Spätlese von Wolf Hockenjos

Ich möchte hier (leider zu spät für ein Weihnachtsgeschenk) auf das Buch von Wolf Hockenjos aufmerksam machen.

Das Buch gibt es bei Morys Hofbuchhandlung in Eschingen:

https://morys-hofbuchhandlung.de/spatlese-von-wolf-hockenjos

Vorwort

Spätlese steht hier einmal nicht für Prädikatswein, den man im Badischen bekanntlich »sürpfle, nitt suffe« soll.

Gemeint ist vielmehr das »Spätwerk«, das einer im fortgeschrittenen Seniorenalter abgeliefert hat.

Eigentlich wollte der Autor es ja mit dem Bücherschreiben endlich gut sein lassen, spätestens 2018 mit dem Erscheinen von Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald, dem letzten von insgesamt sechs Bildtextbänden. Doch dann hat sich plötzlich eine neue, ungemein verlockende »Spielwiese« auf-getan: Nach einer Jubiläumsveranstaltung aus Anlass des 200. Geburtstags des Hüfinger Schriftstellers Lucian Reich, bei der ich einen bebilderten Vortrag (»Zwischen Dichtung und Wahrheit – Hieronymus und der Wald«) beisteuerte, war hier der Blog hieronymus-online.de entstanden, in welchem mir eine Kolumne eingeräumt wurde. In ihr sammelten sich Texte zu Themen an, die mir aktuell und mitteilenswert erschienen sind – jeweils wohlwollend aufgenommen und begrüßt, mitunter auch kommentiert von der überaus engagierten Hüfinger Bloggerin, der Naturwissenschaftlerin Dr. Hannah Miriam Jaag. Und irgendwann kam die Idee auf, eine Auswahl aus der Kolumne – sozusagen als »Spätlese« – nun doch auch noch analog in lesbarerer Papierform zu veröffentlichen: ein Sammelsurium teils bereits in Zeitschriften erschienener, teils unveröffentlichter Texte zu mich in meinem Ruhestand umtreibendem Zeitgeschehen. Die meisten kreisen natürlich auch diesmal wieder um Baum, Wald und Landschaft, doch mehr und mehr drängten sich mir auch ganz andere Themen auf, seien es die Auswirkungen des Klimawandels und der Energiewende auf Wald und Landschaft oder persönliche Wertungen von Vorgängen in unserer so krisengeschüttelten Gegenwart. In der sich Großeltern immer öfter die Frage stellt: Werden sich unsere Enkel in dieser Welt wohl noch zurechtfinden und wohlfühlen können?

Es traf sich gut, dass sich in Donaueschingen, unserem Alterssitz, mit Morys Hofbuchhandlung erneut ein Verleger fand, sodass mir der Entschluss leicht gemacht wurde, es doch noch einmal zu versuchen, diesmal nicht mit einem Bildtextband, sondern mit einem bebilderten Lesebuch. An Ermunterungen zu diesem Wagnis hat es nicht gefehlt. Bleibt zu hoffen, dass meine »Spätlese« gehaltvoll, frisch und fruchtig genug, doch nicht gar zu trocken ausgefallen ist und so auch diesmal wieder Leser und Liebhaber finden wird.

Die Buchvorstellung

Am 23. April 2025 in der Stadtbücherei, Donaueschingen.

Und jetzt auch noch der Goldschakal

Leider hat hier in der Mitte das Mikrofon versagt

Und jetzt auch noch der Goldschakal

Lob des Krummwüchsigen

Leider schlechter Ton, da das Mikrofon gestreikt hatte


Das Buch gibt es bei Morys Hofbuchhandlung in Eschingen:

https://morys-hofbuchhandlung.de/spatlese-von-wolf-hockenjos




Beim Landeswaldverband gibt es ein ausführliches und legendäres Interview mit Wolf Hockenjos!

https://lwv-bw.de/wolf-hockenjos-interview/


Die Rede von Prof. Dr. Günther Reichelt zur Buchvorstellung 2018 – Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald.

Prof. Dr. Günther Reichelt und Wolf Hockenjos 2018 bei der Buchvorstellung.

2018 Unterhölzer – Liebeserklärung an einen alten Wald.

2017 Hieronymus und der Wald in der Rathausgalerie Hüfingen.

Wolf Hockenjos wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

13. Mai 2025 Pressemitteilung aus Donaueschingen

Am Montag, 12. Mai 2025, wurde Wolf Hockenjos im Donaueschinger Rathaus mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung nahm Minister Peter Hauk MdL vom Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor.

Mit der Auszeichnung wird das langjährige, vielseitige und außergewöhnliche Engagement von Wolf Hockenjos gewürdigt. Als Forstmann, Naturschützer, Autor zahlreicher heimatkundlicher und naturwissenschaftlicher Publikationen sowie Mitbegründer und Vorsitzender des Clubs Thurnerspur e.V. hat er über Jahrzehnte hinweg nachhaltige Spuren hinterlassen.

„Wolf Hockenjos steht für eine Haltung, die unser Gemeinwesen stärkt. Er übernimmt Verantwortung und gestaltet im Kleinen wie im Großen unsere Gesellschaft aktiv mit“, sagte Oberbürgermeister Erik Pauly in seiner Begrüßung. „Die Stadt Donaueschingen ist stolz, ihn in ihrer Mitte zu wissen.“

An der Feierstunde nahmen Weggefährten, Vertreter von Umwelt- und Sportverbänden sowie Mitglieder der Familie Hockenjos teil.

Das Bild zeigt bei der feierlichen Veranstaltung im Sitzungssaal des Rathauses (v.l.): den Landtagsabgeordneten Niko Reith, Peter Hauk (Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz), Wolf Hockenjos, Oberbürgermeister Erik Pauly und Manfred Kreutz, Bürgermeister von St. Märgen. (Foto: Martina Bolkart, Stadtverwaltung Donaueschingen) 

Starkes Zeichen der Bevölkerung an die Bildungspolitik – Landtagspetition „Neue Lernkultur – Jetzt!“

Dagmar Schäfer & Team Neue – Lernkultur – Jetzt!

Logo neue Lernkultur

„Schule mit Zukunft für alle Kinder“ mit sechs Wochen Zeichnungsfrist

Stuttgart, 11.Dezember 2025: Das Team Neue Lernkultur -Jetzt!  war nach Stuttgart angereist um ihr überparteiliches Anliegen zum Start der digitalen Unterschriftensammlung an den Petitionsvorsitzenden Thomas Marwein, sowie den bildungspolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP persönlich zu überbringen. „Wir möchten die Bildungspolitik in die kommende Landtagswahl tragen und eine Bildungswende zum Wohl aller Kinder und Jugendlichen in Gang setzen“, erklärt die Initiative. Die Forderungen sollen Eingang in die Koalitionsverhandlungen und das Regierungsprogramm 2026 finden. Erstes Ziel sei eine Anhörung noch in dieser Legislaturperiode, also bereits im Januar. Dafür erforderlich sind mindestens 10 000 Unterstützer:innen innerhalb der Frist von kurzen sechs Wochen. Dagmar Schäfer, pensionierte Lehrerin betont: „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bürger:innen und Bürger unseres Landes mit ihrer Unterschrift diese gebotene Chance nutzen und ein starkes Zeichen für ihre Kinder und Jugendlichen an die Entscheidungsträger setzen. Hier geht es um die Biografien der jungen Menschen in allen Schularten.“ Sie und ihr ehrenamtliches Team haben die Webseite Neue Lernkultur – Jetzt! aufgebaut, damit sich Interessierte, Entscheidungsträger:innen und Betroffene davon überzeugen können, dass alles für eine erfolgreiche Neuausrichtung des Schulsystems bereit liege. 

Das Team Neue Lernkultur -Jetzt! war nach Stuttgart angereist um ihr überparteiliches Anliegen zum Start der digitalen Unterschriftensammlung an den Petitionsvorsitzenden Thomas Marwein, sowie den bildungspolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP persönlich zu überbringen.
Das Team Neue Lernkultur -Jetzt! war nach Stuttgart angereist um ihr überparteiliches Anliegen zum Start der digitalen Unterschriftensammlung an den Petitionsvorsitzenden Thomas Marwein, sowie den bildungspolitischen Sprechern von SPD, CDU, Grünen und FDP persönlich zu überbringen.

„Es ist Zeit, dass die Probleme gemeinsam und überparteilich gelöst werden“, so das Team neue Lernkultur – Jetzt. Heute, wo der Bildungsnotstand längst ein Standort- und Fachkräfteproblem sei und Schulen es immer häufiger nicht schafften, grundlegende Kompetenzen verlässlich aufzubauen, fordert die ehrenamtliche Initiative die Veränderung der Schulen vom Ort des Lehrens zum Ort des Lernens. „Unsere Schulen sind extrem wichtige Lebensorte für junge Menschen. Kinder wollen die Welt entdecken und dazulernen – doch in d en Schulen herrscht immer mehr Dauerstress,statt Lernen mit Sinn. Starre Taktung und wenig Zeit für Beziehung machen Schulen zunehmend dysfunktional. Das Ergebnis spüren Familien unmittelbar: Stress, Motivationsverlust, wachsende Lernlücken – und ein Übergang in Ausbildung und Beruf, der für zu viele nicht gelingt, obwohl Potenzial da ist.“

Die Initiative hebt darauf ab, dass Baden-Württemberg als innovatives und demokratisches Bundesland gut gebildete Menschen brauche. „Wir haben staatliche Leuchtturmschulen, die es schaffen, Kindern Geborgenheit und eine förderliche Lernkultur zu bieten. Nachweislich weisen diese Schulen bessere Leistungsergebnisse auf. Die Bildungspolitik soll diese Expertise anerkennen und sich mit erfahrenen Praktiker:innen und Bildungsforscher:innen an einen Tisch setzen, um die Probleme überparteilich und sachorientiert zu lösen“, fordert die Initiative Neue Lernkultur – Jetzt. In einer sich rasant verändernden Welt müsse auch Schule neu gedacht werden. KI, vernetzte Krisen und neue Anforderungen an Kompetenzen machten ein Festhalten an rein kognitiver Wissensvermittlung unmöglich.Gefragt seien Future Skills, Transformationsfähigkeit – und Räume, in denen Menschen einander wirklich begegnen.

Unter anderem fordert die Initiative eine Enquete-Kommission unter Einbezug von Betroffenen und Praktiker:innen zur Vereinbarung eines gemeinsamen Bildungsbegriffes für die Einrichtung einer neuen Lernkultur. Weiterhin verlangt sie eine Begutachtung der Organisationsstruktur und Arbeitsweise des Kultusministeriums durch ein externes Beratungsunternehmen mit dem Ziel, wirksamere Arbeitsergebnisse und eine Team-Kultur des Zuhörens über alle Ebenen zu ermöglichen.

Das Team bittet um weitreichende Unterstützung der Petition: „Erst wenn das Anliegen beim Landtag und der künftigen Landesregierung durch Tausende Unterschriften aus der Bevölkerung großes Gewicht findet, werden die Entscheider:innen weg von der Flickschusterei in ein Handeln kommen, das bei den Kindern dieses Landes Früchte trägt. Schule mit Zukunft für alle Kinder!“

Hier geht es zur Petition: https://www.neue-lernkultur-jetzt.de

Die Verwandlung des Feldberger Hofs

2. Februar 2023

Verwandlung
Vom Berggasthaus zum „Millionenhotel“

Doch wollen wir nicht von des Feldbergs Höhe scheiden, ohne den Wunsch auszusprechen, es möge in aller Zukunft hier oben der alte behagliche und herzliche Ton herrschen bleiben, auf dass nicht eines Tages ein Abschreckungsbädecker nötig falle. (Prof. Dr. Ludwig Neumann: Der Schwarzwald in Wort und Bild. Stuttgart, 1897) 

Mit dem Bädecker hatten sie es nie so arg im Schwarzwald, sehr viel angesagter waren die Führer von Seydlitz, Bayer und Schnars, die über viele Jahrzehnte und in ungezählten Auflagen zu Schwarzwaldtouren einluden, nicht zuletzt rund um den Feldberg. Von den Viehhütten einmal abgesehen, die nur halbjährig genutzt und bewohnt worden sind und in denen der Wanderer notfalls Unterschlupf fand, begann die eigentliche Besiedlung und die touristische Nutzung des Feldbergs erst ums Jahr 1864: Eine Menzenschwander Aktiengesellschaft, zu der sich einige Bürger zusammengetan hatten, eröffnete etwas oberhalb ihrer Viehhütte in geschützter Muldenlage östlich des Seebucks eines der ersten Berggasthäuser des Schwarzwalds, den Feldbergerhof. An dessen Standort lässt ein Neuer Wegweiser durch den Schwarzwald von Dr. G. v. Seydlitz aus dem Jahr 1870 allerdings noch kein gutes Haar: „Dieser neue Gasthof liegt in einer muldenartigen Hochebene, ohne Aussicht, ohne hübsche Umgebung, [ist] offenbar ganz verfehlt angelegt.“ Doch werde er Jedermann zur Stärkung angenehm sein und biete allen wünschenswerte Bequemlichkeit zur Nacht, die auf dem Berg bleiben wollen. Der Durstige finde Bier allerdings nur ausnahmsweise, wenn an schönen Sonntagen viel Besuch aus den umliegenden Tälern erwartet werde „und die Hirten und Knechte hier zahlreich verkehren.“ Bei der Anlage des Hauses sei sogar eine Molken- und Luftkuranstalt beabsichtigt gewesen. Wanderführer durften damals anscheinend auch noch kritisch sein, ohne gleich wegen Geschäftsschädigung verklagt zu werden.

Werbung anno 1865

Der freundliche Feldberger Hof sei „ein kleines Häuschen, das zunächst dem bescheidenen Zuspruch reichlich gerecht wurde“. So wohlwollend beschreibt indessen 1897 in einem opulenten Goldschnitt-Prachtband Der Schwarzwald in Wort und Bild Prof. Dr. Ludwig Neumann das Gasthaus, im Ehrenamt Präsident des 1864 in Freiburg gegründeten Badischen Vereins von Gastwirten und Industriellen, der alsbald in Schwarzwaldverein umbenannt worden war. 

Doch schon damals scheinen den Autor leise Zweifel beschlichen zu haben, ob der touristische Aufschwung nicht eines Tages einen „Abschreckungsbädecker“ erforderlich mache, um der Verrummelung des Bergs vorzubeugen. Neumanns Schreckbild war der aufdringliche „Salonschwarzwälder“, der es womöglich bald nicht mehr erlauben werde, „das Dasein auf der herrlichen Höhe auch weiterhin einfachen und anspruchslosen Menschen sympathisch zu erhalten“. Mit der Eröffnung der Höllentalbahn 1887 sei im Feldberger Hof die Besucherzahl derart sprunghaft angewachsen, „dass an Sonn- und Feiertagen oft 300 Gäste und mehr gleichzeitig hier weilen; die alte Stube wurde zu klein, das Gastzimmer mit den Hebelbildern bekam den großen neuen Speisesaal als Anbau … das Haus ist zu einer großen, umfangreichen Anlage geworden gleich einem stattlichen Herrschaftshof.“ Soweit Ludwig Neumann ausgangs des Jahrhunderts.

Feldberger Hof 1897 (Foto: Netzfund)

Stattlich, herrschaftlich…kein Wunder, wo der Feldberger Hof ja doch, „wie die weiten Waldungen auf der Ostseite des Berges Eigentum des Fürsten von Fürstenberg“ sei, wie Wilhelm Jensen, der holsteinische Reiseschriftsteller, 1901 in seinem kaum minder opulenten und reich bebilderten Werk Der Schwarzwald mutmaßt. Es sei ein großräumiger Gasthof, „in dem auch der zahlreichste Besuch ziemlich sicher, sei es in eigenen Zimmern, sei es in hergerichteten Betten am Boden rechnen darf“. Sicherheitshalber solle man sich telefonisch anmelden. Übrigens erstrecke sich seine Gastlichkeit neuerdings bis zum „Höchsten“, wo von dem rührigen, aber „höchst zuvorkommenden Wirt“ neben dem Luisenturm ein Rasthaus errichtet worden sei. Eine nicht geringe Rolle spiele bei der Befriedigung der Wünsche und Bedürfnisse der Gäste „die erquickliche Beschaffung trocknen Fußzeugs, im Notfall auch Kleidungsstücke für trübselig durchnässte Ankömmlinge, deren Zahl auch im besten Sommer keine unbedeutende ist.“

Erst in Schnars Schwarzwaldführer (dessen Erstauflage wohl 1878  gedruckt wurde) ist in der 16. Auflage von 1908 zum Stichwort Feldberger Hof auch vom Winter die Rede: „Schneeschuhlaufen wird hier als Sport getrieben.“ In seiner 22. verbesserten und erweiterten Ausgabe aus dem Jahr 1922 bekommt die Wintersaison im Feldberger Hof einen noch höheren Stellenwert: „Großartiger Neubau mit allen Erfordernissen eines modernen Gashofes, 200 Zimmer mit über 300 Betten. Schönstes Feld für Skiläufer (Wettläufe im Februar, Skiclub Schwarzwald).“ Und in seiner 25. verbesserten Auflage von 1928 wird daraus ein „gernbesuchtes Familienhotel“ mit Touristenunterkunft, und es wird noch mehr hervorgehoben: „Erster deutscher Wintersportplatz: schönstes Feld für Skiläufer (Wettläufe im Februar, Skiclub Schwarzwald):“

Umso erstaunlicher ist es, dass die beiden prominenten Autoren Neumann und Jensen in ihren Bänden über den Schwarzwald zum Winterbetrieb noch kein Wort verloren haben. Dabei hatten im Feldberger Hof doch bereits seit den 1890er Jahren die Wintertouristen Einzug gehalten und sogleich für einen rasanten Aufschwung der Wintersaison gesorgt, wie es im Gästebuch des Hauses die Einträge der namhaftesten Pioniere der deutschen Skisportentwicklung dokumentieren. Den Boom ausgelöst haben in Todtnau die Berichte über  Fridtjof Nansens Grönlanddurchquerung auf Skiern im Winter 1888; sie hatten den hiesigen Arzt Dr. Tholus dazu animiert, sich ein Paar Ski aus Norwegen schicken zu lassen. Die Erstbesteigung des Feldbergs per Ski erfolgte prompt im Winter 1890/91: Kurioserweise zeitgleich von Todtnau aus vom Rheinländer Fritz Breuer zusammen mit einem einheimischen Begleiter sowie von Titisee aus vom französischen Diplomaten Dr. Pilet in Begleitung eines baltischen Grafen. Beide Partien trafen zum großen wechselseitigen Erstaunen im Feldberger Hof zusammen, ehe sie dann gemeinsam zum Gipfelsturm ansetzten. Noch im nämlichen Jahr gründete Breuer im Todtnauer Ochsen den ersten Skiclub Deutschlands, der bekanntlich Nansen die Ehrenmitgliedschaft antrug, dessen Dankschreiben (v. 5. Januar 1892) seither unstrittig das Gründungsjahr 1891 belegt. 

Schon 1892 verfasste der umtriebige Todtnauer Skiclubvorsitzende Fritz Breuer seine „Anleitung zum Schneeschuhlaufen“, auch organisierte er im Feldberger Hof eine erste „Weltausstellung von Schneeschuhrequisiten“. Die Mitgliederzahl wuchs so rasch an, dass man sich schon 1895 dazu entschloss, einen Verband mit Ortsgruppen, den Skiclub Schwarzwald (nachmals Skiverband Schwarzwald) zu gründen. Noch vor der Jahrhundertwende wurden erste Wettkämpfe, im Winter 1897/98 sogar bereits die ersten Damenskirennen ausgetragen. Im Jahr 1900 fand die erste Deutsche Meisterschaft im Dauerlauf statt mit Start am Belchen und Zieltransparent am Feldberger Hof, gewonnen von einem norwegischen Studenten. Drei Winter später sollte diese strapaziöse Veranstaltung sogar bereits als „Erster Internationaler Dauerlauf um die Meisterschaft in Deutschland“ durchgeführt werden. 

Die Begeisterung für die Nordländer und ihre Skilaufkunst war so immens, dass man von Norwegen damals nicht nur Ski, Ausrüstung und Trainer importierte, sondern zu wintersportlichen Zwecken sogar Rentiere. Die Tiere waren von 1898 bis 1901 im Feldberger Hof stationiert unter der Obhut der Wirtsleute, der skienthusiastischen Karl und Fanny Mayer. Auf der Speisekarte standen nun plötzlich auch Telemarker Bauernsuppe, Grönländer Wal mit Thrantunke, Rentierwürste und Multebeeren. Für die überaus gastfreundliche Umsorgung der Wintergäste sollte Fanny Mayer alsbald den Ehrennamen „Feldbergmutter“ erhalten. 

Feldberger Hof 1904 – 1936

Nichts von alledem erwähnen Ludwig Neumann und Wilhelm Jensen, die beiden Autoren, in ihren Standardwerken: Noch kein Wort zum so jäh aufblühenden Wintertourismus! Fast sieht es so aus, als ob ihnen die geradezu atemberaubende Entwicklung vom traditionellen Sommergeschäft zum Ganzjahresbetrieb, gar zum Wintersportrummel, nicht ganz geheuer erschienen wäre. Schon 1904, nicht lange nach dem Erscheinen der beiden prächtigen Schwarzwaldbände, war aus dem heimeligen Berggasthaus ein neues großes Hotelgebäude geworden. 

Was vom älteren Teil des Hauses erhalten geblieben war, ist 1936 inklusive Hebelstube und Bismarcksaal abgerissen worden und einem noch größeren Neubau gewichen, jetzt nicht mehr mit Walm- sondern mit Flachdach, geräumig genug, um darin auch Großveranstaltungen ausrichten zu können. So wie anno 1939 die 75-Jahr-Feier des Schwarzwaldvereins. Doch auch damit nicht genug der Innovation: In den 1970er Jahren musste auch dieser Bau dem heutigen Hotelkomplex Feldberger Hof weichen, dem Sporthotel mit 700 Appartements und 300 Hotelbetten, dazu Restaurants für jeden Anspruch, Tiefgarage, Ladenpassage und Badelandschaft mit Saunen und Solarien.

Skibetrieb am Feldberger Hof 1975

Parallel zur Verwandlung des Feldberger Hofs veränderte sich auch dessen Umgebung. Im Wald gleich hinterm Hotelkomplex, wo Wilhelm Jensen noch einen „prachtvollen, urwaldartigen Tannenforst“ beschreibt, wurden für die kleinen Gäste Rutschen und Schaukeln, für die größeren der Kletterwald-Feldberg (Kletter- und Abenteuerspaß für Groß & Klein) angelegt sowie (als bei weitem attraktivste Zugnummer) der Wichtelpfad durch den Auerhuhnwald. Wo der Pfad den Wald verlässt, befindet sich ein offensichtlich dem Zerfall überlassenes Skiläuferdenkmal, das den gefallenen Skiläufern des Ersten Weltkriegs gewidmet ist. Höchstwahrscheinlich ist es um 1920 auf Initiative des Skipioniers, Lawinenforschers und Karlsruher Geographie-Professors Wilhelm Paulcke entstanden, der mit seinen Skikameraden im Winter regelmäßiger Gast im Feldberger Hof war und auf dem Köpfle nebenan auch schon paramilitärische Jägerrennen und Skipatrouillen-Wettkämpfe veranstaltet hatte, bevor er in die Türkei entsandt wurde, um auch dort Skitruppen auszubilden.

Feldberger Hof mit Haus der Natur

Kaum weniger gründlich als die Waldseite wird der im Sommer beweidete Hang zum Bismarckdenkmal-gekrönten Seebuck hinauf für den Skibetrieb hergerichtet. Denn die seit den ersten Anfängen sich hier austobenden, erst Telemark- und Kristiania-, dann Parallelschwünge der Arlbergschule übenden Skiläufer benötigen seit den Wirtschaftswunderjahren Lifte – und spätestens seit der Jahrtausendwende auch mehr und mehr Schneekanonen. Erfunden hatte den Schlepplift bereits im Jahr 1908 ein Schwarzwälder Gastwirt, Schneckenwirt Robert Winterhalder aus Schollach; der wollte mit seiner patentierten Erfindung natürlich nicht nur seine Hausgäste, sondern auch die Feldberger beglücken. In seinem Nachlass finden sich neben technischen Zeichnungen und Rentabilitätsberechnungen auch die Lagepläne zweier Schlepplifte für den Seebuck: Der eine war eben dort geplant, wo 1950 der bis heute (mit jährlich bis zu einer halben Million verkauften Liftkärtchen) bestfrequentierte Sessellift des Schwarzwalds errichtet wurde; der andere sollte im nahen Wald an der Max-Egon-Schanze die Skispringer wieder zum Anlauf hinauf befördern, das Nonplusultra moderner Skisprungstadien. Doch die Feldberger lehnten sein Angebot ab – mit der wahrhaft zeitlosen Begründung, es werde die Landschaft  zu sehr verschandelt.

Seit die Skiläufer massenhaft in Pkws anrücken, hatte sich die Parkproblematik rund um den Feldberger Hof dramatisch zugespitzt, weshalb 2015 am Hangfuß, ein Steinwurf vom Hotel entfernt, für 15 Millionen Euro ein gigantisches Parkhaus mit 1200 Stellplätzen, errichtet wurde; um die Kritik der Naturschützer zu entschärfen und das Landschaftsbild zu schonen, erhielt es ein Satteldach „in alpenländischem Stil“ und wurde komplett mit Holz verkleidet. Der winterlichen Parkplatznot wurde dennoch kaum abgeholfen: Was vermisst wird, ist ein Verkehrskonzept mit obligatorischem Shuttle-Betrieb – was freilich auch in Zeiten eines galoppierenden Klimawandels noch immer kaum durchzusetzen sein dürfte.

Kaum Entspannung der Parkmisere auf dem Berg

Weil der Feldberg seit 1937 mit dem ältesten und mit 42 km2 dem größten Naturschutzgebiet des Landes aufwarten kann, wurde dem Hotelkomplex aus Beton und Glas noch vor der Jahrtausendwende ein Haus der Natur in modernster Tonnenform und Holzbauweise zur Seite gestellt. Mit seinen Ausstellungs- und Seminarräumen zu Naturschutzthemen ist es zugleich Sitz des Naturschutzzentrums Südschwarzwald und des Naturparks. Doch auch für deren Raumbedarf sieht man sich bereits genötigt, das Haus durch Anbau oder Abriss und Neubau massiv zu vergrößern. 

Mitten im Hitzesommer 2022 überraschte der Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, zu welcher die Besiedlung mit vielerlei weiteren Hotels und Ferienhäusern unterdessen herangewachsen ist, mit neuerlichen Ausbauplänen: „Wir wollen unser Skigebiet für die Zukunft fit machen“, erläuterte er den Medien. Hierzu soll das Speicherbecken für die Kunstschneeproduktion vergrößert werden, und eine Ganzjahres-Kabinenbahn soll auf den Seebuck hinauf führen, denn die bis fünfsitzigen Sessellifte scheinen an ihre Belastungsgrenzen zu stoßen. 

Dass der Massentourismus am Feldberg eine Kehrseite hat, ist jedenfalls keine neue Erkenntnis, wo doch bereits die frühen Tourismuspioniere von Albträumen heimgesucht worden sind. So braucht es wohl nicht einmal mehr den von Ludwig Neumann erwogenen „Abschreckungsbädecker“. In den Monatsblättern seines Schwarzwaldvereins vom Oktober 1912 findet sich im Beitrag eines H. Flamm „Aus der Geschichte des Feldbergs“ die wohl düsterste Prophezeiung: …es scheint dem herrlichen Berg noch eine Epoche seiner Erschließung bevorzustehen. Der Bau von Millionenhotels wird ernstlich erwogen, und die „Elektrische“ soll nicht nur, was zu billigen wäre, an den Berg heran, sondern hinauf auf seine Höhen führen. Ein leidiger Schluss einer unentweihten Vergangenheit.

Oder sollte H. Flamm mit seiner „Elektrischen“ womöglich die E-Motorisierung vorausgeahnt haben? Es läuft sich derzeit nicht nur das Klima warm, auch die Klima- und Umweltschützer stehen in den Starlöchern.

In Erwartung des Winters

Über Weihnachten und Neujahr

Hieronymus Kapitel 10

“E freie frohe Muth
e gsund und frölich Blut
goht über Geld und Guth.”
>Johann Peter Hebel

Es muß kalt sein, denn wir sehen auf dem Bilde den Stoffel wider Gewohnheit frühe schon von der Jagd heimkehren. Mag aber auch das Alter Ursache haben, vor dem rücksichtslosen Gaste sich zurückzuziehen und Türen und Fenster zu verschließen, so hat doch für die Jugend jegliche Jahreszeit ihre eigenen Freuden: ist es nicht die blühende Rose am Stock, so ist es die Eisblume an der Fensterscheibe.

Nehmen wir einen Sonntagnachmittag. Der Nebel hat das Feld geräumt und die Sonne strahlt glanzvoll über dem weißbepuderten Tannenwald; die Birken und Erlen sehen aus, als kämen sie frisch vom Zuckerbäcker – und in tausend und tausend flimmernden Sternchen glitzert das Schneefeld. – Das ist für die Buben eine Lust, denn jetzt gilt es zu zeigen, wer dort auf der „Schleifer“ des Mühlbachs der Gewandteste und Keckste sei – und die Mädchen am besten zu necken verstehe. – Das waren auch für Hieronymus und seine Kameraden stets um so vergnügtere Tage gewesen, als sie nicht so häufig sind, diese Tage fröhlichen Treibens; denn oft erblickt man in der tief eingeschneiten Landschaft auch nicht ein menschliches Wesen. Nur Raben und Schneegeier flattern über das öde Gefilde, während scharfe Windswehen die Hütten und Höfe mit gewaltigen Schneemassen förmlich in Belagerungszustand versetzen, so daß der Hausvater morgens weder Laden noch Haustüre zu öffnen vermag und genötigt ist, wenn er dem Nachbar einen Besuch machen will, zuerst Minen und Tunnels zu graben.

Wie aber nach dem Ausspruch des Dichters: „Eines schickt sich nicht für alle“, gewisse Dinge in Scherz und Ernst immer nur einem gewissen Alter zukommen, so sahen die herangewachsenen Bürschlein bereits schon eine jüngere Altersklasse lustig auf dem Eis sich tummeln. – Ganz entsagen jedoch konnten sie diesem Vergnügen nicht. War die Schuljugend mit einbrechender Dämmerung vom Bache verschwunden, stieg der Vollmond über dem Wald empor und bestrahlte er die Schneelandschaft so helle, als wollte er’s mit wunderbarem Flimmern und Blitzen der verschwundenen Sonne fast gleichtun, so begaben sich Hieronymus, Dionys und Romulus mit anderen auf den überfrorenen „Gumpen“ unterhalb der Mühle; und auch Florentina und Juliana mit ihren Gespielinnen machten sich herbei, um ein halbes Stündchen lang die spiegelglatte Bahn wieder einmal zu probieren.

Die kurzen Tage hindurch saß Hieronymus fleißig bei der Arbeit. Die langen Abende jedoch gewährten Muße genug, auch noch eine Nebenbeschäftigung vornehmen zu können. – Wie damals in den meisten Kirchen bildliche Weihnachtsvorstellungen, sogenannte Kripplein, beliebt waren, so konnte man in manchen Häusern ebenfalls welche sehen. Für Kinder bildeten sie eine sehr anmutige Unterhaltung. Denn nicht nur erblickten sie da in romantischer Landschaft den Stall mit der Heiligen Familie, auch die drei Weisen aus dem Morgenlande kamen bereits über das Gebirge daher, und am Neujahrstag fand die Darstellung im Tempel statt – und so ging es fort, bis zum ersten Wunder am Hochzeitstisch zu Kana.

Auch Vater Mathias besaß von früher her eine Schachtel voll solcher Figürchen, nur war ihm bisher noch nie so viel Zeit geblieben, dieselben renovieren und eine Landschaft dazu erbauen zu können. Diesem Geschäfte unterzog sich jetzt Hieronymus. Frisch machte er sich daran, von Kohlenstücken eine Felsenlandschaft zu gestalten – eine Schöpfung, die indes nicht sogleich gelingen wollte. Denn bereits war der Berg erbaut, und Bachweber, der sich’s nicht nehmen ließ, auch mit Hand anzulegen, wollte eben als Schlußstein noch ein Kohlenstück einsetzen, als der Brocken seinen Fingern entschlüpfte und der Erschrockene, im Begriff, denselben noch zu erhaschen, an eine der hinten angebrachten Stützen stieß, wodurch – zum nicht geringen Entsetzen der Zuschauer, unter denen auch der Laubhauser sich befand – ein fataler Rutsch erfolgte, der dem mühsam geschaffenen Heiligen Lande den Untergang brachte. – Beim zweiten Versuch wurde der Leim zu schwach genommen und das Werk zu nahe an den warmen Ofen gestellt, was abermals Senkungen und Risse zur Folge hatte; und so gelang die Arbeit erst, nachdem Bruder Cyriak herbeigeholt und zu Rat gezogen worden war. Der in solchen Dingen wohlerfahrene Mann gab die rechten Rezepte und Anleitungen zum Leimen – und bald konnte man zum Grundieren und Kolorieren der Landschaft schreiten.

Der Bruder hatte sich anheischig gemacht, ein neues, in Wachs gegossenes Christkindlein zu stiften, während Hieronymus sich angeregt fühlte, manche Lücke im biblischen Personal kunstgerecht auszufüllen. Er machte es hierbei wie die alten Meister: er griff keck ins Leben hinein und brachte Personen seiner nächsten Umgebung – so gut es seiner Unzulänglichkeit gelingen mochte – in den historischen Rahmen. So stellte er seinen Vater, kenntlich an Haltung und Kleidung, als Hirten dar, sich selbst nebst Dionys und Romulus als Hirtenkinder. Auch der Lehrer Bachweber erschien in einer folgenden Darstellung, und zwar als Schriftgelehrter.

Am meisten Beifall erhielten von seinen Schöpfungen: ein Einsiedler, der im Habit des Bruders Cyriak oben auf den Felsen hinter Bethlehem vor seiner mit einem Kreuze gezierten Klause das Ave-Maria läutete; ferner ein Tiroler Gemsjäger, benebst einer Schwarzwälder Ankenhändlerin, im Begriff, mit ihrer Ware den Wochenmarkt in Jerusalem zu besuchen. – Um die Kritik gelehrter Ästhetiker und Kunstliteraten brauchte er sich ebensowenig zu kümmern wie die alten Meister, weil er glücklicherweise ebensowenig wie diese von solchen etwas wußte.

Am Heiligen Abend und die ganze Weihnachtszeit über kamen viele Kinder und Erwachsene aus dem Tal, um das Werk zu bewundern. Manche fühlten sich bemüßigt, dem Christkindle ein kleines Opfer zu entrichten – was zwar nicht verlangt, aber vernünftigerweise auch nicht abgelehnt wurde.

War unter dem Opfergeld auch mehr Kupfer als Silber zu finden, so gab solches dem Künstler doch schon wieder – rechnete er – Futterzeug zum neuen Rock; denn daß ein solcher notwendig, darüber herrschte im Hause längst keine Meinungsverschiedenheit mehr; nur hatte die Anschaffung bisher immer verschoben werden müssen, der im vorigen Kapitel erwähnten finanziellen Bedrängnisse wegen.

Am Neujahrstage mußte Hieronymus, wie gewöhnlich an diesem Tage, schon vor dem Kirchgang mit den Eltern hinübergehen in den Hof, um den bäuerlichen Herrschaften pflichtschuldigst zu gratulieren. Es geschah mit der üblichen Redensart: Glückseliges Neujahr, und man wünsche, was man sich selber wünsche – Gesundheit und langes Leben und nach diesem die ewige Seligkeit usw. Auf dem Tisch im Hofe dufteten bereits die von allen übrigen Gratulanten sehr bewunderten Attribute des Tages, Meisterstücke der Bäckerkunst unseres Mathias und seiner Anastas: ein mit Zucker bestreuter „Guck-inofen“ nebst etlichen mürben, von Butter glänzenden „Eierringen“, im Durchmesser nicht viel kleiner als ein Pflugrad.

Festtäglich geputzt trat Florentina rasch aus der Kammer in die Stube ein, dem Besuche das Neujahr „abzugewinnen“- Hieronymus sah sie heute zum erstenmal wieder seit ihrer Rückkehr aus dem Hause des Kaiserzollers, wo sie seit etwa acht Wochen sich aufgehalten, um nach dem Wunsche der Mutter im dortigen Wirtshaus das Kochen zu lernen. – Hieronymus konnte eine leichte Überraschung kaum verbergen; war es die Glorie der Morgensonne, die in vollem Winterglanze durch die Scheiben strahlte, oder machten es die neuen Kleider, in denen die Tochter des Hauses nun zum erstenmal in die Kirche gehen wollte – genug, der Freund schien sich heute zum erstenmal bewußt zu werden, daß Florentina ein – bildschönes Mädchen sei. Und fast gar wäre ihm der Ausruf entschlüpft: „O wie schön bist du!“ – Aber er korrigierte sich schnell und sagte – „sind deine Kleider!“

Es waren in der Tat auch Prachtstücke von bestem Samt und Seide: das grüne, reich verzierte Goller, fast zu eng für den weißen Hals, der dunkelrote Brustlatz, gestickt in echtem Gold und Silber, dazu die bauschige, violett schimmernde Taffetschürze mit dem silbernen Gürtel darüber, das faltenreiche Halstuch, die feinen Hemdärmel, weiß wie frisch gefallener Schnee. – Alles zeigte klar, daß ihr Vater in Sachen des Putzes, wie er jetzt selbst oft zu sagen pflegte, nimmer Meister sei.

Und als die liebliche Maid ihrem jugendlichen Freund zur Bekräftigung der guten Wünsche für das neue Jahr die Hand gab, bemerkte dieser am Ringfinger der dargebotenen Rechten ein massiv silbernes Ringlein mit einem leuchtenden Karfunkelstein – ein Neujahrsgeschenk war’s von ihrer Patin, der Frau Kaiserzollerin.

Wie nun das an der Schwelle des jungfräulichen Alters stehende Mädchen in diesem standesgemäßen Anzuge vor ihm prangte, mochte ihm wohl ein leises Gefühl sagen, wie beträchtlich der Abstand sei zwischen dem Sohne des armen Hausmanns – und der Tochter des reichsten Hofbauern im ganzen Tal.

Geschärft mochte diese Erkenntnis noch werden durch das Gespräch der Eltern, die im Fortgehen zu allerlei Betrachtungen sich veranlaßt fühlten über den Reichtum der Familie und über das einstige große Heiratsgut des einzigen Töchterleins, auf dessen Hand sicherlich schon dieser und jener vermögliche Hofbauernsohn spekuliere usw. – Oft schon hatte Hieronymus dieses Thema von den Eltern besprechen gehört, aber noch nie war es ihm so nachhaltig ins Gehör gefallen – wie heute.

Zerstreut kam er aus der Kirche nach Haus; und nach dem Essen begab er sich zum Stabhalter, diesem einen schön gemalten Neujahrswunsch zu überreichen; ein blankes Käsperle war der Lohn für diese Aufmerksamkeit, welches Geldstück der Empfänger mit einer gewissen Befriedigung den übrigen Sparpfennigen beigesellte. – War er nur einmal gehörig ausgerüstet – dann sollte ihn nichts mehr zurückhalten hier im Tal; denn daß da sein Glück nicht blühe, daß er hinaus, etwas Rechtes erlernen und werden müsse, das wurde dem guten Burschen mit jedem Tage mehr klar.

Im Laufe des Nachmittags kamen noch sämtliche nächste Anverwandte des Laubhausers auf den Hof. Es ging hoch her im Haus, denn bei solchen Anlässen wollte der Bauer zeigen, wie gut es mit Küche und Keller zu Laubhausen bestellt sei. Aber nur Ebenbürtige waren zur Teilnahme berechtigt.

Vettern und Basen, mit denen kein Staat zu machen war, wurden nur so nebenbei, in der Küche oder im Hinterstüblein abgespeist. Während kleinere Hausmanns- oder Taglöhnerskinder vor der Haustür dort standen und die ankommenden Schlitten und ihre Insassen musterten oder begehrlich und wunderfitzig durch die Fensterscheiben lugten und vom Peter zuweilen ein duftendes „Küchle“ oder ein paar „Sträuble“ hinausgelangt bekamen – wandelte Hieronymus gedankenvoll hinter den Häusern hinweg, hinüber zur einsamen Hütte des Stoffels.

Der wunderliche alte Junggeselle war eben im Begriff, von seinem unzertrennlichen Dachshund begleitet, einen Gang in den Wald zu machen, und Hieronymus schloß sich ihm an. – Im Fortgehen erzählte der Stoffel seinem jungen Freund, wie nächstens wieder ein großes, von der Herrschaft anbefohlenes Treibjagen auf Säu und Hochwild abgehalten werden solle. „Du weißt“, sagte er, „daß kürzlich in Unterhölzer beim Wartenberg der große Eichwald zum Tiergarten eingezäunt worden ist, wo allein noch Hoch- und Schwarzwild g’hegt werde soll. «

„Vorgestern“, bestätigte Hieronymus, „hab ich g’seh‘, wie sie schon die Wehrblahen und die Garn und Schweinsseil mit den Steckgabeln auf Wägen von Donaueschingen herbracht haben – nüber ins Jägerhaus. Da sind schon die Hundsbube versammelt mit den Leit- und Hetzhund; auch das Zelt hab ich g’sehen ablade für die Herrschaft, – die Fürstin soll ja selber eine so g’schickte Jägerin sein.“

„Allerdings – aber wenn’s so fortgeht“, meinte der Alte verdrießlich, indem er Feuer schlug, um seinen Ulmer wieder in Brand zu versetzen, „wird’s bald höre haben mit der Jagd auf Edelwild. Weiß noch gut die Zeit, wo die Hirsch rudelweis in strenge Winternächte vor die Bauernhöf komme sind, oft bis in die Scheuern, wenn der Knecht vergessen hat, das Scheuertor recht zu schließe.“

Indem sie unter solchen Gesprächen den Wald durchstreiften, der – weil der Schnee fest gefroren – gut zu begehen war, und der Stoffel seinen Begleiter da und dort auf die Fährten und das Getieger des Wildes aufmerksam machte – flog ein Kreuzschnabel über ihren Köpfen hinweg. – „So ein Kreuzschnabel„, sagte der Stoffel, „ist ein wahrhafter echter Schwarzwälder. Wenn die andern wehleidig vor dem Winter Reißaus nehmen oder vor den Häusern und Scheuren auf dem Bettel rumziehen, ist es dem Bürschle erst recht wohl im Wald, so daß es mitten im Winter, im Jänner schon, ans Nesten und Brüte denkt.“

Kreuzschnabel im Schwarzwald

Zu einer Lichtung des Waldes gekommen, wo ein hungriges Häslein um einzelne, aus der Schneedecke ragende Sträucher und Stäudlein sich mühte, nahm der Stoffel seinen Stutzen von der Schulter und machte mit einem wohlgezielten Schusse den Nahrungssorgen des guten Tierles, wie er sich ausdrückte, ein Ende. – „Es wird auf eins rauskomme“, lachte er, indem er zur Stelle schritt und den armen Lampe in den Büchsenranzen schob, „ob dich heut nacht ein Fuchs oder morgen der alte Stoffel verspeist. – Einer lebt vom andern, das ist der Lauf der Welt – und selber essen macht fett, das heutig‘ Evangelium! – Hast du Lust, Hieronymus, so bist du höflich invitiert auf morgen zum ersten Werktagsschmaus. – Man darf die alten ehrwürdige Bräuch nit abgehe lasse.«

„Ihr habt’s gut, Stoffel!“ entgegnete Hieronymus, den Alten, der sein Gewehr wiederum lud, mit lächelnder Miene betrachtend. „Ihr lebt, wie es Euch g’fallt, und schert Euch um niemand und um nix, was andern ’s Herz schwer macht.“

„Närrischer Kerl“, versetzte mit heiserem Lachen der Stoffel, „kannst’s ja auch so haben, wenn du willst! – Was braucht sich einer viel zu kümmern, wenn er nur sein bißle Leben und von Zeit zu Zeit sein Brätesle uf em Tisch hat!“
„Um das handelt es sich nit allein!“ sagte Hieronymus mit einem halb unterdrückten Seufzer. „Man strebt halt b’ständig weiter – in der Hoffnung -„
„Ei was, Hoffnung!“ brummte der Alte, unwirsch ihn unterbrechend. „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Die Hoffnung ist ein betrügliches Weibsbild, das viel verspricht und wenig halt‘; hat manchen schon sein Lebtag am Narrenseil rumg’führt.“
„Wenn die Hoffnung nit wär“, meinte Hieronymus ernst, „so wär’s ja zum Verzweifeln. – Und wege was soll man nit hoffen und trachten – nach Glück und -„
„Hoffen und trachte nach Luftschlössern?“ fiel der Alte höhnisch ein.
„Schau, en Spatz in der Hand ist mir lieber als die Taub uf ‚em Dach, das magre Häsle da im Ranzen mir ang’nehmer als der fetteste Rehbock drüben am Feldberg. – Laß das unnötige Schmachten und Trachte. – Laß anderen ihr eingebildet Glück; laß ihne den Geldsack und die Ehrestelle. – Hast du wenig – so brauch wenig, hast dann au nit nötig, dich viel zu bedanken oder jemand zu schmeicheln. – Und kommt dir trotzdem emal einer überzwerch – so zeig ihm, wo er her ist – und daß du nix nach ihm z‘ frage hast.“ Das war in kurzen Worten so ziemlich die ganze Lebensphilosophie des Stoffels, der übrigens seinen jungen Freund nicht ganz verstanden, nicht erraten zu haben schien, wo diesen der Schuh drückte. – Der Alte kümmerte sich in der Tat um niemand, und niemand kümmerte sich viel um ihn, weder der Stabhalter, Vogt noch Amtmann oder der Pfarrer. Er seinerseits brauchte keinen; er zahlte weder Steuern noch Abgaben, weder Sporteln noch Frevelbußen, und kam auch nie in die Lage, Stolgebühren entrichten oder um Dispens nachsuchen zu müssen. – Von Haus aus Wilderer und Fischer nach Belieben, an dem die Jäger und Aufseher gerne vorbeigingen, als hätten sie ihn nicht gesehen, hatte er später sich herbeigelassen, ein Dienstlein anzunehmen.

Der einsichtsvolle Oberförster übertrug ihm nämlich die Aufsicht über das Wild und die Dressur der Jagdhunde. Die Besoldung bestand hauptsächlich im Schußgeld vom Raubzeug; und wenn hie und da auch einmal eine Kugel nebenaus ging und zufällig einen fetten Rehbock oder – wie heute – ein unvorsichtiges Häslein traf, so fiel es niemand ein, den Schützen deshalb zur Rede setzen zu wollen.

Die Raben zogen schon heimwärts, den Bergwäldern zu, als die beiden, herabgestiegen ins Tal, den Rückweg antraten – und am Kreuzweg sich verabschiedeten. – Der klare Wintertag schloß mit einem prächtigen Sonnenuntergang. Als Hieronymus einmal zurückschaute, sah er das Tagesgestirn eben in glühendes, nach oben hin violett verschwimmendes Rot hinabsinken.

Die Berge standen in kaltblauen Schatten am Horizont, nur der Schnee im Tal und auf dem eingefrorenen Bache schimmerte stellenweis wie angehaucht vom Abendrot. – Gedankenvoll betrachtete Hieronymus das schöne Naturspiel eine Weile – dann schritt er weiter. – Aus eisgrauen Wolkenschichten schaute im Osten die blaßgelbe, unvollkommene Scheibe des Mondes über die Höhen, finster schon lagen die Häuser und Hütten – nur die Fenster am Laubhauserhof flammten und spiegelten noch die späte Glut des Himmels ab.

Am andern Tage kam richtig der Gemeindsbote mit der Ansage zur großen Jagd. – Auch Hieronymus rüstete sich dazu; es war nicht das erste Mal, daß er eine solche Hetze mitmachen mußte. – Aber die fürstlichen Herrschaften kamen nicht; die Jagd wurde verschoben, von einem Tag zum andern – bis endlich Tauwetter einfiel. – Ein lauer Föhn war über Nacht ins Land gekommen. Die Tannen verloren ihren Duft und schauten schwarz und melancholisch über das Schneefeld. Es schien, als wolle am Dreikönigstag der Frühling schon seinen Einzug halten. Seine Vorboten, Sturm und Regen, hatten bereits eine allgemeine Mobilmachung angeordnet, und selbst das Eis auf dem Bache erhielt schleunigst Marschbefehl. Es drängten und schoben sich die Schollen auf- und untereinander, gleich einem retirierenden Heere, das im Abziehen noch Brücken und Stege sprengt und soviel wie möglich am Wege hin verwüstet. – Aus allen Wäldern und Schluchten stürzten reißende Gießbäche hervor; das Wasser wuchs stündlich, und man fürchtete für die Hütten und Höfe im Tal, und selbst im Laubhauserhof fand man’s geraten, die Haus- und die Stalltüre mit Mist zu verschanzen.

Einsilbig, in sich gekehrt, verbrachte der von seinem Spaziergang gehörig durchlüftete Bursche den Abend. Früh ging er zu Bett, aber noch lange traf die laute Unterhaltung drüben im Hof sein Ohr – er hörte die umständliche Verabschiedung der Gäste vor der Haustür, das „Bhütigott!“ und „Kommet guet heim!“ der Zurückbleibenden und der Scheidenden – bis endlich, mit dem Geklingel des letzten abziehenden Schlittens, alles in Nacht und Schweigen versank.

Aber der besiegte Winter gab sein Spiel noch lange nicht verloren. Kurz nach Lichtmeß nahm er, als erfahrener Feldherr, im Sturme wieder die Höhen und Pässe – und es fiel eine solche Masse Schnee, daß die Wohnungen in den Niederungen förmlich gesperrt und blockiert wurden.

Dazumal war es auch, daß ein einsamer Hof am Feldberg mit seinen Bewohnern wochenlang unter der Schneedecke begraben lag, bis endlich – es war gerade Karfreitag – Umwohnende den Dachfirst endlich wieder aus dem Schneemeer hervorragen sahen und zu Hilfe zogen. Man brach ein Loch in das Dach und rief hinunter, ob alle noch am Leben seien. „Ja“, erscholl es aus der Tiefe. „Wißt ihr auch, daß heut Karfreitag ist?“ war die zweite Frage der Obenstehenden. „Gottsnamen!“ hieß es unten, »wir verspeisen soeben ’s letzte Stück vom letzten Stier!«

Auch Unglücksfälle durch Lawinen kamen vor, ähnlich der gänzlichen Zertrümmerung des Königenhofs bei Waldau in neuerer Zeit, wobei die vom jähen, von keinem schützenden Waldmantel mehr bedeckten Berg herabrutschende Schneemasse sämtliche Bewohner mit ins Grab riß. – Wie häufig geschieht, mußten auch damals die Leute am Feldberg aufgeboten werden, diesem Beherrscher des Schwarzwaldes im Juli oder August den Schnee vom Haupte zu schäufeln; denn, sagen sie, wär’s ihm nur einmal wieder gelungen, die uralte Mode einzuführen und die Haube das ganze Jahr hindurch aufzubehalten, so wäre der Schwarzwälder Gletscher fertig, wie er’s vor Jahrtausenden gewesen.

In der ersten Ausgabe hatte Lucian Reich auch noch den Text eines Liedes mit drin:

Ich bring heut ein`sehr fröhliche Bost,
Auf daß ihr Hirten die Freuden verkost`;
Als ich nun bei der Nacht,
Bei meinen Schäflein wacht,
Habens ein`liebliche Musik gemacht.

Ich greif einlends nach meiner Schalem;
Und ruf gleich meinen Schäflein herbei,
Aber sie lassen mich,
Sammt meiner Pfeif`im Stich,
Springen, frohlocken und erfreuen sich.

Kommt laß uns nach Bethlehem geh`n
Um nun alldorten das Wunder zu seh`n:
Es war ein alter Stall,
Der voller Feuer stral`,
Wo sich die himmlische Musik erschall.

Ich sah dorten das göttliche Kind,
Liegen im Viehstall bei Esel und Rind.
Herzliebstes Jesulein,
Wir wollen dir dankbar sein,
Daß du bei Sünder gekehret hast ein!


https://hieronymus-online.de/lucian-reichs-hieronymus/embed

Überwinternde Schmetterlinge

Liebe Bürgerpostleser,
heute gibt es eine Geschichte, die zumindest irgendwie zur Weihnachtszeit passt.

Denn es wurde Zeit, den Christbaumständer vom Speicher zu holen. Den habe ich – gut auffindbar – auf einem Balken gelagert, so dass ich ihn mit Verpackung schön herausziehen kann. Doch halt, was zappelt da wie verrückt unterhalb des Kartons? Sofort stoppte ich das Geschehen, denn ich erkannte, dass da ein Schmetterling seine Winterruhe abhielt. Mit äußerster Vorsicht konnte ich in der Lage den Karton aufmachen und den Christbaumständer herausnehmen. Einmal noch zappelte er vehement, aber er blieb Gott sei Dank sitzen. Ich vermute, dass das seine Abwehrreaktion gegen wen auch immer ist. Der Schreckmoment ist ganz schön heftig und signalisiert schon eindeutig, lass mich ja in Ruhe.

Dass mir wiederum so etwas passieren darf, kann ich nur als einen absoluten Oberhammer bezeichnen. Denn der Schmetterling hätte überall hinsitzen können, unser Speicher ist groß, nein er setzt sich unter den Christbaumständer.
Abschließend geht es um die Frage, welcher Schmetterling ist es. Klar, es ist einer, der als Falter überwintert. Da gibt es eine ganze Reihe, Zitronenfalter, C-Falter, Kleiner und Großer Fuchs, Trauermantel und, und das Tagpfauenauge. Das ist es, google lens hat es sicher erkannt. Überraschend wie unterschiedlich die Flügelunter- und die -oberseite aussehen. Sofort erkennt man, dass die Unterseite voll zur Tarnung dient und das Überleben sichert.


Das Bild mit den drei Tagpfauenaugen hat mir Pensionärskollege Dr. Günther Gronbach geschickt, herzlichen Dank dafür.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Der heilige Weihnachtsabend und das Krippelein,

und was Bruder Martin dabei den Kindern erzählt.


Die Kinder waren an der Hand ihrer Eltern erwartungsvoll in die, nur schwach von dem Feuer des Öfleins erhellte Zelle, eingetreten. Im Hintergrund bemerkte man den geschäftigen Bruder Martin, halb verhüllt von einem Vorhang von Binsengeflechte. – Nach einer Weile kam er hervor, seine Gäste zu begrüßen und ihnen Plätze anzuweisen, wo sie Alles gut sehen konnten.

Der Alte schritt wieder gegen die Wand, – die Kinder verhielten den Atem, – man hätte ein Mäuslein in dem engen Raume laufen hören. – Jetzt sank die Verhüllung, und: – o, wie schön! Tönte es wie aus einem Munde. – Die Kleinen klatschten vor Freude in die Händchen, während die Größeren sich schweigsam dem Eindrucke der lieblichen Erscheinung hingaben.

So etwas Herrliches hatten die guten Schwarzwälder-Kinder ihrer Tage des Lebens noch nicht gesehen.

In Mitten der Landschaft, welche die ganze Wandvertiefung ausfüllte, erblickte man zwischen Felsen und Bäumen einen Stall, in welchem Maria und Josef zu sehen waren, nebst den Hirten, welche betend das zarte, in der Krippe liegende, süß schlummernde Christkindlein umstanden.

Über der heiligen Familie schwebte ein strahlender Stern sowie liebliche Engelsgestalten, welche ein Band in den Händen hielten, worauf in goldener Schrift die Worte standen: „Gloria in excelsis Deo.“ In den grünen Wiesen um den Stall weideten die Lämmer, und hoch oben auf zackigem Felsgestein sah man die Stadt Bethlehem, vor deren Tore der Wächter soeben Mitternacht rief.

Als der erste Eindruck der Überraschung bei den Zuschauern vorüber war, ging das Fragen an, so dass der gute Martin nicht schnell genug auf alles antworten konnte.

Klärchen wollte wissen, warum denn das Christkind allein nur auf Stroh und in gar keinem guten Bettlein liege. Und Wolfgang fragte, wer den Hirten denn schon gesagt habe, dass das Christkindlein heute Nacht auf die Welt gekommen sei und wer in der schönen Stadt auf dem Berge wohne usw..

Ich sehe wohl, sagte Bruder Martin lächelnd, daß ich Euch alles von Anfang bis zu Ende erzählen soll. Und wenn Ihr mir versprecht, hübsch still und aufmerksam zu sein, so will ich es herzlich gerne tun.

O ja! riefen die Kinder, wir bitten darum. Und auch den Ältern war es erwünscht, die lehrreichen Geschichten wieder einmal im Zusammenhange zu hören, was ihnen in dieser Einöde, entfernt von einem geistlichen Lehrer, nicht oft zuteil ward.

Zuerst, begann Bruder Martin, muss ich Euch von dem Vorläufer Christi sagen: – welches von euch Kinder weiß seinen Namen?

Johannes der Täufer, antworteten die Größeren, und die Kleineren wiederholen: ja Johannes.

Richtig! nahm Martin wieder das Wort. – Zur Zeit des Königs Herodes lebte in den Gebirgen Judäas ein Priester mit Namen Zacharias und seine Frau, welche Elisabeth hieß; beide waren fromm und gottesfürchtig wie Wenige im Lande, und hatten keine Kinder und waren schon wohl auf Jahren. Längst hatten sie alle irdischen Hoffnungen aufgegeben; nur Eines wünschten sie noch zu erleben: die Geburt des verheißenen göttlichen Königs.

Den Priester Zacharias hatte wieder einmal das Loos getroffen, im Tempel zu Jerusalem dem Herrn zu dienen, als er im priesterlichen Gewande in das Heiligtum getreten, während das Volk draußen betete, erschien ihm ein Engel Gottes. – Zacharias erschrak, der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, dein Gebet ist erhört, deine Gemahlin Elisabeth wird dir einen Sohn schenken und den sollst du Johannes heißen. An diesem Kinde wirst du Freude und Wonne erleben, und viele werden dich über seine Geburt freuen, denn er wird ein Liebling des Herrn sein. Wein und starke Getränke wird er nicht trinken, erfüllt vom Heiligen Geiste, wird er viele Israeliten zu Gott ihrem Herrn bekehren, und dem kommenden Erlöser die Wege bahnen.

Zacharias voll Erstaunen konnte kaum glauben, dass ihre Ehe in so hohem Alter noch mit einem Sohne gesegnet werden solle, und sprach zu dem Engel: Was soll mich von der Verheißung überzeugen? Der Engel antwortete: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, dir die Freudennachricht zu bringen. Und siehe – weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, so wirst du stumm sein bis auf den Tag, an dem die Verheißung wird in Erfüllung gegangen sein.

Während dieses im Tempel geschah, wartete das Volk außerhalb auf Zacharias, und konnte nicht begreifen, warum er so lange im Heiligtum verweile. Als er endlich herauskam, bemerkten sie sogleich, dass ihm etwas Außergewöhnliches begegnet sein müsse. Er gab durch Zeichen zu verstehen, dass er stumm sei, und segnete schweigend die harrende Menge.

Seht, Kinder! sagte Bruder Martin, so war denn das Außerordentliche und Wichtigste, was ich seit der Geschichte der Menschheit zugetragen: die Geburt des lang verheißenen Heilandes, auch auf außerordentlichem Wege angekündigt von einem der erwählten, seligen Geister, welche um den Thron des Höchsten stehen.

Zur selben Zeit, fuhr der Erzähler fort, lebte in dem kleinen Städtlein Nazareth, welche ihr, liebe Kinder, hier auf dem Felsen abgebildet sehet, Maria, eine Jungfrau aus dem Geschlecht des Königs David; Joseph, ein Zimmermann, hatte das Versprechen, sie mit der Zeit einmal zur Ehe zu bekommen. Maria war arm an irdischen Gütern, aber reich an Gottesfurcht und Demut. Ihr liebendes Gemüt sehnte sich, wie viele gute Seelen jener Zeit, voll Gottvertrauen auf die Ankunft des verheißenen göttlichen Erlösers.

Als sie einst in ihrem einsamen Kämmerlein zu Gott betete – da trat auf einmal, umflossen von himmlischer Glorie, der Engel zu ihr und sprach: Gegrüßet seist du Holdseligste, der Herrn ist mit dir, du Gesegnete deines Geschlechtes!

Maria erschrak und dachte: welch ein Gruß ist das? Der Engel aber sprach: Fürchte dich nicht, Maria! denn du hast Gnade gefunden vor Gott, du wirst die Mutter eines Sohnes werden, dem du den Namen Jesus geben sollst. Dieser wird groß sein, und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden, Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakobs ewiglich, sein Reich wird ohne Ende sein.

Maria fragte verwundert: Wie kann das sein, Ich weiß ja von keinem Manne?

Der Engel aber sprach: Der Heilige Geist wird über dich herabkommen, darum wird dein heiliges Kind – Sohn Gottes genannt werden, auch Elisabeth deine Base, wird einen Sohn erhalten, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Maria antwortete in Demut und Vertrauen: Ich bin eine Dienerin des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort! Der Engel aber verschwand.

Kurze Zeit darauf machte Maria eine Reise über das Gebirge, um Elisabeth, ihre Base, zu besuchen. Diese, als sie die heilige Jungfrau erblickte, kam ihr entgegen und begrüßte sie voll des heiligen Geistes: Gesegnete deines Geschlechtes, rief sie, wie kommt es, dass die Mutter meines Herrn mich heimsucht? O selig bist du, dass du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

Und Maria sprach voll himmlischer Freude:
Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlockend in Gott, meinem Heilande. Denn er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd. Siehe, von nun an werden mich selig, preisen alle Geschlechter: denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist. Er ist barmherzig denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arme, zerstreuet, die da hoffärtig sind in ihren Herzend Sinne. Die Mächtigen stößt er vom Throne und erhört die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seiner Dieners: eingedenk seiner Barmherzigkeit, die er gesprochen hat zu unseren Vätern, zu Abraham und seine Nachkommen auf ewig.

Dieses, meine Kinder, fuhr der Waldbruder fort, nennt man den Lobgesang Maria’s, wie ihn uns der heilige Evangelist genau verzeichnet hat.

Bevor wir nun zur Geburt Christi kommen, muss ich euch noch etwas von Johannes erzählen.

Als die Weissagung des Engels in Erfüllung gegangen war und Gott dem Zacharias und der Elisabeth wirklich einen Sohn geschenkt hatte, berieten die Anverwandten des frommen Ehepaars lange, wie das Kind heißen solle. Zuletzt wurden sie einig, dass es seinen Vatersnamen Zacharias haben müsse. Aber die Mutter sagt: nein, er soll Johannes heißen. Die Anverwandten machten Einsprache in der ganzen Freundschaft, sagten sie, ist ja kein Mensch, der also heißt, und winkten dem Vater, wie er ihn nennen solle. Zacharias aber war noch immer stumm. Er forderte ein Täfelein und schrieb: Johannes ist sein Name. Im nämlichen Augenblicke bekam er zur Verwunderung aller die Sprache wieder und pries mit lauter Stimme den Herrn und weissagte von dem Kinde: dass es ein Prophet des Höchsten heißen und vor dem Herrn hergehen werde, damit er seine Wege bereite.

Und siehe! alles dieses ging genau in Erfüllung. Der Knabe wuchs und ward stark im Geiste, und als er größer geworden war, begab er sich in die Wüste und blieb daselbst bis zur Zeit, wo er öffentlich auftreten sollte, wie es von ihm vorausgesagt war.

Während dieses geschah, begab es sich, dass ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume erschien und ihm offenbarte, dass Maria auserwählt sei, Mutter des Sohnes Gottes zu werden, und dass er Maria zu sich nehmen und das Kind Jesus heißen solle.

Ehe jedoch der Messias geboren ward, erschien ein Befehl des Kaisers Augustus, dass alle Untertanen des Römischen Reiches sollen eingeschrieben werden. Jedermann müsse daher in die Stadt gehen, wo sein Geschlecht herstamme, um sich da zu melden.

Maria und Josef waren aus dem Geschlechte Davids, daher machten sie sich gehorsam nach den weltlichen Geboten auf den Weg und zogen nach Bethlehem, der Vaterstadt des Königs David.

Es war Abend, als sie dem Städtlein ankamen. Schon waren viele Fremde da, die sich wollten einschreiben lassen; alle Häuser waren überfüllt. Vergebens suchte Joseph für sich und Maria eine Herberge. Überall wurde er abgewiesen. – Bei den letzten Häusern des Städtleins fand er endlich eine Höhle, welche arme Hirten und ihren Herden zum zeitweisen Aufenthalte diente. In diesem Orte nahmen sie ihre Nachtherberge. – Hier kam nun das Christkindlein zur Welt. – Maria wickelte es in Windeln und legte es, weil sonst nirgends ein besseres Plätzlein war, in die Krippe.

Aber warum hat es denn nicht einmal ein Bettlein? fragte Klärchen. Darum, sagte die Mutter, dass die Menschen schon bei seiner Geburt sehen sollten, Arm und Reich gelten bei ihm gleich, und dass es nicht auf äußerliche Güter und Reichtümer ankomme, sondern auf Tugend und Heiligkeit.

Ganz richtig, fiel der Bruder Martin ein, nun wirst du auch hören, Wolfgang, wie den Hirten die Ankunft des Erlösers kund ward. – Die guten Leute hielten eben die Nachtwache bei ihren Herden, als Engel über ihnen erschienen und verkündigten: dass in dieser Nacht der Heiland geboren worden sei, in Bethlehem der Stadt Davids. Das Zeichen, woran sie dies erkennen würden, solle sein, dass sie ein Kind in Windeln eingewickelt in der Krippe liegend finden würden.

Nach diesem erschien neben dem Engeln die Menge der himmlischen Heerscharen, welche Gott lobten und sangen: – Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind.

Die Engelschöre verschwanden; die Hirten aber sagten zueinander: Kommt, wir wollen nach Bethlehem gehen und das Wunder sehen, welches uns die Engel verkündet haben. Und sie liefen eilends fort und fanden in ihrer Hütte die heilige Familie, Maria und Joseph, und in der Krippe das Christkindlein.

Ja, rief der kleine Wolfgang, auf die Darstellung an der Wand zeigend – da bringen die Hirten dem Christkindlein ihre Schäflein und Blumen vom Felde, dort auf dem Berge ist die Stadt Bethlehem und dahinten kommt der Mond –

Und die Englein oben singen das Gloria – nicht wahr, Mutter? fragte Klärchen. Ja, erwiderte diese; sehet, die Hirten haben dem heiligen Joseph und der heiligen Jungfrau Maria alles erzählt, was sie von den Engel gehört hatten, und Maria, die glückseligeste aller Mütter, war hocherfreut darüber und behielt alle Worte in ihrem Herzen.

Wie das Christkindlein so schön die Händchen ausstreckt! rief Wolfgang; -damit will es sagen, erklärte die Mutter, dass alle Kinder zu ihm kommen sollen – um so gut und fromm zu werden wie es selbst, und dass es allen Menschen hilfreich die Hand reichen wolle.

Zum Schlusse, sagte Bruder Martin, will ich euch noch ein schönes Weihnachtslied lernen, und sehen, wer es von euch am besten auswendig lernt und morgen, am heiligen Weihnachtsfeste, wenn ihr Alle wieder zu mir kommt, ohne Fehler hersagen kann:

Weihnachts-Liedchen von J.W. Kalliwoda, gespielt von Ursula Albert.

Gotthard hatte sich ein Blatt Papier erbeten, um das Liedlein aufzuschreiben. –

Lange verweilten Alle noch freudig und betend vor dem Kripplein; es war schon beinahe Mitternacht, als die gute Familie dankend und erfüllt von dem anmutigen Eindrücken des heiligen Abends auf den Heimweg sich begab.

[ngg src=“galleries“ ids=“130″ display=“basic_slideshow“]

Fortsetzung hier

Übersicht hier:

Frohe Weihnachten!

Weihnachtsliedchen aus Bruder Martin
von Wenzel Kalliwoda.
gespielt von Ursula Albert

Es kommt die gnadenvolle Nacht,
Die uns den hellsten Tag gebracht.
Wie freute sich der Engel Schaar,
Da Gottes Sohn geboren war!

Froh jubelte der Engel Heer:
“Gott in den höhen Gott sei Ehr’!
Und Friede, Freud’ und Seligkeit
Herrlich’ auf der Erde weit und breit!

Aus goldnen Wolken fangen so
Die Boten Gottes himmlisch froh;
Und himmlisch froh und hoch entzückt
Hat sie der Hirten Schaar erblickt.

Die hocherfreuten Hirten geh’n,
In Windeln Gottes Sohn zu seh’n;
Erblicken in der Krippe Ihn,
Und sinken auf die Kniee hin.

Und Jeder, der das Kindlein sah,
War froh und sprach: der Herr ist da!
Es kommt sein gnadenvolles Reich
Welch’ Kind ist diesem Kinde gleich?

O, wie viel Trost und Freunde gab
Mit ihm Gott in die Welt hernab!
O, wie uns unser Vater liebt,
Daß er den liebsten Sohn uns gibt.

Ja Gottes Lieb’ ist unbeschränkt,
Ein Gott, der seinen Sohn uns schenkt,
Schenkt Alles uns was heilsam ist,
Er schenkt es uns durch Jesum Christ.





Conrad Franz Xaver Gruber schrieb 1818 die Melodie zum bekanntesten Weihnachtslied der Welt, Stille Nacht, heilige Nacht, das Joseph Mohr 1816 gedichtet hatte. Hier eine Klavierfassung gespielt von Ursula Albert.

Die Dekan-Strohmeyer-Krippe in der Trudpertskapelle

Als ich den Artikel über Willibald Strohmeyer schrieb, waren wir in St. Trudpert. Zu meiner großen Überraschung war in der Trudpertkapelle – die übrigens auch in den Wanderblühten erwähnt wird – die Eröffnung einer Krippenausstellung in deren Zentrum die Dekan-Strohmeyer Krippe steht.

Münstertäler Krippenbauer

Der Brauch des Krippenbauens hat in der Schwarzwaldgemeinde Münstertal in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine Renaissance erlebt. Die diesjährige Ausstellung in der Trudpertskapelle ist die 24. seit 1995.

Krippenausstellung in der Trudpertskapelle

Die feierliche Eröffnung ist am Sonntag 21. Dezember um 11:45 Uhr in der Trudpertkapelle.

Öffnungszeiten sind jeweils
montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie
samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.
Letzter Ausstellungstag ist am Sonntag 11. Januar 2026.

Trudpertskapelle

Dekan-Strohmeyer-Krippe

(Willibald Strohmeyer, Pfarrer in St. Trudpert von 1909 – 1945)

Pfarrer-Krippen sind in der Regel große Kirchenkrippen.
Das gilt in ganz besonderem Maße für die Dekan-Strohmeyer-Krippe, die alljährlich zur Advents- und Weihnachszeit von 1912 bis 1960 das barocke Gotteshaus St. Trudpert schmückte.
Beim jüngsten Aufbau dieser Krippe wurden überraschenderweise Reste einer Zeitung zu Tage gefördert – mit dem Datum 26. April 1870 – erschienen in der damals in Karlsruhe gedruckten Zeitung Badischer Beobachter.

Es war die Zeit von Strohmeyers Amtsvorgänger Alois Baur, der im Jahre 1863 aus Sterzing in Tirol kommend Pfarrer in St. Trudpert wurde (1863-1909). Die ältesten Krippenteile und Figuren tragen deutlich die Handschrift von Pfarrer Alois Baurs Südtiroler Heimat.

Während Strohmeyer’s Amtszeit in St. Trudpert wurde die Krippe seit dem Jahre 1912 (diese Jahreszahl ist auf einem der Krippenbauteile gut lesbar) von ihm unter fleißiger Assistenz seines langjährigen Messners Johann Franz im Chor von St. Trudpert alljährlich aufgebaut – auch noch etliche Jahre über Strohmeyer’s Tod hinaus.

Als unter Pfarrer Hermann Meier (1950-1975 in St. Trudpert) ab Weihnachten 1960 eine neue Kirchenkrippe die Barockkirche schmückte, geriet die Strohmeyer-Krippe in Vergessenheit.

Die Münstertäler Krippenbauer haben in mühevoller Kleinarbeit die verstreuten Einzelteile wieder so zusammengefügt, dass daraus der weitgehend ursprüngliche Krippenberg geworden ist auf 3,5 Metern Breite, 1,8 Metern Höhe und 1,5 Metern Tiefe.

Ein glänzendes Beispiel tiefer Religiosität und ungebrochener Brauchtumspflege ist damit auch nach mehr als 100 Jahren für die Nachwelt erhalten geblieben.



Trudpertkapelle mit der Gruft

Wer hin geht, vergesst die Gruft nicht zu besuchen mit der Quelle und der Geschichte zum Heiligen Trudpert!

Um das Jahr 607 hat der Heilige Trudpert im Münstertal eine Einsiedelei gegründet und wurde von zwei Knechten mit einer Axt erschlagen. Nach der Legende entsprang an dem Ort, an dem St. Trudpert starb, die Trudpertsquelle. Sie wurde im 18. Ih. gefasst und in die Gruft unter der Kapelle geleitet.

Die Trudpertskapelle wurde anstelle eines älteren Rundbaues 1698 erbaut und 1731 konsekriert. Danach begann eine Blüte der Trudpertsverehrung mit achttägigen Feierlichkeiten Hauptfestzeit und Wallfahrtsprozessionen aus der weiteren Umgebung. Heute wird der Sonntag nach dem 26. April von der Gemeinde als Trudpertsfest begangen. In feierlicher Prozession wird an diesem Tag der barocke Reliquienschrein von 1714 um Kapelle, Kloster und Pfarrkirche getragen.

Die Brunnenkapelle, Gruft genannt, wird von einem Barockgitter abgeschlossen. Der symbolische Sarkophag des Heiligen wird von Skulpturen Ehrentrud und Rupert, nach der Legende Geschwister des Heiligen Trudpert, flankiert.

Ehrentrud

Trudpert

Rupert

Weiterer Fun Fact für Mundelfingen

Um 800 entstand das erste Benediktinerkloster rechts des Oberrheins, das 1632 durch die Schweden vollkommen zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau durch den Vorarlberger Baumeister Peter Thumb, wurde die jetzige Pfarrkirche St. Trudpert 1727 geweiht.

Pfarrkirche St. Trudpert

Die Herren von Schellenberg

Originalbeitrag vom 17.02.2024

Die Schellenbergs wurden in Quellen aus den Jahren 1137 bis 1157 als Vasallen des Otto von Freising erstmals erwähnt. Sie hatten ihren Stammsitz im oberen Isartal, dienten den Staufern ebenso wie Rudolf von Habsburg und gewannen damit politischen Einfluss und Reichtum.**

In der Stauferzeit ließen sich die Herren von Schellenberg auf dem Eschnerberg im heutigen Gebiet Liechtensteins nieder. Hier erbauten sie in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Burg Neu-Schellenberg und einige Jahrzehnte später die Burg Alt-Schellenberg. Es ist wahrscheinlich, dass die Stauferkönige die Schellenberg hier ansässig machten, um die Reichsstraße nach Italien zu sichern. Diesen Besitz im heutigen Fürstentum Liechtenstein verkauften die Herren von Schellenberg 1317 an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Dennoch trägt der Berg bei Eschen bis heute ihren Namen.**

Burg Schellenberg in Liechtenstein.

Obere Burg Schellenberg, 664 m ü.M.
Der Felskopf wurde schon ab dem 4. Jt. v. Chr., also in der Jungsteinzeit, als günstiger Siedlungsplatz genutzt. Der Name der aus Oberbayern stammenden Herren von Schellenberg ist zum ersten Mal in Urkunden des beginnenden 13. Jh. genannt. Die ältesten Bauten wurden möglicherweise bereits im 12. Jh. errichtet. Der Wohnturm stammt aus dem 13. Jh. Ihm folgte etwas später als Repräsentationsbau ein Palas. Im 14/15. Jh. wurde die Anlage mehrfach umgebaut und erweitert. Im Appenzellerkrieg von 1405 wurde sie gebrandschatzt.

Im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war das Geschlecht vor allem im Allgäu, in der Baar und im Hegau begütert. Als reichsritterliches Geschlecht gehörten die Schellenberg dem Ritterkanton Hegau-Allgäu-Bodensee im Schwäbischen Ritterkreis an.**

Wappen der Ritterkreise, darunter auch die der Kantone von 1721 des schwäbischen Ritterkreises**

Elias Daniel Sűssen,
Public domain, via Wikimedia Commons

Herren von Schellenberg**

Johann Siebmacher,
Public domain, via Wikimedia Commons

Von 1280 bis 1374 waren die Schellenberger im Besitz von Wasserburg am Bodensee, das sie mit einer festen Mauer und einem Turm versahen. Wohl Ende des 13. Jahrhunderts erlangten sie als Reichslehen Burg und Herrschaft Rothenfels bei Immenstadt, die sie 1332 an das Haus Montfort-Tettnang verkauften. Um 1300 beerbte Marquard von Schellenberg, der auch mit der Reichsstadt Lindau in Fehde lag, die Herren von Kißlegg (Burg Alt-Kisslegg) und begründete eine eigene Linie und Herrschaft um den Marktort. 1560 bis 1570 erbaute Hans Ulrich von Schellenberg (1518–1606) dort ein hochgiebliges Schloss, das heutige „Alte Schloss“ oder „Wolfegger Schloss“. Mehrfach waren die Herren von Schellenberg-Kißlegg Vögte der Reichslandvogtei Oberschwaben.**

Bereits 1381 wurde die Herrschaft Kißlegg unter zwei Schellenberger Linien geteilt. Der eine Teil war seit 1525 im Besitz verschiedener Familien (Freiberg, Baumgarten, Trauchburger Nebenlinie des Hauses Waldburg) und kam letztlich 1793 an die Wurzacher Linie des Hauses Waldburg. Seit dem späten Mittelalter war eine Linie der von Schellenberg in Bräunlingen ansässig und – neben Österreich und Fürstenberg – auch Mitbesitzer der Stadt. 1557 bis 1609 gehörte den Herren von Schellenberg das Schloss an der Blaumeerstraße. Das dortige „Schloss Schellenberg“ brannte 1917 ab. **

Bertold (Benz) von Schellenberg

Als nach dem Tode Burkards von Blumberg im Jahre 1382 seine Besitzungen an seine Schwester Guta und damit an die Herren und späteren Freiherren von Schellenberg überging, leitete dieser Erbgang einen neuen Abschnitt in der Geschichte Hüfingens ein. Das Spätmittelalter (1273-1492) ist für das Heilige Römische Reich deutscher Nation eine Zeit der Auflösung. Gesetze des Stauferkaisers Friedrich II. (1212-1250) aus den Jahren 1220 und 1231/32 schufen die Grundlage für das Erstarken der Territorialstaaten. Diese Grundlage wurde durch die Goldene Bulle aus dem Jahre 1356 stark erweitert, und in dem Maße, in dem das Königtum an Macht verlor, seine Rechte einbüßte, wuchs die Macht der Landesherren, bauten diese ihre Landeshoheit aus. Diese Machtverschiebung wirkte sich auch bei den Herren von Schellenberg und damit in Hüfingen aus, ja, sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Schellenberger Ära. Er endet im Jahre 1620 mit dem Übergang an das Haus Fürstenberg.*

Die Kißlegger erlangten durch Heirat auch die Herrschaft Sulzberg im Illertal, als Marquard I. die Erbtochter Klara Anna von Sulzberg ehelichte. Dieser Marquard hatte fünf Kinder, neben den Töchtern Margaretha und Anna die Söhne Berthold (Benz), Tölzer und Marquard. Von den Brüdern scheint Benz der Ältere gewesen zu sein. Sein Name taucht erstmals in einer Urkunde vom 16. März 1370 auf. Er vermählte sich mit Guta von Blumberg, die im Jahre 1382 ihren Bruder Burkkard beerbt hatte und wurde damit Herr von Hüfingen und Begründer der Baarer Linie, die bis in das Jahr 1812 bestand.*

LUB I, Bd. 5, Nr. 574.; zitiert nach: www.e-archiv.li/D48188; aufgerufen am 17.02.2024

Graf Heinrich von Fürstenberg erklärt, dass vor ihm sein Dienstmann Burkard von Blumberg, Sohn von Konrad selig, Hüfingen, Burg und Stadt mit aller Zubehör, fürstenbergisches Lehen, seiner Schwester Frau Guta von Blumberg, der Hausfrau von Benz von Schellenberg und allen ihren ehelichen Kindern vermachte und zwar mit der Bedingung, falls er, Burkard, keine ehelichen Erben hinterlasse, Hüfingen an seine Schwester fallen solle.

Graf Heinrich belehnt auf Bitten Burkards Guta und deren Kinder mit Hüfingen nach dem Wortlaut der Lehenurkunde Burkards. Es siegeln Graf Heinrich und Burkard von Blumenberg.

Liechtensteinisches Urkundenbuch (Belege des Schellenbergischen Stammbaums).

Bertold (Benz) von Schellenberg urkundete am 17. Juli 1383 zusammen mit seiner Gemahlin erstmals als Herr von Hüfingen. An jenem Tag erneuerten die Ehegatten dem Herzog Leopold von Österreich das schon von den Blumbergern eingeräumte Recht, daß ihm die Stadt Hüfingen jederzeit zu öffnen sei. Damit setzte Bertold die enge Bindung an Österreich fort, die schon von den Herren von Blumberg eingegangen worden war. Bertold von Schellenberg war jedoch nicht viel Glück beschieden, denn er starb schon bald nach dem Tode seines Schwagers. Bereits am 16. Oktober des gleichen Jahres 1383 weilte er nicht mehr unter den Lebenden. Seine Gemahlin Guta wurde fast gleichzeitig vom Tode ereilt. Sie war am 6. November 1383 ebenfalls nicht mehr am Leben. Zurück blieben die unmündigen Kinder Konrad I., Burkard I. und Klara Anna.*

In ihrer mißlichen Lage wurden die Waisen von ihren Verwandten mütterlicherseits angefeindet, denn diese hatten es nicht gern gesehen, daß die Stadt Hüfingen an ein völlig fremdes Geschlecht gefallen war. Unverzüglich nahm sich ihr Onkel Tölzer, ein Bruder ihres Vaters, tatkräftig der verwaisten Kinder an, wurde ihr Vormund und ließ sich bei ihnen in Hüfingen nieder. Es gelang ihm, wenn auch erst nach einigen Jahren, den Streit mit den Blumbergern, bei dem es u. a. um einen Teil des Laienzehnten in Hüfingen ging, zugunsten seiner Mündel beizulegen.

Während dieser Zeit kaufte er für sich das Dorf Mundelfingen, als dessen Herr er am 26. Juni 1388 aufgeführt ist.

Als Konrad I. volljährig geworden war, zog sich Tölzer wieder in seine Besitzungen zurück. Dort verstarb er am 20. Oktober 1427. Da er nur unebenbürtige Kinder hinterlassen hatte, die wohl von einer hörigen (leibeigenen) Mutter stammten und nicht erbberechtigt waren, und auch sein Bruder Marquard, auch Märk genannt, kinderlos starb, erbten die Hüfinger Schellenberger einen Großteil der Herrschaft Kißlegg im Allgäul.

Konrad I. zählte zu den bedeutendsten Gliedern des Geschlechtes derer von Schellenberg. Seine erste Nennung am 16. Oktober 1383 fällt mit der Bestätigung der Blutgerichtsbarkeit für die Stadt Hüfingen durch König Wenzel (1378-1400) zusammen.*

Schellenberg versus Fürstenberg

Im Jahre 1435 wurde Konrad I. durch seinen Sohn Gebhard I. von neuem in einen Konflikt mit Fürstenberg verwickelt. Graf Egon von Fürstenberg bemächtigte sich Gebhards und hielt ihn längere Zeit gefangen. Fast gleichzeitig waren andere Punkte mit Fürstenberg strittig, und es bestand kein Zweifel daran, daß die Fürstenberger schon seit längerer Zeit versuchten, Konrad I. von Schellenberg zu unterdrücken und zu schädigen.*

Ritter Konrad I. war in weitem Umkreis ein angesehener Mann und wurde mehrfach in wichtigen Rechtstreitigkeiten als Schiedsrichter berufen. Wie fast alle seine Nachkommen gehörte er dem Ritterbund vom St. Georgenschild an. Während der letzten Lebensjahre setzte er seine Söhne zu Mitinhabern seiner Besitzungen ein. Als er ausgangs 1448 oder anfangs des Jahres 1449 starb – er ist am 25. September 1448 letztmals erwähnt – erhielt sein Sohn Berthold II. die Güter in der Baar. Konrad und Gebhard I. bekamen die Herrschaft Sulzberg und die Hälfte von Kißlegg. *

Bertold II., der vom 10. März 1435 an urkundlich faßbar ist, erbte die von ihm während der letzten Lebensjahre seines Vaters mitverwalteten Besitzungen in der Baar. Graf Heinrich von Fürstenberg belehnte ihn am 30. September 1450 mit Hüfingen. Er wird am 17. April 1459 letztmals erwähnt, und am 7. Juni 1460 war seine Frau Ursula von Ellerbach bereits Witwe. Während der rund zehnjährigen Herrschaft konnte er den Familienbesitz zwar nicht vermehren, büßte aber auch nichts davon ein. *

Es fällt auf, daß Bertold II. die alten Beziehungen zu Österreich erneuerte, bevor er den Lehensherren um die Erneuerung des Lehens anging. Es ist unverkennbar, daß es sich dabei um einen Vorgang in dem stetigen schellenbergischen Bestreben handelte, von Fürstenberg vollständig unabhängig zu werden. Es ist verständlich, wenn die Schellenberger beim Hause Österreich Rückhalt suchten. Andererseits machten die Fürstenberger immer wieder den Versuch, die Schellenberger in ihren alten wohlbegründeten Rechten zu beschneiden.*

Der älteste von Bertholds II. Söhnen war sein gleichnamiger Sohn. Er muß noch jung gewesen sein, als er am 9. Juni 1460 auch im Namen seiner Brüder mit Hüfingen belehnt wurde, denn auch noch nach dieser Belehnung treten seine Mutter und die Oheime Konrad II. und Gebhard I. für ihn handelnd auf. Auch er erneuerte 1466 das Öffnungsrecht, erscheint aber schon am 27. Juni 1470 zum letzten Mal in den Urkunden. Im Jahre 1472 werden seine beiden Brüder allein mit Hüfingen belehnt.

Konrad III. zählt ebenfalls zu den bedeutendsten Persönlichkeiten derer von Schellenberg. Unter ihm gelangte das Geschlecht in der Baar auf die Höhe seiner Macht und seines Ansehens. 1478 gerieten Konrad III. und sein Bruder Burkard III, in einen weiteren Streit mit den Grafen von Fürstenberg, der vor das Hofgericht zu Rottweil gezogen wurde.

Die beiden Brüder dotierten am 4. Dezember 1473 die St. Leonhardskapelle, die sie zuvor mit den Bürgern erbaut hatten. Am 18. Februar 1480 wurden von den beiden Brüdern, dem Schultheißen und den Bürgern eine Große Jahrzeit und Bruderschaft in der Pfarrkirche zu Hüfingen gestiftet.* (Der Friedhof war damals neben St. Verena und Gallus).

Leonhardskapelle „s`Leänedli“,
erbaut 1473 und gestiftet von Konrad und Burckhart von Schellenberg.

Am 17. August 1485 kaufte Konrad III. von Heinrich von Almshofen auf der Neuenburg das Dorf Hausen vor Wald. Nach dem Tode seines Bruders Burkard III. im Jahre 1505 oder 1506 ging dessen Anteil am schellenbergischen Familienbesitz auf Konrad III. über. Damit war der Besitz des Geschlechtes in der Baar wieder in einer Hand. Konrad III. konnte ihn im Jahre 1506 um die Neuenburg an der Gauchach und Bachheim vermehren. Damit besaß er mit Allmendshofen, Hüfingen, Behla, Hausen vor Wald, Mundelfingen, der Neuenburg und Bachheim eine zusammenhängende Herrschaft und ein Achtel von Kirchdorf im Brigachtal zusätzlich. Schließlich hatte er am 8. Januar 1480 bedeutenden Grundbesitz des Kosters St. Märgen in Hüfingen und Allmendshofen erworben.

Peter und Paul in Hausen vor Wald

Peter und Paul in Hausen vor Wald

Totenschild des am 9. März 1556 verstorbenen Georg von Schellenberg in Peter und Paul Hausen vor Wald.

Wappen in Peter und Paul in Hausen vor Wald

Grabmahl Konrad III. von Schellenberg und seiner Gemahlin Adelheid von Blumberg in St. Verena und Gallus

Hans von Schellenberg

auch Hans der Gelehrte von Schellenberg (* 19. Februar 1552 oder 19. Februar 1551 im Schloss Hüfingen in Hüfingen; † 29. März 1609 im Schloss Randegg in Randegg bei Gottmadingen) gehörte zu den einflussreichen Männern der Baar und des Bodenseeraums.**

Hans von Schellenberg war der Sohn von Gebhart von Schellenberg († 13. März 1583) und dessen Ehefrau Barbara († 7. Juni 1582), Tochter von Eberhard von Fulach aus Schaffhausen; er hatte noch einen Bruder sowie zwei Schwestern. 1573 heiratet er Anna (geb. von Reischach); die Ehe bleibt kinderlos. Nach der Hochzeit lebt er im Schloss Randegg, das sein Vater 1567, neben der Burg Staufen, nach der Zerstörung im Schweizerkrieg 1499, wieder aufbauen ließ. **

Hans der Gelehrte von Schellenberg nach einem Ölgemälde.*

Nachdem Hans von Schellenberg, gemeinsam mit seinem Bruder, durch Hauslehrer unterrichtet worden war und sie das Jesuitenkolleg in Ingolstadt besucht hatten, immatrikulierte er sich 1564 im Alter von zwölf Jahren gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder an der Universität Ingolstadt; dort hörten sie Vorlesungen über Rhetorik, Dialektik und Geschichte. 1567 begann er mit einem Studium der Rechtswissenschaften und besuchte weiterhin Philosophie-Vorlesungen; gemeinsam mit seinem Bruder wurde er 1569 in den Universitätsmatrikeln der Universität Freiburg erwähnt. Mit seinem Bruder setzt er die Studien in Italien fort – dort stirbt sein Bruder 1572 in Rom – sowie in Burgund und weiteren Orten. Durch die Auslandsaufenthalte sprach er zu seiner Heimatsprache sehr gut auch die französische und italienische Sprache.**

Bereits 1605 berichtete Hans von Schellenberg von römischen Münzfunden und einem Ziegelmosaikboden in Hüfingen, darauf ließ er auf dem Gelände des Kastell Hüfingen am „Galgenberg“ Sondierungsgrabungen vornehmen und Funde bergen. Nach seinem Tod geriet der Fundort als solcher aber wieder in Vergessenheit. Neben seinen archäologischen Studien, er beteiligte sich hierbei auch an den Ausgrabungen in Hüfingen, beschäftigte er sich mit numismatischen, genealogischen, historischen und theologischen Themen.**

Aquatinta von W. Scheuchzer und G.L. von Kreß sc. Verlag J. Velten in Karlsruhe etwa 1825

»Hans war ein Mensch von außerordentlich vielseitiger Begabung, als hochgelehrter Mann und vortrefflicher Historicus ebenso bekannt, wie von der Ritterschaft und dem Hause Österreich als kluger Berater und oft bewährter Geschäftsträger geschätzt«. So beschreibt Paul Revellio zusammenfassend Hansens Persönlichkeit und fährt fort: »Freilich, eine produktive Natur war Hans nicht, aber ein Mann von großer geistiger Regsamkeit, der das ganze Wissen seiner Zeit in sich aufgenommen hatte«. Die Ereignisse seiner Zeit beurteilte Hans von seiner streng katholischen Gesinnung aus. Von seinem kirchlichen Sinne zeugen auch eine Reihe von Stiftungen. So erhielt 1586 eine Glocke in der Mundelfinger Pfarrkirche seinen Namen, erbaute er in Randegg eine neue Kirche, erwarb er sich große Verdienste um die Gründung des Konstanzer Jesuitengymnasiums, vermachte er der Kirche und den Kaplaneien der Stadt Hüfingen zu frommen Zwecken 2150 Gulden.*

Hans ist immer ein guter Deutscher gewesen. Trotz seiner humanistischen Bildung verteidigte der Altertumsfreund seine Muttersprache. Daneben liebte er die Tafelfreuden und benutzte häufig deftige Ausdrücke und derbe Zoten, eine starke sinnliche Natur scheint ihm eigen gewesen zu sein.*

Mit Humor und Sarkasmus versuchte Hans zwar über sein Gichtleiden hinwegzukommen, aber es zwang ihn schon im Jahre 1600 zur Benützung einer Krücke und machte ihm wohl in den letzten Lebensjahren auch das Schreiben unmöglich. Am 29. März 1609 ist Hans der Gelehrte in der Pfarrkirche zu Hüfingen bestattet worden.

Mit seinem Tod starb die Linie aus; er wurde in der Pfarrkirche in Hüfingen begraben und kehrte damit zu der Grabstätte zurück, die er 1572 für seine Eltern errichten ließ. Als Erben werden der Neffe Conrad Vintler von Plätsch und die Nichten Christina und Clara Vintler von Plätsch eingesetzt.**

Die Hauptlinie bis zum Tode Abogasts von Schellenberg

Arbogast, der wahrscheinlich 1521 in Niederbayern geboren ist, wurde Stammvater aller Schellenberger der Baarer Linie und verwaltete ab 1550 den väterlichen Besitz in der Baar. Nach seiner Vermählung mit Helena von Rechberg zu Hohenrechberg nahm das Paar seinen Wohnsitz zu Hüfingen; Arbogast stand aber noch in österreichischen und bayerischen Diensten. Noch vor dem Tode seines Vaters kaufte Arbogast auf eigene Rechnung von den Stehelin von Stockburg ein Drittel des Zehnten von Bräunlingen und um 1570 vom dortigen Schultheißen Ludwig Reif genannt Welter von Bleidegg das »Schellenbergische Gut« (Schloß), das aus zwei mittelalterlichen Burgsässen entstanden war und acht bäuerliche Lehengüter einschloß.*

Im Jahre 1571 – sein Vater lebte noch – wurde Arbogast Schultheiß zu Bräunlingen und blieb es wohl bis 1577. In seiner Bestellungsurkunde ist zu lesen, daß er in Hüfingen wohnen bleiben könne, er müsse aber täglich »von und zu reiten«. Er geriet jedoch mit dem Rat der Stadt, der seine Rechte zu wahren wußte, in Streitigkeiten, so daß er 1576 oder 1577 das Amt wieder verlor, aber die Unstimmigkeiten hielten – wenn auch mit Unterbrechungen – bis zu seinem Tode an. Da Arbogast auch in Hüfingen zahlreiche Liegenschaften erwarb, die in der Fron bebaut werden mußten, beschwerten sich seine Untertanen, und Gebhard II. und Hans der Gelehrte mußten 1578 einen Vergleich herbeiführen.*

Mit dem Hause Fürstenberg lag Arbogast beinahe sein ganzes Leben lang in Streit. Dabei ging es einmal mehr um die Märkte zu Hüfingen, um die hohe Gerichtsbarkeit, aber auch um das Jagdrecht im Bräunlinger Bann und selbst um die Belehnung.*

Als Gebhard II. im Jahre 1583 starb, war für seinen Sohn Hans der Gelehrten und Arbogast eine erneute Belehnung erforderlich. Am 17. April 1583 kamen die beiden Schellenberger beim Grafen Heinrich auch um die neuerliche Belehnung ein. Der Graf war gewillt, Hans den Gelehrten zu belehnen, aber gegen eine weitere Belehnung Arbogasts weigerte er sich mit der Begründung, daß Arbogast das Lehen verändert habe und Differenzen zwischen ihnen bestünden. Selbst mit dem Bischof von Konstanz geriet Abogast 1602 in Steit. *

Arbogast I. von Schellenberg starb am 23. August 1605 und wurde ebenfalls in der Hüfinger Pfarrkirche beigesetzt. Er hatte aus erster Ehe elf Kinder: Es waren Burkard VI., Katharina, Anna, Konrad VI., Arbogast II., Walpurga, zwei Söhne namens Georg, Wolf (Wolfgang), Heinrich II. und Hans III.*

Burkhard von Schellenberg in St. Verena und Gallus.

Epitaph Arbogasts von Schellenberg in St. Verena und Gallus

1620 wurde Hüfingen an das Geschlecht der Fürstenberg verkauft.

Die Hausener Linie

1570 bauten die Herren von Schellenberg eine Burg in Hausen vor Wald. Das Schloß wurde leider 1823 abgeborchen, aber unter dem Haus befinden sich noch das Gewölbe des alten Kellers. Dieser konnte in den 1980ern noch mit Prof. Dr. Günther Reichelt besichtigt werden.

Totenschild des am 9. März 1556 verstorbenen Georg von Schellenberg in Peter und Paul Hausen vor Wald.

Frantz Hector Freiherr von Schellenberg, starb zu Hüfingen den 29. Heumonat 1742

“Hier stand einstmals die Burg der Freiherren von Schellenberg, erbaut um 1570, umgebaut als Schloß 1745-1750, abgebrochen 1823.”
Wappen in Peter und Paul in Hausen vor Wald

Frau Eva Maria Freifrau von Schellenberg ist in Gott entschalfen den 15. Oktober 1682
Herr Joseph Schellenberg gestorben 5. Juni 1740

Joseph Schweichard, 1664 geboren, dürfte der alteste Sohn Ernst Georgs gewesen sein. Er starb am 5. Juni 1740 im Alter von 76 Jahren und wurde in Hausen vor Wald beigesetzt. Seine Geschwister überließen ihm laut Vertrag vom 8. Dezember 1695 den liegenden Besitz der Familie gegen geldliche Abfindung. Das Erbe wurde ihm mit 23 193 Gulden angerechnet. Er blieb in Hausen vor Wald und war seinen dortigen Untertanen ein guter Herr. Nach dem Tode Johann Franz Bertolds erbte er im Jahre 1708 die Besitzungen der Burg-Bachheimer Linie, nämlich Neuenburg und Bachheim und 1727 schließlich beim Aussterben der Landstrost-Bräunlinger Linie auch das schellenbergische Zehntdrittel zu Bräunlingen. Wohl unverheiratet und kinderlos starb er am 5. Juni 1740 in Hausen vor Wald und vererbte seinen Besitz an den 17 Jahre jüngeren Bruder Franz Hektor.*

Franz Hektor, das jüngste unter den dreizehn Geschwistern, war 1695 Edelknabe beim Grafen von Fürstenberg und blieb sein Leben lang in fürstenbergischen Diensten. Er wurde wie sein Vater Oberjägermeister und fürstenbergischer Geheimer Rat. Da er während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) gedient zu haben scheint, wird er auch Hauptmann genannt. Er wohnte die meiste Zeit in Hüfingen, wo seine Familie wieder ein Haus erworben hatte. Die Anteile, die er wie sein Bruder erbte, gingen ihm infolge von Prozessen und Schulden verloren. Franz Hektor vermählte sich um 1712 mit Maria Antonia Susanna von Schönau. Im Jahre 1740 erbte er von seinem Bruder Joseph Schweichard auch Hausen vor Wald und vereinigte danach wieder den ganzen noch vorhandenen schellenbergischen Besitz in seiner Hand. Er starb am 29. Juli 1742 kinderlos. Noch wenige Tage vor seinem Tod hatte er die Patronatsrechte der Hüfinger Pfarrei dem Hause Fürstenberg vermacht. Auch er wurde in der Kirche zu Hausen vor Wald beigesetzt. Seine Gemahlin, die am 27. Januar 1758 starb, erbaute nach dem Tode ihres Gemahls 1747 die schöne Kirche in Hausen vor Wald und das dortige Schloß, wie aus der Grabinschrift in der neuerbauten Kirche hervorgeht.*

Die letzten Freiherren von Schellenberg

Nachdem Johann Franz Bertold am 16. Januar 1708 gestorben war, fielen seine Lehengüter an seinen Vetter Franz Hektor von Schellenberg, den fürstenbergischen Oberjägermeister und späteren Geheimen Rat von der Hausener Linie. Als auch er am 29. Juli 1742 gestorben und in der Pfarrkirche zu Hausen vor Wald beigesetzt war, galt das Geschlecht der Freiherren von Schellenberg als (im Mannesstamm) erloschen, und das Haus Fürstenberg zog noch im gleichen Jahr die erledigten Lehen ein.*

Noch lebte Franz Hektors Gemahlin Maria Antonia Susanna von Schönau, als ein unbekannter angeblicher Freiherr von Schellenberg erschien und seine Ansprüche geltend machte. Es handelte sich um einen Enkel Johann Josephs I. von der Burg-Bachheimer Linie, einem Sohn Hans Ludwigs, der die Linie begründet hatte. Mit dem Auftauchen dieses Freiherrn von Schellenberg nimmt das romantischste und zugleich traurigste Kapitel des alten Rittergeschlechtes seinen Fortgang.*

Schon Lucian Reich schilderte es 1882 in der Karlsruher Zeitung, Eugen Balzer nahm diese Schilderung auf, und auch Gottfried Schafbuch faszinierte das Schicksal der letzten Schellenberger.*

Johann Joseph I., dessen Geburtsdatum sich nicht ermitteln läßt, soll zur Sterbezeit seines Vaters zusammen mit seinem Bruder Johann Franz Bertold in Freiburg studiert haben. Während eines Besuchs bei seiner Schwester Maria Eva von Dankenschweil in Mühlingen bei Stockach verliebte er sich in deren Köchin Maria Herbstin, eine leibeigene junge Witwe. Er war nicht der erste seines Geschlechtes, dessen Herz in Liebe zu einer Unebenbürtigen entbrannte. Dennoch unternahmen seine Verwandten alles, was ihnen möglich erschien, um eine Heirat zu verhindern.*

Trotzdem ließ sich Johann Joseph I. im Jahre 1681 mit Maria Herbstin in Kirchdorf trauen, und es kam zum Bruch mit der Verwandtschaft. Der Sohn Johann Joseph II. und die Tochter Maria waren geboren, als der Vater in die kaiserliche Armee eintrat und wenig später am 6. März 1683 als Oberleutnant bei Sargan in Ungarn im Kampf gegen die Türken fiel. Seine Witwe wurde weder in Mühlingen noch in der Neuenburg geduldet und auch um den Besitzanteil ihres gefallenen Mannes gebracht. In ärmlichen Verhältnissen lebend, wohnte sie in Mainwangen bei Stokkach, wo sie auch verstorben sein soll. Ihre Tochter Maria war ihr im Tode bereits vorausgegangen.*

Johann Joseph II., am 5. September 1783 geboren, diente als Bauernknecht und verdiente später sein Brot als Kohlenmesser in Zizenhausen, das ebenfalls bei Stockach liegt. Er legte den Adelstitel ab, nannte sich fortan einfach »Schellenberger« und heiratete Elisabeth Bellin aus Emmingen ab Egg. Aus ihrer Ehe gingen die Kinder Martin, Maria Anna, Magdalena, Johann Joseph III., Johann Michael und Dominikus hervor.

Dem Sohn Johann Joseph III. (geb. 10. September 1710) gelang es, durch die Beschäftigung seines Vaters in der Hüttenarbeit Fuß zu faßen. Schon in jungen Jahren wurde er Berg- und Hammerwerksverwalter mehrerer Werke im Allgäu und in Vorarlberg und später wurden die vorderösterreichischen Werke seiner Oberaufsicht unterstellt.*

Am 23. April 1752 heiratete Johann Joseph im Alter von 42 Jahren Maria Theresia Notburga Agnes Simpherosa von Pappus und Tratzberg. Durch diese Heirat mit einer Adeligen rehabilitiert und wohl auch zu – wenn auch nur bescheidenen – Geldmitteln gekommen, begann er die Rückgabe der Lehen des 1742 verstorbenen Freiherrn Franz Hektor von Schellenberg von Fürstenberg und dem Bischof von Konstanz zu betreiben. Während ihn der Bischof von Konstanz mit den Zehnten in Hüfingen und Bräun-lingen belehnte, als feststand, daß er seine Forderungen zu Recht gestellt hatte, wurde er von Fürstenberg mit dem Hinweis auf seine unebenbürtige mütterliche Herkunft zurückgewiesen.*

Johann Joseph ließ sich nicht entmutigen und klagte sein Recht beim Reichshofrat in Wien ein, wo er 1754 obsiegte. Nach einem Vergleich wurden er, seine Brüder Johann Michael und Dominikus mit Hausen vor Wald, Neuenburg und Bachheim belehnt. Auch um die Eigengüter Franz Hektors mußte er gegen Reinhard Friedrich von Neuenstein den Rechtsweg beschreiten. Doch kam dieser Streit erst 1781 zum Austrag und endete ebenfalls mit einem Vergleich. Allerdings war Johann Joseph zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben. Der tatkräftige Freiherr hatte es nicht leicht mit seinem neuen Besitz, denn mit ihm hatte er auch die auf ihm liegenden Schulden übernehmen müssen. Von den Geschwistern Johann Josephs III. starben Martin, Maria Anna und Magdalena vor der glücklichen Wende im Prozeß gegen das Haus Fürstenberg in ärmlichen Verhältnissen. Die beiden Brüder Johann Michael und Dominikus beteiligten sich an der Seite ihres Bruders am Kampf um die Wiedereinsetzung in ihre Rechte, traten dabei allerdings nicht hervor. Der eine von ihnen soll die Bierbrauerei und der andere die Bäckerei erlernt haben, aber Johann Michael wird später auch Leutnant genannt.*

Dominikus, der um 1719 geboren sein mag, lebte einige Zeit in Eglofs im Allgäu und kam in den Mitbesitz der Baarer Güter. Er beschloß sein Leben am 16. Januar 1787 und wurde in Hausen vor Wald begraben.*

Johann Joseph III. starb, wie viele seiner Ahnen, verhältnismäßig jung am 6. Oktober 1769 im Alter von 59 Jahren in Ebratshofen im Allgäu, wo er auch seine letzte Ruhe fand. Aus seiner Ehe mit Maria, Theresia Freiin von Pappus und Tratzberg zu Rauchenzell und Laubenberg, die ihren Gatten um 17 Jahre überlebte, war nur der Sohn Johann Joseph Anton neben einem früh verstorbenen Sohn und einer ebenso früh verstorbenen Tochter hervorgegangen.*

Johann Joseph Anton, der am 31. Mai 1754 wahrscheinlich im Allgäu das Licht der Welt erblickte, war also beim Tode seines Vaters noch unmündig. Seine Mutter scheint eine schlechte Haushälterin gewesen zu sein. Sie verheiratete ihren Sohn 1774 im Alter von 20 Jahren mit Maria Franziska von Lilgenau zu Popolan und Kaisersdorf, die aus Böhmen (Eger) stammte. Seine Frau schenkte Johann Joseph Anton am 4. September 1775 ein Töchterchen, das die Namen Johanna Nepomucena Josepha Maria Theresia Barbara Franciska erhielt, aber schon am 17. September 1777 im Geburtsort Hausen vor Wald starb.*

Seiner Schulden wegen war Johann Joseph Anton, der später Joseph Anton genannt wurde, am 11. Februar 1783 gezwungen, die Dörfer Hausen vor Wald, Neuenburg und Bachheim an eine Baronin von Neuenstein, eine Verwandte, zu verkaufen. Diese gab die drei Dörfer noch im gleichen Jahr für 48 000 Gulden an das Haus Fürstenberg weiter. Damit hatte die Herrschaft Schellenberg endgültig aufgehört zu existieren. Es war Johann Joseph Anton gelungen, aus dem Handel eine lebenslängliche Jahresrente von 800 Gulden und 24 Klafter Holz zu erhalten. Daneben blieben ihm die Zehntanteile in Hüfingen und Bräunlingen und ein Haus, das in Bräunlingen stand, erhalten. Bereits 1785 steckte er wieder so tief in Schulden, daß er vor seinen Gläubigern die Flucht ergriff. Kopflos geworden, ließ Johann Joseph Anton seine Frau und seine Mutter in größter Not zurück. Jetzt wurde sein restliches Vermögen mit Beschlag belegt und der Konkurs eröffnet, der sich über Jahre hinzog. Im Zwangswege wurde das Schellenbergische Haus versteigert. Als 1791 auch sein letztes Haus in Bräunlingen vom Magistrat versteigert wurde, trennte sich seine Frau endgültig von ihm. Sie erhielt die Hälfte seiner jährlichen Rente und zog nach München.*

Ohne Vermögen, auf seine halbierte Rente angewiesen, kam Joseph Anton wieder nach Hüfingen zurück. Dort zog er als Mieter des Amtmanns Melchior Reichlin, der das »Schellenbergische Haus« erstanden hatte, in sein einstiges Haus. In ihm verbrachte er den Rest seines Lebens. Seine Gemahlin ließ ihm im Chor der Pfarrkirche in Hüfingen, der Grablege seines Geschlechtes, eine einfache Gedenktafel anbringen. Luzian Reich senior meißelte in die Marmortafel unter dem Wappen derer von Schellenberg diese Inschrift:

Gedenktafel Anton Schellenberg
Gedenktafel von Luzian Reich senior

»Dem Freiherrn Joseph Anton von Schellenberg,
geboren den 31. Mai 1754, gestorben den 8. Oktober 1812,
letzten Sprossen eines alten, edlen Geschlechts,
setzte dieses Denkmal ehelicher Liebe seine trauernde Gattin,
Franziska von Schellenberg, geb. Freiin von Ligenau.

Wie die Blätter am grünen Stamm wachsen und abfallen,
so die Geschlechter der Menschen.
Das eine stirbt und ein anderes wird geboren.«

Diese Worte aus den Sprüchen des Jesus Sirach wählte Lucian Reich später als Motiv zu seinem »Hieronymus«, aber wo hätten sie größere Aussagekraft als auf dem Grabmal des letzten Freiherrn von Schellenberg, dem letzten Sproß des Geschlechtes, das neben den Fürstenbergern einst das mächtigste Geschlecht in der Baar war.*

*Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984
** Wikipedia

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner