Später Lernprozess

Zum Jahresbeginn war wieder mal ein Arzttermin angesagt, diesmal im VS-Zentralbereich knapp neben dem ausufernden Klinikkomplex. Mein letzter Besuch dort war mir freilich in unguter Erinnerung geblieben, nicht wegen des Befunds, sondern weil ich mich an der Kasse beim Bezahlen des Parkscheins peinlich schwergetan hatte, sodass mir ein erfahrenerer Gutmensch beispringen musste. Ich war also gewarnt und hatte zuhause reichlich Münzgeld eingesteckt!

Doch zu meiner Überraschung fehlte diesmal die Schranke samt Parkscheinautomat, und so rollte ich ohne Zwischenstopp in eine der wenigen noch freien Parklücken, um sodann guter Dinge zu den Praxen zu eilen, neben deren Eingang – oha! –  noch immer die Kasse platziert war. Und auch diesmal hatte sich vor ihr ein Rückstau gebildet; wie nicht zu übersehen war, wechselten die Wartenden dabei ungeduldig von einem Bein aufs andere, denn das „Sturmtief Elli“, in den Morgennachrichten bereits angekündigt, war mit seinem Ausläufer eingetroffen, und es blies heftig um die Gebäudeecken. Doch weshalb bloß der Stau vor der Kassenbox, so staunte ich im Vorübereilen, wo es doch an der Einfahrt weder eine Schranke noch einen Parkscheinautomaten mehr gab?

Schon in der Praxis beim EKG auf dem Schragen liegend erkundigte ich mich bei der Arzthelferin, wie ich die Ansammlung vor der Kasse zu deuten hätte. Ach die Schranke, so klärte sie mich auf, die sei ja immer wieder mal mutwillig oder versehentlich umgefahren worden, weshalb die Parkplatzbetreibergesellschaft ihr Bezahlsystem umgestellt habe auf ein Neues mit Überwachungskamera. Und wehe dem, der nicht bezahle! Dann komme die Rechnung nachträglich per Post – und zwar eine gesalzene.

Wahrhaftig, der Stau vor der Kasse hatte sich noch immer nicht aufgelöst, als ich nach der Untersuchung noch recht frohgestimmt wieder ins Freie trat, derweil die Böen von „Sturmtief Elli“ offensichtlich an Stärke weiter zugelegt hatten. Auch diesmal waren es vorwiegend verunsicherte Alte, umstanden und beraten von Hilfswilligen beiderlei Geschlechts und meist technikaffineren Alters. Mit zittrigen Händen machte sich soeben Einer an der (wie heißt das doch gleich?) Touchscreen-Scheibe zu schaffen. Derweil ich mit langem Hals bemüht war, deren korrekte Bedienung vorneweg zu erspähen und zu kapieren. Eben bemühte sich mein Vordermann verzweifelt, mit seiner Bank-Card klar zu kommen – war da etwa die PIN-Nummer noch gefragt – und wie war die doch noch? Erst recht: wie gibt man die mit klammen Fingern ein?

Wie gut, dass ich mich zuhause mit Münzgeld eingedeckt hatte. Endlich war auch ich an der Reihe: Aha, es war das Autokennzeichen einzutippen, Buchstabe für Buchstabe – Bindestrich – Zahl für Zahl … und prompt musste ich mich vertippt haben! Hinter meinem Rücken wurde bereits geraunt, und von der Seite her will auch mir jemand behilflich sein. „WEITER“ befiehlt mir endlich die gläserne Scheibe, und ich werde (mit Symbolen) gefragt: mit Card oder mit Münzgeld? Klar, bei gerade mal 1,40 € nichts wie den Geldbeutel rausgekramt, doch – o Schreck – weder die Ein-, noch die Zweieuromünze will in den Schlitz passen, die letztere ist mir dann auch noch vor lauter Aufregung entglitten und davongerollt, um von einem hilfsbereiten Mitmenschen aufgelesen zu werden. Hatte man die Münzgeld-Zahlweise mittlerweile gestrichen? Unterdessen ist das Gemurmel hinter mir lauter und lauter geworden. Was bleibt da zu tun? Die Karte aus dem Geldbeutel genestelt und in mehreren Versuchen an der vorbezeichneten Stelle des Bildschirms eingelegt!  Doch auch jetzt streikt das System – offenbar mag es mich einfach nicht.

Schließlich resigniere und entschuldige ich mich bei den Nachgerückten, suche frustriert meinen Wagen, steige ein und starte – Hauptsache, der kardiologische Befund hat keinen Anlass gegeben, mir Sorgen zu machen. Spätestens an der Kasse wäre womöglich ja doch ein Herzflimmern zu befürchten gewesen,  gar ein Infarkt vor lauter Stress. An der Ausfahrt grüßt von hoch oben die Kamera auf ihrem Mast.

Noch immer nicht ist zuhause die schriftliche Zahlungsaufforderung eingetroffen. Immerhin war zwischenzeitlich zu erfahren, dass mit dem Jahreswechsel auch meine Bank-Card hätte ausgewechselt werden müssen.

zwei verschneite Bäume im Tiefschnee auf dem Feldberg
Es grüßt das Sturmtief Elli

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