Was sich seit 1840 in unserer Landschaft geändert hat

Bei der Uni Freiburg gibt es alte Karten: Karten

So den topographischen Atlas über das Grossherzogtum Baden:
Auf Befehl Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs Leopold nach den Original-Aufnahmen des militairisch topographischen Bureaus in 55 Blättern bearbeitet und gestochen im Maasstabe von 1 : 50000 Verjüngung ; … 1838 – 1849. – Ueberdr. – 1:50 000. – Carlsruhe : Müller, [1854]. – 55 Bl. : Kt.; (dt.)

Von diesen Karten habe ich die von Hüfingen raus gezogen und dem Jahr 2026 gegenübergestellt. Bearbeitet wurden hier Ausschnitte aus Blatt XI.4.

1840-2026 Greater Hüfingen


Hausen vor Wald und Behla.
Man beachte den Behlaer Weiher!

Hausen vor Wald und Behla


Fürstenberg

Fürstenberg oben auf dem Berg ist am 18. Juli 1841 abgebrannt und wurde dann unten neu errichtet. Die Karten entstanden von 1838 bis 1849 und wurden 1854 veröffentlicht.

Fürstenberg 1840 und 2026


Mundelfingen

1840-2026 Mundelfingen


Sumpfohren

1840-2026 Sumpfohren


Hüfingen
In Rothlauben war seit 1824 eine landwirtschaftliche Versuchsstation von Jakob Curta von denen die Schosenhöfe ein Teil waren. Ursprünglich waren dort drei Höfe, der einzige Hof von damals der noch an der selben Stelle steht, ist der Untere Schosenhof. Der Obere Schosenhof ist abgebrannt und etwas weiter unten neu errichtet worden. Am alten Standort steht heute noch eine Linde.

1840-2026 Hüfingen


In Hüfingen ist sehr interessant, wo heute die Tiefbrunnen sind hieß damals Im Wangen. Der Schaafaecker war an der Ruckhalde – dort wo heute Donaueschingen einen Tiefbrunnen hat. Beim Hasenwäldle war eine Ziegelhütte. Nördlich der Sieren war ein Kalksteinbruch. Den sieht man heute noch.

1840-2026 Hüfingen mit Open Street Map

Hüfingen 1786 – und wie viel davon noch da ist

Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786

Die alte Karte von 1786 zeigte Dr. Jörg Martin bei seinem Vortrag über Martin Menrad.
Sie enthält die damaligen Hausnummern und befindet sich im Hüfinger Archiv.
Ich habe sie mit der heutigen Karte überlagert und in QGIS angepasst.

Dabei wird sichtbar, wie eng Wasserläufe, Häuser und Wege in Hüfingen einst zusammengehörten – und wie viel davon im heutigen Ortsbild noch erkennbar ist.

Karte von Hüfingen aus dem Jahr 1786 Open Street Map von Hüfingen 2026


Der Verlauf von Mühlibach und Stadtbächli wird dabei plötzlich erstaunlich klar.
Besonders auffällig ist, dass der Mühlibach offenbar weiter über den heutigen Gerberweg verlief und dort auf das Stadtbächli traf.

Erst in der Überlagerung wird sichtbar, wo früher Wasser war – und wie eng Wasserläufe, Wege und Nutzung einst zusammengehörten.

Hüfingen 1786

Als der Rotrain noch eine Idee war

Die fast vergessene Anlage –
und ein Hüfingen, das um 1820 freier dachte, als es heute bisweilen geschieht

Die meisten Hüfinger kennen die „Anlage“, aber kaum noch den Ort, an dem sie einst lag.
Nicht unten an der Breg, wo heute der Anlagenweg verläuft, sondern oben am Rotrain, über dem alten Steinbruch, entstand um 1820 etwas, das weit mehr war als bloße Verschönerung. Die Akte die ich aus dem Landesarchiv in Freiburg habe, erzählt von einem Hüfingen, das damals in mancher Hinsicht freier dachte, als es heute bisweilen geschieht.

Zu Hüfingen
die Herstellung der Anlage auf dem rothen Rain von 1820 bis 1830

Was sich in dieser Akte zur Anlage auf dem Rotrain zwischen 1820 und 1845 zeigt, ist mehr als die Geschichte eines angelegten Weges oder einiger Pflanzungen. Sie öffnet den Blick auf eine Haltung. Auf Menschen, die ihre Umgebung nicht nur nutzten, sondern sie bewusst gestalten, verschönern und für andere erfahrbar machen wollten.

Der Rotrain war dabei kein beliebiger Ort. Über dem Steinbruch gelegen, mit weitem Blick, wurde er zu einem Punkt, an dem sich etwas bündelte, das über die Anlage selbst hinausweist: Gemeinsinn, kulturelle Vorstellungskraft und ein bürgerliches Selbstverständnis, das für diese Zeit bemerkenswert ist.

Eng damit verbunden ist Johann Nepomuk Schelble, der aus Hüfingen stammende Musiker, der später in Frankfurt mit dem Cäcilienverein zu großer Bedeutung gelangte. Schelble starb bereits 1837, doch seine Verbindung zur Heimat und sein Interesse an dem Ort blieben lebendig. In den Wanderblühten wird spürbar, dass es ihm nicht nur um Landschaft ging, sondern um mehr: um die Verbindung von Natur, Geist und Gemeinschaft. Dass ein Ort wie Hüfingen nicht klein gedacht werden muss, sondern Anteil haben kann an etwas, das über ihn hinausweist.

Johann Nepomuk Schelble (16.05.1789-06.08.1837), Lithografie von Heinrich Ott. Foto: Frankfurt am Main: Stadt- und Univ.-Bibliothek

Und vielleicht liegt genau darin das eigentlich Faszinierende dieser Akte.
Sie zeigt keine starre Vereinswelt mit festen Ämtern und klar abgegrenzten Zuständigkeiten. Kein Konstrukt, das zuerst Ordnung schafft und dann Handlung erlaubt. Stattdessen begegnet einem etwas Offeneres, beinahe Selbstverständliches: Menschen, die tun, was sie können und beitragen wollen. Der eine bringt Ideen ein, der andere Arbeit, wieder andere Material, Pflanzen oder praktische Hilfe. Kein enges System, sondern ein gemeinsames Tun, getragen von Überzeugung.

Gerade darin zeigt sich eine Haltung, die man ohne Übertreibung als früh demokratisch bezeichnen kann. Nicht im politischen Sinn, wie er später sichtbar wurde, sondern im gesellschaftlichen Kern:
Dass Gemeinwohl nicht nur von oben organisiert werden muss.
Dass Bürger selbst Verantwortung übernehmen, öffentliche Räume mitdenken und gestalten können.
Und dass das, was entsteht, allen gehört und allen zugutekommt.

Für die Zeit ist das bemerkenswert. Die Badische Revolution von 1848 lag noch Jahrzehnte entfernt – und doch ist hier bereits etwas von jenem Geist spürbar, der später politische Form annahm: Eigenverantwortung, Gemeinsinn, Öffentlichkeit, Mitgestaltung. Dass Hüfingen 1848 nicht unbeteiligt blieb, erscheint von hier aus betrachtet weniger zufällig, als es zunächst wirken mag.

Die Anlage auf dem Rotrain war damit nicht einfach ein schöner Ort, sondern Ausdruck eines Denkens, das seiner Zeit voraus war:
Dass Natur nicht nur Nutzen hat, sondern Wert.
Dass Schönheit kein Luxus sein muss.
Und dass gemeinsam geschaffene Orte etwas über das Selbstverständnis einer Stadt erzählen.

Umso sprechender ist es, dass die Akte auch von Zerstörung berichtet. Schon früh wurde ein erheblicher Teil der Anlage mutwillig beschädigt. Bäume wurden umgehauen, Pflanzungen zerstört, Geschaffenes verwüstet. Auch das gehört zu dieser Geschichte: Dass dort, wo Menschen mit Sinn und Hingabe etwas für alle schaffen, fast immer auch jene auftauchen, die darin nichts sehen – oder es gerade deshalb zerstören. Die Empörung darüber ist in den Unterlagen deutlich spürbar und wirkt bis heute erstaunlich vertraut.

Eingang der Anlage von der Nordost Seite. Gewidmet Seiner Wohlgebohren Herrn Hofrath Baur, Director des Vereins gezeichnet von Luzian Reich senior 1820 StAF B 695/1 Nr. 731

Und dennoch blieb es nicht dabei.
Es wurde weitergemacht. Repariert, ergänzt, gepflegt. Wege, Übergänge und Verbesserungen wurden neu gedacht und umgesetzt. Gerade darin zeigt sich, dass hinter dem Rotrain keine flüchtige Idee stand, sondern ein ernst gemeinter Wille, etwas Dauerhaftes zu schaffen – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung.

So bewahrt diese Akte mehr als die Erinnerung an eine fast verschwundene Anlage.
Sie bewahrt ein Stück Hüfinger Selbstverständnis.
Ein Hüfingen, das nicht klein dachte.
Ein Hüfingen, das Schönheit, Öffentlichkeit, Natur und gemeinschaftliches Handeln zusammenbrachte, lange bevor solche Gedanken selbstverständlich wurden.

Akte über die Anlage auf dem Rotrain aus 1820 bis 1845. 

Stadtwappen, Hohentwiel und Grenzsteine

15. August 2024 – aktualisiert

Der älteste Abdruck eines Siegels von Hüfingen ist von 1465 und das Urkundenbuch von Donaueschingen enthält ein Siegel bei einer Urfehde vom 17. November 1477. Das Wappen mit dem Schild in einem reich ornamentierten Dreipaß wies keine Öffnungen im Wappenturm auf. Diese erscheinen erst vom Jahre 1495 an in einem Siegel mit der Umschrift: * SIGILLUM* CIVITATIS & HVFFINGAE, also: Siegel der Stadt Hüfingen. Jetzt ist der Turm rund und schlank ins Siegel geschnitten. Zwar hat der Turm in der Folgezeit noch zahlreiche Wandlungen durchgemacht, aber rund ist er geblieben, allerdings sind die drei Ecktürmchen des älteren Siegels zu zwei auffälligen Erkertürmchen geworden.*1

Siegel 1460-1577

Wappen 1595-1628

Wappen 1628-1725

(1708) 1721-1828

1903

1856-1904

1904

1856-1873

1984

Stempel von Hüfingen vom 12.Dezember 1934 unterschrieben von Bürgermeister Philipp Frank
Stempel von Hüfingen 1934 unterschrieben von Bürgermeister Philipp Frank

FR. L. Baumann*2 sieht im Wappenturm das damals bekannteste Bauwerk der Stadt, den Stock im Graben oder Hohentwiel, wie er später genannt wurde, der als Wahrzeichen gelten konnte. Baumann nennt die Entwicklung des Stadtsiegels mit dem buckelquaderverzierten wehrhaften Bergfried zum schmächtigen Torturm als Beispiel des Verfalls der Heraldik in der neueren Zeit.

Lucian Reich schreibt im Denkbuch 1896:

Einen ähnlichen und doch wieder grundverschiedenen Eindruck machte auf uns der Hohentwiel, den wir über die Ausläufer des hohen Randen hinwandernd im abendlichen Dämmer am östlichen Horizont vor uns auftauchen sahen. Der Hohentwiel! Wie viel hatten wir als Kinder nicht schon von ihm gehört! Trug doch ein ehmaliger Turm in der „Hinterstadt” diesen Namen. Und der „alt Franz” unser Taglöhner, dem ich so manches „Budeli Brends zNüni” zugetragen, und der „Vetter Kupferschmied” waren von denen, die auf Gemeindekosten ringsum aufgeboten worden, das für unbezwinglich gehaltene Hegaubollwerk zu sprengen und demolieren.

Bild von Martin Menrad von Hüfingen
Hiffingen von Martin Menrad.
Das Gemälde hat er 1688 im Auftrag des Fürsten Anton Egon zu Fürstenberg-Heiligenberg gemalt.

In der Mitte hinten sieht man den Hohentwiel.

Hüfingen 1664 von Martin Menrad
Hüfingen 1664 von Martin Menrad
Karte aus dem Jahr 1664 von Hüfingen

Beatrice Scherzer und Hermann Sumser*3 schreiben über den Hohentwiel:

In der Hinterstadt im Bereich der herrschaftlichen Burg stand einst ein mächtiger Bergfried, der „Stock im Graben” oder wegen seiner Stärke auch „Hohentwiel” genannt wurde. Dieser Wohnturm diente in Belagerungszeiten als Zufluchtsort für die Burginsassen. Er war der am schwierigsten einzunehmende Bauteil der Burg.
Auf dem Gemälde von Menrad ist dieser Turm zu sehen, allerdings in bereits zerstörtem Zustand. Eine weitere Abbildung des Bergfrieds soll das alte Stadtwappen sein:
Das Hüfinger Stadtsiegel zeigt heute einen schmächtigen Torturm, in dem des 15. Jahrhunderts aber erscheint an dessen Stelle ein mit Buckelquadern an den Ecken verstärkter, wehrhafter Bergfried, der von der Seite her aufgenommen ist. Selbstredend steht dieses Wappenbild mit der Stadt im Zusammenhang; es ist nichts anderes als die Abbildung des obengenannten Stocks im Graben oder Hohentwiel’s, der in der Tat beim Anblicke der Stadt, solange er stand, das Augenfälligste, sozusagen das Wahrzeichen von Hüfingen gewesen ist und deshalb zum Wappenzeichen der Stadt vorzüglich geeignet war. Das jetzige Wappen ist erst im 17. Jahrhundert durch Unkenntnis des Sachverhaltes aus jenem verballhornt worden.

Alte Grenzsteine

Lucian Reich schreibt 1896 im Denkbuch über das Hasenwäldle:

Und in frühester Morgenstunde machte ich mich auf zum hochgelegenen „Hasenwäldle“, wo immer Raben nisteten. Dort angekommen gewahrte ich eine Kesselflickerbande, die unter den Tannen übernachtet hatte. Um sie her lagen Säcke, anscheinend Fruchtsäcke, aus welchen, als ich näher gekommen, allerdings Früchte schlüpften, aber in Gestalt von schwarzhaarigen Sprößlingen in paradiesischem Zustand. Sie bettelten den Ankömmling sogleich an, waren aber an den Unrechten gekommen, denn dessen Taschen waren so leer wie nunmehr ihre Säcke, in denen sie auf so praktische Art ihre Nachtruhe gehalten. Man konnte sie damals noch häufig treffen, diese Enterbten ohne Altersversorgung und Unterstützungswohnsitz. Jetzt sind sie verschwunden, um andern Platz zu machen, mit welchen die Polizei nicht so leicht fertig werden wird, wie mit jenen.

Die Landfahrer haben Lucian Reich auch mehrfach im Hieronymus beschäftigt. Über den „schlimmsten Inquisitor“, den Schultheiß Schäffer zu Sulz am Neckar, schreibt er im Kapitel 24:

Geschärft ward allenthalben das Schwert der Kriminaljustiz. Die Waage in der Hand des Richters muß empfindlich im höchsten Grade gewesen sein, denn das geringste Gewichtsteilchen von Schuld reichte hin, die Schale des Missetäters hoch hinaufzuschnellen. Lange war der Name des Schultheißen Schäfer zu Sulz am Neckar der Schrecken aller Landfahrer. Man erzählt sich heute noch, daß Hunderte jener armen Teufel durch den gestrengen Richter von Rechts wegen dem Henker überliefert worden seien.

Der „schlimmste Inquisitor“ war Jacob Georg Schäffer (28. 06.1745 – 1.09.1814). Er war Oberamtmann in Sulz am Neckar und ließ nicht nur die Landfahrer hinrichten, sondern raubte ihnen auch die Kinder. Die Kinder der „verurteilten Jauner“ wurden ab acht Jahren in das Waisenhaus in Ludwigsburg verbracht, die jüngeren Kinder wurden auf Kosten des Staates bei Bürgern in Kost und Logie gegeben. *4

Ein Grenzstein von 1622 nach Allmendshofen befindet sich noch beim Hasenwäldle:

Abgeknickter Baum, trotz Ansitz, beim Hasewäldle am 9. November 2021

Die Linde beim Hasenwäldle hat sich bis am 8. Mai 2025 erholt und verspricht ein hübscher Baum zu werden.

Hasenwäldle
Hasenwäldle von Karl Merz 1949
Grenzstein am Hasenwäldle mit Rabenfeder
Grenzstein von
1622

H für Hüfingen

Grenzstein nach Allmendshofen
Grenzstein von
1622

A für Allmendshofen

Ein weiterer Grenzstein von 1622 steht zwischen dem Mühlibach und der Breg. Er stammt vermutlich von der Schächerkapelle die 1968/69 renoviert wurde.

Diese Seite zeigt ein H für Hüfingen
und darunter 1622

Ein A für Allmendshofen
und darunter 1622

Karte mit Breg und Bregauen. Hüfinen am Rand oben das Siechenhaus und Schächer
Generallandesarchiv Karlsruhe 229 Nr. 1300 K

Um die genaue Grenze zwischen Hüfingen und Allmendshofen gab es immer wieder Streit, wie die Karte aus 1790 zeigt.
„Mappa über den strittigen Bregabfluss zwischen der Gemeinde Allmentshofen und der Stadt Hiffingen, die Überschwemmung und Einrisse in die Güter betreffend.
Differenzen zwischen den Gemeinden Allmendshofen, Hüfingen und Donaueschingen wegen der Anlage eines Damms an der Breg und der Banngrenzen / 1790-1793.


* 1 Chronik von Hüfingen, Vetter (1984)
*2 Zur Geschichte der Stadt Hüfingen. Forschung zur Schwäbischen Geschichte von Fr. L. Baumann, Josef Kösel, Kempten (1899)
*3 Führer durch eine alte Stadt, von Beatrice Scherzer und Hermann Sumser (1996)
*4 https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Georg_Schäffer

„Vom Himmel im Atelier“ in St. Märgen

In der Ausstellung „Vom Himmel im Atelier“ im Kloster Museum St. Märgen zeigt Eva Rosenstiel Arbeiten, die in diesen 10 Jahren im Atelier St. Märgen entstanden sind. Inhaltlich geht es hier auch um eine Auseinandersetzung mit Bedingungen von Entstehung der Kunst. Inwieweit beeinflusst der Produktionsort – aber auch Herkunft und familiäre Prägung die künstlerische Arbeit.

Hier einige Eindrücke von der Vernissage am 29. März 2026.

  • Vernissage von Eva am 29. März 2029 in St. Märgen

Die Ausstellung ist bis 15. November 2026

Haus Nober
Installation & Buchprojekt

Künstlerische Intervention im Haus Nober.

2016 hat Eva Rosenstiel mit 5 anderen Kunstschaffenden zu einer Ausstellung eingeladen.

In Hüfingen im Haus Nober entstand eine Auseinandesetzung mit der Geschichte des Hauses.

Hierzu gibt es ein Buch beim Verlag April und Tochter Freiburg 2018. Fotos: Bernhard Strauss

Zeitgleich wurde in Freiburg Ulrich von Kirchbach, der langjährige Kultur- und Sozialbürgermeister der Stadt Freiburg, verabschiedet. Zwei seiner Aussagen erscheinen mir auch mit Blick auf Hüfingen bemerkenswert passend:

„Es ist wichtig, für alle Bereiche die gleiche Empathie aufzubringen.“
„Wenn man glaubwürdig sozialpolitisch arbeitet und verankert ist und erklärt, warum Kultur und kulturelle Bildung für die Entwicklung der Stadt und ihrer Kinder wichtig sind, bekommt das eine andere Gewichtung.“
Aus der Badischen Zeitung vom 28. März 2026

Gerade bei einer Künstlerin und einer Ausstellung mit so klarem Bezug zu Hüfingen wäre das heute keine ganz unwichtige Haltung gewesen.
Es wäre schon viel gewonnen, wenn kulturelle Bildung auch hier etwas breiter verstanden würde – und nicht nur dort, wo sie seit Jahren ganz selbstverständlich Aufmerksamkeit, Präsenz und Förderung erhält.

Eva Rosenstiel

1951 in Hüfingen (Haus Nober) geboren, lebt und arbeitet Eva Rosenstiel in Freiburg und seit 2016 zudem in St. Märgen.
Vor ziemlich genau 10 Jahren übernahm sie dort das Atelier von Peter Dreher (1932-2020), bei dem sie nach einem Studium der Kunstwissenschaft an der Universität Freiburg von 1975 – 1981 an der Akademie der Bildenden Künste Karls-ruhe, Außenstelle Freiburg, Malerei studiert hatte.
Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen und sind in mehr als zwei Dutzend öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Frau Rosenstiel erhielt mehrere Auszeichnungen und geförderte Arbeitsaufenthalte. Ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg führte sie zudem an die Cité internationale des arts in Paris, wohin sie seither mehrfach zu Arbeitsaufenthalten zurückkehrte. Ihr Schaffen ist oft vom jeweiligen Arbeitsort beeinflußt. So entstehen auch in St. Märgen situationsbezogene Projekte.
Ihre Arbeit „Elfenbeinturm“ über das Atelier in der Wagensteigstraße wurde mit einem Projektstipendium des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

In ihrem Werk erkundet die Künstlerin die Bedingungen des Sehens und die Beziehungen zwischen Bild und Raum, Farbe und Objekt. Dabei beruht das künstlerische Konzept von Eva Rosenstiel auf der bimedialen Zusammenführung von Fotografie und Malerei in formaler wie inhaltlicher Hinsicht. Dem Medium der Reproduktion wird durch die aufgetragene Malerei mit Ölfarben eine materielle Qualität gegeben und es entsteht ein unverwechselbares Einzelstück, eine Fiktion. Das Sujet Stoff erhält durch Anordnung und Kombination mit verschiedenen Bildgründen (Landschaften, Marktszenen, Portraits, Himmel etc.) unterschiedlichste Aussagen. Dabei werden auch die Bilder unseres kollektiven Gedächtnisses assoziiert.

Einladung "Vom Himmel im Atelier"

Einladung mit Text und drei Bildern
aus Kleeblume, 2021, 20 x 20 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond (Ausschnitt)
aus Kleeblume, 2021, 20 x 20 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond (Ausschnitt)
aus Palette (P.D.), 2021/22, 30x30 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond
aus Palette (P.D.), 2021/22, 30×30 cm, Öl/Fotografie auf Aludibond

Visit Eva Rosenstiel

Die Künstlerin Eva Rosenstiel hat dem Hieronymus-online am 14. Mai 2022 ein Foto geschenkt.
Vielen Dank dafür!

Die Bilder stammen aus der Ausstellung „visit“ in der städtischen Galerie Fruchthalle Rastatt.

Auf vergrösserte fotografische Abbildungen von Lithografien aus dem  Hieronymus malte sie 2018 Bäume. Die im Original im Wald dargestellten Figuren werden durch die Malerei verdeckt und die Natur wirkt „zeitloser“. Das linke Bild hängt inzwischen im Stadtmuseum in Rastatt. 

Im Rathaus hängt übrigens auch noch das eine Bild unten aus 1999.

Anton Knapp hatte für Hüfingen damals noch mehr erworben. Leider werden die Bilder irgendwo versteckt gelagert.

Frauen fehlen nicht!

Wir sind da. Wir sehen alles.
Und wenn wir sprechen, wird sichtbar, was sonst so gern überhört wird.

Es gibt noch einen Satz, der in politischen Zusammenhängen erstaunlich zuverlässig fällt:

„Wir würden ja Frauen nehmen. Aber es will einfach keine.“

Er klingt fast bedauernd, wie ein organisatorisches Problem, wie ein Mangel an Angebot. Und genau darin liegt seine Bequemlichkeit, denn wenn „keine will“, muss niemand fragen, warum so viele nichts sagen. Dann ist das Problem plötzlich nicht mehr das Klima, nicht mehr die Struktur, nicht mehr die soziale Sanktion, sondern es sind einfach die Frauen schuld.

Zu wenig Interesse.
Zu wenig Mut.
Zu wenig Ehrgeiz.

Und alle anderen können sich entspannt zurücklehnen. Wer die vorherigen Muster kennt, erkennt auch hier die Logik. Zuerst wird die Art zu sprechen kontrolliert und der Ton ist das Problem.

Zu emotional.
Zu direkt.

Dann wird der Inhalt entwertet:

Zu pauschal.
So kann man das nicht sagen.

Und irgendwann passiert etwas sehr Konsequentes:

Viele Frauen sagen einfach nichts mehr. Nicht, weil sie nichts zu sagen hätten, sondern weil sie gelernt haben, welchen Preis es hat. Viele Frauen lernen diese Rechnung früh.

Nicht anecken.
Nicht unangenehm werden.
Nicht „zickig“ wirken.
Nicht „hysterisch“ rüberkommen.

Immer freundlich.
Immer vernünftig.
Immer so, dass sich bloß niemand gestört fühlt.

Das sind keine offiziellen Regeln, aber sie werden zuverlässig durchgesetzt und sie wirken. Nicht abstrakt, nicht theoretisch, sondern ganz praktisch.

Man hält sich zurück.
Man formuliert vorsichtiger.
Man sagt lieber nichts.
Oder man zieht sich irgendwann ganz zurück.

Nicht, weil man nichts könnte, sondern weil man gelernt hat, dass Können allein nicht reicht. Gerade in kleineren Städten und dörflich geprägten Strukturen wird das besonders sichtbar. Dort, wo Tradition nicht nur gefeiert, sondern auch sozial verwaltet wird. Dort, wo es sehr genaue Vorstellungen davon gibt, wer dazugehört, wer wie auftritt, wer als „angenehm“ gilt und wer besser nicht auffällt. In solchen Milieus wird oft für Frauen „mitgedacht“ – aber nur für die braven.

Für die freundlichen.
Für die unauffälligen.
Für die, die mitlaufen, mithelfen, mitlächeln.

Für alle anderen wird erstaunlich wenig mitgedacht. Und ja, natürlich gibt es dann eine große Wertschätzung für bestimmte traditionelle Räume.

Blasmusik.
Stadtmusik.
Vereinskultur.
Das Ehrwürdige.
Das Alteingesessene.

Alles schön und gut, aber nicht jede Frau ist eine Blockflöte und nicht jede möchte in genau die Rollen passen, die man in solchen Strukturen seit Jahrzehnten für sie vorgesehen hat. Das Problem ist nicht, dass Traditionen existieren. Das Problem ist, wenn aus Tradition ein sozialer Maßstab wird, an dem alle gemessen werden, die anders auftreten, anders sprechen oder andere Prioritäten haben, dann wird nicht mehr Vielfalt verwaltet. Dann wird Konformität belohnt.

In kommunalen Gremien zeigt sich das besonders deutlich. Da sitzen Männer, die sich durch ihre Wortmeldungen stolpern,
die stottern, abschweifen, sich verheddern, halbfertige Gedanken in den Raum werfen und sich dabei nicht eine Sekunde fragen müssen, ob ihr Beitrag jetzt „zu emotional“ war. Niemand erklärt ihnen anschließend, dass sie „vielleicht noch etwas an ihrer Form arbeiten sollten“. Es ist eben ein Redebeitrag. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn Frauen sprechen, verschiebt sich der Maßstab, dann wird plötzlich nicht nur gehört, sondern bewertet.

War das jetzt angemessen?
War das nicht etwas scharf?
Hätte man das nicht netter formulieren können?

Mit anderen Worten: Frauen reden in solchen Räumen oft nicht einfach. Sie treten auf Bewährung auf.

Und wer ständig signalisiert bekommt, dass der eigene Beitrag nicht nur inhaltlich, sondern auch sozial geprüft wird, überlegt irgendwann, ob man ihn überhaupt noch bringt. Das ist kein persönliches Versagen. Das ist eine rationale Reaktion auf ein irrationales System.

Ich habe das in meiner Zeit als Stadträtin oft genug gesehen. Frauen, die sehr wohl etwas zu sagen gehabt hätten – und es nicht getan haben. Nicht, weil sie nichts gesehen hätten oder weil sie zu wenig verstanden hätten, sondern weil sie genau wussten, wie schnell man in solchen Strukturen abgestempelt ist. Und dann passiert etwas fast schon Zynisches: Erst werden Frauen sozial klein gehalten und dann wird ihr Schweigen als Beweis benutzt, dass sie „halt nicht wollen“.

„Es gibt keine Frauen.“

Doch.

Es gibt sie.

Sie sitzen im Raum, sie beobachten, sie arbeiten und sie tragen mit. Sie haben nur gelernt, dass Sichtbarkeit Folgen hat. Das ist vielleicht die wirksamste Form der Disziplinierung. Nicht, dass jemand ständig offen zum Schweigen gebracht wird, sondern dass viele Frauen irgendwann gar nicht mehr anfangen, frei zu sprechen, weil sie längst verstanden haben, wie der Preis aussieht. Der Begriff dafür ist sperrig, aber treffend: linguistic self-mitigation.

Menschen beginnen, sich sprachlich selbst abzurüsten.

Sie relativieren sich.
Sie entschärfen.
Sie nehmen vorweg, dass sie „das vielleicht falsch sehen“.
Sie verpacken Kritik in Höflichkeit, bis fast nichts mehr davon übrig bleibt.

Oder sie sagen gar nichts mehr. Und genau dieses Schweigen wird später dann als Argument verkauft. Vielleicht ist das der bequemste Trick des ganzen Systems, erst sorgt man dafür, dass Frauen sich zurücknehmen und danach erklärt man ihre Zurückhaltung zu ihrer Natur. Und trotzdem gibt es Momente, in denen sichtbar wird, dass es auch anders gehen könnte.

Ich hatte kürzlich so einen Moment. In der Gemeinderatssitzung waren viele junge Frauen da und plötzlich war da etwas, das in diesen Räumen sonst so oft fehlt.

Lebendigkeit.
Interesse.
Präsenz.
Eine andere Energie.

Nicht dieses ewige Verwalten von Hierarchien, nicht dieses schwerfällige Bewachen alter Ordnung, sondern etwas Offeneres, etwas Wacheres etwas, das gezeigt hat, es geht auch anders als bei diesen unerträglichen alten Strukturen. Und genau deshalb ist der Satz „Es will ja keine“ so so bequem, denn er verschleiert, dass Frauen oft gar nicht fehlen, sondern verdrängt, entmutigt oder klein gehalten werden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Warum melden sich so wenige Frauen? Sondern: Warum wird es ihnen in so vielen Räumen immer noch so schwer gemacht? Denn vielleicht fehlt es nicht an Frauen.

Vielleicht fehlt es an Strukturen, in denen Frauen sprechen können, ohne sofort eingeordnet, begrenzt oder sozial zurechtgestutzt zu werden. Und „Es will ja keine“ beschreibt keine Realität, sondern die bequemste Ausrede derjenigen,
die nie ernsthaft wollten, dass es anders wird.

Parkplätze vor der Kirche, Mariawald, Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen, Schülerbeförderung, Musikschule, Baugebiet „Im Stegle“

Die Unterlagen gibt es wie immer hier: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/info.asp

Hier geht es um die Gemeinderatssitzung am 26. März 2026

Ausschuss für Umwelt und Technik 18:15 Uhr

02/2026
Denkmalschutzrechtliche Genehmigung 
Umnutzung der Pfarrerwohnung Wohnung zu Büroräumen

Plan der Kirche und der Pfarrhauses
4 neue Parkplätze sollen im Bereich des Vorplatzes der Kirche neu angelegt werden

Hierfür sollen jetzt 4 neue Parkplätze im Bereich des Vorplatzes der Kirche neu angelegt werden. Dies wurde bereites in der GR Sitzung am 29.01.2026 besprochen, aber damals war ich nicht dabei. Vermutlich hatte damals der Gemeinderat den Pfarrgarten gerettet. Vielen Dank dafür!

Meine Meinung hierzu hat sich trotzdem nicht grundlegend geändert: Jetzt soll die Grünfläche vor der Kirche platt gemacht werden. Dies ist zwar besser als der Garten, aber trotzdem wird Hüfingen viel verlieren. Jetzt müssen dann die Messebesucher und auch Trauernden zwischen Autos rum stehen, nur damit der Herr Pfarrer aus Donaueschingen mit dem Auto anreisen kann. Als nächstes sind vermutlich wieder die Bäume dran.

Gemeinderäte sind sich einig, dass es leider baurechtlich nicht anders geht. Kerstin Skodell, Mete Ünal und Daniel Bucher finden es nicht in Ordnung, dass vor der Kirche Autos stehen müssen. Die Kirche möchte die Parkplätze unbedingt vor der Kirche und die Stadt kann nichts dagegen tun. Wenn die Gemeinderäte ablehnen würde das Landratsamt ziemlich sicher überstimmen. Obwohl 4 Gemeinderäte trotzdem ablehnen stimmen 6 dem zu. Es wird mit 6 Ja Stimmen und 4 Gegenstimmen beschlossen.

07/2026
Modernisierung und energetische Sanierung Gruppen- und Seminarhaus Mariawald, Errichtung Anbau Flst. Nr. 2651

Die Antragsteller beantragen die energetische Sanierung mit Modernisierung des Ferien- und Erholungsheim Mariawald sowie die Errichtung eines Anbaus.

Ich freue mich sehr, dass er jetzt endlich voran geht!
Alles kann ganz genau auf der Webseite von Mariawald angschaut werden: https://mariawald-huefingen.de/vision/
Es wird wunderbar werden!

Dies wurde einstimmig beschlossen.

08/2026
Umnutzung eines weiteren Teils der Lager-/Maschinenhalle zu einem Rinderstall für die winterliche Tierhaltung

Der Betreiber eines landwirtschaftlichen Betriebes in Mundelfingen beantragt die Umnutzung eines Teils der bestehenden Lager- und Maschinenhalle zu einem Rinderstall.

Dies wurde einstimmig beschlossen.

09/2026
Umbau und Nutzungsänderung Pizzeria und Eisdiele mit Straßenverkauf

Ein großes Lob an unser Landratsamt: Hüfingen wurde erfolgreich vor übermäßigem Pizzakonsum geschützt.
Seit Monaten wartet die Stadt geduldig auf die Wiedereröffnung – der Pizzabäcker arbeitet inzwischen in einer Nachbargemeinde. Planungssicherheit, wie man sie sich wünscht.
Umso beruhigender, dass gleichzeitig konsequent darauf geachtet wird, dass eine Pizzeria nicht einfach zur Pizzeria wird – und schon gar nicht nebenbei Eis verkauft. Ordnung muss schließlich sein.
Wo kämen wir hin, wenn Ladenbesitzer eigenständig Scheiben einbauen und ihre Betriebe am Laufen halten wollten? Dass für diese Prioritätensetzung ausreichend Mittel vorhanden sind, zeigt, wie gut die Ressourcen eingesetzt werden. Sollte dafür die Kreisumlage steigen müssen, wird sich sicher eine Lösung finden.
Und wenn gleichzeitig beim ÖPNV gespart wird und Schülerinnen und Schüler künftig sehen müssen, wie sie zur Schule kommen – nun ja: Hüfingen ist schließlich überschaubar. Wer zur Schule muss, hat ja noch junge Beine.

Dies wurde einstimmig beschlossen.

11/2026
Neubau eines Wohnhauses mit Doppelgarage

Auf dem Hohen II soll neues Einfamilienwohnhaus mit Doppelgarage errichtet werden.
Dazu sage ich jetzt mal einfach:

Viel Freude an unserer modernen Lärmschutzanlage, die uns über Jahre hinweg begleitet – ursprünglich war hier eine andere Lösung vorgesehen, entstanden ist ein Projekt, das bis heute seine ganz eigene Baugeschichte schreibt und den Verkehr auf bemerkenswert nachhaltige Weise lenkt. Planungssicherheit war selten so… langlebig.

Dies wurde einstimmig beschlossen.

Sitzung des Gemeinderates um 18:30 Uhr

TOP2 Bürgerfragestunde

So viele Bürger waren noch nie da. Ich schätze deutlich über 100 Besucherinnen und Besucher.

Vielen Dank an Markus Leichenauer für die Fotos!

Frau Hasenfratz bedankt sich für die Rückmeldungen zu TOP7. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sie vorher gefragt worden wären. Es wurde vorher nichts gesagt und eine einseitige Vorlage geschrieben ohne vorher die andere Seite anzuhören. Der Gesetzgeber hat das Recht eingeräumt angehört zu werden. Hier hat keine Transparenz statt gefunden. Sie hinterfragt die Querschnittszahlen. Punkt 2.7 und 2.8 sollen zurück gestellt werden und in die Juli Sitzung geschoben werden und die Zahlen sollen noch mal abgefragt werden. Sie hinterfragt auch, ob dies alles 12.000 Euro Wert sein soll.

Die Elternbeiräte des Kindergarten St. Georg Behla wehren sich auch gegen die Kürzungen. Frau Albicker liest die Stellungnahme des Kindergartens vor. Sie haben große Sorge wegen der Kürzung der Betreuungszeiten und beklagen auch eine Mangelhafte Absprache.

Kerstin Örtle die Elternvertreterin des Kindergartens St. Verena beschwert sich auch, dass dies alles sehr überraschend kam. Diese Bedarfsplanung gehe am Bedarf der Eltern vorbei. Seit gestern haben sie 86 Unterschriften gesammelt und sie wünscht auch eine Vertagung und möchte gerne ins Gespräch gehen.

Sonja Atik fragt, ob die Bläserschule die Kinder auffangen könnte. Es sind momentan 110 Hüfinger Kinder die in Donaueschingen Musikunterricht nehmen, die können nicht alle an die Bläserschule. Was ist mit den Kinder die kein Orchester relevantes Instrument spielen? Wenn die Kinder von Donaueschingen nach Hüfingen wechseln, dann wäre dies nur eine Verlagerung der Kosten, aber keine Ersparnis.

Lina Zante-Leovey bedankt sich für die Antwort auf ihre E-Mail und fragt wie Hüfingen zukunftsfähig bleiben kann, wenn ausgerechnet Familien und Kinder durch kommunale Entscheidungen zunehmend belastet statt gestärkt werden.

Frank Meckes Elternbeirat vom Wuki Hausen vor Wald meint, dass der Kindergarten vor drei Tagen einen Brief bekommen habe, in dem stand dass einige Stellen gestrichen werden und er fragt was hier stimmt. Laut Bürgermeister sei bisher nur kein Soziales Jahr genehmigt worden.

Aus Hausen vor Wald kommt eine Beschwerde wegen der Feuerwehr die geschlossen werden soll. Der Herr meint für einen Kunstrasen beim Fußball sei Geld da, aber nicht für die Feuerwehr. Die Prioritäten seien etwas schief.

Thomas Blessing, Ortschaftsrat Sumpfohren, ist wegen der Schülerbeförderung da. Auch er meint, dass die Prioritäten falsch gesetzt werden.

Christopher Deutsch, Elternbeirat der Schellenberger Schule, rechnet die Mehrbelastung für die Eltern.

19:20 Uhr beginnt dann die Gemeinderatssitzung

TOP3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen

TOP4 Überarbeitung / Aktualisierung Denkmalschutzsatzung Altstadtensemble Hüfingen

Die Verwaltung steht derzeit mit der oberen Denkmalschutzbehörde bezüglich einer möglichen Anpassung oder Neuaufstellung der Denkmalschutzsatzung in Kontakt.
Hier könnten entsprechende Vorgaben / Richtlinien aufgestellt werden um in Zukunft diese Einzelentscheidungen zu vermeiden.
Zur Erläuterung des derzeitigen Sachstandes bzw. zur Diskussion über Vorteile und Nachteile einer Denkmalsatzung wird Frau Claudia Mann vom Landesamt für Denkmalpflege den Gemeinderat zu folgenden Punkten informieren:

  • Wertigkeit der Gesamtanlage „Stadtmitte Hüfingen“
  • Bestehende Satzung und Satzungsänderung aus denkmalfachlicher Sicht
  • Umgang PV in Gesamtanlagen – Fachinstrument Solarkataster
    Frau Mann steht dem Gemeinderat nach einer kurzen Präsentation für eine
    Fragerunde bzw. Diskussion zur Verfügung.

In dem Zusammenhang fällt mir das Haus Nober ein, das vor Jahren von der Stadt an einen „Investor“ verkauft wurde, mit dem Zusatz eines Rückkaufrechts, falls der Investor nicht investiert. Seit Krav Maga in ein eigenes Haus umgezogen ist, ist ausser geisterhaften Bewohnern im Haus, die im Fenster Fische trocknen, und durch das Offenlassen der Türen hinten, gar nichts passiert.
2020 gab es mal einen fiktiven Bauantrag:

Bauantrag aus dem Jahr 2020
Zeichnung aus dem Bauantrag vom 29. Februar 2020

Frau Mann rät zu einer modernen Denkmalsatzung anhand von Beispielen.

Daniel Bucher meint für die CDU, dass sie sich auf eine eine moderne Gestaltungssatzung freuen. Kerstin Skodell hätte die neue Satzung gerne im kleinen Kreis mit dem Gemeinderat besprochen – auch im Hinblick auf die erzwungenen neuen Parkplätze vor der Kirche.

Es wird eine Arbeitsgruppe „Denkmalschutz“ aus dem Gemeinderat und dem Bauamt gebildet.

TOP5 Ergebnisvorstellung Starkregenrisikomanagement

In den Ortslagen von Hüfingen gab es in der Vergangenheit vereinzelt Starkregenereignisse, deswegen wurden die BIT Ingenieure AG im Mai 2022 mit der Erstellung eines gesamtheitlichen Konzepts für das kommunale Starkregenrisikomanagement (SRRM) zu beauftragt.
Im Rahmen des SRRM wurde zunächst eine hydraulische Gefährdungsanalyse durchgeführt, bei der Überflutungshöhen und Fließgeschwindigkeiten für das gesamte oberirdische Einzugsgebiet Hüfingens bestimmt wurden. Die daraus
erstellten Starkregengefahrenkarten dienten als Grundlage für die anschließende Risikoanalyse kommunaler Objekte, Bereiche und Infrastrukturen.

Diese Erkenntnisse bildeten die Basis für die Ableitung und Definition geeigneter Schutzmaßnahmen innerhalb des kommunalen Handlungskonzepts.
Die Konzepte des SRRM und die daraus resultierenden baulichen Schutzmaßnahmen sind nach den Grundsätzen der Förderrichtlinie Wasserwirtschaft 2024 „FrWw 2024“ mit einem Fördersatz von bis zu 70% förderfähig. Förderfähig
sind alle Maßnahmen, die geeignet sind, Sturzfluten bzw. Überschwemmungen infolge seltener oder außergewöhnlicher Starkregenereignisse aus Außengebieten abzufangen und abzuleiten.

Um die gewonnenen Erkenntnisse auch für die Bürgerschaft zugänglich zu machen und diese insbesondere über die Verpflichtung zur Eigenvorsorge privater Grundstückseigentümer zu informieren, wurden die erstellten Karten und erläuternde Informationen auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.

Der link wäre hier nett gewesen, ich kann nur das hier finden: https://www.huefingen.de/Wirtschaft-Bauen/Hochwasservorsorge
Anscheinend kommt noch mehr.

Frau Huth vom Ingenieurbüro BIT aus Freiburg stellte die Ergebnisse des Starkregenrisikomanagements vor und stand für Fragen zur Verfügung.

Die Daten werden auch unabhängig von der Stadt bei der LUBW eingepflegt.

Beschlussvorschlag:

  1. Der Gemeinderat nimmt die Ergebnisse des aufgestellten Konzepts zum
    Starkregenrisikomanagement (SRRM) der Stadt Hüfingen zur Kenntnis.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, auf Grundlage des Konzepts zukünftig
    Maßnahmen zum Schutz vor Überflutungen durch Starkregen zu planen
    und dem Gemeinderat vorzustellen.

Dem Beschlussvorschlag wird einstimmig zugestimmt.

TOP6 Neuabschluss des Gaskonzessionsverträge (Wegenutzungsvertrag Erdgas)

Falls dies jemanden interessiert, der neue Konzessionsertrag ist hier: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/getfile.asp?id=9430&type=do

Beschlussvorschlag:
Der beiliegende Konzessionsvertrag über die Nutzung öffentlicher Verkehrswege zum Bau und Betrieb von Leitungen für die Gasversorgung wird mit der Energieversorgung Südbaar GmbH & Co. KG abgeschlossen.

Dem Beschlussvorschlag wird einstimmig zugestimmt.

TOP7 Beschlussfassung zur örtlichen Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen in der Stadt Hüfingen 2026

Der Bedarfsplanung 2026 und der Entwurf zur Umsetzung liegt hier: https://huefingen-sitzungsdienst.komm.one

Beschlussvorschlag:
Die örtliche Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen in der Stadt Hüfingen (Bedarfsplan 2026) beinhaltet folgende Punkte:

  1. Der Bedarfsplan für Kindertageseinrichtungen 2026 der Stadt Hüfingen wird zustimmend zur Kenntnis genommen.
  2. Der im Folgenden ausgewiesene Bedarf wird festgestellt und die notwendigen Umsetzungsmaßnahmen beschlossen:
    2.1in der Kinderkrippe Felix in Allmendshofen die auf die Stadt Hüfingen entfallenden drei Plätze zur Kleinkindbetreuung für Kinder im Alter von 2 Monaten bis drei Jahren;
    2.2 in der Kindertagesstätte St. Verena drei Gruppen zur Kleinkindbetreuung für insgesamt 30 Kinder von 0 bis 3 Jahren (zwei Gruppen VÖ, eine Gruppe VÖ/GT);
    2.3 in der Kindertagesstätte St. Verena eine Regelgruppe (28 Plätze), eine Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit (25 Plätze) und zwei Mischgruppen mit verlängerter Öffnungszeit, Regelgruppenangebot und je 10 Ganztagsplätzen
    für Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt (47 Plätze),
    2.4 in der Kindertagesstätte Luise-Scheppler eine Krippengruppe für die Betreuung von 10 Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren (VÖ);
    2.5 in der Kindertagesstätte Luise-Scheppler eine Ganztagesgruppe (20 Plätze)
    und
    drei Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit (70 Plätze) für Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt.
    2.6 im Kindergarten des Stadtteils Fürstenberg eine altersgemischte Regelgruppe Kinder ab zwei Jahren bis Schuleintritt.
    2.7 im Kindergarten des Stadtteils Mundelfingen eine altersgemischte Gruppe (HT/VÖ) für 22 Kinder ab zwei Jahren bis Schuleintritt. Das Betreuungsmodell Regelgruppe wird spätestens ab Beginn des Kindergartenjahres 2026/27 nicht mehr angeboten.
    2.8 im Kindergarten des Stadtteils Mundelfingen eine Gruppe in der Betreuungsform VÖ/HT für Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt mit 25 Plätzen. Das Betreuungsmodell Regelgruppe wird spätestens ab Beginn des Kindergartenjahres 2026/27 nicht mehr angeboten.
    2.9 Das Angebot eines warmen Mittagessens im Kindergarten Mundelfingen wird ab Kindergartenjahr 2026/27 aufgrund zu geringer Nachfrage eingestellt.
    2.10 in der Kindertagesstätte Behla (Standort Behla) eine Krippengruppe mit verlängerter Öffnungszeit für 10 Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren.
    2.11 in der Außenstelle der Kindertagesstätte Behla in Sumpfohren eine Krippengruppe mit verlängerter Öffnungszeit für die Betreuung von 10 Kindern im Alter 0 bis 3 Jahren.
    2.12 in der Kindertagesstätte Behla jeweils für Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt:
    zwei Gruppen (VÖ/RG) mit jeweils 25 Plätzen und eine gemischte Gruppe (25 Plätze) mit Regelöffnungszeit, verlängerter Öffnungszeit und Ganztagsöffnungszeit (10 Plätze für GT-Betreuung).
    2.13 im Naturkindergarten „Wuki“ eine Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit für 20 Kinder ab 3 Jahren bis Schuleintritt.
  3. Das Angebot VÖ wird ab Kindergartenjahr 2026/27 in allen Einrichtungen der Gesamtstadt auf eine tägliche maximale Betreuungszeit von 6 Stunden festgelegt. Bei den Einrichtungen in Trägerschaft der kath. Kirche wird die
    tägl. Betreuungszeit beim VÖ Modell dementsprechend von bisher 6,5 h auf 6,0 h reduziert.
  4. Im kompletten Planungszeitraum ist die Zahl der Betreuungsplätze in der Gesamtstadt ausreichend, um die bekannten Rechtsansprüche auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen.
  5. Im Rahmen der Kapazitäten wird den einzelnen Kindergärten die Möglichkeit gegeben, auch Kinder mit zwei Jahren und neun Monaten aufzunehmen. Die Betreuung drei- bis sechsjähriger Kinder hat jedoch Vorrang. Desweiteren
    wird auf freie Tagesbetreuungsplätze und qualifizierte Tagesmütter und –väter verwiesen.
  6. Um die Betreuungseinrichtungen in der Gesamtstadt Hüfingen (plus Felix in Allmendshofen) für die Zukunft bedarfsgerecht aufzustellen wird eine Arbeitsgruppe gebildet. Die Arbeitsgruppe besteht aus dem Bürgermeister, je einem Vertreter jeder Gemeinderatsfraktion, je einem Vertreter aller Träger und aller Leitungen und MA der Verwaltung. Die Arbeitsgruppe erstellt für den Gemeinderat Handlungsempfehlungen für die Bedarfsplanung 2027. Als Grundlage für die Handlungsempfehlungen stellt die Verwaltung monatlich die Belegungszahlen der Einrichtungen und bei Bedarf aktuelle Entwicklungen in den Einrichtungen zur Verfügung.
  7. Das Angebot der verlässlichen Grundschule an der Lucian-Reich-Schule bleibt grundsätzlich bestehen, wird jedoch ab Schuljahr 2027 auf das Modul 1 beschränkt. Die Verwaltung wird beauftragt, den Bedarf in Bezug auf das bestehende Ganztagesschulangebot jährlich zu prüfen und ggf. Anpassungen im Angebot vorzunehmen.
  8. Das Angebot der flexiblen Nachmittagsbetreuung an der Schellenberger Schule bleibt bestehen. Die Verwaltung wird beauftragt, zusammen mit der Schulleitung alle Möglichkeiten der Bezuschussung auszunutzen. Der Bedarf ist jährlich zu prüfen.
  9. Die Ferienbetreuung wird auch im Schuljahr 2026/27 über KifaZ als Träger angeboten. Das Angebot soll auf sieben Ferienwochen ausgeweitet werden. Die Stadt Hüfingen trägt die nicht durch Elternbeiträge gedeckten Kosten, die im Zusammenhang mit dem Ferienbetreuungsangebot entstehen.
  10. Eine aktualisierte Bedarfsplanung für das Jahr 2027 ist zum Ende des Jahres 2026 in der bisherigen Form dem Gemeinderat vorzulegen.

Laura Bruder ist Kindergarten Geschäftsführung und betreut die katholische Kirchengemeinden Hüfingen, Bräunlingen und Blumberg mit 9 Kindergärten. Sonja Geiselmann ist für die Stadt Hüfingen im Bereich Bildung und Soziales da.

Sarina Bäurer spricht für die CDU. Sie meint, dass der verspätete Plan der Vakanz im Hauptamt geschuldet sei und freut sich über den Naturkindergarten WuKi in Hausen vor Wald. Sie meint, dass eine Betreuungszeit über sechst Stunden unverhältnismäßig sei, da nach sechs Stunden eine Pause gemacht werden müsse. Dies gibt das Arbeitszeitgesetz vor. Kerstin Skodell ist erstaunt, dass es eine mangelnde Kommunikation seitens der Träger gab. Es müsse an der Kommunikation gearbeitet werden. Sie verweist auch auf die Nachbarschaftshilfe. Philip Wills beantragt entweder alles zu vertagen oder mindestens Punkt 3 gesondert abzustimmen.
Markus Leichenauer schlägt vor den Schlecker für in einen Kindergarten zu prüfen. Des weiteren rechnet er vor wieviel Hüfingen für Kinder und Familie ausgibt. Insgesamt sind dies über 20 Millionen im Jahr.

Der Gemeinderat stimmt gegen die Vertagung von TOP7. Der Punkt drei wird auch nicht gesondert abgestimmt.

Der Vorschlag wird mit 15 Ja Stimmen, 3 Gegenstimmen und 1 Enthaltung angenommen.

Bei der Beschlussvorlage oben gibt es noch ein paar kleine Änderungen und verlängerte Fristen.

TOP8 Kostenübernahme der Schülerbeförderung zu Schellenberger Schule

Der Kreistag des Schwarzwald-Baar-Kreises hat in seiner Sitzung am 10.11.2025 beschlossen, ab dem 01.01.2026 die Kosten für die Schülerbeförderung von Grundschulkindern nicht mehr zu übernehmen. Die Kosten für das Deutschland-Ticket JugendBW betragen derzeit 45,00 € pro Monat und sind von den Eltern zu tragen. Die Übernahme der Beförderungskosten für das dritte Kind wurde ebenfalls beendet.

Durch diese Maßnahme erzielt der Landkreis jährliche Einsparungen in erheblicher Höhe.
Vor diesem Hintergrund hat die CDU-Fraktion beantragt, dass die Stadt Hüfingen die Kosten für die Schülerbeförderung zur Schellenbergschule übernimmt.
Auch seitens der Elternbeiräte wurde die Übernahme der Kosten angeregt. Zur Begründung wird insbesondere auf die Gleichbehandlung zwischen Kernstadt und Ortsteilen, die Vermeidung zusätzlicher Verkehrsbelastungen durch Elterntaxis sowie die finanzielle Belastung von Familien verwiesen. Zudem wird argumentiert, dass die schulische Struktur und die Verteilung von Schulstandorten nicht zu einer Mehrbelastung einzelner Familien führen dürfe.

Finanzielle Auswirkungen und Haushaltslage
Auch die Stadt Hüfingen steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Die Übernahme der Kosten für die Schülerbeförderung würde zu dauerhaften Mehrausgaben führen, deren Umfang sich jährlich verstetigen und perspektivisch steigen würde. Gerade im Ergebnishaushalt (laufende Kosten) hatten wir dieses Jahr schon sehr zu kämpfen und die Problematik wird sich voraussichtlich weiter verschlimmern, da der Landkreis aufgrund der eigenen prekären Haushaltslage eine erhebliche Erhöhung der Kreisumlage für das Jahr 2027 beschließen muss.
Vor dem Hintergrund notwendiger Haushaltskonsolidierungen ist die Einführung einer zusätzlichen freiwilligen Leistung in einem Themenfeld, dass eigentlich nicht in der Verantwortung der Städte und Kommunen liegt, schwer begründbar.
Es ist zudem davon auszugehen, dass sich die aktuelle Argumentation nach Auslaufen einer befristeten Kostenübernahme durch die Stadt wiederholt und sich dann wiederum gegen die Stadt richtet.

Fazit
Die Stadt ist für die Schülerbeförderung sachlich nicht zuständig. Die Übernahme der Kosten für die Schülerbeförderung würde eine freiwillige Leistung darstellen, die sowohl finanzielle als auch strukturelle Folgewirkungen nach sich ziehen würde. Unter Berücksichtigung der Zuständigkeiten, der Haushaltslage sowie der Gleichbehandlung ist eine Kostenübernahme durch die Stadt Hüfingen nicht zu empfehlen.
Die Verwaltung schlägt daher vor, den Antrag abzulehnen.

Wie oben schon geschrieben hatte:
Ein großes Lob an unser Landratsamt…
…Dass für diese Prioritätensetzung ausreichend Mittel vorhanden sind, zeigt, wie gut die Ressourcen eingesetzt werden. Sollte dafür die Kreisumlage steigen müssen, wird sich sicher eine Lösung finden.
Und wenn gleichzeitig beim ÖPNV gespart wird und Schülerinnen und Schüler künftig sehen müssen, wie sie zur Schule kommen – nun ja: Hüfingen ist schließlich überschaubar. Wer zur Schule muss, hat ja noch junge Beine.

Markus Leichenauer meint, dass beim Antrag der CDU vor drei Monaten noch nicht bekannt war, was heute bekannt ist. Die CDU wird unterschiedlich abstimmen. Kerstin Skodell meint, dass sich auch der Kreistag schwer getan hat und der Haushaltsplan fast nicht zu stemmen war. Die Kommune sei nicht in der Lage das zu bezahlen was das Land und der Bund nach unten durch drückt.

Reinhard Isak liest eine Resolution vor die der Gemeinderat an das Land schicken soll.

Beschlussvorschlag der CDU:
Die Stadt Hüfingen übernimmt die Kosten für das Deutschland-Ticket JugendBW für
anspruchsberechtigte Grundschulkinder im Rahmen der Schülerbeförderung befristet
für den Zeitraum vom 01.01.2026 bis 31.12.2026.

5 Ja, 13 Nein und eine Enthaltung. Die Kosten werden nicht übernommen.

TOP9 Errichtung einer stellvertretenden Ganztagsleitung an der Lucian-Reich-Schule Hüfingen

Der Gemeinderat hat am 26.02.2026 im Rahmen der öffentlichen Sitzung die Umsetzung des Ganztagsförderungsgesetzes (GaFöG) ausführlich beraten und beschlossen.

Vertagt wurde der Beschluss zur Fortführung der Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Familienzentrum KiFaZ zur Durchführung der Ganztagsbetreuung und die Einrichtung einer stellvertretenden Ganztagsleitung mit einem Stellenumfang von 20%.
KiFaZ hat auf Bitte der Verwaltung die Aufgaben sowohl der Ganztagsleitung wie auch einer stellvertretenden Ganztagsleitung ausführlich dargestellt. Die Darstellungen der jeweiligen Aufgabenbereiche sind der Vorlage beigefügt.

Beschlussvorschlag:
Die Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) zur Durchführung der Ganztagsbetreuung wird fortgeführt und vertraglich abgesichert.
Beim KiFaZ wird eine stellvertretende Ganztagsleitung mit einem Stellenumfang von 20% ab Schuljahr 2026/27 eingerichtet.

11 Ja, 5 Nein und 1 Enthaltung. Der Beschlussvorschlag ist angenommen.

TOP10 Anpassung Musikschule Donaueschingen

Am 27.07.1992 bzw. 14.08.1992 haben die Bürgermeister der Städte Donaueschingen und Hüfingen eine Vereinbarung bezüglich der Jugendmusikschule Donaueschingen unterzeichnet.
In dieser Vereinbarung erklärt sich die Stadt Hüfingen bereit, sich an den der Stadt Donaueschingen aus der Trägerschaft der Jugendmusikschule entstehenden Kosten zu beteiligen. Die Vereinbarung legt fest, dass für die Kinder und Jugendlichen aus Hüfingen die gleichen Gebührensätze wie für Donaueschinger Schüler gelten. Kinder und Jugendliche aus Hüfingen und Donaueschingen bezahlen also nicht die allgemeine Gebühr je Baustein (wie z.B. Erwachsene), sondern eine ermäßigte Gebühr. Der Unterschied zwischen der allgemeinen und der ermäßigten Gebühr wird von den jeweiligen Wohnsitz-Städten übernommen. Die Förderung der Stadt betrug 2024/2025 40.980,70 €

Die Bläserschule erhält einen städtischen Zuschuss von rund 20.000 € pro Jahr.
Es ist vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage und des Gebotes des wirtschaftlichen Umgangs mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln eine Entscheidung zu treffen, ob die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aus Hüfingen an der JMS Donaueschingen weiterhin im selben Umfang bezuschusst werden soll und kann
wie bisher, zumal es sich um eine freiwillige Aufgabe und keine gesetzliche Pflichtaufgabe handelt.
Sehr viele Familien wissen gar nicht, dass die Stadt für den Unterricht der Hüfinger Kinder in den letzten Jahren
durchschnittlich rd. 44.000 € pro Jahr aufgewendet hat. Ein direkter Nutzen für die Stadtgemeinschaft ist ebenfalls nicht ersichtlich.
Es liegt deshalb nahe, die städtische Förderung der Musikausbildung vermehrt auf die Bläserschule zu konzentrieren.

Die Verwaltung schlägt vor für das kommende Schuljahr den Zuschuss für die Musikausbildung an der JMS DS zu begrenzen. Der Zuschuss an die Musikschule soll auf 20% der Gebühren reduziert werden (aktuell 39%) und es soll keine Doppelförderungen (1 Kind – 2 Instrumente) mehr erfolgen. Das Einsparvolumen läge bei knapp 20.000€ pro Schuljahr.

Die Verwaltung schlägt außerdem vor, im Herbst 2026 endgültig über die weitere Zusammenarbeit mit der Musikschule DS zu entscheiden. Die Entscheidung wurde im Januar vertagt, um die weitere Entwicklung der Bläserschule Hüfingen aufgrund der Kündigung des Leiters abzuwarten. Die Vereinbarung aus dem Jahr 1992 zwischen der Stadt Donaueschingen und der Stadt Hüfingen ist unbefristet, kann jedoch unter Einhaltung einer sechsmonatigen Kündigungsfrist zum Ende des Schuljahres der Städtischen Jugendmusikschule von beiden Vertragsparteien gekündigt werden. Sollte der Gemeinderat eine Kündigung der Vereinbarung beschließen, wäre diese bis spätestens 31.01.2027 an die Stadt Donaueschingen zu übermitteln.

In Hüfingen wird wieder einmal sehr zielgerichtet gespart – bei Kindern und kultureller Bildung.
Die Förderung der Musikschule soll zunächst gekürzt und dann im Herbst ganz gestrichen werden. Einsparvolumen: rund 40.000 Euro.

Gleichzeitig bleibt die VHS Baar mit mindestens 46.000 Euro unangetastet. Eine Einrichtung, die im vergangenen Jahr auch Veranstaltungen angeboten hat, die ich persönlich als mindestens fragwürdig empfunden habe – um es vorsichtig zu formulieren.

Ich habe bereits letztes Jahr gesagt: Das Geld fehlt nicht – es wird nur sehr selektiv eingesetzt.

Während musikalische Förderung für Kinder zur Disposition steht, scheint für andere Formate weiterhin verlässlich Geld vorhanden zu sein.
Und ja – so unterhaltsam einzelne Angebote wie Whisky-Tastings für Erwachsene auch sein mögen: Als öffentlich geförderte Priorität überzeugen sie mich weniger als Musikunterricht für Kinder. Für gesellige Abende gibt es in Hüfingen schließlich genügend Alternativen – ganz ohne Zuschuss.

Aber vielleicht ist das die neue alte Linie des GR: Kultur ja – solange sie nichts kostet oder zumindest brav ins Weltbild passt.

Sarina Bäurer spricht für die CDU und möchte den Blick auf die Bläserschule richten. Auch die SPD stimmt dem Vorschlag zu.

Beschlussvorschlag:
Der Gemeinderat soll beschliessen:

  1. Die Förderung der Musikausbildung bei der Kunst- und Musikschule Donaueschingen für die Hüfinger Kinder und Jugendlichen wird für das kommende Schuljahr auf einen Zuschuss pro Instrument/Person von 20% der Gebühren begrenzt.
  2. Es wird keine Doppelförderung mehr gewährt.
  3. Im Herbst 2026 eine Grundsatzentscheidung über eine Kündigung der Vereinbarung
    mit der Musikschule DS zu treffen.

Dies wird mit mit nur einer Enthaltung einstimmig beschlossen. Tätärä! Es lebe Tracht und Blasmusik!

TOP11 Städtischer Familien- und Seniorenpass- Anpassung der Einkommensgrenzen zum 01.5.2026

Der städtische Familien- und Seniorenpass wurde eingeführt, um insbesondere Mehrkindfamilien den Zugang zu städtischen Leistungen zu erleichtern und sozialpolitische Akzente zu setzen. Eine Doppelförderung mit Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (z. B. Bürgergeld, Wohngeld) ist ausgeschlossen.

Um sicherzustellen, dass arbeitende Familien ohne Sozialleistungsbezug gefördert werden, liegt die vorgeschlagene Grenze für eine Familie mit einem Kind (2.630 €) weiterhin deutlich über dem durchschnittlichen Bedarfsniveau des Bürgergelds (ca. 2.150 € inkl. Miete/Heizung, Stand 2026).

Beschlussvorschlag:

  1. Der Gemeinderat beschließt die Erhöhung der Einkommensgrenzen für den städtischen Familien- und Seniorenpass zum 01.01.2026 wie dargestellt.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Richtlinien entsprechend anzupassen.
  3. Die Einkommensgrenzen sind turnusgemäß zum 01.01.2028 erneut zu überprüfen.

Dem wird einstimmig zugestimmt.

TOP12 Vergabe von Erd-, Tief und Straßenbauarbeiten – Erschließung „Im Stegle“ Bauabschnitt 1 Hausen vor Wald

Die Stadt Hüfingen erschließt das Wohngebiet „Im Stegle“ im Ortsteil Hausen vor Wald in einem ersten Bauabschnitt. Insgesamt sollen 14 Bauplätze erschlossen werden.
Im Rahmen der Ausschreibung sollen nun die zugehörigen Erd-, Tief- und Straßenbauarbeiten vergeben werden. Neben Kanalbauarbeiten sind die Tiefbauarbeiten zur Verlegung der Wasserleitung auszuführen und der komplette Straßenbau. Darüber hinaus sind auch Leistungen des Zweckverbands Breitbandversorgung vorgesehen.

Wer sich hier genauer interessiert, die Unterlagen gibt es auf der Seite der Stadt hier: Bebauungspläne

Beschlussvorschlag:
Eine Firma aus Balingen wird als wirtschaftlichste Bieterin, zu einem Angebotspreis in Höhe von brutto € 713.566,68 (€
733.597,86 – € 20.031,18 (ZV Glasfaser)) mit den Erd-, Tief-, und Straßenbauarbeiten beauftragt.

Auch dem wird einstimmig zugestimmt.

TOP13 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat

Hüfingen ist Modellgemeinde für die Sozialraumplanung im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Kommentar von Hannah

Nach dieser langen und intensiven Gemeinderatssitzung möchte ich ausnahmsweise noch einen persönlichen Kommentar hinterlassen, weil mich manches gestern wirklich tief erschüttert hat.

Zuerst aber etwas Positives:
Ich möchte mich ausdrücklich bei den vielen jungen Frauen bedanken, die da waren. Ihre Präsenz, ihre Aufmerksamkeit und ihre positive Energie haben den Abend für mich überhaupt erträglich gemacht. In diesem Kreis war etwas Lebendiges, Kluges und Hoffnungsvolles zu spüren – und das hat gut getan.

Gerade deshalb hat mich umso mehr irritiert, wie oft gestern von „Fairness“ gesprochen wurde.
Denn ich frage mich ernsthaft: Was versteht man hier eigentlich unter Fairness?

Fair wäre für mich, nicht immer nur das zu fördern, was ohnehin schon groß, sichtbar und etabliert ist.
Fair wäre, auch den Kindern und Jugendlichen etwas zuzugestehen, die nicht in die Blasmusik gehen.
Fair wäre, anzuerkennen, dass Kultur mehr ist als das, was in Hüfingen seit Jahrzehnten als selbstverständlich gilt.

Denn genau das scheint das Problem zu sein:
Hüfingen bewegt sich oft im immer gleichen Tunnelblick aus Blasmusik und Fußball. So wie im Sport nicht nur Fußball existiert, gibt es auch kulturell mehr als das, was man schon immer kennt und organisiert hat. Aber alles, was nicht in dieses vertraute Raster passt, scheint schnell verzichtbar zu sein.

Dieses Denken kenne ich inzwischen nur zu gut:
Was nicht ins Bild passt, kann weg.
So wie Bäume, wenn sie stören.
So wie Angebote, wenn sie nicht ins gewohnte Ortsbild passen.
So wie Menschen, deren Leben, Interessen oder Möglichkeiten nicht in die gewohnte Ordnung hineinfallen.

Und genau das hat mich gestern so traurig gemacht.

Denn hinter all den Worten von Gemeinschaft und Fairness stand für mich etwas ganz anderes:
Die Priorität liegt offenbar weiterhin bei den braven Bürgern in der Gruppe, bei denen, die sich einfügen, mitlaufen und sich nicht querstellen.

Wer wenig Geld hat, wenig Zeit hat, andere Interessen hat oder sich nicht nahtlos einreihen kann, soll sich eben irgendwie anders behelfen.
Dann verweist man eben auf Nachbarschaftshilfe, Ehrenamt oder „andere Lösungen“.

Aber auch das muss man einmal klar sagen:
Ehrenamt ersetzt keinen Staat.
Und es ersetzt auch keine gerechte kommunale Politik.

Es kann nicht die Antwort sein, dass vor allem wieder Frauen im Hintergrund auffangen, organisieren, begleiten und ausgleichen sollen, was politisch nicht mehr getragen werden will – oft mit viel Herzblut, für wenig Geld und unter dem schönen Etikett der „Gemeinschaft“.

So entsteht am Ende keine faire Stadt, sondern eine Stadt, in der viele nur dann mitgedacht werden, wenn sie sich im Gleichschritt einordnen.

Und genau das ist mein Eindruck nach dieser Sitzung:
Alle sollen sich einreihen.
Ins Orchester.
In die Gruppe.
In das, was man hier eben für richtig hält.

Aber eine lebendige Stadt entsteht nicht durch Gleichschritt.
Sie entsteht durch Vielfalt, durch Offenheit und durch den Willen, auch das zu ermöglichen, was nicht schon immer da war.

Und vielleicht war genau deshalb das Hoffnungsvolle an diesem Abend nicht vorne am Ratstisch zu finden, sondern unterm Publikum.

„Jetzt bleiben wir mal sachlich.“ – Wie Frauen diszipliniert werden, wenn sie ihre Rolle verlassen

Es ist einer dieser Sätze, die sofort wirken: „Jetzt bleiben wir mal sachlich.“ Er fällt ruhig, vernünftig und ausgleichend. Genau darin liegt seine Stärke.

Denn der Satz behauptet etwas, ohne es aussprechen zu müssen, also dass es gerade nicht sachlich war und dass jemand im Raum dafür verantwortlich ist. Auffällig ist, wen dieser Satz besonders häufig trifft. Nämlich Frauen. Frauen, die argumentieren, Frauen, die präzise sind, Frauen, die Widerspruch formulieren. Und dann plötzlich als das beschrieben werden, was sie angeblich gerade sind:

emotional.
unsachlich.
pauschal.

Das Interessante daran ist nicht die Behauptung selbst, sondern ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Realität. Denn viele Frauen kennen die Situation sehr genau:

Sie formulieren bewusst klar.
Sie wählen Beispiele sorgfältig.
Sie differenzieren.
Sie prüfen ihre Argumente.

Manche lassen ihre Texte oder Beiträge sogar gegenlesen – nicht selten von Männern –, um genau diesen Vorwurf zu vermeiden. Und trotzdem kommt der Einwand:

„Zu pauschal.“
„Zu emotional.“
„So kann man das nicht sagen.“

Nicht als Einladung zur Klärung, sondern als Abschluss der Diskussion. An diesem Punkt passiert eine Verschiebung. Die Frage ist nicht mehr:

Stimmt das, was gesagt wurde?

Sondern:

War es in der richtigen Form?

Der Inhalt verliert an Bedeutung und die Form wird zum Maßstab.

Die Philosophin Kate Manne beschreibt genau diesen Mechanismus:
Misogynie funktioniert nicht in erster Linie als offener Hass, sondern als Durchsetzung sozialer Erwartungen. Sie sorgt dafür, dass Frauen sich innerhalb bestimmter Grenzen bewegen. Und eine dieser Grenzen betrifft die Art zu sprechen. Frauen dürfen sprechen.

Aber bitte ruhig.
Bitte verbindlich.
Bitte nicht zu fordernd.
Bitte nicht zu klar.

Der Vorwurf der „Emotionalität“ spielt dabei eine zentrale Rolle. Er wirkt objektiv, fast technisch. Als ließe sich messen, wie viel Emotion in einem Satz steckt. In Wirklichkeit ist er aber erstaunlich flexibel denn er meint selten die Lautstärke und noch seltener den Inhalt. Er trifft die Abweichung! Eine Frau, die deutlich widerspricht, gilt schnell als emotional. Ein Mann, der dasselbe tut, als engagiert.

Ähnlich funktioniert der Vorwurf der „Pauschalisierung“. Er wird oft dort erhoben, wo jemand ein Muster benennt. Wer Strukturen beschreibt, muss verallgemeinern – sonst lassen sich keine Zusammenhänge erkennen. Doch genau diese Verallgemeinerung wird dann als Fehler markiert. Nicht, weil sie unzutreffend wäre, sondern weil sie unangenehm ist. So entsteht eine paradoxe Situation. Je klarer eine Frau ein strukturelles Problem beschreibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr vorgeworfen wird, zu pauschal zu sein. Je deutlicher sie formuliert, desto eher gilt sie als emotional. Und wieder verschiebt sich die Diskussion. Nicht mehr: Gibt es dieses Muster? Sondern: Darf man das so sagen?

Der Satz „Jetzt bleiben wir mal sachlich“ wirkt in diesem Moment wie Moderation. Tatsächlich aber ist er oft eine Form der Disziplinierung. Er signalisiert, dass nicht der angesprochene Inhalt das Problem ist, sondern die Art, ihn anzusprechen.

Kate Manne würde sagen: Hier wird keine inhaltliche Grenze verteidigt, sondern eine soziale, die Grenze dessen, was als angemessenes weibliches Verhalten gilt. Der Vorwurf der „Pauschalisierung“ verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, denn er klingt nach Präzision, nach Differenzierung und nach intellektueller Sorgfalt. In der Praxis bedeutet er oft etwas ganz anderes. Wer „pauschal“ sagt, behauptet selten konkret, was genau falsch verallgemeinert wurde. Es folgt keine Gegenanalyse, kein differenzierendes Beispiel und kein ernsthafter Versuch, das Argument inhaltlich zu prüfen. Stattdessen bleibt es bei einem Etikett:

„Zu pauschal.“

Ein Wort, das nach Kritik klingt, aber häufig keine ist. Denn echte Kritik würde Arbeit erfordern. Sie müsste zeigen, wo eine Aussage zu grob ist uns sie müsste Unterschiede benennen, sich auf den Inhalt einlassen. Der Pauschal-Vorwurf tut das nicht, er ersetzt die Auseinandersetzung. In vielen Diskussionen bedeutet „pauschal“ deshalb nicht: Das ist analytisch ungenau, sondern: Das ist unangenehm klar. Oder, weniger höflich formuliert: Sprich das bitte nicht so aus. Das ist der eigentliche Punkt.

Wer Strukturen beschreibt, muss verallgemeinern, sonst bleibt alles Einzelfall und Einzelfälle verändern nichts. Der Vorwurf der „Pauschalisierung“ trifft deshalb auffällig oft genau dort, wo jemand beginnt, Muster sichtbar zu machen. Nicht, weil sie falsch wären, sondern weil sie nicht mehr ignoriert werden können. Und so wird aus einem analytischen Begriff ein Werkzeug. Kein Werkzeug der Klärung, sondern eines der Begrenzung. Ein Wort, das Diskussionen beendet, ohne sie zu führen. Ein Wort, das den Eindruck von Differenzierung erzeugt, während es Differenzierung verhindert.

Vielleicht ist es deshalb so schwer, darauf zu reagieren, weil der Vorwurf formal nach Argument aussieht, aber inhaltlich keines ist. Man kann ihn nicht widerlegen, weil er nichts Konkretes behauptet. Und genau darin liegt seine Stärke. „Zu pauschal“ klingt wie Kritik, funktioniert aber oft wie eine Aufforderung:

Werd leiser.
Werd vorsichtiger.
Werd wieder kleiner.

Oder, auf den Punkt gebracht:

„Zu pauschal“ heißt oft nur:
Zu treffend, um es stehen zu lassen.

Wolfgang Kleiser zum 90. Geburtstag

Bis zum 3. Mai ist die Ausstellung im Hüfinger Museum zum 90. Geburtstag von Wolfgang Kleiser: Wolfgang Kleiser: SITUATIONEN – zum 90. Geburtstag

Wolfgang Kleiser

1936 geboren in Urach im Schwarzwald
1950 – 1953 Lehre als Holzbildhauer beim Vater Augustin Kleiser in Urach anschließende Gesellenjahre
1956 – 1958 Zeichenkurse an der Fernakademie Paul Linke, Karlsruhe
1958 – 1960 Schüler beim akademischen Bildhauer Franz Spiegelhalter, Freiburg
1960 Meisterprüfung als Holzbildhauer
seit 1961 Selbstständig

1965 – 1968 Zeichenkurse an der Fernakademie „Famous Artist School“, Amsterdam
seit 1972 als freischaffender Bildhauer anerkannt

Mitglied der Gemeinschaft christlicher Künstler der Erzdiözese Freiburg, dem Berufsverband Bildender Künstler Südbaden und dem Kunstverein Villingen-Schwenningen

Chorraumgestaltungen (Auswahl):
Unadingen / Döggingen / Kappel / Altglashütten / Schallstadt / Oberbiederbach

Kreuzwege für Kirchen (Auswahl):
Bad Dürrheim / Hubertshofen / Spaichingen / Schwetzingen / Freiburg / Schallstadt / Böblingen Gelnhausen-Höchst / Heilbronn-Kirchenhausen

Persönliche Höhepunkte des künstlerischen Schaffens:
1978/79 Kreuzweg für die Stadtkirche Spaichingen (Wettbewerb)
1985 Portraits der Eltern des Ministerpräsidenten a.D. Erwin Teufel, Bronze
Portrait des Bundesministers a.D. Dr. Heinrich Krone
1993/94 Chorraumgestaltung für die neue Kirche in Schallstadt – Wolfenweiler, Eichenholz, Bronze (Wettbewerb)
1994 Gestaltung der Jubiläumsstele in Bronze (ca. 280 cm hoch) zum 750. Stadtjubiläum Vöhrenbachs
1999 ein Kreuz (ca. 280 cm hoch) für eine Kirche in Mostar, Herzegowina
2000 Gestaltung des Eingangsbereiches des neuen Krankenhauses in Lichtenstein (Sachsen), Stele und Relief (Wettbewerb)
2003/05 Stationenweg St. Ottilien, Freiburg
2014/15 Stele Rathausplatz Vöhrenbach (525 cm hoch)

Hier gibt es eine Galerie zur Ausstellung:

  • Kinderkopf
    Enkel

rendez-vous mit Wolfgang Kleiser

12. Oktober 2022 von Hubert Mauz

Hubert Mauz über rendez-yous mit Wolfgang Kleiser

In der Ausstellung, die am Freitag, dem 07.10.2022 eröffnet wurde, räumt das Stadtmuseum für Kunst und Geschichte Hüfingen fünf Künstlerinnen und Künstlern einen besonderen Platz ein.

„Wie lang häsch no, Bläsi?“ gelesen von Maria Simon

Wie lang häsch no?, Bläsi

„Guete Morge“, du ich dorri brummle
de Morgemuffel hangt mer i de Zai
„Guede“, duet er herwärts mummle
Soo gohts sit Woche mit iis zwei.

En Wälder also, seller Kleiser Maa,
denkt han ich’s glii, jetzt isch es klar.
Kumsch Obends z’ruck, stoht er no doo
Uf sim Podest, doo uff de Boor.

„Guete n’Obet“, ruef ich zu ihm riber
„Guede“ huucht er zue mir n` iber.
Er guckt nit nab und au nit nuff,
sii Handwerk hät der wirkli druff.

So giit’s nuu on wo bloost und drillt
des flissig Glas noch sinem Bild.
D’Betziit Glock nimmt er kum wohr
am „Bläsi – Brunne„ , uff em Brunnestoe.

Dem isch’s au gliich wenn d’Rentner froge:
„Wie lang widd duu dichdenn no,bloge?“
Erst reacht bloost er noo uff die Backe
Und loot de glüejig Buddel knacke.

Denn Arbet isch e Kunscht nie gsii.
Drum zooeget er wie es sott sii,
daß z’fridde mir ad Arbet gond
und froh sind, dass mir oni hond.

„Häsch nit baald gnueg?“ lot er nit gelte
do kennet alli morre, schelte
„Wie lang häsch noo?“, isch ihm en Gruus,
drum schaffft er zue, johrii, johruus.

Den Kerle mueß mer oefach mege
und kon isch au nuu weng degege.
Sitt der im Oortisch, des sei gseit,
macht iis der „Bläsi“ werkli Freid.

Alte Karten und Stadtpläne von Hüfingen

Dr. Jörg Martin hat am 23. Februar 2026 einen Vortrag über Martin Menrad und dessen „Nürnberger Karten“ für den Donaustrand von Sigismund Birken im Jahr 1664 gehalten:

Vortrag über Martin Menrad von Dr. Jörg Martin

Mit den Karten von diesem Vortrag habe ich diesen Artikel hier aktualisiert.

Karte aus 1612 mit Villingen, Donaueschingen und Hüfingen
Ausschnitt einer Karte vom Amt Tuttlingen aus 1612
alte Zeichnung aus etwa 1700 von der Baar.
Nachlass Johann Majer, Pfarrer und Kartograph (1680-1711).
Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 7 Nr. 14
Karte mit Breg und Bregauen. Hüfinen am Rand oben das Siechenhaus und Schächer
Mappa über den strittigen Bregabfluss zwischen der Gemeinde Allmentshofen und der Stadt Hiffingen, die Überschwemmung und Einrisse in die Güter betreffend.
Differenzen zwischen den Gemeinden Allmendshofen, Hüfingen und Donaueschingen wegen der Anlage eines Damms an der Breg und der Banngrenzen aus 1790-1793
Generallandesarchiv Karlsruhe 229 Nr. 1300 K 1

Stadtplan von Hüfingen 1786

Stadtplan von Hüfingen aus der zum fürstenbergischen Urbar von 1786 gehörenden Gemarkungskarte.

Der Stadtplan wurde 1968 von Paul Revellio in der Badischen Heimat veröffentlicht.

Der Mühlibach wird mit Gewerbekanal beschrieben.

Links sieht man das Wappen von 1786 mit dem Hohenwiel. Leider ist der Hohentwiel selber nicht mit auf der Karte eingetragen.

Diese Karte mit den einzelnen Nummern der Häuser aus dem Jahr 1786 hat Dr. Jörg Martin bei seinem Vortrag über Martin Menrad gezeigt. Die Karte befindet sich im Hüfinger Archiv.

Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786
Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786

Nürnberger Karte von Martin Menradt aus dem Jahr 1664

Die zwei Karten unten sind Vorzeichnung für eine Nürnberger Karte von Martin Menradt aus dem Jahr 1664. Dr. Jörg Martin, der Leiter vom Fürstlich Fürstenbergisches Archiv, hat sie uns zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Auf dem Hüfinger Teil sieht man links die im Dreißigjährigen Krieg abgebrannte Seemühle an der Breg und auf der gegenüberliegenden Seite den Galgen. Über den Galgen schreibt Lucian Reich 1896 im Denkbuch:

„Den Galgen, der sich auf der Höhe des „Hölensteins“, den der Vater angekauft und teilweise kultiviert hatte, erhoben. In einer finstern Dezembernacht hatte er und sein Freund, Bürgermeister Burkhard die Pfeiler umgestürzt und die schweren steinernen Kugeln, mit denen sie geziert waren, den felsigen Abhang hinunter rollen lassen ein Gepolter, das der alten Großmutter im nahen „Henkerhaus“ wie Geistergetös vorgekommen sei.“
Die steinernen Kugeln kann man unten auf der Bräunlinger Mappa erkennen.

Das Schützenhaus erkennt man auf allen Karten an den Zielscheiben und dem Tor, das aussieht wie ein Galgen. Deswegen hatte Martin Menradt wohl einen Menschen am Galgen baumelnd mit eingezeichnet.


Hier sieht man wunderschön die Position vom Hohentwiel, Stadtmauer, Sumserturm, altes Tor an der Sparkasse und vieles mehr.


Ganz links die Leonhardkapelle mit dem Weg nach Hausen vor Wald. In Hausen vor Wald sieht man das alte Schellenberger Schloß und die Kirche.

Über Hausen ist Behla und Sumpfohren.

Oben an der Donau Neudingen.

Kartenausschnitt mit Mundelfingen
Mundelfingen mit der alten Stadtkirche die beim Friedhof stand.

Bräunlinger Mappa


Aus dem Jahre 1620 stammt die „Bräunlinger mappa“, in der die Territorialgrenze gegen Bräunlingen hervorgehoben ist. Sie enthält auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen, die allerdings ungenau gezeichnet ist. Dagegen sind die Schächerkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der große Weiher richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar.
Verzeichnet sind das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.* 1

Behla selber ist nicht mehr mit drauf. Oben links ist Hausen vor Wald und AUFGANG bedeutet, dass es Osten ist, weil da die Sonne auf geht.

Hier der Ausschnitt mit Hüfingen. Rechts oben von Hüfingen ist die Leonhardkapelle dann das große Kreuz ist da wo jetzt die Lorettokapelle steht. Daneben im Ziegeleschle sehe ich zwei Häuser – andere sehen zwei große Bäume. Kann jeder für sich entscheinden.

Die Weyerwiesen sind mit Schwänen verziert. Das ist das Niedermoor wo unser Gemeinderat das riesige illegale Lidelzentrum durchgesetzt hatte.

Man sieht auch den Galgen mit den Kugeln verziert von dem Lucian Reich im Denkbuch berichtet, sowie die noch intakte Seemühle und das Schützenhaus.

Landtafel der Baar

Landtafel der Baar aus 1620 mit Hüfingen und den Ortschaften. Leider hatte später mal jemand darüber gekritzelt. Deswegen hat Vetter in der Chronik eine Reproduktion veröffentlicht. Oben das Bild davon was uns Dr. Jörg Martin überlassen hat. Fürstenberg und Mundelfingen sind da schön drauf!

Hüfingen in der Reproduktion der Landtafel der Baar 1620

Reproduktion von Hüfingen von August Vetter aus dem Jahr 1984: Landtafel der Baar von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo die Stadtapotheke war. Deutlich lassen sich die an die Stadtmauer gebauten Häuser erkennen. Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der » Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.

Bild von Martin Menrad von Hüfingen
Hiffingen 1682 Martin Menrad
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