Grundwasserschaden in Hüfingen

Das Thema ist komplex. Wer sich durch die Akten arbeitet, stellt schnell fest, dass technische, geologische und wissenschaftliche Fragen oft hinter verwaltungsrechtlichen Zuständigkeiten und formalen Verfahren zurücktreten. Gerade deshalb versuche ich hier, die bekannten Fakten verständlich zusammenzustellen.

Auf dem Gelände des FF Sägewerk besteht seit Jahrzehnten ein Grundwasserschaden. Bereits vor rund 30 Jahren wurden auf dem Betriebsgelände Belastungen des Bodens und des Grundwassers festgestellt. Die Sanierung erfolgt seit 1998 durch die Entnahme und Aufbereitung des belasteten Grundwassers und dauert nach den vorliegenden Unterlagen bis heute an.

Am 8. Mai genehmigte der Gemeinderat den Bau einer Halle auf einem Teil des belasteten Geländes. Dadurch wird die Fläche teilweise versiegelt. 

Aus meiner Sicht trägt diese Entscheidung dazu bei, dass der Grundwasserschaden künftig noch weniger im öffentlichen Bewusstsein präsent ist, anstatt transparent aufgearbeitet zu werden.

Das Flurstück 600 im Eigentum der Stadt Hüfingen wurde im Jahr 2021 untersucht. Auf diesem Grundstück wurde nach den Unterlagen ausschließlich Holz gelagert.

Die eigentliche Kontamination und der bekannte Grundwasserschaden befinden sich weiter westlich auf Privatgelände. Untersuchungsergebnisse für diesen Bereich wurden bislang nicht veröffentlicht und sind daher der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Das Trinkwasser aus den Tiefbrunnen betrifft nicht einzelne Straßenzüge, sondern die gesamte Kernstadt und alle Ortsteile. Es geht deshalb nicht um ein abstraktes Umweltproblem, sondern um die Trinkwasserversorgung heutiger und künftiger Generationen.

Antworten vom Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz zu unserem Trinkwasser

Erweiterung der Industrieanlagen Palmhof

3. Februar 2026

Was soll man da noch weiter sagen? Vom Finanzamt gibt es für die Industrieanlage nach 20 Jahren nicht mehr genug Geld, deswegen muss der Irrsinn nun „weiterentwickelt“ werden. Wir bezahlen diesen Energieaustausch auf Kosten unserer Natur nicht nur mit Steuergeldern, sondern auch eines Tages mit unserem Trinkwasser.

Industriegebiet Palmhof bedroht unser Trinkwasser

Alter Hochbehälter beim Römerbad.

1897 beschloss der Hüfinger Gemeinderat eine Hochdruckwasserleitung zu bauen und am am 24. Oktober 1903 konnte Hüfingen das Brunnenfest begehen. Die Hochdruckwasserleitung wurde von den Dellinger Brunnen gespeist. *

Schafäcker und Wasserlanden auf einem Kartenausschnitt der LUBW.
Auf dem Furstück Schafäcker sieht man auch die zwei Tiefbrunnen.

Seit dem Bau des Kirnbergsees 1921 nahm die Schüttung der Dellinger Quellen immer weiter ab. So entschloss man sich auf Hüfinger Gemarkung einen Tiefbrunnen zu graben. Nach einiger Suche fand man im Gewann „Wasserlanden“ eine Wasserader.*

Das Hüfinger Trinkwasser kommt jetzt aus zwei Tiefbrunnen auf dem Flurstück Schafäcker (oder Schaafäcker). Das Trinkwasser unserer ganzen Gemeinde: Hüfingen, Behla, Fürstenberg, Hausen vor Wald, Sumpfohren und Mundelfingen. Ohne Ausnahme!

Tiefbrunnen auf dem Schafäcker.

Wasserschutzgebiet Schafäcker Nitrat-Problemgebiet 2017

Wasserschutzgebiet Schafäcker Nitrat-Problemgebiet 2025

Die Fabrikanalgen des Palmhofes über den Hüfinger Tiefbrunnen

Vielleicht wird nun dem ein oder anderen klar, warum wir im Jahr 2019 so sehr gegen die gigantische Erweiterung des Palmhofes gekämpft hatten. Die Qualität des Trinkwassers der Gesamtstadt Hüfingen hängt maßgeblich vom Wohlwollen der Stadt Bräunlingen ab. Dies war früher schon so als Bräunlingen die Dellinger Quellen versiegen ließ und dies ist heute kein bisschen anders.

Im Jahr 2019 fand eine Belehrung eines Handelsvertreters von Biogasanlagen statt. Da der Herr wenig Ahnung von der Baar und der Landwirtschaft hatte, hat man sich darauf beschränkt, über die technischen Gegebenheiten der Biogasanlage zu berichten. Nach den technischen Highlights wurde der Gemeinderat mit einer Milchmädchenrechnung beehrt, mit der die Nachhaltigkeit einer solchen, von Steuergeldern hoch subventionierten Anlage, bewiesen werden sollte.

Die Ausschüttung an Energie der Anlage wird direkt in Heizöl umgerechnet und damit hat man dann eine angebliche Ersparnis. Der Einsatz von Energie für den Anbau und Transport vom Mais, den Fahrzeugpark, die vielen Anfahrten von weit her, die Chemikalien und deren regelmäßige Ausbringung, die Zerstörung der Umwelt, die Vernichtung von Lebensräumen spielt bei der Berechnung keinerlei Rolle. Als ob sich eine Biogasanlage befüllen ließe wie ein Öltank. Der wissenschaftliche Konsens, dass eine solche Anlage nicht nachhaltig ist, spielt keine Rolle. Wissenschaftler und alle anderen die die Nachhaltigkeit anzweifeln, wären ungebildet und uninformiert.

Meine Meinung als Agraringenieurin und Wissenschaftlerin
Biogasanlagen sind Industrieanlagen, die auf Kosten der Natur einen hoch subventionierten Energieaustausch durchführen.

Ich habe mich seit dem letzten Brand auf dem Palmhof gar nicht mehr getraut etwas zu sagen, da ich vermutlich sonst in Zukunft für jede Havarie verantwortlich gemacht werde. Dabei hoffe ich einfach nur, nicht eines Tages Kassandra zu sein. Ganz unten gibt es noch einen Teil vom dazugehörigen Steuermodell.


Wasserschutzgebiet Schafäcker Nitrat-Problemgebiet

Schafäcker

Fakten zum chlorieren vom Trinkwasser

18. Februar 2025

Hier ein sehr aktueller Review vom 21. Januar 2025 in Environmental Health Perspectives von der Universität Upsala: Exposure to Drinking Water Trihalomethanes and Risk of Cancer: A Systematic Review of the Epidemiologic Evidence and Dose–Response Meta-Analysis .

Die Schlussfolgerung lautet: „Gemäß den Kriterien des World Cancer Research Fund haben wir Hinweise darauf gefunden, dass Trihalomethan im Trinkwasser das Risiko von Blasen- und Darmkrebs erhöht und zwar bei Werten, die unter den derzeitigen Grenzwerten in den USA und der EU liegen, was darauf hindeutet, dass diese nicht vor Krebs in der Allgemeinbevölkerung schützen.“

Ich habe noch viel mehr Veröffentlichungen hierzu gefunden. Aber erhöht, oder nicht erhöht, eine prophylaktische Chlorierung von Trinkwasser sollte unbedingt unterbleiben.

Nicht nur das Krebsrisiko ist problematisch, auch führt das Vorhandensein von Chlor/Chloraminen im Abwassersystemen zu zahlreichen Problemen. So die potenzielle Freisetzung von Metallionen und die Beschleunigung der Rohrkorrosion, die Erzeugung toxischer stickstoff- und jodhaltiger Desinfektionsnebenprodukte, sowie die Förderung horizontaler Übertragungen von Bakteriengenen unter der Belastung durch unterschiedliche Chlor-/Chloraminarten, was zur Verbreitung von Chlorresistenzgenen oder Antibiotikaresistenzgenen führen kann.

Durch die unbeabsichtigte Mischform von Chlor/Chloraminen könnten die oben genannten Probleme weit weniger kontrolliert und vorhersehbar werden, was zu zahlreichen gesundheitlichen Bedenken und wachsender Besorgnis führt. Einen Übersichtsartikel hierzu von 2023 gibt es hier:

Mixed chlorine/chloramines in disinfected water and drinking water distribution systems (DWDSs): A critical review

Alles zum Trinkwasser auf dem Hieronymus: https://hieronymus-online.de/?s=Trinkwasser

Wie deutsche Bauern das Finanzamt melken

Die Brüsseler Behörde hatte die Klage gegen die deutsche Umsatzsteuerpauschalierung in der Landwirtschaft am 10. Februar 2022 zurück gezogen, da der Satz der Pauschalierung jedes Jahr angepasst würde. Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Landwirte sich selber ihre eigenen Gülle verkaufen und daran gut verdienen. Aber ich weise darauf hin dass der Artikel unten 6 Jahre alt ist.

von Hannah Miriam Jaag am 12. August 2019

Am 25. Juli 2019 verklagte die EU Kommission Deutschland vor dem EU-Gerichtshof wegen Nichtanwendung der EU-Mehrwertsteuer-Regelung für Landwirte.

Nach den geltenden EU-Vorschriften können die Mitgliedstaaten eine Pauschalregelung anwenden, wonach die Landwirte ihren Kunden einen Pauschalbetrag („Pauschalausgleich“) auf ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Dienstleistungen in Rechnung stellen können. Die Regelung ist eigentlich für Landwirte gedacht, die bei der Anwendung der normalen Mehrwertsteuerregelung auf verwaltungstechnische Schwierigkeiten stoßen dürften.

Deutschland wendet die Pauschalregelung jedoch standardmäßig auf alle Landwirte an. Siehe Besteuerung: Kommission verklagt Deutschland vor dem EU-Gerichtshof wegen Nichtanwendung der EU-MwSt-Regelung für Landwirte

Hierzu kam in der taz am 11. August 2019 der Bericht:

Wie deutsche Bauern das Finanzamt melken

So berechnen Landwirte einen Preis von bis zu 14 Euro pro Tonne Gülle, obwohl auf dem Markt nur 3 Euro üblich sind. Die Biogasanlagen haben damit kein Problem, da ihre Betreiberfirma den Landwirten selbst gehört. Wegen des überhöhten Preises kassieren die Landwirte mehr Umsatzsteuer.

Im Groben zusammengefasst: Die Landwirte verkaufen sich selber zu überhöhten Preisen Gülle und kassieren dafür Umsatzsteuer.

Dies funktioniert über eine Pauschale, die das Finanzministerium festsetzt. Der Bauernverband liefert den Landwirten dann Steuerberater die wissen, wie man diese Pauschale anwendet.

Der Bundesrechnungshof vermutet, dass Landwirte im Jahr 200 Mio Euro mehr Umsatzsteuer einnehmen, als sie an den Staat weiterleiten.

Deutsche Landwirte bekommen also eine „Überkompensation“. Dies ist nach den EU-Vorschriften nicht zulässig und führt zu großen Wettbewerbsverzerrungen auf dem Binnenmarkt, insbesondere zugunsten großer Landwirte.

Dieses Geschäftsmodell fördert die Produktion von Gülle und belohnt industrielle Tierställe.

* Chronik von Hüfingen von August Vetter 1984

Flausbau – Bau von fassadenintegrierten Fledermauskästen


Lebensraum statt nur Fassade
Langfristige Quartierlösungen für Fledermäuse bei energetischen Gebäudesanierungen

Artenhilfsmaßnahmen für Fledermäuse im Rahmen energetischer Gebäudesanierungen – FLAUSBAU

Wer Heizkosten sparen und Treibhausemissionen reduzieren möchte, entscheidet sich häufig für eine energetische Haussanierung mittels Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Diese Maßnahme soll aber nicht zulasten von gebäudebewohnenden Fledermausarten gehen, die insbesondere in Altbauten geeignete Quartiere finden. Dafür startet der NABU Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) das Forschungsprojekt FLAUSBAU.

FLAUSBAU ist ein vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördertes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E Vorhaben), welches neue Quartierangebote für Fledermäuse bei Gebäudesanierungen schaffen soll.

Dabei entstehen Fledermauskästen, die als Modul in die WDVS integriert werden können. Diese Fledermauskastenmodule könnten nicht nur wegfallende Quartiere ersetzen, sondern auch langfristig das Quartierangebot steigern. Dafür werden Prototypen entwickelt und deren Annahme durch Fledermäuse wissenschaftlich erprobt. Im Anschluss erfolgt dann die Installation und Überwachung der praxisgeprüften/bewährten Module im Zuge der Sanierungsarbeiten.

Gesucht werden Teststandorte!

Wer bundesweit Sanierungsprojekte in den Jahren 2027/2028 mit Fledermausvorkommen kennt, die sich möglicherweise als Monitoring-Standorte eignen, kann sich gerne wenden an:

Flausbau (ät) NABU-RLP.de

Dämmerungs- Gegendämmerungsstrahlen

Liebe Bürgerpostleser,

am 26. Juni 2026 gab es ein phantastisches Himmelsphänomen. Ich glaube nicht, dass einer von uns so etwas schon gesehen hat:

Oder sollte ich mich täuschen? Dann freue ich mich auf eine Rückmeldung. Ein erstes Bild erhielt ich von Andrea Meyer aus Behla, aber die Qualität war leider zu schwach. Dann sah ich diese Bilder im Facebook. Dietmar Schweigler vom Randen hatte es eingestellt. Natürlich mit der Frage, was das ist. Ich konnte mit ihm Kontakt aufnehmen und Dietmar schickte mir die beiden Bilder und auch den selbst hergestellten Kartenausschnitt. Mit einer Veröffentlichung klärte er sich freundlicher Weise einverstanden. 

Ich war überfragt mit der Geschichte. In atmosphärischen Fragen ist Claudia Hinz vom Meteor e.V. meine Ansprechpartnerin. Sie schrieb: „Auf dem farbenprächtigen Bild sind Dämmerungs-, in der Fachsprache Crepuscularstrahlen zu sehen. Das sind Schatten entweder von entfernten Bergen oder, wie in unserem Fall, Wolken, die auf einer höher liegenden „Leinwand“ abgebildet werden“. Sehr schön sieht man dieses Phänomen auch auf meinen Bildern:

Jetzt geht’s um Bild 1. Und da kommt der Oberhammer. Diese Dämmerungsstrahlen können sich über den gesamten Himmel bis in den Gegendämmerungsbereich verlaufen. Deshalb werden sie Gegenstrahlen beziehungsweise Antikrepuskularstrahlen genannt. Und dieses relativ seltene Phänomen ist eindrucksvoll auf Bild 1 zu sehen. Man sieht übrigens auch den zunehmenden Mond rechts im Bild. Vielleicht muss man bewußt bei Dämmerungsstrahlen in die Gegenrichtung schauen, damit man sie wahrnehmen kann.

Etwas Interessantes ist erwähnenswert: Durch die Perspektive scheinen die Strahlen am Gegenpunkt der Sonne am Horizont wieder zusammenzulaufen – genau in die Richtung, in die das Foto aufgenommen wurde. In Wirklichkeit verlaufen sie nahezu parallel über viele Kilometer. Die scheinbare Zusammenlaufen ist derselbe perspektivische Effekt wie bei Eisenbahnschienen, die je weiter weg, umso näher sie sich kommen. Man kann es kaum nachvollziehen, aber jeder glaubt das mit den Eisenbahnschienen, oder? Das ist der zweite Oberhammer.

Die Karte zeigt, dass dass Bild 2 gegen die Sonne aufgenommen wurde und Bild 1 genau gegenüber. 

Herzlichen Dank an Dietmar Schweigler vom Randen für die Überlassung der Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ausflugstipp: Von Mundelfingen entlang des Aubächles zur Scheffellinde

Manchmal entstehen die schönsten Spaziergänge aus einem kleinen Widerspruch. Im Sommer 2021 machte ich mich auf den Weg, um das Aubächle von Mundelfingen bis zu seiner Mündung in die Wutach zu begleiten. Ausgelöst wurde die Wanderung durch die immer wiederholte Bezeichnung Hüfingens als „Donauquelland“. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass ein Teil der Gemarkung über die Wutach und den Rhein zur Nordsee entwässert. Entstanden ist eine Entdeckungstour entlang eines fast unbekannten Baches – mit einem eindrucksvollen Gedenkstein, einem Wasserfall und einer der schönsten Mundarten der Baar.

Ausflugstipp: Folgt dem Aubächle bis zur Wutach und wandert von dort weiter zur Scheffellinde bei Achdorf. Die schmale, teils steile Schlucht mit ihrem rauschenden Bach gehört zu den stillen Schönheiten der Region. Während sich im Sommer viele Besucher durch die Wutach- oder Gauchachschlucht bewegen, genießt man hier die Natur meist ganz für sich allein.

Postkarte von 1903

Das Aubächle

1. Version war am 13. August 2021

    Eingang zur Schlucht am Jokobsweg

    Am Eingang der Schlucht erinnert ein Gedenkstein an ein tragisches Unglück und mahnt zugleich: Dieser Weg ist nichts für Ungeübte oder ungeeignetes Schuhwerk.

    Vielen Dank an Arnold Merz für das Audio!

    Schieler sind sie gsi und
    guet enand wie Brieder
    mit dem Traktor sind
    sie i die Diefi gschdirzt
    beid hond im Wasserfall
    Gumpe
    erren so früehne Dod
    gfunde
    Roland Feger 1972 – 1988
    Michael Seng 1972 – 1988

    Der Wasserfall am Eingang der Schlucht
    Collage von 7 Fotos aus der Schlucht mit Pilzen und Natur
    Aubächle am 13. August 2021
    Tümpel in der Schlucht
    meine Füße im Schlamm
    Zora am Bach
    Collage von 8 Fotos bei Aselfingen mit Aubächle
    Aslefingen 13. August 2021

    Und zum Abschluss kommt der ultimative Beweis:
    Das Aubächle fließt hinter der St.-Otmar-Kirche in Aselfingen in die Wutach!

    Zufluss Aubach in die Wutach


    Spaziergang an der Gauchach mit Marisa Schwenninger

    Ich möchte hier an die wunderschöne Natur von Mundelfingen erinnern und war wir schützen sollten.

    Der Waldspaziergang mit der Försterin und Waldpädagogin Marisa Schwenninger war am 30.06.2023.




    Damit es nicht so lange lädt, habe ich die Bilder vom Ton getrennt.


    Köcherfliegenlarve (Trichoptera) von Dr. Rankenstein (Wikimedia)

    Lungenflechte
    Lungenflechte
    Schachtelhalm
    Schachtelhalm
    „Käferholz“
    Wachsende Wasserfälle und die Deichel
    Deichel

    Und zum Schluß dürfen natürlich die Schnecken nicht fehlen!

    Strauchschnecke

    Schwarzer Schnegel und Schließmundschnecke
    Haarschnecke
    Haarschnecke und Schließmundschnecke

    Vielen Dank an Marisa Schwenninger und Maren Ott für den schönen Spaziergang!

    Die Burgmühle hat den ganzen Sommer geöffnet:

    Der Hüfinger Frauenverband

    Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen!
    Worte können unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern
    .

    Erste Version war am 15.01.2020

    Paul Revellio
    Bürgermeister Joseph Hug von 1840-1848

    Paul Revellio hat beschrieben wie am 10. April 1848 Friedrich Hecker von Konstanz aus die in Hüfinger Wirtshäusern versammelten Bauern, Tagelöhner und Handwerker aufgerufen hat, sich bewaffnet den Donaueschingern anzuschliessen:

    Dezember 1848 Carl Revellio, Bürgermeister Joseph Hug und Sägewerksbesitzer Wilhelm Steiner gründen mit einer Art Rütlischwur den bald 114 Mitglieder umfassenden und stets im Ratssaal tagenden Volksverein. *3

    Die Ackerbürgerschaft ging also in der bewegenden und bewegten Zeit auf die Barrikaden und machte 1848/49 Revolution über ihre Wehrausschüsse und über den Volksverein, unter dessen 114 Mitgliedern in Hüfingen keine Frau war. *1

    Ähnliche Erfahrungen veranlaßte Louise Otto, eine Zeitung herauszugeben.

    Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848*4

    Im April 1849 gründete Louise Otte eine Frauenzeitschrift unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb‘ ich Bürgerinnen„.

    Frauen, die die langwierigen Debatten über die „Grundrechte des deutschen Volkes“ und das „Reichswahlgesetz“ in der Frankfurter Nationalversammlung verfolgt hatten, mußten enttäuscht feststellen:

    „... aber sie denken bei all‘ ihren endlichen Bestrebungen nur an eine Hälfte des Menschengeschlechts – nur an die Männer. Wo sie das Volk meinen, da zählen die Frauen nicht mit.“ (Frauen-Zeitung 1/1849) *4

    Im Programm der ersten Nummer schrieb Louise Otto:

    die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt, daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen.“ (Frauen-Zeitung 1/1849)

    Gegen zunehmenden reaktionären Druck, aber getragen von der Zustimmung ihrer Leserinnen und der wachsenden Zahl gleichgesinnter, vorwiegend weiblicher Mitarbeiter, schaffte sie es, von April 1849 bis Dezember 1850 wöchentlich eine Nummer herauszugeben. Auf acht Seiten waren darin neben Noveletten und Gedichten mit sozialkritischer Tendenz, neben Nachrichten und Kommentaren zum Zeitgeschehen und Korrespondenzen aus vielen Städten des Deutschen Bundes Abhandlungen zu frauenspezifischen, kulturellen und religiösen Fragen zu lesen, sowie in der Rubrik ,Blick in die Runde‘ Verschiedenes aus dem Alltag der Frauen.*4

    Die Teilnahme der Frauen an der Revolution aber beschränkte sich nicht auf Worte und Beteuerungen oder fürsorgende Hilfsdienste: „Da ist es nicht getan mit Charpie-Zupfen, Verwundete pflegen, Kleidernähen und Kochen für das Heer“ (Frauen Zeitung 14/1849). Die Frauen blieben nicht länger Zuschauer, die um die Helden der Revolution trauerten und ihre Toten beweinen durften. Sie legten selbst Hand an. Wir erfahren, dass Frauen auf den Barrikaden Dresdens gekämpft, dass sie die Festungen Rastatts, jenen letzten vergeblichen Kampfplatz zwischen Revolutionstruppen und preußischem Militär, mit ihren Männern gemeinsam verteidigt haben.*4 (Charpie ist ein Wundverband aus aus weich gezupften Fäden von Leinenstoffen)

    Wenn die Geschichte dieser Tage einst mit historischer Treue geschrieben wird, dann werden die ‚Frauen Rastatts“ einen ehrenvollen Platz in ihr einnehmen.“ (Frauen-Zeitung 24/1850)

    Die Geschichte wird auch heute nicht immer mit jener „historischen Treue“ geschrieben, die Louise Otto bereits 1850 einforderte. Frauen erscheinen in vielen historischen Darstellungen nach wie vor seltener als Männer – nicht, weil sie keine Rolle gespielt hätten, sondern weil ihre Beiträge häufig übersehen oder nicht dokumentiert wurden.

    Auch in der regionalen Geschichtsschreibung zeigt sich dieses Muster. Veröffentlichungen des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar oder des Almanachs Schwarzwald-Baar widmen sich überwiegend den Männern. Frauen treten meist nur am Rande in Erscheinung oder bleiben ganz unerwähnt.

    Bereits 1982 schrieb die Historikerin Ute Gerhard, das Geschichtsbild werde „erst neuerdings […] in wesentlichen Zügen korrigiert“. Mehr als vier Jahrzehnte später ist diese Korrektur vielerorts noch immer ausgeblieben. Auch im 21. Jahrhundert werden Frauen in der historischen Überlieferung häufig ausgeklammert – und mit ihnen ein bedeutender Teil der lokalen Geschichte.

    Wer die Geschichte der Frauen nicht erzählt, erzählt die Geschichte einer Gesellschaft nur zur Hälfte.

    Der Hüfinger Frauenverein

    Überraschend ist die große Zahl der Frauenvereine um 1848, die aufgrund der neuen Quellen aus dem „Dunkel der Geschichte“ aufgetaucht sind. Durch die mehrfachen Aufrufe in der Frauen-Zeitung zur Gründung von Frauenvereinen, insbesondere das Angebot der Redaktion, „den Vereinen als Organ zu dienen“ und ihre Angelegenheiten zu besprechen (Frauen-Zeitung 11/1850), wurde eine große Zahl von Frauen-Zusammenschlüssen bekannt.*4

    So pathetisch im Stil der Zeit war die Redeweise der Breslauerin nicht, die von einem „festen und schönen Band“ der Frauenvereine träumte, das wie ein „diamantener Gürtel das ganze Vaterland umgeben soll“ (Frauen-Zeitung 9/1850).

    Neu an den Vereinigungen von 1848 war ihre politische Zielsetzung, die schon in ihrer Bezeichnung als „demokratische Frauenvereine“ zum Ausdruck kommt, aber nicht in allen Zusammenschlüssen der Frauen mit gleicher Intensität verfolgt wurde. Der Schritt zur Vereinsgründung ist sicherlich nicht ohne den allgemeinen Zug der Zeit zum Vereinswesen als Vorstufe politischer Parteiungen zu verstehen. Dennoch war eine derartige Initiative für Frauen in der männlichen Öffentlichkeit in jedem Fall ein persönliches Wagnis, das Mut und Organisationstalent erforderte.*4

    Georgine, die sich in der Frauen-Zeitung wiederholt für die Gründung von Vereinen, insbesondere für die Assoziation der Arbeiterinnen einsetzte, schrieb:

    lassen wir uns aber durch das Geschrei der am ,alt Hergebrachten‘ festhängenden Menge über Emanzipation nicht irre machen, verlieren wir den Mut nicht, wenn man uns lächerlich zu machen sucht, sondern legen wir kräftig Hand an, um die veralteten Schranken niederzureißen…. Viele werden mir entgegenhalten, daß es in diesen unruhigen Tagen nicht an der Zeit sei, solche Neuerungen und Reformen zu beginnen, doch ich halte die Jetztzeit gerade für die passendste, weil die Not der Arbeiterinnen jetzt einen so hohen Grad erreicht hat, daß Zögerung Sünde wäre …“ (Frauen-Zeitung 11/1849).

    Motiv für die Vereinsgründungen war für die einen die soziale Not, für andere eine politische Erfahrung, für die es in dieser Zeit nicht an Gelegenheiten mangelte. Wie die vielen Solidaritätsadressen und Teilnahmebriefe an Eugenie Blum belegen, muss die Hinrichtung Robert Blums, des linken Demokraten und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, im Oktober 1848 in Wien für viele Frauen wie ein Signal gewirkt haben. Das Schicksal der Witwe des Freiheitskämpfers bot Identifikationsmöglichkeiten, die zur Teilnahme und Mitwirkung drängten.*4

    Obgleich diese Frauenvereine auf den ersten Blick wie traditionelle Wohltätigkeitsvereine wirkten und mit zunehmender Behinderung durch die Reaktion zur Tarnung so wirken wollten, war ihre Zielsetzung doch eine politische, ja, ihre Mitglieder verwahrten sich ausdrücklich gegen die Festlegung der Frauenaktivitäten auf die „den Menschen niederdrückende Wohltätigkeit“ (Frauen-Zeitung 10/1849) oder das „Wohltätigkeitsprinzip“ (Frauen-Zeitung 10/1850). Sie nahmen mit ihrer praktischen Hilfe Partei zunächst für die Aufständischen – sie nannten sie „Freiheitskämpfer“ oder „Vaterlandsfreunde*4

    Vor diesem Hintergrund ist auch die Gründung des Hüfinger Frauenvereins im Jahr 1849 zu sehen. Er entstand in einer Zeit, in der sich überall in Deutschland Frauen zusammenschlossen, um sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Die Gründung eines Frauenvereins war damals keineswegs selbstverständlich. Sie erforderte Mut und den Willen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft neu zu denken.

    Über den Hüfinger Frauenverein selbst ist heute jedoch nur wenig bekannt. Fest steht, dass er 1849 gegründet wurde und rund 130 Mitglieder zählte – mehr als der Hüfinger Volksverein. Allein diese Zahl zeigt, dass der Verein in Hüfingen keine Randerscheinung war, sondern auf eine breite Unterstützung stieß.

    Über seine konkrete Tätigkeit haben sich bislang fast keine Unterlagen erhalten. Im Stadtarchiv finden sich heute keine Hinweise mehr auf einen Frauenverein. Ob entsprechende Dokumente nie dauerhaft aufbewahrt wurden, später verloren gingen oder bewusst beseitigt wurden, lässt sich heute nicht mehr klären. Da in anderen historischen Quellen nachweislich Seiten aus Archivbänden entfernt wurden, kann auch eine spätere Vernichtung einzelner Hinweise nicht ausgeschlossen werden. Belegen lässt sich dies jedoch derzeit nicht.

    Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Frauenvereine der Revolution von 1848/49. Sie zeigen das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem auch der Hüfinger Frauenverein entstand. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, welche Ideen und Ziele seine Gründerinnen bewegt haben könnten.

    Die folgenden Lithografien zeigen junge Hüfingerinnen aus der Zeit um die Gründung des Frauenvereins. Ob sie dem Verein angehörten, ist nicht überliefert.
    Hüfingen zählte 1834 insgesamt 1.466 Einwohner (Gemeindelexikon des Großherzogtums Baden). Der Frauenverein hatte rund 130 Mitglieder. Damit gehörte ihm nahezu jeder zehnte Einwohner Hüfingens an. Bezogen auf die Zahl der erwachsenen Frauen dürfte der Anteil der Vereinsmitglieder sogar deutlich höher gewesen sein.

    Josefa Elsässer (1823-1900)
    Elisabeth Reich
    (1819-1871)
    Katharina Nober
    (1805-1871)

    Durch mehrere Berichte im Donaueschinger Wochenblatt gibt es einige Hinweise auf das Treiben des Vereins.


    Hüfingen, 13. Juni.
    Eine ziemliche Anzahl hiesiger Frauen und Jungfrauen hat sich vereinigt, die hiesige Wehrmannschaft teils durch Geldbeiträge, teils durch Fertigung und Anschaffung der zum Felddienste erforderlichen Bedürfnisse nach Kräften zu unterstützen.

    Zu demselben Zwecke wurden deshalb von jenen folgende Gegenstände und Geldbeträge bereits geliefert:

    Kleidungsstücke und Weißzeug.
    1 Schlafrock, 1 gestrickter Kittel,
    80 Hemden, 19 Leintücher, 36 Handtüchlein, 18 paar Unterhosen, 72 paar Socken.
    Verbandsgegenstände.
    138 Verbandtüchlein, 146 Binden, 12 Säckchen, 1 Korb voll Charpie.
    Ferner: 1 Couverte.
    An barem Gelde 31 fl. 40 kir.
    An das Finanzministerium wurden schon früher eingesandt 61 f. 36 kt.
    zusammen 93 fl. 16 kr.

    Indem man dieses hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringt, wird den edlen Spenderinnen zugleich der Dank ausgedrückt für ihre wohltätige Unterstützung und warme Teilnahme am Kampfe für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes.

    Der Civilkommissär Häfelin

    Donaueschinger Wochenblatt 13. Juni 1849


    Der Bericht vermittelt einen Einblick in die Arbeit des Hüfinger Frauenvereins. Die Frauen organisierten nicht nur Kleidung, Verbandsmaterial und Geldspenden in beachtlichem Umfang. Der öffentliche Dank des Civilkommissärs macht zugleich deutlich, dass ihr Engagement als Unterstützung des Kampfes „für die Sache und Freiheit des Volkes und des Vaterlandes“ verstanden wurde.

    *Fotos aus „American Dreams“ im Haus der Geschichte Stuttgart, Dezember 2023


    Friederich Hecker’s Abschied in Strasbourg auf seiner Reise nach Amerika. Setzt Eure Hoffnung nicht auf mich allein, einen sterblichen Mann, sondern auf Eurer gutes Recht und Euren eigenen Muth, auch ich verzweifle nicht an dem Gelingen der gorssen Volkssache, ungeachtet ich Vaterland, Frau und Kinder verlassen muss, ungeachtet mir mein mühsam erworbenes Gut genommen, und die Fürstenknechte mit ihrem aussaugenden Gefolge mich noch täglich vor der Welt mit Schmähungen übergiessen – nie ist eine große Sache ohne Opfer errungen worden!


    Friedrich Hecker’s Ankunft in Nord-Amerika. Nach 14 tägiger Seereise betrat der edle Republikaner mit seinem Freunde Schöninger den freien Boden Nord Amerikas. Dort wurde ihm von seinen unzähligen Freunden ein Empfang bereitet, wie wenige gekrönte Häupter dessen sich rühmen können. Durch die oberste Behörde persönlich bewillkomt, wurde er Ehrengast der gesamten Freistaaten. Dort wird er freiere Staalseinrichtungen beobachten, und einst in sein bedrängtes Vaterland zuruckgekehrt, verwirklichen, was von so vielen als unerreichbar dargestellt wird.

    Kaum ein Dokument vermittelt den Geist des Jahres 1849 eindrucksvoller als das Gedicht unten. Es zeigt, mit welcher Selbstverständlichkeit Frauen damals zum gemeinsamen Handeln aufgerufen wurden. Nicht als stille Helferinnen im Hintergrund, sondern als Teil einer Bewegung, die für Freiheit, Demokratie und gesellschaftliche Veränderung eintrat:


    Der Frauen- und Jungfrauen-Verein.

    Das teure Vaterland ist in Gefahr,
    So rüstet euch, ihr edle Nationen,
    Bewaffne dich, du treue Männerschaar,
    Es gilt die stolzen Fürsten zu entthronen,
    Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
    Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

    So ruft das edle Volk von Ost bis West,
    So ruft es selbst in Nordens düstern Gauen;
    Drum mutig auf was Gott am Leben läßt,
    Die Tyrannei soll eure Wunder schauen:
    Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
    Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

    In Ungarn wo der Söldnerkampf erbraust,
    Dort seht ihr umgestürzte Trümmer rauchen;
    Mit Zorn geballt ist jede Mannes-Faust,
    Das Flammenschwert in Fürstenblut zu tauchen:
    Es gilt gerechtem Völkerkrieg,
    Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

    So schleudern höhnend die Tyrannen jetzt,
    Des Blitzes Glut in unserm deutschen Lande
    Eidbrüchige! ihr habt den Schwur verletzt,
    Habt aufgelöst der Gesellschaft Bande:
    Drum gilt’s gerechtem Völkerkrieg,
    Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

    Es stehen selbst des Volkes Frauen ein,
    Die friedlich sonst im eignen Hause wohnen,
    Und bilden einen Tätigkeits-Verein,
    Zur Unterstützung deutscher Legionen:
    Ja, gilt es doch dem Völkerkrieg,
    Der goldnen Freiheit ihren Sieg!

    Jungfrauen, Frauen, kommt und schaaret euch!
    Besorget, spendet eure Kampfesgaben!
    Die allgemeine Not macht alle gleich,
    Und Alle werden sich am Siege laben:
    Drum „Vorwärts,“ Gut und Blut dem Krieg,
    Um jeden Preis der Freiheit Sieg!

    Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849


    Nur zwei Wochen später veröffentlichte der Hüfinger Frauen- und Jungfrauenverein einen weiteren Bericht im Donaueschinger Wochenblatt. Daraus geht hervor, dass der Verein inzwischen 130 Mitglieder zählte. Zugleich werden erstmals die Namen der beiden Vereinsvorstände genannt: Karoline Höfler als Vorsteherin und Elisabetha Gilli als Schriftführerin.

    Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl der Mitglieder als das Selbstverständnis des Vereins. Im Mittelpunkt stehen Einigkeit, gemeinsames Handeln und die Unterstützung der „guten Sache“. Der Text vermittelt das Bild einer gut organisierten Gemeinschaft von Frauen, die sich ihrer Verantwortung bewusst war und ihren Beitrag zu den politischen Ereignissen des Jahres 1849 leisten wollte:


    Epitaph auf dem Hüfinger Friedhof.

    Der Frauen und Jungfrauen Verein dahier zählt nun 130 Mitglieder, die alle gern und willig bereit sind, dem Zwecke des Vereins zu dienen, und daher freudig ihre Gaben auf den Altar des Vaterlandes niederlegen. Damit aber der Verein glücklich bestehe und gedeihe ist nötig, daß unter den Mitgliedern stets Einigkeit sei und bleibe. Daß diese sowohl von den gegenwärtigen als auch von den allenfalls noch beitretenden Mitgliedern gepflegt werde, steht zu erwarten, da alle vom Geiste der Eintracht und Liebe beseelt sind, womit sie an der guten Sache Anteil nehmen und Unterstützung da gewähren wollen, wo es notwendig ist.

    Hüfingen, den 27. Juni 1849.
    Die Vorsteherin: Karoline Höfler.
    Die Schriftführerin: Elisabetha Gilli.

    Donaueschinger Wochenblatt Juni 1849


    Elisabetha Gilly geboren am 16.05.1825 und verheiratet am 08.01.1852 mit Markus Frey aus Hausen vor Wald, Gastwirt zum Löwen.

    Karoline Höfler. Geboren als Karoline Aberle um 1817. Eltern Andreas Aberle und Magdalena Eytenbenz aus Möhringen. Wirtin vom Gasthaus Löwen. Ihr Mann Michael Höfler stirbt 1842 mit nur 29 Jahren.

    Elisabetha Gilly war die Tochter von Josef Gilly aus Hondingen und Agatha Wagner. Sie wurde nach ihrer Großmutter Elisabetha Martin benannt.

    Der Löwenwirt hieß „Leuenbaschi„. Aus dem Denkbuch von Lucian Reich:

    …und an hohen Festtagen spielte er in der Kirche die Orgel, und der „Leuenbaschi” (Löwenwirt) sagte dann: „I ha’s bim erschte Griff scho gmerkt, daß es nit de Prezepter Thäddä ischt!” Dieser, der pensionierte Präzeptor Thaddäus Bader, war nämlich stets noch Organist.

    Denkbuch von Lucian Reich 1896

    Foto von Wikimedia von einem Frauenverein um 1900

    Mit Karoline Höfler und Elisabetha Gilly erhalten die wenigen überlieferten Nachrichten über den Hüfinger Frauenverein ein Gesicht. Hinter den Namen stehen zwei Frauen aus der Mitte der Hüfinger Bürgerschaft, deren Engagement heute nur noch durch wenige Zeitungsberichte und Einträge im Sippenbuch nachvollziehbar ist.

    Bemerkenswert ist, dass sich ihre Lebenswege mit dem Gasthaus „Löwen“ verbinden. Karoline Höfler führte das Gasthaus nach dem frühen Tod ihres Mannes als Wirtin weiter. Elisabetha Gilly heiratete später den Löwenwirt Markus Frey. So wurde ausgerechnet der „Leuenbaschi“, den Lucian Reich in seinem Denkbuch mit einer Anekdote verewigte, zu einem kleinen Bindeglied in der Geschichte des Hüfinger Frauenvereins.

    Die Fahne vom Hüfinger Frauenverband

    Die Gründung des Vereins wurde schon wenige Tage später durch eine öffentliche Fahnenweihe sichtbar:


    Hüfingen, 27. Juni.
    Es ist wahrhaft erfreulich, wenn man wahrnimmt, wie hiesige Frauen und Jungfrauen in bedeutender Anzahl sich gleichsam wetteifernd bestreben, beim gegenwärtigen deutschen Freiheitskampfe unterstützend mitzuwirken, so viel sie nur immer vermögen. Dies beweist, wie sehr sie erkennen, was dem Volke und Vaterlande not tut, und was der Geist der Zeit fordert.

    Dieselben haben darum einen Verein gebildet, wohlwissend, daß das Wirken für eine edle Sache nur durch vereinigte Kraft mit segenbringendem Erfolge gekrönt sein kann. Diesem Vereine haben sie daher Festigkeit verliehen durch angemessene Statuten, welche am 18. d. M. festgesetzt wurden, an welchem Tage sonach der Frauen- und Jungfrauen-Verein daselbst seine förmliche Konstituierung erhielt.

    Der Zweck desselben ist zunächst die Teilnahme an den allgemeinen Freiheitsbestrebungen, die Unterstützung der hiesigen Wehrmannschaft und solcher hiesiger Personen, welche im Dienste der Freiheit unglücklich werden. Zur Erreichung dieses Zweckes werden alle 14 Tage von den Mitgliedern Geldbeiträge in die Vereinskasse entrichtet, die jedoch nicht festgesetzt, sondern dem Ermessen eines jeden Mitgliedes anheim gestellt sind. Auch werden Kleidungsstücke und zum Feld- und Wehrdienste erforderliche Bedürfnisse herbeigeschafft. Über schon früher eingegangene Beiträge und angeschaffte Gegenstände wurde schon am 13. d. M. vom Civil-Kommissär daher in diesem Blatte berichtet.

    Es wurde nun noch von den Frauen und Jungfrauen eine neue, äußerst geschmackvolle und sinnreiche Fahne angeschafft und gefertigt. Am 20. d. M. fand die feierliche Übergabe derselben an das Bataillon des ersten Aufgebots des diesseitigen Bezirkes auf dem quadratförmigen, freien Platze bei der Kirche dahier statt: die Frauen und Jungfrauen des Vereins bildeten vom Rathause aus, wo sie sich gesammelt hatten, in festlicher Kleidung mit dreifarbigen Bändern und Schärpen geschmückt, einen Zug. Demselben voran gingen drei hierfür erwählte Jungfrauen, von denen eine derselben die zu übergebende Fahne trug, die dann, nachdem der Zug auf dem dem genannten Platze angekommen war, die Fahne nach gehaltener Rede dem Bataillons-Komandanten überreichte.

    In dieser Rede wurde besonders herorgehoben, daß auch das weibliche Geschlecht beim Kampfe für die Rechte und Freiheiten des Volkes nicht gleichgültig zusehe, sondern bereit sei, sich nach der ihm dargebotenen Möglichkeit daran zu beteiligen. Unter Anderm enthielt die Rede auch den Wunsch, daß, wie einst unsere tapfern und heldenmütigen Vorfahrer unter der deutschen Fahne das unerträgliche Joch der römischen Zwingherrschaft brachen, auch diese Fahne sich entfalten möge im heiligen Kampfe gegen unsere deutschen Freiheitsunterdrücker, und daß sie, vereint mit andern wackern Streitern, mit Gott zum Siege für Volk und Vaterland führen möge, auf daß endlich Freiheit, Wohlstand und Bildung sich über Alle erstrecke.

    In geeigneter Weise erwiderte auch der Bataillons-Kommandant und endete mit einem Hoch auf die Frauen und Jungfrauen des Vereins. Am Nachmittage desselben Tages marschierte dann das mutige und staatliche Bataillon nach Geisingen und Möhringen, wo es bis heute harrt, um nach dem wirklichen Kampfplatze zu ziehen, wo unsere badischen Brüder schon kämpfen gegen hessische, mecklenburgische, nassauische und preußische Söldner, die noch so verblendet sind, daß sie sich mißbrauchen lassen für die Unterdrückung des Bürgers. Hoffentlich werden auch diese noch zur Einsicht gelangen, daß sie im Fürstenheere nur für ihre eigene Knechtung und Unterjochung die Waffen führen.

    Vincenz Rombach im Donaueschinger Wochenblatt am 27. Juni 1849


    Die von den Hüfinger Frauen gestiftete und gefertigte Fahne begleitete das Hüfinger Aufgebot in den letzten Wochen der Badischen Revolution. Als sich Sigels Volksarmee Anfang Juli 1849 über den Schwarzwald in Richtung Schweizer Grenze zurückziehen musste, verliert sich zunächst ihre Spur:

    Die Hüfinger „Wehrmanschaft“ schloß sich am 7. Juli 1849 Sigels Volksarmee an, als diese durch Hüfingen marschierte. Hier, so berichtete Lucian Reich als Augenzeuge, „sah man noch einmal sämtliche Artillerie im Schloßhof aufgestellt . Um Mitternacht bei magischem Vollmondschein machte die ganze Retirade noch einen kurzen Halt in den Gassen. Dann ging es weiter der Schweizer Grenze zu nach Stühlingen. Unterwegs verbrannte man noch die gedeckte hölzerne Wutachbrücke in Grimmelshofen“. Die vom Frauenverein angefertigte Fahne wurde allem Anschein nach bei Grimmelshofen verloren. So schreibt der „Verweser“ Gilly dem Ortsvorsteher von Grimmelshofen einen Brief mit der Bitte sich nach der Fahne zu erkundigen. Der Ortsvorsteher schrieb zurück, dass keine Fahne zurückgeblieben sei. (3)

    Aus dem Schriftwechsel geht hervor, dass der Verweser Gilly beim Ortsvorsteher von Grimmelshofen nach der Fahne nachfragen ließ. Dort war sie jedoch nicht zurückgeblieben.

    Erst Jahrzehnte später findet sich ein weiterer Hinweis von Hugo Alfred Curta der 1935 über seinen Großvater Franz Joseph Curta berichtet.


    Vielen Dank an Tobias Korta für die Überlassung des für Hüfingen relevanten Artikels aus dem Staatsarchiv Freiburg mit dem Titel: Materialsammlung zur Familie Curta in Freiburg / 1933-1934 / T1 (Zugang 1992/0346).

    Geschlecht Curta von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 Auszug aus dem Bericht
    Von Apotheker Hugo Alfred Curta in Berlin am 15. November 1935 über seinen Großvater.

    Über Franz Joseph Curta (*10. Februar 1801 in Hüfingen – 1861 in Donaueschingen) wird berichtet dass er teilweise die Revolution von 1848 als Fahnenträger mit gemacht hatte und die von den Hüfinger Frauen gestickte Fahne trug. Er rettete sie beim Rückzug indem er das vom Stock entfernte Tuch um den Leib wickelte.

    Ob die Fahne die Wirren der Revolution überstand und irgendwo erhalten blieb oder später verloren ging, ist bis heute nicht bekannt.

    Der Frauenverein von Hüfingen im 20. Jahrhundert

    Mit dem Jahresbegin 1850 begann die Repression: „Das Verbot der Versammlungen des Frauen-Vereins für hilfsbedürftige Familien ist bereits keine Neuigkeit mehr, über die ich zu berichten hätte. Man geht jetzt so weit, nicht nur Vereine, sondern auch einzelne Personen zu überwachen und sie für alles, was sie reden und tun, verantwortlich zu machen…“ (Frauen-Zeitung 17/1850)….Selbst Konzerte „zum Besten der hilfsbedürftigen Familien“ wurden von der Polizeibehörde untersagt (Frauen-Zeitung 40/1850).*4

    Ein wichtiges Prinzip sowohl der demokratischen wie der Bildungsvereine jener Zeit war im Gegensatz zu vielen Vereinsgründungen nach der Mitte der 60er Jahre ihre demokratische Verfassung und das Selbstvertretungsrecht der Frauen.

    Vor allem anderen aber verfolgten die Frauenvereine das Ziel, die Frauen „in größerer Selbständigkeit und Selbstachtung zuüben“ (Frauen-Zeitung 27/1850). Die Zweckmäßigkeit einer gesonderten, autonomen Vereinigung für Frauen bei grundsätzlich gleichen politischen Zielen mit der demokratischen Opposition wurde also reflektiert. Die Frauen kamen zu dem Schluss, dass da, wo ihre Interessen mit denen der Männer nicht identisch sind, sie sich untereinander assoziieren müßten (Frauen-Zeitung 4/1849); auch sie machten bereits die bittere Erfahrung, daß die „Linken“ die Frauen nicht unbedingt unterstützten (Frauen-Zeitung 5/ 1850).*4

    Die Frauenvereine ereilte das Schicksal aller Arbeiterassoziationen und -vereine, sie wurden mit gleicher Härte verfolgt. Seit der Mitte des Jahres 1850 wurden sie aufgelöst, zunehmenden Repressalien ausgesetzt durch Haussuchungen, Beschlagnahmungen der Vereinskassen, Verhaftungen der Vorstände und schließlich ganz verboten (Frauen-Zeitung 17, 22, 30, 40/1850) usw.). Als die ersten Versammlungen in Gegenwart von Polizisten stattfanden, lästerten die Frauen noch: „Die bewaffnete Macht wird sich doch unmöglich vor den Frauen fürchten?“ (Frauen-Zeitung 13/1850).*4

    Die in nahezu allen Bundesstaaten nach 1850 erlassenen Vereinsgesetze verboten „Frauenspersonen“ und Minderjährigen nicht nur die Mitgliedschaft in politischen Vereinen, sondern sogar den Besuch politischer Versammlungen. Insbesondere die Vereinsgesetze, die mehr als ein halbes Jahrhundert gültig waren (in Preußen bis 1908), nahmen den Frauen alle öffentlichen Rechte und Einwirkungsmöglichkeiten und trugen wesentlich dazu bei, die ersten Anfänge einer deutschen Frauenbewegung zu zerstören. Die scharfe staatliche Repression gegen die Vereinigung von Frauen und Organisation von Fraueninteressen liefert jedoch nicht zuletzt einen Beleg für die politische Bedeutung der deutschen Frauenbewegung um 1848.*4

    Mit der Niederschlagung der Badischen Revolution endete auch die erste deutsche Frauenbewegung. Frauenvereine wurden überwacht, ihre Versammlungen verboten, Vorstände verfolgt und schließlich politische Vereinigungen von Frauen durch die Vereinsgesetze vieler deutscher Staaten für Jahrzehnte unmöglich gemacht.

    Brandkatastrophe in Donaueschingen am 5. August 1908.
    Hier spendete der Frauenverein den Geschädigten 30 Mark.

    Umso bemerkenswerter ist ein späterer Nachweis aus Hüfingen. Im Jahr 1908 spendete der Frauenverein 30 Mark für die Geschädigten der verheerenden Brandkatastrophe in Donaueschingen*2. Damit ist belegt, dass es in Hüfingen auch Jahrzehnte nach der Revolution noch einen Frauenverein gab.

    Auch in der Festschrift von 1914 vom Gausängertag von 1914 wird der Hüfinger Frauenverein im Zusammenhang mit dem Krieg von 1870 erwähnt. Ob es sich dabei um eine unmittelbare Fortführung des 1849 gegründeten Vereins handelt oder um eine spätere Neugründung, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen.

    Fest steht jedoch, dass der Hüfinger Frauenverein bereits 1849 bestand – zu einer Zeit, als organisierte politische Frauenvereine noch eine Ausnahme waren. Erst mit dem Badischen Frauenverein entstand ab 1859 wieder eine dauerhaft organisierte Frauenbewegung im Großherzogtum Baden.

    (1) Begegnungen mit dem 925-jährigen Hüfingen, Hugo Siefert, Schriften der Baar Bd 52 ab Seite 17, (2009)

    (2) Hüfingen 1083-2008 Beschreibung einer Stadt im 925. Jubiläumsjahr. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 9, Hugo Siefert (2009).

    (3) Hüfingen und die Badische Revolution. Von Biedermännern und Heckerhüten. Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen, Band 3, Beatrice Scherzer (1998).

    (4) Über die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848. Von Ute Gerhard in Frauen suchen ihre Geschichte (1982)

    Skulptur in Donaueschingen am Bahnhof

    Hüfinger Frauenverband im Schwarzwälder Hausschatz 2025

    Unterstützung für die republikanischen Rebellen 1848/1849

    Teile vom Artikel unten erschienen im Schwarzwälder Hausschatz 2025
    zusammen mit dem großen
    Franz Filipp sel.A.

    Den Hausschatz gibt es beim

    Heute wäre Eva von Lintig 95 Jahre alt geworden – Hüfingens einzige Ehrenbürgerin.

    Unvergessen.

    Heute wäre die Hüfinger Ehrenbürgerin, Gründerin des Stadtmuseums und langjährige Stadträtin Eva von Lintig 95 Jahre alt geworden.

    Sie stammte aus einer Familie, in der Naturschutz gelebt wurde. Als Tochter von Dr. Erwin Sumser und später als Ehefrau von Dr. Harm von Lintig standen ihr sicherlich Türen offen, die anderen Frauen ihrer Generation oft verschlossen blieben. Doch hindurchgehen musste sie selbst. Was sie daraus machte, war ihre eigene Leistung.

    Sie hat uns gezeigt, was selbst in Hüfingen möglich ist, wenn jemand eine Idee, Beharrlichkeit und den Mut hat, für seine Überzeugungen einzustehen. Geschichte und Naturschutz waren für sie keine Schlagworte – sie hat beides gelebt: leise, glaubwürdig und mit einer Beharrlichkeit, die so manchen zum Umdenken brachte.

    Zu ihrem 90. Geburtstag erzählte sie mir mit einem verschmitzten Lächeln, sie habe die Männer im Gemeinderat immer „ein bisschen vor sich hergetrieben“. Das war typisch Eva von Lintig: freundlich, klug, streitbar und mit feinem Humor.

    Menschen wie sie hinterlassen mehr als Erinnerungen. Sie hinterlassen Spuren – in einer Stadt, in ihrer Geschichte und in den Herzen der Menschen, die sie kennenlernen durften.

    Wer sich heute für Geschichte, Natur oder unsere Heimat einsetzt, geht auch ein Stück auf den Wegen weiter, die Eva von Lintig mit angelegt hat. Dafür gebührt ihr bis heute unser Dank.

    Eva von Lintig und Bertold Hummel
    Bertold Hummel und Eva von Lintig im Jahr 1993
    März 2003 mit Dr. von Lintig
    März 2003 mit Dr. von Lintig
    2003 in der Rathausgalerie
    2003 in der Rathausgalerie
    2021 an ihrem 90. Geburtstag
    2021 an ihrem 90. Geburtstag

    Eva von Lintig ist tot

    11. September 2023

    Die Hüfinger Ehrenbürgerin und Gründerin des Stadtmuseums Eva von Lintig ist gestern, am 10. September, im Alter von 92 Jahren verstorben.

    Da ich vermute, dass die SPD und auch das Stadtmueum einen würdigen Nachruf verfassen, verzichte ich hier darauf.

    Mein herzliches Beileid an die Familie!

    Das Dorf der Visionäre

    Buchbesprechung:

    Rainer Bayreuther u. Gunilla Eschenbach:
    Das Dorf der Visionäre
    Aufbruch in die Bundesrepublik 1927 – 1947
    Gutkind-Verl., 20226
    461 S., 30 Euro

    Ein Buch, das in keine Kategorie zu passen scheint, geschrieben von zwei ausgewiesenen Wissenschaftlern: von Gunilla Eschenbach vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach und von Rainer Bayreuther Musikwissenschaftler, Philosoph und Theologe mit Lehrtätigkeit in Freiburg, Frankfurt/Main und Bayreuth, beide im schwäbischen Marbach zuhause. Allein schon das Quellen- und Literaturverzeichnis ihres Werks mitsamt Endnoten und Namensverzeichnis umfasst 44 (!) Seiten, was auf ein enormes Quellenstudium und auf einen hohen literaturwissenschaftlichen Anspruch schließen lässt – im Gegensatz zum bunten Buchcover mit dem verträumten Blick auf den Titisee, was eher eine Schwarzwaldidylle erwarten lässt.

    Titel- und überwiegender Handlungsort sind das Schwarzwalddorf Saig, auf knapp eintausend Meter Meereshöhe unterm Hochfirst und überm Titisee gelegen, mit freiem Blick über die Schwarzwaldhöhen hinweg und oft auch mit Alpensicht gesegnet. Spätestens ab den 1920er Jahren wird das Dorf zum Rückzugsort für vielerlei Prominenz, für Künstler, Journalisten, Industrielle und Intellektuelle, für völkisch Gesinnte wie für Verfolgte und Widerständler: darunter Martin Heidegger, Gerhard Ritter, Edmund Husserl, Otto Dix, Marie Luise Kaschnitz, Hanns Martin Schleyer, Konzerndirektoren, Stars der Babelsberger Filmstudios, Stauffenberg-Vertraute wie auch der von Hitler so geschätzte Bildhauer Fritz Klimsch; der hatte sich als einer der Ersten mit seiner Familie hier in einem der Bauernhöfe (dem Hierahof mit seiner prächtigen Esche) eingemietet. Sie alle zieht es immer wieder in dieses bäuerlich-rustikale Milieu zurück mit seiner Ruhe und seinem bezaubernden Fernblick – ohne dass sie dabei allzu viel Aufsehen erregt hätten. 

    Hier oben kreuzen sich ihre Wege und Weltanschauungen, von den beiden Autoren spannend erzählt und sorgfältigst belegt aus Briefen, Aufzeichnungen und Veröffentlichungen ihres schier unerschöpflichen Archivs. Wie schließlich der Krieg endete und wie sich, oft genug durch die Saiger Gäste initiiert und mitgestaltet, für die junge Bundesrepublik wichtige Entscheidungen anbahnten, das hat sich im Langzeitgedächtnis der Schwarzwälder kaum niedergeschlagen. Umso verdienstvoller ist daher das aufwühlende Porträt dieses Dorfs voller Visionäre – selbst wenn den Einheimischen nicht immer alles stimmig erscheinen mag. So etwa, wenn die Autoren immer wieder von „Almen“rund um das Dorf schreiben und von braunem (anstatt vom braunweiß gefleckten) Hinterwäldervieh. Das Buch ist für den Hochschwarzwald und weit darüber hinaus dennoch ein überaus wertvolles zeit- wie geistesgeschichtliches Dokument.

    Die Trinkerin

    Liebe Bürgerpostleser,

    am 3. Juli 2026 habe ich mich wegen des guten Wetters entschlossen, meine Mittagspause auf einer Liege im Vorgarten zum Ausruhen zu benutzen. Und was sehe ich da beim Ausklappen der Liege? Ein rätselhaftes, unscheinbares etwa 4 cm langes Objekt. Es haftete relativ fest am Gewebe, wenn man genau hinschaut, sieht man links oben Seidenfäden, die für Halt sorgen. Dann fällt am unteren Ende ein Loch auf. Was denkt Ihr, ist daraus der Falter herausgekrochen? Nein, das Loch ist eindeutig zu klein. Das Bild lässt erahnen, dass er nach oben geschlüpft ist. Dort sieht man auch die Sicherung des Kokons am Liegengewebe. 

    Nun, Bild 1 und 2 sind um 14.12 Uhr aufgenommen worden und der Hammer ist, das Falterbild erst um 21.38 Uhr in der Dämmerung. Zwischenzeitlich muss er sich vor mir versteckt haben, um seine Flügel auszuhärten. Und dann kam er nochmal zurück, damit ich ein Foto machen durfte. (Es darf gelacht werden). Durch diesen freundlichen Akt war die Bestimmung des Lebewesens jedenfalls eindeutig, nur anhand des Kokons nicht. Trinkerin oder Grasglucke ist der Faltername. 

    Das Loch am unteren Ende möchte ich noch kurz aufgreifen. Entweder es ist eine Beschädigung oder, und das wäre ein zweiter Hammer, das Loch stammt von einem Parasit, der den Kokon zu einem früheren Zeitpunkt verlassen hat. Allerdings wäre dann vermutlich kein gesunder Falter geschlüpft. 

    Der Name „Trinkerin“ kommt daher, weil die Raupen regelmäßig Wassertropfen zu sich nehmen. Der zweite Name ist „Grasglucke“. Sie sind mittelgroße Nachtfalter, so dass sie als Falter schwer zu beobachten sind.

    Zum näheren Kennenlernen hier der Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Grasglucke

    Herzliche Grüße
    Franz Maus

    Hüfingen’s Infamous Reflecting Pool

    The greatest blue reflecting pool. Tremendous craftsmanship. Absolutely beautiful. Perfectly restored in the magnificent colors of Hüfingen. Strong blue. Beautiful blue. Nobody does blue better than Hüfingen. People come from everywhere to admire it. The greatest reflecting pool in the history of reflecting pools. Everybody agrees!

    Marienbrunnen à la Christo

    Der Marienbrunnen unter der Haube am 23. Juni 2026

    Marienbrunnen

    Gemälde von Hans Schroedter von Hüfingen mit Mariabrunnen und Stadtkirche
    1925 von Hans Schroedter

    Das Ölgemälde aus 1929 von Karl Merz befindet sich irgendwo im Besitz der Stadt Hüfingen.
    Postkarte von Andreas Weißhaar.
    Hüfingen im Jahr 1930
    Der Marienbrunnen im Jahr 1930
    Auf dem Bild ist die Stadtkirche und der Marienbrunnen zu sehen
    Marienbrunnen gemalt von Hans Lang
    Foto: Alfred Riegger

    Im Zuge der Neugestaltung des Stadtbächles wurde 1964 auch der Marienbrunnen vor das neue Rathaus versetzt. Die bisherige achteckige Form des Brunnenbeckens sollte erhalten bleiben, aber das Becken mußte völlig erneuert werden. Der graue Sandstein war sehr verwittert und wurde durch große Betonflickstellen zusammengehalten.

    Marienbrunnen vor dem Rathaus. Altes Fotos von German Hasenfratz
    Marienbrunnen mit geflicktem Fundament vor 1964
    Foto: German Hasenfratz
    vermutlich am selben Tag aufgenommen mit geringfügig anderer Perspektive.
    Bild im Rathaus von German Hasenfratz aus dem Jahr 1978
    Bild im Rathaus von German Hasenfratz aus dem Jahr 1978
    Marienbrunnen vor dem Rathaus
    Der Marienbrunnen im Oktober 2025
    Mari von Johann Baptist Riegger
    Mari von Johann Baptist Riegger

    Quelle: Chronik der Stadt Hüfingen von August Vetter (1984)

    Der Marienbrunnen von Johann Baptist Riegger

    Im Jahr 1703 erhielt der Brunnen vor dem Rathaus den Namen Marienbrunnen und wohl auch ein Marienbild das etwa 1850 von Xaver Reich war. Da der laufende Brunnen besonders stark unter Witterungsschäden zu leiden hatte, waren häufig Erneuerungsarbeiten notwendig.

    Die Marienstatue die heute auf der Brunnensäule steht wurde von dem Bildhauer Johann Baptist Riegger geschaffen.

    Johann Baptist Riegger wurde am 11. Juni 1855 in Hüfingen als Sohn des Lägelwirts Mathias Riegger geboren und erlernte bei Xaver Reich den Beruf des Bildhauers. 1892 ging er nach Strasbourg und am 14. Februar 1916 legte er dem Gemeinderat von Hüfingen die Federzeichnung des Marienbrunnens vor. Der Gemeinderat erteilte dem Hüfinger Bildhauer in der Fremde den Auftrag zum Preis von 750 Mark und Riegger schuf mit der Madonna auf dem Rathausbrunnen eines seiner letzten Werke. Er starb am 26. September 1916 in Strasbourg.

    Bildhauer, (C) (* Hüfingen, Baden, 1855 † Straßburg 26.9.1916).
    Sohn von Matthaeus Riegger, Gastwirt, und Agathe NN. ∞ Margareth Maria Herzog (* 1852 in Zwettl, Österreich, † Straßburg 28.10.1913), Tochter von Ignatius Herzog und Maria NN. Kam 1892 nach Straßburg.

    Medaillon von Bucer in der Église Saint-Thomas.
    Foto: Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

    Schöpfer von 22 Medaillons, die die Fassaden der National- und Universitätsbibliothek Straßburg schmücken, sowie von sechs Kaiserstatuen, die einst die Fassade der Grande Poste zierten: Barbarossa, Rudolf von Habsburg, Maximilian I., Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.; die letzten drei wurden 1918 enthauptet. Riegger schuf 1891 auch das Medaillon von Bucer (Église Saint-Thomas) und die beiden Statuen, die das Elsass und Lothringen darstellen, an der Fassade des heutigen Nationaltheaters von Straßburg, das nach 1920 zum Konservatorium und nach 1946 zum Konservatorium und Nationaltheater wurde, sowie die Büste von Jules Sengenwald und die Statue „Fleur épanouie” (Blühende Blume).

    WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner