Beim Aufräumen fiel mir neulich ein wilhelminisches Zeitdokument in die Hände: in Buchform der komplette Jahrgang 1900 einer Gratisbeilage der Nixdorfer Zeitung und des Britzer Tageblattes, das Sonntags-Blatt. Während Britz, ein ehemaliges Rittergut mit Schloss und Gartenareal, noch leicht identifiziert werden kann, obwohl es mittlerweile von der Hauptstadt Berlin aufgesogen und dem Stadtteil Neukölln zugeordnet wurde, sucht man Nixdorf vergebens; mit Google-Hilfe werden allenfalls Nixdorf-Computer und andere Namensträger aus der IT- und Kfz-Branche ausgespuckt. Ein Erscheinungsort ist nicht mehr ausfindig zu machen. Dennoch wird schon beim ersten Durchblättern klar, was die (offenbar vorwiegend preußische) Leserschaft damals als Wochenendlektüre bevorzugt und aufgetischt bekommen hat: Reich bebilderte Berichte von den Kriegsschauplätzen in Südafrika und China, vom industriellen Aufschwung, von Neuerungen bei der deutschen Kriegsflotte, bisweilen auch Reportagen über aktuelle Brand- wie Eisenbahnkatastrophen, vor allem aber reichlich Adelsgeschichten.
Natürlich darf auch die allwöchentliche Herz- und Schmerz-Fortsetzungsgeschichte nicht fehlen. Über Monate hinweg ist es der Roman „Maria da Caza“ eines Georg Freiherrn von Ompteda (verbunden jeweils mit dem Hinweis „Nachdruck verboten“). Auch „Das Dampfboot“, die „Erzählung vom Bodensee von Arthur Achleitner“ hält sich recht lange. Und in der zweiten Jahreshälfte ist es dann der Roman „Daniela“ eines Hans Wachenhusen, der die Leserschaft bis zum Jahresende gefesselt hat. Zudem wird jeweils ein buntes Allerlei mit Spielecke, Rätseln und Vexierbildern verabreicht sowie die Sparte Humoristisches mit Kurzgeschichten und Karikaturen.
In den Letzteren taucht erstaunlich oft die Gestalt des Försters auf, in der Regel zusammen mit der des Sonntagsjägers. Das Strickmuster ist dabei zumeist von entwaffnender Schlichtheit und verleitet heutzutage kaum mehr zum Schmunzeln: Beispielhaft etwa auf S. 88 unter der Überschrift Treffend ausgedrückt: Förster (zum Sonntagsjäger): „Donnerwetter…. Sie haben ja den jungen Studenten angeschossen – heute ist doch keine… Fuchsjagd!“ Oder auf S. 362 unter der Überschrift Ein Praktikus: Sonntagsjäger: „Warum verbieten Sie den alten Weibern nicht, dass sie sich während der Jagd hier herumtreiben?“ Förster: „Fällt mir gar nicht ein, da hätten ja die Herren gar keine Ausrede mehr, wenn sie nichts treffen.“
Unter Humoristisches findet sich auf S. 80 indessen auch ein verblüffendes Dokument, das nahelegt, dass zum Jahrhundertwechsel wohl doch nicht nur Adelsverehrung, technischer Fortschrittsglaube und imperiales Getöse den Ton angegeben haben. Die Karikatur lässt vielmehr vermuten, dass es in der wilhelminischen Gesellschaft auch pessimistische Unterströmungen gegeben hat. Wie anders lässt sich der Dialog der beiden Waffenträger deuten? Könnte es sein, dass der Aufbruch ins 20. Jahrhundert angesichts der martialischen Aufrüstung der Flotte wie der militärischen Strafaktionen in Südafrika und China doch auch von Skepsis, ja von apokalyptischen Ängsten begleitet wurde – womöglich sogar in düsterer Vorahnung der beiden Jahrhundertkatastrophen, den späteren Folgen deutscher Großmannssucht? Hatten deshalb auch bereits Weltuntergangsszenarien Konjunktur? „Haben Sie gelesen, Herr Oberförster, die Welt soll untergehen?“ so fragt der bebrillte Mitjäger. „Mir egal … ich lüg mich schon durch!“, meint dazu sein bärtiger Gegenüber in der Karikatur, wie es ausschaut sehr gelassen, kaum dass er dazu die Pfeife aus dem Mund nehmen muss. Auf was sonst, als auf eine verbreitete, zumindest unterschwellige Stimmung im Volk spielt das Sonntags-Blatt hier an? Oder war es schlicht der Jahrhundertwechsel, der immer auch die Kassandras und Weltuntergangspropheten aus der Deckung hervorzulocken pflegt, nicht anders als es uns Heutigen aus Anlass des Jahrtausendwechsels in Erinnerung geblieben ist – auch wenn es dann vor allem die Computer-Nerds waren, die den ganz großen Crash befürchtet haben.
Nixdorf ist mittlerweile überall, und auch „wir lügen uns schon durch!“, wie der Oberförster meinte in der Karikatur. Ob der damit womöglich auch die gegenwärtig herrschende Grundstimmung noch zielgenau treffen würde?
Gestert Obet hät mich d` Barbara Riesle usem Holzschlag, des isch d`Regieseurin vu de Jostäler Freilichtspiel, ganz vergelschteret aagruefe. „ Mir finde aifach kaini Saichente us Glas, nu so Plaschtik Glumpp. Des kinne mir natierlich nit bringe. Mir wend selli wirklichkeitsnoh die Gschicht vum Glasmache in de Glashitti im Ferndobel verzehle. Au die Requisite und die Werkziig und die ganze Klamotte und d` Kulisse mien doch stimme“. Natierli han i beim Stückleschriebe genau des au welle und genau beschriebbe und verklickeret. Mit de Schauspieler und de ganze Mannschaft us Kulissebauer, und Liit hinter de Kulisse, hemer en Bildervortrag gmacht. So hend die sich ins Stückli niidenke kinne. Au de Staiberg und de Weg vun de Staibergkuppe, wo sie de Quarz, die Gaggeli, gholt hend , hemmer en ganze Mittag lang aaguckt und de zauberhaft Geist vun dem Ort ufflebe losse. S`eigentlich, tatsächlich Glasmache hemer in de Dorotheehnhütte in Wolfach aaguckt und uns vum Konrad Murr, eme Wolterdinger Nochber und langjährige Glaskocher in Wolfach, zeige und erkläre losse. Au des hend die Jostäler Gsellschaft denno druffghet. S’Köhlere hemer uns vum Reinhold Berger, einem der fundierte Kenner und Könner und aktive Schauköhler, in Wolpadingen, am Dachsbverg, zeige und erkläre losse. Modell für Riese, Gaggeli- Staipoche, Seilereimaschinle, historische Glasträger-Krätze hemer baut. Und au noch Glas-Saichente, e liicht derbe, aber aaschauliche Einlage in dem Stückle, hemer gsucht. Letztjohr het mer no gläserne kriegt. Aber jetzt wo`s druff aakumme isch, jetzt häts beigott doch no saumässig klemmt.
„Verzwiefel nit, Barabara, des krieger mer au no naa!“, han ich sie beruhigt und Seelemassage am Telefon, Telefonseelsorge gmacht. E weng isch mir aber s’Stiftli doch au gange, nochdem de Impressario Helmut Lüber de ganz Hochschwarzwald und de Breisgau i Altersheim, Krankehieser, Sozialstatione und private Speicher durchgwühlt het. Nint, nu Plastik Pissente. Alls het mer fortgworfe, des schwer, versaicht, alt Glasglumpp.
Uff unsere eigene, private, umfangreiche Fundbühne hemer ai einzige, ai gozige ghet. Mir sotet aber 10 – 12 haa. Wo denno s` Telefon als Zaiche fum Ufflege pieps hät, han i zerscht mol e liichte Schnappathmung ghet. Paar Minute später bin i draa gange. Internet, ebay, alli zahlreiche bekannte Altepflegerinne: Alles nint. Morge ruef ich beim Konrad Murr in Wolfach aa, dass die uns 10 mundbloosene mache. Des wär nit ganz billig. Die hend uns aber au beim ganze Glasmacherwerkzieg freundschaftlich und selbstlos gholfe. Des wird e uuruhige Nacht.
Halt emol, Borgeli, kunnts mir, ich han jo au im Schwizer ebay, bim Ricardo, en Account. Do han ich scho mol en einmalig rare norwegische Spark (Art Schlitten- Rolator) gfunde. Heilige Schwarze Madonna vu Einsiedle, jetzt muesch mol helfe!
Also gib ich kuntenend ii:
„Pissente“. Het mir glii denke kinne, dass die Galöri des Wort nit kennet.
Zweite Begriff uff alemannisch: „Saichente“, oh je des isch sogar de Schwizer z’derb, z’uugobelt. Oder sind so Näme gsperrt, uusgfiltert ?
Dritte Begriff, fachmännisch, schriftdeutsch, literarisch-hygienisch und klinisch uubedenklich: „Urinflasche für Männer“. Im Bruchteil vu Sekunde e lange Liste wieder zerscht mit Plastikflasche, PE, PET, Acryl, alle mögliche Forme und Designs.
Halt, oha, an Position 17: „Glasurinflasche aus Armeebestand“. Des Wort für Männer, Homme oder Mascule, hät mer sich natierlich gspart. Nit wie beim teutonsiche ebay, wo i de Machart streng zwische Manne und Fraue unterschiede wird. Oachene Schwizer wisset, dass es konni Fraue i de Armee giht. Also au konni ergonomisch modellierte Pieselflakons. Sogar s’Frauewahlrecht isch in Appezell- Userrhode erscht anne 1978 iigführt wore. Armee-Fraueurinflasche, do stellet sich jedem SVP-ler d’Stiernackehoor. Sogar de CVP- ler und de Freisinnige.
En Herr Hermann Lörli us Neftenbach bietet, O-Ton „ 4 ASM Armeehospital, Militär: Urinflasche“ für SFR. 25.- an. „Verkaufe die Urinflaschen aus Räumung eines Militärnotspitals. Habe diese gerettet. Die Flaschen sind noch aus Glas!“ Im Fotole kaa mer feinste schwizer Präzisions- Eichstrich im Deziliterbereich erkenne. Unsere vu de Bühni zoaget nu Vierteli aa. Gottverdelli, Hurekaibesaich, das Glück isch einfach mit den Doofen, denk ich und druck sofort, nuu 20 Minute noch em Aaruf vun de Barbara, und ohne lang z’fackle uf de Kaufknopf. Do wird Barbara und de Helmut aber gucke. Wieder nuu 20 Minute später kunnt e Strompost vum nette Hermann Lörli: „Kauf geht klar“. Die vier het emer scho mol und mail- Address vum Lörli han i jetzt au. Mir sottet jo mindeschtens 10 Saichente als Requisite und als Hauptgag, als stumme Star vum Obet, i der deftig- derbe Scene han. Probiere kann mers jo mol. Also mail ich im Hermann Lörli und erklär ihm händeringend, für was eigentlich und wie viel so Saichbuddel im Schwarzwälder Alemannien, im Jostal im Summer 2018, dringend bruucht wered. 10 Minute später kunnt wieder e elektronische Feldpost. „Wunderbar, ich hab insgesamt 14 Pulle damals beim Uusbaine vum Feldspital erbeutet. Die könnet ihr für 80.- Stutz han“. Schnell guck ich wo Neftenbach liet, irgendwoher kenn ichs? Aha, glii bei Winterthur gege Andelfinge. Do hät jo min Grosscousin, de Gourmekoch, de Cuesinier Jörg Kuhn gwohnt. Und zu allem Dusel dezue, kunnt der jetzt am Samstig zu mir. S’nächste mail goht an Lörli, an Jürg, an Lüber. Dutti-kompletti, vermeld ich, alle 14 Glasente sind kauft. De Jürg Kuhn vu Elgg, grad nu 20 km nebedraa, holt sie am Friitig ab beim Lörli, zahlt sie und schmugglet die hochgeheime, intime geheimnisträger us eidgenössische Armeebeständ am Samstig nus ins „Schwobbe“, in Schwarzwald. (ob des 3 Johr später beim Neutralitäts Waffeembargo Ukraine Krieg au no gange wär? ) Wa könntet die gläserne Enteli, die bestimmt feierlich vereidigte Gheimnisträger, alles an Jämmerlichkeite, Trüebsinn, Aagebereie und Kraftmeiereie verzelle, wenn sie frei quacke und schnattere könntet ?
Innerhalb vu 2 Stunde hät de Geheimdienst und s` Netztwerk vu Beziehungskischte des Saichenteproblem schnell, günschtig und unbürogratisch uffgleist.
Die einzige offene Froge sind noch:
Übergibt de heimatverbundene, helvetisch Miltaria – Sammler Lörli im Jürg Kuhn die War. Der hät sich nämlich dem Wehrdienst bei de folkloristische Armee durch Gourmee- Koch Aktivitäte in New-York und Irland schmählich als fast vaterlandslose, treulose, ehrlose Deserteur entzoge. Darf so ebber so zerbrechliche, intime, geheimnisvolle Militärbestände ussem Ländli uusschaffe ?
Wenn aber au no beim genetische Fingerabdruck bei einere vu dene Glasente ruuskumme sollte, dass die im Tornischter vum heldehafte General Guysant gsii isch, wird die Saichent no zu einere hochghandelte Reliquie. Oder hät amend eine devu de Adolf Oggi unterm Feldbett bim WK parat ghett ? Wenn de Nationalrot vum Armeedepartement Ueli Muurer sin Harndrang in so einere Pulle gstillt hät, denno wär sie derziit schwer zum vermärte.
Uff jeden Fall sind mir de wehrhafte Schwizer Armee, em Maketender Hermann Lörli und im Postillion und Kurier Jürg Kuhn zu immerwährendem Dank verpflichtet. Ohne den selbstlose, alemannische Kulturtransfer wär unsere Jostal-Freilichtstückle- Scene mit dem Glasbuddel- Ufftrag vum Sychehuus im Dreisamtal ums Hoor, im wahrschte Sinn vum Wort, jämmerlich de Orkus nab.
Grüezi mitenand, Merci vielmols und nünt für Ueguet, ihr schwiezer Militaria Sammler.
Stillgestanden!
Rührt euch!
Paar Woche später bsuechemer d Glasi Hergiswil. Dä wo die Glasmacher Blessing, Sigwart, Beha us Herzogewieler ännizüeglet sind noch em Glasi- Niedergang am Wolfsbach. Au die Glasi isch zwische de Weltkrieg am Vagante gsi. Huuresaich aber au. Weil Urinente aber offesichtlich vu nationaler Bedeutung waret, hät de Bundesrot für die Volklore Muli- Fahrrad- Schüssibengel Armee 40 000 Saichente z Hergiswil postet. Dodemit war d Buddi fürs erscht grettet. Wohrschienlich sind mini 14 Entili no us dem hochnoble, weitsichtige Rettungsfond. Swissair und Credit Swiss lond grüesse und Hergiswil sait mercy villmols.
Won i wieder mol s Gräch uffgrummt han, isch mer des Helvetisch Vorkriegsfahrrad unterkumme. Waa siehn i doo: Am Unterrohr isch koe Trinkflasch wie hit zu Tag aamuntiert, sondern so e Militärsaichente Marke „Glasi Hergiswil“.
diese Geschichte hat sich folgendermaßen zugetragen: Hans Hasenfratz aus Mundelfingen schickte mir die beiden Bilder. Ein Bild zeigt eine Igelmutter mit sechs kleinen Igeljungen.
Er erwähnte, dass sie Glück gehabt haben. Denn der Sohn wollte mit der Greiferanlage Stroh verlegen, als die Igelmutter sozusagen aus der Packung fiel. Sofort schaute er nach und entdeckte Gott sei Dank auch die sechs Jungigel. Der Karton diente nur als Zwischenlager, anschließend verkroch sie sich die Familie in einen Heuhaufen. Dort schaute Hans immer mal wieder nach ihnen, darauf achtend, dass sie nicht gestört werden. Dann schickte er mir das Bild unten mit der eindringlichen Frage, „wer war das“?
„Heute, am 24. Juli 2025, zwischen 11 und 17 Uhr wurden zwei Jungigel tot aufgefunden, in der Nähe war ein zweiter Altigel“. Diesen hat Hans entfernt und weiter weg gebracht. Ich könnte mir vorstellen, sie ahnen es, wieso er das gemacht hat. Er stellte mir die Frage, ob Igel Kannibalen seien. Zunächst antwortete ich, das kann ich mir nicht vorstellen. Mir fiel allerdings eine Geschichte aus meiner Kindheit ein, dass mein Vater im letzten Moment einen Katzenkater davon abhalten konnte, unsere Jungkatzen zu töten.
Verhalten sich Igel womöglich auch so? KI gab folgende Aussage: „Ja, es gibt Berichte über Infantizid = Kindestötung bei Igeln, insbesondere bei Männchen. Vermutlich deswegen, wenn sie das Gefühl haben, dass die Jungtiere nicht ihre eigenen sind“. Interessanter Weise ist in der Zwischenzeit die Igelmutter mit Ihren vier Jungen verschwunden. Keine Wunder würde ich sagen, sie hat nach diesen traumatischen Erlebnissen eine neue Behausung gesucht.
Bekannt ist das Kindertöten bei Löwen, wenn der alte „Chef“ abgetreten ist, trachtet der neue den Kindern des alten „Chefs“ nach dem Leben. Grausam aber wahr. Die Natur ist manchmal nicht zimperlich.
Vielen Dank Hans Hasenfratz für die Bilder und den ermöglichten Bericht.
wir waren übers Wochenende in Aitern-Rollsbach im Auerhahn, um endlich den Gutschein der Vorderwälderzüchter zur Pensionierung einzulösen. Dort sind wir bereits Stammgäste, denn die Ruhe dort gefällt uns sehr gut. Übrigends, beim Einmarsch der Franzosen 1945 sollen die Bergbewohner die Ortschilder abmontiert haben, so dass sie zunächst nicht gefunden wurden.
Nun, fällt Ihnen an Kreuz oben etwas auf? Ich könnte mir vorstellen, eher nicht. So ging es mir zunächst auch. Erkennen Sie, was da los ist? Im Status meinte jemand, ob das die Asiatische Hornisse sei, weil die Tierchen doch viel schwarz aufweisen. Nein. Es sind Hausfeldwespen. Sie müssen erkannt haben, dass das ein herrlicher Brutplatz für sie ist hinter dem Plexiglas. Denn sie brauchen Wärme, weil sie kein Nest haben, sondern nur einschichtige Brutwaben. Gott sei Dank hat der Erbauer genügend Abstand gelassen, so dass sie problemlos rein- und rauskommen. Oder hat er diese Verwendung der Gottemutter Nische womöglich geplant? Ich bin begeistert, wie die Wespen herausbekommen haben, dass das für sie das richtige Plätzchen ist.
Das Bild oben im Titel zeigte ich schon einmal bei meinem ersten Feldwespen Beitrag im Jahre 2017, ich erhielt es von Konrad Köstel aus Achern. Damals war die Brutwabe in einer Wäscheleinenstange.
Ein paar Worte zu den Hausfeldwespen: Sie sind volkommen harmlos, ihr Stachel kann die menschliche Haut kaum durchdringen. Die Arbeiterinnen leben vom Nektar von Doldenblütern, aber zur Aufzucht der Brut wird tierisches Eiweiß benötigt in Form von Fliegen und Steckmücken. Ihre Taille ist die schmalste aller Wespenarten und typisch sind die hängenden Hinterbeine im Flug. Überwintern tun nur die begatteten Königinnen, die anderen Tiere sterben – wie bei allen Wespenarten – ab.
Da ich immer wieder über kuriose wissenschaftliche Untersuchungen stolpere, wollte ich hier einen kleinen Blogbeitrag über „Fun Facts“ eröffnen. Dies hat nichts mit Hüfingen zu tun, sondern soll eine kleine Sammlung von unnötigem, aber interessantem Wissen sein.
Den Beginn mache ich mit dem Müllteppich im Meer, dem
Great Pacific Garbage Patch
Der „Müllteppich“ ist eine Bezeichnung für die Ansammlung von Meeresmüll wie unten im Nordpazifik.
Großer Pazifischer Müllteppich. Foto: National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)
Der Name „Pazifischer Müllteppich“ läßt vermuten, dass es sich bei diesem Gebiet um einen großen, zusammenhängenden Teppich aus Meeresmüll wie Flaschen und anderen Abfällen handelt – sozusagen eine Müllinsel, die auf Satelliten- oder Luftaufnahmen zu erkennen sein müsste. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar finden sich in diesem Gebiet höhere Konzentrationen von Abfällen, doch besteht ein Großteil des Mülls aus kleinen, schwimmenden Plastikteilen, die mit bloßem Auge nicht sofort erkennbar sind.
Diese Müllteppiche galten lange Zeit als unbewohnt, da das Plastik und die treibenden Fischereigeräte zu schädlich für das Meeresleben waren. Doch Forscher haben in dieser Müllansammlung ein ganzes Ökosystem entdeckt. Es befindet sich in der Mitte des Teppichs und die Meeresbiologin Fiona Chong hat es erforscht.
Zu den häufigsten Bewohnern gehören: Porpita – auch „blauer Knopf“ genannt. Es ist ein kleines scheibenförmiges Tier mit Tentakeln und es ist eng mit Quallen verwandt.
Porpita Foto: Bruce Moravchik (NOAA), Public domain, via Wikimedia Commons
Dann gibt es noch Segelquallen – auch „Windsegler“ genannt und Veilchenschnecken, diese Schnecken fangen Luftblasen ein, um sich über Wasser zu halten.
Segelqualle Foto: Public domain, via Wikimedia Commons
Diese und andere Organismen, die frei auf dem Wasser schwimmen, werden als Neuston, bezeichnet. Dies kommt vom Griechischen η πλωτή – das Schwimmende.
Neuston bildet untereinander ein Ökosystem und ein Nahrungsnetz. So fressen Veilchenschnecken Segelquallen und Porpita. Ein weiterer Räuber ist die Blaue Ozeanschnecke, auch Blauer Drachen oder Seeschwalbe genannt.
Chong merkt an, dass Porpita manchmal Partnerschaften mit kleinen Jungfischen eingehen, die dann gestresst sind, wenn sie von ihrem Porpita getrennt werden. Sie erkennen also ihren „eigenen“ Porpita. Außerdem sind Tiere wie der Sonnenbarsch, Seevögel und Meeresschildkröten dafür bekannt, dass sie Neuston fressen.
Trotz des Ökosystems sollte man nicht vergessen, dass der Müll im Meer vor allem tötet. Er tötet Schildkröten, Fische, Vögel und am Ende auch den Menschen.
Quelle: NPR, Shortwave vom 14.07.2025: Do you clean up ocean trash if it’s part of a vibrant ecosystem?
Der wortgewaltige Erzähler Roger Willemsen sagt, er erinnere sich an Städte, Länder, Landschaften, Erlebnisse oder Regionen fast nur anhand von erlebten Geräuschen. An Rom durch das ständige Surren der hochtourigen Motorinos. An Isafjördur im hohen Westisland wegen des Schlagen und Klackens eines sturmgepeitschten Fahnenmastseiles mit Karabiner vor dem Hotelfenster. Weil auch mich das einmal genauso um den Mittsommerhellen Schlaf gebracht hat, ergeht es mir seit Willemsen Tipp genauso. Hamburgs Dampfertuten, Münchens Glockenspiel, Lissabons Tramgebimmel und Gleis- Gekreische, Vierwaldstätter See Raddampfer Geplantschte, Pfferdehufestakkado beim Palio, das Rauschen am Regensburger Schwall, das Sturmgeheul auf der Glarner Fridolinshütte und die unvergessenen Eschinger Töne und Melodien wie d Siedebuddi und abdampfende Lokomotiven.
Und plötzlich, unverhofft und unerwartet ertönt erneut ein wahrhaft schneidendes Geräusch. Im allerwörtlichsten Sinn. Nur noch ganz wage erinnert man sich an dieses zischen aus Kindheitstagen. Auch damals schon selten, denn der Messerbalken am 13 PS Kramerbulldöggle mit seinem metallischen rattern und kreischen hat sich damals schon durchgesetzt. Vor dem stählernen Messerbalken mähten sich die Mäder aus dem Unterland gekonnt und virtuos in grossen Gruppen vom Schwarzwald in die Baar. Und sie brachten nebenbei die neuesten, meist deftigen Geschichten mit und belebten die Zagat- Abende am Hofbrunnen. Auch heirateten sie sich durch diese geselligen Abende in die Baar ein oder aus ihr heraus. Denn manche Magd oder Hoftochter wurde nebenbei durch diesen Heiratsmarkt der Wandermäder an den Kaiserstuhl entführt. Die Bauern, Knechte und Mägde nahmen die nicht mehr gut gepflegten und gedengelten Sensen, d Sägis, nur noch zum Ausmähen um Ecken, Bäume und Halden in die Hand. Da, wo sie mit dem klappernden, unkommoden Messerbalken nicht hinkamen.
Und urplötzlich ist es wieder da, das sanfte, rytmische Zischen in einem gleichmäßigen Tackt. Wie mit einem Metronom vorgegeben. Nur alle 2-3 Minuten unterbrochen von einem Wetzgeräusch. Auch das in einem klaren Polkatackt, linksrechts, linksrechts. Beendet mit einem klapper Klaks, wenn der Wetzstein wieder in den Kuhhorn Köcher fällt.
Wieder erlebt wurde das, als Wolfgang Köhler sich anbot, die Obsbaumwiese dieses Jahr von Hand zu mähen. Denn er hilft jedes Jahr drei Wochen lang einer Südtiroler Bergbauernfamilie Wildheue zu machen. An Steilhängen wird beharrlich von Hand mit hingebungsvoll gepflegten, kenntisreich gedengelten Sensen das Almkräutergras gemäht. Nachdem dieses gehaltvolle Wildheu dann in die Almhütten eingetragen ist, kehrt der „Schwarzwoid Wolferl“, wie ihn die Bergbauernfamilie anerkennend nennt, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zurück auf die Baar. Und dort lässt er seine Rasierklingen scharfen, perfekt gedengelten und gewetzten Sensensortimente durch durch das borstige Obsbaumwiesengras zischen. Es gibt sie also doch noch, die guten, hilfsbereiten Seelen und diese Zischtöne aus längst vergangenen Mädertagen.
wie schrieb ich ich letzte Woche über die Sackträgermotte? Etwas ganz Verruckts. Den gleichen Kommentar vergebe ich zum heutigen Thema über den Ameisensackkäfer. Was ist das denn für ein komischer Name? Abwarten, die Auflösung kommt.
Das erste Bild schickte mir Tierzuchtleiterkollege Dieter Kraft aus Schwäbisch Hall. Schöner Käfer dachte ich mir, fast wie ein Marienkäfer, aber der ist runder. Dann schickte mir kurz darauf Edmund Zeiser aus Zimmern unter der Burg das zweite Bild und schrieb: „Die Brutbiologie von diesem Käfer würde einen interessanten Beitrag abgeben“.
Ich wurde stutzig und nachdem ich nachgeschaut hatte, war vollkommen klar, dass das wieder ein Hammer ist. In meinem Hirn ratterte es, Mensch, den hast Du doch auch schon fotografiert und tatsächlich am 27. Juni 2024 auf einer verblühten Margerite in unserem Garten.
Der Hammer sind nicht die Käfer, sie ernähren sich ganz normal von Blättern verschiedener Baum- und Straucharten. Der Hammer sind die Larven. Sie leben in Ameisennestern und fressen Reste der eingetragenen Ameisenbeute oder auch tote Ameisen. Und nun kommt der Oberhammer, wie kommen sie in die Ameisennester hinein? Ich glaube, man kann es sich nicht vorstellen. Die Käfermama dreht zwischen den Hinterbeinen eine Eikugel. Dabei wird das Ei am Hinterleibsende immer wieder mit etwas betupft. Es wird dadurch mit einer Exkrementhülle umgeben. Dann wird das Ei in der Nähe eines Ameisennestes, meist von Nestern der Roten Waldameise fallen gelassen. Entweder wird es dann von den Ameisen aktiv in das Nest eingetragen, weil sie es irrtümlich als Nistmaterial verwenden wollen, oder die Larven dringen selbstständig in das Ameisennest ein.
Nach dem Schlüpfen aus dem Ei verbleibt die Larve in der Exkrementhülle, von daher kommt die Bezeichnung „Sackkäfer“, und erweitert sie sogar. Der Kopf der Larve ist stark geschützt. Zieht sie sich in ihren „Sack“ zurück, verschließt sie mit der Kopfkapsel ihr Refugium wie mit einem Deckel, der von den Ameisen nicht zerbissen werden kann. Ich würde sagen, hier kann man vom Oberoberhammer sprechen.
In der Zeit, in der sie sich im Ameisennest entwickeln, werden sie von dem Ameisen nicht als Feind wahrgenommen. Für erwachsene Ameisensackkäfer scheint das nicht zu gelten, weswegen sich die Larve kurz vor der Verpuppung möglichst nah an eine Stelle innerhalb des Nests begibt, die es dem geschlüpften Erwachsenen ermöglicht, das Nest schnell zu verlassen. Aus diesem Grund findet auch die Verpuppung innerhalb des Kotsackes statt. Diese Schutzhülle wird erst verlassen, nachdem der Käfer geschlüpft und sein Chitinpanzer ausgehärtet ist.
Was denken Sie, wie lange diese Entwicklung dauert? Erstaunliche zwei bis vier Jahre, bevor im Frühjahr das Ameisennest verlassen wird. Erwachsene Tiere findet man von Mai bis August beispielsweise an sonnigen Waldrändern, aber auch im menschlichen Umfeld wie Parks und Gärten können sie einem begegnen.
heute kommt etwas „ganz Verruckts“, wie der Schweizer säge dät. Dr. Gerhard Bronner vom GVV Donaueschingen schickte mir als Privatmann das Bild und meinte, das wäre doch auch was für die Bürgerpost. Gott sei Dank lieferte er auch die Erklärung dazu. Zunächst vermutete er eine Köcherfliegenlarve bei diesem Gebilde an seiner Hauswand, aber die kann nur im Wasser existieren. Über „iNaturalist“, inzwischen eine der beliebtesten Natur-Beobachtungs-Plattformen weltweit, kam er auf die Lösung, es ist ein Weibchen einer Rauch-Sackträgermotte. Ein Oberhammer, finden Sie nicht auch? Als ich die E-mail von Dr. Gerhard Bronner gelesen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich ging sofort in den Garten, weil ich genau wusste, dass ein Exemplar an der Hauswand und eins sich am Wasserfass befand.
Rauch-Sackträgermotte von Dr. Bronner
„Wasserfass“ Sackträgermotte
Mich würde an der Stelle interessieren, wer von Ihnen das Wesen gekannt hat? Oder wem es ging wie mir, der es gesehen hat und trotzdem blind war. Denn ich dachte, das kann nichts Lebendes sein.
Die Larven der Sackträgermotte bauen sich nämlich einen schützenden Sack aus Seide und verschiedenen Materialien wie Blättern, Zweigen oder anderen kleinen Partikeln. In diesen Säcken leben sie und schützen sich so vor Fressfeinden. Wenn sie ausgewachsen sind, verpuppen sie sich in ihrem Sack und schlüpfen schließlich als erwachsene Motten. Jetzt kommt aber ein zweiter Oberhammer, das machen nur die Männchen. Denn die Weibchen sind meist flügellos und bleiben oft ihr Leben lang im schützenden Gespinstsack. Der Körper des Weibchens ist madenförmig und kann gelblich oder hellbraun gefärbt sein, mit einigen dunkelbraunen Rückenplatten. Es hat gut entwickelte Beine, mit denen es sich fortbewegen kann.
Die Weibchen locken mit Duftstoffen die Männchen an, um sich zu paaren, und legen ihre Eier im Sack ab. Die Männchen leben nur wenige Tage, eigentlich nur wegen der Paarung.
Jetzt noch ein Detail: Vergeichen Sie die Sackträgermotte von Bild 1 mit den anderen beiden. Ich würde sagen, bei Bild 1 sieht man das weibliche Wesen, wie es aus dem Sack schaut. Meine sind in der Puppenruhe.
Vielen Dank Ihnen Herr Dr. Gerhard Bronner für die Zurverfügungstellung der Sackträgermotte. Das war Spitze.
Herrgottstag gesprochen von Maria Simon am 13. Juni 2023
Wenn des de Freiherr von Drais no mitkriegt hett
Herrgottsdag- Morge Aafang 1920- er Johr: Am Untere Bahwartshiesli z Degginge sind Motter Sophie, de Wilhelm, d` Berte , s`Klärli und de Seppli mit em Sunntigshäs vor de Hieslitüre fertig zum Abfahre an Herrgottstag gi Hifinge. S Häergatter isch kontrolliert, dass jo kon Fuchs im Hennefang e Bluetbad aarichtet S. Mekker- Gäessli und grunzig s `Süehli isch gfuetteret und und de Duubeschlag speerangelwiit uffklappt. D Sophie isch e Ur- Hifingeri und sie hät en Hotz ghierote, de Lixx, de Felix Hilpert vu Hiesere bei St. Bläsi im Obere Hotzewald. Ihn häts gi Degginge ad Bah verschlage. S kursierend Familie Grüecht sait, dass er ebbis verbootzget heb, de bärestark, oerche Haumoeschter us de Urwaldähnliche Wälder um Hiesere rum. Dä, z Uurberg, Dachsberg, Blasiwald und Menzeschwand kennt er sich uus wie im oegene Hosesack. Dä hinne hond sie scho immer gern gwilderet. De Lochheiri, de muusarm Gietler mit eme Stall voll Kind häts mit em Lebe zahlt. De gnadelos Waldhieter hät ihn in Flagranti verwischt und mit de Flinte verschosse. S Opfer isch wege dere Gnadelosigkeit aber zum heimliche Held, zum „Ganghofer“, vum St. Bläsemer Land wore. Die Not vu dene ville Halbwaisle vum Lochheiri us em Mucheland hond die raue Hotze dem Förster und de Obrigkeit uff langeewig nit vergesse. Sogar e Wirtschaft „Zum Lochheiri“ i de Iisebrechi bi Schluechs gihts, ganz zum Aadenke an den Wilderer, der us Mundraub- Not gwilderet hät. Wege so ere ähnliche Kummedi isch also de Lixx wahrschienli entweder freiwillig vu dä vertloffe oder sie honds ihm nahegleit. Er soll doch lieber oehmets änni gau, wo`s weniger dichte Wälder und weniger Reh und Hase gäb. Zum Biispiel uff die offe Boor.
So soll also de Lixx gi Degginge kumme sii, a d Bah und is „Unter Bahwartshieli“. Dä wo jetzet de Thomas Esslinger huuset. Dä sind au alli vier Kind uff d Welt kumme. Dieselle Kind also vum Lixx und de Hiefingeri, de Sophie, geborene Kramer, d Schweschter vum letzte Städlibuur Beppi Kramer, us em Siesse Winkel, sind dä z Degginge uffgwahse.
Hai, Hai, hucket huff
Vor em Bahwartshiesli stoht e Gamp- Draisine nebem Gleis. Gamp Draisine sind die bei de Bahn normale Gschierer, die i de Mitti zwei Schwengel hond wie bei ere Gillepumpi zum uff- und abgampe. En Exzenter triebt denno d Achs aa. Im Gegensatz zu de neie, moderne Tourischte- Draisine mit Fahrradtreter und Ketteritzel. Mit e paar Flüech schindet de bomstark Lixx des Gschier uff s Gleis. De ältscht, de Wilhelm, au scho e gross Kamel, hilft ihm debii. Im Lixx sin legendäre Fluech, der sich bald i de ganze Familie iignischtet hät, war : „Mundidie“, nu den därf er i sim Hotzejähzorn uussiblose, wenns wieder mol klemmt. Dodruff aachet die gottesfüerchtig und volksfromm Sophie wie en Gendarm. Vu wege die booremer Universalflüech wie „Herrgottsackrament“, „Himmel Arsch und Wolkebruch“ oder „Gottverdammi“. So holose, gottsläschterliche Fluech usem Hotze- und Buurefluechrepertoir gihts bi de Sofie nit. Nit ummesuscht isch de ältscht, de Wilhelm, später au Pater und Missionar z Brasilie wore. Den zuelässige, nit biichtpflichtige Fluech, hät übrigens de Lixx us em 1. Weltkrieg us Lothringe mitbroocht, und denno verhotzewälderet. Er kunnt lammfromm und d Sophie äschtimiert nuu den Fluech. Er kunnt vum französiche „Mon Dieux“.
D`Berte, d`Motter Sophie, de Josef, s`Klärle, de Felix und de Wilhelm vor em Bahwartshiesli z Degginge (dehindert s Fahrrad mit Karbidfunzel)
Getti Wilhel und Sigfried Kramer
Also stieget alli noch em letschte luute „Mundidie“ uff die verrusste, mit em Staubwedel, em Honefiefer, abgstaubte Sitzbänkli vu de Draisine. Vorher isch no en aalte Heardepfelsack uff d Dielebretter Sitzbänk gleit wore. De Vater Lixx und de Wilhelm gond an Gamp- Schwengel und die Draisine nimmt Fahrt uff gege Huuse und Hifingen. De Fahrplan vu de Hölletalbah hät de Bähnler natierli genau im Kopf und die uffzoge Sackuhr zoeget genau aa, wenn sie z Hiefinge ab em Gleis sii mond. Weils geg Hiefingen liicht bergab goht rennst wie de Deifel und i 20 Minute micket de Lix am Herregarte, D Maidli, de Josef und d Sofie stieget ab, sortieret s Feschtagshääs und de Wilhelm und de Lixx schindet die bolleschwer Draisine uffs Bankett. Jetzt kaa de Zug vu Eschingen gi Friiborg, oder de Bregtäler gi Fortwange dampfe und schnuufe.
Herrgottstag
Fascht jede Gmond hät sin hochheilige Fiirtig. Entweder s Patrozinium, oder, wie uff de Reichenau de Markustag, z Weingarte de Bluetritt, de Leonhardi Tag z Lenzkirch, z Appezell Fronleichnam oder ebe z Hiefinge de legendär und populär Herrgottstag. Die Däg zellet fascht meh wie die Hochfeschter Wihnächte, Oschtere oder Pfingschte.
No isch vor em Hochamt Ziit zum beim Getti, em Brueder und em Schwoger, bei Kramer Beppi und de Emme im Süesse Winkel uff en Zigorie Kaffe mit frisch bachenem Zopf vorbei z gucke. Die ganz Kramer Sippe füllt aaschliessend oe ganzi Bankreihe im Hochamt i St. Verena uus und innbrünschtig wered die Lieder, die an ere Schiebenummere Tafel unter de Kanzel hängt, im Magnifikat uffgschlage und mitgsunge. Noch em erhebende Te-Deum mit Orgelgebraus stellt mer sich zu de Prozession uff. De Pfarr mit de Monschtranz unterm Baldachim, unterm Himmel, voruus. Nuu er schriitet würdevoll mit em Allerheiligschte über de kunstvoll und hingebungsvoll uusgleit Hiefinger Bluemeteppich. Die farbefroh und aarührend Art de Natur und de Schöpfung z huldige, des hät de Xaver Reich vun ere Studiereis anne 1841 us Italie mitbroocht und dodemit Hiefinge und de Herrgottstag, Fronleichnam im ganze Südweschte berühmt gmacht. So könnts immer no sii, wenn nit die Wiesemonokulture, des Silofuetter und de Kunschtdünger die wunderbare booremer Bluemewiese fascht ganz uusgrottet hättet. Tausende Schauluschtige verfolget gerührt mit eme sanfte Gänsehautgfühl des Gesamtkunstwerk wenns stattfindet, den spirituelle Hifinger Kult: Die poesivoll, volksfromm Prozession über d Bluemeteppich, vorbei a de kunstvolle Bluemebilder- Altärli vor de Hieser.
Mir gond zum Herrgottstag
Noch dem erhebende Ritual gihts no bim Getti e gueti Nuddlesuppe, en Schunke im Brotdoeg mit Herdepfelsalot und en Zigorie Kaffe mit eme Käskueche und eme steife, fettige Buureschlagrohm. De Getti und de Lixx rauchet no en Burgerstumpe, d Wiiber verzellet und verkartet s Neischt us em Städtle , de Verwandschaft, vu Hiesere und vu Degginge.
Herrgottstag anne 2019 z Hifinge
Hoemfahrt
D Sackuhr vum Lixx zoeget aa, dass mer die Zugpause um Vieri nutze muess, zum mit de Draisne hoem, gegg Degginge z`Giege. D Draisine word wieder uffs Gleis gschunde und de Wilhelm und de Lixx mond jetzet aber draa. Mundidie. Es goht nämli berguff und do rennt des Monstrum nimme so gattig wie bei de Aafahrt zum Herrgottsdag.
Die Aareis vu dere Bagage mit ere Draisine düerft die kuriosescht Bsucherfahrt vum Hifinger Herrgottsdag zu dere Ziit gsii sii. Do kummet nit emol die Aafahrte vum Tal, vum Rande und de Westboor mit de kleine Bulldöggli aa, wo uff em ohne Radkaste Sitz d Grossmotter huckt, und uff em andere d Bierin. Und uff de Ackerschiene Kischte d Kind.
Und de Freiherr von Dreis het bestimmt die allergröscht Freid ghaa mit dere Reiseart mit sinere Bahgleis- Draisine , obwohl er wohrschienli evangelisch war.
Größere Waldkatastrophen gaben jeweilen die äußere Veranlassung, einige Zeit über die wünschbaren Heil- und Abwehrmittel zu reden und zu schreiben. Aber meist windet und dreht man sich dabei wie eine Katze um den heißen Brei. (Ammon, W.: Das Plenterprinzip in der Waldwirtschaft. Bern, 1937) Ich wohnete auf einem hohen Gebürg, die Moos genannt, so ein Stück vom Schwarzwald, und überall mit einem düsteren Tannenwald überwachsen ist. (Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch. 1667. Projekt Gutenberg-DE)
Der Orkan vom zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1999 mit dem so harmlos klingenden Namen „Lothar“ ragt noch immer heraus aus der Vielzahl von extremen Sturmereignissen, von denen der mitteleuropäische Wald bis dato heimgesucht worden ist: 200 Millionen Festmeter Holz lagen nach diesem waldwirtschaftlichen „Super-GAU“ auf dem Boden, 30 Millionen allein in Baden-Württemberg, wobei der mittlere und der nördliche Schwarzwald am stärksten betroffen waren. Die meteorologischen Stationen verzeichneten die höchsten bei uns je registrierten Windgeschwindigkeiten: Auf dem Feldberg versagte das Messgerät bei 212 km/h, auf dem Hohentwiel wurden gar 272 km/h gemessen. Lothars Spitzenböen schien buchstäblich gar nichts mehr standgehalten zu haben, keine Baumart und keine Waldstruktur. Weshalb sich in der Waldwirtschaft vielerorts auch Resignation breit machte, anders als noch nach „Wiebke“ und „Vivian“, den vermeintlichen Jahrhundertstürmen ein knappes Jahrzehnt zuvor; von denen waren vorwiegend standortswidrige Fichtenbestände geworfen worden mit insgesamt immerhin auch bereits 70 Millionen Festmetern Sturmholz, mehr als alle bis dahin verbuchten Sturmholzmassen zusammen genommen, wie forstliche Statistiker errechnet hatten. Damals, im Jahr 1990, fand in Deutschland bekanntlich nicht nur die politische Wende statt, sondern auch ein waldbaulicher Paradigmenwechsel, der nach dem Fiasko mit der allzu labilen Fichte eine neue Hinwendung zu sturmfesteren Baumarten und Waldstrukturen brachte, hin zum Konzept des naturnahen Waldbaus – zur Waldwende.
Doch nun, nach „Lothar“, schien sich im forstlichen Schrifttum eine erneute Kehrtwende abzuzeichnen: „Short rotation“ war angesagt, die drastische Verkürzung der Umtriebszeiten, um damit die Hebel zu verkürzen, an denen die künftigen, womöglich noch verheerenderen Stürme ansetzen würden. Um die „wünschbaren Heil- und Abwehrmittel“ (so auch um das „Plenterprinzip“ des Walter Ammon s. o.) war es still geworden angesichts der brutalen Gewalt, ausgelöst womöglich durch den menschengemachten Klimawandel in der Treibhausküche des Nordatlantiks. Zwar verursachte im Februar 2007 der Orkan „Kyrill“ abermals 59 Millionen Festmeter Sturmholz, dennoch sollten alsbald wieder andere Waldschäden die Schlagzeilen liefern: die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit, erst jene des Jahrhundertsommers 2003 (in den badischen Weinbaugebieten noch als Jahrhundertjahrgang gepriesen), schließlich jedoch die sich steigernden Hitzerekorde von 2018 bis heute, von den Medien als Ursache eines Waldsterbens 2.0 gehandelt. Ob da vom Lothar-Schock der Jahrtausendwende noch recht viel hängengeblieben ist? Als wie intakt erweist sich da das Langzeitgedächtnis der damals Betroffenen aus der Forst- und Holzbranche?? Oder wie viel wurde zwischenzeitlich verdängt und überlagert von den TV-Bildern der Waldbrände und der noch spektakuläreren Vernichtungsgewalt karibischer Tornados? Vor allem aber: Welche Lehren hat man aus der Katastrophe gezogen? Und wie sieht es auf den Lotharflächen heute aus?
Damals war das Entsetzen groß, nicht nur unter den Augenzeugen und unmittelbar Betroffenen, sondern selbst bei den Bewohnern waldfernerer Regionen, für die sich die vertraute Kulisse der Schwarzwaldberge auf einen Schlag verändert hatte. Dass unmittelbar nach dem Orkan nicht mehr als 18 Todesopfer zu beklagen waren, dürfte vornehmlich dem Umstand zu verdanken gewesen sein, dass die Spitzenböen zur besten Mittagessenszeit über uns hinweg brausten, während der dichtauf folgende Orkan „Martin“ – zum Glück für die Schwarzwälder, Pech für die Wälder des Massif Central – abrupt nach Süden abgedreht und sich im Midi vollends ausgetobt hatte.
Lothar-Schadensfläche rund um den Moosturm im mittleren Schwarzwald
Im Bereich der baden-württembergischen Landesforstverwaltung hatte man bereits nach „Wiebke“ samt deren Vorläuferinnen die Lektionen in den Pflichtfächern Sturmholzaufarbeitung und Vermarktung hinlänglich gelernt: Bereits im Juli 2000 war mit 7 Millionen Festmetern schon die doppelte Menge von anno 1990 – vornehmlich aus dem besonders leidgeprüften Privatwald stammend – vermarktet, gar die dreifache Menge zur Konservierung auf Beregnungsplätzen eingelagert worden. Beim Räumen der Sturmflächen war es bis zum Herbst zu 3633 Unfällen gekommen – zwanzig (!) Personen waren dabei, überwiegend im Privatwald, zu Tode gekommen.
Für den Waldbau im Staatswald galt nach wie vor der Stuttgarter Ministerialerlass „Walderneuerung auf Sturmwurfflächen“ vom 31. 7. 1990, wonach die Wiederaufforstung nur ja nicht überstürzt werden sollte. Stattdessen waren die Selbstheilungskräfte des Waldes zu nutzen, wobei der neue Wald vom Schutz und der Nährstoffpumpe der Pionierwaldgesellschaften profitieren sollte. Demgegenüber wurde in den großen Privatforstbetrieben die Wiederaufforstung im Hauruck-Verfahren propagiert, die integrierte vollmechanisierte Sturmholzaufarbeitung, Flächenräumung und Pflanzung „just in time“ – dies nicht zuletzt der günstigeren psychologischen Auswirkungen auf alle Beteiligten wegen.1
Andernorts schlug die Geburtsstunde der Polypropylen-Wuchshüllen: Allein im Stadtwald von Baden-Baden wurden auf 2.000 ha Lothar-Fläche 350.000 der aus England bezogenen Kunststoffköcher ausgebracht, mit denen die durch Wildverbiss besonders gefährdeten Laubbäume geschützt und zu rascherem Jugendwachstum angeregt werden sollten. Zaunschutz auf Flächen solcher Größenordnung, so die Begründung, würde sich als untaugliches Mittel erweisen. Ein Vierteljahrhundert nach Lothar steht fest: Krisengewinner sind unterdessen eindeutig die Wuchshüllen – mag die Plastik- und Mikroplastikproblematik weltweit noch so besorgniserregende Ausmaße angenommen haben.
Einer der baden-württembergischen Schadensschwerpunkte war der ehem. Forstbezirk Gengenbach mit seinen ca. 700.000 Fm Schadholz auf 2.000 ha Sturmfläche, mitten drin der 871 m hohe, vormals dicht bewaldete Mooskopf, Hausberg der Gengenbacher und Oberkircher Wanderfreunde. Auf ihm hatte anno 1890 die Oberkircher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins den sandsteinernen Moosturm errichtet, der mit seinen 21 Metern Höhe freilich kaum mehr aus den Fichten- und Tannenkronen herausgeragt hatte. Nun stand er plötzlich wie ein ausgestreckter Mittelfinger auf der kahlen Buntsandsteinkuppe.
Blick vom Moosturm im Frühjahr 2000
Es bot sich an, von hier oben aus das weitere Geschehen zu dokumentieren2: Ein Foto vom Frühjahr 2000 zeigt erste Aufarbeitungserfolge unterhalb des Turms. Auf der Wegspinne am Sattel wartet bereits ein Forwarder auf den Abtransport weiterer Sturmholzmassen, und auch etliche „Katastrophentouristen“ sind per Mountainbike schon unterwegs, um die so brutal veränderte Welt rund um den Berg in Augenschein zu nehmen. Gegenüber, am Siedigkopf, liegt das Holz noch dicht auf dicht, wie es umgeblasen worden war. Der Bildvordergrund zeigt sich bereits mit erster Schlagflora, vereinzelt haben auch junge Fichten und Tannen den Orkan und die Räumung überlebt. Insgesamt nur ein Drittel der Lotharflächen sei im Bereich der damaligen Freiburger Forstdirektion rekultiviert worden, der Rest sei der natürlichen Sukzession überlassen worden, so las es sich in den vielerlei Rückblicken zum Jahresabschluss 2009 aus Anlass der zehnjährigen Wiederkehr des Schreckenstags. Wie lange würde es dauern, bis am Mooskopf wieder neuer Wald herangewachsen ist, und aus welchen Baumarten würde er sich zusammensetzen, wo die Wiederaufforstung unterlassen wurde?
Blick vom Turm im Frühsommer 2010
Auf dem im Frühsommer 2010 wiederholten Foto vom Turm herab zeigt sich die Szenerie bereits im Zustand fortgeschrittener Sukzession mit Birken und blühenden Ebereschen, dazwischen aber auch noch mit viel braunem Waldboden (oder doch mit brauner Adlerfarn-Matratze) sowie auch schon mit allerlei Nadelgehölz aus natürlichem Anflug von vor der Katastrophe. Am gegenüberliegenden Siedigkopf war – nach Räumung des Sturmholzes – inzwischen (im Jahr 2003) ein Bannwald ausgewiesen worden. In ihm überwog nach zehn Jahren noch immer die Farbe Braun. Erstaunlicherweise haben sich jedoch auch schon etliche Douglasien eingefunden. Wie sähe es dort wohl aus, wenn das Sturmholz auf der Fläche belassen worden wäre? Auf der südwärtigen Stirnseite des Lothar-Glatzkopfs hatte ein einheimischer Künstler aus drei vom Forstamt gestifteten Weißtannenstämmen ein Lothardenkmal errichtet, das für Wald- und Landschaftsfreunde fortan zur beliebten Pilgerstätte wurde. Ohnehin hatten etliche Bürgermeister und Kurdirektoren von mit Wald überreich gesegneten Gemeinden nach der Katastrophe hörbar aufgeatmet, denn mit seinen Schneisen hatte der Orkan doch endlich für freien Ausblick gesorgt. Oben am Schliffkopf an der Schwarzwaldhochstraße wurde die Erinnerung an das Extremereignis mit einem Lotharpfad wach gehalten, am Plättig mit einem Wildnis-Erlebnispfad, beide erfreuen sich noch immer eines überaus regen Besucherverkehrs über die allmählich vermorschenden Stämme und Wurzelteller hinweg. Im Sattel am Fuß des Mooskopfs hatten immerhin eine Wolfsgrube sowie ein Grimmelshausen-Denkmal den Super-GAU überlebt, unweit davon erinnert ein weiterer Gedenkstein an das Geschehen: an den tödlich verunglückten Waldarbeiter Roman Kwiatkowsky, Vater von fünf Kindern, der zusammen mit einem polnischen Forstunternehmer aus der Offenburger Partnerstadt Olstzyn (Allenstein) zur Sturmholzaufarbeitung in den verwüsteten Schwarzwald geeilt war.
Blick vom Turm im Dezember 2019
Ende Dezember 2019 hat der Chronist erneut den Moosturm bestiegen, um die Fortschritte der Wiederbewaldung ein weiteres Mal zu dokumentieren. Und siehe da: nun steht der Turm tatsächlich wieder im Wald! Lediglich westwärts, gegen die Rheinebene hinab, auf stark verhagertem und blocküberlagertem Standort tut sich die Sukzession im Filz der Beerstrauchdecke einstweilen noch schwer; hier blieb es bei einzelnen Birken. Nach Süden hin überwiegen indessen die Nadelbäume, vorwiegend Fichten, vereinzelte Tannen und Douglasien. Nichts davon sei gepflanzt worden, versichert der inzwischen im Ruhestand befindliche Forstamtsleiter (oder wurde womöglich doch da und dort mit Pflanzung nachgeholfen, wie er einräumt?), sicher nicht im Bannwald um den Siedigkopf. Auch dort sind die Fichten im Vormarsch, dazwischen finden sich seltsam verstrubbelte, teils auch bereits von Schneebruch gezeichnete Douglasien, deren Höhenwachstum dem der Fichtenkonkurrenz kaum überlegen zu sein scheint.
Ein letzter Blick vom Turm im Frühsommer 2025
Letztmals am 22. Mai 2025 haben die Beiden, der einst zuständige Forstamtsleiter und der Chronist, den Turm bestiegen,. Jetzt, im voll belaubten Zustand, scheint der Jungwald gegenüber dem Zustand vor nur eben mal fünfeinhalb Jahren einen erstaunlichen Wachstumsschub erhalten zu haben, wobei sich insbesondere Birken, Ebereschen und Weiden mächtig ins Bild drängen und fast das Bild eines Laubmischwalds hinterlassen.
Gewinnerin auf den Lotharflächen, ob diese der natürlichen Sukzession überlassen oder bepflanzt worden sind, dürfte letztendlich dennoch die Fichte sein, wenn sie die Konkurrenz der Pionierbaumarten überwunden haben wird. Aber ob sie als „Brotbaum“ in der neuen Waldgeneration noch taugen wird? Wie würde die sich heute wohl darstellen, darf gefragt werden, wenn die Altbestände zum Zeitpunkt der Katastrophe reichlicher mit Naturverjüngungsvorräten aus Schatten ertragenden Tannen und Buchen unterfüttert gewesen wären? Wie viel davon hätte unterm Sturmholz überlebt? So aber ist es allenfalls bei vereinzelt eingesprengten Überlebenden der Bergmischwaldgesellschaft geblieben. Und es wird wieder eine ganze Generation dauern, bis diese erneut für überlebensfähigen Nachwuchs gesorgt haben könnte – immer vorausgesetzt, die Balance zwischen Wald und Wild wird dann gelungen sein. Oder muss am Ende auch nach „Lothar“ wieder Walter Ammon, dem schweizerischen Forstkollegen, beigepflichtet werden, wonach sich die für den Wald Verantwortlichen wohl weiterhin wie die Katze um den heißen Brei winden und drehen – wo immer die Defizite an vorausschauender naturnaher Waldwirtschaft nicht behoben sein werden? Und wird auf der Moos, wo Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen einst seinen Einsiedler über „düstere Tannenwälder“ hinweg in die Täler hinabschauen ließ, jemals wieder der Schwarzwälder Charakterbaum dominieren?
Lothar-Denkmal am Siedigkopf
1 Elbs, A. (2000): Erfahrungen zur Aufforstung von Orkanflächen. AFZ-DerWald Nr. 16: 831 f.
2 Hockenjos, W. (2009): Zehn Jahre nach dem Orkan „Lothar“: Folgerungen für die Waldwirtschaft. AFZ-DerWald Nr. 18: 978 ff.