Unglaublich was so ein Jubiläumsjahr so alles ans Licht fördert. Auf einmal sind Bürger hellwach und werden auf unbeachtete, längst vergessene Dinge aufmerksam. Kurz vor dem Glasvortrag kommt ein Anruf von Gisela Ruth: Komm mal vorbei, ich hab einen grossen Glasstein und ein Trinkglas mit einem eingravierten Liebesbrief. Sie zeigt mir einen wunderbaren, grossen, schweren Glasmassestein mit anhaftender, markanter Glasgalle. Das Schwergewicht hat Sohn Ralph vor 40 Jahren an der Reiner Halde ausgegraben. Der grösste, schönste, marmoriert und bisher entdeckte Glasfritte-Brocken von der Glasi Wolterdingen. Verblüffung wandelt sich in Begeisterung.
Aber das zweite Objekt mit seiner wundersamen Geschichte macht geradezu fassungslos. Und es liefert auch die perfekte Vorlage für ein Vortragsthema, wofür noch ein ausdrucksstarkes Bild oder Objekt fehlt. Nämlich das unvergängliche Glas darzustellen als Datenträger für die Archivierung der Weltformeln und es somit zu erklären. Dieses Teilthema des Glaswunders kann man nun durch die Steilvorlage durch dieses Becherglases lebensnah, poesievoll und anschaulich erklären.
Aber nun von vorne. Glas ist das beständigste, fast korrosionsfreie, unvergänglichste von Menschenhand geschaffene Material. Und das prädestiniert es dazu, diese sogenannten Weltformeln zu archivieren. Bisher wurden die wichtigsten Daten, Fakten, Erkenntnisse und Formeln auf Papier, Stein, Horn, Bein, Ton, Leder und Metall geschrieben. In der Neuzeit auf Digitale Datenträger. Ausgerechnet die sind am Kurzlebigsten, am Vergänglichsten und haben die geringste Halbwertzeit. Weil hochwertiges Glas eine Verfallzeit von mindestens 20 000 Jahren und mehr hat, schreibt man eben diese Weltformeln auf Glas. Und das binär und rein optisch. Also bekommen unsere Nachfahren zu diesem Glasdatenträger eine intelligente Gebrauchsanweisung dazu, eine Erklärung wie man binär und rein optisch liest. Und schon können die Menschen, falls es diese Spezies in 20 000 Jahren noch geben sollte, unsere Gedchichte, unsere Zivilisation so auf Glas erklärt bekommen. Und das auf einem 1 Quadrat Zentimeter grossen, sehr korrosionsarmen Glasscheible. Optisch lesbar und ohne dann ohnehin schon lang verrottete digitale Hard- und Software zu benutzen. Mindestens 2000 dicke, wissenschaftliche Bücher sollen auf so ein Scheible passen. Und jetzt kommt unser Liebesbrief von 1907 ins Spiel. Von Claire Krämer auf ein mundgeblasenes Glas, evtl. aus der Glasfabrik Wolterdingen, von Hand graviert. Dieser Brief wäre noch lesbar in 20 000 Jahren, wenn die dortigen Wesen noch Deutsche Buchsprache könnten. Und so geht diese Geschichte, eine der vielen Geschichten hinter den vielen Glasgeschichten. Kaum eine andere ist so poesievoll wie diese:
Eine ältere Dame im Senjohrenheim St. Michael übergibt das Glas der Betreuerin Gisela Ruth zur Verwahrung und zum Andenken an die Wolterdinger Glasfabrik. Das mundgeblasene Becherglas habe eine Frau auf einer Bahnfahrt von Rügen nach Berlin von Hand freihändig graviert. Es sei ein Liebesbrief in oder auf Glas. Bei Gisela ist es jetzt durch diesen Glasvortrag wieder aufgetaucht. Betrachtet man die Inschrift mit der Lupe und bei günstigem Lichteinfall liest man, dass eine Claire Krämer diesen in ein Glas gravierten Brief 1902 geritzt hat. 1907 muss sie ihn ergänzt haben, wie auf dem Boden des Glases erkennbar ist. Erst dann hat sie diesen Glasbrief ihrem Verehrer vielleicht übergeben. Dass sie eine fast unvergängliche Form dieser Mitteilung gewählt hat, dürfte sie nicht gewusst haben. Sie hat die fast zeitlose, hochmoderne Art der Datenübermittlung und der Datenarchivierung in unbewusst weiser Voraussicht vorweggenommen. Wenn das mal kein Anlass ist das Hohelied auf das Glaswunder zu singen.
Und so heisst der unvergängliche Text auf dem fast unvergänglichen Glas:
Der Brief auf dem Glas vom 4. August 1907, gesprochen von Maria Simon.
Gestert Obet hät mich d` Barbara Riesle usem Holzschlag, des isch d`Regieseurin vu de Jostäler Freilichtspiel, ganz vergelschteret aagruefe. „ Mir finde aifach kaini Saichente us Glas, nu so Plaschtik Glumpp. Des kinne mir natierlich nit bringe. Mir wend selli wirklichkeitsnoh die Gschicht vum Glasmache in de Glashitti im Ferndobel verzehle. Au die Requisite und die Werkziig und die ganze Klamotte und d` Kulisse mien doch stimme“. Natierli han i beim Stückleschriebe genau des au welle und genau beschriebbe und verklickeret. Mit de Schauspieler und de ganze Mannschaft us Kulissebauer, und Liit hinter de Kulisse, hemer en Bildervortrag gmacht. So hend die sich ins Stückli niidenke kinne. Au de Staiberg und de Weg vun de Staibergkuppe, wo sie de Quarz, die Gaggeli, gholt hend , hemmer en ganze Mittag lang aaguckt und de zauberhaft Geist vun dem Ort ufflebe losse. S`eigentlich, tatsächlich Glasmache hemer in de Dorotheehnhütte in Wolfach aaguckt und uns vum Konrad Murr, eme Wolterdinger Nochber und langjährige Glaskocher in Wolfach, zeige und erkläre losse. Au des hend die Jostäler Gsellschaft denno druffghet. S’Köhlere hemer uns vum Reinhold Berger, einem der fundierte Kenner und Könner und aktive Schauköhler, in Wolpadingen, am Dachsbverg, zeige und erkläre losse. Modell für Riese, Gaggeli- Staipoche, Seilereimaschinle, historische Glasträger-Krätze hemer baut. Und au noch Glas-Saichente, e liicht derbe, aber aaschauliche Einlage in dem Stückle, hemer gsucht. Letztjohr het mer no gläserne kriegt. Aber jetzt wo`s druff aakumme isch, jetzt häts beigott doch no saumässig klemmt.
„Verzwiefel nit, Barabara, des krieger mer au no naa!“, han ich sie beruhigt und Seelemassage am Telefon, Telefonseelsorge gmacht. E weng isch mir aber s’Stiftli doch au gange, nochdem de Impressario Helmut Lüber de ganz Hochschwarzwald und de Breisgau i Altersheim, Krankehieser, Sozialstatione und private Speicher durchgwühlt het. Nint, nu Plastik Pissente. Alls het mer fortgworfe, des schwer, versaicht, alt Glasglumpp.
Uff unsere eigene, private, umfangreiche Fundbühne hemer ai einzige, ai gozige ghet. Mir sotet aber 10 – 12 haa. Wo denno s` Telefon als Zaiche fum Ufflege pieps hät, han i zerscht mol e liichte Schnappathmung ghet. Paar Minute später bin i draa gange. Internet, ebay, alli zahlreiche bekannte Altepflegerinne: Alles nint. Morge ruef ich beim Konrad Murr in Wolfach aa, dass die uns 10 mundbloosene mache. Des wär nit ganz billig. Die hend uns aber au beim ganze Glasmacherwerkzieg freundschaftlich und selbstlos gholfe. Des wird e uuruhige Nacht.
Halt emol, Borgeli, kunnts mir, ich han jo au im Schwizer ebay, bim Ricardo, en Account. Do han ich scho mol en einmalig rare norwegische Spark (Art Schlitten- Rolator) gfunde. Heilige Schwarze Madonna vu Einsiedle, jetzt muesch mol helfe!
Also gib ich kuntenend ii:
„Pissente“. Het mir glii denke kinne, dass die Galöri des Wort nit kennet.
Zweite Begriff uff alemannisch: „Saichente“, oh je des isch sogar de Schwizer z’derb, z’uugobelt. Oder sind so Näme gsperrt, uusgfiltert ?
Dritte Begriff, fachmännisch, schriftdeutsch, literarisch-hygienisch und klinisch uubedenklich: „Urinflasche für Männer“. Im Bruchteil vu Sekunde e lange Liste wieder zerscht mit Plastikflasche, PE, PET, Acryl, alle mögliche Forme und Designs.
Halt, oha, an Position 17: „Glasurinflasche aus Armeebestand“. Des Wort für Männer, Homme oder Mascule, hät mer sich natierlich gspart. Nit wie beim teutonsiche ebay, wo i de Machart streng zwische Manne und Fraue unterschiede wird. Oachene Schwizer wisset, dass es konni Fraue i de Armee giht. Also au konni ergonomisch modellierte Pieselflakons. Sogar s’Frauewahlrecht isch in Appezell- Userrhode erscht anne 1978 iigführt wore. Armee-Fraueurinflasche, do stellet sich jedem SVP-ler d’Stiernackehoor. Sogar de CVP- ler und de Freisinnige.
En Herr Hermann Lörli us Neftenbach bietet, O-Ton „ 4 ASM Armeehospital, Militär: Urinflasche“ für SFR. 25.- an. „Verkaufe die Urinflaschen aus Räumung eines Militärnotspitals. Habe diese gerettet. Die Flaschen sind noch aus Glas!“ Im Fotole kaa mer feinste schwizer Präzisions- Eichstrich im Deziliterbereich erkenne. Unsere vu de Bühni zoaget nu Vierteli aa. Gottverdelli, Hurekaibesaich, das Glück isch einfach mit den Doofen, denk ich und druck sofort, nuu 20 Minute noch em Aaruf vun de Barbara, und ohne lang z’fackle uf de Kaufknopf. Do wird Barbara und de Helmut aber gucke. Wieder nuu 20 Minute später kunnt e Strompost vum nette Hermann Lörli: „Kauf geht klar“. Die vier het emer scho mol und mail- Address vum Lörli han i jetzt au. Mir sottet jo mindeschtens 10 Saichente als Requisite und als Hauptgag, als stumme Star vum Obet, i der deftig- derbe Scene han. Probiere kann mers jo mol. Also mail ich im Hermann Lörli und erklär ihm händeringend, für was eigentlich und wie viel so Saichbuddel im Schwarzwälder Alemannien, im Jostal im Summer 2018, dringend bruucht wered. 10 Minute später kunnt wieder e elektronische Feldpost. „Wunderbar, ich hab insgesamt 14 Pulle damals beim Uusbaine vum Feldspital erbeutet. Die könnet ihr für 80.- Stutz han“. Schnell guck ich wo Neftenbach liet, irgendwoher kenn ichs? Aha, glii bei Winterthur gege Andelfinge. Do hät jo min Grosscousin, de Gourmekoch, de Cuesinier Jörg Kuhn gwohnt. Und zu allem Dusel dezue, kunnt der jetzt am Samstig zu mir. S’nächste mail goht an Lörli, an Jürg, an Lüber. Dutti-kompletti, vermeld ich, alle 14 Glasente sind kauft. De Jürg Kuhn vu Elgg, grad nu 20 km nebedraa, holt sie am Friitig ab beim Lörli, zahlt sie und schmugglet die hochgeheime, intime geheimnisträger us eidgenössische Armeebeständ am Samstig nus ins „Schwobbe“, in Schwarzwald. (ob des 3 Johr später beim Neutralitäts Waffeembargo Ukraine Krieg au no gange wär? ) Wa könntet die gläserne Enteli, die bestimmt feierlich vereidigte Gheimnisträger, alles an Jämmerlichkeite, Trüebsinn, Aagebereie und Kraftmeiereie verzelle, wenn sie frei quacke und schnattere könntet ?
Innerhalb vu 2 Stunde hät de Geheimdienst und s` Netztwerk vu Beziehungskischte des Saichenteproblem schnell, günschtig und unbürogratisch uffgleist.
Die einzige offene Froge sind noch:
Übergibt de heimatverbundene, helvetisch Miltaria – Sammler Lörli im Jürg Kuhn die War. Der hät sich nämlich dem Wehrdienst bei de folkloristische Armee durch Gourmee- Koch Aktivitäte in New-York und Irland schmählich als fast vaterlandslose, treulose, ehrlose Deserteur entzoge. Darf so ebber so zerbrechliche, intime, geheimnisvolle Militärbestände ussem Ländli uusschaffe ?
Wenn aber au no beim genetische Fingerabdruck bei einere vu dene Glasente ruuskumme sollte, dass die im Tornischter vum heldehafte General Guysant gsii isch, wird die Saichent no zu einere hochghandelte Reliquie. Oder hät amend eine devu de Adolf Oggi unterm Feldbett bim WK parat ghett ? Wenn de Nationalrot vum Armeedepartement Ueli Muurer sin Harndrang in so einere Pulle gstillt hät, denno wär sie derziit schwer zum vermärte.
Uff jeden Fall sind mir de wehrhafte Schwizer Armee, em Maketender Hermann Lörli und im Postillion und Kurier Jürg Kuhn zu immerwährendem Dank verpflichtet. Ohne den selbstlose, alemannische Kulturtransfer wär unsere Jostal-Freilichtstückle- Scene mit dem Glasbuddel- Ufftrag vum Sychehuus im Dreisamtal ums Hoor, im wahrschte Sinn vum Wort, jämmerlich de Orkus nab.
Grüezi mitenand, Merci vielmols und nünt für Ueguet, ihr schwiezer Militaria Sammler.
Stillgestanden!
Rührt euch!
Paar Woche später bsuechemer d Glasi Hergiswil. Dä wo die Glasmacher Blessing, Sigwart, Beha us Herzogewieler ännizüeglet sind noch em Glasi- Niedergang am Wolfsbach. Au die Glasi isch zwische de Weltkrieg am Vagante gsi. Huuresaich aber au. Weil Urinente aber offesichtlich vu nationaler Bedeutung waret, hät de Bundesrot für die Volklore Muli- Fahrrad- Schüssibengel Armee 40 000 Saichente z Hergiswil postet. Dodemit war d Buddi fürs erscht grettet. Wohrschienlich sind mini 14 Entili no us dem hochnoble, weitsichtige Rettungsfond. Swissair und Credit Swiss lond grüesse und Hergiswil sait mercy villmols.
Won i wieder mol s Gräch uffgrummt han, isch mer des Helvetisch Vorkriegsfahrrad unterkumme. Waa siehn i doo: Am Unterrohr isch koe Trinkflasch wie hit zu Tag aamuntiert, sondern so e Militärsaichente Marke „Glasi Hergiswil“.
Der wortgewaltige Erzähler Roger Willemsen sagt, er erinnere sich an Städte, Länder, Landschaften, Erlebnisse oder Regionen fast nur anhand von erlebten Geräuschen. An Rom durch das ständige Surren der hochtourigen Motorinos. An Isafjördur im hohen Westisland wegen des Schlagen und Klackens eines sturmgepeitschten Fahnenmastseiles mit Karabiner vor dem Hotelfenster. Weil auch mich das einmal genauso um den Mittsommerhellen Schlaf gebracht hat, ergeht es mir seit Willemsen Tipp genauso. Hamburgs Dampfertuten, Münchens Glockenspiel, Lissabons Tramgebimmel und Gleis- Gekreische, Vierwaldstätter See Raddampfer Geplantschte, Pfferdehufestakkado beim Palio, das Rauschen am Regensburger Schwall, das Sturmgeheul auf der Glarner Fridolinshütte und die unvergessenen Eschinger Töne und Melodien wie d Siedebuddi und abdampfende Lokomotiven.
Und plötzlich, unverhofft und unerwartet ertönt erneut ein wahrhaft schneidendes Geräusch. Im allerwörtlichsten Sinn. Nur noch ganz wage erinnert man sich an dieses zischen aus Kindheitstagen. Auch damals schon selten, denn der Messerbalken am 13 PS Kramerbulldöggle mit seinem metallischen rattern und kreischen hat sich damals schon durchgesetzt. Vor dem stählernen Messerbalken mähten sich die Mäder aus dem Unterland gekonnt und virtuos in grossen Gruppen vom Schwarzwald in die Baar. Und sie brachten nebenbei die neuesten, meist deftigen Geschichten mit und belebten die Zagat- Abende am Hofbrunnen. Auch heirateten sie sich durch diese geselligen Abende in die Baar ein oder aus ihr heraus. Denn manche Magd oder Hoftochter wurde nebenbei durch diesen Heiratsmarkt der Wandermäder an den Kaiserstuhl entführt. Die Bauern, Knechte und Mägde nahmen die nicht mehr gut gepflegten und gedengelten Sensen, d Sägis, nur noch zum Ausmähen um Ecken, Bäume und Halden in die Hand. Da, wo sie mit dem klappernden, unkommoden Messerbalken nicht hinkamen.
Und urplötzlich ist es wieder da, das sanfte, rytmische Zischen in einem gleichmäßigen Tackt. Wie mit einem Metronom vorgegeben. Nur alle 2-3 Minuten unterbrochen von einem Wetzgeräusch. Auch das in einem klaren Polkatackt, linksrechts, linksrechts. Beendet mit einem klapper Klaks, wenn der Wetzstein wieder in den Kuhhorn Köcher fällt.
Wieder erlebt wurde das, als Wolfgang Köhler sich anbot, die Obsbaumwiese dieses Jahr von Hand zu mähen. Denn er hilft jedes Jahr drei Wochen lang einer Südtiroler Bergbauernfamilie Wildheue zu machen. An Steilhängen wird beharrlich von Hand mit hingebungsvoll gepflegten, kenntisreich gedengelten Sensen das Almkräutergras gemäht. Nachdem dieses gehaltvolle Wildheu dann in die Almhütten eingetragen ist, kehrt der „Schwarzwoid Wolferl“, wie ihn die Bergbauernfamilie anerkennend nennt, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zurück auf die Baar. Und dort lässt er seine Rasierklingen scharfen, perfekt gedengelten und gewetzten Sensensortimente durch durch das borstige Obsbaumwiesengras zischen. Es gibt sie also doch noch, die guten, hilfsbereiten Seelen und diese Zischtöne aus längst vergangenen Mädertagen.
En Guu goht hit dorch iser Huus Vu Schmalzfett, Hefedoag und Epfelmuus Und frischem Moscht, no i de Kante Doo kummet`s grent, die bucklige Verwandte
Hubert Mauz am 28. September 2022
Gewinner Biebli mit Fähnli und Hammel als Preis / Niederesche in den 60-ern. Aus Archivfundus Trachtenverein Reckhölderle Niedereschach
Hammellauf
Wenn i ab und zue mol über die nei Brigachbruck z` Gräninge fahr, no gucki all uf die Feschtwies dorri zwische de Schmitte und de Krone. Denno stieget, wie so vill mol, Kindheitsbilder i mir uff. De erscht Vorhang isch des Leporello vum Gräninger Hammellauf. De Zweit Vorhang sind Schiffschaukle und Karussell, de Dritt de Dreschschuppe und de Viert s` Hohwasser vu de Brigach, wa um die aalt Boge- Bruck schuuset. Aber nochenand.
A Kilbi war de Gräeninger Hammellauf. Uf de Brigachgwies bi de Schmitte vu`s Schorppe war e kleis Karrusell, e Schiffschaukle und e Schiessbuddi uffbaut. D` Feierwehr hät useme grosse, holzgfierete Wäschkessel Serbele und Schibbling mit eme guete, selberbachene Buurebrot verkauft. Uf eme Diele wo uff zwoe Böck gstande isch, häsch useme Eimer, wo e Pumpi draa war, mit eme uuastänige Gräusch en große, geäle, gstrechne Dolke Sempf uf die Worscht pfluddere lau. Des waret halt no Werscht vum Mexer und des Brot hät no de Guu vum Kachelofefier und de Äsche khaa. Daß es usem Bachofe vume Buurehuus war, des häsch am iibachene Ruess und de Holzrescht a de Bodderinde vum Brot gsähne. Uff de Zai häschs au gmerk, wenn de Oortmocke und die knusprig Brotrinde kafflet häsch und es debei eweng gnirscht und knischteret hät. Nochdem mit eme große Gnuss die Serbele verdruckt häsch, bisch am Karrusell, de Schiffschaukel und de Schiessbudi ummegmuuset und häsch kalkuliert, ver waa und wiewiet s` Sachkgeld, de Batz vu de Oma und de Gotte, langet. 20 Pfennig ver de Hammellauf hät uubedingt übrig bliebe messe. Noch ere halbe Stund isch de Entschluss g`stande: 50 Pfennig für Bränti Mandle und oemol Schiffschaukle ver 20 Pfennig. Mit eme kleine Schiffli. Zerscht häsch no de Große Latschi zueguckt wie sie a de Iberschlagschaukel ihre Kraft, Uusduur und Muckis uusprobiert hond. Dieselle sind iigstige und hond vum Karrusellbremser en broate Rähme um de Buuch aagschieret griegt. Uff beide Siite sind sie anere Kette a de Schaukelstrebbe aakettmet wore. De grossgoschig Schaukler hät nomol aageberisch i d` Händ gspeitzt und denno vum Schiffschaukelbremser en Aaschuk griegt. Jetzt hät er bumpet, sech verkrimmt, isch i d` Knie, und höher und höhner gstigge. Korz vor em Überboggle am Ruhepunkt häsch ammel gmond jetzt kait er abi. De gwagt Ibberschlag war s` Ziel vu dere Aastrengung. Wer des gschaffet hät war a dem Mittag de Feschtkönig vu de Brigitäler Feschtlatschi, nebem oder noch em Hammel. Wenn 2-3 Kerli a dem Dag ummi kumme sind, wars vill. Wenn on oamol ummikumme isch, denno isches uf oamol liicht gange, no war de Boge dusse und de Schwung do. De Bremser hät en unter Gjohl vu de Brigitäler Halbstarke und em Giigse vu de mollige Maidli, hit dät mer „ Groupies „ sage, no so 10 mol voll uuschwaie lau. Erscht bim 10. grandiose Überschlag hät er des Schiff abbremst, uusgschieret, de Rähme und d` Ketteme glöst. S` Schätzli, wenn er scho oes kha hät, isch im um de Hals khait und uusnahmswies hät er i aller Öffentlichkeit en Schmatz uf de Backe griegt. Dieselle wo s`halt nit ganz gschaffet hond, den schwerelose Überschlag, die hät de Schaukelbremser noch so 20 meh- oder weniger fascht- Iberschläg mit em Bremsbrett abgmicket. Die gschlagene Helde hond am Obet bim Hammeltanz konni guete Kaarte khaa bei de Maidli. Noch dem mer dem Heldekampf e Ziitlang zuegucket hond, simmer id Kinderschiffli gstige und hond gucket, dammer wenigschtens uf halbi Höhi kumme sind. S´ näascht Johr isch wieder Hammlelauf und denno bisch 3 Kilo schwerer, sterker und schleesch de aalt Rekord um mindschdens 30 cm. Warted nuu, eich zoag echs scho no. Und wenn i groß bi, denno mach au ech de Überschlag. A de Schiessbuddi hond sie au Gickili mit Brennte Mandle oder Erdniss kha. D ` Erdniss waret 20 Pfennig billiger, des duets au. Und wenn bim lahmarschige und triebsinnige Hammellauf no eweng ebbis zum Niss us em Gickeli zum kaffle häsch und im Vordere und im Hintere, bsunders wenns amend no e nett Maidli isch, no eweng langi Zai mache kaasch, isches au guet.
De Feierwehrkommandant hät gschellet und Gjohlet dass i 10 Minute de Hammellauf losgau dai und me gi zahle gau sott. Am Iigang zum magische Kreis, isch de Feierwehrkassier gstande und hät jedem 20 Pfennig abgnipft. Guet 40- 50 Kinder sind jetzt i dem vu de Feierewehrmanne mit Hanfsäeler abzerklete Hammelring gstande. I de MItti ame Pfoschte en scheene, gstriglete und kränzlete Hammel. Er hät bleed us de dicke Wolle gucket und gmäckeret wie ebbe e dumms Schoof. Jetzt hät de Kommandant de „ Kaiser- Uhre“ Wecker mit dene Doppel- Schelle obedruff uf 20 Minute gstellt. Den Wecker hät er in en große Emaildeller gstellt, dass er au reacht schepperet, wenn er abi ghoht. Mit de große Feierwehr- Alarmglocke hät er gschellet wie verruckt und de Wecker renne lau. Jetzt hät sich der Kinderlindwurm im Umlaufring umme draiet im Hennedäppeli Schritttempo. Dä wo de Wecker uff me Schemmel gstande isch, war en kränzlete Torboge mit eme Art Käfig. Wer i dem Gatter gstande isch, wenn de Wecker abigange isch, der hät de Hammellauf und natierli de Hammel gwunne.
Hammellauf Wecker im Resonanz Teller
I manche Boorgmonde hät mer e Fähnli, wie bei me Staffellauf, all im Hintere übergähe messe. Wer beim Weckerscheppere des Fähnli i de Fingerli ghet hät,hät de Hammel gwunne. Zwonzg Minute sind ver e Kind, wo gspannt isch wie en Pfieleboge, e Ewigkeit und d` Spannung fascht nit zum verhebbe. Aber jedi Qual hät au mol e End, de Wecker isch luut und schepprig aabi gange. Min beschte Kinderfreund, de Seppli , isch im Gatter gstande. Ech hinne draa und han do demit de 2. Preis, en kochte Schunke, gwunne. E Maidli vor em Seppli, d` Rita hät die groß Tofle Schokelad gwunne. Die drei Kinder waret zfridde aber die andere 40 hond denkt: „ Jetzt bisch wieder 20 Minute dolorig im Ring umme gwattet und häsch wieder nint gwunne. Ob i do s` näscht Johr die Kummedi nomol mitmach, des moss i mer schwer iberlegge“. De Schunke häts nit lang überlebt. Bis d` Brieder und alli gute Friend versorget waret, isch glii nint meh ibrig bliebbe und eweng schleacht war der` s au. Schunke roh uhni Brot, kah der uff de Mage schlaa. Me sot nit glaube wie vill guete Freund uf oamol kaah häsch. I de Rita isches genauso gange. Sie hät sogar i de bleedschte Kuhe us de Klass e Rippli abgäe messe. So hert kaa halt manchmol s` Schicksal sogar im Glick sii.
Hammelgwinner mit Fahne Mitte, 2. Preis vor dem Fähnlibue / li und 3. Preis nach dem Fähnlibue Niederesche in den 60-er. Aus Archivfundus Trachtenverein Reckhölderle Niedereschach.
Gräeninger Hohwasser
Nebem Hammellauf hät Gräeninge no e andere Rarität zum uffwiese khaa. D` Brigach doalt befrischtet, fascht wie d`Berliner Muur, s` Ort i zwei Doel. Eng verbunde waret die beide Dorfteil a beschtimmt 350 Tag im Johr mit ere scheene Gwölbebruck us ghauene Kalkquaderstäe. Sie war korz und uff beide Siite steil aastiegend. Wie d` Rialto- Bruck z` Venedig hät sie fascht uusgsänne, nit ganz so elegant, halt eweng rustikaler, ehner e romanischi , solidi, bodeständige Bogebruck. Well sie kurz und trocke usem Brigachvorland ussigucket hät, isch s` Brigachhohwasser im Friehjohr und im Herbscht oder bei sau- Wolkebrich uf beid Siite im Hohwasservorland um die Bruck ummigloffe. Sie isch regelreacht versoffe und nuu d` Kuppe hät us dem manchmol broate Brigach- Strom uussigucket. Des hät ghoasse, dass Liit vu de Kirche – Dorfsiite nit uf d` Bah gi Schaffe, nit uf d` Felder oberm Rebberg und au nit gi Klenge und Villinge i d´Schuel oder i d Saaba gi schaffe kumme sind. Und die Rebberg Aawohner sind nit i d` Kerch, i d` Schuel, zu s Muurers gi Iikaufe, i d` Rahmi gi Milch abbgähe und au nit ufs Rothuus oder gege Wulterdinge oder gi Pfudd- Uufe kumme. Des war aber ver die pfiffige Gräeninger koe Problem. E Gmeinschaftsgfiehl, wa z` Gräeninge bis hit no aahebt, hät, im Städtedreieck eimalig, e Lösung gschaffe. Jeder Gräeninger, ob Bue oder Maidli, Wiiber oder Manne, au manche rüstige Oma oder Opa, hät gute Stelze khaa. Die handwerklich meisterhaft gwangerete Stelze hond e Art Brandzoache mit de Familie- Initiale khaa und sind zu de Hohwasserziite a de Krone oder uf de andere Siite, bi de Schorppe- Schmitte, aaglohnet, parkt gstande für de Hohwasserfall. Isch Hohwasser kumme und d` Bruck war uupassierbar hät es koe „Hohwasserfrei„ ähnlech wie Hitzefrei oder i de Feuersteinschuel Kältefrei wege Kohlemangel gäe. I de Gräninger Schuel ischs wiiter gange ohne Uusnahm, au bi Hohwasser. Vu wege Friehmess schwänze. Do sind die oagene Stelze gnomme wore und dorch die beide riissende Hohwasserrinne hochhackig aber troche gstelzt wore. S` wunderet mi hit no, dass de kindlich fromm Pfarrer Wölfle, s`Pfärrli hät mer zue ihm gsait weil er eweng korz und schmal gwaasse war, konn Heilige Christopherus, der mit em Hohwasserstäcke und de uffgraffte Gwänder und em Jesuskind uff em Buckel, a de Brigachbruck uffstelle lau hät.
Näemert im wiite Umkreis hät so guet, so akkrobatisch, zirkusriif Stelze laufe kinne, wie d` Gräeninger. Mir Eschinger mit iiserne vermoderete, vermauchete, verwormete Bohnestecke wo mit krumme 80-er Nägel Trittbrettli- Lotterfalle aagnaglet waret, wo all Forzlängi broche sind, mir hond koe Land gsenne gege die Gräeninger Stelze- Artischte. Vievill mol simmer bin Üebe i de saichte Brigach mit iiserne verlächerete Stelze z mitts im Bach soechnass bis an Buuch gsi, weil des Glump halt wieder broche isch. Natierli häsch denno au en bluetige Strieme an de Wadde kha, well so en rostige Nagel no us em Stäcke uussigucket hät.
Uf de andere Bach Siite z Gräninge sind die Stelze noch em Dorchwatte abgstellt, parkt wore uhni abgschlosse. Hit zu Dag dätet so Sache nit lang stau bliebe. Im gottesfürchtige Gräeninge war des koe Problem. Me hät die Stelze fer de Hoamweag jo wieder bruucht. S´ war fascht wie de biblisch Gang dorchs Rote Meer bi de Vertriebung us Ägypte. Nuu, dass es dert fortztroche gsii isch. Natierli häts au Liit gäe wie krummi, aalti Wieber und Manne, oder vernämmi Bürger oder ebbe Stelze- Aafänger, wie mir Eschinger, die au uff die ander Siite hond welle. Fer die hät mer en Fährdienscht, en Übersetzdienscht iigrecht. Buure mit ihrne Furt erprobte Bulldeggli, Marke Kramer Allesschaffer, i dere Ziit warets ebe au Fährbullogg, sind stundewies iidoalt wore, zum den Ibersetz im Gemeinwohldienscht, im Art Frondienst z` mache. S` hät zwar koa Glocke gähe wie bei den Rheinfähre zum de Fährbulldogg aafordere, me hät jo Sichtkontakt ghet und hät halt gwunke. No bisch uff em kaalte Blechsitzli überm Rad vum Kramer Allesschaffer khuggt und bisch trochenen Fusses dorri kumme. S` Lied „Dont pay the farryman „ vum Chris de Bourgh war no nit gschribbe, aber gstimmt häts trotzdem. S` hät glaub werkli nint koscht. S` war en koschtelose, bürgerschaftliche, Gmeinwohl Bürgerdienscht.
I de 60-er Johr isch au des Kuriosum, wet fascht sage leider, endgiltig verschwunde. Me hät e neie , aber nit uubedingt e scheeneri, Stahlbetonbruck baut, womer jetzt au bi Hohwasser ohne Fährdienst dribber kunnt. S war en Bruuch und e Kuriosität, dä z` Gräninge mit dem nette, beispiellose Bogebrickli. Und kum ebber woass es no, au wemmer draa erinneret. Und drum momers uffschriebe, sunscht words no ganz vergesse und verschwindet i de Versenkung oder versuuft im Brigachhohwasser.
Daß es fascht, wenn nit sogar scho ganz, vergesse isch, des zoaget des wunderschee 900 Johr Fescht wo z` Gräeninge anne 2009 mit eme aaschauliche, historische Lebenslauf über des Ort darbote wore isch. Dä hanni selber als historische Rebberg- Schi- und Schlittefahrer mitgmacht. Hit kunnts mer erscht, damer jo des Stelzelaufe dorch d` Brigach, de Fährdienscht dorch`s Brigachhowasser mit de Bulldeggli und de Hammlelauf vergesse hät zum zoage. Amend kinnet d` Gräninger bime nei uffglaite Hammellauf und eme Stelzelauf des no mol nochhole ?
D Niedereschmer Rechhölderli Liit hond den aalte Bruuch fascht als die Allerletschte nit verkumme lau und triebets gottlob all Johr a Kilbig no. So wie früher. Aber wahrschienlich kinntet die junge Gräninger gar nimme Stelzelaufe ? En Hammel miesst mer ehner no zämetgriege wie guet gwangereti Stelze.
Stelzenläuferin im Neuen Akerbryggen in Oslo (Wär doch au e aussagestarke Gräninger Sculptur / Relief a de Brigachbruck?)
Ich khaa alles, au Fährdienscht beim Gräeninger Hohwasser
Hammellauf
Z’Gräninge a de Brigachbruck Do stoht zwar konn Sanct Nepomuk Dä isch äbs gsii, des war jo s‘ Bescht E ganz e bsunders Kinderfescht
Fahr ech vorbei no denk ech draa Wa Kinderherzer selig mache khaa E oafach Spiel, koa halbi Stund Me bruucht e Wies, e großi Rund
Und z`Mitt en Pfohl wo aabindt isch En fette Hammel, wo gstrigglet isch Und kränzlet schee, des ischer au So kaa des Spiel au glii aagau
Zwonz Pfennig dierft’s scho koschtet haa Wa s’Kässli fillt vum Feierwehrmaa No häsch di iigreiht i die Kinderschaar Un gspanne warsch, mit Huut und Haar
De Kommandant hät gliitet, gschällt Uff zwonzg Minute war de Wecker gstellt Jetzt bisch im ringrum allbot gwattet Des Weckergschäll häsch kum verwaatet
Und wenn de Wecker am Schäfer- Wisch rattret Sell Kind, des hät de Hammel jetzt ergattret De Vorder und de Hinter grad Der grieget en Schunke und en Schokelad
S` war wieder nint, säll mit em Hammel De Seppli hät en ghet, den Bammel Der kochet Schunke, der war mer lieber Glii war er gfresse , zemet mit de Brieder
Der Ort isch tot für immer. Aber die doale saget nei ! Mir bruuchet lebige Musee`e, wo Liit mit ihrene Wurzle bekannt gmacht wered oder andere die Wurzle kennelehre könnet.
Mir bruuchet die ursprünglich, die oache Natur.
D Gschicht sott uns glehrt haa, en so wesentliche Teil vu unsere Kultur wie e derartigs Dorf i iiseri Obhuet z nehme. De Puls muess schlaa. Denno kennet mir iis gegesiitig mit Kreativität und Phantasie beflügle. D` Bäckerei dezue bringe, dass sie wieder duftet, de Lade und s` Wirtshuus, dass die Türeglocke und d` Gläser wieder klinglet.
Die Obere hond aagfange Verantwortung defüer allmählich zuezgäe.
Du triffscht villi guete Geischter im Ort. E paar sind besunders uff die Obere uus und uff sonige, die nit sehnet, dass iiseri Kultur en Schatz isch, wo bewahrt were muess. Nit nuu fer iis und dieselle, die noch iis kummet. Nei, au dass s` Urteil vu de Gschicht über iis e klei weng milder uusfallt.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Die Gespenschter ruefet jungi Liit, die meh erlebe wend wie stickige Stubbe, locket Reisende mit Erlebniss, wo sie i me Kurhuus oder uff e me Traumschiff nit überkummet. Die Gespenschter versuchet, die aazrege, die Gschichte und Määrli wohrnehmet, dass sie und mir alli, vu dene ihrem Riichtum ebbis abzwacke kinnet.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Do isch e Perle, die noch johrhunderte langem Waarte zu dere Perle wore ischt. Sie word en uuwürdige Tod sterbe, wenn ihr sie mit falsche Glunker und Nippes uusstaffieret.
Die Gspenschter zwicket dich wenn du an ere vermauchete Wand vorbeigohsch.
Frei in Baaremer Mundart nach Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin, Bestseller „Dina“ u. „Der lange Weg“ von Hubert Mauz / Donaueschingen Nov. 2018
Artefakt sind Botschafterinne us e re Ziit, die nie meh zruckkumme word, wenn mir uuachtsam und nochlässig ihre Zeitreis „ abbreche „ wered.
Die Magie lebender Museen
Dieser Ort ist tot für immer. Aber einige sagen nein ! Wir brauchen lebende Museen, wo Menschen mit ihren Wurzeln bekannt gemacht werden oder die Wurzeln anderer kennenlernen können.
Wir brauchen die ursprüngliche Natur.
Die Geschichte sollte uns gelehrt haben, einen so wesentlichen Teil unserer Kultur wie ein solches Dorf in unsere Obhut zu nehmen. Der Puls muss schlagen. Dann kann man sich gegenseitig mit Kreativität und Phantasie beflügeln. Die Bäckerei dazu bringen, dass sie wieder duftet, den Laden und das Wirtshaus, dass die Türglocke und die Gläser wieder klingeln.
Die Politiker haben angefangen die Verantwortung dafür zuzugeben
Du triffst viele guten Geister im Dorf. Einige sind besonders auf Politik aus und auf solche, die nicht sehen, dass unsere Kultur ein Schatz ist, den wir bewahren müssen. Nicht nur für uns und die, die nach uns kommen, sondern auch, um das Urteil der Geschichte über uns etwas zu mildern.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Die Gespenster rufen junge Menschen, die etwas mehr erleben wollen als stickige Klassenzimmer, locken Reisende mit Erlebnissen, die sie in einem Hotel oder Traumschiff nicht bekommen. Die Gespenster versuchen, die zu gewinnen, die Geschichten und Mythen wahrnehmen, um von ihrem Reichtum zu profitieren.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Da ist eine Perle, die in jahrhunderte langem Warten zu dieser Perle geworden ist. Sie wird einen unwürdigen Tod sterben, wenn ihr sie mit falschem Beiwerk und Tand schmückt.
Die Gespenster zwicken dich wenn du an einer morschen Wand vorbeigehst.
Herbjörg Wasmo, Norwegische Schriftstellerin Weltbestseller „Dina“ und „Der lange Weg“
Artefakte sind Botschafterinnen aus einer Zeit, die nie zurückkehren wird, falls wir unachtsam ihre Zeitreise „abbrechen“ werden.
Herrgottstag gesprochen von Maria Simon am 13. Juni 2023
Wenn des de Freiherr von Drais no mitkriegt hett
Herrgottsdag- Morge Aafang 1920- er Johr: Am Untere Bahwartshiesli z Degginge sind Motter Sophie, de Wilhelm, d` Berte , s`Klärli und de Seppli mit em Sunntigshäs vor de Hieslitüre fertig zum Abfahre an Herrgottstag gi Hifinge. S Häergatter isch kontrolliert, dass jo kon Fuchs im Hennefang e Bluetbad aarichtet S. Mekker- Gäessli und grunzig s `Süehli isch gfuetteret und und de Duubeschlag speerangelwiit uffklappt. D Sophie isch e Ur- Hifingeri und sie hät en Hotz ghierote, de Lixx, de Felix Hilpert vu Hiesere bei St. Bläsi im Obere Hotzewald. Ihn häts gi Degginge ad Bah verschlage. S kursierend Familie Grüecht sait, dass er ebbis verbootzget heb, de bärestark, oerche Haumoeschter us de Urwaldähnliche Wälder um Hiesere rum. Dä, z Uurberg, Dachsberg, Blasiwald und Menzeschwand kennt er sich uus wie im oegene Hosesack. Dä hinne hond sie scho immer gern gwilderet. De Lochheiri, de muusarm Gietler mit eme Stall voll Kind häts mit em Lebe zahlt. De gnadelos Waldhieter hät ihn in Flagranti verwischt und mit de Flinte verschosse. S Opfer isch wege dere Gnadelosigkeit aber zum heimliche Held, zum „Ganghofer“, vum St. Bläsemer Land wore. Die Not vu dene ville Halbwaisle vum Lochheiri us em Mucheland hond die raue Hotze dem Förster und de Obrigkeit uff langeewig nit vergesse. Sogar e Wirtschaft „Zum Lochheiri“ i de Iisebrechi bi Schluechs gihts, ganz zum Aadenke an den Wilderer, der us Mundraub- Not gwilderet hät. Wege so ere ähnliche Kummedi isch also de Lixx wahrschienli entweder freiwillig vu dä vertloffe oder sie honds ihm nahegleit. Er soll doch lieber oehmets änni gau, wo`s weniger dichte Wälder und weniger Reh und Hase gäb. Zum Biispiel uff die offe Boor.
So soll also de Lixx gi Degginge kumme sii, a d Bah und is „Unter Bahwartshieli“. Dä wo jetzet de Thomas Esslinger huuset. Dä sind au alli vier Kind uff d Welt kumme. Dieselle Kind also vum Lixx und de Hiefingeri, de Sophie, geborene Kramer, d Schweschter vum letzte Städlibuur Beppi Kramer, us em Siesse Winkel, sind dä z Degginge uffgwahse.
Hai, Hai, hucket huff
Vor em Bahwartshiesli stoht e Gamp- Draisine nebem Gleis. Gamp Draisine sind die bei de Bahn normale Gschierer, die i de Mitti zwei Schwengel hond wie bei ere Gillepumpi zum uff- und abgampe. En Exzenter triebt denno d Achs aa. Im Gegensatz zu de neie, moderne Tourischte- Draisine mit Fahrradtreter und Ketteritzel. Mit e paar Flüech schindet de bomstark Lixx des Gschier uff s Gleis. De ältscht, de Wilhelm, au scho e gross Kamel, hilft ihm debii. Im Lixx sin legendäre Fluech, der sich bald i de ganze Familie iignischtet hät, war : „Mundidie“, nu den därf er i sim Hotzejähzorn uussiblose, wenns wieder mol klemmt. Dodruff aachet die gottesfüerchtig und volksfromm Sophie wie en Gendarm. Vu wege die booremer Universalflüech wie „Herrgottsackrament“, „Himmel Arsch und Wolkebruch“ oder „Gottverdammi“. So holose, gottsläschterliche Fluech usem Hotze- und Buurefluechrepertoir gihts bi de Sofie nit. Nit ummesuscht isch de ältscht, de Wilhelm, später au Pater und Missionar z Brasilie wore. Den zuelässige, nit biichtpflichtige Fluech, hät übrigens de Lixx us em 1. Weltkrieg us Lothringe mitbroocht, und denno verhotzewälderet. Er kunnt lammfromm und d Sophie äschtimiert nuu den Fluech. Er kunnt vum französiche „Mon Dieux“.
D`Berte, d`Motter Sophie, de Josef, s`Klärle, de Felix und de Wilhelm vor em Bahwartshiesli z Degginge (dehindert s Fahrrad mit Karbidfunzel)
Getti Wilhel und Sigfried Kramer
Also stieget alli noch em letschte luute „Mundidie“ uff die verrusste, mit em Staubwedel, em Honefiefer, abgstaubte Sitzbänkli vu de Draisine. Vorher isch no en aalte Heardepfelsack uff d Dielebretter Sitzbänk gleit wore. De Vater Lixx und de Wilhelm gond an Gamp- Schwengel und die Draisine nimmt Fahrt uff gege Huuse und Hifingen. De Fahrplan vu de Hölletalbah hät de Bähnler natierli genau im Kopf und die uffzoge Sackuhr zoeget genau aa, wenn sie z Hiefinge ab em Gleis sii mond. Weils geg Hiefingen liicht bergab goht rennst wie de Deifel und i 20 Minute micket de Lix am Herregarte, D Maidli, de Josef und d Sofie stieget ab, sortieret s Feschtagshääs und de Wilhelm und de Lixx schindet die bolleschwer Draisine uffs Bankett. Jetzt kaa de Zug vu Eschingen gi Friiborg, oder de Bregtäler gi Fortwange dampfe und schnuufe.
Herrgottstag
Fascht jede Gmond hät sin hochheilige Fiirtig. Entweder s Patrozinium, oder, wie uff de Reichenau de Markustag, z Weingarte de Bluetritt, de Leonhardi Tag z Lenzkirch, z Appezell Fronleichnam oder ebe z Hiefinge de legendär und populär Herrgottstag. Die Däg zellet fascht meh wie die Hochfeschter Wihnächte, Oschtere oder Pfingschte.
No isch vor em Hochamt Ziit zum beim Getti, em Brueder und em Schwoger, bei Kramer Beppi und de Emme im Süesse Winkel uff en Zigorie Kaffe mit frisch bachenem Zopf vorbei z gucke. Die ganz Kramer Sippe füllt aaschliessend oe ganzi Bankreihe im Hochamt i St. Verena uus und innbrünschtig wered die Lieder, die an ere Schiebenummere Tafel unter de Kanzel hängt, im Magnifikat uffgschlage und mitgsunge. Noch em erhebende Te-Deum mit Orgelgebraus stellt mer sich zu de Prozession uff. De Pfarr mit de Monschtranz unterm Baldachim, unterm Himmel, voruus. Nuu er schriitet würdevoll mit em Allerheiligschte über de kunstvoll und hingebungsvoll uusgleit Hiefinger Bluemeteppich. Die farbefroh und aarührend Art de Natur und de Schöpfung z huldige, des hät de Xaver Reich vun ere Studiereis anne 1841 us Italie mitbroocht und dodemit Hiefinge und de Herrgottstag, Fronleichnam im ganze Südweschte berühmt gmacht. So könnts immer no sii, wenn nit die Wiesemonokulture, des Silofuetter und de Kunschtdünger die wunderbare booremer Bluemewiese fascht ganz uusgrottet hättet. Tausende Schauluschtige verfolget gerührt mit eme sanfte Gänsehautgfühl des Gesamtkunstwerk wenns stattfindet, den spirituelle Hifinger Kult: Die poesivoll, volksfromm Prozession über d Bluemeteppich, vorbei a de kunstvolle Bluemebilder- Altärli vor de Hieser.
Mir gond zum Herrgottstag
Noch dem erhebende Ritual gihts no bim Getti e gueti Nuddlesuppe, en Schunke im Brotdoeg mit Herdepfelsalot und en Zigorie Kaffe mit eme Käskueche und eme steife, fettige Buureschlagrohm. De Getti und de Lixx rauchet no en Burgerstumpe, d Wiiber verzellet und verkartet s Neischt us em Städtle , de Verwandschaft, vu Hiesere und vu Degginge.
Herrgottstag anne 2019 z Hifinge
Hoemfahrt
D Sackuhr vum Lixx zoeget aa, dass mer die Zugpause um Vieri nutze muess, zum mit de Draisne hoem, gegg Degginge z`Giege. D Draisine word wieder uffs Gleis gschunde und de Wilhelm und de Lixx mond jetzet aber draa. Mundidie. Es goht nämli berguff und do rennt des Monstrum nimme so gattig wie bei de Aafahrt zum Herrgottsdag.
Die Aareis vu dere Bagage mit ere Draisine düerft die kuriosescht Bsucherfahrt vum Hifinger Herrgottsdag zu dere Ziit gsii sii. Do kummet nit emol die Aafahrte vum Tal, vum Rande und de Westboor mit de kleine Bulldöggli aa, wo uff em ohne Radkaste Sitz d Grossmotter huckt, und uff em andere d Bierin. Und uff de Ackerschiene Kischte d Kind.
Und de Freiherr von Dreis het bestimmt die allergröscht Freid ghaa mit dere Reiseart mit sinere Bahgleis- Draisine , obwohl er wohrschienli evangelisch war.
„Die Menscheit isch ein Rindvieh“ Die Weisheit eines lebensklugen Mentors
Friedfertige Muscox Family Foto: Fabian Mauz, Dovre 2020
Mitte Februar han ich mich zu me Gspräch über Literatur und Mundart gi Villinge in Franziskaner aagemeldet. Dem Villinger Testes han i mit em Aameldungsrodel au eweng aadiete welle, dass ich mini berufliche Lebenspflöck i de junge Doppelstadt innighaue han. 12 Johr han ich die Ehestritigkeite vu dene zwangsverhierotete Städt mitgriegt. Dem orientalische Kulturkreis werfet mir zu reacht heftig vor, dass des mit dene Zwangsehe nit so de Brecher sei. Wenns aber druff aakunt, verbozget mir des sogar bei benochberte, gegesätzliche Städt und leget die hemmungslos, gfühllos und lieblos zämet i oe Nescht.
Die erscht Baustell als frischbachene Bauigel han i uff de neu erschlossene Hammerhalde ghet. Ufftraggeber war s Städtisch Tiefbauamt. Jedesmol wenn i vu Pfaffemucke geg Villinge fahr, denk i a die folgend Lebensweisheit. So au Mitte Februar im Johr des Un- Heils 2022, am Schmutzigste aller Dunschtig, am 24.2.2022. Uff die beide uuselige Umständ, die Pandemie und den barbarische Putin- Krieg i de Ukraine, han ich im Aaschriebe kurz ännigwiese. Wiedermol isch mer die gnau passend, saftig, trocke Lebensweisheit vum Urvillinger Baumensch Hans Heuft in Sinn kumme. Woni mi nämli s Erschtmol mit dem Bauleiter Hans Heuft troffe han uff de Hammerhalde, er de alt Haas, nei, de alt Fuchs und ich, de Bauleitungsaafänger, taxiert er mich stechend vu obe bis unne, leit sin scharfgschnittene Giacometti- Kopf wie immer eweng schreeg, sait traage, theatralisch, beschwörend, wie i me Art feierliche Initialisationsritus. Es hät nu no gfehlt, dass er si reachte segens Hand uff mi rechte Schulter gleit hät :
„Mauz,………… eins muesch der merke, …..die Menscheit isch ein Rindvieh“.
Zwölf Johr han ich mit dem ussergwöhnlich menschliche, berufliche Mentor zämetgschafft. Später sind mir uns immer wider mol beruflich, aber au privat begegnet. Aber immer sind mir us gegesiitigem Respekt bim „Sie„ blibbe. Für s Bauwese, des will ebbis hoesse, isch des eher uuüblich.
Dass ich den Satz nie vergesse han, dass er mir immer wieder in Sinn kunnt, nit nuu, wenn i gi Villinge kumm, sonder au i andere Lebenslage, wo die knochtrocke Hans- Heuft Lebensweisheit passt, wundert mi sit her uff die oe Siite. Anderesiits aber au nit, denn sie stimmt uff de Pfennig und drum isch er mir au am uuselige 24.2.2022 spontan iigfalle. Eme Datum, wa sich, wie 9/11, is europäisch Gedächtnis iipräge wird.
Muscox Boss (Ähnlichkeiten sind unbeabsichtigt und rein zufällig) Foto: Fabian Mauz, Dovre 2020
Volpone von Peter Lenk
Ja so wars, und so isches mit em skurile, weise, lebenskluge Hans Heuft us Villinge.
Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr.
Während de Schuelziit i de Fufzger sind alli Eschinger Schuelkinder us de ganze Stadt am Morge vor de Achti triilnasig gege d` Volksschuel, d` Feuersteinschuel, gschlurpfet. Au die vu de Siedlung und em Spanneberg. S`hät no konni Schuelbus, Stadtbus und konni Helikopter Müetter- und Großmüetter gähe. Mit de oagene Fiess bei Wind und Wetter. „My feet is my carriage“ singt de Bob Marly. Sogar bei minus 39°, wan es tatsächlich e mol i de fufgzer Johr am Fischerhof im Ried ghet hät. Am Schuelranze us Leder, manche, die Besserse, hond on mit eme gscheckete Kälblifell – Deckel kha, des war so e Art Gucci- Model vu de Nochkriegsjohr, isch am Spaget- Schnierli e Naturschwämmli ghanget. Drin war e Schueltafel us feschtem Schieferton vum Heibergtrauf, e helzers Griffelkäschtli mit eme Schieberdeckeli und ufem Dintefläschli isch „Pelikan“ gstande. Den Vogel hond mir Eschinger Eingeborene natierli us de naturkundliche Sammlunge vum Fürscht, de 2. Gröschte in Europa, scho kennt. Des war also die normal, die gwähnlich Schuel-Uusrüstung.
Aber a 2 Tag im Johr, oamol im Frühjohr und oamol im Herbst, sind die doale Klasse mit andere Gschierer am Morge geg d`Volkschuel zottlet. Die Doale hond Blecheimer, verzinkti Spritzkannte, Gilleschapfe us Blech oder au Stahlhelm, Häckeli, Karscht, Feldspate, Schuufle und Bexler aagschloapft. Im Schueliigang im Hof, vor em Direx sim Kabuff, hät mer en Halbkreis gmacht. Um Punkt Achti isch de Rektor, de legendär Karl Wacker gstande. Scho aloenig wege sim Uussehne, sim Schwätze, sinnere strenge Güeti en mordsmässig Respekt iiflössende Maa.
Karl Wacker
Heut ist wieder „Euer“ Tag, an dem ihr alle zusammen wieder unseren und vor allem „Euern“ Schulwald hegt und pflegt. Euer Lehrer H. Frank, mir hond ihm de „Otsche“ gsait weil er Otto mit Vorname goesse hät, wird euch zum Schulwald am Zusammenfluss begleite und euch zeige, wie man unseren, ja „Euern“ Schuelwald pflegt und hegt.
Ii Zweierreihe, genau noch de Grösse abgstafflet uffgstellt, simmer jetzt gege de Park abgwatschlett. A de Händli hebe, wie im oefälltige Kindergarte , des hommer zu iiserm erhabene Stolz nimme miesse. Aber mit de Hacke und de Schuufle fechte und mit de Eimer trummle, mit de Kannte bloose, des hommer zu iiserm Verdruss doch nit derfe. Obwohl des natierli saumässig pfufferet hät. Do hät de „Otsche„ wie en scharfe Hofhund uffpasst. De Spitalbuckel abi, durch d` Sennhofstroos, a de Melkerei, de Sennerei, de abbrennte Feschthalle, em Rote Hans, am Konvikt, am Aasemer Bahnhof vorbei, gohts in Alte „Englische Park“. De erscht Halt hommer am Ungare-Kriiz gmacht. Zwar hommer beim eweng eher schreege Otsche koa „Vater Unser“ bete messe, defier hät er iis aaschaulich verzellt, worum des Kriiz do a de Brigach stoht. So hommer frieh glehrt und mitkriegt, wie die gwalttätige Kremel-Manne mit dene oafältige Orde Brettli überm dicke Buuch und a beide Operette- Uniform Brüscht mit de uffmüpfige Bruedervölker umgange sind.
Entlang vu de Brigach, abwärts gege de berühmt Zämetfluss, hommer wieder die gliich Marschordnung iinämme messe wie dorch d‘ Stadt. Wenn den Flagelantezug mit Sichle, Bäxler, Haue und Spritzkante- Blechtrompete de sanft Pfohremer Revoluzzer, de Willmanne Andres, oder gar de Hecker- Fritz gsänne het, hetet die bestimmt denkt: „Saperlott, wer het des denkt, dass die kratzbucklige Eschinger Residenzler emol so früehziitig und umsichtig ver de neu 48-er Revolutionsnochwuchs sorget“. De Pfohremer Schnuufer, de Andres Willmann hört mer sage: „Du, Hecker- Fritz, do hettet mir bigott no ebbis lehre kinne, bi iiserm fidele, hennefidlige Folklore- Revoluziönel“.
Kurz vor em Zämmetfluss uf de Aasemer Siite vu de Brigach hommer ghalte. Dert sind scho Bämmli- Setzling am Roa glege. Hergfiehrt vu de Stadtgärtner mit so Iiserädli- Pritsche- Handwägeli unterm Kommando vum Städli- Obergartebuzzli Fraas. De „Otsche“ hät iis jetzt aaglehrt, wie mer die junge Fichte, Erle, Dännli, die Esche, Bueche und Oache usenand haaltet und wie mer die setzt und uffzieht. Jeder hät so en Serblingling uusgsuecht und denno e Loch im Areal vum Volksschuel –Schulwaald uusgrabe. Des Bämmli hond mer innigsetzt und wieder mit dem rappeschwarze Riedbodde aadeckt. Dieselle mit de Eimer und de Spritzkannte hond jetzt Wasser us de Brigach mit Gilleschapfe gschöpft und zu de frisch gsetzte Bämmli brocht. Daß des natierli nit ohni Lättere und Aasspritze gange isch, düerft klar sii. Gege die kleine Wasserschlachte war au de resolut Otsche machtlos. Vu de nohe Stille Muusel häsch koa Tränki- Wasser hole kenne. Zu sellere Ziit hät Diire (Dürrheim) no koe Kläralag kha. Die Musel war eher en modrige Saubach oder en stinkige Gillegrabe. Versalze, rappeschwarz vu Moder, Moor und Abwasser. Do wäret iiseri Setzling glii verrickt. Vu wege Dürrheimer Tafelwasser, vu dä no wiet eweg.
Z` friede und wohlgfällig hät de Otsche nomol ebbis über de Generatione– Waldvertrag äschbliziert, und die aahaltende, symbolträchtige Erinnerung an e scheene Schuelziit, die mir i de Volkschul hond und die iis grad dorch den Schuelwald immer i Erinnerung bliibe word sinniert. Des hommer ihm abgnomme, des isch iis blibbe und mir sind au z` friede und au ziemlich iibild wieder i de aalte, zweireihige Flagelante- Wanderordnung abzottlet. Die Doale hond no schnell und häehlinge a ere Bämmli brienzlet und so e spirituelle Duftmarke gsetzt. De Ruckwäeg isch a iisere Geheimquell a de Brigach bim Schlosssteeg gange. Dert goht e kleini, versteckti Wendeltreppe abi an en Quelluustritt. Die küehl Labsal hät scho uuzählige Eschinger Buebe und Maidli uff em Weag is Stadion, is Schwimmbad und ebe an Schuelwald e wunderbare Laabung vermacht. Die Quell hät iis de Otsche sogar zoaget und als s` Bescht Wasser vu Eschinge aapriese. Daß und wieso des onni vu dene zahlriiche, ergiebige Karschtquelle im Ried isch, war nomol Hoametkunde am lebende, glutternde Objekt. Leider grootet die Quell immer meh i Vergesseheit und verschwindet us em Eschinger episodische Gedächtnis, wie mer hitzutag sait. Ohne die Quell wär der s` Muul vielmol gherig verbäbbet gsii. Denn Eschinge, im „Quellenland“, wie`s so vollmundig hoasst, isch immer no i de ganze Stadt, au hit no, e Trinkwasser- quellenfreie Zone, wo Bürger oder au die zahlriche Gäscht ebbis zum Erfrische hättet. Kum zum glaube. (Erscht jetzt anne 2019, giihts uff Hiiwies e Trinkbrünnele im Irmapark) Probieret trotzdem mol des köstlich Nass a de Schlossbruck– Quell. Ich kha dert au als aalte Simpel nie wiederstau und oafach nu vorbeidappe ohne aabi z` balanciere und en Schluck z` trinke.
Und jetzt wetet ihr no wisse welle, wies zum Schulwald kumme isch ? De Karl Wacker, de legändär Hoemet- und Naturkundler und grosse Menschefreund, hät des, wie so vill i sim Lebe, uff de Weag broocht. Sinni Kollege und Weggefährte hond des unterstütz und s` Gelände hät „de Ferscht“, de Prinz Max Egon, so war des früher halt d` Regel und üblich, als Art Schuel- Almend de Volksschuel vertlehnt. Johrelang isch des Schuelwäldli no ghegt u. pflegt wore. Im Frühjohr isch gsetzt und im Herbst vu de Schuelklasse gjättet und uusputzt wore. Aber vor so 20, 30 Johr hann ii ufs mol min Bomm nimme gfunde. Gottverdelli. Wemmer am Sunntig mit de ganze Familie zum Zemmetfluss spaziert isch, hond alli Kinder im Vater und de Motter stolz und begeischteret „Ihren“ Bomm zoaget. Uf oamol hond i dem Waald zu mim Verdruß Nobelwildsaue grunzt und gsuhlt und iisri Schuelbämm aagfresse und verkeibet. Die stärkschte hond sie gottlob nit verzwunge. Die gen`t hit no en ziemlich guete und starke Waald ab. Alljohr wenn i am Reiturnier eweng umenandmuus, gangi die paar Meter a iisern Schuelwald aabi, an Zämmefluss vu Muusel, Brigach und Breg. Wie hät diesell Alexandra i de 60-er rauchig gsunge: „Mein Baum ist tot, ……“ Min lebt vielliecht no, minere Volksschueloache hond die Wildsaue amend nint aadau kinne. Nuu ihre saftige Oachle hond sie hoffentlich grunzend, gnussvoll gmampft. Au des isch Naturkunde ala Otsche und Karl Wacker. Zu mim jetzige Vergniege sind die Saue i de Pfanne und iisern Naturwald hät die Narbe und Schrunde doch bald verhoale lau. Diesell kha des und sie macht`s au guet und schneller wie mer so ammel denkt. Des wissemer vum Direx Karl Wacker und vum Otsche Frank, dene legendäre, nachhaltige Naturkundler vu de Baar.
Jo , so wars, und de Karl Wacker und de Otsche Frank hond alles reacht gmacht, lang vor de Grüne i de 90-er, de Friitigs- Demos und de pfiffige Greta Thunberg.
Treffpunkt ist unter dem Friedhofsbaldachim mit den Glasfensteroberlichter vom BaaremerKünstler Kiss. Schon jetzt verbreitete sich eine spirituelle Atmosphäre unter den Besuchern. Martina Wiemer erntet wie immer, wenn sie von den Donaueschinger Jüdischen Mitbürgern erzählt, bei der Einleitung schon Betroffenheit. Am Grab von Willi Storch, dem einzigen Jüdischen Grabstein auf der Baar, zum Gedenken an einen polnischen, 17 jährigen Jungen, wird es dann ganz still. Als Arbeitssklave in die Ortenau verschleppt, gelingt ihm die Flucht im Hochschwarzwald zusammen mit seinem älteren Bruder bei einem der berüchtigten Todesmärsche von Offenburg mit Ziel Bodensee. Viele Vernichtungsarten und Tötungsarten waren den Teilnehmern schon zu Ohren gekommen. Aber dass diese ausgemergelten, geschundenen Männer und Jungen dort ertränkt werden sollten, das senkt sich bleischwer sehr tief ins menschliche Fühlen. Wochenlange Irrungen bei Nacht, Kälte und Hunger enden erst, als diese Fluchtgruppe von den Französischen Befreiern gefunden werden. Das erste Mal seit ihrer Kindheit erfahren sie wieder Menschlichkeit, berichtet später der überlebende Bruder. Willi überlebt die Torturen nicht. Er stirbt an Fleckfieber im Lazarett Donaueschingen und wird auf dem Stadtfriedhof beerdigt.
Ganz nach altem jüdischem Brauch werden noch einige Steine auf seinem Grabstein abgelegt und dann geht es an den Hochrhein, nach Gailingen.
Martina Wiemer am Grab von Willi Storch (28. Januar 1928 – 21. Mai 1945) in Donaueschingen.
Nachdem das Nerven- und Gefühlsköstüm wieder einigermaßen zusammengerafft und gefaltet ist, betreten wir den Jüdischen Friedhof in Gailingen. Dort empfängt uns H. Krooss, ein Hamburger der in Schaffhausen gearbeitet hat und nun in Gailingen lebt. Er betreut kenntnisreich und einfühlsam den Jüdischen Friedhof in Gailingen. Dort empfängt uns H. Krooss, ein Hamburger der in Schaffhausen gearbeitet hat und nun in Gailingen lebt. Er betreut kenntnisreich und einfühlsam den Jüdischen Friedhof und das Gedenkmuseum an die Jüdische Gemeinde des Ortes und die Schicksale der großen Jüdischen Gemeinde Gailingen, Randegg, Worblingen und dem Hegau, zu der auch die jüdischen Bürger von Donaueschingen gehörten. Abraham Guggenheim aus der Wasserstrasse / Zeppelinstrasse wurde dort auf dem mystischen Friedhof, auf dem alle Gräber gegen Osten , gegen Jerusalem, zeigen, in Würde bestattet. Noch nach Jüdischem Brauch und Ritus und vor dem folgenden, grossen Grauen.
Ungefähr 250 anderen Juden aus diesem Jüdischen Sprengel widerfuhren dagegen unsägliche Torturen, Demütigungen und bestialische Grausamkeiten auf ihrem Leidensweg meist über Gurs nach Auschwitz oder Treblinka. Fabrikatorischer Massenmord und Vernichtung haben Unmenschen an Menschen, beispiellos in der Geschichte, an Frauen, Kindern, Männern und Gebrechlichen mit einer unfassbaren Gefühlskälte und Unmenschlichkeit verübt.
Die Gräber auf dem pietätvollen Friedhof erzählen noch die Geschichte der friedvollen, kultivierten jüdischen Gemeinde vom Hochrhein und dem Hegau. Einzig der Gedenkstein aus Basalt aus dem Jahr 1948 weist auf die beispiellose Menschheitsschande hin. Dort treffen sich jährlich die Juden, die das Erinnern und die Vernichtung ihrer Kultusgemeinde am Hochrhein mühsam aushalten, aus der ganzen Welt und die Nachkommen der weit verstreuten Nachfahren der Gailinger jüdischen aber auch christlichen Gemeinde zum Gedenken.
Da wird es schwer die wunderbare Landschaft dort am Rhein bei Gailingen, Dissenhofen und Büsingen zu bestaunen. Der bedächtigte Herr Kroos empfängt uns dann noch im Museum für die Jüdische Geschichte von Gailingen und überlässt uns dem Besinnen bei der Betrachtung der gelungenen Dokumentation. Die einfühlsame Darstellung und Beschreibung mit Bild und Text bringt einem die Lebenswelt dieser lebendigen Gemeinschaft subtil näher. Nur ganz wenige bedrückende Hinweise regen zur Erschütterung an.
Da ist die Familie, die in gutem Glauben, dass ihre beiden Kinder, 5 und 10 Jahre, ein paar Tage später wie die Eltern auch über die Dissenhofer, überdachte Eichenbrücke in die Schweiz dürfen, um dann gemeinsam die genau vorbereitete Flucht nach Palästina antreten zu können. Tage später wird den Kindern der Durchgang verwehrt. Der jüngere stirbt in einem Heim. Die Eltern tragen ein lebenslanges, gewaltiges Trauma in ihrer Zuflucht Israel durchs Leben. Oder der christliche Feuerwehrkommandant, der verhindert, dass eine Familie dem Pogrom zum Opfer fällt. Oder der Nachbar, der unter Todesverachtung religiöse Kultgegenstände und die Thorarolle im Garten vergräbt. Beschwerden wegen des im Hegau legendären fasnachtsähnlichen Festreiben der Jüdischen Gemeinde werden vom christlichen Kirchengemeinderat als harmlos und brauchtumsgerecht abgeschmettert. Nur eine einzige Konzentrationsbaracke ist zu sehen, keine Gräuelbilder und lebende Leichname. Gutes Museum dieser Art kommt ohne Ermahnungen, ohne den Zeigefinger aus. Allerdings muss man sich auch darauf einlassen, mental und emotional.
19.9.1948 aufgestelltes Denkmal für die 1940 nach Gurs deportierten Gailinger Juden.“לברוך עולם „Zum ewigen Gedenken an die Gailinger Juden welche am 22. Oktober 1940 deportiert und in den Konzentrationslagern ums Leben gebracht wurden“
Wenn man beim Ausgang glaubt, man sei dieser Geschichte zunächst entronnen, erfordert die Stehle am gegenüberliegenden Synagogenplatz mit den fast 300 israelitischen Namen der Vernichteten aus dem Jüdischen Sprengel, noch mal eine Herausforderung und große innere Stärke.
Den Gailinger Jüdinnen und Juden, die am 22.10.1940 ins Lager Gurs und später in die deutschen Vernichtungslager des Ostens deportiert wurden, zum ewigen Gedenken und den Lebenden zur Mahnung. In der langen Nacht der Schoa von Menschen am Menschen getan.
Des klei Muckeseckele vu me Virus frisst sich dorch die halb Welt, e Wasserwalz walzt a de Ahre alls platt, de Boris verzockt de Queen s Tafelsilber, de Kathole vertlauft s Personal und d Kundschaft, Schanzepfuscher verkaibet de guet ruf vum Waelderwald, scho wieder morkst en Holose Menscheschinder, Fraue, Kinder und Babuschkas ab, über Hungersnöt wie beim Stalin kaa der nuu schaebig grinse und d Aesche vum Pazifismus word grad im Schwarze Meer grosszügig uusgsaiet.
Und jetz au no des: Grad wo mer sich im Wälderwald über die Urgmütliche, unterhaltliche Mühlefestli am Pfingschtmäntig freit, hauts am Obet vorher no bittlos inni. A de Öhlermilli i de Schildwendi hond s Fürderers, die guete Seele Maria und August mit de treue Helfer, alls wie immer nett und fürsorglich für de Mühletag am Pfingschtmentig grichtet.
Am Pfingssunntig zieht z mols e sau Dunderwetter über de Fürsatz is lieblich Schildwende Tal. Nochdem mer mont, es sei alls rum, krachets nomol gwaltig. Des gihts villmol bei “ positive“ Blitz. De Bode isch immer no spannungsglade und zieht vu dem abzogene Gwitter wie en Magnet, wie en Klammhoocke, doch no en Blitz aa. Und derlei Iischlaeg sind denno bis zu viermol so ghörig wie die normale, die sogenannte „negative“ Blitz.
On vu dere holose Sorte isch am Obet vor em Fescht in freie Waidberg vu s Fürderers oberhalb vu de Öhlermilli i d Matte iigschlage.
Sechs Kühe und fünf Kälbli sind absiits unter me Bomm gstande. Die mehrere hunderttausend Volt hond dene Vierbeiner wege de Schrittspannung blitzartig s Lebensliecht verloesche lau. Naehrmert im Wald kha sich erinnere, dass uffs mol so viel gütige, segensreiche Tierli umkumme sind. Und des ohne dass de Blitz direkt in mächtige Unterstands- Bomm ghaue hät, sondern i die frei Matte. Und uff s mol taucht wieder de Mythos vum Fulgurit, diesell ganz rar Blitz- Glasröhre uff.
Fulgurit
Noch sellem Muschter soll im Altertum s Glasmache aagfange haa. Zur Erinnerung a die uuschuldige Tierli isch amend en Fulgurit am Iischlagloch vum Blitz i de matte entstande?
Und no ebbis troomt eim: Het des granate Gwitter nit paar tausend Kilometer gege Oeste uff dem platz mit dene farbige Zwiebeltuermle aabi gau kinne?
Allmaehlich daets mol lange mit so gruusige Storiax.
„Bläsi“ Glasbläser auf dem Dorfplatz Wolterdingen von Wolfgang Kleiser
Fulgurit oder Blitzröhre
Vielleicht ist dieses ganz neue Objekt in den FF Sammlungen Wolterdingen in 50 Sachen 1000 Jahre alt, vielleicht 20 000 Jahre oder noch viel älter. Denn es ist aus dem fast unvergänglichem Glas. Es ist nämlich Naturglas. Die zweite Form von natürlichem Glas neben Obsidian. Se ipse sculpcit. Schon das von Menschenhand gefertigte Glas ist fast unvergänglich. Nur vom natürlichen Glas übertroffen.
Wie also entsteht Fulgurit täglich, jährlich immer noch , oder wie ist unsere wertvolle Blitzröhre entstanden? Die meisten der seltenen Fulgurite findet man mit viel Glück in den grossen Sandwüsten. Aber auch in sandigen Quarzböden. Unsere Blitzröhre stammt von den Capverden, einer berüchtigten Gewitter Ecke im Atlantik. Aber die Weltinspiration, der big bang der Glasherstellung fand im Vorderen Orient statt. Die Orientalen wunderten sich über immer wieder im Dünensand anzuteffende, astartigen, knorrigen Gebilde, Skulpturen die in der Mitte Rohrkanäle aufwiesen. Bis eines Tages neben oder vielleicht in eine Karawane ein Blitz bei einem gar nicht so seltenen Wüstengewitter einschlug.
Da Kamele auf vier Beinen zu stehen pflegen, war die Wirkung wegen der Schrittspannung üblicherweise verheerend. Direkt an der Einschlagstelle aber entstand im Sand ein Krater aus dem ein Art Aststrunk herausspickte. Der hatte diese skurrile Röhre im Zentrum. Heureka, hätten Griechen gesagt, wenn sie dabei gewesen wären und überlebt hätten. Die Orientalen aber sagten: „Jetzt haben wirs endlich kapiert“ . Wenn wir jetzt den Quarzsand erhitzen, dann können wir Glas machen. Steinkohle für hohe Schmelztemperaturen gibt es im Orient durchaus im offenen Tagebau. Mit Holzkohle wirds schon schwieriger. Das klassische Kohlenmeiler Land ist der Wüstenorient eher nicht. Aber bald haben sie es gecheckt, dass Beigaben von Naturnatron aus Gruben bei Alexandria den Schmelzpunkt von dem Quarzsand deutlich senkte. So bekamen sie früher eine Fritte, eine Glassuppe, eine Glasschmelze, eine Glasmasse erschmolzen. Daraus machten sie zuerst Glasperlen und Ringe in Tonformen gegossen. Bald folgten in Tonformen, in Modeln gegossene Schalen, Becher und Teller. Jetzt fehlten nur noch amphohrenartige Hohlgefässe. Entweder sie mussten noch die Bronze- und Eisenzeit abwarten um Glaspfeifen zum Glasblasen zu verwenden. Es ist den pfiffigen Orientalen aber auch zuzutrauen, dass sie feuerfeste Blaspfeiffen aus Ton benutzten.
Inspiriert wurden sie auf jeden Fall von den Hohlblitzröhren. Was der Blitz kann, das kriegen wir auch erschmolzen und geblasen.
Weltwirtschaft gab es Zoll frei und erfolgreich lange vor Trump. Luxus hatte seinen Preis, insbesonders bei den feilschenden Basaris, die den Luxushändlern vom Mittelmeer die begehrten, exquisiten, Guccimässigen Glaswaren verkauften. Hochpreissegment lockt aber auch Nachahmer und Werksspione an. Bald hatten die Römer, Griechen, Marseiller und Venezianer den Trick auch raus. Und es war nur eine Frage von kurzer Zeit bis die Wahlen, Kobolde und Veneter die Glasmacher Kunst auch in den Silva Nera brachten. Denn dort waren die Voraussetzungen, die Rohstoffe und Märkte bestens geeignet. Lediglich das Natron aus Alexandria fehlte. Aber das ersetzte man durch Potaschegewinnung aus Farn und Laubholzasche. Auch aus unserem Laubenhausen?
Vielleicht verstehen wir jetzt die fundamentale Bedeutung für das Wunder des Glases von diesem unscheinbaren neu ausgestellten Objekt, diesem Fulgurit. Nicht nur der Name hat Poesie, erst recht das zierliche, verquarzte Ding Nr. 51. Wie sagt Neil McGregor: Anhand derartiger Artefakte kann man ihre Poesie und Seele geradezu ablauschen.