Die geplanten sechs neuen Windkraftanlange auf der Länge und der unterirdische Löschwasserbevorratungstank .
Auch stehe ich noch hinter den Artikeln und auch dahinter, dass ich als Stadträtin immer für die solarcomplex AG gestimmt hatte. Was mich aber ärgert, ist die Intransparenz, die propagandistische Website und der verächtliche Umgang mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern.
Erst mal zur Website: Der Windpark Länge. Keinerlei Infos über die Länge im speziellen, nur drei Statements von vermeintlich wichtigen Leuten. Erstaunlich, dass sogar eine Dame zu Wort kommen darf. Allerdings musste man hierfür im Nachbarlandkreis suchen. Dass der FF Forst gut daran verdient, ist kein Geheimnis. Dass das FF-Sägewerk in Hüfingen einen Grundwasserschaden mit Schwermetallen verursacht hat und sich weigert diesen zu sanieren ist nicht erst bekannt, seit der Zoll mit dem Trainins-Zentrum abgesprungen ist. Dies hat die Stadt Hüfingen schon deutlich mehr gekostet, als sie durch den Windpark je verdienen kann. Am meisten aber ärgert mich, dass auf dieser Propaganda-Seite der Vorsitzende des LNV sich für die Sache her gibt. Der Landesnaturschutzverband – Baden-Württemberg e.V. ist eigentlich ein Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände in Baden-Württemberg. In ihm sind 34 Vereine mit ca. 540.000 Mitgliedern organisiert. Als aktives Vorstandsmitglied des Nabu Schwarzwald-Baar finde ich dies absolut falsch, da ich weiß, dass es in den Vereinen wohl sehr viele kritische Stimmen gibt, die hier ausgeblendet werden.
Zum Umgang mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern
Obwohl ich für den Windpark war und bin, haben wir hier auf dem Hieronymus immer allen Argumenten einen Platz eingeräumt. Sowohl bei den Beiträgen, als auch in den Kommentaren.
Was die letzten Jahre immer wieder passiert ist, ist dass alle Neuigkeiten nur an unsere Provinzpresse weiter gegeben werden. Diese versteckt Pressemitteilungen als „Journalismus“ hinter einer Paywall und verhindert aktiv eine offene Diskussion. Dies ist weder transparent noch barrierefrei. Obwohl ich schon öfters für den Hieronymus angefragt hatte, bekommen wir keinerlei Information. Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt noch berichten soll, aber da dies Hüfingen betrifft, bleibe ich dran. Ich werde also genau hier in diesem Beitrag immer wieder die Informationen liefern die momentan beim Bau des Windparks aktuell sind und lade alle Menschen ein, hier auch zu Kommentieren und zu diskutieren. Weil es betrifft Hüfingen!
Länge am 17. August 2025
Aktuelle Infos zum Windpark Länge
Bis Juli 2026 sollen die sechs Windräder stehen, die Rotorblätter werden aber erst nächstes Jahr geliefert.
Dieser Beitrag wird regelmäßig unter einem neuen Datum aktualisiert!
Erweiterung einer bestehenden Freiflächenphotovoltaikanlage auf den Riedwiesen von letzter Sitzung das vertagt wurde. Heute wurde mit sechs Enthaltungen zugestimmt.
Bauantrag Nr. 39/2025
Neubau einer PKW-Garage in Mundelfingen. Der Ortschaftsrat hat zugestimmt und auch der Gemeinderat.
Bauantrag Nr. 40/2025
Neubau Einfamilienhaus mit Garage in Behla, Baarblick. Der Ortschaftsrat hat zugestimmt und auch der Gemeinderat.
Bauantrag Nr. 41/2025
Neubau Carport in Hüfingen. Dem Carport wird einstimmig zugestimmt.
Bauantrag Nr. 43/2025
Errichtung eines Schuppens in Hüfingen. Dem Schuppen wird einstimmig zugestimmt.
Bauantrag Nr. 44/2025
Umnutzung und Umbau der Lagerfläche im Dachgeschoss vom Bauhof zur Schaffung von Büro- und Sozialräumen. Dem wird einstimmig zugestimmt.
Bauantrag Nr. 45/2025
Neubau eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage auf dem Hohen II. Auch diesem Bauvorhaben wird einstimmig zugestimmt.
Sitzung des Gemeinderates – 25.09.2025 – 18:30 Uhr
Es sind etwa 50 Zuschauer da, aber ich habe mich sicher verzählt.
Gibt keine Fragen aus der Bürgerschaft.
TOP3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen
Auswertung vom Generalentwässerungsplan – dafür werden weitere Geldmittel bereit gestellt.
TOP4 Kunstrasenplatz FC Hüfingen
In der letzten GR Sitzung am 24. Juli wurde, vorbehaltlich der verfügbaren Haushaltsmittel, die Umrüstung des Rasenplatzes auf einen Kunstrasenplatz für den SV Mundelfingen mit 400.000€ beschlossen.
Heute geht es um einen Kunstrasenplatz für den FC Hüfingen für ebenfalls 400.000€.
Der hintere Platz (2) soll umgewandelt und eingezäunt werden.
Die Kosten für die Umwandlung. Hier möchte ich auf die Kosten von 42.200 € für den Zaun aufmerksam machen.
Achtung! Bevor ich über die Ansichten der Gemeinderäte berichte, kommt nun zuerst wieder meine Meinung dazu:
In Mundelfingen bin ich zwar noch nicht so oft vorbeigelaufen wie in Hüfingen, aber die paarmal sogar mit Hund und es hat mich keiner beschimpft, im Gegenteil. Auch war ich in Mundelfingen schon im Clubhaus auf einer Party eingeladen und ich schätze das Engagement in Mundelfingen für Parität und Inklusion ausserordentlich. Auch gibt es dort mehr Mitglieder als in Hüfingen. Apropos Mitglieder, der TUS Hüfingen hat fast doppelt so viele Mitglieder wie der FC Hüfingen und Mundelfingen zusammen. Die Jugendarbeit vom TUS in der Stadt Hüfingen ist deutlich engagierter und die Sporthallen könnten sicher auch mal ein kleines Upgrade verkraften in den nächsten Jahren.
Eine meiner Laufstrecken geht am FC Hüfingen vorbei und obwohl ich mich immer am Tennisplatz vorbei drücke, wurde ich auf deren Grundstück schon mehrfach blöd angemacht. Und zwar nie von den Tennis Spielern! Ich bin damit nicht alleine, auch andere haben mir davon berichtet. Dazu kommt der Zaun, den der FC Hüfingen plant zu bauen, damit niemand mehr am Tennisplatz vorbei zum Römerbad laufen darf.
Der FCH besteht darauf alle Hüfingerinnen und Hüfinger des Wegerechtes zu berauben! Und das mit unserem Geld!
Der FC Mundelfingen wurde in der letzten GR-Sitzung vom Freien Forum gefragt, warum er denn keinen Zaun für den neuen Kunstrasen wolle , da in Mundelfingen wilde Tiere rumlaufen würden, die die Absicht hätten den Kunstrasen zu zerstören. Die Antwort vom Vorsitzenden schwankte zwischen Professionalität und leichter Belustigung. Es gibt also anscheinend nur in Hüfingen jede Menge wilder Tiere die Kunstrasen fressen.
Der Gemeinderat hat meiner Meinung nach gut daran getan den liberalen Mundelfingern Geld für einen Kunstrasen zu geben und bei Hüfingen erst mal abzuwarten wie sich alles entwickelt. Hüfingen kann viel lernen von Mundelfingen!
Der Vorsitzende des FCH hat zuerst seine Erklärung zur Notwendigkeit und Finanzierung vorlesen, dann waren die Gemeinderäte dran.
Der CDU Fraktionssprecher bedauerte, dass es durch die Vertagung zu Irritationen kam. Die Haltung der CDU bleibe aber gleich. Er bittet darum den Durchgang am Hölenstein zum Römerbad offen zu lassen. Ebenso möchte die SPD erst die Finanzen für das Jahr 2027 abwarten. Auch das Freie Forum steht zum Beschluss vom Juli und möchte abwarten, wieviel Geld überhaupt zur Verfügung steht.
Die Umrüstung des Rasenplatzes auf einen Kunstrasenplatz für den FC Hüfingen soll ab dem Haushaltsjahr 2027 jährlich geprüft und mit 400.000 € berücksichtigt werden, falls die Haushaltslage dies zulässt. Der Gemeinderat signalisierte seine Bereitschaft, sich gegebenenfalls auch an zukünftig entstehenden Mehrkosten zu beteiligen. Diese Erklärung wurde mit einer Enthaltung beschlossen.
TOP5 Ausbau der erneuerbaren Energien; Vortrag von Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg
Der Stromverbrauch in Baden-Württemberg wird sich von 2021 bis 2040 verdoppeln. Die Stadt Hüfingen bringt sich aktiv in die Energiewende ein. Hüfingen verfolgt das Ziel der Klimaneutralität. Hüfingen hatte bereits im Jahr 2018 einen erneuerbaren Energien-Anteil bei der Stromproduktion von 81,4 % nach der Klimabilanz für ganz Hüfingen. Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg hat dieser Sitzung einen Vortrag zum Thema erneuerbare Energien gehalten. Hier ist die Webpage dazu: https://www.fraunhofer.de/mediathek/burger.html
Prof. Dr. Bruno Burger vom Institut Fraunhofer ISE, Freiburg
TOP6 Mitfinanzierung der zusätzlichen innerörtlichen Erschließung des Nahverkehres im Ortsteil Behla
Mit einem Schreiben teilt das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis/Nahverkehrsabteilung mit, dass derzeit im Zuge der Fortschreibung des Nahverkehrsplans 2017 auch die innerörtliche Erschließung im Regionalbusverkehr überprüft wird. Aus Kostengründen wird ein Wegfall im Angebot in Betracht gezogen. In Hüfingen betrifft das die Haltestelle in Behla (Haltestelle „Behla Schule“).
Die Stadt Hüfingen wurde vom Landratsamt aufgefordert ein innerörtliche Erschließung zu finanzieren, ansonsten würde „die Streichung des Angebots anvisiert“.
Nachdem der Kreistag im April die Kreisumlage auf 32 % erhöht hatte, möchte er sich jetzt auch aus der Finanzierung des Nahverkehrs zurück ziehen. Ein Landrat bekommt in Baden-Württemberg das höchste Gehalt in ganz Deutschland und dafür darf er auch nicht von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden. Ebenso wird der 1. Landesbeamte von Stuttgart bestimmt. Deswegen brauchen in Baden-Württemberg diese Männer grundsätzlich ein passendes Parteibuch. Es ist manchmal ziemlich undurchsichtig welche Demokratie man überhaupt verteidigen soll.
Gehalt für Landräte in Deutschland laut Stepstone Abgerufen am 14.09.2025
Die Besoldungen von Beamten in Baden-Württemberg kann hier nachgelesen werden:
In der Beschlussvorlage steht, dass dieses abgelehnt werden soll. Hier was die Gemeinderäte dazu sagen:
Zuerst spricht der Ortsvorsteher von Behla. Das Landratsamt habe in der Vergangenheit Vorschläge aus Behla abgelehnt. Behla befürwortet die Verlegung der Haltestelle in die Alois Hirt Straße und schlagen eine Verkehrsschau vor, auch ob vielleicht ein Zebrastreifen machbar wäre. Verzeihung, aber von der CDU hab ich nichts kapiert. Die SPD Fraktionssprecherin versteht die ganze Rechnung nicht und meint, dass im Rahmen der Nachbarschaftshilfe etwas gemacht werden kann. Das Geld wäre hier besser angelegt als beim Landratsamt. Das Freie Forum ist gegen einen Zebrastreifen für den Kindergarten, da sonst alle Ortschaften einen wollten. SPD widerspricht und meint, dass für den Kindergarten sogar eine Ampel angebracht wäre.
Die dauerhafte Mitfinanzierung der innerörtlichen Erschließung in Behla über die Handwerkstraße in Höhe von rd. 13.500 €/Jahr durch die Stadt Hüfingen wird abgelehnt.
Die Verwaltung wird beauftragt das Thema sofort wieder auf die Tagesordnung zu setzten, wenn eine Schließung ansteht.
TOP7 Vergabe der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans 2026
Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 des Feuerwehrgesetzes Baden-Württemberg ist die Stadt Hüfingen auf ihre Kosten verpflichtet, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Um eine professionelle, objektive und verbindliche Bedarfsplanung sicherzustellen, soll die Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans extern vergeben werden.
Der Gemeinderat ermächtigt die Verwaltung die Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans zu beauftragen.
Wegen des Neubaugebietes muss die Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes erhöht werden. Für die Regenwasserableitung werden nun die zugehörigen Kanalbauarbeiten für brutto 231.100,96 € vergeben.
Sowas kommt von Sowas
TOP9 Vergabe Sanierung Nepomuk-Schelble-Straße
Eine Firma aus Freudenstadt soll die Nepomuk-Schelble-Straße für 580.088,51 € brutto sanieren.
Mitte Oktober gibt es für die Anwohner eine Informationsveranstaltung im Rathaus hierzu.
TOP10 Vergabe PV-Anlage für den Hackschnitzelkessel II am Standort Bleichewiese
Es wird eine Firma auch Donaueschingen beauftragt die PV-Anlage für die Heizzentrale II am Standort Bleichewiese für netto € 63.469,66 zu errichten.
TOP11 Feststellung des Jahresabschlusses der Stadt Hüfingen 2024
Da ich weiß, dass dies viele Leute interessiert, möchte ich die Datei mit allen Zahlen abspeichern. Auch möchte ich dies nicht weiter besprechen, da jeder selber schauen soll. Bis Winter kann man auch hier alle Daten direkt bei der Stadt einsehen.
TOP12 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat
29. September 19:00 Uhr ist die Informationsveranstaltung zur Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft.
30. September 19:00 Uhr Kick-off der Nachbarschaftshilfe
16. Oktober gibt es eine Sondersitzung vom Gemeinderat.
7.11.- 9.11. kommt die Partnerstadt aus Groß Schönau.
Neujahrsempfang ist am 18. Januar 2026.
Bei den Anfragen werden die nächtlichen Angriffe auf Autos mit Steinen und die Nägel auf der Straße Richtung Hausen besprochen und was man da tun könnte. Leider ist auch die Polizei ziemlich ratlos.
Anträge der CDU:
Sicherstellung des Fußgänger-Durchgangs vom Clubhaus des FC Hüfingen zum Höllsteinweiher.
Ermittlung des Wohnsitzes der Aquari-Besucher.
Antrag der SPD:
Barrierefreie Gestaltung sämtlicher Schranken in der Gemarkung Hüfingen
Was mag wohl dazu geführt haben, dass eine mehrhundertjährige Eiche mit einem Mal umfällt – ohne nennenswertes Sturmgeschehen und ohne Schneelast? Wo uns die Eiche (Quercus robur) doch als Inbegriff von Robustheit und Standfestigkeit gilt. Nun hat es also auch die Max-Eiche getroffen, wie der Schwarzwälder Bote am 27. September berichtet, die Max Prinz zu Fürstenberg (1896 – 1959) geweihte Starkeiche am Südrand der Königswiese; ihr Wurzelbereich sei „total verfault“ gewesen. Auf die Prominenz dieser Eiche hatte bis vor etlichen Jahren ein am Stamm befestigtes hölzernes Halbrelief mit den Lebensdaten des Prinzen und mit dem heiligen Maximilian (samt Bischofsstab und Schwert) hingewiesen. Es war freilich nicht entwendet worden (wie fälschlicherweise im Buch Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald erwähnt wird), vielmehr hatte es ein aufmerksamer Waldbesucher am Stammfuß aufgelesen und in den FF-Sammlungen abgeliefert.
Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)
Eichen wurzeln bekanntlich besonders tief, weshalb die Baumart auch als vergleichsweise widerstandsfähig gegen Trockenheit gilt. Dem Stress der Hitzejahre 2018 bis 2023 scheinen manche jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein, speziell auf den zu Stein verbackenen Tonlehm-Standorten des Braunjuras, weshalb es an der Königswiese nicht nur die Max-Eiche getroffen hat: Auch eine zweite Alteiche, diesmal am Nordrand der Königswiese, war ohne Vorankündigung im Spätjahr 2023 einfach umgekippt; auch ihre Wurzeln waren großteils verfault; nichts in ihrer Krone, kein Dürrast und auch kein Baumschwamm hatte auf eine Schwächung hingedeutet. Vieles erscheint daher noch immer rätselhaft an ihrem plötzlichen Ende. Doch fraglos wäre es ein schlimmer Verlust für die Region, wenn es um die prachtvollen Gestalten des Unterhölzers, aus diesem „Zauberreich wie aus Grimms Märchen mit uralten knorrigen Eichen und Buchen“ (K. Kwasnitschka), im Zuge des Klimawandels bald vollends geschehen wäre. „HL Maximilian“, so las es sich auf der hölzernen Tafel zum Andenken an Max Prinz zu Fürstenberg, „bitt für uns“.
Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese
durch ein automatisches Update ist es zu Problemen mit der Darstellung und der Kommentarfunktion gekommen. Damit Sie weiterhin Kommentare schreiben und auch die bestehenden lesen können, hatte ich eine Übergangslösung eingerichtet.
Da mir die Übergangslösung besser gefällt, werde ich das vermutlich so lassen.
Was kann ich hier noch verbessern? Hat jemand Kritik?
Was für ein unfeiner, hässlicher Fachausdruck: Kadaververjüngung – wie wär´s stattdessen mit Totholz- oder Moderholzverjüngung? Gemeint ist die speziell von Fichten bevorzugte Art, sich auf vermoderndem Holz anzusamen. Was einerseits zwar mit dem Risiko unzureichender Wasser- und Nährstoffversorgung behaftet ist, für die Verbreitung aber auch Vorteile verspricht: In erhöhter Position lassen sich allfällige Keimungsprobleme auf vergrasten oder allzu steinigen und verdichteten Waldböden besser aussitzen und auch dem Wildverbiss besser trotzen – in naturnahen Bergfichtenwäldern ein verbreitetes Erfolgsrezept. Aber durchaus nicht nur dort: Als ich in den Jahren 2011 – 2018 den Stoff sammelte für meinen Bildtextband Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald (2018), traf ich in diesem frühen Naturschutzgebiet, dem einstigen Wildpark der Fürsten zu Fürstenberg, auf eine Vielzahl von faszinierenden Beispielen, wie Fichtenjugend auf den Trümmern uralter Eichen und Buchen, ob stehend oder liegend, ihr passendes Keimbett gefunden hatte – und sich nun beeilte, den Laubwald zu unterwandern.
Gelungene Kadaververjüngung auf einem vermorschenden Buchenstamm
Bei meinen zahlreichen Begängen mit geschulterter Nikon (von denen ich nur selten ganz ohne Ausbeute nachhause kam) hatte unweit des Waldeingangs schon bald ein Stumpen meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt: Offenbar war hier vor Jahren eine starke Fichte auf nicht eben fachmännische Weise fast in Brusthöhe umgesägt worden. Oder hatte sie vielleicht der Sturm entwurzelt, und man hatte sie sicherheitshalber etwas höher am Stamm vom Wurzelteller getrennt, ehe der wieder zurück geklappt war? Im Mulm der allmählich bemoosten und vermodernden Schnittfläche hatten sich jedenfalls drei Fichtlein eingefunden. Die schienen hier prächtig zu gedeihen, wurden sie doch nicht, wie andernorts ihre „bodenbürtigen“ Altersgenossen, von den allzu vielen Damwild-Äsern vernascht und zurechtgestutzt.
Erstmals im Jahr 2011 hatte ich das kleine Idyll entdeckt und fotografiert. Ließ sich denn ein anschaulicheres Bild dafür finden, wie Jugend erfolgreich auf den Schultern der Elterngeneration Fuß fasst, um dann durchstarten zu können? Ich beschloss, das so symbolträchtige Ensemble mit der Kamera weiter zu begleiten, war ich doch neugierig geworden, ob die Fichten es wirklich schaffen würden auf ihrem hohen Klotz. Würden die zarten Würzelchen aus ihm ausreichend Nährstoffe und Wasser beziehen, um zu überleben? Und würden sie, kräftiger geworden, rasch genug den Waldboden erreichen, ehe der Stumpen vollends verrottet wäre? Würden daraus dann womöglich mangrovenartige Stelzenwurzler entstehen, wie sie bisweilen ja auch in extensiv bewirtschaften Bergfichtenwäldern zu bewundern sind?
Der Stumpen, entdeckt im Sommer 2011.
Wenig verändert im November 2013
Im Winter 2015 ist erstmals ein Stück herausgebrochen. War der Schwarzspecht am Werk?
Im Sommer 2016 hat sich der Prozess fortgesetzt…
… erst recht bis zum Februar 2017, doch scheint es den jungen Fichten noch immer an nichts zu fehlen auf ihrem Hochsitz.
Lebensrettende Verwurzelung (Stand 2017)
Doch im Spätjahr 2020 ist eine der Fichten bereits abgestorben – der Stumpen zerfällt derweil weiter.
Die kleine Idylle zeigte sich dem Fotografen später in ziemlich desolater Verfassung. Die Fichten sind seitlich weggekippt, und nur die kräftigste ist noch grün benadelt. Ihr als einziger war es bereits 2017 gelungen, mit einer ihrer Wurzeln den rettenden Waldboden zu erreichen, und nun kämpft sie ums Überleben:
Im Februar 2021 wird es bedrohlich für die Fichten.
Ein Jahr später, am 23. Februar 2022, ist es vollends um den Stumpen geschehen.
Nach 12 Jahren trotz Hitzerekorden doch noch die Kurve gekriegt? (Stand 19. 9. 2023)
Ihr Stämmchen beginnt, sich vorsichtig bereits nach oben zu krümmen, und sollte sie es nächstens tatsächlich wieder in die Lotrechte geschafft haben, wird aus ihr wohl ein (in den Augen des Waldbesitzers und Verwerters) ziemlich missgestalteter, säbelwüchsiger Baum werden. Im Wirtschaftswald wäre Derlei wohl alsbald auszumustern, denn das Wirtschaftsziel sieht nun einmal kerzengerade, astarme und möglichst wertholztaugliche Stämme vor. Ob er im Naturschutzgebiet Unterhölzer zu tolerieren sein wird und alt werden darf? Dann, immerhin, hätte sich die Kadaververjüngung für ihn schließlich doch noch ausgezahlt.
Am 26. November 2024
Am 8. September 2025. Die letzte überlebende Jungfichte ist noch immer grün benadelt, doch ihre Verwurzelung ist leider wohl doch nicht ausreichend. Bin gespannt, ob sie überleben wird.
Der vorerst letzte Besuch bei meinem Motiv fand am 8. September 2025 statt, das Datum ist digital verbürgt auf dem Foto. Es zeigt den weiter fortschreitenden Zerfall des Stumpens, die letzte Überlebende der drei jungen Fichten hat offensichtlich überstanden: die Benadelung zeigt sich grün und das Stämmchen krümmt sich noch deutlich nach oben. Schade: man müsste die Begleitung mit der Kamera (die nun wohl doch keine Sterbebegleitung war) eigentlich noch über ein paar Jahrzehnte fortsetzen dürfen. Wer weiß – womöglich startet die Überlebende hier ja soeben ihre Karriere als Harfenfichte. Gerade so, wie sie sich vereinzelt noch in den Baumbüchern finden lassen, die um die vorletzte Jahrhundertwende Mode geworden waren: als Naturdenkmal mit horizontalem Erdstamm und mehreren lotrechten Wipfeln – ein neues Schmuckstück für das Naturschutzgebiet Unterhölzer.
Harfenfichte aus Ludwig Klein: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Bade. (1908)
Vom 22. September 2023: Freudig gestimmt und voller Zuversicht treffe ich nach diesem jüngsten Waldbesuch zuhause ein – und schalte wie gewohnt die Mittagsnachrichten ein: Als Topmeldung wird diesmal ein Angriff aserbaidschanischer Truppen auf die im kaukasischen Bergkarabach lebenden Armenier serviert. Strategisch geschickt, heißt es, wo doch Armeniens bisherige (russische) Schutzmacht noch immer durch ihre „Spezialoperation“ in der Ukraine abgelenkt wird – in einem Krieg, der in Putins Reich bei Strafe noch immer nicht als solcher bezeichnet werden darf. Egal: Kriegstote, gleich welcher Seite und in welchem Verwesungszustand als Kadaver zu bezeichnen, verbietet die Pietät.
Verzichten wir jetzt endlich doch auch im Fachjargon der Förster auf Kadaver, belassen wir es im Wald – der schlimmen Assoziationen wegen – beim wundersamen Phänomen der Moderholzverjüngung.
Donaueschingens berühmtester Sohn, Anselm Kiefer, ein Weltstar unter den Malern der Gegenwart, scheint sich schwer zu tun mit seiner Geburtsstadt: Kurz vor Kriegsende (am 8. März 1945) hier geboren und fünf Jahre lang bei seinen Großeltern aufgewachsen, lässt er sich bislang nicht erweichen, sich zur Baar zu bekennen – so sehr die Stadt seit Jahrzehnten darum buhlt und mit ihm zu flirten bemüht ist. Zuletzt im Juli 2022 hatte ihn eine Donaueschinger Delegation in seinem Pariser Atelier aufgesucht, wie der Südkurier berichtete. Doch zu recht viel mehr als zu einem Pressefoto zusammen mit dem gefeierten Künstler scheint es wieder nicht gereicht zu haben.
Wie gut, dass da an Weihnachten nicht nur Wim Wenders seinen Film über Anselm Kiefer („Ein Maler wie kein anderer“) in die Kinos brachte, sondern dass auch das neue Buch von Karl Ove Knausgård auf dem Gabentisch lag, des vielfach preisgekrönten norwegischen Weltstars unter den Literaten. Sein Titel: Der Wald und der Fluss. Über Anselm Kiefer und seine Kunst (Luchterhand-Verl.). Dem Maler mit seinen ebenso großflächigen wie düsteren Werken war der norwegische Schriftsteller seit Jahren schon auf der Fährte – in der Hoffnung, dessen Kunst und Persönlichkeit zu ergründen. Er hatte ihn bereits in seinen Ateliers in Paris wie in Barjac in den Cevennen besucht, war ihm zu mehreren Ausstellungen gefolgt und schließlich auch zu dessen Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Albert-Ludwig-Universität nach Freiburg gereist, wo Kiefer einst Jura studiert hatte. Da lag es nah, dass man bei dieser Gelegenheit auch noch der Einladung des Donaueschinger Fürstenhauses nachkam und in schwarzer Mercedes-Limousine (weil der Hubschrauberflug wegen des Nebels nicht möglich war) durch den winterlichen Schwarzwald auf die Baar fuhr. Schon früh glaubte Knausgård erkannt zu haben, dass der (Schwarz-)Wald und der Fluss (die Donau) aus Kiefers Donaueschinger Kindheit neben der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bis heute in seine monströsen Kunstwerke hineinwirken.
Zum nachmittäglichen Kaffee fand man sich im Schloss ein, wo die fürstliche Familie sich lebhaft um die prominenten Gäste bemühte, ja man bot dem berühmtesten Sohn der Stadt sogar Gelände (60 Hektar) für ein weiters Atelier an, zu jenem in Barjac (50 Hektar) und zur Werkshalle in Paris hinzu. Nach der Schlossführung und vor dem Besuch der Sammlungen besichtigte man selbstverständlich auch die Donauquelle. Als Vierundzwanzigjähriger hatte Kiefer sie in Karlsruhe auf der Vorderseite seines Ausschnittsbuchs gestaltet, berichtet Karl Ove Knausgårdd: Im Buch gab es dann Fotos von einer alten, mit Wasser gefüllten Badewanne, eines alten, schnurzigen Spülbeckens voller Wasser, vermutlich aus seiner eigenen Wohnung.
Entsprang die Donau tatsächlich hier?
Der große deutsche Dichter Hölderlin hatte über die Donau geschrieben, er nannte den Fluss bei seinem uralten Namen Ister und ließ ihn in die griechische Mythologie strömen. Heidegger hatte eine Vorlesungsreihe über das Gedicht und den Fluss gehalten, 1942, als die Nacht im Menschlichen am tiefsten und er selbst nicht ohne Anteil daran war.
Die schwarze Wasserfläche da unten reflektierte wabernd den Himmel über uns. Kiefer sagte nichts über die Bedeutung der Quelle, weder über die mythologische, die historische oder künstlerische, noch über die persönliche, und ein paar Minuten später verließen wir das Schlossgelände und gingen die Hügel zum Museum hinauf.
Dort wunderte sich der Schriftsteller über all die „Hirschköpfe mit großen Geweihen“ und über „ein langes schmales Fresko mit Jagdszenen, auf dem die Menschen und die Tiere, die sie töteten, eng ineinander verschlungen waren“. Und so lässt er Maximiliane die Sicht der Einheimischen erläutern: „Die Straße hinauf wurden die Tiere gesammelt, die man im Wald getötet hatte. Sie wurden abgebalgt, und da oben fand die Auktion statt. Damals waren Felle wichtig.“ Woraufhin Knausgård sich fragt, wie es möglich war, in einen solchen Zustand zu geraten, in dem sich alles darum drehte, Leben enden zu lassen, in dem sämtliche Gedanken und Grenzen aufhören. Das muss der Grund gewesen sein, dass die vielen Tierbilder, Tierstatuen, Hirschköpfe und Jagdszenen, die ich an diesem Tag gesehen hatte, mich mit einem vagen Gefühl von etwas Unheimlichem erfüllten, dachte ich. Das war der Wald.
Nach dem Besuch der Sammlungen („einer Art Raritätenkabinett“), aus dem von Christian auch noch allerlei Mitbringsel für Kiefer abgezweigt wurden, spazierte man an der Brigach entlang durch den Park, wo man sich von der Fürstenfamilie verabschiedete – so herzlich, dass Knausgård sich zur Frage an Kiefer veranlasst sieht: : „Haben Sie wirklich Lust, wieder hierher zu ziehen?“ Was dieser jedoch entschieden verneint, wo er hier doch nur die Fürstenfamilie kenne, während er in Paris Philosophen, Dichtern und Kollegen begegne.
Doch dann wird es doch noch heiter, ja, intim:
Der viele Kaffee, den ich im Schloss getrunken hatte, führte dazu, dass ich auf dieToilette musste, und als wir unsren Weg zu dem Tor am andern Ende des Parks fortsetzten, überlegte ich, ob es möglich wäre, hinter eines der Gebüsche zu gehen und zu pinkeln, verwarf den Gedanken jedoch, als ich die Situation vor mir sah. Kiefer und Forelli [die Managerin], wie sie herumstanden und auf mich warteten, ein wenig verlegen angesichts der plätschernden Geräusche, die von mir zu ihnen drangen, und vielleicht auch peinlich berührt über das Unhöfliche der Aktion.
Doch dann verließ Kiefer plötzlich den Weg und ging über die schneebedeckte Erde, wo er hinter einem Strauch verschwand, so dass ich ihm erleichtert folgen und mich hinter einen anderen stellen konnte.
Wie zwei Hunde kamen wir eine Minute später hinter unseren Büschen hervor, wo die Schneedecke nun von gelben Löchern perforiert war, stapften durch den Schnee zum Weg zurück und schlüpften wieder in unsere Rollen.
Zuguterletzt erreichte man auch noch, vorbei am Bahnhof (Kiefer lachend: „Man sollte nicht meinen, dass das ein Bahnhof ist!“), das Haus, klein und anonym, weiß gestrichen und viereckig, in dem der Maler seine Kindheit verbracht hatte: Es sah aus wie irgendein beliebiges Haus aus den fünfziger Jahren in einer beliebigen europäischen Stadt.
Dann beeilte man sich, zum Donaueschinger Flughafen zu gelangen, stieg in den dort auf sie wartenden noblen Jet, um bei Sonnenuntergang in Paris zu landen. Noch am nämlichen Abend hatte Kiefer mit seinen polnischen Arbeitern „eine große Skulptur für das Rockefeller Center anzufertigen“, sieben Meter breit, weshalb sie sehr sorgfältig konstruiert werden müsse. „Ein Modell, das halb so groß ist, habe ich bereits fertiggestellt.“ Kein Wunder, dass der Künstler, wie er bekannte, nach einem neuen Atelier suchte, das einen Kilometer lang sein solle. Seine Begierde nach Raum schien unersättlich zu sein. Seine Begierde zu arbeiten ebenso.
Ob da DER WALD UND DER FLUSS, der Schwarzwald und die Donau, noch eine tragende Rolle dabei spielen werden?
Jede Dekade hat seine Helden. Nach 1954, als Deutschland mit Fritz Walter, Toni Turek, Helmut Rahn und Horst Eckel Fussballweltmeister wurde, wurden Pausenhofbildler dieser Heroen gehandelt. Nach 1960 wollte jeder so schnell wetzen wie Armin Harry. Zumindest Im Schwarzwald und Bayern war nach unserem Jörgle Thoma Skispringen und Langlauf angesagt. Dass Fussball unkaputtbar ist, bewiesen dann Uns Uwe, Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Stan Libuda und Sepp Maier.
Genauso war es in den unsäglichen 40-er Jahren. Der Schulunterricht begann oft mit den neusten Fronthelden- und Schlachtberichten der Nazipropaganda. Ohne Helden lässt sich die Jugend nur schwer gehirnwaschen. Und so war es nach dem September 1943. Bilder von jungen, kruppstahlharten, windhundschnellen und lederzähen Jungmännern wurden in Alben neben Karten des Grossdeutschen Reiches mit Schlachtplänen mit Mehlpapp sorgfältig einegklebt und mit Sütterlinschrift ausgemalt.
90 Wehrmachts- Fallschirmjäger und 17 SS Leibstandarte Soldaten befreiten den von den eigenen Faschisten gefangen Duce, Benito Musselini. Im Gebirgshotel „Duca di Abruzzi“ mit Seilbahnstation auf dem Campo Imperatore unterhalb des Gran Sasso fand die folgende Geschichte statt. Zufällig war ein unbefangener Nachgeborener verblüfft Zeuge der sehr seltenen und hier ungewöhnlichen Nachkriegsbewältigungen oder Verstummungen von zwei echten Beteiligten. Protagonist und Zuschauer.
„ Ja, den Idioten haben wir herausgeholt “
Wie ein Jungmann mit der Gnade der späten Geburt mitten in ein Heldenepos gerät.
Bauunternehmer- Büro 1974 in einem grossen Verwaltungsgebäude auf der Baar:
Fast jeden Morgen steht er in unserem Büro und fragt ob er wegen unseren abgeschickten Abschlagszahlungen oder Rechnungen bei den Auftraggebern schon anrufen könne. Es ist der sorgenbeladene Geldeintreiber, der Finanzkaufmann einer großen Baufirma in der Region. Nachdem er uns wieder mal gebetsmühlenartig sein Leid über anstehende Lohnzahlungen, Gehälter, Rechnungen, Finanzamtsforderungen, Krankenkassen und Bankzinszahlungen vorjammert gibt’s dann immer noch ein kleines Schwätzle mit dem leutseeligen, freundlichen Schwaben. Dem Jungingenieur sitzt ein alter Hase der Branche gegenüber und ein Jungvolk Protagonist. Noch nie hat er von seiner Prägung während der Schulzeit und seinen Jungvolkerfahrungen gesprochen. Aber heute platzt es geradezu aus ihm heraus: „ Herr …„B“, sind sie eigentlich der Sohn von General ….„B“ ? Der, der als Fallschirmjäger am Grand Sasso dabei war ?“ So direkt und unverblümt fragt er den sonst sehr jovialen, freundlichen Geldeintreiber der Firma. Der antwortet ungewohnt schroff und abrupt: „Ja, den Idioten haben wir herausgeholt“, und er verlässt zum ersten mal grußlos und schnell das Zimmer. Einige Sekunden herrscht eine beklemmende, knisternde Stille. Der alte Hase aus dem Wald atmet tief durch und seufzt: „ Ich haans doch beigott gwisst, siter paar Monet triebt mich selt um. Siner Vadder sieht ihm wie us em Gsiecht gschnitte gliich. G.D. , der alte Hase hat wieder mal in den Büchern und seinen Alben rumgeblättert und auf seine Träume und Albträume aufgepasst. Wie so oft in letzter Zeit. Der Jungspund aber versteht natürlich kein Wort, spürt nur eine prickelnde Anspannung. Allmählich hat G.D. , der lebenserfahrene Mentor, sein Nervenkostüm und die Fassung wieder im Griff und spürt die fragenden Blicke des Jungkollegen. Und nun beginnt er bedächtig zu erzählen:
Hochalmwiesen
am Campo Imperatore
„Jeden Tag wurden wir von dem strengen, stramm linientreuen kriegsverletzten Lehrer über den heroischen Kriegsverlauf unterrichtet. Über die Heldentaten für Führer, Volk und Vaterland. Die neuesten Heldentaten für das Tausendjährige Reich erklärte er uns anhand von Generalstabskarten. Wir kannten Europas Zonen, von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. Dienstgrade, Ritterkreuzträger, Schlachten, Waffen waren uns geläufig. Wir mussten nach der Schule nicht erst an die Gemeindeanschlagtafeln um den Kriegsverlauf einzusehen. Wir waren aus erster Hand systemkonform informiert. Noch heute bekomme ich Gänsehaut als am 13.September 1943 die Tür mit Hitlergruss aufgerissen wurde und unserer Einpeitscher und Chefpropagandist zackig brüllend verkündete: „ Unsere rumreichen Fallschirmjäger unter Mithilfe der Waffen SS Leibstandarte haben unter Kurt Student und Otto Skorzeny den Duce auf dem Campo Imperatore am Grand Sasso befreit“. Allgemeines Gebrüll und tosendes „Heil Hitler“ erschütterten die ganze Schule. Der Nazi Scharfmacher entrollte eine Italienkarte mit dem alpinen Abruzzen Gebirge. Erd- und Völkerkunde direkt und hautnah. Tage später, als die Propaganda Maschinerie auf Hochtouren lief und alle Einzelheiten mehr oder weniger wahrheitsgetreu unters ruhmreiche Deutsche Volk gebracht wurde, wurden auch wir gründlichst gehirngewaschen. Natürlich verlief die Befreiung des von den eigenen Faschisten im Hotel „Duca di Abruzzi“ auf dem „Campo Imperatore“ nicht nur minutiös wie von General Kurt Student geplant und ausgeführt sondern teutonisch generalstabsmässig. Da die SS bei dieser Aktion nicht fehlen durfte, half ein kleiner SS – Trupp unter Otto Skorzeni mit. Von einem Flugplatz bei Rom wurden 90 Fallschirmjäger in Lastensegler gepackt und zum Campo Imperatore von Motorflugzeugen geschleppt. Die 17 Waffen SS- Männer unter Skorzeni in einem weiteren Schlepp- Lastensegler. Darunter der windhundschnelle, Kruppstahl harte und lederzähe Sohn des schwäbischen Generals „B“.
(Übrigens wurden viele Flügel dieser Lastensegler , die aus Holz und Leinenstof waren, in den Donau- Flugzeugwerken Donaueschingen gefertigt. In den von den Nazis requirierten Produktionsstätten der Bürstenfabrik Erich Locherer, Josefstr. Siehe auch Buch „ Bruuchener kaini Bierschte“ von Hubert Mauz über die Bürstengeschichte von Donaueschingen)
Seilbahnstation am „Duce di Abruzzi“
In Assergi an der Seilbahn- Talstation bei Aquila wurden die Wachen von Bodentruppen ausgeschaltet, die Telefonleitung zum Berghotel gekappt und die Wachmannschaft am Hotel kampflos gekapert. Nach demAusklinken der Lastensegler landeten die Segler auf der von Steinen befreiten Almwiese vor dem Alpinhotel „Duca di Abruzzi“. Ein Leichtflugzeug ein „Fieseler Storch“ landete ebenfalls dort. Nach 10 Minuten wurde der Duce aus dem Gebäude geführt und in den wartenden, bereitstehenden „Fieseler Storch“ gepackt. Obwohl mit dem beleibten Duce das Startgewicht schon am Limit war, schlug die ganz große Stunde des grosspurigen Aufschneiders Skorzeni. Auch er zwängte sich entgegen jeder Absprache noch in den fliegenden Besenstiel „Fieseler Storch“ und drängte sich dadurch nachhaltig in die Geschichtsbücher und in die zweifelhaften Heldenanalen des 3. Reiches. Durch das Überladen hob der fliegende Besenstiel erst in aller letzter Sekunde und auf den allerletzten Metern noch geradeso hangabwärts ab. Fast wäre durch die Aufdringlichkeit vom Angeber Skorzeni der Heldentraum und das Heldenepos auf dem felsigen Almweiden noch unrühmlich zerschellt. Dann wäre der Aufschneider Skorzeni everybodis Depp gewesen und nicht everybodys daarling und der ruhmreiche, verehrte Vorzeigenazi geworden. Der Ex- Duce Mussolini wurde via München und Wien ins Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ zu Hitler geflogen und von ihm wieder reaktiviert.“
Fi 156 (Fiesler Storch) während der Befreiung Benito Mussolinis vom Gran Sasso.
Foto: Toni Schneiders: Gran Sasso, Befreiung von Mussolini.- Benito Mussolini im startbereiten Flugzeug Fieseler Fi 156 „Storch“ (Kennung SJ+LL); Fs AOK, Bundesarchiv_Bild_101I-567-1503C-04,Gran_Sasso,_Fieseler_Fi_156»Storch«
Zwar hatte ich in Alpinzeitschriften von Skihochtouren im Mai im Hochgebirge der Abruzzen gelesen. Dort soll man , einmalig in ganz Europa, am Morgen noch Skifahren, und am Mittag in der kühlen Adria plantschen können. Dabei wurde auch die Mussolini Geschichte knapp gestreift. Aber nun bekam ich so vom Mentor G.D. die wahre und die ganze Geschichte erzählt.
Beim nächsten Besuch des Geldeintreibers „B“ kam es zu einem sehr streng vertraulichen Gespräch. Auch dem Eleven wurde strengstes Stillschweigen abverlangt, was der bis heute, nachdem beide Hauptpersonen nicht mehr leben, 45 Jahre lang absolut eingehalten hat. Da diese Episode jedoch auch ein Zeitzeugnis der 1975 Jahre, aber auch der 1940 Jahre ist, genaugenommen vor 80 Jahren, glaube ich, dass es nun erlaubt , wenn nicht sogar eine Verpflichtung ist, darüber zu berichten.
Die erste bohrende Frage von „B“ an G.D. war, wie er auf die Vermutung gekommen sei, dass er dabei gewesen sei. Das hat G.D. so erklärt:
„Von unserem Propagandisten Lehrer wurden wir detailliert unterrichtet. Kern war die Heldenverehrung der beteiligten Soldaten, insbesondere der 17 SS Leibstandarte Elite Soldaten. Von jedem wurden die Vita und die Wehrausweis – Fotos gezeigt und zur verpflichtenden Album- Aufbewahrung übergeben. In den kommenden Wochen wurden immer wieder die Daten und die Heldentaten dieser „schnellen, harten, zähen“ Elitesoldaten abgefragt. Wir kannten Herkunft, Mutter, Vater, Ausbildung, Auszeichnungen genau. Wehe , wenn die Heldendaten aus dem Zettelkasten nicht wie aus der Pistole geschossen kam. Dagegen war die Fussballheldenverehrung der WM – Bern 1954 mit den Fussballgöttern Rahn, Toni Turek, Fritz Walter und Horst Eckel ein Kinderspiel. So wurde auch ihr Vater mit dem glorreichen Sohn auch bildlich mit einbezogen. Und genau dieses Bild des General „B“ mit der frappierenden Ähnlichkeit mit ihnen ist mir wieder mal in die Hände gefallen, zusammen mit der Liste der 17 Gran Sasso Soldaten. Lange hab ich mit mir und der für sie vielleicht unangenehmen Fragestellung an Sie gerungen.“
Finanzkaufmann „B“ hat dann noch ganz persönlich und mit verhohlenem Stolz ziemlich ausführlich diese Mussolini Befreiung aus seiner ganz persönlichen, aktiven Sicht geschildert. Zum ersten mal, sagte er, würde er das an Fremde preisgeben. Nachdem noch mal absolutes Stillschweigen vereinbart wurde, rumorte es noch lange, genaugenommen bis heute, bei dem Eleven. Auch war der Informationshunger des alten Hasen gestillt. Nicht ganz ohne Genugtuung wurde der ehemalige Hitlerjunge so ein naher, intimer Zeitzeuge dieses geschichtsträchtigen Ereignisses.
Nie mehr wurde später darüber gesprochen, was ein merkwürdiges, aber gängiges, übliches Merkmal dieser Nachkriegsjahre war.
Nach dem Handelsregister beim Amtsgericht Donaueschingen wurde am 10. Dezember 1919 ein Gesellschaftsvertrag mit beschränkter Haftung geschlossen und am 27. Oktober 1920 abgeändert. Vorstände der Gesellschaft waren Kaufmann Moritz Faurt in Berlin und der Werkführer Engelbert Holzer. Sie nannten ihre Firma Sägewerk Hüfingen e.G.m.b.H. und am 28. Februar 1921 wurde die Firma Boswau und Knauer, e.G.m.b.H. Berlin, Zweigniederlassung Hüfingen ins Handelsregister eingetragen.*1
In Berlin wurde am 18. September 1926 in den Geschäftsräumen der Mitteldeutschen Kreditbank die Silvana-Holzindustrie Aktien-Gesellschaft mit dem Sitz in Hüfingen gegründet. Mit dieser Gründung wurde die Aktien-Gesellschaft Boswau und Knauer um die Mitteldeutsche Kreditbank und die Grundstücks- und Effekten-Verwertung, G.m.b.H. in Heidelberg erweitert. Die Gesellschaft bezweckte den Zusammenschluß der Boswau und Knauer AG. gehörenden Säge- und Imprägnierwerke in Hüfingen, in Aach, in Linza. d.D. sowie der Sägewerke Wolfach zu einheitlichen Betrieben.*1
Im Jahr 1933 ging das Sägewerk an das Haus Fürstenberg über und hieß „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. *1
Im Sägewerk arbeiteten, bis zur Befreiung 1945, von den Nazis entführte Zwangsarbeiter aus dem überfallenen und besetzten europäischen Ausland.
Die Zeit von 1933 bis 1945 liegt bis auf das Tagebuch von Bart Heyning im Dunkeln und laut der Chronik von Hüfingen hieß es bei der Bevölkerung 1984 noch immer „Säge-und Hobelwerk Fürst Max Egon zu Fürstenberg“. Die Zwangsarbeiter wurden nie entschädigt oder irgendwie die Geschichte aufgearbeitet. Nach der Befreiung lief das Geschäft normal weiter, da das Fürstenhaus von den Alliierten weißgewaschen wurde.
Nach dem Krieg entstand 1951 eine „Fürstenberg-Holzgruppe“ mit Sitz in Brüssel wo es die Interessen der Imprägnierindustrie in Europa vertritt.
Stellwerk 2 Hüfingen vor dem Abriss
Abriss im Oktober 1985
FF Sägewerk in den 1980ern
Fotos Hermann Müller (1914-2004)
2017 wurde Fürstenberg-THP aus der Holzgruppe heraus gegründet. Fürstenberg-THP hat den Standort Hüfingen in den vergangenen Jahren durch den Bau einer neuen Imprägnierungsanlage und die Erweiterung der Produktionsanlagen für die Bearbeitung von Eisenbahnschwellen massiv gestärkt.
Imprägnieranlage
Hierfür werden Teeröle oder sogenanntes Kreosot verwendet. Es sind Chemikalien, die durch die Destillation verschiedener Teere und die Pyrolyse von pflanzlichen Stoffen wie Holz oder fossilen Brennstoffen entstehen. Also ein Gemisch das verschiedene Chemikalien enthält. Vielleicht hat schon mal wer von PAK gehört? Also Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe?
Heute gehen wir davon aus, dass der Boden dort nach über 100 Jahren hochgradig verseucht ist. Vor Jahren haben Anwohner den Boden in ihrem Garten untersucht und die Ergebnisse gibt es hier:
Altlastenkartaster
Schellenbergstraße A Quecksilbergehalte [mg/kg] : 1.85
Schellenbergstraße B Quecksilbergehalte [mg/kg] : 0.64
Bei dem Vertrag handelt es sich um ein hinteres Grundstück mit der Flurstücknummer 600. Dieses Flurstück befindet sich im Besitz von der Fürstenberg-Holzgruppe.
Die Bima bezahlt normalerweise eine Bodensanierung, was ziemlich viel Geld kostet. Aber der Fürst wollte auch ziemlich viel Geld für das Grundstück. Dies alles konnte die Bima nicht vor dem Steuerzahler verantworten und hat vom Kauf Abstand genommen.
Jetzt ist es aber so, dass nicht alles Land dem Fürst gehört, ein kleiner Zipfel vorne gehört der Stadt Hüfingen und das Land wurde im Jahr 2021 untersucht.
Das Flurstück 600 im Besitz der Stadt Hüfingen wurde im Jahr 2021 untersucht. Auf diesem Flurstück wurde immer nur Holz gelagert. Die eigentliche Kontamination mit Grundwasserschaden befindet sich weiter westlich.
Nur zur Info: Neben den Hüfinger Tiefbrunnen am Schaafäcker ist der neue Donaueschinger Tiefbrunnen an der Ruckhalde.
Neuer Donaueschinge Tiefbrunnen an der Ruckhalde
Grundwasserschaden in Hüfingen
Hüfingen hat also einen Grundwasserschaden. Das Gelände vom Sägewerk wurde bereits vor 30 Jahren untersucht. Es wurde ein Grundwasserschaden mit Schwermetallen auf dem Betriebsgelände festgestellt. Dieser Grundwasserschaden wurde von 1998 bis 2025 durch eine Grundwasserentnahme mit anschließender Aufreinigung saniert. Antworten vom Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz zu unserem Trinkwasser
CDU und Freies Forum stimmten am 8. Mai für die Versiegelung des schwer kontaminierten Bodens und die aktive Vertuschung des Grundwasserschadens. Auf der asphaltierten Fläche baut FF-Holz eine Rundbogenhalle mit einer Grundfläche von 25m x 36m (900m²), um in Zukunft den Grundwasserschaden nicht mehr durch Aufreinigung des Wasser bezahlen zu müssen.
Das Argument hierfür war, dass die giftigen Abwässer vom FF Sägewerk ja nicht in unsere Tiefbrunnen gingen, sondern in die Breg. Hier möchte ich auf den Artikel über die Donau hin weisen: Donau ist Nr. 1 bei Schadstoffbelastungen in Europa.
*1 Nach der Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984