Amalgam, Gottfrieds Lade, Uhremacher Riehle und Getti Beppi Kramer

überarbeiteter Beitrag vom 16.02.2021

„Hai,Hai,los, mirgond„

Uugeduldig ruefts dorchs Huus im Lassberg. „ Heinz, jetz sind er frisch aazoge und scho wieder dappsch i die onzig Drecklache, s Hubertle häsch au verlättertet, zienet frische Kniestrümpf aa ! dass mer eich z Hifinge zoege khaa. Hond er Zai fescht bürschtlet und d Fingernägel putzt ? Dorle , du nimmsch d Mechtild a d Hand, ab gohts. Mir gond, jetzt laufet zue bigott“. Die Fünf Mauze hoppet gattig am Rothuus vorbei gege de Bahhof. Dä gohts über de Iisesteg a de Labrante, geg de Schützeberg mit em Pavillion, em Bellvedere. A Aamedshofe vorbei verzellt d Motter no die Gschicht vum Viktor v. Scheffel über de Jüngling, Kreuzfahrer und Maidlischmecker Juniperus, der mit dem Sevelpalme. Und scho sim mit dene kortzwiehlige Gschichte vu de Motter, vum Klärle, am Schächerkäppele. Wie sichs für e streng liberal- katholische Famile ghöhrt, word dä no e Vater Unser und e Gegrüsset seist du Marial betet. Au dä verzellt d Motter, e halbe Hifingerei, die Heiligegschicht vu de Schächerkapelle und die Sage vu de Schächerkatz dezue. D Mechtild isch noch dem lange Weag scho ganz schee muuggig und drum muess sie de wuselig Heinz, dem goht de Moscht nie uus, uff de Buckel nähe und bis zum Onkel Ernscht i de Eschingerstroos trage. Dä word gschellet und es giht e gross Halloo. De Onkel Ernscht kunnt uussi, de Sohn, de Siegfried, d Tochter , d Tante Anny und de hinter, e weng hännefiddlig, d Tante Else, d Frau vum Ernscht. Sie isch e Sächsin bei Dräsden und liidet drum als derartige Fremdsprochlerin ziemlich im Huuswese und im Boor- Städtle. De Onkel Ernscht isch en erfolgriiche Zahnarzt, en Dentischt, und de Sohn Siegfried hät au scho e Behandlungszimmer im Huus und unterstützt scho anerkannt und globt de Vater Ernscht. Hifinge und halb Eschinge goht wegem guete Ruef und de nit ganz unumstrittene vergangene Beziehunge zum Kamerad Ernst Kramer gi Zai mache lau. Gi s Klavier richte lau, wie mer au salopp sait. Die jung Tante Anny, d Tochter vum Ernscht, isch au mit eme Zahschlosser verhierotet, mit em Preise Karl us Aamedshofe. Die beide triebet au scho erfolgriich e Dentischtebuddi z Blumberg um. Dä, im Schmelztiegel der Nationen uff de Boor, gihts i de Mühler, me kennt au sage i de Muhlsteibrüch vu dene Bergwerks- Haudege, fascht soviel zum Bohre, wie zu de Doggererz Bergwerksziit z Blombe i de Doggererz- Stolle. E guets Gschäft für Zahschlosser isch au de legendär und berüchtigt Boxclub Blumberg. Vu dene Max Schmeling Nocheiferer hät kaum no on die vordere Zai. Also vill Arbet für de Karl mit Gebiss mache. Im Geld aber muess er bei dene Schlawacke aber immer schwer hinnedriirenne.


Else, Amalgam aariehre ! aber zack, zack !

„So Klärle, wen nemmer mer z erscht draa ? Guet, die klei Mechtild. Die andere sollet in Garte, d Anny isch au grad uff Bsuech, no kennet sie mit em Ingridli spiele„ Dä, im pflegte und schee möbilierte, herrschaftliche Garte stond Schaukle, Sandkäschte und Spielsache die iis immer e grosse Freud und Spass machet.
Iiseri Kleini nimmt im grosse Patientestuehl platz, d Motter hebt ere eweng s Händli und hät e frisch, wiis Sackduech parat. De Onkel Ernscht nimmt uff me Art Baarhocker, der mit feinem Leder beschlage isch, platz. So Baarhocker wered später mol, wie mer no sehne wered, au e grosse, uusägliche Liedeschaft vum Onkel Ernscht. Drei, vier Zängli. silbrigi Hääckli und e winzigs Spiegeli leit er z reacht, de riesig Lampebolle word aaknips und de schattelos Strahl uffs Muul uusgrichtet und des Bohrergstellaasch word uusmöbiliert. Der Bohrergalge mit 2-3 Glenk, mit silbrige spiral- Triebrähmli und eme handliche Bohrfuetterhalter isch s angschiiflössend Gschierr i dem Raum und macht en sorrige, giigsige Contertenor- Ton. „ So , mach mol s Muul uff, Kleini, ganz guet, do hät s Klärli als Zahputzgendarm guet gschaffet. Aha, koe onzig Loch, dir momer nuu eweng Zahstoe abschliefe.“ Jetzt kunnt des Bohrergstell i Iisatz, es fangt a i hohne, gruusige Tön zum Sorre aa. En Polierbohrer word iigsetzt und eweng a de Zähnli ummegschrupperet. „Guet isch, Maidli, Klärle, kaasch se abilupfe, bisch Tapfer gsii. Gang ussi in Garte zum Spiele. Bring mer de näscht, Klärle“ Jetzt kumm ich draa und e weng goht mer s Klämmerli scho. Wieder die gliich Prozedur, aber desmol endeckt er e Loch. „ A4, obe, Else riehr Amalgam aa ! Uffpasse Biebli, jetzet bohremer e klei weng, Mosch ganz tapfer sii. So des hetemer, no verputze mit Amalgam und denno kaasch wieder Eis und Malzer schlecke uhni dass es die im Muul elektrisiert. Klärle , s Näscht “ Au beim Dorle find er nuu oe Loch und sie isch sowieso die Geduldigtscht, Liedensfähigscht und Tapferscht vu de ganz Famile. Au hit no. „Heinz du Strolch, kumm inni, häsch wieder d Maidli zwickt und pfätz und ploget, du bisch doch en Oberbandit“ De Heinz gilt als hertgsottene Eisefuess i de Stadt, dem nähmert z Noh kumme derf. Er wacht über iiseri Maidli und au über mich wie en scharfe Hofhund. Aber uff em Zahnarztschragge isch er en Hoseschiesser. De onzig wo drääset und joomeret und kum stillhebt. Natierli hät er, halt au eweng disziplinloser bim Zaiputze wie mir andere Kinder, gar zwei Löcher wo bohret, gstopf und verschliffe were mond. Sogar de zäh und hertgsotte Onkel Ernscht isch froh, wo ner den scharrige Satansbroote ab em Stuhl hät. Bei de Cousine Klärle muess au nuu Zahstoe grasplet were. Dass de Vetter Ernst gearn eweng noh a de Wiiber aalohnet und sogar vor de nette, mit keltischem Uusähne uusgstatte Cousine, die warm Nähe suucht, des büglet s Klärle couraschiert ab. D Sächsin „Äelse“ moss des all im Hintergrund vielmol aagucke und liide. „Jetztet goht s no in Garte, Else, mach dene Kinder no en Kakkoo, bring en siesse Silberperle Sprudel und Breetli. Siegfried, lass emel noo und kumm au uussi, wenn s Klärle scho mol do isch“ Silberperle Sprudel gihts nit all Tag und so gueti Breetli vum andere Bue vum Onkle Ernscht, vum Konditor Karl- Heinz, des isch erscht reacht en seltene Gnuss. So isch de erscht Bsuch z Hifinge scho e Freid und e unterhaltsams Erlebnis.

Beim Vetter Gottfried im Lade:

Die ganz Bandi rennt jetzet frsich gstärkt die paar hundert Meter geg s Städli. Dä am Peterstörle, wie mer dere Engstell zwische de Kirch St. Verena und em Schoofbuechelade sait, stürmemer de Kauflade vum Onkel Gottfreid. „Ja wa kunnt denn do, Gute Tag Bäsli- Klärle, bisch wieder mol mit de ganze Bagage do z Hiefinge. Hai kumm inni und verzell mer s Neischt vu ei und us Eschinge. Verena, bring dene Kind en Sprudel und e paar Malzer. Im Klärle e Likörle und mir en dopplete Rossler. Soso. Bim Ernscht warteter scho. Du, guck emol, do hanni no e neis Biechle; „Mi Boor mi Hoemet“. Des schenkt i der, no hät de Frieder au ebbis zum Lese am Obet, wenn die ganz Kinderbandi im Nescht isch. Ah soo, jetzt gond er zerscht no zum Riehle Wilhelm ums Eck ?, Schee dass er do waret und de Vetter Gottfried nit vergesset. Also Adee, bis denno wieder im Herbscht“.


Uhrmacherluupe, Holzfuess, Ohreringli bim Wilhelm Riehle i de Weitegass:

Die ganz Bloos rennt jetzt ums Eck ummi i d Weitegass zum kleine Lädeli vum Uhremacher Wilhelm Riehle. Des isch de Haus- und Hofuhremacher und Lieferant für Kettli, Kriezli, Uhre und Schmuck für die ganz Familie. I dere grosse Familie gihts ständig Geburtstäg, Kommunione, Taufe , Feschter, Firmunge womer ebbis netts und uuvergänglichs zum Schencke hät. D Maidli grieget Ohreringli, wo mer Löchli steche muess, zu de Kommunion en Roskranz oder au vu de Oma e goldene Uhr und zu de Firmung e Kriezli mit eme goldige Kettle. Hit sticht de Riehle, desell hät immer so e Uhrmachluppe i om Aug innizwickt und en Holzfuess,e uuseligs Kriegsaadenke, de kleine Mechthild Löchle i d Ohrläppli, weil des Äffli zu Oschtere die erschte Ohrringli grieget. Er huckt uff me runde, oefiessige Drehstuehl am Fenschter zum Liicht und käsperlet präzis und feinfühlig a ere Sackuhr ummenand und isch umgähe vu winzige Werkziig, Schruubezierli, Pinzettli, Zängli, Zahrädli, Lupe und Pinseli, die alli uff me Samett- Teppichle akkurat parat nebeenand lieget. D Mechtild word e weng abglenkt vu de Motter und scho hät de Riehle s erscht Ohrläppli gstoche, es rennet zwei Tröpfle Bluet uss und denno kunnt au s ander Orläppli draa. Tapfer hät des Maidli stillghebt und nuu paar Tränli rennet am Bäckli abi. Hoffahrt muess halt au liide. So, au des vum Hifinger Bsuech isch erlediget und me verabredet sich uff de Ostersamschtig zum Uussueche vu dene Ohrringli. D Ladeschelle macht Ding – Dong und mir wetzet gattig devuu.

Tante Emme und de Getti Wilhelm „Beppi“ Kramer, de letscht Städlibuur.

Zum näschte Bsuech sinds nuu paar Schritt ums Eck ummi, i de Süess Winkel, zum Getti vu de Motter Klare, zum Wilhelm Kramer oder, wie er im Städtli hoesst: Zum Kramer Beppi. Desell isch on vu de letschte Städlibuure, der all no kon Kramer 13 PS Alleschaffer hät und all no mit de Stier und Kuhefuhrwearch uffs Feld, gi Heibe und Öhmde, Herdepfelhacke und Mische uusfahrt. Bis er uff de Äcker mit sim klepprige Iisereife- Loeterwage a de Lorete oder am Siirebrinnili isch, sind die andere Buure mit ehrne neie, naglende Diesel- Bulldogg, mit Gummiwäge draa, scho bi de zweite Fuhri. De knitz und boemager, en Hämpfling isch er, de Getti Beppi. Er wohnt im zweite Stock im Kramer- Eckhuus und gegenüber vum Gässli isch sin Stall, wo er die klepprige Wäderkiehli, de Stier, e paar Goesse und Hiener iiquartiert hät. Es isch e hohlose Buureschafferei, bei dere er vu de walküreartige, on Kopf grössere wie de Beppi, de Tante Emme, e gebürtige, Döggingerei, fliessig und schaffig unterstützt word. Statt „suscht“ sait sie „suss“, wa ere i de Familiechronik de Übername „De Suss“ iidrait. D Tante Emme und de Beppi hät gwisst, dass die ganz Eschinger Bagage kunnt und uff Punkt Zwölfi hät d Tante Emme en grosse Hafe selbergmachti, dampfende Nuddlesuppe uff em Tisch. Dezue gihts alls us em oegene Huus- und Buurewese: En grosse Krueg kühle, frischgmolkeni Milch, wahrschienlich vum beschte Kühli, de Alma. Dezue en Riebbel Buurebrot mit eme wunderbare Guh und mit frischem Anke, wo no Wassertropfli bim Striiche uussispritzet. Die Beide sind kinderlos und hond für die ein- zwei Stunde, wo die ganz Bandi im Huus ummistricht, e grossi Freid. Sind aber au froh, wo wieder bald die gwohnt Ruhe is Huus iikehrt. Oe Attraktion isch im muffige Untergschoss: en alte Webstuhl vu de Vorfahre, die alli Weber waret und dene ihr Webgstellarsch de Beppi no i Ehre haltet, bis es bald emmol no ganz vermauchet isch und verkheit. Zum Abschied griegt jedes Kind no e greichte, duftende Brotwurscht als Wegzehrung und wieter gohts mit Karacho gege s Spitaltor.


Friedhofsbsuech

A de Bregbruck, korz vor em Friedhof, word natierli, wie sichs für e fromme Familie ghört, no schnell e „Gruesst seist du Marie“ vor em Heilige Sank Nepomuk bruddlet. Desell soll helfe, dass s Städtli nit bei dene Breghohwasser absuuft. Helfe duets aber doch nit all. Uff em Friedhof wered no alli Gräber vu de Hifinger Vorfahre bsuecht. D Motter woes gnau wo die alli lieget und a jedem Grab word no mit em alte Rasierbemsel oder eme Sevelpalme , wo im Weihwasswerkesseli a jedem Grab liet, e „Ruhe in Frieden“ gmurmlet und drei mol Weihwasser bemslet.


Bim Onkel Karl i de Autowerkstatt und de Tante Idde und de knorrige Tante Marie, de Kramer- Engländere.
De buebegrechtescht Bsuech stoht jetzt no aa. Bim Onkel Karl, im Opel Autohaus und Tankstell Schmid i de Schaffhuuserstross dürfet d Buebe mit em güetige und geduldige Onkel Karl eweng dorch die verölt Werkstatt muuse. Dä schmeckts noch Altöl, Gummi, Benzin, Schweissapparat und Kompresser Luft. En Opel Kapitän, en Opel Record und en Gogo hät er grad uff de Hebebühni i de Kur und giht de Gselle und Lehrbuebe Aawiesung, wa sie schruube mond, nochfille und iistelle sollet. D Maildi sind scho bei de Tante Idde und de Grosstante Marie i de guete Stubbe gie en Kakoo trinke. D Töchter vum Karl und de Idde, d Helene und d Elisabeth, hond Tankstelledienst und kennet nu ganz korz emol i d Stubbe innischaeche und eweng wunderfitze, wa die Eschinger Bandi so triebt. Und i jedem Kind schenket sie e Relleli rappeschwarze Bäredreck us em Tankstellekiosk. Natierli zogatet mer wieder über de ussergwöhnlich Uffenthalt vu de Tante Marie in London, wo sie als Junge Frau i „Stellung“ bei riiche, brittische Gschäftsliit war und ganz guet Oxford Englisch glehrt hät. D Motter kaa au no eweng Englisch und giht genauso mit e paar englische Sätz aa , wie d Tante Marie. Des hond beidi scho manchmol hoffährtig uussighängt. Und natierli hät d Tante Marie und Tante Idde verzellt, wa de Bue Ritschert und d Selma, die Uswanderer gi Amerika , gi Tomaston/ USA, so alls triebet und wa de Enkel- Bue, de Ritscherd- Wendelin II so macht und ob und wenn sie wiedermol i d Hoemet kummet zum de Uhrehandel mit Old Germany am Lebe z haalte.

Hoem gohts mit em Bregtäler i de Holzklass

Mensch war des wieder en Tag do z Hiefinge bei de Verwandschaft. Wieder vill erfahre, vill vu de Verwandschaft mitgriegt, d Werkstatt mit dem Riesbolle vu Auto, em Opel Kapitän, erlebt und vor allem die Stroriax vum Onkel us Amerika stolz genosse und und im Kopfkino uusgmolt. „Wa du häsch en Onkel z Amerika“ wäret sie Morge i de Schuel wieder frooge und erhabe und aageberisch saisch denno: „ Yes, his name is Ritscherd Kreimer“.

Weil alli ziemlich kaputt sind gomer as Hifinger Bahhöfle und passet der Bregtäler Arbeiterzug um Fievi ab, wo scho Arbeiter us Briilinge hucket und no e ganze Horde vu Sägwerksarbeiter vu de FF – Holzwerk uff de Fierobetzug wartet. D Motter moss no e Familiekärtli für so uugfähr Oe Mark am Schalter löse, bevor mir iis mit de Sägwerker zemet i de Bregtäler innizwänget. De Motter machet die noch Holz, Sägmeahl, Schweiss und Carbolineum stinkende Holzwürm uff eme Holzbank platz und mir Kinder stond im Gang, hebet iis a de bäppige, schweissige Lederrähme , die vu de Decke abi hanget und sehnet nomol d Schächerkapelle vu hinne, z Amedshofe d Juniperusquell, am DJK Platz de Lokfriedhof, denno s Drehkriez am Lokschuppe, de Steg a de Labrante vu unne und s Stellwerk am Eschinger Bahhof und scho simer wieder dehoem.

Jo so, wars, des mit em Almalgam, em Sprudel, de Nudlesuppe, de Brotworscht, em Ohrläpplisteche, em Holzfuess vum Riehle, em Benzinguh und em Bäredreck vum Tankstellekiosk und em Onkel us Amerika.

Heuernte in den 1930ern

Quelle: Historisches Filmmaterial aus dem Nachlass von Ernst Kramer. Die Veröffentlichung dient ausschließlich der Dokumentation der Hüfinger Ortsgeschichte. Sollten Rechteinhaber Einwände haben, bitten wir um eine kurze Mitteilung.


Solex statt Rolex versus Rupaner Luscht

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

Beitrag vom 2. September 2020

Studenteziit
S` giit nu on Ort uf dere Welt
Wo mir jeder winzigscht Winkel
Ganze Schare vu lebendige Erinnerunge zuewirft
Wo jedes Plätzli i jedere Gass
Ver mich ebs Erlebts, Entbehrts, Uverlierbars isch
Und no en Nochglanz vu dem fabelhafte,
riiche, lideschaftliche Lebe a sich trait
Daß ich als Student do z`Konschtanz glebt han

Hubert Mauz frei nach Hermann Hesse

Ruppaner Gluschte, oder: lieber Solex statt Rolex

„Willste nischt mein Solex, kannste für n Fünfzger ham“
S isch uugfährt anne 1972 und de Studiekolleg Peter Korb, en Nordhesse , trinkt halt sooo gern Ruppaner Bier. De Peter isch dietlich älter wie mir und de onzig verhierotet i iisere Booremer Landsmannschaftrundi z Konschtanz. Er hät scho zwei Kinder, d Pia und de Thilo, und sie leidplogeti Frau isch d Isolde us Trossinge. S Wocheend stoht aa und es isch Friitig Mittag. Mir Booremer Jungmanne gont meistens noch de Vorlesung am Friitig Mittag hoem. Dehoem wartet s Kicke, s Schifahre, d Skatrundi bim Zinke Franz im Büergerstübli und die Eschinger Kumpel zum uff Feschter gau oder au gi Bade, Wandere, Klettere oder Bergstiege.


De Peter hät e rots Velo Solex, die Solex Farb isch ziemli selten und des Mofa, des Motor- Fahrrad wies uff Behördediitsch hoesst, isch z Allemannie au dämols scho e Rarität. De Peter häts vum Saarland, eme Diitsche Velo Solex „Hot Spot“ , dät mer hitzutag sage, gi Konschtanz herbroocht und isch demit vu Wollmatinge all Tag ad Ingenieurschul am Rheinsteig gfahre.
Iiser Allemannie isch halt ziemli bucklig, nu z Friiborg, Lörach, Offeborg, Konschtanz kummt mer mit nuu 0,7 PS grad so uus. So wenig PS isch ver des krumm und bucklig Land zum mit so me Mofa ummenand z Kessle oefach z mickrig. I iiserm Gai, bsunders im no buckligere Schwarzwald , bruucht mer scho 3 – 5 Ps oder gar no meh, dass mer die Bickel und Halde uhni mittrette uffikunt. Do sind ebe NSU- Quickli, Zündapp, Hercules oder gar, für die ganz Schnelle, Kreidler Florett gfrogt. Die Kärre derf mer ab 16 Johr mit em 4-er Füherschii scho legal fahre. Vorher natierli scho schwarz uff de Wald und Feldweag. Oder au z Nacht i de Stadt, wenn d Plenker, wie d Polizei im Jugend- Jargon hoesst, im Adler hucket und Skat spilet und on Halbe noch em andere suufet bis sie um 1:00 mit em Opel Kadett oder NSU TT hoemfahret. Oder sie lond sich vu de Kollege uff Streifefahrt hoemfahre. Wenn am andere Morge de Streifewage verkotzet war, wars natierli der verkumme Landstriicher, den mer, kanonevoll vu billigem Fusel, i d Uusnüchterungszelle, penibel uff me Rodel protokolliert, broocht hät. Dass mer de Kolleg, de Kumpel au voll hoembroocht hät, des stoht dä uff dem Protokoll natierli nit.

Noire Traditionel

Vu de Studentestadt Friiborg, wa jo au ziemli noh a Fronkreisch liit, hät mer nebe Baquett, Gauloises, Gitanes und Absinth die Solex- Mopedle au scho kennt. Uff de Boor dierft dämols fascht koe onzigs ummenandpufferte sii. * So wie hit eigentlich immer no.


„La mi mol fahre „ sag i zum Peter und fahr grad mol de Rheinsteig uffi und aabi. „Du musst nur an dem Hebel über dem Kolben den Motor aufs Vorderrad legen, und paar Mal treten, dann schnurr das Ding gleich los, wenn de Halten willst, musste nur einfach bremsen“. “ Wo isch do denn de Gangschalter und d Kupplung ?“ frog i de Peter. „Das Teil hat keene Schaltung und nischt mit Getriebe“. „Und wa bruuchts Spritt ? , nur 1,2 Liter Mischung uff Hundert Kilometer ? und es rennt tatsächli 35 Sache uff de Ebene ? also guet, ich nimms. Do häsch den Fuffzger„.

Den han i grad als Vermessungsghilf am Wocheend mit em Bodo Hüttemann zämet beim Luftbildkartiere verdähnt. Ab jetzt fahr ich 2 Johr lang nimme mit em Rote Arnold, dem Konschtanzer Stadtbus, vum Bismarkturm z Wollmatinge an Rheinsteig, sondern mit em rote Ur- Solex. Am Dunschtig Nacht, wenn mir Booremer zum Wocheuusklang dorch d Niederburg , is Wiiglöckle, de Franz- Fritz, de Baarbaraossa, de Stefanskeller und s Grenzstübli ziehnet, fahri meischtens au mit paar Promillili und e paar Schlangelinie wieder hoemezue mit em Velo Solex. Beide ziemli volltankt. Wenns ganz hoess isch am Mittag und konni Klausure uumittelbar aastond, au as Hörnle oder s Kuhhorn gi badde und de Linzgazer Maildi zuegucke. E Solex isch e prima Gschier, des merk ich schnell und gniess sell während dere einmalige Konschtanzer Ziit ganz dietlich. Der Fuffzer war guet aagleit und de Dreschflegel kalberte immer no uff de Bühni: Denn zwischeziitlich dät ich wiit über en Tausender in €, wohlgmerkt, für des Solex griege. * (Z Eschinge soll oes gschnurr sii, bim Schneider Jürgen.) De Peter, der leider vor paar Woche, erstuunlicherwiis nit a Leberzirose, gstorbe isch, hät den Fuffzger zum Leidwese vu de Isolde bestimmt am gliiche Wochenend dorebroocht, versoffe und amend au verwieberet. Wenn d Isolde Glick ghet hät, isch er ihre am Sunntig Obed nit an Geldbeitel gange und hät ere de letscht Fünfer au no versoffe. Uff jede Fall war der Fuffzer für ihn uuwiederbringlich fort. Uneintreibbare Aussenstand im Gegesatz zum mim guet aagleite Fufzger Iisatz.


50 Mark, 50 Kubick, 50 Johr

Woni no wieder dehoem uff de Boor war, han i Fortbewegungsmittel mit 4 Räder bruucht und dietlich meh PS und höhere Gschwindigkeite. Baustelle und Projekt hinter Villinge, im Ostschwarzwald, später im Breisgau , im ganze Südweschte und no später z ganz Diitschland, kaasch mit em Solex hal oefach nimmi abzuckle. S Rot Velo Solex isch in Schopf kumme und d Spinnehuddle hond e Freud ghet und e wunderbaar Grundgrüscht für ihre wunderbare und mystische Netzwerk und Traumbilder.


Wonni denno nimme so vill und so schnell i de Gegend rum pforre han miesse, isch mer des total iigwobbe, abgschosse , verbleicht Solex wieder mol i d Pfote groote. Erinnerunge sind uffgstige, de Fuffzger, de Peter, die Baizetoure dorch d Konschtanzer Altstad und die nächtliche, kurvige Hoemfahrte mit dem gattige Schnurrerle. Mit em Handfeger kurz d Spinnehuddle abpinsled, guckt ob no Mischung drin isch, e wenig nochgfüllt, d`Michelin Reife nuu e klie weng nochpumpt, 10 -20 Meter aagschobe und: aatrete und : tuck, tuck , tuck, brumm, brumm, brumm, brrrrrrrr, es rennt. D Mickene dont au grad no. 35 Johr isch es gstande, so 60 Johr alt und immer no, oder au wieder Kult. Über 6 Mio. mol hond d Franzakke des Kärreli baut vu 1947 – 1982. Ganz oefach, genial, ohni Gang, Getriebe, wartungsarm, guet reparierbar sogar für uuerfahreni Schruuber, halt so wie au die Ente, de 2 C V au. Denno war es zmol altmodisch, untermotirisiert und nimme gfrogt, nimme verkaufbar. De VW Käfer isch übrigens nuu 3 mol soviel baut wore, nämli so 20 Mio. mol weltweit.


Sonnen König

Wa aber mol Kult war, kunnt zruck, word wieder Kult, fascht wie vu Geisterhand und über Naacht.
De Rote Renner han i nit nuu abgstaubt, sondern au eweng uffgmöblet, gschmiert, gwartet, iigstellt, putzt. Es rennt wieder wie e Örgeli und hilft mer beim Milch hole bis Schrenke- Michbuure am Weiherbach, bim Pilzsueche am Halleberg, bim im Wald und Feld ummistruehle und zum is Kino an Riepleplatz gau, wenn s Guckloch unter dene umtriebige Manne unterm Henry Probst au Kult zoeget, nämlich Kultige Film wie jetzet am Friitig Obet: „25 km/ H“ en wunderbare, poesivolle, amüsante, unterhaltsame, ehrlich gspielte Film über zwei schreege Kerle, zwei Brüder, die i de Jugendziit devu troomt hond mit ihrne Moped emol vu Villinge a d Ostsee z Fahre. 30 Johr später als Mitlive- Latschi machet sie den überzwerrissne, gattige Fortz, nochdem sie de Vater beerdiget hond und alli Vernunft und Aapasstheite für paar Tag über de Huufe werfet, oefach spinnig überbockle lond.


Irgendwie bin i jetzt am überlege, ob i des denne nochmache sot. Immerhin han ich zwischeziitlich e Uuswahl vu vier fahrbereite, guete, original- verschiedefarbige Velo Solex. S Rot, s verbleicht, abgschosse, des bliibt wie es isch. S word nit hochglanzpoliert, gstrieglet und bieglet und uffgmotz zum Poose und Aagähe. De Guu vu de sparige Benzin- Zweitacktölmischung muess mer i de Nase schmecke kinne, d Auge mond vu de matte Patina die gattig Ziit vu de 69- er, 70 – er Johr, vu unsere unbeschwerte, pralle Jungmanneziit ablese kinne und Ohre mond us em Schnurre, brummle, de Fehlzündunge die Wunderwelt us em allemannische Wirtschaftswunder ablausche kenne.

Jo so wars, i de 70-er. Loset genau änni, bald vergiss ichs nämli.


Allez le Bleu

Lieber Solex statt Rolex

Mi Solex rennt sit fascht sechz`g Johr,
Zerscht z` Konschtanz, jetzet uff de Boor
Mit grad me Liter kunsch gi Zuffehuuse
Dä bauet`s Kärre, es isch zum Gruuse

Die Bruuchet für den gliiche Weag 30 Liter
Ich mon des sei doch ganz schee bitter?
6 Gäng, -4 Liter- Triebwerk, riese Bolle
Die gänz bigott granate gschwolle

Mi Solex bruucht so Fürz gar nit
Koe Schaltung, Kupplung, e kleini Schnorre Sprit
Des Kölble, grad mol fuffzg Kubik
Triebt`s Reibrad aa, und des ganz quick

Sell Reibrad kippt uffs Vorderrädli
Des draiet schnell und ganz schee keckli
Dieselle Akku- Strom und Fuulenz- Geppl
All zweits Johr en Akku, sait min Spezi Seppl

Mi Solex rennt mit wenig Sprit
Und des isch jetzt de grosse Hit
I dere Ziit, siit des mich zieht
Briechts Seppli fascht 30 Akku- Kit

Öko- Ökonomisch goht des uff
Die Solex Manne, die hond`s druff
Sechs Millione so Verbrenner
0,7 PS, des waret wirkli konni Penner

Energetisch bringt de Sprit am meischte
Do könnet d` Ökologe, gosche, beischte
Untermotorisiert, so hoesst de Trick
Drum hät mi Solex den bsundre, den fronzössche Kick

Ducati, Harley, BeEm Weh
Do dont der jo scho d` Ohre weh
Ich bruuch koe Junghans und koe Rolex
D` Hauptsach isch, ich han mii Solex


Hiefinger Wasserleitunge

Beitrag vom 21.02.2022

vu Galg- Gamp- und Schwengelpumpe und vu Elektropumpe

Verzeller :
Gschechteverzeller sottet konni Bewies hinverribringe Sie sottet Träum hinterlau
Dene mir aagregt nohsinniere kennet

Busage, Heiratstreffpunkte beim Tränken a de Sierbrinnili
Tränke mit Turteltauben

Uhni Wasser isch Alles nint

Bis zu drei- vier Stunde vu de ganze, lange Tagesarbetsziit hät mer im Buurewese uff de Boor fürs Versorge vum Huuswese mit Wasser bruucht. Au z Hifinge, z Belle, z Huuse, Sumpfohre und z Mullefinge. D Hifinger Buure waret do sogar no gut draa. Die hond nämli s Wasser mit Schwengel- oder Kolbepumpe us em kiesige Bode vum Bregschwämmfächer unne uffi pumpe kinne. Im Uffsatz vu de Hannah über d Wasserversorgung sieht mer e wunderschee Bild vu ere iisene Schwengelpumpi.

Brunnen bei der Lägel mit Elisabeth Heinemann (Grießhaber)
und ihrer Cousine Marie Heinemann (Nober).
Marie Heinemann war die Tochter von J. Nepomuk Heinemann und Elisabeth Reich.


Und d s Wäschwiib am Berkanal macht diitlich wievil Uffwand und Ziit d Wiiber, Mägd und Kinder alloenig nuu vers Wäsche uffbringe hond messe. Do isch s Viehtränke no gar nit iigschlosse.

Waschfrau am Mühlebach

Die schlaeue Römer honds eweng gschieder gmacht mit ihrem Römerbad. Des stoht a me Ort, wo e Muckeseckili Wasser us eme Gräbli oder ere winzige Karstquelle hinneverri gsuuterlet isch und ihrni Badbecke im freie Gfäll über Tonröhrle gfüllt hät. S Städli selber liit aber i de Tupfebeni i de Bregaue und d Breg liet tiefer wie d Hiesli, d Ställ und d Handwerkerhieser. Au us em herzige Stadtbächli lauf om s Wasser hat doch nit berguff i d Hieser zum Koche, Waesche, Tränke und Putze. Also hond Buureliit am Morge frühe scho s Vieh abkettet und a d Breg, as Stadtbächli und as Siirebrinniligräbli gfüehrt. Und d Mägd, Kinder und Frau hond Huushalswasser au dä hole messe. Drum verehred d Hiffinger au immer no ihr herzig Stadtbächli. Eweng besser isch es wore, wo die erschte Gussschwengelpumpe im ganze Städtli verdoelt, s Wasser us em Kiesbodde unne uffi pumpt hond. I de Eschinger Chronike word vu nuu 6 „ Gamp“ und „ Galg“ – Brunne gschwätzt anne 1880. Des dürfts au z Hifinge vor de Schwengelpumpe Modi so gähe haa. Gampbrunne sind langi Holzstämm zwische ere starke Astgabl glageret, wo en Eimer am ohne End aabunde isch und e Zugseil am kürzere End. Mit dere Gamperei, d Schwiizer saget nit ummesuscht, zum Balkeschaukle „Gigampe“ , hät mer also Wasser us de gmuurete Brunne Gschöpft. Uuwillkürlich stieget om do die Gampbrunnebilder us de Pannonische, de Puschta Ebeni bei de Magyare uff. De Brunne därf aber do debie nit allzu tief sii wegem gringe Hub vu dene Gampbrunne. En Galgbrunne isch e Portalgrüscht, wie en Galge ebbe, mit ere Kurbel zum ab- und ufftribble vu eme Eimer. So wie beim Grächuffzug oder i de historische Burghöf. Uff em Warteberg isch dä des Seil 45 m lang bis emol e Muggeseckili Wasser kunnt. Und uff em Fürsteberg wars no vill tiefer. On Grund worum mer des Städli uffem Jurazeugeberg noch em Brand uffgähe hät.

Galgbrunne Unterkirnach

Des Glück mit dem Grundwasser us em Kiesbode hond aber die Teilortsdörfer nit kaa.

Mullefinge hät bis zum Bau vu me Turbinehuus und eme Pumpehiesli i de Gauche bei de Burgmühli kum Wasser ghet. Erscht wo vu dem Pumpehiesli e Quellwasser a de südliche Halde vu de Gauche elektrisch gi Mullefinge in Hochbehälter hät pumpet were kinne, war die Wassernot ver vill Johr kleiner. (siehe Baarvereinsjahrbuch 2020, Aufsatz Harald Ketterer).

Burgmühle und altes E-Werk in der Gauchachschlucht

Erscht i de 70-er Johr isch es dorch de gherig Aastieg vum Verbruuch wieder eng wore. Me muess sich mol vorstelle: Mitte 1800 war de Wasserverbruuch so um die 10 Liter/ Tag und Person. Bei zusätzliche Viehaltung nomol 5 – 10 Liter meh pro Stückli War. Hitzutag liet er bei fascht 140 Liter/ Tag und Bundesbürger. Und s meischt nuu zum Abtranspotiere vum Lokuswasser. Obwohl mir im Quelleland wohnet, war Wasser, wa im freie Spiegel, also im Gfälle und e klei weng Druck in en Hochbehälter gluttere hät kinne, Mangelwar. Erscht wo de Fürst s Kraftwerk Stalleg baut hät, hät mer uff de Boor des Grundwasser us em Breg- Brigach Kiesschwemmfächer mit elektrische Energie uffi fördere, also i Hochbehälter uffipumpe könne. So hond denno die Baargmonde gliichmässige Druck uff die Leitunge bis i ihri Awese griegt. Und trotzdem häts i dene südliche Dörfer vu Hifinge all klemmt. Wasserversorgung und Strom sind also engschte Verwandte.

Alter Hochbehälter auf dem Galgenberg

Endlich meh Wasser

Ende vu de 70- er treffet sich de Gilli Max, de Schoofbueche Egon, de Schoofbueche Arnold, de Buechholz Auguscht und de jung Bauleiter vu nere Villinger Baufirme a de Wegkreuzung Eichhöf/ Sumpfohre. Es lieget scho bergwies rappeschwarzi Duktili Gussrohr wie Holzbolder a de Weg gi Sumpfohre und Belle. Spatestich hosst so ebbis, wenn e grösseri Baustell aafangt. Hifinge hät sich schwer i Kosten gstürzt beim Bau vum wichtige Hochbehälter a de Lehre, de Hifinger „Wasser- Handgranat“. E neus, markants, rundum sichbars profans Wahrzeiche vu dem ehemalige Römerstädtle. Hit zu Tag noch über 50 Johr ziemli iigwaase und sogar überwase und drum nimme so allsiitig sichtbar.

Hüfinger „Wasserhandgranate“

„Aber jetzt sind mir au mol draa, löset endlich euer Iigmondungsverspreche wege iisere Wasserknappheit ii“ joomeret die Borgermäschterle vu de Teilort Sumpfohre, Belle, (au Fürsteberg), Huuse und Mullefinge unüberhöhrbar im Tenor. Des verspreche word also a dem Tag au operativ endlich mol iiglöst. De Gilli Max hät e Fläschle billige Sekt vum Baum im Mantelsack und fünf Plastiksektgläsli. „Zum Wohl und e Guets Glinge“ hoesst desmol de „Trocke-Sekt“ Richtspruch uhni die obligate Zimmermanne. Desmol halt uhni en Zimmermaa, weils um Humus, Dreck, Wasser, Schlamm, Torf, Sand und Rohr goht. Für Zimmermanne fangt unterm Humus de Bergbau aa. Planierraupe, e Caterpillar D4 mit Moorfahrwerk schiebet uff 12 m i de Braeti de Humus weg, Bagger buddlet en Grabe bis uff Froschtiefe vu me Meter 1,8, de Hifinger Bauhof verdoehlt die Gussrohr vum Bolder eweg am Grabe entlang mit em Unimog 411 und eme selberbaute Rohrnachläufer, d Baufirma macht mit ere CAT Laderaup und Jäckle Sand e Sandbett und die fliessige, starke Bauhofwassermanne verleget die vu de Stadt selber kaufte Rohr vu de Halberger Hütte im Saarland uff des Sandbett. Die exakt und gwissehaft vereleite Rohr wered mit Jäggle Sand und de Laderaup iigsandet, de Grabe wieder mit de Laderaupe CAT 955 zuegschobe und de Humus mit de Moorraup CAT D4, besser wie vorher, wieder tupfebbe iiplaniert. D Buure kinnet gar nit so schnell gucke wie mer am Sumpfohremer Hochbehälter isch und sie glaubets kaum, wie schnell mer scho wieder iisaie khaa mit em Saatguet vu Süddeutsche Saatzucht a de Briilinger Stroos.

Hochbehälter Sumpfohren

„Saperlott, des Zämetschaffe vum Bauhof und dere Firma klappt jo so guet wie no nie“, lobet die Buure und die Bürger. Vum Sumpfohremer Hochbehälter gohts dorch d Stroos und am Grabe entlang gi Belle. Südlich vu Belle mit ere Rohdurchpressung dorch d Bundesstroos und am Hang entlang gege Huuse. Zmols word mer doch kurz uffghaalte. De Schofbueche Egon isch grad uff de Baustell, wo de Bagger dorch e moorigs Holzbengelgwirr baggeret. „Halt, Stopp, des moss im Denkmalamt gmedlet were. Des miesst die alt, 2000 jährig Römerstroos sii“ , sait de Egon und goht, i de Vor- Handyziit, is Büro gi telefoniere. Die Bauigel sind närsch, dass sie i ihrem Tatdrang und Fleiss bremst wered und suufet zum Verdruss im Bauwage e Kischte Bier. Dä hucket die Maschinischte Willi Player, Willi Hüttl, Erwin Stockmayer, Hermann Vikoler und Alfred Grailer am speckige Veschpertisch zämet, machet Sprich und schwätzet Bayerwalderisch. Zu dere Ziit hoesset die Baubbaraber no nit Giovanni, Anselmo, Svonko, Hassan, Bujahr oder wie hit: Nikita und Slavomir. Genau i dere Reihefolg vu de letschte 50 Johr, sondern so, wie mer im Armehuus Bayrische Wald ebe goesse hät und i de 50-er in Schwarzwald gi Fremdarbeite gange isch und au blibbe sich.

Zwei Tag später derf mer wietergrabe. S Denkmalamt verkündet grosskozig, dass sie die Trasse scho lang kenne dätet und scho zig so Knüppeldämm als Römerstroosse gfunde hettet und so Unterbaute villmol dokumentiert hebet. De Egon war e wenig knickt und fascht beleidigt, dass mer ihn so abbüglet hät. Er häts s jo so guet gmond und Wunder waa gmond, wa er jetzet a archäologische Sensation sinere Hoemtstadt hät vermelde kinne. Wundere tuet om aber hit no, wieso die römische Itaker a dem forztrockene Hang so e Bengelgflecht als Stroosse- Matratz baut hond. Au dä hät mer also nit Immer so genau uff Sinn und Zweck und Koschte guckt und im Centurio uffs Wort gfolget. Über den Buck gege Huuse isches denno au mol ziemli nass, schlammig, schmierig wore. De Unimog vu de Staedtler hät paarmol usem Morascht mit de Moorraupe zoge were messe. Südlich vu Huuse a de Waldstross und südlich vu de Kreissstroos isch es wieter gege Mullefinge gange. Über 12 km Rohr sind bis gi Mullefinge i d Nähe vum Dreschschuppe verleit wore. D Mullefinger hond ihre Gaucheleitung uffgähe kinne und alli 4 Gmonde hond für die verbrauchsintensiver Ziit Wasser zueverlässig vu Hifinge, us de Tiefbrunne und em Bregkiesschwemmfächer kaa.
Im Autor isch leider des sicher bierseelig Wasserfescht vorläufig us em episodische Gedächtnis kheit, oder es isch „verrauscht“. Es muess aber stattgfunde haa, weil die Hauptprotagonischte fest- und trinkfreudige Gemeinwohl- Mensche waren. Froge kaa mer konn meh. Amend kennt mer no en Spesenzettel im Stadtarchiv finde?

Wa eigentlich nit so ganz gschied isch, isch de Umstand, dass s meischt vu dem uffi pumpte Wasser mit Fäkalie verdreckt word und als Transportmittel wieder gi Hifinge lauft, oder au sogar pumpt word. Und denno i de Verbandskläralag aakundt und wieder mit viel Stromverbruuch „greinigt“ were muess. Wie hät emol en ETH Professor us Züri drastisch gsait: „ Nu de Mensch isch so bleed und versaut ( sch……… i s ) s eige Trinkwasser“

Ja so wars, und später mol verzellemer die ganz Gschicht vu de gsamte Baaremer Wasserversorgung.

Alter Hochbehälter auf dem Galgenberg

Hier geht es zur

Hüfinger Trinkwasser-Reise

Beerliwieber und Sepples Geheimnis

Beerliwieber vorgelesen von Maria Simon in Mundart

Beerliwieber vorgelesen von Maria Simon auf Hochdeutsch

Bis in die 60-er Jahre waren die Halden, Döbel und Hochflächen des Unteren Bregtales wichtig für den Lebensunterhalt der Bevölkerung. Sobald die Heidelbeeren, Preiselbeeren und Himbeeren reif waren durchstreifen  ganze Familienverbände den Hallenberg, das Oberholz, den Pfarrwald und den Ross- Schmelz- und Wilddobel. Zum z‘ Nieni gab’s bis Drei König Beermues aus dem Wald. Für den Rehbraten und das  Siedfleisch an den Feiertagen, Kirchen – und den Familienfesten haben die „gluubete“, aromatischen Preiselbeer bis nach Pfingsten gereicht. Ausgestattet also mit z’Nieni Vesper  im Rucksäckle, Eimern, Milchkannen, Riffeln und Weidenkörben, schwärmte die grossen Familien aus, um an ihren Familien Claims  die Früchte des Waldes zu ernten.

Oma, Gotte, d Maidle, d Mamme sammelten Schwarzbeer, Staibeer und Himbele in ihre Milchkännle und leerten die vollen Känntle bei der Mutter in die grossen Zinkeimer. De Sepple lieferte uuliedig immer nur ein halbes Känntle voll ab und wurde von Mutter gescholten mit der Ermahnung, dass er deshalb beim Vespern halt auch nur einen halben Landjäger bekäme. Der pfiffige Sepple hatte natürlich eine Idee. Er stopfte das Milchkännle zu 3/4 mit Moos aus und schüttete ab jetzt ein „gschochet“ volles Känntle in Mutters Eimer. Wegen des liebevollen Lobes der Mutter strahlte er vergnügt wie ein Putzeimer.
Der Lohn für diese gnitze Bescheisserei waren sogar zum Landjäger noch ein Wienerle. Von der lässlichen Sünde erfuhr bei der Probebeichte vor Sepples Erstkommunion nur der Pfarrer. Und der erzählte es ganz bestimmt nicht seinen auch sammelfaulen Kamerädle. Dafür sorgte auch Nepomuk, der Patron des Beichtgeheimnisses.
Sepples gut gehütetes Geheimnis „verhebte“ so noch viele, viele erfolgreichen Beerensammeljahre.

Beerliwieber und Sepples Geheimnis

Bis i d ‚ 60-er Johr waret d Halde, Döbel und Hochflächen vum Untere Bregtal wichtig für de Lebensunterhalt vu de Bevölkerung. Sobald d Heidelbeere, Preiselbeere und Himbeere riif waret hond  ganze Familienverbänd de Halleberg, s Oberholz, de Pfarrwald und de Ross- Schmelz- und Wilddobel uusboenet. Zum z‘ Nieni häts am Kochitisch bis Drei König Beermues us em Wald gähe. So lang hond die siesse Gottesgabe us em Wald ghebt.  Für de Rehbrote und s  Siedfleisch a de Fiiertig, de Kirche – und de Familienfescht hond die gluubete, aromatische Preiselbeere mit dem wunderbare Guuh bis noch Pfingsten uusglanget.
Uusgstattet also mit z’Nieni Vesper  im olivgräene Rucksäckle, mit Eimer, Milchkanne, Riffle und Wiedekratte, sind die grosse Familene uusgschwärmt, zu  ihrene Familien Claims, ihrene meischt vererbte, überlieferte Plätz. Dä hond sie gsellig, luschtig und fidel die Frücht vum freigiebige  Wald gsammlet.
D Oma, s‘ Gottle, d Maidle, d Mamme hond Schwarzbeer, Staibeer und Himbele i ihri Milchkänntle gsammlet und hond die volle Känntle bei de wachsame Motter i die grosse Zinkeimer gleert.
De uuliidig Sepple hät  immer nuu e halbes Känntle voll abgähe. D Motter hät all goschet und gescholte und ihm aakündt, dass er  beim Vespern halt au nuu en halbe Landjäger überkumme dai.  De pfiffig Sepple hät natierli e gnitzi Idee ghet. Er hät denno hählinge sii  Milchkänntle zu 3/4 mit Moos uusgstopft. Jetzt hät er e „gschochet“ volls Känntle in grosse Zinkeimer bei  de Motter leere kinne. Wegem  liebevolle Lob vu de Motter hät er gstrahlt wie en Putzeimer und sich uff d Schenkel klopft.
De Lohn für die gattig Bschiesserei war sogar zum Landjäger no e Wienerle beim Vesper dezue.
Vu dere lässliche Sünd hät bei de Probebiicht vum Sepple vor de Erstkommunion natierli nuu de Pfarr ebis erfahre. Und desell verzellt den Trick ganz bestimmt nit  sinne au  stinkfuule, lahmarschige Sammelkamerädle. Dodefür sorgt au de Nepomuk, de Patron vum Biichtgheimnis.
Im Sepple sii guet ghüetets Gheimnis hät so no vill  erfolgriichi Beeresammeljohr verhebt.
Erscht i de Post – Wildfrüchtesammeljohr hät sich der Trickser verschämt am Schwarze Buebe Stammtisch zum Feetz vu de  ganze Runde  doch emol uusgmärtet, „geoutet“, wie mer Hit zu Tag halt leider  sait.

©Hubert Mauz, Feb. 2025

De storje Aujust, Standuhr und Rennrad

Dieser Beitrag hat 2023 den Kulturpreis gewonnen.

Veröffentlicht am 22. November 2022

Loset mol, bevor ichs vergiss.

Sprecherin Maria Simon

Zum Iirolle, zum warm up, fahrt de Auguscht aafang sechzger Johr vum Lachehiesli mit sim 10 Gang Rennrädli, Marke Peugeot, vu de Kalte Herberg d Uure nab, s Bregtal ussi und ueber de Weiherhof, Dieremer Saline, gi Schwenninge, „ins Schobbe nuus“. Im Rucksäckli paar greichti Brotwürscht, en Riebel Buurebrot, e Bügelflasch Feierling Bier und e Cola. S Rennrädli isch putzt, d Kette g’oelt und d Kläebreife mit 6 bar uffbumpet. On Ersatzreife isch im khaki-graene Holzmacherrucksäckli  mit dene verschwitzte, miechtelige Lederrähme. Z Schwenninge sind die Badewürtebergische Strosseradmeischterschafte über giftige 120 km. Deuteberg, Wiehlersbach, Kappel, Niederesche, Dauchinge und zruck an Deuteberg. 5 mol mond die Helde der Landstrasse im Ring rum, bis de umtriebig Rennrad verruckt Helmut Hils, de Testes vum Schwenninger Rennradclub, begeischtered d Zielglocke scheppere loot. 

Backhaus in Kappel 1973

Peugeot Rennrad von 1980

Des Iirolle vum Lachehiesli gi Schwenninge hät de Auguscht grad so reacht warm were lau. Noch de Übersetzungskontroll, des nimmt en andere Rennradverruckt, de Technisch Delegiert Sauser Heinz  ganz gnau, no die zwei Brotwürscht und des Cola wegputzt und en Schluck Bier gsoffe. De Rescht in Trinkbuddel am Rahmehalter. De Präsi Helmut Hils schickt des gross Feld mit em Schuss us em Platzpatronebischtol uff d Strecke. Die erscht Rundi sind sie alli no ziemli beienand. Aber im Aastieg vu Niederesche gi Dauchinge riisst es des gross Feld scho ghörig usenand. I de dritte Runde kurblet nu no fuenf gaedrigi Rennraedler ganz vorne mit. Natierli isch de starch Auguscht us de Uure debei. Hinter sim Windschatte kinnet die vier andere verschlupfe und so vill Kraft und Körner spare. I de letschte Runde, z Kappel am Zwischeposchte, sinds nuu no drei. No zwei Banane im vorbeisurre vum Rennleiter Heinz Sauser uffgnomme und verdruckt und de Rescht vum Bier us de Trinkflasche gsucklet.

Und denno kunnt aber de gwaltig Aatritt vum Guscht gi Dauchinge uffi. Kurz vor Dauchinge sehnet die andere zwei, natierli Schwobe vu de Alb raa,  nu no de mächtig Buckel mit em SC Urach Trikot vum Auguscht im bärige Wiegetritt devukurble. Den homer gsehne, denket die beide Verfolger und gänd resigniert uff. S goht nu no um d Silbermedaille fuer die zwei abghängte. De bärestark Wälder, de Kimmig August, der nimmt desjohr bestimmt wieder de erscht Preis und d Goldmedaille mit de Urkunde „Bawü-Moeschter“ mit hoem in Hochschwarzwald, a d` B500, is einsam, idyllisch Lachehiesli. Nu en Plattfuess oder en bissige, vergelschterete Hund, gottverdelli des dät no fehle, kinnt des no verhindere. 
Z Dauchinge dobe guckt er mol hinderschi. Die han i baigott ghörig abghänkt. Und wie wenns nint gsii wär, rollt er mit  mit uusgstreckte Ärm und sine Bärepranke freihändig is Ziel. Dä bämberlet de Helmut Hils mit de Titanic Schiffsglocke und verkind im Lautsprecher als Sieger de neu Bawü-Moeschter:

Blick vom Lachenehiesle über Ferndobel, Glashütte, Knobelwald, Platte zum Kandel.

„Sieger Auguscht Kimmig, SC Urach, Badischer Radsportverband“.

Dass es z Schwennige im Uhr-Eldorado e Uhr als Preis gähe word, des hond die Radrennfahrer us em ganze Ländle g‘ ahnt, oder au scho gwisst. Und jeder Starter het so e Praezisionsuhr mit so eme „Big Ben“ Schlag gern mit hoem gnomme. Dass es aber e Standuhr, e Vitrieneuhr isch mit eme lange Berebemdickel, des war natierli scho nomol on druff, en Brecher. Zu zweit hond Uhremachermäschter vu de spendable Sponsorefirma des uukommod Möbel as Siegerträppli schloepfe messe, dass de Vorstand Hilse Helmut  des schwer Gschier im gifitzig griensende Kimmig Guscht uff em oberschte Trepple uebergähe hät kinne. 

De Radkenner Helmut Hils hät gwisst, dass de Auguscht mit em Rennrädle kumme isch und hät ihm glii bei de Siegerehrung aabote und versproche, dass de Schwenninger Radverein ihm die schwer Standuhr i de näschte Woch mit eme Lieferwägeli us sim Volvo-Autohaus is Lachehiesli bringt. 


„Big Ben“ vu d’Standuhr


„He nai, waa glaubener au, selt goot baigott gar idde. Die Uhr schleet hit obbe de Big Ben Gong um zehni in de Stubbe bin mir , im Lachehiesli doobe“. D Schwenninger hond scho bleed us de Wesch guckt, wo der Wälder, desell rasend Rennradsatan Kimmig, scho wieder gwunne hät. Wa denno kunnt, haut sie no ganz us de Latsche.

„Ihr bringe mir guedi, braiti Läderrieme und binde mir des Gschirr uff de Buckel, no grait ich mit em Rennrädli ibber Eschinge, de Hammer, d Uure nuff bis an Ferndobel. Derter, im Lachehiesli Stibbli, gongt um zehni noch de Sabaradio Ziitaasag s erschtmol die gattig Schwobbe Uhr im Hoch- Badische, selt khaan ich eich saage“.

Und noch dere Rähme Verzurraktion unterm Technische Delegierte Heinz Sauser, der hät gwisst wo so e Kischte drucke kinnt, isch de Buckel no e weng uuspolsteret wore mit Kabogg us de Uhrepackerei, isch de Kimmig Auguscht, de nei Bawü Stroosserad-Moeschter, de knorrig, gifitzig Rennradkaib vu de Fernhöhi, vor de verdutzte Schwenninger eweg, quitsch fidel mit de Standuhr uff em Buckel uffs Lachehiesli nuff graitet. Wa glaubeter wie do die Sunntigsfahrer im Bregtal und im Wald glotz hond ?  

Auguscht Kimmigs Lachehiesli

Johre später hät e Uuremer Rennradler Gruppe emol an ere Hollandrundfahrt mitgmacht. Am Obet isch mer bei dunklem belgischem Bier, Krabbe mit Remoulade, Gouda Käs und Jenever Schnäpsle mit de „Kan nit Verstan“ Sportsfreund us dem tupfebene Tulpeland zemet ghuckt. Weil jeder Holländer au guet Dietsch khaa, hond sie gfrogt, wo sie her saiet. „Wissener, mir sin Waelder vum Schwarzwald“. 
„Oh jeh, sagt bloos, da kennen wir auch einen Rennradfreund, von dem wir oft, besonders bei Bergrundrennen, nur das Hinterrad gesehen haben, „Minheer Aujust, de Storje Aujust“, haben wir ihn geheissen“. „He naii, jo so ebbis, des gits gar idd, selt isch ainer vun uns, de Kimmig Auguscht us de Uure, vum Lachehiesli überm Ferndobbel. Derte, wo mer mit eme wunderscheene Uusblick ins Glashitteloch, in d Wildguede, über de ganz Herrgottswinkel zum Kandel und zu de Vogese nibber sehne khaan. Do kaahnsch widder mol sehne, wo die Wälder überal rumkumme und angsehne sind“. 
Und natierli hond die Uuremer Wälder mit de Kanitverstaan vu Holland no en mords Verzahl und en Feetz ghet beim bluemige verzehle und Sprich klopfe über de Schwenninger Standuhr Storiax vum „Storje Aujust“, vum gattige Kimmig Guscht us em legendaere, idyllische Lachehiesle. 

Jo, so wars

Bild: Heinrich Graf

Rollender Briefkasten

In diesen Briefkastenschlitz, allerdings stand vor 100 Jahren Wolterdingen drüber, wurden Liebesbriefe, Rechnungen, Traueranzeigen, Mahnungen, Stellungsbefehle, Familienpost, Feldpostbriefe, Steuerbescheide, Milchgeldabrechnungen, Holzbestellung, Viehverkäufe und Nachrichten an Auswanderer gesteckt.

„De Poschtle“ sass im kanonenofen beheizten Büro vor dem Sortietregal. Der zweite Teil des Galeriewagen war der Güterwagenteil für Kisten, Pakete, Waren, Milchkannen und in Stroh gepolsterte Glaswaren.

Dieser Original Bregtäler Galeriepostwagen fährt wieder originalgetreu, liebevoll restauriert auf der Kandertalbahn. Wie wärs mit einem Ausflug  dorthin mit einer Extrafahrt auf den Bregtäler Holzklassebänken mit einer begeisterten  Eisenbähnler Sonderführung mit Christian Wolf von den engagierten  Kandertalbahn (und Bregtalbahn) Freunden?
Das ist verblüffende Bregtäler Nostalgie vom Feinsten.

Der Schwarze Buben Kachelofen

Der Schwarzebub

Was könnte der Kachelofen im Schwarzen Buben, im Zinken Zindelstein, so alles erzählen. Von Vesper- und Trinkgelagen der rauflustige Köhlersippen im Unteren Bregtal. Von diesen „Schwarzen Buben“ bekam die Köhlerschenke ihren kultigen Namen. Aber auch die sangesfreudigen Stammtischrunden, hitzigen Vereinssitzungen, Weihnachtfeiern, Loipenputzenden, Familienfeste, und ausartenden Leichenumtrunken gaben dem Gasthaus seinen ganz besonderen Spirit. Und immer gastfreundlich bewirtet von der Familie Stefan und Hilda Kromer und später von Tochter Sieglinde und Kurt Preisinger. Wer genoss sie nicht und schwärmt heute noch davon, die legendären „Schwarzen Buben“ Schlachtplatten?


Wenn nun eine derartige Traditionsgastätte nach weit über 200 jähriger Gastfreundschaft die Schanktüre
schließt, ist das ein enormer gesellschaftlicher Verlust für das Untere Bregtal und auch das benachbarte Tannheim. Denn hier wurde Geselligkeit, Gemeinsinn, Unterhaltung bei legendärem Vesper und belebendem Umtrunk traditionsreich und lebensfroh gelebt. Der Dank gilt der gelassenen Gastwirtsfamilie Kromer – Preisinger. Was zählt sind halt die schönen Stunden.

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De Bregtäler
S‘ maischt hemmer

S’maischt hemer, gelesen von Maria Simon

Um 1900 sind vill Liit uusgwanderet. Die ganz Arme hond vu de Heimetgmeinde sogar e Sackgeld griegt. So au de muusarm Holzhauer Bartli Hättich us em hinterschte Schnabelstal.
Mit sim guetige, sanfte Wiib, de Appolonia vu de Leimgrueb und de Kind, em scharrige Romulus und em hennefiddlige Kätherle hond sie zwei Überseeköffer mit de wenige Habseligkeiten gstopft. Die Köffer hond sie vum noble Getti für die lang Reis und als Aadenke an d Heimet überkumme. In eim Eck vu de Köffer isch en Mocke Speck verschoppet gsi, im andere Eck, uusichtbar, s Heimweh.

Mit eme klepprige, vermauchete Leiterwägeli sind sie de lang Weg an Furtwanger Bahhof nab graitet. S Bilet hät s Heimettal vu de Appolonia Dorer, d‘ Talschaft Line, g‘ spendet.
De Romulus isch mords verschrocke woner bei de Abfahrt den giigsige, giftige Pfiff und des aaschwellend Fauche vum Bregtäler Lokomotivle gehört hät. De Vater hät jetzt erklärt, dass sie jetzt an Schenebach, denno am Rohrbe vorbeizucklet und bald Verrebach ufftauche dai. Dert dai de Onkel in ere Orchestrionfabrik schriinere.

An de Kohlbruck hät s Sägwerk gratteret, klopftund bolderet und bald dai de Hammer mit de Burg und em Hammerwerk ufftauche.

Sind dert die gattige Hammricher Bergmanne-Kaibe her?“, frogt de Romulus. Pass uff, noch dem
grosse Wirtshuus, em Fischerhof, kunt de gröscht Felsbolle im Bregtal, de gwaltig Tierstai.
Lueg e mol Kätherle, hesch scho mol so en grosse Stai g‘ sehne?
Und jetzt kunnt de Schwarz Bue, dert hend ellemol die rappeschwarze Köhler g‘ veschperet und g‘ soffe. S‘ Zindelsteiner Bahhöfle isch de herzigscht am Bregtäler. Und dert, uff em Bergfried vun de Ruine
Zindelstai, glitz und blinkt im Obeliicht en Karfunkelstai

Wo sie uff Wulterdinger zue schnuufet, erklärt de Vater no, dass am Berg, hinter de Schliefibruck und de Glasschliefi die gröscht Glasi im Schwarzwald sei und des Ort drei grossi Sägene und Mahlmühlene heb. Noch dene viele neue Iidrück wird de Romulus allmählich ganz daigig und uulidig.

Gähnend frogt de Romulus z‘ Brucke :
Vadder, wie lang hemer noo bis uff Ämerika?
De Bartli us em Schnabelstal sait: „S maischt hemmer, Romulus

sit her heisst s Bregtäler Löckle im Volksmund „Romulus“



Beitrag vom 14. Januar 2021

Wer mag sie nit, die herzig und hilfriich Bahlinie im Bregtal ?

De Bregtäler gelesen von Hubert Mauz am 14. Januar 2021

Dampfbähnle Ziitalter

Erscht d` Dampfmaschi hät die Industrialisierung überhaupt ermöglichet. Stationäre Lokomobil hond gholfe Webstühl, Drehbänkli, Mühlene und Schmiedene aaztribe. Womer no gmerkt hät, dass mer so e Lokomobil au uff Iiseräder und uff e Gleis stelle khaa, hät mit dem legendäre Lokomotivle, em berühmte „Adler“, der s` erschtmol vu Fürth gi Nürnberg anne 1835 gfaucht isch, die glooriich Iisebahziit aagfange. Nu eweng später, anne 1840, isch so e Bähnli au vu Heidelberg gi Monem dampft. No isches im Badische au kuntenent und rasant losgange. Kummedi hät mer aber z`erscht mit de Schiene kha. Me hät gmond mit dem billigere und oafachere Gußiise kinnt mer die Schiene mache. Me hät aber zehrscht meh Schiene- und Gußschrott fabriziert, als de Verkehr vorwärts broocht. Giitz isch halt doch nit bsunders gschied. Erscht wo mer kappiert hät , dass die Gleis us zähem, gschmiedetem Stahl sii mond, hät de Gschindigkeitsrausch und s` Transportwese so richtig aagfange.

Dass de Schnell de Langsam frisst, des hät de Biolog und Universalgelehrt Humbold im 1800. Johrhundert scho all behauptet und de ganze Welt verkündet. Des hond ihm die Fabrikante, d` Politiker und Banker au denno bald emol glaubt und au abkupferet. Sie hond überall aagfange, Bahlinie zum Bau. So hond sie ihre Ware und Rohstoff schneller und billiger zum Nutzer broocht, wie mit de lahmarschige Ross- und Ochsefuhrwerk und sogar no besser und direkter uhni Flusssystem, wie mit de eigentlich praktische und johrhundertealte, selli tragfähige Waidling uff em Wasser. Zmols waret au die Städt abseits fu de grosse Wasserstrosse nit abghängt.

Au im Badische häts grumoret und es hät die Booremer und Hegauer schwer pfufferet, dass sie so schnell wie möglich a die segesriiche Rheintal-Bahlinie aaschliesse kennet. Also sot mer dä dunne im Unnerland e Weich baue, dass mer mit ere Siitebahlinie vu Offeborg oder au vu Friiborg über de haldig und bucklig Schwarzwald durch Löcher und Döbel i d` Boor und bis gi Konschtanz kummt.

Zindelsteiner Bahhöfle
Foto: Fam. Album Kromer/ Preisinger

Baden und s` Bregtal kunnt unter Dampf

E Badische Iisebahgesellschaft isch gründet wore und s` Grossherzogtum hät den zukunftsträchtige Bahnbau gförderet und aagschobe. Jetzet hät aber e lange Schrieberei und Zagaterei mit zahllose Iigabe und Begehrlichkeite aagfange. Jeder vu dene Schwarzwaldstädle wie Neustadt, Fortwange, Iisenbach, Triberg, Schramberg , Villinge, hät a dere neu Bahlinie vum Rhital bis gi Eschinge und in Bodeseekreis liege welle und devu au provitiere welle.

Drei Haupt- Variante hät mer uusdenkt: Onni vu Hausach unterm Rohrhrdsberg dorch gi Furtwange, denno dorchs Bregtal gi Eschinge. Die Ander über Triberg, Scheewald, Furtwange, wieder s` Bregtal abi bis Eschinge und die Näscht vu Triberg über d` Sommerau, Villinge gi Eschinge. Die isch denno au baut wore zum ganz grosse Verdruss vu de bedeutende und schaffige Uhremacherstadt Furtwange. Wa glaubeter wa wär us Fortwange, Verrebach, Wulterdinge Briilinge und Hifinge wore, wenn des klappt het ? Daß die Bregtäler aber doch a des wichtig Bahnetz kumme sind, hät mer no bald die Bregtalbahn vu Eschinge bis is hinter Bregtal genehmigt, plant und au baut. Scho Anne 1876 isch d` Konzession erteilt wore, Anne 1888 de Bau genehmigt und Anne 1891 hät mer z` Allmedshofe aagfange mit em Bau. Und Anne 1893 isch s` erscht Dampflöckle z` Furtwange aakumme. Des alles khaa mer i dem wunderbare Büechle vum ehemalige Borgermoeschter vu Furtwange, em Hans Frank, „Der Bregtäler“ nochläse und nomol miterlebe.

Wa aber dä nit drin stoht, sind die kleine Gschichtle und Episode, die de Geist und die Poesie vu dem herzige Enteköpferbähnli ufflebe und am Lebe erhalte könnt.

Bregtäler Dieselross schnurrt dorch de Elsspitz.
Foto: Barbara Mauz

Handwerk, Milchwirtschaft und Waldbau

So war des Bähnle für drei Hauptgewerb selli wichtig. Zunächst emol hond die Uhremacher, Orchestrionbauer und Feinmechaniker Betrieb im ganze Bregtal ihre Ware, aber au Rohstoff und Betriebsstoff vu de Zueliferer, schnell, günstig und zueverlässig verfrachte kinne. Die nächst wichtig Zweck vu dem Bähnli war scho eweng schwergwichtiger. S` ganz Bregtal mit ihrem Buure- Milch- und Viehwirtschaftwese hät jetzt pünktlich am Morge um 6:00 ihre frische Milch a de Verladepritsche z` Fortwange, Schönebach, im Rohrbe, Verrebach, de Line, im Hammer, am Zindelstoe, z.` Wulterdinge, Brugge , Brielinge und Hifinge i Kannte im Milchgueterwage vum Bregtäler übergähe kenne. Z` Eschinge i de Milchzentrale isch die denno verschaffet und frisch verarbeitet wore. Mit 14 Johr hät de Autor selber i de 60- er Johr dä s` erschtmol Ferieschaffe derfe und pünktlich um 7:00 die bolleschwere Milchkante us em Bregtäler Güeterwage am Rampe uusladde messe. Uuvergesse isch ihm des, weil die Schinderei mit wahrscheinlich so 200- 300 Stuck 40- Liter Milchkannte a d` Knoche gange isch und weil er bim Vesper um 9:00 mit Graus erlebe hät messe, wie de legendär Häbi e Hampfele Haselnüss gnabberet hät und en ganz Liter pure Rohm dezue gsoffe hät und am Obet im Adler no e paar Halbi abi glehrt hät. Vu dene 3 vegetarische Lebensmittel hät er sin gädrige Liib ernährt und war vu dere uugwähnliche Art Nahrungsuffnahme voll überzeugt. Dass de erscht iigschwore Vegetarier, den i dämols erlebt han, doch nit lang überläbt hät, isch ehnder am Malz, Hefe und Hopfe gläge, als am fettige Rohm und de Nüss. Nochem erholsame Vesper um halbe Zehni sind denno no die Brigitäler Kannte us em Brigitäler Milchwage, der jetzt an Rampe vu de Milchzentrale rangiert war, draakumme. De Dritt Grund isch: Vu dem erschte mühselig selber verdiente Geld hät er sich 2 kultige Nieresessel bei de Quelle bstellt, wa d ` Motter für en totale Fortz ghalte hät und für puure Geldverschwendung vu dem hert verdiente Geld vu dem Bieble.

E ganz schwergwichtige Uffgab hät des Bähnle aber au no ghet: Nämlich de Waldreichtum vum ganze Bregtal z` Buckle und des Stammeholz a die vu de güetige Breg mit Wasserkraft aatriebene Sägwerk beim Borchert, a de Kohlbruck, z` Wulterdinge, z` Briilinge und z` Hüfinge uff Langholzgüeterwäge z` liefere. Jeder vu dene Bahhöf hät e grossi Verladerampe ghet a me Siitegleis. Sogar Zindelstoe hät so e Uffladsitegleis mit ere no immer sichtbare und erhaltene fascht 100 m lange Rampe ghet. Diesell, au wieder die leztscht und onzig im Tal un em Wald, wem er au freistelle und wieder aaschaulich mache. Wenn de Ferscht mitmacht?

Zeitzeuge, Legende und Storiax verzehlet no paar gnitzi Stammtischssprüch über die gattig Kultbahn. So word verzehlt, dass sogar die Grossbuure vu de Spittelhöf ihre Milch und Ware über de Schmelzobel und de Vorbetobel an Bregtäler broocht hebet, weils gschickter war, wie des alls gi Villinge oder is` Brigital mit em Bennewägeli z` kutschiere. Ebbis ähnlichs hond d` Mischtelbrunner gmacht, i dem sie über Laubehause und de gäh Rossdobel abi an Zindelstoener Bahhof gange sind. Daß sie, bevor sie wieder den sausteile Rossdobel uffigraitet sind, bestimmt no im Schwarze Bue bim Kromer Stefan no e Bier und en Rossler abighaue hond, dierft klar sii. Sogar d` Buebacher, des verzehlt en hochbetagte Maa, seiet villmol direkt über s` Falzmoos, de Glattacker und de Krumpedobel an Krumpehof gwacklet und hebet dä de Dampfzug mit Winke aaghalte zum Uus und Iistige. Des gliich hond no korz d` Glaser z` Wolterdinge, später au d` Reiner- Fabrikler und de Nudelfabrikant Riegger mit ihr`ne Ware gmacht. Die sind mit de Handwäge über d` Schliefibruck, hond im Elsespitz au im Lokführer gwunke, der hät au willig und uukompliziert aaghalte, und die Ware uffgnomme oder au abglade.

Bregtalbähnle mit Lökle, Güter und Personennwägen
vor Bahnhof Wolterdingen um 1920
Aus Postkartensammlung Willi Hönle, Donaueschingen

Aue e Bildungbähnle

E wiiteri Gruppe vu Bregtäler– Nutzer war bildungsmässig bediitend: D` Schüeler. Die gschiede Buebe und Maidli usem Hintere Bregtal sind ihr ganz Schuellebe mit em Bregtäler gi Eschingen i d` Gwerbschuel, Handelsschuel und uffs Gymnasium gfahre. Im Winter vielmol mit

Verspätung weil en Bomm überm Gleis glege isch, e Rindli oder e Goess verkarrte wore isch oder des Dampflöckli doch nit gege die frisch gheite, hohe Schneewaiete aa kumme isch. Daß die Holzklasse- Personewäge nit bsunders guet gheizt waret und zoge hond wie Bießzange, des war vielmol Aalass für Spott. Und drum hond d` Schueler tatsächlich, wenns sau kalt war, jeder e paar klaute Schietlich Holz im Schuelranze mitgnomme zum Scherre vu dem beigstellte Kanoneöfeli dass es nit nu gloschteret hät, sondern zum Hitzge und zum Glüehe z` bringe.

Schliefibruck von 1920 als Wareweag

Beerliwieber, Pilzjäger, Familiespass

Usserm normale Persone- und Reiseverkehr hond no 2 Gruppe zu de Legendebildung beitrage. I de 50-erJohr isch halb Eschinge am Sunntigmorge mit Körb, Eimer, Milchkäntli und Rucksäck in Bregtäler iigstige. Ganze Familie, Beerliwieber und Pilzjäger sind vu Wolterdinge an Halleberg, em Zindelstoe in Rossdobel, Schmelzdobel, is Oberholz , vum Hammer is Felsetal, an Glattacker, is Vorbetal und in Grumpe, vu de Kohlbruck id Liine und uff d` Hohwart uusgschwärmt. Ebbe i die grosse Bregtälerwälder zum Pilzsuche, Heidelbeer- Himbeer- und Preiselbeer gluube und hoemetzue isch sogar no de leergfresse Vepserrucksack prallvoll mit Tannezapfe gfüllt wore. Do fallt mer grad no en überlieferte Spruch us de Hamsterziit ii. En Bahschaffner soll emol uusgruefe haa: „Männer mit de dicke Säck hinneiistiege“.

En wiitere Beerlisammel- plogete Zeitzeug, de Häbi Baier, verzellt, dass sie sehnsüchtig erwartete Kinderferieziit jedesjohr i me Trauma geendet isch. Nint mit Kicke, i de Stadt rumstruehle und Sträech spiele. Wenns Wetter guet war, isch um siebeni scho s` Kommando vu de Motter uusgjohlet wore: „ Abmarsch an Bregtäler i d Beer im Schmelzdobel, hai. hai “. De klei Häbi hät en Spagett um de Ranze bunde griegt a dem e Milchkännli ghanget isch. Und wehe er hät des Känntli nu halbvoll de Motter in grosse Eimer a de gähe Halde uusglehrt. No war d` Serbele am Mittagsvespere a me siedene Fädeli. Aber gwitzt wie de Häbi hit no isch, und dämols als kleine Hoseforzer scho war, isch er druff kumme, dass mer jo des halb Känntli mit Moos uusstopfe kinnt, so dass es d` Motter bim uusleere nit merkt. Den Trick hät er verdruckt e Lebe lang für sich bhaalte und erscht jetzt, mit über 90 endlich mol verrote, der Scheereschliefer. So hät de Bregtäler i de Nochkriegsjohr au wirkunsvoll zum Sattesse vu de Booremer beitrage.

Nahrungsergänzungsmittel dät mer Hit sage. Übrigens sind bsunders die geheime, mafiamässig guet ghüehete Familie Pilzplätz nu innerhalb vu de Nochkumme wiitergähe wore. So erinneret die 4-5 gschochet volle Pfifferlingpfanne, die de Autor alljohr a de vererbte, immer no ertragriiche Geheimplätz im Bregtal vum Vatter Frieder sammlet, jährlich an den Bregtäler Sammelkult vu dene wunderbare, landestypische Naturgabe. Erscht reacht wenn denno d` Pfanne duftend uff em Tisch stoht. Wa sind die affige, muffige Trüffel us em Tschinkeliland gege iiseri Pfifferling mit dem uuwiederstehliche Guuh?

In Ermangelung vu de no nit voll iisetzende Automotorisierung war de Bregtäler au e sehr beliebte und stark aagnommene Möglichkeit zum Wandere, Freizeitgestalte und Erhole. Sogar zum Bade im Linacher Stausee und zum aaschliesende Sprudeltrinke i de „Talsperre“ war de Bregtäler gfrogt und uuverzichtbar. Weller Mariekerch-Minschtrant khaa die uuvergliichliche Zeltlager unterhalb vu de Linemer Staumauer, de erschte „Aufgelösten Betonstaumauer der Welt“, vergesse. Die ganz Minschtrantebandi isch mit uffgwölbte, olivgräene Rucksäck mit Lederrähme abenteuerlustig z` Eschinge in Bregtäler iigstige, a de Kohlbruck ussgstige und a s Staumauerlager uffigrennt , weil jeder de erscht sii hät well, wo sich i de alte, mufflige Armeezelt is frisch Stroh iibuddle hät welle.

No en Stammtisch- Storiax hät de Häbi gestert i de Mundartrundi foelbote: Um d` Johr- hundertwendi sei e Familie us em Katzestaig uusgwanderet gi Amerika. Wo sie mit Sack und Pack mit em Bregtäler s` Bregtal abuzucklet seiet, heb s` Biebli, de klei Rommulus, z` Brugge gfroget: „ Vadder, wenn sim mier z` Ämerika ?“ no heb de Vadder us em Katzestaig besänftigend gsait : „ S ́ maischt hend mir, Rommulusle“

Bahöfle Relief

Abwärts gohts schnell

Trotz allem isch es ganz allmählich, hauptsächlich ebe durch die Motorisierung, mit em Bregtäler im wohrschte Sinn abwärts gange. D` Zahle und Rentabilität war anne 1973 so im fettige, verölte, versaichte Schotterbett verlächeret, dass mer beschlosse hät, die wunderschee Nebestrecke noch fascht 80 Johr still z` lege. Anne 1972 isch de letscht Diesel- Triebwage gfahre. Wieso d` Bahn zu dene Art Dieselbus uff Schiene Triebwäge gsait hät, dürft dene ihr Geheimnis sii. Koe Geheimnis isch aber, dass genau der Name a de Bregtäler Stammtisch für manchen derbe Witz und Fetz und unkeusche Sprich herhalte hät messe.

D` Gleis sind abbaut wore, de Schotter verscherblet und d` Bahhöfle verkauft wore. Au de Zindelsteiner Bahhof hät en Huverzovener, de Mayer Schorsch, kauft und en Bienestand drus baut. Leider isch au der zwischeziitlich vermauchet, verkaibet und verkait, khaa also zum Erinnere und Sinniere leider nimme besichtigt were.

Anton Durler Loipe auf dem Bregtäler beim Schwarzen Buben

E neui Spur us Schneekristal

Aber so 5 Johr später hät de Durler Anton e neue Spur uff de uffglossene Bregtäler Bahlinietrasse vum Wolterdinger Elsespitz bis in Zindelstoe gleit, nämlich e Langlaufspur für d` Wintersportler. Sit her word jetzt sit über 40 Johr die Trasse vum Bewuchs, vu de Stiidli und vum Uukrut freighaalte, alljohr e Loiperodung gmacht, en Loipeputz wie es im Volksmund hoesst. So khaa e moderns Langlaufspurgerät a dene Schneewoche, zwischeziitlich sind meistens nu no Schneetag, e guet gmachte Langlaufspur in frische Pulverschnee innidrucke. On vu dene Väter vu dem Langlaufwese, de ehemalig OB Bernhard Evereke, schwört Stoe und Boe , dass es on vu de gsündeschte Sportarte wär. Mindschtens i dem Punkt muess mer ihm absolut reacht gähe.


Ringzug adee

Schad isch eigentlich wirklich, und me beduuret es zwischeziitlich selli, dass d` Schiene au vu Briilinge gi Wolterdinge abbaut wore sind. Eigentlich nuu wege de Iisebogebruck zwische Briilinge und Brugge über d Bregt. Die het mer wenig uffmöble messe. Wenn die Gleis no beim Uffgleise anne 2004 vu dem lobenswerte Ringzug glege wäret, dät der Ringzug zum Sege und zum Wohl vu Wulterdinge nit nu bis gi Vorderöstereich, gi Briilinge fahre, sonder au is Badisch, bis gi Wulterdinge.

Wenn jetzt no de nei Bsitzer vum Wolterdinger Bahhöfle , s` Sägewerk Schmiederer, no e gschmackvolls, stilgerechts Büro dä innibaut, wo mer no erkenne kennt, wa des emol war, nämlich au e Art Speditions, Ware- und Dienstleisungsbahhöfle mit Stellwerk und Wasserturm, bliibt d` Erinnerung und de Charme vum Bregtäler no für alli sichtbar und spürbar erhalte.

Jo so wars , mit em Bregtäler









Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr’s im Hieronymus z’erscht

Originalartikel vom 20. Juni 2021

Teil 2 und Vorspann – Teil1 gibs hier

Im vergangene Herbscht han i zmol en Aaruef und e mail vum Linguistsiche Institut vu de Uni Sidney, z Auschtralie dä dunne griegt. En Carl Bodnaruk sait, er heb Vorfahre z Konschtanz und z Friborg, wär au scho dä gsi und dät passabel Diitsch schwätze und au eweng Alemannisch. Des mit em passabel han i glii i sauguet ummodle miesse. Er wet also e Studiearbet, e Bachelorarbet, über die Alemannisch Mundart schriebe, ob ich ihm do eweng helfe kinnt. De ganz Herbscht und Winter hät sich en aagregte mail- ping-pong ergähe. Denno han i lang nint me ghert. Uffs mol kunnt Aafang Juni en lange Studierodel über fascht 60 Siite mit Graphike, Karte und wisseschaftliche Erläuterungen.

(Wunderfitzigi könnet die Arbet i Englisch hier haan).
Selli uffschlussriich und au erstuunlich sind die umfangriiche ziemli uubekannte Quelleaagabe, wo er aagieht.
De Carl Bodnaruk sait, dass s Alemannisch grad i de grössere Städt dorch Überlagerung vu de schriftsprochliche Zuwanderer, em Mangel a technischem, wirtschaftlichem, buchsproochlichem Wortschatz und de Überalterung vu de Mundartsproochler schwer am himbelle sei. Uff de Dörfer und de kleiner Gmonde seis no eweng besser durch stärker glebts Brauchtum und Gselligkeit. Des alls hät er mit Frogeboge a 100 Mundartler uusgwertet und i Tabelle und Fieberkurve uusgschafft. En kleine Mangel dürft es haa, weil er glaub hauptsächlich Alemanne und Liit über 60 Johr befrogt hät. Uffschlussriicher wärs no, wenn er au Buechsprochler i de verschiedene Altersgruppe und au die Jüngere i allene Lebensalter gforgt het. Au wär en Bezug zu de Berufliche und de Gsellschaftliche Beziehunge wichtig, also die Demographie vu de Befrogte.
Es stimmt zwar scho alles, aber ich sag, es liiht haupsächlich a iiserem mangelnde und vernochlässigte Selbsbewustsii. Scho wo die Flüchtlingswelle us Pommern, Ostpreussen, Schlesie und em Sudeteland uff ganz Westdiitschland notwendigerwies aagschwappt isch, hond d Alemanne eweng s Knick iizogge und hond sich eher dene Neubürger schriftsproochlich aapasst. Dezue kumme isch, dass s Handwerk, de Handel und d Landwirtschaft sich radikal veränderet, mechanisiert, technisiert und nationalisiert hät. Me hät nimme nu uff de Boor oder z. Bade iikauft, bstellt und gschäftet, sondern mit ganz Diitschland, bald au mit ganz Europa und hitzutags au uff de ganze Welt. Natierli bruucht mer für Werkziig, Zubehöhr, Maschine, Computer und i de Wisseschaft ganz andere Wörter und Begriff wie i de alte Mundart. Und so sterbet alte, altbachene, klassische Mundarwörter ganz „natürlich“ uus. Des war aber scho immer so mit iisere eigentlich kelto- romanische Sprooch. Sie war und isch ständig im Wandel. Wandel hoesst aber au Umbau, Verändere, aber au Uffbau uff de alte Wert und Begriff. Weil des so ransant im digitale, globale Ziitalter goht, glaube mir, dass d Mundart uusstirbt. Sie veränderet sich schnell und so stark wie no nie. Wenn mir Alemanne, und dodezue ghöret aber au die Zuegroosste, die diitsche- und internationale Seconos- und Tricondos, uff dere lokal lebendige Mundart uffbauet, bliibt die modernisiert Mundart erhalte und für uuswärtige erkennbar und für iis selber e Markezoeche, e Eigeart uff die mer stolz sii khaa. Und sie bliibt denno au e Markezeiche für e Region, e Landschaft, e kennzeichnende Gschäftswelt. Gern erinnere ich mich a den Lehrbue us de Appruzze, der die bescht Villinger Mundart gschwätzt hät, oder den anatolische Gastronom us Briilinge, der broeter Baaremrisch schwätz, wie die meischte Briilinger. Oder de Christian Streich, der es ferig bringt, i Alemannisch sogar wieder am Fernseh, im Rundfunk und de Presse wieder „Hof z halte“. Es liit also a iis. Wenn mir oegsinnig und selbsbewusst unsere Zweisproochigkeit lebet, uns nit zu Uugebildete wege dere „putzigen“ Sprooch degradieret lond, denno verhebts no lang. D Schwiezer hond des gschafft, weils sies uuverboge lebet und nint aabrenne liond. „So wie mer s halt triebt, so hät mers“, en uralte Mundartspruch.

De Kummer: D ́ Lesbarkeit

Oe Schwierigkeit hommer allerdings, die hond aber au alle Mundarte: D Lesbarkeit. Mir waret, mit ganz wenige Uusnahme bei de Mundartdichter, no nie uff lese vu Mundart „konditioniert“, also iigstellt, iiguebt. Des Mundarschriftbild isch nit i iiserm Bildspeicher. Usserdem schriebt jeder Mundartschrieber anderscht, im Satzbau, im Sproochbild und i de Uussprooch. Wichtig isch, dass mer Mundart möglichscht vum Klangbild her schriebt, vum gsprochen, vum ghörte Wort. Also rein vum Klangbild i de Ohre und im Wort- „Laut“. I schwierig uusprechbare Sprooche wie französisch und Englisch gihts e klar iigführte phonetsiche Schrift. Des wär e Möglichkeit, aber weder nötig no bruuchbar. Weil für jede Mundartgegend , wie Hegau, Breisgau, Baar, Elsass e oeges Darstellungssystem nötig wär. Drum isch die Idee nit bsunders guet. Es bliibt nint anders übrig wie Klanggerecht z` Schriebe. Im Hieronymus, oder i de Eschinger Mundartrunde vu de Bürgerstiftung, setzt mer uff Vorläse. So khaa jeder beim Lese des gsproche Gschichtle au mitlese und kunnt so besser i die Mundartleserei inni. Villi bestätiget, dass mer denno dorchuus inni kunnt. Leider sterbet au die Stammtisch, die Fasnetfestle und die Vereinsuusflieg, dä wo meischtens Mundart gschwätzt word, immer meh uus. Des waret die beschte Bewahrer vu de lokale Mundart. Usserdem erhöht de Sproochklang die sowieso netter Poesie vu de Mundarte gegenüber em Buechsprochliche. Der folgend Spruch sait dodezue alles:

I de Mundart sehnet d` Ohre besser

Martin Graff

Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr`s im Hieronymus z` erscht

Jede Dunschtig Obet isch uff Bayern 1 de Kultspruch vum Ringelstetter z Höre. Nu dass er statt Alemannisch „Bayern“ sait und statt Hieronymus „Bayern1“. Die Überschrift stimmt trotzdem uff de Pfennig. Zwar hät de Carl Bodnaruk vu de Uni Sidney, des isch z Down Under, in ere Studie ussi gfunde, dass es mit dere Alemannische Mundart nit so toll uusähne dät. De Karle us dem Land, dä wo mer de Uriiwohner Aboriginies sait, so wie iiserne Uriiwohner Alemanne, däts i de grössere Städt wege de villne Schriftsproch- Iiwanderer selli mau uusähne. Uff em Land vermacht er dere Sproch no e weng meh. Und die Ü 60- er i de Dörfer hetets no eweng meh druff wie die Junge. Dieselle dätet scho lang und uuaufhaltsam die rasant aawaasend die neu digital- Mundart mit sellene Bit- Bytes, Giga- Terra, USB- BBC, WLAN, PIN und TAN, Äpps, Potkascht, Hoembanking, sörfe, clauds und päds schwätze. Wörter wie Karscht, Zabbis, Heuliecher, Betziet, Bexler und Gilleschapfe könne mer allmählich ruhig im Archiv vu de Muetersproochgsellschaft verschobbe. Die bruuchemer halt oefach nimme. Wege Motorhacke, Vollernter, Fahrsilo, Meditation bim Waldbadde, Hydraulischem Spalter, und Kläralage.

Gilleschapfe

De Kängeru Karle, seller alemannischfreundlich Aussi, hät aber vergesse, dass solang de Streiche Chrischtian iis uff Alemannisch no erklärt, wie des mit de Wochetag eigentlich goht und de Keller Franz no uff Alemannisch sakramentiert, de Joogi uff Wiesetälerisch die Taktik gege die Wikinger Schoofbuere vu de Faroer verklickeret, im Joostal no Mundart- Freilichtspiel aabote wered, de Burger Steff sie baarschwarzwälder Mundart bim Predige im Münschter nit verhebbe khaa, solang stirbt s Alemannisch no lang nit uus. Wenn die Schwarzwälder Skiadler Legende de Nation erkläret, dass es „die wo„ hoesst und nit „diejenigen, welche„, merket ihrs: 5 Buechstabe gege 16 Buechstabe, s Komma gar nit mirgrechnet, denno verhebbt s no lang. Au wenn de Streiche Chrischtian dereinst am Hockestäcke des Lehrangebot, den Lehrufftrag vu de Buechebacher Bolzer aanimmt, und dene anatolische, lybische, akkademische Secondo- Stroosekicker und dene Ibe- und Attedäeler Buurebuebe de Deckungsschatte uff Dreisam- Alemannisch verklickeret, denno gohts sowieso nuu no, wie bei me geniale Steilpass, ghörig uffwärts. Allerdings sottet die iibilte alemannische Borgermäeschter nit am Grensilli Roulet Tisch hucke, Millione Chips vor sich uffbieget, sondern halt wieder am Stammtisch nuu um Pfennig spiele beim alemannische Benokel oder Zego dresche. Schriftsprooch, Buechsproch, manche saget au „Hochdeutsch“ zu dere gstelzte Mundart, heb sich nuu zuefällig ergähe, weil de Thüringer Luther halt sie Sproochart vu dä als Bibelsprooch drucke lau hät. Sunscht miesstet nämlich die zuegreiste Bildungsbürger i de Städt wie Friborg, Konschtanz und Lörrach die domols vorherrschend fränkisch- alemannisch, poesievoll Mundart schwätze.

Mir Ducklimuuser, mir Hennefiddle sottet halt mit Stolz iisere Mundart– Fahne selbsbewusst schwenke. So wies d Schwiezer im Fernseh, im Radio, im Parlament, i de Konzern, i de Wisseschaft, i de Kunscht und i de Banke hemmungslos machet, denno hät de Alemanne- Karle us Sydney/ Down Under amend doch nit ganz reacht.

Nepomuk hilft immer

Pfohren von Karl Merz

Sankt Nepomuk, du guete Maa…….

Sankt Nepomuk, du guete Maa“ gelesen von Maria Simon

Altmühlbrücke Bischofsstadt Eichstätt

Immendingen

Hüfingen

Eichenbrücke über den Rhein bei Rheinau

Überlingen

Eichstätt

Sankt Nepomuk, du guete Maa…….

Z` Pfohre uf de Dunnebruck
Do stoht en Heilge Nepomuk
Und Dunne abwärts, me kahs kum zelle
Stond no en Huufe vu dene Gselle
De Pfohremer aber , säll isch de Erscht
Worum du ihn halt fescht verehrscht
Zwoa Eschinger Wiiber us de Eile
Verhebets s` Rädle ver e Weile
„ Hai , so bressant worschs doch nit haa
Mir betet weng zum Heilge Maa“


S`erscht Gsetzli:
„ Oh Nepomuk do z` Pfohre uf de Bruck
Halts Hohwasser alljohr selli zruck
Laß i de Eile d` Gärte nit versinke
Laß d` Hiener, d`Hase, nit verdrinke
Falls d` Fluet halt nit verbremset krieegsch
Verschon die Brigach, wenns Wetter kumme siesch
Schieb d` Wolke schnell is noh Bregtahl
Ich bitt dich drum, mach doch nit en Verzahl
Und fang halt aa mit Überschwemme
Dä z` Briilinge, z` Hifinge , halt dert dänne
D` Schnuufer sind s`Wasser scho langeewig gwähnt
Des word scho im Rodel iber de Dick Karl erwähnt“

S` zweit Gsetzli
„ Oh Heilige Sank Nepomuk :
Bewahr iis doch vor grossem Schadde
Bim Saie, Jäte und bim Grabbe
Gib aacht uf d` Brigach und guck jo druff
Daß nit die Eile, und nit au en Schopf versuuft
Daß d` Brigach jo nit überlauft
Die Fluet nit uff de Allee rummlauft
Dass s` Wasser nit d` Vorstadt und no Hieser nimmt
Und au kon Moscht und Bier im Käer rumschwimmt“

S` dritt Gsetzli
„ O güetige Sankt Nepomuk
Uf dere broate Dunnebruck –
Und loht sich halt die Wassergwaalt
Die machmol kunnt, vum Wälderwaald
Halt ums Verricke nit verklemme
No fang halt aa, mit Überschwemme,
Ech bitt dech drum , du guete Maa, –
Z` Brielinge dänne oder erscht z` Hifinge aa
Die Schenkelisäger und selli Greichte
Au d` Schnuufer dierftet au mol beischte
So all paar Johr e mool e Baad
Des wär ver die koe weng en Schaad „

Jo so wars, Kulturbrucke uff de Baar

01. Februar 2021 Beitrag zusammen mit Andreas Hofmann

En Bruckeheilige verzehlt

Wo mer d` Schliefibruck vu Wolterdinge im Elsespitz versetzt kha hond, han ich mit beim Pfarr Werner Arnold erwähnt, dass do fascht no en Nepomuk fehle dät. De Pfarr hät kuntenend gsait: „ Ja das ist ja eine wunderbare Idee, da red ich gleich mit Herrn Wolfgang Kleiser vom Hammer wegen einer derartigen Skulptur. Das Geld für so etwas bekomme ich zusammen „. De Pfarr hät de Kleiser aagrufe, ein Preis uusgmacht und e Nepomuksculpur mit Sockel und 80 cm Höhe bschtellt. De Pfarr hät noch guet 25 Johr i sim doch lieb gwunnene Wolterdinge zum aastehende Abschied no mol e spirituelles, langlebigs, fascht uuvergänglichs Zoache setzte will.

Wo mer den Prager, den schweygsche Schelm denno uff em Schliefiwiederlager ännigstellt hond, waret alle ganz platt. Daß kon bläret hät, war grad alls. Am seeligschte war natierli de Pfarr. De knitz Kleiser, des knorrig Wäldermaali, hät denno gsait: „ Wissener, ich haan`s mir reiflich überlait, der Nepomuk den ich eich mach , den stell ich unters Motto : „Haltet ein !“. Un so isch au sii uugwöhnlichi Mimik, sie Gestik mit dere abwehrende Handstellung entstande. De Wolfgang Kleiser hät uusdrücklich dargleit, dass die Hand nit nuu segnend, sondern au mahnend zum Verstau sei. Zerscht hät des im Pfarr nit ganz so passt, aber noch paar Augeblick hät er selli zfriede zuegstimmt. Me kaa sich koo bessers Motto oder kon bessere Name für die neumodisch Broncestatue vorstelle. Es passt halt uffs I- Düpfli. !


De Oberminschtrant Thorsten Frei

De Kleiser isch draa gange und natierli bruuchts für so e Einweihung e Feschtle. S`ganz Ort hommer aaboret, dass sie die Wolterdinger Dorfgschicht mit historische und aktuelle Figure und Tätigkeite aussagekräftig bei me Gang über die uffgmöblet Schliefibruck darstellet. De Pfarr hät de Nepomuk gweiht und dem Steg mit spirituelle Wort und eme feierliche Akt wiitere 100 Johr erfolgriiche, segensriiche Lebensweg gwünscht. De Minschtrant, on mit ere fundierte Grunduusbildung, hät übrigens de Oberborgermoeschter Thorsten Frei gmacht. Und so stoht desell „Haltet Ein – Nepomuk“ uff de Schliefibruck und wacht über s `ganz Unter Bregtal, s ́ lieblich Dorf, de uurig Halleberg, die beschauliche Bregaue und erinneret und ermahnt uns, dass mer`s nit übertriebet sottet. Er isch de Erscht Nepomuk a de Breg, de zweit isch de Hifinger Nepomuk, de Dritt stoht als erschte a de Donau z Pfohre und e Vierte z Giisinge. Bis d Dunne im Schwarze Meer versorret dürfts no mehrere Hunderti vu so Nepomuk Bildstöckli gähe.

Schliefibruck Nepomuk vum Wolfgang Kleiser

Wa aber isch des für en Maa, desell Johannes Nepomuk ?

Natierli han ich i sellem Buech, wo ich mol a Wihnächte als Minschtrantegschenkt griegt han „ Helden und Heilige“ nochglese. Au Bibliotheke han ich durchstöberet. De Kerli hät mi doch selli verwunderet und aagregt. Wenn i denno im Südweschte umenand gfahre bin, han ich zmols nit nu uffmerksam noch Brucke uuschau ghalte, sondern zmols au noch Nepomuk- Statue. Aber nit nu uff oder an Brucke bin ich fündig wore, sondern au i Gebäudenische, an Wänd, uff Feldflure und Gartemuure isch er zum finde. Sogar Hotel und alti Gasthieser hond den Name. Uffs mol han i gmerk und khaa des au belege, dass des de meischt uffgstellt Freiluft- Heilig im deutschsprochige Raum isch. Sogar z Norditalie han ihn scho entdeckt. Do kunnt konn Johannes, koe Maria oder sunscht on vu de populäre Heilige mit. Wa aber macht den Maa so uussergwöhnlich, worum isch der immer no so modern ? so zeitgemäss ?

De Johannes Welflin von Pomuk isch um 1350 uff d` Welt kumme. Er war ab 1380 Priester und war Notar und Sekretär vum Bischof vu Prag. Studiert hät er die Jurisprudenz a de Uni Prag und Padua und hät anne 1387 de Doktor griegt. Während dere Ziit isches zu me Striit zwischem König Wenzel dem IV und em Erzbischof Johannes Jenstein vu Prag kumme. De Generalvikar Johannes von Pomuk hät en Wahlrodel vum Erzbischof innerhalb vu 3 Tag gattig umgsetzt, ohne dass er die Einspruchsfrist vum König abgwaartet oder verlängeret hät. Desell war au grad no uff Reise und war stinksauer, dass die Frist abgloffe gsii isch und die gnitze Kleriker ihn vor vollendete Tatsache gstellt hond.

De König Wenzel hät denno gähwietig die ranghöchschte Kleriker verhafte und foltere lau. De Erzbischoff hät grad no schnell vertlaufe kinne. De Kleinscht, de Nepomukli, hät sich de beleidigt, jähzornig Unhold uusgsuecht und ihn mit eme aalte, verkaibete Mühlstoa am Hals vu de Karlsbruck z` Prag i d` Moldau werfe lau. Versäufe war dämols die üblich Hinrichtungsmodi für Geistliche und Kleriker. Aageblich seiet beim Versuufe fünf Flamme us de Moldau zünglet und später het mer immer wieder mol 5 Sternli usem Moldaukies unneuffi blinzle gsähne. Und drum word er als onzige Heilige nebet de Maria mit eme Sterne- Heiligeschii dargstellt. Für mich aber isch des au e spirituelles, aussagekräftigs Symbol und en Vorläufer für de Europa Sternekranz. Do drüber sottet emol de panonisch Orban, die Pole- Nationalischte und die Brexit- Zündler mol nochdenke. Bis do isch des alles historisch belegt. Aber wie mer a de Flämmle us em Wasser sieht, fanget dert scho d` Legendebildunge aa. Und beim Nepomuk sind die selli zahlriich.

Nochdem ihn de König Wenzel abgmorkst hät, isch er zum Märtyrer wore. Um christliche Märtyrer ranket sich meistens schnell Legende und überlieferte, mündliche Gschichte. Natierli villmol i Mundart und die verbreitete sich unter de gwähnliche Liit. Drum gohn d die Rachegelüschte vu sonige Despote gschichtlich überhaupt nit uff. So au i dem Fall. De Nepomuk isch wege sinere Wunderwirkung bald mol selig gsproche wore und bald au anne 1732 zum Heilige erklärt wore. Sit sinere Ertränkung war er de bedeutendste Heilige im Habsburgerreich und im deutschsprachige Süde. Er hät dä sogar als Art „Staatsheilige“ golte, saget d` Historiker. Wundere duet mich nuu, wieso selleweäeg d` Habsburger Briilinger kon Nepomuk an ere Bruck oder eme Sägi- Bach hond. D` Villinger Habsburger hond on, aber nit an ere Bruck, sondern e mächtigs, kultigs Bildstöckli am Mühligrabe, also ame Wasserkraftbach, a de Schillerstrooß.

Wie mer ghört hond isch er wege Uffmüpfigkeit versäuft wore. Anne 2009 han ich z` Jestette z` dond ghet. Und wie meischtens, wenn i dä abi kumm, fahr ich über die uuglaublich schee Rheinauschleife mit em Kloster und über die uralt Eichebruck zwische Rheinau und Jestette. Wo mi de Zöllner vor de Bruck mit e me „Grüezzi“, isch guet“ grad dorchwinkt, huckt doch tatsächli so en Gartebuzzli mit eme Strohhuet, kurze Hose und eme gelbe Hemdli uf de Bruckebalustrade. Aadächtig und versunke guckt er uff die überdacht Eichebruck und uff de modern Nepomuk, der dä uff de Bruckebalustrade stoht. De erscht Gelbweste- Vordenker lang bevor die Bewegung entsande isch, han i denke messe, wo ni wiedermol im Bildfundus noch Nepomuk Bilder gsucht han.

Legende um de Nepomuk

Bei villne Heiligegschichte gohts villmol um „Sex an Crime and Rockn- Roll“. Koe weng andersch wie hitzutag bei Promis, Politiker, Kleriker und Schereschliefer. De Nepomuk war tatsächlich au de „Beichtiger“, de Bichtvatter vu de Königin Sophie, de zweite Frau vum König Wenzel. Dere Frau hät de Maa, de König Wenzel, aadichtet, sie sei imme andere Noble a d` Wesch gange. Drum heb er vum Nepomuk verlangt, er soll ihm sage, wa d` Königin Sopie bei ihm do drüber biichtet heb. Do isch er aber beim Nepomuk an Falsche groote. Der hät koe Sterbenswörtle wegem Biichtgeheimnis verrote und au do drum hät de gruusig König Wenzel ihn ebe i de Moldau versäufe lau. Und wege dem isch de Nepomuk wege sinere Verschwiegeheit i sinere Hauptheiligefunktion de Patron vum Beichtgeheimnis und vu de ` Verschwiegeheit. Verschwiegeheit isch au en wichtige Grundsatz vu de Jesuite. Und drum hond die ihn au zum Vize- Patron neben Franz- Xaver gmacht. Die fünf Stern i sim Heiligeschii sollet au die fünf Buechstabe vu dem lateinische Wort „ t a c u i “ uusdrucke, wa so vill hoasst; “Ich habe geschwiegen“.

Wie konn zweite Heilige isch er also so en Art Universalheiliege, also e Geheimwaffe oder en Alleskönner. Wie scho gsait also fürs Biichtgeheimnis, die Verschwiegenheit und au de Patron für d` Pfärrer.
Weil sin Tod au mit Wasser, mit de Moldau- Karlsbruck und de oft uuberechenbar Wasserkraft zämethängt, isch er au de Patron für d` Müller, für d` Brucke , für d` Flösser und für die zahlriiche Flusschiffer (Waidling, Ulmer Schachtle, Segmer. Lädine usw.).
Und vor allem für allgemeine Wassergfahre wege Überschwemunge, Schneeschmelze, Dunderwetter, Wolkebrüch, Eisstau und Verklausunge.


Daß mer ihn hitzutag immer no bruuche khaa, sellewäeg han ich des Gschichtle und des Nepomuk Gedichte gschribe. Die Gschicht häts mer oefach zuegschwemmt wie Treibguet bii Hohwasser.
Und wege dem hoasst min 60- jährige Unimog scho sit de Schliefibruck i mim Kopf: „Nepomog“ und erinneret mich a de Motivname und de Skulpuregestus vum Wolfgang Kleiser: „Haltet ein“

Nepomuk nach Sebastian Blau

Sankt Nepomuk, du guete Maa…….

Z` Wolterdinge uf de Schliefibruck
Do stoht en Heilge Nepomuk
„ Kumm, so bressant häschs doch jetzt nitte
Me wend ihn, um ebbs wechtigs bitte „ :

„ Oh Heilige Sank Nepomuk :
Bewahr iis doch vor grossem Schadde
Bim ..Schwimme, und bim Badde
Gib acht uf d` Breg und guck jo druff
Daß nit e Goass oder gar e` Kueh versuuft
Und dass die Breg nit überlauft
Die Fluet jo nit i d` Au nuuslauft
Dass s` Wasser nit des Dorf und Hieser nimmt
Und au kon Moscht im Käer rumschwimmt

– „O güetige Sankt Nepomuk
Uf iisre scheene Schliefibruck „ –

Und loht sich halt, die Wassergwaalt
Die manchmol kunnt vum Wälderwaald
Halt ums Verricke nit verklemme
No fang erscht aa mit Überschwemme,
– Ech bitt dich drum , du Guete Maa,
Erscht z` Briilinge oder z Hifinge aa

Die Schenkelisäger und selli Greichte
Die kennet au mol schnuufe und kherig beischte
So all paar Johr halt mool e Baad
Des wär ver die koa gwiss Gott konn Schaad „

© Hubert Mauz / März 2015 sehr frei nach Sebastian Blau 1934

St. Nepomuk von Sebastian Blau

Vorgetragen von Andreas Hofmann

En Raoteburg stoht uf dr Bruck
e‘ Heiliger Sankt Nepomuk.
Komm, so pressant hosch-s ete‘,
mr wend gschwend zua-n-em bette‘:

»O Heiliger Sankt Nepomuk,
bewahr me ao vor Schade‘
beim Schwemme-n-ond beim Bade‘;
gib uf de‘ Necker acht ond guck,
daß dren koa‘ Ga’s ond Geit versauft,
ond daß r jo et überlauft,
et daß r mit seim Wasser
de‘ Weag en d Stadt ond d Häuser nemmt,
ond aos de‘ Wei‘ im Kear rom schwemmt.
O Heiliger Sankt Nepomuk,
do tätest aos en baöse‘ Duck!

Ond loht se halt
mit aller Gwalt
s Hochwasser et verklemme‘,
noh hao‘ en Ei’seah‘, guater Ma‘
ond fang mit überschwemme‘
e bißle weiter donne‘ a‘:
dia Goge‘ nemmets et so gnau,
en deane ihren saure‘ Wei‘
därf wohl e‘ bißle Wasser nei‘
– ond evangelisch send se ao…«

Quelle: Das große Josef Eberle Sebastian Blau Lesebuch, DVA München

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