Heimisch sind die gelben Quitten, werden verwertet nach alten Sitten. Sie werden gewaschen und gekocht in Wasser und in Zucker noch.
Dann brodelts und blubberts im heißen Töpfel, gerührt wird kräftig mit hölzernem Löffel. Die Masse abgeseiht und durchgeschafft, gibt einen köstlich gelierten, fruchtigen Saft.
In saubere Gläser kommt er rein, aus Quitten wird Gelee sehr fein. Gelee aus Quitten, ein Begehren, lässt sich mit Lust und Genuss verzehren.
Auf Butterbrot ist das Gelee beliebt, weil es demselben Rundung gibt. Auch in Torten schmeckt `s sehr fein, das ist ein Schmaus für Groß und Klein.
Zum Backen in der Weihnachtszeit, und diese Zeit ist nicht mehr weit, ist Quittengelee zum Füllen lecker, das weiß der Konditor und der Bäcker.
Im Weihnachtsgebäck ist`s ein Genuss, auf Tortenböden sogar ein Muss. Von Quitten, bekannt als Vitamingaben, sollten wir genug in petto haben.
Um die Baumart Esche steht es nicht gut. In ganz Europa grassiert das Eschentriebsterben, verursacht von einem aus Fernost eingeschleppten Pilz mit dem so possierlichen Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen. Vielerorts hat man sie schon aufgegeben, zumal längs von Wegen und Straßen, wo Gefahr droht von herab brechenden Ästen, gar von umstürzenden Baumleichen. Für unsere Waldökosysteme, aber auch für die gesamte Kulturlandschaft wäre es nach dem Ulmensterben, das ja ebenfalls durch einen invasiven Pilz ausgelöst worden war, ein weiterer schlimmer Verlust, der weit über den holzwirtschaftlichen Nutzen hinausreicht. Auch wenn der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der Esche in der Öffentlichkeit nie an die Prominenz kapitaler Eichen- und Lindengestalten herangereicht hat. Und das, obwohl sie in der germanischen Mythologie ja schon den Weltenbaum Yggdrasil gestellt hatte, den Schutz- und Schicksalsbaum und Sitz der Götter.
Hofesche am Burgbacherhof (2016)
Der Schutz von Bäumen als Naturdenkmäler war erstmals im anbrechenden 20. Jahrhundert so richtig in Gang gekommen. Was einherging mit der Dokumentation und Veröffentlichung besonders „bemerkungswerter“ Exemplare in „Baumbüchern“. In Preußen und Hessen, in Elsass-Lothringen, im Großherzogtum Baden wie im Königtum Württemberg erschienen sie zumeist reich bebildert, um so auf die oft genug durch die Industrialisierung, auch durch die Intensivierung von Forst- und Landwirtschaft bedrohten Schätze aufmerksam zu machen. Es fällt dabei auf, dass sowohl in Württemberg wie auch in Baden die Baumart Esche deutlich unterrepräsentiert war im Vergleich zu den weitaus spektakuläreren Eichen, Linden und Tannenriesen. Im von Forstassessor Otto Feucht 1911 im Auftrag der Königlich württembergischen Forstdirektion verfassten Schwäbischen Baumbuch*1 wird seltsamerweise unter all den aufgeführten Baumveteranen nur eine einzige Esche erwähnt: Und die stand nicht in freier Natur, sondern im Schlosspark von Friedrichshafen und war eine Sonderform der Baumart: „Ziemlich unerkannt bleibt ein starkes Exemplar unserer heimischen Esche (Umfang 2,33 m)…, dessen Blätter durchweg nicht gefiedert, sondern einfach-eiförmig gesägt sind.“ Diese Spielart der Esche (var. monophyllos) finde sich in Württemberg wild vor allem im Stromberggebiet. Mehr wusste er über die Eschen, über die Gewöhnliche mit gefiederten Blättern wie über die Einblättrige, nicht zu berichten.
Ludwig Klein, Großherzoglich badischer Geheimer Hofrat und ord. Botanikprofessor, Leiter des Botanischen Instituts wie des Botanischen Gartens der TH Karlsruhe, veröffentlichte 1908 Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden*2, in dem er der Esche ein ganzes Kapitel widmete. Leider gelang ihm nur ein einziges Foto der Baumart; es zeigt unmittelbar neben einem Haus in Rötenbach ein noch recht schmächtiges Exemplar mit ausgedehnten Überwallungen einer früheren Brandbeschädigung. Lebhaft beklagt der Autor, dass Eschen in den Auewaldungen zwar eine Baumhöhe von bis 45 m erreichen können, doch seien außergewöhnliche Bäume hier leider nicht mehr zu finden, „da die Esche wie andere wertvolle Nutzhölzer längst hiebsreif zu sein pflegt, ehe sie außergewöhnliche Stärke erreicht hat.“
Umso erfolgreicher ist er im höheren Schwarzwald auf seiner Suche nach im Freistand erwachsenen Eschen, zumeist Hofeschen. „Die schönste Esche, die mir im Schwarzwalde (erst im Spätsommer 1907) bekannt wurde, ein wahres Prachtexemplar des freiständigen Baumes, steht, 25 m hoch (!), im Grasgarten des Hierahofes, etwa 20 Minuten südöstlich von Saig, in einer Meereshöhe von 945 m. Der Stamm von 4,88 m Umfang teilt sich schon in 3 m Höhe in drei mächtige stammähnliche Äste, die sich ihrerseits in insgesamt 15 starke und sehr lange Äste aufteilen.“ Das Alter des Baums schätzte Klein auf mindestens 200 – 250 Jahre. Derart starke Gebirgseschen seien im Schwarzwald sonst nirgends mehr zu finden. Klar, dass auch der Botanikprofessor in seinem Eschenkapitel deren „einfachblättrige Spielart“ erwähnt, die er – leider ebenfalls ohne fotografischen Beleg – im äußersten Norden des badischen Stiefels verortet. Dass sich mit dieser Unterart ein Jahrhundert später die vage Hoffnung verbinden würde, sie könnte womöglich resistenter sein gegen eine die Baumart europaweit bedrohende Seuche aus Fernost namens Eschentriebsterben, konnte der Botanikprofessor Ludwig Klein freilich noch nicht ahnen.
Esche am Hierahof 1977…
…und 2016
Dass auch ich vor knapp einem halben Jahrhundert auf der Fährte von Ludwig Klein mit großen Erwartungen den Hierahof ansteuern sollte, entsprang einer beruflichen Pflichtübung. Denn von meinem obersten Dienstherrn, dem Stuttgarter Forstminister, hatte ich den Auftrag erhalten, nachzuprüfen und zu dokumentieren, was denn von den „Prachtexemplaren“ der Baumbücher der Jahrhundertwende eigentlich die zwei Weltkriege überlebt hatte und noch auffindbar war. Aus der Recherche entstand 1978 mein Bildtextband Begegnung mit Bäumen*3, und darin beschrieb ich den Hofbaum, belegt durch ein Schwarzweißfoto mitsamt Personenstaffage zur Vermittlung der Stärke des Stammes, frei weg als „unstreitig schönste und gewaltigste Esche des Landes“. Sie hatte seit Ludwig Kleins Besuch vor abermals siebzig Jahren nochmals kräftig an Umfang zugelegt: „Nun misst sie 6,40 Meter“, hielt ich fest, „was einen Durchmesserzuwachs von 64 Zentimetern ergibt! Die Krone des Baumes ist voll und gesund. Doch während die Altbäuerin ein wenig gedankenverloren an der dem Hof zugewandten Seite des Stammanlaufs mit der Heugabel tief in Hohlräumen und morschem Holz herumstochert, erzählt sie uns von einer denkwürdigen Begebenheit, die für den Baum Folgen haben sollte: Am Vorabend ihrer Hochzeit vor nun schon fünfzig Jahren hat der Nachbarssohn – Gott hab ihn selig – hier eine Sprengladung entzündet. War´s Scherz, war´s Kummer: der Anfang vom Ende des stolzen Baumes war vorgezeichnet.“
Doch auch weitere vierzig Jahre später, im Winter 2016, war die Esche noch immer nicht am Ende, wie ich mich vergewisserte, auch wenn im Land bereits das Eschentriebsterben wütete. Offenbar hatte sie die Wunde der Sprengladung besser überwallt, als von der Altbäuerin damals befürchtet. Dennoch hatten sich inzwischen Baumchirurgen der Krone angenommen, hatten sie mit einem Stahlseil verspannt und auch einige vermorschende Äste gekappt.
Auch im jüngsten, 2022 erschienenen Baumbuch Baumschätze Baden-Württembergs*4 wird sie noch beschrieben und in grün belaubtem Zustand fotografiert. „Die früher einmal riesige Krone“, schränkt der Verfasser, Jürgen Blümle, allerdings ein, „ist heute sehr stark reduziert, denn der alte Hofbaum kämpft ums Überleben.“ Doch er kann jetzt auch auf ein Deutsches Baumarchiv verweisen, dem der Baum, bei einem geschätzten Alter von 300 – 350 Jahren, als älteste Esche Deutschlands gilt.
Zu Lebzeiten Ludwig Kleins befand sich die allerstärkste lebende Esche Badens allerdings nicht im Hochschwarzwald, sondern im F.F. Schlossgarten zu Donaueschingen. Er scheint sie selbst nicht vor Ort aufgesucht und bewundert zu haben, sondern musste dazu als Gewährsmann den Gartenbaudirektor Berndt zitieren: „Der etwa 250 – 300 Jahre alte, knorrige Baum hat 1,25 m über dem Boden einen Stammumfang von rund 5 m. Über dieser Höhe sind stark ausladende Wülste und über diesen beginnt die Teilung in verschiedene baumstarke Äste, zwischen und über denen eine Holzgalerie eingebaut ist.“ 1922, anlässlich der ersten Donaueschinger Musiktage, inspirierte der Baum den Komponisten Richard Strauß dazu, am Serenadenabend auf der beleuchteten Altane Mozarts Kleine Nachtmusik spielen zu lassen; seitdem trug der Baum den Namen „Richard-Strauß-Esche“. Letztmals wurde sie 1949 beschrieben, nun mit einem Stammumfang von 11,79 m. Mit seiner asphaltierten Empore, die über eine gewundene Treppe bestiegen werden konnte, soll der Baum mit seiner altersgrauen furchigen Rinde mehr und mehr einem Elefanten geglichen haben, weshalb er im Volksmund zuletzt auch schlicht „Elefantenbaum“ genannt wurde. Seine sterblichen Überreste sollen in den frühen 1960er Jahren aus Verkehrssicherungsgründen endgültig beseitigt worden sein.
Eine Kleine Nachtmusik auf der Richard-Strauß-Esche im F.F. Schlosspark 1921
Auch an weiteren beeindruckend starken und höchst vitalen Eschen sollte es im Quellenlandkreis (mit seinen zahlreichen Orts- und Bachnamen, in denen an die Baumart erinnert wird wie Escheck, Eschbach, Ober- oder Niedereschach und selbst in Donau-eschingen) aber auch weiterhin nicht fehlen*5, ob im Unterhölzer Wald oder auf dem Wartenberg. Im Spätfrostklima der Baar kommt ihnen zupass, dass sie im Frühjahr erst sehr spät auszutreiben pflegen. Die unstreitig prächtigste Hofesche mit einem Brusthöhenumfang von 6, 30 steht bislang hart an der Hocheinfahrt des Burgbacherhofs am Brogen auf Gemarkung Buchenberg. Wie alle Hofeschen dürfte auch sie einst „geschneitelt“, das Eschenlaub vor allem in Notzeiten als Viehfutter verwendet worden sein – eine uralte Nutzungsform, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.
Doch seit dem 3. November 2023 scheint auch ihr Schicksal besiegelt zu sein: der Hof ist einem Brand zum Opfer gefallen. Weit über die Hälfte der gewaltigen Eschenkrone ist dabei so massiv beschädigt worden, dass ein neuerliches Austreiben kaum mehr vorstellbar ist – selbst bei dieser für ihre Überlebensfähigkeit durch immer neue Stockausschläge und Überwallungen, auch durch ihre tiefe Verwurzelung so unverwüstlichen Baumart. Oder sollte etwa Ludwig Kleins Beispiel von jener Esche aus Rötenbach, die ihre Brandverletzungen einfach überwallt hatte, am Ende doch noch einen Hoffnungsfunken weiterglimmen lassen? Die Brandruine auf dem Brogen mit der versengten Esche neben der Hofeinfahrt – ein Fanal auch für ihr Schicksal in ganz Europa?
Wird die Hofesche den Brand überleben? Burgbacherhof am 4. 11. 2023
Esche am 27. 10. 2024
und am 11. Juli 2025
Am Ende ist wohl doch kein Nachruf fällig: Der Burgbacherhof ist wiedererstanden und seine Esche scheint überlebt zu haben. Oder wird sie das Eschentriebsterben doch noch einholen?
Was mag wohl dazu geführt haben, dass eine mehrhundertjährige Eiche mit einem Mal umfällt – ohne nennenswertes Sturmgeschehen und ohne Schneelast? Wo uns die Eiche (Quercus robur) doch als Inbegriff von Robustheit und Standfestigkeit gilt. Nun hat es also auch die Max-Eiche getroffen, wie der Schwarzwälder Bote am 27. September berichtet, die Max Prinz zu Fürstenberg (1896 – 1959) geweihte Starkeiche am Südrand der Königswiese; ihr Wurzelbereich sei „total verfault“ gewesen. Auf die Prominenz dieser Eiche hatte bis vor etlichen Jahren ein am Stamm befestigtes hölzernes Halbrelief mit den Lebensdaten des Prinzen und mit dem heiligen Maximilian (samt Bischofsstab und Schwert) hingewiesen. Es war freilich nicht entwendet worden (wie fälschlicherweise im Buch Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald erwähnt wird), vielmehr hatte es ein aufmerksamer Waldbesucher am Stammfuß aufgelesen und in den FF-Sammlungen abgeliefert.
Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)
Eichen wurzeln bekanntlich besonders tief, weshalb die Baumart auch als vergleichsweise widerstandsfähig gegen Trockenheit gilt. Dem Stress der Hitzejahre 2018 bis 2023 scheinen manche jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein, speziell auf den zu Stein verbackenen Tonlehm-Standorten des Braunjuras, weshalb es an der Königswiese nicht nur die Max-Eiche getroffen hat: Auch eine zweite Alteiche, diesmal am Nordrand der Königswiese, war ohne Vorankündigung im Spätjahr 2023 einfach umgekippt; auch ihre Wurzeln waren großteils verfault; nichts in ihrer Krone, kein Dürrast und auch kein Baumschwamm hatte auf eine Schwächung hingedeutet. Vieles erscheint daher noch immer rätselhaft an ihrem plötzlichen Ende. Doch fraglos wäre es ein schlimmer Verlust für die Region, wenn es um die prachtvollen Gestalten des Unterhölzers, aus diesem „Zauberreich wie aus Grimms Märchen mit uralten knorrigen Eichen und Buchen“ (K. Kwasnitschka), im Zuge des Klimawandels bald vollends geschehen wäre. „HL Maximilian“, so las es sich auf der hölzernen Tafel zum Andenken an Max Prinz zu Fürstenberg, „bitt für uns“.
Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese
Was für ein unfeiner, hässlicher Fachausdruck: Kadaververjüngung – wie wär´s stattdessen mit Totholz- oder Moderholzverjüngung? Gemeint ist die speziell von Fichten bevorzugte Art, sich auf vermoderndem Holz anzusamen. Was einerseits zwar mit dem Risiko unzureichender Wasser- und Nährstoffversorgung behaftet ist, für die Verbreitung aber auch Vorteile verspricht: In erhöhter Position lassen sich allfällige Keimungsprobleme auf vergrasten oder allzu steinigen und verdichteten Waldböden besser aussitzen und auch dem Wildverbiss besser trotzen – in naturnahen Bergfichtenwäldern ein verbreitetes Erfolgsrezept. Aber durchaus nicht nur dort: Als ich in den Jahren 2011 – 2018 den Stoff sammelte für meinen Bildtextband Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald (2018), traf ich in diesem frühen Naturschutzgebiet, dem einstigen Wildpark der Fürsten zu Fürstenberg, auf eine Vielzahl von faszinierenden Beispielen, wie Fichtenjugend auf den Trümmern uralter Eichen und Buchen, ob stehend oder liegend, ihr passendes Keimbett gefunden hatte – und sich nun beeilte, den Laubwald zu unterwandern.
Gelungene Kadaververjüngung auf einem vermorschenden Buchenstamm
Bei meinen zahlreichen Begängen mit geschulterter Nikon (von denen ich nur selten ganz ohne Ausbeute nachhause kam) hatte unweit des Waldeingangs schon bald ein Stumpen meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt: Offenbar war hier vor Jahren eine starke Fichte auf nicht eben fachmännische Weise fast in Brusthöhe umgesägt worden. Oder hatte sie vielleicht der Sturm entwurzelt, und man hatte sie sicherheitshalber etwas höher am Stamm vom Wurzelteller getrennt, ehe der wieder zurück geklappt war? Im Mulm der allmählich bemoosten und vermodernden Schnittfläche hatten sich jedenfalls drei Fichtlein eingefunden. Die schienen hier prächtig zu gedeihen, wurden sie doch nicht, wie andernorts ihre „bodenbürtigen“ Altersgenossen, von den allzu vielen Damwild-Äsern vernascht und zurechtgestutzt.
Erstmals im Jahr 2011 hatte ich das kleine Idyll entdeckt und fotografiert. Ließ sich denn ein anschaulicheres Bild dafür finden, wie Jugend erfolgreich auf den Schultern der Elterngeneration Fuß fasst, um dann durchstarten zu können? Ich beschloss, das so symbolträchtige Ensemble mit der Kamera weiter zu begleiten, war ich doch neugierig geworden, ob die Fichten es wirklich schaffen würden auf ihrem hohen Klotz. Würden die zarten Würzelchen aus ihm ausreichend Nährstoffe und Wasser beziehen, um zu überleben? Und würden sie, kräftiger geworden, rasch genug den Waldboden erreichen, ehe der Stumpen vollends verrottet wäre? Würden daraus dann womöglich mangrovenartige Stelzenwurzler entstehen, wie sie bisweilen ja auch in extensiv bewirtschaften Bergfichtenwäldern zu bewundern sind?
Der Stumpen, entdeckt im Sommer 2011.
Wenig verändert im November 2013
Im Winter 2015 ist erstmals ein Stück herausgebrochen. War der Schwarzspecht am Werk?
Im Sommer 2016 hat sich der Prozess fortgesetzt…
… erst recht bis zum Februar 2017, doch scheint es den jungen Fichten noch immer an nichts zu fehlen auf ihrem Hochsitz.
Lebensrettende Verwurzelung (Stand 2017)
Doch im Spätjahr 2020 ist eine der Fichten bereits abgestorben – der Stumpen zerfällt derweil weiter.
Die kleine Idylle zeigte sich dem Fotografen später in ziemlich desolater Verfassung. Die Fichten sind seitlich weggekippt, und nur die kräftigste ist noch grün benadelt. Ihr als einziger war es bereits 2017 gelungen, mit einer ihrer Wurzeln den rettenden Waldboden zu erreichen, und nun kämpft sie ums Überleben:
Im Februar 2021 wird es bedrohlich für die Fichten.
Ein Jahr später, am 23. Februar 2022, ist es vollends um den Stumpen geschehen.
Nach 12 Jahren trotz Hitzerekorden doch noch die Kurve gekriegt? (Stand 19. 9. 2023)
Ihr Stämmchen beginnt, sich vorsichtig bereits nach oben zu krümmen, und sollte sie es nächstens tatsächlich wieder in die Lotrechte geschafft haben, wird aus ihr wohl ein (in den Augen des Waldbesitzers und Verwerters) ziemlich missgestalteter, säbelwüchsiger Baum werden. Im Wirtschaftswald wäre Derlei wohl alsbald auszumustern, denn das Wirtschaftsziel sieht nun einmal kerzengerade, astarme und möglichst wertholztaugliche Stämme vor. Ob er im Naturschutzgebiet Unterhölzer zu tolerieren sein wird und alt werden darf? Dann, immerhin, hätte sich die Kadaververjüngung für ihn schließlich doch noch ausgezahlt.
Am 26. November 2024
Am 8. September 2025. Die letzte überlebende Jungfichte ist noch immer grün benadelt, doch ihre Verwurzelung ist leider wohl doch nicht ausreichend. Bin gespannt, ob sie überleben wird.
Der vorerst letzte Besuch bei meinem Motiv fand am 8. September 2025 statt, das Datum ist digital verbürgt auf dem Foto. Es zeigt den weiter fortschreitenden Zerfall des Stumpens, die letzte Überlebende der drei jungen Fichten hat offensichtlich überstanden: die Benadelung zeigt sich grün und das Stämmchen krümmt sich noch deutlich nach oben. Schade: man müsste die Begleitung mit der Kamera (die nun wohl doch keine Sterbebegleitung war) eigentlich noch über ein paar Jahrzehnte fortsetzen dürfen. Wer weiß – womöglich startet die Überlebende hier ja soeben ihre Karriere als Harfenfichte. Gerade so, wie sie sich vereinzelt noch in den Baumbüchern finden lassen, die um die vorletzte Jahrhundertwende Mode geworden waren: als Naturdenkmal mit horizontalem Erdstamm und mehreren lotrechten Wipfeln – ein neues Schmuckstück für das Naturschutzgebiet Unterhölzer.
Harfenfichte aus Ludwig Klein: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Bade. (1908)
Vom 22. September 2023: Freudig gestimmt und voller Zuversicht treffe ich nach diesem jüngsten Waldbesuch zuhause ein – und schalte wie gewohnt die Mittagsnachrichten ein: Als Topmeldung wird diesmal ein Angriff aserbaidschanischer Truppen auf die im kaukasischen Bergkarabach lebenden Armenier serviert. Strategisch geschickt, heißt es, wo doch Armeniens bisherige (russische) Schutzmacht noch immer durch ihre „Spezialoperation“ in der Ukraine abgelenkt wird – in einem Krieg, der in Putins Reich bei Strafe noch immer nicht als solcher bezeichnet werden darf. Egal: Kriegstote, gleich welcher Seite und in welchem Verwesungszustand als Kadaver zu bezeichnen, verbietet die Pietät.
Verzichten wir jetzt endlich doch auch im Fachjargon der Förster auf Kadaver, belassen wir es im Wald – der schlimmen Assoziationen wegen – beim wundersamen Phänomen der Moderholzverjüngung.
die Auflösung des Rätsels lautet, die drei Tiere gehören zur Familie der Bilche und zu sehen waren der Gartenschläfer von Cathrin Schelshorn vom Feldberg (Bild 1), die Haselmaus von Hardy Eggert aus Zimmern unter der Burg (Bild 2) und der heute beschriebene Siebenschläfer (Bild 3). Viele haben es gewußt und manche haben auch Ihre Freude ausgedrückt an diesem Rätsel. Vielen Dank fürs Mitmachen.
Gartenschläfer
Haselmaus
Siebenschläfer
Lange habe ich warten müssen, bis der dritte Bilch, der Siebenschläfer aufgetaucht ist. Ich war mit einer elsässischen Vogesenrindzüchtergruppe unterwegs, um einen Weidemelkstall in Zell-Gresgen zu besichtigen. Wie aus heiterem Himmel schaute er skeptisch auf uns herunter, siehe oben. Offensichtlich haben wir den dämmerungsaktiven Siebenschläfer durch unsere Fachgespräche aufgeweckt und bald entzog er sich unseren Blicken. Die Besitzer haben nicht gewußt, dass sie diesen Bewohner haben. Allerdings hätten die Kinder schon berichtet, dass sie Geräusche gehört hätten. Wenns läuft, dann läufts, Ihr kennt diesen Spruch.
Das Bild oben kam ich von der Freundin unserer Tochter, Michelle Megerle aus Heilbronn. Deren Freundin hat den Burschen in einem nach einer Seite offenen Gartenhaus kurz vor dem Absprung aufgenommen.
Schauen Sie die beiden unterschiedlichen Geranienkästen an. Man fragt sich, was das mit dem Siebenschläfer zu tun hat. Das ist ganz einfach, der Siebenschläfer ist ein Allesfresser und er hat Gefallen gefunden an den Bütenknospen. Ja, aber wieso nur rechts? Du glaubst es nicht, dort ist das Hauseck in mittelbarer Nähe, so dass er nur an den ersten Kasten hinkommt. Er ist ein sehr guter Kletterer, aber an der glatten Wand kapituliert er. Dann entwickelte sich die Geschichte in einem fulminanten Höhepunkt durch Bilder meines Augenarztes Dr. Tilman Freytag. Er ist auch Bürgerpostleser und hat mein Rätsel in der letzten Ausgabe mitbekommen. Da ich kurz darauf bei ihm einen Termin hatte, sprachen wir über seine Siebenschläfererlebnisse. Er besitzt eine Jagdhütte bei Bonndorf, von der er schon lange weiß, dass Siebenschläfer da sind. Jetzt schaut Euch die Hammerbilder unten an, die er machen konnte aus nur einem Meter Abstand. Dessertgläser wurden zum Altglas gestellt, ungespült wohlgmerkt. Mit einem Wohlgenuß macht er sich elegant über die Reste von „Cheescake New York“ mit „Vanillegeschmack, Frischkäse und Kekskrümelboden“ her. Man kann förmlich erahnen, wie gut der Nachtisch geschmeckt hat.
Der Name Siebenschläfer kommt daher, dass er normaler Weise einen langen Winterschlaf macht. Wenn er allerdings eine warme „Bude“ gefunden hat, dann macht er gar keinen oder nur einen kurzen Winterschlaf. Ebene Wälder meidet er, ich glaube nicht, dass Ihr wißt wieso: Er überwintert in frostfreien Bodenspalten und unter Wurzelstöcken und nicht in Vogelkästen, weshalb er im Flachland dem Wassertod ausgesetzt wäre. Die Evolution geht geschwungene Wege, kann man nur sagen. Siebenschläfer nutzen Vogelkästen ab 27 mm Lochdurchmesser als Nistplatz für ihre 5 bis 7 Jungen. Ende Mai/Anfang Juni kommt es dabei zur feindlichen und tödlichen Übernahme einer Vogelbrut.
Interessant ist, dass in der Römischen Küche Siebenschläfer gegessen wurden, die in einem speziellen rundlichen Terrakotta-Gefäß mit kleinen seitlichen Belüftungslöchern gehalten und schlachtreif gemästet wurden.
Herzliche Grüße Franz Maus
Anmerkung Hannah: Falls sich jemand über den Kommentar wundert, ich habe ich den Artikel über das Rätsel gemacht.
Rätsel vom 7. September 2025
Liebe Bürgerpostleser,
heute muss ich etwas langsam machen. Es triftt ab und zu zu, dass ein Pensionär keine Zeit hat. Deswegen habe ich mir gedacht, ich will Euch etwas auf die Probe stellen. Ich stelle Euch ein paar Fragen:
Zu welcher Familie gehören diese drei Arten? Über zwei von ihnen habe ich bereits einen Beitrag geschrieben.
Wißt Ihr das noch und welche beiden Arten sind es?
Könnt Ihr ihre Namen nennen?
Wie heißt die dritte Art?
So, das wars, ich mache jetzt Feierabend und wünsche Euch viel Erfolg beim Finden der Antworten. Die Auflösung erfolgt nächste Woche und natürlich eine Beschreibung der dritten Art. Genießt die schönen Bilder, Bild 1 ist von Cathrin Schelshorn vom Feldberg, das zweite von Hardy Eggert aus Zimmern unter der Burg und das dritte von mir. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Rückmeldungen bekomme.
Jede Dekade hat seine Helden. Nach 1954, als Deutschland mit Fritz Walter, Toni Turek, Helmut Rahn und Horst Eckel Fussballweltmeister wurde, wurden Pausenhofbildler dieser Heroen gehandelt. Nach 1960 wollte jeder so schnell wetzen wie Armin Harry. Zumindest Im Schwarzwald und Bayern war nach unserem Jörgle Thoma Skispringen und Langlauf angesagt. Dass Fussball unkaputtbar ist, bewiesen dann Uns Uwe, Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Stan Libuda und Sepp Maier.
Genauso war es in den unsäglichen 40-er Jahren. Der Schulunterricht begann oft mit den neusten Fronthelden- und Schlachtberichten der Nazipropaganda. Ohne Helden lässt sich die Jugend nur schwer gehirnwaschen. Und so war es nach dem September 1943. Bilder von jungen, kruppstahlharten, windhundschnellen und lederzähen Jungmännern wurden in Alben neben Karten des Grossdeutschen Reiches mit Schlachtplänen mit Mehlpapp sorgfältig einegklebt und mit Sütterlinschrift ausgemalt.
90 Wehrmachts- Fallschirmjäger und 17 SS Leibstandarte Soldaten befreiten den von den eigenen Faschisten gefangen Duce, Benito Musselini. Im Gebirgshotel „Duca di Abruzzi“ mit Seilbahnstation auf dem Campo Imperatore unterhalb des Gran Sasso fand die folgende Geschichte statt. Zufällig war ein unbefangener Nachgeborener verblüfft Zeuge der sehr seltenen und hier ungewöhnlichen Nachkriegsbewältigungen oder Verstummungen von zwei echten Beteiligten. Protagonist und Zuschauer.
„ Ja, den Idioten haben wir herausgeholt “
Wie ein Jungmann mit der Gnade der späten Geburt mitten in ein Heldenepos gerät.
Bauunternehmer- Büro 1974 in einem grossen Verwaltungsgebäude auf der Baar:
Fast jeden Morgen steht er in unserem Büro und fragt ob er wegen unseren abgeschickten Abschlagszahlungen oder Rechnungen bei den Auftraggebern schon anrufen könne. Es ist der sorgenbeladene Geldeintreiber, der Finanzkaufmann einer großen Baufirma in der Region. Nachdem er uns wieder mal gebetsmühlenartig sein Leid über anstehende Lohnzahlungen, Gehälter, Rechnungen, Finanzamtsforderungen, Krankenkassen und Bankzinszahlungen vorjammert gibt’s dann immer noch ein kleines Schwätzle mit dem leutseeligen, freundlichen Schwaben. Dem Jungingenieur sitzt ein alter Hase der Branche gegenüber und ein Jungvolk Protagonist. Noch nie hat er von seiner Prägung während der Schulzeit und seinen Jungvolkerfahrungen gesprochen. Aber heute platzt es geradezu aus ihm heraus: „ Herr …„B“, sind sie eigentlich der Sohn von General ….„B“ ? Der, der als Fallschirmjäger am Grand Sasso dabei war ?“ So direkt und unverblümt fragt er den sonst sehr jovialen, freundlichen Geldeintreiber der Firma. Der antwortet ungewohnt schroff und abrupt: „Ja, den Idioten haben wir herausgeholt“, und er verlässt zum ersten mal grußlos und schnell das Zimmer. Einige Sekunden herrscht eine beklemmende, knisternde Stille. Der alte Hase aus dem Wald atmet tief durch und seufzt: „ Ich haans doch beigott gwisst, siter paar Monet triebt mich selt um. Siner Vadder sieht ihm wie us em Gsiecht gschnitte gliich. G.D. , der alte Hase hat wieder mal in den Büchern und seinen Alben rumgeblättert und auf seine Träume und Albträume aufgepasst. Wie so oft in letzter Zeit. Der Jungspund aber versteht natürlich kein Wort, spürt nur eine prickelnde Anspannung. Allmählich hat G.D. , der lebenserfahrene Mentor, sein Nervenkostüm und die Fassung wieder im Griff und spürt die fragenden Blicke des Jungkollegen. Und nun beginnt er bedächtig zu erzählen:
Hochalmwiesen
am Campo Imperatore
„Jeden Tag wurden wir von dem strengen, stramm linientreuen kriegsverletzten Lehrer über den heroischen Kriegsverlauf unterrichtet. Über die Heldentaten für Führer, Volk und Vaterland. Die neuesten Heldentaten für das Tausendjährige Reich erklärte er uns anhand von Generalstabskarten. Wir kannten Europas Zonen, von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. Dienstgrade, Ritterkreuzträger, Schlachten, Waffen waren uns geläufig. Wir mussten nach der Schule nicht erst an die Gemeindeanschlagtafeln um den Kriegsverlauf einzusehen. Wir waren aus erster Hand systemkonform informiert. Noch heute bekomme ich Gänsehaut als am 13.September 1943 die Tür mit Hitlergruss aufgerissen wurde und unserer Einpeitscher und Chefpropagandist zackig brüllend verkündete: „ Unsere rumreichen Fallschirmjäger unter Mithilfe der Waffen SS Leibstandarte haben unter Kurt Student und Otto Skorzeny den Duce auf dem Campo Imperatore am Grand Sasso befreit“. Allgemeines Gebrüll und tosendes „Heil Hitler“ erschütterten die ganze Schule. Der Nazi Scharfmacher entrollte eine Italienkarte mit dem alpinen Abruzzen Gebirge. Erd- und Völkerkunde direkt und hautnah. Tage später, als die Propaganda Maschinerie auf Hochtouren lief und alle Einzelheiten mehr oder weniger wahrheitsgetreu unters ruhmreiche Deutsche Volk gebracht wurde, wurden auch wir gründlichst gehirngewaschen. Natürlich verlief die Befreiung des von den eigenen Faschisten im Hotel „Duca di Abruzzi“ auf dem „Campo Imperatore“ nicht nur minutiös wie von General Kurt Student geplant und ausgeführt sondern teutonisch generalstabsmässig. Da die SS bei dieser Aktion nicht fehlen durfte, half ein kleiner SS – Trupp unter Otto Skorzeni mit. Von einem Flugplatz bei Rom wurden 90 Fallschirmjäger in Lastensegler gepackt und zum Campo Imperatore von Motorflugzeugen geschleppt. Die 17 Waffen SS- Männer unter Skorzeni in einem weiteren Schlepp- Lastensegler. Darunter der windhundschnelle, Kruppstahl harte und lederzähe Sohn des schwäbischen Generals „B“.
(Übrigens wurden viele Flügel dieser Lastensegler , die aus Holz und Leinenstof waren, in den Donau- Flugzeugwerken Donaueschingen gefertigt. In den von den Nazis requirierten Produktionsstätten der Bürstenfabrik Erich Locherer, Josefstr. Siehe auch Buch „ Bruuchener kaini Bierschte“ von Hubert Mauz über die Bürstengeschichte von Donaueschingen)
Seilbahnstation am „Duce di Abruzzi“
In Assergi an der Seilbahn- Talstation bei Aquila wurden die Wachen von Bodentruppen ausgeschaltet, die Telefonleitung zum Berghotel gekappt und die Wachmannschaft am Hotel kampflos gekapert. Nach demAusklinken der Lastensegler landeten die Segler auf der von Steinen befreiten Almwiese vor dem Alpinhotel „Duca di Abruzzi“. Ein Leichtflugzeug ein „Fieseler Storch“ landete ebenfalls dort. Nach 10 Minuten wurde der Duce aus dem Gebäude geführt und in den wartenden, bereitstehenden „Fieseler Storch“ gepackt. Obwohl mit dem beleibten Duce das Startgewicht schon am Limit war, schlug die ganz große Stunde des grosspurigen Aufschneiders Skorzeni. Auch er zwängte sich entgegen jeder Absprache noch in den fliegenden Besenstiel „Fieseler Storch“ und drängte sich dadurch nachhaltig in die Geschichtsbücher und in die zweifelhaften Heldenanalen des 3. Reiches. Durch das Überladen hob der fliegende Besenstiel erst in aller letzter Sekunde und auf den allerletzten Metern noch geradeso hangabwärts ab. Fast wäre durch die Aufdringlichkeit vom Angeber Skorzeni der Heldentraum und das Heldenepos auf dem felsigen Almweiden noch unrühmlich zerschellt. Dann wäre der Aufschneider Skorzeni everybodis Depp gewesen und nicht everybodys daarling und der ruhmreiche, verehrte Vorzeigenazi geworden. Der Ex- Duce Mussolini wurde via München und Wien ins Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ zu Hitler geflogen und von ihm wieder reaktiviert.“
Fi 156 (Fiesler Storch) während der Befreiung Benito Mussolinis vom Gran Sasso.
Foto: Toni Schneiders: Gran Sasso, Befreiung von Mussolini.- Benito Mussolini im startbereiten Flugzeug Fieseler Fi 156 „Storch“ (Kennung SJ+LL); Fs AOK, Bundesarchiv_Bild_101I-567-1503C-04,Gran_Sasso,_Fieseler_Fi_156»Storch«
Zwar hatte ich in Alpinzeitschriften von Skihochtouren im Mai im Hochgebirge der Abruzzen gelesen. Dort soll man , einmalig in ganz Europa, am Morgen noch Skifahren, und am Mittag in der kühlen Adria plantschen können. Dabei wurde auch die Mussolini Geschichte knapp gestreift. Aber nun bekam ich so vom Mentor G.D. die wahre und die ganze Geschichte erzählt.
Beim nächsten Besuch des Geldeintreibers „B“ kam es zu einem sehr streng vertraulichen Gespräch. Auch dem Eleven wurde strengstes Stillschweigen abverlangt, was der bis heute, nachdem beide Hauptpersonen nicht mehr leben, 45 Jahre lang absolut eingehalten hat. Da diese Episode jedoch auch ein Zeitzeugnis der 1975 Jahre, aber auch der 1940 Jahre ist, genaugenommen vor 80 Jahren, glaube ich, dass es nun erlaubt , wenn nicht sogar eine Verpflichtung ist, darüber zu berichten.
Die erste bohrende Frage von „B“ an G.D. war, wie er auf die Vermutung gekommen sei, dass er dabei gewesen sei. Das hat G.D. so erklärt:
„Von unserem Propagandisten Lehrer wurden wir detailliert unterrichtet. Kern war die Heldenverehrung der beteiligten Soldaten, insbesondere der 17 SS Leibstandarte Elite Soldaten. Von jedem wurden die Vita und die Wehrausweis – Fotos gezeigt und zur verpflichtenden Album- Aufbewahrung übergeben. In den kommenden Wochen wurden immer wieder die Daten und die Heldentaten dieser „schnellen, harten, zähen“ Elitesoldaten abgefragt. Wir kannten Herkunft, Mutter, Vater, Ausbildung, Auszeichnungen genau. Wehe , wenn die Heldendaten aus dem Zettelkasten nicht wie aus der Pistole geschossen kam. Dagegen war die Fussballheldenverehrung der WM – Bern 1954 mit den Fussballgöttern Rahn, Toni Turek, Fritz Walter und Horst Eckel ein Kinderspiel. So wurde auch ihr Vater mit dem glorreichen Sohn auch bildlich mit einbezogen. Und genau dieses Bild des General „B“ mit der frappierenden Ähnlichkeit mit ihnen ist mir wieder mal in die Hände gefallen, zusammen mit der Liste der 17 Gran Sasso Soldaten. Lange hab ich mit mir und der für sie vielleicht unangenehmen Fragestellung an Sie gerungen.“
Finanzkaufmann „B“ hat dann noch ganz persönlich und mit verhohlenem Stolz ziemlich ausführlich diese Mussolini Befreiung aus seiner ganz persönlichen, aktiven Sicht geschildert. Zum ersten mal, sagte er, würde er das an Fremde preisgeben. Nachdem noch mal absolutes Stillschweigen vereinbart wurde, rumorte es noch lange, genaugenommen bis heute, bei dem Eleven. Auch war der Informationshunger des alten Hasen gestillt. Nicht ganz ohne Genugtuung wurde der ehemalige Hitlerjunge so ein naher, intimer Zeitzeuge dieses geschichtsträchtigen Ereignisses.
Nie mehr wurde später darüber gesprochen, was ein merkwürdiges, aber gängiges, übliches Merkmal dieser Nachkriegsjahre war.
Es ging spazieren vor dem Tor Ein kohlpechrabenschwarzer Mohr…
Wilhelm Busch: Die Geschichte von den schwarzen Buben. In: Der Struwwelpeter. 1844. Verl. Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1917.
Keine deutsche Nachrichtensendung, keine Tageszeitung durfte gegen Ende des Sommerlochs 2025 auf diese Meldung verzichten: Die Berliner Straße und U-Bahnstation Mohrenstraße wurde nach langjährigen Auseinandersetzungen in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt; zuletzt war damit sogar das Berliner Oberverwaltungsgericht noch auf Trab gehalten worden. Es wirke dies wie eine krampfhafte historische Verrenkung, meinte dazu etwa die Süddeutsche Zeitung (v. 25. August 2025), wo doch der Namensgeber, erster afrodeutscher Akademiker (1756 – 1784), der in Halle und Jena Philosophie gelehrt hatte, so gut wie nichts mit Berlin zu tun habe. Zuvor schon hatten Aktivisten mit Pinsel, Farbe oder Aufklebern aus der Mohren- eine Möhrenstraße gemacht.
Foto: Internet rbb24
Ob jetzt auch die deutschlandweit über einhundert im Netz aufgeführten Mohrenapotheken umbenannt werden müssen – soweit man sich dort nicht schon längst um einen neuen Namen bemüht hat? Zumal, wenn überm Eingang womöglich noch halbnackte dunkelhäutige Figuren getanzt haben, im Blätterrock oder in Pluderhosen und mit Speeren bewaffnet. Die abendländische Medizin habe halt einst viel vom Wissen der arabischen Besatzer Spaniens profitiert, so lautet ein akademischer Erklärungsversuch.
Nahegelegt wird neuerdings ja auch Melchior, dem Schwarzafrikaner unter den drei Königen, sich fortan das Gesicht nicht mehr zu schwärzen? K+M+B sind sich mittlerweile zum Verwechseln ähnlich, wenn sie um Dreikönig herum ihre Runde machen. Was soll´s, wo doch auch Winnetou zwar noch Apache, doch kein Indianer mehr sein darf. Muss nächstens auch der Name Moritz getilgt werden, der doch wohl von Mauritius abstammt, dem dunkelhäutigen Schutzheiligen der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede? Muss demnach auch Wilhelm Buschs Max und Moritz – EineBubengeschichte in sieben Streichen von 1865 überarbeitet werden? People of Color, mögen ihre Bezeichnungen auch seit Jahrhunderten eingedeutscht sein und jedweder rassistischen Untertöne unverdächtig erscheinen, sollen es künftig besser haben bei uns – so die Devise.
Und was passiert mit den (in Süddeutschland gar nicht so seltenen) Gasthäusern zum Mohren? Wie waren sie denn überhaupt zu diesem inzwischen als spätkolonialistisch und rassistisch gedeuteten Namen gekommen? Nehmen wir uns dazu den Mohren in Fischbach vor, in der Teilgemeinde von Niedereschach, einen der bekanntesten Gasthöfe im Hintervillinger Raum, nebst dem Sinkinger Taubenmarkt bis unlängst noch der wichtigste Anziehungspunkt. Noch gibt es ihn, leider jedoch mit stark reduzierter Küche, und nach Schließungen aufgrund einer Insolvenz bekommt man immerhin noch sein Bier am Stammtisch, sofern nicht gerade Betriebsferien herrschen. Sollte der gastronomische Niedergang womöglich nicht nur mit den branchenüblichen Personalproblemen, sondern auch mit der neuempfundenen Anstößigkeit des Wirtshausnamens zu tun haben?
Der Fischbacher Mohren
Ein solcher Verdacht hat bereits vor Jahren (am 4. 10. 2022) einen Journalisten der Schwäbischen Zeitung inspiriert, geäußert in seinem Beitrag aus Anlass der Wiedereröffnung des Hauses:
„Die Herkunft des Namens „Zum Mohren“, der aktuell bekanntlich nicht unumstritten ist, den manche als rassistisch ansehen und deshalb ablehnen, kann nicht eindeutig belegt werden. Eine andere, gleichnamige Gaststätte in Hechingen etwa, änderte im August ihren Namen. Forschungen sollen jedoch ergeben haben, dass es Unterkünfte mit diesem Namen fast nur entlang der alten Römerstraße Via Claudia Augusta gab und gibt. Fürsten und ihre dunkelhäutigen Bediensteten sowie allerlei Pilger reisten häufig über diese wichtige Handelsstraße, die Süddeutschland und Italien verband, und kehrten in sogenannten Hospizen ein. Man vermutet, dass der Name „Zum Mohren“ von diesen Gästen stammt.“
Eine recht abenteuerliche These, wo Fischbach doch wohl nie an einer „wichtigen Handelsstraße“ aus Römerzeiten lag, auch wenn unweit des Dorfs immerhin die Grundmauern einer villa rustica und die Ruine eines Römerbads ausgegraben wurden. Sollten etwa auch hier „dunkelhäutige Bedienstete“ mitgemischt haben?
Villa rustica bei Fischbach-Sinkingen
mit restauriertem Römerbad
Freilich bietet sich auch eine sehr viel näher liegende Erklärung an: Man denke an die im Süddeutschen weit verbreiteten Wirtshausnamen zum Ochsen oder zum Hirschen. Denn im bäuerlichen Schwarzwald hieß das weibliche Hausschwein, die Muttersau, seltsamerweise Mohr – wer oder was wollte einen Schwarzwälder also daran hindern, seinen Gasthof zum Mohren zu nennen, wo sich da dem Gast doch sogleich die Assoziationen Schweinebraten oder -schnitzel aufdrängten, so wie bei der Konkurrenz Ochsenmaulsalat oder Hirschragout?
Doch was helfen derlei Erklärungsversuche, wenn die Menschheit immer vehementer dazu neigt, historisch Gewachsenes umzudeuten und umzudeklarieren. Hoffen wir zugunsten der Fischbacher wie der gesamten Region, dass der vormals so berühmte Landgasthof zum Mohren auch unter seinem alteingeführten Namen nicht vollends schließen muss.
In Wilhelm Buschs Struwwelpeter werden die drei vorlauten Buben, die den Schwarzen zu verspotten wagten, vom Nikolaus zur Strafe ins Tintenfass getaucht. Rassismus jedenfalls scheint dem Dichter damals fern gelegen zu haben. Übertreiben wir´s da heute nicht doch ein bisschen – vor lauter political correctness?
Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind, Viel schwärzer als das Mohrenkind! Der Mohr voraus im Sonnenschein, Die Tintenbuben hinterdrein; Und hätten sie nicht so gelacht, Hätt‘ Niklas sie nicht schwarz gemacht.
Unten das Programm für die Freilichtspiele vom 12. – 14. September
3. August 2025
Im Jubeljahr werden in der vielfältigen Gemeinde auch vielseitige Formate vorgestellt. Nach dem Festbankett, der Ausstellung mit den 50 Sachen und dem Jubiläums Volksfest war ein Vortrag über die Wolterdinger und die Baarschwarzwälder Glaskunst. Denn die Wolterdinger Glasfabrik, d ‚Glasi und d‘ Schliefi, war wohl das aussergewöhnlichste und kunstvollste Gewerbe der Bregtal Gemeinde. Über diese dort ausgeübt Glaskunst gab es im Kehlnhof Museum in Bräunlingen eine Vortrag über die Kulturgeschichte des Glasmachens von der Antike bis in die Glasfabrik Wolterdingen. Im Kehlnhof Museum deshalb, weil ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr die zur Habsburger Stadt gehörende Glasgemeinde Bubenbach 300 Jahre alt wird. Sie war so etwas wie der Urknall der Baarschwarzwälder Glaserei im Dreieck Bubenbach, Herzogenweiler und dem Höhepunkt Wolterdingen. Im musealen Ambiente des Kehlnhofes mit stilgerechten Glasobjekten wird über die grosse Glaskunst in Wort und Bild erzählt.
Finissage mit 50 Sachen
5. Mai 2025
Am bedeutungsvollen Internationalen Tag des Museums, am 18.5.2025 fand die Finissage der erfolgreichen, kurzweiligen Ausstellung: „Wolterdingen in 50 Sachen“ statt.
Bis dann kann man aussagestarke Objekte aus Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Spiritualität der sehr alten und ungewöhnlich vielfältigen Jubiläumsgemeinde Wolterdingen auf sich wirken lassen. Bronzelappenbeile, Doppelspitzbarren, Mineralien und ein rarer Fulgurit sind naturkundliche Objekte. Andere Dinge wie eine St. Kiliansskulptur, Gewerbe – und Industriehistorische Beispiele, eine Original Bregtäler Holzklassebank und die überdimensionale, beeindruckende Gemarkungsgrundkarte geben einen optischen und erklärenden Einblick in die Eigenart des Ortes. Gesellschaftliches Leben wird durch Feuerlöschgerät, einen Schellenbaum und einen Film über die 1200 Jahrfeier vor 50 Jahren dargestellt. Ein Wasserverteilstein als Symbol einer frühen Wasserversorgung durch Diechelleitungen vor dem Sammlungseingang stellen die Versorgungslage dar. Vorläufiger Höhepunkt der Gemeindeentwicklung ist der enorme Hochwasserdamm. All das kann in einem stilvollen und informativen Begleitkatalog nachvollzogen werden. Die Bregtäler Ballade, vorgetragen von Walter Köhler, der zur Einstimmig auf der Bregtalbahn Holzklassebank Platz nimmt, wird die Poesie des Bregtälers, des legendären Romulus, musikalisch aufleben lassen.
Interessierte sollten die in dieser Art einmalige Ausstellung in den FF Sammlungen am Karlsplatz Donaueschingen bis zum 18.5.2025 besuchen. Denn danach werden die Objekte wieder für lange Zeit in verschiedenen Depots, Sammlungen und Archiven eingelagert werden. Die Bevölkerung der Region ist herzlich zu dieser finalen Abschlussveranstaltung eingeladen.
Ausstellung in den FF-Sammlungen über 1250 Jahre Wolterdingen
2. April 2025
In den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen am Karlsplatz Donaueschingen werden 50 für Wolterdingen aussagestarke, bezeichnende Objekte, Dinge, Artefakte, Sachen ausgestellt. Anhand dieser Sachen kann der Besucher der langen und vielfältigen Vita der Jubiläumsgemeinde nachspüren.
Die ältesten Wolterdinger sind zurück
Seit kurzem sind zwei Sachen der Heimatgemarkung zurückgekehrt. Vor weit über 3000 Jahren haben Bewohner in der Bronzezeit mit diesen Fundobjekten Holz bearbeitet, Katen gebaut, Bäume gefällt, Brennholz und Kohlenmeiler Holz gespalten. Es sind Bronze Lappenbeile. Äxte die aus Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zink, hergestellt, geschmiedet werden. Lappenbeil deshalb, weil zunächst eine Bronze Platine geschmiedet wurde und da zwei seitliche Lappen aufgebogen wurden. In dieses Auge, in diese Röhre wurde dann der Beilstiel eingepasst. Beide Metalle gibt es in Mitteleuropa nicht. Nur im Norden, in Britannien und dem Balkan. Also mussten diese Geräte von sehr weit her und kostspielig eingeführt werden. Im Flecken Wolterdingen wurden diese wertvollen Werkzeuge benutzt. Also war da was, in der Bronzezeit. Mehr wissen wir noch nicht. Nur dass diese archäologische Rarität hier gefunden wurde. Wo, wann, von wem ist in der Archiv- Beschreibung im archäologischen Landesarchiv Rastatt leider nicht vermerkt.
Wer sich vom Mythos Bronze Lappenbeil anregen lassen will, kann dies in einer Vitrine in der Ausstellung
Am Freitag 08.09.2023 war ein Bildvortrag zur Einstimmung zum 1250 Jahrfest
Motto : „Vom Bronce Lappenbeil zur Hochwasserregulierung“.
Freiluft Veranstaltung an der HW- Dammarena
Wolterdinger Bronce Lappenbeil 3000 Jahre alt
Hochwasserregulierungswehr 2009
Als Geburtsstunde einer Gemeinde gilt üblicherweise die schriftliche Erwähnung in einem Rotulus, mundartlich „Rodel“, eines Klosterprotokolles. Im Quellenland gehört Wolterdingen unter die Top-Ten der Ersterwähnungen. Nur um knappe 15 Jahre von Heidenhofen geschlagen.
Anno 775 wird in einem „Baumgarten“ eines Amtssitzes oder auch eines Klosters ein derartiger Rodel unterschrieben. Dass aber Wolterdingen zu den ältesten Gemeinwesen im Baarschwarzwald gehört, kann man sogenannten Artefakten ablauschen. Denn im Gewann Gehren wurde, wie erst jetzt bekannt, ein ungefähr 3000 Jahre altes Bronce-Lappenbeil gefunden. Und aus der Eisenzeit, der Keltenzeit vor etwa 2500 Jahren, wurden 12 Eisenbarren, sogenannte Doppelspitzbarren gefunden. Die Manganerzvorkommen im Unteren Bregtal und der Eisen- Keltenfürst vom Magdalenenberg legen deshalb nahe, dass hier schon damals ein erfolgreiches Gemeinwesen angesiedelt gewesen sein muss.
Über diese uralten Ursprünge, die Beuurkundung und die anschliessende ungewöhnlich vielfältige Entwicklung von Wolterdingen kann man sich bei diesem Bildvortrag an der Dammarena zu den 1250 Jahrfeiern im Jahr 2025 einstimmen. Gestreift wird die historische Entwicklung bis in die Neuzeit in Wort und Bild. Keltische Rennöfen, uralte logische Verkehrswege, Geologie, Landschaftsgeographie, Steinbruchwesen, Holzwirtschaft, Landwirtschaft, Mühlen und Sägereien, Ziegelei, Kalkbrennen, Wasserversorgung, Hydrologie, Bregtalbahn, Glasfabrik, Handel und Gewerbe und geistliche und weltliche Bildung werden kurz erläutert.
All das führte zu der aussergewöhnlichsten, vielseitigsten Gemeinde im Baarschwarzwald. Gerade am Beispiel Wolterdingen wird der Historiker Kernsatz sehr deutlich: „ Die Geschichte wird von der Landschaftsgeographie geschrieben, nicht von den Herrschenden“. Den Besuchern dieses ersten Test- und Probelaufes, dieser Info Veranstaltung für Bürger, Aktive und Helfer an der Dammarena, wird eine Sitzunterlage und warme Bekleidung und etwas Selbstverpflegung empfohlen. Ausser Leinwand, Beschallung und Projektion wird keine Infrastruktur zu diesem gemütlichen, stimmungsvollen und idyllischen Vortrag bereitgestellt.
Die Bevölkerung der ganzen Region ist zu dieser kostenfreien „Schnupper“ Freiluftdarbietung, zur Motivation und zu diesem Appetitanreger herzlich eingeladen. Festkommitee und Ortsverwaltung 1250 Jahre Wolterdingen
Unglaublich was so ein Jubiläumsjahr so alles ans Licht fördert. Auf einmal sind Bürger hellwach und werden auf unbeachtete, längst vergessene Dinge aufmerksam. Kurz vor dem Glasvortrag kommt ein Anruf von Gisela Ruth: Komm mal vorbei, ich hab einen grossen Glasstein und ein Trinkglas mit einem eingravierten Liebesbrief. Sie zeigt mir einen wunderbaren, grossen, schweren Glasmassestein mit anhaftender, markanter Glasgalle. Das Schwergewicht hat Sohn Ralph vor 40 Jahren an der Reiner Halde ausgegraben. Der grösste, schönste, marmoriert und bisher entdeckte Glasfritte-Brocken von der Glasi Wolterdingen. Verblüffung wandelt sich in Begeisterung.
Aber das zweite Objekt mit seiner wundersamen Geschichte macht geradezu fassungslos. Und es liefert auch die perfekte Vorlage für ein Vortragsthema, wofür noch ein ausdrucksstarkes Bild oder Objekt fehlt. Nämlich das unvergängliche Glas darzustellen als Datenträger für die Archivierung der Weltformeln und es somit zu erklären. Dieses Teilthema des Glaswunders kann man nun durch die Steilvorlage durch dieses Becherglases lebensnah, poesievoll und anschaulich erklären.
Aber nun von vorne. Glas ist das beständigste, fast korrosionsfreie, unvergänglichste von Menschenhand geschaffene Material. Und das prädestiniert es dazu, diese sogenannten Weltformeln zu archivieren. Bisher wurden die wichtigsten Daten, Fakten, Erkenntnisse und Formeln auf Papier, Stein, Horn, Bein, Ton, Leder und Metall geschrieben. In der Neuzeit auf Digitale Datenträger. Ausgerechnet die sind am Kurzlebigsten, am Vergänglichsten und haben die geringste Halbwertzeit. Weil hochwertiges Glas eine Verfallzeit von mindestens 20 000 Jahren und mehr hat, schreibt man eben diese Weltformeln auf Glas. Und das binär und rein optisch. Also bekommen unsere Nachfahren zu diesem Glasdatenträger eine intelligente Gebrauchsanweisung dazu, eine Erklärung wie man binär und rein optisch liest. Und schon können die Menschen, falls es diese Spezies in 20 000 Jahren noch geben sollte, unsere Gedchichte, unsere Zivilisation so auf Glas erklärt bekommen. Und das auf einem 1 Quadrat Zentimeter grossen, sehr korrosionsarmen Glasscheible. Optisch lesbar und ohne dann ohnehin schon lang verrottete digitale Hard- und Software zu benutzen. Mindestens 2000 dicke, wissenschaftliche Bücher sollen auf so ein Scheible passen. Und jetzt kommt unser Liebesbrief von 1907 ins Spiel. Von Claire Krämer auf ein mundgeblasenes Glas, evtl. aus der Glasfabrik Wolterdingen, von Hand graviert. Dieser Brief wäre noch lesbar in 20 000 Jahren, wenn die dortigen Wesen noch Deutsche Buchsprache könnten. Und so geht diese Geschichte, eine der vielen Geschichten hinter den vielen Glasgeschichten. Kaum eine andere ist so poesievoll wie diese:
Eine ältere Dame im Senjohrenheim St. Michael übergibt das Glas der Betreuerin Gisela Ruth zur Verwahrung und zum Andenken an die Wolterdinger Glasfabrik. Das mundgeblasene Becherglas habe eine Frau auf einer Bahnfahrt von Rügen nach Berlin von Hand freihändig graviert. Es sei ein Liebesbrief in oder auf Glas. Bei Gisela ist es jetzt durch diesen Glasvortrag wieder aufgetaucht. Betrachtet man die Inschrift mit der Lupe und bei günstigem Lichteinfall liest man, dass eine Claire Krämer diesen in ein Glas gravierten Brief 1902 geritzt hat. 1907 muss sie ihn ergänzt haben, wie auf dem Boden des Glases erkennbar ist. Erst dann hat sie diesen Glasbrief ihrem Verehrer vielleicht übergeben. Dass sie eine fast unvergängliche Form dieser Mitteilung gewählt hat, dürfte sie nicht gewusst haben. Sie hat die fast zeitlose, hochmoderne Art der Datenübermittlung und der Datenarchivierung in unbewusst weiser Voraussicht vorweggenommen. Wenn das mal kein Anlass ist das Hohelied auf das Glaswunder zu singen.
Und so heisst der unvergängliche Text auf dem fast unvergänglichen Glas:
Der Brief auf dem Glas vom 4. August 1907, gesprochen von Maria Simon.
So allmählich verabschieden sich die letzten Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg für immer. Da will auch mir nicht mehr aus dem Kopf, dass ich ja ebenfalls die Jahrhundertkatastrophe noch mit abbekommen habe. Allemal, wenn abends die grauenerregenden Bilder aus dem Gazastreifen oder aus der Ukraine über den Bildschirm flimmern, selten ohne verletzte, getötete oder doch heillos verstörte Kinder. Was macht der Krieg aus einem, so hatte ich mich vor Jahren schon beim Durchackern des väterlichen Kriegstagebuchs gefragt; und was hat er aus mir gemacht? Schon der Umstand, dass ich im März 1940, am Ostersonntag, in der badischen Metropole geboren wurde, hat mit dem Fronteinsatz des Vaters zu tun gehabt: mehr freilich noch mit der Verfügbarkeit der Karlsruher Großmutter beim Hüten des Erstgeborenen (meines Bruders Fritz) während Mutter Elses Entbindung. Derweil der Vater, im Rang eines Offiziersanwärters, Dienst am einstweilen noch ruhigen Westwall tat – nicht gar so weit weg an der elsässischen Grenze. Erst im Juni dann sollte der Krieg für ihn blutiger Ernst werden: Bei der Erstürmung der Maginot-Linie in den Ausläufern der Vogesen sollte er durch einen Granatsplitter das erste Mal verwundet werden.
Daheim in Kandern im Markgräflerland, fehlte es mir im weiteren Kriegsverlauf durchaus nicht an mütterlicher Obhut und Zuwendung, immer häufiger auch nicht an großmütterlichem Einsatz, nachdem dann auch der Karlsruher Opa noch eingezogen worden war. Trotz Krieg scheint es mir in meinen ersten Lebensjahren an kaum etwas gemangelt zu haben. Traumatische Erlebnisse, wie sie so viele Vertreter der Kriegsgeneration bis zum Lebensende zu verfolgen und zu quälen pflegen, wollen in mir bis heute – gottlob! – nicht aufkommen. Was aber nicht heißen soll, dass sich im Langzeitgedächtnis nicht auch düstere Ereignisse abgespeichert finden. Doch so ganz Entsetzliches scheint mir jedenfalls erspart geblieben zu sein. Meine früheste, freilich arg nebelhafte Erinnerung rankt sich um einen Krankenhausbesuch in Lörrach, wobei ich mir nicht sicher bin, ob der Anlass der geplatzte Blinddarm von Bruder Fritz war oder Mutters Entbindung von Bruder Klaus (im März 1943). Um dorthin zu gelangen, musste man mit dem „Chanderli“, einem von Kandern nach Haltingen verkehrenden Schmalspurbähnle, bis nach Binzen (oder war es bis Rümmingen?) fahren, um von dort über die Lucke (dem Sattel zwischen Kander- und Wiesental) nach Lörrach zu gelangen. Geblieben ist mir die Erinnerung an Salzbrezeln im Krankenhaus, aber auch an einen Panzer, der oben auf der Lucke stand. Was der dort suchte, ist mir schleierhaft, denn die Front war ja noch weit weg. Oder sollte ich ihn mir später hinzuphantasiert haben?
Frühe Fotos aus den elterlichen Alben zeigen mich damals heiter und erstaunlich gut im Futter, so gut, dass ich von Bruder Fritz noch jahrelang gehänselt wurde ob meiner „Hängebacken“. „Aldi Hex vo Binze, kochsch mer guedi Linse“ – dieser Markgräfler-Reim gehörte schon früh in unser Liederrepertoire. Denn Essen hatte bei mir schon immer einen (wolfsmäßig) hohen Stellenwert, auch wenn wir dank Mutters (und/oder Omas) erfindungsreicher Küche nie wirklich hungern mussten. Apropos Wolf: Seit Vaters Tod im Jahr 1995 rätsle ich, wie ich eigentlich zu meinem Namen gekommen bin. Ich meine mich erinnern zu können, dass ich nach einem gefallenen Freund von Vater Fritz (nach welchem nur?) benannt worden sei. Oder könnte da womöglich doch „der Führer“ (der von seinem engsten Kreis Wolf genannt werden durfte) mit herumgespukt haben? Schade, dass ich zu Vaters Lebzeiten da nie nachgehakt habe.
In Kandern wohnten wir in der staubigen (offenbar noch ungeteerten) Feuerbacher Straße gleich neben dem Pfarrhaus. Unsere Mietwohnung gehörte zum Tonwerke-Komplex der Ziegeleifirma Kammüller, und gegenüber den Mitgliedern der Fabrikantenfamilie durften wir Kinder uns nur ja keine Frechheiten erlauben. Dennoch pflegten wir Brüder unterm Bürofenster der Miteigentümerin Liese Kammüller mitunter provozierend „Liese auf der grünen Wiese“ zu singen, wofür wir uns eines Tages reuig und zerknirscht bei ihr zu entschuldigen hatten. Denn Mutter Else durfte es, als kriegsbedingt Alleinerziehende, nur ja nicht verscherzen mit den Vermietern. Spielplatz war denn auch weniger das Fabrikareal mit seinen Hallen voller Backsteinbeigen und dem hohen Schlot als vielmehr der Pfarrhausgarten nebenan, wohlgelitten von dem mit der Familie befreundeten, stimmgewaltigen Stadtpfarrer, dessen Sohn unser bevorzugter Spielkamerad war.
Mit Ritterkreuzen (aus Pappe) dekoriert: die Brüder Fritz und Wolf, dazwischen Klaus
Wann immer Vater Fritz urlaubshalber in schneidiger Uniform von der wankenden Ostfront zuhause auftauchte, waren gemeinsame Wanderungen in die Umgebung zu dieser oder jener Waldhütte angesagt, wir beiden Buben (der dritte war dazu anfangs noch zu klein) zumeist bewaffnet mit Holzgewehren und ab Kriegsjahr 1944 geschmückt mit Ritterkreuzen aus Pappe, nachdem der Vater in den Rückzugsschlachten damit ausgezeichnet worden war; mich begleitete dabei stets auch mein hölzerner Gliederdackel, der mit dem Schwanz wedeln konnte. Spielten wir da „Soldätles“ oder war mir der Forstberuf etwa damals schon irgendwie vorgezeichnet? Gegen Kriegsende galten die Gänge mit dem Vater dann allerdings mehr den Flakstellungen oberhalb Kanderns als dem Wald.
Unterwegs in den Kindergarten gerieten Bruder Fritz und ich eines Morgens in einen heftigen Fliegerangriff – für mich die mit Abstand eindringlichste Kriegserinnerung: Wir hatten eben den Kirchplatz erreicht, als die Sirenen heulten und es auch schon zu jaulen und zu krachen begann. Kirchenfenster gingen neben uns zu Bruch und an der Hauswand gegenüber warf sich ein Mann Deckung suchend auf den Boden, während wir beide unter einer Kastanie Schutz suchten. Ob oder wie sehr wir schlotterten und heulten vor Angst, hat sich mir nicht eingeprägt – den Schrecken muss ich wohl doch irgendwie verdrängt haben. Als das Krachen endlich aufhörte und die Flieger sich wieder aus dem Staub gemacht hatten, kam plötzlich unser Vater gerannt, der sich gerade im Fronturlaub befand. Zu unserer Verwunderung rannte er jedoch weiter, nachdem er sich nur kurz vergewissert hatte, dass uns nichts passiert war. Offenbar wollte er nach den Bombenschäden in der Stadt sehen, um, falls erforderlich, Hilfe leisten zu können. Viel später haben wir ihn mit der Frage gelöchert, weshalb er uns eigentlich nicht zuerst nachhause gebracht hat. Lag es daran, dass er aus Russland weitaus Heftigeres gewohnt war?
Auch daheim in der Feuerbacher Straße überstanden wir noch manchen Alarm, und nach einem solchen war sogar einmal unmittelbar hinterm Haus eine Mörsergranate eingeschlagen. Das Pfeifen und Krachen von Granaten wie auch das Heulen der Sirenen ist mir seitdem im Ohr geblieben. Die Kinder am Wickel, pflegten sich Mutter und Großmutter jeweils Hals über Kopf die Treppe hinunter in den Keller zu stürzen!
Sehr viel harmloser und durchaus positiv besetzt ist dagegen ein anderer Erinnerungsfetzen: Irgendjemand hatte uns Buben eine Fahrt per Pferdefuhrwerk (im Alemannischen „Bräckle“ genannt) nach Bamlach am Rhein ermöglicht, wo wir die Mutter beim Schanzen (dem Ausheben von Schützengräben) besuchen durften. Auch nach Badenweiler, wo der Vater Ende 1944 im noblen, zu einem Lazarett umfunktionierten Sanatorium „Haus Baden“ seine Ruhrerkrankung auskurierte, ging es bisweilen wieder mit der Mutter, ob zu Fuß oder dank einer Mitfahrgelegenheit, ist mir nicht mehr erinnerlich.
Die letzten Kriegswochen waren wir samt Karlsruher Großmutter im Platzhof evakuiert, einem Bauernhof einige Kilometer ostwärts von Kandern. Dort, im hofnahen Wald, gerieten wir letztmals in einen Fliegerbeschuss – in Erinnerung ist mir vor allem die Oma geblieben, wie sie sich mit uns Buben in den Weggraben warf, weshalb wir unentdeckt und unversehrt blieben. Schlimmer war allemal, dass an der Scheideck, oben auf der Passhöhe der Straße nach Kandern hinüber, mehrere von Schmeißmucken umschwirrte, aufgeblähte und stinkende Kadaver von Armeepferden lagen, die offenbar beim Rückzug der deutschen Truppen dort zu Tode gekommen waren. Fritz und ich mussten sie mehrmals mit Schaudern und zugehaltenen Nasen passieren, wenn wir im Städtle einen Einkauf zu besorgen hatten. Viel später erst wurde mir bewusst, dass exakt hier oben anno 1848 auch Friedrich Heckers revolutionärer Zug aufgerieben worden war.
Der Einmarsch der Franzosen verlief, zumindest aus der Sicht von uns Kindern, recht undramatisch, obwohl es sich überwiegend um (wegen ihrer Übergriffe auf Frauen übel beleumundete) Marokkaner gehandelt hat, die da plötzlich in Kandern auftauchten, ohne dass es noch zu Kampfhandlungen gekommen war. Auch im Holzschuppen nebenan kampierten welche, was uns Buben natürlich mächtig faszinierte. Sie hatten von uns eine Zeltplane konfisziert, die Fritz und ich anderntags in ihrer Abwesenheit wieder durch die hölzerne Lattentüre heraus angelten – soviel Heldenmut musste sein.
Der Vater hatte sich, wie in seinem Kriegstagebuch nachzulesen ist (und wie er es uns später anlässlich eines Bodenseebesuchs an einem der Originalverstecke im Wald oberhalb Ludwigshafen sehr plastisch dargestellt hat), nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 bewaffnet und in voller Montur nächtelang vom Bodensee-Hinterland auf Schleichwegen bis kurz vor Kandern durchgeschlagen, ehe er sich schließlich doch von einem seiner Vorkriegs-Mitarbeiter dazu bewegen ließ, sich bäuerliche Zivilkleidung auszuleihen. Was sich als rettende Idee herausstellte, denn vor unserer Haustür hatte ein französischer Posten Stellung bezogen, der die Fabrikhallen bewachte. So blieb uns der Vater vorerst unbehelligt erhaltern; erst im Herbst 1945 holten die Franzosen ihn ab zu anderthalb Jahren Kriegsgefangenschaft. War er denunziert worden, wenn ja, weswegen? In den paar Wochen, solange er noch zuhause war, hatten wir mit ihm immer wieder Hamstertouren in die umliegenden Dörfer unternommen, zumeist mit dem Leiterwägele, auf welchem wir bergab alle aufsitzen konnten. Kurz vor Obereggenen bin ich dabei als Wagenlenker einmal mit Karacho einem Radler in die Speichen geraten. Noch unauslöschlicher ist mir jedoch eine abendliche Heimfahrt im Gedächtnis geblieben. Es hatte zuvor in Obereggenen reichlich neuen Süßen gegeben, Krätzer, der offenbar schon am Vergären war. Talabwärts, von der Johannesbreite nach Sitzenkirch hinunter, war ich wieder mal Chauffeur mit der Deichsel zwischen den Beinen, mit Bruder Fritz und dem Vater hintendrauf, dieser mit dem Bremsbengel in der Hand zur Temporegulierung, mit dem „Fuullenzer“ (Faulenzer), wie er ihn nannte. Dreimal hintereinander mussten sie mich aus dem linksseitigen Straßengraben herausziehen, denn anscheinend hatte ich meinen allerersten Schwips abbekommen. Nach der dritten Entgleisung fing ich (verdienter- oder unverdientermaßen?) noch eine väterliche Ohrfeige!
Als weniger unfallträchtig, aber auch als weniger ergiebig erwiesen sich dann die Hamstertouren mit der Mutter, derweil der Vater in Mulsanne in französischer Gefangenschaft schmorte und Hunger litt; mit ihm hatte es bei den Bauern der Umgebung offenbar weitaus besser geklappt mit der Hamsterei. Mit der Mutter hingegen ist mir vor allem eine Tour in Erinnerung geblieben: über Sitzenkirch nach dem Weiler (mit dem für Hamsterer so verheißungsvoll klingenden Namen) Käsacker: Auf dem Hinweg hatten wir noch fidele Marschlieder aus Jugendbewegungszeiten gesungen à la „Hoch auf dem gelben Wa-ha-gen“ oder „Ich armes welsches Teufele“; heimwärts trotteten wir neben einer weinenden Mutter einher, nachdem wir von den Bauern offenbar unfreundlich empfangen worden waren und nichts Nahrhaftes abbekommen hatten. Richtig hungern mussten wir dennoch nicht, denn immer gab es ja noch Kartoffeln, die die Mägen füllten, salzig oder süß, in unzähligen Variationen von Mutter oder Großmutter gekocht, gebraten, gestampft oder gerieben. Viel später, womöglich erst in der Pubertät, beschlich mich der Verdacht, dass die Form meines Brustkastens auf jene Kartoffelzeit und meinen wölfischen Appetit zurückzuführen sein könnte. Zeitlebens verschmähe ich indessen die mit Zucker und Zimt bestreuten Kartoffelpuffer, von denen ich damals gar zu viele vertilgt haben muss.
Glück gehabt also – kein Wunder, dass mich die im Weltkrieg so glimpflich verlaufene Kindheit nicht mehr zu quälen scheint! Und doch: nach achtzig Friedensjahren schleicht sich das Kriegsgespenst wieder ein. Ob es sich wohl wieder vertreiben lässt?
*Hockenjos, W.: Was der Krieg aus einem macht. Einsichten aus dem Kriegstagebuch des Vaters. In: Vom Nationalsozialismus zur besetzungsherrschaft. Fallstudien und Erinnerungen aus Mittel- und Südbaden. Hg. von Heiko Haumann und Uwe Schellinger. verl. regionalkultur, 2018