Brigobanne glarea deserta est

Gerne möchte ich mal wieder darauf hin weisen, dass Schottergärten illegal sind. Schon im Jahr 2023 hatten wir die zuständige Behörde auf dem Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis angeschrieben und gebeten sich um den schlimmsten Schottergarten in Hüfingen zu kümmern.

Am 9. Juli 2023 schrieb ich folgenden Text an das Baurechtsamt:

Die Stadt Hüfingen hat leider keine Baurechtszuständigkeit, deshalb wendet sich der Verein Freunde der Natur Hüfingen e.V. an Sie. In Hüfingen ist vor einigen Jahren ein Schottergarten an der Donaueschinger Straße angelegt worden. Es ist zwar nicht der einzige in Hüfingen, aber mit Abstand der größte, heißeste und direkt an der Hauptstraße, also für jeden sichtbar. Der alte Baumbestand wurde hierfür damals auch entfernt, es ist gar nicht so lange her.

Das ist ein Verstoß gegen § 9 der Landesbauordnung BW.

Im Gegensatz zur verbreiteten Auffassung sind Schottergärten nicht erst seit 2019 verboten (Biodiversitäts-Stärkungsgesetz), sondern seit Inkrafttreten der Landesbauordnung. Wobei dieser Schottergarten sogar nach 2019 angelegt wurde.

Hier das Urteil vom Verwaltunsggericht vom Januar 2023:
https://kommunal.de/schottergarten-entfernen-gericht

Vom Baurechtsamt kam gleich am 8. Februar 2023 die Antwort, man würde sich kümmern. Am im Juni 2024 wurde nachgehakt und es kam am 12. Juni 2024 wieder die Antwort, man würde sich kümmern.

Haupsache die Kreisumlage stimmt und die hoch bezahlten Beamten bekommen ihre Pensionen.

Folgender Text war im Newsletter des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg im Jahr 2023 über „Gärten des Grauens vor Gericht“ von Dr. Gerhard Bronner (LNV-Vorsitzender)

Liebe Naturschützerinnen und Naturschützer,

das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen hat Schottergärten rückwirkend ab 1995 für illegal erklärt. Damals wurde in den Landesbauordnungen der folgende Passus aufgenommen: “Die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein, soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden.“

Wir könnten uns nun mit einem „Haben wir doch gleich gesagt!“ zurücklehnen, aber das zaubert den bereits verbauten Schotter nicht weg. Immerhin ist nun entschieden, wer im baden-württembergischen Konflikt zwischen dem Umweltministerium und dem Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Recht hat.

Und wir können nun die Baubehörden auffordern, von den Schotterbesitzern eine Begrünung einzufordern.

Man kann zu Recht fragen, ob wir Naturschützer nichts Wichtigeres zu tun haben, als gegen ein paar Quadratmeter (in Summe: etliche Quadratkilometer) Schotter anzugehen, die sich über kurz oder lang ohnehin mit „Unkraut“ begrünen werden. Ich denke aber, es stellt sich eine kulturelle Frage. Wenn der Garten der Spiegel der Seele seines Besitzers ist, wie mag es dort aussehen? Es geht auch um die Deutungshoheit für den gesellschaftlichen Umgang mit der Natur: Wollen wir als Teil der Natur leben oder in Opposition zu ihr?

Wenn wir im Kampf gegen den Flächenverbrauch kleinere Baugrundstücke forderten, wurde uns entgegengehalten, die Leute wollten große Grundstücke und das trage doch zur Durchgrünung bei. Warum will jemand ein möglichst großes Grundstück und schottert dann die Hälfte davon zu?

Wird Ulf Soltau, der Schöpfer der Seite „Gärten des Grauens“, nach dem aktuellen OVG-Urteil arbeitslos? Das wird noch dauern. Denn nun kommt es auf die Kommunen an, das Verbot der Schottergärten auch konsequent umzusetzen. Die Unterstützung der Naturschutzverbände haben sie.

Wir sollten den unbekannten Beschäftigten eines Ministeriums ehren, der in den 90er-Jahren unbemerkt, aber sehr weitsichtig, den oben zitierten Passus in die Bauordnungen schmuggelte. Ob er geahnt hatte, was für Perversitäten der Gartengestaltung in den 2000er-Jahren Mode werden würden?

Die Schächerkapelle

Eine erste Version des Beitrags über die Schächerkapelle war im Sommer 2019

Bräunlinger mappa aus dem Jahr 1620

Vermutlich wurde die Schächerkapelle in den Jahren 1608/1609 erbaut, sicher vor dem 30-jährigen Krieg.
Im Jahr 1622 ist erstmals von einem „Cruzifix- oder Schächerhäuslein“ die Rede. Auch auf der Bräunlinger mappa ist ein Kreuz mit einem Häuslein eingezeichnet. Die Entstehung und die Herleitung des Namens sind weitgehend ungeklärt. Zwar gibt es das mittelalterliche Wort „Schächer“, was so viel heißt wie „Räuber, Verbrecher“, und auch eine Verbindung zu den Sühnekreuzen ist denkbar. Beides jedoch ist nicht belegt.*

Traditionsgemäß stehen solche Kapellen an den Verbindungsstrassen als Zufluchtsorte für von Unwettern bedrohte Wanderer. Eine noch heute lesbare Inschrift an der Kapelle lautet:

„In Sturm und Wetter,
Sei Gott mein Retter.
In Krieg und Frieden
Sei uns sein Schutz beschieden.“

Die Schächerkapelle gezeichnet von Dennig-Ruh 1967

Die Schächerkapelle von Gottfried Schafbuch

Die Schächerkapelle gezeichnet von Franz Wintermantel 1972
Die Schächerkapelle gezeichnet von Franz Wintermantel 1972

„Anfangs Mai 1916 wurde durch den Fürstlich Fürstenbergischen Archivrat Dr. Tumbült, Donaueschingen, und Bürgermeister Bausch, Hüfingen, das Eigentumsverhältnis der Schächerkapelle an der Straße nach Donaueschingen festgestellt.
Es ging damals um die Bezahlung der Kosten für die notwendige Instandsetzung der seiner Zeit ziemlich verwahrlost gewesenen Kapelle.
In der Niederschrift der Verhandlung wird erwähnt, daß die Schächerkapelle seit Menschengedenken aus Mitteln wohltätiger Stifter baulich unterhalten wurde, da niemand Eigentümer des Heiligtums sein wollte.

Vermutlich wurde die Kapelle in den Jahren 1608/09 erbaut. Bis etwa 1864 befand sich in der hiesigen Schächerkapelle ein Kruzifix aus Gips, das nachts von einem betrunkenen Gotteslästerer aus Allmendshofen blindlings total zerstört wurde. Da kein Eigentümer der Kapelle vorhanden war und die Mittel für ein neues Kruzifix sehr spärlich eingingen, hatte Prinzessin Elise zu Fürstenberg das jetzt noch vorhandene Christusbild aus Eisenguß und in Gold gefaßt, gestiftet.

Bei der Nachforschung nach dem Eigentümer der Schächerkapelle wurde festgestellt, daß auf der Bannkarte vom Jahre 1788 der Standort der Kapelle angegeben ist; merkwürdigerweise läßt sich aber im Urbarium vom gleichen Jahr ein Eigentümer nicht feststellen. Das Gelände war wohl Fürstliches Herrschaftsfeld, doch wurde bei einer Flurvermessung der Zipfel, auf dem die Schächerkapelle steht, mit dem Gemeindegrundstück Hochstraße vereinigt und ist somit Eigentum der Stadt Hüfingen.

In seiner Sitzung am 3. August 1917 faßte der Hüfinger Gemeinderat folgenden Beschluß:

„Nachdem die im Mai 1916 vorgenommene Nachforschung nach dem Eigentimer der Schächerkapelle ergeben hat, daß die Kapelle bei der Katastervermessung mit dem Gemeindegrundstück Hochstraße vereinigt wurde und somit die Gemeinde Hüfingen zweifellos Eigentümerin der Schächerkapelle ist, wird dieselbe als Eigentum hiesiger Gemeinde anerkannt.“

Die zwei mächtigen Silberpappeln samt dem Hasenwäldle werden bei klarem Wetter selbst vom Wartenberg, wie auch vom Fürstenberg aus gesehen.

Bei der 1968/69 erfolgten Instandsetzung der Schächerkapelle wurden dem Kruzifix rechts und links die hiesigen Kirchenpatrone. St. Verena und St. Gallus, beigegeben. Diese beiden Figuren standen ehedem auf dem Hauptaltar der Stadtkirche.“

Selbst von einer sagenhaften Gestalt, die späten Heimkehrern begegnet, ist seit eh und je die Rede. Ein unbekannt gebliebener Poet hinterließ uns nachstehendes Gedicht über die Schächerkatze:

Dert, wo de Weag gi Eschinge goht,
zwischet zwo große Pappele schtoht
e Käpelli,’s ischt suuber und nätt,
ech mecht nuu wisse, wears gschtiftet hätt.
I dem Käpelli seit mer Schächer bi iis,
es hätt en goldige Herrgott im Ghiis.
Und d’Bämm, die schtond scho meh als hundert Johr,
drum sieht mer’s au fascht i de ganze Boor.
Meng Wiibervolk und au menge Maa,
die Kummer, Sorge und Kriiz hond khaa,
sind i des Käpelli inni gruckt,
hond andächtig drinn ere Load verdruckt.
Duet Sankt Petrus emol e Wätter loslau,
no ka mer ganz rüejig drinn unterschtau.
Doch ischt es bim Schäer scho gfähli gsii

Gottfried Schafbuch in Bii Boor – Mii Hoamet 1972

D’Schächerkatzen
https://www.narrenzunft-huefingen/Schaecherkatze

Aus der Chronik von 1984

Hermann Lauer ist der Meinung, dass das Schächerkreuz an der Straße nach Donaueschingen in den Jahren kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg entstand. Tatsächlich ist im Jahre 1622 erstmals vom »Crucifix- oder Schächerhäußlein« die Rede. Demnach bestand die Kapelle bereits in jenem Jahr.

Während sich die Bedeutung der Schächerkapelle im Schächer von Fürstenberg, erklären läßt, ist die Herkunft der kleinen Kapelle am Ausgang Hüfingens in Richtung Donaueschingen ungeklärt. Zwar ist der »Schächer« aus dem Mittelhochdeutschen herzuleiten und bedeutet soviel wie »Räuber, Verbrecher«, aber auch in diesem Zusammenhang ist eine Deutung nicht zu finden. Möglicherweise steht der Hüfinger »Schächer« mit den Sühnekreuzen in Verbindung.

Unter Pfarrer Rudolf Rauber haben 1909 die Gebrüder Marmon, Bildhauer-Atelier in Sigmaringen, den jetzigen Altaraufbau mit Tabernakel und Verena- und Gallusfigur angefertigt. 1960 wurden die Figuren der hl. Verena und Gallus in der Schächerkapelle untergebracht, 1993 jedoch im Auftrag von Herrn Dekan Andreas Huber wieder zurückgeholt und neben dem Altar aufgestellt, wo früher die Beichtstühle waren.

Die Kapelle war nach dem Ende der napoleonischen Kriege dem Verfall nahe. Da aber nicht klar war, wem die Kapelle gehörte, wurde im Auftrag des Stadtrates eine Kollekte veranstaltet, um die kleine Kapelle reparieren zu können. Im Jahre 1838 aber stürzte das Gewölbe der Kapelle ein, weil es alt und baufällig gewesen war. Wieder wurde eine Kollekte durchgeführt und die Arbeit versteigert. Sie wurde von der Gemeinde zum Mindestgebot von 50 fl. vergeben. Nach Gottfried Schafbuch befand sich in der Kapelle ein Kruzifix aus Gips, das nachts von einem betrunkenen Gotteslästerer aus Allmendshofen zerstört worden sei. Da die Kapelle keinerlei Fundus besaß, war niemand für die Wiederherstellung offiziell zuständig. Prinzessin Elise zu Fürstenberg stiftete darum das heute noch vorhandene Kruzifix, das aus Eisenguss besteht und in Gold gefaßt wurde.

Während der folgenden Jahrzehnte verfiel die herrenlose Kapelle immer mehr, und während des Ersten Weltkrieges wurde die Renovierung immer dringender, aber ein Eigentümer der Kapelle war noch immer nicht bekannt. Darum versuchten Dr. Georg Tumbült, der bekannte fürstenbergische Archivrat, und Bürgermeister Bausch aus Hüfingen im Mai 1916 die Eigentumsverhältnisse zu klären. Es zeigte sich dabei, dass die Kapelle seit Menschengedenken von Wohltätern erhalten worden war. Es zeigte sich weiter, dass auf der Bannkarte aus dem Jahre 1788 zwar der Standort der Kapelle angegeben, im Urbar der Stadt Hüfingen jedoch kein Eintrag zu finden ist. Zwar befand sich die Kapelle auf Herrschaftsfeld, aber bei einer Feldvermessung wurde die Fläche, auf den die Kapelle steht, mit einem Gemeindegrundstück vereinigt. In einer Sitzung am 3. August 1917 anerkannte der Gemeinderat das Eigentum der Schächerkapelle.

Die kleine Kapelle zwischen den zwei mächtigen Silberpappeln wurde 1968/69 instand gesetzt. Links und rechts des Kruzifixes wurden die Statuen der hl. Verena und des hl. Gallus angebracht. Sie hatten einst ihren Platz wohl auf einem Hauptaltar der Hüfinger Pfarrkirche.

Die Figuren befinden sich heute wohl irgendwo in der Sakristei und dienten als Vorlage der Figuren die heute in St. Verena und Gallus stehen.

Vielen Dank an Matthias Sigwart.
(Am 10. August 2024 in den Kommentaren)

Die Heilige Verena in Verena und Gallus
Die heilige Verena und
der heilige Gallus in der Stadtkirche

Die zwei mächtigen Silberpappeln die bei klarem Wetter vom Wartenberg und auch vom Fürstenberg aus gesehen wurden:

Schächer im Herbst 1964
Alte Donaueschinger Strasse
in den 1970ern
Fotos: Karl Schweizer
hier die Reste im Sommer 2019

Quellen:
Die Chronik von Hüfingen von August Vetter (1984)
Mii Boor – Mii Hoamet von Gottfried Schafbuch (1972)
Kirchen und Kapellen in der Stadt Hüfingen von Dr. Maren Nickel (2006)

De Hintsch

De Hintsch gelesen am 2. Februar 2024 von von Hubert Mauz

E Rinderkranket usem Kuriositätekabinett vum Roßdokter

Schwarzwaldhof im Schnee

Am Herdeplatz am Weagroa im Spotherbscht anne 1938 hät de Fischer Lambert, de Förschter vu Wolterdinge, sin aalte Fahrradgeppel uffbockt und flickt sin Plattfuess won er uf dem stoenige Weag vum Kohlwald unne uffi sech gard iigfahre hät. Er fluecht und sakramanetiert: „ Gottverdammi, scho wieder en Platte, erscht geschtert hani bim Blenkle- Schmied z` Briilinge neii Fahrradflick und Kleaber gholet. Die Gummischliech und die Vulkan- Kleaber sind halt au nimme des wa sie mol waret. Sit de Adolf ame Krieg ummizindlet bruucht er allen Gummi, de guet Kautschuk ver die Laschtwäge, Kübelwäge und Nazi- Motorräder. Mir, die Kleine, grieget nu no de Schiissdreck und de Uusschuss. Der Schluuch hät fanget meh Flick wie des Rad Spoache hät. Me sieht fascht konn Gummi meh. Sakrament, Schiessdreck aber au, so en Soach.

„Jo wa kunnt denn do vu Buebach unneuffi ?“ . „ En Guete“ sait des Biebli mit dem Kiehli, ganz matt und daigig, meh ghuuchet wie g muht: „Muuhhh“„ . „Au en Guete, Biebli. Kunscht aber scho frie vu Buebach unneuffi. Wit zum Hagge gi Huvershofe ? Moneter, dass es mit dem Kleppergschtell no ebbis giit. Dät sage do nitz nit emol de bescht Briilinger Hagge no ebbis“ . „ He Naai, ich muen s Kiehli gi Bittelbrunn fiehre“ . „ Jo waa, so wiit no, monsch der Serbling kunnt dert no aa ? , wem kehrsch Biebli und wie hoasch ?“ . „ Ich biin de Rohrer Rheinhold vuns Rohrers, wissener, d` Alma het de Hintsch griegt“ . „ Oh Jesses Maraie, diesell Kranket wo`s nu im Buebach giht und in de Obere Schoole, do sinner aber schwer blooget. Hai, hilf mer no den Geppel wieder zämet z Schruube, So, also guet.“ . „ Wo wenn ihr im Buebach no naa ?“ . „Waisch, Reinholdle, bi iis am Halleberg isch en gruusige Storiax dorchgfahre und hät vill Bämm umbänglet und umgworfe. Ich han en Sau- Verhau und bruuch no meh guete Holzmacher zum Uffrumme vorem Winter. Und dinni Buebacher Manne sind schaffigi, fliessige und pfiffige Holzhauer und Schlaifer, grad bi so Stormverhau. Do bruuch i paar devu, do will i im Bierhiesli am Friehschoppe die beschte aabohre und aawerbe.“ „He jo, ich han grad e paar gsehne ins Bierhuus wackle, de Babbe isch au debie. Bin dem Sauwetter schaffets hit idde „ . „Also no ischs jo guet, no find i jo e Paar vu dene bommstarke Kerli. Adee, und bring des serblig Kiehli guet gi Bittelbrunn, guck dass es nit vorher scho zenmetkhait, de Rohrer- Albert dät gherig mit der gosche. Und gucket, dass die Kur im Kuhe- Kurhuus Bittelbrunn dusse guet aaschleht. Adje, Reinholdle „ und gottbefohle ver din wiite Weag“ . „En Gute , Förschter Lambert, und mick jo guet des Sauloch do rab, sunsch kehnts eich schwer uf d` Schnurre schlaan wie scho villi wo dert nab graitet sind. Un im Bierhuus briicht mer de Hepf zum s` Loch im Kopf uusspiele und nit ver d` Goorgle„ .“Des isch baigott en gattige kleine Hoseforzer, der häts Muul und s` Hirni am reachte Fleck“, denkt de Lambert bim Abfahre gi Buebach.

Bim Iitrette is Bierhiesli:
„Dees war beigott wieder e Graiterei do nab. D` Micki het scho aagfange zum gliehe und de vorder Bremsklotz hät scho gstunke, breeselet und qualmet wie e Köhler- Fier. Soo, do wäremer“ .
„ Gute Morge, Griess Gott, zum Wohl. So kamers uushalte bi dem Saichwetter am warme Kachelofe ufem Ofebank vum Bierhuus.“
Alli brummlet verdruckt zruck: „Au en Guedde, Lambert“ . „ Kresenz, en Hepf und en Halbe vum Friedewielemer Klosterbier“. E paar Minute isches still, alle beschweiget sich aaregend gegesiitig bis de Lambert de aahaltend Kuuscht- Friede bricht: „ Bi iis dusse hät de letscht Herbschtstoriax gherig in Halleberg inniglanget. A dere Haalde homm mir en mords Verhau. Des sot i no vorem Winter uffrumme“ „Soso“ . „Soso“ „He nai, so ebbis“ „ Do henner aber kaini gute Waldheilige aabetet“ . „ So ebbis koscht Geld“ . „So ebbis giht meh Brennholz wie Bretter“ . „ So , so“ . „ Ha so ebbis“ . „He nai, wa du idde saisch“. Brummlets. Allmählich plazt im Lambert de Kragge woner merkt dass en die giffizige Buebacher Schaalme abschwarte wend.
„Ihr honds scho gmerkt, ich sot gute Holzhauer und uusgfuxti Schlaipfer mit gute Rooß han, wer macht mit ?“ „ Jetz hemer gmaint du kunsch zum Schnäpsle ins Bierhuus, do gohts jo um Arbet. Was zahlsch im Taglohn?“. „ So, so, seld isch aber weenig. Fier die saughä knochebrecher- Halde wemmer 20 Pfennig meh fer de Maa und ver d` Roß ai Mark meh und de guet gschrotet Haber vum Gehringer Miller ummesunscht“ . „ Also guet, wa bliebt mer anders ibbrig, abgmacht, s`gilt.“
Alle bekräftiget`s mit eme Handschlag und schächet giffizig und gnitz iber de Tisch. „ Also, kann i ufschriebe: Wunderle……, Schöpperle……….., Schwörer………. mit de Roß, Meder……….., Rohrer………mit zwei Ochse., Kleiser……….mit de Roß, Junkel………., Schwarz …………… saget mol, gihts nu die Näme im Buebach ? ; do words aber Ziit für frisch Bluet, soll ich eich mol Beerliwieber vu Wolterdinge, Hufertshofe und Zindelstai an Glattacker un ins Moos schicke?“ . „Seld kaansch ruhig mol mache, no weremer scho sehne…….“.
„Du, Rohrer Albert, din Bue, sell pfiffig Reinholdle, han i hit Morge am Herdeplatz troffe. Er isch miteme daigige Kieheli gi Bittelbrunn unterwäegs. Honn er wider de Hintsch?“ . „ He joo, s` het iis wiedermool verdwidscht. Sidder drei Johr waremer verschoont, do hends andri khaan. Waisch, mir hen Verwandschaft z` Bittelbrunn duuse. Wemers dert 3-4 Woche in ere Art Kur unterstelle kinne, no kumets ellemol wieder ganz guet aa. Defier bringt de Bue Morge ains vu de Bittelbrunner Kälbli zruck in Buebach wa deno bin iis gfueteret wird. Iiser Fuetter duet denne ihre War ellemol au ganz guet. So goht ains mit em andre. Beid hend ebbis devoo“ . „Aber jetzt saget mol, wa isch denn des ver e kaibe schreegi Kranket wo d` Rindli so serblet und daigig weret do hinne bei eich?“ . „ He waaisch, de Hintsch, so saage mir, manchi sage au de Semper oder d` Darri, den giihts nu im Buebacher Tal, in de Obere Schoole und selte im Hammer. In de Untere Schoole isch er idde. Drum dient die Buure us de Obere Schoole ihre Rindli, wenns wiedermol de Hintsch hend, rab in die Unter Schoole. Dert kummet sie denno ellemol wieder noch paar Wuche ganz guet aa“. „ Jo sag nuu, aber saget mol, waa isch des ver e Siichi ?“ „ He waisch, die Kiehli und Rindli stehn uf aimol ganz daig und gstärrig naa, fresse nint meh, knagget nu no a Holz und gstärrige Riisäscht ummenand und fange a z`verkheie. Well sie so abmager maint mer d`Kepf were greeser. Selleweg sait mer au „Die Grosskopfete“ , dieselle hend ellemol au de Hintsch. S ́ muen e Mangelkranket siin, wo vum Wasser und vum Boode kunnt. Z` viel Kreizblietler uf de Matte kinntet au en Aalass ver die Kummedi siin. Genau waiss mers halt all no idde. De Roßdoktor us de Neistadt kaan Spritze gai, soviel waiss mer, aber desell und die Briehje wo der denno all paar Dag dene Viecher ins Fiddle jagt, des koscht halt au ganz schee Geld. Do isch des Verstelle vun de War ginschtiger. Wenn natierli Verwandschaft im Schwobbe hesch, wie die Rohrer in Bittelbrunn, no bisch no guet draa“. „ Waisch, dert dusse im Kalch und Lettebodde gihts kain Hintsch und de Kalch isch ver die Hintsch- Kiehli wie e Kur. Grad so wie fier die schwindsichtige Engländer- Gaisse wenns im „Schnecke“, im Schoolemer Kurhuus Luft, Wasser, Hei und Mischtlache- Guu schnappe. Die hend halt au de Hintsch, stehn au bockstärrig naa, gucket die mit Glupschauge aa und muhet giegsig: „ Haaiy, wellkom, häf e naiss daiy“ und verschwinde wieder unterm Parablüe, daß se joh kai Sunne abkriege. „Wa machet no d` Hammricher mit ihrne Viecher wenns de Hintsch hen?“ . „Dieselle Halbtiroler Bergmannejockel wered vielleicht en Mirabelle- oder en Tombinambur oder e Bier verabriiche, …… nai ehnder idde, den suufe se lieber selber. Nai, nai, die diens au ins Brigital, an Spittelhof oder ins unter Bregtal verstelle; so ab Brugge, Brielinge. Dert hets wieder Kalchbodde wo sie wieder aakumme“ „ De Roßdokter het neilich gsait dass es den kaibe Saich baigott au in de sandige Lüneborger Heide gäb. Iberhaupt sei uffallend daß es immer in sandige Böde, so wie im Granit- und Gneissand wie z` Buebach und de Obere Schoole und in de kiesige Hammer- Au, der muens jo wisse“.

Brielinge


„Anne 1840 het s Buebacher Stabhalteramt en Rodel uff Brielinge iigei, dass uns erlaubt sei, wieterscht Waldweide z betriebe. Dämols hät de Grossherzog verbote, in Wald z fahre zum Waide. D Buebacher hend gschriebe: „Die Zeit des Austriebs unseres Viehs ist herangenaht und es lässt der Austrieb wegen der sogenannten Hindsch, die allendhalben auszubrechen droht, unmöglich länger hinauszuschieben“. „Do draan kaan mer sehne, dass iiseri Väter scho gwisst hend , dass im Wald durch die Hürscht und Grüetli d Wiederkäuer nit hindschig wore sind. Wo s Waldfahre endgültig verbotte war, isch die Hindsch- Kummedi no erscht recht wieder ghörig losgange“.

„So, So, jetzt hanni wieder ebbis glehrt und: , Rohrer- ………, ich winsch der und hoff ver dich dass die Reinholdle baald wieder e gsund und starchs Rindli vun de Kur im Bittelbrunn heimbringt und kein so kripplige Serbling.
Vergelts eich Gott ihr Buebacher und am näschte Mändig um Siebni treffe mer iis am Zindelstainer Hauptbahhof zum d` Arbet iidaile, d` Schleipfroß zueteile und de Haber ver d`Roß portioniere. Sellen lan i mit em Bregtäler am Rampe vum Bahhefli abstelle. Un bevor mer Aafange gommer a s`Kriezwehbildsteckli am „Schwarze Bue „ und bete e Gsetzli Rosekranz ver e guti Verrichtung und dass nint passiert. Und wenn ainer vu eich s`Buckelweh hät, des wered die meeschte sii, denno kanner grad no ver den Breschte au no bete, dass ers wieder eweg bringt. Sell Wallfahrtskrietz hät scho villne mit Kriezweh gholfe.“

„ Adieu, Nint ver uguet und en gsegnete Tag !“
„Au, fascht het is vergesse: A die Beerliwieber denk ech mol un schick sie im näschte Spootsummer ins Falzmoos und an Glattacker. Adie und : E Gueti Ziit“.

Ja so wars, im einsame, seeleruhige und wundersame Buebach mit dem Hintsch.

Ursach, Wirkung und Behandlung vu de Hintsch- Rinderkranket

De Forbelepold mit Bart überm Hals. Worum wohl, muen er ebbis verstecke?

De Hintsch oder au de Semper oder d` Darri isch e Mangelkranket vu wiederkäuende Rinder, aber au Schoof, die meschtens uf sandige Böde vorkunnt. Bsunders im verwitterte Granit und Gneis, im Urgestei. Im Schwarzwald fascht nu i dene Täler Buebach, Obere Schoole und im Hammer. Im Lettige und kalkhaltige Bode uf de Boor, im Schwobe und au im Unterland kennt mern gar nit. Im Erzgebirge und i de Lüneborger Heide kunnt er au no vor. Grund isch en Kobaldmangel, de Mangel also vu dem Muckeseckeli vume Spureelement. I dene sandige Böde, au wenns im verwitterete Felsbereich vum Urgestein isch, word des Spurelement scho sit Johrmillione sterker, tiefer und schneller uusgwäscht und verschwindet ver immer im tiefe Bodde, ebe meh wie i de dichtere Böde. Jedes Lebewese, aber hauptsächlich d Wiederkäuer, bruchet den Kobald, des Spurelement. Me kann en aber au us andere Gegende, mit anderem Futter oder Esse kriege, hole. Des kaa aber e Rindli us Buebach nit wa all nu Gras vu de oegene Buebacher Matte kriegt. Z` Norwege im sandige Urgestein und au z`Australie, i dene sandige Gegende , ischer au verbreitet und e Ploog. I Küschteregione wo` s vielmol au nu Sand hät, kaas e klei weng dorch s` jodhaltig Klima vum Meersalz uusgliche were. Wenns also i dene heimische Täler au meh Jod gäb, wärs nit ganz so werksam und schlimm. Daß es aber au grad a Jod manglet, selewäeg hät mer friehner vor de Schuel- Jodtablette Abgabe iberkumme und häts sie vor em Schuelmoaschter rabworge messe. Im jodarme Waald dä hinne häts gern Krepf gähe. Wenn d` Wälderkind oemol im Johr amend i d Boor oder an Schätzeli- Märt kumme sind, hond sie d` Motter villmol verwunderet gfroget: „Muedder, wieso sehnet die Liit do vorne im Schwobbe so komisch uus? die hend jo gar kaini Kröpf?“ . „He waisch Thebusle, me muen froh sin, wenn aim nint fehlt, so wie dene arme Schwobbe“.

S` Lineli und s` Mineli traget e Moritat ibber die Tal- Bloog, de Hintsch vor:

Zindelstai im Hieronymus

De Hintsch

Im Felsetal, im Buebach, au in de Schoole
Des muesch beigott dir so uusmoole
Dert gihts en Mangel, me kaahns kuum glaube

Do gihts kai „ Muuhhh „… nu no e Schnaube

Wenns Kiehli dostoht, gstärrig , daig
No isch des Lebe am Verzwaig
Des Bierli usem Buebebach
Des wort denno ganz schnell hellwach

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Der waiss jetzt glii vu de Vorfahre
Des Kälbli muensch jetzt schnell verfahre
Am Beschte glii ins Schwobbe nuss
So giehts am Wenigschte en mords Verdruss

Hai, Biebli, bring die Alma furt
Gii Bittelbrunn zum Vetter Kurt
Und bring e andri grad mit haim
So gohts halt gattig, grad in aim

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en Saich

Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

De Vetter bringt sie schnell uf d` Bai
De Bodde, s` Wasser in dem Gai
Hät villmool gholfe bei so Krippl
So bruucht de Mexer halt kain Knippl

Drei Woche bruuchts, s` isch nimmi krumm
Des Kiehli hät jetzt wieder Mumm
Hai, Biebli, fier d` Alma an de Naase
Brings haim uf Buebach, zum gmietli Graase

Oh je, oh je wie wär des schee
Het Buebebach die Siech nit meh
Der Hintsch, des isch baigott en

Saich Do wird de Buur sit vorfehrn blaich

Ortserklärunge:

Herdeplatz: Kreuzung am Höchschte Punk/ Passhöhe zwische Mischtelbrunn/ Kohlwaldhieser u. Buebach wo s` steil gi Buebach is Falzmoos abi goht.

Halleberg: Südl. Hangwald zwische Zindelstai u. Wulterdinge wo s`steil vu 670 m bis gege 920 m uffi goht is Oberholz. Dä waret wichtigi Schliefstai Stoabrich wo en gute, feinkörnige Sandstai gwunne wore isch. De ganz Hang isch dorchwühlt fu Brüch, Löcher und Hangschutt. Dä hond Stoahauert bis so 1910 ? gwirkt.

Bittelbrunn: Kleine Weiler südl. vu Waldhuuse mit 2-3 Hieser / Höf gege de Tabor / Diddishuuse.

Bierhuus: S`Wirtshuus vu Buebach wa zerscht e Glashitte- Aasiedlung war, denno e Schitzerdorf war wo hauptsächlich Prothese us Holz u. Scharnier herstellt wore sind. Drum hät sich d`Feinmechanik entwicklet. De Dr. Sauerbruch vu de Charite`soll de Bescht Abnehmer gsi sie?

Kriezwehkreuz

Kriezwehkreuz: Kreuz und Sandsteinbildstöckle westl. vom „Schwarzen Buben“ im Zindelstai. Bis i d 1950-er Johr e kleis Walffahrts- Gedenkort für Liit mit Ruckeweh und Kriezbeschwerde. Wahrscheinlich entstande zu ebe de Schliefstei- Stoabruchziit. Die Manne die die sauschwer Schinderei uf sich gnomme hond, die hond sich natierli krumm und bucklig gschafft bi Wind und Wetter, Rege, Froscht und Schnee und hond so en Gnadeort i de nächschte Nähi bruucht ver ihre Breschte.

D` Schoole: Gemeinde Schollach im gliichnamige , wunderscheene, molerische Schollachtal zwische de Blessingsägi und de Magrutt uf de Passhöhe gege Schwärzebach. Historisches Kurhaus „Schneckehof“ wo de Skilift vum Robert Winterhalter erfunde wore isch und wa zu de drei gröschte und bedietenschte Hotel im Schwarzwald gherz hät nebem Feldbergerhof und em Kurhaus Wehrle in Triberg. Gäscht waret hausptsächlich sau riichi Engländer. Heut immer no e Kultwirtschaft mit dem knorrige, schreege Schnecke Klaus und sinere liebe Schwester als reserviert, aufmerksame und kultivierte Bedienung mit ebefalls Kultstatus Sehenswert !

Bschlage – D’Käther und de Marti

Von Gottfried Schafbuch

D’Käther und de Marti gelesen von Maria Simon

Bschlage

Es johlet d’Käther, schreit und schilt
am Mendig früh wie b’sässe:

„Du Lump, du ganz versoffne Siech,
bischt z’lang im Bäre g’sässe.
Jetzt guck emol din Kittel a,
sind Flecke drin, en Huufe.
Du Pfiddi, siescht, die Moose doo,
die kummet nu vom Suufe!“

De Marti stieret vor sich hear,
hört zu dem Dunderwätter.
Z mol schleet er d’Bratze uff de Disch
und brüelet a sie Käther:

„Gell, lieg mer nitt und halt die Muul,
und hör nuu uff mit blääre.
Vum Suufe kummet d’Moose nit
die giit es bim Verlääre!

Karikatur von Helmut Gross, Villingen.

Alma, das Störchlein mit den kurzen Beinen

Das Buch Alma, das Störchlein mit den kurzen Beinen, kann unter sima-ria@web.de, Friedrich-Farb-klecks@gmx.de oder im Café Vanilli’s in Donaueschingen käuflich erworben werden.

Storchekläpperle von Hubert Mauz, vorgetragen von Maria Simon am 22.06.2024

Gezeichnet von Sandra Friedrich

Störche auf dem roten RAthaus in Allmendshofen gezeichnet

Storchekläpperle

E Storchepärle jung und nett
Huckt dobbe wie uff me Tablett
Hät guete Root uff rotem Giebel
Der Uusguck, der isch gar nit ibel

Dä, z Amedshofe überm Ried
E Nescht isch wo mer ganz wiit sieht
Me trohnt dä uff me Rote Huus
Und sieht rundum i d Boor dä nuus

So kaamer Krotte, Mies und Frösche jagge
de Storche Clan bruucht nit verzagge
E Residenz uff’s Rothuus Firscht
Do isch mer halt de Storchefürscht

So kaa mer villi Störch ernähre
Die allfort kläpperlet und blähre
I so me Ort gihts drum vill Zwilling
Und immer wieder mol au Drilling

Die honds dä nett, kummet mords guet aa
Kennt wette, die gond scho bald i‘ De J K aa
Bei sore Fürsorge i dem warme Nescht
Gohts fidel zue, wie bei me Klapperstorche Fescht.

De Schurz vum Grossi isch parat:

Beim Tränli trockne im z‘ hoesse Bad
Beim Ännikeije mit em Rad
Beim erschte Kindergarte Zoff
Bruuchts au emol den sanfte Stoff

Beim Tröschte „Fünf bis Sechs“ i Spanisch
Aber Reli „Eins“, e Grossi word do koe weng panisch
Beim Wache wegem hohne Fieber
„Hai Oma, kumm doch schnell mol nieber“

Beim Wadewickel wickle,
Puhh… Lebertran, au do gihts nint zum Zickle
Beim Gosche weg dem Oefalt Phoebe
„Die Kueh, des isch e ganz e bleede“

Beim erschte grosse Liebesschmerz
Druckt d‘ Oma dich a s mollig Herz
Wenns später mol ums Schaffe goot
BHät s‘ Omi au no guete Rot

S‘ Schnuuferli Gitta vu de Enteborg
Hät Tag und Nacht e grossi Sorg
Dass Neschterplatte sind parat
Am beschte us me Schpoecherat

E Glück isch’s i dem Storcheort zum Huuse
drum gihts halt au so vill zum Schmuuse
Und so gohts bald vu Vorne los
des Storchekläppre, des Famos.

Hans Thoma Preis

Umbenennung vom Hans-Thoma-Preis zum Landespreis für bildende Kunst

Beitrag vom 23. Mai 2024

Hans Thoma: Das wandernde Bächlein (1906)

Weidberge, Bächlein, weit überstehende Walmdächer, Wald: der Südschwarzwald gilt uns bis heute, wo immer er sich noch als Idylle präsentieren darf, als „Hans-Thoma-Landschaft“. Und alle zwei Jahre pflegt die Kunstwelt nach Bernau zu pilgern, um im dortigen Hans-Thoma-Museum der Verleihung des Hans-Thoma-Preises beizuwohnen und die Ausstellung mit den Werken des aktuellen Preisträgers zu begutachten. Doch diesmal wurden nicht nur wir Schwarzwälder Hans-Thoma-Verehrer von Medienberichten aufgeschreckt: Der Preisträger des Jahres 2023, Prof. Marcel van Eeden, Rektor der Karlsruher Staatl. Akademie der Bildenden Künste, habe sich kritisch mit Thoma auseinandergesetzt und dabei aufgedeckt, dass dieser ein völkisch antimodernes Weltbild vertreten und sich mehrfach antisemitisch geäußert habe. Dies stünde jedoch im Widerspruch zu dem mit 25.000 Euro dotierten Preis, mit dem ja „innovative Positionen“ ausgezeichnet werden sollen. Woraufhin das Stuttgarter Kultusministerium beschlossen habe, den Preis umzubenennen. Neu konzipiert werde 2024 zum hundertsten Todestag des Malers auch die Bernauer Dauerausstellung.

Bekannt war bislang allenfalls, dass Hans Thoma zu den Unterzeichnern des Manifests der 93 gehörte, mit dem Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller im September 1914 den Versuch unternommen hatten, den deutschen Militarismus zu verteidigen und die gleich zu Beginn des Kriegs in Belgien an der Zivilbevölkerung begangenen Kriegsverbrechen abzustreiten. Doch van Eeden deckte zudem Dokumente von einer Reise Thomas zur Rembrandt-Ausstellung in Amsterdam auf, anhand derer er glaubt nachweisen zu können, dass Deutschlands  populärster Maler, zugleich Rektor der Karlsruher Akademie und Abgeordneter, bekennender Antisemit gewesen sei. Weshalb bloß hatte man bisher nie etwas davon mitbekommen? Dass er posthum auch von den Nazis vereinnahmt wurde, ist ihm ja nicht mehr anzulasten und hat seiner Beliebtheit dann auch bis heute nichts mehr anhaben können. So wenig wie der Umstand, dass er vom Impressionismus und Expressionismus seiner Malerkollegen nichts mehr gehalten hat.

Selbstbildnis vor einem Birkenwald 1899
Hans Thoma, Public domain, via Wikimedia Commons

Im Jahr 1919, fünf Jahre vor seinem Tod, hat Hans Thoma seinen Lebensrückblick Im Winter des Lebens: Aus acht Jahrzehnten gesammelte Erinnerungen veröffentlicht. Das Buch ist 1989 zur 150. Jährung seines Geburtstags vom Landkreis Waldshut und der Gemeinde Bernau unverändert neu herausgegeben worden. So kritisch man es heute durchmustern mag, es findet sich darin nicht die geringste Spur von Völkischem, gar von Antisemitismus. Als ob der soeben verlorene Krieg, als ob Dolchstoßlegende, Revolution und Verbannung des Kaisers einem für imperialen Zungenschlag Anfälligen, den der Großherzog 1907 in die erste badische Ständekammer berufen hatte, nicht Anlässe genug geboten hätten, sein „völkisch antimodernes Weltbild“ (absichtlich oder unbeabsichtigt) in den Text einfließen zu lassen. Nichts dergleichen lässt sich darin finden – selbst in Passagen, in welchen sich Hans Thoma mit Politik und mit seiner Selbsteinschätzung als Abgeordneter befasst (Textprobe):

Ich kam auch bei jeder Landtagsperiode ein oder zweimal zum Reden, dabei ließ ich mich nur auf Fragen ein, in denen auch ein Künstler mitsprechen kann. So z. B. über Naturschutz, über Vogelschutz, auch über die jährlich wiederkehrenden Kunstakademie- und Galeriefragen, über Zeichenunterricht, auch einmal über Sittlichkeitsfragen, insoweit sie die Kunst berühren.

Auch das Thema Krieg hat er nicht ausgespart:

Ich sitze in meinem Waldhäuschen Marxzell, wo wir gerade noch, es ist August 1918, von ferne die Fliegerabwehrkanonen von Karlsruhe her hören. Bei meinem recht langen Lauf durchs Leben habe ich so viel Elend und Menschenjammer erlebt, um zu wissen, dass es nicht erst dieses mörderischen Krieges bedurft hätte, um zu wissen, dass unser Dasein Leiden ist, nicht der Mühe wert, es abzuspinnen. Der Krieg ist ein schlagendes Beispiel dafür, wie wenig Wert die Menschenknochen haben. Im fünften Jahr schon erzählen die Tagesberichte der Völker sich gegenseitig, wie viel Menschenkörper durch ihre Mordmaschinen vernichtet worden sind, sie rühmen sich, wie viel Herzeleid sie sich angetan haben.

Schreibt so ein Völkischer, ein Imperialist? Nein, dem Achtzigjährigen fehlt es in seinem Lebensrückblick auch durchaus nicht an Selbstkritik:

Ja, wenn auf einer Wegstrecke auch der leibhaftige Teufel einmal mitgewandert sein sollte und man sich mit ihm ganz gut unterhalten hat, so sollte man höchstens von ihm sagen, dass einem sein Geruch widerlich war. Das mag aber wohl gegenseitig gewesen sein.

Egal, welcher Teufel auf welcher Wegstrecke da „einmal mitgewandert“ sein sollte: War die Umbenennung des Hans-Thoma-Preises wirklich unumgänglich? Ist sein Fall auch nur annähernd vergleichbar mit dem Schicksal des Malers Emil Nolde, nachdem sich bei ihm herausgestellt hatte, dass er einerseits zwar als „entarteter Künstler“ verfemt war, andererseits aber dennoch Rassist, Antisemit und Anhänger des Nationalsozialismus? Oder wirft der Bernauer Vorgang nicht eher ein bezeichnendes Licht auf den gegenwärtigen Kunst- und Wissenschaftsbetrieb –  mit dessen Hang zur Politisierung, zu Diversifizierung, Skandalisierung und zum Canceln?

Hans Thoma (* 2. Oktober 1839 in Oberlehen, Bernau – 7. November 1924 in Karlsruhe)

Tod du machst mein Aug‘ zu nichts,
doch nimmermehr die Macht des Lichts.
Das Licht hat einst das Aug‘ gebaut
zum Werkzeug nur, mir dem es selbst sich schaut.
Die Zeit ist nun erfüllt, das Ende da,
das Aug längst sich müde sah.
Ein morsches Werkzeug wird zu Trümmern,
es siegt des Glaubens Licht!
Uns soll des Grabes Nacht nicht kümmern.

Die Inschrift auf dem Grabstein
Das Grab von Hans Thomas in Karlsruhe auf dem Friedhof
Grab von Hans Thoma auf dem Karlsruher Friedhof

Planeten und Nebensonnen

Liebe Bürgerpostleser, 

heute gehts ums Firmament. Das war am Donnerstag, den 21. Mai 2026 auf dem Bild zu sehen:

Links und rechts der Sonne zwei Nebensonnen und angedeutet nach oben ein Halo. Das war beeindruckend und viele haben es auch gesehen, die sich gemeldet haben, nachdem ich es in den Status gestellt hatte. Ich denke, Ihr wisst noch die Entstehungsgründe. Eiskristalle in großer Höhe brechen das Licht in seine Spektralfarben und zwar in einen Abstand von 22 ° von der Sonne in einer gedachte Linie parallel zur Sonne. Oberhalb und unterhalb kann das auch vorkommen, oben sieht man einen leichten Schimmer, unterhalb ist der Abstand von 22 ° nicht gegeben. Ich denke, Ihr seht den schwachen Halo überhalb der Nebensonnen, ebenfalls durch hochliegende Eiskristalle hervorgerufen. 

Das nächste Bild zeigt die Planeten Venus und Jupiter:

Venus und Jupiter

Ich denke Ihr wisst, wer was ist: Ganz klar, die Venus ist heller, weil sie uns viel näher ist als der Jupiter. Nach dem Mond ist sie das hellste am Firmament. Also rechts Venus und links Jupiter.

Der zeitliche Abstand zum letzten Bild beträgt 2 Tage und 52 Minuten. Das Bild unten ist am 23. Mai 2026 um 22.51 Uhr und das Bild oben am 25. Mai um 21.59 von unserem Westbalkon aus geschossen worden. Der Hammer ist, dass erst mit zunehmener Dunkelheit die Zwillingshauptsterne Castor und Pollux zu sehen sind. Man sieht die Leuchtkraft der Planeten, die von der Bestrahlung der Sonne herrührt, im Gegensatz zu den Sternen, die wie unsere Sonne leuchten. Das ist alles eine Entfernungsfrage. 

Venus und Jupiter und Zwillingshauptsterne Castor und Pollux

Ich finde, dass das auch eine schönes Bild abgibt. Das beste ist, dass Ihr das die nächsten Tage bei gutem Wetter selber beobachten könnt, denn heute ist ja erst der 27. Mai.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Riedseerätsel

Seit Jahren benutze ich am Riedsee ein und dieselbe Einstiegsstelle, um meiner sommerlichen Lieblingsbeschäftigung zu frönen, dem Schwimmen fernab des Badetrubels. Sie ist per Rad auf überwiegend nichtöffentlichen Sträßchen gut erreichbar, und Birken, Erlen und Weidengesträuch sorgen für Halbschatten gegen Sonnenbrand. Zu Besuch kommen da vorzugsweise Haubentaucher, Schwäne, Enten und Blässhühner – nur zweimal in all den Sommern fand ich meine Nische besetzt vor – von einem Angler.

Der Frühsommer 2018 ist mir in besonders denkwürdiger Erinnerung geblieben, denn unmittelbar neben meiner Nische hatte sich zu meiner Überraschung erstmals ein kleiner Teppich von Seerosenblättern ausgebreitet, aus dem im August dann auch die ersten zauberhaften Blüten aufbrachen; Claude Monet hätte sie nicht sehr viel schöner malen können in seinem Nymphenteich. Für mich Grund genug jedenfalls, das Wunder fotografisch festzuhalten.

Seerosenblüte mit drei Blüten
Erste Seerosenblüte im Sommer 2018

Wo kamen die Seerosen bloß her, wie konnten sie so urplötzlich hier auftauchen? Bei all meinen Radrunden um den See herum waren sie mir doch noch nirgends aufgefallen. Hatten Wasservögel dafür gesorgt, waren die Samen vom Ostwind herangetrieben worden oder wie hat man sich die Verbreitung von Seerosen eigentlich vorzustellen? Zu meiner Freude entwickelte sich die kleine Kolonie prächtig: von Jahr zu Jahr wuchs der Blätterteppich weiter an und bildete auch neue Inselchen.

ein Teppich voll Seerosen
Seerosenpracht im Juli 2024

Auch im Sommer 2025 hatten Blätter und Blüten sich weiter ausgebreitet, ohne dass ich mich an meiner Einstiegsstelle von ihnen bedrängt gefühlt hätte. Im Gegenteil: die Freude am Wunder ihrer Ansiedlung und ihres Gedeihens wuchs alle Sommer mit. Sollte man mich trotz aller Seniorenfitness mal suchen müssen, so hatte ich es zuhause hinterlassen, sollte mir die Schwimmerei halt eines Tages doch nicht bekommen oder sollte ich einem Hitzschlag erlegen sein: Dort am Riedsee, bei den Seerosen, müsst ihr nach mir fahnden!

Früh schon, an Pfingsten 2026, dank eines Warmluftvorstoßes aus dem tiefsten Südwesten herauf, war es endlich wieder so weit: der Riedsee lockte, und so schwang ich mich wieder auf mein Rad und steuerte meine Nische an. Doch was war das für eine Enttäuschung – die Seerosen waren spurlos verschwunden! Wie kann das sein? Wer oder was trägt dafür die Verantwortung? Oder haben Seerosen etwa natürliche Fressfeinde? Molche, Libellenlarven und Seerosenblattkäferkäfer könnten ihnen zusetzen, meinen sie bei Google, doch zumindest die ersteren wären einem im Wasser doch irgendwann sicher mal begegnet. 

Riedsee mit klarem Wasser
paar Blätter im See

An Pfingsten 2026: Verschwundene Seerosenpracht bis auf einen kläglichen Rest

Ratlos und enttäuscht folge ich dem Ufer noch ein Stück weiter südwärts und entdecke schließlich, beim Blick durchs Weidengestrüpp, doch noch einen kläglichen Rest von Seerosenblättern. 

Oder sollte ich mit meiner kindlichen Freude an der Neuansiedlung etwa gründlich daneben gelegen haben? Zuhause bei der Google-Recherche lese ich zu meinem Erstaunen, die Seerose sei zu einem der wichtigsten Umweltprobleme für Stauseen, Flüsse und Lagunen geworden. Die Verbreitung der invasiven Wasserpflanze, die ursprünglich als Zierpflanze eingeführt worden war, stelle heute „eine  Bedrohung für die aquatische Biodiversität“ dar. War da womöglich im zurückliegenden Halbjahr ein Trupp von Umweltbewegten im Einsatz, der meinen Lieblingen den Garaus gemacht hat – so wie andernorts dem Japanischen Staudenknöterich oder dem Drüsigen Springkraut? O weh, wie konnte ich mich nur so naiv erfreuen an meinen Nympheae – und mich so von ihnen täuschen lassen!

Eine schöne Blüte der Seerose
Ein schmerzlicher Abschied (Foto 2020)?

Auf der Wilden Weide: Wasserbüffelbaby schaut beim beim Suhlen zu

Seit dem Wochenende gibt es einen Unterstand und auch noch genug Wasser zum Suhlen bei der Hitze.

15. Mai 2026

Es ist ein Bub!

Auf der Wilden Weide in Pfohren gab es gestern eine große Überraschung mit der niemand gerechnet hatte.

Vielen Dank an Markus Handschuh für die Fotos!

Die «Wilde Weide Michelbrunnengraben»

Im Naturschutzgebiet Birken-Mittelmeß bei Donaueschingen-Pfohren entstand ein besonderes Naturschutzprojekt.

Ziel dieses Vorhabens ist es, durch extensive Beweidung eine vielfältige Landschaft mit Feuchtstellen, Offenlandbereichen und Flachufern zu entwickeln. Dadurch werden insbesondere bodenbrütende Vogelarten wie Kiebitz und Braunkehlchen gefördert und zugleich der Naherholungsraum der Gemeinde Pfohren nachhaltig aufgewertet.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Freiburg, der Ortsgemeinde Pfohren sowie einem ortsansässigen landwirtschaftlichen Betrieb umgesetzt und ist ein bedeutendes Leuchtturmvorhaben in der Region.

Weideauftrieb der Wasserbüffel in Pfohren

15. April 2026

Heute war Projektstart und Weideauftrieb der Wasserbüffel.

Ortsvorsteher Gerhard Feucht kann zu Recht stolz sein auf die Pforener Landwirte

Wenn Macht frisst

Oder: Warum Menschen an der Spitze oft genau das verlieren, was sie nach oben gebracht hat.

Es gibt diese alte Vorstellung: Macht verdirbt den Charakter. Sie ist eingängig und sehr bequem, denn es klingt, als würde etwas von außen passieren. Als würde die Macht einen Menschen verändern. Aber so einfach ist es nicht, interessanter ist eine andere Frage: Was, wenn Macht nichts hinzufügt, sondern etwas wegnimmt?

Am Anfang steht oft etwas anderes, denn Menschen, die aufsteigen, bringen Fähigkeiten mit. Sie können zuhören, sie sind aufmerksam, sie merken, was andere brauchen und sie reagieren auf Kritik. Genau das bringt sie nach oben.

Aber dann passiert etwas Merkwürdiges. Je länger Macht anhält, desto mehr verschwinden genau diese Fähigkeiten. Der Sozialpsychologe Dacher Keltner beschreibt das so:
„Mächtige verhalten sich oft, als hätten sie ein Gehirntrauma erlitten.“

Das ist kein polemischer Satz, das ist Forschung und auch Wissenschaft. Die Empathie nimmt ab, weil Zuhören wird anstrengend und andere Perspektiven werden ausgeblendet. Einfach gesagt, die Welt wird kleiner.

Das ist kein Einzelfall und nicht nur meine subjektive Beobachtung, denn viele Studien zeigen immer wieder ähnliche Effekte.

Menschen, die sich mächtig fühlen, reagieren empfindlicher auf Ungerechtigkeit aber vor allem dann, wenn sie selbst betroffen sind. Gleichzeitig werden sie deutlich unempfindlicher, wenn andere betroffen sind. Eine Studie von Sawaoka et al. 1 zeigt genau das:
Macht schärft den Blick aber nur in eine Richtung und zwar nach innen.

Das erklärt auch, warum Kritik plötzlich nicht mehr funktioniert. Nicht, weil sie falsch ist, sondern weil sie nicht mehr ankommt. Denn Kritik stellt etwas infrage, das für mächtige Menschen zentral wird: Das eigene Bild!
Dieses eigene Bild ist nie stabil, denn es entsteht, es wird daran gebaut, es entwickelt sich. Es entwickelt sich aus Lob, aus Aufmerksamkeit, aus kleinen und großen Bestätigungen. Aus plötzlichem großem Applaus für Dinge, die vorher selbstverständlich waren.

Hier komme ich dann wieder auf das Kleine, die Mikromacht. Denn hier kann man diesen Mechanismus besonders gut beobachten. Nicht bei Diktatoren, sondern bei ganz normalen lokalen Figuren. Menschen, die für Engagement, für ihren Einsatz, für „sich kümmern“, sichtbar werden, bei denen verändert sich etwas. Sichtbarkeit verändert Menschen.

Dies lässt sich als Beispiel bei Charisma zeigen, denn es ist kein fester Charakterzug. Der US-amerikanische Psychologe und Professor Bernard Bass formulierte es so: „Charisma liegt im Auge des Betrachters.“ Anders gesagt: Es entsteht nicht allein durch die Person, sondern durch die Reaktion der anderen. Durch Aufmerksamkeit, durch Projektion, durch das Bedürfnis, jemanden zu bewundern. Und genau hier passiert es. Denn wenn aus Anerkennung langsam Bewunderung wird und aus Bewunderung etwas, das nicht mehr hinterfragt wird, dann verändert sich Verhalten.

Dies passiert nicht schlagartig, sondern schleichend. Kritik wird dann nicht mehr als Korrektur gesehen, sondern als Störung, als Angriff, als Unverschämtheit oder einfach als etwas, das man wegschieben muss. Das ist kein persönlicher Ausrutscher, das ist ein struktureller Effekt. Je höher jemand steht, desto mehr hat er zu verlieren und je größer der Fall wäre, desto größer wird die Bereitschaft, alles zu verteidigen, was diesen Status stabil hält.

Professor Bernard Bass brachte es auf den Punkt: Je größer die Unterschiede, desto stärker der Wille der Privilegierten den Status quo zu sichern, notfalls auch gegen Widerstand. Dann passiert etwas, das man nur von außen sehr klar sehen kann: Der mächtige Mensch hört auf zu lernen! Nicht, weil er es nicht mehr könnte, sondern weil er es nicht mehr muss. Neue Perspektiven stören, andere Meinungen sind anstrengend, unbequeme Realitäten werden ignoriert.

Was nicht ins eigene Raster passt, verschwindet. Wie Kunst, Kritik und auch Geschichte. Alles wird gefiltert durch eine einzige Frage: Passt es zu mir? Wenn etwas nicht mehr ignoriert werden kann, weil jemand zu laut war, dann wird die Reaktion heftig. Immer überzogen, sehr emotional und auch unkontrolliert. Nicht, weil das Thema so groß ist, sondern weil das System es nicht mehr aushält.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt: Macht macht nicht nur blind, sie macht abhängig.
Von Bestätigung, von Kontrolle, von dem Gefühl, recht zu haben. Und genau deshalb ist sie im Kleinen so gefährlich, weil sie dort oft nicht erkannt wird. Also nicht als Macht, sondern als Engagement, als Einsatz, als „der macht halt viel“. Dabei ist Macht im Kern sehr schlicht. Der Soziologe Max Weber hatte Macht schon im 19. Jahrhundert nüchtern definiert:
Die Chance, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.

Die Frage ist also nicht, ob jemand Macht hat, sondern: Was passiert mit ihm, wenn er sie behält?
Denn das Entscheidende ist nicht der Aufstieg, sondern die Dauer. Kurzzeitige Macht verändert wenig, lang andauernde Macht dagegen verändert viel. Sie verschiebt Wahrnehmung, Maßstäbe und Realitäten.

Und manchmal reicht dann ein einziger Moment, um das sichtbar zu machen. Ein Widerspruch, eine Kleinigkeit, eine Situation ohne Applaus und plötzlich zeigt sich: Nicht der Ton ist das Problem, nicht der Anlass, sondern das, was darunter liegt. Vielleicht ist dies die unangenehmste Erkenntnis: Macht verdirbt nicht einfach den Charakter, sonder sie legt frei, wie stabil der Charakter wirklich ist.

Oder, etwas nüchterner gesagt: Macht ist kein Test für Können, sondern ein Test für Integrität.

Und nicht jeder besteht ihn.


Quellen:
Bernard Bass
Max Weber
Spektrum der Wissenschaft: Die dunkle Seite der Macht 2018
1 Sawaoka, T.; Hughes, B.; and Ambady, N. Power: Heightens Sensitivity to Unfairness Against the Self. Personality and Social Psychology Bulletin, 41 (7) (2015).

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