Warum manche für Selbstverständliches Anerkennung bekommen und andere darin verschwinden.
Es gibt eine Form von Ungleichheit, die selten diskutiert wird, weil sie so alltäglich ist, dass sie kaum auffällt. Männer engagieren sich und werden dafür gefeiert. Frauen engagieren sich und es wird erwartet. Das Muster ist einfach. Ein Mann übernimmt eine Aufgabe im sozialen Bereich, zeigt Einsatz, investiert Zeit, tut etwas für andere, und plötzlich verändert sich die Perspektive. Er ist engagiert, vorbildlich und inspirierend. Dass genau diese Arbeit seit Jahrzehnten von Frauen gemacht wird, bleibt dabei unsichtbar. Wenn sich Frauen sozial engagieren ist es selbstverständlich.
Pflege, Organisation, Kümmern, Da sein, Dranbleiben – Frauensache.
Das sind keine besonderen Leistungen. Das sind Erwartungen und genau darin liegt der Unterschied. Nicht in der Tätigkeit, sondern in der Bewertung. An vielen Orten gibt es eine sehr klare Arbeitsteilung: Die einen repräsentieren Gemeinschaft, die anderen halten sie am Laufen. Sichtbar ist das, was sich gut erzählen lässt.
Das Projekt, die Rolle, der Termin, der Auftritt, das, wofür es Fotos gibt, Titel, Dankesworte – Männersache.
Unsichtbar bleibt, was Gemeinschaft tatsächlich trägt. Nämlich Termine koordinieren, Menschen anrufen, Mitdenken, Auffangen, Erinnern, Einspringen, einfach da sein.
Das eine wird gesehen, das andere wird vorausgesetzt. Und genau hier kippt die Wahrnehmung. Wenn Männer tun, was bei Frauen ohnehin erwartet wird, wird daraus etwas Besonderes. Etwas, das heraussticht, das Anerkennung bekommt. Währenddessen läuft im Hintergrund weiter, was immer schon lief. Still, verlässlich und ohne Bühne.
Und so entsteht ein vertrautes Bild: Einige wenige stehen im Licht, viele tragen. Das ist kein Zufall. Das ist ein System. Denn wer für Selbstverständliches Anerkennung bekommt, steht im Mittelpunkt und wer Selbstverständliches leistet, verschwindet darin. Vielleicht erklärt das auch, warum bestimmte Formen von Engagement so gut funktionieren. Sie bieten etwas, das selten ist: Sichtbarkeit. Und die Sichtbarkeit ist ungleich verteilt. Für Männer kann soziales Engagement zur Bühne werden, für Frauen bleibt es oft Hintergrund. Nicht, weil sie weniger tun, sondern weil das, was sie tun, anders bewertet wird.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: Wer engagiert sich? Sondern wessen Engagement wird gesehen und wessen als selbstverständlich verbucht? Denn vielleicht fehlt es nicht an Einsatz, sondern an Aufmerksamkeit. Vielleicht wäre die ehrlichere Form von Anerkennung eine andere. Nicht nur die zu loben, die sichtbar helfen. Sondern endlich die zu sehen, die es die ganze Zeit tun.
Sichtbarkeit ist keine Leistung! Sie ist oft nur das, was übrig bleibt, wenn andere die Arbeit gemacht haben.
In ihrem Blog hat Hannah Miriam Jaag die Ermordung von Willibald Strohmeyer, des aus Mundelfingen stammenden Pfarrers von St. Trudbert, sehr eindringlich dokumentiert. Beim Durchlesen ihres Beitrags über dieses schlimme Verbrechen musste ich das Kriegstagebuch meines Vaters hervorholen. Denn auch er berichtet darin über die Vorgänge im Münstertal in den chaotischen letzten Kriegswochen.
Das mehrbändige Tagebuch hatte ich vor acht Jahren schon einmal unter die Lupe genommen und mir Gedanken darüber gemacht: Was der Krieg aus einem macht, so hatte ich meinen Text überschrieben und weiter: Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters.1
Im Folgenden will ich einige Passagen herausgreifen, die Hannahs Dokumentation der Ermordung von Pfarrer Strohmeyer noch ergänzen können. Vorauszuschicken ist, dass der Vater als Hauptmann der Infanterie und Ritterkreuzträger nach einem Lazarettaufenthalt in Badenweiler am Jahresende 1944 unbedingt zu seiner Einheit zurückkehren wollte, die noch im Baltikum in Rückzugsgefechten vor der Roten Armee lag. Stattdessen aber wurde er überraschend dem SS-Armeekorps unterstellt, dessen Generalkommando in Badenweiler lag; dies – wohlbemerkt – ohne zur SS übertreten zu müssen. Hier die datierten Auszüge:
8. Februar
Ich machte Quartier im Kloster St. Trudbert. Die Schwestern müssen zusammenrücken, tun es aber bereitwillig, mitsamt dem Freiburger Altersheim, das schon im Kloster untergeschlupft ist. Auch in die Stille des Pfarrhauses brachte ich Unruhe; die Haushälterin jammerte im voraus um ihre spiegelblank gewichsten Böden, doch der Pfarrer, ein würdiger Greis, schmunzelte mir heimlich zu. Im Hintergrund standen zwei Kapläne mit undurchdringlichen Gesichtern. Die Jagdbomber schwärmten wie die Hornissen. Sie kamen in Rudeln zu Vieren, Achten und Zwölfen und machten sich mit wildem Aufheulen und Knattern über die Straßen in der Ebene draußen, über die Kolonnen und Fahrzeuge her. Kopfüber stürzten sie sich auf Staufen, dreimal an diesem Tag, es krachte und schütterte, qualmte und brannte. Auch Krozingen und Heitersheim bekamen ihr Teil. […] Am Nachmittag kreisten sie hoch überm Tal, da zischten ihre Bomben hernieder und barsten mitten im Dorf und weit die Halden hinauf. Ein Toter, ein Verwundeter; ein Haus völlig weggeblasen. Am Abend kamen mit den Flüchtlingen vom Rhein auch die Leute von Staufen, Frauen und Kinder, verstört und erschöpft, mit Fahrrädern und Handwagen. Hundert Tote hat dieser Tag in dem sonst so heimeligen Breisgaustädtchen gefordert.
12. April
Der Vater war inzwischen zusammen mit einem SS-Mann namens Kubat im Südschwarzwald unterwegs, um die Möglichkeiten des Wehrwolf-Einsatzes hinter der Front auszuloten, was sich freilich als ziemlich illusionär herausstellen sollte.
[…] Das tollste, was ich durch Kubat kennenlernte, ist die „Kompanie Brandenburg“, ein abenteuerlicher, blutrünstiger Haufen von deutschen Galgenvögeln und französischen Desperados; Marokkaner, Chinesen und sogar ein Jude sind darunter, und natürlich fehlen auch Mädchen nicht. Die Männer tragen zur Tarnung die Uniform des Heeres, gehören aber zur SS. Die Gesellschaft hat ihren Schlupfwinkel im hintersten Münstertal, wird zu allen möglichen Unternehmen eingesetzt und ist auch zu allem fähig. Sie ist mit Maschinenpistolen, Sprengstoff und Blausäurepräparaten ausgerüstet, zählt hervorragende Pistolenschützen zu den Ihren und macht zu Übungszwecken Jagd auf Fahnenflüchtige. Das wichtigste Wort ihres Sprachschatzes heißt „umlegen“, und wenn einer von einem Auftrag nicht mehr zurückkommt, so hat er eben „Pech gehabt“, wobei nicht einmal feststeht, ob nicht die eigenen Kameraden nachgeholfen haben, zumal wenn es sich um Franzosen handelt. […]
In diesen Kreisen hörte ich bald da, bald dort davon reden, daß man sich auf einen Bandenkrieg im Rücken des Gegners vorbereitete, Verpflegungsstützpunkte und Sprengstofflager anlegte. […]
Kriegsende
Am 7. Mai 1945 endete der Krieg auch für den Vater, nachdem das inzwischen eingekesselte Armeekorps noch einen Ausbruchversuch von Hammereisenbach aus über die Baar hinweg in Richtung „Alpenfestung“ unternommen hatte, in dessen Verlauf Behla, Zollhaus und Randen noch lichterloh brannten und speziell zwischen Achdorf und Fützen (auf dem noch ungeteerten und aufgeweichten „Wellblechsträßchen“) große Verluste durch französischen Jagdbomberbeschuss zu beklagen waren. Truppweise schlug man sich weiter durch bereits besetztes Gebiet noch bis ins Bodensee-Hinterland, um sich dort schließlich aufzulösen, als die Nachricht von der unmittelbar bevorstehenden Kapitulation durchgesickert war. Zu Fuß auf Schleichwegen und vorwiegend nachts machte sich der Vater (noch immer in Uniform) auf den Heimweg nach Kandern im Markgräflerland.
13. Mai
Um Sechs Morgenmilch von der Kuh weg und über den Berg nach Bürschau hinunter, ich brauchte längst keine Landkarte mehr. Zweites Frühstück bei freundlichen alten Leuten. Als sie hörten, daß ich geradewegs über den Köhlgarten gehen wollte, rieten sie mir dringend ab, weil dort noch eine Gruppe SS ihr Unwesen treibe und jeden heimkehrenden Soldaten zwinge, sich ihr anzuschließen. Den alten Pfarrer von Obermünstertal hätten sie in den Wald geholt und erschossen. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, dankte den beiden Alten und ging.
Ich ging geradenwegs über den Köhlgarten. Die Jagdhütte war mir wohlbekannt, die droben versteckt im Wald lag. Der Pfarrer von Obermünstertal, der gute alte Herr, bei dem ich vor Monaten Quartier gemacht hatte! Ich wußte nicht, was ich bei der Jagdhütte wollte und was ich tun würde, wenn ich dort jemanden von der Bande träfe. Es mußten die Galgenvögel sein, Kriminelle aus aller Herren Länder, die der SS zu mancherlei dunklen Zwecken gedient hatten und in Untermünstertal untergebracht waren. Zum Glück stand die Hütte leer, Tür und Fenster waren eingeschlagen. Ungeschoren kam ich über das Lipple ins Kandertal.
Ungeschoren erreichte der Vater schließlich auch Kandern, freilich nur deshalb, weil ihn eine Wegstunde davor die Eltern eines Waldarbeiters dazu überredet hatten, in den Anzug ihres Sohnes zu schlüpfen und mit Spazierstock und Bauernburschenhut vollends nachhause zu wandern. In französiche Kriegsgefangenschaft geriet er dann doch noch, vom November 1945 bis Mai 1947 – „viel Zeit für Katharsis und Selbstreflexionen“, so schrieb ich in meinem Beitrag „Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters“.
1 Haumann, H. und Schellinger u. (Hg): Vom Nationalsozialismus zur Besatzungspolitk. Fallstudien und Erinnerungen aus Mittel- und Südbaden. Verlag regionalkultur, 2018
Foto von unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel
Am 25. Oktober 2018 hatte ich das Vergnügen seine letzte öffentliche Rede bei der Buchvorstellung von Wolf Hockenjos in der übervollen Donaueschinger Bibliothek zu erleben:
Leider gab es danach wegen Corona keine Gelegenheit mehr.
Einweihung des Gedenksteins am 25. Oktober 2024 mit MdB Thorsten Frei, Erster Landesbeamter Schwarzwald-Baar-Kreis a.D. Joachim Gwinner, Bürgermeister von Donaueschingen Severin Graf, Bürgermeister von Hüfingen Patrick Haas, Weggefährten Wolf Hockenjos, Prof. Dr. Helmut Gehring und Dr. Hans Joachim Blech.
Letztes Refugium für Lebewesen, die als “Unkraut” und “Ungeziefer” aus unserer Agrikulturlandschaft vertrieben wurden: Feldblumen, Eidechsen, Hummeln, Käfer, Spinnen, Schmetterlinge. Wie sind denn nun die beiden widersprüchlichen Schöpfungsgeschichten zu interpretieren: Ist alles dem Menschen nach dessen Gutdünken untertan oder wurde ihm der Garten zur Obhut übergeben? Wenn ich einmal überschlage, wie viel Pflanzenarten allein im Ried seit 50 Jahren verschwunden sind, komme ich leicht auf 30 Arten; bei den Vögeln dürften es wohl 20 sein. Und wer hat schon mal die Insekten untersucht? Mir fällt die vergoldete Inschrift eines Feldkreuzes bei Aasen ein: “Herr, beschütze unsere Fluren” – Ja, warum sollte er das denn, wenn wir es nicht tun?
1926 in Schladen/Harz geboren. Volksschule und vergebliche Domestikationsversuche durch das Deutsche Jungvolk ebendort. 1939 Aufbauschule in Wolfenbüttel; dort auch ab 1941 Flieger-Hitlerjugend. Lessingschule in Braunschweig von 1941 bis zur Heranziehung als Luftwaffenhelfer im März 1943; eingesetzt rund um Braunschweig. Ab Juli 1944 Soldat bis zur endlichen Befreiung durch die Alliierten, zuletzt auf dem „geordneten Rückzug“ in die Alpen mit kurzer Gefangenschaft. 1945 Landarbeiter in Schladen; dort Gründung und Leitung einer „Kutlurgemeinschaft“ 1946-1948. Nachgeholte Reifeprüfung für Kriegsteilnehmer und erfolgreiches Studium in Göttingen und Freiburg (Biologie, Geografie/Geoligie, Chemie; Philosophie/Psychologie) von 1946-1951. Sodann Wissenschaftlicher Sachbearbeiter am Forschungsinstitut für Höhenlandwirtschaft Donaueschingen bis 1954, danach Lehrer an Gymnasien in Freiburg, Baden-Baden und Villingen. Kreisbeauftragter für Naturschutz 1959-1970.
1964 Berufung ans neue Studienseminar Rottweil als Fachleiter und Fachberater für Biologie; Ernennung zum Professor 1970 und 1980. Lehrauftrag für Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes an der Fachhochschule Furtwangen 1978-1983. Seit 1988 im „Ruhestand“ in Donaueschingen.
Rund 150 Publikationen in internationalen und regionalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Autor und Mitautor bei rund 30 Fach- und Sachbüchern zu geowissenschaftlichen, ökologischen und Umwelt- Themen, darunter die Hochschullehrbücher: „Biologische Geographie“ mit J. ILLIES (1963) und „Praktische Arbeitsweisen der Vegetationsgeographie“ mit 0. WILLMANNS (1973). Bücher u.a.: „Luflbildatlas v. Baden-Württemberg“ (1971); „Ökologie exemplarisch: der Bodensee“ (1972), „Wurzeln der Umweltkrise“ (1997); „Arche Noah 2000 (1981) „Ökologie exemplarisch: der Rhein“ (1983, 1986); „Waldschäden durch Radioaktivität?“ (1985), „Ökologie und ihre biologischen Grundlagen“ (1985); „Wach sein für morgen“ (1992); „Die Baar 1945-1995 – Landschaftswandel im ländlichen Raum“ (1995); „Baarwanderungen“ (2004).
Sonstiges: Verschiedene Bürgerinitiativen, u.a. auch Vorsitz im Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg und Mitglied mehrerer Landesbeiräte 1976 bis 1991. Gewähltes Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften. Bundesverdienstkreuz a.B. (1980), Staatsmedaille Baden-Württemberg in Gold (1986), Verdienstmedaille Baden-Württemberg (1989).
Saatgänse… seit 1994 sind die treuesten Wintergäste der Baar, seit Jahrhunderten bekannt und bezeugt, nur noch ein Wintermärchen – es war einmal.So wie die anderen Wintergäste aus dem hohen Norden, die schönen Singschwäne mit den “gemalten Augen (…); so wie der trillernde Brachvogel im Ried; so wie die über dem Mittelmess balzend im Sturzflug meckernde Bekassine. Selbst die auf den Wiesen fast überall gegenwärtige laute Brutgenossenschaft der Kiebitze ist Vergangenheit. Wo sind die Hunderte von Tafelenten auf der Donau? Wo die Rebhühner, wo der auf den Bulten und Schollen knicksende kleine Steinschmätzer? Und wo ist das schwefelgelbe Gewoge der Trollblumen, das tiefe Rot des Knabenkrauts, wo sind die goldenen Sterne des Spatel-Greiskrauts, die Silberflöckchen der Wollgräser, und wo … Ja, wo sind sie geblieben? Doch wer sie nicht kannte, wird ihnen auch nicht nachtrauern. Und wir, die den Verlust beklagen was haben wir für sie getan?
der 27. April 2026 war ein bisheriger Beobachtungshöhepunkt in unserem Garten. Zum ersten Mal, seit wir vor 30 Jahren hierher gezogen sind, sah ich einen Tatzenkäfer und eine farbenprächtige Zauneidechse. Beide fast gleichzeitig in der Abendsonne. Ein absoluter Oberhammer. Den Großen Tatzenkäfer bestimmte google lens. Er ist mit 15 bis 20 mm der größte Blattkäfer in Mitteleuropa. Zur dieser Gattung gehören weltweit über 50.000 Arten und über 470 in Deutschland. Der bekannteste ist der Kartoffelkäfer, aber auch das Lilienhähnchen gehört dazu. Auf die Schnelle dachte ich, naja, das ist nur ein Mistkäfer. Also lieber mal genauer hingucken, dachte ich anschließend. Beim Bestimmen kam der Hinweis, dass er auffallend dicke Füße besitzt, die an „Tatzen“ erinnern. Seht Ihrs auf dem Bild? Interessant ist, dass er aufgrund zusammengewachsener Flügeldecken nicht in der Lage ist zu fliegen. Bei Gefahr kann er eine rötliche giftige Flüssigkeit aus dem Mund absondern, was ihm im Englischen den Namen „bloody nosed beetle“ (Blutrünstiger Käfer) eingebracht hat. Man nennt das Reflexbluten. Primär setzt er das zur Verteidigung gegen Fressfeinde ein. Für uns Menschen ist dies in der Regel ungefährlich, sofern das Sekret nicht in offene Wunden oder in die Augen gelangt. Am besten also das Tier nicht anfassen.
Eine Zauneidechse in unserem Garten in einem Spalt unserer Steinmauer, was für ein herrlicher erstmaliger Anblick, ich freute mich sehr. Wie bei vielen Vögel bekannt und üblich, ist auch bei der Zauneidechse das männliche Geschlecht sehr farbenfroh im Gegensatz zum blassen Weibchen. Der „Herr“ sonnte sich und verschwand sofort in seiner Höhle, wenn wir zu nahe kamen, zeigte sich aber Gott sei Dank bald wieder. Als wechselwarmes Tier braucht es die Sonnenwärme. Die Zauneidechse überwintert fünf bis sechs Monate in Kältestarre in frostfreier Tiefe von etwa 80 Zentimetern. Wo das wohl bei uns der Fall war? Zauneidechsen sind in der Regel sehr standorttreu und bewegen sich nur in einem Radius von ca. 20 Metern. Das ist ein Hammer. Wie Blindschleichen können auch sie bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage von Mitte Mai bis Ende Juli, vereinzelt auch noch im August. Dazu werden sandige Plätze aufgesucht, die von der Sonne erreicht werden. Das Weibchen gräbt kleine Löcher und setzt darin 5 bis 14 weichschalige Eier ab. Die Entwicklungszeit der Eier im Sandboden ist stark von der Umgebungstemperatur abhängig; bei 21 bis 24 °C beträgt sie zwei Monate. Die Schlüpflinge sind etwa 5-6 cm lang. Frisch geschlüpft müssen sie sich auch vor ihren eigenen Eltern in Acht nehmen, um nicht gefressen zu werden. Wie bei den Kannibalen. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie nach anderthalb bis zwei Jahren.
Mensch, wäre das schön, wenn sich ein Weibchen für unseren Prachtburschen finden würde. Die Zauneidechse war Reptil des Jahres 2020, in der Roten Liste der BRD rangiert sie in V, das heißt Vorwarnliste.
Ich wäre sehr dankbar, wenn ich von Euch erfahren könnte, ob Ihr die Zauneidechse auch in eurem Garten habt. Sie ist sehr nützlich, indem sie zahlreiche Insekten und Wirbellose, darunter Blattläuse, Schnecken, Raupen, Käfer und Spinnen frißt. Zauneidechsen sind auch ein Zeiger für gesunde Lebensräume, ihr Vorkommen deutet auf wertvolle, strukturreiche Biotope hin.
Ein forstpolitischer Essay Mit einem Vorwort von Dirk Stenzel sowie einem Interview mit Hans Joachim Schellnhuber
Verlag Natur + Text Rangsdorf 2026 208 Seiten ISBN 978-3-942062-79-4 27,00 Euro
Anglizismen sind unter Förstern und Waldfreunden eigentlich eher ungewöhnlich. Mit dem erklärungsbedürftigen Begriff Overshoot im Titel seines Essays geht der Autor, bekannt als streitbarer Jurist und Forstwissenschaftler, zweifellos ein Risiko ein. Doch schon auf dem Buchcover will er damit klarstellen, dass es ihm hier nicht allein um ein Waldthema geht, sondern um eine höchst aktuelle klimapolitische Weichenstellung: Um die Frage nämlich, wie Wälder so gestaltet werden können, dass sie unterm Vorzeichen des Klimawandels sowohl ökonomisch ertragreich bewirtschaftet werden können, als auch ihre Funktion als natürliche CO2-Senke besser erfüllen.
Im Englischen wird der Begriff Overshoot verwendet, wenn ein bestimmtes selbstgestecktes Ziel nicht eingehalten werden kann, so erläutert ihn der Klimatologe Hans Joachim Schellnhuber, vormals Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der von Wilhelm Bode abschließend interviewt wird. Das trifft zweifellos auch für die im Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 vereinbarte und von 190 Staaten ratifizierte Leitplanke zu: für den allenfalls zu akzeptierenden Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau, was offenbar nicht gehalten werden kann: Schon 2024 dürfte die angestrebte 1,5°C-Grenze durchbrochen worden sein.
Angesichts dieser Dramatik vergleicht Bode die gegenwärtige Lage der Forstwirtschaft mit jener um 1800, als Holznot herrschte und die deutsche Forstwissenschaft sich mit ihren Bemühungen um Nachhaltigkeit der Holzversorgung und mit ihren forstgesetzlichen Initiativen weltweit einen vorzüglichen Ruf erworben hat. Leider jedoch hat die damals gefundene Lösung, die „Altersklassenwirschaft“, gleichaltrige Reinbestände hervorgebracht, die heute im Zuge des Klimawandels abgewirtschaftet haben. Es brauche daher eine „Waldwende“, ein neues Erfolgsmodell: den Dauerwald.
Die Idee hierzu hatte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Eberswalder Forstwissenschaftler Alfred Möller, der den Dauerwald propagierte als einen sowohl ökologisch wie ökonomisch überlegenen „Waldorganismus“; aufgegriffen und praktiziert wurde diese waldbauliche Alternative von vergleichsweise wenigen Waldeigentümern, oft genug geschmäht und abgetan als „forstliche Zeugen Jehovas“. Wilhelm Bode hat die Möller´sche Idee zuvor schon in mehreren Schriften gewürdigt und empfohlen.
Denn das „Mehrgenerationenhaus“ des ungleichaltrigen und gemischten Dauerwalds hat sich in den jüngsten Extremjahren mit all ihren Stürmen, mit Trockenperioden, Bränden und Starkniederschlägen als erstaunlich resilient erwiesen, was nicht zuletzt seiner Struktur, vor allem jedoch dem überlegenen Waldbodenzustand zu verdanken ist, wenn Kahllegungen dauerhaft unterbleiben und Schadflächen erst gar nicht entstehen. Umso besser taugt der Waldtyp daher auch als natürliche CO2-Senke. Zumal er mehr zu Bauzwecken verwendbares Holz produziert als der Altersklassenwald, in dem mehr Schwachholz anfällt. Und hier setzt in seinem Vorwort auch der Architekt Dirk Stenzl an, der eine Lanze für den städtischen Mehrgeschoss-Holzbau bricht und eine Bau-Wende fordert. Denn die Verwendung von Beton, Stahl und Glas hat dazu geführt, dass der Bausektor als „Elefant im Klimaraum“ (Schellnhuber) für 40 % (!) der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist.
Im Bauholz wird das klimaschädliche Gas langfristig gespeichert, weshalb die Dauerwaldnutzung hinsichtlich ihrer CO2-Bilanz sogar besser abschneidet als unbewirtschaftete Waldreservate, wie sie von der Naturschutzseite favorisiert und gefordert werden. Hier stellt sich Wilhelm Bode nachdrücklich auf die Waldnutzerseite, soweit eben nicht labile Monokulturen bewirtschaftet werden, sondern ökologisch wie ökonomisch hochwertiger Dauerwald; und dies nicht mit Großmaschinen, sondern per bodenschonender Erntetechnik.
Im Interview äußert sich dann sogar der Klimatologe verhalten optimistisch: Die „Wald-Bau-Pumpe“, die Speicherung von Kohlenstoff in lebenden Wäldern auf „rehumifizierten Böden“ (Bode) und in Verbindung mit „städtischem Mehrgeschossholzbau“ (Stenzel), ist für Schellnhuber „das vielleicht eleganteste Prinzip planetarischer Selbstheilung“. Wilhelm Bodes Overshoot verspricht nicht weniger als „eine mehrfache Win-win-Strategie für die Lebensbedingungen aller Bürger in unserem Land“.
Heute war Pantomime in Hüfingen. Ja, wirklich: Pantomime. Mit Baccalà. „Menschliches und Allzumenschliches“ – ganz ohne Worte, dafür mit umso mehr Ausdruck, Bewegung und erstaunlich viel Gefühl für Zwischentöne.
Eine Produktion im Auftrag der Randenkommission. Regie: Kami Manns
Jazz-Saxophon: Volker Wagner
Unterstützt durch den Verein Agglomeration Schaffhausen sowie die Jakob und Emma Windler-Stiftung.
Und man staunt: Es gab sogar Blasmusik! Offenbar aber die falsche – sonst hätte man ja davon vorher gehört.
Schade, dass die Stadt nicht darauf hinweisen wollte. Versteckt in einem Nebensatz bei Nachrichten aus dem Kreis – wer liest das schon? Fast schon tragisch, dass bestimmte Herren Stadträte vorher nicht um Erlaubnis gefragt wurden. Man darf gespannt sein, ob das „Freie“ Forum noch entdeckt, dass für einen ganz kurzen Moment nicht der Verkehr, sondern Kultur Vorrang hatte.
Leider war der Weg aus dem Rathaus bis vor die eigene Haustür offenbar zu weit, um den Künstlern etwas Respekt zu zollen. Umso größer der Respekt – und ja, auch der Mut – der Künstler, die sich in solche Gefilde wagen, wo man lieber unter sich bleibt und das Fremde vorsorglich übersieht. Danke dafür. Wirklich.
Am Samstag sind sie in Villingen. Vielleicht trifft ihre Kunst dort auf ein Publikum – und auf eine Stadt –, die merkt, wenn direkt vor ihrer Tür etwas Besonderes passiert.
Das Landratsamt hat nach langem Kampf endlich grünes Licht gegeben und die Umwandlung von der Pizzeria zur Pizzeria mit Eisdiele ist abgeschlossen. Wie alle wissen, wird Giuseppe den Engel nicht weiter führen, aber es ist Rettung in Sicht.
Seit Sonntag, 26. April 2026, hat das Eiscafé Tre Fontana wieder auf!
mit genehmigter Doppelnutzung als Pizzeria und Eisdiele
Hier geht es um die Gemeinderatssitzung am 23. April 2026
Ausschuss für Umwelt und Technik 18:15 Uhr
Bauantrag Nr. 03/2026
Errichtung eines Einfamilienhauses mit Carport in Sumpfohren. Durch das Vorhaben wird eine schmale Baulücke zwischen der Dorfstraße (K5741) und dem Mühlenbach bebaut. Der Ortschaftsrat hat einstimmig zugestimmt und auch der Gemeinderat.
Bauantrag Nr. 12/2026
Errichtung eines Schuppens in Behla. Vorgesehen ist der Abbruch des bestehenden baufälligen Schopfes und Wiederaufbau bzw. Errichtung eines neuen Schuppens an der gleichen Stelle. Der Ortschaftsrat hat einstimmig zugestimmt und auch der Gemeinderat.
Bauantrag Nr. 14/2026
Neubau eines Einfamilienhauses mit Garage auf dem Hohen II.
Was mir auffällt ist, dass hier immer noch Bauvorgaben stehen an die sich auf dem Hohen II eh niemand hält. Es ist Hüfingens Wilder Osten mit Schottergärten, Barrikaden-Zäunen und vermutlicher Drogen-Umschlagplatz. Aber viel kann man hinter der durch ganz merkwürdige Umstände zustandegekommenen Halfpipe nicht erwarten. Wie hatte ich schon im März geschrieben: „Planungssicherheit war selten so langlebig wie auf dem Hüfinger Hohen“
Auch hier hat der Gemeinderat einstimmig zugestimmt.
Sitzung des Gemeinderates um 18:30 Uhr
TOP2 Bürgerfragestunde
TOP3 Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen
Der Bürgermeister bekommt einen Leasingwagen.
TOP4 Vorstellung der neuen Schulleiterin der Lucian-Reich-Schule
Seit dem 1. März 2026 gibt es eine neue Rektorin an der Lucian-Reich-Schule. Die neue Rektorin, Christiane Schell, war früher Konrektorin als Franz Dury noch Rektor war und kennt sich hervorragend aus. Sie hat sich heute dem Gemeinderat vorgestellt und ich bin sicher sie ist ein großer Gewinn für Hüfingen.
TOP5 Naturpark Südschwarzwald
Die Stadt Hüfingen hat zum 3. Dezember 2025 ihre Mitgliedschaft im Naturpark Südschwarzwald e. V. zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf Grundlage eines Beschlusses des Gemeinderats im Zuge der nicht öffentlichen Haushaltsberatungen gekündigt. Der Geschäftsführer des Naturparks, Herr Roland Schöttle, hat angeboten, dem Gemeinderat die Beweggründe und Hintergründe der Arbeit des Naturparks persönlich darzustellen. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, welche Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten sich für die Stadt Hüfingen im Rahmen einer Mitgliedschaft im Naturpark ergeben. Es soll durch die Vorstellung und Diskussion eine Entscheidungsgrundlage entstehen, um die Kündigung noch einmal kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls zurückzunehmen.
Aufgaben und Ziel des Naturparks
Erhaltung, Pflege und nachhaltige Entwicklung der Kulturlandschaft Südschwarzwald
Besondere Bedeutung der Erholungsfunktion
Leitmotiv „Schützen durch Nützen“
Der wirtschaftende Mensch steht im Mittelpunkt
→ Nachhaltige und naturverträgliche Entwicklung des Naturparks als Erholungsregion → Gesetzliche Grundlage: § 27 Bundesnaturschutzgesetz
Der Gewinn von Hüfingen aus dem Naturpark Südschwarzwald
Ich habe mich schon im Dezember beim Lesen des Haushalts darüber geärgert, dass die Entscheidung zur Kündigung der Mitgliedschaft beim Naturpark Südschwarzwald still, leise und heimlich getroffen wurde. Damals hatte ich nicht die Kraft, mich auch hier noch zu äußern, weil zu dieser Zeit bereits mehr passiert ist, als ich tragen konnte – von der Absage und der Verunglimpfung an den gesamten Naturschutz in der GR Sitzung im November bis zur Fällung der Bäume beim Frank in einer Nacht- und Nebelaktion.
Heute sage ich es klar und ohne Ironie wie fatal diese Kündigung für Hüfingen sein wird:
Hannahs Meinung:
Die „Debatte“ um den Naturpark zeigt erneut, welche Richtung in Hüfingen eingeschlagen wird:
Nicht Zukunft, nicht Qualität, nicht Substanz – sondern kurzfristiges Kleinrechnen auf Kosten dessen, was eine Stadt lebenswert macht. Die Zahlen sprechen eigentlich für sich. Die Mitgliedschaft hat sich mehrfach gerechnet. Fördermittel flossen zurück, Projekte wurden ermöglicht, der Beitrag hat sich amortisiert. Trotzdem wurde gekündigt.
Das Problem ist also offenbar nicht das Geld.
Das Problem ist, wofür man Geld auszugeben bereit ist – und wofür nicht. Für neue Baugebiete, weitere Versiegelung, technische Eingriffe und immer neue Projekte findet sich regelmäßig Bereitschaft. Für Landschaft, Naturschutz, Aufenthaltsqualität und langfristige Entwicklung dagegen erstaunlich wenig.
Wer so entscheidet, setzt klare Prioritäten.
Und es bleibt ja nicht beim Naturpark. Die offene Jugendarbeit wurde 2021 stillgelegt, das Jugendhaus jetzt auch geschlossen, dem Naturschutz wurde generell eine Absage erteilt, kulturelle Förderung zusammengestrichen – die Musikschule sei obsolet – und an anderer Stelle wird ohne erkennbares Gesamtkonzept Substanz zerstört. Alte Bäume fallen schneller als neue Ideen wachsen.
Nun trifft es auch den Bereich Tourismus und Identität. Denn der Naturpark ist mehr als ein Vereinsbeitrag. Er ist Sichtbarkeit, Förderung, Vernetzung, regionale Stärke und die Chance, Teil eines größeren Ganzen zu sein.
Wer das wegwirft, schwächt die Stadt nach außen und nach innen zugleich.
Besonders bitter ist dabei die Symbolpolitik: Geschichte wird beschworen, Tradition wird inszeniert, Logos werden gestaltet – aber reale Geschichte, gewachsene Landschaft und konkrete Zukunftschancen verlieren an Wert, sobald sie Pflege, Offenheit oder Haltung erfordern.
Hüfingen könnte mehr sein als eine Stadt des Abwehrens, Kürzens und Verhinderns. Aber dafür müsste man endlich begreifen:
Jugend, Kultur, Natur und Lebensqualität sind kein Luxus!
Sie sind das Fundament. Wer dieses Fundament Stück für Stück abträgt, darf sich über den Niedergang nicht wundern.
Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, mich bei dem Geschäftsführer des Naturparks, Herrn Roland Schöttle, dafür zu bedanken, dass er den Versuch unternimmt, Bürgerinnen und Bürger sowie die Stadt Hüfingen vor den kurzsichtigen Kürzungen dieses Gemeinderats zu bewahren und auch für die Transparenz die hiermit hergestellt wird.
Kathrin Schwarz redet für die CDU und meint, dass es womöglich ein Schnellschuss war und die CDU unterstütze die Rücknahme der Kündigung. Reinhard Isak redet für die SPD und ist ähnlicher Meinung wie die CDU. Auch Michael Steinemann vom Freien Forum rechtfertigt sich dafür, dass sie 2.500 Euro sparen wollten ohne richtig darüber nachzudenken. Schön, dass jetzt anscheinend gedacht wird!
Der Gemeinderat widerruft die Kündigung der Mitgliedschaft im Naturpark Südschwarzwald einstimmig!
DANKE!
TOP6 Anpassung der Raumnutzungsentgelte – Trauorte
Die Raumnutzungsentgelte für Eheschließungen wurden zuletzt im Jahr 2022 angepasst und sollen zum 1. Juni 2026 erhöht werden.
Der Gemeinderat beschließt einstimmig die Anpassung der Gebühren.
TOP7 Friedhofsgebühren
Die Bestattungsgebühren wurden letztmals 2022 angepasst und sollen auch zum 1. Juni 2026 erhöht werden.
Es wird auf Antrag der SPD ein Absatz aufgenommen, dass für Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr keine Grabherstellungskosten anfallen. Der Kämmerer wendet ein, dass die Kommunalaufsicht diesen Absatz streichen wird.
Der Gemeinderat beschließt die Anpassung der Gebühren zum 1. Juni 2026
TOP8 Vergabe von Bauleistungen – Erweiterung Feuerwehrgerätehaus Hüfingen
Noch etwas erfreuliches:
Eine Firma aus Immendingen soll mit den Fliesenarbeiten in Höhe von 91.209,34 € brutto beauftragt werden.
Für die Bodenbelagsarbeiten gibt es zwei Alternativen:
Eine Firma aus Villingen-Schwenningen soll mit den Bodenbelagsarbeiten in Höhe von 32.862,68 € brutto beauftragt werden. Hier sind die Stoßfugen deutlich unauffälliger und das Material ist insgesamt robuster. Dies wird für Feuerwehren empfohlen.
oder die günstigere Variante:
Bodenbelagsarbeiten in Höhe von 22.160,71 € brutto. Hier wird billigere Bahnenware verlegt, wodurch die Stoßfugen sichtbarer sind und die Materialstärke geringer ausfällt.
Daniel Bucher spricht für die CDU und meint, dass man hier nicht unbedingt sparen sollte, da es sonst im Endeffekt teurer wird. Die SPD ist der selben Meinung und auch Michael Steinemann vom Freien Forum will die bessere Variante.
Es wird einstimmig die robustere Variante ausgewählt.
Aktuell hat die Elektroakustische Anlage einen Defekt, wodurch die Durchsagen nicht mehr alle Klassenzimmer erreichen. Da die Anlagenteile bereits über 25 Jahre alt sind, gibt es keine Ersatzteile zur Reparatur und Instandsetzung mehr. Die Anlage besteht aus zwei Zentralen die komplett getauscht werden müssen. Der weitere Umfang der Arbeiten beinhaltet, die Inbetriebsetzung, Programmierung, Funktionsprüfung und Einweisung in die neue Anlage.
Eine Hüfinger Firma wird einstimmig für die Elektroarbeiten in Höhe von 39.971,51 € brutto beauftragt.
TOP 10 Informationen der Verwaltung und Anfragen aus dem Gemeinderat
Für das Areal vom Frank gäbe es einen ersten Entwurf und die Nachbarschaftshilfe läge momentan noch beim Registergericht in Freiburg zu Eintragung.
Michael Steinemann beschwert sich über das Hochbeet von Natur nah dran. Ist aber doch bisschen peinlich jetzt im Gemeinderat so damit anzukommen, aber immerhin mal kein hinten rum nachtreten, sondern vor versammelter Mannschaft. Eigentlich war die Idee am Schari gemeinsam mit Jugendlichen etwas wachsen zu lassen. Etwas, das nicht nur angelegt wird, sondern auch mit Beteiligung, Verantwortung und Identifikation zu tun hat. Aber was will man machen ohne Jugendhaus? Ich habs nicht abgeschafft.
Es ist bezeichnend für die lokale Presse, dass Morde der SS bis heute ignoriert werden. Aber auch die lokalen Heimat- und Geschichtsvereine üben sich in Geschichtsklitterung. Vermutlich sollen Väter weichgespült bleiben, gab es hier doch so einige Waffenbrüder aus der SS Leibstandarte. Da ist es einfacher auf Juden zu zeigen, wie es die VHS-Baar tut.
SS-Untersturmführer Heinrich Perner (05.09.1909-17.09.1975) und SS-Unterscharführer Horst Wauer (03.08.1916 -08.09.1991) ermordeten zusammen mit dem französischen SS-Unterscharführer Jacques Roglin (09.08.1922- 12.11.1990) und den Legionären Maurice Leyrat und Raymond Delotter gegen Ende vom Krieg Willibald Strohmeyer. Für Mörder wie Heinrich Perner und Horst Wauer war Willibald Strohmeyer ein sichtbares Wahrzeichen des Anstandes und auch Gewissens.
Am Sonntag, den 22. April 1945 gegen 11.00 Uhr, entführten die SS-Männer Willibald Strohmeyer und fuhren ihn zum Heubronner Eck. Willibald Strohmeyer musste bergauf gehen, bis ihn Jacques Roglin nach etwa 25 Metern durch einen Genickschuss ermordete. Die Leiche wurde etwa 15 Meter weiter geschleift, ausgeraubt und verscharrt. Die Grube wurde dann notdürftig mit Erde, Rasen und Tannreisig bedeckt. Erst am 6. Mai wurde er von von einem Suchkommando des Rammersbacher Hofes entdeckt und auf dem Friedhof von St. Trudpert beigesetzt.
Willibald Strohmeyer ein Gelehrter aus Mundelfingen
27. Dezember 2024
Willibald Strohmeyer wurde am 6. Juli 1877 in Mundelfingen geboren.
Als Zweitgeborener des Landwirts Jakob Strohmeyer schloss sich für Willibald Strohmeyer die Übernahme des elterlichen Betriebes in Mundelfingen aus. Gefördert vom Dorfpfarrer Leopold Streicher, der die Begabung seines Schülers erkannte, konnte Strohmeyer nach der Volksschule die Lendersche Anstalt in Sasbach besuchen, am Gymnasium in Rastatt das Abitur ablegen und anschließend in Freiburg katholische Theologie studieren. Willibald Strohmeyer wurde 1902 zum Priester geweiht und war von 1909 bis zu seiner Ermordung Pfarrer in St. Trudpert im Münstertal .
Am 29. August begrüßt Willibald Strohmeyer (r.) den apostolischen Nuntius Eugenio Paceli (l.) den späteren Papst Pius XII., der vom Freiburger Katholikentag aus dem Kloster St. Trudpert einen Besuch abstattet.
Foto von Unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel
Im Münstertal entwickelte Strohmeyer ein weit über seine seelsorgerischen Aufgaben hinausreichendes Engagement. Nach über einem Jahrhundert Leerstand gelang es ihm, eines der geistlichen Zentren Süddeutschlands, das Kloster St. Trudpert, wiederzubeleben.
Gerne erinnern ältere Bergleute sich der Zeit, wo der Grubenbau noch von der Abtei Sankt Trudpert betrieben wurde. Manch heiteres Fest gewährte damals dem mühseligen arbeitenden Bergmann Erholung und Freude. Ein Hauptfest aber war am Tage Sankt Barbara als der Schutzpatronin der Bergleute, welch letztere sich aus den Gruben „Teufelsgrund“ und „Gotteseintracht“ bei Badenweiler alljährlich zur gemeinsamen Feier vereinigten. Früh morgens versammelten sich die ganze Gewerkschaft bei der Münstertaler Boche und Schmelze. Von da ging es im Zuge, voran die Bergwerksfahne, die Ober- und Untersteiger und eine Musikbande, zur Klosterkirche, allwo ein feierliches Hochamt abgehalten wurde. War dieses zu Ende, so begab man sich wieder auf den Sammelplatz, um die Regeln und Satzungen zu verlesen und ein förmliches Sittengericht über Zuwiderhandeln abzuhalten. Nebst diesem wurde strenge Ermahnung gegeben zur Haltung der Gebote Gottes und der Kirche.
Die zweite Hälfte des Tages sodann war der Fröhlichkeit gewidmet. Ein reichbesetztes Mahl im Klosterhofe erwartete die Teilnehmer, deren Zahl zuweilen über dreihundert stieg. Jedes Mal während dem Essen erschien auch der Prälat, der mit seinem Mohren und Heiducken im prächtigen, mit Mauleseln bespannten Gallawagen daher fuhr und seine Leute begrüßte. Später begann der Tanz, zu dem die Dirnen des Tales gerne sich einladen ließen, und wobei es gebräuchlich war, dass jede Schöne ihrem Liebhaber ein farbiges Sacktüchlein zum Geschenk machte. Zuweilen kam es auch vor, (wenn der eine oder andere Knappe ein Glas bösen Wein getrunken oder die Fratze Eifersucht ihn quälte), dass, wie bei Verbrüderungsfesten sich ziemt, ergötzliche Händel und Prügeleien ausbrachen, die nicht selten mit blutigen Köpfen endigten.
Die Kriegsjahre und endlich die Aufhebung des Klosters machten diesen Zuständen ein Ende. Seitdem, heißt es, wolle aber auch der Bergbau nicht mehr recht gedeihen; der Grubenbau ward immer lässiger betrieben und wurde zuletzt in den 20er Jahren, vom Staate an eine Privatgesellschaft verpachtet, die wenig mehr auf die Bräuche und Feste der Gewerkschaft hielt, und auch das stets so feierlich begangene St. Barbarafest eingehen ließ, nachdem die Schutzheilige bei der Knappschaft doch so viele Jahrhunderte lang in dankbaren Andenken gestanden hatte.
Willibald Strohmeyer 1902
Foto von Unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel
Willibald Strohyeyer kannte als Mundelfinger sicher alle Bücher von Lucian Reich von klein auf und somit auch die Wanderblühten.
Der Heilige Tudpert
Um das Jahr 607 hat der Heilige Trudpert im Münstertal eine Einsiedelei gegründet und wurde von zwei Knechten mit einer Axt erschlagen. Nach der Legende entsprang an dem Ort, an dem St. Trudpert starb, die Trudpertsquelle. Sie wurde im 18. Ih. gefasst und in die Gruft unter der Kapelle geleitet.
Die Trudpertskapelle wurde anstelle eines älteren Rundbaues 1698 erbaut und 1731 konsekriert. Danach begann eine Blüte der Trudpertsverehrung mit achttägigen Feierlichkeiten Hauptfestzeit und Wallfahrtsprozessionen aus der weiteren Umgebung. Heute wird der Sonntag nach dem 26. April von der Gemeinde als Trudpertsfest begangen. In feierlicher Prozession wird an diesem Tag der barocke Reliquienschrein von 1714 um Kapelle, Kloster und Pfarrkirche getragen.
Die Brunnenkapelle, Gruft genannt, wird von einem Barockgitter abgeschlossen. Der symbolische Sarkophag des Heiligen wird von Skulpturen Ehrentrud und Rupert, nach der Legende Geschwister des Heiligen Trudpert, flankiert.
Weiter in dem Tale führt der allmählich aufsteigende Weg an den Gebäuden der ehemaligen Abtei St. Trudpert vorüber. Die Geschichte nennt diesen Ort eine der ersten Stätten unseres Vaterlandes, wo das junge Christentum Wurzeln geschlagen. Der Irländer Trudpert, der hier das Evangelium predigte, soll die einsame Talgegend von einem Ritter Otbert zum Geschenk erhalten haben. Der Bau selbst, wie er heute zu Tage mit seinem inneren kirchlichen Prunk von unseren Blicken steht, gehört einer späteren, geschmacklosen Zeit an. Ein älterer Überrest scheint allein der steinerne Brunnen zu sein in einer halb unterirdischen Seitenkapelle, welches Monument die Form eines Sarges hat, auf dessen Deckel die liegende Gestalt des Ortsheiligen ausgehauen ist.
Pfarrkirche St. Trudpert
Um 800 entstand das erste Benediktinerkloster rechts des Oberrheins, das 1632 durch die Schweden vollkommen zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau durch den Vorarlberger Baumeister Peter Thumb, wurde die jetzige Pfarrkirche St. Trudpert 1727 geweiht. Im Zuge der Säkularisation im Jahr 1806 wurde die wohlhabende Benediktinerabtei aufgelöst und ging als Schloss Trudpert in Privatbesitz über. So kannte es 1855 Lucian Reich.
Als nach dem Ersten Weltkrieg das Elsass an Frankreich fiel und die deutschen Schwestern vom Heiligen Josef das Kloster Saint Marc in Geberschweier verlassen mussten, fanden sie mit tatkräftiger Unterstützung von Pfarrer Strohmeyer eine neue Heimat in St. Trudpert. Von 1924 bis 1931 fungierte er als Superior des nunmehrigen Nonnenklosters. Seit 1939 hatte Strohmeyer zusätzlich das Amt des Dekans im Dekanat Neuenburg inne.
Willibald Strohmeyer betätigte sich darüber hinaus als Bauherr im Münstertal. Bereits 1913 hatte er die Antoniuskapelle im Ortsteil Rotenbuck errichten lassen, 1928 folgte das neue Pfarrhaus und 1934 die Spielwegkapelle am sogenannten Wiedener Eck. Daneben kümmerte er sich um Instandsetzungen und Renovierungen der bestehenden Kirchengebäude, etwa der St. Trudpertskapelle, die am Ort des Martyriums des Heiligen erbaut worden war.
Seine Chronologischen Notizen in 2 Bänden, angefangen im April 1909, letzter Eintrag am Samstag, 21. April 1945, sind ein überwältigendes Zeugnis von seiner rastlosen Tätigkeit auf dem Felde der ordentlichen Seelsorge. Seine Musestunden nützte er vor allem für die Erforschung und Darstellung der Heimat- und Lokalgeschichte. Daneben beschäftigte er sich mit der Geschichte des Dekanates Neuenburg und schrieb aus der Kenntnis der Heimatgeschichte und den noch lebendigen Überlieferungen des Münstertales 19 heimatgeschichtliche Erzählungen, die heute zwar alle vergriffen sind, aber die vorhandenen Exemplare werden immer noch gern gelesen und zur Freude vieler Zeitgenossen vor dem Untergang behütet.
Foto von Unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel
Eine Wiederbesiedelung des Klosters durch die Benediktiner, die er anstrebte, misslang ihm. Dafür ist ihm zu verdanken, dass am Ende des ersten Weltkrieges die im Elsaß schwer bedrohten Schwestern des heiligen Josef von St. Marc eine Neugründung des Klosters durchführen konnten. Pfarrer Strohmeyer war 1924-1931 Superior dieser Neugründung, in der heute noch 138 Schwestern im Münstertal tätig sind.
Dunkle Zeiten
Die schweren Jahre der beiden Weltkriege hat Pfarrer Strohmeyer mit großer Anteilnahme an den Verlusten an Menschen, Glück und Frieden durchlitten. Mit Liebe und Trauer hat er in seinen Chronologischen Notizen alles verzeichnet, was er an Schrecken und Folgen der Kriege zu spüren bekam.
Nachdem die Throne gefallen, wird der Kampf gegen die Altäre beginnen. Doch hier wird es nicht so leicht hergehen. Nun sind wir ganze Republikaner, Deutsche und Badische. Das Herz möchte sich einem im Leibe herumdrehen.*
Der politische Systemwechsel 1918/19 dürfte ihm erleichtert worden sein, dass dieser vom badischen Zentrum mitgetragen wurde. Den beiden Reichskanzlern aus dessen Reihen, vor allem dem in Wellendingen geborenen Constantin Fehrenbach, im Übrigen einem ehemaligen Theologiestudenten, dürfte er wie auch dessen Nachfolger Joseph Wirth mit Sympathie begegnet sein.
Der 30. Januar 1933, der Tag der Machtergreifung Hitlers, bedeutete auch für Willibald Strohmeyer eine tiefe Zäsur:
Adolf Hitler Reichskanzler; der Reichstag aufgelöst. Was wird jetzt kommen? Hat Gott das deutsche Volk vergessen und verlassen? Oder kommt doch etwas Besseres?*
Am 23. März 1933 notierte er:
Heute ging im Reichstag das Ermächtigungsgesetz durch, eine furchtbare Waffe in der Hand Hitlers. Wehe, wenn es mißbraucht würde. Hoffen wir es nicht.*
Am 12. April 1933 hält er fest:
Nicht mehr Alle haben gleiches Recht unter der Sonne. Alle Stellen, die etwas bedeuten, werden jetzt mit S.A.-Männern der NSDAP besetzt; die Kommunisten sind von allem ausgeschlossen, ihre Partei überhaupt verboten. Die Sozialdemokratie kann als Partei bis jetzt noch existieren, aber eigentliche Staatsstellen dürfen sie nicht mehr einnehmen. Das Zentrum ist geduldet, aber überall, wo es geht, müssen einflussreiche Zentrumsmänner den S.A.-Leuten weichen (…). Dieser Tage mußte der Oberbürgermeister Bender von Freiburg (Zentrum) weichen; wie viele Oberbürgermeister sind beurlaubt oder in Schutzhaft! genommen. Auch der Münstertäler sitzt noch. Ungerechtigkeit und Unwahrhaftigkeit sind die Ecksteine, auf dem (sic!) das 3. Reich aufgebaut ist. Wird und kann es von Bestand sein? Doch wehe, wenn ein 4. Reich käme! Gewiß, es ist unter Hitler jetzt schon manches geschafft worden, schon manche Gesetze sind herausgekommen, die vielleicht von Segen sind. Doch wir bangen, wir bangen für die Zukunft. Es ist schwer, noch Optimist zu bleiben. Auch Ministerialrat Hirsch-Karlsruhe ist entlassen; er hat uns den Kredit von 5500 Mark für die neue Treppe zur Orgel vermittelt. Sein Vater war Jude, deshalb muß er gehen.*
Man merkt an diesen Einträgen, wie vorsichtig Willibald Strohmeyer formulierte. Aber trotz aller Vorsicht wird deutlich, dass er von Anfang an ein Gegner des NS-Regimes war. Als Mann des Wortes wusste er, dass eine Definition wie Ungerechtigkeit und Unwahrhaftigkeit seien die Ecksteine des Dritten Reiches ihn leicht Freiheit und Leben hätten kosten können. In einem Stimmungsbild vom 30. Oktober 1943 heißt es:
Es wagt fast niemand mehr an den Sieg zu glauben; aber dies zu äußern ist außerordentlich gefährlich. Wehe, wenn einer zu sagen wagte: Wir verlieren den Krieg. Überall ist man von Spitzeln umgeben. Man hat sich indessen an das Schweigen gewöhnt. Besonders vorsichtig müssen die Geistlichen sein. Wann werden wieder andere Zeiten kommen? Man hat den Mut nicht mehr zu hoffen.*
Die Ermordung Willibad Strohmeyers
Es ist sicher, dass Pfarrer Strohmeyer mit seiner friedlichen Art keinen Ortsgruppenleiter, keinen Gauleiter, keinen Göbbels und keinen Hitler gereizt hat; die Bestie Nationalsozialismus hat aber auch die Ruhigen und Friedfertigen angefallen.
Am 5. Oktober 1941 wurde der französische Kriegsgefangene René Groheux von einem Förster erschossen. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, darunter auch anderer französischer Kriegsgefangener, vollzog Pfarrer Strohmeyer die Beisetzung des erschossenen Franzosen.
Die Vorgeschichte der Ermordung Pfarrer Strohmeyers aber setzte erst im Herbst 1944 ein. Zu diesem Zeitpunkt wurden Sonderverbände der Waffen-SS ins Leben gerufen, die sogenannten SS-Jagdverbände, die unter dem Kommando von Otto Skorzeny standen.
Ende Februar 1945 fiel der SS-Zug von Heinrich Perner in das Münstertal ein und quartierte sich im Ortsteil Münsterhalden ein. Die Tatsache, dass der 1909 in Bodenbach an der Elbe geborene Maschinenbauingenieur Heinrich Perner in den Jahren 1930 bis 1935 in der Fremdenlegion gedient hatte und sehr gut Französisch sprach, dürfte ihn für seinen Posten qualifiziert haben. Am 23. März 1945 stieß der 1916 in Berlin geborene Unterscharführer Horst Wauer zur Einheit Perners hinzu. Es herrschte in diesen Wochen und Monaten ein Klima der Angst und der Denunziation im Münstertal, hervorgerufen durch das brutale Auftreten des Heinrich Perner und seiner Männer. Bezeichnend für die mörderische Gesinnung innerhalb dieser SS-Einheit war ein Doppelmord am 15. April 1945. An diesem Tag erschoss der erst zwanzigjährige Erich Spannagel auf dem Heuboden eines Hofes in Münsterhalden kaltblütig zwei desertierte, unbewaffnete deutsche Soldaten.
Willibald Strohmeyer hielt in seinem Tagebuch am 17.04.1945 fest:
Gestern Nachmittag wurden 2 Soldaten sang- und klanglos auch ohne kirchlichen Segen auf dem Friedhof (unten am Heldengrab) begraben. Sie hießen Gerhard Leisinger und Otto König. Es handelt sich um Fahnenflüchtige, die sich im Schwarzwald herumtrieben und am Sonntag in der Münsterhalden aufgegriffen wurden. Sie wurden sofort standrechtlich erschossen. Die armen Menschen. *
Mördern wie Heinrich Perner und Horst Wauer war St. Trudpert ein sichtbares Wahrzeichen des Anstandes und auch Gewissens.
Am 22. April 1945, einem Sonntag gegen 11.00 Uhr, drei Tage bevor französische Truppen in das Münstertal einrückten, ließ sich Heinrich Perner in Begleitung eines anderen SS-Mannes, dessen Identität nicht geklärt ist, von seinem französischen Chauffeur Albert Boussichas zum Pfarrhaus von St. Trudpert fahren. Dort forderte Heinrich Perner den Pfarrer Willibald Strohmeyer in scharfem Ton und ohne Angabe von Gründen auf, sich innerhalb von zwei Minuten anzuziehen und mitzukommen. Zu viert fuhren sie im Auto in den Ortsteil Münsterhalden, wo Heinrich Perner und der andere SS-Mann ausstiegen. Ihre Plätze nahmen Horst Wauer und der französische Unterscharführer Jacques Roglin ein, denen Perner den Befehl erteilte, den Pfarrer zu erschießen. Gemeinsam fuhren sie zur Ausflugsgaststätte Haldenhof in Heubronn, wo Soldaten eines anderen Zuges des SS-Jagdkommandos einquartiert waren. Dort stiegen zwei weitere französische Legionäre, Maurice Leyrat und Raymond Delotter, zu. Sie nahmen Hacke und Spaten mit und stellten sich, da im Auto kein Platz mehr war, auf das Schutzblech. Die Fahrt dauerte nur noch wenige hundert Meter einen Waldweg hinauf zum Heubronner Eck. Willibald Strohmeyer musste aussteigen und in Begleitung von vier der fünf SS-Männer (der Chauffeur blieb im Wagen) bergauf gehen, bis ihn Jacques Roglin nach etwa 25 Metern durch einen Genickschuss ermordete. Die Leiche wurde etwa 15 Meter weiter geschleift, ausgeraubt und verscharrt. Die Grube wurde dann notdürftig mit Erde, Rasen und Tannreisig bedeckt. Erst am 6. Mai wurde er von von einem Suchkommando des Rammersbacher Hofes entdeckt und auf dem Friedhof von St. Trudpert beigesetzt.
Das Grab von Willibald Strohmeyer auf dem Friedhof in St. Trudpert
SS-Terror und Priestermord in Münstertal Pfarrer Willibald Strohmeyer zur Erinnerung
Die blutige Spur des Il. Weltkrieges mit seinen 55 Millionen Toten, darunter 5.431.000 deutschen Soldaten und 3.333.000 deutschen Zivilisten, führt hinein bis ins abgelegene Münstertal mit seinen 265 gefallenen Soldaten.
Um selbst so lange wie möglich überleben zu können, führten die braunen Machthaber noch bis zuletzt einen rücksichtslosen Krieg gegen das eigene Volk. Dazu ist auch Münstertal etwa ab Mitte Februar 1945 von einem SS-Jagdkommando in der Stärke von zwei Zügen besetzt worden. Führer dieser hauptsächlich aus französischen Fremdenlegionären und Milizangehörigen fremder Länder wie Spanien, Arabien, China u. a. zusammengewürfelten Truppe war der SS-Untersturmführer (Leutnant) Heinrich Perner. Er war am 5.09.09 geboren, deutsch, mittel-punktsbedürftig und wie sein von ihm geliebter Führer Adolf Hitler, der nach dem Krieg im Umkreis von 10 km keinen lebenden Pfaffen mehr sehen wollte. Er war Katholik und fanatischer Kirchenhasser. Der Totenkopfoffizier regierte im Münstertal mit Gesinnungsterror, Drohung mit Erschießen, Auslieferung an die Gestapo und der Ankündigung, er werde den Pfarrer von St. Trudpert noch öffentlich aufhängen lassen, und zwei Scharfschützen im Hinterhalt postieren, um eine Leichenabnahme zu verhindern. … Die Pfaffen sind an allem Schuld! Das halbe Münstertal gehört aufgehängt! – Diese schwarze Bande! Soweit die Hassausbrüche des damaligen SS-Kommandanten in Münstertal.
Französische Truppen standen bereits in Freiburg und in Müllheim als H. Perner am 22.04.1945, kurz nach 10 Uhr, in Begleitung von zwei SS-Soldaten im PKW vor dem Pfarrhaus in Münstertal eintraf. Wahrend der Fahrer, Bussichas, im Wagen zurückblieb, ging er mit seinen Kumpanen ins Haus und erkundigte sich nach dem Pfarrer Willibald Strohmeyer. Ohne anzuklopfen betrat er das Arbeitszimmer des Geistlichen und flegelte ihn an: Sie sind doch der Strohmeyer? Kommen Sie mal mit!
Der 68 Jahre alte Priester war seit 36 Jahren in Münstertal tätig und dort sehr beliebt. Er war auch dafür bekannt, dass er Religion und Politik stets zu trennen verstand. Er erhob sich betroffen und folgte. Als seine hinzugekommene Schwester fragte, was denn überhaupt los sei, wurde sie von Perner angebrüllt: Darüber bin ich ihnen keine Rechenschaft schuldig! In gleich rüden Ton verfuhr er mit den beiden Vikaren im Hause. Perners Begleiter (Name unbekannt) fingerte bei dem Auftritt theatralisch am Revolver und gab dem Geistlichen zwei Minuten Zeit zum Umziehen. Danach fuhren die Schergen mit dem Priester nach Münsterhalden zum Gasthaus Böhler, in dem sich damals das SS-Hauptquartier befand. Perner verließ dort das Fahrzeug und befahl dem unter der Tür stehenden H. Wauer und dem Fremdenlegionär Roglin (It. Gerichtsakten „ein wilder, gefährlicher Baske“): Fahren Sie den Pfarrer hinauf zum Haldenhof und erschießen Sie ihn!
Wauer und Roglin stiegen in den PKW. Perner blieb zurück. Auf der Fahrt zum Tatort wurden an einer der auf der Strecke liegenden Werwolfstellungen Hacke und Schaufel besorgt; zwei weitere Legionäre, Delotter und Leyrat, stiegen zu. Danach ging die Fahrt weiter, einige 100 Meter den Waldrand hinauf. An einem nach links aufwärts führenden Seitenweg wurde angehalten. Der Priester musste aussteigen und dann zusammen mit seinen Henkern den Waldweg hinaufgehen. Oben angekommen wurde er mit zwei Genickschüssen ermordet. Der Tote wurde noch ausgeraubt, bevor man ihn verscharrte.
Der Legionär Leyrat nahm die goldene Uhr des Geistlichen an sich; Horst Wauer bündelte die anderen Habseligkeiten in ein Taschentuch zur Ablieferung an seinen Chef Heinrich Perner. Auf dem Weg zu ihm, rief er einem anderen Angehörigen seiner Einheit großtuerisch zu: Weißt Du schon, dass wir den Schwarzen von St. Trudpert umgelegt haben? Dann prahlte er weiter im Henkerjargon. Die mit Tannenreisern, Wasen und Erde zugedeckte Leiche ist am 06. 05. 1945 von einem Suchtrupp aufgefunden worden. Über Einzelheiten des Tathergangs liegt, auch nach damaligen Presseberichten, ein undurchsichtiger Schleier.
Wie barbarisch die Soldateska mit ihrem Opfer umgegangen ist, lässt der Bericht über die noch am Auffindungstag vorgenommene Leichenschau erkennen:
Eine horizontal verlaufende Strangulationsnarbe am Hals zwischen Kehlkopf und Kinn
Eine Schussöffnung im Nacken; Durchmesser: etwa 5 mm.
Eine weitere Schussöffnung im Genick, wahrscheinlich Kal. 7.65.
Eine starke Schwellung u. Blutunterlaufung am und in der Umgebung des rechten Ohres.
Auch die Kleider des Toten wiesen auf gewalttätige Eingriffe hin. Am schwarzen Überrock waren die Schöße herausgerissen.
Am 23.04.1945 schoss er mit seinem Hauptfeldwebel, dem SS-Unterscharfuhrer (Unteroffizier) Horst Wauer, (geb. 03.08.1916) beide aus Münsterhalden kommend, die rechts der Straße auf einem Felsen angebrachte Marienstatue, samt dem dortigen Kruzifix, mit der Pistole kurzerhand in Stücke. Ein 20 Jahre alter Angehöriger des Menschen-Jagdkommandos Heinrich Perner, der SS – Unterscharführer Erich Spannagel, von seinen Kameraden Bubi genannt, schoss am 25.04.1945 -12 Tage vor der Kapitulation- zwei in ihrem Versteck auf dem Heuboden aufgestöberte, waffenlose, deutsche Soldaten auf der Stelle nieder und gab den beiden regungslos am Boden liegenden zusätzlich den exerziermäßigen Fangschuss.
Am 8. Mai 1945 endete das Tausendjährige Reich. Bereits am 25.04.1945 hat sich der Führer des SS-Menschenjagdkommandos vor den anrückenden französischen Truppen unter dem Futtergang eines Hauses in Münstertal versteckt. Zwei Tage später machte er sich auf den Weg nach Sulzburg, um im dortigen Gefangenenlager unterzutauchen.
Heinrich Perner und die beiden SS-Unterscharführer Horst Wauer und Erich Spannagel hatten sich nach ihrer Verhaftung wegen Mordes und Totschlags im Juni 1948 vor dem Schwurgericht des Landgerichtes Freiburg zu verantworten. Eine Kopie des Schwurgerichtsurteils ist bei der Kurverwaltung, 79244 Münstertal erhältlich. Der Unkostenbeitrag wird für die am Tatort errichtete Gedächtniskapelle samt Umgebung verwendet.
Zum Bau der Gedächtniskapelle wurde mit Genehmigung der französischen Militärregierung am 22.10. 1946 der Grundstein gelegt. Am Sonntag, den 31. 8. 1947 wurde die Kapelle durch Erzbischof Dr. Conrad Gröber, Freiburg, unter der Beteiligung von über 3000 Gläubigen feierlich eingeweiht. Das Grab von Pfarrer Willibald Strohmeyer befindet sich auf dem Friedhof der Gemeinde Münstertal links vom Haupteingang. Dekan Willibald Strohmeyer wird in seiner Pfarrgemeinde St.Trudpert Münstertal wie ein Heiliger verehrt.
Willibald Strohmeyer Gedächniskapelle
An der Fundstelle beim Heubronner Eck wurde die Strohmeyer-Kapelle errichtet. Am 22.10.1946 wurde der Grundstein gelegt.
Heubronner Eck
Gedächniskapelle
Am Sonntag, den 31.08.1947 wurde die Kapelle durch Erzbischof Dr. Conrad Gröber, Freiburg, unter der Beteiligung von über 3000 Gläubigen feierlich eingeweiht.
Die Baugeschichte der Willibald-Strohmeyer-Gedächtniskapelle auf dem Heubronner Eck
Am 22. April 1945 wurde hier der Priester Willibald Strohmeyer auf grausame Weise ermordet und verscharrt. Sein Leichnam wurde am 6. Mai 1945 hier aufgefunden. Am 9. Mai 1945 würdigte der Erzbischof von Freiburg, Dr. Conrad Gröber, in einem Hirtenschreiben den Glauben und das Wirken des Ermordeten und bezeichnete ihn als einen Märtyrer. Der Pfarrverweser Alfons Sieber in Münstertal, hatte den Wunsch, am Ort des Martyriums eine Kapelle bauen zu lassen. Am 24. Dezember 1945 bat er die französische Militärregierung um Erlaubnis. Das Vorhaben wurde am 4. Januar 1946 genehmigt, jedoch die Zustimmung des Landrats von Müllheim gewünscht.
Am 10. Januar 1946 wurde der Antrag vom Landrat warm befürwortet. Pfarrverweser Sieber legte seinen Plan dem Erzbischof von Freiburg vor, der sich sehr darüber freute. Sieber schrieb ein Bittgesuch um Zuteilung von Baumaterialien an die Kirchenbehörde. Das Bittgesuch wurde abgelehnt mit der Begründung, der Materialaufwand sei zu hoch, man könne sich aber die Anbringung einer Gedächtnisplatte an der Martyriumsstätte vorstellen. Pfarrverweser Sieber wandte sich, begleitet von Direktor F. Klinger aus Freiburg, an die Militärregierung. Die Militärregierung hatte ein Verbot für Neubauten erlassen. Es erging am 7. März 1946 der Bescheid, gegen den Bau der Kapelle sei nichts einzuwenden, aber es werde kein Baumaterial zur Verfügung gestellt. Im März 1946 bat Alfons Sieber die Badische Forstverwaltung in Freiburg um Zuteilung des nötigen Bauholzes. Die Genehmigung wurde erteilt und das Vermessungsamt Müllheim nahm die nötigen Vermessungen des Bauplatzes vor. Die Bewohner des Ortsteils Münsterhalden baten den Erzbischof von Freiburg, man möge die Kapelle in ihrem Ortsteil und nicht am Ort des Martyriums errichten. Die Bitte wurde von der Kirchenbehörde in Freiburg und vom Stiftungsrat Münstertal abgelehnt.
Für den Bau der Kapelle wurde schon im Jahr 1945 Geld gespendet, bald waren 9.000.– RM gesammelt. Der Kostenanschlag lag bei 10.700 RM. Ende Mai 1946 wurde das Baugrundstück endgültig vermessen. Im November 1946 wurde der Kapellenplatz von der Gemeinde Neuenweg für 200 RM gekauft. Im Juni 1946 verbreiterten 12 Jungmänner aus der Pfarrei den Weg, damit das Baumaterial zur Baustelle transportiert werden konnte. Am 24. Juni 1946 wurde ein neues Baugesuch an die Kirchenbehörde gerichtet. Am 3. Juli 1946 wurde der Antrag abgelehnt. Am 17. Juli 1946 erging vom Landratsamt Müllheim der positive Baubescheid für die Gedächtniskapelle.
Vikar Karl Siegel und Pfarrverweser Alfons Sieber sprachen persönlich bei Generalvikar Dr. Simon Hirt und bei Erzbischof Dr. Conrad Grober in Freiburg vor und erreichten eine positive Zusage. Aus Freiburg kamen nach wenigen Tagen eine Ladung von 20 Sack Zement und die endgültige Baugenehmigung. Der Plan von Prof. Lorenz aus Freiburg wurde auf Wunsch der Kirchenbehörde so geändert, dass ein offen zugänglicher Kapellenraum und ein durch ein Gitter abgetrennter Chorraum entstanden, damit Besucher jederzeit in der Kapelle beten können. Das Landesverkehrsamt genehmigte den Transport der Baumaterialien zum Heubronner Eck, wollte aber aus Mangel an Transportraum die Anforderung verschieben. Alfons Sieber wandte sich an den 1. Transportoffizier der französischen Militärregierung in Freiburg, Herrn Huber. Das Gouvernement Militaire in Müllheim übernahm den Transport.
Am 12. August 1946 begann der Transport der Steine und des Baumaterials. Die Steine kamen zum größten Teil aus Schönau, von einem Denkmal, das abgetragen wurde. Beim Transport halfen französische Soldaten und Buben aus der Pfarrei. Die Lastwagen stellte die französische Transport-Regie in St. Georgen. Am 11. September 1946 war der Baubeginn. Die Bauarbeiten wurden von der Firma Josef Pfefferle ausgeführt. Am 22. Oktober 1946 fand die Grundsteinlegung statt.
Am Sonntag, den 31.8.1947 wurde die Kapelle zu Ehren der sieben Schmerzen Mariens durch Erzbischof Dr. Conrad Gröber feierlich eingeweiht. In seiner Rede zur Einweihung würdigte Staatspräsident Dr. Leo Wohleb den ermordeten Pfarrer Willibald Strohmeyer und ermahnte alle:
Sorgt dafür, dass niemals mehr Zeiten wiederkommen können, in denen Religion und Menschenwürde mit Füßen getreten werden.
(J.S.)
Vikar Alfons Sieber schrieb Papst Pius XII. nach der Befreiung:
Pfarrer Willibald Strohmeyer hat während der ganzen Dauer des Dritten Reiches durch seinen Seeleneifer und sein vorbildliches, priesterliches Leben den hl. katholischen Glauben in der Pfarrgemeinde erhalten und besonders die Jugend vor dem Gift der nationalsozialistischen Irrlehren bewahrt.*
Von guten Mächten von Siegfried Fietz und Dietrich Bonhoeffer
Der Prozess gegen einige der feigen Mörder und Raubmörder
Erst im Juni 1948 fand der Prozess gegen die Mörder von Willibald Strohmeyer vor einem Schwurgericht des Landgerichts Freiburg statt. An dieses Verfahren angehängt war die Ermordung der beiden Deserteure durch Erich Spannagel, der aufgrund seines zum Tatzeitpunkt jugendlichen Alters am 10. Juni 1948 wegen zweifachen Totschlags eine Strafe von sieben Jahren erhielt, auf die fünf Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Erich Spannagels Reststrafe wurde am 10. April 1952 zur Bewährung ausgesetzt.
Die Mörder Heinrich Perner (1) und Horst Wauer (2)
Foto von unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel
Der kaufmännische Angestellte Horst Wauer bekam wegen Beihilfe zum Mord eine Strafe von zehn Jahren Zuchthaus, aber bereits am 8. November 1953 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. Die schwerste Strafe erhielt der Befehlsgeber Heinrich Perner, der die Beteiligung an diesem Verbrechen bis an sein Lebensende leugnete: die Todesstrafe, die allerdings am 23. Februar 1949 in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt wurde, die er im Landesgefängnis in Freiburg verbüßte. Am 26. April 1955 wurde die lebenslange in eine Strafe von 15 Jahren abgemildert, die zum 9. Mai 1957 auf Bewährung ausgesetzt wurde. Nach fast genau zwölf Jahren Kriegsgefangenschaft, Untersuchungshaft und Haft war damit auch Heinrich Perner 1957 wieder auf freiem Fuß. *
Die Mörder waren unter uns
Heinrich Perner, der nach seiner Entlassung neun Jahre in Bad Dürkheim lebte und nach dem Suizid seiner Ehefrau 1966 vom katholischen zum evangelischen Glauben konvertierte, starb am 17. September 1975 in Frankfurt am Main; er wurde 66 Jahre alt. Der eigentliche Todesschütze Jacques Roglin, der am 9. August 1922 in der nordöstlich von Bordeaux gelegenen Gemeinde Saint-Loubès im Department Gironde geboren worden war, wurde, wie die meisten französischen SS-Kollaborateure, zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Bei einer der Amnestien in den 1950er-Jahren muss er aus der Haft entlassen worden sein, denn bereits 1957 heiratete er in Paris. Er starb in seiner Heimat, in der Saint-Loubès benachbarten Stadt Ambarès am 12. November 1990 im Alter von 68 Jahren. Der am 3. August 1916 in Berlin geborene Horst Wauer korrespondierte mit dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem, das diese Angabe freundlicherweise im Internet platziert hat, über genealogische Fragen. Dadurch ließ sich ermitteln, dass er in der Stadt Münster in Westfalen am 8. September 1991 verstorben ist.
Gedenken in St. Trudpert
In seiner letzten Predigt, 3 Stunden vor seinem Tod, sprach er zu seiner Gemeinde über das trostreiche Wort des Herrn nach Johannes, Kapitel 16.16
Noch kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen. Da sagten einige von seinen Jüngern zueinander: Was meint er damit, wenn er zu uns sagt: Noch kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen? Und was bedeutet: Ich gehe zum Vater?Sie sagten: Was heißt das: eine kurze Zeit? Wir wissen nicht wovon er redet. Jesus erkannte, dass sie ihn fragen wollten, und sagte zu ihnen: Ihr macht euch Gedanken darüber, dass ich euch gesagt habe: Noch kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen. Amen ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln.Wenn eine Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
So seid auch ihr bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude.
Foto von unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel
Von der SS ermordet von Wolf Hockenjos aus den Kriegstagebüchern seines Vaters
* Literatur
Willibald Strohmeyer – ein Prister aus dem Münstertal als Märtyrer der letzten Stunde von Bernd Braun. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Mut bewiesen Widerstandsbiographien aus dem Südwesten. Seite 165-177, Band 46 (2017).
Zum Gedenken an Dekan, Geistl. Rat Willibald Strohmeyer von 1909 bis 1945 Pfarrer von St. Trudpert. Handzettel an der Strohmeyer-Gedächniskapelle auf dem Heubronner Eck.
Inschriften von den Tafeln an der Trudpertskapelle und aus St. Trudpert.