Baaremer Zeitenwende

Der Gedenkstein für Günther Reichelt wurde eingeweiht

Ein Gedenkstein, wie er passender nicht sein könnte:
 Mit Ecken und Kanten, in seiner Aussage und Klarheit aber eindeutig!
Der Gedenkstein für Prof. Dr. Günther Reichelt wurde am Freitag, 25. Oktober 2024, bei einer feierlichen Gedenkstunde im Reichelt-Biotop offiziell eingeweiht. Im Wuhrholz, beim Pfohrener Riedsee gelegen, begrüßte Dr. Hannah Miriam Jaag, Vorsitzende der Freunde der Natur Hüfingen, die über 30 Anwesenden. Darunter auch die beiden Töchter von Prof. Dr. Reichelt.

Einführung und Danksagung
Dr. Hannah Miriam Jaag

Im Namen des Vereins übergab der Bürgermeister von Hüfingen, Patrick Haas, symbolisch den Stein an die Stadt Donaueschingen. Bürgermeister Severin Graf nahm das Geschenk gerne entgegen und fügte, an den Hüfinger Bürgermeister gerichtet, an:

Du bist noch nicht einmal ganz die berühmten 100 Tage im Amt und kommst gleich mit solch bedeutenden Geschenken aus der Nachbarschaft zu uns. Das wissen wir besonders zu würdigen; das läßt auf eine gute Zusammenarbeit hoffen! Herzlichen Dank Dir ganz persönlich und vor allem auch den Freunden der Natur Hüfingen!

Reden Bürgermeister Patrick Haas
und
Bürgermeister Severin Graf

Der ehemalige Oberbürgermeister von Donaueschingen, Thorsten Frei MdB, hat seine Erinnerung mit uns geteilt:

Rede von Thorsten Frei, MdB

Prof. Dr. Helmut Gehring, langjähriger Weggefährten von Prof. Dr. Günther Reichelt hat seine Erinnerungen mit uns geteilt:

Rede von Prof. Dr. Helmut Gehring

Katharina Baudis, Geschäftsführerin BUND Schwarzwald Baar Heuberg

Prof. Dr. Günther Reichelt war die treibende Kraft hinter der Entstehung der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwarzwald-Baar-Heuberg e.V., des Vorgängervereins des heutigen BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) Regionalverbands.

Durch seine Forschung und Publikationen hat er entscheidende Impulse für den Naturschutz in unserer Region gegeben und das Bewusstsein für ökologische Fragestellungen bei politischen Entscheidungsträger geschärft.
Durch seinen großen Wissensschatz und seine umfassenden Kenntnisse über die Natur der Region war er stets eine anerkannte Autorität und sein Wort hatte Gewicht. Wir möchten an dieser Stelle an seinen Einsatz gegen die „Schwarzwald-Autobahn“, für die Etablierung einer geregelt Müllentsorgung und Wertstofftrennung, sowie für die Ausweisung und Entstehung zahlreicher Biotope und Naturschutzgebiete erinnern.

Sein Engagement für den Schutz bedrohter Arten und Lebensräume war beispielhaft und hat viele dazu motiviert, sich ebenfalls für die Natur einzusetzen. Er gab denen eine Stimme, die nicht selbst für sich sprechen konnten – den Tieren, den Pflanzen, unserer Natur, unserer Umwelt, unserer Heimat.

Sein selbstloser und unermüdlicher Einsatz für eine lebenswerte Zukunft imponieren noch heute und erfüllt uns mit großer Dankbarkeit. Wir freuen uns sehr über die Ehrung, die unserem Gründer durch die heutige Gedenksteineinweihung zu Teil wird und bedanken uns bei den Freunden der Natur Hüfingen, die seinen großen Leistungen und seinem bedeutenden Wirken in unserer Region Nachhall verleihen.

Ganz im Sinne von Günther Reichelt ließen die Freunde der Natur neben dem Gedenkstein ein Überwinterungshabitat für Reptilien und Amphibien errichten. Finanzielle Unterstützung für das gesamte Vorhaben erhielten sie dafür von der Sparkasse Schwarzwald-Baar, der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg, dem Steinmetz Udo Weisser, dem Bagger- und Forstbetrieb Heinrich Jägle und der Umweltgruppe Südbaar.

Dr. Hans Joachim Blech, Weggefährte und Gründungsmitglied der Freunde der Natur Hüfingen

In Memoriam Professor Günther Reichelt

Im Herbst 1975 zogen meine Frau und ich nach Donaueschingen Aasen und engagierten uns schnell in der evangelischen Kirchengemeinde Donaueschingen wie auch im Themenbereich Umweltschutz.

Die Kirchengemeinde Donaueschingen feierte 1976 Fastnacht im ehemaligen Pfarrhaus. Dort trafen wir unter anderem auf Günther Reichelt, ich im Kostüm der Waldschrats, Günther Reichelt als Mephisto im Sinne von Gustav Gründgens. Wir tanzten Freistiel bis in den Morgen.

Wir trafen uns wieder im Kirchengemeinderat, im Baarverein, bei Diskussionen mit dem Fürstenhaus um die Bibliothek des Baarvereins, bei Exkursionen z.B. mit Otti Willmanns, Freiburg, bei Pflegeeinsätzen, Pflanzungen, dem ersten Lehrpfad Hüfinger Orchideenwald im Deggenreuschen,  bei Vorträgen Z.B. Höhlenmalereien   ….usw. Man lernte sich natürlich auch privat etwas näher kennen. So stellte sich heraus: In seinem Geburtsort Schladen südlich von Braunschweig lebte eine Cousine meiner Frau, Ich selbst lebte nach dem Krieg seit  1950 bis 1967 in Göttingen, Die Universität war die Alma Mater sowohl für Günther Reichelt wie auch 15 Jahre später für mich.

Nun nochmal zu zwei Aktivtäten:

Waldsterben und saurer Regen war Anfang der 80iger Thema, Saurer Regen, radioaktiver Fallout von Tritium durch Fessenheim.  Angeblich zu erkennen u.a. an abnormalen Stengeln vom Löwenzahn.

Gemeinsam haben Günther Reichelt und ich 1982 beim Land Baden Württemberg Widerspruch eingelegt gegen den „sogenannten Sicherheitsausbau“ des Donaueschinger Flughafens. Als alle Personen bei uns im Garten versammelt waren fing es an zu schneien und vom Vollgas des Flugzeuges auf der Startbahn war nichts mehr zu hören. 

 In dem Biotop, wo der Stein jetzt steht  jahrelange Pflegemassnahmen und als Abfall Christbäume für Weihnachten.

Was bleibt ist die Erinnerung an einen Mentor und Vorbild mit immens viel Wissen. Wenn ich thematisch etwas wissen wollte hiess es z.B. Schriften der Baar Jahrgang 19xx, Seite von bis….

Von einer Idee zur Umsetzung

Hannah Miriam Jaag am 15.10.2024

Vor drei Jahren habe ich eine Idee entwickelt und seit dem sehr viele Anträge und E-Mails geschrieben. Die Idee war im Reichelt-Biotop Überwinterungshabitate und einen Gedenkstein an Prof. Dr. Günther Reichelt zu entwickeln.

Die Ersten die meine Idee gut fanden, war die Sparkasse Schwarzwald-Baar. Deswegen unten mein Beitrag vom November 2022 über den Vereinswettbewerb.

Inzwischen konnte die Idee umgesetzt werden. Finanziert und unterstützt von der Sparkasse-Schwarzwald Baar, der Stiftung Naturschutzfonds, der Umweltgruppe Südbaar, dem Bagger- und Forstbetrieb Heinrich Jägle, dem Steinmetz Udo Weisser und dem Naturschutzgroßprojekt Baar.

Am 25. Oktober werden wir Prof. Dr. Günther Reichelt im Reichelt-Biotop feiern:

Begrüßung: Dr. Hannah Miriam Jaag, Vorsitzende Freunde der Natur Hüfingen
Übergabe Gedenkstein
Patrick Haas, Bürgermeister Stadt Hüfingen
Severin Graf, Bürgermeister Stadt Donaueschingen
Erinnerungen
Thorsten Frei, MdB und Oberbürgermeister a.D. Stadt Donaueschingen
Prof. Dr. Helmut Gehring, Weggefährte
Dr. Hans Joachim Blech, Weggefährte und Gründungsmitglied der Freunde der Natur Hüfingen
Schlusswort
Thomas Kring, Projektleiter Naturschutzgroßprojekt Baar

Alle Infos auf der Webseite der Freunde der Natur Hüfingen e.V.: https://www.freunde-der-natur-huefingen.de/ueberwinterungshabitat/

Vereinswettbewerb der Sparkasse Schwarzwald-Baar

Beitrag vom 15.11.2022

Am 14. November fand die Preisverleihung des Vereinswettbewerbes der Sparkasse Schwarzwald-Baar statt. Die Stadt Donaueschingen war die große Gewinnerin! Herzlichen Glückwunsch an unsere Nachbarstadt für die tollen Vereine und auch ihren super Oberbürgermeister!

Nach Hüfingen gingen auch zwei Preise.

So ging Platz 4 des Votingpreises mit 6.000 Euro an die Musikkapelle Fürstenberg e.V.

Herzlichen Glückwunsch nach Fürstenberg!

Ein Jurypreis ging an die Freunde der Natur Hüfingen e.V. mit 2.500 Euro für das Überwinterungshabitat für Reptilien im Gedenken an Prof. Dr. Günther Reichelt .

Vielen Dank an die Sparkasse Schwarzwald-Baar für das wirklich gelungene Event!

Der Besuch in der Stadt

Hieronymus Kapitel 5


Ruhig Gewissen, eigner Herd Ist Gott und aller Ehren werth.
>Johann Peter Hebel

Der Besuch in der Stadt

Es traf sich oft, daß der Feldwaibel auf Kommando zu Streifzügen und Exekutionen auf den Wald kam, wo er, wenn immer möglich, in der Mühle einzusprechen Gelegenheit nahm. Dies war auch kurz nach jenem nächtlichen Brande geschehen, welchen der Lange Hans auf dem Laubhauserhof noch spät abends angezeigt, und weshalb später dringender Verdacht der Brandstiftung auf die Vagabunden gefallen war.

Ein Einbruch, den der Stumpfarm geleitet und wobei auch der Hans die Hand im Spiel gehabt haben sollte, war durch einen Bauern verraten und bei Gericht angezeigt worden; und allgemein vermutete man, daß diesem dafür von der Bande der rote Hahn aufs Dach gesteckt worden sei, wobei, wie wir gehört, auch der Kaiserzoller zu Schaden gekommen war. Es wurde eine Streife angeordnet, aber ohne Erfolg, denn der Herr Graf von Bettelrain und Nirgendheim mit Gefolge war in strengstem Inkognito längst über die Grenze gereist, und die verhaßten „Balmacker“, wie die Soldaten in der Gaunersprache heißen, hatten das Nachsehen. – Nach einiger Zeit aber, als die Emigranten annehmen konnten, es sei über das Geschehene Gras gewach-sen, kehrten sie wieder zurück auf ihre Domänen, wofür sie die Bauernhöfe ansahen. Diesmal aber hatten sie sich in ihrer Voraussetzung getäuscht, denn sie wurden alsbald abgefaßt, eingesteckt und scharf inquiriert. Es kam jedoch dabei nicht viel mehr heraus als die gewöhnlichen Atzungs- und Untersuchungskosten für den Staat, denn die guten Leute waren ja, wie alle Spitzbuben, die nicht auf frischer Tat ertappt werden, völlig unschuldig und nach der Untersuchung wieder ebenso „ehrlich“ wie vorher.

Bald hatten Diebstähle und anderer Unfug wieder so überhandgenommen, daß eine Generalstreife notwendig schien, und diese führte den Feldwaibel auf einige Tage zu seinen Freunden nach Laubhausen; denn der einsamere Schwarzwald war es besonders, wohin sich die Landfahrer während solcher unbequemen Züge flüchteten und versteckten. – Die graubärtigen Weißröcke hatten hoch und teuer geschworen, daß ihnen diesmal kein Schopf und kein Knopf von der Hanikelbande durchschlüpfen solle. In Verbindung mit den aufgebotenen Bettelvögten und Bauern wurden alle Schlupfwinkel in Feld und Wald, alle Bettelküchen und Feuerstellen, wo die Zunft gewöhnlich lagerte, gründlich durchsucht, die Kameraden auch haufenweis zusammengetrieben, diejenigen, welche sich nicht als sauber übers Nierenstück auszuweisen vermochten, abgeführt und hinter Schloß und Riegel gesetzt.

Hieronymus und seine Kameraden beteten zu Gott, daß doch ja der Lange Hans nicht aufgegriffen werden möge, denn er war ja ihr bester Freund und Lehrmeister. Hatte er, der fertige Spielmann, den Romulus nicht geigen gelehrt und den Hieronymus maultrommeln? Wer hatte ihnen so zierliche Vogelkäfige von Draht gestrickt und ihnen alle Vorteile und Gelegenheiten gezeigt, um Schwarzblättchen, Kreuzschnäbel und andere Vögel zu fangen?

Hier stellt sich Lucian Reich wieder deutlich auf die Seite der Landfahrer und läßt Hieronymus und seine Freunde beten, dass zumindest ihr „bester Freund und Lehrmeister“ nicht aufgegriffen wird.

Und erst kürzlich hatte er auch dem Hieronymus wieder einen Bund feiner Bleistifte vom Vöhrenbacher Markt mitgebracht, wo er stets so wohlfeil einzukaufen pflegte. Kein Wunder also, wenn die Buben wünschten, er möge den ergrimmten Musketieren nicht in die Waffen fallen.

Diesmal kam der Lange wirklich auch ungerupft davon, denn es wurden nur solche Vögel gefangen und abgeführt, die von irgendeiner Behörde signalisiert oder in den Gaunerlisten eingetragen waren – und der Hans war ja, wie er selbst oft versicherte und wie es sich bei früheren Untersuchungen zur Genüge herausgestellt, der ehrlichste Mann im ganzen Schwäbischen Kreis.

Der Feldwaibel hatte bei seinem Besuch in der Mühle natürlich auch Einsicht von den Kunstleistungen unseres Hieronymus genommen. Er selbst verstand etwas von diesen Dingen, war er doch ein Hausfreund vom Faßmaler und Vergolder in Hüfingen. Zwar das Porträt des edlen Ritters, mit dem er ja im Frühjahr überrascht werden sollte, wurde ihm jetzt noch nicht gezeigt; dafür sah er aber andere Blätter, denen er alles Lob spenden konnte. Hieronymus solle nur so fortfahren, sagte er, und ihn dann im Frühjahr in Hüfn-gen besuchen, wo er allerlei Schönes und Merkwürdiges zu sehen bekommen werde. Erst kürzlich, erzählte er, habe die dortige Pfarrkirche zwei schöne neue Seitenaltäre bekommen, welche das Werk seines Freundes, des Faßmalers, seien. Die Altarblätter hiezu habe der Hofmaler in Donaueschingen gefertigt.

Jakobsfahne vom Hofmaler Weiss

Fahne der Jakobsbruderschaft vom Hofmaler Weiß
Vielen Dank an Markus Leichenauer für das Foto!

linker Seitenaltar in Verena und Gallus vom Hofmaler Weiß

Jakobus mit Wanderstab in der Hand, dem Volke predigend aus 1774.

Die links unten auf der Tafel gemalte Männergestalt soll ein Selbstbildnis des Hofmalers Franz Josef Weiß sein.

So war denn die Sache aufs beste eingeleitet; und noch nie in seinem Leben hatte der fleißige Schüler sich so auf den Frühling gefreut wie diesmal. Hätte die Sonne nur halb soviel Eifer und Ungeduld an den Tag gelegt wie er, der Schnee wäre längst geschmolzen gewesen und der holde Lenz schon um Lichtmeß oder Fastnacht ins Land gekommen. So aber schien die Gute – ihm recht zum Schabernack – nur deshalb jeden Tag früher aufzustehen, um durch Auftauen und wieder gefrieren lassen die dicke Schneedecke immer noch zäher und undurchdringlicher machen zu wollen. – Es war erster Mai – und noch hatte die Gegend ihr weißes Wollehemd an. Ja, am vierten oder fünften mußte sogar der Bahnschlitten wieder geführt werden. Hatte dieses Fuhrwerk dem Knaben sonst jedesmal viel Spaß gemacht, wenn er und seine Kameraden als Ballast obenauf unter Lachen und Jubel den sprühenden Schneestaub um Ohren und Augen sich sausen lassen – so sah er jetzt den Zug mit Verdruß am Haus vorbeikutschieren. Denn, „wenn der Schnee weg ist und man auch ’naus ins Freie kann!“ hatte der Vetter Feldwaibel ausdrücklich seiner freundlichen Einladung beigefügt.

Doch die Sache machte sich rascher, als man vermutete. Der Wind schlug plötzlich um und blies aus einer anderen, weicheren Tonart. Der neue Schnee fraß sozusagen den alten; die ganze Nacht über rutschten und rauschten die Lawinen groß und klein ins Tal herab. Und als Hieronymus des Morgens früh zum Fenster hinauslugte, sah er den Bach vom Eise befreit, ein paar Tage später – und auch das Feld war geräumt. – Bachweber, der die Schule geschlossen und sich anschickte, die langen Sommerferien wieder drüben beim Schwager zuzubringen, gab die tröstliche Versicherung, die schönen Tage würden dauernd und kein Rückfall, weder von Frost noch von Schnee, mehr zu befürchten sein: Das wollte er dem Fluge der Vögel, dem Benehmen der Spinnen und andern Naturerscheinungen entnommen haben.

Und so geschah es auch. – Gegen Mitte des Monats säte der Laubhauserbauer den Haber – und Vater Mathias trug die Stöcke aus der obern Kammer hinab ins Immenhäusle; und jetzt durfte auch der Sohn den längst vorbereiteten Ausflug antreten.

Es war des Knaben erste selbständige Reise, für ihn eine Fahrt ins Gelobte Land, von welchem ihm aus den Kinderjahren nur wenig in der Erinnerung geblieben war. Der Vater gab ihm das Geleite bis zum Zindelstein, um ihm noch einige Anstandsregeln einzuprägen.

Schon in Wolterdingen, wo er den Wald hinter sich hatte, glaubte der kleine Wandersmann in der Fremde zu sein; mit einem gewissen Trostgefühl jedoch bemerkte er dort einen Landsmann und alten Bekannten wieder neben sich: den Bregbach, welcher murmelnd und plätschernd ihm treues Geleite gab. – Das Wetter war zweifelhaft; der Himmel, mit einem milchweißen Flor überzogen, ließ kaum durch einen hellern Fleck den Stand der Sonne erraten; doch morgen war der heilige Pfingsttag! Und da konnte es unmöglich schlechtes Wetter geben. Und er täuschte sich nicht, denn kaum hatte er den Fußweg vom Dorfe abwärts eingeschlagen, so trat die Sonne siegreich strahlend aus dem dünnen Gewölk hervor; es schien, als würde ein Vorhang am Himmel weggezogen, recht eigentlich zur Verschönerung des kommenden Festtages. – Durch die grünenden Wiesen hin gaukelten ein paar gelbe Schmetterlinge, wahrscheinlich machten auch sie ihren ersten Ausflug wie der kleine Tourist. Dieser war jedoch nicht so leicht, ohne alles Gepäck, fortgezogen wie die Sommervögel. Über seiner Schulter hing ein ganz anständiger Zwerchsack, der keine geringe Last vermuten ließ. Und in der Tat hatte die Mutter ihrem Einzigen beim Abmarsch noch etwas mitgegeben, von dem sie überzeugt war, daß es der haushälterischen, genau rechnenden Base Annakäther ein beifälliges Lächeln abzugewinnen imstande sein werde.

In seinem vorderen Teil nämlich beherbergte der Sack nichts geringeres als einen großen, sorgfältig in eine hölzerne Schachtel verpackten Butterballen, während die hintere Abteilung, des Gleichgewichtes wegen, mit einem nicht minder schweren Hafen voll Honig belastet war – Dinge, welche man in der Baar nicht von solcher Güte haben konnte wie auf dem Wald. – Unterm Arm trug er dann noch die Rolle mit dem bewußten Bildnis, welches nachträglich noch schön koloriert worden war. – So ausgerüstet, schritt er mit seinem dicken Haselnußstock in der Rechten munter vorwärts.

Die Sonne meinte es wahrlich gut, obwohl sie bereits im Sinken war; und gerne hätte der kleine Sackträger auch einmal ausgeruht, dort, wo der Fußweg auf kurze Strecke sich im Holz verliert – wenn er nicht gefürchtet hätte, bei gar zu später Tageszeit in Hüfingen anzukommen. Aus diesem Grunde ließ er Bräunlingen rechts liegen, den näheren Weg am Abhang hin, der Mühle zu, einschlagend. Dort, am brausenden Wuhr, wo die badenden Gänse einen so merkwürdigen Lärm erhoben, als verwunderten sie sich über die Ankunft des Reisenden, dort erblickte er die ersten Häuser von Hüfingen, in welches er heute zum erstenmal allein, ohne die Eltern, eintreten sollte. Das Herz schlug ihm vor Freude und Beklemmung, als er näher und näher kam und die, wie er meinte, große Stadt mit ihren zackigen Hausgiebeln und rauchenden Schornsteinen vor sich liegen sah. Und als er durch das obere Tor in diese eingetreten und vom Kirchturm feierliches Geläute erklang, als Vorbedeutung des kommenden Festtages, so wurde er fast kleinmütig und verlegen: er fühlte sich fremd in den unbekannten Gassen.

Vor den Häusern standen plaudernde Männergruppen, den früheren Feierabend in behaglicher Ruhe genießend, und am Stadtbächlein und an den Brunnen waren fleißige Hände noch mit Waschen und Putzen beschäftigt. Aber die Kinder, welche bisher vor dem Rathaus um die hohe, mit eisernen Geländern versehene Freitreppe ihr lärmendes Wesen getrieben, hatten sich, nachdem die Betglocken ausgeklungen, gebührendermaßen schon von der Gasse entfernt. Das steinerne Muttergottesbild auf dem Stadtbrunnen, an welchem die Knechte und Buben ihre Rosse tränkten, sah schon bekränzt für den morgigen Tag herab auf den Platz.

Hieronymus erinnerte sich von seinen früheren Besuchen her nur noch dunkel der Gasse, in welcher seine Verwandten wohnten. Nach vielem Zögern fragte er endlich einen Vorübergehenden, wo der Vetter wohne, was man ihm natürlich erst sagen konnte, als er Name und Stand desselben beigesetzt.

Das Ehepaar saß eben beim Abendessen, als Hieronymus eintrat. Obwohl das Mahl für Gäste nicht eingerichtet, mußte der Ankömmling, nachdem er die vielen Grüße von daheim ausgerichtet und sein Gepäck im Stubenwinkel abgelegt hatte, dennoch ohne Umstände sogleich mithalten.

Im reinlichen Stüblein blickten ihn die Gerätschaften und Möbel wie alte Bekannte nach langer Trennung wieder an. An derselben Stelle wie vor Jahren hing noch das große holzgeschnitzte Kruzifix, gegenüber dem Bildnisse des Fürsten Frobenius in der gewaltigen Allongeperücke. Auf der geschweiften Kommode tickte immer noch die Stockuhr in ihrem hübsch eingelegten Holzkästchen; die Turteltauben unter dem Ofen und das Eichhörnchen in seinem Häuschen schienen stets noch dieselben zu sein wie damals; und die schön gemalten Tassen im Glaskästchen erinnerten ihn lebhaft an den Tag, an dem er zum erstenmal den köstlichen, fremdländischen Trank geschlürft.

Die Base zeigte sich ausnehmend zutunlich, namentlich seit dem Momente der feierlichen Enthüllung des gewichtigen „Krams“ im Zwerchsack; und auch der Vetter sprach sich sehr belobend aus über das wohlgetroffene Bild-nis, das er sogleich mit Stecknadeln an die Wand heftete.

Nach dem Essen kam noch ein zweiter Gast, der invalide Tambour Gsell, der Hausfreund und Diener des Feldwaibels. – Als der Alte das Porträt des Prinzen Eugenius sah, versicherte er, dasselbe sei ausnehmend gut getroffen, nur etwas jünger sehe er aus als damals, wo er ihn als Kommandierenden am Rhein gesehen und sogar einmal mit ihm gesprochen habe. Es sei nach einer Attacke gewesen, wo der Prinz vor allen seinen Generälen gesagt habe, wenn er ein ganzes Regiment solcher Kerle hätte wie der Tambour Gsell, so würde er’s getrost nicht bloß mit dem Türk oder Franzos, sondern mit allen Potentaten der Welt aufnehmen.

Nachdem Hieronymus sodann von allem, wie es zu Haus stehe, gehörig Bericht erstattet und alle sonstigen Fragen der Base gewissenhaft beantwortet hatte, wurde ihm das Schlafkämmerlein angewiesen. Das Ehepaar erfreute sich nur einer einzigen Tochter, die an den Schloßverwalter in Wildenstein im Donautal verheiratet war. Seit ihrem Wegzug stand die Kammer unbewohnt, in welcher Hieronymus nun ein wohlaufgerichtetes Gastbett fand.

Vergnügt über den glücklichen Verlauf der Reise, erfreut über die gute Aufnahme im Haus, versenkte er sich alsbald in die Federn, wo ein fester Schlaf nicht lange auf sich warten ließ.

Als er morgens nach erquicklichem Schlummer die Augen aufschlug, warf die Sonne bereits ihre Strahlen schräg durch das Fensterlein, welches der Feldwaibel mit Bewilligung des Stadtrats schräg in die Stadtmauer hatte brechen lassen. Nach kurzem Besinnen erhob er sich rasch, denn bereits hörte er die Base in der Küche nebenan rumoren, und auch der Vetter hustete schon in der Stube. Er streckte den Kopf zum Fenster hinaus – es war der schönste Morgen – ganz nach Bachwebers Prophezeiung. – In der alten Stadtmauer und auf den Vogelbeerbäumen am Stadtgraben hin schrien und jagten sich die Spatzen wie in tollem Jubel über den schönen Tag. Rechts am Wiesfeld hin floß die Breg – langsam, als wolle sie ausruhen von ihrem ungestümen Lauf über Stock und Stein. – Die glatte Fläche dampfte wie in Schweiß ge-raten. Weiter hinaus in der Hochebene, in den von Morgennebeln halb verhüllten Dörfern längs den blauen Linien des Heuberges, tönten Morgenglocken – es war ein Festtag – herrlich weit und breit. In den Gärten unten an der Mauer standen schon einige Hausväter betrachtend vor den Bienenstöcken oder vor den Beeten voll knospender Tulpen und Aurikeln, während auf der Straße von Donaueschingen her festlich gekleidete Leute, einzeln oder in Gruppen, der Stadt zu wandelten.

Die Base erschien jetzt unter der Kammertür, freundlich guten Morgen wünschend und zum Kaffee kommandierend; denn ein solcher wurde heute wiederum aufgetischt, einmal des Vierfestes wegen und dann zu Ehren ihres Gastes. – War Kaffee zu jener Zeit auch noch ein teures Getränk, so kam das Frühstück die Base doch nicht hoch zu stehen, weil sie aus der Küche der ihr geneigten Frau Oberamtsrätin regelmäßig den Satz vom jüngst genossenen Trank der Ratsfamilie erhielt, woraus sie dann eine zweite, mit vielen Zusätzen vermehrte, aber keineswegs verbesserte Auflage veranstaltete.

Während des Frühstücks verkündete die Base ihrem Gast, daß er mit ihr und ihrem Mann den Spätgottesdienst besuchen dürfe. Seine Toilette hiezu war schnell gemacht. Denn kurzes Haar ist bald gebürstet, sagt das Sprichwort; desto mehr Zeit brauchte indes die Base, um sich gehörig in Staat zu setzen. Sie zog, was nur bei ganz absonderlichen Gelegenheiten geschah, ihr seidenes, großgeblümtes Hochzeitskleid an, ein Geschenk der verstorbenen Fürstin, bei welcher sie lange Zeit in Diensten gestanden. Den Kopfputz bildete die zierliche Goldhaube mit dem mit Perlen und Flitter besetzten Boden; und als Vervollständigung kam hinzu noch das grünschillernde Mieder mit langer Taille, wie es die Tracht der Bürgerfrauen mit sich brachte.

Der Gottesdienst selbst hatte für Hieronymus etwas Überraschendes; das mit Pauken und Trompeten eingeleitete Hochamt, die vollen Orgeltöne und die Instrumentalmusik stachen so gewaltig ab gegen das einfache Ritual in seinem Heimatkirchlein, daß er wie in eine andere Welt sich versetzt glaubte.

Mit Staunen und Ehrfurcht betrachtete der Knabe – wie einst sein Vater die Bildnisse im Rittersaal zu Villingen – die lebensgroßen Apostel im Langhaus, die Altäre und die steinernen Ritter- und Frauengestalten auf den freiherrlich schellenbergischen Grabmälern an den Wänden umher, und in seinem Innersten regte sich der leise Wunsch, auch dereinst so etwas machen zu können. Bald ward dieser Wunsch zum Gebet, welches er zu Gott emporsendete, daß er ihm solche Fertigkeit gnädig verleihen möge.

Nach dem Gottesdienste sehen wir den Knaben mit seinem Vetter im Gärtchen am Hause lustwandeln, wo in den reinlichen, mit Buchs eingefaß-ten Beeten im herrlichsten Flor Tulpen und Hyazinthen blühten und die tiefglühende Pfingstrose bereits am Aufbrechen war. Bunte Schmetterlinge, summende Bienen wiegten sich von Blume zu Blume, denn es war hier an der Stadtmauer, die Haus und Garten nach außen hin abschloß, ganz sommerlich warm und windstill. – Alles war so friedlich, so ungestört wie die damalige Friedenszeit selbst, die sich in ihrer Harmlosigkeit überall in allen Zuständen des öffentlichen wie des Familienlebens klar abspiegelte.

Hieronymus betrachtete seinen Vetter, der sich mit ihm auf der Bank unter dem Holunderstrauch niedergelassen, mit heimlicher Verwunderung, denn der Feldwaibel glänzte heut in seiner Paradeuniform; und in der Tat sah der alte Kriegsmann in dem weißen, rot ausgeschlagenen Kolett mit blanken weißen Knöpfen, dem Dreispitz mit Silberborten und weißem Busch darauf, ganz stattlich aus. Sein stark markiertes Gesicht mit dem vorwärts-dressierten Backenbart, die steifgepuderten Haarlocken und der schwarz ein-gebändelte Zopf sowie der ganze abgemessene Anstand des Mannes mußten jedem in seiner Umgebung schuldigsten Respekt einflößen.

Eben wollte der Vetter seinem Gaste sagen, daß sie dann morgen ins hiesige Schloß und auch in den Hofgarten gehen wollten – als ein Rütteln und Schütteln an der Gartentür die Blicke beider dorthin lenkte. Alsbald gewahrten sie auch ein frisiertes, gepudertes Kinderköpfchen, das über die Tür hereinlugte und Einlaß verlangte; obgleich das Pförtchen nicht verschlossen war, konnte es die Kleine doch nicht öffnen, denn in der einen Hand trug sie einen Blumenstrauß, in der andern den Fächer, und dem Ellenbogen wollte der hölzerne Riegel nicht weichen.

Hier trifft Hieronymus das erste mal auf Helena, die Tochter des Herrn Oberamtsrates und er geht danach mit seinem Vetter, dem „Feldwaibel“ nach Donaueschingen auf einen Spaziergang.

Bevor der Feldwaibel hinzutreten konnte, war ihm seine Frau zuvorgekommen, weil auch sie die kommende Visite vom Fenster aus bemerkt hatte. – Das geputzte Dämchen war heute eigentlich nur gekommen, um sein neues Kleid und seine Frisur zu zeigen. Frau Annakäther führte es an der Hand auf ihren Mann und Hieronymus zu; und nachdem der Feldwaibel gebührendes Lob gespendet, wurden die Kleinen einander förmlich vor-gestellt. – Da standen sie einander gegenüber – hier das Stadt- und Beamtenkind in seinem seidenen bauschigen Kleidchen und den violetten Atlasschuhen – dort das bäuerliche Wälderkind im leinenen Kittel, mit kurzen Lederhosen und schwer genagelten Bundschuhen; zwischen ihnen Frau Annakäther in ihrer Bürgerstracht, gleichsam als vermittelnder Genius. Mit jeder Hand hielt sie eines der Kinder gefaßt und bemühte sich, dieselben einander näherzubringen, was ihr jedoch durchaus nicht gelingen wollte, weil Hieronymus, schüchtern und verlegen, immer zurückwich; und so vermochte die Base es mit keiner Lieb dahin zu bringen, daß die Kleinen sich die Hände reichten. – Später allerdings ging die Sache besser.

Der Abstand zwischen dem höheren und niederen Herkommen ward in jugendlicher Zutraulichkeit bald vergessen, und nach einer Weile wandelten die beiden Hand in Hand zwischen den Beeten umher. Helene machte ihren neuen Freund auf jede Blume und Blüte aufmerksam, an deren Pflege und Wachstum sie als Mithelferin der Hausfrau kindlichen Anteil genommen; denn manche Stunde verbrachte sie hier im Garten und Haus. Zuletzt führte sie ihn zu einem Beetchen an der Mauer, welches ihr gehörte und worin der Anfangsbuchstabe ihres Namens eingesät und bereits als zartes Grün auf dem dunkeln Grunde sich zeigte. – Und als Hieronymus die Entdeckung machte, dieses H sei ja auch der Anfangsbuchstabe seines Namens, ward dies mit Jubel dem lächelnden Feldwaibel verkündet, der bisher behaglich auf dem sonnigen Bänkchen sitzengeblieben. Nur ungern trennten sich die beiden Kinder, als das Mädchen zuletzt von der Magd zum Mittagessen abgerufen wurde.

Helenchen war die Tochter des Herrn Oberamtsrats, der in der Nähe ein herrschaftliches Haus bewohnte. Herr Rat und Frau Rätin waren dem Feld-waibelschen Ehepaar in Gnaden sehr gewogen, und die Frau Amtsrätin kam oft herüber, um in allerlei häuslichen Angelegenheiten die Hilfe der dienstfertigen Frau Annakäther in Anspruch zu nehmen. Und auch dem Feld-waibel war es nicht selten vergönnt, tätig dort mit Hand anlegen zu dürfen – versteht sich, ohne Sold.

Nachmittags pflegte sich, in regelmäßigem Gang wie eine Wälderuhr, der Tambour Gsell einzustellen. War es gestern, am Vorabend, sein Geschäft gewesen, das Kolett seines Feldwaibels mit Weißerde anzustreichen, auszuklopfen und auszubürsten, Knöpfe und Schnallen blank zu machen, so kam er jetzt, um den Vögeln in den Käfigen Mehlwürmer, Ameiseneier und andere Leckerbissen zuzustecken. Nebenbei unterließ er natürlich nie, pflichtgemäß Rapport zu erstatten über wichtige Stadtneuigkeiten. – Solche gab es heute glücklicherweise keine, wenigstens keine, die aufregender Natur gewesen wären. Und so konnte der Feldwaibel ungestört seine Zeit dem Gaste widmen.

Nach der Vesper machten sie zusammen einen Spaziergang, hinab durch die Wiesen, über Almendshofen nach Donaueschingen. Es war ein Tag, den man unmöglich in Haus und Stube zubringen konnte – voll Lerchenwirbel und Himmelsruh. – Es lag in der Absicht des Feldwaibels, dem wißbegierigen Knaben die Hauptmerkwürdigkeit der Gegend, die Donauquelle, zu zeigen.

Bei dem kleinen Wäldner war die Neugierde um so größer, als ihm der Lehrer Bachweber schon so mancherlei vom Donaustrom, vom Ursprung bis zum Ausfluß, erzählt hatte: wie das Gewässer oberhalb Ulm schon zweihundert Schritt breit und schiffbar werde – und wie er, als Schneidergeselle auf seiner Wanderschaft von Ulm abwärts, auf dem Wiener Ordinarischiff nach Wien gefahren und sicherlich weiter bis nach Ungarn und ans Schwarze Meer gekommen wäre, wenn’s der Zufall oder das Glück nicht gewollt, daß er, bald nach seiner Ankunft in der Kaiserstadt, ein Engagement als Kompanieschneider gefunden hätte.

Hieronymus hatte sich den Ursprung immer ziemlich stark vorgestellt, wenigstens so viel Wasser, meinte er, werde der Brunnen haben wie die Breg bei Hammereisenbach.

Nun sah er aber, im Schloßhof angekommen, eine Quelle, etwa halb so groß wie der Forellenweiher beim Laubhauserhof. – Während er in das Quirlen und Blasenaufwerfen des kristallklaren Wasserbeckens hinabschaute, erzählte ihm der Vetter, wie es früher Sitte gewesen, daß jeder Fremde, der zum erstenmal die Quelle in Augenschein genommen, zum Andenken einen Sprung in dieselbe habe tun müssen. „Ist es ein Vornehmer, ein Fürst oder Edelmann gewesen“, berichtete er, „so ist ihm vorher der Willkomm im großen silbernen Becher dargereicht worden, wozu die Böller geknallt und die Musik gespielt haben. – So soll es auch dazumal gewesen sein – wie mir ein Piarist am hiesigen Pädagogium erzählt hat -, als Kaiser Max, von Villingen her, den Donauursprung besichtigt hat. Da seien allhier Zelt‘ aufgeschlagen und allerlei Spiel‘ und Kurzweil getrieben worden.“ „Der Lehrer hat uns oft g’sagt“, nahm Hieronymus das Wort, „der rechte Ursprung sei eigentlich unsre Breg, weil sie am weitesten herkommt.“

„Ich weiß“, versetzte der Feldwaibel, „die Gelehrten und Professoren, die ja sonst alles am besten wissen wollen, sind in diesem Punkt selber nicht im klaren. Erst kürzlich hat der Abt von St. Blasi eine Landkart im Druck ausgehen lassen, die unser Hauptmann letzthin auf die Wachtstube gebracht hat, auf welcher weder der hiesige Quell noch die Bregach – sondern die Brig hinter St. Georgen als der alleinige Ursprung der Donau verzeichnet ist.

Ja, wem soll man jetzt glauben?“ fragte Hieronymus, der keinenfalls der Brig den Vorzug vor seinem heimatlichen Bach einräumen mochte.

„Wem man glauben soll? – Den Alten!“ entschied der Feldwaibel. „Seit Menschengedenken heißt die Quell hier und die drüben bei Allmendshofen – Donau. Und bis die Gelehrten einmal einig sind, wird es am besten sein, den Ursprung hier in der Baar anzunehmen, wo das wässerige Kleeblatt gleichsam zu einem Stiel zusammenwachst.“

Selbstverständlich wird die Donauquelle besichtigt und der jahrhundertalte Streit um die „richtige“ Quelle wird diskutiert. Die Argumente waren vor 200 Jahren genau die gleichen wie heute und der Feldwaibel entscheidet, dass die Donau ihren Ursprung hier in der Baar habe, wo das „wässrige Kleeblatt gleichsam zu einem Stiel zusammenwachst“.

Das schien auch dem Kleinen das vernünftigste zu sein; und der Vetter sagte ihm dann, sie wollten jetzt noch einen Gang durch den fürstlichen Hofgarten machen. Der Hofgärtner besorgte früher den Dienst im Schloßgarten zu Hüfingen, wo ihn der Feldwaibel oft besucht und manche Tulpenzwiebel oder sonstige Sämerei von ihm erhalten hatte. Sie trafen den Mann im Garten, vor dem Treibhaus; und während er ihnen bereitwillig die Pflanzen und Blumen zeigte, erzählte er seinem Freunde, daß die fürstliche Regierung nächstens einen Befehl ergehen lassen werde zur Bepflanzung der Landstraßen mit Obstbäumen. „Es ist wahrhaftig kein Überfluß“, meinte er, „wenn die Baar mit Bäumen geziert wird. Denn, sagt selbst, Feldwaibel, ist es nicht ein trostloser Anblick, wenn man zum Beispiel aus dem schönen Kinzigtal heraufkommt und unsere baumlose Hochebene überschaut?“

„Wie man’s nimmt“, entgegnete der Feldwaibel. „Als Gärtner habt Ihr vollkommen recht. – Fragt aber einmal einen Bauern, der wird Euch sagen, daß es in der Welt nichts Schöneres gebe als so ein glatter Fruchtösch, Feld an Feld wie ein Schachbrett – insonderheit wenn die Ernt reif ist und das Aug über die gelben, im Sonnenschein wie ein Meer schwankenden Kornfelder hinschauen kann.“
„Ganz richtig“, versetzte der Hofgärtner. „Hätt ich aber zu befehlen, so müßte mir jeder Bauer wenigstens ein halbes Dutzend Obstbäume in jeden Acker pflanzen.“
„Würde nicht lang guttun“, meinte der Feldwaibel, „der Bauersmann ist kein Freund vom Schatten; und das hiesige Klima ist dem veredelten Obstbaum nicht günstig. Besser als das wäre meines Erachtens, wenn man das Wildobst im Wald und Feld mehr schonen würd. Erinnere mich noch recht wohl, wie wir daheim den ganzen Winter über gedörrte Holzäpfelschnitz oder teige Holzbirnen im Vorrat gehabt haben. Und eine ordentliche Kunkelstube hätt Euch den Abend nicht rumzubringen gewußt, wenn die Spinnerinnen keine Schnitz oder gedörrte Schlehen zum ‚Annetzen‘ gehabt hätten. – Und jetzt noch darf in keinem rechten Bauernhaus das Fäßle hinterm Ofen fehlen, in dem die Bäurin ihren Essig aus Wildobst aufbewahrt.“

„In dem Punkt mögt Ihr recht haben, Feldwaibel“, räumte der Hofgärtner ein. „Andernteils aber müßt Ihr wieder zugeben, daß so manches unbenützte Plätzlein um Haus und Dorf vorhanden ist, wo ein Baum, gleichviel, ob Obstbaum oder sonst einer, recht gut stehen und niemand im Weg sein würde.“

„Einverstanden, Herr Hofgärtner, bin ganz Eurer Meinung“, sagte der Feldwaibel, „und bedaure nur, daß der alte Brauch mit Pflanzen von Linden so ganz abzukommen droht. Denn abgesehen von den Gemeindelinden ist keine Kirch, kein Kirchhof, keine Kapell oder Schützenhaus gewesen, wo früher nicht Linden hingepflanzt worden sind. – So ein Lindenbaum aber ist für den Landmann eine kleine Apothek, wo er den Lindenblütentee umsonst haben kann, für die Immen im Frühling aber eine wahre Honigweid. – Und daß auch der Holzbildhauer am liebsten zum Lindenholz greift, wenn er etwas Schönes machen will, ist bekannt.“

Dieses bis heute leidige Thema läßt sich auch an der Geschichte der Freunde der Natur sehen. Der Vater von Lucian Reich, Luzian Reich senior, hatte zusammen mit dem Musiker Johann Nepomuk Schelble und anderen in der Hüfinger Anlage einige Bäume gepflanzt. Der Hauptteil selber aber wurde 1821 von wütenden Bauern zerstört. Baaremer Bauern scheinen traditionell etwas gegen Bäume zu haben, auch wenn diese nicht auf ihrem Land stehen.

Hieronymus schenkte begreiflicherweis diesem landwirtschaftlichen Gespräch, das die beiden noch eine Weile fortsetzten, wenig Aufmerksamkeit.

Interessanter als Holzäpfel und Lindenblüten erschienen ihm die prächtigen Pomeranzen- und Zitronenbäume, die er hier mit ihren Früchten zum erstenmal in natura zu sehen bekam. – Nachdem der Feldwaibel dann noch etwelche neuangekommene Blumensorten umständlich bewundert hatte, trat er mit seinem Vetter den Rückweg an.

Viel Neues und Schönes brachte auch der zweite Pfingstfeiertag, an welchem der Feldwaibel seinen Gast sogleich nach dem Essen hinauf ins fürstliche Schloß führte, das jedem Fremden gerne gezeigt wurde. – Dasselbe, ursprünglich zum Witwensitze bestimmt und jetzt nur von einem Verwalter bewohnt, war erst neuerdings mit allerlei Merkwürdigkeiten neu ausstaffiert und möbliert worden.

Der Feldwaibel besichtigt hier mit Hieronymus das Schloss in Hüfingen, welches zu der Zeit nur von einem Verwalter bewohnt war.

Das war denn für Hieronymus wieder eine ganz neue Welt. Schon das hohe geräumige Stiegenhaus, durch welches der Verwalter die beiden führte, erregte Bewunderung. Es hingen da große, in Öl gemalte Ahnenbilder des fürstenbergischen Hauses, die in ihren kriegerischen Rüstungen und prächtigen Ordensgewändern einen tiefen Eindruck auf den Knaben machten. Es waren die ersten lebensgroßen Bildnisse, die er in seinem Leben gesehen.

Nicht minder schön und wunderbar dünkte ihn das, was er in der langen Zimmerreihe zu betrachten bekam. Er glaubte in einem Heiligtum zu wandeln. Die kostbaren farbigen Tapeten, die Vorhänge von schwerem Damast mit großen Quasten, die mit Seidenzeug überzogenen Sessel, Lehnstühle und Sofas, die zierlich eingelegten Kästchen und Pfeilertischlein, von welchen eines ein ganzes Kartenspiel, benebst dem Titelblatte eines Kalenders in kunstvoller Einlage zeigte, die allmächtig großen Spiegel, in denen der Kleine seine ganze Figur vom Kopf bis zum Fuß betrachten konnte – alles war ihm neu und entlockte ihm Ausdrücke des höchsten Erstaunens. In einem größeren Zimmer erschaute man Merkwürdigkeiten der seltensten Art. Gleich beim Eintritt fielen die Augen auf eine freistehende, längliche Kommode, auf welcher ein Truthahn, ein Pudel und ein Pfau saßen, überaus täuschend aus verschiedenfarbigen Schneckchen und Muscheln zusammengesetzt. Aus gleichem Material gebildet waren die an den Wänden angebrachten Affen, Waldteufel, Tiger und Meerkatzen, alle so natürlich, daß man fast darob erschrak. Dazwischen wieder ganze Landschaften, Städte, Schlösser und Seehäfen mit Schiffen, aus Rinde, Baumzweigen, Moos und Korallen gemacht.

Der Verwalter sagte dem entzückten Kleinen, daß alle diese Herrlichkeiten eigenhändige Arbeiten des fürstlichen Archivars in Donaueschingen seien. Ein anderes Gemach, das dem jugendlichen Beschauer groß wie ein Saal vorkam, war mit hübschen, mythologischen Figuren geziert, Grau in Grau auf die Wand gemalt; und in einem folgenden, äußerst behaglichen Kabinettchen mit der Aussicht auf die Brücke und die Lorettokapelle sah er zum erstenmal in seinem Leben ein Welschkamin. Kohlen und Feuerzange lagen noch da, als wär die wärmende Glut erst gestern ausgegangen. – Dann kamen Zimmer mit schönen Gemälden: Herodias, das Haupt des Johannes tragend, Diana auf der Jagd, Lot und seine Töchter, Wildbrethändler, Landschaften, Bataillenstücke, duftige Pastellbilder, Windhunde und seltenes Wild. – Auch war zu finden eine Anzahl Vögel, halb erhaben mit natürlichem Gefieder, auf Tableaux aufgelegt, jeder in seinem Element, im Wasser, auf dem Baum oder im Gras. Und die nebenbei in Kästen zur Schau gestellten Mineralien und Stufen aus den Bergwerken im Kinzigtal sowie verschiedene Kuriositäten bildeten eine von allen Kennern jener Zeit hochgeschätzte Sehenswürdigkeit.

Am meisten bewunderte Hieronymus den großen Elefantenzahn, den er mit Mühe kaum vom Boden zu lüpfen vermochte, nicht minder das Straußenei, die Kokosnüsse, die glänzenden Meermuscheln und den großen Magnet, der ein ganzes Hufeisen trug. Und blickte er an die Decke hinauf, so mußte er staunen über die Tempel, Girlanden und Figuren, welche halb erhaben, in Stucko, die Plafonds schmückten.

Der gute Junge hatte nur einen Wunsch, daß auch Vater und Mutter anwesend sein möchten, um teilzunehmen am Beschauen all dieser Herrlichkeit.

Nachdem das Merkwürdigste oben beschaut, stiegen sie in den Schloßgarten hinab, um sich in der schattigen Lindenallee und zwischen den geschorenen Hecken und Laubwänden vergnüglich zu ergehen. Und als zum Schluß der Vetter beim Verwalter, der zugleich auch wirtete, ein Glas frisches Braunbier mit Käs und Brot bestellt hatte, ließ sich Hieronymus, der sich ganz müde und hungrig gesehen, diese leiblichen Genüsse mit ebenso großer Inbrunst schmecken wie vorher die geistigen.

Im Verlauf des Nachmittags ward unserm Wälderkind auch noch Gelegenheit geboten, den sogenannten Pfingstritt der Knechte und Roßbuben mit anzusehen, von welchem der Vater oft schon erzählt hatte. – Mit bebänderten Tannenbäumchen in den Händen, zog die verschieden kostümierte Kavalkade durch das obere Tor in die Stadt ein, wo nach den üblichen Sprüchen und Schwänken der vollständig in Rinde gehüllte „Pfingsthagen“ unter dem Jubel der Schuljugend in den Brunnen geworfen wurde. Nach dieser feierlichen Handlung wurde vor den Häusern gesammelt, zum Schmaus, welcher im Wirtshaus zum Leuen abgehalten werden sollte. Auch dabei, bei diesem Umritt, war es Aufgabe der Gassenjugend, den armen durchnäßten Pfingsthagen tüchtig zu necken, der, hinter den andern herreitend, die Hände zu den Fenstern emporhob mit dem beweglichen Ruf: „I ha au no nünd!“ Nach all diesen Erlebnissen sehnte sich Hieronymus wieder recht sehr nach Hause, um den Eltern und Kameraden von dem Gesehenen und Gehörten ausführlich Bericht erstatten zu können.

Am Ende des Kapitels wird der Pfingstritt der Knechte und Roßbuben beschrieben, an dessen Ende der Pfingsthagen in den Brunnen geworfen wurde.

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Mehr zum Hieronymus gibt es hier:

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Diskriminierung, Repression und Überwachung

Spätestens seit die Verwaltung zugegeben hatte die Webcam Aufzeichnungen vom Rathausplatz zu speichern, wissen wir, dass gewisse Kreise Interesse daran haben, die Bürgerinnen und Bürger zu überwachen.

Nun ist es so, dass die Hüfinger Vereine von der Stadt eine Vereinsförderung erhalten: Richtlinie zur Vereinsförderung. Den Sockelbetrag von 200 Euro bekommen eigentlich alle Hüfinger Vereine, unabhängig der Mitgliederzahl. Allerdings sollten hier 2/3 der Mitglieder in Hüfingen den Wohnsitz haben. Macht ja Sinn, da es unser Geld ist, das die Verwaltung hier ausgiebt.

Diesen Passus nutzt die Verwaltung eine Mitgliederliste, mit Anschrift und Geburtsdatum, von den Vorsitzenden einzufordern mit der Behauptung, sie würden verantwortlich mit den Daten umgehen. Man sagt also den Vorsitzenden der Vereine, dass man sie per se für Lügner hält und selber die Mitglieder überprüfen müsse.
Aber wie läuft das dann mit den der Verwaltung lästigen Vereinen? Werden da dann die Mitglieder einzeln angefragt, ob sie auch tatsächlich im Verein Mitglied sind?

Bedenken wegen der DSGVO werden beiseite gewischt, da diese für die Gemeinde nicht relevant sei, da sie ein berechtigtes Interesse an den Daten hätte und der Verein ja auch einen Vereinszuschuss wolle.

In Endeffekt verkaufen also die Vorsitzenden die Mitgliederliste für 200 Euro.
Ich kann nur allen Vereinen dringend raten, die Mitglieder zumindest schriftlich darauf aufmerksam zu machen, eigentlich müsste auch ein Passus dabei sein, damit die Mitglieder diesem Vorgehen widersprechen können.

Freunde der Natur Hüfingen

Der Verein wird eigentlich schon seit seiner Gründung vor über 200 Jahren von bestimmten Kreisen in Hüfingen bekämpft und von den Nachkommen der damaligen Banausen wird dieses Amt weiter getragen. Unterlagen sind verschwunden und selbst die Chronik der Stadt im Jahre 1984 wurde noch manipuliert. Fast hätten diese gewonnen und der Verein wäre in Vergessenheit geraten, wären nicht einige Unterlagen im Landesarchiv vor dem Zugriff in Sicherheit gebracht worden, und wäre der Verein nicht im Jahr 2021 wieder gegründet worden.

Die Wiedergründung erfolgte, da die Banausen, die laut Lucian Reich am liebsten den Himmel weiß anmalen würden, seit 2016 einen Bürgermeister haben, der alles dran setzt, die Hüfinger Natur und auch die Zivilgesellschaft zu bekämpfen.

Es ist selbstverständlich, dass die Mitglieder der Freunde der Natur vor dem Zugriff der Stadtverwaltung sicher sind!

Diskrimminierung

Aus diesem Zusammenspiel der Überwachung und auch Repressionen ergibt sich, dass Vereine die ihre Mitglieder nicht der Verwaltung offenlegen wollten, gleich gar keine Vereinsförderung beantragen.

Somit sind die von der Stadt geförderten Vereinen, nur die Vereine, die sich möglichst leise und bürgermeistergefällig verhalten.

Wäre es nicht sinnvoller man würde diese diskriminierende Vereinsförderung abschaffen?

Es sind lediglich ein paar „Bonbons“ die der Bm an die bevorzugten Vereine verteilt.

Jugendarbeit lässt sich durchaus anders finanzieren. Zum Beispiel über ein Jugendhaus und auch ein intaktes Schwimbad, geheizte Sporthallen und gut ausgestattete Musikvereine.

Allegorische Darstellung der Fakultät für Medizin von Rudolf Gleichauf 1884.

Unaufrichtig (mauvaise foi) zu leben, bedeutet für Sartre, dass der Mensch durch Konformitätsdruck falsche Wertvorstellungen übernimmt und seine absolute Freiheit aufgibt, das Faktische in die Zukunft projiziert und damit die Verantwortung leugnet, über das was ist, hinauszugehen.

Behlaer Weiher Vortrag

Vielen Dank an die fast 40 Besucher gestern im  Hotel Landgasthof Kranz in Behla und auch für die tolle Diskussion und die vielen Gäste auf Zoom! Den Menschen in Behla ist der Zustand ihrer Natur nicht egal und wir werden weiter kämpfen.

Vielen Dank auch noch für die vielen Anregungen. Wir werden sie ganz sicher aufgreifen.

Ich möchte hier für alle die gestern nicht dabei sein konnten nochmal die wesentlichen Teile des Vortrages zur Verfügung stellen.

Willkommen bei den Freunden der Natur Hüfingen

Wir haben letztes Jahr den Verein nach 200 Jahren wieder gegründet, einfach, weil es gerade in Hüfingen bitter nötig ist.

Die letzten Jahre gab es hier einen gewaltigen Rollback und zwar nicht ins Mittelalter, sondern in die schwärzesten Zeiten des 20 Jahrhunderts.
Wir wollen das stoppen, nicht nur für unsere Natur, sondern auch für die Menschen;
für unsere Demokratie und freiheitlich Demokratische Grundordnung!

Vortrag vom 29. April 2022 im Hotel Landgasthof Kranz in Behla

Weitere Infos gibt es hier auf dem Hieronymus unter Behla und hier:

Hybrid-Vortrag „Rettet die Bienen“ – müssen wir unsere Insekten wirklich retten?

Christine Albert

Anfang der vergangenen Woche teilte der NABU-Landesvorsitzende Baden-Württemberg Johannes Enssle mit, dass er seinen für den 18. März geplanten Vortrag coronabedingt leider nicht in Präsenz in Hüfingen halten könne, da er sich in Quarantäne befinde.

Hannah Miriam Jaag hatte dann die Idee, den Vortrag trotzdem stattfinden zu lassen und Johannes‘ Vortrag über Zoom zu streamen. Wer ungeachtet ins Binz Weinhaus Baum kommen wolle, könne dies allerdings gerne tun. Gleichzeitig bestand für auswärts Kommende auch die Möglichkeit, per Zoom den Vortrag mitzuverfolgen und sich an der anschließenden Diskussion zu beteiligen.

Die Freude war groß, als sich in der Lokalität über zwanzig Personen einfanden und sich per Zoom nochmals so viele beteiligten. Die Vorsitzende des Vereins „Freunde der Natur Hüfingen“ begrüßte um 19:00 Uhr zum ersten Vortrag des wieder gegründeten Vereins. Auch der Geschäftsführer des Weinhauses, Michael Binz, hieß alle Anwesenden willkommen und kredenzte zum Auftakt einen alkoholfreien Sekt. In der anschließenden Aussprache, moderiert von Thomas Kring, wurden viele Fragen und Meinungen, nicht nur zum Thema Insektensterben, vorgetragen. Leider kam die örtliche Presse (trotz Einladung) nicht zu diesem aufschlussreichen Vortrag. Offensichtlich spielen Umweltthemen keine große Rolle bei den dortigen Journalist*innen.

Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender

Erkenntnisse aus dem Vortrag:

In den letzten Jahrzehnten ging der Bestand der Insekten dramatisch zurück – dabei ist die artenreichste Tierklasse für das Gleichgewicht der Ökosysteme sowie für Natur und Mensch unentbehrlich.

Für Vögel, Säugetiere, Amphibien oder Reptilien bilden Insekten als Nahrungsquelle eine wichtige Grundlage. Zudem sorgen sie für die Bestäubung und den Fortbestand von weltweit etwa 90 Prozent aller Pflanzenarten. In der Forst- und Landwirtschaft dämmen sie als Regulatoren die Ausbreitung schädlicher Insekten wie Blattläuse oder Milben ein.

Alarmierend ist der massive Rückgang der Insekten: In Schutzgebieten Nordwestdeutschlands ist die Biomasse an Fluginsekten in den vergangenen 27 Jahren um über 75 Prozent zurückgegangen. Diese Daten lassen sich auf das gesamte Offenland übertragen. Mindestens bestandsgefährdet oder sogar bereits ausgestorben sind fast die Hälfte der Insektenarten, die in der Roten Liste erwähnt werden. Bei den Wildbienen sind bereits jetzt über die Hälfte der Arten in ihrem Bestand gefährdet.

Zu den wichtigsten Ursachen des Rückgangs zählen die intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, die monotone Kulturlandschaft, Flächenfraß sowie der Klimawandel.

Setzt sich der momentane Abwärtstrend fort, wird sich nicht nur der Artenverlust in Flora und Fauna weiter verstärken. Auch die Sicherung menschlicher Ernährung ist grundlegend gefährdet.

Jeder Einzelne kann durch sein tägliches Konsumverhalten Einfluss auf seine Umgebung nehmen: auf eine billige und fleischlastige Ernährung verzichten, am besten regional, saisonal und bio einkaufen. Garten und Balkon vielfältig gestalten, auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Städte und Kommunen können mit gebietsheimischen Pflanzenarten auf öffentlichen Grünflächen und einem insektenfreundlichen Pflegeregime ihren Beitrag leisten.

Quelle: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insektensterben/23580.htm

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