals manches von altershergekommenen Volksfesten und öffentlichen Spielen erhalten, den gegebenen Verhältnissen und Zuständen entsprossen. Wie überhaupt an den früheren geistlichen Höfen in vielen Dingen löbliche Toleranz herrschte, so ward auch der Fastnacht, welche von jeher im Oberland heimisch, in der bischöflichen Hofburg gerne Raum gestattet. Von 4 bis 5 Stunden Weges strömten die Umwohner herbei, um die Aufführungen zu sehen, welche während jener Tage in dem, mit frischem Sand überstreuten, Schloßhofe stattfanden. Da sah man den uralten Schwerdtertanz, von jungen Burschen mit der blanken Waffe in der Hand ausgeführt; das Reiffspringen, das Ringelrennen – eine Übung zu Pferd, von welcher städtische Schriften um’s Jahr 1597 schon Erwähnung tun, und anderes mehr. – Nachmittags belebte dann allgemeines Narrenlaufen die Gassen des Stadtleins, wobei der ganzen hoch ansehnlichen Narrenzunft der Zutritt ins fürstliche Tafelzimmer gestattet war.

Herrschte während dieser Lusttage auch Freiheit und buntes Leben, so war nichtsdestoweniger dafür gesorgt, dass gewisse Schranken nicht ungestraft überschritten werden durften. So zum Beispiel war es nur Erwachsenen erlaubt, sich zu maskieren. Ließ sich ein naseweiser Bube verleiten, es den Alten gleichtun zu wollen, so ward er ergriffen und zur Abkühlung des allzu hitzigen Gemüts in den Brunnen getaucht. –

Eine Gelegenheit für das Landvolk, sich hervorzutun, gab das Pfingstfest, wo die Bauernburschen den üblichen Pfingstritt in der Stadt abhielten – ein Überrest der altdeutschen Maienfeier. – In wohlgeordnetem Zug, voran die Maienführer mit grünen Tannenbäumlein in der Hand, ritten sie ein, wo nach den herkömmlichen Sprüchen der in Rinde gehüllte „Pfingstputz“ (ursprünglich den Winter vorstellend) in ein fließendes Wasser geworfen wurde; die ganze Bande aber, vom fürstlichen Hofe und den Bürgern reichlich mit Gaben bedacht, den Tag im Wirtshause bei Schmaus und Tanze beschloss.

Das mögen dann freilich für die kleine Stadt Meersburg angenehme, der Erinnerung werthe der Zeiten gewesen sein, umso mehr, da sie dem Orte nicht wenig Wohlstand brachten, indem die Anwesenheit des Hofes stets zahlreichen Besuch von Hoch und Nieder in die Stadt zog.

Maximilian Christoph schied aus dieser Zeitlichkeit in dreu und achzigjährigem Alter (1800), nachdem er längere Zeit kränklich gewesen war. Er war der Letzte des freiherrlichen Geschlechts von Roth. – Sein sämtliches Mobiliar fiel dem Verkauf anheim. Und also reichlich war die Hinterlassenschaft, dass die Versteigerung im Ganzen über ein Vierteljahr dauerte und so viele Kinder Israels herbeigelockt hatte, dass ein eigener Schächter in Meersburg genug zu tun hatte, dem auserwählten Volke den Fleischbedarf zu liefern.

Bischof Max war von großer Gestalt aber hager, von einnehmender, Wohlwollen aussprechender Gesichtsbildung. Sein Bildnis ist noch in mancher Stube des ehemaligen Sprengels anzutreffen; so wie ich mich auch eines Festkalenders von riesenhaften Formate erinnere, welcher sein Bildnis trägt. Kalender und Porträt, kaum handgroß, sind umgeben von allegorischen Darstellungen, und es mißt der aus mehreren Platten bestehende Kupferstich im Ganzen nicht weniger als fünf Fuß in der Höhe und zweieinhalb Fuß in der Breite.

Mit dem Tode dieses Fürstbischofs schließt die alte Zeit, in dem sein Nachfolger, der edle Karl Theodor von Dalberg, an Bildung und Geistesrichtung schon ganz dem neu gestalteten 19. Jahrhundert angehört. Seit dem Jahr 1788 Coadjutor am Bistum Konstanz, kam er nach Roth’s Hintritt auf den bischöflichen Stuhl, von wo ihn, wie bekannt, das Schicksal nach zwei Jahren abberief, um ihm den erledigten Sitz eines Kurfürsten von Mainz und Erzkanzler des Reiches einzuräumen. Sein kaum zweijähriges bischöfliches Regiment bezeichnen viele vortreffliche Einrichtungen und Stiftungen; sein späteres Leben und Wirken, die Erhebung zum Fürstprimas von Deutschland und Frankfurt u.s.w., hat jedoch mehr weltgeschichtliches als specielles Interesse, und darf daher bei unserer Schilderung nur noch erwähnt werden, dass Dalberg, der 90. Bischof, den würdigen Schluss einer mehr als zwölfhundertjährigen Reihenfolge von Inhabern des bischöflichen Stuhles zu Konstanz machte.

Ein Boden, ein Bauwerk, woran bedeutende historische Erinnerungen haften, übt auf gegenwärtige stets eine anziehende Macht aus. Ein der Trauer verwandtes Gefühl möchte uns beschleichen beim Hinblick auf die schattenhafte Flüchtigkeit alles Irdischen, dessen sichtbare Spuren wir dann mit desto größerem Interesse betrachten.

In solcher Stimmung betrat auch ich den Hof und die Anlagen der herrlichen, aber verlassenen Bischofswohnung, dem alten Schlosse gegenüber. – Ich stand auf der steinernen Terrasse, tief unter mir der See, über den ein heftiger Südwest daher brauste und langsam majestätisch die Wellen, gleich Sturmkolonnen, gegen den Hafen und das Gestade wälzte. Wie unwillig schreiend über die Störung, flatterten vom Winde aufgescheucht die Dohlen um die Dächer der alten Meersburg, welche im gebrochenen Lichte des trüben Tages finster zu meiner Rechten lag. – Die Dämmerung war allmählich hereingebrochen, und an einzelnen Fenstern jener mittelalterlichen Burg bewegten sich Lichter hin und her. Das neuere Schloss dagegen, in meiner unmittelbaren Nähe, stand ohne Zeichen innewohnenden Lebens; seit dem Wegzuge Karls von Dalberg ward es nicht mehr bewohnt.

Mit welchem Interesse, kam mir in den Sinn, mag nicht Bischof Anton von Sickingen aus dem alten Schlosse wegziehend, diesen Bau für ewige Zeiten geschaffen und herrlich für sich und seine Nachfolger eingerichtet haben. – Und jetzt, nach kaum 100 Jahren, steht er leer, ungewiss, ob je einmal wieder ein Besitzer sich darin häuslich niederlassen wird. – Ein glücklicheres Loos dagegen war seinem Nachbar, dem alten Schlosse, beschieden.

Nachdem es unter den Bischöfen nach Anton von Sickingen zu Kanzlei und Beamtenwohnung gedient, später aber, nach dem Anfalle an das Haus Baden und dem Wegzuge des Bischofssitz nach Freiburg, dem Hofgerichte seine Räume geliehen, erkaufte es nach längerer Verwaisung der edle Freiherr von Laßberg, um den alten Bau zum gastlichen Familiensitze und zum Horte herrlicher Sammlungen zu machen.

Doch auch dieser treffliche Mann ist seitdem heimgegangen. – Kurze Zeit vor meinem Hiersein ward er zur Erde bestattet auf dem Kirchhofe der Stadt, neben der Ruhestätte seiner Schwägerin, der zartsinnigen Dichterin Annette Droste von Hülshoff.

Der Abend, rau und unfreundlich, war unter meinen Betrachtungen weit vorgerückt, und ließ mich auf den Rückzug und ein Nachtquartier bedacht sein, welch letzteres ich in den Wirtshause fand, wo acht Jahrzehnte zuvor Kaiser Joseph, zum großen Verdruss des Kardinals Roth, ebenfalls seine Einkehr genommen.

Im Wetter war eine erwünschte Änderung eingetreten. Der Sturm hatte über Nacht das Gewölk vertrieben und den Himmel aufgeklärt. Ein sonniger Morgen folgte dem düsteren Ungestüme des vorigen Tages – und mit den Wolken war auch meine gestrige zur Beschaulichkeit geneigte Stimmung verschwunden. Die warme, frohe Gegenwart machte unbedingt ihr souveränes Recht geltend, und ich eilte, im Lichte des goldenen Morgens, die Gemächer des neuen Schlosses mit ihrer herrlichen Fernsicht in Augenschein zu nehmen.

Die Lage dieses Baues auf einer ansteigenden Terrasse ist wahrhaft imposant. Früher standen hier bürgerliche Gebäulichkeiten, die in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts abbrannten, worauf Bischof Anton das jetzige Schloss (1750) im opulenten Stile ausführen ließ, durch den komturischen Baudirector Bagnato, welcher nebst dem Schlosse Mainau auch das Kornhaus in Rorschach erbaute. Die innere Decorierung trägt vollkommen das Gepräge ihrer Entstehungszeit. – Griechenthum und Klassicität in Puder und Reifrock. – In Statuen und Gemälden, an der Treppe und den Plafonds sehen wir den ganzen Olymp versammelt, um den geistlichen Hausherrn galante Huldigungen darzubringen. Die Zimmerreihe im zweiten Geschosse ist wahrhaft fürstlich und äußerst geschmackvoll: das Getäfel von Eichenholz mit Gold, und an den Wänden große, aus dem alten Schlosse stammende Gobbelins mit Jagden und idyllischen Vorstellungen im Stile der Schule des Julius Romano. –

Und die Aussicht aus den Fenstern – in zauberischer Klarheit und Ruhe lag die noch vor kurzem unendlich aufgeregte Fläche vor meinem Blick – ein Gemälde, hingehaucht mit den zarten Luft- und Wasserfarben: vom westlichen Endpunkte, wo noch deutlich die hochgetürmte Kathedrale von Konstanz ragt, bis zu den dunklen Tannenwäldern um Bregenz; dazwischen in sanft ansteigenden Linien die Vorlande der Schweiz und ihre schneeigen Berghäupter, vom mächtigen Säntis und den Kurfürsten bis zu den blauen Hochwarten Tirols.

Dieselbe prachtvolle Aussicht haben das ehemalige bischöfliche Seminarum ad St. Carolum Boromaeum (in neuerer Zeit der Sitz eines katholischen Schullehrerseminars), die Wohnungen der großherzoglichen Beamten und anderer Teile der vielgebäudigen Hofburg.

Die großartigen Treibhäuser, welche zu Bischofszeiten den Hofgarten zierten, haben zu einem artigen Sprüchworte Veranlassung gegeben. Beim Sonnenschein nämlich strahlen die schräg liegenden Fensterflächen der Treibhäuser in so gewaltigem Glanze, dass ihr Leuchten bis weit ins Appenzeller Land hinein wahrgenommen wurde, daher dort das Sprichwort aufkam „es glänzt – wie Meersburg„.

Ein vorteilhaften Begriff von behäbigen städtischem Wesen gibt das alte Rathaus mit seinem hellen, geräumigen Saal. Obwohl Meersburg nie eine eigentlich freie Reichsstadt gewesen, so gewährte seine alte Verfassung doch große Rechte und Selbstständigkeit. Die städtische Gerichtsbarkeit reichte eine halbe Stunde außerhalb der Stadt, wo dann das heilenbergische Gebiet seinen Anfang nahm. Dem Stadtrat stand das Blut- und Malefizgericht zu, bei welchem der Regierende Bürgermeister als Reichsvogt oder Stabhalter prädierte, zu Handen das entblößte Schwert. – Außerdem bestand in Meersburg die „ehrbare Gesellschaft der Hundertundeinser.“

Diese unabhängige Korporation, welche ihre Stiftung und reichliche materielle Begabung einem Caspar Müller, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, verdankt, hatte den Zweck, in schwierigen Fällen, bei Not und Teuerung, Krieg oder andern städtischen Angelegenheiten, bei gegenseitigen Streitigkeiten und Zerwürfnissen x. beratend und vermittelnd einzuschreiten, so wie das brüderliche Zusammenhalten der ganzen Bürgerschaft überhaupt zu hegen und zu pflegen. – Die Gesellschaft war im Besitz eines eigenen Beratungs- und Gelagehauses (das jetzige Gasthaus Zum Bären). Ihre oberste Leitung lag in der Hand eines Oberpflegers, dem einem Unterpfleger zur Seite stund, welcher das Gesellschaftsvermögen verwaltete, während ein Ober- und Unterordner die Gesellschaftsbestimmungen und die Ordnung bei Festen und Gelagen handhabten. Die ganze Verbrüderung zerfiel, hundert und ein Mitglied zählend, wiederum unter sich in Meister und Gesellen. Von dem ersprießlichen Wirken dieser Verbindung nur ein Beispiel.

Von alters her hatten die benachbarten Thurgauer (in commerzieller Beziehung stets verbunden mit der schwäbischen Bevölkerung) das Recht, in der Meersburger „Gred“ oder dem Kaufhause ihren Bedarf an Früchten vor den Einheimischen einzukaufen.

Als nun in den letztverflossenen 70er Jahren, in Folge mehrerer Mißjahre, große Teuerung, ja beinahe Hungersnot eingetreten, machten die Schweizer also ausgedehnten Gebrauch von ihrem Vorrechte, dass die zurückgesetzten Bürger Einsprache erhoben, welche bald in großen Tumult überging und damit endete, dass die zudringlichen Nachbarn mit Gewalt aus dem Kaufhaus verjagt wurden. Fürst Bischof Kardinal Roth, sehr aufgebracht über diesen Vorfall, und ohnehin nicht der Mann vieler Umschweife, ließ die schuldigen Bürger ergreifen und ohne weiteres in’s Gefängnis werfen. – Die Stadtverordneten hatten nicht den Mut, dem Landesherrn entgegenzutreten; da ließ der Oberpfleger die Hundertundeiser Gesellschaft zusammenrufen, und es ward beschlossen, in der Angelegenheit ein freimüthiges Wort zu sprechen. – Die Abgeordneten begaben sich in das Schloss, wo der Bischof in großer Aufregung sie fragte, in wessen Namen und Auftrag sie kämen? „Im Namen und Rechte der ehrbaren Gesellschaft der Hundertundeiser„, lautete die Antwort. – Der Bischof mäßigte sich; die Sache wurde untersucht, und auf Grund der einsichtsvollen Auseinandersetzung der Gesellschaftsvorstände das Gesetz, welches die Schweizer beim Einkauf bevorrechtigte, für immer aufgehoben.

In neuerer Zeit besteht die Gesellschaft eigentlich nur noch dem Namen nach. Wenigstens wurden keine Beispiele ihrer Tätigkeit zu meiner Kenntnis gebracht, ausgenommen ein festliches Bankett, welches die Mitglieder jährlich in der alten Gelagestube zum Bären abzuhalten pflegen.

Von den Thoren, die Meersburg hatte, hieß einst Das Zwingtohr; der Bischof allein soll das Recht gehabt haben, durch dasselbe aus- und einzugehen. Seit Jahrhunderten aber war es zugemauert. Folgendes Begebniß soll die Schließung veranlasst haben. Ein fremder Cavalier, so berichtet die Sage, kam eines Tages gen Meersburg und wollte durch das Zwingtohr einreiten. Ein Bürger vertrat ihm den Weg mit dem Bedeuten, hier dürfe nur der Bischof durchpassieren. Der Fremde, beleidigt durch die Zurechtweisung, zieht das Schwert, der Bürger greift ebenfalls zur Wehr, und es entspinnt sich ein Kampf, in dem der Bürger getötet wird. Hierauf erhob sich ein Tumult in der Stadt; die herbeigelaufenen Bürger wollten ihren Genossen rächen, griffen zu den Waffen und verfolgten den Frevler. Dieser aber flüchtete in’s alte Schloss, wo er sich unter dem Schutz des Bischofs stellte. Vergeblich forderten die Bürger seine Auslieferung; der Bischof wollte das heilig gehaltene Gastrecht nicht verletzen. Es kam zu einer förmlichen Berennung des Schlosses und der Bischof mußte flüchten. – Die Bürger aber mauerten das Zwingtohr für ewige Zeiten zu.

Diese Sage scheint ihren Grund zu haben in den Streitigkeiten zwischen den Bischöfen und der Stadt (in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts), wo Mißverständnisse und Tumulte wegen Schließung det Tore, Verwahrung der Schlüssel, Ein- und Auslass bischöflicher Diener vorkamen, und die herrschsüchtigen Vögte der Bischöfe wiederholt zu Klagen und bewaffneten Widersetzlichkeiten von Seiten der Bürger Veranlassung gaben – worüber die Stadt einmal in die Acht geriet.

Mit einem Teil der Mauern und Tore fiel auch die alte Pfarrkirche und eine daneben stehende Kapelle dem Abbruch anheim. In letzterer befand sich altdeutsche Gemälde, die in jenen Zeiten, wo man das Gute nicht zu schätzen wußte, abhanden gekommen, und, wie versichert wird, nach Berlin in eine dortige Sammlung gewandert sind.

Ein schöner altdeutscher Altar befindet sich in der Nikolaus-Kapelle (alte Hofkapelle) der unteren Stadt, wo die Fischerzunft alljährlich einen Gottesdienst, zu Ehren ihres Schutzpatron, des heiligen Johannes von Nepomuk, abzuhalten pflegt.

Wenn der Besucher Meersburgs alle noch vorhandenen Zeugen der Vergangenheit zur Genüge betrachtet und in den Berggassen sich müde gelaufen hat, so mag er, der genussreicheren Gegenwart sich zuwendend, seine Schritte nach dem Gasthaus zum Schiffe lenken, wo das Zimmer auf den See hinaus einen herrlichen Blick über die weit ausgedehnte Wasserfläche darbietet. Sollte ihn aber an heißen Tagen etwa die Lust an wandeln, in der verlockenden Flut selbst erquickende Kühlung zu suchen, so ist ihm auch diesem Bedürfnisse Rechnung getragen, in einer erst neuerer Zeit errichteten Badeanstalt, welche ihr Entstehen zunächst der anregenden Tätigkeit des Herrn Amtmanns Speer in Meersburg verdankt.

Mir war vor meiner Abreise noch gegönnt, einen Teil der Laßberg’schen Sammlung zu sehen, welche, wahrscheinlich nur noch kurze Zeit, in den Gemächern der alten Dagobertsburg aufbewahrt sind. Durch die edle Gastfreundschaft der verwitweten Freifrau selbst wurden mir die Zimmer geöffnet, deren Wände eine Sammlung von Gemälden älterer Meister schmückt. Es war mir dies umso interessanter, da ich wusste, dass diese Kunstwerke in Bälde in meine Heimat wandern, das heißt in den Besitz Seiner Durchlaucht des Fürsten von Fürstenberg übergehen und einen ergänzenden Bestandteil der Sammlungen im Schlosse zu Hüfingen bilden würden.

Freiherr Joseph von Laßberg wurde geboren in Donaueschingen 1770. Seine Jugend fiel in eine Zeit, wo an dem kleinen fürstenbergischen Hofe alles Schöne und Veredelnde Pflege und Gunst fand. Die Anregungen, welche seine Kindheit von daher empfangen, mögen dem Jüngling und Mann wohl durch’s ganze Leben begleitet und seiner Neigung zu Literatur und bildender Kunst den Grund gelegt haben. Das Gymnasium zu Donaueschingen gab Gelegenheit zu ersten Studien, die in Straßburg und Freiburg fortgesetzt und vervollständigt wurden. Forstwissenschaft war das Fach, welchem, nach dem Beispiele des Vaters, der eines der ersten Hof-Forstämter in Donaueschingen begleitete, der Jüngling sich widmete. Bereits zu Anfang der 90er Jahre erhielt der junge Mann eine selbständige Stellung in dem Amte eines fürstlichen Oberforstmeisters zu Heiligenberg, und im Jahr 1804 wurde er zum Landesoberstforstmeister des Fürstenhauses ernannt.

Es waren die Zeiten, deren Stürmen das deutsche Reich erlag und mit dessen Auflösung Vieles im politischen Haushalte der Nation sich änderte. Die reichsfürstliche fürstenbergische Linie war mit Karl Joachim zu Grabe gegangen und das nunmehr standesherrliche Fürstentum dem erlauchten Sprössling böhmischer Linie Carl Egon zugefallen, während dessen Minderjährigkeit die Fürstin-Mutter Elisabeth, die vormundschaftliche Regierung führte. Laßberg war zum Geheimen Rat nach dem, Tode seines Vaters zum Oberjägermeister ernannt. Mit dem Aufhören der vormundschaftlichen Regierung suchte er jedoch Entlassung aus dem Dienstgeschäften, und widmete sich, in der Umgebung der hohen, durch die seltensten Herzens- und Geistesgaben ausgezeichneten Fürstin Elisabeth, ganz den Musen. Sein Mannesalter war in die Epoche gefallen, wo gleichzeitig mit dem Aufschwunge der neuen Literatur auch den Schätzen der früheren Zeit geschärfte Aufmerksamkeit zugewendet wurde. Dies konnte jedoch nicht hindern, dass bei den in bewegten Zeiten vor sich gehenden Klosteraufhebung manches Wertvolle der Kunst und Wissenschaft verschleudert, verloren oder ganz vernichtet wurde. Freiherr von Laßberg, im Besitze gründlicher Kenntnisse und auch der nötigen materiellen Mittel, hatte sich’s schon früher zur eigentlichen Lebensaufgabe gemacht, Zerstreutes zu sammeln, Verlorenes aufzusuchen, und was sich in profanen Händen befand, an sich zu bringen. So entstand nach und nach eine herrliche Sammlung von seltener Handschriften, Incunabeln und alten Malereien, wie nicht leicht ein Privatmann eine ähnliche aufzuweisen haben mochte. Der Besitzer aber war keiner jener grillenhaften Liebhaber oder pedantischen Gelehrten, welche ihre Schätze misstrauisch verschließen und möglichst unzugänglich machen; das Erworbene sollte wieder dem Leben, der Kunst und Wissenschaft zurückfließen, weshalb er um altdeutsche Literatur und Geschichte so hochverdiente Herausgeber des „Liedersaales“ sein Bestes uneigennützig seinen Freunden zu Lust und Lieb an’s Licht stellte. In Verbindung und Freundschaftsverhältnissen mit vielen Gleichgesinnten und Ähnlichstrebenden sah der gastfreie Burgherr beständig werthe Besuche von Nah und Fern bei sich. Seine geistige wie körperlich ausdauernde Gesundheit ließ den trefflichen Mann all diese glücklichen Lebensverhältnisse bis in’s höchste Alter ungeschmälert genießen. Er starb im 85. Lebensjahr, wenige Monate nach dem vielbetrauerten Hingange seines hochherzigen Fürsten und Herren, Carl Egon von Fürstenberg.

Zahlreichen Freunden aber ist die schöne Erinnerung geblieben an einen genussreichen geistigen Verkehr und manche heitere Stunden im edlen Familienkreise auf der alten Meersburg. „Da finden Sie eben mich“, schrieb von Laßberg nach dem Tode seines Sohnes, seinem Vertrauten Freunde, geistlichen Rat und Professor Fr. Carl Grieshaber in Rastatt,

da finden Sie mich mit liebem Weib und Kindern, mit weißem, schneeweißem Haupte zwar, aber mit immer grünem, warmem und fröhlichem Herzen, der von sich sagen kann:

*Ich versteh es, dem Waidwerk Zierde zu sein und dem Speer, Netzen und fliegendem Rohr.

Ach ja, fuimus Troes! Und jetzt stehe ich da, wie ein alter Baum, dem der Blitz die Krone abgeschlagen hat; denn meine Krone und mein Stolz war dieser Sohn, den mir der Himmel diesem Sommer entführt hat. (*Friedrich von Laßberg, Sohn erster Ehe, war fürstlich sigmaringscher Regierungspräsident; er starb im Jahre 1838)
In eine bessere Welt, so pflegt man zu sagen; aber auch diese wäre ihm vielleicht für viele Jahre noch gut genug gewesen, denn sie konnte ihn wohl brauchen.

Ehe wir von Meersburg schreiben, sei ein anderen verdienten Mannes gedacht. Es ist der vaterländische Geschichtsforscher und Schriftsteller Johannes Baptist Kolb, geboren in Meersburg, 1774, wo sein Vater die Stelle eines fürstbischöflichen Archivars bekleidete. Das Wenige, was ich von den Lebensumständen dieses Mannes noch erhalten, gibt Dr. Josef Bader in seinem neuesten Werke: „Meine Fahrten und Wanderungen im Heimatlande“ .

Das Lexicon über das Großherzogtum Baden von Kolb ist ein rühmliches Zeugnis unermüdlichen Fleißes und uneigennütziger Liebe zum Heimischen, die ihren bescheidenen Lohn meistens allein nur in den Bewusstsein findet, der Allgemeinheit einen Dienst geleistet zu haben.

Indem ich noch des Grabmals gedenke, welches die naturforschende Gesellschaft in Berlin dem in Meersburg verstorbenen Magnetiseur Dr. Mesmer, in Gestalt einer abgestumpften Pyramide auf dem Gottesacker errichten ließ, kommt mir der Vorschlag von Göthe in den Sinn, Bildnisse verdienter Mitbürger, ausgezeichneter Künstler und Gelehrter, sowie von Großen, welche den Ort durch Wohlthaten oder persönliche Gegenwart ausgezeichnet x. malen oder modellieren zu lassen und nebst dem Porträte der Landesherren in den Rathssäälen für bleibend aufzustellen. Demnach würde Meersburg das Bild von Laßberg’s, Kolb’s, nebst dem bereits vorhandenen Porträt des Bischofs Max von Roth in seiner Rathsstube der Mit- und Nachwelt aufzubewahren haben.

Möchte doch in allen Städten des Landes in diesem Sinne etwas geschehen; der Nutzen (wenn ein solcher auch nicht in der Gemeinderechnung mit Zahlen ausgedrückt werden kann) wäre kein geringer. Denn das Andenken merkwürdiger Männer regt von Zeit zu Zeit den Geist zur Betrachtungen auf, stärkt das nationale Gefühl und ermutigt auf vorgewießener Bahn Ähnliches zu erstreben.



Die Freiherren von Rodt schrieben sich bei Lucian Reich Roth.

Burg Meersburg, Eigentum und Wohnsitz von Laßberg von 1838 bis zu seinem Tode

links: von Joseph Ignaz Appiani, um 1760 das Porträt Franz Konrad von Rodt, Deckengemälde im Neuen Schloss Meersburg. Franz Konrad Kasimir Ignaz von Rodt (* 17. März 1706 in Meersburg; † 16. Oktober 1775 ebenda) war Kardinal der Römischen Kirche, Reichsfreiherr und von 1750 bis 1775 Fürstbischof von Konstanz. Wikipedia

rechts: Maximilian Christoph von Rodt, Porträt von Stephan Bildstein (ca. 1775/1780) im Neuen Schloss Meersburg. Maximilian Augustinus Christoph von Rodt (* 10. Dezember 1717 in Kehl; † 17. Januar 1800 in Meersburg) war Fürstbischof von Konstanz. Wikipedia






Den Pfingstbutz und den Pfingstritt scheint es nur noch in Wurmlingen zu geben.


Die Liste der Bischöfe von Konstanz gibt es bei Wikipedia. Lucian Reich nennt Bischof Maximilian Christoph von Rodt, „Bischof Max„. Laut der Liste ist Karl Theodor von Dahlberg nicht der 90. sondern der 99. Bischof.

Joseph von Laßberg

Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg, (geboren 10. April 1770 in Donaueschingen; gestorben 15. März 1855 in Meersburg) nannte sich selber der Meister Sepp von Eppishusen. Er war Gründer des Baarvereins und auch leidenschaftlicher Sammler. Über ihn gibt es sehr viele Geschichten und auch Kontroversen wegen seines Nachlasses.

Die Magische Säule von Peter Lenk in Meersburg

Burg Meersburg, Eigentum und Wohnsitz von Laßberg von 1838 bis zu seinem Tode

Laßberg von Peter Lenk in Meersburg

Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg

Lucian Reich hatte Glück die Sammlung von Laßberg noch in Meersburg bewundern zu können. 1855 kam die Sammlung, aber meines Wissens nicht in das Hüfinger Schloss, sondern in die FF-Sammlung nach Donaueschingen. Die umfangreiche Büchersammlung von Joseph Maria Christoph Freiherrn von Laßberg kam in die Bibliothek des Baarvereins die damals mit der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zusammen war. Ab Oktober 1999 wurden der Nachlass nachts über die Schweiz aus Donaueschingen verbracht und in verschiedenen Auktionshäusern versteigert.

Mehr dazu gibt es in den Schriften der Baar Band 48 aus dem Jahr 2005:
https://www.baarverein.de/band-48-jahrgang-2005/



Ehrbare Gesellschaft der 101 Bürger von Meersburg


Das Museumsgebäude am Karlsplatz in Donaueschingen wurde im Jahre 1865 von Fürst Karl Egon III. in Auftrag gegeben. Sein Architekt, Theodor Dibold, baute eine leerstehende ehemalige Zehntscheune am heutigen Karlsplatz für seine naturkundlichen, historischen und kunstgeschichtlichen Sammlungen um. Vermutlich stand dies in Zusammenhang mit dem Nachlaß von Laßberg.

Die F. F. Hofbibliothek Donaueschingen des Hauses Fürstenberg verfügte zusammen mit dem Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, (dessen Gründer u.a. Freiherr von Laßberg war) über bedeutende Bestände aus den Gebieten Recht, Theologie, Geologie, Regional- und Familiengeschichte und 7000 seltene Musikalien (darunter Mozarthandschriften). Dazu gehörten auch die ca. 11.000 Bände umfassende Sammlung des Gelehrten Joseph Maria Christoph Freiherrn von Laßberg. Seit Oktober 1999 wurden die Druckwerke der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen – etwa 130.000 Bände – über die Schweiz verbracht und in verschiedenen Auktionshäusern versteigert oder anderweitig auf dem Antiquariatsmarkt angeboten.

Fuimus Troes ist ein Jasper Fisher zugeschriebenes Versdrama über Julius Cäsars Einmarsch in Britannien im Jahr 55 v. Chr. Es wurde 1633 in Quarto in London veröffentlicht. Das Drama ist in Blankversen geschrieben, die mit Lyrik durchsetzt sind; Druiden, Dichter und ein Harfner werden eingeführt, und es endet mit einer Maske und einem Chor. (https://en.wikipedia.org/wiki/Fuimus_Troes)

Franz Anton Mesmer
Der große Magnetiseur

in Publikationen manchmal auch Friedrich Anton Mesmer – (* 23. Mai 1734 in Iznang; † 5. März 1815 in Meersburg) war zunächst Arzt in Wien, führte dann „magnetische“ Kuren durch und begründete den animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt. Wikipedia

Ein dreieckiger gerundeter weißer Marmorblock befindet sich auf drei Stufen aus weißem Sandstein, die sich nach oben hin verjüngen und in einem ebenfalls gerundeten, dreiseitigen Grundriss liegen. Das Grabmal wurde von der Gesellschaft der Naturforscher in Berlin gestiftet, von Bildhauer Sporer in Konstanz gestaltet, 1830 errichtet und 1902 renoviert.

Mesmer von Peter Lenk auf der Hafenmole von Meersburg

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Insel Mainau – Konstanz 2.

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier der 2. Teil vom Kapitel Konstanz

Einzelne Gewerke, wie zum Beispiel die Metzger und Gärtner, gaben den Ihrigen statt den gewöhnlichen Kundschaften große Pergamentbögen mit, auf welchen sich der wanderlustige Geselle, je nach seinem Vermögen, von einem Maler oder Schönschreiber etwas Hübsches malen ließ. Die Gärtner zum Beispiel wollten meistens den Garten ihres Lehrmeisters mit allen Gebäulichkeiten und Pflanzen darauf haben, während die Metzger schönes Vieh bestellten, nebst dem Lieblingshunde „Packan“ oder „Bläß“.

Nikolaus Hug erzählt, dass im Jahr 1797 in einer größeren Stadt des Mittelrheines ein Maler eine solche Bestellung von einem Metzger bekommen, und mit vielem Fleiß also ausgeführt habe, dass er zwischen den zierlichen Buchstaben und Worte „Wir Bürgermeister und Rath“, – Ochsen-, Kälber- und Schafsköpfe x. gemalt habe, was der Metzgerzunft ungemein, dem Rat hingegen so sehr missfallen habe, dass der arme Künstler zu einer Abbitte und Vernichtung des Lehrbriefes sich habe bequemen müssen.

Ein recht lustiges Leben führten auch die Studenten auf den Vakanzreisen. Mit ihren Zeugnissen und langen Degen an der Seite besuchten sie die Landpriester und wohlhabenden Bürger aller Orten. In jedem Kloster ward ihnen Herberge gegeben auf 6 bis 8 Tage und Essen und Trinken im Überfluss. Manche arme Schlucker brachte von einer vierwöchigen Vakanzreise 20 bis 30 Gulden bares Geld nach Hause. In der Stadt gab man armen Studenten bei Prozessionisten gerne Kostage, wofür sie dem Hausherrn, der im Schreiben und Rechnen entweder gar nicht oder schlecht unterrichtet war, die Hausbücher und Rechnungen in Ordnung halten mußten.

Eine eigentümliche Klasse von Menschen bildeten die Waldbrüder oder Eremiten, welche auf Kirchhöfen, bei Kapellen oder in Wäldern ihre Klausen hatten. Sie zeigten sich im Äußeren als sehr fromme Leute, welche in den Kirchen die Priester bedienten, dem Mesner bei Verzierung der Altäre halfen und mit dem Volke zu verschiedenen Zeiten in ihren Kirchlein Betstunde abhielten. Ein solcher Klausner befand sich noch zu Ende des vorigen Säkulums auf dem Schottenkirchhofe in Konstanz. Seine Zelle war mit passenden Symbolen und Versen geziert, zum Beispiel

„Wahre Tränen, wahre Buß,
Waschen ab dem Sündenruß.“

Trotz solch frommer Äußerungen scheuten übrigens manche dieser wunderlichen Heiligen ein bisschen „Ruß“ nicht, wenn es darauf ankam, sich ein Bene zu tun.

Zu gleicher Zeit gab es auch Schwärme von Bettlern und abgedankten gardenden Soldaten mit Frauen, Kindern und kleinen Fuhrwerken. Sie zogen von einem Pfarrsprengel zum anderen und besuchten die Kirchweihen. In Konstanz hatten diese Bettler eine eigene Zunftordnung unter sich aufgeteilt. Starb ein alter Mann oder ein altes Weib, so rückte die jeweils ältere Person um einen Platz näher an die Kirchentüre, und durch die ganze Armee fand das gleiche Avancement statt.

An der Straße nach Kreuzlingen konnte man an schönen Sonntagen ganze Bettlerfamilien gelagert erblicken. Hier seufzte einer wegen Krankheit, dort schrie ein anderer seiner brennenden Wunden wegen, alle so erbärmlich wie möglich, um einen Almosen von den Vorübergehenden zu erhalten. Kam der Abend und die traurige Nacht, so hörten die Schmerzen auf; man zog in verschiedene Schenken und Herbergen und verzehrte erheiterten Gemüts, das erbettelte Geld.

Viele Bewohner des an der Straße nach Loretto gelegenen Siechenhauses, (errichtet vom Bischof Hermann III, aus dem Geschlechte von Breitenlandenberg), hatten das Recht, am Neujahrstag die Straßen der Stadt zu durchziehen. Sie sangen geistliche Lieder und führten einen Wagen mit sich zur Fortschaffung des reichen Almosens, was ihnen von mitleidigen Einwohnern gespendet wurde.

Ein anderer anmutiger Brauch war das öffentliche Singen vom Weihnachtsabend bis zur Feste der Heiligen Drei Könige. Am Weihnachtsabend setzten sich Banden alter und junger, oft seltsam verkleideter Leute in Bewegung, um vor denjenigen Häuser der Stadt zu singen, aus welchen sie bereitwillige Spenden erwarten durften. Man sang meist Lieder von der Geburt und dem Leben Jesu. Oft mit sehr schönen Klang reichen Stimmen. Hin und wieder hörte man aber auch ein Kriegs- oder Liebeslied.

War man den nächtlichen Sängern gewogen, so wickelte man die Geldspende in ein langes Papier, zündete es an und warf es zum Fenster hinaus der Bande zu. Ließ aber der flammende Dank allzulange auf sich warten, so rief man in geduldigen Tone:

„Wenn ihr üs ge wend,
So gend ü’s bald,
Denn uf den Gaßen ist es kalt.“

Noch im Jahr 1792 war es in Augsburg Sitte, dass an jedem Samstag arme Studenten mit Mänteln angethan, vor jedem Hause, wo sie Wohltaten empfingen, ein deutsches Lied sangen oder ein Vaterunser beteten.

Am heiligen Dreikönigstage stand das bekannte Herumgehen der drei Könige mit dem Sterne statt. Unser Berichterstatter gibt in seinem Nachlass eine Probe von einem Liede, welches an diesem Tage in Konstanz von den verkleideten Weisen gewöhnlich gesungen wurde.

„Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern,
Sie suchten den Herrn und sähen ihn gern.
Sie kommen vor’s König’s Herodeßen Haus,
Herodes, der schaue zum Fenster heraus.
Herodes, der sprach mit. Falschem Verdacht:
„Warum ist nur der Hintere so schwarz?“
Er ist nicht schwarz, er ist ganz weiß;
Wir suchen Ihn mit ganzem Fleiß.
Zu Nacht sind wir den Berg gegangen.
Dann ist der Stern wohl aufgestanden.
Der Sternen rückt fort, wir folgen ihm nach,
Bis wir zusammen nach Bethlehem kamen ;
Nach Bethlehem in die heilige Stadt,
Wo Jesus Christkindlein die Liegestatt hat.
Wir fallen ihm alle drei zu Füßen
Zum Opfer Ihm schenken wir Gold,
Weihrauch und Myrren.
Dies war das liebste Jesulein.“

Allgemein war auch in der Seegegend das Johannisfeuer. Vom Hafendamme aus konnte man am Abend des Johannistages weithin im Schwäbischen und benachbarten Schweizerlande die Feuer lodern sehen, und noch heute ist dieser Brauch nicht ganz erloschen. In Konstanz aber hört diese alte Sitte auf mit dem Jahre 1805, allwo ein junges Mädchen bei dem üblichen Sprung über das Feuer in die Flammen fiel und sich stark beschädigte. Die Stadtbehörde, welche das Feuermachen in den Gassen ohnehin ungerne sehen mochte, verbot die Abhaltung des Brauchs.

Zu jener Zeit hatte auch an jeder Bürger das altershergekommene Recht, seine selbst gepflanzten Wein öffentlich auszuschenken. Die Verkündigung solcher Schenkeröffnungen geschah durch einen alten Mann mit halb weißen, halb rotem Mantel. Am Sonntagmorgen, nach beendigten Gottesdienste, geschahen die Ausrufungen mittels der Schelle. Es konnte geschehen, dass 12 bis 14 Schankwirte und Weinsorten auf einmal ausgerufen wurden, was dem Aussteller ebenso viel Maßwein und Kreuzer eintrug.

Bei All‘ dem waren die öffentlichen Verkehrsanstalten, den in unserer Zeit fast übergroße Sorgfalt zugewendet wird, in sehr mangelhaften Zustande. Noch in den 80er Jahren des letzten verflossenen Jahrhunderts finden wir im ganzen Lande über kleinere Flüsse keine Brücken. Fuhrwerke und Reisende wurden auf kleinen Fähren übergesetzt. Förmliche Straßen bestanden nur zwischen den bedeutenden Orten, und da waren sie meist so schmal, dass die Pferde eines hinter dem anderen mußten eingespannt werden. Ganz besonders schwierig war das Fortkommen auf schweizerischem Boden. Bis zum Jahr 1776 zum Beispiel mussten die Reisenden auf der stark begangenen Straße zwischen Pfyn und Frauenfeld nach Frankreich, auf Flößen oder flachen Schiffen über den reißenden Thurfluss setzen. War dieser von Gewitterregen oder geschmolzenem Schnee hoch angeschwollen, so mussten die Wanderer eben Geduld haben, bis das Element sich etwas verlaufen hatte. Natürlich, dass auch das Post und Botenwesen dem Zustande der Wege entsprach.

In gedachter Zeit befand sich in Konstanz die Post auf dem oberen Markte, unter den Bögen des jetzigen Leo’schen Kaffeehauses. Ein alter Herr Namens Radergast besorgte gemächlich und ohne Gehilfen das Geschäft. Die Postkutsche fuhr etwa zweimal in der Woche nach Radolfzell. Nach der Schweiz aber gingen bis zum Jahr 1780 noch keine Fahrposten. Erst von da an wurden solche dort eingerichtet und mit der Reichspost in Verbindung gebracht. Die ersten Wagen hatten Raum für vier Personen. Die Kasten ruhten hinten auf hölzernen Eisen beschlagenen Federn und hingen in Ketten, während sie vorne unmittelbar auf der Achse auflagen. Da mochte, zumal auf dem holprigen Straßen, dem Fahrenden das einlullende Schläfchen wohl verscheucht worden sein.

Alle Postillone von der Reichsseite kamen zu Pferde. Die Briefe hatten sie in ledernen Beuteln rückwärts am Sattel festgeschnallt; die Postionen aber von Überlingen, Meersburg u.s.w. trugen kleinere lederne Brieffelleisen auf dem Rücken. Mit noch weniger Umständlichkeit betrieben die Eidgenossen das Geschäft. Von Luzern kam wöchentlich einmal ein Bote zu Fuß mit einem Tragkorb, worin die Korrespondenz sich befand. Von Weil aber brachte, patriarchalischer Sitte gemäß, eine Frau mit einem Esel, das ihr anvertraute, nach Konstanz und von da zurück.

Zwischen vielen schwäbischen und schweizer Orten und Konstanz bestand gar keine regelmässige Verbindung; man konnte von dort nichts erhalten und folglich auch nichts dahin versenden. Der Briefwechsel überhaupt ma damals ein sehr geringer gewesen sein. So genügte zum Beispiel vor 50 Jahren noch eine einzige Person, in Konstanz die Poststücke auszutragen. Es war eine alte Jungfer namens Sidonia, welche mit einem Körblein am Arme die Briefe in der Stadt umher trug; als sie alt und schwach geworden, überließ sie das Geschäft einer Base.

Regelmässige Botenfuhren für Frachtstücke kamen erst im Mitte des vorigen Jahrhunderts auf. Später verband man auch Fahrgelegenheiten für Reisende damit, jedoch nur für solche Passagiere, welche eine allzu große Eile hatten, indem die Reisewagen einfach hinten an den Güterwagen angehängt wurden.

Kutschen gab es dazumal noch wenige. Ums Jahr 1787 zählte man in Konstanz nicht mehr als zehn Kutschen, wovon zwei der Stadtgemeinde, eben so viele zweien vermöglichen Bürgern und die übrigen dem Bischof und dem Domherren gehörten.

Mustern wir Kleidung und Tracht unserer Altvorderen, so finden wir bei ihnen weniger Modewechsel, aber dafür mehr Solidität in den Stoffen. Sonntags (im Winter) ging der reichere Stadtbürger nie anders als im silberbordierten dunkelblauen Mantel; der Patrizier hatte solchen von Scharlach mit Goldborten auf dem Kragen, und als Auszeichnung den Degen, der übrigens auch dem Künstler, Beamten und wohlhabenden Kaufmanne zustand. Vermögliche Prozessionisten pflegten, ihres Handwerks goldenen Boden in massivem silbernen Rock- und Westenknöpfen zur Schau zu tragen, während vor nicht minder kostbarem Metalle die Schuh- und. Hosenschnallen, Uhrgehänge und Anderes sein mussten. Statt unseren leichten Modezeugen sah man an den Frauen fein tuchene, mit echten Silberborten besetzte Kleider, dazu die schmucke Goldhaube. Beim Kirchgang fehlte nicht das silber beschlagene Gebetbuch von kunstreicher Arbeit und der Rosenkranz von Bernstein oder Korallen mit Denk- und Schaumünzen behangen.

Die Erben bekamen damals wertvolle Hinterlassenschaften, während ihnen heute meist wertloser Modekram und verbrauchte Fetzen teil werden.

Manche, uns beinahe unentbehrliche Gerätschaften dagegen, waren dazumal noch selten oder gar nicht im bürgerlichen Hauswesen anzutreffen. Regenschirme zum Beispiel sah man nur bei Vermöglichen. Sie bestanden aus dunkelfarbiger, mit großen Blumen gezierter Wachsleinwand. Die gemeinen Bürger- und Bauernweiber aber behalfen sich bei regnerischer Witterung damit, dass sie einen Teil ihrer Obergewänder über das bedrohte Haupt zogen, wie in unseren Tagen noch auf dem Lande zu sehen.

Vom Gebrauche der Spiegel wußten unsere Landsleute ebenfalls noch wenig. Sie wendeten sich einfach an das bekannte Element, in welchem schon im frühesten Altertum Narciß seine jugendliches Bild erschaute. Samstagabends nämlich stellten die ländlichen Schönen eine Velte voll Wasser in ihre Kammer, worin sie, nach dem Ankleiden ehe sie nur zur Kirche gingen, noch einmal sich bespiegelten, ob Alles in gehöriger Ordnung sei. Also einfach waren die Sitten und Zustände der s. g. guten Zeit. Aus ihren Trümmern erwuchs in raschem Wechsel das Neue, welches zu beschreiben den Nachkömmlingen überlassen bleiben mag.

Nebst den mannigfachen Umgestaltungen der Josephinischen Zeit überhaupt, war unser Konstanz die Ansiedelung der genannten Genferkolonie von großem Einfluss. So wie alles kommende Neue Bewegung und Leben in das vorhandene Alte bringt, so wirkte auch dieses Ereignis anregend auf die Zustände der altbürgerlichen Stadt. In Folge der Ankunft so vieler tätigen und vermöglichen Fremden fing man an, die modernden Kehrichtwinkel in den Gassen zu säubern, die von Wurme zerfressenen Ingebäude der (zur Hälfte leerstehenden) Häuser auszubessern und bequemere Wohnungen darin einzurichten. Alle Handwerksleute, die gute Arbeit zu liefern vermochten, bekamen zu tun. Tagelöhner, welche früher von Almosen und Klostersuppen sich genährt, griffen ermutigt zur Arbeit. Zwischen den Neugekommenen und den ursprünglichen Bürgern bestand das freundlichste Verhältnis; die jüngeren Einheimischen lernten bald Französisch und die Genfer, wenn auch etwas langsamer, Deutsch. Mit jedem Jahr hob sich der Wohlstand.

Die Genferknaben, meist lustigen Blut, besuchten die Schule in Zofingen, so auch die Mädchen. In Religionssachen huldigte man einer gewissen Toleranz. Die Mädchen der protestantischen Genferfamilien nahmen am katholischen Religionsunterricht teil.; es hieß, sie könnten ja größer und urteilsfähiger geworden, selbst sich das Bessere wählen.

Erst nach mehreren Jahren kam ein Genfer protestantischer Geistlicher mit Familie nach Konstanz, und bereitwillig wurde ihm ein Lokal zur Abhandlung des Gottesdienstes eingeräumt.

Im ganzen bestand die Kolonie aus etwa 500 Köpfen. Dem Gewerbe- und Fabriktreibenden ward vom Kaiser 20-jährige Steuer und Militärfreiheit bewilligt. Wie schon bemerkt, bekam die Familie Macaire, zur Errichtung einer Indienne- und Cotonfabrik, die Dominikanerinsel unentgeltlich. Bei dem Einzuge hatte Jakob Macaire, wie Hug erzählt, ein sonderbares Mißgeschick. Als der erste schwer beladene Güterwagen über die Brücke zum Kloster fuhr, brach dieselbe unter der Last zusammen, und Pferde und Wagen stürzten stark beschädigt in den Wassergraben. Die vertriebenen Klostermönche und ihre Anhänger aber frohlockten und wollten eine höhere Fügung darin erkennen. So natürlich es auch war, dass die nur zu Brotfrüchten und Weinfuhren hergerichtete Brücke unter der ungewöhnlichen, übermäßigen Last einbrechen müßte. Bis auf den heutigen Tag wird dies Fabrikgeschäft mit gutem Erfolg betrieben.

Andere von den eingewanderten angefangenen Industriezweige, wie zum Beispiel die Sackuhren und Goldwarenfabrikation sind jedoch wiederum in Abgang gekommen. Um der ersteren aufzuhelfen, ward die zollfreie Einfuhr von 20 ,000 Stück Sackuhren während acht Jahren in die österreichischen Staaten gestattet. Da aber die Fabrik weit mehr zu liefern imstande war, so wurde der Überschuss im Orient verschlossen.

Am Schluss des genannten Jahrhunderts war Konstanz zum andern Mal Zeuge einer Einwanderung. Das große Ereignis der Französischen Revolution scheuchte, wie bekannt, eine Menge Priester und Mönche, welche der neuen gebietenden Macht den Eid nicht leisten wollten, über den Rhein. Unser Gewährsmann schildert sie der Mehrzahl nach als sehr unwissend. Nebst einer Menge der niederen Geistlichkeit waren auch sehr viele höhere Würdenträger der Kirche nach Konstanz gekommen. Die Fronleichnamsprozession 1793 gewährte daher das ungewöhnliche Schauspiel, dass 13 französische Bischöfe, darunter drei Erzbischöfe und nebst diesen der Malteserfürst von Heitersheim zu sehen waren.

Zu Betrachtungen entgegengesetzter Art gaben über rheinische Emigranten im Jahre 1814 Veranlassung. Es waren ehemalige Nationaldeputierte, welche zum Tode König Ludwigs des XIV.. gestimmt hatten und nach Wiederherstellung des Königsthrones aus Frankreich fliehen mussten. Der eine war, der Erdeputierte für Corrèze, Prival, welcher bei Erblickung des Blutgerüstes für den König, in der Voraussetzung, das Volk könne das Schauspiel nicht bequem genug sehen, ausgerufen haben soll. Es ist zu nieder! – Dieser Mann wurde später in Konstanz wahnsinnig, und wo er vor einem Hause eine Treppe erblickte, sprang er heftig hinauf und herunter. Die Stufen zum königlichen Blutgerüste standen immer noch vor seinen wirren Sinnen. Ein zweiter Monnel mit Namen (aus dem Departement Marne) stellte kurz vor seinem Tode in Konstanz eine öffentliche Urkunde aus, worin er seine Reue bezeugte, zum Tode des unglücklichen Königs gestimmt zu haben. – Der dritte Dübois Bellegarde, Deputierter für Charente, wird als roh und religionslos geschildert; er rühmte sich vieler Mordtaten, aß wie ein Schwein faules Fleisch und Fische, spottete über Gott und den Teufel – und fürchtete sich bei seinem Ende doch vor demselben. – Ein vierter, für das Departement Eher, La Brunerie, zeigte sich als ein braver Mann, der oft seinen Kummer aussprach, zum Tode seines Königs gestimmt zu haben. – Alle diese Männer starben während der 20er Jahre.

Bei der Wanderung durch die Stadt lenken wir billig unsere Blicke zuerst auf die altehrwürdige Domkirche. – Wie alte Berichte sagen, rührt ihre ursprüngliche Anlage vom Bischof Rumoald (1052) her. Nach anderen jedoch wäre schon früher, im Jahre 950, zurzeit Konrads des Heiligen, der Grundstein gelegt worden, und Rumoald habe nur die Einweihung des fertigen Baues vollzogen. Die 16 massiven steinernen Säulen im Inneren der Kirche sollen, nach einer Sage, unter Konrad, dem Heiligen gesetzt worden sein. Diese Säulen nebst den übrigen Bausteinen kamen aus einem Steinbruche beim Schlosse Bodman.

Die ursprüngliche Form des Ganzen ist die des Kreuzes, wozu spätere Jahrhunderte, bauend und verändernd, das Ihrige hierzu getan haben. – In früheren Zeiten hatte der Bau zwei Türme. Im Jahr 1497, am 18. April, wurde ein dritter, der „Mittel neue Münsterthurm“ zu bauen angefangen. Das Fundament dazu war drei Mann tief, weshalb etliche Steine von den anderen Türmen abrissen und beinahe fünf Knechte erschlagen hätten. Bischof Hugo (von Hohenladenberg) legte den ersten Stein durch seinen Hofmeister Walther von Hallweil. Zu gleicher Zeit waren die großen Glocken gegossen worden.

Aber die Herrlichkeit dauerte nur kurze Zeit; eine Feuersbrunst ruinierte im Jahr 1511 alle drei Türme samt den Glocken. – Zwei Dachdecker hatten am Kirchendach etwas auszubessern, dem einen entfiel der glühende Löthkolben und entzündete einen unter dem Gebälk liegenden Haufen Hobelspäne. Der Dachstuhl geriet in Flammen, welche bald riesig hoch die Türme umloderten, so zwar, dass die bleigedeckten Helme derselben mit den Glocken schmolzen, und das flüssige Metall herab träufelte wie ein Regen. Drei Tage schwebte dadurch die Stadt in Feuersgefahr, die beiden unseligen Dachdecker aber hatten ihr Heil in der Flucht gesucht.

Nach diesem Ruin ließ das Domkapitel die Werkmeister der benachbarten Städte Freiburg im Breisgau, Straßburg, Zürich, Überlingen, Neuhausen und Salmansweiler nach Konstanz berufen, um von ihnen zu hören, was zu tun sei. Die Meister gaben den Rat, das vom Brande ganz ruinierte Mauerwerk der Türme bis auf weniges abzutragen und mit verzierten Kuppeln oder Helmen zu versehen, in derselben Gestalt, wie das Bauwerk noch bis auf unsere Zeit gekommen ist.

Papst Pius III hatte allen Denen, die einen Beitrag. Zum Bau leisten, würden, einen Ablass verheißen. Nach Braunegger soll ein Amann von Rorschach unentgeltlich die Steine geliefert, und Kaiser Maximilian auf Bitte des Bischofs, Metall zum Gruße neuer Glocken, so wie zur Deckung der Türme gegeben haben.

Nachdem der ganze aus grünlichen Sandstein ausgeführte Bau im Laufe mehrerer Jahrhunderte sehr in Zerfall geraten war, wurde im Jahre 1847 unter Großherzog Leopolds landesväterlicher Regierung, zu einem großartigen Ausbau und einer Reparatur aller schadhaften Teile geschritten. Nach einem Plane von Herr Baudirektor Heinrich Hübsch, (ausgeführt von Architekt Leonhard und Bildhauer Lucas Ahorn), sehen wir jetzt die mittlere Pyramide 50 Fuß hoch den alten Dom überragen und bis in weite Ferne den See und seine herrlichen Ufer beherrschen. Von den drei Statuen, welche über das Hauptportal zu stehen kommen, ist die mittlere, die heilige Jungfrau mit dem Kinde als Kirchenheilige, gefertigt vom Bildhauer Xaver Reich, bereits aufgestellt. Die beiden Nebenfiguren, der heilige Pelagius Stadtpatron und der heilige Konrad, des Sprengels Schirmherr, werden von dem Konstanzer Bildhauer Bauer ausgeführt.

Beim Anblick der Vorhalle und des Inneren der Kirche wird der Mangel alter Skulpturen auffällig, zumal wenn wir bedenken, dass die alten Baumeister in wohlverstandenen Kunstinteresse nicht wohl ein öffentliches Gebäude herstellten, ohne Mitwirkung der Maler und Bildhauer. – Um diese Erscheinung vorliegenden Falles zu erklären, erinnern wir an die Zeiten der reformatorischen Umwälzungen, wo auch in Konstanz alle Bildnisse als anstößig entfernt oder zertrümmert wurden. Unser Gewährsmann erzählt, dass deshalb (sowie überhaupt wegen der Vorfälle zur Reformationszeit) Bischof Balthasar Mercklin sich beschwerend an den Kaiser gewendet und dieser die Bürgerschaft in eine Strafe von 100.000 fl. verfällt habe, wovon jedoch, nach längerem Unterhandeln, nur 20.000 fl. erlegt werden durften.

Trotz diesen Zerstörungen ist noch viel Herrliches von alter Kunst im Dome übrig geblieben. Gleich beim Eintritt erregen die in Eichenholz geschnitzten Türen des Portals unsere Aufmerksamkeit. Sie enthalten in 20 Feldern Reliefs, welche Momente aus dem Leben Christi darstellen. Die Inschrift nennt Simon Baider als den Fertiger (1470).

Von ungleich mehr künstlerischem Werthe sind jedoch die mittelalterlichen Domherren Stühle im Chor des Mittelschiffs. Es war die Aufgabe des Künstlers, drei übereinanderstehende Reihen von hölzernen Sitzen (72 an der Zahl) würdig und sinnreich zu schmücken. Wir sehen deshalb (sehr ähnlich der meist bild- und phantasievollen Gotik unserer Zeit) eine Menge Bildwerke der trefflichsten Erfindung, mit den architektonischen Teil organisch verbunden. Alles, was in der Seele des Künstlers von Gemüt, Phantasie und originellem Humor lebte und webte, erscheint darin wieder gegeben: Die Urängste des Menschengeschlechts, die Verheißung und Erlösungsgeschichte, Legenden, Allegorien und Gestalten aus dem wirklichen Leben.

Von ganz köstlicher Erfindung sind unter anderem die Consolchen auf der Kehrseite der beweglichen Spitzbretter. Gewiss würde es lohnend sein, diese zierlichen Kunstwerke abzuformen und zu vervielfältigen. Bedauerlich ist hierbei allerdings der Anstrich von dicker Ölfarbe, welcher wahrscheinlich im vorigen Jahrhundert dem Ganzen gegeben wurde. – Der Name des Meisters findet sich nirgends verzeichnet. Allem nach aber fällt die treffliche Arbeit in das letzte Viertel des 15. oder in den Anfang des folgenden Jahrhunderts.

Nicht minder schätzbare Skulpturen sind die Bischofsgrabmäler in einigen Seitenkapellen. Sämtliche Monumente sind nach gewohnter Darstellungsweise des Mittelalters auf Särgen liegend, Porträtgestalten, im Kostüm bis ins einzelne ein charakterisches Bild ihrer Zeit, aber groß in der Auffassung und durchaus edlen Stils.

Eigenschaften, welche diesen Denkmälern fern von allem akademisch römernden Pomp und Konventionellidealen, nebst großem Kunstwerk, wahrhaft historischen Gehalt geben. – Wenn da und dort noch schulweise Bedenken entstehen möchten, ob dem Plastiker erlaubt sei, bei Porträtgestalten der Neuzeit das herrschende Kostüm anzuwenden, so lehren uns die vernünftigen Alten ganz einfach das Rechte. Eines der interessantesten dieser Monumente ist das Grabmal des Bischofs Otto dem dritten eines badischen Markgrafen von Hachberg und Röteln, in der mit alten Glasmalereien gezierten, (von Otto erbauten) Margarethenkapelle. Über dem Grabmal erblicken wir in einer Nische ein gleichzeitiges, leider aber stark beschädigtes Freskobild, Christus am Kreuz mit den knienden Gestalten des Bischofs und eines Ritters, wahrscheinlich eines Bruders des ersteren. Otto’s III kirchliches Regiment fällt in die Zeit der großen Kirchenversammlungen; er war einer der gelehrten Männer seiner Zeit und äußerst kunstliebend, nach Schulthaiß besaß er eine ansehnliche Bibliothek und wohl für 3000 fl. silberne Heiligenfiguren, welche letzterere, nach seiner Abtretung des Bisthums an Heinrich von Zollern, das Domkapitel erkaufte und zwei Tafeln daraus machen ließ. Nach seiner Abdankung zog er nach Schaffhausen in das Kloster, kehrte aber bald wieder nach Konstanz zurück, wo er 1437 starb.

Aus dem Chor der linken Seite führen Stufen abwärts in die Kapelle des heiligen Konrad. Neben dem Altar befindet sich ein Sarg ohne Inschrift und auf dessen Deckel, wie angenommen wird, das Bild des Bischofs. – Diesem nach wäre Konrad der Heilige schlanken Wuchs gewesen; das längliche Gesicht ist von einem schwachen Barte eingefaßt, ein Zug von Wohlwollen und Humanität schwebt um das wohlgebildete Antlitz.

Von dieser Kapelle kommt man in die unterirdische Krypta, ohne Zweifel der älteste Teil der Kirche. Aus ihr zurückkehrend, beschreiten wir den Kreuzgang an der nördlichen Seite des Doms, wo sich in einer eigene Kapelle das Grabmal des im Jahre 1398 verstorbenen Bischofs Burckard von Höwen befindet. Weiter gegen Osten führt eine Pforte in die Kapelle des Heiligen Grabes. Bischof Konrad der Heilige, soll sie erbaut haben. Das steinerne Grabgebäude in Mitte der düsteren Kapelle wurde ehedem in der Karwoche abends von vielen 100 Lampen festlich erleuchtet. Die Figuren im Innern des Grabhauses sind sehr alt und geben uns wahrheitsgetreu Trachten der Johanniter oder Spitalbrüder aus den Zeiten der ersten Kreuzzüge.

Verzichtend jedoch auf eine Beschreibung aller Sehenswürdigkeiten, wollen wir noch einige Arbeiten älterer Konstanzer Meister erwähnen. Eine detaillierte Beschreibung des Doms gibt das Schriftchen: „Führer durch die Münsterkirche in Konstanz bei Stadler 1853.“ Ebenso das fragmentarische Werk von Josua Eifelein, „Geschichte der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung. Konstanz, bei W.Meck“.

Im Langhause rückwärts um das große Portal befindet sich ein großes allegorisches Ölgemälde, ein Denkmal für den Canonicus Georg Müller. Es ist das nicht unverdienliche Werk Christoph Storer’s, welcher in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Konstanz lebte. – Bei seinem Vater Lucas erlernte er die Anfangsgründe der Kunst, und bildete sich in der Werkstätte des damals berühmten Malers Herkules Proccacini in Mailand weiter aus. Als praktischer Meister malte er mehrere Bilder für die Kirchen zu Mailand und die Kartause in Pavia. Der junge Mann liebte eine schöne Mailänder, Angelica Phamphora, welche im Jahr 1652 seine Gattin wurde, nachdem die Jungfrau seinem Wunsche gemäß in Konstanz als Bürgerin aufgenommen war. Kurze Zeit nachher ehrte ihn die Vaterstadt durch die Ernennung zum Mitgliede des inneren Rates. Sein Ende fällt in das Jahr 1671. Auf dem Schottenkirchhof in Konstanz ist sein Grab –

Von einem anderen Konstanzer, Ludwig Herrmann, sehen wir auf der linken Seite in zwei Kapellen Altarbilder, jedoch von untergeordneten Wert; das eine die für Marter des Apostels Bartholomä, das andere die Weisen aus dem Morgenland, (gemalt 1750)*
* Ein Sohn Herrmann’s verzierte unter Anderem die Narrenstube, worin die Konstanzer Fasnachtsgesellschaft ihre Versammlungen hielt, mit Arabesken und Masken komischen Genres, welche Arbeit viel Beifall fand.

Einheimische Bildhauer, die für den Dom arbeiten, werden außer dem erwähnten Simon Baider nur die Gebrüder Schenk mit gewiss angeben. Das zwölf hohe Kruzifix im linken Seitenchor soll von ihnen sein. Die beiden lebten zurzeit des 30-jährigen Krieges. – Ungleich besser, als die genannte Arbeit, ist ein steinernes Grabmal: die sterbende Maria von den Aposteln umgeben, im linken Seitenchor. Von besonderer Zartheit erscheint die Hauptfigur. Dieses Werk soll nach Braunecker, der Bildhauer Waldmann dem Andenken seiner geliebten, früh verstorbenen Tochter Sabina zum Gedächtnis errichtet haben.

Auf der südlichen Seite des Domes mit demselben verbunden, stand ehedem die bischöfliche Pfalz, erbaut von Bischof Salomo III im Jahr 891. Bischof Otto III ließ das Bauwerk, „das vorher ein altes, liebloses Ding war“, erneuern und zum würdigen Empfang des Papstes und des Kaisers, kurz vor dem Konzil herrlich restaurieren und ausschmücken. Der kunstsinnige Herr gab den Wänden des großen Saales ein eichenholzenes Getäfel von künstlichem Schnitzwerk mit dem Wappen der damaligen Domherren; an den Säulen, welche die Decke trugen, sah man die Wappen des Papstes und des Kaisers, sowie das des Hochstifts und des hachbergischen Geschlechts; der obere Stock enthielt Wandgemälde von demselben Meister, der den herrlichen alten Saal im alten Kloster zu Stein am Rhein gemalt hat.

Bis zur Reformation war die Pfalz von 52 Bischöfen bewohnt. Hugo von Landenberg, ums Jahr 1527 Bischof, verlegte die Residenz nach Meersburg, wo nach ihm alle Bischöfe residierten.

Im 19. Jahrhundert befanden sich in der verlassenen Pfalz nur noch wenige bewohnbare Zimmer. Alle übrigen waren ohne Fenster und Verschluss; das Ganze gewährte den Anblick einer halb zerfallenen Ruine. Im Jahre 1830 wurde der Bau niedergerissen – und ein f. g. Museum an dessen Stelle gebaut.

Ein schönes wohlerhaltenes Baudenkmal des Mittelalters ist die Pfarrkirche St Stephan. Bischof Salomo III aus dem alten Grafengeschlechte von Ramschwag wird als ihr Erbauer genannt. Vor dem Jahr 900 befand sich diese Kirche noch außerhalb der Stadtmauern und kam erst bei der dritten Erweiterung, um 919 innerhalb derselben zu stehen. Der mehrerwähnte Bischof Otto III renovierte den alten Bau von Grund aus und zierte seine Fenster mit herrlichen Glasgemälden, von welchen noch Reste vorhanden sind. Zur Zeit der Reformation hatte die Kirche, wie alle übrigen das traurige Loos durch Beschluss des übelberatenden Stadtrates (1529) all ihres Schmuckes an Bildsäulen, Grabmäler und Gemälde beraubt zu werden. – Erst nach 100 oder mehr Jahren konnte sie durch milde Beiträge wieder verschönert und zur Pfarrkirche erhoben werden.

Der Hochaltar enthält ein Gemälde, die Weisen aus dem Morgenlande, von dem Konstanzer Meister Philipp Memberger. Das Leben dieses Künstler fiel in die Zeit der vorerwähnten Bilderstürmerei. Als der gute Mann so viel Herrliches der Kunst, welcher sein ganzes Leben geweiht war, in Staub sinken sah, ergriff ihn Unwille und Schmerz, und er lieferte in heftigen Reden gegen den Stadtrat und die fanatischen Predikanten. Da ließen ihn die Stadtverordneten ins Gefängnis werfen, aus dem er erst nach langer Zeit, als die Spanier im Jahr 1548 die Stadt besetzten, wiederum befreit wurde. Nach diesem Umschwung der Dinge malte der misshandelte Künstler das oben genannte Bild.

Von einem anderen einheimischen Künstler des 17. Jahrhunderts, dem bekannten Bildhauer Hans Morink, sehen wir in der Kirche einige Reliefs; ebenso Altarbilder von den Malern Christoph Storer und Ludwig Herrmann.

Eine dritte Pfarrkirche ist die Spitalkirche in dem ehemaligen Augustinerkloster, ihr Hauptschmuck ist ein schönes Altargemälde von der rühmlich bekannten Konstanzer Malerin Maria Ellenrieder.

Ein sehr interessanter Bau ist die alte Stadtkanzlei; sie scheint von einem Italiener erbaut zu sein; der Charakter ihrer Fassade und des äußerst malerischen Hofes erinnern an venezianische Bauwerke.

Bereitwillig werden dem Fremden die wertvollen Dokumente alter Zeit gezeigt, welche das städtische Archiv enthält: darunter die bildreiche Chronik von Ulrich von Richenthal (aus der Zeit des Konzils), die handschriftlichen Sammlungen von Schulthaiß (aus dem 16. Jahrhundert), Zündele, Mangold und Braunecker. Auch einige Glasgemälde von lokalem Interesse sind (durch die Vorlage der Herren Dr. Stanz und Stadtrechner Molitor) dem Verderben früherer geringschätzender Zeiten entronnen. Die Kunst der Glasmalerei war von alters her in Konstanz heimisch. Beinahe alle öffentlichen Gebäude prangten in diesem herrlichen Schmucke. Namentlich reich ausgestattet war die Schießstazt, in welcher alle Gänge und Stuben mit den Wappen von vielen 100 der ältesten Schützen geziert waren. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts jedoch finden sich Namen der Künstler angegeben. Die Glieder der Familie Sprengler übten diese Kunst über zwei Jahrhunderte lang in Konstanz. Das Altertumskabinett des Herrn Nikolaus Vincent in dem großen Saale auf dem Münster Kreuzgang enthält viele Arbeiten von ihnen.

Das Beste aber, was dem Freunde des Schönen in Konstanz werden kann, ist ein Besuch der vorzüglichen Sammlung von Kunstwerken im Hause des verehrten Freiherrn v. Wessenberg. Sowohl bei den Ölgemälden als Kupferstichen gibt sich der fein gediegene Sinn und Geschmack des edlen Besitzers kund. Eine außerordentliche bändereiche Bibliothek schließt sich würdig diesen bildlichen Schätzen an, die mit Liberalität jedem Fremden gezeigt werden.

Unter den Gebäuden, welche noch unverändert aus dem Mittelalter in die Neuzeit hereinragen, zeichnet sich vor allem das Haus zur Katze aus, der ehemalige Versammlungsort der adligen Geschlechter. Der wahrhaft ritterliche Bau enthält einen geräumigen, wohlerhaltenen Saal.

Ein anderes öffentliches Gebäude aus dem 15. Jahrhundert dagegen mußte sich eine Umwandlung ins fahle Moderne gefallen lassen: das Rathaus am Fischmarkt, im Besitze eines Privatmanns. Die schöne alte Portalverzierung ist ihm geblieben; sie ist eine Arbeit des Konstanzer Meisters Ulrich Preysenberg, „welcher den Schildstein anher verehrte“. Wir sehen in ihm die Wappen des Reichs und der Stadt, gehalten von dem Papste und dem Kaiser, mit der Jahreszahl 1479.

Besonderes Interesse hatte im Laufe der Zeit das Kaufhaus erlangt, in dem so genannte Konziliumssaal, (erbaut 1388) obwohl hier nie eine Sitzung des Konzils, wohl aber die Wahl des Papstes Martin V. stattgefunden. Das kolossale Haus mit seinem hölzernen Überbau und mächtigem Dache ist sozusagen das Wahrzeichen der Stadt, – ein Denkmal der großen Kirchenversammlung geworden. Kein Fremder wird Konstanz verlassen, ohne dem Bau und seinem Sehenswürdigkeiten ein paar Augenblicke geopfert zu haben.

Aus der Zeit des Konzils zeigt uns der alte Custos den Thronsessel Kaiser Sigismunds, den Altar auf dem der Papst eine heilige Messe gelesen, ein Stück von Hußens Kerker, den Angeklagten und seine Widersacher selbst, naturwahr fast bis zum Erschrecken; sodann einen städtischen, altväterlichen Galgenwagen, Schilde aus den Kreuzzügen, etwelche heidnische Götzenbilder und diverse Ölgemälde. Wahrlich, wir werden in diesem Umgebungen unwillkürlich in die Vorzeit zurückversetzt, zumal wenn, wie bei meiner Anwesenheit, der Sturm um den riesenhaften Dachstuhl saust und unheimlich mit den Windfahnen musiziert und ächzt, als lebten sie wieder auf die streitenden Geister der alten Tage.

Ich wandelte eine Weile im Gespräch mit dem Custos zwischen den massiven Eichenholzsäulen des weiten Saales auf und ab. Der Mann verbreitert sich gerne über die Zustände der früheren Zeit, deren Zeuge er noch gewesen. – „Gab es“ fragte ich, als der polternde Sturm einige Augenblicke schwieg, „gab es zu jener Zeit auch viele Geister und Gespenster in der Stadt?“ – „Ja wohl!“ erwiderte der launige Altvater, „zumal in guten Weinjahren. – Bei der Stadtmauer, vom Paradieserthor bis zum Pulverturm und Rheintor, beim Kaufhaus u.s.w. sah man bei Nacht Geister, feurige Geissböcke und Gespenster, die einem auf dem Weg standen, so dass man sich kaum getraute, bei Nacht auszugehen. – Nicht viel besser war es hinter dem Franziskanerkloster und bei den Dominikanern, wo einer, der keine Ortskenntnis hatte, nicht leicht ohne Büffe oder sonstige derbe Lektion davon kam. Dann gab es auch noch, das ich’s nicht vergesse, das wohlbekannte Stadtthier, – ein Gespenst, von dem alte Leute noch viel zu erzählen wissen.“ Hierauf kam er auf seine Jugend zu sprechen: wie damals so viel Geselligkeit und Harmonie unter den Bürgern geherrscht habe. Der Hauptspaziergang der alten Konstanzer sei gewesen zum „Schäpfle“ drüben in der Schweiz (wir hatten zufällig die Aussicht durch die hohen Fensteröffnungen dahin); weil der Schoppen groß und der Wein gut gewesen, so sei auch er vom 18. bis gegen sein siebzigstes Jahr regelmäßig dahin gewandelt, und so mäßig er stets im Trinken gewesen, so habe ihm neulich noch Einer ausgerechnet, dass er im Ganzen in selbigen Schäpfle vertilgt habe – „wie viel meinen Sie? – 16 Fuder, 20 Eimer und ungerade Schoppen“ referierte er mit großer Befriedigung.

Unter solchen Gesprächen war sein Stündlein gekommen, wo er gewöhnlich den „Conciliumssaal“ zu verlassen und sich in seine Wohnung zurückzuziehen pflegte. Mir aber gab der Rest des Tages noch Muße genug, am Hafen umher zu schlendern und einen Gang zu machen, um die alten Wälle, Stadtmauern und Tortürme, welche erhaltenswerte malerische Denkmäler der Ortsgeschichte sind.

Der See wälzte stürmisch seine weißgekrönten Wellen gegen den steinernen Damm und die Ufer und ließ erhöhtem Maaße die Wohlfahrt des schimmernden Hafens fühlen. Und wenn wir aus der Gegenwart in vergangene Zeiten zurückschauen, gewahren wir auch hier die mannigfachen Segnungen einer friedlichen Zeit. Denn wo ehedem nur eine einfache Reihe von Pfählen notdürftig den Landungsplatz schützte, sehen wir jetzt den stattlichen Hafenbau, zu welchem unter Großherzog Leopold’s väterlicher Regierung, im Jahre 1836, der Grund gelegt wurde. Mit vielen Freiheiten begabt, hob sich der Platz halb zu großer Bedeutung für das Verkehrsleben der herrlich gelegenen Stadt, welche den natürlichen Mittelpunkt der jetzigen Dampfschifffahrt bildet. Konstanz, der Sitz der großherzoglichen Kreisregierung, eines Hofgerichts, eines Lyzeums, und seit neuester Zeit einer Garnison, zählt, letzterer nicht gerechnet, beiläufig 6500 Einwohner, von denen etwa 350 protestantisch, die übrigen katholischer Konfession sind. Die Stadt besitzt mit ihren drei Vorstädten Kreuzlingen, Paradies und Petershausen einen Umfang von 4000 geometrischen Ruthen. Sie ist bei ziemlich mannigfachen Annehmlichkeiten des geselligen Lebens, umgeben von einer paradiesischen Landschaft und vereinigt alles, was dem Fremden einen längeren Aufenthalt erfreulich machen kann.

Und sollte in je eine Sehnsucht anwandeln nach dem fernen blauen Seegestaden mit den riesigen Massen der Alpen im Hintergrunde, so gibt die tägliche Einkehr bequemer Dampfboote Gelegenheit, dem Zuge des Herzens zu folgen. Aber auch die Nähe bietet unzählige erquickende Luft- und Erholungsorte: die Wirtschaften zum Gütle, Fürstenberg, Käntle, die Insel Mainau und Reichenau, sowie die im obst- und weinreichen Garten des Thurgau’s liegende Orte Kreuzlingen, Emmishofen, Gottlieben, x. die genussreichen Ausflüge und Ruheplätze gewähren.

Liebt aber der Erholungssuchende fern von heiterer Lust Gewühl, mit sich und seinen Träumen allein zu sein, so vertraue er der leicht beweglichen Gondel sich an, dass sie ihn hinaus trage, in das weite, herrliche Element, in der Kühle des duftigen Morgens, zur sommerlich hellen Mittagsstunde, oder am Abend, wenn das Flammenauge des Tages hinabgezogen ist hinter die fernen glutumfangenen Bergschlösser des Hegaus, und eine milde, sternendurchlebte Nacht ihren Zauber ausbreitet über dem tiefen, geheimnisvoll ruhenden Gewässer.

Wir scheiden von Konstanz mit reich gelabter Seele, aber auch mit einem schmerzlichen Blicke voll jener Erinnerungen, welche das Bild einer ehemaligen alten Reichsstadt immer in uns hervorruft. Es erinnert an so manche schöne Blüte, die durch Ungunst der Veränderungen im großen politischen Lebens um ihre Entwicklung gekommen. – Nichts kann uns über diesen Verlust besser trösten, als die Wohlthat guter Fürsten, welche mit edler Liebe zu Land und Volk überall das Gute und Schöne großherzig zu fördern bestrebt sind, und uns so, im Strome der allgewaltigen Zeit, noch die Früchte eines befriedigenden Daseins gewinnen lassen.

Fortsetzung hier:

Insel Mainau – Mersburg

Ausflug an den Bodensee 1931 von Ernst Kramer.

Stadtteile von Konstanz (Quelle: Wikiwand)


Kundschaft des Zimmeramts Hannover handschriftlich datiert vom 15. September 1829 von den beiden Amtsvorstehern, dem Zimmermeister Heinrich Striehl und dem Ratszimmermeister Johann Ludwig Holekamp. Der wohl als Kupferstich geschaffene, nicht mit einer Künstlersignatur signierte Vordruck enthält folgenden Text: Hannover Wir Geschworne, Vor- und andere Meister.
Unterzeichner als Vorsteher des Zimmeramts Hannover: Zimmermeister Heinrich Striehl und Ratszimmermeister Johann Ludwig Holekamp – Freunde des Historischen Museums e.V. (Historisches Museum Hannover): https://ein-stueck-hannover.de/schatzkammer/objekt/handwerkskundschaft-zimmerer/ (Wikipedia)

Nikolaus Hug* (geboren 14. Juni 1771 in Konstanz; gestorben 2. Dezember 1852 ebenda) war ein badischer Maler, Kupferstecher und Radierer. https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Hug.

Ein Felleisen ist ein lederner Rucksack, der früher von Handwerksgesellen auf Wanderschaft getragen wurde.

Narciß – Narziss (griechisch Νάρκισσος Nárkissos, lateinisch Narcissus) ist in der griechischen Mythologie ein schöner Jüngling, der die Liebe anderer zurückwies und sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte.

Bereits am 30. Juni 1785, noch vor Schließung des Klosters, überließ Kaiser Joseph II. die Insel dem Genfer Fabrikanten und Bankier Jacques Louis (Jakob Ludwig) Macaire de L’Or (1740–1824), mit den Gebäuden, gegen Zahlung einer geringen jährlichen Pacht von 25 Gulden, zur Einrichtung einer Indienne-Fabrik mit Indigo-Färberei.

Prozess und Hinrichtung Ludwig XVI.

Am 14. Januar 1793 begannen die Beratungen über das Urteil. Die erste Frage, ob Ludwig sich „der Verschwörung gegen die öffentliche Freiheit und der Anschläge gegen die nationale Sicherheit“ («la conspiration contre la liberté publique et la sûreté générale de l’État») schuldig gemacht habe, beantwortete der Konvent in namentlicher Abstimmung einmütig mit Ja, nur elf Abgeordnete weigerten sich, mit abzustimmen. .. Die dritte Abstimmung über die Strafe zog sich vom 16. Januar vormittags bis zum 17. Januar 1793 am späten Abend hin, denn fast jeder Abgeordnete begründete sein Votum. Im Ergebnis stimmte eine knappe Mehrheit von 366 Abgeordneten für die Todesstrafe, mehrere Abgeordnete waren dem Votum des Girondisten Jean-Baptiste Mailhe gefolgt, der zwar für die Todesstrafe, aber für eine Aussetzung der Vollstreckung gestimmt hatte. Die Abstimmung wurde wiederholt, was eine Mehrheit von 387 : 334 ergab, doch zog man die 26 Stimmen von Mailhe und den Befürwortern seines Vorschlags ab. Somit ergab sich die knappestmögliche Mehrheit von 361 von 721 Abgeordneten für die Todesstrafe. Vom 19. bis zum 20. Januar wurde dann darüber abgestimmt, ob man das Urteil vollstrecken oder aussetzen solle. Bertrand Barère argumentierte, eine Aussetzung würde die inneren Auseinandersetzungen in Frankreich verlängern und somit nur den Invasionstruppen nutzen. Die Aussetzung wurde mit 380 : 310 Stimmen abgelehnt.

Am Vormittag des 21. Januar 1793 trat Ludwig zum Schafott auf der place de la Révolution, vormals place Louis XV. Die Guillotine war sinnfälligerweise direkt neben den Sockel des Reiterdenkmals Ludwigs XV. platziert worden, das beim Tuileriensturm im August 1792 entfernt worden war. 20.000 Menschen sahen zu, wie Ludwig sich kurz gegen den Henker Charles Henri Sanson wehrte, der ihm Handfesseln und Augenbinde anlegen wollte, und zu einer Ansprache ansetzte: «Peuple, je suis innocent! Je pardonne …». Der Kommandant der Garde nationale Antoine Joseph Santerre befahl seinen Trommlern zu spielen, um dessen weiteren Worte zu übertönen. Ludwig wurde unter die Guillotine gelegt und enthauptet, seinen Kopf zeigte der Henker der Menge, die in den Hochruf «Vive la nation!» ausbrach. (Wikipedia).

Über den „Erddputierten?“ Prival, der gerufen haben soll „Es ist zu nieder!“ findet sich heute gar nichts mehr. Auch die öffentliche Urkunde von Monnel (aus dem Departement Marne) worin er seine Reue bezeugte, zum Tode des unglücklichen Königs gestimmt zu haben, ist nicht auffindbar. Auch über Dubois Bellegarde, der Deputierter für Charente, und La Brunerie findet sich nichts.

Standbild des Konstanzer Bischofs Konrad von Xaver Reich.

Marienfigur von Xaver Reich in der Mitte über dem Hauptportal des Konstanzer Münster

Standbild des Konstanzer Bischofs GebhardII. von Xaver Reich.

„Von den drei Statuen, welche über das Hauptportal zu stehen kommen, ist die mittlere, die heilige Jungfrau mit dem Kinde als Kirchenheilige, gefertigt vom Bildhauer Xaver Reich, bereits aufgestellt. Die beiden Nebenfiguren, der heilige Pelagius Stadtpatron und der heilige Konrad, des Sprengels Schirmherr, werden von dem Konstanzer Bildhauer Bauer ausgeführt.“

Xaver Reich ist der Bruder von Lucian Reich.

Links Selbstbildnis der Marie Ellenrieders im Alter von 28 Jahren, 1819.

Rechts Informationstafel in Konstanz, Fischmarkt 2. am Wohnhaus von Marie Ellenrieder.

Wikipedia

Ignaz Heinrich Karl, Freiherr von Wessenberg (* 4. November 1774 in Dresden; † 9. August 1860 in Konstanz) war ein aufgeklärter römisch-katholischer Theologe aus schwäbischem Adel. https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Heinrich_von_Wessenberg

Die Gesellschaft Zur Katz war eine Vereinigung einflussreicher Familien in Konstanz, die bald nach 1342 gegründet wurde; das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, jedoch 1351 wurden die Mitglieder in den Steuerlisten der Stadt aufgeführt. Sie diente vordergründig der Geselligkeit, hatte jedoch in erster Linie politische und wirtschaftliche Funktionen und ähnelte darin den politischen Zünften des ausgehenden Mittelalters. Zunächst bestand sie als reine „Geschlechtergesellschaft“, als Vereinigung der Familien, die im Groß- und Fernhandel mit Leinwand zu Reichtum und Ansehen gelangt und bereits in den Stadtadel aufgestiegen waren. Die bürgerlichen Leinwandhändler gehörten hingegen der Krämerzunft an und waren Mitglieder der Gesellschaft Zum Rosgarten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zur_Katz_(Konstanz)

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Insel Mainau – Insel Mainau Teil 3.

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.

Man möge mir verzeihen: Ist mir das Deutsche vor 200 Jahren sehr fremd, so ist das oft Zitierte aus dem 18., 17. und sogar 16. Jahrhundert aus heutiger Sicht fast unverständlich. Dazu kommt die eigenwillige Rechtschreibung und eine fremde Denkweise. Da viele Worte der alten Sprache von mir gesprochen und vom Programm transkribiert wurde, sind einige Worte in moderner Schreibweise im Text. Ich habe dies meistens aus Bequemlichkeit und für den Leser so stehen lassen.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches hier gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz.
In blau einige Fotos und Erklärungen.

Hier der 3. Teil vom Kapitel Mainau

Die folgenreichen Weltereignisse zu Anfang unseres Jahrhunderts nötigten auch den Deutschorden, mit vielen anderen abzutreten vom viel gestalteten Nationaltheater. Der Preßburger Frieden brachte ihn um seine Selbstständigkeit. Die Mainau samt dem zugewendeten Ordensgebiet kam an das Haus Baden.

Der letzte Contour zu Mainau war Konrad Joseph Siegmund Reich von Reichenstein-Brombach. Er starb im 72. Altersjahr, am 30. August 1817 und liegt nicht wie seine Vorgänger in der Mainauer Gruftkapelle begraben, sondern gemäß seines letzten Willens auf dem Kirchhofe zu Almansdorf. Ein einfacher Stein, außen an der Kirchmauer bezeichnet sein Grab.

In einem Zeitraum von 500 und 33 Jahren (1272 bis 1805) residierten auf der Insel 66 Komture, in nachfolgender Ordnung.

I. Frater Rudolf v. Schafhus, Komt. und Landkomt. v. J. 1264 – 1272 (zu Mainau).
II. Frater Ulrich v. D. Jestetten, Komt. v. J. 3. 1291 bis 1295.
III. Frater Joh. v. Klingenberg, Komt. – 1301.
IV. Frater Eberhard v. Steckborn, Komt. – 1307.
V. Frater Wolfram v. Nellenburg, Komt. – 1316.
VI. Arnold v. Langenstein, Komt. – 1319.
VII. Heinrich v. Dettingen, Komt. – 1327.
VIII. Ulrich v. Königsegg, Komt. – 1350.
IX. Rubolf v. Homburg, Komt. – 1357.
X. Gottfried v. Homburg, Hauskomt. – 1357.
XI. Eberhard v. Königsegg, Komt. – 1365.
XII. Joh. v. Rothenstein, Komt. – 1373
XIII. Wilh. v Seckendorf, Hauskomt,- 1387.
XIV. Rudolf v. Randegg, Komt. – 1394.
XV. Heirich v. Schletten, Land- und Komt. – 1401.
XVI. Stephan Strowin, Hauskomt. – 1402.
XVII. Jakob v. Blumberg, Hausfomt. – 1424.
XVIII. Kaspar v. Möckingen, Hausfomt. – 1428.
XIX. Marquard v. Königsegg, Landkomt. und Komt.- 1429.
XX. Rudolph v. Rechberg, Conventualis – 1432.
XXI. Otto D. Hörnlingen, Hauskomt. – 1433.
XXII Joh. v. Mülhausen, Haustomt. – 1436.
XXIII. Wilh. v. Helfingen, Komt. -1450.
XXIV. Hans v. Ischall, Hausfomt. – 1450.
XXV. Herm. v. Luternau, Haustomt. – 1452.
XXVI. Burkard v. Schellenberg, Land= und Hausfomt. – 1453.
XXVII. Georg v. Neuhaufen, Komt. – 1471.
XXVI. Georg v. Homberg, Hauskomt. – 1482.
XXIX. Wolfgang v. Klingenberg, Land – und Hauskomt. – 1484.
XXX. Bernard v. Helmsborf, Hauskomt, – 1494.
XXXI. Sebaftian v. Stetten, Komt. – 1518.
XXXII. Hans Heinr. Vogt v. Summerau, Komt. – 1537.
XXXIII. Sigmund v. Hornftein, Komt. – 1545.
XXXIV. Franz v. Fridingen, Komt. – 1553.
XXXV. Ludwig Walter v. Pleideck, Hofmeister – 1558.
XXXVI. Wolfgang v. Hohenegg, Komt. – 1562.
XXXVII. Sigmund v. Reinach, Hofm. – 1567.
XXXVIII. Joh. Jak. Rauch v. Minada, Hofm. – 1577.
XXXIX. Werner Schenck v. Staufenberg, Komt. – 1579.
XL. Joachim v. Bubenhofen, Hofm. – 1584.
XLI. Georg v. Hemmingen, Komt. – 1589.
XLII. Christoph Thumb v. Neuburg, Komth. – 1592.
XLIII. Jakob Gremblich v. Jungingen, Komt. – 1615.
XLIV. Hans Christoph v. Ramstein, Hofm. – 1619.
XLV. Kappar v. Stadion, Land = und Komt. – 1626.
XLVI. Philipp AIbrecht v. Berndorf, Komt. zu Mülhaufen und Statthalter zu Mainau – 1628.
XLVII. Joh. Werner Hundbiß v. Walbrams, Komt. – 1647.
XLVIII. Philipp Albrecht v. Berndorf, Land = und Komt. – 1660.
XLIX. Georg Christoph Rinck v. Baldenstein, Hauskomt., nachher Komt. – 1673-1688.
L. Joh. Hartmann v. Roggenbach, Land = und Komt. – 1674.
LI. Melchior Heinr. v. Grandmont, Komt. – 1689.
LII. Joh. Adam Speth, Freih. v. Silzburg, Hauskomt. – 1710.
LIll. Joh. Karl Freih. v. Schönau, Statthalter zu Mainau – 1712.
LIV. Georg Balthasar, Freih. v. Weitersheim, Komt. – 1717-1720.
LIV. Joh. Karl, Freih. v. Schönau, Statth. – 1720.
LVI. Franz Anton, Freih. v. Reinach, Komt. – 1721-1731.
LVII. Reinhard, Freih. v. Schönau, Komt. – 1736.
IVIII. Servat Ignaz, Freih. v. Roll zu Bernau, Komt. – 1737.
LIX. Friderich, Freih. v. Baden, Komt. – 1745 bis 1751.
LX. Jak. Joseph Ignaz, Freih. v. und zu Hagenbach – 1756.
LXI. Beat. Konr. Philipp Friedrich, Freih. Reuttner v. Reil, Landkomt. – 1785.
LXII. Franz. Nik. Fridolin, Freih. v. Schönau – 1792.
LXIII. Freih. v. Ramschwag – 1792.
IXIV. Franz Peter, Freih. v. Lerchenfeld – 1795.
LXV. Franz Fidel, Erbtruchseß, Reichsgraf v. Waldburg zu Zeil =Wurzach – 1802.
LXVI. Konrad Jos. Sigmund Reich v. Reichenstein-Brombach, Komt. – 1805.

Im Jahre 1827 kam die Insel durch Kauf an den Fürsten Esterhazy und nach dessen Ableben 1830 in den Besitz seines Sohnes Freiherr Nicolaus von Mainau; und als dieser 1839 das Zeitliche segnet, wurde laut Vertrag vom 18. August desselben Jahres die Frau Gräfin Katharina von Langenstein Besitzerin, welche (8. Juni 1850) das schöne Gut samt aller Zubehöre ihrer Tochter, der Frau Gräfin Louise von Douglas, käuflich überließ. – Nach diesem schnellen Wechsel des Besitzes fiel dem reizenden Eiland das Loos auf das Lieblichste: es wurde, nach Übereinkommen vom 12. Oktober 1853, Eigenthum Seiner königlichen Hoheit, des durchlauchtigsten Prinzen und Regenten Friderich von Baden.

Der Flächeninhalt des Insellandes beträgt 110 badische Morgen, wovon gegenwärtig etwa 80 Morgen an geblümt sind. Das Ganze bildet eine eigene Gemarkung zur Gemeinde Almansdorf, Bezirksamt Konstanz gehörig. Wenn der Wanderer am klaren Tage über den waldigen Rücken von Lützelstetten herkommt, liegt der wellenumspülte Lustgarten, ein grüner Smaragd, auf silberplänzigen Schilde in geringer Entfernung vor ihm zu seinen Füßen. Den Vordergrund bilden die Felder und Obstbäume der Lützlestädter Gemarkung. Links und rechts ziehen die vaterländischen Ufer hin, und im Hintergrunde schauen die schneereichen Alpen. Haupt an Haupt, riesig groß über die weitgedehnte Wasserfläche.

Ein hölzerner Steg über 500 Schritte lang, führt vom Ufer der Landzunge zur Insel. Der See hat in dieser Richtung eine Untiefe, so dass bei niedrigem Wasserstand der stete Grund zum Vorschein kommt. Links vom Steg erblicken wir die See, ein großes und zwei kleinere metallene Kreuze, an ersteren den Heiland, an den beiden anderen die Schächer; laut einer Inschrift im Jahr 1855 vom Komtur Schenck von Staufenberg „Jesu Christo geweiht“, nach einer Tradition wegen glücklich vollbrachte Meeresfahrt. Dieses Denkmal hat sich der Staat allein beim Verkaufe zum bleibenden Eigentum vorbehalten.

Nach einer Sage wollten die Schweden die drei Kreuze mitnehmen. Sie brachten sie aber mit sechs Rossen nicht weiter als bis an den Lützstetter Berg. Später schafften sie die Bauern mit zwei gewöhnlichen Ackergäulen mit leichter Mühe wieder an ihre alte Stelle. In dem Stege war früher eine Fallbrücke angebracht.

Am Ende des Weges, nahe am schilfigen Ufer, wohnt der Lauenführer (Fährmann), dessen Geschäftes ist, auf einem Lauen (Floß) ankommende Chaisen und Pferde, beim Hochwasser wohl auch Fußgänger überzusetzen. Zugleich ist der Lauenführer ein gelernter Fischer, dem die ringsum zur Insel gehörigen Fischereigerechtigkeit Gelegenheit zur Ausübung seines Handwerks gibt. Neben der Fährmannswohnung unter den alten Bäumen hält der Patron der Schiffsleute und Fischer, der heilige Johann von Nepomuk in Stein gehauen, Schildwache; einen verwitterten Wappen am Fußgestell deutet auf Kultur. Johann Hartmann von Roggenbach (1647).

Von hier führt der Weg zwischen Obstbäumen zuerst über ein flaches, wohl angebautes Vorland, dann mittels Treppen aufwärts, wo ein einfaches Häuslein der Vogelherd (noch aus der Zeit des Ordens), von der Höhe schaut. Hier auf der Bank unter schattigen Kastanien, mag der Wanderer eine kurze Rast sich gönnen. Zur ersten Überschau das nahe Horn bei Lützelstetten zur Linken öffnet sich gegen Nordwesten die Bucht des schönen Überlinger Sees, dessen Einfahrt die Mainau majestätisch überwacht.

Vom Punkt zu Punkt, von einem zierlichen Bilde zum anderen schweift der Blick bald mit dem weißglänzenden Segel des Schiffleins über die ruhig ausgebreitete Fläche, bald mit dem einsamen Fluge des Reihers in hoher Luft über dem Berg und Wald zu den grauen Felsen um Sipplingen und Goldbach, über die gelben Kornfelder bei Überlingen und Seefelden zu den stillen Waldhöhen des Linzgaus, dem luftigen Gipfel des heiligen Bergs, und zu dem Turm von Hochbodman oder wo tief am sonnigen Gestade Maurach ruht mit seinen friedlichen Nachbardörfern. Dann zurück zur nächsten Umgebung, zu Füssen das geräumige Vorland der Insel, seine blumigen Wiesen, Gehölze und gesegneten Weizenfelder über den Steg nach dem langgedehnten grünen Buchwald von Sankt Katharina und wo auf vorspringendem Horn das friedliche, Lützelstetten sich darstellt.

Doch so gerne wir lange betrachtend hier verweilen möchten, es zieht uns weiter, wo aus dem Grün der Büsche und Bäume alte Mauern und Türme hervorschauen zu dem festen Haus und dem pläsierlichen Schloss.

Über den Rücken der Anhöhe führt der Weg dahin vor dem Tore, welches in dem rings abgeschlossenen Hof führt. Zur Linken liegt die Pächterwohnung mit ihren Nebengebäuden und einem Brunnen. Das jetzige Wohnhaus hieß zu Ordenszeiten der Einsatz und diente zur Überwinterung der Topfpflanzen.

Eine feste Brücke führte sodann über den malerisch bewachsenen Wallgraben, wo als Torwächter ein massiver Rundturm sich erhebt, aus dessen zwölf Fuß dicken Mauern und weit klaffenden Schießscharten, der einst dem Feinde eine unhöfliche eurer Gruß entgegendonnern mochte. Das geräumige Torgebäude beherbergte früher das ordentlsche Oberamt und die Beamten. In dem südlichen Theile wohnte der Hofrat. Unter dem Torbogen links wurde vom Torwart eine Wirtschaft betrieben. Er erhielt von der Herrschaft, für welche er in der holzgetäfelten Wirtsstube Wein ausschenkte, den sogenannten Maßpfennig. Abends wurden die Tore geschlossen. Innerhalb des Schlosses, etwa 15 Schritte vom Torgebäude, stand ein zweiter Turm, ebenfalls verschließbar mittels eines Tores.

Gegenwärtig dient das ganze Gebäude zum Gasthaus zur „Insel Mainau“, in dem der Ankömmling alles wünschenswerte, Bequemlichkeit und die beste Bedienung findet. Der älteste Teil des Hauses gehört dem Ende des 15. Jahrhunderts an. Das Ganze scheint im Jahre 1626 unter Komtur Caspar von Stadion repariert und durch Anbau erweitert worden sein.

Eingetreten in den Schlosshof überwachen uns die lieblichen, größtenteils unter dem jetzigen durchlauchtigsten Besitzer angelegten Gartenanlagen. Hier, wo früher weitläufige Gebäulichkeiten, zwei Bauernhäuser, Stallungen, Weintrotten (unter Fürst Esterhazy 1828 abgetragen), alle Aussicht hemmten, sehen wir einen kleinen Feengarten mit dem anmutigsten fernsichten. Wir wandeln in einer Galerie der zierlichsten Landschaftsbilder und Seestücke, welche durch die Lichtung der Gesträuche und eingefaßt von ihren grünen Rahmen, im Zauber einer wechselnden Beleuchtung uns entgegen schimmern. In der Mitte von Blumenbeeten und Rosenbüschen umgeben, plätschert ein Springquell und füllt ein steinernes Bassin. Sein Ursprung liegt außerhalb der Insel im benachbarten Walde von Sankt Katharina.

Nachdem wir hier eine Weile auf das angenehmste verträumt, wendet sich unsere Aufmerksamkeit dem stolzen Schlosse zu, welches in großen Dimensionen die Stirne der Insel bekrönt. Mit der Hauptfassade nach Osten schließt es mittels zwei westlich laufender Flügel einen weiteren Hof von drei Seiten rechtwinklig ein. Es ist aus rotem Sandstein im Stile des vorigen Jahrhunderts, erbaut nach dem Plane des komturischen Baudirektors Johann Caspar Bagnato zu Altshausen. Nach der Jahreszahl, dem östlichen Giebel der Hauptfassade, wurde es vollendet im Jahre 1746. Das westliche Giebelfeld enthält die Wappen der Bauherren. Das erste links, dem Komtur Servat Ignaz von Roll zu Bernau gehörig, bedeutet, dass unter diesem Komtur der Bau angefangen worden; das zweite überrascht uns durch ein bedeutungsvolles Zusammentreffen. Es weist auf den Komtur, unter dem das Schloss seine Vollendung erhalten – Friderich von Baden – , zugleich der Name des jetzigen durchlauchtigsten Herren und Besitzers. Über beiden Wappenschildern ist ein drittes, dem damaligen Deutschmeisters August Clemens, Prinzen von Baiern repräsentierend.

Wenn der mainauische Komtur Friedrich von Baden, auch seiner Blutsverwandtschaft mit dem berühmten Ahnen unseres erlauchten Fürstenhaus sich rühmen konnte, so standen seine Vorfahren doch in enger Beziehung zu ihnen. Er stammt nämlich aus dem breisgau’schen Adelsgeschlecht von Baden, welches ein weiß und schwarz gewürfelten Schild im Wappen führte. Es verdankte seinen Ursprung einem Dienstmann der Herzoge von Zähringen, mit dessen Beneficium der Wachdienst auf der Burg Baden bei Weiler, (daher Badenweiler) verbunden sein mochte. Denn diese Burg gehörte zu den ältesten Besitzungen des zähringerischen Hauses und die Familie von Baden zu dem ältesten Dienstadel desselben, wie die von Rockenbach. Schon unter Herzog Konrad (von 1122 bis 1152) erschienen ex hominibus ducis als Urkundenzeugen die ministeriales Heinricus de Badin et Wernherus de Roggenbach, und 1260 nannte sich Ulrich von Baden bereits miles (Ritter).

Nach dem Erlöschen der Zähringer war die Baden’sche Familie mit der Herrschaft Badenweiler an die Grafen von Freiburg geerbt und erwarb sich nun im oberem Breisgau verschiedene Lehen, zum Ziel aber ihren bleibenden Sitz. Unter diesen Lehen befand sich namentlich auch hachbergische, und als die Herrschaft Badenweiler mit dem hachbergischen Erbe an das markgräfliche Haus Baden fiel, erschienen die Herren von Baden sofort als badische Dienst und Lehnmänner.

Schon 1413 befand sich Albert von Baden im Gefolge der Markgrafen Bernhard auf dem Konzil zu Konstanz, während ein anderer, Albert von Baden 1439 als Statthalter des Markgrafen Wilhelm von Hachberg und Rudolf von Baden, welcher Johanniter-Komtur zu Heitersheim war, 1474 als Statthalter des Markgrafen Karl von Baden, den Interessen des badischen Hauses dienten. Im übrigen gehörte die Familie von Baden zum breisgauischen Ritterstande, dessen Directorium wiederholt an ihre Glieder gelangte, wovon der letzte 1830 zu Freiburg verstarb.

Um nun in den Bau des Komturs Friedrich zu gelangen, melden wir uns beim herrschaftlichen Verwalter, der seine Wohnung im unteren Geschosse des nördlichen Flügels hat. Die Stiegenhäuser befinden sich in den beiden Seiten Gebäuden. Im ganzen enthält das Schloss zwei Säle, 57 Zimmer mit elf sonstigen Räumlichkeiten an Küchen und Kammern und vieles mehr. Das zweite Stockwerk enthält die fürstlichen Wohngemächer, deren eine Reihe im nördlichen Flügel für den zweiten Aufenthalt Seiner Königlichen Hoheit des Regenten auf das Geschmacksvollste neu eingerichtet ist.

Die Fenster dieser Zimmer haben die herrliche Aussicht auf den Ueberlingersee und seine Ufer. – Dort am fernsten Punkte gegen Norden, Sipplingen und seine Molaßwände, von welchen der weit sichtbare Haldenhof niederschaut, und die gebrochene Burg Hohenfels, die Heimat des Minnesänger Burkhard von Hohenfels; herwärts, hart der See, das weiß schimmernde Felshorn mit seinen rätselhaften Heidenlöchern, die Mauern und Türme der alten Reichsstadt Überlingen, das Dörflein Nußdorf, Schloss Maurach und auf dem freien Hügel die stattliche Kirche Neubirnau.

Im Hintergrund der hohe Waldkopf bei Pfaffenhofen mit den Türmen der Burg Kabpellinz, deren Stelle fernhin drei große Fohren bezeichnen, die bei Durchholzung des alten Dorfes auf Befehl seiner großherzoglichen Hoheit des Markgrafen Wilhelm stehengeblieben; rechts einsam in die Luft ragend, der runde Turm von Hochbodman, wo einst ein Zweig des Geschlechts von Bodman hauste, und oberhalb Frickingen, zwischen Heiligenholz und Heiligenberg, ein erhabener Waldgipfel, die Schanze genannt, wohin, nach einer Tradition, ehemals bei Feindesgefahr die umliegenden Bewohner durch Feuersignale berufen wurden; sodann im Verlauf Bergrückens Allerheiligenberg, die zerfallene Veste, und ein weiß glänzender Punkt auf dunklem Grunde Heiligenberg, das herrliche, an Erinnerungen reiche Fürstenschloss; endlich weiter östlich das Höchste auf demselben Höhenzuge, welchen Platz (mit prachtvoller Fernsicht) eine, vom höchstseligen Fürsten Karl Egon von Fürstenberg errichtete Pyramide krönt. Oberhalb erblicken wir noch den Hof Lichteneck, den höchsten Punkt im Seekreis.

Von den Zimmern, die wir durchschreiten, enthält das eine, das Eckzimmer, noch Reste ehemaliger Dekorierung. Es findet in Öl gemalte Tapeten, in idyllischen Darstellungen mit Geschmack der Zeiten Ludwigs XIV. Die meisten Zimmer aber hatten Sommertapeten von verschiedenen Lokalfarben, oft mit Gold und Silber durchwirkt. Die Vorhänge waren schwere Seidenstoffe, die Möbel massiv, von Mahagoni und Nussbaum. Etwas sehr Schönes, was noch aus alten Tagen vorhanden, sind eigene gute erhaltene Öfen in den eigentlichen Wohngemächern Seiner Königlichen Hoheit des Regenten. Sie sind wahrhafte Kunstwerke und um so höher zu schätzen, als sie eine, in unserer Zeit gänzlich vernachlässigte künstlerische Technik im Fache der Töpferei repräsentieren. Auf weißglassierten Kacheln sehen wir in meisterhaft gezeichneten blauen Umrissen und Schraffierungen Szenen aus dem Kriegs- und Jagdleben, dazwischen Figuren aus der älteren und mittleren Geschichte. Der Verfertigung ist ein Hafner, (der wohl mit mehreren Gliedern einer Künstlerfamilie) zu Ende des 17. oder Anfang des folgenden Jahrhunderts in Steckborn lebte.

Ähnliche Öfen fanden sich vor kurzem noch in demhauensteinischen Schlosse Gurtweil, se wie an manche anderen Orten der oberen Gegend. Es wäre von Interesse, Näheres von diesem Meister zu erfahren.

Bei diesen trefflichen Werken von der Hand eines Schöpfers drängt sich unwillkürlich ein Vergleich auf zwischen den kunstfähigen Gewerken des Mittelalters, der Renaissance und denen der Neuzeit.
Zu wessen Gunsten wird wohl das Urteil ausfallen?
Sicherlich nicht zum Vorteil der Letzteren. Die gemeine Routine, das fabrikmäßige Raffinement, ist allerdings heut zu Tage ungleich mehr, fast bis zum Äußersten, ausgebildet, aber im eigentlichen Kunst- und Geschmackselemente waren uns die wackeren Altmeister durchaus überlegen.
Doch kehren wir zurück zu unserer Mainau.

Eine steinerne Treppe führt uns in die dritte Etage der Hauptfacade, wo ein großer Saal, der ehemalige Ordenssaal, uns aufnimmt. Wände Decken sind in Rocco leicht verziert, links und rechts an den Seitenwänden befinden sich zwei Altanen, welche dem hohen Raume etwas Festliches geben; wir denken ihn belebt durch die Anwesenheit edler Herren und Gäste, durch ein fröhliches Bankett, bei dessen Trinksprüchen lustig von oben die Instrumente schallen.

Durch eine große Flügeltüre treten wir hinaus auf den luftigen Balkon. – welch ein Gemälde entrollt sich hier! In seiner ganzen Länge und Breite liegt der herrliche Obersee von den letzten badischen Uferorten Meersburg und Kirchberg und dem württembergischen Friedrichshafen, bis wo, von Sonnenschein und Duft umworben, die Fürsten des Hochlandes am Horizonte stehen – über Lindau und dem Waldgebirge und Bregenz die schneelosen Kalkfelsen der Vorarlberger Alpen und der Vorgebirge Tyrols, der Grindelkopf, das Rangiswangerhorn; weiter rechts der Hirschberg und der Künzlesspiz, höher ragend sodann der Hochlichtspitz, der Löffelspitz, die Kalkwände des Montafun, der Rauchberg, der Schenakopf und andere. Über diesen meist doppelt übereinander gereihten Bergkolossen zeigen sich bei einem Himmel noch in scharfen Konturen die beeisten Zacken der höchsten Tyroler- und Bündner-Alpen, der Chapoltspitz, der Hundskopf und manche ungenannte, bis zum weißglänzenden Brandjoch, den Zimpaffspiz und den Seekopf.

Über dem weit ansteigenden Schweizer-Ufer bei Arbon und Romanshorn beginnen die Appenzeller Berge, deren höchster der hohe Säntis, wie ein gewaltiges Bollwerk die übrigen kühn beherrscht, unter ihnen der Altmann und der Ehrenspiz, zur Linken bei niedrigeren Knochen des Föneren und des Kamor, des Hohenkarpfen und Anderer, zur Rechten die Schwägalp, und weiter die Berge des Toggenburgs und die kahlen Zinnen der lieben Kurfürsten, hinter ihnen der beschneiter Spitzweiler, der Ischingen und der Osen bis wo die glänzenden Eisberge des Glarus sich in die Luft erheben.

Wie hier das Großartigste überrascht und fesselt, so ziehen die nahen vaterländischen Ufer, vom südlichen Flügel aus gesehen, durch ihre traute Heimlichkeit und Ruhe an das prächtige Grün der Buchenwälder, gehoben durch den Ernst der eingemengten Tannen, von Bäumen halb verdeckt der Dörflein Eck mit seinem weiland komtur’schen Schlösslein, Staad der Stappelort harmlos ab- und zugehender Segelschifflein und Fischernachen, weiter hin die sonnigen Schweizerufer und über ihnen die in stiller Größe wiederum die Alpen. – Wahrlich, du empfindest, warum die Gegend um den Bodensee die Heimat so vieler Minnesänger ist und warum die treuherzigen Alten das Blüteneiland, auf dem du stehst, die Mainau genannt haben – enn Mai und Freude und Lust waren im sinnigen Mittelalter gleich bedeutende Worte.

Nach diesem Schweifen in die Ferne haftet unser Interesse gern wieder an der nächsten Umgebung. Eine heraldische Stammtafel, im Stiegenhaus des Mittelbaus aufgehängt, erinnert an das hohe Alter und die Geschichte des Ritterhauses. Sie enthält die „Schild und Wappen deren hochwürdigen Herren Commandeurs und Statthalters, Hauscommandeurs und Hofmeisters der Reichskommende Mainau“, von Frater Rudolf von Schafus, (1264) bis zu Komtur Georg Christoph Rinck von Waldenstein (1678); oben thront die Heilige Jungfrau mit dem Kinde, als Beschützerin und Fürbitte des Ordens, ihr zur Seite Als Vorbilder der Ordenspflicht stehen, der heilige Georg, der Ritter und Verfechter des christlichen Glaubens, und die heilige Margaretha, die Mildtätige und Pflegerin der Kranken und Preßthaften.

Ein zweites späteres Tableau führt die Reihenfolge der Komture weiter bis zum Letzten, Karl Reich von Reichenstein Brombach.

Um diese Erinnerung einer sich abgeschlossenen Vergangenheit schlingen sich überall die frischen grünen Ranken der Gegenwart. Mit einem reichen, geschmackvollen Hausrat sehen wir bereits manch wertvollen Schmuck der bildenden Kunst durch den kunstliebenden, durch lautichsten Besitzer hierher verpflanzt. Als von speziell vaterländischem Interesse heben wir hervor: die Cartons von Hofmalerin Fräulein Maria Ellenrieder, ein Enclus von Ansichten badischer Städte und Gegenden von Landschaftsmaler Moosbrugger in Konstanz und von einem älteren Meister die Ahnenbilder Friedrich Magnus Markgrafen von Baden und seine Gemahlin.

Außerhalb des Schlosses, aber doch in seinem Umfange liegt die Ordenskirche zu unserer lieben Frauen. Sie ist in gleichem Stile wie das Schloss. Ihr Turm bekrönt ein zierliches Zwiebeltuch, auf dessen Spitze das goldene Ordenskreuz blinkt. Das Innere des freundlichen Tempels schmücken drei von Ordensheiligen geweihte Altäre. Rechts mit einem Seitenanbau des Chores befindet sich die Gruft der Ritter und im Langhause die Beamtengruft, in welcher auch der Baumeister des Schlosses und der Kirche Johann Caspar Bagnato, gestorben 1757, einer fröhlichen Urstände harrt.

Früher bestand hier eine Bruderschaft zu Ehren des Märtyrers und Ritters Sacet Sebastian, errichtet mit päpstlicher Bestätigung von Komtur Georg von Emmingen anno 1587, „damit Gott durch die Verdienste und Fürbitte des Heiligen abwende alle Pestilenz und ansteckende Krankheiten, nicht allein von dem Haus Mainau, sondern vom ganzen Land.“ Die einverleibten Brüder und Schwestern waren vorzugsweise zur Ausübung der Werke der Barmherzigkeit verpflichtet. Am Sebastianstag, (20. Jänner) wurde im Ritterhause ein allgemeines, außergewöhnliches Almosen gespendet. –

Gegenwärtig findet alle Samstag ein Gottesdienst darin statt, den der Geistliche von Lützelstetten zu besorgen hat. Es ist dies eine Stiftung des Engländers Darby, welcher unter Esterhazy längere Zeit zur Miete im Schlosse gewohnt, Orgel und Messparamente verdanken ihr Dasein der Freigebigkeit dieses Fürsten.

Nahe der Kirche stand ehedem das Zeughaus. Die Franzosen sollen sechs Kanonen und 20 gute Panzer daraus entführt haben. Das Haus selbst wurde unter Langensteinscher Verwaltung abgebrochen. In dem nämlichen Richtung, (gegen Südosten) ragte früher ein Turm, der zum Gefängnis diente und die Katze hieß. Gegenwärtig finden wir in dieser Gegend das Treibhaus, eine Schöpfung des Grafen Douglas, ferner einen schönen Blumengarten, über einem Teile der abgebrochenen Fortifikationen angelegt.

Ein wohl erhaltenes Gebäude innerhalb des Burgfriedens ist der Reitstall. Er soll späteren Ursprungs sein als das Schloss und seine Lage vor dem Schloßhof die Laune eines Komturs sein, der, leidend am Podagra (Gicht) und Liebhaber von Pferden, von seinem Fenster aus die Reitübungen überwachte und leitete.

Hinter diesem Gebäude stand früher eine Schmiedewerkstätte und ein großes Waschhaus, in welchem zugleich eine Obstdörre angebracht war, und mehr gegen die Kirche zu fanden sich die Bäckerei und eine Schreinerwerkstatt. Bei Musterung der noch vorhandenen Befestigungswerken müssen wir den viereckigen Turm an der Schloßhalde, das höchste Alter, zu erkennen. Sein Dach wurde unter dem vorigen Besitzer abgetragen und zur Plattform hergerichtet. Es mochte der massive Bau mit der einst um 20 Fuß höheren Ringmauer dem alten Schlosse zur Verteidigung gedient haben. Von den übrigen Türmen haben sich außer dem bereits genannten Torturm nur zwei vollständig erhalten. Der Gärtnerturm am Wallgraben und ein runder Wartthurm im Rebberge gegen Süden. Ein dritter Rundturm, der Jägerturm, stand im südlichen Verlaufe des Grabens, etwa 50 Schritte vom Gärtnerturm, während nordwestlich ein ähnliches, noch als Fragment vorhandenes Rondell gegen den See hinschaute.

Unten am Ufer gegenüber heißt jetzt noch ein Platz, die Schwedenschanze, ein etwas kleinerer „das Schwedenschänzle“, findet sich hinter dem Haus des Pächters im nordwestlichen Teile der Insel. Beide wurden, wie oben gehört beim Herannahen der Gefahr, gegen die Schweden errichtet.

Eine der wichtigsten Einrichtungen der Insel ist der Hafen. Er leistet nicht nur den Inselbewohnern gute Dienste, auch für die Schifffahrt überhaupt ist er von Bedeutung, teils als gelegentlicher Ruhepunkt zwischen dem Ober und Überlinger See, teils als sicherer Hort bei Stürmen, die ja besonders verderblich werden können.

Wenn nämlich die Föhn weht und große Wassermassen in die Bucht des Überlinger Sees schwellt, der Gegendruck aber, das Gleichgewicht mit dem oberen Wasserstand herzustellen kämpft, wird der See vom Grund aus bewegt – Der Schiffer nennt es das Grundgewelle, was besonders in der Gegend der Mainau fürchterlich und höchst gefahrvoll werden kann. Wie alte Schiffsleute behaupten, wäre schon manches Unglück geschehen, wenn der Mainauerhafen nicht ein schimmerndes Asyl gewährt hätte.

Die ganze Anlage ist eine sehr solide, und es scheint ihre gegenwärtige Beschaffenheit wie ein erneutes Wappen schließen läßt, aus der Zeit des Komturs von Stadion (1626) herzurühren. Den Eingang bewacht das über der Mauer angebrachte Bildnis der heiligen Jungfrau, während am Ufer ein kleines Wohnhaus wie zur Aufsicht herniederschaut. Unterhalb diesem Häuslein war an der östlichen Hafenmauer eine leichte Bedachung angebracht für die herrschaftlichen Schiffe, unter denen sich ein großer Segler befand, in welchen der Komtur, begleitet von sechs Matrosen, seine Spazierfahrten zu machen pflegte. Das Schiff beschattete ein weißes Baldachin mit schwarzer Einfassung, Troddeln und Glöcklein von eben denselben Farben. Auch der Segelbaum war also gefärbt, weil schwarz und weiß die Farben des Ordens im Frieden waren.

Zwischen dem Hafen und dem viereckigen Turme an letzteren angebaut, stand in der Richtung, gegen das Häuslein an Hafen der große Landeskomturkeller, dessen oberer Teil zur Fruchtschütte diente. Ein zweiter, der sogenannte Seekeller, fand sich etwas entfernt nördlich vom Thurme. Er war viel geräumiger als der Landeskomturkeller und erhielt das größte Faß der Commende mit 60 alten Seefudern, (das Fuder zu 30 Eimer, der Eimer zu 32 Maaß). Außerdem hatte er noch Fässer von 40, 50, 60 Fudern und obenauf ebenfalls Getreidespeicher. Weiter nördlich, hart am Ufer und zum Teil über dasselbe hinaus gebaut, hatten die Kiefer ihre Werkstatt, sie hieß das Bindhaus. Und daß Nichts fehlte, was zu einem wohlgeordneten Gemeinhaushalt gehört, war am südlichen flachen Ufer unten am Rebberge ein Platz und großer Schopf für die Zimmerleute.

Das anmutige Wäldchen am nordöstlichen Ufer beherbergte ehedem jenes „hohe Obrigkeits- Signum“ von dem vorne Seite 46 gesagt wird, dass es ein solches ums Jahr 1671 noch nicht auf der Insel vorhanden gewesen. Der Platz hat noch heutzutage den artigen Namen das „Galgentöbele“.

Wenn wir längs der Ufermauer durch die Ahorn und Nußbaumallee, dem südlichen Ende der Insel zuwandern, kommen wir zum Badplatz, der noch aus alten Zeiten mit steinernen Treppen und Platten zum Baden im Freien hergerichtet ist.

Weiterhin gelangen wir in denjenigen Teil des Eilandes, der ausschließlich landwirtschaftlichen Zwecken gewidmet ist. Terrassenförmig steigen üppige Wiesen an, fruchtbares Ackerland und sonnige Rebhallen. So klein die Gemarkung am Umfang ist, so fruchtbar und reich ist sie an Produkten aller Art Getreide, vorzüglichem Wein, feines Obst, Gemüse, gewürzige Fruchtfutterkräuter, Hanföl, Holz, kurz alles, was ein vollkommener Landwirt sich nur wünschen mag.

Das nutzbare Feld der Insel ist, mit Ausnahme der Reben, teils an den Pächter, teils an den Gastwirt zu Mainau verpachtet. Die hiesige Ernte fällt in die Zeit um Jakobi.

Was nebst einer üppigen abwechselnden Vegetation das Landschaftliche, Angenehme belebt, sind die vielen gefiederten Gäfte, die von „Luftes-wegen“ in dem grünen Eilande ihren Aus- und Einflug haben. Von den bedächtigen Weih, der lauernd über den Feldern schwebt, bis zum zierlichen kleinen Sänger, sind beinahe alle heimischen Gattung vertreten. Auch die Nachtigall fehlt nicht. Ihre süß lockende Weise ertönt während mehreren Frühlingswochen regelmäßig im Park an der Schloßhalde. Ein eigentliches Heimatrecht aber scheint die Schwalbe auf dem Eilande zu beanspruchen. Die offene Vorhalle des Schlosses dient ihr zu familiären Ansiedelungen. Ebenso häufig hält sich auch die Wildente in der Nähe der Insel auf. Ihr Luftrevier ist das schilfreiche Ufer gegen den Lützelstetter Berg.

Ein wenig gern gesehener Gast ist ein Insekt, die wilde Biene; sie verklebt mit ihrem Gehäuse von feinem Sand alle Türen und Fenstergesellstelle des Schlosses.

Zur Zeit des humoristischen Wirthes Schnettz, der noch aus der Verlassenschaft des Ordens bis vor kurzem auf der Insel lebte, waren die Gehölze und Anlage mit einer zahlreichen Familie von Kanarienvögeln bevölkert, die, sobald der Winter heranrückte, freiwillig sich wiederum zu ihrem Herrn in Kost und Logis zu begeben pflegte. Unter dem letzten Komtor war stets auch ein kleiner Wildstand von Hirschen und Rehen unter Aufsicht des Jägers im Wallgraben unterhalten, ebenso ein Fasanenhaus.

Zu jener Zeit erstreckte sich ein Zier- und Lustgarten, vom Gärtnerthurm bis gegen den Vogelherd. Alte komturische Unterthanen wissen noch viel von seiner „himmlischen Schönheit“ zu erzählen.

Oft ist das liebliche Eiland auch von jeher einer der reizendsten Punkte des südlichen Deutschland gewesen, so wird ihm doch jetzt erst durch die Munificenz seines hohen Besitzers die gebührende Rücksicht und Pflege. Sehr Vieles ist bereits im Laufe dieses Sommers geschehen. das regste Leben in allen Richtungen herrschte auf dem freundlichen Insellande. Gärtner, Bauleute, Dichter und Maler zogen herbei zur Verschönerung und Verherrlichung des würdigen Fürstensitzes .

Eine der größeren neueren Unternehmungen ist die Anlage eines Reit- und Fahrweges längs den Ufern rund um die Insel. (Der schönen Gartenanlagen im Schlosshofe haben wir bereits gedacht.) Wichtig ist auch die erst kürzlich getroffene Einrichtung des regelmäßigen hierortigen Landons der Dampfschiffe und ihrer Tour von Konstanz nach Meersburg und Überlingen; so wie zuweilen noch extra Fahrten stattfinden, unternommen von größeren Gesellschaften, die unter Sang und Klang einziehen und fröhliche Gelage auf dem grünen Plane halten.

Aber auch in höherer Beziehung ist der Übergang des Besitztums an den jetzigen durchlauchtigsten Herren von Bedeutung. Der Bewohner des Seekreises glaubt nämlich darin, die Gewähr eines längst gehegten Lieblingswunsches zu finden, seinen allverehrten, ritterlichen Landesfürsten – wohl bald an der Seite einer hohen minniglichen Gemahlin, höchstderen Stammburg eine dem See benachbarte ist – einen Teil der schönen Jahreszeit in den oberen Gauen zubringen zu sehen.

Sicherlich aber wird die Auszeichnung, welche der Seegegend durch die Erwerbung der Mainau geworden, nicht verfehlen, auf den fremden Besuch überhaupt Einfluss zu üben. Es sind ja doch namentlich die schönen, an Abwechslung so reichen badischen Ufer noch viel zu wenig besucht und gekannt. Denn nicht nur dem flüchtigen Durchstreifen gewähren sie hohen Genuss, auch der länger Verweilende wird alles finden, was ihm den Aufenthalt lieb und wert machen kann.

Ein paar Wochen zum Beispiel auf unserem grünen Eilande Mainau – welch ein Herz und Sinn erquickend der Aufenthalt! Das geräumige Gasthaus, wenn auch nicht ein Hotel ersten Ranges, läßt billigem Verlangen gewiss nichts zu wünschen übrig. Die edle Liberalität, durch welche dem Fremden die ganze Insel mit ihren Einrichtungen zur Verfügung gestellt ist, gewährt dem Gaste Annehmlichkeiten, die er anderwärts für schweres Geld nicht haben kann, und ist das Wohnen umgeben von solch Anmut, Heiterkeit und Güte der Natur nicht an sich schon ein Hochgenuss?

Wenn ein goldener Morgen glänzend über den Wellen erwacht, über der einen von Tau befeuchteten Luftbezirke früh schon das hohe Lied der Lerche klingt und um die Berge Morgennebel ringen mit dem Strahl der Sonne -wie fühlt sich da der Geist gehoben und zu neuen Lebenslust erregt. Und in der stillen Mittagsstunde – wo verträumte sich ein Stündlein besser, als unter dem Blütenbüschen, neben dem geschwätzigen Springquell im Schlosshof, in den luftigen Saal mit den grünen Fenstern und ihren lieblichen Fernsichten!

Zwischen den Häuptern, dunkel belaubten Nussbäume und alten Tannen, die wie verwundert über die Ringmauer hereinschauen, der Blick der Sonne, die Silberwellen des Sees und die lichtblauen Gebirge des schwäbischen Ufers.

Über Dir tänzelndes Gelispel der Silberpappel, der Atem süßer Maienlüfte und das luftige Zwischenspiel schnell hinschießender Schwalben. Dazu das Gefühl, rings von Wasser umschlossen, unnahbar alles, was dich stören könnte.- Eine selige Einsamkeit. – Am langen Sommernachmittag ein Gang durch das Inselfeld, wo im grünen Wiesenplan geschäftige Gruppen um duftende Holzschober sich mühen, oder Schnitter und Schnitterin gelben Weizenfelde, während dort schon wieder im frühherbstlichen Stoppelfelde der Pflug seine braunen Furchen zieht.

Oder du steigst hinab durch die kühlen Schatten der Ahorn- und Nussbäume zum Hafen, um eine Luftfahrt zu machen, auf weiter ungemessener Wellenbahn – in zierlicher Gondel allein, umrudernd das stille Inselland, das hohe Schloss am Meere und seinen schattigen Park, widergespiegelt im feuchten, tiefen Grüne der kristallenen Flut, wankend und schwebend, in ungewissen Umrissen; hinaus in den offenen See, der von sonnigen Dünsten zum Meer erweitert scheint oder blau bis zu den Alpen, deren Bild lieblich im Gewässer badet. Wieder zurück am Abend, wenn rosiger Schein der Wellen säumt und Geläute deutlich, nah, von den Ufern hallt; beim Sinken des Tages, in der Dämmerstunde, wenn Ruhe, sanfte, süße Schwermut sich zum Herzen drängt – wenn Dunkelheit dem Mantel bereitet, Nebel aus der Tiefe steigen und über dem Gebirge leise Glut dem auftauchenden Vollmond verkündet.

Ja selbst Sturm und Gewitter, der trüb umdüsterte Tag, die Schauer der Nacht haben, hier erlebt, ihr Bedeutendes und Schöne. Wenn das bekannte Sturmsignal, der weißegraue Nebel – Brähme nennt ihn der Schiffsmann – aufsteigt und zuletzt zur finsteren Wolke gestaltet heranzieht, so sucht jeder Fährmann so rasch wie möglich das tückische Element zu verlassen.

Mit welcher Teilnahme verfolgst du dann den Segler, der mit Getreide von Überlingen oder mit Ziegelwaaren vom Bodman kömmt, – wie er auf und nieder schwankt in dem mehr als Klafterhohen Gewoge, wie er rudert und ringt, den Hafen der Mainau zu gewinnen, der hilfreich seine starken Arme in den gefahrenbringenden Wellenkampf hinausstreckt.

Welch ein Anblick, wenn ein plötzlicher, ein hereingebrochener Gewittersturm mannshoch die Wogen aufregt, dann in rasendem Gewirbel die Spitzen der Wellen zum sprühenden Nebel zerstiebt, der im Nu weit umher den See verhüllt.

Du stehst am Ufer – ein gewaltiger Ost oder Nord durchströmt den herbstlichen fahlen Tag; in Schlangensprüngen, weit, unabsehbar, tobt die weißbeschäumte Woge – und die Brandung am alten Gemäuer führt zur Musik des Sturmes einen wilden, dämonischen Tanz auf, hochspritzend, zischend, lärmend, wie in toller verzweiflungsvoller Lust.

In mitternächtlicher Stunde, wenn es über den See, um die alten Mauern und Türme tobt und schnaubt, als er klängen im Winde wallende Geisterstimmen aus den Tagen Wrangels und des Komturs von Hundbiß.

Oder Du wandelst in lauer Frühlingsnacht um dein träumerisch stilles Blüteneiland; aus halbverschleiertem Himmel blinken einzelne Sterne, am Horizont zuckt es wie Wetterleuchten; um die jungen Wipfel flüstert der Nachtwind, am Bord leis andrängender Wellen Gemurmel – verstohlen wie Geplauder der Liebe, und dazwischen, entlang gehaltenen Pausen, der süße Schlag der Nachtigall in verschwiegenen Park des hehren Schlosses, – wie klagend um das verlorene Glück der treuen Maid vom Bodman und des Ritters Hug von Langenstein.

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Fortsetzung hier:

Im 30-jährigen Krieg gelangte die Insel Mainau im Bodensee 1647 nach einer verheerenden Niederlage gegen die Schweden für einige Monate in deren Besitz. Unter Mitnahme alles Wertvollen – nur das sogenannte Schwedenkreuz blieb zurück – zogen die Schweden 1649 wieder ab. Foto: Böhringer Friedrich (Wikipedia)

Schwedenkreuz. Aufnahme von 1887 (Quelle: Wikiwand)

Johann Nepomuk auf der Mainau von Gerhard Eichinger: eichinger.ch

Stadtteile von Konstanz (Quelle: Wikiwand)

St. Marien auf Mainau (Quelle: Wikiwand)

Gärtnerturm auf Mainau (Quelle: Wikiwand)

Selbstbildnis Marie Ellenrieders im Alter von 28 Jahren, 1819. Foto: Wikipedia

Insel Mainau – Insel Mainau Teil 2.

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.

Man möge mir verzeihen: Ist mir das Deutsche vor 200 Jahren sehr fremd, so ist das oft zitierte aus dem 18., 17. und sogar 16. Jahrhundert aus heutiger Sicht fast unverständlich. Dazu kommt die eigenwillige Rechtschreibung und eine fremde Denkweise. Da viele Worte der alten Sprache von mir gesprochen und vom Programm transkribiert wurde, sind einige Worte in moderner Schreibweise im Text. Ich habe dies meistens aus Bequemlichkeit und für den Leser so stehen lassen.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches hier gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz.
In blau einige Fotos und Erklärungen.

Hier der 2. Teil vom Kapitel Mainau

Mainau (Fortsetzung)

Der Deutschorden wurde gegründet 1190 von Herzog Friedrich von Schwaben zurzeit der Belagerung von Akkon während eines Kreuzzuges. Der Zweck war ursprünglich ein ähnlicher wie bei den Johannitern. Verteidigung der christlichen Religion gegen die Ungläubigen und Verpflegung christlicher Wallfahrer im Heiligen Lande.

Der Orden war der Heiligen Jungfrau geweiht, weshalb die Ritter sich auch Brüder des deutschen Hauses Unserer Lieben Frau zu Jerusalem nannten. Das Haupt des geistlichen Ordens war der Groß- oder Deutschmeister. Er hatte anfangs seinen Sitz in Jerusalem, später als das Heilige Land Schritt für Schritt an die Ungläubigen verloren gegangen war, zu Venedig und zu Marburg (1297), seit 1309 aber zu Marienburg in Preußen und zuletzt (seit 1527) im Meisterthurme zu Mergentheim auf dem dortigen Bergchlosse Neuhaus.

Die Ritter mussten Deutsche adliger Herkunft sein und durften sich nicht verehelichen. Die Ordenstracht bestand in einem schwarzen Kleide und weißem Mantel, auf dem ein schwarzes Kreuz mit silbernen. Randes prangte. Die Besitzungen des Ordens waren in Valleien oder Provinzen und diese wieder in Sommenden oder Commenden oder Kommtureien abgeteilt, denen ein Komtur (Landeskomtur) vorstand.

Die oben erzählte Schenkung der Insel Mainau an den Orden machte nun dieses schöne Eiland zum Mittelpunkte einer Kommende, deren Erwerbung und Bestandteile außer der Insel folgende waren. Zu Almansdorff: Das Ritterhaus empfängt 1272 vom Stifte Reichenau halb Schenkung, halb kaufweise den Kenhhof. Im 15. und 16. Jahrhundert erkaufte der Orden daselbst mehrere Rebstücke. Überhaupt besitzt er zu Almansdorff, (wie zu Eck, Egelsee, Hard und Sirenmoos) etliche Lehnhöfe, Silten und Zehnten.Zu Hinterhausen, Hausen, Eichhorn, Sonnenbühl und Stad ist das Ritterhaus im Besitze verschiedener Güter seit dem Jahr 1493.

In Dettingen wird der mindere Kelnhof erkauft von Heinrich Soldat, Kirchherrn zu Wollmatingen 1349; „die Veste und Leibeigenen“ aber werden von der Familie von Westerstetten erkauft um 300 £ Heller im Jahr 1362. Der bisherige Lehnsherr, der Abt von Reichenau, verzichtet völlig darauf, so dass das Ritterhaus die Veste eigenthümlich besitzt. Weiteren Zuwachs erhält der Orden daselbst im Jahr 1372 von einem Werner von Dettingen, der dem Ritterhaus seine Hälfte des Dorfes überlässt und 1405 erkauft dasselbe von dem Blarer zu Konstanz, dem Burgstall „zu der alten Burg“ zu Dettingen mit Umgebung und etlichen Höfen; für 743 £ Heller, ebenfalls mit Bewilligung des reichenauischen Abtes.

Zu Wallhausen erwirbt es 1488 den größeren Kelnhof von Hans von Liebenfels, und Mehreres bis zum Jahre 1629.

– In Dingelsdorf beginnen die Ankäufe mit 1327 und gehen bis 1629 – In Lützelstädten seit 1286, wo Ulrich von Alga mit lehnsherrlich reichenauischer Bewilligung seine Güter an das Ritterhaus verkauft. Weitere Gerwerbungen zu Lützestetten sind, die Mülhalde, Neuhaus und Ronhausen. – Zu Oberndorf, seit 1568 bis 1628 – Zu Wollmatingen endlich seit 1349 bis 1614.

Auf solche Weise erhielt der Orden mit all diesen Orten die Grundherrlichkeit, während die Gerichtsherrlichkeit vom Jahr 1431 kommt, wo König Sigmund dem Ritterhaus die drei Gerichte Almannsdorf, Dettingen und Dingelsdorf mit aller Jurisdiktion, auch Stock und Galgen verleiht. Die ganze Herrschaft war in die oberen und niederen Gerichte eingeteilt unter jenen waren begriffen: Stad und Almannsdorf ,und unter diesen Oberndorf, Dingelsdorf, Lutzelstetten und Dettingen. Überdies besaß die Commende noch eine Herrschaft Blumenfeld, (Schloss und Städtlein) mit Weiterdingen, Leipferdingen, Weil, Beueren nebst (Schloss und Städtlein) Thengen, Uttenhofen, Nordhalden, Epfenhofen, Thalheim, Tegerhofen mit allen Rechten und Zubehörden.

Im Jahr 1463 war besagte Herrschaft von der Familie von Klingenberg an die Herren von Bodman und Jungingen für 10.000 fl. rhein. verkauft worden; 17 Jahre später aber brachten die Herren Albrecht, Eberhard und Kaspar von Klingenberg zu Hohentwiel das Ganze wiederum an sich, worauf sie es dem Ritterhaus Mainau für die Summe von 12,000 fl. überließen. Zur selben Zeit war Wolfgang von Klingenberg Landkomtur des Deutschordens im Elsaß.

Was andere Herren noch im Blumenfeldischen besaßen, suchte der Orden nach und nach ebenfalls an sich zu bringen. Während die Verhältnisse der Herrschaft zu den Nachbarn und einigen Untertanen durch Verträge geordnet wurden. Das kleine Städtlein Blumenfeld liegt ungefähr neun Stunden von Mainau, im Hegau. Aus einem engen Tale erhebt sich ein steiler Hügel, auf dem das ehemals deutschordische Schloß ruht, umgeben von Nebengebäuden und Wohnhäusern. Der Gesamtanblick erinnert an eine merianische Darstellung – an das vielgestaltete, enge, fehdereiche Mittelalter, dessen Überreste stets ein Gefühl der Romantik erwecken. Das Schloss enthält interessante Lokale; sehr hübsche Vorplätze mit Welschkaminen aus der Renaissance, ebenso einen schönen Erker. Es ist gegenwärtig der Sitz eines großherzoglichen Bezirksamtes. Der Himmel möge dem alten Bau sein ritterliches Ansehen bewahren.

Auch zu Immenstad erwarb sich die Ritter Güter in dem Zeitraum von 1422 bis 1622. In Jettenhausen aber vergab Hermann von Raderach 1250 dem Orden den Kirchplatz, und in Überlingen, wurde demselben im Jahre 1312 ein Haus mit Reben schenkweise überlassen. Auch Ankäufe kommen daselbst vor wie in den Jahren 1324 und 1350. Bald nachher (1357) wurde die Pfarrei zu Aufkirch, wohin Überlingen gehörte, vom Papst dem Ritterhaus Mainau, einverleibt.

In Lippersreute erwirbt der Orden von den Johannitern in Überlingen den Haupthof, zu welchem Zwing und Bann und Kirchplatz gehört. Zu Mindersdorf kommt 1362 das Reichenauische Besitztum gegen das mainauische zu Wollmatingen an die Ritter und 1292 vergab ihnen Heinrich von Deutingen den Kirchplatz zu Pfaffenhofen.

Im Hermannsberg verwilligte 1360 der mainausche Komptur und Ulrich von Königseck vier Klausnerinen, sich auf der ordentlichen Hofstatt niederlassen und ansiedeln zu dürfen. Von dem an besteht dort ein Klösterlein bis in die neuere Zeit. War nun hiermit ein wohl begründeter und weit unterlassener Besitzstand hergestellt, so mußte, um ihn ungeschmälert zu erhalten, noch für hinreichenden Schutz und Schirm von oben gesorgt werden. Wer aber konnte solchen wohl nachdrücklicher gewähren als das mächtige Erzhaus Österreich? Der Kaiser selbst? Der sogenannte Schirmbrief, den das Haus Mainau von dort sich erwirkt hatte, enthielt die vertragsmäßige Zusage, dass Österreich das Haus bei seinen rechten Gütern und seinem Frieden schützen wolle und vieles mehr.

Als daher die Mainauer (1473) mit Itelhans von Stoffeln ihrem Nachbarn „in eine Vehd und Feindschaft“ gerieten, weil derselbe mit seinen Gesellen das Haus und dessen armen Leute leibeigene Untertan mutwillig angriff und schädigte, nahm der mainausche Komtur Georg von Neuhausen seine Zuflucht zu dem österreichischen Herren Räten in Konstanz mit Berufung auf den Schirmbrief. Die Räte versprachen Hilfe mit dem Beding, wenn man von Mainau aus in etwaigen Kriegsfall des Erzhauses mit Häusern, Schlössern und Leuten ebenfalls Beistand leisten wolle. Der Deutschorden Landeskomtur aber meinte, dies würde dem Orden schwerfallen bei den Kriegen Österreichs mit den Eidgenossen. Das meiste Ordensgut liege dort oder in der Nachbarschaft und es könne leicht kommen, dass es der Orden verlöre. Die Räte würdigten diesen Grund und nahmen die Eidgenossen aus. – Dem Stoffler wurde hierauf von Nellenenburger (österreichischen) Vogte geschrieben, er möge die Mainauer fortan unbehelligt lassen.

Eine Ernennung dieses Schutzverhältnisses fand statt im Jahre 1523 Erzherzog Ferdinand von Österreich im Namen seines Bruders, des Kaisers Karl der Fünfte, nimmt den Komtur Rudolf von Friedlingen, Gebieter des Deutschordens-Ballen Elsaß, mit seinen Freiheiten, Leuten und Gütern in den Schutz des Hauses Österreich. Dagegen soll das Haus Mainau in allen „offenen Vehten und Kriegen“ des Erzhauses dessen offenes Haus sein – Vor der Hand auf 35 Jahre. – Vom Jahr 1521 findet sich weiter ein Schreiben des Statthalters der Regierung zu Innsbruck und den Hauskomtur Sebastian von Stetten des Inhalts:“ er (der Statthalter), habe vernommen, wie das Haus Mainau mit den Leuten und Nothdürften so wohl versehen sei ,und welcher gute Wille sich dort zeige, um dasselbe Haus bei Reiche zu erhalten, und bei den Schirmverwandtniß mit dem Erzhause. Das solle kaiserlicher Majestät gemeldet werden.„

Mögen Streit und Fehden im Mittelalter auch häufig gewesen sein, den Fortschritt der Kultur, Wohlstand und Behäbigkeit im Ganzen störten sie nicht. Anders verhält es sich mit dem 30-jährigen Krieg. Sein tief einschneidendes Weh brachte Ruin und Verdruss über alle Teile des Reiches. Besonders aber war es die Gegend, welche alle Drangsale jeder langwierigen Kriegszeit auszustehen hatte. Im Jahr 1633 erschien zum Ersten Mal eine schwedische Armee unter Feldmarschall Gustav Horn am See. Sie mußte jedoch nach fruchtloser Belagerung der Stadt Konstanz vor der heran kommenden kaiserlichen Übermacht sich zurückziehen. Im folgenden Jahr kam der Feind unter Horns Oberbefehl zum Zweiten Mal in die Gegend. Die Stadt Überlingen hatte den ersten Sturm auszuhalten, der jedoch von einer tapferen Garnison und Bürgerschaft mutvoll aufgeschlagen wurde. Radolfzell und Buchhorn waren die einzigen Orte am See, die in die Gewalt der Schweden fielen. In Bregenz, Lindau, Überlingen und Konstanz lagen Kaiserliche. Die Schlacht bei Nördlingen brachte das schwedische-weimarische Heer abermals zum Abzug.

Nach großen, wechselvollen Kriegsläufen wurden die Seeufer bald wieder der Schauplatz furchtbarer Kämpfe und Verheerungen. Die schwedische Armee, von Wrangel commandiert, eroberte 1646 die Bregenzer Klause und belagerte Lindau, dessen Besatzung sich mannhaft und siegreich verteidigte.

Die Mainau war bisher von feindseligen Besuchen verschont geblieben. Bereits im Jahr 1632, als der Schwede zum ersten Mal in die Gegend kam, hatte der kaiserliche Obrist von Ossa die Garnison von Überlingen nach dieser Insel geführt, welcher Letztere, wie auch die benachbarte Reichenau, von den Kaiserlichen gut befestigt wurde. Doch scheint man nach Abzug des Feindes wiederum sehr lässig geworden zu sein. Der Landkomtur zu Altshausen schrieb deshalb 1642 An den Komtur Johann Werner Hundbiß von Waldbrahms zu Mainau. „Das Geschrei wegen bevorstehender Gefahr werde immer größer, sei auch kein Wunder, denn man könne nicht bemerken, dass irgendeine Anstalt zur Ab- oder Gegenwehr gemacht werde, was doch vermittelst der Garnisonen zu Lindau, Konstanz, Zell und den Bregenzischen Bauern unschwer geschehen könnte. Es verlautet, dass zu Hohentwiel viele Schiffe ausgerüstet würden, woraus zu ersehen, dass es auf ein und anderen Ort am See abgesehen sei.“

Von gleicher Besorgnis geleitet, schrieb auch 18. Oktober 1642 der Rat von Konstanz an den komturischen Amman zu Almansdorf. „Nachdem dem Commandanten Widerhold zu Twiel die geforderte Contribution von der Stadt und dem Bischof abgeschlagen worden, sei derselbe Vorhabens, sie mit Abbrennung der Weintrotten, Häuser und anderer Gebäude, auch Verderbung des von Gott erhaltenen leben Weinnutzens, feindlich zu verfolgen. Daher verstehe man sich zu den kompturischen Unterthanen nachbarlich, daß sie dem Commandanten den Paß durch das orden’sche Gebiet nit werden offen lassen, sondern zur mehreren Versicherung des geliebten Vaterlandes (da ja eine Nachbarschaft der anderen in solchen Fällen mit behülflich an die Hand gehen soll) durch Fällung der Bäume alle Wege, außer der Landstraße, verlegen werden, damit man in Konstanz mit einstmals übereilt, sondern zeitgleich zur nöthigen Defension gelangen möge.“

Als das vorausgesehene Kriegswetter wirklich über den See ausgebrochen und zuerst über Lindau sich entlud, schrieb am 15. Jänner 647 der dortige kaiserliche Commandant, Graf von Wolfeck, an den Komtur von Hundbiß zu Mainau: „Er habe aus erheblichen Ursachen schon früher begehrt, seine darunten (zu Mainau) liegende Mannschaft durch die von Kostischen Knechte ablösen und nach Lindau in die Festung folgen zu lassen, indem von der besseren Verwahrung dieses importierenden Postens das Heil der übrigen Seeplätze abhänge. Er ersuche daher wiederholt den Herrn Komtur, das Interesse des kaiserlichen Kriegsdienstes zu erwägen, und dieser Ablösung keine weitere Verhinderung zu machen.“

Dieses Verlangen des Kommandanten wurde am 19. Jänner wiederholt, mit dem Anfügen: daß auch die Munition, Stück und Schiffe von Mainau nach Lindau möchten salviert werden, damit dortige Garnison den Nutzen davon haben, der Feind aber, im Fall er Mainau begkomme, sich solcher Vorteile nicht bedienen könne.

Dem Komtur wolle aber dieses nicht einleuchten.; er antwortete deshalb (unterm 20ten) dem Commandanten: „Auch die geringe Verfassung von Mainau zuzugeben, finde er doch nicht, daß man dem Feind so geschwind solle Tür und Tor öffnen. Durch Verlassung von Mainau würden dann Ueberlingen und Konstanz auch gefährdet werden. Er hoffe, dem Feind zu widerstehen und ihn bis zu einem Succurs wenigstens aufzuhalten.“

Unter solchen Verhandlungen war der 11. Februar herangekommen. Das sah man von Mainau aus eine Flottille geraden Weges den See herabsegeln und auf die Insel lossteuern. Es waren Schweden, welche von der noch immer belagerten Stadt Lindau her kommend, die Mainau anzugreifen trachteten. Ihre Ausrüstung bestand aus elf größeren und zwei kleineren Fahrzeugen, die 1000 Musketiere und vier Stück an Bord hatten.

Die Insel schützten südöstlich und westlich wohl angelegte Schanzen sowie eine doppelte Reihe föhrender Pfähle rings um die Ufer das das Landen verhindern solle. Doppelte Mauern und Gräben umgaben von drei Seiten die Schlossgebäude, während gegen Nordosten die steile übermauerte Burghalde Schutz genug gewähren mochte; 14 stete Thürme vollendeten der das ganze Vertheidigungswerk.

Gleich bei der Ankunft des feindlichen Geschwaders verließen die Kaiserlichen die westlichen Schanzen, und auch die Verteidigung aus den übrigen vermochte nicht die feindliche Landung zu verwehren. Des anderen Tages schon wurde das Schloss teilweise genommen, und am vierten kapitulierte der Komtur, Obristleutnant von Hundbiß, mit Überlassung der Insel an die Schweden. Der Besatzung war freier Abzug zugesagt, das Versprechen aber nicht gehalten worden.

Der Komtur wendete sich daher am 16. Februar schriftlich an Feldmarschall Wrangel: „Er werde sich seiner Zusage erinnern, was maßen er ihm (dem Komtur) seiner Mannschaft, bei der gezwungenen Abtretung des Postens Mainau schriftlich und mündlich freien Abzug zugesichert. Nun aber seien seine Soldaten zurückbehalten worden; er bittet daher um ihre Auslieferung, damit ihm bei Seiner Majestät nicht Etwas zur Verantwortung gereiche.

Ob diesem Verlangen gewillfahrt worden, wird in dem Akten nicht gesagt. Wohl aber findet sich in einem Schreiben des Landlomturs aus Hizkirch an den Erzherzog Hochmeister Einiges über die Einnahme der Insel. Der Landkomtur meldet dem Hochmeister „daß mit dem Ruin des ganzen Schwabenlandes auch ihm, (dem Landkomtur) sein Haus Altshausen mit Zubehör, Dörfer und Unterthanen so verderbt worden, daß nichts mehr übrig, als der Brand, und er sich kurz vor Ankunft des Feindes in die Mainau retirirt, und daselbst bis auf den unvorhergesehenen Übergang von Bregenz aufgehalten; als nur der Feind viele Schiffe ausgerüstet und damit angefangen, den Bodensee unsicher zu machen, Lindau zu belagern, Ueberlingen zu blockieren x, habe er sich wegen hohen Alters und Leibesbeschwerden in die Eidgenossenschaft begeben, in Hoffnung, es solle der Posten Mainau desto besser mit Lebensmitteln versehen und füglicher defendiert werden. Der listige Feind aber habe durch ein Strategem diesem Posten, welcher wegen Mangel an Mannschaft nicht gehalten werden konnte, alle Succursmittel abgeschnitten und durch Schießen, Stein- und Granatenwerfen, auch Sprengung einer Mine, den Herrn Komtur gezwungen, den Platz per Accord zu übergeben.“

Den Siegern waren große Schätze in die Hände gefallen, Messgewänder und Edelsteinen besetzt, herrliche Pokale, Gold und Silbergeschirr, auch fünf halbe Karthaunen, alles zusammen 5 Millionen Gulden an Werth.

Im März desselben Jahres mußte Wrangel die Belagerung von Lindau wieder aufgeben und sich nach Ravensburg zurückziehen. In Mainau, Langenargen und dem Schlosse Neuenburg bei Gosiz lagen noch schwedische Besatzungen. Die Kaiserlichen erschienen wieder am Bodensee. Eine Abteilung 300 Mann, die von Villingen nach Konstanz kommen waren, rüsteten 17 Schiffe aus, um von Lindauern unterstützt, einen Angriff auf die Mainau zu wagen. Aber die Schweden schlugen die Stürmenden tapfer zurück und machten überhaupt mit ihrer Flottille bald den ganzen Bodensee unsicher. So ging es fort bis zum Frieden des Jahres 648. Am 30. September verließ die schwedische Besatzung auf Mainau unter klingendem Spiel, laut eines Accords, die Insel.

Der See öffnete sich wieder dem Handel und der Schifffahrt, und alles schien das alte harmlose Ansehen gewonnen zu haben. Doch aber war solches nur eine Täuschung. Die Wunden, durch den langen Krieg geschlagen, brauchten manch Jahrzehnt um nur oberflächlich zu heilen. Nicht der dritte Unterthan hatte ein Bett mehr. Vor dem Kloster Weingarten lagen, wie Gustav Schwab berichtet, noch in der Winterkälte des Januar 1649 verlassene, unschuldige Kinder und flehten jämmerlich um Brod und Obdach.

Auch die mainauischen Hausacten wissen von Schäden und Wehen zu erzählen. „Betreffend den Selbstbau in der Insul“, berichtet der mainausche Hausmeister an den Landeskomtur im Jänner des Jahres 1638, „kann und mag derselbe bei so starker Haushaltung wenig erklecken. Denn wenn man wiederum über Herbst (davon) säät, die Haushaltung davon führet, wie auch das wöchentliche Almosen, (welches bei so schweren und theuren Zeiten niemalen abgebrochen, sondern jederzeit treulich geraicht worden) erstattet, kann Ew. Exzellenz dero hochbegabtem Verstand nach selbsten gnädig ermessen, daß wenig mehr übrig bleibt.“

„Vor diesem hat man den Dienern in den Gesindtstuben jedem fünf kleine schwarze Brote täglich gegeben, weil man es aber bei so geringem Einkommen und schlechten Fruchtwar nicht mehr continuiren konnte, hat sich jeder, wie auch noch, mit zwei Brot täglich contentieren müssen.“

„Zu Allmansdorff und Dingelstorff liegen beide Kelnhöfe, wie auch andere güether, sodann zu Oberndorff und Lüzelstetten, etliche Höff ganz wüst; davon seyndt jeden orts etliche tausend ackers vom Hauß aus angeblümt worden, weil aber dieselbe durch die vorigen Inhaber wegen beschwerlichen lang gewehrten Kriegsläufen (und weil ihnen ihr Vieh und Roß viel unterschiedliche mal, sowohl von Freund als auch Feind genommen) mit der gebühr nach gebawen werden mögen, und man die Mittel auch noch nicht hat, gemelte Güter mit s.v. Tung zu versehen, ma der Nutzen von denselben etwa auch wenig thun. Zudem so seyndt die Sommerfrüchten wegen der großen Hitz noch gar dahinden geblieben, und hat mancher den Samen nicht mehr bekommen. Es seien zwar zu Allmannsdorf ein guter Teil Felder von den Untertanen anblümt worden, es gehört aber der mehrenteil Zehnten dasselbsten dem groß und kleinen Spitel zue Konstanz und dem Gotteshaus Reichenau.“

„Zue Egg seyndt unter wehrender konstantzischer Belägerung von dem Feind die Mühle darselbsten neben dreien Häusern und einer Scheune abgebrannt worden.“

Zu Litzelstetten seien die Untertanen unter erstgemeldeter Belagerung auch gänzlich ruiniert und spoliert, und als man die Stadt Radolfzell von Lindau aus plogieren wollen, aber unverrichteter Sachen wiederum abziehen müssen, hat der Feind dem Kahs. noch nachgesetzt, Selbiges bei und um Litzelstetten erdapt, teils beschädigt, teils gar niedergemacht, und elf Häuser in Brand gesteckt.“

„Zu Dingelsdorf hat es der Unterthanen halben eine gleiche Verwandten ist wie oben, und stehen desselben auch auch unterschiedliche Häuser ganz öd und wüst.“

„Zu Tetingen und Walhausen wird von diesem auf die 60 bis 70 Unterthan gewest, und unizo befinden sich doch 20 daselbst; und Feind dieselbe des Feindes Gefahr, als die weit entseßenen, am aller mehrischen unterworfen gewesen. Zue vorgemeldetem Tetingen stehen uff die 27 Häuser ganz öd, so von niemandem bewohnt werden.“

„Zu Walhaußen feind bey wehrender feindlicher Belagerung der Stadt Konstanz, außerhalb dreyer Häuser, alle übrigen samt dem Torckel (Kelter) verbrennt worden.“

„Der Hof zu Mülhalden liegt gleicher gestalt, ganz öd und wüst, von niemandem bewohnt.“

Zue alten Burg und Neuhauß hat es von diesem eigne Haushaltungen, Knechte und Mägde, Roß und Vieh und stattliche Äcker, Gebäu, ja sogar bei gemelter Burg eine eigene Sennerei gegeben, deren Ross und Vieh, wie auch auf die 200 wägen mit Heu alles in Feindeshand kommen. Die Güter liegen nun von etlichen Jahren her öd und wüst und können dieselbe wegen Mangel der Vorlagen (Ausslagen), Item wegen Mangel an Leuten und Rossen nit gehörig gebawen werden, sodann müssen beede mit einem Paar Chevolk (Dienstboten) bestellt werden.“

„Durch das langegewehrte Kriegswesen feind sind vil Unterthan verjagt, Hungers gestorben und verdorben, und was noch übrig geblieben, hat der liebe Gott hernach durch die leidige contagion (Pest) hinweggenommen. Welches verursacht, dass bei so wenigen Leuten die Reben nicht mehr alle gebawen werden mögen, und liegen sonderlich zu Dinglstoff, Tetingen und Walhaußen ein guter Teil Reben von etlichen Jahren her ganz öd und wüst, und es sieht ihme gleich, es werde noch kein Aufhören sein; denn ein armer Rebmann der eigene Reben hat und wolt dieselbe gern bawen, hat daselbst nichts zu essen. Wann er nun Weib und Kinder mit Ehren fortbringen und erhalten will, wird er getrungen, andere Reben anzunehmen und die seinen wüst liegen zu lassen. Baut aber der gemeine Mann seine eigene Reben und gibt den Wein auf Rechnung, so wird besagte Rechnung bei guten Jahren also spottwolfeil gemacht, dass er das ganze Jahr sein Müh und Arbeit schier vergeblich anwendt und nichts damit ausrichten kann.“

„In guten Jahren hat man allzeit bei dem newen Hauß einen aignen Ziegler gehabt; weil aber die Mittel anjezt hierzu mangeln, hat man damit, wie auch noch, innhalten müssen. Interime aber gehen die Dächer, sowohl bei dem Haus Mainau, Burg, Rewenhaus, Rohhaußen und anderen Orten übel zue Grundt; und wären auch unterschiedlicher orten allerhand bauselligkeiten bei besagten Haus Mainau zu reparieren, welches man alles wegen Mangel der Vorlagen einstellen und allein dahin sehen muß, wie das Hauswesen und der Rebbau vortgebracht werden möge. Sintemalen man alles, was man zur menschlichen notdurft vonnöthen, tewer erkaufen muß, und hierzu keine andere losung hat, als den Wein, in welchem gar kein Vertrieb mehr vorhanden.„

„Vor diesem hat es zu Almanenstorff 13 bis 15, zu Litzlstetten 8, zu Dingelsdorf acht und zu Tettingen auf die 13 Züg gehabt, anizt kann man in den Oberen und underen Gerichten mit deren 13 zusammenbringen; und es scheint die Roß also beschaffen, dass wenn sie einen Tag zu acker gehen oder andere Arbeiten verrichten, daß sie den nächsten Tag wiederum rasten müssen.“

„Bei dem Haus allhier befinden sich noch uff die 17 Stuck Vich, junges und altes, und 12 Zugroß, welches sich allein mit rowem und saurem Heu behelfen müssen und keinen Hafer haben“

Die Zehenden zu Jettenhausen, Ober- und Unterraderach und Lewenthal haben etliche Jahr her gar nichts ertragen, liegt alles ohngebaut. Lewenthal und Hoffen sind verbrannt, die anderen in Grund ruiniert, die Leut gestorben und verdorben, und die wenigen übrig gebliebenen durch die leidige Pest dezimiert.“

„Im übrigen werden die Untertanen fast allerorten von den fremden mit geistlichen und weltlichen Gerichten stark tribuliert; es will eben niemand mehr mit dem anderen Gedult tragen. Das verursacht, dass sie zu haußen schlechte Luft, und wann nicht bald remedirt und mit dem vielfältigen Tribulationen inngehalten wird, der mehrerteil Untertanen Haus und Hof verlassen und davonziehen müssen. Man will die langgewehrte Kriegspressuren und den Ruin, da man doch die Unmöglichkeit vor Augen sieht, gar nit in Obacht nehmen und considerieren.“

“ Im Wein ist fast gar kein Vertrieb, und wird von dem Kauf- und Handelsleute aller orten ein solcher Spott darauf gelegt, sonderlich wo sie wissen, daß man gedrängt, daß zu besorgen, der liebe Gott werde uns noch alle strafen, daß man die Gnad Gottes also verachtet. Die vermögenlichsten Unterthanen, sonderlich in oberen Gerichten, haben fast alle etwas weniges Wein in Kellern, und wo einer in die Stadt Konstanz etwas schuldig ist und erbittet sich, daran Wein zu geben, so hat gemelte Stadt ein Statutum gemacht, daß kein Bürger fürderhin Wein mehr hinein führen darf. Wie ich berichte, solle verwichenen Herbst bei allen Toren auf die 7000 fueder Wein in die Stadt kommen und sonsten noch ein schöner Vorrat an altem Wein vorhanden sein. Dieweil aber die Untertanen kein ander Mittel als den Wein haben, dasselbe aber für diesmal nicht angenommen, noch anderen Orten verkauft werden kann, so werden sie obengezogener maßen umb die baare Bezahlung tibuliert.“

„Dieweil man den Untertanen von dem Haus Mainau zum fuccurieren die Mittel nicht hat, werden sie notgedrängter Weis verursacht, die Hülf anderer Orten zu suchen, welches aber mit ihrer der Unterthanen großer beschwerd geschieht; dann wenn man weißt, dass man gedrängt, wird keinem nichts vorgeliehen, wenn der Verleiher mit doppeltem Gewinn oder Profit dabei hat, und wann einer mit Weib und Kind nicht Hunger und Mangel haben und leiden will, muss er diesen weggeben. Vor wenigen Wochen hat zudem der liebe Gott in den oberen und unteren Gerichten eine Krankheit unter das Vieh verhängt, dass dasselbige gällig worden, und ein guter Teil entweder mit Schaden, oder noch etwas wenigem Nutz weggeschafft werden mueßte.“

„Demnach wird F.Fr. auß obengezogenen Punkten dero hocherleuchtem Verstand noch selbst gnädig ermessen können, weil bei allerorten mangelnden Zins- und Fruchtgefällen ,Abgang der Reben und Felder, Mangel der Leut, Roß, Vieh und anderer Notwendigkeitenn die Schuldigkeit wie zuvor nicht mehr erstattet werden kann, wie beschwerlich man bis dato gehauset und noch hauset, sintemalen ausser des geringen Selbsthawens in der Insel und etliche außerhalb angebliemten Jaucherten Ackers, konnten einige Fruchtmittel nicht vorhanden, sondern alles durch Verkauffung des Weins, bei dem ganz und gar kein Vertrieb, zuwege gebracht werden muss. Anno 1636, Weil die Früchten allerorten so übel gefehlt hat man für die Haushaltung hernach ein halb Jahr alles bis zur Ernte erkaufen und in hohem Geld bezahlen müssen. Mit Früchten sind wir dem ungefähren Überschlag noch bis in Monat April versehen, hernach wird man auf Mittel bedacht sein, woher man die fernere Vorlag nehmen wolle.“

„Aus den Amt. Blumenfeld ist seit anno 1631 an Geld und Früchten nichts, als ferndt und dies Jahr etlich wenig Malter hierher geliefert, wie es nun bei selbigen Amt und den Unterthanen beschaffen, werden F.Fr. uß Herrn Obervogt daselbsten hie beigelegtem Bericht gnädig vernehmen.“

„Aus dem Amt Überlingen ist gar nichts hierher geliefert, sondern ist an Geld und Früchten von etlichen Jahren her so viel nit eingegangen, dass die Priester und ihren corpora, und den Herren Kapucinern ihr wochentlich Almueßen allzeit gereicht werden mögen; wie man das Einkommen jetziger Zeit beschaffen, das belieben F.Fr. uß Herrn Obervogt zue Hochenfels übersandten ungefährem Überschlag gnädig abzulesen.“

„Sonsten kann ich wohl mit Wahrheit schreiben“ schließt der Bericht, „dass man einer von etlichen Jahren in diesem Revier gewesen, und anizt widerumben dahin kommen sollte, er sich selbsten nit mehr erkennen würde, so ist alles verwildert und verwachsen.“

„Und doch war dies nur der Anfang der Wirren, wie ma es wohl nach dem Jahr 1848 ausgesehen haben! Einen beiläufigen Maßstab, wie durch den Eintritt des Krieges plötzlich alles ins Stocken geraten, gibt eine Übersicht der Mainauischen Zinsrodel. Anno 1632 z.B. betrug das Einkommen aus dem komturischen Amte Überlingen:

in Geld 53 £,
Zehnt-Besen 177 Malter
Zehnt-Roggen 104 Malter
Zehnt-Hafer 103 Malter
Landgrab-Besen 43 Malter
Landgrab-Roggen 32 Malter
Landgrab-Hafer 42 Malter
Hühnern 693 Stück
Eiern 1590 Stück

Drei Jahre später gingen jährlich im ganzen kaum noch 25 Malter Getreide ein, und an Hühnern, Eiern und barem Gelde gar nichts. Auch finden wir, dass der Güterwerb des Ritterhauses von dem 30-jährigen Kriege an fast gänzlich aufhört.

Der Orden im allgemeinen hatte um jene Zeit bereits viel von seiner politischen Wichtigkeit eingebüßt, nachdem er im Laufe der Zeit zu großen Reichtümern gelangt war und zu Anfang des 15. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht hatte, ging es allmählich mit der alten Kraft und Sinnmüthigkeit abwärts.

Um das Jahr 1229 erbaten sich die Polen die Hälfte des Ordens gegen die Preußen, welche nach 53-jährigen Kampfe die Oberhoheit der deutschen Ritter anerkennen und dem Christentum huldigen mußten.

Ein großes Verdienst haben die tapferen Ritterbrüder um die Germanisierung der slawischen Länder am baltischen Meere. – Als im Laufe des 16. Jahrhunderts diese Ländereien eine Beute der Polen und das Heldenschwert der christlichen Verbrüderung allmählich stumpf und schartig geworden, nahm, wie oben erwähnt, der Hochmeister seinen Sitz in Mergentheim, in denen er zugleich die Würde eines geistlichen Reichsfürsten bekleidete. Er herrschte über ein in verschiedenen Ländern zerstreut liegendes Gebiet von etwa 40 Quadratmeilen, aufgeteilt in elf Commenden.

Von Zeit zu Zeit liehen die Ritter ihre Waffen nach den Kämpfen gegen den gefürchteten, weiter vorrückenden Halbmond. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Türken die venezianische Insel Kandia angriffen, waren die Päpste eifrig bemüht, die Hilfte der christlichen Potentaten und Herren zu gewinnen. – Papst Clemens der Neunte wendete sich im Jahre 1668 den 3. März schriftlich an den Hochmeister des Deutschordens, Graf von Stadion, mit der dringenden Bitte um baldige Hilfe. Die Art und Weise, wie diesem Gesuch entsprochen worden, gibt ein nicht uninteressantes Bild von der damaligen Wehrverfassung des Ordens.

Der Hochmeister schrieb auf das päpstliche Ansinnen, dem Komtur von Elsass und Burgund Hartmann von Roggenbach zu Altshaußen : „Obwohl man gegenwärtig im deutschen Vaterlande selbst sehr bedrängt sei und löschen solle, wo das Feuer am nächsten brennt, so wäre er doch der Meinung, dass dem Begehren des Papstes entsprochen werden solle, und zwar mittels Sendung einer Kompagnie zu Fuß, eine solche einzurichten komme auf etwa 6000 fl., und zu unterhalten nicht viel über 1000 fl. monatlich. Doch gebe er zu bedenken, ob nicht auch dem Wunsche des Papstes mit einer Geldsendung entsprochen werden könne, da das Anwerben einer Mannschaft jetzt, wo allenthalben für den Kaiser nach Spanien geworben werde, ziemlich schwierig sei und viel Zeit erfordere, die Hilfe aber verlangtermaßen schnell geleistet werden müsse.“

Der Komtur entschied für Anwerbung einer Kompanie von circa 130 Mann, „welches dem Orden an reputierlichsten und auch nützlicher als Geldsendung sein möchten, die, wenn sie nicht sehr groß, wenig beachtet und halb vergessen sein werde.“-

Nach längerem hin- und her schreiben kamen endlich die Majora überein, dass der geforderte Beistand in einer Volkshilfe bestehen und der Offizier, dem die Führung anvertraut werden solle, ein mit dem Kriegshandwerk vertrauter Ritter aus dem Orden sein müsse, ebenso auch der Fähnrich. Der ausgeschlagene Geldbetrag für Mainau und einige andere Ritterhäuser betrug 1000 fl. Unter den zwölf Häusern war Altausen das höchstbetreffende mit 300 fl., das geringste Kaisersberg mit 4 fl. 6 Kreuzer. Die Kompagnie zu 150 Mann samt dem Generalstab wird in monatlichen Sold zu 733 fl. berechnet, jährlich zu 8796 fl. Anwerbungskosten per Kopf 18 fl..

Am 24. September benachrichtigte der Komtur zu Mainau, der das Werbegeschäft zubesorgen hatte, die Komture zu Freiburg, Ludach und Nixen: „daß sie von sämtlichen Komturen des Ordens bewilligte Kompagnie vollzählig sei und nächstens ausmarschieren werde. Er bittet daher um die aufgeschlagenen, von ihm einstweilen ausgelegten Geldbeiträge und hoffe, man werde ihn nicht stecken lassen, da ja allerwärts ein guter Herbst zu hoffen.“

Im November kam die Mannschaft auf Kandia an. Die Gelder zu ihrer ferneren Verpflegung, wurden nicht ohne vieles Hin- und Herschreiben von den betreffenden Summen ausbezahlt. – Unterm 20. März 1689 berichtet der Kompaniechef, Leutnant von. Metzhausen, dem Deutschmeister, das Zusammenschmelzen der Kompagnie auf 154 Köpfe und fragte an, ob man die Mannschaft nach Ablauf des Jahres zurückziehen oder wegen dringender Gefahr noch ein Jahr belassen solle. Von der Commende Mainau erging die Antwort, „die Kompagnie habe zu bleiben und die Unterstützung werde fernerhin ausbezahlt werden.“

Als im November desselben Jahres die Veste Kantia durch Kapitulation an die Türken übergegangen, wurde die Kompagnie entlassen und nach Corfu eingeschifft, dem Orden aber von der Republik Venedig für bereitwillig geleistete Hilfe gedankt. Das Korps, nur noch aus 80 Köpfen bestehend, hatte auf dem Heimzug viel Ungemach und Unglück zu bestehen. Nachdem es auf dem Meere Schiffbruch gelitten und von dem venezianischen Podesta sehr schlecht behandelt worden war, zählte es nur noch 49 Mann, die ihren Marsch nach Mergentheim nahmen. Aber auch diese geringe Zahl verringerte sich bis dahin, (wahrscheinlich durch Ausreißerei) auf 31 Köpfe. Es ward beschlossen, die Mannschaft bedenklicher Zeitläufe wegen noch ferner auf den Beinen zu behalten und nach Mainau zu schicken.

Als der martialische Zug gegen Ende des Jahres 1670 sich seinem Bestimmungsorte näherte, führte der österreichische Kommandant zu Konstanz einige Beunruhigungen und ließ auf meine Anfragen, was es mit dem heranziehenden Fähnlein von 30 Mann auf sich habe, damit er solches Kaiserliche Majestät berichte.

Der Kontur setzte den Deutschmeister von der Anfrage in Kenntnis und machte nebenbei den Vorschlag allgemein bedenklicher Zeitumstände wegen, die Insel wiederum zu befestigen und mit Munition zu versehen. Der Deutschmeister erwiderte, die österreichischen Bedenken seien beseitigt, und die Befestigung der Insel aber werde gutgeheißen.

Die wackeren kandischen Veteranen zogen also in Mainau ein, doch scheint ihnen der Friedensdienst auf dem stillen Eilande nur wenig behagt zu haben. Denn schon nach einigen Wochen war man genöthigt die Mannen von etlichen Ausreißern in Altshausen und Mergentheim („da in Mainau kein dergleichen hohes Obrigkeit Signum vorhanden“) an den Galgen schlagen zu lassen und andere Mannschaft dafür zu werben. Trotz der guten Verpflegung und den neuen Uniformen von grauem Tuch glaubten die Unteroffiziere noch Ursache zu haben, sich beklagen zu dürfen, und über Wachdienst, den sie in Ermangelung der Gemeinen tun mußten, deren eine Hälfte nach Mergentheim geschickt hatte. Und als der „Kompagnie-Feldherr“ wegen gröblicher Insubordination und weil er sich so weit vergessen, den Bedienten des Komtur zu prügeln, seines Dienstes entlassen und mit Frau und Kindern über den See geschafft wurde, schien man der Soldateska auf Mainau als alsgemacht herzlich überdrüssig. Der Rat zu Mergentheim schickte zwar, um strengere Zucht einzuführen, die Kriegsartikel ad normam, überschrieben: „Der Kaiserlichen Majestät und heiligen römischen Reichs Teutscher Knechten Artikuln, Speyer 1570,“ aber der Komtur glaubte, dass es besser sein möchte, sich der kostspieligen Last ganz zu erledigen, in welchem Sinne er sich wiederholt an den Deutschmeister wendete.

Zur gleichen Zeit, 1673, beschäftigte sich der Komtur angelegentlich mit dem Entwurfe seiner Allianz mit Österreich im Falle eines Bruches mit Frankreich, gegen welches Kaiser Leopold I. zu Gunsten Hollands in die Schranken trat. Dem Entwurf zufolge sollte keine andere als kaiserliche Besatzung auf Mainau zugelassen werden, auf welch letzterer der Kaiser blos das jus praesidii ohne alle jurisdiktion und nicht länger als bis die Gefahr vorüber haben solle. „Müsse die Insel befestigt werden, so habe der Orden nichts daran zu tragen, und nach dem Frieden müsse alles in statu quo im Zeughause hergestellt und die Verfestigung nicht demoliert, sondern dem Orden überlassen werden. Ebenso soll den Rittern die Retirade nach Mainau beständig offen gehalten werden. Dagegen verpflichtete sich das Haus Mainau entweder einen Ausschuss von Untertanen oder, was am verständigsten sein werde, sein zum schwäbischen Kreis erforderliches Kontingent einzuwerfen.“

In wieweit dieser Entwurf zur Ausführung gekommen, ist aus dem Akten nicht mehr zu entnehmen. Gewiss ist aber, dass die Zeitläufte unserem Eilande keine hervorragend politischen Ereignisse weiter zuführen. Die Waffen rasteten und rosteten in den Rüstkammern, und die Nachfolger stets kampfbereiter Ritter verlebten auf ihrem ländlichen Besitzungen ruhige Tage im patriarchalischen Wohlbefinden, was bei der geringen Zahl von Untertanen und einfacher Verwaltung niemals durch große Regierungsgeschäfte unterbrochen wurde.

Im ganzen kann das deutschordensche Regiment ein mildes genannt werden. Die Untertanen waren „eigen“ und zu bestimmten Frohnden verpflichtet. Sie hatten aber sonst wenig Abgaben und immer reichliches Almosen und Unterstützung an Geld vom Ritterhause zu erwarten. Bis zur Aufhebung der Commnde wurden alle Samstage, das wöchentliche Almosen auf der Insel ausgeteilt, und weil die großen Einkünfte in späteren Friedenszeiten stets viel bares Geld übrig ließen, so erhielt der Bauer auf einem guten Leumund hin Vorschüsse und Kapitalien geliehen, die ihm, wenn er richtig zinste, nicht selten teilweise geschenkt wurden.

Besonders wird in dieser Hinsicht einer der letzten Komtur gerühmt, der „Graf Fidele“ von Wurzach. Der Wahlspruch dieses guten Herren war „leben und leben lassen“. – Als er einst in den großen Landkomturkeller kam und der Kellermeister in unterthänigster Ehrfurcht fragte, „was Ihre Gnaden für einen Wein zu trinken wünschten“?, antwortet der gnädige Herr ironisch „aus deinem Fäßle!“

Die Revenüen aus Gefällen und Zehnten (der Ertrag des Selbstbaus ungerechnet) sollten jährlich 30.000 fl. abgeworfen haben. Die Komture saßen allein mit ihrer zahlreichen Dienerschaft und den Beamten auf der Insel. Im Schlosse herrschte große Gastfreundschaft, und Gäste von Konstanz und den umliegenden Edelsitzen waren jederzeit willkommen und trefflich bewirtet, und dass es dabei nicht an guten Humor breche, dafür sorgte unter Graf Fidele, der Narr „Baron Quaker„. Dieser launige Kauz, so erzählt man, hatte eine große Vorliebe für Katzen, deren zur Sicherung der reichen Frucht, Speicher und Vorräte ein ganzes stehendes Heer auf der Insel unterhalten wurde. Er wußte diese Tiere durch natürliche Sympathie so an sich zu locken, dass sie ihm dutzendweise bis vor das Tor das Geleite gaben, wenn er ausging, um für die Herrschaft Botengänge zu machen.

Die Verwaltung der kleinen Landschaft war eine sehr einfache familiäre. Der Amtmann hatte keine Ortsdiener. Wenn bewohnt werden sollte, begab er sich bei Tagesanbruch vor die Häuser der Pflichtigen, wo er mit einem Pfiff und Namensruf den Unterthan zur Fron in die Mainau beorderte. Die verschiedenen ordentlichen Hofgüter wurden durch die sogenannten Bauleute auf Rechnung der Herrschaft umgetrieben. Die Handwerker und Dienstboten auf der Insel erhielten an Geld wenig Lohn, wurden aber dafür mit allem nötigen Lebensbedarf auf das Beste versehen. So große Verdienste die früheren Deutschritter um Ausbreitung christlicher, germanischer Kultur und Sitte sich erwarben, so wenig geschah unter den späteren behaglichen Herren für höhere Interessen der Nation, obwohl es ihnen weder an Muße noch Mitteln gefehlt hätte, für Kunst und Wissenschaft und anderes tätig zu sein. Doch in einer Zeit, wo der Nationalhorizont in allen Teilen so wässrig und trübe geworden wie im 17. und 18. Jahrhundert, der Deutsche wieder billigerweise nicht verlangen wollten, dass es an einzelnen Punkten ausnehmend hell und sonnig sein solle. Nachdem der Orden als seine politische Bedeutung verloren hatte, waren die Enden lediglich nur noch große Gutsverwaltungen mit gewissen Hoheitsrechten gegenüber der zugehörigen Bevölkerung.

Hier gehts weiter:

Hexenprozesse im Meistertum Mergentheim
In den Hexenprozessen im Meistertum Mergentheim wurden 584 Personen zwischen 1450 und 1665 wegen Hexerei, „Unholdtum“, Zauberei und Abfall vom Christentum verhaftet in vier Wellen von Hexenverfolgung in den Jahren 1590/91, 1601/02, 1617/18 und 1628 bis 1631. Nach heutigen Angaben überlebten 387 Menschen den Prozess nicht. Weitere acht starben in Haft. Lediglich 27 Verdächtigte kamen frei. Bis heute ist das Schicksal von 93 Personen unbekannt. Das Alter der Angeklagten lag zwischen elf und 70 Jahren. Wikipedia

Hermann von Salza, der IV. Hochmeister in den Jahren 1210–1239; Spätere historisierende Darstellung aus einer Chronik des 16. Jahrhunderts; Rüstung und Kopfbedeckung des Hochmeisters entsprechen nicht der dargestellten Zeit. Quelle: Wikipedia

Im 30-jährigen Krieg gelangte die Insel Mainau im Bodensee 1647 nach einer verheerenden Niederlage gegen die Schweden für einige Monate in deren Besitz. Unter Mitnahme alles Wertvollen – nur das sogenannte Schwedenkreuz blieb zurück – zogen die Schweden 1649 wieder ab. Foto: Böhringer Friedrich (Wikipedia)

Seekrieg auf dem Bodensee 1632–1648

Komtur Franz Fidel Reichserbtruchseß zu Zeil-Wurzach ist vermutlich 1805 gestorben:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/NUXF4GVUZFDYIS6OOH7ET3TGVWDHFBLK
Über „Baron Quaker“ lässt sich leider nicht mehr finden.

Kleine Fürstenberg Spitzschnecke

Märzenschnecke

Artikel vom 16. Juni 2020

Bei einem Spaziergang auf dem Fürstenberg habe ich im Winter Kinder gesehen, die leere Schneckenhäuser der „kleinen Fürstenberg Spitzschnecke“ gesucht hatten. Und tatsächlich, es gibt dort sehr viele der wunderschönen marmorfarbenen Häusschen.

Also hatte ich mich im Frühjahr daran gemacht, diese Schnecke lebend zu finden, zu fotografieren und zu bestimmen.

Es ist eine Märzenschnecke und wird auch als Weiße Turmschnecke, Zebraschnecke oder Kaiserstuhlschnecke bezeichnet und gehört zur Familie der Vielfraßschnecken.

Märzenschnecke

Fotos aus den Jahren 2021 und 2022 sind aufgrund eines mangelhaften Plugins nicht mehr verfügbar.

Die Märzenschnecke bevorzugt sonnige und trockene Standorte wie Magerrasen und Weinberge. Deshalb wurde sie im Kaiserstuhl von den Winzern nahezu ausgerottet. Unsere Märzenschnecke hier lebt auf dem Magerrasen am Hang vom Fürstenberg.

Die Märzenschnecke wird in Deutschland als stark gefährdet angesehen und steht auf der Roten Liste Kategorie 2.

Wen es interessiert, was ich hier tue und wie die 16S rDNA sequenziert wurde, bitte hier schauen.

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Mit nur 80% Übereinstimmung scheint unsere Fürstenberg Spitzschnecke recht einmalig zu sein!

Feuerwehrgerätehaus, Grundsteuer, Wassergebühren und Feldwegekommission

Liebe Hüfingerinnen und liebe Hüfinger!

Es sind, wie immer, Stellungnahmen von allen Bürgerinnen und Bürgern jederzeit herzlich willkommen.

Die Unterlagen gibt es hier: https://huefingensitzungsdienst

Und denkt daran, die Sitzungen sind öffentlich und wenn man nicht von den Einschätzungen und subjektiven Berichten anderer abhängig sein will, so darf man auch sehr gerne selbst kommen.

Kommentare sind immer willkommen!

Hier geht es um die Sitzung am 14. November 2024

Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik

In Fürstenberg auf einem Acker Richtung Hondingen wird eine neue, etwa 300m2 große Lagerhalle gebaut. Da der Acker im Außenbereich von Fürstenberg liegt, ist der Landwirt nach § 35 BauGB privilegiert. Der Gemeinderat muss also zustimmen.

Zwei Baugesuchen für Wohnhäuser in Fürstenberg Zähringerstraße 15 und Obstgarten 8 wird auch zugestimmt.

In Hüfingen Grubengarten (Hausener Straße gegenüber vom Ziegeleschle) wird eine neue Lagerhalle mit 2.200 m2 gebaut. Das Grundstück liegt innerhalb des rechtskräftigen Bebauungsplan „Kleines Stückle /Grubengarten“ in einem Gewerbegebiet. Deswegen muss der Gemeinderat auch hier zustimmen.

Dem Bauantrag zur Erweiterung des Feuerwehrgerätehaus mit 24 zusätzlichen Pkw-Stellplätzen in das Gewerbegebiet Ziegeleschle wird auch einstimmig zugestimmt.

Wobei ich mich ernsthaft frage, warum die Feuerwehr so eine riesige Fläche für 31 Pkw braucht? Ist dies ein Zeichen dafür, dass die neuen Schulungsräume auch für externe Schulungen genutzt werden dürfen?

Öffentliche Gemeinderatssitzung ab 19:00 Uhr

TOP 4 Naturschutzgroßprojekt Baar (NGP Baar)

Wird wegen Krankheit im Dezember nachgeholt.

Maßnahme am Südhang des Fürstenberges vom Naturschutzgroßprojektes Baar (NGP-Baar)

TOP 5 Abteilungskommandanten der Feuerwehr-Einsatzabteilung Hausen vor Wald

Zum Abteilungskommandanten der Feuerwehr-Einsatzabteilung Hausen vor Wald wurde Marcel Schwinge und zum stellvertretenden Abteilungskommandanten wurde Thomas Happle gewählt.

TOP 6 Festsetzung des Hebesatzes der Grundsteuer A und der Grundsteuer B

Grundsteuer-Berechnungsverfahren:
Sowohl im Bundesrecht als auch im Landesgrundsteuergesetz wird die Grundsteuer wie im bisherigen Recht in einem dreistufigen Verfahren ermittelt:

  • Im ersten Schritt, dem Bewertungsverfahren, stellen die Finanzämter den Grundsteuerwert fest.
    Das Verfahren endet mit dem Erlass eines Grundsteuerwertbescheids.
  • Im zweiten Schritt wird von den Finanzämtern auf der Grundlage des Grundsteuerwerts der Messbetrag berechnet. Das Verfahren endet mit dem Erlass eines Messbescheids.
  • Im dritten und letzten Schritt errechnet die Gemeinde die Grundsteuer, in dem sie den Messbetrag mit dem vom Gemeinderat beschlossenen Hebesatz multipliziert.
    Durch den Grundsteuerbescheid wird die Grundsteuer dann gegenüber dem Steuerpflichtigen festgesetzt.

Für das Grundvermögen (Grundsteuer B) hat der Landesgesetzgeber in Baden-Württemberg mit dem modifizierten Bodenwertmodell einen eigenen Weg gewählt. Bei diesem Modell wird die Grundstücksfläche mit dem vom örtlichen Gutachterausschuss auf den 01.01.2022 festgestellten Bodenrichtwert multipliziert. Die Gebäudewerte auf den entsprechenden Grundstücken sind dagegen nicht relevant. In Baden-Württemberg bleibt die Bebauung eines Grundstücks und damit ein etwaiger Gebäudewert auf der Ebene der Bewertung damit unberücksichtigt.

Der sich ergebende Grundsteuerwert (Grundstücksfläche x Bodenrichtwert) wird mit der sogenannten Messzahl, für die insbesondere für bebaute Wohngrundstücke ein Abschlag von 30 % vorgesehen ist, vervielfacht.

Formel ab 2025: Grundstücksfläche x Bodenrichtwert x Messzahl x Hebesatz = jährliche Grundsteuer
(Formel bis 2024: Einheitswert x Messzahl x Hebesatz = jährliche Grundsteuer)

Bei der Land- und Forstwirtschaft (Grundsteuer A) hat der Landesgesetzgeber das Bundesmodell übernommen. Die Bewertung erfolgt hier auf Basis eines typisierenden durchschnittlichen Ertragswertverfahrens. Während im bisherigen Recht bei land- und forstwirtschaftlichen Betrieben die Wohngebäude der Betriebsinhaber und seiner Familienangehörigen bei der Grundsteuer A mitbewertet worden sind, werden diese zukünftig als eigenes Grundsteuerobjekt bei der Grundsteuer B bewertet.

Aufgrund der neuen, ab 2025 geltenden Bemessungsgrundlagen sind auch die Hebesätze 2025 neu zu beschließen.

Bisherige Hebesätze

Der Hebesatz der Grundsteuer A (Betriebe der Land- und Forstwirtschaft) beträgt im Jahr 2024 in Hüfingen 390 %.
Der Hebesatz der Grundsteuer B beträgt im Jahr 2024 in Hüfingen 435 %.

Neue Hebesätze für Hüfingen 2025

Heute wurde mit zwei Gegenstimmen beschlossen:

Der Hebesatz der Grundsteuer A (Betriebe der Land- und Forstwirtschaft ohne Wohnhäuser) wird für 2025 in Hüfingen auf 361 % (-29%) gesenkt.
Der Hebesatz der Grundsteuer B wird im Jahr 2025 auf 442 % (+ 7%) erhöht.

Das Finanzministerium hat für die Grundsteuer B ein sogenanntes Transparenzregister veröffentlicht: Transparenzregister
Für Löffingen habe ich aber gestern in der Zeitung gelesen, dass der Hebesatz B jetzt für 2025 460% beschlossen wurde.

Auf jeden Fall kann man sich nicht bei der Stadt beschweren, sondern das Finanzamt ist zuständig. Also können kann man das schon, nützt nur nichts.

Meine Prognose ist, dass die Höhe des Hebesatzes weniger das Problem sein wird, sondern der Grundsteuermessbescheid, der die Basis hierfür ist. Gegen diesen Grundsteuermessbescheid laufen in Baden-Württemberg auch schon einige Klagen und deswegen hätte man damals gleich widersprechen sollen.

Die Stadt Hüfingen hat für Fragen eine Seite eingerichtet und will nächstes Jahr auch eine Infoveranstaltung abhalten: https://www.huefingen.de/willkommen/Grundsteuer

Von der SPD Fraktionssprecherin kam der Vorschlag sich für die Zukunft eine Einführung von der Grundsteuer C zu bemühen. Bei der Grundsteuer C geht es um nicht bebaute aber bebaubare Grundstücke. Also Bauland als Kapitalanlage oder für Spekulationen.

TOP 7 Wassergebühren 2025

Heute soll eine Erhöhung der Wasserverbrauchsgebühr besprochen werden.

Der Grund hierfür sei die hohe Trinkwasser-Qualität in Hüfingen. Die Stadt Hüfingen habe eine vorbildliche Wasserversorgung vom Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis bescheinigt bekommen.
Das mag so sein, nachdem der Grundwasserschaden mit Schwermetallen auf dem Betriebsgelände durch eine Grundwasserentnahme mit anschließender Aufreinigung seit 1998 saniert wird.

Anstatt irgendwas zu bescheinigen müsste der Landrat eigentlich eine Sanierung anordnen und auch das Betriebsgelände, im Besitz des Donaueschinger Fürstenhauses, Teil unseres Wasserschutzgbietes werden lassen, wo es 1958 raus genommen wurde. Vermutlich müssen die Hüfinger irgendwann für die Sanierung selber bezahlen, da der Landrat Angst vor dem Fürstenhaus hat. Das blöde Volk muss er ja nicht fürchten, wir dürfen ihn ja nicht wählen oder gar abwählen.

Der neuen Wassergebühr wurde einstimmig zugestimmt.

Wasserverbrauchsgebühr neu 2,50 €/m³
Wassergrundgebühr* neu 80,04 €/Jahr; 180,00 €/Jahr; 486,00 €/Jahr; 1.296,00 €/Jahr
*je nach Zählergröße
Irgendwer muss ja auch die 53.165,45 € für die Bräunlinger Wasserleitung bezahlen, aber immerhin bekommen wir dann teures, sauberes Wasser aus Bräunlingen, falls der Palmhof havariert.

TOP 8 Festhalle Hüfingen: Beauftragung Austausch Seilwinden im Zuge der Brandverhütungsschau

Bezüglich der Brandverhütungsschau der Bühnenanlage wurde festgestellt, dass die Seilwinden in der Festhalle Hüfingen nicht mehr zulässig sind. Heute wurden die Umbauarbeiten in Höhe von 22.312,50 € vom Gemeiderat einstimmig genehmigt.

TOP 9 Neubesetzung der Feldwegekommission

Für die neue Feldwegekommission wurden heute drei neue Stadträte gewählt. Es sind Gunther Limberger, Reinhard Isak und Patrick Moog, sowie der Stadtbaumeister Thilo Mayer.






Infos zu den Gemeinderäten gibt es hier:

Rekordsitzung unter einer Stunde!
Danke Herr Bürgermeister!

Insel Mainau – Insel Mainau Teil 1.

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches hier gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz.
In blau einige Fotos und Erklärungen.

Hier der 1. Teil vom Kapitel Mainau

Mainau

Gegen das Ende der schmalen Landzunge, welche den Untersee vom Überlinger See trennt, m Eingange des letzteren, erhebt sich das Land nochmals aus der Fluth und bildet ein Terrassenförmiges, bis zu 89 Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand des Sees ansteigende Eiland, welches eine halbe Stunde im Umfange hat.

Es ist dies einer jener außerordentlichen Punkte, über welchen die Mutter Natur alle ihre Schönheit und Güte ausgegossen zu haben scheint. Die Alten gaben ihm den Namen Mahgenowe oder Mahen-Anue, wie Badrian sagt „von Luftes wegen“.

Ohne Zweifel stammt die Benennung aus den Zeiten, wo das jugendliche Volk der Germanen das bis heute um den See nicht ganz erloschene Maienfest als religiösen Kultus beging. Und wahrlich, welchen Platze machte der unverdorbene Sohn der Natur wohl passender den Namen seines Luft- und Lieblingsmoments beilegen, als der feenhaft aus den Wellen des geheimnisvollen Bodan empor steigenden sonnigen Aue?

Die geschichtlichen Nachrichten über die liebliche Insel beginnen jedoch erst mit den christlichen Ansiedlungen am See. Die Mainau wird seit frühesten Zeiten eine Zugehörige der Abtei Reichenau genannt, von welcher sie an dem Deutschorden kam. Nach einer Volkssage waren die Herren von Bodman die ursprünglichen Besitzer, und eine Erbin dieses Hauses vergab die schöne Au an den deutschen Orden.

Meister Sepp von Eppishusen (Freiherr von Laßberg) erzählt die Sage in seinem wenig verbreiteten Büchlein „vom Littower“ folgendermaßen:

Ein Fräulein von Bodenmann, welche von ihrer Mutter große Güter am Bodensee besaß, nämlich die Mahnau, mit Dörfern, Weilern und Höfen, war in züchtiger Minne einem jungen Ritter von Langenstein hold, und er hinwieder auch ihr. Da sie als eine Waise frei und selbstständig über ihr Gut walten konnte; so war auch des Ritters Vater ganz geneigt, zu dieser Verbindung seine Einwilligung zu geben, und schon nahte der Zeitpunkt heran, der die beiden Liebenden auf immer vereinen sollte. Als der alte Ritter von seinen Lehnsherren, dem Abt der zur Reichenau plötzlich aufgerufen wurde, ihm auf einem Kreuzzug nach Syrien zu folgen. Alter und Behden hatten den Vater gebrechlich gemacht, und der rüstige Sohn mußte an seiner Stelle das Kreuz nehmen und die so nahe Vermählung vertagen.

In den damaligen Zeiten war es wie jetzt, zu einer reichen Erbin standen sich immer viele Bewerber. Aber die treue Maid von Bodnman hing zu innig an ihrem geliebten Ritter und gab den übrigen kein Gehör. Langensteins Zug war nicht glücklich: Die Kreuzfahrer erlitten im Heiligen Land mehrere Niederlagen, und bei einer derselben fiel ihm das traurige Los, verwundet und gefangen zu werden. Tief in das Land der Araber geschleppt und zu schmählicher Knechtschaft gezwungen, blieb ihm wenig Hoffnung, die schönen Augen der holden Frau seines Herzens und die Reben umgrenzten Ufer des Bodensees je wieder zu sehen.

Indessen war die Kunde von Langensteins Verwundung und Gefangenschaft auch nach Schwaben gelangt, und die Bewerbungen um die Hand des schönen Fräuleins fingen mit verdoppelten Eifer wieder an, aber die treue Maid von Bodman, war zu keiner Sinnesänderung zu bewegen, und als ihr die Bewerber zu lästig wurden, zog sie sich zu einer Verwandten in ein benachbartes Kloster zurück, um da ungestört für die baldige Erlösung ihres geliebten Ritters zu beten. Jahre auf Jahre entflohen; In Syrien wurden hie und da gefangene Christen ausgewechselt und losgekauft., aber in das ferne Arabien drang kein mitleidiger Priester, der den Heiden Gold für christliche Sklaven geboten hätte. Standhaft hatte der Ritter von Langenstein alles Anerbieten von Freiheit, Ehre und Reichtum, wenn er den Glauben des Landes annehmen wolle, abgewiesen; aber auch beinahe gänzlich die Hoffnung auf Erlösung aufgegeben, als ihm einst mal im Traume einfiel, die Geliebte seines Herzens und sich selbst Gott aufzuopfern, und hierdurch die himmlischen Mächte zu Mitleid und Hilfe zu bewegen. Er tat also bei sich, das Gelübde: wenn er der Heimat wiedergegeben würde, in einem der drei geistlichen Ritterorden zu treten.

Schon am folgenden Abend fand er die Türe seines Gefängnisses offen, und dem Wink der Vorsehung benutzend, trat er, mit wenigen Lebensmitteln versehen, hinaus in die Sternen. Helle Sandwüste, welche seine Flucht begünstigen sollte, seinen Weg nach dem Laufe der ihm wohlbekannten Sterne* richtend, erreichte er nach vielen Tagen und umfänglichen Mühseligkeiten die Ufer des unendlichen Meeres. Auch entdeckte er in geringerer Entfernung ein Schiff, das auf wiederholte Zeichen und Rufen Ein Boot abgesandte, ihn aufzunehmen. Christliche Männer, die Handel nach Ägypten trieben, waren vom Sturm an diese unwirtliche Küste verschlagen worden und warteten mit Sehnsucht auf günstigen Wind, um ihre Heimfahrt nach Italien anzustellen. Als er erschien, richteten sie ihren Lauf nach dem heimatlichen Strande und erreichten ihn auch ohne besondere Färlichkeiten auszustehen.

Der Freiheit und dem Vaterlande wiedergegeben, hatte der Ritter von Langenstein keine dringendere Angelegenheit als die schnelle Erfüllung seines Gelübdes. Er stellte sich vor dem Landkomture zu Altshausen und bat demütig um Aufnahme in einen Orden, der im neuen, unaufhörlichen Krieg gegen die Heiden zur ersten Pflicht machte.

Der Ruf seiner Tapferkeit war ihm vorausgegangen, und vielleicht damals schon als Dichter bekannt, konnte er in jener Zeit nur als ein Mann von hoher Geistesrichtung gelten. Er mußte also dem Orden ein willkommener Bruder sein, und seine Aufnahme fand keinen Anstand.

Auf sein eigenes Verlangen ward er alsbald mit mehreren jüngeren Brüdern nach dem damals noch heidnischen Preussen gesandt, um im neuen, immerwährenden Kampfe gegen ein tapferes Volk, das den vaterländischen Boden Schritt vor Schritt verteidigte, das noch stets für die holde Erbin von Bodman schlagende Herz zu beschwichtigen.

Die Nachricht vom Langensteins Heimkehr aus dem Morgenlande war kaum in seinem väterlichen Gaue erschollen, als die treue Maid vom Bodman aus den Klostermauern wieder nach ihrer Burg sich aufmachte. Liebliche Gedanken vom seligen Beisammensein und fröhlicher Zukunft umschwebten sie auf ihrem Wege und begleiteten sie bis unter das Burgtor. Ein vertrauter Jugendfreund ihres Ritters* erwartete sie hier: Er brachte ihr den letzten Gruß des für sie nun auf ewig verlorenen Geliebten, und die hochzeitlichen Fackeln erloschen da, wo sie kaum noch in Gedanken angezündet waren.

Nicht lange Zeit bedurfte die edle Schwaben Maid, bis sie zu allem ihres Herzens und ihrer reinen Minne würdigen Entschlusse kam. Tief empfindend

„Wie Liebe mit Leide
Ze jüngest lonen kan“

beschloß sie dem geliebten Manne ein Zeichen zu hinterlassen, das ihn ewig an die Liebe und Treue seiner Herzensgespielin erinnern sollte. Sie reiste zu dem frommen Landeskomtur des Deutschen Ordens, und eröffnete ihm, wie sie gesinnt sei, ihr mütterliches Eigen, die schöne Insel Mahnau, mit Dörfern und Höfen, seinem Orden als eine freie Vergabung zuzustellen, wenn derselbe ihr gewährleisten werde, dass Bruder Hug von Langenstein, erster Hauskomtur auf der Insel werden solle.

Strenge waren die Regeln und Gesetze des Ordens. Durch mehrere Kriegszüge und nützliche Dienste musste der Bruder seine Tüchtigkeit erprobt und den Dank seiner Oberen verdient haben, ehe ihm die Türen zu den Würden desselben geöffnet wurden. Nur ausgedienten, durch Wunden und Alter, dem Kriege gegen die Ungläubigen entzogenen Brüdern wurde damal Komtureien verliehen und hiervon konnte weder der Wille, noch die Macht eines Ordensgebieters abweichen. Der Landeskomtur mußte die treue Maid an den obersten Meister des Ordens verweisen. Was sie da ausgerichtet, hat uns die Sage nicht aufbewahrt. Allein soviel ist gewiss, dass wir unter den auf der Insel aufgehängten Wappenschildern, der dortigen Komtur, jenen des Ritters von Langenstein als den sechsten zählen.

Wo nach diesem die treue Maid von Bodman mit ihren zertrümmerten Hoffnungen und mit ihrem zerrissenen Herzen sich hin gewendet, in welches Kloster sie ihren Schmerz begraben, wissen wir nicht anzugeben; es mag für sie wohl gleichgültig gewesen sein, wo sie ihre Tage verweinte. Der Gedanke: mein Geliebter lebt jetzt in meinem Hause, in demselben Gemächern, die einst Zeugen unserer unschuldigen Minne waren, er isst von dem Brot meiner Äcker und trinkt von dem Wein meiner Reben; die hohen Nußbäume, unter denen wir so oft beisammen saßen, beschatten ihn nun wieder, und in der kleinen Kapelle, wo unser kindliches Gebet so manchmal sich vereinigte, flehet er jetzt im Himmel um Mut und Standhaftigkeit für uns beide an: An diese Gedanken müssen sich oft in die stille Zelle der treuen Maid geschlichen und ein bitter süßes Gefühl in dem liebenden Herzen erweckt haben, das gewiss nur unter dem kalten Grabsteine aufhörte, für den geliebten Ritter zu schlagen.

Dies ist die Sage von dem treuen Maid von Bodman und dem Sänger von Langenstein, wie ich sie vor mehr dann dreissig Jahren, aus dem Munde des Volkes vernommen und aufbewahrt habe.

Von dem Ende des Sängers Hug von Langenstein ist mir keine Nachricht bekannt; wahrscheinlich starb er Lebens müde als Komtur auf seiner Insel, und wenn einmal die Gruft in der kleinen Ordenskirche daselbst geöffnet werden sollte, dürfte auch sein Grab entdeckt werden. Er selbst schildert sich uns am Schlusse seines großen Gedichtes als einen Mann, dessen Lebensschiff das Ruder der göttlichen Minne aus dem Sturm bewegten Fluten in den Hafen geschafft hat; der aber auch da nie wahre Ruhe genoß, noch einer sanften Stille. Dieser Gemütszustand deutet doch wohl auf unglückliche Liebe.

Die heimatliche Burg des Ritters Hugo liegt im Hegau, links der Landstraße, welche nach Engen führt. Sie liegt zwischen Felsen, selbst auf einem Fels von weitläufigen Eichen- und Buchenwäldern umgeben. Es ist das größte und festeste Bauwesen aller edeln Sitze des Gaues. Rings um einen ungeheuren Turm her, den das Volk irrig aus dem Fels gehauen wähnt und dessen Alter wenigstens in den Anfang des elften Jahrhunderts, wenn nicht vielleicht sogar in den karolingischen Zeitraum hinauf reicht, sind die Wohngebäude eingereiht und nehmen mit den Wirtschaftsgebäude einen großen Raum ein. Der mit Wappen verzierte Eingang, die großen steinigen Stiegen und Wendeltreppe, die hohen gewölbten Gänge, die von Säulen getragenen Hallen, die hohen geräumigen Säle und Gemächer, die vielen, zum Teil in den Fels gehauenen unterirdischen Gänge und Keller geben dem Ganzen ein großartiges, die vielen sonderbar gealterten Kalkfelsen, ein wunderbares und romantisches Aussehen.

Nach dem Absterben der Ritter von Langenstein kam die Burg in wechselndem Besitz, zuerst als reiche reichenauisches Lehen an die Grafen von Nellenburg, im 15. Jahrhundert an die Edlen von Heudorf, später an die Freiherren von Reischach, und nach diesen an die von Reitenau, zuletzt an die Grafen von Welschberg, von denen es der höchst selige Großherzog Ludwig von Baden erkaufte, zu bleibenden Wohnorte der jetzigen gräflichen Besitzer.

Über den Ursprung des Ritterhauses zu Mainau gibt uns die Geschichte von der Sage abweichende Aufschlüsse. Dr. Josef Bader teilte darüber folgendes mit:

Die Ritter Familie von Langenstein war ein Dienstmannsgeschlecht (ministerialed) der Abtei Reichenau. Die historische Kunde von diesem Geschlecht geht bis zum Jahre 1197, allwo ein Hugo de Langenstein ministerialis ecclesiae Augiensis, das Gut seines Knechtes Machtolf am Donnersberg für 9 Pfund Münze und das Stift Salem überlässt*. Weiter finden wir, dass die Salemer diesen Hugo als Belohnung für seine Bemühungen bei einem Kaufgeschäfte des Stiftes 40 Käse übermachen; woraus es erhellt, wie patriarchalisch die damaligen Zustände, und wie bescheiden der Adel von Langenstein in jener Zeit gewesen sein müssen. Nach diesem Hugo werden noch achte des Geschlechtes urkundlich erwähnt, so dass sich folgende Stammtafel ergibt

Hugo 1197 bis 1211.
Hugo 1211 bis 1216. Arnold stirbt 1272.
Arnold Ritter bis 1282. Hugo 1259 bis 1267.
Arnold Berthold Friedrich. Hugo stirbt 1319 als letzter Spross des Hauses.

Die genannte Familie besaß unter mehreren anderen reichenauischen Benefizien (Dienstmannslehen). auch die Insel Mainau – Im Jahr 1272 geschah zwischen Abt Albrecht zu Reichenau und dem Komtur Rudolf von Schafhus vom Deutschorden über gewisse streitige Güter folgender Vertrag. Der Abt überläßt mit Einstimmung seines Klosters den Landeskomtur für dem Deutschorden die Höfe zu Almansdorf, Eck, Stad, Oberndorf und Dinglsdorf mit dem Kirchensatze und Zehnten und allen reichenauischen Gütern daselbst, ferner das Dorf Lützelstetten mit allen Leuten und Gütern, mit Zwing und Bann und allen anderen Rechten (die Mannslehen ausgenommen), sodann das Schloss und die Insel Maienowe und alle übrigen Güter Arnolds von Langenstein seelig, mit dessen Maieramte, mit der Vogtei und allen Rechten, welche derselbe da gehabt. Dagegen überlässt der Deutschorden dem Stifte Reichenau zu einem Ersatze: das Schloss Sandeck mit der Vorburg, die Höfe zu Wald, Heroltsweil, Landertsweil, bei Ermatingen, Bernag, und Steckborn, nebst verschiedenen Rebgütern und Zehnten in diesen Orten, zu Frutweiler H. Actum in Gotteliubon, anno MCCLXXII, Feria IV podz vinculum S. Petri.

Dies verhielt sich aber folgendermaßen: Der Abt von Reichenau hatte den reichenauischen Dienstmännern von Langensteinen, von Steckborn, von Feldbach und von Frutweiler erlaubt, die oben gezeichneten Besitzungen und Rechte zu Mainau, Almensdorf, Eck, Stad, Oberndorf und Dingelsdorf an den Deutschorden zu vermachen (weil es reichenauische Lehen waren), da nun über diese Güter dennoch ein Streit entstand, so mußte der Deutschorden erstens dieselben als reichenauische Lehen anerkennen und jährlich mit 20 Pfunden Wachses verzinsen, zweitens aber dagegen noch die kleine Herrschaft Sandeck an das Kloster abtreten, welchen die Söhne des Eberhard von Steckborn, (der zu Salem Mönch geworden), ihm vermacht hatten.

Dieses Sandeck war wohl auch ein reichenauisches Lehen im Besitz der Familie von Steckborn gewesen, und da der Abt das vortrefflich gelegene Schloss gern selber zu bewohnen wünschte, ergriff er die Gelegenheit des obrigen Streites, um es dem Deutschorden wieder abzujagen.

Das ist nun wahre Ursprung des Ritterhauses zu Mainau und nicht erst jener Schenkung von 1282, wie gewöhnlich angegeben wird. Im Jahr 1272 war der Schenker Arnold schon verstorben. Daher die urkundlichen Ausdrücke: (qondan oder bonae memoria Arnoldus de Langenstein) er hatte aber Brüder und Söhne.

Mit den angeführten zwei Schenkungen vom Jahre 1282, die Schönhut, wie es scheint, aus Urkunden darthut, kann es sich so verhalten haben: Arnold von Langenstein, der ältere vermachte vor dem Jahre 1272 Schloss und Insel Mainau als reichenaischer Lehenbesitzer dem Deutschorden; dieser war also von dem an Inhaber dieses reichen Lehens, verlieh dasselbe aber afterlehenweis wieder an die Familie von Langenstein, welches es so besaß bis 1282, wo Arnold der jüngere es dem Orden wieder aufgab, das heißt denselben wieder in unmittelbarem Besitz der Mainau setzte, damit ein Deutschhaus daselbst errichtet werde.

Wie bereits bemerkt, hatte Arnold, der Ältere vier Söhne. Von diesem widmeten sich drei dem Deutschorden, den einen Arnold, finden wir als Komtur zur Mainau, wo er 1319 als letzter seines Geschlechts das Leben beschließt. Sein Bruder Hugo verweilte um 1298 im Hause des Deutschordens zu Freiburg im Breisgau, nachdem er vorher, wie sicher annehmen läßt, im Ritterhause zu Mainau sich aufgehalten. Dieser Hugo von Langen Stein ist der berühmte Sänger, von dem noch zwei Gedichte und ein Prosawerk allein vorhanden sind. Von ersteren verherrlicht das eine die heilige Märtyrerin Martina, das andere besingt die wunderbarliche Bekehrung des heidnischen Königs Littower. Das Prosawerklein, genannt „Mainauer Naturlehre„, handelt von der Astronomie, von der Gestalt der Erde und den Bewegung der Himmelskörper und vielem mehr. (Baseler Pergamenthandschriften B. VIII, 27.).

* Er schrieb ja, wie wir nachher vernehmen werden, eine astronomische und astrologische Abhandlung.

* Vielleicht der benachbarte und gleichzeitige Minnesänger Burkhard von Hohenfels.

* Mone, oberrhein. Zeitschrift I, 325.

Fortsetzung hier:

Insel Mainau aus dem Zeppelin fotografiert von Holger Uwe Schmitt 

Der römische Feldherr Tiberius brachte gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Drusus in den Jahren 15 bis 13 v. Chr. Raetien und das im Norden gelegene Vindelicien unter römische Herrschaft. Dem war der Befehl des römischen Kaisers Augustus, ihres Stiefvaters, vorausgegangen, der die Unterwerfung des von den Rätern bewohnten Landes rund um den Bodensee anordnete. Laut dem antiken griechischen Geschichtsschreiber Strabon soll im Jahr 15 v. Chr. Tiberius im Seekampf gegen die Vindeliker eine „kleine Bodenseeinsel“ als Flottenstützpunkt genutzt haben. Man hat abwechselnd jede der vier damaligen Inseln (Lindau, Mainau, Reichenau und Wasserburg) für diese Insel gehalten. Nach dem sicheren Ausscheiden von Lindau und Wasserburg verbleiben noch die Reichenau und die Mainau, jedoch angesichts zahlreicher römischer Fundstücke kommt wohl nur die Mainau in Frage.[28] Das würde bedeuten, dass die Römer die Insel unweit des späteren Constantia (Konstanz) kurzzeitig für ein Kastell, eine Schiffswerft und eine kleinere Flottenstation der römischen Bodenseekriegsflotte des Tiberius, die ihren Hauptsitz in Brigantium (Bregenz) hatte, nutzten.

aus Wikipedia

Joseph von Laßberg

Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg, (geboren 10. April 1770 in Donaueschingen; gestorben 15. März 1855 in Meersburg) nannte sich selber der Meister Sepp von Eppishusen. Er war Gründer des Baarvereins und auch leidenschaftlicher Sammler. Über ihn gibt es sehr viele Geschichten und auch Kontroversen wegen seines Nachlasses.

Burg Meersburg, Eigentum und Wohnsitz von Laßberg von 1838 bis zu seinem Tode
Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg
Die Maische Säule von Peter Lenk in Meersburg
Laßberg von Lenk in Meersburg

Ritter von Langenstein

Die Freiherren von Langenstein (ein schweizer Adelsgeschlecht über das viel mehr bekannt ist) sind nicht zu verwechseln mit der Ministerialenfamilie des Klosters Reichenau Langenstein. Diese Familie bestand aus Arnold I. von Langenstein und seinen oben erwähnten Söhnen Hugo dem Jüngeren, Berthold, Arnold II. und Friedrich. Sie schenkten 1271 die Insel Mainau, ein Lehen des Klosters Reichenau, eigenmächtig dem Deutschen Orden. 1272 richtet der Orden dort eine Kommende ein, in welche Hugo der Jüngere und ein weiterer seiner Brüder eintraten. Hugo war ein mittelhochdeutscher Dichter und verfasste eine umfangreiche Reimlegende über das Leben und das Martyrium der Heiligen Martina. Ihren Namen leitete die Familie von der Burg Langenstein im Hegau ab, dessen Bergfried heute als Untergeschoss Teil des Schlosses Langenstein ist.

Das Schloss Langenstein liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Orsingen-Nenzingen südlich der Gemeinde Eigeltingen zwischen Stockach und Singen im Hegau. Um 1100 wurde der heute noch als Untergeschoss bestehende Bergfried von der Abtei Reichenau auf einem langgestreckten Felsen aus Jurakalk errichtet. Nachdem das Geschlecht derer von Langenstein zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestorben war, waren in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Adlige im Besitz der Burg, so auch Ritter Bilgeri von Heudorf. Foto: Wikipedia

Kreuzzug nach Syrien

Heißt heute Kreuzzug der Barone. In den Jahren von 1239 bis 1241 war ein von der Kirche geförderter Kriegszug in das heilige Land zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten im Kampf gegen die benachbarten Herrschaftsgebiete der Ayyubiden. Der Kreuzzug umfasste zwei Kreuzzugsunternehmen, den Kreuzzug Theobalds von Champagne und den Kreuzzug Richards von Cornwall. Wikipedia

Deutschordenskommende Altshausen

Die Deutschordenskommende Altshausen war von 1264 bis 1806 eine Kommende des Deutschen Ordens in der Deutschordensballei Schwaben-Elsass-Burgund in Altshausen im heutigen Landkreis Ravensburg in Oberschwaben. Das Schloss Altshausen ist heute Residenz des Chefs des Hauses Württemberg Carl Herzog von Württemberg und Unternehmenssitz der Hofkammer des Hauses Württemberg. Wikipedia

Nibelungenlied

Den „berühmten“ Falkentraum der Kriemhild aus dem Nibelungenlied habe ich von dieser Seite hier: http://www.saelde-und-ere.at/Hauptseite/Arbeitsgruppen/Mhdt/Uebersetz/Uebersetz2.html

Lucian Reich geht also davon aus, dass jeder Leser die Nibelungen kennt.

Die Mainauer Naturlehre

Die Mainauer Naturlehre ist ein um 1300 entstandenes Werk und laut Wikipedia unbekannten Autors:

Das Werk stellt den Versuch dar, das naturwissenschaftliche Wissen der Zeit in deutscher Prosa darzustellen, so wird z. B. auch die Kugelgestalt der Erde postuliert („div erde, div ist kvgeleht“). Als Grundlage dienten vor allem der Tractatus de sphera und der Computus des Johannes de Sacrobosco sowie das anonyme Secretum secretorum. Der Entstehungsort ist unbekannt, es ist sicher nicht die 1831 von Wilhelm Wackernagel in seiner Ausgabe vermutete Insel Mainau im Bodensee. Erhalten ist sie vollständig nur in einer um 1300 entstandenen Handschrift der Universitätsbibliothek Basel (B VIII 27 293ra-304rb)

Basler Manuskript (B VIII 27 293r) der Mainauer Naturlehre, um 1300 (Wikipedia)

Übersicht vom Buch ist hier:

Insel Mainau Übersicht

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches hier gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz.
In blau einige Fotos und Erklärungen.

Uebersicht

Der Bodensee, welcher, sechs und zwanzig Meilen im Umfang, wie eine große Marke zwischen fünf Ländern germanischer Zunge ruht, hat in seiner größten Ausdehnung von Bregenz bis zur Mündung der Stockach eine Länge von sechszehn Stunden, während seine größte Breite von Rorschach bis Friedrichshafen (von Süd nach Nord) fünf Stunden beträgt. Er liegt zwischen 26 ° 42′ 42“ und 47 ° 24 ‚ 56“ Länge und zwischen 47 ° 28 ‚ 32“ und 47° 48‘ 45“ Breite in einer Höhe von dreizehnhundert und vier und dreißig badischen Fuß über der Meeresfläche. Sein Flächeninhalt beläuft sich auf neun eine halbe Quadratmeilen.

Bei den Römern heißt er Brigantinischer See von der rhätischen Stadt Brigantia; welche keltische Namen mit denen der Schwarzwälder Bäche, Brig und Breg Verwandtschaft haben.

Erst später, im neunte Jahrhundert, taucht sein jetziger Name Bodensee lacus podamicus in Urkunden auf. – Dies beweist aber noch nicht, dass dieser Name wirklich der jüngere sei. Vielmehr dürfen wir der Ansicht G. Schwab’s folgend, annehmen, die Bucht um Bregenz, noch heute der Bregenzer See habe zu Römer Zeiten Brigantinischer See geheißen, während die unteren Gewässer bereits den Namen Bodensee getragen, welche Benennung etwas Allgemeines bedeutet, später die herrschende werden werden mußte. Boden, altdeutsch Bodam, heißt nämlich Vertiefung.

Je nach ihrer Lage tragen wiederum die verschiedenen Teile des Sees andere Namen. Der Ober- und Untersee, jener oberhalb Konstanz, dieser von da abwärts bis Zell, nach dieser Stadt auch Zellersee genannt. Beide verbunden durch das grüne Band des durchströmenden Rheins; die langgestreckte Bucht sodann vom Horn bei Dingelsdorf bis Bodman heißt der Überlingersee, auch der Bodmersee.

Die Tiefe des Bodensees wurde früher in übertriebenen Maßen angegeben. Der See, elf Stunden in der Länge von Konstanz bis Lindau, soll, wie Schiffsleute behaupten, zwischen Lindau und Bregenz 2208 Fuß tief sein, also 900 Fuß tiefer als der Grund der Ostsee. Wenn dies unglaublich erscheint, so ist doch gewiss, das könnte, der See ausgetrocknet werden, sein Becken, das tiefste Tal der angrenzenden Gauen bilden würde.

Neuere Messungen haben folgendes ergeben. Die größte Tiefe zwischen Friedrichshafen und Arbon beträgt 964 Fuss zwischen Langenargen und Rorschach, wo der See eine Breite von drei dreiviertelstunden hat, 693 württembergische Fuss. Die Tiefe zwischen Friedrichshafen und Rorschach, wo das fünf 1/10 in die Breite misst, beträgt 489 württembergische Fuß. Mithin ist das sehr tiefer als der Grund von manchem Meere und tiefer als der tiefste Punkt des Königreichs Württemberg. Nach den Karten des badischen Militärischen topographischen Bureaus hat der See innerhalb der badischen Grenzen zwischen Hagnau und Landschlacht, eine Tiefe von 730 badischen Fuß. Zwischen dem Eichhorn (unweit Konstanz) und Münsterlingen 150 zwischen der Insel Mainau und dem Ufer der Richtung nach Daisendorf 570 badische Fuß. Weiterhin gegen Überlingen und Bodman hat das Gewässer ähnliche Abgründe, während die Tiefe des Untersee im Durchschnitt viel geringer ist.

Zwischen der Insel Reichenau und Allensbach misst die größte Tiefe 80 badische Fuß zwischen der Höri und der Mettnau (bei Radolfzell) 105 und zwischen Überlingen und Thorn 148 Badische Fuß. Sonst finden wir fast überall im Untersee mit 60 Fuß Grund.

In diesen Tiefen-Verhältnissen liegt ohne Zweifel die Ursache, warum der Ober- und Überlinger See so selten, der Untersee hingegen beinahe jedes Jahr zufriert. Das Eis bildet sich bekanntlich von unten herauf. Eine tiefe Wassermasse erkältet aber schwerer, und es braucht eine außerordentliche Temperatur, bis ihr das Grundeis geht.

Das Wasser des Bodensees ist grünlich klar. Es steigt im Frühling während der Schneeschmelze in den Alpen oft bis auf 10 bis 12 Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand. Nebst dem Rhein hat das große Bassin noch 13 Zuflüsse durch kleinere Bäche, nämlich die Dornbirner Ach, die Bregenzer Aach, die Lauterach, die Goldach, die Steinach, alle von Südost kommend, vom Norden die Laibach, die Argen, die Schussen, die Urnauer- und die Seefelder Aach, die Stockach und der Goldbach ergießen sich in den Überlinger-, die Aach bei Zell strömt in den Untersee.

Selten erscheint der ganze See in blanker Spiegelfläche, fast immer zeigen sich farbige Streifen wie von leichten Aufzügen oder innerer Strömung. Eine auffallende Erscheinung sind auch die regelmäßigen Winde, namentlich auf dem Obersee. An heiteren Sommertagen zieht gewöhnlich vormittags ein leichter Ost, der gegen 10:00 in Nord oder West umschlägt, bis gegen Abend wiederum Ostwind sich einstellt.

Der gefährlichste Wind auf dem See ist die Föhn. „Föhn“ heißt der Schiffer, den Südwind, „Westerwind“ den Westwind, „Osterluft“ den Ost- und „Ortwind“ den Nordwind.

Ihr Kommen verkündet ein rötlicher Schein an den Alpen. Auch kann der Nordwest oft der Ostwind sehr Gefahr bringend sein. Ein sonderbares Phänomen, was man beobachtet haben will, ist das plötzliche Aufsteigen des Wassers gegen das Ufer ohne Vergrößerung der Wassermasse und das ebenso schnelle Sinken ohne Sturm oder sonstige äußerliche Ursache. Auf dem Bodensee heißt diese Erscheinung Ruhß. Auf dem Genfer See, wo sie auch vorkommen soll Seiches.

Das sogenannte Blühen des Sees (an einzelnen Stellen) soll vom Blütenstaub nahe stehender Bäume und Wälder herrühren. Der Überlinger See zum Beispiel erscheint oft weiterhin gelblich gefärbt. Das ganze See Becken mit den Alpen und den nächsten schwäbischen Gebirgen ist, wie die Geognosten versichern, das Ergebnis einer der späteren Katastrophen jener Zeit, in welcher die elementarischen Großmächte in übergewaltigen Ringen das tellurische Gleichgewicht herzustellen bemüht waren. Im Verlaufe dieses Kampfes scheinen ungeheure Alpentrümmer zermalmt und von der Flut zu Thal geschwemmt, sich über die genannte Gegend ausgebreitet zu haben.

Wir finden deshalb unter der obersten Dammerde überall Rollsteine (Kies) dann Nagelflue und nach dieser Sand, der an manchen Orten wie bei Meersburg, Überlingen etc. in den haubaren Sandstein übergeht, zuweilen auch mit Gold, Sand und vermengt ist. Das Ganze ruht zuletzt auf einem mächtigen Lager von Thon, der an vielen Stellen unmittelbar den Grund des Sees bildet. Inbegriffen in tiefe Formation zeigt sich auch das Hegau, mit Ausnahme seiner hohen Bergkegel, die ein Werk Meister Vulkans erst später aus dem vertrockneten Bodensatz der Flut wie Blasen in die Höhe stiegen. Wichtige Gründe sprechen dafür, dass zu jener Zeit der Mensch noch nicht existiert, sondern erst nach geschlossenem Frieden das Erdreich betreten habe.

Ringsum an den Ufern hat der See fast überall ein breites Vorland, welches gegen die Tiefe abfällt. Es heißt im landesüblichen Ausdruck die Halde; einer helleren Farbe des Wassers zeigt deutlich ihre Ausdehnung.

Von alters her bildeten Schifffahrt und Fischerei die Haupt Erwerbszweig auf dem Bodensee. Handelsverkehr, namentlich der Transport des Getreides von den gesegneten schwäbischen Ufern in die Schweiz belebte schon in frühen Jahrhunderten diese Gewässer. Die Fahrzeuge waren Segelschiffe von mittlerer Größe, Lädinen genannt, an deren Stelle später die kleineren Segner in Gebrauch kamen.

Das erste Dampfboot, ein württembergisches, befuhr den See im Jahre 1824. Heutzutage durchkreuzen ihn über 20 Dampfschiffe, sie sind Eigentum der Konstanzer, Schaffhauser, Lindauer und württembergischen Aktiengesellschaften.

Nebst dem brachten auch Kriegsleute hin und wieder kleine Flottille in den Bodensee. Die erste erschien unter Tiberius sechszehn Jahre vor Christi Geburt. Der römische Feldherr fuhr mit Schiffen über den See, befestigte eine dortige Insel, wahrscheinlich die Reichenau, und lieferte von da aus den Bindeliciern eine siegreiche Seeschlacht.

Im 30-jährigen Kriege waren es die Schweden, welche unter Wrangel größere Schiffe auf dem See erbauten, und in dem Kriegsjahre 1799 lief eine Flottille unter dem englischen Obristen Williams von Bregenz aus, um die Operationen des Großherzogs Karl zu unterstützen.

Die Fischerei ist zwischen den Orten durch obrigkeitliche Verträge geregelt, die jedoch nicht allzu strenge eingehalten werden. Der bedeutendste und eigentümlichste Bodensee-Fischfang ist der Fölchenfang. Nach ihm kommt der des Gangfischs. Außer diesen beiden Fisch Gattungen wohnen noch 24 andere in dem Gewässer, unter denen die des Brarmen die allermeiste ist.

Zahlreicher sind die verschiedenen Arten geflügelter Gäste, welche theils beständig, theils als Strichvögel an und auf dem großen Weier ihr Fortkommen suchen. Ihre Zahl (Sumpf- und Schwimm Vögel) wird auf etliche und neunzig geschätzt; dazu kommen zur strengen Winterzeit zuweilen noch landesfremde Besucher aus dem hohen Norden.

Das Klima um den See ist im allgemeinen mild. Der Rebe und dem Nussbaum durchaus günstig. Doch hat das schwäbische Ufer ein milderes als das schweizerische. Die badische Strecke von Immenstad bis Deningen, misst, die Inseln ausgenommen, beiläufig zehneinhalb deutsche Meilen; sie bildet Teile der Großherzoglichen Bezirksämter Meersburg, Salem, Überlingen, Stockach, Konstanz und Radolfzell.

Fortsetzung hier

Laut Wikipedia ist der Umfang vom Bodensee 273 km; die Länge von Bregenz nach Bodman 63 km; die Breite von Friedrichshafen nach Romanshorn ist 14 km; das Volumen ist 48 km³; die Fläche ist Obersee: 473 km², Untersee: 63 km², zusammen 536 km² (ohne Seerhein); die Mittlere Tiefe ist 90 m; die Höhe über Meeresspiegel ist 395,23 m; Koordinaten sind 47° 38′ N, 9° 22′ O (744895 / 277632).

Wikipedia: Der römische Geograph Pomponius Mela nennt um das Jahr 43 n. Chr. den Lacus Venetus und den Lacus Acronius, die beide vom Rhein durchflossen werden. Man nimmt an, dass es sich um die Namen für den Obersee (nach dem rätischen Stamm der Vennoneten) und den Untersee handelt. Beide Namen kommen sonst in der antiken Literatur nicht mehr vor.

Tabula Peutingeriana (Peutingersche Tafel) mit Silva marciana (Schwarzwald) oben. Der Kleckes in der Mitte ist der Bodensee, drunter Brigantia (Bregenz) und oben drüber Brigobanne (Hüfingen) (https://tp-online.ku.de)

Der Naturforscher Plinius der Ältere bezeichnet den gesamten Bodensee um 75 n. Chr. erstmals als Lacus Raetiae Brigantinus nach dem damaligen römischen Hauptort am See, Brigantium (Bregenz). Dieser Name ist mit den hier ansässigen keltischen Brigantiern verbunden, wobei offen ist, ob der Ort nach dem Stamm hieß oder sich die Einwohner der Region nach ihrem Hauptort benannten. Bei Ammianus Marcellinus ist später die Form Lacus Brigantiae zu finden.

Wikipedia: Der heutige deutsche Name „Bodensee“ leitet sich vom Ortsnamen Bodman ab und bedeutet damit „See bei Bodman“. Dieser Ortsname geht auf althochdeutsch bodam zurück, was als Gattungswort „Boden, Erdboden, Grundfläche“ und als Ortsname „tief gelegener Siedlungsplatz“ oder „Ort auf einer Ebene“ bedeutet. Der Name des Sees ist erstmals 840 in latinisierter Form als in lacum Potamicum erwähnt, es folgen 890 (jüngere Kopie) ad lacum Podamicum, 902 und 905 prope lacum Potamicum und 1087 deutsch Bodinse, Bodemse. Als althochdeutsche Ursprungslautung ist *Bodamsē beziehungsweise mit Zweiter Lautverschiebung *Potamsē anzusetzen.

Zur Anomalie von Wasser von Dr. Franz Maus: https://hieronymus-online.de/kondenswasser/

Lacus Podamicus. Der Boden See. Kolorierter Kupferstich, um 1640. Quelle: Wikipedia

Aus dem eLexikon: Ruhß (Ruhs), eine noch nicht vollkommen aufgeklärte, ganzen seltene Erscheinung auf dem Bodensee, welche das Wasser desselben scheinbar ohne äußere Veranlassung plötzlich steigen und fallen macht. Vgl. Seiches.

Von Peter Hug: Seiches (franz., spr. ssähsch), periodische Niveauschwankungen des Genfer Sees und im weitern Sinn auch andrer Seen.
Nach einer von Merian aufgestellten, von Thomson vereinfachten Formel ist die Dauer der Oszillation der Länge des Sees direkt, der Quadratwurzel seiner mittlern Tiefe umgekehrt proportional, und dies gilt nach Forel auch für den Neuenburger, Brienzer, Thuner, Wallen- und Bodensee, wo die Erscheinung »Ruhß« genannt wird.

tellurisch: von lateinisch tellus (Erde). Tellus ist in der römischen Mythologie die Gottheit der mütterlichen Erde, daher auch oft Terra Mater genannt, und entspricht der griechischen Gaia. Sprich „tellurische Gleichgewicht“ ist die Erde betreffendes Gleichgewicht.

Aus Wikipedia:
Juranagelfluh
Stark bemooster Aufschluss der Jüngeren Juranagelfluh, schlecht sortiert, wohl gerundet, „Tengener Rinne“, Hegaualb, Schwäbische Alb.
Im mittleren Südwestdeutschland schütteten wasserreiche Urflüsse Juranagelfluh genannte Sedimente, darunter auch Konglomerate, deren Gerölle vom Schwarzwald bzw. von der damals noch weiter nach Nordwesten reichenden Albtafel und deren nördlichen Vorland stammen. Diese Urflüsse mündeten in die Graupensandrinne (am Nordrand des Molassebeckens) und später in die entstehende Urdonau. Ober-oligozäne Ältere-Juranagelfluh-Gerölle sind nur am Nordrand des Hegaus erhalten. Die im Ober-Miozän geschütteten Jüngeren Juranagelfluhe sind zwischen dem Kanton Schaffhausen (vor allem aber im deutschen Hegau) und der östlichen Schwäbischen Alb (nördlich und südlich der heutigen Oberen Donau) nachgewiesen und auf geologischen Karten eingetragen.

Bild einer der letzten Lädinen auf dem Bodensee und eines der ersten eisernen Kiesschiffe mit Dieselmotor am Lagerplatz von Immenstaad. Gemalt von Gustav Levering vor 1921. Quelle: Wikipedia

Der Glattdecker Wilhelm, genannt Seeschneck, gilt als das offiziell erste Dampfschiff im regulären Betrieb auf dem Bodensee. Es wurde 1824 mit Unterstützung des württembergischen Königs König Wilhelm I. gebaut, der auch Namensgeber für das Schiff war. Gemalt von Eberhard Emminger (1808-1885) um 1825 Ludwigsburg, Heimatmuseum, Inv.Nr. 212 S. 1072. Quelle: Wikipedia

Wikipedia:
Die Seeschlacht auf dem Bodensee war eine militärische Konfrontation zwischen Römern und Kelten, die sich im Jahr 15 v. Chr. ereignete.
Das Gefecht war Bestandteil der von Drusus und Tiberius zur Eroberung Rätiens durchgeführten letzten Phase der Alpenfeldzüge. Hierbei drang Drusus von Norditalien aus über die Alpen in Richtung des heutigen Augsburg (Augusta Vindelicorum) vor, während Tiberius sein Heer von vermutlich etwa 10.000 Legionären und einer ähnlich großen Zahl an Auxiliartruppen zunächst im Südwesten Deutschlands (Römerlager Dangstetten) sammelte, um dann über den Bodensee ostwärts nach Augsburg vorzustoßen. Am Bodensee angekommen, ließ Tiberius eine Flottille von Transportschiffen bauen, wobei er eine Insel (möglicherweise die Mainau) als Stützpunkt verwendete. Laut Strabon soll es dann zu einem Seegefecht mit dem dort ansässigen keltischen Stamm der Vindeliker gekommen sein, das die Römer zu ihren Gunsten entscheiden konnten.

Bindeliciern sind also Vindeliker. Die vindelikischen Stämme sind aus der augusteischen Reichsvermessung rekonstruierbar, die der „Geographie“ des Ptolemaios zu Grunde liegt.

Die Römischen Provinzen im Alpenraum nach dem Tod des Augustus, 14 n. Chr. Weisse Beschriftungen bezeichnen wichtige Stämme im römischen Herrschaftsgebiet. Quelle: Wikipedia

Hermann von Wrangel (1587–1643), schwedischer Feldmarschall. Quelle: Wikipedia

De Gangfisch isch e silbrige länglische Fisch, wo 25 bis 30 cm lang werd und öppe 300 g wögt. De Rugge isch echli dünkler, aber nöd ase starch gfärbt, wie bim Blaufelche. Sini Rugge- und Buuchflosse gönd is hend e geele Farbton. De Gangfisch het groossi Auge aber e chliis Muul. Quelle: Wikipedia Alemannisch

Brarmen: Wer weiß was?

Wikipedia:
Zu Strichvögeln zählt man alle im Sommer in einem Gebiet heimischen Vogelarten, die vor allem im Winter ihr Brutgebiet verlassen, aber keine Wanderungen nach Süden unternehmen, wie etwa die Zugvögel, sondern in denselben Breiten bleiben. Bei winterlicher Kälte wechseln sie oft den „Landstrich“ und suchen etwas wärmere Regionen auf, wie beispielsweise mild-gemäßigte Gebiete oder aber auch menschliche Siedlungen. Zu den Strichvögeln zählen in Europa zum Beispiel Finken, die Goldammer oder der weit ziehende Gänsegeier

etliche und neunzig: Sprichwörtlich für „sehr viele Pi mal Schnauze“.

Immenstad – Immenstaad
Deningen – vielleicht Dettingen?

Ausflug an den Bodensee 1931 von Ernst Kramer

Zur Übersicht geht es hier:

Getreidemühle auf dem Fürstenberg

Brunnenwiesen Muehle

4. März 2021 – Fundstück aus einem Zeitungsartikel vom 13. Februar 1954 von unbekannt

Das Städtchen Fürstenberg, das am 18. Juli 1841 innerhalb 2 Stunden abbrannte, hat in früheren Zeiten eine eigene Mühle besessen. Diese Mühle hieß die Spitzmühle. Sie lag auf der Gemarkung Fürstenberg in dem Gewann Brunnenwiesen, rechts an dem Weg, der vom Weiler Schächer nach Hondingen führt.

Um das nötige Wasser zum Betrieb der Mühle beizubringen, wurden drei Weiher angelegt. Trotzdem kam es oft vor, daß nicht genügend Wasser vorhanden war.

Im Januar 1700 wurde dem Müller Andreas Bäurer aus Hondingen von dem damaligen Grafen Froben Ferdinand v. Fürstenberg die Erlaubnis zur Erbauung einer Mühle mit zwei Gängen erlaubt. Die Erlaubnis wurde unter dem Vorbehalt gegeben, daß die beiden Müller in Hondingen und Steppach nichts dagegen einzuwenden hätten. Dies war allerdings nicht der Fall.

Da es bei den damaligen Abgrenzungen der Gemarkungen zweifelhaft war, auf welcher Gemarkung die Mühle gehörte, mußte das Oberamt Hüfingen im Jahre 1706 entscheiden. Die Mühle kam zu Fürstenberg und Bäurer wurde von Herrschaftswegen zu einem leibeigenen Untertanen und Bürger auf Fürstenberg angenommen.

Davon war die Bürgerschaft von Fürstenberg nicht sehr erbaut. Als Bäurer 1706 das Fürstenberger Bürgerrecht erwerben und seine Gebühr bezahlen wollte, wurde er abgewiesen. Der dortige Schultheiß und verschiedene Bürger befürchteten, daß ihnen ein Nachteil und neue Gerechtigkeiten erwachsen könnten und daß man eine Zwangsmühle einrichten wolle.

Ferner machten die Bewohner von Fürstenberg geltend, daß durch die dem Müller gehörenden Tiere Schaden anrichten würden. Einige Bürger gaben auch an, daß die Wiesen durch das Ableiten des Wasser in die Weiher Schaden erleiden könnten, und wenn einmal Wassermangel herrsche, könne der Müller die vereinbarte Frist des Mahlens nicht einhalten.

Der neue Müller verteidigte sich mit der Auffassung, dass die Wiesen eingezäunt werden sollten, sodaß Vieh keinen Schaden anrichten könne; zudem habe er sein Haus mit obrigkeitlicher Genehmigung dahin gebaut, wo es jetzt stünde.

Sollte aber trotzdem noch Schaden durch sein Vieh entstehen, würde er diesen ersetzen. Trotzdem mußte Bäurer noch bis zum Jahre 1710 warten, bis er als Bürger von Fürstenberg aufgenommen wurde. Der fürstenbergische Landvogt von Hüfingen sagte dem Fürstenberger Bauern zu, daß sie ihre Frucht in irgend einer Nachbarmühle mahlen lassen könnten, wenn Bäurer seiner Pflicht nicht nachkommen könne. Im gleichen Jahr gab Bäurer das Versprechen ab, daß er, wie es Handwerks Brauch sei, jedem Bauer der bei ihm mahlen läßt das im gebührende Maß zueignen würde.

Ende 1751 oder anfangs 1752 brannte die Spitzmühle ab. Im Jahre 1752 kaufte der Neudinger Müller Martin Riedmüller den Mühlenplatz samt dem Recht, eine neue Mühle erbauen zu können. Er und seine Rechtsnachfolger zahlten dafür an das Rentamt Hüfingen einen jährlichen Wasserzins von 6 fl. Doch wurde die Mühle nicht wieder aufgebaut, da die Rentabilität in Frage gestellt war. 1804 ging die „Spitzmühlenwiese“ durch Kauf in den Besitz der Standesherrschaft über.

Vielen Dank an German Kramer für die Abstammung des Müllers der Spitzmühle, Andreas Bäurer, der aus Hondingen von der Hinteren Mühle stammte.

Siehe auch Seemühle

Insel Mainau Vorwort

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich das alte Buch mit der sehr eigenwilligen Schreibweise in Frakturschrift vorgelesen habe, um den gesprochenen Text von einem Programm namens f4transkript in Buchstaben umzuwandeln. Den umgewandelten Text habe ich danach bearbeitet, da viele der Wörter dem Programm nicht bekannt waren.

Was es in den verschiedenen Kapiteln des Buches gibt, ist diese vorgelesene Tonspur mit dem Transkript in schwarz.
In blau habe unten Bilder und Erklärungen.

Vorwort

Die vorliegende Arbeit ist eine geschichtliche und landschaftliche Schilderung der Insel Mainau und der übrigen badischen Bodensee Gestade mit bildlichen Darstellungen, verdankt ihr Entstehen einem allerhöchsten huldvollen Auftrag Seiner königlichen Hoheit des badischen Prinzen und Regenten Friedrich von Baden.

Durch fürstliche Munificenz (Freigebigkeit) mit den nötigen Mitteln ausgerüstet, besuchte der Verfasser in den Monaten April und Mai vorigen Jahres die Mainau und die gesamte Vaterländische Seeuferstrecke. Diesem Ausflug folgte ein zweiter zur schönen Herbstzeit unverzüglich nach der Mainau, welches liebliche Eiland durch seinen allerhöchsten, durchlauchtigsten Besitzer im Laufe des verflossenen Sommers verschiedene neue Einrichtungen und Verschönerungen erhalten hatte.

Nebst einer geschichtlichen und landschaftlichen Darstellung schien es zur Vervollständigung des Bildes wünschenswert, der Sage und Überlieferung, den Sitten und Gebräuchen im Volksleben eine Stelle einzuräumen. Während der Stoff hierzu unmittelbar an Ort und Stelle gesammelt werden mußte, erhielt ich durch gütige Vermittlung des Herrn Geheimen Sekretärs Kreidel, mit welchem in Bezug auf Herstellung des Ganzen überhaupt ein mündlicher und schriftlicher Verkehr stattfand, das erforderliche historische Material über die ehemalige Deutschordenskommende Mainau und dem großherzoglichen General Landesarchiv in Karlsruhe.

Der Archivar Dr. Bader hatte die Güte, Auszüge und Zusammenstellungen aus den betreffenden Akten zu machen und mir an die Hand zu geben. Ich fühle mich daher verpflichtet, für die Förderung öffentlich meinen Dank auszusprechen. Umso mehr, als auch bei den übrigen Teilen des Textes der freundschaftliche Rat und Beistand dieses gründlichen Kenners vaterländischer Geschichte mir wesentlich zustatten kam.

Bei Darstellung des politischen und sittengeschichtlichen Teils der Stadt Konstanz schöpfte ich aus den bisher wenig oder gar nicht benützten handschriftlichen Sammlungen und Aufzeichnungen von Schultheiß, Braunegger und Nikolaus Hug.

Auszüge aus diesen Schriften verdanke ich der Gefälligkeit des Herrn praktischen Arztes Marmor in Konstanz, und dessen Feder wohl nächstens eine ausführliche Geschichte dieser Stadt ans Licht treten wird.

Nicht minder freundliches Entgegenkommen fand ich an den meisten übrigen zur gleichen Zwecken besuchten Orten, wofür ich manchen ehrenwerten Bewohner der Gegend zu Dank verpflichtet bin. Von dem gezeichneten Darstellungen glaube ich sagen zu dürfen, dass diese durch ihre glückliche Lithographie gleiche Behandlung eine schützenswerte Beigabe des Werkes bilden.

Das Urteil über das Ganze einer wohlwollenden Beurteilung anheim stellend, wünsche ich zunächst mit dem Gegebenen einen Theil des allerhöchsten Beifalls meines huldreichen gnädigsten Mäcens, des erhabenen Beschützers aller Bestrebungen in Kunst und Wissenschaft, zu erringen. Gelinge mir solches, so wird diese Arbeit sicherlich ihren weiteren Zweck erreichen, dem Einheimischen das Eigene, Gute und Erhaltenswerte auf vaterländischen Boden unter passenden Rahmen und Gesichtspunkte vorzuführen, dem fremden Touristen aber, bei einem Besucher der schönen, neuer Zeit zu höherer Bedeutung gelangten Insel Mainau und der übrigen Seegestade ein unterhaltender und willfähriger Begleiter zu sein.

Rastatt, zu Ostern 1856.

Der Verfasser.

Lucian Reich


Schloss Mainau mit Palmenhaus, 2002. [Quelle: www.kloester-bw.de]
Das Urbar der Deutschordenskommende Mainau von 1394 (mehr auf leo-bw).

Joseph Bader, auch Josef Bader (geboren 20. Dezember 1805 im Schloss Tiengen im Klettgau; gestorben am 7. Februar 1883 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Archivar und Historiker, der am Großherzoglich Badischen Landesarchiv in Karlsruhe tätig war. https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Bader

Christoph Schultheiß (geboren 22.07.1512 in Konstanz, gestorben Juni 1584 ebenda), Bürgermeister von Konstanz und Chronist. (Quelle: leo-bw)

Josef Ignaz Braunegger (geboren am 26.01.1774 in Konstanz, gestorben am 5.05.1833 ebenda), Arzt und Heimatforscher in Konstanz. (Quelle: leo-bw)

Nikolaus Hug (geboren 14. Juni 1771 in Konstanz; gestorben 2. Dezember 1852 ebenda) war ein badischer Maler, Kupferstecher und Radierer. https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Hug

Johann Friedrich Marmor (geboren 26.03.1804 in Konstanz-Petershausen, gestorben am 12.12.1879; in Konstanz). Arzt, Archivar, Historiker und Kunsthistoriker. (Quelle: leo-bw)

Konstanzer Münster (1819) von Nikolaus Hug [Quelle: wikipedia]

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