Tod der Singschwäne

Was die wenigsten wissen, bei Hüfingen gab es mal große Bestände an Zugvögeln, darunter sogar eine Kolonie Singschwäne die jeden Herbst und Winter bei uns auf der Riedbaar anzutreffen war.

Tod der Singschwäne

Auszüge aus dem Buch von Eva Zeller 1983

Da nach Artikel 17 des Grundgesetzes in der Bundesrepubik Deutschland jedermann das Recht hat, sich einzeln oder gemeinschaftlich mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an Regierung, Verwaltung oder Volksvertretung zu wenden, wandte sich ein namhafter Zoologe (Prof. Dr. Günther Reichelt), nunmehr in der Eigenschaft eines Petenten, im Namen einer von ihm ins Leben gerufenen Aktionsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz schriftlich mit bald aktenordnerfüllenden Petitionen und, als auch das nichts fruchtete, demonstrativ mit einer Unterschriftensammlung von sage und schreibe fünftausend Namen samt Adressen an das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt seines Bundeslandes mit der schon nicht mehr dringlich, vielmehr inständig, ja beschwörend zu nennenden Bitte, eine, wie es wörtlich hieß, planfestgestellte Trasse einer zu bauenden Straße um des Himmels willen nicht durch ein Ried zu leiten – welches auf beigefügtem Lageplan deutlich schwarz gestrichelt eingetragen war und das nicht nur neuerdings nach §16 des Landschaftsschutzgesetzes besonderem Schutz unterstehe, sondern auch nach Umfang und Artenbestand als national bedeutsames Feuchtgebiet einzustufen sei, weil nämlich hier, und zwar im direkten Bereich der geplanten Trasse, die Brutgebiete hochseltener Vögel wie des Großen Brachvogels, der Saatgans, des Zwergtauchers, der Löffel-, Reiher-und Pfeifente, vor allem aber die Traditionsplätze zur Überwinterung der weltweit vom Aussterben bedrohten und auf der Roten Liste als gefährdet geführten Singschwäne lägen, deren Erlöschen mit dem Bau der Straße als besiegelt angesehen werden könne, denn Ersatzgelände in unmittelbarer Nähe stehe nicht zur Verfügung, und selbst wenn es zur Verfügung stünde, was die Singschwäne betreffe, die seien nachweislich seit Jahrhunderten auf die rätselhafteste Weise auf diesen Platz fixiert, mit vorzüglicher Hochachtung . .

Reiherenten auf der Brigach.

beigefügt wurden der durch die genannte Unterschriftensammlung bekräftigten Petition nicht nur ein Gutachten des Max-Planck-Institutes für Verhaltensphysiologie sowie diverse Bescheide international anerkannter Ornithologen, sondern auch stattlich vergrößerte Farbfotos, auf welchen man im Hintergrund den Zwiebelkirchturm des Dorfes erkennt, in dessen Nähe das Feuchtgebiet liegt, und im Vordergrund die Schwäne sitzen sieht, sieben Schwäne im eisblauen Schnee mit ihren äugenden, gemalten Augen und gelbschwarzen Schnäbeln; andere Aufnahmen zeigen sie fliegend vor einer Wintersonne mit zwei Nebensonnen, das Flugbild jedes einzelnen Schwanes mythisch noch immer, unerwartet mythisch schon wieder, weil es, wenn es im Augenblick des Flügelabschlags festgehalten wurde, an einen Starfighter oder an einen noch waghalsiger hinzielenden ferngesteuerten Flugkörper erinnert;

Singschwäne auf dem Bodensee.

der Petition wurde ferner beigelegt ein von Verkehrsexperten minuziös ausgearbeiteter Umplanungsplan, will sagen ein Alternativvorschlag, welcher die Wunschtrasse der Singschwäneliebhaber in einer neuen, das auch auf diesem Plan schwarz schraffierte Ried umgehenden Linienführung. zeigt, und zwar so, daß weder verkehrstechnische Verschlechterungen noch Mehrkosten sich ergäben;

belehrt durch den Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, welcher die neugeplante Straße zwar für rechtlich unanfechtbar erklärte, andererseits aber den Verfechtern des in der Tat bedenkenswerten und wohlbegründeten Alternativvorschlags zu bedenken gab, daß ihre neue Straße sich viel zu weit der bebauten Ortsgrenze des Dorfes X näherte, so daß die Zumutbarkeitsgrenze der Lärmbelästigung bei weitem überschritten werden würde; kurz, ein Vergleich der festgestellten mit der Wunschtrasse ergebe aus der Sicht des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr aller Voraussicht nach erhebliche Konflikte mit Grundstückseignern; eine so umfassende nachträgliche Änderung der Planung würde zu hartnäckigstem Widerstand von Neubetroffenen führen, weswegen das Ministerium beantrage, daß der Petition nicht abgeholfen werden könne, zur gefälligen Kenntnisnahme aller Mitglieder des Petitionsausschusses Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz…

woraufhin die unbelehrbaren Petenten, penetrant wie sie waren, sich auf juristische Spitzfindigkeiten verlegten, etwa in Frage stellten, ob eine Ortsgrenze, die ein Zementwerk aufweise und ein Gelände, auf dem zu Schrottpaketen geschnittene Autos gestapelt seien, als bewohnt angesehen werden könne; ob die Gleichstellung des Planfeststellungsverfahrens Bundesstraße mit derjenigen einer Landstraße gesetzlich vertretbar sei und ob das zuständige Fachministerium für Straßenbau und das für den Natur- und Landschaftsschutz sich nicht erneut ins Benehmen setzen müßten, um alle Gesichtspunkte der Aktionsgemeinschaft prüfen zu können,

womit sich ein gutes Jahr gewinnen ließ, in dessen Herbst die Schwäne kamen, wie sie immer gekommen sind, und das, obgleich sie hier nichts zu suchen haben, denn eigentlich hätten sie, wie ihre Artgenossen es seit Schwanengedenken gehalten haben, weiter bis an den wirtlichen Bodensee fliegen sollen; es muß da aber einmal ein Schwanenpaar mit den jungen Schwänen durch einen Sturm oder ein Gewitter zur Notlandung gezwungen worden sein, und das just zu der Zeit, in der allein den Jungtieren starr und unauslöschlich eingeprägt wird, wo ihres Bleibens ist, wenn in den nordischen Brutgebieten die Seen zufrieren;

dank einer Mühle friert ein Stück der Donau nie zu; oberhalb des Wehrs staut, verbreitert und beruhigt sich der Fluß, hier dürften die Schwäne einen russischen oder finnischen See wiedererkannt haben; unterhalb des Wehrs ist das Wasser gut durchwirbelt, so daß es auch in den kältesten Wintern nicht zur Eisbildung kommen kann; so, sagen die Experten, könnte das erste Überwintern der ersten, aus der Luft geworfenen Schwäne sehr wohl geglückt sein, nachts auf dem Wasser, tagsüber im Schnee; die Erfahrung, hier überleben zu können, ließ die erwachsengewordene Schwänegeneration im nächsten Jahr auch nicht mehr weiter südlich fliegen, und in unbeirrbarer Übereinkunft auch die übernächste nicht; nichts in der Welt konnte und kann den Vögeln mehr weismachen, es gebe etliche Flugkilometer weiter ein viel wärmeres Winterquartier;

es konnte dann noch ein Jahr hingebracht werden mit Entkräftungen des Einwandes seitens des Ministeriums für den Natur- und Landschaftsschutz, die planfestgestellte Trasse habe die Belange des Naturschutzes hinlänglich berücksichtigt, mittlerweile werde sogar ernsthaft angezweifelt, ob das behauptete Feuchtgebiet überhaupt noch bestehe, die seltenen Tierarten nicht längst ausgestorben seien infolge welcher widrigen Umstände auch immer; die Farbfotos mit dem Kirchturm am Horizont könnten genausogut Montagen sein und besagten überhaupt nichts; aus diesem Grunde und weil es sich bei den Petenten um seriöse, bekannte und zum Teil durchaus sehr angesehene Einzelpersonen und Vereinigungen handele, werde man dem Petitionsausschuß als auch allen mit der Sache befaßten Regierungsvertretern einen Termin für einen Lokalaugenschein vorschlagen…

dazu mußte der Winter abgewartet werden; Treffpunkt der Mitglieder des Petitionsausschusses Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz und der Vertreter des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt, des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, insbesondere des Fachressorts für Straßenbau und des Fachressorts für den Natur- und Landschaftsschutz, als auch des Bürgermeisters und seines Stellvertreters aus dem dem Feuchtgebiet angrenzenden Dorf war eine Ausflugsterrasse vor einem Ausflugsrestaurant, an deren ummauertem Rand ein verschneites Fernrohr mit Münzeinwurf stand;

Riedbaar bei Neudingen.

wenn sich der Nebel schon gehoben hätte, hätte jeder, der dazu aufgelegt gewesen wäre, für zwei Groschen das Streitobjekt aus der Vogelperspektive in Augenschein nehmen können; den Donaubogen, der die von bereiften, nahegerückten Wäldern umstandene Hochebene im Drittelkreis anschneidet, vom Wind säuberlich aufgeräumte Felder, an jedem Widerstand zusammengefegter Schnee, weiß nachgezogene Ackerfurchen mit schönen Haarnadelkurven an den Rainen, die schrägen Dächer der Mühle zwischen einer Pappelzeile; von dem verschneiten Autofriedhof nur einen Kran, aber klar umrissen und unverrückbar das Zementwerk; neben den Rechtecken der Hochöfen und stumpfen Kegeln der Silos und hinter den noch höheren Schlacken-bergen bescheiden der von den Farbfotos her bekannte Zwiebelturm;

die einzige Dame der Besichtigungsgesellschaft, eine Abgeordnete des Fachministeriums für den Natur- und Landschaftsschutz, bestieg in weißen Pelzstiefeln die Zementstufe vor dem Fernrohr, steckte zwei Groschen in den Geldschlitz, drückte ein Auge zu, das andere an die Linse, bewegte das Fernrohr hin und her, tastete nach der Justierungsschraube, in der Hoffnung, das vergrößerte, nur scheinbar nähergerückte Bild der Landschaft trotz des Nebels erkennen zu können, trat kopfschüttelnd und über sich selber lachend zurück und sagte, sie habe aber ein Maiskolbengerippe zu Gesicht bekommen und einen Sperling, der sich daran zu schaffen gemacht habe, pfiffig wie ein Clown habe der ausgesehen mit schwarzen Flecken auf den weißen Backen;

nachdem im Restaurant Tische für das Mittagessen reserviert worden waren, näherte man sich in sechs Autos dem womöglich gar nicht mehr vorhandenen Nässegebiet; während der kurzen Talfahrt legte die Dame, die das Maiskolbengerippe und den Sperling so angelegentlich betrachtet hatte, auf ihrem Rücksitz den Kopf so weit in den Nacken, daß sie die tiefhängenden Wolken und die unter ihnen schwimmenden Baumkronen als Abziehbilder auf der schrägen Heckscheibe kleben und sich wieder ablösen und wegdrehen sah;

der Gründer der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz schlug vor, auf einem Waldparkplatz zu parken und die letzten paar hundert Meter zu Fuß zurückzulegen, mit diesem Ansinnen überschreite er hoffentlich nicht die Zumutbarkeitsgrenze der Herrschaften; leider sei es überaus fraglich, ob auch nur ein einziger der auf diesen Lebensraum angewiesenen Vögel sich blicken lassen würde; für das Erscheinen der Schwäne könne er seine Hand auch nicht ins Feuer legen, die säßen in ihren Schneegruben, gerne an Maulwurfshügel angelehnt, und besonders die Jungen mit ihren blaugrau gesprenkelten Federn tarnten sich bis zur Unsichtbarkeit, nur die Sonne könne sie hervorlocken; es sei voreilig gewesen, das Mittagessen um Punkt dreizehn Uhr bestellt zu haben; ob die Herren von der Regierung sich vorstellen könnten, wieviel Geduld die Belauschung der Tiere gekostet habe, bis endlich die Aufnahmen gemacht werden konnten; sollten die Schwäne nicht geruhen, sich jetzt zu präsentieren, würde wohl als bewiesen gelten, daß die Fotos nur von der Oper der Landeshauptstadt entliehene und auf künstlichen Schnee gesetzte Schwanenattrappen zeigten, die sonst Lohengrins Schiff über die Bühne zögen oder als Schicksalsjungfrauen Schwanengestalt angenommen hätten, um den Menschen wahrzusagen, wie das Los ihnen fallen werde; und das wäre dann der Beweis für die immerwährende Gültigkeit der Legende von der Verwandlungsfähigkeit der Schwäne; diese hier seien solcher fabelhaften Fähigkeiten allerdings verlustig gegangen, sie könnten sich in nichts verwandeln, falls man ihnen ihre Lebensbedingungen entzöge, und was hülfe es ihnen, wenn sie den ganzen Bodensee gewönnen, ihre mitgeborene Erfahrung hieße sie dort nicht niedergehen, sondern eben nur hier an ihrem Donauufer, wo sie schon im nächsten Jahr nicht mehr werden bleiben können wegen der Bagger und Planierraupen und Erdtransporter und Walzen; ihr letzter Flug müsse nicht ausgedacht werden,

mit solchen und ähnlichen Reden hielt der Petent sich dicht neben oder hinter dem Bürgermeister des Zwiebelturmdorfes; falls nämlich allen Petitionen und Aberpetitionen nicht abgeholfen werden würde – womit zu rechnen war -, wollte der Petent versuchen, ein Äckerchen im Übernachtungsgebiet der Schwäne käuflich zu erwerben; als Grundstückseigentümer sähe er sich dann in die Lage versetzt, gegen den Bau der planfestgestellten Straße Einspruch zu erheben, weil es sich um gar keine Bundes-, sondern um eine Landstraße handelte; als Naturschützer befand er sich in ungleich ohnmächtigerer Lage, denn Schwäne sind nun einmal keine Personen, deren Rechte man einklagen könnte,

man kam nur langsam voran in den stillen, atemgebenden Wäldern, die der frisch gefallene Schnee schier unbetretbar erscheinen ließ, das Weiße, Leichte, Bauschige drückte noch nichts nieder, ließ selbst den Grashalm in einer gefrorenen Pfütze geschmückter aussehen, als etwas so Unscheinbarem zukommt; gut so, vielleicht würde der von Schneestaub und Nebel durchrieselte Wald dem Petenten zur Seite stehen, vielleicht würde bald auch die Sonne noch mitspielen, zart besetzte Brombeerranken durchleuchten und aus den bereiften Federkronen des Schierlings wer weiß was für Kostbarkeiten machen,

eine kurze Wegstrecke hoffte der Petent, es könnte eine Unschuld des Auges sich wiederherstellen bei den Besichtigern, auf die er so sehr angewiesen sein würde, falls die Schwäne sich zeigen sollten; beim Heraustreten der Gesellschaft aus dem Wald fuhr höchst zweckdienlich und lautstark ein Schwarm Schnatterenten aus schneetrockenem Gebüsch, aber was half’s, wo keiner sich auskannte mit dem
Federvieh,

Singschwan auf dem Bodensee.

ein dem Gelände durch den Schnee noch angepaßterer Weg führte ohne Spur in die weiße Übernachtungsfläche der Schwäne und weiter in Richtung Donau, deren Verlauf eine von Pappeln gestrichelte Nebelbank ahnen ließ; der verengte Himmel und das durch den Dunst gefilterte Licht machten einen Innenraum aus dem Ried, die es in Augenschein zu nehmen hatten, stapften im Gänsemarsch – angeführt vom Bürgermeister – einer in die Fußstapfen des Vordermanns, ihr Atem kam stoßweise sichtbar aus ihren Mündern,

vereinzelte Bäume, Sträucher, Schober steckten im Schneenebel, jeder herausragende Stein hatte einen Schneedeckel oder konnte auch ein sich tarnender Singschwan sein oder seine Attrappe, welcher kommende Generationen in die gläsernen Augen sehen und sie anstelle eines lateinischen Wortes noch Singschwäne nennen können; bei der indirekten Beleuchtung waren die Spuren des Hungers auf der gefrorenen Schneedecke nur im nächsten Gesichtskreis zu erkennen; die Dame in den Pelzstiefeln scherte aus der Reihe und beugte sich alle paar Schritte über eine vergessene Schrift, die sie in ihrer Kindheit einmal hatte entziffern können: den Keil des hoppelnden Hasen, die Blüte des schnürenden Fuchses und ganz leicht eingeritzt das Geläuf vieler Vögel,

das Unternehmen Ried wäre nichts als ein winterlicher Betriebsausflug geblieben, hätte die Sonne nicht binnen weniger Minuten aufgeräumt mit dem Halblicht und allen Verschwommenheiten; diese Herabkunft des Lichtes wäre schon starstechend genug gewesen, um die Inspizienten zum Staunen zu bringen; sie sollten nun aber auch der Schwäne ansichtig werden, denn vier der Schneeverwehungen erwiesen sich als solche; bewegungslos, als hätten sie sich selber etwas angetan mit ihren schwarzen Schnabelspirzen, saßen sie wie sich’s gehört auf den gestrichelten Linien, und die Beugung ihrer Hälse war durch keine Bewegung zu überbieten; starren Auges sahen sie den in breiter Front langsam Näherrückenden entgegen, den Menschentieren, die sich durch barbarische Fertigkeiten ausweisen und immer schuldunfähig zur Tatzeit sind;

vor deren Augen machten die schweren Vögel ein paar torkelnde Schritte, streckten die Hälse, spannten die Flügel weit aus und trieben flatternd die Luft unter sich; ihre Schatten schwebten über den Schnee; den halboffenen Mündern derer nach zu schließen, die den Davonfliegenden nachsahen, muß einer der Schwäne den hohen, langhinhallenden Schrei ausgestoßen haben, der ihm den Namen gegeben hat und dessen er nur in Todesnot mächtig ist; selber Klage erhebend, flogen die Schwäne ruhigen Flügelschlags hinter dem Zwiebelturm davon, als schwane ihnen, daß der siebente Landtag des Deutschen Bundeslandes, in dessen Machtbereich ihre Überlebensflächen lagen, auf seiner vierundfünfzigsten Sitzung beschließen werde, daß besagter Petition der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz nicht abgeholfen werden könne,

weil die planerischen Zielvorstellungen des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt im Benehmen mit dem Fachministerium für Straßenbau dem todsicher zu erwartenden Kraftfahrzeugbedarf besser entgegenkomme, weil die Gradiente der festgestellten Straße den Geländeformen harmonischer folgen und weniger zusammengehörige landwirtschaftliche Nutzflächen durchschneiden werde als die Wunschstraße der Petenten, und schließlich weil das Leistungsvermögen der festgestellten Trasse infolge günstigerer Steigungsverhältnisse um rund fünfzehn Prozent höher sein werde…

Soll nach den Singschwänen auch ausgerottet werden: Der Komoran.

Seit 1984 gibt es keine Singschwäne mehr auf der Riedbaar

Hier in Südbaden werden wir seit sehr langem von Holzköpfen regiert, deren einzige Tradition es ist, auf Kosten der nächste Generation sich ihre Taschen zu füllen. Die Holzköpfe des 7. Landtages sind inzwischen wohl alle tot.
Was haben sie uns hinterlassen als betonierte Erde?
Ein Haufen neuer Holzköpfe!

Aber auch die werden ihr erbeutetes Geld nicht ins Grab mitnehmen können.

Natur – Wald – Reh: ein Lehrstück 


Es lässt sich trefflich werben mit dem Dreiklang Natur – Wald – Reh, auch in der Schwarzwälder Gastronomie. Wo ihm doch unsere ungeteilte Sympathie gehört. Ganz besonders angesprochen fühlen sich davon die Gäste der Geroldsauer Mühle, des im Schwarzwaldstil ganz aus hellem Weißtannenholz neu errichteten Gasthauses unweit von Baden-Baden – am Tor zum Schwarzwald.

Werbung mit Reh
Werbung mit Reh

Wie kann einer da bloß den Forstleuten glauben, die im sanftäugigen Bambi (silberne Exemplare sind in der Bäderstadt unlängst erst als populäre Medienpreise verliehen worden) vorrangig den „Waldschädling“ erblicken, gar den Verursacher des „Waldsterbens von unten“, mithin einen heiklen Gegenspieler für den im Zeichen des Klimawandels so unabdingbaren Waldumbau hin zu mehr Resilienz? Die notwendige Reduzierung überhöhter Rehwildbestände sollte da vielleicht doch besser geräuschlos und unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen. Womöglich ist das Wald-Wild-Problem auch schuld daran, dass man auf der Speisekarte der Geroldsauer Mühle den Rehbraten vergeblich sucht. Ob aber die Wirtsleute, erst recht ob die Gäste wohl je einen Gedanken daran verschwendet haben, dass mit dem Angebot und Verzehr von heimischem Wildbret ja auch ein Beitrag geleistet werden kann zur Wiederverbreitung der vielerorts verlorengegangenen Baumart Weißtanne?

Unstrittig ist, dass die Tanne mit am stärksten leidet unter allzu vielen Rehen, ja, dass der „Schwarzwälder Charakterbaum“ sein Überleben in der Vergangenheit zumeist einem rehwildarmen Ausnahmezustand zu verdanken hatte: Etwa jenen der ungebremsten „Franzosenjagd“ in den Nachkriegsjahren oder den in den Wirren der 1848er Revolution, als die aufständischen Bauern sich nicht nur das Ende der Jagdfron erkämpft hatten, sondern kurzzeitig auch „freie Büchse“ genossen, vom Adel beschimpft als „Vernichtungskrieg gegen das Wild“. Inzwischen setzt man freilich mehr denn je auf die Weißtanne, wo doch die Fichte in der Klimakrise auszufallen droht, was allenthalben zur Intensivierung der jagdlichen Bemühungen zwingt. Und es schließen sich derzeit weitere Frage an: ob nicht auch die natürlichen Regulatoren von Pflanzenfressern wieder besser ins Spiel gebracht werden sollten, der Winter sowie die Fressfeinde Luchs und Wolf. Auch ob denn die Winterfütterung des Rehwilds überhaupt noch zu verantworten ist im klimagestressten Wald und der immer milderen Winter? Doch leere und zerfallende Futterraufen sind, zumal in winterlichen Notzeiten, dem Image der Jäger als Heger des Wilds wahrlich nicht zuträglich.

Doch die Bauwirtschaft setzt wieder mehr denn je auf den CO2-neutralen Baustoff Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Wo Tannenjugend aber erfolgreich durchstarten soll, um im künftigen (stabileren und widerstandfähigeren) Bergmischwald wieder ausreichend vertreten zu sein und um trotz des Ausfalls der Fichten weiterhin wertvolles Bauholz liefern zu können, muss demnach effizient gejagt werden. Und auch Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss werden oft unerlässlich sein – mag das Jagdgesetz (in Baden-Württemberg das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz JWMG) noch so fordern, dass der Wildbestand so einreguliert werden muss, dass die Hauptbaumarten sich ohne Schutz ansamen und heranwachsen können.

Vom Rehwild verbissene junge Tanne
Vom Rehwild verbissene junge Tanne
Tanne mit Verbissschutz
Verbissschutz

Ein besonders unschuldiges Anschauungsbeispiel für das (oft so konfliktträchtige) Zusammenspiel von Wald, Wild und Jagd hat der Fotograf im Spätjahr 2020 im Wald der Gemeinde Brigachtal im Schwarzwald-Baar-Kreis festgehalten: Ein offenbar ebenso tier- wie kinderlieb gesonnener  Zeitgenosse (sollte es sich gar um den örtlich zuständigen Jagdpächter gehandelt haben?) hatte in Wegnähe eigens für junge Waldbesucher eine Futterkrippe gebastelt und mit einer hölzernen Rehfamilie umstellt. Hockten da nicht auch noch ein Auerhahn oder ein Waldkauz auf dem Krippendach? Sogar Tannenjugend, noch etwas schütter zwar, hatte sich bereits eingefunden, die Gipfelknospen – sieh einer an! – sorgfältig mit blauen Klammern vor Verbiss geschützt.

Hölzernes Ensemble, entdeckt und festgehalten im Spätjahr 2020
Hölzernes Ensemble, entdeckt und festgehalten im Spätjahr 2020

Fünf Jahre nach seiner Entdeckung, im Sommer 2025, zeigt sich das nämliche Ensemble dem Fotografen zwar merklich gealtert und ramponiert, auch ist die Krippe am Kippen und die hölzernen Rehskulpturen samt Kauz und Auerhahn scheinen in Auflösung begriffen zu sein. Doch frohwüchsig und unbeschädigt zeigen sich die Weißtännchen rundherum. Was zeigt, dass die Umwandlung des von Fichten dominierten Altbestands in einen Mischwald offensichtlich Fortschritte macht: Wild und Wald befinden sich in Balance – was für ein mustergültiges Lehrstück!

Dasselbe Motiv im Jahr 2025 mit frohwüchsiger Tannenjugend
Dasselbe Motiv im Jahr 2025 mit frohwüchsiger Tannenjugend

Nie wieder ist jetzt!

Zwei Jahre nach dem Terrorüberfall mit mehr als 1.200 gefolterten und ermordeten Männer, Frauen und Kinder.
Zwei Jahre nach dem größten Massenmord an Jüdinnen und Juden seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Zwei Jahre Relativierung, Kontextualisierung und emphatische Selektion.
Zwei Jahre selektiver Humanismus.
Zwei Jahre Täter-Opfer-Umkehr.



Frau, Leben, Freiheit ژن، ژیان، ئازادی Jin, Jiyan, Azadî

Im Frühjahr hat die VHS-Baar den „virtuosen Antisemitismus“ nach Hüfingen geholt. Mit unserem Geld, in unserem Raum wurden Juden entrechtet, Schändungen an Frauen gerechtfertigt und Geschichte neu geschrieben.

„Nie wieder“ ist wertlos, wenn es nur für die Vergangenheit gilt.
Es muss auch für die Gegenwart gelten; für Auschwitz und Kfar Aza, für Rafah und Sderot, für jüdische Kinder im Kibbuz wie für palästinensische Kinder unter Trümmern.
Wer das nicht aushält, verrät die Idee des Universalismus selbst – und damit die Grundlage jeder Moral.

Mathias Kalle in der taz 4.-10.Oktober 2025

Hüfingen gibt der VHS-Baar eine Bühne für Israelbashing und Geschichtsklitterung

30. März 2025

Plakat der VHS Baar

Eigentlich wollte ich es ignorieren, aber der Schwabo meinte diese Buchwerbung in unserem Bahnhofssaal muss groß aufgezogen werden, also kann ich es nicht weiter unbeachtet lassen. Aber zuerst noch ein Dankeschön an den Südkurier der es ignoriert hat!

Auch vielen Dank an den einsamen E-Mail Schreiber der versucht hatte dieses Debakel zu verhindern! Natürlich hatten Sie Recht, dass eine Beurteilung unseres Bundestages hier in Abrede gestellt wird. Die VHS-Baar beansprucht die Deutungshoheit darüber was antisemitisch sei und was nicht.

Es sei eine offene und kritische Auseinandersetzung?
Dazu möchte ich sagen, dass dies etwas vollkommen anderes ist, als wenn ein BDS Vertreter mit Palituch seine Weltsicht in die Welt hinausposaunt, um sein Buch zu verkaufen.
Auch nicht, wenn ein VHS-Geschäftsführer verbietet den BDS zu loben, weil er sonst einen Antisemitismusvorwurf bekommt.
An unsere geschichtsignorierende Presse: Ich glaube kaum, dass unser Bürgermeister hinter so einem Vortag steht! Das ist mal wieder schlichtweg gelogen, aber das sind wir ja gewohnt.

Man hätte also 10 Euro investieren sollen, um eine antisemitische Propagandashow aufzumischen, damit eine kritische Auseinandersetzung statt findet?
Nein, das ist keine offene Diskussion.
Ach ja der Referent sei nicht antisemitisch da er ja mit „manchen jüdischen Künstlern“ spreche. Na dann.

Der Bundestag hat am Freitag, 17. Mai 2019, einen gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ angenommen:

Der Deutsche Bundestag beschloss:

1. erneut jeder Form des Antisemitismus schon im Entstehen in aller Konsequenz entschlossen entgegenzutreten und die BDS-Kampagne und den Aufruf zum Boykott von israelischen Waren oder Unternehmen sowie von israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Künstlerinnen und Künstlern oder Sportlerinnen und Sportlern zu verurteilen;

2. Räumlichkeiten und Einrichtungen, die unter der Bundestagsverwaltung stehen, keinen Organisationen, die sich antisemitisch äußern oder das Existenzrecht Israels in Frage stellen, zur Verfügung zu stellen. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, keine Veranstaltungen der BDS-Bewegung oder von Gruppierungen, die deren Ziele aktiv verfolgen, zu unterstützen;

3. seine Unterstützung für die Bundesregierung und den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus sowohl in der Prävention als auch in der entschiedenen Bekämpfung von Antisemitismus und jeglichem Extremismus unvermindert fortzusetzen;

4. keine Organisationen finanziell zu fördern, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen;

5. keine Projekte finanziell zu fördern, die zum Boykott Israels aufrufen oder die die BDS-Bewegung aktiv unterstützen;

6. Länder, Städte und Gemeinden und alle öffentlichen Akteurinnen und Akteure dazu aufzurufen, sich dieser Haltung anzuschließen.

Die Stadt Hüfingen zahlt im Jahr 2025 46.000 € an die VHS-Baar, dies widerspricht der Nummer 6.
Nein, das braucht unsere Demokratie überhaupt nicht!
Das hatten wir schon und es war wirklich nicht gut.

Natürlich kamen zu dem Vortrag nur Leute die hinter dem BDS stehen, von daher brauchte der Referent keine Diskussion fürchten. Ausser Victim Blaming war nicht viel übrig und das Massaker vom 7. Oktober 2023 wurde anscheinend ausgeblendet – wie die Ermordungen, Vergewaltigungen, Folterungen und Entführungen von Menschen.

Ich werde niemals hinnehmen, wenn in Hüfingen Juden verfolgt werden!
Als Frau werde ich niemals still neben Femiziden stehen, egal, wem es wichtig ist, diese zu verschweigen.

Unsere Stadt wurde auf die übelste Weise beschmutzt!

Die Quitten

4. Oktober 2025 von Maria Simon

Die Quitten vorgelesen von Maria Simon

eine Quitte

Heimisch sind die gelben Quitten,
werden verwertet nach alten Sitten.
Sie werden gewaschen und gekocht
in Wasser und in Zucker noch.

Dann brodelts und blubberts im heißen Töpfel,
gerührt wird kräftig mit hölzernem Löffel.
Die Masse abgeseiht und durchgeschafft,
gibt einen köstlich gelierten, fruchtigen Saft.

In saubere Gläser kommt er rein,
aus Quitten wird Gelee sehr fein.
Gelee aus Quitten, ein Begehren,
lässt sich mit Lust und Genuss verzehren.

Auf Butterbrot ist das Gelee beliebt,
weil es demselben Rundung gibt.
Auch in Torten schmeckt `s sehr fein,
das ist ein Schmaus für Groß und Klein.

Zum Backen in der Weihnachtszeit,
und diese Zeit ist nicht mehr weit,
ist Quittengelee zum Füllen lecker,
das weiß der Konditor und der Bäcker.

Im Weihnachtsgebäck ist`s ein Genuss,
auf Tortenböden sogar ein Muss.
Von Quitten, bekannt als Vitamingaben,
sollten wir genug in petto haben.

eine Quitte
Quitten in Hannahs Garten

eine Quitte

Quitten in Hannahs Garten

eine Quitte

Quitten in Hannahs Garten

Starke Eschen – ein Nachruf?


Um die Baumart Esche steht es nicht gut. In ganz Europa grassiert das Eschentriebsterben, verursacht von einem aus Fernost eingeschleppten Pilz mit dem so possierlichen Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen. Vielerorts hat man sie schon aufgegeben, zumal längs von Wegen und Straßen, wo Gefahr droht von herab brechenden Ästen, gar von umstürzenden Baumleichen. Für unsere Waldökosysteme, aber auch für die gesamte Kulturlandschaft wäre es nach dem Ulmensterben, das ja ebenfalls durch einen invasiven Pilz ausgelöst worden war, ein weiterer schlimmer Verlust, der weit über den holzwirtschaftlichen Nutzen hinausreicht. Auch wenn der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der Esche in der Öffentlichkeit nie an die Prominenz kapitaler Eichen- und Lindengestalten herangereicht hat. Und das, obwohl sie in der germanischen Mythologie ja schon den Weltenbaum Yggdrasil gestellt hatte, den Schutz- und Schicksalsbaum und Sitz der Götter.

Hofesche am Burgbacherhof (2016)

Der Schutz von Bäumen als Naturdenkmäler war erstmals im anbrechenden 20. Jahrhundert so richtig in Gang gekommen. Was einherging mit der Dokumentation und Veröffentlichung besonders „bemerkungswerter“ Exemplare in „Baumbüchern“. In Preußen und Hessen, in Elsass-Lothringen, im Großherzogtum Baden wie im Königtum Württemberg erschienen sie zumeist reich bebildert, um so auf die oft genug durch die Industrialisierung, auch durch die Intensivierung von Forst- und Landwirtschaft bedrohten Schätze aufmerksam zu machen. Es fällt dabei auf, dass sowohl in Württemberg wie auch in Baden die Baumart Esche deutlich unterrepräsentiert war im Vergleich zu den weitaus spektakuläreren Eichen, Linden und Tannenriesen. Im von Forstassessor Otto Feucht 1911 im Auftrag der Königlich württembergischen Forstdirektion verfassten Schwäbischen Baumbuch*1 wird seltsamerweise unter all den aufgeführten Baumveteranen nur eine einzige Esche erwähnt: Und die stand nicht in freier Natur, sondern im Schlosspark von Friedrichshafen und war eine Sonderform der Baumart: „Ziemlich unerkannt bleibt ein starkes Exemplar unserer heimischen Esche (Umfang 2,33 m)…, dessen Blätter durchweg nicht gefiedert, sondern einfach-eiförmig gesägt sind.“ Diese Spielart der Esche (var. monophyllos) finde sich in Württemberg wild vor allem im Stromberggebiet. Mehr wusste er über die Eschen, über die Gewöhnliche mit gefiederten Blättern wie über die Einblättrige, nicht zu berichten.

Ludwig Klein, Großherzoglich badischer Geheimer Hofrat und ord. Botanikprofessor, Leiter des Botanischen Instituts wie des Botanischen Gartens der TH Karlsruhe, veröffentlichte 1908 Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden*2, in dem er der Esche ein ganzes Kapitel widmete. Leider gelang ihm nur ein einziges Foto der Baumart; es zeigt unmittelbar neben einem Haus in Rötenbach ein noch recht schmächtiges Exemplar mit ausgedehnten Überwallungen einer früheren Brandbeschädigung. Lebhaft beklagt der Autor, dass Eschen in den Auewaldungen zwar eine Baumhöhe von bis 45 m erreichen können, doch seien außergewöhnliche Bäume hier leider nicht mehr zu finden, „da die Esche wie andere wertvolle Nutzhölzer längst hiebsreif zu sein pflegt, ehe sie außergewöhnliche Stärke erreicht hat.“ 

Umso erfolgreicher ist er im höheren Schwarzwald auf seiner Suche nach im Freistand erwachsenen Eschen, zumeist Hofeschen. „Die schönste Esche, die mir im Schwarzwalde (erst im Spätsommer 1907) bekannt wurde, ein wahres Prachtexemplar des freiständigen Baumes, steht, 25 m hoch (!), im Grasgarten des Hierahofes, etwa 20 Minuten südöstlich von Saig, in einer Meereshöhe von 945 m. Der Stamm von 4,88 m Umfang teilt sich schon in 3 m Höhe in drei mächtige stammähnliche Äste, die sich ihrerseits in insgesamt 15 starke und sehr lange Äste aufteilen.“ Das Alter des Baums schätzte Klein auf mindestens 200 – 250 Jahre. Derart starke Gebirgseschen seien im Schwarzwald sonst nirgends mehr zu finden. Klar, dass auch der Botanikprofessor in seinem Eschenkapitel deren „einfachblättrige Spielart“ erwähnt, die er – leider ebenfalls ohne fotografischen Beleg – im äußersten Norden des badischen Stiefels verortet. Dass sich mit dieser Unterart ein Jahrhundert später die vage Hoffnung verbinden würde, sie könnte womöglich resistenter sein gegen eine die Baumart europaweit bedrohende Seuche aus Fernost namens Eschentriebsterben, konnte der Botanikprofessor Ludwig Klein freilich noch nicht ahnen.

Esche am Hierahof 1977…
…und 2016

Dass auch ich vor knapp einem halben Jahrhundert auf der Fährte von Ludwig Klein mit großen Erwartungen den Hierahof ansteuern sollte, entsprang einer beruflichen Pflichtübung. Denn von meinem obersten Dienstherrn, dem Stuttgarter Forstminister, hatte ich den Auftrag erhalten, nachzuprüfen und zu dokumentieren, was denn von den „Prachtexemplaren“ der Baumbücher der Jahrhundertwende eigentlich die zwei Weltkriege überlebt hatte und noch auffindbar war. Aus der Recherche entstand 1978 mein Bildtextband Begegnung mit Bäumen*3, und darin beschrieb ich den Hofbaum, belegt durch ein Schwarzweißfoto mitsamt Personenstaffage zur Vermittlung der Stärke des Stammes,  frei weg als „unstreitig schönste und gewaltigste Esche des Landes“. Sie hatte seit Ludwig Kleins Besuch vor abermals siebzig Jahren nochmals kräftig an Umfang zugelegt: „Nun misst sie 6,40 Meter“, hielt ich fest, „was einen Durchmesserzuwachs von 64 Zentimetern ergibt! Die Krone des Baumes ist voll und gesund. Doch während die Altbäuerin ein wenig gedankenverloren an der dem Hof zugewandten Seite des Stammanlaufs mit der Heugabel tief in Hohlräumen und morschem Holz herumstochert, erzählt sie uns von einer denkwürdigen Begebenheit, die für den Baum Folgen haben sollte: Am Vorabend ihrer Hochzeit vor nun schon fünfzig Jahren hat der Nachbarssohn – Gott hab ihn selig – hier eine Sprengladung entzündet. War´s Scherz, war´s Kummer: der Anfang vom Ende des stolzen Baumes war vorgezeichnet.“ 

Doch auch weitere vierzig Jahre später, im Winter 2016, war die Esche noch immer nicht am Ende, wie ich mich vergewisserte, auch wenn im Land bereits das Eschentriebsterben wütete. Offenbar hatte sie die Wunde der Sprengladung besser überwallt, als von der Altbäuerin damals befürchtet. Dennoch hatten sich inzwischen Baumchirurgen der Krone angenommen, hatten sie mit einem Stahlseil verspannt und auch einige vermorschende Äste gekappt. 

Auch im jüngsten, 2022 erschienenen Baumbuch Baumschätze Baden-Württembergs*4 wird sie noch beschrieben und in grün belaubtem Zustand fotografiert. „Die früher einmal riesige Krone“, schränkt der Verfasser, Jürgen Blümle, allerdings ein, „ist heute sehr stark reduziert, denn der alte Hofbaum kämpft ums Überleben.“ Doch er kann jetzt auch auf ein Deutsches Baumarchiv verweisen, dem der Baum, bei einem geschätzten Alter von 300 – 350 Jahren, als älteste Esche Deutschlands gilt.

Zu Lebzeiten Ludwig Kleins befand sich die allerstärkste lebende Esche Badens allerdings nicht im Hochschwarzwald, sondern im F.F. Schlossgarten zu Donaueschingen. Er scheint sie selbst nicht vor Ort aufgesucht und bewundert zu haben, sondern musste dazu als Gewährsmann den Gartenbaudirektor Berndt zitieren: „Der etwa 250 – 300 Jahre alte, knorrige Baum hat 1,25 m über dem Boden einen Stammumfang von rund 5 m. Über dieser Höhe sind stark ausladende Wülste und über diesen beginnt die Teilung in verschiedene baumstarke Äste, zwischen und über denen eine Holzgalerie eingebaut ist.“ 1922, anlässlich der ersten Donaueschinger Musiktage, inspirierte der Baum den Komponisten Richard Strauß dazu, am Serenadenabend auf der beleuchteten Altane Mozarts Kleine Nachtmusik spielen zu lassen; seitdem trug der Baum den Namen „Richard-Strauß-Esche“. Letztmals wurde sie 1949 beschrieben, nun mit einem Stammumfang von 11,79 m. Mit seiner asphaltierten Empore, die über eine gewundene Treppe bestiegen werden konnte, soll der Baum mit seiner altersgrauen furchigen Rinde mehr und mehr einem Elefanten geglichen haben, weshalb er im Volksmund zuletzt auch schlicht „Elefantenbaum“ genannt wurde. Seine sterblichen Überreste sollen in den frühen 1960er Jahren aus Verkehrssicherungsgründen endgültig beseitigt worden sein.

Eine Kleine Nachtmusik auf der Richard-Strauß-Esche im F.F. Schlosspark 1921

Auch an weiteren beeindruckend starken und höchst vitalen Eschen sollte es im Quellenlandkreis (mit seinen zahlreichen Orts- und Bachnamen, in denen an die Baumart erinnert wird wie Escheck, Eschbach, Ober- oder Niedereschach und selbst in Donau-eschingen) aber auch weiterhin nicht fehlen*5, ob im Unterhölzer Wald oder auf dem Wartenberg. Im Spätfrostklima der Baar kommt ihnen zupass, dass sie im Frühjahr erst sehr spät auszutreiben pflegen. Die unstreitig prächtigste Hofesche mit einem Brusthöhenumfang von 6, 30 steht bislang hart an der Hocheinfahrt des Burgbacherhofs am Brogen auf Gemarkung Buchenberg. Wie alle Hofeschen dürfte auch sie einst „geschneitelt“, das Eschenlaub vor allem in Notzeiten als Viehfutter verwendet worden sein – eine uralte Nutzungsform, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.

Doch seit dem 3. November 2023 scheint auch ihr Schicksal besiegelt zu sein: der Hof ist einem Brand zum Opfer gefallen. Weit über die Hälfte der gewaltigen Eschenkrone ist dabei so massiv beschädigt worden, dass ein neuerliches Austreiben kaum mehr vorstellbar ist – selbst bei dieser für ihre Überlebensfähigkeit durch immer neue Stockausschläge und Überwallungen, auch durch ihre tiefe Verwurzelung so unverwüstlichen Baumart. Oder sollte etwa Ludwig Kleins Beispiel von jener Esche aus Rötenbach, die ihre Brandverletzungen einfach überwallt hatte, am Ende doch noch einen Hoffnungsfunken weiterglimmen lassen? Die Brandruine auf dem Brogen mit der versengten Esche neben der Hofeinfahrt – ein Fanal auch für ihr Schicksal in ganz Europa?

Wird die Hofesche den Brand überleben?
Burgbacherhof am 4. 11. 2023
Esche am 27. 10. 2024
Esche am 27. 10. 2024
Esche am 11. Juli 2025
und am 11. Juli 2025


Am Ende ist wohl doch kein Nachruf fällig: Der Burgbacherhof ist wiedererstanden und seine Esche scheint überlebt zu haben. Oder wird sie das Eschentriebsterben doch noch einholen?


 *1Schwäbisches Baumbuch. Hsg. Kgl. Württ. Forstdirektion. Verl. von Strecker & Schröder, Stuttgart 1011.
*2 Klein, L.: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden. Heidelberg 1908.
*3 Hockenjos, W.: Begegnung mit Bäumen. DRW-Verl. Stuttgart 1978.
*4 Blümle, J.: Baumschätze. Oertel & Spörer Verlags GmbH Reutlingen, 2. aktualisierte Aufl. 2023.
*5 Hockenjos, W.: Die Esche – eine verlorene Baumart? In: Schwarzwald-Baar Jahrbuch 2017 S. 254 ff.

Baustelle auf der Länge

Windrad auf der Länge

Am 27. September konnte man die Baustelle besichtigen.

Schon zwei Mal habe ich über den Windpark Länge berichtet: Einmal 2021 Windpark Länge und dann 2022 Windpark Länge im Genehmigungsverfahren.

Die geplanten sechs neuen Windkraftanlange auf der Länge und der unterirdische Löschwasserbevorratungstank .

Auch stehe ich noch hinter den Artikeln und auch dahinter, dass ich als Stadträtin immer für die solarcomplex AG gestimmt hatte. Was mich aber ärgert, ist die Intransparenz, die propagandistische Website und der verächtliche Umgang mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern.

Erst mal zur Website: Der Windpark Länge.
Keinerlei Infos über die Länge im speziellen, nur drei Statements von vermeintlich wichtigen Leuten. Erstaunlich, dass sogar eine Dame zu Wort kommen darf. Allerdings musste man hierfür im Nachbarlandkreis suchen.
Dass der FF Forst gut daran verdient, ist kein Geheimnis. Dass das FF-Sägewerk in Hüfingen einen Grundwasserschaden mit Schwermetallen verursacht hat und sich weigert diesen zu sanieren ist nicht erst bekannt, seit der Zoll mit dem Trainins-Zentrum abgesprungen ist. Dies hat die Stadt Hüfingen schon deutlich mehr gekostet, als sie durch den Windpark je verdienen kann.
Am meisten aber ärgert mich, dass auf dieser Propaganda-Seite der Vorsitzende des LNV sich für die Sache her gibt. Der Landesnaturschutzverband – Baden-Württemberg e.V. ist eigentlich ein Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände in Baden-Württemberg. In ihm sind 34 Vereine mit ca. 540.000 Mitgliedern organisiert. Als aktives Vorstandsmitglied des Nabu Schwarzwald-Baar finde ich dies absolut falsch, da ich weiß, dass es in den Vereinen wohl sehr viele kritische Stimmen gibt, die hier ausgeblendet werden.

Zum Umgang mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern

Obwohl ich für den Windpark war und bin, haben wir hier auf dem Hieronymus immer allen Argumenten einen Platz eingeräumt. Sowohl bei den Beiträgen, als auch in den Kommentaren.

Was die letzten Jahre immer wieder passiert ist, ist dass alle Neuigkeiten nur an unsere Provinzpresse weiter gegeben werden. Diese versteckt Pressemitteilungen als „Journalismus“ hinter einer Paywall und verhindert aktiv eine offene Diskussion. Dies ist weder transparent noch barrierefrei. Obwohl ich schon öfters für den Hieronymus angefragt hatte, bekommen wir keinerlei Information. Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt noch berichten soll, aber da dies Hüfingen betrifft, bleibe ich dran. Ich werde also genau hier in diesem Beitrag immer wieder die Informationen liefern die momentan beim Bau des Windparks aktuell sind und lade alle Menschen ein, hier auch zu Kommentieren und zu diskutieren. Weil es betrifft Hüfingen!

Länge am 17. August 2025

Aktuelle Infos zum Windpark Länge

Bis Juli 2026 sollen die sechs Windräder stehen, die Rotorblätter werden aber erst nächstes Jahr geliefert.

Dieser Beitrag wird regelmäßig unter einem neuen Datum aktualisiert!

Kunstrasenplatz FCH, Ausbau der erneuerbaren Energien, Nahverkehr, Feuerwehrbedarfsplan, Jahresabschluss 2024, Anträge CDU und SPD

Gemeinderatssitzung am 25. September 2025

18:05 Uhr Ausschuss für Umwelt und Technik

Hier kann man selber gucken:

https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

Bauantrag Nr. 37/2025

Erweiterung einer bestehenden Freiflächenphotovoltaikanlage auf den Riedwiesen von letzter Sitzung das vertagt wurde. Heute wurde mit sechs Enthaltungen zugestimmt.

Bauantrag Nr. 39/2025

Neubau einer PKW-Garage in Mundelfingen. Der Ortschaftsrat hat zugestimmt und auch der Gemeinderat.

Bauantrag Nr. 40/2025

Neubau Einfamilienhaus mit Garage in Behla, Baarblick. Der Ortschaftsrat hat zugestimmt und auch der Gemeinderat.

Bauantrag Nr. 41/2025

Neubau Carport in Hüfingen. Dem Carport wird einstimmig zugestimmt.

Bauantrag Nr. 43/2025

Errichtung eines Schuppens in Hüfingen. Dem Schuppen wird einstimmig zugestimmt.

Bauantrag Nr. 44/2025

Umnutzung und Umbau der Lagerfläche im Dachgeschoss vom Bauhof zur Schaffung von Büro- und Sozialräumen. Dem wird einstimmig zugestimmt.

Bauantrag Nr. 45/2025

Neubau eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage auf dem Hohen II. Auch diesem Bauvorhaben wird einstimmig zugestimmt.

Sitzung des Gemeinderates – 25.09.2025 – 18:30 Uhr

Hier sind die Unterlagen: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

TOP2
Bürgerfragestunde

Es sind etwa 50 Zuschauer da, aber ich habe mich sicher verzählt.

Gibt keine Fragen aus der Bürgerschaft.

TOP3
Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen

Auswertung vom Generalentwässerungsplan – dafür werden weitere Geldmittel bereit gestellt.

TOP4
Kunstrasenplatz FC Hüfingen

In der letzten GR Sitzung am 24. Juli wurde, vorbehaltlich der verfügbaren Haushaltsmittel, die Umrüstung des Rasenplatzes auf einen Kunstrasenplatz für den SV Mundelfingen mit 400.000€ beschlossen.

Heute geht es um einen Kunstrasenplatz für den FC Hüfingen für ebenfalls 400.000€.

Der hintere Platz (2) soll umgewandelt und eingezäunt werden.

Die Kosten für die Umwandlung. Hier möchte ich auf die Kosten von 42.200 € für den Zaun aufmerksam machen.

Achtung!
Bevor ich über die Ansichten der Gemeinderäte berichte, kommt nun zuerst wieder meine Meinung dazu:

In Mundelfingen bin ich zwar noch nicht so oft vorbeigelaufen wie in Hüfingen, aber die paarmal sogar mit Hund und es hat mich keiner beschimpft, im Gegenteil. Auch war ich in Mundelfingen schon im Clubhaus auf einer Party eingeladen und ich schätze das Engagement in Mundelfingen für Parität und Inklusion ausserordentlich. Auch gibt es dort mehr Mitglieder als in Hüfingen.
Apropos Mitglieder, der TUS Hüfingen hat fast doppelt so viele Mitglieder wie der FC Hüfingen und Mundelfingen zusammen. Die Jugendarbeit vom TUS in der Stadt Hüfingen ist deutlich engagierter und die Sporthallen könnten sicher auch mal ein kleines Upgrade verkraften in den nächsten Jahre
n.

Eine meiner Laufstrecken geht am FC Hüfingen vorbei und obwohl ich mich immer am Tennisplatz vorbei drücke, wurde ich auf deren Grundstück schon mehrfach blöd angemacht. Und zwar nie von den Tennis Spielern! Ich bin damit nicht alleine, auch andere haben mir davon berichtet.
Dazu kommt der Zaun, den der FC Hüfingen plant zu bauen, damit niemand mehr am Tennisplatz vorbei zum Römerbad laufen darf.

Der FCH besteht darauf alle Hüfingerinnen und Hüfinger des Wegerechtes zu berauben!
Und das mit unserem Geld!

Der FC Mundelfingen wurde in der letzten GR-Sitzung vom Freien Forum gefragt, warum er denn keinen Zaun für den neuen Kunstrasen wolle , da in Mundelfingen wilde Tiere rumlaufen würden, die die Absicht hätten den Kunstrasen zu zerstören. Die Antwort vom Vorsitzenden schwankte zwischen Professionalität und leichter Belustigung. Es gibt also anscheinend nur in Hüfingen jede Menge wilder Tiere die Kunstrasen fressen.

Der Gemeinderat hat meiner Meinung nach gut daran getan den liberalen Mundelfingern Geld für einen Kunstrasen zu geben und bei Hüfingen erst mal abzuwarten wie sich alles entwickelt.
Hüfingen kann viel lernen von Mundelfingen!


Der Vorsitzende des FCH hat zuerst seine Erklärung zur Notwendigkeit und Finanzierung vorlesen, dann waren die Gemeinderäte dran.

Der CDU Fraktionssprecher bedauerte, dass es durch die Vertagung zu Irritationen kam. Die Haltung der CDU bleibe aber gleich. Er bittet darum den Durchgang am Hölenstein zum Römerbad offen zu lassen. Ebenso möchte die SPD erst die Finanzen für das Jahr 2027 abwarten. Auch das Freie Forum steht zum Beschluss vom Juli und möchte abwarten, wieviel Geld überhaupt zur Verfügung steht.

Die Umrüstung des Rasenplatzes auf einen Kunstrasenplatz für den FC Hüfingen soll ab dem Haushaltsjahr 2027 jährlich geprüft und mit 400.000 € berücksichtigt werden, falls die Haushaltslage dies zulässt.
Der Gemeinderat signalisierte seine Bereitschaft, sich gegebenenfalls auch an zukünftig entstehenden Mehrkosten zu beteiligen. Diese Erklärung wurde mit einer Enthaltung beschlossen.

TOP5
Ausbau der erneuerbaren Energien; Vortrag von Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg

Der Stromverbrauch in Baden-Württemberg wird sich von 2021 bis 2040 verdoppeln.
Die Stadt Hüfingen bringt sich aktiv in die Energiewende ein. Hüfingen verfolgt das Ziel der Klimaneutralität. Hüfingen hatte bereits im Jahr 2018 einen erneuerbaren Energien-Anteil bei der Stromproduktion von 81,4 % nach der Klimabilanz für ganz Hüfingen.
Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg hat dieser Sitzung einen Vortrag zum Thema erneuerbare Energien gehalten. Hier ist die Webpage dazu: https://www.fraunhofer.de/mediathek/burger.html

Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg
Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg

TOP6
Mitfinanzierung der zusätzlichen innerörtlichen Erschließung des Nahverkehres im Ortsteil Behla

Mit einem Schreiben teilt das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis/Nahverkehrsabteilung mit, dass derzeit im Zuge der Fortschreibung des Nahverkehrsplans 2017 auch die innerörtliche Erschließung im Regionalbusverkehr überprüft
wird. Aus Kostengründen wird ein Wegfall im Angebot in Betracht gezogen. In Hüfingen betrifft das die Haltestelle in Behla (Haltestelle „Behla Schule“).

Die Stadt Hüfingen wurde vom Landratsamt aufgefordert ein innerörtliche Erschließung zu finanzieren, ansonsten würde „die Streichung des Angebots anvisiert“.

Ich trau mich nicht, den Brief hier runter zu laden, aber ich empfehle ihn mal genau anzuschauen so lange es noch geht: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/getfile

Nachdem der Kreistag im April die Kreisumlage auf 32 % erhöht hatte, möchte er sich jetzt auch aus der Finanzierung des Nahverkehrs zurück ziehen. Ein Landrat bekommt in Baden-Württemberg das höchste Gehalt in ganz Deutschland und dafür darf er auch nicht von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden. Ebenso wird der 1. Landesbeamte von Stuttgart bestimmt. Deswegen brauchen in Baden-Württemberg diese Männer grundsätzlich ein passendes Parteibuch. Es ist manchmal ziemlich undurchsichtig welche Demokratie man überhaupt verteidigen soll.

Gehalt für Landräte in Deutschland
Gehalt für Landräte in Deutschland laut Stepstone Abgerufen am 14.09.2025

Die Besoldungen von Beamten in Baden-Württemberg kann hier nachgelesen werden:

https://lbv.landbw.de/-/besoldungstabellen

In der Beschlussvorlage steht, dass dieses abgelehnt werden soll. Hier was die Gemeinderäte dazu sagen:

Zuerst spricht der Ortsvorsteher von Behla. Das Landratsamt habe in der Vergangenheit Vorschläge aus Behla abgelehnt. Behla befürwortet die Verlegung der Haltestelle in die Alois Hirt Straße und schlagen eine Verkehrsschau vor, auch ob vielleicht ein Zebrastreifen machbar wäre. Verzeihung, aber von der CDU hab ich nichts kapiert. Die SPD Fraktionssprecherin versteht die ganze Rechnung nicht und meint, dass im Rahmen der Nachbarschaftshilfe etwas gemacht werden kann. Das Geld wäre hier besser angelegt als beim Landratsamt. Das Freie Forum ist gegen einen Zebrastreifen für den Kindergarten, da sonst alle Ortschaften einen wollten. SPD widerspricht und meint, dass für den Kindergarten sogar eine Ampel angebracht wäre.

Die dauerhafte Mitfinanzierung der innerörtlichen Erschließung in Behla über die Handwerkstraße in Höhe von rd. 13.500 €/Jahr durch die Stadt Hüfingen wird abgelehnt.

Die Verwaltung wird beauftragt das Thema sofort wieder auf die Tagesordnung zu setzten, wenn eine Schließung ansteht.

TOP7
Vergabe der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans 2026

Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 des Feuerwehrgesetzes Baden-Württemberg ist die Stadt Hüfingen auf ihre Kosten verpflichtet, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten.
Um eine professionelle, objektive und verbindliche Bedarfsplanung sicherzustellen, soll die Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans extern vergeben werden.

Der Gemeinderat ermächtigt die Verwaltung die Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans zu beauftragen.

TOP8
Vergabe Aufdimensionierung Regenwasserkanal Fürstenberg

Wegen des Neubaugebietes muss die Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes erhöht werden.
Für die Regenwasserableitung werden nun die zugehörigen Kanalbauarbeiten für brutto 231.100,96 € vergeben.

Sowas kommt von Sowas

TOP9
Vergabe Sanierung Nepomuk-Schelble-Straße

Eine Firma aus Freudenstadt soll die Nepomuk-Schelble-Straße für 580.088,51 € brutto sanieren.

Mitte Oktober gibt es für die Anwohner eine Informationsveranstaltung im Rathaus hierzu.

TOP10
Vergabe PV-Anlage für den Hackschnitzelkessel II am Standort Bleichewiese

Es wird eine Firma auch Donaueschingen beauftragt die PV-Anlage für die Heizzentrale II am Standort Bleichewiese für netto € 63.469,66 zu errichten.

TOP11
Feststellung des Jahresabschlusses der Stadt Hüfingen 2024


Da ich weiß, dass dies viele Leute interessiert, möchte ich die Datei mit allen Zahlen abspeichern. Auch möchte ich dies nicht weiter besprechen, da jeder selber schauen soll. Bis Winter kann man auch hier alle Daten direkt bei der Stadt einsehen.

TOP12
Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat

  • 29. September 19:00 Uhr ist die Informationsveranstaltung zur Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft.
  • 30. September 19:00 Uhr Kick-off der Nachbarschaftshilfe
  • 16. Oktober gibt es eine Sondersitzung vom Gemeinderat.
  • 7.11.- 9.11. kommt die Partnerstadt aus Groß Schönau.
  • Neujahrsempfang ist am 18. Januar 2026.

Bei den Anfragen werden die nächtlichen Angriffe auf Autos mit Steinen und die Nägel auf der Straße Richtung Hausen besprochen und was man da tun könnte. Leider ist auch die Polizei ziemlich ratlos.

Anträge der CDU:

Sicherstellung des Fußgänger-Durchgangs vom Clubhaus des FC Hüfingen zum Höllsteinweiher.
Ermittlung des Wohnsitzes der Aquari-Besucher.

Antrag der SPD:

Antrag SPD Barrierefreie Gestaltung sämtlicher Schranken in der Gemarkung Hüfingen
Barrierefreie Gestaltung sämtlicher Schranken in der Gemarkung Hüfingen

Das Ende der Max-Eiche

Was mag wohl dazu geführt haben, dass eine mehrhundertjährige Eiche mit einem Mal umfällt – ohne nennenswertes Sturmgeschehen und ohne Schneelast? Wo uns die Eiche (Quercus robur) doch als Inbegriff von Robustheit und Standfestigkeit gilt. Nun hat es also auch die Max-Eiche getroffen, wie der Schwarzwälder Bote am 27. September berichtet, die Max Prinz zu Fürstenberg (1896 – 1959) geweihte Starkeiche am Südrand der Königswiese; ihr Wurzelbereich sei „total verfault“ gewesen. Auf die Prominenz dieser Eiche hatte bis vor etlichen Jahren ein am Stamm befestigtes hölzernes Halbrelief mit den Lebensdaten  des Prinzen und mit dem heiligen Maximilian (samt Bischofsstab und Schwert) hingewiesen. Es war freilich nicht entwendet worden (wie fälschlicherweise im Buch Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald erwähnt wird), vielmehr hatte es ein aufmerksamer Waldbesucher am Stammfuß aufgelesen und in den FF-Sammlungen abgeliefert.

Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)
Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)

Eichen wurzeln bekanntlich besonders tief, weshalb die Baumart auch als vergleichsweise widerstandsfähig gegen Trockenheit gilt. Dem Stress der Hitzejahre 2018 bis 2023 scheinen manche jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein, speziell auf den zu Stein verbackenen Tonlehm-Standorten des Braunjuras, weshalb es an der Königswiese nicht nur die Max-Eiche getroffen hat: Auch eine zweite Alteiche, diesmal am Nordrand der Königswiese, war ohne Vorankündigung im Spätjahr 2023 einfach umgekippt; auch ihre Wurzeln waren großteils verfault; nichts in ihrer Krone, kein Dürrast und auch kein Baumschwamm hatte auf eine Schwächung hingedeutet. Vieles erscheint daher noch immer rätselhaft an ihrem plötzlichen Ende. Doch fraglos wäre es ein schlimmer Verlust für die Region, wenn es um die prachtvollen Gestalten des Unterhölzers, aus diesem „Zauberreich wie aus Grimms Märchen mit uralten knorrigen Eichen und Buchen“ (K. Kwasnitschka), im Zuge des Klimawandels bald vollends geschehen wäre. „HL Maximilian“, so las es sich auf der hölzernen Tafel zum Andenken an Max Prinz zu Fürstenberg, „bitt für uns“.

Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese
Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese

Design vom Hieronymus

Liebe Leserinnen und Leser,

durch ein automatisches Update ist es zu Problemen mit der Darstellung und der Kommentarfunktion gekommen. Damit Sie weiterhin Kommentare schreiben und auch die bestehenden lesen können, hatte ich eine Übergangslösung eingerichtet.

Da mir die Übergangslösung besser gefällt, werde ich das vermutlich so lassen.

Was kann ich hier noch verbessern? Hat jemand Kritik?

Bitte in die Kommentare!

Kadaververjüngung: eine fotografische Begleitung

überarbeiteter Artikel, Original vom 1. März 2022

Was für ein unfeiner, hässlicher Fachausdruck: Kadaververjüngung – wie wär´s stattdessen mit Totholz- oder Moderholzverjüngung? Gemeint ist die speziell von Fichten bevorzugte Art, sich auf vermoderndem Holz anzusamen. Was einerseits zwar mit dem Risiko unzureichender Wasser- und Nährstoffversorgung behaftet ist, für die Verbreitung aber auch Vorteile verspricht: In erhöhter Position lassen sich allfällige Keimungsprobleme auf vergrasten oder allzu steinigen und verdichteten Waldböden besser aussitzen und auch dem Wildverbiss besser trotzen – in naturnahen Bergfichtenwäldern ein verbreitetes Erfolgsrezept. Aber durchaus nicht nur dort: Als ich in den Jahren 2011 – 2018 den Stoff sammelte für meinen Bildtextband Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald (2018), traf ich in diesem frühen Naturschutzgebiet, dem einstigen Wildpark der Fürsten zu Fürstenberg, auf eine Vielzahl von faszinierenden Beispielen, wie Fichtenjugend auf den Trümmern uralter Eichen und Buchen, ob stehend oder liegend, ihr passendes Keimbett gefunden hatte – und sich nun beeilte, den Laubwald zu unterwandern. 

Gelungene Kadaververjüngung auf einem vermorschenden Buchenstamm

Bei meinen zahlreichen Begängen mit geschulterter Nikon (von denen ich nur selten ganz ohne Ausbeute nachhause kam) hatte unweit des Waldeingangs schon bald ein Stumpen meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt: Offenbar war hier vor Jahren eine starke Fichte auf nicht eben fachmännische Weise fast in Brusthöhe umgesägt worden. Oder hatte sie vielleicht der Sturm entwurzelt, und man hatte sie sicherheitshalber etwas höher am Stamm vom Wurzelteller getrennt, ehe der wieder zurück geklappt war? Im Mulm der allmählich bemoosten und vermodernden Schnittfläche hatten sich jedenfalls drei Fichtlein eingefunden. Die schienen hier prächtig zu gedeihen, wurden sie doch nicht, wie andernorts ihre „bodenbürtigen“ Altersgenossen, von den allzu vielen Damwild-Äsern vernascht und zurechtgestutzt.

Erstmals im Jahr 2011 hatte ich das kleine Idyll entdeckt und fotografiert. Ließ sich denn ein anschaulicheres Bild dafür finden, wie Jugend erfolgreich auf den Schultern der Elterngeneration Fuß fasst, um dann durchstarten zu können? Ich beschloss, das so symbolträchtige Ensemble mit der Kamera weiter zu begleiten, war ich doch neugierig geworden, ob die Fichten es wirklich schaffen würden auf ihrem hohen Klotz. Würden die zarten Würzelchen aus ihm ausreichend Nährstoffe und Wasser beziehen, um zu überleben? Und würden sie, kräftiger geworden, rasch genug den Waldboden erreichen, ehe der Stumpen vollends verrottet wäre? Würden daraus dann womöglich mangrovenartige Stelzenwurzler entstehen, wie sie bisweilen ja auch in extensiv bewirtschaften Bergfichtenwäldern zu bewundern sind?

Der Stumpen, entdeckt im Sommer 2011.

Wenig verändert im November 2013

Im Winter 2015 ist erstmals ein Stück herausgebrochen. War der Schwarzspecht am Werk?

Im Sommer 2016 hat sich der Prozess fortgesetzt…

… erst recht bis zum Februar 2017, doch scheint es den jungen Fichten noch immer an nichts zu fehlen auf ihrem Hochsitz.

Lebensrettende Verwurzelung (Stand 2017)

Doch im Spätjahr 2020 ist eine der Fichten bereits abgestorben – der Stumpen zerfällt derweil weiter.

Die kleine Idylle zeigte sich dem Fotografen später in ziemlich desolater Verfassung. Die Fichten sind seitlich weggekippt, und nur die kräftigste ist noch grün benadelt. Ihr als einziger war es bereits 2017 gelungen, mit einer ihrer Wurzeln den rettenden Waldboden zu erreichen, und nun kämpft sie ums Überleben:

Im Februar 2021 wird es bedrohlich für die Fichten.

Ein Jahr später, am 23. Februar 2022, ist es vollends um den Stumpen geschehen.

Nach 12 Jahren trotz Hitzerekorden doch noch die Kurve gekriegt? (Stand 19. 9. 2023)

Ihr Stämmchen beginnt, sich vorsichtig bereits nach oben zu krümmen, und sollte sie es nächstens tatsächlich wieder in die Lotrechte geschafft haben, wird aus ihr wohl ein (in den Augen des Waldbesitzers und Verwerters) ziemlich missgestalteter, säbelwüchsiger Baum werden. Im Wirtschaftswald wäre Derlei wohl alsbald auszumustern, denn das Wirtschaftsziel sieht nun einmal kerzengerade, astarme und möglichst wertholztaugliche Stämme vor. Ob er im Naturschutzgebiet Unterhölzer zu tolerieren sein wird und alt werden darf? Dann, immerhin, hätte sich die Kadaververjüngung für ihn schließlich doch noch ausgezahlt. 

Am 26. November 2024

Am 8. September 2025.
Die letzte überlebende Jungfichte ist noch immer grün benadelt, doch ihre Verwurzelung ist leider wohl doch nicht ausreichend. Bin gespannt, ob sie überleben wird.

Der vorerst letzte Besuch bei meinem Motiv fand am 8. September 2025 statt, das Datum ist digital verbürgt auf dem Foto. Es zeigt den weiter fortschreitenden Zerfall des Stumpens, die letzte Überlebende der drei jungen Fichten hat offensichtlich überstanden: die Benadelung zeigt sich grün und das Stämmchen krümmt sich noch deutlich nach oben. Schade: man müsste die Begleitung mit der Kamera (die nun wohl doch keine Sterbebegleitung war) eigentlich noch über ein paar Jahrzehnte fortsetzen dürfen. Wer weiß – womöglich startet die Überlebende hier ja soeben ihre Karriere als Harfenfichte. Gerade so, wie sie sich vereinzelt noch in den Baumbüchern finden lassen, die um die vorletzte Jahrhundertwende Mode geworden waren: als Naturdenkmal mit horizontalem Erdstamm und mehreren lotrechten Wipfeln – ein neues Schmuckstück für das Naturschutzgebiet Unterhölzer.

Harfenfichte aus Ludwig Klein: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Bade. (1908)

Vom 22. September 2023: Freudig gestimmt und voller Zuversicht treffe ich nach diesem jüngsten Waldbesuch zuhause ein – und schalte wie gewohnt die Mittagsnachrichten ein: Als Topmeldung wird diesmal ein Angriff aserbaidschanischer Truppen auf die im kaukasischen Bergkarabach lebenden Armenier serviert. Strategisch geschickt, heißt es, wo doch Armeniens bisherige (russische) Schutzmacht noch immer durch ihre „Spezialoperation“ in der Ukraine abgelenkt wird – in einem Krieg, der in Putins Reich bei Strafe noch immer nicht als solcher bezeichnet werden darf. Egal: Kriegstote,  gleich welcher Seite und in welchem Verwesungszustand als Kadaver zu bezeichnen, verbietet die Pietät. 

Verzichten wir jetzt endlich doch auch im Fachjargon der Förster auf  Kadaver, belassen wir es im Wald – der schlimmen Assoziationen wegen – beim wundersamen Phänomen der Moderholzverjüngung. 

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