Flausbau – Bau von fassadenintegrierten Fledermauskästen


Artenhilfsmaßnahmen für Fledermäuse im Rahmen energetischer Gebäudesanierungen – FLAUSBAU

Wer Heizkosten sparen und Treibhausemissionen reduzieren möchte, entscheidet sich häufig für eine energetische Haussanierung mittels Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Diese Maßnahme soll aber nicht zulasten von gebäudebewohnenden Fledermausarten gehen, die insbesondere in Altbauten geeignete Quartiere finden. Dafür startet der NABU Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) das Forschungsprojekt FLAUSBAU.

FLAUSBAU ist ein vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördertes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E Vorhaben), welches neue Quartierangebote für Fledermäuse bei Gebäudesanierungen schaffen soll.

Dabei entstehen Fledermauskästen, die als Modul in die WDVS integriert werden können. Diese Fledermauskastenmodule könnten nicht nur wegfallende Quartiere ersetzen, sondern auch langfristig das Quartierangebot steigern. Dafür werden Prototypen entwickelt und deren Annahme durch Fledermäuse wissenschaftlich erprobt. Im Anschluss erfolgt dann die Installation und Überwachung der praxisgeprüften/bewährten Module im Zuge der Sanierungsarbeiten.

Gesucht werden Teststandorte!

Wer bundesweit Sanierungsprojekte in den Jahren 2027/2028 mit Fledermausvorkommen kennt, die sich möglicherweise als Monitoring-Standorte eignen, kann sich gerne wenden an:

Flausbau (ät) NABU-RLP.de

Staubwanze

Liebe Bürgerpostleser, 

schaut Euch diese Bilder an, so etwas Skuriles habe ich noch nie gesehen. Gabi Schroll aus Mundelfingen schickte mir die zwei Bilder und fragte, „kannst du mir helfen, was das denn für eine Spinne ist“?

eine Staubwanze
eine Staubwanze

Sie hatte die Tierchen beim Holzumstapeln entdeckt. Zur Beruhigung von Cathrin Schelshorn vom Feldberg konnte ich feststellen, dass es keine Spinne ist. Wieso nicht? Weil Spinnen keine sechs, sondern acht Beine haben. Sechs Beinen haben Insekten und im Regelfall auch deren Larven. Ich weihte Dr. Hans-Peter Straub aus Königsfeld ein. Er schrieb, „ich habe dir vor einem Jahr das selbe Tierchen geschickt, es ist eine Staubwanze“.

eine Staubwanze

„Okay, aber Dein Exemplar war deutlich weniger staubig als die Exemplare von Gabi“. Deswegen hatte ich es auch schnell wieder vergessen.  Wikipedia schreibt: Die Staubwanze stammt aus der Familie der Raubwanzen. Kennzeichnend für das Insekt ist das Tarnungsverhalten ihrer Nymphen. So werden die Larven genannt. Diese bedecken sich mit dem verfügbaren Substrat der Umgebung wie Staub, Sägemehl und Sandkörner, bis sie beinahe unsichtbar werden. Sie werden auch „Maskierter Strolch“ oder „Kotwanze“genannt.

Die Staubwanze besiedelt ganz Europa bis nach Nordafrika. Als Kulturfolger lebt sie in alten Häusern, in Ställen und auf Dachböden ebenso wie auf Müllplätzen. 

Die ausgewachsenen Tiere, Imagos genannt, werden mit 15 bis 19 mm recht groß und sind einfarbig schwarz oder schwarzbraun gefärbt. Die Nymphen durchlaufen fünf Stadien und wachsen von wenigen Millimetern bis auf eine Länge ähnlich der Endgröße der erwachsenen Tiere heran. Die Tiere ernähren sich ausschließlich räuberisch von verschiedenen Gliederfüßern (Arthropoden), beispielsweise von Vorratsschädlingen oder von das Licht anfliegenden Insekten. Die Wanzen verfügen am Ende der Vorderschienen über ein Haftpolster aus dicht stehenden Haaren zum Festhalten der Beute. Diese wird durch einen auch für den Menschen sehr schmerzhaften Stich rasch getötet und ausgesaugt. Sowohl die erwachsenen Tiere als auch die Nymphen sind in der Lage, längere Hungerperioden zu überstehen, wodurch sich jedoch deren jeweilige Entwicklung verzögert. Ein Generationszyklus kann daher bis zu drei Jahre betragen mit zwei Überwinterungen der Nymphen. Ein berechtigter Hammer. 

Die Nymphen zeigen ein ausgeprägtes Maskierungsverhalten zum Schutz gegen Fressfeinde. Sie laden sich sofort nach jeder Häutung mit den Hinterbeinen Staub und andere Schmutzpartikel auf die Körperoberfläche und auf die Beine. Diese Partikel bleiben aufgrund klebriger Ausscheidungen spezieller Drüsenhaare haften. Die Fühler und die Tarsen bleiben dabei frei. So sind die Tiere zum einen prima getarnt, zum anderen vergeht möglichen Fressfeinden aufgrund des Schmutzes der Appetit. Das ist einfach gesagt ein Oberhammer. 

Regenwurm umhüllt von Buchenblühresten

Das Bild schickte mir Ingo Kirchhoff aus Wietzen, zu sehen ist auch ein getarntes Tier, aber unabsichtlich. Erkennt Ihr den Regenwurm umhüllt von Buchenblühresten? 

Vielen Dank Gabi, Hans-Peter und Ingo für die Überlassung der Bilder. Wäre doch schade gewesen, wenn es nicht diesen Beitrag hätte geben können. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wenn Macht frisst

Oder: Warum Menschen an der Spitze oft genau das verlieren, was sie nach oben gebracht hat.

Es gibt diese alte Vorstellung: Macht verdirbt den Charakter. Sie ist eingängig und sehr bequem, denn es klingt, als würde etwas von außen passieren. Als würde die Macht einen Menschen verändern. Aber so einfach ist es nicht, interessanter ist eine andere Frage: Was, wenn Macht nichts hinzufügt, sondern etwas wegnimmt?

Am Anfang steht oft etwas anderes, denn Menschen, die aufsteigen, bringen Fähigkeiten mit. Sie können zuhören, sie sind aufmerksam, sie merken, was andere brauchen und sie reagieren auf Kritik. Genau das bringt sie nach oben.

Aber dann passiert etwas Merkwürdiges. Je länger Macht anhält, desto mehr verschwinden genau diese Fähigkeiten. Der Sozialpsychologe Dacher Keltner beschreibt das so:
„Mächtige verhalten sich oft, als hätten sie ein Gehirntrauma erlitten.“

Das ist kein polemischer Satz, das ist Forschung und auch Wissenschaft. Die Empathie nimmt ab, weil Zuhören wird anstrengend und andere Perspektiven werden ausgeblendet. Einfach gesagt, die Welt wird kleiner.

Das ist kein Einzelfall und nicht nur meine subjektive Beobachtung, denn viele Studien zeigen immer wieder ähnliche Effekte.

Menschen, die sich mächtig fühlen, reagieren empfindlicher auf Ungerechtigkeit aber vor allem dann, wenn sie selbst betroffen sind. Gleichzeitig werden sie deutlich unempfindlicher, wenn andere betroffen sind. Eine Studie von Sawaoka et al. 1 zeigt genau das:
Macht schärft den Blick aber nur in eine Richtung und zwar nach innen.

Das erklärt auch, warum Kritik plötzlich nicht mehr funktioniert. Nicht, weil sie falsch ist, sondern weil sie nicht mehr ankommt. Denn Kritik stellt etwas infrage, das für mächtige Menschen zentral wird: Das eigene Bild!
Dieses eigene Bild ist nie stabil, denn es entsteht, es wird daran gebaut, es entwickelt sich. Es entwickelt sich aus Lob, aus Aufmerksamkeit, aus kleinen und großen Bestätigungen. Aus plötzlichem großem Applaus für Dinge, die vorher selbstverständlich waren.

Hier komme ich dann wieder auf das Kleine, die Mikromacht. Denn hier kann man diesen Mechanismus besonders gut beobachten. Nicht bei Diktatoren, sondern bei ganz normalen lokalen Figuren. Menschen, die für Engagement, für ihren Einsatz, für „sich kümmern“, sichtbar werden, bei denen verändert sich etwas. Sichtbarkeit verändert Menschen.

Dies lässt sich als Beispiel bei Charisma zeigen, denn es ist kein fester Charakterzug. Der US-amerikanische Psychologe und Professor Bernard Bass formulierte es so: „Charisma liegt im Auge des Betrachters.“ Anders gesagt: Es entsteht nicht allein durch die Person, sondern durch die Reaktion der anderen. Durch Aufmerksamkeit, durch Projektion, durch das Bedürfnis, jemanden zu bewundern. Und genau hier passiert es. Denn wenn aus Anerkennung langsam Bewunderung wird und aus Bewunderung etwas, das nicht mehr hinterfragt wird, dann verändert sich Verhalten.

Dies passiert nicht schlagartig, sondern schleichend. Kritik wird dann nicht mehr als Korrektur gesehen, sondern als Störung, als Angriff, als Unverschämtheit oder einfach als etwas, das man wegschieben muss. Das ist kein persönlicher Ausrutscher, das ist ein struktureller Effekt. Je höher jemand steht, desto mehr hat er zu verlieren und je größer der Fall wäre, desto größer wird die Bereitschaft, alles zu verteidigen, was diesen Status stabil hält.

Professor Bernard Bass brachte es auf den Punkt: Je größer die Unterschiede, desto stärker der Wille der Privilegierten den Status quo zu sichern, notfalls auch gegen Widerstand. Dann passiert etwas, das man nur von außen sehr klar sehen kann: Der mächtige Mensch hört auf zu lernen! Nicht, weil er es nicht mehr könnte, sondern weil er es nicht mehr muss. Neue Perspektiven stören, andere Meinungen sind anstrengend, unbequeme Realitäten werden ignoriert.

Was nicht ins eigene Raster passt, verschwindet. Wie Kunst, Kritik und auch Geschichte. Alles wird gefiltert durch eine einzige Frage: Passt es zu mir? Wenn etwas nicht mehr ignoriert werden kann, weil jemand zu laut war, dann wird die Reaktion heftig. Immer überzogen, sehr emotional und auch unkontrolliert. Nicht, weil das Thema so groß ist, sondern weil das System es nicht mehr aushält.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt: Macht macht nicht nur blind, sie macht abhängig.
Von Bestätigung, von Kontrolle, von dem Gefühl, recht zu haben. Und genau deshalb ist sie im Kleinen so gefährlich, weil sie dort oft nicht erkannt wird. Also nicht als Macht, sondern als Engagement, als Einsatz, als „der macht halt viel“. Dabei ist Macht im Kern sehr schlicht. Der Soziologe Max Weber hatte Macht schon im 19. Jahrhundert nüchtern definiert:
Die Chance, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.

Die Frage ist also nicht, ob jemand Macht hat, sondern: Was passiert mit ihm, wenn er sie behält?
Denn das Entscheidende ist nicht der Aufstieg, sondern die Dauer. Kurzzeitige Macht verändert wenig, lang andauernde Macht dagegen verändert viel. Sie verschiebt Wahrnehmung, Maßstäbe und Realitäten.

Und manchmal reicht dann ein einziger Moment, um das sichtbar zu machen. Ein Widerspruch, eine Kleinigkeit, eine Situation ohne Applaus und plötzlich zeigt sich: Nicht der Ton ist das Problem, nicht der Anlass, sondern das, was darunter liegt. Vielleicht ist dies die unangenehmste Erkenntnis: Macht verdirbt nicht einfach den Charakter, sonder sie legt frei, wie stabil der Charakter wirklich ist.

Oder, etwas nüchterner gesagt: Macht ist kein Test für Können, sondern ein Test für Integrität.

Und nicht jeder besteht ihn.


Quellen:
Bernard Bass
Max Weber
Spektrum der Wissenschaft: Die dunkle Seite der Macht 2018
1 Sawaoka, T.; Hughes, B.; and Ambady, N. Power: Heightens Sensitivity to Unfairness Against the Self. Personality and Social Psychology Bulletin, 41 (7) (2015).

Von der SS ermordet

In ihrem Blog hat Hannah Miriam Jaag die Ermordung von Willibald Strohmeyer, des aus Mundelfingen stammenden Pfarrers von St. Trudbert, sehr eindringlich dokumentiert. Beim Durchlesen ihres Beitrags über dieses schlimme Verbrechen musste ich das Kriegstagebuch meines Vaters hervorholen. Denn auch er berichtet darin über die Vorgänge im Münstertal in den chaotischen letzten Kriegswochen.

Das mehrbändige Tagebuch hatte ich vor acht Jahren schon einmal unter die Lupe genommen und mir Gedanken darüber gemacht: Was der Krieg aus einem macht, so hatte ich meinen Text überschrieben und weiter: Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters.1

Im Folgenden will ich einige Passagen herausgreifen, die Hannahs Dokumentation der Ermordung von Pfarrer Strohmeyer noch ergänzen können. Vorauszuschicken ist, dass der Vater als Hauptmann der Infanterie und Ritterkreuzträger nach einem Lazarettaufenthalt in Badenweiler am Jahresende 1944 unbedingt zu seiner Einheit zurückkehren wollte, die noch im Baltikum in Rückzugsgefechten vor der Roten Armee lag. Stattdessen aber wurde er überraschend dem SS-Armeekorps unterstellt, dessen Generalkommando in Badenweiler lag; dies – wohlbemerkt – ohne zur SS übertreten zu müssen. Hier die datierten Auszüge:

8. Februar

Ich machte Quartier im Kloster St. Trudbert. Die Schwestern müssen zusammenrücken, tun es aber bereitwillig, mitsamt dem Freiburger Altersheim, das schon im Kloster untergeschlupft ist. Auch in die Stille des Pfarrhauses brachte ich Unruhe; die Haushälterin jammerte im voraus um ihre spiegelblank gewichsten Böden, doch der Pfarrer, ein würdiger Greis, schmunzelte mir heimlich zu. Im Hintergrund standen zwei Kapläne mit undurchdringlichen Gesichtern. Die Jagdbomber schwärmten wie die Hornissen. Sie kamen in Rudeln zu Vieren, Achten und Zwölfen und machten sich mit wildem Aufheulen und Knattern über die Straßen in der Ebene draußen, über die Kolonnen und Fahrzeuge her. Kopfüber stürzten sie sich auf Staufen, dreimal an diesem Tag, es krachte und schütterte, qualmte und brannte. Auch Krozingen und Heitersheim bekamen ihr Teil. […] Am Nachmittag kreisten sie hoch überm Tal, da zischten ihre Bomben hernieder und barsten mitten im Dorf und weit die Halden hinauf. Ein Toter, ein Verwundeter; ein Haus völlig weggeblasen. Am Abend kamen mit den Flüchtlingen vom Rhein auch die Leute von Staufen, Frauen und Kinder, verstört und erschöpft, mit Fahrrädern und Handwagen. Hundert Tote hat dieser Tag in dem sonst so heimeligen Breisgaustädtchen gefordert.

12. April

Der Vater war inzwischen zusammen mit einem SS-Mann namens Kubat im Südschwarzwald unterwegs, um die Möglichkeiten des Wehrwolf-Einsatzes hinter der Front auszuloten, was sich freilich als ziemlich illusionär herausstellen sollte.

[…] Das tollste, was ich durch Kubat kennenlernte, ist die „Kompanie Brandenburg“, ein abenteuerlicher, blutrünstiger Haufen von deutschen Galgenvögeln und französischen Desperados; Marokkaner, Chinesen und sogar ein Jude sind darunter, und natürlich fehlen auch Mädchen nicht. Die Männer tragen zur Tarnung die Uniform des Heeres, gehören aber zur SS. Die Gesellschaft hat ihren Schlupfwinkel im hintersten Münstertal, wird zu allen möglichen Unternehmen eingesetzt und ist auch zu allem fähig. Sie ist mit Maschinenpistolen, Sprengstoff und Blausäurepräparaten ausgerüstet, zählt hervorragende Pistolenschützen zu den Ihren und macht zu Übungszwecken Jagd auf Fahnenflüchtige. Das wichtigste Wort ihres Sprachschatzes heißt „umlegen“, und wenn einer von einem Auftrag nicht mehr zurückkommt, so hat er eben „Pech gehabt“, wobei nicht einmal feststeht, ob nicht die eigenen Kameraden nachgeholfen haben, zumal wenn es sich um Franzosen handelt. […]

In diesen Kreisen hörte ich bald da, bald dort davon reden, daß man sich auf einen Bandenkrieg im Rücken des Gegners vorbereitete, Verpflegungsstützpunkte und Sprengstofflager anlegte. […]

Kriegsende

Am 7. Mai 1945 endete der Krieg auch für den Vater, nachdem das inzwischen eingekesselte Armeekorps noch einen Ausbruchversuch von Hammereisenbach aus über die Baar hinweg in Richtung „Alpenfestung“ unternommen hatte, in dessen Verlauf Behla, Zollhaus und Randen noch lichterloh brannten und speziell zwischen Achdorf und Fützen (auf dem noch ungeteerten und aufgeweichten „Wellblechsträßchen“) große Verluste durch französischen Jagdbomberbeschuss zu beklagen waren. Truppweise schlug man sich weiter durch bereits besetztes Gebiet noch bis ins Bodensee-Hinterland, um sich dort schließlich aufzulösen, als die Nachricht von der unmittelbar bevorstehenden Kapitulation durchgesickert war. Zu Fuß auf Schleichwegen und vorwiegend nachts machte sich der Vater (noch immer in Uniform) auf den Heimweg nach Kandern im Markgräflerland. 

13. Mai

Um Sechs Morgenmilch von der Kuh weg und über den Berg nach Bürschau hinunter, ich brauchte längst keine Landkarte mehr. Zweites Frühstück bei freundlichen alten Leuten. Als sie hörten, daß ich geradewegs über den Köhlgarten gehen wollte, rieten sie mir dringend ab, weil dort noch eine Gruppe SS ihr Unwesen treibe und jeden heimkehrenden Soldaten zwinge, sich ihr anzuschließen. Den alten Pfarrer von Obermünstertal hätten sie in den Wald geholt und erschossen. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, dankte den beiden Alten und ging.

Ich ging geradenwegs über den Köhlgarten. Die Jagdhütte war mir wohlbekannt, die droben versteckt im Wald lag. Der Pfarrer von Obermünstertal, der gute alte Herr, bei dem ich vor Monaten Quartier gemacht hatte! Ich wußte nicht, was ich bei der Jagdhütte wollte und was ich tun würde, wenn ich dort jemanden von der Bande träfe. Es mußten die Galgenvögel sein, Kriminelle aus aller Herren Länder, die der SS zu mancherlei dunklen Zwecken gedient hatten und in Untermünstertal untergebracht waren. Zum Glück stand die Hütte leer, Tür und Fenster waren eingeschlagen. Ungeschoren kam ich über das Lipple ins Kandertal.

Ungeschoren erreichte der Vater schließlich auch Kandern, freilich nur deshalb, weil ihn eine Wegstunde davor die Eltern eines Waldarbeiters dazu überredet hatten, in den Anzug ihres Sohnes zu schlüpfen und mit Spazierstock und Bauernburschenhut vollends nachhause zu wandern. In französiche Kriegsgefangenschaft geriet er dann doch noch, vom November 1945 bis Mai 1947 – „viel Zeit für Katharsis und Selbstreflexionen“, so schrieb ich in meinem Beitrag „Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters“.


1 Haumann, H. und Schellinger u. (Hg): Vom Nationalsozialismus zur Besatzungspolitk. Fallstudien und Erinnerungen aus Mittel- und Südbaden. Verlag regionalkultur, 2018

Foto von unbekannt aus einem alten Zeitungsschnipsel

Natur nah dran blüht auf!

Kurze Erklärung:
Auf Initiative der „Freunde der Natur Hüfingen“ hatte sich die Stadt Hüfingen im Herbst 2024 erfolgreich bei „Natur nah dran“ beworben.  Die für „Natur nah dran“ ausgewählten Kommunen werden mit bis zu 15.000 Euro für die Planung und Umsetzung vom Umweltministerium und vom NABU gefördert. 

Die Planung wurde in den letzten Monaten mit sehr viel Engagement vom Bauhof der Stadt umgesetzt. Die „Freunde der Natur Hüfingen“ bedanken sich ganz herzlich bei Michael Sproll und seinem Team vom Bauhof!

Vielen Dank an den Bauhof!

In der letzten Gemeinderatssitzung wurde dennoch engagiert gegen ein Stück Natur argumentiert: zu teuer, nicht abgestimmt, irgendwie grundsätzlich problematisch.

Dabei lohnt sich ein kurzer Blick auf die Realität: Naturschutzmaßnahmen wie „Natur nah dran“ werden mit bis zu 15.000 Euro gefördert. Sie kosten die Stadt also nicht nur nichts, sondern bringen zusätzliche Mittel, Wissen und vor allem Lebensqualität. Man könnte fast meinen, genau das sei der eigentliche Stein des Anstoßes. Es entsteht der Eindruck, als sei jedes Beet ein finanzielles Risiko und jede Blüte ein potenzieller Haushaltsengpass. Eine bemerkenswerte Perspektive – insbesondere in Zeiten, in denen gleichzeitig andere Ausgaben deutlich weniger kritisch hinterfragt werden.

Und was das angeblich fehlende Mitspracherecht angeht: Möglichkeiten, sich einzubringen, gibt es ausreichend. Sie setzen allerdings voraus, dass man bereit ist gemeinsam zu arbeiten anstatt im Mittelpunkt zu stehen und genau dies ist offenbar eine größere Zumutung  als jedes noch so kleine Beet.

Die 40.000 Euro für ein neues Logo mit Männerkopf waren im Übrigen kein Problem. Interessanterweise stellte sich weder die Kostenfrage noch das Bedürfnis nach umfassender Mitwirkung als hinderlich heraus. Beteiligung scheint also vor allem dann gut zu funktionieren, wenn sie das Ergebnis nicht gefährdet.

Tulpen von Natur nah dran neben der Straße
02. Mai 2026
Winterlinde vor der St. Leonhardtkapelle
Winterlinde
Pflanze von Natur nah dran neben der Straße
02. Mai 2026
Tulpe von Natur nah dran neben der Straße
Pflanze von Natur nah dran neben der Straße
02. Mai 2026

Natur nah dran, der Schari und Jugendarbeit

7. April 2026

Was mir am Schari fehlt

Eigentlich war die Idee am Schari gemeinsam mit Jugendlichen etwas wachsen zu lassen:
Etwas, das nicht nur angelegt wird, sondern auch mit Beteiligung, Verantwortung und Identifikation zu tun hat.

Also nicht etwas für junge Menschen machen, sondern mit ihnen.

Und genau diese Beteiligung fehlt mir hier.
Ich liebe Blühflächen.
Aber man kann Flächen gestalten – oder Orte entstehen lassen.
Das ist nicht dasselbe. Und genau da liegt für mich der Unterschied.

Bei der Jugendarbeit hatte ich eigentlich auf mehr gehofft.
Nicht alle finden ihren Platz in Vereinen oder in den klassischen Angeboten.

Gerade deshalb wäre es schön gewesen, wenn aus so einer Fläche mehr geworden wäre als einfach nur ein ordentlich angelegtes Beet. Manche brauchen zuerst einen Ort, an dem sie überhaupt vorkommen dürfen.

Bild von der Baustelle mit großen Steinen
Schari am 8. April 2026
ausgehobenes Beet auf dem Schari
Schari am 2. April 2026
Neu gepflanzte Beete auf dem Spielplatz
Schari an Weihnachten 2025

Zwischen Tor und Friedhof

Fläche vor dem Tor am 04.12.2025
Fläche vor dem Tor am 04.12.2025
Fläche vor der Brücke am 04.12.2025
Fläche vor der Brücke am 04.12.2025

Die Winterlinde, die uns Guido Wolf geschenkt hat, steht jetzt vor dem Leänedli!

17. November 2025

Am 17. November wurde die Winterlinde gepflanzt die uns Guido Wolf bei seinem Besuch am 12. Mai versprochen hatte. Hüfingen hat jetzt eine Linde vor dem Leänedli!

  • 17.11.2025 Winterlinde kommt vor die Leonhardkapelle

„Einverstanden, Herr Hofgärtner, bin ganz Eurer Meinung“, sagte der Feldwaibel, „und bedaure nur, daß der alte Brauch mit Pflanzen von Linden so ganz abzukommen droht. Denn abgesehen von den Gemeindelinden ist keine Kirch, kein Kirchhof, keine Kapell oder Schützenhaus gewesen, wo früher nicht Linden hingepflanzt worden sind. – So ein Lindenbaum aber ist für den Landmann eine kleine Apothek, wo er den Lindenblütentee umsonst haben kann, für die Immen im Frühling aber eine wahre Honigweid. – Und daß auch der Holzbildhauer am liebsten zum Lindenholz greift, wenn er etwas Schönes machen will, ist bekannt.“
Lucian Reich 1853 im Hieronymus

Die Freunde der Natur Hüfingen bedanken sich herzlich bei Guido Wolf für die Winterlinde am Friedhof und ein besonderes Dankeschön geht an den Bauhof, Michael Sproll und Johannes Geißler für die Umsetzung von Natur nah dran.

Am Tor und Friedhof kann man Anfang November schon was sehen, hier wurde der Boden vorbereitet:

Natur nah dran Fläche am 7. November 2025
Bauhofmitarbeiter vor dem Stadttor
10. November 2025
Natur nah dran Fläche

Projektbesprechung Natur nah dran mit Naturgartenplaner

28. Mai 2025

Am 28. Mai war Projektbesprechung mit dem Naturgartenplaner Sebastian Frey, Katja Wörner vom Nabu, dem stellve. Bauhofleiter Alexander Huber und unserem neuen Biotopbeauftragtem Johannes Geißler.

Es sind einige Orte rausgefallen und dafür ist ein Ort vorne beim H-Kreisel dazu gekommen. Ich werde unten die Beschreibungen aktualisieren.



Guido Wolf informiert sich über Natur nah dran




Am 12. Mai 2025 besuchte uns Guido Wolf, um sich über das Projekt zu informieren.

Die Stadt Hüfingen wird mit Unterstützung des Projektes „Natur nah dran“ Grünflächen mit Wildpflanzen in insektenfreundliche Blumenwiesen und Säume umwandeln.
In 2025 wurden 15 Kommunen (von ca. 35 Bewerbern) ausgewählt an diesem vom Umweltministerium BW geförderten Projekt teilzunehmen. Am 29. April 2025 führte der NABU in Singen eine erste Schulung für die teilnehmenden Kommun durch. Für die Stadt Hüfingen nahmen Tanja Geyer (Stellv. Bauamtsleiterin) und Michael Sproll (Leiter Bauhof) sowie Thomas Kring (Freunde der Natur Hüfingen e.V.) teil.

Michael Sproll, Tanja Geyer und Thomas Kring

Worum es geht?

Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und dem Land wird durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördert. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten.

Die Stadt Hüfingen hat sich hier letzten Herbst beworben und am 11. März gab es die Pressemeldung, dass wir unter den Gewinnern sind: https://rp.baden-wuerttemberg.de/neue-natur-nah-dran-kommunen-ausgewaehlt.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis war bisher nur Bad-Dürrheim 2024 erfolgreich. Unser Bürgermeister und das Bauamt haben dies fast ganz alleine geschafft, lediglich die Freunde der Natur Hüfingen e.V. haben bisschen geholfen.

Das soll gemacht werden

Wir haben 6 Orte in der Kernstadt Hüfingen vorgeschlagen bei denen wir Hilfe brauchen etwas daraus zu machen. Was gemacht wird können wir noch nicht sagen, deswegen brauchen wir ja Hilfe. Ich möchte hier aber zuerst mal die 6 Orte vorstellen, damit jeder weiß worum es geht. Hoffentlich kann ich dies dann über das Jahr ergänzen.

Ort zwischen Landesheim und Mühlebach

Zwischen dem Mühlebach und dem Landesheim befindet sich so etwas wie eine Wiese/Rasen. Diese könnte man in eine dauerhafte Wildblumenwiese umwandeln.

Ort am Tor

Um das Tor werden jedes Jahr die Beikräuter entfernt und dann vorgezogene Pflänzchen im 50er Jahre Flair gepflanzt. Diese arbeitsintensive und auch langweilige Gestaltung soll durch adequate Wildstauden ersetzt werden.


Ort Kleiner Park um den Gedenkstein der Heimatzunft


Hier wird der Rasen angepasst und eventuell gibt es neue Wildstauden oder Büsche.


Ort beim Spielplatz „Schari“ an der Hohenstraße


Hier wird etwas für das Jugendhaus angelegt neben den Hütten. Wir wollten hier klein anfangen, da wir befürchten es wird zerstört werden.


Ort beim Hüfingen Kreisel, Aldi

Hier soll eine dauerhafte Blumenwiese angelegt werden.

Zum 5. Todestag von meinem Mentor zur Wegelagerei Professor Dr. Günther Reichelt

Unvergessen und schmerzlich vermisst

Professor Dr. Günther Reichelt

(26.Oktober 1926 bis 01. Mai 2021).

Vielen Dank an Dheera Vogt für das Foto!

Am 25. Oktober 2018 hatte ich das Vergnügen seine letzte öffentliche Rede bei der Buchvorstellung von Wolf Hockenjos in der übervollen Donaueschinger Bibliothek zu erleben:


Leider gab es danach wegen Corona keine Gelegenheit mehr.

Einweihung des Gedenksteins am 25. Oktober 2024 mit MdB Thorsten Frei, Erster Landesbeamter Schwarzwald-Baar-Kreis a.D. Joachim Gwinner, Bürgermeister von Donaueschingen Severin Graf, Bürgermeister von Hüfingen Patrick Haas, Weggefährten Wolf Hockenjos, Prof. Dr. Helmut Gehring und Dr. Hans Joachim Blech.

Die Gedenksteinlegung findet sich auf den Seiten der Freunde der Natur Hüfingen e.V.

Letztes Refugium für Lebewesen, die als “Unkraut” und “Ungeziefer” aus unserer Agrikulturlandschaft vertrieben wurden: Feldblumen, Eidechsen, Hummeln, Käfer, Spinnen, Schmetterlinge. Wie sind denn nun die beiden widersprüchlichen Schöpfungsgeschichten zu interpretieren: Ist alles dem Menschen nach dessen Gutdünken untertan oder wurde ihm der Garten zur Obhut übergeben? Wenn ich einmal überschlage, wie viel Pflanzenarten allein im Ried seit 50 Jahren verschwunden sind, komme ich leicht auf 30 Arten; bei den Vögeln dürften es wohl 20 sein. Und wer hat schon mal die Insekten untersucht? Mir fällt die vergoldete Inschrift eines Feldkreuzes bei Aasen ein: “Herr, beschütze unsere Fluren” – Ja, warum sollte er das denn, wenn wir es nicht tun? 

Prof. Dr. Günther Reichelt

Kleine Bildnotizen von Günther Reichelt

Prof. Dr. Reichelt Selfie aus dem Jahr 2005

1926 in Schladen/Harz geboren. Volksschule und vergebliche Domestikationsversuche durch das Deutsche Jungvolk ebendort. 1939 Aufbauschule in Wolfenbüttel; dort auch ab 1941 Flieger-Hitlerjugend. Lessingschule in Braunschweig von 1941 bis zur Heranziehung als Luftwaffenhelfer im März 1943; eingesetzt rund um Braunschweig. Ab Juli 1944 Soldat bis zur endlichen Befreiung durch die Alliierten, zuletzt auf dem „geordneten Rückzug“ in die Alpen mit kurzer Gefangenschaft. 1945 Landarbeiter in Schladen; dort Gründung und Leitung einer „Kutlurgemeinschaft“ 1946-1948. Nachgeholte Reifeprüfung für Kriegsteilnehmer und erfolgreiches Studium in Göttingen und Freiburg (Biologie, Geografie/Geoligie, Chemie; Philosophie/Psychologie) von 1946-1951. Sodann Wissenschaftlicher Sachbearbeiter am Forschungsinstitut für Höhenlandwirtschaft Donaueschingen bis 1954, danach Lehrer an Gymnasien in Freiburg, Baden-Baden und Villingen. Kreisbeauftragter für Naturschutz 1959-1970.

1964 Berufung ans neue Studienseminar Rottweil als Fachleiter und Fachberater für Biologie; Ernennung zum Professor 1970 und 1980. Lehrauftrag für Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes an der Fachhochschule Furtwangen 1978-1983. Seit 1988 im „Ruhestand“ in Donaueschingen.

Rund 150 Publikationen in internationalen und regionalen wissenschaftlichen Zeitschriften. Autor
und Mitautor bei rund 30 Fach- und Sachbüchern zu geowissenschaftlichen, ökologischen und
Umwelt- Themen, darunter die Hochschullehrbücher: „Biologische Geographie“ mit J. ILLIES (1963)
und „Praktische Arbeitsweisen der Vegetationsgeographie“ mit 0. WILLMANNS (1973). Bücher u.a.:
„Luflbildatlas v. Baden-Württemberg“ (1971); „Ökologie exemplarisch: der Bodensee“ (1972), „Wurzeln der Umweltkrise“ (1997); „Arche Noah 2000 (1981) „Ökologie exemplarisch: der Rhein“ (1983, 1986); „Waldschäden durch Radioaktivität?“ (1985), „Ökologie und ihre biologischen Grundlagen“ (1985); „Wach sein für morgen“ (1992); „Die Baar 1945-1995 – Landschaftswandel im ländlichen Raum“ (1995); „Baarwanderungen“ (2004).

Sonstiges: Verschiedene Bürgerinitiativen, u.a. auch Vorsitz im Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg und Mitglied mehrerer Landesbeiräte 1976 bis 1991. Gewähltes Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften. Bundesverdienstkreuz a.B. (1980), Staatsmedaille Baden-Württemberg in Gold (1986), Verdienstmedaille Baden-Württemberg (1989).

Saatgänse… seit 1994 sind die treuesten Wintergäste der Baar, seit Jahrhunderten bekannt und bezeugt, nur noch ein Wintermärchen – es war einmal.So wie die anderen Wintergäste aus dem hohen Norden, die schönen Singschwäne mit den “gemalten Augen  (…);  so wie der trillernde Brachvogel im Ried; so wie die über dem Mittelmess balzend im Sturzflug meckernde Bekassine. Selbst die auf den Wiesen fast überall gegenwärtige laute Brutgenossenschaft der Kiebitze ist Vergangenheit. Wo sind die Hunderte von Tafelenten auf der Donau? Wo die Rebhühner, wo der auf den Bulten und Schollen knicksende kleine Steinschmätzer? Und wo ist das schwefelgelbe Gewoge der Trollblumen, das tiefe Rot des Knabenkrauts, wo sind die goldenen Sterne des Spatel-Greiskrauts, die Silberflöckchen der Wollgräser, und wo … Ja, wo sind sie geblieben?
Doch wer sie nicht kannte, wird ihnen auch nicht nachtrauern. Und wir, die den Verlust beklagen was haben wir für sie getan?

Prof. Dr. Günther Reichelt über den Tod der Singschwäne

Er hat in seinen letzten Jahre auch den Hieronymus begleitet und uns einige Artikel hinterlassen.

Zauneidechse und Tatzenkäfer

Liebe Bürgerpostleser, 

ein Tatzenkäfer an der Hauswand

der 27. April 2026 war ein bisheriger Beobachtungshöhepunkt in unserem Garten. Zum ersten Mal, seit wir vor 30 Jahren hierher gezogen sind, sah ich einen Tatzenkäfer und eine farbenprächtige Zauneidechse. Beide fast gleichzeitig in der Abendsonne. Ein absoluter Oberhammer. Den Großen Tatzenkäfer bestimmte google lens. Er ist mit 15 bis 20 mm der größte Blattkäfer in Mitteleuropa. Zur dieser Gattung gehören weltweit über 50.000 Arten und über 470 in Deutschland. Der bekannteste ist der Kartoffelkäfer, aber auch das Lilienhähnchen gehört dazu. Auf die Schnelle dachte ich, naja, das ist nur ein Mistkäfer. Also lieber mal genauer hingucken, dachte ich anschließend. Beim Bestimmen kam der Hinweis, dass er auffallend dicke Füße besitzt, die an „Tatzen“ erinnern. Seht Ihrs auf dem Bild?  Interessant ist, dass er aufgrund zusammengewachsener Flügeldecken nicht in der Lage ist zu fliegen. Bei Gefahr kann er eine rötliche giftige Flüssigkeit aus dem Mund absondern, was ihm im Englischen den Namen „bloody nosed beetle“ (Blutrünstiger Käfer) eingebracht hat. Man nennt das Reflexbluten. Primär setzt er das zur Verteidigung gegen Fressfeinde ein. Für uns Menschen ist dies in der Regel ungefährlich, sofern das Sekret nicht in offene Wunden oder in die Augen gelangt. Am besten also das Tier nicht anfassen. 

Eine Zauneidechse in unserem Garten in einem Spalt unserer Steinmauer, was für ein herrlicher erstmaliger Anblick, ich freute mich sehr. Wie bei vielen Vögel bekannt und üblich, ist auch bei der Zauneidechse das männliche Geschlecht sehr farbenfroh im Gegensatz zum blassen Weibchen. Der „Herr“ sonnte sich und verschwand sofort in seiner Höhle, wenn wir zu nahe kamen, zeigte sich aber Gott sei Dank bald wieder. Als wechselwarmes Tier braucht es die Sonnenwärme. Die Zauneidechse überwintert fünf bis sechs Monate in Kältestarre in frostfreier Tiefe von etwa 80 Zentimetern. Wo das wohl bei uns der Fall war? Zauneidechsen sind in der Regel sehr standorttreu und bewegen sich nur in einem Radius von ca. 20 Metern. Das ist ein Hammer. Wie Blindschleichen können auch sie bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage von Mitte Mai bis Ende Juli, vereinzelt auch noch im August. Dazu werden sandige Plätze aufgesucht, die von der Sonne erreicht werden. Das Weibchen gräbt kleine Löcher und setzt darin 5 bis 14 weichschalige Eier ab. Die Entwicklungszeit der Eier im Sandboden ist stark von der Umgebungstemperatur abhängig; bei 21 bis 24 °C beträgt sie zwei Monate. Die Schlüpflinge sind etwa 5-6 cm lang. Frisch geschlüpft müssen sie sich auch vor ihren eigenen Eltern in Acht nehmen, um nicht gefressen zu werden. Wie bei den Kannibalen. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie nach anderthalb bis zwei Jahren. 

Mensch, wäre das schön, wenn sich ein Weibchen für unseren Prachtburschen finden würde. Die Zauneidechse war Reptil des Jahres 2020, in der Roten Liste der BRD rangiert sie in V, das heißt Vorwarnliste. 

Ich wäre sehr dankbar, wenn ich von Euch erfahren könnte, ob Ihr die Zauneidechse auch in eurem Garten habt. Sie ist sehr nützlich, indem sie zahlreiche Insekten und Wirbellose, darunter Blattläuse, Schnecken, Raupen, Käfer und Spinnen frißt. Zauneidechsen sind auch ein Zeiger für gesunde Lebensräume, ihr Vorkommen deutet auf wertvolle, strukturreiche Biotope hin. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Eine Zauneidechse auf Waldboden

Overshoot – Rettet uns der Dauerwald?

Wilhelm Bode

Overshoot –
Rettet uns der Dauerwald?  

Ein forstpolitischer Essay
Mit einem Vorwort von Dirk Stenzel
sowie einem Interview mit Hans Joachim Schellnhuber

Verlag Natur + Text Rangsdorf 2026
208 Seiten
ISBN 978-3-942062-79-4
27,00 Euro

Anglizismen sind unter Förstern und Waldfreunden eigentlich eher ungewöhnlich. Mit dem erklärungsbedürftigen Begriff Overshoot im Titel seines Essays geht der Autor, bekannt als streitbarer Jurist und Forstwissenschaftler, zweifellos ein Risiko ein. Doch schon auf dem Buchcover will er damit klarstellen, dass es ihm hier nicht allein um ein Waldthema geht, sondern um eine höchst aktuelle klimapolitische Weichenstellung: Um die Frage nämlich, wie Wälder so gestaltet werden können, dass sie unterm Vorzeichen des Klimawandels sowohl ökonomisch ertragreich bewirtschaftet werden können, als auch ihre Funktion als natürliche CO2-Senke besser erfüllen. 

Im Englischen wird der Begriff Overshoot verwendet, wenn ein bestimmtes selbstgestecktes Ziel nicht eingehalten werden kann, so erläutert ihn der Klimatologe Hans Joachim Schellnhuber, vormals Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der von Wilhelm Bode abschließend interviewt wird. Das trifft zweifellos auch für die im Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 vereinbarte und von 190 Staaten ratifizierte Leitplanke zu: für den allenfalls zu akzeptierenden Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau, was offenbar nicht gehalten werden kann: Schon 2024 dürfte die angestrebte 1,5°C-Grenze durchbrochen worden sein.

Angesichts dieser Dramatik vergleicht Bode die gegenwärtige Lage der Forstwirtschaft mit jener um 1800, als Holznot herrschte und die deutsche Forstwissenschaft sich mit ihren Bemühungen um Nachhaltigkeit der Holzversorgung und mit ihren forstgesetzlichen Initiativen weltweit einen vorzüglichen Ruf erworben hat. Leider jedoch hat die damals gefundene Lösung, die „Altersklassenwirschaft“, gleichaltrige Reinbestände hervorgebracht, die heute im Zuge des Klimawandels abgewirtschaftet haben. Es brauche daher eine „Waldwende“, ein neues Erfolgsmodell: den Dauerwald. 

Die Idee hierzu hatte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Eberswalder Forstwissenschaftler Alfred Möller, der den Dauerwald propagierte als einen sowohl ökologisch wie ökonomisch überlegenen „Waldorganismus“; aufgegriffen und praktiziert wurde diese waldbauliche Alternative von vergleichsweise wenigen Waldeigentümern, oft genug geschmäht und abgetan als „forstliche Zeugen Jehovas“. Wilhelm Bode hat die Möller´sche Idee zuvor schon in mehreren Schriften gewürdigt und empfohlen.

Denn das „Mehrgenerationenhaus“ des ungleichaltrigen und gemischten Dauerwalds hat sich in den jüngsten Extremjahren mit all ihren Stürmen, mit Trockenperioden, Bränden und Starkniederschlägen als erstaunlich resilient erwiesen, was nicht zuletzt seiner Struktur, vor allem jedoch dem überlegenen Waldbodenzustand zu verdanken ist, wenn Kahllegungen dauerhaft unterbleiben und Schadflächen erst gar nicht entstehen. Umso besser taugt der Waldtyp daher auch als natürliche CO2-Senke. Zumal er mehr zu Bauzwecken verwendbares Holz produziert als der Altersklassenwald, in dem mehr Schwachholz anfällt. Und hier setzt in seinem Vorwort auch der Architekt Dirk Stenzl an, der eine Lanze für den städtischen Mehrgeschoss-Holzbau bricht und eine Bau-Wende fordert. Denn die Verwendung von Beton, Stahl und Glas hat dazu geführt, dass der Bausektor als „Elefant im Klimaraum“ (Schellnhuber) für 40 % (!) der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist.

Im Bauholz wird das klimaschädliche Gas langfristig gespeichert, weshalb die Dauerwaldnutzung hinsichtlich ihrer CO2-Bilanz sogar besser abschneidet als unbewirtschaftete Waldreservate, wie sie von der Naturschutzseite favorisiert und gefordert werden. Hier stellt sich Wilhelm Bode nachdrücklich auf die Waldnutzerseite, soweit eben nicht labile Monokulturen bewirtschaftet werden, sondern ökologisch wie ökonomisch hochwertiger Dauerwald; und dies nicht mit Großmaschinen, sondern per bodenschonender Erntetechnik.

Im Interview äußert sich dann sogar der Klimatologe verhalten optimistisch: Die „Wald-Bau-Pumpe“, die Speicherung von Kohlenstoff in lebenden Wäldern auf „rehumifizierten Böden“ (Bode) und in Verbindung mit „städtischem Mehrgeschossholzbau“ (Stenzel), ist für Schellnhuber „das vielleicht eleganteste Prinzip planetarischer Selbstheilung“. Wilhelm Bodes Overshoot verspricht nicht weniger als „eine mehrfache Win-win-Strategie für die Lebensbedingungen aller Bürger in unserem Land“.

Am Rand in Hüfingen

Heute war Pantomime in Hüfingen. Ja, wirklich: Pantomime. Mit Baccalà. „Menschliches und Allzumenschliches“ – ganz ohne Worte, dafür mit umso mehr Ausdruck, Bewegung und erstaunlich viel Gefühl für Zwischentöne.

Plakat an der Tourist Info

Eine Produktion im Auftrag der Randenkommission.
Regie: Kami Manns

Pantomime mit Baccalà die Künslter im Marienbrunnen in Hüfingen vor dem Rathaus

Jazz-Saxophon: Volker Wagner

Pantomime mit Baccalà vor dem Rathaus. Sie mach Handstand auf seinen Händen

Unterstützt durch den Verein Agglomeration Schaffhausen sowie die Jakob und Emma Windler-Stiftung.

Und man staunt: Es gab sogar Blasmusik! Offenbar aber die falsche – sonst hätte man ja davon vorher gehört.

Schade, dass die Stadt nicht darauf hinweisen wollte. Versteckt in einem Nebensatz bei Nachrichten aus dem Kreis – wer liest das schon? Fast schon tragisch, dass bestimmte Herren Stadträte vorher nicht um Erlaubnis gefragt wurden. Man darf gespannt sein, ob das „Freie“ Forum noch entdeckt, dass für einen ganz kurzen Moment nicht der Verkehr, sondern Kultur Vorrang hatte.

Leider war der Weg aus dem Rathaus bis vor die eigene Haustür offenbar zu weit, um den Künstlern etwas Respekt zu zollen. Umso größer der Respekt – und ja, auch der Mut – der Künstler, die sich in solche Gefilde wagen, wo man lieber unter sich bleibt und das Fremde vorsorglich übersieht. Danke dafür. Wirklich.

Am Samstag sind sie in Villingen.
Vielleicht trifft ihre Kunst dort auf ein Publikum – und auf eine Stadt –, die merkt, wenn direkt vor ihrer Tür etwas Besonderes passiert.

Melodien der Baar

1. Version war am 7. Oktober 2022

Die Reihenfolge ist rein zufällig und hat keinerlei Bedeutung!


Friedhof Hüfingen

Friedhofstür am 3. Juni 2021
Vorne der Brunnen und hinten die Einsegnungshalle mit dem tollen Fenster vom Kiess. Im Hintergrund hört man auch die Härlefalle. Also das wo Wasser aus dem Mühlibach in die Breg läuft.
27. April 2026
S’Leänedli, Die St. Leonhardkapelle mit dem Kreuz von Xaver Reich und dem Tor Richtung Breg.
27. April 2026

Friedhof Hüfingen


St. Verena und Gallus

Sechsuhrläuten
St. Verena und Galluns am 02. Oktober 2021
02. Oktober 2021
Storchkinder auf St. Verena und Gallus während Hüfingen spielt.
30. Mai 2025
Verena und Gallus von der Straße aus mit der Maria von Xaver Reich
4. Oktober 2022

St. Verena und Gallus


St. Leonhardskapelle

St. Leonhardskapelle
2. April 2021
Leonhardskapelle „s`Leänedli“, erbaut 1473 und gestiftet von Konrad und Burckhart von Schellenberg. 31. März 2021
31. März 2021

S’Leänedli




Vielen Dank an Arthur Lehnert fürs Bimmeln!

30. Juni 2025

St. Georg, Mundelfingen

Sechsuhrläuten
St. Gegorg in Mudelfingen
4. Oktober 2022
Mundelfingen im Schnee
27. Februar 2016

Vielen Dank an Michael Steinemann fürs Aufnehmen!


St. Silvester, Sumpfohren

Zwölfuhrläuten
St. Silvester Sumpfohren mit Storchennest
16. September 2019
St.Silvester in Sumpfohren
4. Oktober 2022
Bürgermeister Patrick Haas vor einem Luftbild von Sumpfohren
7. Februar 2026


St. Georg, Behla

Zwölfuhrläuten
St. Georg in Behla von hinten
5. Oktober 2022
St.Georg in Behla von vorne
5. Oktober 2022


St. Peter und Paul, Hausen vor Wald

Zwölfuhrläuten
St.Peter und Paul in Hausen vor Wald
06. Oktober 2022
Peter und Paul in Hausen vor Wald von innen
1995
St. Peter und Paul in Hausen vor Wald
20. Oktober 2019

St. Peter und Paul, Hausen vor Wald


St. Maria, Fürstenberg

Zwölfuhrläuten
St. Maria in Fürstenberg
07. Oktober 2022
Engel tragen Maria von dem brennenden Fürstenberg und im Hintergrund brennt das alte Fürstenberg und vorne flüchten die Menschen
Die Rettung des Gnadenbilds von Hans Schroedter


Lorettokapelle

Die Lorettokapelle im Winter
Dezember 2021
altes Glasfenster in Loretto mit Jesus und Heiligenschein
Glasfenster vermutlich von Fridolin Heinemann

Loretto, Hüfingen
Vielen Dank an Artur Lehnert fürs Läuten!

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Ich freue mich über mehr Aufnahmen in die Kommentare oder per E-Mail!