Spaziergang an der Gauchach mit Marisa Schwenninger

Der Waldspaziergang mit der Försterin und Waldpädagogin Marisa Schwenninger war am 30.06.2023.




Damit es nicht so lange lädt, habe ich die Bilder vom Ton getrennt.


Köcherfliegenlarve (Trichoptera) von Dr. Rankenstein (Wikimedia)

Lungenflechte
Lungenflechte
Schachtelhalm
Schachtelhalm
„Käferholz“
Wachsende Wasserfälle und die Deichel
Deichel

Und zum Schluß dürfen natürlich die Schnecken nicht fehlen!

Strauchschnecke

Schwarzer Schnegel und Schließmundschnecke
Haarschnecke
Haarschnecke und Schließmundschnecke

Vielen Dank an Marisa Schwenninger und Maren Ott für den schönen Spaziergang!

Die Burgmühle hat den ganzen Sommer geöffnet:

Das unverhoffte Aus für die A 86

Wer auf der A 81 von Stuttgart oder Singen kommend in Richtung Bad Dürrheim und Donaueschingen auf die A 864 einbiegt und westwärts rollt, wird bald (Achtung Blitzer!) bis auf 60 Stundenkilometer herunter gebremst, ehe er auf die quer verlaufende, ebenfalls vierspurig ausgebaute B 27/B 33 abbiegt. Exakt hier, beim kurzen Seitenblick auf den dunklen Waldhorizont im Westen, werden die Verkehrsteilnehmer, zumal Schwarzwälder und Baaremer älterer Jahrgänge, urplötzlich von der Erinnerung an die „Schwarzwaldautobahn“ eingeholt. Dies je nachdem: die Einen mit nachträglichem Bedauern, die Andern mit Genugtuung. Denn eigentlich hatte es hier ja mal schnurgerade weiter in Richtung Schwarzwald und Breisgau gehen sollen – fast alle hatten damals mit dem Weiterbau gerechnet.

Verstopfungen in den Engpässen der Ortsdurchfahrten und Leidensdruck bei den Anwohnern der B 31, verursacht durch Lärm und Gestank des in den Wirtschaftswunderjahren so rasch anwachsenden Straßenverkehrs, hatten bereits anno 1965 dafür gesorgt, dass im Generalverkehrsplan des Landes Baden-Württemberg eine „A 86 Freiburg – Donaueschingen“ aufgetaucht ist: die „Schwarzwaldautobahn“. Eine leistungsfähigere Querverbindung über den Schwarzwald hinweg muss her, so argumentierten die Verkehrspolitiker und feierten sie vorneweg schon als „Verkehrsachse Paris – Wien“! Zwei Jahre später wurde sie auch vom Bundesverkehrswegeplan übernommen, und 1970 wurden einzelne Bauabschnitte bereits in Dringlichkeitsstufe II oder gar I eingestuft.

Im Hochschwarzwald schrillten da die Alarmglocken! Denn die zahlreichen Planungsvarianten mit ihren Tunnels und Viadukten mussten ja allesamt vom Rheintal aus eine Höhendifferenz von gut und gern 700 m überwinden und alle sollten sie dann gebündelt über den Thurner (1025 m NN) hinweg führen – womit sie allesamt den „Schwarzwälder Herrgottswinkel“ entweihen würden, das touristisch und landschaftlich so gepriesene Höhengebiet von St. Peter und St. Märgen. Kein Wunder, dass sich da besonders die „Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Südbaden“ ins Zeug legte, jener Zusammenschluss von etlichen dem Natur- und Landschaftsschutz verpflichteten Mitgliedsorganisationen (allen voran dem Schwarzwaldverein) und ihren insgesamt rund 130.000 Mitgliedern, angeführt von einem streitbaren Vorsitzenden, dem St. Märgener Forstamtsleiter und Kreisbeauftragten für Naturschutz Fritz Hockenjos (dem Vater des Verf.). Wie stellen sich die Verkehrsexperten eigentlich die winterliche Überquerung des Thurners auf einer Autobahn vor, so wurde gefragt, und das bei Schnee, Sturm und Wolkennebel, wie sie da oben an der Tagesordnung sind? Und von der Passhöhe sollte es dann durchs bäuerlich-idyllische Jostal in Richtung Neustadt hinab gehen – was für ein Viecherei! Doch so ganz wollte sich auch der Heimatschutz nicht gegen eine brauchbarere Ost-West-Verbindung verkämpfen. Aber wäre es da nicht klüger durchs Höllental mit Untertunnelung von Hirschsprung und Hinterzarten?

Per A 86 durch den „Schwarzwälder Herrgottswinkel“?

Die Auseinandersetzungen um Vor- und Nachteile dieser oder jener Trassenvariante fielen immer heftiger aus: Im Dreisamtal mischte eine eigens hierfür gegründete „Aktionsgemeinschaft für demokratische Verkehrsplanung“ mit, die die A 68 ebenso strikt durchs Dreisam- und Höllental ablehnte wie die Gemeinden St. Peter und St. Märgen die Varianten über ihre Gemarkungen hinweg, während erboste Jostäler Bauern sogar mit der Schrotflinte drohten. „Eine mittlere Barbarei“, so hatte der Oppositionsführer im Landtag, Erhard Eppler, die Schwarzwaldautobahn gescholten. 

Der Überraschungseffekt war daher gewaltig, als im Dezember 1975 Ministerpräsident Filbinger vor der Presse trat und erklärte, dass anstelle der A 86 die B 31 ausgebaut werden soll und dass die Autobahnpläne zu den Akten gelegt worden seien. Was mochte in Stuttgart bloß einen solch krassen Paradigmenwechsel herbeigeführt haben, wenn nicht der geharnischte Widerstand der „Wälder“? Oder hatte es beim Regierungschef womöglich ein Saulus-Paulus-Erlebnis gegeben, von dem die Verkehrpolitiker von Land und Bund buchstäblich überrumpelt worden sind?

Womöglich ist es wie folgt passiert: In Winter 1972/73 war auf dem Thurner ein Skilanglaufzentrum für Freizeitsportler eingeweiht worden, initiiert und gefördert durch die Forstverwaltung (mit Mitteln für Erholungseinrichtungen in und am Wald) und betrieben durch den gemeinnützigen Förderverein Club Thurnerspur. Weil sich jedoch in Breitnau und St. Märgen, auf deren Gemarkungen sich fortan die Skiläufer seitdem austoben durften, niemand so recht vorstellen konnte, was die eigentlichen Motive der Betreiber dieser bundesweit neuartigen Einrichtung da oben waren und ob davon ein touristischer Nutzen zu erwarten war, hatte die Thurnerspur in der Bevölkerung schon bald ihre Spitznamen weg: Mal hieß sie die „Kommunistenrennbahn“, mal „die rote Spur“, wo sich doch im rabenschwarzen St. Märgen der frisch gewählte Bürgermeister als Roter entpuppt hatte und wo auch der Clubvorsitzende politisch kaum einzuordnen war – der „Radikalenerlass“ des Jahres 1972 ließ grüßen.

So war es ein rechter Paukenschlag, als sich auf dem Thurner plötzlich Hans Filbinger, der Landesvater höchstpersönlich, zum Skilaufen einfand und auch sogleich Clubmitglied wurde. Im Nordschwarzwald hatte, mit dem Ministerpräsidenten als Schirmherrn, erstmals ein „Baden-Württembergischer Skiwandertag“ stattgefunden, Grund genug, Filbinger auf den Thurner einzuladen – fraglos ein listiger Schachzug! Dass er sich hier mitsamt Familie und Bodygards beim Skilaufen pudelwohl gefühlt und die Politik weit hinter sich gelassen hat, beweisen seine regelmäßigen Besuche (bis zu seiner Abdankung im Jahr 1978).

Prominenter Besuch auf der Thurnerspur (1973)

Der Thurnerspur brachte das prominente Mitglied nicht nur eine nachhaltige Imageverbesserung ein. Filbinger sorgte auch dafür, dass im Zuge des Neubaus der B 500 reichlich Parkraum entstand auf dem Thurner. Überliefert ist freilich auch die Episode, wonach der Clubvorsitzende anlässlich einer gemeinsamen Thurnerspur-Runde per Langlaufski den Landesvater vom tief verschneiten Doldenbühl aus auf die durchs Jostal geplante, so heiß umstrittene Trasse der Schwarzwaldautobahn aufmerksam gemacht habe. Woraufhin Filbinger, sichtlich betroffen, gemurmelt haben soll, das werde man sich ja wohl noch zwei-, dreimal überlegen müssen – womöglich der Anfang vom Ende des Prestigeprojekts?

Mit der A 86 längs durchs idyllische Jostal (Fotomontage aus „Zeit-Magazin“ 1974)

Allein, der ersatzweise versprochene drei- bis vierspurige Ausbau der B 31 sollte bis heute, nach über einem halben Jahrhundert, immer wieder ins Stocken geraten: Für die Baaremer am eindrucksvollsten ablesbar ist der Stand der Dinge an der seit Jahren vierspurig fertig gestellten Untertunnelung Döggingens. Die Zufahrt zu den beiden Tunnelröhen erfolgt jedoch über die Gauchach hinweg nach wie vor auf einem nur zweispurigen Viadukt. Gegen den Bau der seit Jahren parallel dazu eingeplanten zweiten Gauchachtalbrücke klagt der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Ein Termin beim Verwaltungsgerichtshof ist inzwischen in Aussicht gestellt. 

Möblierte Wildnis

aktualisierte Version, 1. Version vom 21. Oktober 2022

Wildnis erfreut sich in der deutschen Bevölkerung wachsender Zustimmung und Nachfrage, so hatte 2013 eine repräsentative Studie des Bundesumweltministeriums festgestellt. Zwei Drittel der Befragten fänden an der Natur umso mehr Gefallen, je wilder sie sich zeigt und 42 % würden ein Mehr an Wildnis begrüßen. Im Vorfeld der Nationalparkgründung hatte im nämlichen Jahr auch ein zweites Gutachten (von PricewaterhouseCoopers und ökonzept GmbH) festgestellt, „dass Natur und Wildnis aktuelle Themen sind, die den Nerv der Zeit treffen“.

Natur und Wildnis haben schon immer auch meinen Nerv getroffen, so sehr ich andererseits ein Berufsleben lang um die ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Waldes bemüht war. An diesem spätsommerlich milden Oktobermontag zog es mich wieder mal in die Wutachschlucht. Denn der Fluss müsste ja doch auch wieder Wasser führen trotz der wenigen Regentage im zurückliegenden fünften Hitzesommer. Montags würde überdies der Wanderbetrieb in der Schlucht erträglich sein, so hatte ich spekuliert, und wie gewohnt den Waldparkplatz ob der Burgmühle angesteuert. Und tatsächlich: noch war ich der Einzige, der hier parkte und die Bergschuhe schnürte, um sodann auf steilem Fußpfad durch die bunte Bergmischwaldgesellschaft zur Gauchach abzusteigen. Zwar hatten mich hier – offengestanden – immer auch schon die hölzernen Tafeln eines Waldlehrpfads irritiert. Weniger wegen ihrer schlichten Botschaften über Baum und Wald, die mit den Jahren ohnehin fast unleserlich geworden waren, sondern weil ich den Lehrpfad hier im siedlungsfernen Naturschutzgebiet als reichlich deplaziert empfand – so sinnvoll und hilfreich derlei Einrichtungen andernorts, in ortsnahen Wäldern etwa, sein mögen. Wo  doch der „Bildungsauftrag Waldpädagogik“ (gem. § 65 des Landeswaldgesetzes) seit 1996 zum Aufgabenspektrum der Forstleute gehört.

Wem und wozu dient der Wald?

Diesmal hatten sich die Tafeln zu meiner Verblüffung sogar vermehrt und verjüngt; die alten Hölzernen hingen zwar noch immer an den Bäumen, doch die Neuen zeigten sich frisch gestylt und luden zu interaktivem Aufklappen ein (Hey, ihr da! Kommt doch mal her), angefüllt mit Infos über je eine Baumart, deren Rindenbild die Klappe ziert. Offenbar waren hier professionelle Waldpädagogen am Werk gewesen: „Willkommen im Schluchtwald“, so wird der Besucher im Steilhang vom Naturpark Südschwarzwald und von der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg begrüßt auf einer großformatigen Tafel an blitzblankem Alugestänge. „Wem und wozu nützt der Wald?“, wird darauf  gefragt, und die so klugen, von Disney inspirierten Tiere des Waldes, vom Hirsch über den Biber, vom Fuchs bis zum Kauz, wissen bestens Bescheid: In ihren Denkblasen stehen die Antworten, egal ob in der Sparte Nutzung, Umweltschutz oder Erholung. Lesekundigen beantwortet auch ein Text nebenan noch die Frage. 

Puh… soviel Wissensstoff auf einmal, und das mitten im Wald! Oder braucht es heutzutage diese Art von kindgerechter Aufklärung, wenn sich die junge Familie schon mal dazu aufrafft, den lieben Kleinen ein vertieftes Walderlebnis zu gönnen –  und das gar beim Eintauchen in die abenteuerliche Wildnis der Gauchachschlucht mit ihrem Chaos stehender und dick bemooster zusammengebrochener Stämme? Unten angelangt an der gottlob wieder rauschenden Gauchach (wo immer sie nicht von umgestürzten Eschen aufgestaut wird, den Opfern des aus Fernost eingeschleppten Eschtriebsterbens, beschließe ich, der Schlucht weiter bachabwärts zu folgen. Kurz vor Einmündung der Gauchach in die Wutach unterquert der Fußpfad ein darüber aufgespanntes Transparent, das sich unter der Überschrift „Liebe Menschen“ an die schluchtaufwärts Wandernden wendet mit der Bitte, der Tierwelt zuliebe auf den Wegen zu bleiben. Denn, ob Haselmaus, Biber oder Eisvogel, „auch wir wollen uns hier tierisch wohlfühlen“. Ja, um Himmelswillen, wo überhaupt mag in der Enge der Gauchachschlucht bloß die Versuchung lauern, den Fußpfad zu verlassen?

Gut gemeinte Bitte, aber reichlich überflüssig

Kopfschüttelnd über die ebenso anbiedernde wie aufdringliche Art von Besucherlenkung seitens der Stuttgarter Naturschutzbehörde erreiche ich die Wutach, die ich auf dem Kanadiersteg überquere, um sodann ein Stückweit  auf dem Schluchtensteig flussaufwärts zu wandern  – wann sonst, wenn nicht an einem herbstlichen Montagvormittag und außerhalb der Feriensaison sollte man sich das Schluchterlebnis doch noch leidlich ungestört antun können? 

Die Spurenlage auf dem Pfad lässt indes keine Zweifel aufkommen: Es müssen übers Wochenende wieder ganze Herden unterwegs gewesen sein, so wie die Stiefel immer wieder im Matsch versinken. Wildnissucher zuhauf hat der letzte ungebändigte Wildfluss des Schwarzwalds ja schon seit seiner Erschließung um die vorletzte Jahrhundertwende angelockt. Auch auf die Gefahr hin, dass der Pfad, wo immer er drahtseilgesichert durch die Muschelkalk-Prallhänge verläuft, die Wanderlust zumal bei Gegenverkehr seit eh und je spürbar einzutrüben pflegt. Jährlich bis zu 75.000 Wutachwanderer wurden schon vor der Jahrtausendwende gezählt, und wie es ausschaut, sind die 100.000 mittlerweile längst überschritten. War es die Corona-Pandemie oder die Erfindung der kostenlosen Regiokarte für Schwarzwälder Übernachtungsgäste, waren es die verbesserten Wanderbusverbindungen oder die vielen Wandertipps im Netz: der Andrang in der Schlucht scheint nochmals einen gehörigen Schub verpasst bekommen zu haben – ablesbar neuerdings auch an einer stattlichen Kompanie von Steinpyramiden; die meisten sind wohl in den jüngsten Trockensommern errichtet worden und müssen nun gottlob wieder der Strömung trotzen. Seit wann eigentlich sind „Steinmanderl“ auch hierzulande Mode geworden, wo man sie doch einst nur aus dem Hochgebirge kannte oder als Wegmarkierung im skandinavischem Fjäll?  Nun also beginnen sie plötzlich auch den Schwarzwald zu erobern – nicht anders als all die Hängeschlösser der Jungverliebten an den metallenen Brückengeländern. Ein Jammer nur, dass die kanadischen Pioniere ihren „Kanadiersteg“ anno 1976 noch aus dicken Holzbalken gezimmert haben.

Invasion der Steinmänner

Doch wer hätte gedacht, dass die Frequentierung der Schlucht auch montags schon mitunter Formen anzunehmen pflegt, die einem das Grüßen vergällt: Denn ab einer gewissen Verdichtung des Gegenverkehrs pflegen Wanderer bemerkenswert einsilbig, ja mürrisch zu reagieren, als wollten sie die Anderen mit Verachtung strafen. Kein Wunder, dass sich da auch Bergwacht, Naturpark und Naturschutzverwaltung mehr und mehr gefordert sehen: Wurde die Schlucht, ablesbar auf Hinweisschildern, schon vor Jahren zur Erleichterung der Helikopterbergung in Rettungssektoren eingeteilt, so rufen neuerdings mehr und mehr Verbotstafeln zur Ordnung. Wie es ausschaut ist die Schlucht frisch möbliert worden – auch mit einer Vielzahl von Stoppschildern und Absperrungen der Uferzonen (den Wasseramseln zuliebe?) mittels Schiffstauen. Auch die analogen Erläuterungstafeln haben sich vermehrt, als ob die nicht schon längst auch über die Wander-App verabreicht werden könnten. So etwa auch am Wiederaustritt des versickerten Wutachwassers aus der Muschelkalkwand. Muss das jetzt alles so sein? Mein Wandertrieb ist spürbar abgeflaut, nichts wie zurück also – nicht, dass sich oben an der Schattenmühle, der beliebtesten Einstiegsstelle, gerade wieder ein Wanderbus entleert. Oder wartet schon ein anderer unten an der Wutachmühle? Ob sie wohl eines Tages noch den Einbahnverkehr für die Schlucht verordnen? 

Kein Durchgang zum Flussufer

Zurück auf dem Kanadiersteg beschleicht mich dann zu allem hin auch noch ein schlimmer Verdacht beim Blick auf die Gauchachmündung hinunter: Im Treibholzstau haben sich dicke weiße Schaumpolster verfangen, als sei jüngst beim einsetzenden Regen irgendwo ein Schieber hochgezogen worden nach den Monaten der Trockenheit. Von toten Fischen ist freilich nichts zu bemerken, also könnte der Schaum doch auch auf natürlichen Eintrag zurückzuführen sein – anders als einst in den Wirtschaftswunderjahren, als die Neustädter Papierfabrik ihr Abwasser noch weithin ungeklärt in die Wutach (die dort noch Gutach heißt) einleiten durfte, sodass sie der ihr mit dem Schaum auch eine unverwechselbare Duftnote verpasst hatte.  

Verdächtige Schaumbildung?

Bachaufwärts in der Gauchachschlucht unter dem so seltsam deplazierten Transparent hindurch verlieren sich gottlob wieder die Montagswanderer. Dafür grüßen am Wegrand bald  die neu gestalteten Stationen des Waldlehrpfads. Die Einkehr in der Burgmühle fällt diesmal leider aus, auch wenn sie, vor Kurzem erst runderneuert, geöffnet hat. An der frisch geweißelten Stirnwand der 1475 erstmals bezeugten, mehrfach von Flutkatastrophen heimgesuchten Mühle prangt jetzt unübersehbar ein Sinnspruch – nein, nicht etwa aus dem Fundus eines Joseph Victor von Scheffel oder von Lucian Reich, vielmehr wird eine der Lebensregeln von Baltimore des US-amerikanischen Rechtsanwalts Max Ehrmann präsentiert aus dem Jahr 1927: Geh deinen Weg gelassen und ruhig inmitten des Lärms und der Hast dieser Zeit und erinnere dich, welcher Frieden in der Stille liegt. Mit der Stille war es hier schon vorbei, nachdem die Schlucht von der Donaueschinger Ortsgruppe des badischen Schwarzwaldvereins erschlossen worden war, an dessen Vorsitzenden Wilhelm Baur eine in den Fels gemeißelte Gedenktafel aus dem Jahr 1927 erinnert. Und seit 1928 war die Mühle im Besitz des Villinger Touristenvereins Die Naturfreunde, die damit unlängst freilich Insolvenz anmelden mussten. Der neue Eigentümer scheint nicht eben auf Bodenständigkeit zu bestehen, und so findet sich neben dem Eingang zur Gastwirtschaft auch noch ein Spruch aus dem Zitatenschatz des Ralph Waldo Emerson, eines US-amerikanischen Geistlichen, Philosophen und Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert: Und wenn wir die ganze Welt durchreisten, um das Schöne zu finden: Wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nie. Von den Weisheiten der Beiden, ob von Emerson oder von Ehrmann, quillt das weltweite Netz derzeit förmlich über, wie die Nachlese bei Google offenbart. Sollte inzwischen womöglich auch an der Gauchach PricewaterhouseCoupers Entwicklungshilfe geleistet haben?

Genug der Wildnissuche: „Gelassen und ruhig“, ganz wie an der Hauswand empfohlen, kehre ich zum Waldparkplatz zurück, erst in steilem Zickzack, dann auf bequemerem Forstweg – nicht ohne auch noch die Tierweitsprung-Anlage (Wie weit springst Du?) bestaunt zu haben: Viel weiter als der Dachs hätte ich es an diesem Montag gewiss nicht geschafft – schon gar nicht so weit wie der Luchs. Die Wildnissuche in der Schlucht, so dämmert es mir beim Verstauen der verschmutzten Bergschuhe im Kofferraum, ist mir diesmal wohl doch ein bisschen gar zu banal ausgefallen. 

Genug der Möblierung?

Mehr zur Gauchachschlucht auf dem Hieronymus: