Egal ob Lidl-Erweiterung, Baugebiete oder Haushaltsverabschiedung wird eine Einigkeit vorgegaukelt. Mag sein, weil der CDU und ihrem Bm Widerspruch per se nicht passt, oder auch weil man dann unsere Argumente darlegen oder sogar widerlegen müsste, was man allem Anschein nach nicht kann.
2. Wegen Verstoß gegen Ziffer 2 (journalistischer Sorgfalt) haben wir eine Mißbilligung vom Presserat bekommen.
Die schwarzen Listen vom Südkurier werden geheim gehalten, Leserbriefe zensiert und Journalismus spielt absolut keine Rolle; dafür streut man bunte Blümchen um korrupte Machenschaften.
Der Beschwerdeausschuss hält den Verstoß gegen die Ziffer 2 des Pressekodex für so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung die Maßnahme der Missbilligung wählt. Nach § 15 Beschwerdeordnung besteht zwar keine Pflicht, Missbilligungen in den betroffenen Publikationsorganen abzudrucken. Als Ausdruck fairer Berichterstattung empfiehlt der Beschwerdeausschuss jedoch eine solche redaktionelle Entscheidung.
3. Die Einleitung von Mischwasser in ein Biotop ist eine Straftat.
Die jahrzehntelange Einleitung von Mischwasser in ein Biotop und dessen Zerstörung war eine Straftat und der Südkurier bringt statt dessen Bilder einiger Mitglieder unseres Patriarchats mit seinem ersten Auto in einer hübschen Männerserie.
4. Die illegale Rodung einer Streuobstwiese könnte sich wegen Grundstücksgeschäften hoch bezahlt machen.
Wenn jemand zufällig illegal eine Streuobstwiese rodet wird dies vom Südkurier ebenso ignoriert, wie der darauf folgende Bußgeldbescheid und dass dies eine Ordnungswidrigkeit war. Dies mag zum einen daran liegen, dass dies der Bm und seine CDU nicht möchten, aber auch daran, dass man dann eventuell die Hintergründe recherchieren müsste. Also warum die Streuobstwiese genau an dieser Stelle im Weg war und wem. Und apropos Weg: Warum ein alter Weg nicht benutzt werden kann für einen neu zu errichtenden katholischen Aufbewahrungshort für Kinder im Industriegebiet?
5. Der Hüfinger Gemeinderat hat beschlossen, eine Wahlkampftour über die Ortschaften aus der Stadtkasse zu finanzieren und Bürgerdialog zu nennen.
Dann war da die Gemeinderatssitzung am 20. Oktober 2022 in dem die CDU, FDP/FW/UWV Fraktionen bestimmt hatten, dass die Firma translake GmbH 30.000 Euro aus dem Hüfinger Haushalt bekommt für einen sogenannten “Zukunftsdialog” der jetzt im September zum Wahlkampfauftakt stattfinden soll.
Da der Bm bestimmt hatte, dass dies ein “Zukunftsdialog on Tour” über die Ortschaften werden soll, liegt die Vermutung nahe, dass unsere Ortschaften hiermit zurück gekauft werden sollen. Und dies auch noch mit dem eigenen Geld, wie geschickt für die Parteikassen!
Fünf Sätze?
Oh weh, mir fallen natürlich noch jede Menge mehr Sätze ein, aber ich wollte ja hier unsere Hofberichterstatter spiegeln und nicht ewig lange Listen erstellen. Aber so rein zur Unterhaltung sei auf einen kürzlich zensierten Leserbrief verwiesen, der es doch gewagt hatte am Alkoholkonsum und der Fahrlässigkeit im Umgang mit Sicherheitsregeln „rumzunörgeln“.
Kürzlich brachte meine Frau zu meinem nicht geringen Erstaunen vom Lidl-Einkaufszentrum neben dem Üblichen an Nahrungsmitteln und Getränk eine sauber verpackte Klobrille samt Deckel mit nachhause. Es handle sich um ein Sonderangebot, der besondere Clou dabei, so verriet sie mir, sei ein selbstschließender Deckel. Sie machte sich auch sogleich an die Montage, nachdem sie sich zuvor intensiv mit der Lektüre der beiliegenden Gebrauchsanleitung befasst hatte. Diese schien freilich bei weitem nicht das gängige IKEA-Niveau erreicht zu haben: Die darin vorgeschriebenen Montageschritte waren für Laien nur schwer nachzuvollziehen, und die abgebildeten Schrauben und Stifte hatten nur wenig Ähnlichkeit mit dem beigefügten Material. Kein Wunder, dass nach viel Gestöhn schließlich – worst case aller Bastelei – eine Schraube übrig blieb, wodurch es dem neuen Aufsatz auf der Schüssel erheblich an Stabilität mangelte. Umso beeindruckender jedoch die Automatik des Deckels: Um ihn zu betätigen, braucht er jeweils nur leicht angetippt zu werden und schon beginnt er sich sachte zu schließen – gänzlich ohne Motor und Elektronik.
Der zivilisatorische Zugewinn bestand im Wesentlichen aus der neuen Geräuscharmut – wie oft war einem doch schon als Kind wie schlimmstenfalls auch als Senior der Deckel entglitten. Dabei erwies sich die Handhabung der Neuerung als doch etwas gewöhnungsbedürftig. Denn anders als der Deckel wollte die Brille nach männlichen Stehbesuchen durchaus herkömmlich behandelt sein, ehe sie sich (mitsamt oder ohne Deckel) schließen ließ. Immerhin hatte sich der neue Aufsatz im heimischen Badezimmer nach nochmaligem intensivem Schrauben (und Seufzen) dann doch noch hinlänglich fixieren lassen.
Der Reisesommer brachte uns dann einige Hotelübernachtungen ein. Und siehe da: Auch in dem funkelnagelneuen Potsdamer Hotelkomplex mit dem seltsamen Namen the niu Amity (der in the länd ersonnen worden sein könnte) fanden sich bereits die neuen Deckel installiert. Nicht anders als im Hotel Schulzens, einem gediegeneren Quartier samt Brauerei in der ehemaligen Hansestadt Tangermünde an der Elbe. Erst in den Wendezeller Stuben im niedersächsischen Wendeburg war auf den Toiletten alles wieder beim Alten. Also scheint es sich doch nicht, wie zunächst vermutet, um eine neue EU-Richtlinie zu handeln, nach welcher die Umrüstung der Toiletten künftig europaweit im Zuge der Transformation zu erfolgen habe.
Wäre ja auch gelacht, wo doch die Brüsseler (m/w/div) dank ihres Wahrzeichens (m) sehr wohl einschätzen können, dass es auf Klos recht unterschiedliche Nutzungsformen gibt. Nächstens gilt es nun nur noch, unsere altbewährte, sodann abgeschraubte Brille samt Deckel auf dem hiesigen Wertstoffhof zu entsorgen.
Wer in der Nacht vom 24.07. auf den 25.07.2023 in Hüfingen dabei war, als die neue Rad-/Fußgängerbrücke angeliefert und gesetzt wurde, mußte sich ob dem Verhalten einiger Leute die Augen reiben.
Einerseits wurden von der Stadtverwaltung außerhalb des Gefahrenbereichs Freigetränke bereitgehalten, um die Schaulustigen aus eben diesem fernzuhalten, andererseits ließ es sich dann aber der Chef der Stadtverwaltung nicht nehmen werbewirksam beim abnehmen der Stahlketten „zu helfen“ ohne dabei entsprechende Schutzbekleidung wie Helm, Stahlkappenschuhe und Warnweste zu tragen.
Und zu allem Überfluß rannte dann auch noch der Herr Bauamtsleiter der Stadtverwaltung Hüfingen, auch ohne Schutzausrüstung, aber immerhin mit einer Flasche Bier in der Hand, in vorderster Front herum und lief den Arbeitern an der Brücke zwischen den Füßen herum.
Ein derartiges vorschriftswidriges und leichtsinniges Verhalten von Amtsträgern läßt tief blicken und wirft die Frage auf, ob diese bei der Ausübung der Amtspflichten auch so leichtsinnig und regelwidrig auf Vorschriften pfeifen. Ganz zu Schweigen von der fehlenden Vorbildfunktion für Andere.
unsere Kugeldisteln sind in der Blüte ein Insektenparadies vor allem für große und kleine Hummeln. Aber auch Schmetterlinge statten ihnen einen Besuch ab und der Moschusbock lebt schon über eine Woche dort. Er oder sie ist auf Partnersuche, nur deswegen existiert er etwa sechs Wochen, die meiste Zeit lebt er als Larve vor allem in Weidenbäumen.
Das Hauptmotiv ist unten zu sehen. Es ist wiederum eine Wildbiene, sie wissen ja, da gibt’s viele Arten. Unter anderem auch die gelbbindige Furchenbiene. Sie ist im Gegensatz zu den meisten Wildbienen eine Klimawandelgewinnerin. Bis 1990 war sie nur in den südlichen, wärmsten Teilen Deutschlands verbreitet. Mit den steigenden Temperaturen breitete sie sich seitdem bis nach Norddeutschland aus.
Die honigbienengroße gelbbindige Furchenbiene nistet gerne auf Streuostwiesen und in Gärten an ebenen oder leicht geneigten Stellen, die gering bewachsen sind. Ihre Nester sind bis zu 60 Zentimeter tief eingraben. Fällt einem da noch etwas ein? Ab Mai beginnt die Nesterstellung in großen Kolonien unter der Erde. Dabei verwenden sie das Nest, in dem sie zuvor mit anderen Weibchen überwintert hatten. Eine Besonderheit ist, dass nicht die Weibchen einzeln alles machen müssen, sondern, passen Sie auf: Mehrere im Vorjahr begattete Weibchen überwintern in ihrem Geburtsnest und bilden im Frühling Weibchen-Gemeinschaften. Also wieder ohne die Männer. Das größte Tier übernimmt die Funktion der Königin, bleibt im Erdnest und legt als einziges Weibchen Eier. Die übrigen Weibchen sammeln Pollen und Nektar als Vorräte für die Brutzellen. In jeder Zelle legt die Königin ein Ei ab. Sie bewacht auch das Nest, während die restlichen Bienen der Gemeinschaft als Arbeiterinnen Nahrung sammeln. Also wie bei den Honigbienen. Kurz bevor der Nachwuchs der Königin schlüpft, ist es mit dem Gemeinschaftsleben aber vorbei. Die Königin vertreibt die anderen Weibchen, die daraufhin selbst Gänge in die Erde graben oder sich in den Höhlen anderer Arten einnisten, um schließlich selbst Nachwuchs heranzuziehen. Das ist doch der Hammer.
Das rechte Bild bekam ich von Patrick Büchele aus Aitern-Rollsbach als Anfrage, was das sei. Da ich mein Bild (links) kurz vorher von Edmund Zaiser aus Zimmern unter der Burg bestimmt bekam, konnte ich es ihm sagen.
Auf dem Bild oben sind zwei Eingänge in dem wenig bewachsenen Boden zu sehen. Vielen Dank Patrick Büchele!
Mitten in die einzigartige Kulturlandschaft auf Rügen soll jetzt ein LNG-Terminal gebaut werden. Es wäre vielleicht ganz sinnvoll gewesen, sich mit dem Erbgut dieser Insel zu befassen, bevor man sie der Industrialisierung opfert. (Renate Meinhof: „Ein Rohr durchs Paradies“, Süddeutsche Zeitung v. 21. Juli 2023)
Nein, die Autorin ist nicht etwa verwandt mit der Terroristin Ulrike M., und sie gilt wohl auch nicht als sonderlich subversiv; doch um heutzutage über die Folgen der Energiewende eine so bittere Bilanz in einer ganzseitigen Reportage auf Seite Drei einer Tageszeitung zu verbreiten, muss sie als Journalistin wohl viel Renommee haben in der Redaktion – und sich als gebürtige Insulanerin auch besonders betroffen fühlen. Was sie über den bereits beschlossenen LNG-Terminal auf Rügen recherchiert hat, ist wahrhaft erschütternd:
Caspar David Friedrichs bekanntestes Motiv
Der energiepolitische „Sachzwang“ schmerzt heftig, mit dem die Opferung einer einzigartigen Vorzeigelandschaft für Kultur, Natur und Tourismus begründet wird. Befinden wir uns hier doch in Caspar David Friedrichs „Wohnzimmer“, am Rande des Jasmund Nationalparks mit seiner Stubbenkammer (deren Buchenwald UNESCO-Weltnaturerbe ist!) sowie auf der Strandpromenade des noblen Kur- und Badeorts Binz. Kurzum: es handelt sich um ein gegen alle Widerstände der Einheimischen bis hin zur Ministerpräsidentin kurz vor der Sommerpause vom Bundestag noch durchgewunkenes Großprojekt, das vom Bundeskanzler zur Chefsache erklärt worden ist. Ein neues „Deutschlandtempo“ gelte es dabei einzuhalten, ein Bautempo, wie es von den Machern der vom Lieferstopp russischen Erdgases und vom Klimawandel erzwungenen Transformation bislang sonst allenthalben vergebens angestrebt wird – trotz aller Beschleunigungsvorsätze der Behörden.
Der SZ-Bericht schließt mit den Worten eines ganz und gar desillusionierten Hans Dieter Knapp, seines Zeichens langjähriger Leiter der Außenstelle des Bundesamts für Naturschutz mit Sitz auf der kleinen Nachbarinsel Rügens, der „Malerinsel“ Vilm, wo sich seit Deutschlands Wiedervereinigung jahraus jahrein professionelle und ehrenamtliche Naturschützer ihr Stelldichein geben, um kluge Ideen auszutauschen: „Der Irrsinn nimmt scheinbar seinen Lauf.“
Carl Gustav Carus: Eichen auf der Malerinsel Vilm
Dabei ist das Rügener LNG-Projekt zwar sicherlich ein besonders krasses Beispiel. Und doch droht es, symptomatisch zu werden auch für andere „beschleunigte“ Ausbauvorhaben in unserer an noch halbwegs intakten Wohlfühllandschaften schon so armen Republik – man denke an die Überstellung von Wald und Flur mit monströsesten Windenergieanlagen, mit Solarfeldern und Leitungstrassen. Der Landschaftsschutz, für den schon vor 150 Jahren Verschönerungsvereine, sodann die Naturschutzverbände auf die Barrikaden gestiegen sind (und der mittlerweile sogar im Grundgesetzartikel 21 a verankert ist) scheint endgültig auf die Verliererstraße zu geraten. Und wer sich noch immer gegen die Inanspruchnahme der letzten leidlich ungestörten, reizvollen Landschaften zu wehren wagt, wird prompt als AfD-Sympathisant verdächtigt.
Von Carl Gustav Carus (1789 – 1869), dem Arzt und Malerfreund von Caspar David Friedrich, ist über seine künstlerisch so produktiven Rügen-Aufenthalte das zeitlose Bekenntnis überliefert „…ich habe kaum jemals wieder dies Gefühl so reinen, schönen und einsamen Naturerlebnisses gehabt…“. Soll hier nicht auch Johannes Brahms vom Natur- und Landschaftserlebnis mächtig inspiriert worden sein? Doch egal, auch wenn sich auf dem Königsstuhl heute Touristenherden drängeln, angesichts des Terminals und der mit Flüssiggas beladenen Tankschiffe vor den Kreidefelsen und vor dem Binzer Strand wird man die Landschaft künftig anders, jedenfalls weit weniger einzigartig akzeptieren müssen.
Es sei denn, die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht, die vom Ostseebad aus Sorge um die Zukunft von Tourismus und Umwelt angestrengt wird, hätte schließlich doch noch Erfolg. Oder sollte gar die Strafanzeige gegen die Betreiberfirma „wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Geldwäsche“ womöglich noch die Wende bringen? Tempo ist allemal angesagt.
Dem Wasserhaushalt kommt eine Schlüsselfunktion bei der Anpassung von Wäldern an zunehmende Trocken- und Hitzereignisse zu. Bei allen waldbaulichen Eingriffen ist daher besonderes Augenmerk auf die Bewahrung bzw. Verbesserung des Waldbinnenklimas und des Bodenwasserangebots zu legen, um Temperaturextreme abzupuffern und die Konkurrenz um Wasser abzumildern. (Wälder im Klimawandel: Steigerung von Anpassungsfähigkeit und Resilienz durch mehr Vielfalt und Heterogenität. Ein Positionspapier des BfN, Bonn 2019.)
Alle Welt stöhnt im Juli 2023 unter neuen Hitzerekorden. Kaum weniger hitzig ging es derweil im Straßburger EU-Parlament zu bei der Abstimmung über das Renaturierungsgesetz. Denn die größte Fraktion, die konservative EVP, hatte sich vor den Karren der Bauernverbände spannen lassen und gegen den Green Deal von EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen gestimmt. So gab es denn nur eine hauchdünne Mehrheit für das Gesetz, dessen endgültige Fassung von den Vertretern der EU-Staaten und des Parlaments freilich erst noch vollends ausgehandelt werden muss. Um den Kollaps der Ökosysteme zu verhindern und den Artenschwund aufzuhalten, sieht es bis 2030 Renaturierungsmaßnahmen vor auf mindestens 20 Prozent der EU-Flächen und Meeresgebiete. Im Fokus stehen dabei vor allem Moore und Wälder, die als wirksame CO2-Speicher nur in möglichst intaktem Zustand taugen: die Moore wassergesättigt, Wälder bei möglichst stabiler Dauerbestockung – andernfalls gehören sie eher zu den Emittenten.
Die allermeisten Moore sind freilich längst entwässert und in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt: nicht zuletzt deshalb auch der erbitterte Widerstand der Agrarlobby. Doch nicht viel besser erging es Mooren in den Wäldern, wo sie schon seit über zwei Jahrhunderten mittels umfangreichen Grabensystemen drainiert und „melioriert“ worden sind. Speziell die abflussträgen Lagen des Buntsandstein-Schwarzwalds waren einst durchsetzt mit „Mösern“ und „Missen“, deren Entwässerung zum Pflichtprogramm ordnungsgemäßer Forstwirtschaft gehörte, ja, bisweilen noch immer dazu gehört.
Beispielhaft sei aus der Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Forstwirtschaft von E. Wohlfahrt1 zitiert: Die Gräben wurden nach Tiefe und Breite unterschieden in Hauptgräben 1. und 2. Ordnung und in Seitengräben der 1. und 2. Ordnung. Allein im F. A. Friedenweiler wurden mehr als 90 km Gräben neu angelegt und ca. 80 km unterhalten. Nachdem die Grabenziehung beendet war, bemühte man sich, diese Gräben offenzuhalten und neue Gräben lediglich zur Ergänzung des Grabensystems anzulegen. Die Wirkung der Grabenziehung sei, so berichtet Wohlfahrt, noch verstärkt worden durch die einsetzende Anlage von befestigten Wegen und unbefestigten, aber ebenfalls mit Seitengräben versehenen Schneisen. Es ist kein Geheimnis, dass diese Grabensysteme aus dem 19. Jahrhundert im F.F. Großprivatwald auch nach der Jahrtausendwende noch mit Baggerhilfe weiter unterhalten wurden. Weder Naturschutzbehörden noch Wasserwirtschaftsämter wagten hiergegen einzuschreiten, wo von den Gräben wenn schon nicht die letzten Auerhühner, so doch Libellen und Amphibien profitierten.
Foto: B. Scherer
Im benachbarten Villinger Stadtwald beschreibt U. Rodenwaldt2 die im 19. Jahrhundert gängige Praxis nicht weniger plastisch: Im „Allgemeinen Kulturplan“ des Einrichtungswerkes 1837 wurde für die Zeit bis 1857 die Trockenlegung von 363 Morgen (etwa 120 ha) vorgesehen. Bis 1848 waren bereits 9000 Ruthen (27 000 m) Entwässerungsgräben angelegt worden. Für das nächste Jahrzehnt wurden weitere 3700 Ruthen vorgesehen. 1857 heißt es dann: Ungleich mehr ist für die Trockenlegung geschehen und wurden anstatt der vorgesehenen 3700 Ruthen Gräben 10 320 Ruthen (= 30 000 m) Abzugsgräben angelegt. Die Entwässerung wird daher in nächster Zeit als beendet angesehen werden können.
Doch auch noch im Zuge der Wiederaufforstungen der Franzosen-Kahlhiebsflächen in den Nachkriegsjahren habe man die Erfahrung machen müssen, dass die Kulturen erst nach Anlage neuer Gräben gelungen seien. Weshalb in der Liste der Empfehlungen Rodenwaldts für die künftige Kulturtätigkeit die „Öffnung der alten Gräben“ noch an oberster Stelle rangiert.
Im Hintervillinger Raum, dem Bereich des (2005 aufgelösten) staatlichen Forstamtes, waren die Gräben schon länger nicht mehr offengehalten worden. In den 1980er Jahren begann man im Staatswald da und dort, sie mit Baggerhilfe zu verschließen und zu Tümpeln umzugestalten, um so der Amphibienwelt zu helfen. Wo sie im Nahbereich von jagdlichen Einrichtungen entstanden waren, sorgten sie bei Morgen- und Abendansitzen zunehmend für Kurzweil, denn hier war immer etwas los – hier entstand neues Leben im Ökosystem Wald.
In den 1990er Jahren, nach Waldsterben und den ersten großen Orkanschäden, wurde nicht nur die naturnahe Forstwirtschaft propagiert und im öffentlichen Wald vorgeschrieben. Auch die Umweltverbände begannen, sich stärker für den Wald zu interessieren und zu engagieren. Der NABU erfand die Naturwaldgemeinde, in welcher der Waldökologie ein besonders hoher Stellenwert beigemessen werden soll, bis hin zur Entlassung von fünf Prozent der Waldfläche aus der Bewirtschaftung. Königsfeld, das mit seinem kurortsnahen Doniswald schon immer ein besonders enges Verhältnis zum Wald gepflegt hatte, wurde 1997 bundesweit erste Naturwaldgemeinde, Mönchweiler und Bad Dürrheim folgten alsbald nach, jeweils unterstützt durch das Forstamt und seine für die Gemeinden zuständigen Forstrevierleiter.
Das NABU-Etikett Naturwaldgemeinde scheint sich bei den drei Gemeindegremien seither einiger Wertschätzung zu erfreuen, auch wenn es in Baden-Württemberg (bei insgesamt nur neun Naturwaldgemeinden) ansonsten bisher keine Erfolgsnummer geworden ist. In Königsfeld feierte man im Juli vergangenen Jahres mit einem Festakt und Exkursionen den 25. Geburtstag. Dank naturnahen Waldbaus und erfolgreichen Wirtschaftens konnte dabei, trotz mancher Schadereignisse, auf eine noch immer vergleichsweise erfreuliche Verfassung des Gemeindewalds verwiesen werden. Noch bemerkenswerter war für die Exkursionsteilnehmer freilich, was sich (nicht zuletzt auf Initiative des im Naturschutz besonders engagierten Revierleiters) inzwischen auf den abzugsträgen Buntsandstein-Waldstandorten getan hat: Durch Verschluss der alten Drainagegräben mit Baggerhilfe wurde eine Vielzahl von Kleingewässern geschaffen, von denen nicht nur Amphibien profitieren, sondern der Wasserhaushalt insgesamt – im Klimawandel zweifellos die entscheidende Voraussetzung für die Widerstandskraft des Waldes. Auch Torfmoos findet sich nun wieder ein und beginnt mit neuerlicher Moorbildung. Der Aufwand für die Baggereinsätze hatten sich im Königsfelder Waldhaushalt als verschmerzbar erwiesen, schließlich war vom Landratsamt an der Peripherie der Gemeinde, am Brogen oben, ein Windrad genehmigt worden mit der Auflage einer Ausgleichszahlung, die in den Wald fließen durfte. Der Aufstau in den alten Drainagegräben – eine späte Wiedergutmachung!
Egal, was das Renaturierungsgesetz noch bringen mag für die Waldwirtschaft, im Königsfelder Gemeindewald haben sie den Green Deal der EU-Ratspräsidentin vorausschauend bereits vollzogen.
1 Wohlfahrt, E.: Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Forstwirtschaft. Stuttgart und Donaueschingen 1983.
2 Rodenwaldt, U.: Der Villinger Stadtwald. Villingen 1962.
an kaum einem Beitrag habe ich so lange herum gedoktert, wie an diesem. Das Bild oben vom Feldahorn stammt schon vom 19. Juli 2020 und Bild unten vom 21. Juli 2020.
Bergahorn
Die anderen sind vor kurzem aufgenommen worden. Was ich feststellte, dass im Hochsommer bei manchen Arten die neuen Blätter nicht wie gewöhnlich grün sind, sondern rot oder gelb verfärbt. Man hat das Gefühl, die herbstliche Laubverfärbung würde einsetzen. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen?
Japanische Quitte
Walnuß
Storchschnabel
Haselnuß
Wieso verfärben sich da die jungen Blätter? Ich fand im Internet vom Nabu folgendes:
„Dummerweise haben Blätter keine Sonnencreme wie wir Menschen. Aber der rote Farbstoff schützt sie ganz gut vor einer hohen Sonneneinstrahlung. Deshalb stellen die jungen Blätter am Anfang sehr viel von dem Farbstoff her und wirken dadurch rot. Für die rote Farbe der Blätter sind die Anthocyane verantwortlich, Farbstoffe, die auch Brombeeren und Rotwein ihre Farbe verleihen.“ Also ist die Hitzeeinwirkung der Auslöser.
Das ist doch der Hammer, finde ich. Für die Stoffproduktion über die Photosynthese ist aber das Blattgrün notwendig mit dem Stickstoffatom im Zentrum. Heißt das, dass die roten Blätter keine Photosynthese betreiben? Doch, die rote Farbe überdeckt nur das Grüne. So können auch Rotbuchen ebenfalls die existentielle Photosynthese betreiben, wie die normalen Buchen auch. Das ist doch toll, finden Sie nicht auch? Das Bild unten zeigt sehr schöne Rotbuchenexemplare in Donaueschingen. Passend zur roten Kappe des Denkmals.
Ich bin froh, dass ich den Beitrag endlich gepackt habe, ein Grund war, dass es mir erst jetzt in der Pension richtig klar wurde.
Ausgangsbild stellt die Situation dar einen Tag nach dem kurzen, aber gewaltigen Gewittersturm am 21. Juni 2023. Lauter Marienkäferlarven, die vom stark verlausten Kirschbaum an die Hauswand geweht wurden. Das habe ich noch nie gesehen. Dann war die Frage, was wird aus denen?
Die Bilder oben liefern die Antworten. Sie verpuppen sich, kleben sich fest und verwandeln sich nach etwa sieben Tagen zu einem frischen Marienkäfer. Ein richtiger Naturhammer finden Sie nicht auch? Auf dem Bild links sieht man eine Larve, die scheinbar mit einer Puppe kommuniziert, und beim Bild rechts war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz, ein frisch geschlüpfter Marienkäfer mit seinem Puppenkorsett konnte ich ablichten. Die schwarzen Punkte sind schon angedeutet, können Sie sie erahnen? Ich war richtig froh, denn diese Puppengeschichte war mir bisher noch nicht ganz klar. In der Puppenphase wird nur verwandelt und nix gefressen. Was Larven und Käfer fressen wissen Sie, Blattläuse und nochmals Blattläuse. Und weil es dieses Jahr viele gibt, sehen wir auch sehr viele Marienkäfer.
Übrigens, in Deutschland gibt es laut Wikipedia etwa 70 Marienkäferarten.
Vierpunktmarienkäfer
Eier des Marienkäfers
Wenns gut läuft, werden aus den Eiern in vier Wochen Marienkäfer. Beachtlich, finde ich das.
Es freut mich richtig, dass es mir dieses Jahr gelungen ist, die ganze Entwicklung des Marienkäfers bildlich festzuhalten.
Die Gemeinderatssitzung zum esb Verkauf wurde von letzter Woche nach heute in den Urlaub unseres Fraktionssprecher verschoben. Aus diesem Grund haben wir beantragt den Entschluss auf die Sitzung am 27. Juli zu verschieben. Zudem wurden die Stadträte die letzten Tagen mit vielen Sichtweisen aus Leserbriefen und E-Mails konfrontiert.
Die Koalition aus CDU/FDP/FW hat dies abgelehnt, obwohl allen bekannt war, wie wichtig dies Peter Albert ist.
Für die Sitzung hat der Bm eine neue Sitzungsvorlage als Tischvorlage den Gemeinderäten hin legen lassen über die abgestimmt werden solle.
Aber ich will hier gar nicht lange reden. Es kam wie es immer kommt: die FDP/FW/UWV schließt sich der CDU und dem Bm an. Hiermit wurde gegen die Stimmen der SPD und uns dem Verkauf zugestimmt und die 3,7 Mio sollen in die Nahwärme fließen. (Abzüglich Steuer 3,2 Mio.)
Also 11 Stimmen für den Verkauf und 6 dagegen (SPD, Bürgerforum/DIE GRÜNEN Fraktionen.)
Die SPD hat tapfer gekämpft. Danke!
Die Rede von Michael Steinemann hierzu gibt es hier:
am 29. Juni radelte ich zur Sperbelhalde. Waren Sie in der Zwischenzeit auch schon einmal dort? Es ist jederzeit interessant. Schachbrettfalter, Liliengras, Stendel- und Mückenhändelwurze sind gerade die Klassiker.
Ich zeige Ihnen aber etwas anderes, einen Jungvogel, der keinen Mucks von sich gab und sich nicht regte, während ich ihn von allen Seiten fotografieren konnte. Ich wäre auch fast an ihm vorbeigelaufen, aber er hat sich mir verraten. Die meisten von Ihnen wären vermutlich weitergelaufen, mein Interesse war jedoch geweckt. Ich weiß, dass diese Vögel in diesem Gebiet zu Hause sind und Wacholderheidebüsche mögen. So habe ich ihren Kotplatz am 29. Mai fotografieren können, was mich überrascht hat. Aber jetzt geht’s um die Frage, zu welcher Vogelart der Junge gehört. Diese Frage hatte ich auch im Whatsappstatus. Als Antwort kam dort Kuckuck, Zaunkönig und die Lösung, ein Neuntöterjunge.
Wären Sie darauf gekommen? Junge Vögel sehen halt doch ganz anders aus als die Altvögel. Beeindruckend ist die Strategie, keinen Laut von sich zu geben und vollkommen ruhig zu verharren. Doch bei Franz Maus hat es nicht funktioniert, aber der ist ja auch keiner, der ihm etwas Böses antun will. Die Eltern habe ich nach diesem Erlebnis auch noch sehen dürfen. Vielleicht wissen Sie es noch, ich habe schon einmal einen Beitrag über den Neuntöter geschrieben, so dass ich nur sagen will, dass er erst im dritten Maidrittel ankommt und Anfang August wieder nach Süden zieht. Also wer ihn beobachten will, hat nicht mehr viel Zeit. Er spießt seine Beute als Vorrat gerne auf Dornen auf, daher sein Name.