Solarpaneele für den Wald – kein Aprilscherz!

Was für ein Segen, welch kühne Zukunftsvision, die sich da für den Waldwirt auftut! Dass  Abies alba, die Weißtanne, sich durch Schattenerträgnis auszeichnet, zumindest den Halbschatten mag in ihrer Jugend, wohingegen sie auf Freiflächen nicht selten unter Laus, Nadelrostpilz oder Spätfrost zu leiden hat: eben diese Eigenschaften hat sich ein pfiffiger Bauunternehmer aus Rengetsweiler, einem 500-Seelen-Dorf und Teilort der Stadt Meßkirch, zunutze gemacht. Weil er seine Quarzsandgrube zu rekultivieren hatte, war er auf die Idee verfallen, über seiner Tannenkultur mit Solarpaneelen fürs richtige Maß an Schatten zu sorgen. Womit er nun nicht nur eines ferneren Tages Bauholz produzieren wird, sondern ab sofort auch Solarstrom für den Eigenbedarf. 

Und weil man mit solch grünen Eigeninitiativen Positivschlagzeilen erntet, galt es jüngst – nicht anders als bei der Vorstellung von PV-Überdachungen in der  Landwirtschaft, im Obst- oder gar Weinbau – auch die weltweit erste Forst-Fotovoltaik-Anlage (PV-Forst) von Forstminister Peter Hauk (CDU) pressewürdig einweihen zu lassen. Unterstützt, gefördert und begleitet werde das bislang einzigartige Pilotprojekt durch das Landratsamt Sigmaringen, das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie das  Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Und natürlich ist auch die Abteilung Waldwachstum der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mit eingebunden, verspricht man sich hier doch „Neuland im Waldwachstum“, wie es im jüngsten Newsletter FVA-Einblick heißt, genauer: „wie junge Bäume unter Sonnenkollektoren heranwachsen können“. Bis sie „die Anlagenhöhe von sechs Metern erreichen“, so lange könne dabei Sonnenenergie in Strom umgewandelt werden. Und das kann dauern, wie die Förster aus naturnäheren Bergmischwäldern wissen, wo Tannenunterstand oft siebzig und mehr Jahre unterm Buchenschirm im „Schattenschlaf“ auszuharren vermag, bis er endlich dann doch „wachgeküsst“ wird. Im konkreten Fall: bis man sich in der ehemaligen Quarzsandgrube dazu entschließen wird, die Fotovoltaik-Überdachung wieder abzubauen. Als ob es dabei für Forschende nicht Vielerlei zu messen und zu dokumentieren gäbe!

Nicht nur weil die Errichtung der Paneele schweres, nicht eben bodenfreundliches Gerät erforderlich macht, pflanzte man neben Weißtannen vorsorglich auch noch eine kleinasiatische Tannenart mit an, die „im Klimawandel ein deutlich besseres Anpassungspotenzial“ verspricht. Zugleich wurden technische Besonderheiten ausprobiert, so die Rückbaubarkeit und Umsetzbarkeit der Träger, weshalb sie nicht auf Betonfundamenten befestigt, sondern auf speziellen, wieder entfernbaren Schraubfundamenten errichtet wurden. „Aus Sicht klassischer Forstwirtschaft mag das auf den ersten Blick tatsächlich abenteuerlich vorkommen“, so wird der Leiter der FVA-Fachabteilung Waldwachstum, Prof. Dr. Ulrich Kohnle, zitiert.

Hier fehlen nur noch die Paneele über den Tännchen (Foto FVA-Einblick)

Auch recht viel Waldeslust wird sich da wohl nicht einstellen: Nicht genug damit, dass der Wald neuerdings mit bis zu 250 m hohen Windrädern überstellt und denaturiert wird, wovon es lt. Koalitionsvertrag allein im Staatswald Baden-Württembergs eintausend werden sollen: jetzt also auch noch die Überdachung mit Paneelen. Weil die für die Windenergie im Wald zuständige Taskforce offenbar in Verzug geraten ist, scheint das Land nun desto dankbarer mit der ersten Forst-Fotovoltaik-Anlage (PV Forst) eine ganz neue Geschäftsidee für Waldeigentümer zu propagieren – hervorgegangen aus einem Geniestreich des Rengetsweilerer Bauunternehmers Emil Steidle, dem der Landesverdienstorden gewiss sein dürfte.

Alles nur eine Frage der Beschattung – Stammscheibe einer 70jährigen Tanne

Hieronymus und der Wald-6

zwischen Dichtung und Wahrheit

Originalbeitrag vom 26. Februar 2017

Wie sich Lucian Reich im und „auf dem Walde“ auskannte

Vortrag aus Anlass des 200. Geburtstags von Lucian Reich am 26. Februar 2017 Teil 6.

XXV. Das Ende: Zu guter Letzt sitzt das liebende Ehepaar, sitzen Hieronymus und Helena  abends, nach den Mühen des Tages, an der Schwelle des eigenen Heimwesens und betrachten die Sterne, diese Kinder einer abgeschlossenen Zeit, deren Enkel kaum mehr wissen, wie es zu den Tagen der Großältern im Lande ausgesehen. Das Bedauern über das geschichtliche Desinteresse der Enkel, ja, über deren Ignoranz, kommt uns Heutigen doch sehr bekannt vor! Die Flucht des jungen Paars ins Idyll, in die private Gemütlichkeit, gilt indessen als Charakteristikum der Biedermeierzeit, der Stilepoche zwischen 1815 und 1848, der Zeit der Restauration. Insoweit ist Lucian Reich beim Abfassen seines Hieronymus (1853) noch ganz Biedermeier und keineswegs systemkritisch, angekränkelt von revolutionärem Gedankengut der neuen Zeit; dem Fürsten zu Fürstenberg Carl Egon, seiner Hochfürstlichen Durchlaucht, dem hochherzigen Beförderer und Beschützer vaterländischer Kunst und Wissenschaft, ist sein Werk gewidmet – in tiefster Ehrfurcht. 

Lucian Reich gezeichnet von seinem Schwager J. Nepomuk Heinemann

Umso heftiger sei (wie wir von Reichs einstigem Schüler Hansjakob erfahren) der inzwischen verarmte und verbitterte Hüfinger Volksschriftsteller vom Wunsch getrieben gewesen, die alten Trachten und Gebräuche festzuhalten, welche das moderne Leben zu vernichten drohte. So jedenfalls hat ihn in den Schriften der Baar Leonhard Nann in seinem Vortrag „Der Schwarzwald in der neueren Literatur“ anlässlich der Vereinssitzung am 15. Januar 1900 gewürdigt. Festhalten wollte Lucian Reich gewiss auch sein Bild vom Wald und vom Schwarzwald von einst, wie er ihn sich ausgemalt hat. Die Industrialisierung und das moderne Leben bedrohten ja nicht nur die alten Trachten und Gebräuche, sondern auch die Landschaft, die „vaterländischen Naturdenkmäler“. Insofern darf man in Lucian Reichs Bestreben, am Überkommenen festzuhalten, durchaus auch einen Anflug früher Heimat- und Naturschutzbemühung erkennen, wie sie sich ausgangs des 19. Jahrhunderts dann als breite Bewegung in der Industriegesellschaft etabliert hat.

In seinem Nachruf im nämlichen Heft der Schriften schreibt derselbe Leonhard Nann: Dieselben Eigenschaften, denen wir seine besten künstlerischen Leistungen verdanken, innige Heimatliebe und ein ausgeprägter lokaler Sinn, machten Reich zum Historiker. Es schmälert dessen Lebensleistung keineswegs, wenn wir ihm seine Waldbeschreibungen nicht durchweg als stimmig und historisch verbürgt durchgehen lassen. 

Hier geht es zum Hieronymus Podcast

Hieronymus und der Wald-5

Originalbeitrag vom 26. Februar 2017

zwischen Dichtung und Wahrheit

Wie sich Lucian Reich im und „auf dem Walde“ auskannte

Vortrag aus Anlass des 200. Geburtstags von Lucian Reich am 26. Februar 2017 Teil 5.

In Kapitel XI. Die Tölpeljahre treibt es Hieronymus, sehr zum Missvergnügen seiner Mutter, hinaus in die Wälder und Berge, und sein liebster Gesellschafter war jetzt Stoffel, der alte Waidgeselle. Das unstäte, wenn gleich stets wechselvoll beschäftigte Leben des Jägers und Fischers passte vollkommen zu seiner Gemütsverfassung. Dass die beiden dann freilich sogar im Gefolge des fürstlichen Hofes an der Hohen Jagd auf den balzenden Auerhahn teilnehmen durften, ist Lucian Reichs Jägerlatein. Denn nur die allerexklusivsten, zumeist blaublütigen Jagdgäste waren beim frühmorgendlichen Anspringen des balzenden Hahns wohlgelitten. Bis zur Revolution von 1848 besaßen Landes- wie Standesherrschaften das Jagdregal und durften somit im gesamten Herrschaftsbereich jagen. Weil das neue (revolutionäre) Jagdgesetz auch die Hahnenjagd nur noch im eigenen Wald zuließ, pachtete der Fürst nahezu sämtliche Balzplätze auch aus fremden Jagdbezirken heraus – jagdrechtlich eine gewagte, so eigentlich gar nicht zulässige Konstruktion, die jedoch zeigt, wie hoch die Hahnenjagd im Kurs stand. Nichts da also für Stoffel und seinen jungen Gesellen, so wie Lucian Reich sich deren jagdliche Abenteuer ausgemalt hat – allenfalls „verhören“ (d. h. den Balzplatz auskundschaften) durften sie den Hahn am Vorabend der Jagd!

Die Beute eines FF- Balzjagdmorgens:
14 Auerhähne, drapiert um den Eingang
des Gasthauses Krone in Peterzell (1914)

In Kapitel XII Die Ankunft muss der junge Hieronymus den Wald hinter sich lassen und zur Lehre in die an der Heerstraße liegende Stadt Hüfingen ziehen. Hier zieht auch Lucian Reich nochmals alle Register seiner orts- und heimatkundlichen Kenntnisse – klar, dass nun auch die römischen Baureste und Straßen Erwähnung finden. Noch einmal geht es vorüber an der gebrochenen Veste Neu-Fürstenberg und bis zum alten Zindelstein, wo der Bach den fast ununterbrochenen Tannenwäldern des mittleren Schwarzwaldes den langen Abschied zumurmelt. 

Zindelstein
Foto von Hubert Mauz

Da sind sie wieder, die fast ununterbrochenen Tannenwälder, die, wiewohl Lucian Reich den Unterschied zwischen Tannen und Fichten sehr wohl kannte, in Wahrheit Fichtenwälder sind. Beim Zindelstein verlässt der Bub also das heimatliche Tal, nachdem er sich zuvor im Wirtshaus zum Schwarze Bue bei einem Schoppen von seinen Begleitern (dem Vater und seinen Kameraden Dionys und Romulus) verabschiedet hat.

Schwarzer Bube
Foto von Hubert Mauz

Doch kurz nach Bräunlingen taucht er noch einmal so richtig in ein (allerdings sehr klischeehaftes) Waldidyll ein: Im Walde war es stille, man hörte nur das Fallen der Tannzapfen und das Nagen der Eichhörnchen in den hohen Baumwipfeln; die schlanken jungen Fohrenstämmchen bewegten wiegend und neigend ihre zarten Aeste in der leise wehenden Luft. Hier wischt sich der Wanderer nochmals den Schweiß von der Stirne, ehe er nach längerem Sinnen weiter zieht vorbei am felsigen Höllenstein, wo die Raben um das düstere Hochgericht flatterten – seiner Lehrstelle und dem Stadtleben entgegen.


Richtig wildromantisch, ja, dramatisch geht es erst wieder in Kapitel XV. Die Landfahrer zu, als Hieronymus, der Hüfinger Lehrbub, einen Heimaturlaub antritt, allerdings bei höchst unfreundlichem Wetter. Der Wandersmann schlug, um abzukürzen, den Weg durch das Oberholz ein, also über Hubertshofen und Mistelbrunn: Er war schon tief in den Wald eingedrungen. Der Wind sauste mächtig in den hohen Tannenwipfeln, um welche krächzende Raben über ihren Nestern kreisten. Der Pfad ward immer unwegsamer, nach kurzer Strecke jede Spur davon verloren, und der Wanderer sah sich in einer Wildniß, wohin noch nicht einmal die Axt des Holzhauers gedrungen, und kaum bisweilen ein Strahl der Sonne durch das Dickicht bricht. Auf dem mitternächtlich gelegenen, steil abfallenden Boden lagerten neben himmelhohen graubärtigen Weißtannen umgeworfene Stämme, Windfälle, von Jahrhunderten her über und unter einander, zum Theil völlig vermodert. Starrende Äste und ausgerissenes Wurzelgeflecht, hie und da sickernde Quellen und verborgene tiefe Lachen machten dem Schritte des Jünglings das Vorwärtskommen streitig.

Kein Zweifel, Hieronymus hat es in den steilen Wilddobel (oder war es doch der Roßdobel?) verschlagen; im benachbarten Krumpendobel hatten die Fürstenberger anno 1565 übrigens einen der letzten Bären erlegt. Der Abstieg erfolgt über Stock und Stein, wo der jähe Abhang quer durchrissen war durch eine Schlucht mit wildem Waldwasser. Inzwischen ist die Wildnis dort arg domestiziert, der Wald besteht aus gleichwüchsigen Fichten, der Hang ist mit Forstwegen erschlossen, der Bach eher ein Rinnsal. Dennoch muss Lucian Reich auf seinen Schwarzwaldwanderungen wohl doch auch noch urwaldartige Waldpartien kennengelernt haben, so plastisch wie er hier die Wildnis beschreibt. Bei der Beschreibung des Wilddobels indes übertreibt er maßlos!

Wildnis im Bannwald Zweribach

Schließlich trifft der strauchelnde und durchnässte Verirrte an einem kleinen, moosigen Weiher (heute ein Biotop!) auf ein schwarzbraunes Weib: auf Trautel, die Circe und schwäbelnde Vagantin, die ihn in ihre hinter Haselgesträuch versteckte Bettelküche führt, wo er sich trocknen darf – und wo ihm plötzlich schön Rösel, die Jugendgespielin, um den Hals fällt: Ein Überfall unerwarteter Zärtlichkeit, heißt es da, und der Leser darf einen gar seltenen Hauch von Erotik in Lucian Reichs Oeuvre verspüren: Leider war es eine Begegnung, die durch die resolute Trautel rasch unterbunden wird, wo doch Rösel in Wahrheit die von den Vaganten entführte Tochter von Johanna und Tolberg ist. Wer waren die Vaganten, die Lucian Reich erstaunlich lieblos beschreibt? Es dürfte sich um Angehörige des fahrenden Volks der Jenischen gehandelt haben, jener spätestens im Dreißigjährigen Krieg durch Verarmung entstandenen Gegengesellschaft der Kesselflicker und Scherenschleifer; allerdings  pflegten die nicht zu schwäbeln, sondern hatten ihre eigene Sprache.

Domestizierte Wildnis im Jahr 2016: Wilddobel, wo Hieronymus sich einst verlaufen hat

Der Wald spielt in den restlichen Kapiteln allenfalls noch als ferner Sehnsuchtsort eine Rolle – oder als Metapher: Wie eine alte, breit gewurzelte Tanne Generationen absterben und jüngere um sich heranwachsen sieht, und in scheinbar unverwüstlicher Zähigkeit Wind und Wetter trotzend immer dieselbe bleibt – also lebte stets noch der Köhler Klaus…, heißt es kurz vor dem Happyend, als plötzlich der Herr Tolberg nach langer, durch die politischen Wirren verursachter Irrfahrt wieder seinen Auftritt hat und seine Tochter Helena, Klausens Enkelin und nachmals Ehefrau des Hieronymus, wiederfindet. Bei Lucian Reichs breit gewurzelter Tanne dürfte es sich zwar wiederum um eine Fichte mit breiter Tellerwurzel (und nicht um eine tief wurzelnde Weißtanne) gehandelt haben, dennoch wollen wir das Bild so stehen lassen. Im Schwarzwald, auf dem Wald also, blühen derweil die Uhrenindustrie und der Uhrenhandel auf, von Lucian Reich sehr detailliert und kenntnisreich beschrieben.

Zum 6. und letzten Teil geht es hier.

Hier geht es zum Podcast der von Lucian Reich überarbeiteten Auflage ab Kapitel 11:

Im Kapitel 15 vom Podcast geht es etwas genauer um die Jenischen und auch das Holderküchlein.

Lochlone wittischer Massik!

Hieronymus und der Wald-4

Originalbeitrag vom 26. Februar 2017

zwischen Dichtung und Wahrheit

Wie sich Lucian Reich im und „auf dem Walde“ auskannte

Vortrag aus Anlass des 200. Geburtstags von Lucian Reich am 26. Februar 2017 Teil 4.

Im Kapitel VI. Hirten- und Jugendleben taucht der Forbachklaus wieder auf, in dessen Köhlerhütte sich die Hirtenbuben an regnerischen nebelig-kalten Tagen aufwärmten an den Gluten, woran der Alte sein spärliches Mahl bereitete. Klaus unterrichtete die Kinder, wie man sich vor den Wölfen zu schützen habe, oder theilte ihnen anderes über diese Raubthiere mit.

Bestie Wolf, bereits im frühen 18. Jh. so gut wie ausgerottet dank der Wartenberger Wolfsordnung

Es sei letzthin erst durch die Nachlässigkeit des Hirten wieder eine Kuh von den Wölf´ zerrissen worden. Weshalb auch der fürstlich´ Oberjäger erst wieder die Wolfsgruben, oben am Thierstein und durch den ganzen Hellberg (den Hallenberg?), frisch habe auslegen (sprich: beködern) lassen.

Dann heißt es weiter: Den Schwarzwaldkindern waren übrigens Wölfe damals nichts Fremdes, und Hieronymus kannte ihr Geheul ganz wohl, denn des Winters trieb der Hunger die Bestien oft bis an die Einfriedung der Gehöfte, welche sie umstrichen, oder wo sie sich, den Hunden gleich, niederkauerten, die Gelegenheit zu einem Raube, oder zu einem Einbruch in den Stall zu erspähen. Auch hier hat Lucian Reich zweifellos etwas allzu dick aufgetragen, denn die Wölfe waren bereits im frühen 18. Jahrhundert – nicht zuletzt dank der Wartenbergischen Wolfsordnung – so gut wie ausgerottet. Der seinerzeit letzte Wolf, ein einzelner Zuwanderer (wie der vorerst allerletzte, am Ochsenberg bei Tannheim nachgewiesene vom März 2020), wurde bekanntlich anno 1805 bei Immendingen erlegt, nachdem schon Jahrzehnte lang keiner mehr aufgetaucht war. 

Auf der A 5 überfahren: Wolf im Juli 2015

Ein andermal erzählt der Fohrbachklaus von den gewaltigen Steinhaufen im Wald des Laubhauser Bergs, wo eine Stadt gestanden habe. Der gut erhaltene Thorbogen war ebenso frei erfunden wie das prächtige Kloster, das einst auf dem Tierstein gestanden habe.

Siedlungsreste oder alte Sandsteinbrüche?
Es fehlen die Funde aus der Keltenzeit

Immerhin soll dort oben nach Kwasnitschka eine Fliehburg mittelalterlichen, wenn nicht gar keltischen Ursprungs existiert haben. Unter den überhängenden Felsen des Tiersteins, wo bisweilen auch die Vaganten zu kampieren pflegten, flüchteten die Kinder bei Sturm und Gewitter, oder sie verschanzten sich im verfallenen Gemäuer des einsamen Zindelsteins. Erstaunlicherweise hat sich Reich einen Hinweis auf Altfürstenberg, das (erstmals 1619 erwähnte) Krumpenschloss, versagt, dem ebenfalls keltische Ursprünge nachgesagt werden. 

Foto: K. Kwasnitschka: Laubenhausen eine befestigte keltische Siedlung (Schriften der Baar 1991)

Die Hütte des alten Köhlers stand auf der Kohlstatt beim Bruderkirchlein, heißt es in Kap. VII. Das Bruderkirchlein und die Köhlerhütte.

Kohlplätze und im Boden erhaltene Kohlereste liefern der Wissenschaft Nachweise über den Wald und die jeweils vorherrschenden Baumarten in den zurückliegenden Jahrhunderten

Klaus hatte sie von seinem Vater geerbt, der auch seine ganze Lebzeit im Dienste des Laubhausers kohlte. So ganz realitätsnah will mir das nicht erscheinen, denn die Kohlplatten wechselten rasch, sobald ringsum der Kohlholzvorrat erschöpft war. Der Stich zum Kapitel zeigt auch am Tierstein eine Hütte, doch die scheint nur als Unterschlupf gedient zu haben. Das Motiv der Köhlerhütte hat Lucian Reich auch auf Uhrenschildern verwendet, wie im Hüfinger Museum gezeigt wird.

Bruderkirchle bei Vöhrenbach

Hier also, in Kapitel VIII. Johanna, sitzt der alte Forbachklaus ruhig bei seinem Feuerherd unter dem Thierstein, in dessen Nähe er seine Kohlstatt aufgeschlagen hatte.

Derweil war seiner Tochter, der kleinen Johanna, kein Baum zu hoch und kein Fels zu schroff, als dass sie ihn nicht erklettert hätte: Auf die höchsten Mauerzacken der verwitterten Burg Neufürstenberg wagte sie sich, wo auch der verwegenste Bube ihr nicht nachgekommen wäre.

Derweil sich seine Tochter Johanna auf die 
höchsten Mauerzacken der verwitterten Burg
Neufürstenberg wagte

In der Köhlerhütte jedenfalls empfangen Klaus und Tochter Johanna den jungen Herrn Tolberg, der einige Zeit verweilen möchte, um die Angehörigen seines Freundes, des Köhlersohns Dieter, kennen zu lernen, so wie die traulichen Hütten und romantischen Gegenden des schönen Schwarzwaldes. Köhlerhütten wird man sich nicht gar zu traulich, eher rußig-schmutzig und primitiv vorzustellen haben; erst recht die von Schweiß und Ruß gezeichneten, oft lungenkranken Köhler, deren Beruf am unteren Ende des Sozialprestiges rangierte. Insofern scheint mir hier die Idylle doch ein bisschen allzu weit getrieben worden zu sein.  Aber es sollte hier ja auch eine zarte, folgenreiche Liebesgeschichte ihren Anfang nehmen. Wilhelm Hauffs 1830 geschriebenes Märchen Das Kalten Herz mit Kohlenmunk-Peter und Holländer Michel, jenes frühkapitalistische Lehrstück über die menschliche Gier, hat die Köhlerei jedenfalls sehr viel sozialkritischer beschrieben.

Tierstein

Fortsetzung gibt es hier

Hier gehts zum Podcast der Kapitel 6-8 der von Lucian Reich überarbeiteten Auflage:

Hieronymus und der Wald-3

zwischen Dichtung und Wahrheit

Originalbeitrag vom 26. Februar 2017

Wie sich Lucian Reich im und „auf dem Walde“ auskannte

Vortrag aus Anlass des 200. Geburtstags von Lucian Reich am 26. Februar 2017 Teil 3.

In Kap. II. Häusliches Stillleben wundert sich der kleine Hieronymus über den großen Stierschädel, welcher seit mehr als Menschengedenken am First des Laubhauser Hofs angebracht war. Lucian Reich erinnert hier an die auch heute mitunter noch an der Hohsuhle (Firsthochsäule) der ältesten Schwarzwaldhöfe angebrachten Schädel der Zugtiere, die einst das Bauholz herbei befördert haben.

Foto von Hermann Schilli

Hermann Schilli, der Verfasser von Das Schwarzwaldhaus (1953), zeigt einen solchermaßen mumifizierten Schädel aus dem Schwarzbauernhof im Katzensteigtal, der Blitzschläge und Unglücksfälle vom Hof fernhalten soll, wie er schreibt.

Heidnischer Brauch an der Hohsuhle
Foto von Hubert Mauz

Erwähnt wird auch noch der Kolmenfrieder (vom Kolmenhof auf der Martinskapelle?), der am Kohlwasen vom Hollahoh, dem erschrecklichen G´spenst, erwürgt worden sei.

Auch den an die Köhlerei erinnernden Kohlwasen gibt es tatsächlich: Es ist ein bewaldeter Rücken zwischen Linach- und Bregtal; unlängst geriet er in die Schlagzeilen als potenzieller Standort von Windkraftanlagen. Schließlich noch ein Schlegelwald, wo es in den hohe Tanne zu wehen und zu rauschen beginnt – als wie wenn der Pfaffe-Diesle geistweis ging. Ein Schlegelwald mit hohen Tannen (aber ohne Gespenst) ist mir ebenfalls geläufig, doch der befindet sich im Villinger Stadtwald an der Vöhrenbacher Grenze.

Flößerei auf Murg, Enz und Nagold seit der Römerzeit.

In Kap III. Frühlingsanfang erfahren wir etwas über die Flößerei: Der Hofwald liefere, so schreibt Lucian Reich, erst seit neuerer Zeit den gewünschten Ertrag, seit nämlich mehrere Flüsse flößbar gemacht und überall Wald- und andere Wege angelegt wurden, welche die Abfuhr des Großholzes möglich machen. Eine etwas verwirrende Aussage, denn auf der Breg wurde zwar seit langem fürstliches Brennholz getriftet, doch höchstens versuchsweise einmal auch Langholz geflößt. Hierzu reichten weder die Wasserführung noch das Gefälle aus, und auch über Schwallungen (Klusen) ist nichts bekannt.

Klusen (Schwallungen) an der Breg nicht bekannt, Wasserführung meist zu gering, Probleme mit den Mühlenbesitzern und Widerstand der Bräunlinger.

1715 wollte das Fürstenhaus die Breg bis Donaueschingen flößbar machen, scheiterte jedoch am Bräunlinger Widerstand, weshalb Fürst Anton Egon sogar erwog, einen Durchstich von Wolterdingen nach Aufen zur Brigach hinüber graben zu lassen. Ganz anders die Flößerei etwa auf der Murg, die der Rastatter Lucian Reich wohl vor Augen hatte. Doch auf den hierzu geeigneten Schwarzwaldflüssen wurde bekanntlich nicht erst seit neuerer Zeit geflößt, sondern bereits seit dem frühen Mittelalter, wenn nicht gar schon seit Römerzeiten. Die systematische Walderschließung mit einem Wegenetz ist dagegen erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts so richtig in Gang gekommen.

Walderschließung mit Fahrwegen beendet die Kurzholz-Trift auf der Breg im 19. Jahrhundert

Die Köhlerei, das Kohlenbrennen, das auf dem Schwarzwald schon von Urzeiten her üblich war, stehe jedoch in keinem Verhältnis zu dem unermesslichen Holzvorrath, weil außer diesem und den wenigen Brettern, die jeder Bauer auf seiner einfachen Klopfsägemühle schneiden ließ, gar geringer Verbrauch war. Das scheint mir nun wirklich eine gar zu idyllische, alles in allem unzutreffende Beschreibung der Waldsituation im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zu sein! Landesweit ging damals „das Gespenst der Holznot“ um, das die Landes- und Standesherren schließlich zu großen Anstrengungen in Richtung Nachhaltigkeit zwang, so auch durch das neue Badische Forstgesetz von 1833 (Verbot der Waldweide, des Kahlhiebs und des regellosen Plenterns im öffentlichen Wald). Die fürstliche wie auch die großherzogliche Forstverwaltung erwarben damals viele „vergantete“ Höfe (so auch den einst stattlichen Grumpenhof), den Hofwald – oft genug „in abgeforstetem“, d. h.  in kahlem Zustand. Von Heinrich Hansjakob, dem Rastatter Schüler von Lucian Reich, stammt der Ausspruch – bezogen auf die FF-Wälder um Wolfach – wenn´s so weitergehe, müsse man den Schwarzwald bald in Kahlwald umbenennen.

Heinrich Hansjakob: Der Schwarzwald als Kahlwald? Großkahlschläge im 18. Jahrhundert.
Hier Kahllächen nach dem Orkan Lothar (1999)

Sodann zeichnet Lucian Reich ein Bild jener hochgelegenen Schwarzwälder Landschaften, wozu man sich noch weite Strecken einsamer Wildnisse und Moose, rauschende Waldbäche und zwischen all den unabsehbaren Tannenwäldern starre, spärlich bewachsene Granitmassen denken muß, um ihren eigenthümlich ernsten, bei vieler Lieblichkeit fast schwermüthigen Charakter zu fühlen.

Möser (Moore) des Buntsandsteinschwarzwalds und deren Entwässerung durch die Forstwirtschaft

Offenbar hat Lucian Reich hier weniger den Hoch-, als vielmehr den Baarschwarzwald vor Augen mit seinen Mösern (Mooren) und Missen oben auf der Buntsandsteindecke, die freilich schon im 19. Jahrhundert im großen Stil mit Hilfe von Grabensystemen entwässert wurden.

Weder mit Wildnissen noch mit unabsehbaren Tannenwäldern konnte dieser Teil des Schwarzwalds in Wahrheit noch aufwarten ausgangs des 18. Jahrhunderts: Dafür hatten im und um das Bregtal längst die Glashütten oder das Hammereisenbacher Eisenwerk gesorgt mit ihren dem Holzhunger geschuldeten Kahlschlägen. Reichs Tannenwälder waren damals schon weit überwiegend Fichtenwälder. So heißt es etwa im Forsteinrichtungswerk von 1833 für den Wolterdinger Wald, die Weißtanne nehme eine ganz untergeordnete Stellung ein, „obgleich sie in einzelnen riesenhaften Exemplaren und fast allenthalben als Überständer vorkommt.“

Lucian Reichs unabsehbare Tannenwälder waren bereits überwiegend Fichtenwälder

Im Bräunlinger Stadtwald war die Weißtanne bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fast völlig verschwunden. Letzte „prachtvolle Überreste“ von Tannenurwald glaubten die Forstleute – fälschlicherweise – noch im 19. Jahrhundert im Weißwald bei Tannheim und an der Bruggener Halde vorweisen zu können: im einen Fall handelte es sich um einen überaus extensiv bewirtschafteten ehemaligen Klosterwald, im andern um die Liquiditätsreserve für die Privatschatulle des Fürsten. Beim rauschenden Waldbach und den spärlich bewachsenen Granitmassen hatte der Dichter gewiss den Grumpendobel und den Tierstein vor Augen.

In einzelnen riesenhaften Exemplaren:
Weißtanne im Grumpendobel

Über Mathias, den Vater von Hieronymus, den ältesten Sohn und weichenden Erben eines Bauern, erfahren wir nebenbei auch etwas über die Reutfeldwirtschaft, das Rüttibrennen, das vor allem im zentralen Gneis-Schwarzwald bis ins 20. Jahrhundert hinein weit verbreitet war: Auf einem entlegenen öden Feldstücke … schürfte er die Oberfläche, „brandelte“ den Rasen, ließ die Erd- und Aschehaufen den Winter über gären und verwesen, und erzielte durch diese Behandlungsart, damals noch wenig bekannt, einen solchen Ertrag an Gerste, dass es die allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Dass dieses althergebrachte Verfahren der Waldfeldwirtschaft damals noch wenig bekannt gewesen sein soll, muss erstaunen. Wieso waren die rauchgeschwärzten Hänge der Reutberge dem Hüfinger nie aufgefallen – bei all seinen Schwarzwaldwanderungen (vgl. Wanderblühten von 1855)?

Reutfeldwirtschaft (Rüttibrennen): auf der Baar damals noch wenig bekannt?

Auf einem entlegenen, öden Feldstücke…schürfte er die Oberfläche, „brandelte“ den Rasen, ließ Erd- und Asche-Haufen den Winter über gären und verwesen, und erzielte einen solchen Ertrag an Gerste, dass es die allgemeine Aufmerksamkeit erregte.

Zum 4. Teil geht es hier:

Das Kapitel 2 von der von Lucian Reich überarbeiteten Auflage ist deutlich ausführlicher was die Geistergeschichten, den Hollohoh und auch die Jennischen betrifft.

Den Podcast zum Kapitel 2 gibt es hier:

Den Podcast zum Kapitel 3 gibt es hier:

Hieronymus und der Wald-2

zwischen Dichtung und Wahrheit

Originalbeitrag vom 26. Februar 2017

Wie sich Lucian Reich im und „auf dem Walde“ auskannte

Vortrag aus Anlass des 200. Geburtstags von Lucian Reich am 26. Februar 2017 Teil 2.

Im Kapitel I. Die heilige Taufe stellt er uns Ort und Zeit der Handlung des Buchs sowie die handelnden Personen genauer vor: Wir befinden uns also in einem einsam gelegenen Schwarzwälderthale, und die Geschichte beginnt ausgangs des 18. Jahrhunderts, genauer: zwischen 1745 und dem Beginn der französischen Koalitionskriege im Jahr 1792, also in einer Zeit, wo tiefe Ruhe und ungestörter Friede im deutschen Reiche herrschten.

Ort der Handlung: …in einem einsam gelegenen Schwarzwälderthale
(im Bregtal zwischen Bregenbach und Zindelstein)            

Die Handlung spielt zunächst einmal in einem großen einzeln stehenden Wälderhause, dem Laubhauser Hof. Hieronymus, erfahren wir, ist der Sohn eines Dienstmannes vom Laubhauser Hofgut. Der Name dieses Hofs scheint mir eher atypisch zu sein für Schwarzwaldhöfe, zumal im Bregtal die Laubbäume bekanntlich äußerst rar sind. Und dass dort Dienstmänner angestellt waren an Stelle von Knechten und Mägden will mir auch nicht allzu schwarzwälderisch erscheinen.

Bregenbach:
bis 1896 selbständige Gemeinde mit 5 großen Hofgütern (daher das Wappen mit 5 Fingern)

Mit dem – fiktiven –  Hofnamen soll die Aufmerksamkeit des Lesers zweifellos auf die geheimnisvolle Siedlung Laubenhausen gelenkt werden, wie wir in Kapitel VI erfahren werden. Die Kelten werden übrigens, anders als die (schon 1768 nachgewiesenen)  Römer in Reichs Heimatstadt Hüfingen, nicht erwähnt; sie scheinen erst später (wohl 1880 in Band 3 der Schriften der Baar) als mutmaßliche Gründer von Laubenhausen ins Spiel gekommen zu sein. 

Den Laubhauser Hof haben wir uns im Bregtal unweit des Felsenwirts vorzustellen, der damals Stabhalter seiner kleinen Thalgemeinde war. Die Bewohner werden im Buch übrigens verschiedentlich als Wäldner bezeichnet, worin ich fast geneigt bin, einen Fehler des Lektors oder des Verlags zu vermuten, denn die Schwarzwälder hießen nun mal zu allen Zeiten „Wälder“ (und nicht Wäldner). Allerdings kommen die „Wäldner“ auch in seinen Wanderblühten vor.

Weißkopfenhof
Erbaut um 1850 „in Gant“ und zwangsversteigert an ein Konsortium, 1899 vom Großh. Domänenärar übernommen.

Ein Wirtshaus Zum Felsen steht bekanntlich noch heute am unteren Ortsausgang von Hammereisenbach; ein Ortsname, der von Lucian Reich freilich verschmäht wird; mag sein, dass ihm der Erzbergbau mit Schmelze, Hammerwerk und vielerlei „Gastarbeitern“ nicht ins ländlich-sittliche Milieu gepasst hat. Stattdessen bevorzugt er Bregenbach, die bis 1896 selbständige Gemeinde längs der Breg vom Bernreutehof bis zur Fischersäge, heute ein Ortsteil von Hammereisenbach, seit 1971 Stadtteil von Vöhrenbach. 

Der 1906 abgerissene Fischerhof mit dem 1774 neu erbauten Gasthaus Zum Fischer könnte Lucian Reich als Vorbild für den Laubhauser Hof gedient haben (heute Behindertenheim)

Also haben wir uns die Lage des Laubhauser Hofs irgendwo zwischen Fischerhof (dem heutigen Behindertenheim) und dem Weißkopfenhof vorzustellen. Oder war der Fischerhof selbst das Vorbild mit seinem Gasthof Zum Fischer an der Straße und mit ca. 400 ha einer der größten Höfe des Schwarzwalds? Außerdem gibt es da auch noch einen Bregenbacher Hof, den ebenfalls wohlhabenden Nachbarn, aus dem die Laubhauser Bäuerin stammt (vielleicht der Krumpenhof?). Dann ist da noch  das Bruderkirchle, eine Anleihe des Autors bei der Stadt Vöhrenbach: die St. Michaelskapelle, genannt Bruderkirchle, an der alten Villinger Straße mit integriertem Einsiedlerwohnraum. An handelnden Personen vorgestellt werden uns hier u. a.: Fohrbachklaus, der Köhler, auch der Fohrlenbacher Bauer und die alte Fahlenbacherin. Hinter Fohrlenbach steckt zweifellos das Forbental (mit dem 1968 abgebrannten und aufgegebenen Forbenhof), das beim Fischerhof vom Bregtal abzweigt, wohingegen der Fahlenbach oberhalb Hammereisenbach ins Urachtal einmündet.

Das Laubenhauser Hofgut

Teil 3 gibt es hier:

Den Podcast zum Kapitel 1 gibt es hier:

Hieronymus und der Wald-1

Originalbeitrag vom 26. Februar 2017

zwischen Dichtung und Wahrheit

Wie sich Lucian Reich im und „auf dem Walde“ auskannte

Vortrag aus Anlass des 200. Geburtstags von Lucian Reich am 26. Februar 2017 Teil 1.

Nur Raben und Schneegeier* überflattern das öde Gefilde, während scharfe Windswehen hohe, weiße Schanzen und Wälle vor die Hütten werfen, so daß der Hausvater des Morgens weder Läden noch Hausthüre zu öffnen vermag, weil der Schnee draußen bis an die Dachtraufe reicht…

Vorbemerkung: Das X. Kapitel in Lucian Reichs Hauptwerk, der Erzählung Hieronymus, ist überschrieben mit Ein Winter auf dem Walde. Die darin enthaltene Episode vom einsamen, eingeschneiten Bauernhof am Feldberg hatte es mir vor über vierzig Jahren schon so sehr angetan, dass ich sie ins Zentrum eines dem Schwarzwaldwinter (am roten Faden des 100 km langen Fernskiwanderwegs von Schonach zum Belchen) gewidmeten Bildtextbandes gestellt habe. Auch den Buchtitel „Winter auf dem Wald“ habe ich von Lucian Reich übernommen.

Winter auf dem Walde

Diese Episode liest sich so herzerfrischend, dass sie hier im Original eingefügt werden soll: …oft erblickt man weit umher in der beschneiten Landschaft auch nicht ein menschliches Wesen. Nur Raben und Schneegeier* überflattern das öde Gefilde, während scharfe Windswehen hohe, weiße Schanzen und Wälle vor die Hütten werfen, so dass der Hausvater des Morgens weder Läden noch Hausthüre zu öffnen vermag, weil der Schnee draußen bis an die Dachtraufe reicht. Glücklich, wenn´s den Bewohnern gelingt, bis zum Nachbarn einen Tunnel zu schaufeln, zu erkundigen, ob dieser noch am Leben sei. Manch Bezeichnendes ereignet sich bei solchen Gelegenheiten. So geschah es, dass einige Jahre nach dem gegenwärtigen Momente unserer Erzählung, ein einsamer Bauernhof am Feldberg mit den Bewohnern Wochen lang unter dem Schnee begraben lag, bis endlich, es war gerade Charfreitag, Umwohnende den Dachfirst aus der Bahrdecke hervorragen sahen, und nun zu Hilfe zogen. Man brach ein Loch in das Dach und rief hinunter: ob noch alle am Leben seien: Ja! Antwortete es aus der Tiefe. „Wißt ihr auch, dass heut Charfreitag ist?“ war die zweite Frage der Obenstehenden. „Daß Gott erbarm!“ tönte es von unten zurück, „Charfreitag, und wir verzehren so eben das letzte Stück vom letzten Stier.“ So fiel es den Leuten schwerer auf´s Herz, das Fastengebot, wenn auch unwissend, übertreten zu haben, als die Befreiung aus langer Haft und Nacht sie zu erfreuen vermochte.

Alpen, die jüngeren Nachbarn des Schwarzwalds…

Typisch Lucian Reich: ein zum Schmunzeln anregendes Gemisch aus Chronik und dichterischer Freiheit, aus Übertreibungen (Schneegeier*, Tunnel graben, aus der Bahrdecke ragender Dachfirst) und Belehrungen: 1853 ist sein Hieronymus erschienen, keine 10 Jahre zuvor, im Winter 1844, war das schlimmste Lawinenunglück des Schwarzwalds geschehen, mit 17 Toten und mitsamt viel verendetem Vieh. Und so fährt er im X. Kapitel brandaktuell fort: Oft auch geht es ganz schlimm ab; ist doch erst in neuester Zeit der Königenhof, unweit Waldau, durch eine Schneemasse, welche von dem jähen, von keinem Waldmantel mehr bedeckten Berge in das Thal rutschte, zerquetscht, und Haus wie Bewohner in das kalte Grab gerissen.

Lawinentragödie im Wagnerstal anno 1844

Lawinenunglücke geschahen (und geschehen) im Schwarzwald zwar immer wieder einmal, doch keineswegs „oft“, wie er schreibt. Auch wurden nicht alle Bewohner ins kalte Grab gerissen, sondern es haben immerhin sieben überlebt. Überliefert ist wiederum, dass noch anfangs des 19. Jahrhunderts während einiger rauer Sommer (oder vielleicht auch nur im Sommer 1815, im sog. „Jahr ohne Sommer“ nach Ausbruch des Vulkans Tambora?) der Schnee auf dem Feldberg nicht vollends abgeschmolzen ist, sodass man in Sorge war, es könne sich daraus ein Gletscher bilden. Tatsächlich ließ der Abt von St. Blasien daher die Bauern aus den umliegenden Dörfern anrücken und den Schnee „bis auf den Grund durchhacken“, sofern er bis zum 25. Juli nicht verschwunden war. Was macht Lucian Reich daraus? Hat es ja nicht selten um Johanni, im hohen Sommer noch den Anschein, als ob der alte Feldberg Lust habe, es seinen jüngeren Nachbarn, den Schweizeralpen gleich zu thun, und eine Haube aus ewigem Schnee aufzubehalten. Dann freilich müssen alle Umwohner aufgeboten werden, und dem Riesen seine Tarnkappe wider Willen vom Kopf zu ziehen; denn, sagen sie: hätt er´s einmal wieder verschmeckt und die Haube nur ein Jahr lang aufbehalten, so wäre ein Schwarzwald-Gletscher fertig, wie bereits vor Jahrtausenden.

Hier belehrt Reich seine Leser beiläufig ein bisschen in den Fächern Geologie (Alter des Schwarzwalds und der Alpen) und Glaziologie; die letztere erfuhr im Schwarzwald im frühen 19. Jahrhundert vor allem durch den Mannheimer Naturforscher Karl Schimper erste wichtige Impulse. Keine Frage: Lucian Reich hatte eine Schwäche fürs Topaktuelle wie fürs Kuriose. Heute würden die Feldberger die Vergletscherung wohl eher begrüßen und auf Sommerski-Möglichkeiten hoffen. Klimawandel hin oder her: Erinnert sei an die wunderlichen Pläne eines Furtwanger Hochschulprofessors, der zu Beginn unseres neuen Jahrtausends, auf dem Feldberg – zur Vorfreude des vormaligen Bürgermeisters (und Präsidenten des Schwarzwälder Skiverbands) – wieder einen (künstlichen) Gletscher entstehen lassen wollte.

Von diesen Ausflügen in den hohen Schwarzwald abgesehen, beschränkt sich Lucian Reich im Hieronymus, wie er schon im Vorwort schreibt, mit der Handlung überwiegend auf ihm wohlvertrautes, heimatliches Gefilde, also auf jene entlegene Landschaft des Großherzogtums Baden, welche das Sprichwort: 

„die Brig und die Breg bringen die Donau z´weg“ so sprechend andeutet, die östlichen Thäler nämlich des mittleren Schwarzwaldes und die angrenzende Hochebene, ein Theil der alten fürstenbergischen Grafschaft…  Als ganz so „entlegen“ würden wir seine Handlungsorte heute gewiss nicht mehr beschreiben. Doch die Bregtalbahn war ja erst 1892 in Betrieb genommen worden (im Gegensatz zur 1840 eröffneten Rheintalbahn, die er von Rastatt aus nach Freiburg gerne benutzt hat). Und noch mehr zusammengeschnurrt sind die Entfernungen bekanntlich im Zeitalter des Automobils.

Hockenjos, W.: Winter auf dem Wald. Schillinger-Verl., Freiburg 1979

*Schneegeier sind in den Gebirgen Zentralasiens zuhause, Gänsegeier in Deutschland wohl bereits im Mittelalter ausgestorben; neuerdings werden in den Alpen Bartgeier wieder angesiedelt (Hölzinger, J.: Die Vögel Baden-Württembergs. 1987). Die (Kolk-)Raben waren ab 1830 im Fürstenbergischen ausgerottet. (Stephani, K.: Geschichte der Jagd in den schwäbischen Gebieten der fürstenbergischen Standesherrschaft. 1938)

Zum Teil 2 geht es hier:

Villinger Windkraftpläne

Windenergie ja, aber bitteschön möglichst tief im Wald, so stellt sich der Diskussionsstand derzeit im Stadtrat dar. Jedenfalls nicht so, wie es der Regionalverband vorsieht, denn dessen Version findet bei den Bürgern keine Akzeptanz: Viel zu nah an der Stadt, heißt es – für die Bewohner von Hammerhalde, Volkerts-, Herzogen- und Pfaffenweiler ganz und gar unzumutbar!

Nur schade: wo die 15 Betontürme mit ihren Rotoren, mehr als doppelt so hoch wie der Freiburger Münsterturm, stattdessen hin sollen ist leider ein Vogelschutzgebiet ausgewiesen, da droht die „Blockade des unsichtbaren Auerhuhns“, wie der Schwarzwälder Bote am 14. März 2024 titelte. Und das, nachdem die städtischen Forstfachleute um Forstamtsleiter Tobias Kühn keine Spur mehr von ihm gefunden hätten, weder Losung noch Federn. Wenn doch wenigstens jemand dem Gasthaus Zum Auerhahn noch ein ausgestopftes Exemplar zukommen lassen könnte, wie man sie in manchen  Schwarzwälder Gaststuben und Forstamtsbüros noch als Wandschmuck bewundern kann, damit sich die Ausflügler ein realistischeres Bild als an der Hauswand vom „Stein des Anstoßes“ machen könnten. Als ob nicht auch Ornithologen, Jäger und Förster insgeheim noch immer die Hoffnung hegten, dass das Auerhuhn doch noch zu retten sei – trotz all der zeitbedingten Lebensraumveränderungen und Störungen. Nicht anders hatte es ja auch der 2008 regierungsamtlich verkündete Aktionsplan Auerhuhn vorgesehen. Weshalb halt auch  potenziell geeignete Auerhuhnhabitate, selbst wenn sie gegenwärtig nicht mehr besiedelt sein sollten, vorgehalten werden müssen für den Fall, dass all die Bemühungen am Ende vielleicht doch erfolgreich sein würden.

Erinnerung an einen vom Aussterben bedrohten Waldbewohner im Villinger Neuhäuslewald

Eigentlich hätte sich doch auch im Stadtrat längst herumgesprochen haben müssen, wie hochnotpolitisch sich das Thema Windenergie und Auerhuhn (Klimaschutz vs. Artenschutz) inzwischen aufgeschaukelt hat: Am 11. Mai 2022 hatte sogar der Stuttgarter Landtag eine knappe Stunde lang über das Auerhuhn debattiert. Wo doch der grün geführten Landesregierung nichts ungelegener käme, als wenn ausgerechnet sie mit ihrem durch Gasmangel und Ukrainekrieg neu entfesselten Windkraft-Elan für das Aussterben des „Schwarzwälder Charaktervogels“ verantwortlich gemacht würde. So wurde mitten in den Sommerferien, am 17. August 2022, der in der Debatte bereits angekündigte Maßnahmenplan dann auch offiziell vorgestellt (in Pressemitteilung Nr. 122/2022) als Neue Planungsgrundlage Windenergie und Auerhuhn. Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker und Forstminister Peter Hauk erklären darin gemeinsam: „Die neuen Hinweise ermöglichen einen beschleunigten Ausbau der Windenergie im Schwarzwald und sie schützen zugleich das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn.“ Dass dieses Versprechen der Quadratur des Kreises gleichkommt, hatte bereits das je zur Hälfte vom Land Baden-Württemberg und aus Drittmitteln des Bundesverbands WindEnergie e. V. sowie einiger heimischer Energieversorgungsunternehmen finanzierte internationale Forschungsprojekt Windenergie & Auerhuhn angedeutet; es kommt auch im Schwarzwald zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass Auerhühner Windenergieanlagen weiträumig meiden und dass sie daher auch kaum vom Lärm, von Drehbewegung und Schlagschatten der Rotoren gestresst, geschweige denn geschreddert werden oder in panischer Flucht gegen die Türme prallen. Ganz so neu ist diese Erkenntnis freilich nicht, wie schon ein Bericht des einstigen Fürstlich-Fürstenbergischen Forstamts Lenzkirch aus dem Jahr 1924 nahelegt: „Wo Ruhe und Waldfrieden gestört sind, ist für das scheue Auerwild keine Bleibe mehr. Nachhaltige Störungen auf seinen Balz- und Wintereinständen erträgt es nicht: hierfür haben wir leider traurige, sprechende Belege. 

Dass Waldgebiete wie der Villinger Neuhäuslewald auch von etlichen weiteren windkraftsensiblen Vogelarten (z. B. Spechten und Käuzen) mitsamt Fledermäusen und Fluginsekten bewohnt werden, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung, wo doch der Wald sowohl gegen den weltweiten Artenschwund wie fürs Klima Leistungen zu erbringen hat. Umso erstaunlicher ist die Vorliebe (oder ist es eher Verzweiflung?) des Regionalverbands SBH, mit welcher er vorzugsweise Waldstandorte als Vorrangflächen für die Windenergienutzung ausweisen möchte. Als ob die Fragmentierung und Erschließung von Wäldern für den Bau und die Unterhaltung von Windenergieanlagen nicht auch erhebliche ökologische Nachteile brächte: Nicht zuletzt Rand- und Folgeschäden durch Sturmereignisse, aber eben auch Bodenversiegelung und Ausfall der CO2-Bindung, von der Beeinträchtigung der Walderholungsfunktion durch die großflächig nicht mehr zu übersehende und unüberhörbare Industrialisierung ganz zu schweigen.

„Der Wald: eine Stätte der Ruhe und Erholung“, so lautet die Bildunterschrift unter einem idyllischen Schwarzweißfoto in dem 1962 von der Stadt Villingen/Schwarzwald in ihrer Schriftenreihe herausgegebenen Buch Der Villinger Stadtwald von Ulrich Rodenwaldt. Über ihren stolzen und vorbildlich naturnah bewirtschafteten Waldbesitz hat man in Villingen, schließlich auch in der Doppelstadt nie etwas kommen lassen. Was waren das alle Jahre wieder für  gutbesuchte und informative Waldbegänge des Stadtrats! „Möge die Stadt Villingen“, so liest es sich denn auch in der Widmung am Buchende, „den Schatz, den ihr die Herzöge von Zähringen für ihren Lebensweg vor 800 Jahren in die Wiege gelegt haben, stets zu würdigen wissen und ihm Schutz und Fürsorge angedeihen lassen. Möge aber auch der Forstmann, dem dieser Wald zur forstlichen Bewirtschaftung anvertraut wird, sich der hohen Aufgabe und Verantwortung für dieses Gut stets bewusst sein!“

Wie wichtig die Stadt diese Aufgabe seither genommen hat, beweist allein schon die Existenz eines eigenen kommunalen Forstamts – einer Rarität in Baden-Württemberg. Die städtischen Forstamtsleiter erfreuten sich bei den Bürgern zuallermeist großer Wertschätzung, ob sie nun Hubbauer, Ganter, Rodenwaldt oder Härle hießen. Doch mit der so überaus lukrativen Verpachtung von Windkraftstandorten scheint es mit „Schutz und Fürsorge“ nicht mehr weit her zu sein: Hat sich für Waldeigentümer neuerdings doch ein wahrhaft verführerisches Geschäftsmodell aufgetan, egal ob im Staats- Kommunal- oder Privatwald. So ist es auch kaum mehr verwunderlich, wenn das Land unterm Vorzeichen der Energiewende allein im Staatswald 500 Windkraftanlagen zu errichten verspricht, oder wenn auch das Donaueschinger Fürstenhaus 50 Windradstandorte in seinem ca. 18.000 ha großen Wald zu verpachten beabsichtigt – vier bis fünf Anlagen, bitteschön, auch gleich angrenzend an den Villinger Neuhäuslewald zusammen mit den dortigen Windparkplänen. Kein Wunder auch, dass seitens des F.F. Forstchefs zugleich vehement über den (nach seinem Dafürhalten) heillos überzogenen Artenschutz geklagt wird als dem „größten Windkraftverhinderer“: Auf der Baar sei es der Rotmilan, im Schwarzwald seien es die letzten Auerhühner, deretwegen weite Teile nicht verplant werden dürfen, wiewohl doch diese Art, bei globaler Betrachtung, gar nicht bedroht sei. „Funkt der Auerhahn noch dazwischen?“, so fragt auch der Schwarzwälder Bote (v. 27. Januar 2024). Der wird uns doch hoffentlich nicht die Transformation der Energiegewinnung zur Rettung des Planeten durchkreuzen, gar die in den Forstbetrieben ausgebrochene Goldgräberstimmung wieder abflauen lassen.

Das unverhoffte Aus für die A 86

Wer auf der A 81 von Stuttgart oder Singen kommend in Richtung Bad Dürrheim und Donaueschingen auf die A 864 einbiegt und westwärts rollt, wird bald (Achtung Blitzer!) bis auf 60 Stundenkilometer herunter gebremst, ehe er auf die quer verlaufende, ebenfalls vierspurig ausgebaute B 27/B 33 abbiegt. Exakt hier, beim kurzen Seitenblick auf den dunklen Waldhorizont im Westen, werden die Verkehrsteilnehmer, zumal Schwarzwälder und Baaremer älterer Jahrgänge, urplötzlich von der Erinnerung an die „Schwarzwaldautobahn“ eingeholt. Dies je nachdem: die Einen mit nachträglichem Bedauern, die Andern mit Genugtuung. Denn eigentlich hatte es hier ja mal schnurgerade weiter in Richtung Schwarzwald und Breisgau gehen sollen – fast alle hatten damals mit dem Weiterbau gerechnet.

Verstopfungen in den Engpässen der Ortsdurchfahrten und Leidensdruck bei den Anwohnern der B 31, verursacht durch Lärm und Gestank des in den Wirtschaftswunderjahren so rasch anwachsenden Straßenverkehrs, hatten bereits anno 1965 dafür gesorgt, dass im Generalverkehrsplan des Landes Baden-Württemberg eine „A 86 Freiburg – Donaueschingen“ aufgetaucht ist: die „Schwarzwaldautobahn“. Eine leistungsfähigere Querverbindung über den Schwarzwald hinweg muss her, so argumentierten die Verkehrspolitiker und feierten sie vorneweg schon als „Verkehrsachse Paris – Wien“! Zwei Jahre später wurde sie auch vom Bundesverkehrswegeplan übernommen, und 1970 wurden einzelne Bauabschnitte bereits in Dringlichkeitsstufe II oder gar I eingestuft.

Im Hochschwarzwald schrillten da die Alarmglocken! Denn die zahlreichen Planungsvarianten mit ihren Tunnels und Viadukten mussten ja allesamt vom Rheintal aus eine Höhendifferenz von gut und gern 700 m überwinden und alle sollten sie dann gebündelt über den Thurner (1025 m NN) hinweg führen – womit sie allesamt den „Schwarzwälder Herrgottswinkel“ entweihen würden, das touristisch und landschaftlich so gepriesene Höhengebiet von St. Peter und St. Märgen. Kein Wunder, dass sich da besonders die „Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Südbaden“ ins Zeug legte, jener Zusammenschluss von etlichen dem Natur- und Landschaftsschutz verpflichteten Mitgliedsorganisationen (allen voran dem Schwarzwaldverein) und ihren insgesamt rund 130.000 Mitgliedern, angeführt von einem streitbaren Vorsitzenden, dem St. Märgener Forstamtsleiter und Kreisbeauftragten für Naturschutz Fritz Hockenjos (dem Vater des Verf.). Wie stellen sich die Verkehrsexperten eigentlich die winterliche Überquerung des Thurners auf einer Autobahn vor, so wurde gefragt, und das bei Schnee, Sturm und Wolkennebel, wie sie da oben an der Tagesordnung sind? Und von der Passhöhe sollte es dann durchs bäuerlich-idyllische Jostal in Richtung Neustadt hinab gehen – was für ein Viecherei! Doch so ganz wollte sich auch der Heimatschutz nicht gegen eine brauchbarere Ost-West-Verbindung verkämpfen. Aber wäre es da nicht klüger durchs Höllental mit Untertunnelung von Hirschsprung und Hinterzarten?

Per A 86 durch den „Schwarzwälder Herrgottswinkel“?

Die Auseinandersetzungen um Vor- und Nachteile dieser oder jener Trassenvariante fielen immer heftiger aus: Im Dreisamtal mischte eine eigens hierfür gegründete „Aktionsgemeinschaft für demokratische Verkehrsplanung“ mit, die die A 68 ebenso strikt durchs Dreisam- und Höllental ablehnte wie die Gemeinden St. Peter und St. Märgen die Varianten über ihre Gemarkungen hinweg, während erboste Jostäler Bauern sogar mit der Schrotflinte drohten. „Eine mittlere Barbarei“, so hatte der Oppositionsführer im Landtag, Erhard Eppler, die Schwarzwaldautobahn gescholten. 

Der Überraschungseffekt war daher gewaltig, als im Dezember 1975 Ministerpräsident Filbinger vor der Presse trat und erklärte, dass anstelle der A 86 die B 31 ausgebaut werden soll und dass die Autobahnpläne zu den Akten gelegt worden seien. Was mochte in Stuttgart bloß einen solch krassen Paradigmenwechsel herbeigeführt haben, wenn nicht der geharnischte Widerstand der „Wälder“? Oder hatte es beim Regierungschef womöglich ein Saulus-Paulus-Erlebnis gegeben, von dem die Verkehrpolitiker von Land und Bund buchstäblich überrumpelt worden sind?

Womöglich ist es wie folgt passiert: In Winter 1972/73 war auf dem Thurner ein Skilanglaufzentrum für Freizeitsportler eingeweiht worden, initiiert und gefördert durch die Forstverwaltung (mit Mitteln für Erholungseinrichtungen in und am Wald) und betrieben durch den gemeinnützigen Förderverein Club Thurnerspur. Weil sich jedoch in Breitnau und St. Märgen, auf deren Gemarkungen sich fortan die Skiläufer seitdem austoben durften, niemand so recht vorstellen konnte, was die eigentlichen Motive der Betreiber dieser bundesweit neuartigen Einrichtung da oben waren und ob davon ein touristischer Nutzen zu erwarten war, hatte die Thurnerspur in der Bevölkerung schon bald ihre Spitznamen weg: Mal hieß sie die „Kommunistenrennbahn“, mal „die rote Spur“, wo sich doch im rabenschwarzen St. Märgen der frisch gewählte Bürgermeister als Roter entpuppt hatte und wo auch der Clubvorsitzende politisch kaum einzuordnen war – der „Radikalenerlass“ des Jahres 1972 ließ grüßen.

So war es ein rechter Paukenschlag, als sich auf dem Thurner plötzlich Hans Filbinger, der Landesvater höchstpersönlich, zum Skilaufen einfand und auch sogleich Clubmitglied wurde. Im Nordschwarzwald hatte, mit dem Ministerpräsidenten als Schirmherrn, erstmals ein „Baden-Württembergischer Skiwandertag“ stattgefunden, Grund genug, Filbinger auf den Thurner einzuladen – fraglos ein listiger Schachzug! Dass er sich hier mitsamt Familie und Bodygards beim Skilaufen pudelwohl gefühlt und die Politik weit hinter sich gelassen hat, beweisen seine regelmäßigen Besuche (bis zu seiner Abdankung im Jahr 1978).

Prominenter Besuch auf der Thurnerspur (1973)

Der Thurnerspur brachte das prominente Mitglied nicht nur eine nachhaltige Imageverbesserung ein. Filbinger sorgte auch dafür, dass im Zuge des Neubaus der B 500 reichlich Parkraum entstand auf dem Thurner. Überliefert ist freilich auch die Episode, wonach der Clubvorsitzende anlässlich einer gemeinsamen Thurnerspur-Runde per Langlaufski den Landesvater vom tief verschneiten Doldenbühl aus auf die durchs Jostal geplante, so heiß umstrittene Trasse der Schwarzwaldautobahn aufmerksam gemacht habe. Woraufhin Filbinger, sichtlich betroffen, gemurmelt haben soll, das werde man sich ja wohl noch zwei-, dreimal überlegen müssen – womöglich der Anfang vom Ende des Prestigeprojekts?

Mit der A 86 längs durchs idyllische Jostal (Fotomontage aus „Zeit-Magazin“ 1974)

Allein, der ersatzweise versprochene drei- bis vierspurige Ausbau der B 31 sollte bis heute, nach über einem halben Jahrhundert, immer wieder ins Stocken geraten: Für die Baaremer am eindrucksvollsten ablesbar ist der Stand der Dinge an der seit Jahren vierspurig fertig gestellten Untertunnelung Döggingens. Die Zufahrt zu den beiden Tunnelröhen erfolgt jedoch über die Gauchach hinweg nach wie vor auf einem nur zweispurigen Viadukt. Gegen den Bau der seit Jahren parallel dazu eingeplanten zweiten Gauchachtalbrücke klagt der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Ein Termin beim Verwaltungsgerichtshof ist inzwischen in Aussicht gestellt. 

Schillertannne 2.0

  Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen.
(Friedrich Schiller: Wilhelm Tell IV, 2)

Ob neues Leben wohl auch aus Baumruinen zu erblühen vermag? Friedrich Schiller wird ein besonderes Faible für den Forstberuf nachgesagt. Die Bemühungen um Nachhaltigkeit, das Planen über Baumgenerationen hinweg, hatten ihm offenbar Respekt abgenötigt. Schon sein Vater, in späten Jahren Vorstand der Hofgärtnerei auf der Solitude, hat mit Bäumen zu tun gehabt, und des Dichters Ältester war, gewiss nicht ohne väterliches Zutun, in den Kgl. württembergischen Forstdienst eingetreten. Zu Schillers 100. Todestag errichtete man vielerorts Gedenksteine, in der Bergstadt St. Georgen hingegen wurde ihm 1905 ein Naturdenkmal gewidmet: die „Schillertanne“; die dürfte schon zu des Dichters Lebzeiten ein stattlicher Baum gewesen sein. Sie steht, namentlich verzeichnet in der Wander- und Freizeitkarte, an einem als Wander- und Radweg ausgewiesenen Forstweg im St. Georgener Stadtwalddistrikt Röhlinwald. Ihr Alter wird auf ca. 350 Jahre geschätzt bei einem Stammumfang in Brusthöhe von 4,70 Meter, womit sie zu den stärksten Tannenriesen des Schwarzwalds gehört und nicht nur für Bildungsbürger ein beliebtes Wanderziel darstellt. Name, mutmaßliches Alter und Maße sind auf einer (längst nicht mehr aktuellen) Hinweistafel am Stammfuß vermerkt, eine Sitzbank lud zum Verweilen ein – zum Gedenken an den „Dichterfürsten aus dem Schwabenland“, mehr noch zur Bewunderung des geschützten Naturdenkmals. Im Jahr 1961 hatte ein Sturm der Weißtanne den Hauptwipfel abgerissen; doch an der Bruchstelle war – nicht untypisch für die Baumart – aus verbliebenem Grün alsbald wieder ein neuer Wipfel herangewachsen: Zuvor hatte man eine Baumhöhe von 44 m gemessen, nun, ein halbes Jahrhundert nach dem Bruch, waren es doch wieder ca. 35 m geworden. Trotz Waldsterben und Klimastress machte die Tanne mit ihrer neu gebildeten Krone noch 2023 einen durchaus vitalen Eindruck auf die Besucher.

Dennoch hätte die Schillertanne den 200. Todestag des Dichters beinahe nur noch um fünf Jahre überlebt: Im Spätsommer 2010 hat die untere Naturschutzbehörde die im Naturdenkmalbuch eingetragene Tanne auf Drängen des Forstrevierleiters aus Verkehrssicherheitsgründen zur Fällung freigegeben1. Das amtliche „Todesurteil“ für den Baum hatte den Stadtbaumeister so sehr irritiert, dass er den Stadtgärtner beauftragte, sich die Tanne und deren Gesundheitszustand doch noch einmal genauer anzuschauen. Weil aber Gärtner sich zwar mit Tannenreisig, weniger mit betagten Tannenbäumen auszukennen pflegen, beschloss man im Rathaus, zusätzlich noch den Rat eines Baumsachverständigen einzuholen. Dessen Gutachten fiel eindeutig aus: Am Stamm bestätigte er zwar in ca. 11 m Höhe einen halbseits sichtbaren Tannenkrebs sowie an dessen Holzgeschwür auch schon einen Fruchtkörper des Weißfäule verursachenden Feuerschwamms sowie mehrere Spechthöhlen. Doch eine akute Gefährdung der Passanten auf dem Forstweg schloss der Experte rundweg aus. Vielmehr weise der Baum das typische Erscheinungsbild alter Weißtannen auf. Selbst ein Stammbruch in Höhe der Krebsstelle, wie er nicht gänzlich auszuschließen sei, müsse nicht zwangsläufig eine Gefahr für die Wegbenutzer bedeuten, denn der Baum stehe drei Meter vom Fahrbahnrand entfernt, so dass die Krone im Falle eines Bruches, der Schwerkraft folgend, eher nicht auf den Weg stürzen werde. Weil sich unterhalb des Krebsstelle bereits ein kräftiger Ast kandelaberartig empor zu richten begonnen hatte, könne die Tanne auch ohne ihre (bereits zweite) Krone möglicherweise noch über Jahrhunderte weiterexistieren, ein maximales Alter von 6 bis 700 Jahren sei schließlich für Weißtannen verbürgt. Allenfalls die Sitzbank solle man aus dem potenziellen Gefahrenbereich versetzen, damit aber sei der Verkehrssicherungspflicht einstweilen Genüge getan.

Wie es sich in der Stadt herumgesprochen hatte, soll – ausgerechnet! – der Rat eines Höhlenbrüterexperten den Förster dazu veranlasst haben, die Fällung des geschützten Naturdenkmals zu beantragen; was der Ornithologe freilich entschieden zurückweist. Vielmehr habe er anlässlich eines Revierbegangs mit dem Förster auf dessen haftungsrechtliche Bedenken hin auf einige Dürräste in der Krone aufmerksam gemacht, die man im Zweifel ja würde beseitigen können. Keinesfalls habe er zur Fällung geraten, sondern auf die Bruthöhle des Buntspechts hingewiesen. Diese habe der Förster in seiner Empfehlung gegenüber der Naturschutzbehörde freilich unerwähnt gelassen – genießen Bruthöhlenbäume doch (gem. § 43 Abs. 2 Satz 2 NSchG) den besonderen Schutz des Gesetzes.

Zwischenzeitlich hatte auch die örtliche Presse Wind von der angeordneten Fällung bekommen und über die Entscheidung der Naturschutzbehörde berichtet. Zwar löste der Bericht in der Bürgerschaft keinen Sturm der Entrüstung aus, gewiss wäre auch kein St. Georgener auf die Idee verfallen, sich nach den Vorbildern von Stuttgart 21 an den Tannenstamm zu ketten, gar die Tannenkrone zu besetzen. Doch Unruhe war aufgekommen, und manch einer hat auch seinem Unverständnis Luft gemacht. Durch die Proteste, vor allem aber durch das Gutachten des Baumsachverständigen sah man sich immerhin dazu veranlasst, die Entscheidung auszusetzen. Von Seiten der Naturschutzbehörde wurde jedoch eine gerätetechnische Untersuchung der Standfestigkeit des Stammes verlangt sowie die Beseitigung von Dürrastmaterial mit Hilfe einer Hebebühne. Viel hatte dennoch nicht gefehlt, und die Schillertanne wäre ums Haar beseitigt worden! 

Was sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bis in alle Amtsstuben herumgesprochen hatte: Am 6. August 2010 sind einige geringfügige, für die Verkehrssicherungspflicht jedoch desto bedeutsamere Änderungen des Bundeswaldgesetzes in Kraft getreten. So wurde die durch die Bundesländer umzusetzende Rahmenregelung, wonach (im § 14 Abs. 1 BWaldG) das Betreten des Waldes „auf eigene Gefahr“ geschieht, ergänzt um einen klärenden Satz: „Dies gilt insbesondere für waldtypische Gefahren.“ Schon zuvor hatte die forstliche Fachpresse (16/2010 AFZ-DerWald) über ein Urteil des Landgerichts Saarbrücken (vom 3. 3. 2010, Az. 12 0 271/06) zur Verkehrssicherungspflicht der Waldbesitzer auf Waldwegen berichtet. In ihm wurde die Klage einer Waldbesucherin abgewiesen, die durch einen herabfallenden Eichenast schwer verletzt worden war. Sollte etwa keine „waldtypische Gefahr“ sein, was schlimmstenfalls von der Schillertanne drohte? Mag man an öffentlichen Straßen und Schienen noch jegliches Verständnis aufbringen für haftungsrechtliche Risiken und allfällige Präventivmaßnahmen, auch für Übertreibungen aller Art: Längs von Waldwegen indessen, zumal weitab von Siedlungen im Bestandesinneren, sollten andere Maßstäbe gelten: Nach dem erklärten Willen des Gesetzgebers sollen Förster und Waldeigentümer hier „die Kirche im Dorf lassen“ und also auch mehr Toleranz walten lassen angesichts altehrwürdiger Baumdenkmäler, Spechtbäumen und Baumruinen, den waldtypischen Gefahrenquellen. 

Ließ sich die Tanne nun vielleicht doch noch retten, oder hatte sich der Krebs inzwischen weiter durch den Stamm gefressen und so die Gefahrenlage „atypisch“ verschärft? Knapp darunter hatte sich bereits ein mächtiger Ast kandelaberartig empor gerichtet mit erneuter  Aussicht auf eine Ersatzkrone. So könnte die Tanne trotz eines Stammbruchs den St. Georgenern weiterhin erhalten bleiben – wer weiß, womöglich bis zum 250. oder gar 300. Todestag Friedrich Schillers? Wo sie hier doch Erfahrung haben im Umgang mit „Gedächtnistannen“: Spätestens seit 1719, als der hiesige Vikar und Magister der Philosophie Friedrich Wilhelm Breuninger sein dickleibiges Buch über die „wahre“ Donauquelle veröffentlicht hatte. In ihm hatte er im Auftrag des württembergischen Herzogs den Nachweis zu erbringen bemüht, dass die Donau nicht etwa in Donaueschingen, sondern am nahen Hirzbauernhof entspringt. Sein Beweisstück: eine gewaltige Wettertanne, die man auf dem dortigen Weidfeld schon deshalb nie gefällt habe, weil sie seit Urzeiten dem Andenken an die Donauquelle gewidmet gewesen sei.

Doch am 11. Mai 2022 erschien im Lokalteil der Tageszeitung ein ausführlicher und bebilderter Bericht unter der Überschrift Gibt es bald eine Schillertanne 2.0? Darunter: Gemeinderat: Das Naturdenkmal im Stadtwald könnte wegen Tannenkrebs zur Gefahr für Passanten werden. Die Stadtverwaltung wolle die Gefahr gerne aus dem Weg schaffen und den Baum fällen lassen. Bei einem Naturdenkmal sei dies allerdings gar nicht so einfach. Weshalb Gemeinderäte, Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter zusammen mit Forstrevier- und Forstamtsleiter sich bei einer Waldbegehung vor Ort ein Bild von der aktuellen Situation verschafft und über das weitere Vorgehen beraten hätten. 

Das Ergebnis der Beratung, in die auch das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde miteinbezogen war, liegt seit Februar 2024 vor: Zu besichtigen ist eine stark verstümmelte Tanne, die in ca. 15 m Höhe als Biotopbaum in Wellenlinie rot gekennzeichnet ist, wobei auch die Spechtlöcher in roter und grüner Farbe umrandet wurden. Ein Haufen Astwerk mit und ohne Nadelgrün ist noch am Stammfuß gelagert und lässt ahnen, wie viel der Tannekrone entnommen worden ist – alles in Allem ein überaus gewöhnungsbedürftiger Anblick! Immerhin ist der Kandelaberast weitestgehend verschont geblieben, und so bleibt eine Restchance, dass die Schillertanne den baumchirurgischen Eingriff doch noch überleben wird. 

Baumchirurgische Verstümmlung

Und sollte der Hauptstamm mit seinen Bruthöhlen und mitsamt dem Nebenwipfel doch nächstens das Zeitliche segnen, so wissen die Förster dem Bericht zufolge heute bereits Rat: Ein Stück weiter unten, mitten im Bestand und abseits von Wegen steht noch eine zweite Tanne, die nach Alter und Stärke, wie auch nach derzeitigem Gesundheitszustand das Zeug zu einem Naturdenkmal hätte, sofern die Naturschutzbehörde mitzieht – die „Schillertanne 2.0“.  So oder so: mit Unmutsäußerungen der Bergstädter ist wohl eh nicht mehr zu rechnen, wo doch auch das Andenken an den Dichter Friedrich Schiller weit in den Hintergrund getreten ist in unserer krisengebeutelten Gegenwartsgesellschaft.

Schillertanne 2022
Schillertanne 2024
Kronenloses Naturdenkmal 2024

1 Hockenjos, W.: Schillertanne – ein Lehrstück. Naturdenkmal am seidenen Faden der Verkehrssicherungspflicht. AFZ-DerWald 4/2011

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