Rettungsgrabungen Fürstenberg Teil 2

Im Neubaugebiet von Fürstenberg fanden letztes Jahr Notgrabungen statt.

Damals wurde nichts relevantes gefunden – die römische Villa Rustica befindet sich wohl etwas weiter südlich. Wo genau wissen wir nicht. Auch der Acker auf dem sich das Loch befand, das Professor Dr. Paul Revellio 1913 zusammen mit dem Landwirt gegraben hatte, ist bis heute unbekannt.

So wurde die Firma  ArchaeoTask (siehe auch Fürstenberg von oben) jetzt für Rettungsgrabungen beauftragt.

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Parallel zu den Grabungen findet auch schon die Erschließung des neuen Baugebietes statt. Es wurde genau auf dem Gebiet schon angefangen, wo im Jahr 2019 illegal 11 Bäume einer alten Streuobstwiese vorsorglich gefällt wurden.

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Erschließung des Baugebietes „Hondinger Straße“ auf der illegal gerodeten Streuobstwiese. Die zwei Bäume die noch stehen wurden vom Grundstückseigentümer geschützt.

Fliegende Ameisen

Liebe Bürgerpostleser, 

am Sonntag, den 3. Juli ging ich durch unseren Gemüsegarten. Dort habe ich schon länger einen Stein gelagert. Ich habe bisher nichts Besonderes um ihn herum bemerkt. Aber so um halb eins, da ging wirklich die Post ab. Fliegende Ameisen machten sich auf den Weg in die Atmosphäre, es war eine enormes Gewusele. Nun was hat es damit auf sich? Ganz einfach und doch beeindruckend, das sind die geschlechtsreifen Männchen und Weibchen, welche bereits von Geburt an auserkoren wurden, neue Ameisenstaaten zu gründen. Hoppla, was sagt man dazu?

Diese Tiere werden im Bau herrschaftlich versorgt und wachsen so zu einer stattlichen Größe heran. Nur diese speziellen Geschlechtstiere tragen Flügel. Sehen Sie auf allen drei Bildern die gravierenden Größenunterschiede zu den normalen Arbeiterinnen? Die geflügelten Ameisen warten so lange im heimischen Stock, bis an einem Tag im Hochsommer perfektes Flugwetter herrscht: trocken, warm und windstill. Genau so war es am 3. Juli. Der Hochzeitsflug der Ameisen findet synchron in mehreren Kolonien statt. Wie auf ein unsichtbares Zeichen schwingen sich dann zur selben Zeit alle Flugameisen einer Art gleichzeitig in die Luft. So kommen große Schwärme geflügelter Riesenameisen zusammen, die sehr beeindruckend sein können. Jedes Weibchen paart sich während dieses Hochzeitsfluges mit mehreren Männchen. Die Männchen sterben ab und die Weibchen beißen sich die Flügel ab und werden Königinnen. Sachen gibt’s, Flügel abbeißen, auf diese Idee muss man kommen.

Man braucht keine Angst zu haben, die Flugameisen sind vollkommen friedlich, sie beißen nicht und machen keinen Schaden. Das einzige, auf was man aufpassen sollte, dass sich die Königin nicht im Haus ansiedeln kann. 

Die Art ist die schwarzgraue Wegameise.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Lärmaktionsplanung der Stadt Hüfingen

6. Juli 2022 Ursula Albert

Anhörung zur frühzeitigen Beteiligung der Bürger*innen.

Am Dienstag, den 5. Juli 2022 fand um 18:00 Uhr in der Hüfinger Festhalle die Anhörung der frühzeitigen Beteiligung der Bürger*innen zur o.g. Aktion statt.

Von Seiten der Stadtverwaltung waren der Bürgermeister, der Hauptamtsleiter und der Bauamtsleiter anwesend. Frau Hesse und Herr Wahl vom Büro Rapp, welches mit der Durchführung des Lärmaktionsplanung beauftragt ist, moderierten den Abend. Rund 30 interessierte und betroffene Bürger*innen, die an den verkehrsreichsten Straßen von Hüfingen wohnen, verfolgten aufmerksam die Ausführungen von Herrn Wahl und brachten sich durch Stellungnahmen und in der anschließenden Diskussion ein.

Die vom Büro Rapp vorgeschlagene Maximallösung wurde von allen Anwesenden positiv aufgenommen. Diese Lösung beinhaltet im Wesentlichen die Herabsetzung des Tempos auf den folgenden Straßen: Haupt- und Donaueschinger Straße, Bräunlinger und Schaffhauser Straße sowie Dögginger- und Hochstraße. Das Ergebnis wäre deutlich weniger Lärm, mehr Verkehrssicherheit vor allem für Fußgänger und Radfahrer und letztendlich für alle Hüfinger*innen ein Gewinn an Lebens- und Aufenthaltsqualität.

Zu Irritationen führte allerdings ein separates vorangegangenes Gespräch mit Firmeninhaber*innen zum gleichen Thema. Der Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsberuhigung Hüfinger Außerstadt (Süden) hob hervor, dass es beim Lärmaktionsplan weniger um Befindlichkeiten der Gewerbetreibenden ginge, sondern schlicht und ergreifend um jedwede Maßnahme, die zur Verkehrslärmminderung und damit zum Schutz der betroffenen Anwohner*innen ginge. Auch bemängelte er, dass die Verkehrszahlen von der Stadt Hüfingen zur Verfügung gestellten Messungen nicht stimmen können. Er forderte die Verantwortlichen auf, die Zahlen näher zu belegen. Dieser Aufforderung allerdings konnten die Verantwortlichen an diesem Abend nicht nachkommen, da genaue Quellenangaben fehlten.

Des Weiteren wurde vom Sprecher kritisiert, dass bei der Neugestaltung der Schaffhauser Straße kein Flüsterasphalt in Betracht gezogen wurde. Der Bauamtsleiter merkte an, dass offenporige Beläge erst abTempo 80 km/h wirksam seien und der lärmmindernde Belag nur ca. sieben Jahre hielte. Doch Herr Wahl konnte diesen Vorbehalt aus dem Weg räumen, da es geschlossene Beläge gäbe, die effektiv bei geringeren Geschwindigkeiten zur Lärmminderung beitrügen und als weiterer Vorteil die kaum wesentlich teuereren Herstellungskosten anderer Beläge gegenüber nennen. Er wies auch daraufhin, dass ein Lkw 20 mal so viel Lärm verursacht wie ein einzelner Pkw; dies im Hinblick auf den Schwerlastverkehr.

Herr Wahl brachte abschließend zum Ausdruck, dass sein Büro bereits eine Vielzahl von Gemeinden auf dem Weg zur Lärmminderung beraten und begleitet habe und dass das Ergebnis dieser Arbeiten war, dass diese Gemeinden mit der Einführung von Tempo 30 sehr zufrieden seien. Unterlegt wurde dieser Erfolg durch zahlreiche Presseberichte.

Es wurde von den Anwesenden bemängelt, dass bei der Einführung des Lärmaktionsplans vor fünf Jahren keine entlastenden Maßnahmen vom Gemeinderat und damaligen Bürgermeister beschlossen wurde.

An diesem Abend waren sechs Vertreter*in des Gemeinderats anwesend.

Bedauerlich war, dass die einzig anwesende Gemeinderätin, die sogar in der Nähe der viel befahrenen Schaffhauser Straße wohnt, sich nicht in die Diskussion mit einbrachte.

Der Gemeinderat der Stadt Hüfingen wird nach der Sommerpause über dieses zukunftsweisende Thema, welches uns alle betrifft, beraten und endgültig darüber entscheiden müssen.

Tor etwa 1950
Foto: Karl Schweizer

Kuckuck

Liebe Bürgerpostleser, 

wissen Sie, was da für ein pfiffiger Jungvogel Sie mit großen Augen anschaut? Eine Fangfrage, kann er noch mehrere Geschwister haben? Ja, bis zu 13, ist das möglich? Was meinen Sie? Ja, es ist möglich, weil es ein junger Kuckuck ist, dessen Mama sehr viele Eier einzeln in Kleinvögelgelege legt. Was dort passiert, ist dramatisch, die Eiablage ist so getimt, dass im Nomalfall der Kuckuck zuerst schlüpft und dann die anderen Eier aber auch bereits geschlüpfte Junge aus dem Nest hievt so dass er stattdessen allein aufgezogen wird. Früher meinte man, das mache nur der Kuckuck so, heute weiß man, es sind über 70 weitere Arten, die Brutparasitismus betreiben. Die Geschwisterfrage ist geklärt, aber es gibt immer nur eines in einem Gelege. Damit es den Eltern nicht auffällt, entnimmt die Kuckucksmama ein Ei aus dem Nest. Wie raffiniert, finden Sie nicht auch? 

Jetzt geht es um die konkrete Geschichte dieser Bilder. Sie sind mir von Natascha Rimbrecht zur Verfügung gestellt worden, der ich herzlich danke. Sie betreibt mit Ihrem Mann in Radenthein in Kärnten auf über 1.300 Höhenmeter einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Burschenschenke und mit Ferienwohnungen. Sie stellten fest, dass auf dem Balkon einer Ferienwohnung ein Hausrotschwanz seine Nest errichtet. Dann finden Sie tote Jungvögel und Ihnen kommt der Verdacht, was die Ursache seine könnte. Nach drei Wochen wird der Jungkuckuck flügge und verläßt das Nest, aus der Zeit sind diese Bilder entstanden. Leider gelang kein Bild, wie der Rotschwanz auf dem Rücken sitzend den großen Kerle fütterte. Er flog sofort weg, wenn Fototermin hätte sein können. Jetzt noch der Hammer, die Ferienwohnungen haben Namen, Hasennest und Kuckucksnest. Keine Frage, was die Kuckuckmama ausgewählt hat, oder? 

Wussten Sie, dass nur der Kuckucksmann den klassischen Ruf von sich gibt? Da das Brutgeschäft andere machen, kann der Kuckuck bald wieder abziehen nach Afrika südlich der Tropen. Man hat festgestellt, dass es mit machen Pfegeeltern nicht mehr klappt, weil sie durch den Klimawandel als Kurzzeitflieger früher eintreffen und brüten und der Trick nicht mehr funktioniert. Man geht von einem leichten Rückgang der Kuckuckszahlen aus. Auf jeden Fall hieß es in meiner Kindheit, man sollte etwas Kleingeld bei sich haben, wenn der Kuckuck ruft, kennen Sie das auch?

Herzliche Grüße
Franz Maus

Nachwort zu „Peter und der Wolf“

Best Seller Wald

„De Bescht isch nint, und ihr hond nit emol de Bescht“

legendäre Ausspruch vu me Ostbaaremer Borgermoeschter i de 1960-er

Scho des Wort „Bescht- Säller“ dräht imme gstandene Alemanne de Mage um. Mir saget „Sau guet“ oder „beriichernd“ oder oefach nuu „ gattig“. Büecher noch de „Beschtsällerlischte“ z kaufe, des han i mir scho lang abgwähnt. Mit wenige Uusnahme ischs i d Hose gange oder uff booremerisch: Die sind meischtens schnell verlächeret.

Ganz andersch isches mit guete Rotschläg vu gute Freund, die gwähnlich au die gliich Iistellung zum Lese und die gliiche Gwuhnete hond. So isch mers gange beim Rot vu me Förschter zu me Buuch, au vu me selli waldkundige Förster: „ Heimkehr „ vum Wolfgang Büscher. (nit zum verweähsle zum gliichnamige Buech vum Thomas Hürlimaa) . De Büscher beschriebt mit grosse Poesie, und nit e überzwerris Märli wie de baumseele- Schmecker Peter Wohlleben, sie Verhältnis als Heimkehrer i sin glüeckseelige Jugendwald. Und des mit Herz und Verstand. Anne 1999 hät mer emol e belesene Freundin au e Märli- Waldbuech geschenkt: „Das Geheimnis des alten Waldes“ vum Dino Buzzati. Ganz grosse Literatur obwohl mer zerscht mond, es sei eweng philosophisch abghobe. Natüerlich hät mer noch „Achtesechzg“ des Welt- Kultbuech vu allene Linke, Waldörfler und Gartepuzzli glese: „Walden“ vum Thoreau, en ehrliche Welterfolg us sich selber rus und nit vu „Marketingler und Sparkässler“ promotet und profitmaximiert zämetbosslet.

I me reachte Wälder, eme Säger und Holzmoeschter, dem fallt beim Bsuech beim Sparbichslevortrag i de Waldstadt Villinge über de neischt Erguss vum Wald- Peter Wohllebe natierli ebbis gnizes , schreegs, knorrigs ii. Weil er konn onzige vu de zahlriche Forstmanne us em Baarschwarzwald uffstöbere khaa, obwohl er uff die aagesesse isch, poschtet er oes vu dene Schwarte und lot es au no mit dem Zuesatz „Für Wolf“ gifizig vum Peter Wohllebe signiere. De „Wolf“ isch nämli sin guete Sport- und Langlauffreund, den er mit dere Signatur in e Zwickmilli bringt. Wie will der sine Nochfahre, die sie riesige Bücherwand mol dorchforschte mond, verklickere, das er die opulent Papierholz- verschwendung weder poschtet hät, scho gar nit uff sin Name „Wolf“ vu sim fehlglaübige Forstkolleg hät siegniere lau. Scho mol hät en Speicherfund i dere Familie für Erschütterung gsorgt. Wa word au i den innigfahre sii ?, so ebbis au no signiere z lau ? Dätet die mol denke. Desell Uremer Spitzbue haet natierli sini Initiale: „S.W“, die er früeher mol i sinni Järvinnen Holzlanglaufschi innigschnaefflet hät, nit beim übergaehe vu dem schnodder- freche Gschenk in Buechdeckel innikritzlet. S kennt jo mol ebber merke, wer für den hintersinnige Streich zuständig war.

Übrigens: Falls de so Beglückte sie Bücherei nit mit dem waldsseelige Pamphlet besudle will, könnt ers jo mol vertlehne. Ganz i de Hoffnung, dass ers nimme zruckkriegt und er us dere bleede Kummedi uffreacht uussikunt. Gspräch mit Wald- und Forschfreund hond übrigens ergähe, dass mers nit lang bhaalte bruucht, nuu mol innischmecke, so dass om d Esoterik- Briehe nit am Backe rablauft, so wie beim fastfood. Sell möget aber uuglaublich vill Liit, wie mer a de Verkaufszahle und de Iischaltquote sieht. Und me muss nit mol im Wald ummemuuse. Halt modisch Wald „to go“.

Ich vertlehn mini Buecher vum Wolf (und Fritz) Hockenjos nimme, sellem Wolf wo nit mit em Peter tanze will. Scho vill mol han ich die nimme zruck kriegt und antiquarisch nochbunkere messe. I dene word om s wohr Zaubergschichlte vum Wald verzehlt und zoeget:


„Winter auf dem Wald“, „Tännlefriedhof“, „Begegnung mit Bäumen“, „Wo Wildnis entsteht“, „Waldpassagen“, „Tannenbäume“, „Unterhölzer Wald“.

Jo so wars

Peter und der Wolf

Hier soll es ausnahmsweise einmal nicht um Sergei Prokofjews Musikmärchen gehen, so wenig das Märchenhafte ganz außer Betracht bleiben soll. Für Wolf! – diese Widmung fand ich zu meiner Überraschung mit Datum vom 18. 5. 22 auf der Innenseite des Buchcovers, dazu ein genialisch-schwungvoller Schriftzug: unzweifelhaft das Autogramm des Autors Peter Wohlleben. Ihn hatte die Villinger Sparkasse unlängst zu einer Vortragsveranstaltung in die Tonhalle eingeladen. Immerhin 600 Besucher waren der Einladung gefolgt – ferngeblieben waren ausnahmslos die Forstbediensteten. Denn von den Grünröcken wird Peter Wohlleben inzwischen gemieden als sei er der Gottseibeiuns höchst selbst. Für Furore sorgt derzeit vor allem sein 2021 erschienenen Buch DER LANGE ATEM DER BÄUME mit dem Untertitel Wie die Bäume lernen, mit dem Klimawandel umzugehen – und warum der Wald uns retten wird, wenn wir es zulassen. Die persönliche Widmung mag den Verdacht nahelegen, dass der Wolf sich den Boykott der Berufskollegen versagt haben könnte. Doch weit gefehlt: Es war nachweislich ein ehemaliger Kunde aus seiner Villinger Forstamtsleiterzeit (1980-2004), ein Schwarzwälder Sägewerker und Sportsfreund, der sich den Scherz erlaubt und das Buch samt Widmung für mich erstanden hatte. Im Geplauder mit dem gefeierten SPIEGEL Bestseller-Autor hatte er auch auf meine Veröffentlichungen rund um forstlich-naturschützerische Themen verwiesen, die Peter Wohlleben offenbar nicht ganz unbekannt geblieben waren.

Unverhoffte Widmung

Nun also lag sein Buch ein paar Wochen lang als Einschlaflektüre auf meinem Nachttisch. Zu Vergleichszwecken hatte ich dann doch auch noch seinen 2015 erschienenen, sage und schreibe fünf Millionen (!) mal verkauften Bestseller DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME aus dem Bücherschrank hervorgeholt – wie auch den ihm 2016 nachfolgenden Bildband desselben Titels, illustriert mit exquisiten Baum- und Waldfotos, die von einer Vielzahl namhafter Fotografen und Agenturen aus aller Welt beigesteuert worden waren. Es war wohl vor allem die neuartige Herangehensweise an sein Thema, seine stark vermenschlichende, gar zur Esoterik neigende Schreibe, die Peter Wohlleben zum mit Abstand bekanntesten Förster der Republik, zum „Waldflüsterer“ schlechthin, gemacht haben. Der mit dem Wald spricht – Unterwegs mit Peter Wohlleben, so lautete schließlich auch die TV-Serie, die der SWR 2018 in sechs Folgen ausgestrahlt hat: der Autor jeweils auf zweitägiger Exkursion mit Prominenten in verschiedene Waldgebiete Südwestdeutschlands. Vollends verpasst habe ich den 2020 präsentierten Dokumentarfilm Das geheime Leben der Bäume, und auch das am Kiosk erhältliche, im GEO-Verlag erscheinende Magazin Wohllebens Welt habe ich mir erspart, so intensiv ich das Phänomen Wohlleben ansonsten zu verfolgen bemüht war. Habe doch auch ich mich weit über mein Berufsleben hinaus mit forstlicher Öffentlichkeitsarbeit befasst.

Wer weiß, dass Bäume Schmerz empfinden und ein Gedächtnis haben und dass Baumeltern mit ihren Kindern zusammenleben, so liest es sich schon im Eingangskapitel des „Sachbuchs“, der kann sie nicht mehr so einfach fällen und mit Großmaschinen zwischen ihnen herumwüten. Starker Toback für einen studierten Förster wie für die gesamte Forstpartie! Auch wenn er dann relativierend fortfährt: Ein gesunder, vielleicht sogar ein glücklicher Wald ist wesentlich produktiver und das bedeutet zugleich höhere Einnahmen. Produktivität, Einnahmen – erzielt halt wohl doch vorwiegend durch Holzerntemaßnahmen, möchte man einwerfen. Glückliche Kühe mögen zwar mehr Milch geben, doch wie hat man sich bloß den nicht nur gesunden, sondern auch glücklichen Wirtschaftswald vorzustellen? Als einen, wo Baumbabys gestillt werden und wo beim Buchen-Nachwuchs Gruppenkuscheln erwünscht ist?

Anscheinend will die breite Leserschaft den Wald so präsentiert bekommen, wie sonst wäre das Buch drei Jahre lang (von 2015 bis 2017) auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste gelandet? Bei aller Mäkelei der Kollegen: mehr Werbung für eine ökologisch orientierte und schonende Waldbehandlung geht wohl nicht – als ob die Forstbeamten dem so sensationell erfolgreichen Autor da nicht zu Dank verpflichtet wären anstatt zu Boykott!

Doch inzwischen haben sich die Fronten zwischen Waldwirtschaft und Ökologen weiter verhärtet, und in seinem neuen Werk Der Lange Atem der Bäume zeigt sich der Autor noch um Einiges polarisierender und streitbarer als bisher – auch längst nicht mehr so vermenschlichend und verniedlichend. Und er möchte mit seinem neuen Buch etwas tun gegen den unterm fortschreitenden Klimawandel sich ausbreitenden Fatalismus, auch gegen falschen Aktivismus der „Forstindustrie“ und der Politik. Aus Sorge um das Bauholz der Zukunft werde noch immer dem großflächigen Anbau von Nadelholz, gar von Baumarten mit Migrationshintergrund das Wort geredet: Letztendlich bleibt die Forstwirtschaft so in ihrem traditionellen Plantagensystem mit nur wenigen Baumarten verhaftet.

Fichten-Pleite am Brocken (Harz)

Dabei seien Bäume doch durchaus lern- und anpassungsfähig, sofern sie nicht allzu früh geerntet werden, wie er am Beispiel der Eichen von Ivenack in Mecklenburg-Vorpommern erläutert, die im stolzen Alter von 500 – 1000 Jahren zu den stärksten des Landes zählen. 2020, nach dem dritten Trockensommer, wurde die allerstärkste dieser Stieleichen von einem Forscherteam auf Ihren Gesundheitszustand hin untersucht. Dem Baum gehe es gut, stellten die Wissenschaftler fest, doch zu ihrer Verblüffung fanden sie an ihm auch Blätter und Früchte der Traubeneiche, jener ganz anderen botanischen Art, die trockenere Lagen des Hügellandes besiedelt – jetzt also bereits ein Indiz für die Anpassung an ein verändertes Klima? 

Lernfähige Eichen (Ivenack)?

Um sich erfolgreich auf Veränderungen einzustellen, bräuchten Bäume vor allem Zeit und Ruhe, folgert Wohlleben. Je geschlossener und älter der Laubwald, desto besser funktionieren die Kühlung und die CO2-Speicherung. Derlei Forderungen finden ihren Niederschlag sogar bereits im Koalitionsvertrag 2021 – 2025 der Ampel, wo es heißt: „Wir stoppen den Einschlag in alten, naturnahen Buchenwäldern im öffentlichen Besitz.“ Jeder Eingriff in den Wald werfe das Ökosystem zurück, die Forstwirtschaft störe da nur. Denn Menschen könnten keine Wälder schaffen, höchstens Plantagen. Was es brauche, sei das richtige Maß an Demut, aber auch an Optimismus im Bezug auf die Selbstheilungskräfte der Natur. So ist das Buch auch ein Plädoyer für mehr Waldwildnis geworden, deren Anteil nach der Nationalen Biodiversitätsstrategie aus dem Jahr 2007 bis 2020 auf 2 Prozent der deutschen Gesamtfläche hätten ausgeweitet werden sollen; geworden sind es indessen nur 0,6 Prozent.

Ins nämliche Horn stößt in seinem Nachwort zum Buch der Eberswalder Biologieprofessor Pierre Ibisch unter der Überschrift Von Nichtwissen und Vorsicht im Wald. Auch er rät zur Demut in der Waldwirtschaft angesichts all der Unsicherheiten, ob die vermeintlichen Superbäume sich überhaupt in die Ökosysteme integrieren können. Womöglich würden die vielen Pflanzungen den natürlichen Wald noch zusätzlich schwächen. Seit beide, Ibisch wie Wohlleben, an der Eberswalder Hochschule mit GEO-Hilfe ein Studiengang Ökologische Waldbewirtschaftung einzurichten sich bemüht haben, tobt der Streit (ein Griff ins Hornissennest) mit den Waldbauprofessoren der übrigen forstlichen Hochschulen. Die klassische Forstwirtschaft, gießt Wohlleben Öl ins lichterloh flackernde Feuer, ist am Ende einer langen, zerstörerischen Reise angekommen, so deutlich, dass es jeder draußen auf den Kahlschlägen sehen kann.

Wen wundert da noch das Fernbleiben der Forstleute bei Wohllebens Villinger Vortrag? Der hatte schließlich auch noch ein lebhaftes Nachspiel in der örtlichen Presse, die unter der Überschrift Bestseller-Autor attackiert VS-Förster einen ganzseitigen Beitrag brachte. Im Vorfeld seines Vortrags hatte Wohlleben einen Bericht des städtischen Forstamts aufgeschnappt, wonach im Stadtwald künftig vermehrt alte Bäume geerntet werden sollen, um so die Waldverjüngung voranzutreiben. Auf seine Facebook-Seite hatte Wohlleben darüber ein Video gestellt, in welchem er sich den stellvertretenden Forstamtsleiter, der sich so geäußert hatte, zur Brust nahm: Wenn alle Förster ihren Wald so behandeln wird mir Angst und Bange. Für mich klingt das wie die dringende Bitte um Kündigung seitens des Arbeitgebers. Womit der Erfolgsautor fraglos offenbarte, dass er mit der naturnahen Villinger Tannenwirtschaft nicht vertraut ist, wo doch der Stadtwald den Ruf als Musterbetrieb genießt und Ziel zahlreicher Fachexkursionen ist. Entsprechend geharnischt fielen dann auch die Leserbriefe aus. Der geprügelte Stadtförster reagierte erstaunlich gelassen auf die Schelte: „Er hat anfänglich für den Wald viel Gutes gemacht. Aber irgendwann ist er aus meiner Sicht zum Märchenerzähler geworden.“

Fachexkursion im Villinger Stadtwald

Hängepartie

Liebe Bürgerpostleser, 

diesen Augenschmaus möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Es war am Abend vor Christi Himmelfahrt, als ich in unserem Garten diese „Hängepartie“ fotografieren konnte. Sieht das nicht elegant aus, wie die oberste Fliege sich mit ihren Vorderbeinen am horizontalen Stengel aufhängt hat? Grad so, wie wenn sie gleich einen Salto mortale macht will. 

Ich kam bisher noch nicht ganz dahinter, was da eigentlich passiert ist. Meine Vermutung ist, dass das hängende Männchen sich paart und das Weibchen zur Stärkung einen Artgenossen aussaugt. Kurz gesagt, Paarung mit Kannibalismus, wann hat das jemals jemand fotografiert? Im Moment bin ich im Internet der Sache auf den Grund gekommen: Es sind Tanzfliegen. Sie sind an dem langen, herausstehenden Saugrüssel leicht zu erkennen. Schauen Sie auf Bild 2 ins Gesicht der hängenden Tanzfliege. Männliche Tiere bieten ein Brautgeschenk in Form eines erbeuteten Insekts an. Dies diene auch der eigenen Sicherheit, denn es komme auch schon mal zu Kannibalismus. 

Was sagt man dazu?

Herzliche Grüße
Franz Maus

Raupen

Liebe Bürgerpostleser, 

dieses Mal möchte ich vier aktuell vorkommende Raupen vorstellen. Ich bin immer wieder aufs Neue begeistert von Farben und Formen dieser Entwicklungsstufe der Schmetterlinge. Die Fotografien von Bild 1 und 2 gehören der gleichen Art, dem kleinen Nachtpfauenauge. Ein Bild ist vom Belchen und das andere von der Sperbelhalde. Die intensivere Färbung der Raupe von der Sperbelhalde kommt vermutlich von der erst kurz zurückliegenden Häutung her, die die Raupen durch das Größenwachstum mitmachen müssen. Welcher Vogel will so eine behaarte Raupe fressen? Der Hammer ist, dass die Falter keine Mundwerkzeuge haben und daher nur wenige Tage leben können. Ihr Dasein beschränkt sich einzig und allein auf die Fortpflanzung. Die Männchen sind tagaktiv, im Gegensatz zu den nachtaktiven Weibchen. Die Männchen finden ihre Geschlechtspartner durch vom Weibchen ausgesandte Lockstoffe, die sie mit ihren großen Fühlern kilometerweit riechen können. Da die Weibchen tagsüber nur sitzen und nicht davonfliegen, ist ihre Ortung nur eine Frage der Zeit. Was sagt man dazu?


Die nächste Raupe schickte mir Rebecca Weber aus dem Dreisamtal als Foto. „Was ist das Gruseliges?“, schrieb sie dazu.  Bei www.Schmetterling-raupe.de recherchiert, war bald klar, dass es eine Lindenschwärmerraupe ist. Sie war etwa 6 cm lang und „angriffslustig“. Wissen Sie wieso? Weil sie sich bald verpuppen wollte und da will sie nicht gestört werden. Der Haken am Raupenende ist nicht schlecht, finden Sie nicht auch?

Lindenschwärmer

Das nächste Foto stammt auch vom Belchen. Die Raupe war an dem dürren Stengel dermaßen gut getarnt, dass ich mich selber wunderte, dass ich sie entdeckte. Hier fragte ich Walter Schön, den Betreiber der Webpage. „Kleespinner“ war seine Antwort. Neben der Tarnung ist sie auch durch ihre Behaarung gut geschützt.

Kleespinner

Das letzte Exemplar fand ich im Bräunlinger Wald beim Fressen an einem Haselnussstrauch. Auch da habe ich nachgefragt bei Walter Schön, seine Antwort lautete: „Daraus wird ein C-Falter.“ Schauen Sie, wie akrobatisch die Raupe sich unter dem Haselnussblatt bewegen kann, wir wären schon zigmal heruntergefallen. Wie Gräten stehen die Verästelungen vom Körper ab. Wie das wohl aussieht, wenn sie sich häuten muß?

C-Falter

Herzliche Grüße
Franz Maus

Lebensqualität in Hüfingen verbessern

15.06.2022 Michael Steinemann, von der BFSO/DIE GRÜNEN Fraktion

Als Fraktion sind wir stets bestrebt die Verbesserung der Lebensqualität in unserer attraktiven Gesamtstadt im Auge zu haben. Zugegeben, an vielen Stellen ist dies gar nicht so einfach. So kann es bei vielen Ideen hohe Hürden geben, weit auseinandergehende Ansichten über die Auswirkungen, hohe Kosten, u. v. m.

In den letzten Monaten hat sich unsere Fraktion unter anderem zwei Projekten gewidmet auf die der vorhergehende Satz so nicht zutrifft. Wir sind der Meinung, mit relativ wenig Aufwand könnte man zwei „Baustellen“ beenden. Der Behlaer Weiher befindet sich seit längerem in einem sehr schlechten Zustand. Die letzten Jahre wurden viele unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt. So gibt es mikrobiologische und chemische Analysen, Befahrungen und Dokumentationen (u. a. vom GVV Umweltbüro und des Amtes für Umwelt Wasser und Bodenschutz). Zeitgleich bestehen zum Teil wissenschaftlich unhaltbare Anschuldigungen gegen einige Landwirte in Behla. Auch um unsere Landwirte zu schützen, haben wir nun beantragt, dass diese „wilde“ Ansammlung von Teilfakten, Gerüchten und Anschuldigungen durch einen unabhängigen Gutachter sortiert, untersucht und analysiert wird. Der Schutz des Gewässers kommt übrigens nicht nur Tier und Umwelt zugute, sondern letztendlich auch der Aufenthaltsqualität beim idyllischen Weiher.

Die Aufenthaltsqualität – aber auch insbesondere die Lebensqualität – wollen wir eben- falls in der Hüfinger Innenstadt verbessern. Im März haben wir einen Antrag zur Geschwindigkeitsbegrenzung beginnend vom neuen Kreisverkehr Dögginger Straße/Schaffhauser Straße, über die Hauptstraße, bis einschließlich Donaueschinger Straße gestellt. Möglicherweise können noch andere Stellen miteinbezogen werden. Bürgerinnen und Bürger, Gemeinderat und Verwaltung sollen im laufenden Prozess des Lärmaktionsplanes der Stadt Hüfingen ihre Ansichten äußern können. Eine Reduzierung auf 30 km/h auf dieser vielbefahrenen Durchgangsstraße ist aufgrund der Viel- zahl von emissionsbetroffenen Anwohnern erforderlich. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung unter Beibehaltung der aktuellen Vorfahrtsregeln ist nahezu kostenlos, effektiv und schnell umsetzbar. Nennenswerte Nachteile gibt es keine. Wir sehen übrigens keine zu erwartenden Umsatzeinbußen für den anliegenden Einzelhandel und Gastronomie, sondern im Gegenteil, wir bewerten es als Chance zur Attraktivitätssteigerung. Weniger Lärm, weniger Geruchsemissionen, mehr Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer, mehr Zuspruch durch Kunden.

Viele Navigationsgeräte würden ortsfremde Autofahrer in den vergangenen Wochen erst gar nicht durch die Hüfinger Innenstadt lotsen, wenn sie anstatt der aktuell zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h nur noch „30“ einkalkulieren würden. Wir machen uns für eine lebendige und verkehrsberuhigte Stadtmitte stark.

Windpark Länge im Genehmigungsverfahren

Windrad auf der Länge

15. Juni 2022 von Bene Müller, Vorstand solarcomplex AG

solarcomplex hat im Auftrag der Gesellschafter der Betreibergesellschaft im Dezember 2021 einen BImSchG-Antrag (Bauantrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz) für den Windpark Länge gestellt.

Obwohl das nicht verpflichtend ist, hat solarcomplex das sogenannte förmliche Verfahren mit voller Öffentlichkeitsbeteiligung gewählt.

Aufbau der Windkraftanlage auf dem Auenberg 1990 in Hausen vor Wald

Der öffentliche Teil des Verfahrens wurde vom Landratsamt Schwarzwald-Baar als zuständiger Genehmigungsbehörde eingeleitet. Die am Projekt beteiligten rund 20 Stadtwerke und Bürgerenergiegenossenschaften hoffen, daß bis Ende 2022 eine Genehmigung erteilt wird und der Bau in 2023 beginnen kann.

Die 6 Windkraftanlagen sollen einen jährlichen Stromertrag von knapp 60 Mio kWh liefern und würden damit einen spürbaren Beitrag zum dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien in Baden-Württemberg liefern. Für die Nutzung heimischer erneuerbarer Energien sprach schon immer der Klimaschutzaspekt. Inzwischen aber auch der Kostenvorteil und die Unabhängigkeit, welche wir dadurch gegenüber fossilen Energieimporten aus autoritären Ländern erlangen. Das erkennen immer mehr Menschen und Firmen, viele leider erst mit dem Krieg gegen die Ukraine. Gleichwohl wird es einige unverbesserliche geben, welche auch jetzt noch den Windpark Länge bekämpfen.

Blick über Behla auf die Länge und Fürstenberg

Von daher geht solarcomplex davon aus, daß gegen eine Genehmigung erneut geklagt wird. Das Geld für Gerichts- und Anwaltskosten wurde bereit gestellt und ist im Gesamtinvest von rd. 45 Mio Euro enthalten.

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