im Urlaub in Binnenseenähe in Schweden hat man Gott sei Dank etwas Zeit zum Schauen. Und, was sehe ich an einer mittelalten Eiche? Etwas im ersten Moment scheinbar Unglaubliches, sie wirft kleine Äste ab. Seht Ihr sie auf dem Boden liegend? Viele sind noch richtig grün gefärbt, manche braun.
Wenn man die Eiche anschaut, weiß man, die sieht richtig gesund und vital aus. Auf dem Bild unten habe ich einen am Boden liegenden Trieb in die Hand genommen und habe die Bruchstelle abgebildet. Kann man feststellen, dass das vollkommen planmäßig aussieht? Auf jeden Fall würde ich sagen. das Bild daneben zeigt eine weitere Bruchstelle und so sehen alle Triebe am Abwurfende aus. Wenn mans ganz genau nimmt, sieht man einen Ring. Er stellt den Übergang des Frühjahrswachstums zum Spätsommerwachstum dar. Wenn das kein Hammer ist.
Also die Rätselfrage war, warum wirft diese Eiche Triebe ab? Und ob das vielleicht alle Eichen machen. Es gab ein längeres Hin und Her mit meinem Fachberater in Sachen Forst, Reinhold Mayer, das Endergebnis lautet – aus ChatGPT entnommen – wie folgt:
„Der Triebabwurf bei Eichen ist ein spezielles physiologisches Phänomen, das im Spätsommer oder Herbst auftritt. Dabei wirft die Eiche junge, noch nicht ausreichend ausgereifte Kurz- oder Langtriebe ab. Das ist kein Krankheitszeichen, sondern eine Anpassungsreaktion.
Wenn im Sommer Trockenheit, Nährstoffmangel oder Schädlingsdruck auftreten, können die zahlreich entstandenen jungen Triebe nicht ausreichend mit Kohlenhydraten und Wasser versorgt werden. Auch bei sehr starkem Triebwachstum kann ein Ungleichgewicht entstehen, die Krone „überproduziert“ Triebe, die Pflanze kann aber nicht alle mit Kohlenhydraten und Wasser versorgen. Dass das die Eiche merkt?
Und jetzt kommt die Besonderheit der Eichen zum Tragen, sie aktiviert Sollbruchstellen. Die Eiche besitzt an der Basis junger Triebe spezielle anatomische Schwachstellen, Zonen mit dünnwandigen, wenig verholzten Zellen. Unter Versorgungsstress werden dort enzymatische Prozesse, Abbau von Zellwänden und Korkbildung eingeleitet. Es entsteht eine Art Abszissionsschicht, ähnlich wie beim natürlichen Laubfall. Der Trieb trocknet an der Basis ein und bricht leicht ab. Zurück bleibt eine kleine, geschützte Narbe. Das Holz des Vorjahres oder älteres Gewebe wird nicht geschädigt. Dafür gibt es einen Oberhammer.
Der Abwurf führt zu einer Energie- und Wassersparmaßnahme: Die Eiche entlastet sich von zu viel „Ballast“, den sie in Trockenzeiten oder bei Ressourcenknappheit nicht versorgen könnte. Statt dass alle Triebe kümmerlich überleben und eventuell das ganze Baumwachstum beeinträchtigt wird, konzentriert der Baum seine Ressourcen auf die kräftigeren, besser versorgten Triebe. Besonders nach wärmeren, trockeneren Sommern tritt Triebabwurf häufiger auf.
Kurz gesagt: Der physiologische Mechanismus des Triebabwurfs bei Eichen entspricht einem aktiven Abszissionsprozess an vorgebildeten Sollbruchstellen, der durch Versorgungsungleichgewichte (Wasser/Kohlenhydrate) ausgelöst wird und dem Baum hilft, seine Ressourcen effizient zu nutzen“.
Aus dem Urlaub zurück, bin ich bei nächster Gelegenheit zu den Eichen im Schoßpark und was habe ich zum ersten Mal hier entdeckt? Abgeworfene Triebe. Ein weiteres Naturwunder.
Schon seit langer Zeit schreibt man viel und fortwährend über das allmählich immer mehr und mehr sichtbar werdende Verschwinden der Weißtanne von unseren Bergen. Auch gibt sich zu ihr eine gewisse weitverbreitete Sympathie kund, welche an die Wehmut beim Scheiden eines geliebten Freunds erinnert. (K. Gebhardt, Freiburg 1842)
An Sympathien für die Weißtanne hat es – o Tannenbaum! – nie gefehlt, schon gar nicht in der Forstpartie. Allerdings hält sich bis heute das Narrativ, sie sei überempfindlich wie eine Mimose. Allein schon die Tatsache, dass sie in Deutschland nur mehr auf ca. zehn Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets vorkommt, spricht wahrlich nicht für Vitalität und Widerstandskraft. Spätestens das „Tannensterben“ hat ihrem Ruf den Rest gegeben. „Ist die Weißtanne eine sterbende Baumart?“, so fragten sich 1979 Baden-Württembergs Forstleute anlässlich einer Fachtagung. Der Wiener Waldbauprofessor Hannes Mayer, einer der besten Tannenkenner, wies in seinem Beitrag darauf hin, dass das „Tannensterben“ schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt sei. Es handle sich dabei alles in allem um eine „Komplexwirkung verschiedenster vitalitätsmindernder Faktoren“. Freilich würden diese nicht zum Totalausfall der Tanne führen, „wenn nicht anthropogene Schadfaktoren wie überhöhte Immissionen dazukommen.“ In den Medien schlug die Geburtsstunde des neuen Schockbegriffs „Waldsterben“. Für die Politik sollte es bald höchste Zeit werden, im Kampf gegen den sauren Regen der Automobilindustrie den Katalysator vorzuschreiben, die TA-Luft zu verschärfen und per Großfeuerungsanlagen-Verordnung die Entschwefelung der den Fabrikschloten entweichenden Emissionen voranzutreiben.
„Der Schwarzwald stirbt“, so lautete 1984 die Weihnachtsbotschaft des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, als Titelbild dient ein halbseits entnadelter Tannenbaum vor winterlicher Schwarzwaldidylle. Gegen Ende des Jahrtausends war in den Medien dann freilich bald nur noch vom „sogenannten Waldsterben“ die Rede, ehe auch dieses – ausgerechnet im „Jahrhundertsommer 2003“ – von der grünen Umweltministerin Renate Künast offiziell für beendet erklärt worden war. Doch nach einer Serie sich steigernder Hitze- und Trockenjahre tauchte das Phänomen als „Waldsterben 2.0“ plötzlich wieder aus der Versenkung auf: Dürre- und Borkenkäferschäden, die Häufung der Waldbrände sowie eine verheerende Flutkatastrophe sorgten dafür, dass der Verursacher, der Klimawandel, fortan nicht mehr aus den Schlagzeilen verschwinden sollte.
Als Fotograf mit einem Faible für Baum und Wald lechzt man bei all den Hiobsbotschaften förmlich nach Motiven abseits der Katastrophenszenarien, und so entstand im Jahr 2011 beiläufig auch das Foto einer ungemein langschäftigen, allem Anschein nach kerngesunden Weißtanne. Angetroffen hatte ich sie auf einem Streifzug durch Wutachschlucht unweit der überdachten Stallegger Brücke, über die einst der Fernhandelsweg vom Neckar zum Hochrhein führte. Eigentlich war ich nur im Begriff, mich unter den dortigen Tannenriesen nach einer Ersatzkandidatin umzusehen für die zwar prominente, doch leider seit Jahren kränkelnde Stallegger Tanne, auf welche am Wanderweg eine Hinweistafel aufmerksam machte mit ihren famosen Daten: Höhe 52 m, Volumen 34 Erntefestmeter, Umfang in Brusthöhe 4,52 m, Alter ca. 280 Jahre. Ob für ihren angeschlagenen Gesundheitszustand wohl der Klimawandel verantwortlich war – oder war ihr Siechtum eher dem Greisenalter geschuldet?
Was Alter, Umfang und Stammvolumen anbetraf, so würde mein Ersatzbaum natürlich noch längst nicht mithalten können, doch die Baumhöhe, immerhin, dürfte bereits an die 50 m heranreichen, so schien es mir vom Gegenhang beim Betrachten seines langen vollholzigen (walzenförmigen) Schaftes mit der dicht benadelten runden Kuppelkrone oben drauf; in ihr entdeckte ich mit dem Fernglas einen aufwärts gebogenen Kandelaberast, Indiz für einen früh verheilten Wipfelbruch. Ansonsten aber schien mir mein Baum, fern aller „anthropogenen Schadfaktoren“ und deren Komplexwirkung (H. Mayer), der Inbegriff einer makellosen und vor Gesundheit strotzenden Weißtanne zu sein.
Tanne 2011
Tanne 2015
Doch was war das für eine Enttäuschung, als ich mich vier Jahre später, im März 2015, wieder der Stallegger Brücke näherte, um nach der Tanne Ausschau zu halten! Denn ein Sturm (oder war es gar die Windhose eines Tornados?) hatte sie inzwischen brutal geköpft, sodass von der stolzen Krone am Stamm nur wenige grüne Wasserreißer (Klebäste) verblieben waren! War das nun das Aus für meine Tanne? Zwar war mir das phänomenale Ausheilungsvermögen der Weißtannen von zahlreichen frappierenden Beispielen durchaus vertraut, doch hier schien Hopfen und Malz verloren.
Im Sommer 2019, nach abermals vier Jahren, zog es mich erneut in die Schlucht: Was mochte aus meinem Motiv geworden sein? Sieh einer an, es gab sie noch, die Tanne – und sie war eben im Begriff, sich eine neue Krone zuzulegen. Zuoberst an der Bruchstelle schob sich tatsächlich ein neuer Leittrieb in die Höhe und die spärlichen Wasserreißer hatten sich auf wundersame Weise buschig vermehrt. Der staunenswerte Vorgang verdiente es, weiter verfolgt zu werden.
Tanne 2019
Tanne 2020
Zum Winterauftakt, am 8. Dezember 2020, war ein weiterer Besuch angesagt. Lag es am Neuschnee, dass sich der Wipfel erneut verändert zu haben schien: Knapp unterhalb der Bruchstelle, die sich wieder deutlicher abzeichnete, schoben sich nun sogar drei Leittriebe in die Höhe als gelte es neuerdings, da oben Christbäume zu züchten – an Saft und Kraft fehlte es der neuen Krone ganz offensichtlich nicht.
Mein vorerst letztes Foto stammt vom 5. November 2022, dem Vorabend der jüngsten Weltklimakonferenz. Und wieder hatte sich das Kronenbild der Tanne verändert: Nun sieht es ganz so aus, als hätten die Leittriebe sich im Wettbewerb um die Führungsrolle gegenseitig hoch getrieben, derweil ein paar flechtengraue Seitenäste vorzeitig ausgeschieden sind. Doch alles in allem bietet sich das Bild eines wohlgeratenen jugendlichen Tannenbaums, der sich da jetzt, seitlich leicht versetzt, auf dem weit über hundertjährigen Stamm breit gemacht hat. Dem Fotografen erwuchs so im Verlauf nur eines knappen Jahrzehnts ein neues Sinnbild für Vitalität, auch ein Hilfsmittel gegen das Verzagen angesichts all der Krisen, ein für sich selbst sprechendes Musterbeispiel für das Zauberwort im Zeichen des Klimawandels: für Resilienz.
Klar, dass nun auch noch ein Krankenbesuch bei der Stallegger Tanne anstand: Sie ist inzwischen vollends abgestorben, reckt ihre morschen kahlen Äste in die Luft, derweil die Rinde am Stamm bereits abzublättern beginnt und zwei prächtige Fruchtkörper des seltenen Stachelbartpilzes aus ihm hervorwachsen. Tannen pflegen lotrecht zu sterben und ihr Totholz ist voller Leben – das Hinweisschild mit ihren stolzen Daten wurde vorsorglich entfernt, damit andächtige, gar trauernde Tannenfreunde nicht unnötig lang im Gefahrenbereich verharren. Von „Wehmut beim Scheiden eines geliebten Freunds“ (K. Gebhardt), vom „Tannensterben“, jener „Komplexwirkung verschiedenster vitalitätsmindernder Faktoren“ (H. Mayer) ist in der Wutachschlucht derzeit wenig zu spüren.
Weißtannen-Vitalität 2022
Anmerkungen zur Vitalität der Weißtanne Nachtrag:
Im zu Ende gehenden Oktober 2025, nach einer regenreichen Woche, zog es mich wieder mal hinab zur Stallegger Brücke, unter der die Wutach diesmal prächtig schäumend hindurchrauschte. Dass die bei meinem Besuch vor drei Jahren bereits sterbenskranke Stallegger Tanne hart oberhalb des vielbegangenen Wanderwegs inzwischen aus Verkehrssicherungsgründen hat gefällt werden müssen, das hatte man vor Jahresfrist schon der Presse entnehmen können. An der Schnittfläche des gewaltigen Strunks gedeiht noch immer die Tannenglucke, während darunter eine blitzblanke Informationstafel der Naturschutzverwaltung nun an den Baum und seinen Riesenwuchs erinnert, dazu an den heutigen Nutzungsverzicht in Naturschutzgebieten wie an den einstigen Raubbau inklusive der Flößerei. Bis zum Bau der Eisenbahnen und der forstwirtschaftlichen Wegeerschließung war es auf der Wutach (anders als es die Abbildung auf der Tafel suggeriert) bei der blockweisen Holztrift geblieben, nachdem die Wolfacher Schiffergesellschaft, die den wilden Fluss für die stammweise Flößerei herzurichten versucht hatte, damit 1847 kläglich gescheitert ist bei einem Gesamtschaden von 200.000 Gulden.
Überrest der Stallegger Tanne (mit Gluckepilz)
Infotafel zum Angedenken
Gänzlich unbeeinflusst von der Nutzungsgeschichte der Schlucht hat sich indessen der neue Wipfel meiner im Jahr 2015 vom Sturm geköpften (und zuletzt vor drei Jahren fotografisch dokumentierten) „Ersatztanne“ weiterentwickelt. Und wenn ihre Ersatzkrone ungestört so weiterwächst, wird man der Tanne den Stammbruch wohl bald nicht mehr anmerken können, so perfekt ist sie schon jetzt wieder geformt – nach gerade mal einem Jahrzehnt. Und selbst wenn es erneut zu einem Missgeschick kommen sollte, so hat sie bereits vorgesorgt: In ca. fünf Metern Höhe hat sich am Stamm aus einem Klebast ein grün benadeltes Bajonett gebildet, sodass sie auch einen weiteren Stammbruch überleben könnte. Nein, auch Weißtannen wachsen nicht in den Himmel, ihre Vitalität ist dennoch wahrhaft staunenswert!
Nur das von Rehen heillos verbissene Tännchen am Standort des Fotografen (knapp oberhalb der Wegböschung der einstigen hier die Wutach querenden Postverbindung zwischen Neckar und Hochrhein) hat es mit seinem Gipfeltrieb noch immer nicht über die Äserhöhe hinausgeschafft. Ob im Klimawandel zur Erhaltung des „Schwarzwälder Charakterbaums“ nicht vielleicht doch nebst den Jägern auch die großen Beutegreifer Luchs und Wolf wieder ihren Beitrag leisten sollten?
Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr
S` giit nu on Ort uf dere Welt Wo mir jeder winzigscht Winkel Ganze Schare vu lebendige Erinnerunge zuewirft Wo jedes Plätzli i jedere Gass Ver mich ebs Erlebts, Entbehrts, Uverlierbars isch Und no en Nochglanz vu dem fabelhafte, riiche, lideschaftliche Lebe a sich trait Daß ich als Bue do glebt han
Hubert Mauz frei nach Hermann Hesse
Riebeköpf und Drachelättli, gelesen am 27. Oktober 2020
Riebegäeschter:
Die letschte Däg bin i de halbe Boor umegmuuset. Ech han e Riebefeld gsucht dann i minere Enkelin, de Nora, en Riebekopf mache kaa. Gfunde hani koe onzig Feld und natierli au koa onzigi Rieb. Verdriessli bin i hoam und han iber iisri Riebeköpf- Buebeziit nosinniert. Zu allem Uglick bin i au no in en Baumärt innidappet wo`s hiefewies so uuweags und billigs Hälowiin Lumpezieg gäe hät. No war i natierli erscht reacht glade und aagscherret zum die folgend Herbschgschecht us re glickselige Kinderziit z` Verzelle.
Wemmers s` Kruut und d` Rahne im Garte geehrnet hät, mit de Gilleschapfe s` Gilleloch glehrt und im umbrochene Garte verlätteret hät und d` Buure, de Waibel , de Bächler und de Glunk, scho Loaterwäge mit de Brettersiteläde und de 13 PS Fahr- oder Kramer- Bulldöggli voll mit große, rote Riebe hoam gfiehrt hond, mit Runkelriebe, denno wars Ziit zum uf d` Riebefelder z` gau und de scheenscht, de grescht vu dene rote Runkelriebe z` saperalisiere. Me hät sech zwar e weng verduckt, aber wenns de Buur gsähne hät, hät er nint gsait. Oder sogar omm de schenscht mit om zemet uusgsuecht. Die Buure hond de uuralt Volks- Bruuch kennt, äschtimiert und sogar gferderet.
Zwei scheeni häsch der uusgsuecht, eweng putzet, s` Kruut abgseblet und unter de Ärm hoamgschloapft. Us de Kochi häsch jetzt s` scherfscht und spitzigscht Speckmesser gschmugglet. De Riebekopf uf de Spaltklotz und zerscht d` Schädeldecki vu dem Riebel eröfffnet. Uubluutig aber eweng saftig mit Zuckergschmack. Jetzt häsch ihm s` Hirn uusgschabbet mit kriezwiese Messerschnitt und eme alte Löffel. Je dinner de Schädel war umso besser, umso dorchsichtiger und gspenschtischer war er. . Ufpasse häsch trotzdem messe dass en nit verseblet häsch und d` Wand dorchbroche häsch, also en uuheilbare Schädelbroch aazettlet häsch. Vu de ibrige Riebeschnitz häsch ab und zue eweng gschlecket, aber die meischte hät de Nochbersbue ver sini d` Hase griegt; Deutsche Langohr- Riesen. Jetzt isches as Uussäge und zueschnitze vu de Auge, de Nase, em Muel und de Ohre gange. I de kretaive Iifäll waret konni Grenze gsetzt. Ob es Zacke, Rundunge, Halbmönd, Sternlifermig oder nu gradi Skalpellschniitt waret. Hauptsach eweng gruusig, gspenstisch und uuheimlich hät des Gsicht und s` Ussähne vu some Riebekopf sie messe.
Scho Woche vorher häsch bim Messmer, bi sellem guetmietige Klebo, die Kerzereschtli und Kerzestumpe vu de Altarliichtli abbetlet. Jetzt sind die Stumpe ver en heidnische Kult umgmodlet und umgoorglet wore. Nämlich ver`s Liechte und Strahle vu dene Riebeköpf. Wenn de Klebo gwisst het dass die gweihte Kerze i heidnische Riebegäeschter kumme sind, no heter mer bestimmt konni griegt. Denno d` Schädeldecke, s`Käppli, de Glatzkopf wieder druff, mit zwei roschtige Nägel gsecheret und fertig war de gruusig Riebegoascht. De Brueder und die andere Soacher vu de Strossebandi waret am Obet noch em Iinachte au fertig und parat und denno isches ab uf d` Gass zum Goaschtere gange. Zindhelzli im Sack zum
d` Kerzestumpe aazinde und denno zerscht zu de Dilgeri. Vor de Derre hommer e Goeschtergjomer und Dräese i allne Tonlage aagstimmt und gschellet. Natierli isch Dilgeri verschrocke, vergelschteret zruckgweche wenn mir mit de Riebeköpf vor ehrem Gsicht ummegfuchtlet hond. Ängschtlich hät die Fasnetnärrin gjommeret und dräeset. Aber die Alteschingeri hät des Uralt Ritual im Herbscht kennt und gern mitgspillt. Noch e Paar Minute vu dem Gschpenschtere hät sie jedem vu dene Gäeschter zwonzg- oder fufzg Pfennig gähe zum die Herbstgäeschter, die de Winter akindigt hond, zum besänftige. Jetzt hät de Winter kumme kinne, dene Wintergäschter war flatiert und sie waret güetig gstimmt. Noch vier fünf Huusderre bi de Ureschinger häsch guet e Mark zämet ghet, d` Kerzli waret au abbrennt und Stimmbänder verstimmt.
Z` fride häsch de Angscht- und Goaschter Zies usem Hosesack zelt und abgmacht, zu wem er am näschte Obet gond. Die zuegroasste Lehrer im Linseösch, die hoffährtige Beamte und die Evangelische im Hindeborgring häsch uuslau kinne. Und ver „ Giizig, giizig, giizig isch de Lehrer Lempel ….“ wars ver d` Johresziit no z` frieh. Die Spielregle hommer scho kennt und au iighalte. Und au i Brauchtumssache waremer Basis- uusbildet und honds respektiert.
Noch dene paardägige Riebegäeschter- Umgäng isch de Riebekopf is Fenschter gstellt wore und jede Obet aazunde wore. So Aafang November warer verdrochnet, lummelig, rappeschwarz vum Kerzeruess und die vergnieglich Riebekopfziit war wiedermol ver e Johr umme.
Drachelättli
Noch dem Bombe Summer isch all no kon onzige Herbsstorm iber d` Boor gruuscht. Und ech han au no kon onzige Papiervogel, nei, hit sind die jo us Plaschtik, am Himmle gsänne. Drum muen i mi zum schwätze und verzelle über de ander groß Buebe- Herbschtbruuch fascht scho eweng zwinge. Wenn ebe de erscht Storiax vum Spanneberg und Brielinge her i d` Stadt inni pfiffe isch, denno häsch gwisst: Jetzt mosch drag au, jetzt mosch ebbis bäschtle. Denno bisch noch de Huusufgabe glii zum brummlige aber güetige Nochber, zum Zimmermaa Wilhelm Rudolf gange. „Herr Rudolf, kennt emer e paar Drachelättli haa, so 2-3 Meter ver mech und de Brueder“
„Hergottsack, jetzt war de Heitzmanne- Christof und de Lohre Ginter scho do und hond gholt. Moss zertscht gucke wanni no do han. Nei, bigott, die hond alls wa no do war scho abgschwartet. Aber wells ihr sind werf i d` Sägi schnell no aa und säg e paar. Bruuchet aber gar nit monne, dass er nomol kumme kinnet und monne, dass er nomol grieget. Wenner`s wie s` letzt Johr vermorkset oder de Drache devu fliegt i d` Bämm am Buechberg, no giihts konni meh.
Noch paar Minute waremer freidig- stolze Besitzer vu de beschte und liichteschte Drachelättli i de Stadt. Und umesunscht waret se au weil au de Rudolfe- Wilhelm den Drachfliegerkult vu de Eschinger Buebe kennt hät und er ihn friehner beschtimmt selber au zelebriert hät. Gond emol i d` Baumärt und kaufet 3 Meter feinschte Lättli. Erschmol sind sie zum heale Fidle uus nint und zweitens sind er ruck- zuck 20 Euro los. De näscht Gang war zu de Kuttrufe – Wieber i de Krankehuusstroß zum Drachepapier kaufe. Die beide Schriebwaregschäfts – Wieber, Josefine und Agathli, hond uf de Herbscht e Kontingent Drachepapier poschtet. Dinn, liiecht, meglichscht riisfescht, dorchsichtig und i verschiedene Farbe. Me hät nu Drachepapier sage messe, wieviel Böge und wa fer e Farb. Die gädrige, aalte Wieber hond Bscheid gwisst. Uhu- Kleaber und den no nit gängige Tesafilm hond sie glii gar nit aabote, well sie gwisst hond, daß do e koschtegünstigi Spezial- Mischung zum Iisatz kunnt. Also Lättli und Papier häsch.
Fehlt no d` Dracheschnur. Die Letschtjährig hät der Motter zum Gschenkli iipacke verschaffet. Also wieder zum e wiitere Nochber. Nebet iis isch de bescht polnisch Schuemacher i d` Garage vum Metzger Willi iizoge. De Stanislaus Biskupski. Dem homer wieder, wie scho im letschte Johr, erklärt dass mer de bescht, de dinscht, de sterkscht aber au de liichtscht Spaget bruuchet. Und nit nuu so paar cm wie ver en Schuhe – flicke, sondern ver jeden vu iis gli so 50 !! in Worten Fufzig Meter. E ganze Rolle. „ Jey, Schwarze Madonna von Zenschstochau, Madam Mauz, die beide Bubbe brauche soviele Zwirn, wie, oh- jegges , so i bekomme Miete nite zemme, kann i rabota wie i welle, ver diese Geier-Metzger , diese Raubvogel Willi, also, do habbe zwei Relleli, aber nächste Jahr i habe kein Schnurr meh, Jesu un Maria un Josip“
As s ` näscht Johr hom mir no nit denkt. Haupsach me hond ver des Johr s` bescht Matrial zemet. D` Motter hät de Kochidisch rumme messe und jetzt sind zwei Kriezer us de Lättli vum Rudolf exakt zemetverschniert wore. Wechtig war dass sie i de „ Woog „ waret. Uf des Holz- Grischt isch jetzt s` Papier gleit wore, exakt zuegschnitte und: Mit dem aagriehrte, ufem Ofe eweng aagwermete Meahlpapp am Lattegstell und de rundum Abschpannung aabäppet wore. De Wadel vu dem Drache war e au e Stuck Spaget vum Biskupski a dem so 6-10 Krepp- Papierreesli, so wie a de Hozigbämli wo Kränlzimaidli bindet, aabunde waret. Des war vers Kurs halte wechtig. Jetzt isch `s as „ Tuning „ gange , as usmebiliere , as uustariere vum Drache. I de Queri und i de Längi hät er so millimetergenau usgwoge sie messe wies hitzudag nit emol die ufs Hundertstell baute Airbus sind. Wertarbet halt.
Jetzt hät d` Kunscht aber erscht aagfange. De Wind hät stimme messe und de Startplatz und natierli s` Wetter. Wenns grenglet hät war`s nint. Suscht wär de Mealbapp glii vertloffe und z` Schwer vu de Nässi wär er au gsi. Die Eschinger Drachmeteorologe hon genau gwißt wo`s am beschte war, und bei wa fer Wind. De Spanneberg war fascht immer guet well de Süd- Wester dä guet bloose hät. Und ganz frei glege war der Wiese- Buckel au no. Nit so iberbaut wie hit. Aber de Transport dorch die halb Stadt und dorch die Revier vu dene neidische, feindliche andere Bande- Revier, d` Käfersträssler, d` Eilemer, d` Vorstädtler und d` Spannebergler war lang und hoakel. Wenn a de Vorstädler- Haudege kampflos vorbei waersch. häsch` s fascht scho gschafft. Iiser Hauptrevier vu de Oberstädtler aber war am hechste Punkt vum Buechberg, hinterm Lazarett. Bim legendäre Bunker. Dä, a dem luftige, freie Buckel, hät de Wind vu allne Siite kumme kinne und pfiffe, egal woher, windtmässig wars dä immer „ brutal guet „ wie mer dämols statt „ geil „ gsait hät. Dä häts all Ufwindkha. Aber alls kamer halt nie haa. Dä dobbbe waret nu Fruecht- Herdepfel- und Riebeäcker. Und zum Drachestiegelau, zum Starte, hät mer dämols no Renne messe wie en Haas. Und jetzt renn emol als kleine Hoseforzer dorch und über die Forrene und Fruechtäcker. Nit emeol d` Stoppelkenigin vum Markgrönninger Schäferlauf wär do iber die Forrene kumme uhni dass es sie uf d` Schnorre ghaue het. Wa hät do de Bruder gflucht und sakramentiert und Schimpfwerter ussigjohlet wenn de Klei wieder inere Forri glege isch und de Drache im Storzflug wie e Stucka abidrudlet isch. So sanft wie hit war min greesere Brueder dämols nit. Nit ummesunscht war er als Iisefueß bekannt. Wie vielmol isch die Übig mit eme Totalschade oder eme Totalverluscht uusgange.
Denno war e Gjohl und e Gschroa am Buechberg und ufem Hoamweag a de Riviera endlang, dass ech mir gschwore han: „ S` näscht Johr kann er mi am Arsch lecke und gucke dass er en andere Dubbel als Starthaas findet, aber nimme mit mir ! Ech gang mit mim oagene Drächli an Neberweag, dert bloost de Wind zwar nit so guet und immer nu vu hinne und villmol Fallwind oder vu de falsche Siite, aber s` hät dä nu guet gstrigleti Wiese womer wetze khaa wie en Satan und de Drache selber uffibringt und de Gnuss denno ganz aloenig hät“.
Wenn aber de Vogel immer höher und höher in Himmel gstige isch und dä e halbe oder gar oa Stund hin und her am hupfeliichte Spaget vum Biskupsky gschauklet und federliicht gschwebt isch, bespannt mit em gute Drachepapier vu de Kuttruffe – Wieber , zemetbbeppet mit de oagene Meahlbappmischung und mit de Rudolfsche Präzisionsdrachelättli; denno war die Buebe- Seeligkeit uuibertroffe und alli Flüech, Verwünschunge und Jähzornschräe waret vergesse. Und de Entschluss isch feschtgstande: S` näscht Johr word de Drache no greeser, de Spaget no länger und die Flugziite ewiglang, usizoge bis zum Betzzitliite.
Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum ….?
Drachelättli
Jetzt guck mol dert, dä lupft`s en Scherm Khoa Wunder ischs bei some Gsterm Hit Mittag Schuel, des wär e Päch Mir holed Drächli rab, vum Gräch
Im letzte Johr hom mir paar baut Mit allerbeschter Drachehaut Mit Spaget nu us feinstem Gspinn So fein wie fascht nu Siide sinn
Wenn Lättli häsch so liicht wie Zunder Und nit wie seller Bauhaus- Plunder Die giihts halt nu, vu dem khaschs haa Vum Rudolf- Wilhelm , em Laßberg- Zimmermaa
Die Drachehuut vum Kuttruff Läddli Vum Rudolf beschte Dracheläddli De Stanislaus spendiert de Spaget De Meahlbapp griehrt, nuu nit verzaget
Do stieget Drächli hoh und hecher I allerhegschti Himmelsgmecher Am Regeboge kräslet die no nuf So liicht wie wenn er bricht konn Schnuf
Me sots nit glaube, jo saprament Jetzt isch er scho : am Firmament ! Es bruucht nit vill, nu Meahlbapp und Papier Zwoe Lättli und, halt sauguets Gschnier
No glihjet d` Buebebacke rot und schee Au uhni Facebook, T ablet und PeCee
vor kurzem schickte mir Brigitte Köstel aus Bruchsal das eindrucksvolle Bild mit dem Hinweis, „das habe ich heute im Wald beim Wandern auf dem Boden entdeckt, ein Eichenblatt mit vier festgeklebten Kugeln oder Beeren. Wie kommt es dazu? Ich habe das noch nie gesehen“. So geht es vermutlich den meisten von uns.
Mein Schwager Hardy Eggert aus Zimmern unter der Burg schickte mir vor wenigen Wochen das Bild unten. Es handelt sich um den gleichen Sachverhalt.
Google Lens fand schnell die Antwort: „Es sind Galläpfel. Galläpfel sind kugelförmige Wucherungen, die an Eichenblättern entstehen. Sie werden durch die Eiablage der Eichengallwespe verursacht. Die Galle bildet sich als Abwehrreaktion der Eiche auf den Stich der Wespe und dient als Schutzhülle für die sich entwickelnde Larve. Galläpfel wurden früher aufgrund ihres hohen Tanningehalts zum Gerben von Leder und zur Herstellung von Tinte verwendet“.
Übrigens, die Eichenblattwespe ist nur zwei bis drei Millimeter klein. Sie schlüpft nach einigen Wochen oder nach dem Winter aus einem kleinen Loch. Löcher sieht man bei den Kugeln keine, demnach erfolgte vermutlich noch kein Schlupf. Die Gallen sind für die Eiche harmlos, auch wenn der Befall relativ stark ist.
Brigitte Köstel und Hardy Eggert vielen Dank für die Überlassung der Bilder.
In Brandenburg bauen sie das größte Windrad der Welt. Es könnte die Energiewende im wahrsten Sinne des Wortes auf eine neue Stufe heben – wenn denn alles gut geht. (Süddeutsche Zeitung v. 22. 10. 2025)
In der Lausitz, inmitten eines Waldgebiets, entsteht derzeit ein Riesenwindrad. Mit seiner maximalen Rotorhöhe von 365 Metern soll es das zweithöchste Bauwerk Deutschlands werden, rangierend gleich hinter dem Berliner Fernsehturm. In solcher Höhe lasse sich mehr und gleichmäßiger Wind ernten, so das Kalkül, ähnlich wie auf See. Derlei Höhenwindräder ließen sich, so sieht es der SZ-Journalist nach seinem Baustellenbesuch, in bestehende Windparks integrieren und „im windschwächeren Bayern oder Baden-Württemberg“ einsetzen. „Für die Energiewende“, so der Chef der Baugesellschaft, „kann das der totale Gamechanger werden“: Tausende Riesenwindanlagen erträumt er sich für Deutschland, wenn es denn klappen sollte mit dem Lausitzer Prototypen auf seiner gewaltigen Fundamentplatte mitsamt zwölf Meter langen Pfählen darunter.
Windradzwerg der Nullerjahre auf der Längewiese
Was für eine Perspektive für die ohnehin schon von Nah- und Fernwirkung vorhandener und geplanter Windparks bereits bedrohten Kultur- wie Erholungslandschaften! Wie hat man sich da bloß den Schwarzwald in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts vorzustellen? Oder die Schwäbische Alb? Oder die Länge? Was, wenn einer der Riesen, trotz aller Ingenieurskunst, unter einer Orkanböe zu wanken beginnt und umstürzt? Wenn aus der beschädigten Gondel SF6, das gefährliche Schwefelhexafluorid, austritt, ein vieltausendmal schädlicher wirkendes Treibhausgas als CO2? Wie hat man sich überhaupt den ökologischen Fußabdruck solcher Betonriesen vorzustellen – und das in einem Industrieland mit Vorbildfunktion, das – weltweit einzigartig – Tempolimits auf Autobahnen seinen Bürgern noch immer nicht zumuten mag, selbst wenn durch die Begrenzung auf 120 Kilometer pro Stunde (nach einer Studie des Umweltbundesamtes) jährlich 6,7 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden könnten? Und wo doch die Zementindustrie zu den allergrößten CO2-Schleudern zählt, klimaschädlicher als der gesamte Luftverkehr?
Demnächst doppelt so hoch!
Wie es ausschaut, lässt sich mit Riesenwindrädern der Teufel mit dem Beelzebub austreiben – mit ihrem Nutzen fürs Weltklima wie mit ihrer Wirkung aufs Landschaftsbild. Fast will da Freude aufkommen, dass man die heimatliche Welt noch unversehrter hat erleben dürfen.
Demnächst zehnmal so hoch wie das Windrad auf dem Auenberg !
schaut, was ich Euch heute anbieten kann, den Nashornkäfer. Nicht weil ich ihn gefunden hätte, sondern weil Frau Marion Wagner aus Abtsgmünd mir Ende Juni 2025 die Käferbilder schickte. Eigentlich wollte ich damals schon etwas schreiben, aber Marion meinte, wir sollten abwarten, ob sich nicht auch Larven fänden. Dann am 28. September kam die freudige Nachricht, dass eine Larve aufgetaucht ist. Ich hab kurz vorher gedacht, ob das noch etwas wird. Manchmal gibt es so etwas wie Gedankenübertragung, Tage später schickte Sie mir noch weitere zwei jüngere Larven.
Jetzt, was sagt man dazu? Hat jemand schon diesen imposanten 4 cm langen Käfer, gesehen? Ich schätze, die wenigsten von uns. Was denkt Ihr, ist es ein Männchen? Ja, so ist es. Hat das Weibchen auch Hörner? Nein hat es nicht. Hier gibt es Fotos: https://www.natur-in-nrw.de/HTML/Tiere/Insekten/Kaefer/Scarabaeoidae/TK-3326.html.
Die Frage, wie das bei Nashörnern ist, steigt automatisch in den Fokus. Was meint Ihr? Also KI gibt als Antwort: „Beide Geschlechter tagen Hörner, die der Weibchen sind typischerweise länger und dünner als die der Männchen“. Die Weibchen schützen damit ihre Jungen, und was die Männer machen, bedarf keiner Erklärung.
Nun zum Nashornkäfer. Der Grund, wieso er selten zu sehen ist, liegt daran, dass er sich bei Tag nicht blicken läßt, er ist dämmerungs- und nachtaktiv. Marion hat ihr Exemplar auch nur gefunden, weil es tot war. Kurzer Einschub, wie lange leben die großen Käfer wie zum Beispiel Hirsch- und Moschusbockkäfer? Vier bis sechs Wochen, also relativ kurz. Die Ernährung der erwachsenen Nashornkäfer ist bisher nicht ganz geklärt. Wenn sie in ihrem kurzen Leben überhaupt Nahrung aufnehmen, ernähren sie sich vermutlich von Baumsäften. Lang ist dagegen die Larvenzeit, beim Nashornkäfer drei bis fünf Jahre je nach den Umweltbedingungen. Man muss sagen, der Mensch hat die Lebensbedingungen für ihn deutlich verbessert durch große Sägemehlhaufen an Sägewerken und anderen holzverarbeitenden Betrieben, durch Haufen von Rindenmulch und durch Komposte. Früher war er angewiesen auf den Mulm abgestorbener großer Bäume. Das gibt es nur noch selten. Das Bild unten zeigt das Gartenbeet von Marion, mit Pferdeäpfeln seit drei Jahren aufgefüllt. Sie freut sich am reichen Ertrag der Zucchini und Paprikapflanzen. Dort hat sie die Larven gefunden
Die Larve ist in der Lage, Zellulose zu verdauen. Allerdings hat man im Darm keine Enzyme gefunden, die zum Abbau aber nötig sind. Man hat festgestellt, dass sich im Enddarm eine Gärkammer befindet, in der Bakterienarten den Abbau vornehmen. Jetzt kommt ein Hammer: Die Larven verdauen zum Teil diese Bakterien, was für sie zur Proteinquelle wird.
Marion, Dir ein dickes Dankeschön für die Überlassung der Bilder. Dadurch wurde dieser Beitrag möglich.
Der Landrat rät dem Unbequemen, Die Sache nicht mehr aufzunehmen. Es wollen Presse auch und Funk Sich nicht mehr mischen in den Stunk Der Mensch steigt von den Barrikaden – Er ist zum Richtfest eingeladen.
Eugen Roth: Ermüdung (1948)
Nun ist es soweit: Die Betontürme stehen und können, wenn auch noch ohne Rotoren obendrauf, stolz der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Hunderte Neugierige kommen zum Tag der offenen Tür beim Windpark Länge“ berichtet der Schwarzwälder Bote am 1. Oktober 2025 unter der Überschrift „So sieht es im Windradturm aus“. Für den Vorstand der Betreibergesellschaft sei die Veranstaltung „ein Volltreffer“ gewesen. Eine nicht enden wollende Menschenschlange habe sich vor dem Turm eingefunden, „um einen Blick ins Innere des Bauwerks zu ergattern“. Neben dessen Türe präsentieren sich plakativ die Betreibergesellschaft und ihre Kommanditisten, daneben sind (wie in Eiszeithöhlen) Abdrucke farbiger Hände zu bestaunen. Wie sollen die bloß gedeutet werden? Sind´s überschwängliche Sympathiebekundungen oder sollten sich hier schon Windkraftgegner mit abwehrendem Geschmier verewigt haben?
Der Blick ins Turminnere dürfte die Besucher auch etwas abgelenkt haben vom Staunen über das Ausmaß der Baustelle rundherum wie über den gewöhnungsbedürftigen Umgang mit dem herbstlich verfärbtem Wald, und dies gedanklich mal sechs: an allen sechs Standorten – inklusive der inzwischen auf über Kreisstraßenbreite ausgebauten Zufahrtswege mit ihren für den Transport von Kränen und Rotorflügeln üppig erweiterten, vom Gehölz geräumten Radien.
Nicht etwa nur ins Turminnere, sondern buchstäblich in die Röhre schauen unterdessen die Gegner von der hiesigen Bürgerinitiative, die sich mit Gutachten, Petitionen und Verwaltungsgerichtsverfahren so energisch gegen das Projekt gewehrt hatten. Die Beanspruchung des Längewalds, so spendet ihnen der Chef der Betreiberfirma zur Feier des „Tages des offenen Bauwerks“ Trost, erfordere ja doch nur einen „relativ geringen Flächenverbrauch“, vergleiche man ihn mit dem Braunkohleabbau in der Lausitz. Ist damit jetzt alles gesagt zu den Fragen einer Verhältnismäßigkeit von Eingriffen in ein bisher gänzlich unzerschnittenes und unvorbelastetes, ökologisch hochwertiges Waldgebiet und dem erhofften Nutzen für den Klimaschutz?
Neue Akzente im herbstlich verfärbten Längewald
Für den erwarteten Besucherandrang am „Tag des offenen Bauwerks“ hatte man eine stattliche Zahl von blauen Dixi-Klos herbei geschafft und sogar einen Partyservice engagiert, um es an nichts fehlen zu lassen „trotz schwieriger Anfahrt und eines mehrere hundert Meter langen Fußmarsches“. Als ob man sich nach über 12 Jahren kontroverser Diskussion um den Windpark nicht auch mal etwas spendabel zeigen dürfte. „An Stehtischen und auf Sitzgelegenheiten“, so beschreibt der Schwarzwälder Bote die Stimmung, „ging es beim Publikum im geselligen Beisammensein zumeist um die Notwendigkeit erneuerter Energien, insbesondere der Windenergie. Doch auch Bedenken gab es.“
Noch sind es ja nur sechs solcher Türme geworden, wo es ursprünglich ja elf werden sollten, bevor die im Blumberger Teil der Länge agierende Betreiberfirma Insolvenz angemeldet hatte. Doch nach den Plänen des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg bleibt die gesamte Länge Vorranggebiet, sodass die Blumberger wie auch die Geisinger ja wohl noch nacharbeiten müssen. Ade Längewald – wird die Badische Alb vollends zum Albtraum?
Das Bild stammt von heute Morgen, 10. Oktober 2023, und wir sehen eine schöne Konstellation mit abnehmender Mondsichel und dem hellsten Planeten Venus. Dazwischen sehr schwach leuchtend, der Regulus, ein Stern im Löwen.
Etwas, was ich bisher nicht für möglich gehalten habe, dass sechs große Nüsse in einer Halterung herangewachsen sind. Unser Korkenzieherhaselstrauch ist dieses Jahr voller Nüsse, es ist eine richtige Freude.
Ein Tagpfauenauge an unserer Herbstaster. Vielleicht mal kurz überlegen, wieso sieht man ihn noch? Könnte es sein, dass er als lebender Schmetterling überwintert? Ja, so ist es in der Tat.
Die schöne Abendstimmung vom 9. Oktober 2023 mit dem eindrucksvollen Schwarzwaldhorizont. Erkennen Sie den Feldberg?
Es lässt sich trefflich werben mit dem Dreiklang Natur – Wald – Reh, auch in der Schwarzwälder Gastronomie. Wo ihm doch unsere ungeteilte Sympathie gehört. Ganz besonders angesprochen fühlen sich davon die Gäste der Geroldsauer Mühle, des im Schwarzwaldstil ganz aus hellem Weißtannenholz neu errichteten Gasthauses unweit von Baden-Baden – am Tor zum Schwarzwald.
Werbung mit Reh
Wie kann einer da bloß den Forstleuten glauben, die im sanftäugigen Bambi (silberne Exemplare sind in der Bäderstadt unlängst erst als populäre Medienpreise verliehen worden) vorrangig den „Waldschädling“ erblicken, gar den Verursacher des „Waldsterbens von unten“, mithin einen heiklen Gegenspieler für den im Zeichen des Klimawandels so unabdingbaren Waldumbau hin zu mehr Resilienz? Die notwendige Reduzierung überhöhter Rehwildbestände sollte da vielleicht doch besser geräuschlos und unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen. Womöglich ist das Wald-Wild-Problem auch schuld daran, dass man auf der Speisekarte der Geroldsauer Mühle den Rehbraten vergeblich sucht. Ob aber die Wirtsleute, erst recht ob die Gäste wohl je einen Gedanken daran verschwendet haben, dass mit dem Angebot und Verzehr von heimischem Wildbret ja auch ein Beitrag geleistet werden kann zur Wiederverbreitung der vielerorts verlorengegangenen Baumart Weißtanne?
Unstrittig ist, dass die Tanne mit am stärksten leidet unter allzu vielen Rehen, ja, dass der „Schwarzwälder Charakterbaum“ sein Überleben in der Vergangenheit zumeist einem rehwildarmen Ausnahmezustand zu verdanken hatte: Etwa jenen der ungebremsten „Franzosenjagd“ in den Nachkriegsjahren oder den in den Wirren der 1848er Revolution, als die aufständischen Bauern sich nicht nur das Ende der Jagdfron erkämpft hatten, sondern kurzzeitig auch „freie Büchse“ genossen, vom Adel beschimpft als „Vernichtungskrieg gegen das Wild“. Inzwischen setzt man freilich mehr denn je auf die Weißtanne, wo doch die Fichte in der Klimakrise auszufallen droht, was allenthalben zur Intensivierung der jagdlichen Bemühungen zwingt. Und es schließen sich derzeit weitere Frage an: ob nicht auch die natürlichen Regulatoren von Pflanzenfressern wieder besser ins Spiel gebracht werden sollten, der Winter sowie die Fressfeinde Luchs und Wolf. Auch ob denn die Winterfütterung des Rehwilds überhaupt noch zu verantworten ist im klimagestressten Wald und der immer milderen Winter? Doch leere und zerfallende Futterraufen sind, zumal in winterlichen Notzeiten, dem Image der Jäger als Heger des Wilds wahrlich nicht zuträglich.
Doch die Bauwirtschaft setzt wieder mehr denn je auf den CO2-neutralen Baustoff Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Wo Tannenjugend aber erfolgreich durchstarten soll, um im künftigen (stabileren und widerstandfähigeren) Bergmischwald wieder ausreichend vertreten zu sein und um trotz des Ausfalls der Fichten weiterhin wertvolles Bauholz liefern zu können, muss demnach effizient gejagt werden. Und auch Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss werden oft unerlässlich sein – mag das Jagdgesetz (in Baden-Württemberg das Jagd- undWildtiermanagementgesetz JWMG) noch so fordern, dass der Wildbestand so einreguliert werden muss, dass die Hauptbaumarten sich ohne Schutz ansamen und heranwachsen können.
Vom Rehwild verbissene junge Tanne
Verbissschutz
Ein besonders unschuldiges Anschauungsbeispiel für das (oft so konfliktträchtige) Zusammenspiel von Wald, Wild und Jagd hat der Fotograf im Spätjahr 2020 im Wald der Gemeinde Brigachtal im Schwarzwald-Baar-Kreis festgehalten: Ein offenbar ebenso tier- wie kinderlieb gesonnener Zeitgenosse (sollte es sich gar um den örtlich zuständigen Jagdpächter gehandelt haben?) hatte in Wegnähe eigens für junge Waldbesucher eine Futterkrippe gebastelt und mit einer hölzernen Rehfamilie umstellt. Hockten da nicht auch noch ein Auerhahn oder ein Waldkauz auf dem Krippendach? Sogar Tannenjugend, noch etwas schütter zwar, hatte sich bereits eingefunden, die Gipfelknospen – sieh einer an! – sorgfältig mit blauen Klammern vor Verbiss geschützt.
Hölzernes Ensemble, entdeckt und festgehalten im Spätjahr 2020
Fünf Jahre nach seiner Entdeckung, im Sommer 2025, zeigt sich das nämliche Ensemble dem Fotografen zwar merklich gealtert und ramponiert, auch ist die Krippe am Kippen und die hölzernen Rehskulpturen samt Kauz und Auerhahn scheinen in Auflösung begriffen zu sein. Doch frohwüchsig und unbeschädigt zeigen sich die Weißtännchen rundherum. Was zeigt, dass die Umwandlung des von Fichten dominierten Altbestands in einen Mischwald offensichtlich Fortschritte macht: Wild und Wald befinden sich in Balance – was für ein mustergültiges Lehrstück!
Dasselbe Motiv im Jahr 2025 mit frohwüchsiger Tannenjugend
Unter den Verurteilten befinden sich Mamma Teresa, der Partisan und Carabinieri Cesare Badella, Handwerker, der zwanzigjährige Arbeiter Otello Mapelli, der trotz seiner Gehbehinderung ein mutiger GAP-Kämpfer aus Intra ist, der aufgrund der Denunziation eines gefangenen Faschisten verhaftet und von den Partisanen befreit wurde, es sind auch Guemino Aini, Francesco Femminis, Pierino Lamperti, Luigi Macchi, Bruno Passerini und Carlo Sacchi, die während der in der ersten Junidekade begonnenen Razzia gefangen genommen wurden. Der Lastwagen mit der Ladung der Verurteilten, umgeben von Milizionären und Nazis, wird von einem zweiten Lastwagen mit Nazis gefolgt. Die beiden Lastwagen fahren auf der Straße von Sempione und halten am Rande einer Wiese zwischen Beura und Cosasca. Zuerst steigen die Nazis aus dem zweiten Lastwagen aus, dann werden die Verurteilten aussteigen gelassen, gefolgt von den Schergen aus dem ersten Lastwagen. Die Opfer tragen die Spuren der Gewalt im Gesicht. Mamma Teresa und acht mutige Ragilizi, die trotz der Folterungen nicht geredet haben, stehen nun nebeneinander vor ihren Henkern.
Die Beteiligung der Frauen An der Resistenza nahmen etwa 35.000 Frauen teil, von denen 2.750 erschossen wurden und 15 die Goldmedaille erhielten. Diese Daten militärischen Ursprungs geben jedoch keinen Aufschluss über den größeren Kreis der geheimen Aktivitäten, der Solidarität und der Zustimmung zum Kampf, der stattfand. Den Frauenschutzgruppen, die 1943 im Norden entstanden waren, um im Rahmen des Kampfes des gesamten Volkes für die Befreiung des Vaterlandes die Rechte der Frauen zu erringen, schlossen sich 70.000 Frauen an, aber diese Zahlen müssen multipliziert werden, wenn man die weit verbreitete Beteiligung berücksichtigen will
Ihr Sohn Gianni Saffaglio erzählt: „Die Gruppe, bestehend aus etwa vierzig bewaffneten Männern und dreißig Gefangenen, marschiert über Alpe Brusa, Bosarasca, Bocchetta di Terza und Alpe Viccio nach Pian di Sale, wo Mario aufgrund der beiden Bunker an der Straße die Männer nicht weiter in Richtung Gridone ziehen lassen kann und daher beschließt, nachts anzugreifen, nachdem er die Straße von Finero gesperrt hat. Etwa siebzig Männer schaffen es, die Straße zu passieren, darunter auch die Gefangenen, die kurz darauf freigelassen werden. Im Tannenwald bleiben etwa zehn Männer zurück, darunter ich (Gianni Saffaglio) und meine Mutter, die einem Bergbauern anvertraut wird, der sie nach Finero begleitet. Ich, Gianni, blieb allein zurück und erreichte die Almen von Falmenta. Nachdem ich eine kleine Gruppe von Partisanen gefunden hatte, darunter meinen Freund Tavilla, ging ich mit ihnen weiter bis nach Velina. Meine Mutter kehrt hingegen einige Tage später nach Suna zurück und wird dort in ihrem Haus von einer Gruppe Faschisten der „Brigata nera” verhaftet. Sie wird zur Scuola Quasimodo in Intra gebracht und sofort verhört, um herauszufinden, wo sich ihr Sohn, der Partisan ist, befindet. Das Verhör dauert lange und sie wird sogar gefoltert, aber sie legt kein Geständnis ab. Nach einer Woche Haft in den Klassenzimmern der Quasimodo-Schule wurde sie in das Gefängnis von Domodossola verlegt. Am 27. Juni 1944 laden die Deutschen sie zusammen mit acht weiteren Gefangenen aus denselben Gefängnissen auf einen Lastwagen und bringen sie nach Beura Cardezza, wo sie zusammen mit ihren Kameraden erschossen wird. Nach ihrem Tod werden an ihrem Kopf mehrere Blutergüsse sowie Schwellungen am ganzen Körper festgestellt, die Folge der erlittenen Folterungen. Die Faschisten kamen auch zu unserem Haus in Suna und plünderten Wertgegenstände und die gesamte Haushaltswäsche: Das Haus wurde leergeräumt. Am 25. April 1945, dem Tag der Befreiung, kehrte ich zu meinem Haus in Suna zurück und fand nichts mehr vor: Ich hatte nur noch die Kleidung, die ich am Leib trug.
Finero
Luogo del Sacrificio di 15 Partigiani. Fucilati da Nazi Fassisti il 23.06.1944. Ort der Ermordung von 15 Partisanen. Am 23.06.1944 von den Nazis erschossen.
Ort des Massakers
PARTISANEN-MÄRTYRER erschossen in Finero am 23. Juni 1944
BARBAINI Luciano nato a Milano il 10.11.1923 BARLASSINA Giuseppe nato a Milano il 09.03.1923 CRESCINI ALOISI Mario nato a Ghedi il 19.09.1925 LANTERI Sebastiano nato a Avola il 11.11.1907 MARTINELLI Mario nato a Suna il 24.10.1912 PASETTI Olindo residente a Tradate PATERNOSTER Serafino nato a Mechel il 29.04.1906 PEZZOTTI Pietro nato a Bolgari il 31.07. 1924 RICCI Gaetano nato a Samarate il 17.09.1914 ROVEDA Pasquale nato a Milano il 02.04.18 TURATI Luciano nato a Affori il 26.09.1925 ZIGLIANI Giuseppe nato a Intra il 18.12.1922 N. 3 Partigiani ignoti.
Memento Laureta Thedy vom 2. April 2021
Me sott immer nuu über des schriebe, was om grad troomt oder wa om grad dorch de Kopf sorret
Frei noch Thomas Hürlimaa
Memento Laureta Thedy, gesprochen von Maria Simon am 27. Mai 2023
Memento Laureta Thedy, gesprochen von Hubert Mauz am 2. April 2021
De Thedy Buur i de Milligass
Augschtal im Augsbord, im Lysthal im Herbscht 2020
Wieso stand ich a me Samschtig im September 2020 um 11:00 uusgrechnet zwische villne Truuergäscht uff em Kirchplatz im Lysthal , z Gressoney- St. Jean ? Zwische „Bergetal“, wie d Walser saget, i me nördliche Siitetal vum Aostatal, vum Augstal dorch des die gwaltig Dora Baltea rauscht. Dere dunnderet acht wiietere wilde, bärige Bergbäche zu, ebe au die Lys. Die kunnt vum Lyskamm, dere hochgebirgs Bergkette zwischem Matterhorn und em Monte Rose, de höchste Berg i de Alpe. D Walser saget dene Täler , dem Hauptal vu de Dora Baltea „Augschtbord“, „ Über de Grenz zum Augscht“ zum Augustus. Denn dä hond d Römer, hauptsächlich de Kaiser Augustus, de Augscht, s zweit Rom, im gwaltige Alpeboge baut. Augusta Prätoria mit Stadtmuure, Torböge, Triumphböge und eme grosse Amphietheater. Vu dä uus sind sie über de Gross St. Bernhard is Wallis, an Genfer See und gi Alemanie wiiter zoge. Des Tal isch s onzig wo vu drei Siite vu de höchste Alpeberg umzinglet isch. Im Süde mit 4050, im Weste mit 4850, im Norde mit 4500 und 4600. Nu im Oste hät sich die kraftglade Dora Baltea en Uuschlupf gege s Piemont, gege de Po uusbohret.
Mir stond zwische em mit Arkade überdachte Kriitzweg, i die Nischeböge vu de Kirchemuur kunstvoll uusgmolte Leidenswegbilder, und em Haupportal vu dere grosse Bergkirche. S Isch d Abdankung, wie mer uff walsertütsch sait, vu de Laureta Thedy, mit 62 verstorbe im Spital z Aosta, Aotonome Regio Aosta, die kliescht Region z Italie. Früher hät s au mol zu Savoye ghört.
Eigentlich homer zerscht i die südliche Täler vum Aostatal welle. Gi Pont, is Val Savaranche, is Val Grisanche, is Val Rhemes und gi Cogne. Spontan us em Buuch simmer doch zerscht is Lystal. Wer über de Gross St. Bernhard in Süde, in Weste oder Oste fahrt und nit mindschtens en dreiviertel Tag z Aosta ummemuuset, dem kam er nimme helfe. Südliche Flair mitte i de Hochalpe, e römische Kultur, e Händler, Säumer- und e Savoyardische Metropole, des gihts nu do. Überall Umberto Uno, Garibaldi, Margeritha vu Savoye und de Rei di Caccia, de Herzog Vittorio- Emanuele vu Savoye. Natierli die römische Kaiser, die Bersaglierei, die Freiheitskämpfer und Widerstandskämpfer. E uugwöhnlich Bella Italia.
Um 10:00 halte mer noch eme guete Freiluft- z Morge kurz vor Issime, z Eisschemme uff Wallisisch, am Ortschild. Aha: Eisschemme, mir sind richtig. Kurz denoch kunnt de Friedhof, dehinter d Kirch und s Wäschhiesli, d „Piasa da Weschi“, uff Tütsch. Devor en Kinderspielplatz, vill Holz, aber au vill Plaschtik. Ganz so guet wills nit zu dem spirituelle Ensamble passe. Aber iis vergrootet meischtens i dene Sache no vill meh. Dorch e gross , schees , zweiflueglichs Schmidetor betrete mer de Kirchplatz. Gegenüber vum Portal isch im Weste en Arkadegang mit eme überdachte, kunstvoll uusgmolet, plastische Kreuzweag. Vor em grosse, helzerne Kirchetor schaffet e ältere Frau, en junge Maa und e uugfähr 50-jährige Frau am Blumeschmuck ver d Sunntigskirch. Zaghaft guck emer zue. „Buon giorno, parlare Tedesco e Walser- Dütsch ?“ frog ich i die Gruppe. Die älter Frau verschwindet glii und diitlich abweisend dorch s Tor uff de Friedhof. De jung Maa verschwindet gruesslos i de Kirch und die Frau sait zögerlich, reserviert : Jo, sie dät Walserisch schwätze, könnt aber koe Schriftdietsch. Scusa. Mir verzellet ihre uff iiseri gemeinsame, alemannisch Mundart iiser Aalige. Daß zwische 1730 u. 1780 vill Uuswanderer und Händler us em Lystal zu iis uff d Boor uusgwanderet seiet und dä sesshaft wore seiet. Uugläubig und überrascht, allmählich ufftauend, sait sie, dass sie des no nie ghört het. Ich frog sie noch paar Näme, Eschinger Näme, wie Bury, linthy, Bastrenta, Lerch, Bieler, Lischgi und Thedy. Bei Thedy wird sie grührt, jo die Näme dät sie alli kenne. Do am Aaschlag nebem Kirchhofiigang dät e Plakat hänge: D Laureta Thedy wär grad mit erscht 62 Johr z Aoschta i de Oncologie gstorbe. Cancro, Brustkrebs. Wieder hät der uuheimlich Wuchersatan sie Ernte iigfahre und de Marito Roberto zum Witwer gmacht. Mir bedanket iis und gond uff de Kirchhof. Dä neschtlet die ander, die älter Frau uubholfe, betroffe, verängstigt, vergelschteret aber doch aadächtig am Plastik- Bluemeschmuk vor em Mahnmal vu de zahlriiche Weltkriegshelde vu dem kleine Eisschemme , de Widerstandskämpfer, de Bersaglierei und de Soldate rum. Vill Männer, vill z vill, us dere Walsergmeinschaft, wie sie dem Ort saget, sind dä vereewigt. Mir honds verstande, scuas cara Nonna. Mir Tedesci verdrucket uns still und demutsvoll is ander Eck vum Friedhof. Zu de Lerch, Bieler und Thedy.
Raimondo (7) e Ruggero (12)
Und nomol weremer bis is Mark erschütteret. Am Rand vu dem Spielplatz , vu dem „ d` Chinnumattu“ uff walisisch, vu de Kindermatte, stoht e Bronze- Kindersculptur. Sie stellt de Raimondo und de Rugero dar, 7 und 12 Johr alt, sind die zwei „Stelle“ , die zwei denkwürdige Stern vu Issime, vu Eisschemme. Uff de Bronzetafel kam er lese, dass sie am 7 Dezember 1943 z Issime gfange wore sind, als Jude entdeckt wore wäret, und vu do dorch halb Europa verschleppt im Vernichtungslager z Ausschwitz am 26.Februar 1944 umbroocht wore sind. De Vater war bei de Entsetzung vum Aventin und de Befreiung vu Issime, vu Eisschemme debei. De Schlusssatz sait, dass mer über den Fall guet nochdenke soll. Au des homer noch de uumissverstänliche Verhaltensweis vu de Nonna verstande und sind erschüttert und beschämt gi St. Jean is wild Tal unterhalb vum Monte Rosa hinderi gfahre.
Denkt homer: Wie unmenschlich, menscheverachtend, prall vu hässlichstem Rassehass und barbarisch muess mer sie, waret uuzählige Vorfahre vu iis, dass sie kleine Kinder bis i die hinterschte, abgschiedenschte Winkel vu Hochgebirgstäler verfolgt und i Vernichtungslager verschleppt und massehaft vernichtet hond. A de Gedenktafel und de Skulptur die im Februar 2009 uffgstellt wore sind, sieht mer, dass i so abgschiedene Täler mit so wildentschlossene Bewohner Wunde lang nit verheilet. Des sieht mer au im einsamste Bergland Europas, im Val Grande, wo a de Friedhofsmuure Näme vu de junge, uffgstöberte, ermordete Freischärler verewigt und verehrt wered. D klei Berg- Regio Aosta hät au en seltene Adelstitel.
Sie hät die Goldene Tapferkeitsmedaille vum Staat griegt, weil sie e Zentrum vu de Resistenza gsii isch. Jetzt verstoht mer des abweisend Verhalte vu de Senjora vor em Wiederstandsdenkmal no besser.
Memento Raimondo e Rugero, Scusa, wa für e Schand, wa fer e Barbarei.
Abdankung
Uff em Parkplatz vu St. Jean im Lystal gihts fascht konn Platz. Wa word au do los sie ? Wo mer i paar Schritt an Dorfplatz und an Kirchplatz und an Kirchhof kummet stoht alls voll vu aadächtige Gresoneyer. I de Kirch isch konn Platz meh und e Trauerfeier word über Lautsprecher uff de Platz vor em Kirchportal und dem ähnliche Kreuzweg- Arkadegang wie z Issime übertrait. Glii zwei leere Liicheauto, en VW – Bus wie e Kapelle uusgstattet und en stromlinie Jaguar Nobelliichewage stond uff dem Platz. ́De Sarg stoht i de Kirch im Mittelgang. Jetzet erscht entdeck ich die gliiche Traueplakat wie z Issime mit de Todesaazeig vu de Laureta Thedy. Mir sind uusgrechnet a d Beerdigung vun ere Thedy im ferne, versteckte Lystal groote. Genau am reachte Tag , zu de reachte Stund und am reachte Ort.
E selli entfernt Verwandte vu iiserm Eschinger Thedy Clan, vor wahrscheinlich 250 Johr, also 10 Generatione, vum Lystal im Augstbord uff d Boor uusgwanderet, vollendet ihre irdische Wanderung und wandert uus, so isch a de fromme Aaschläg abzlausche, in e neue, andere Welt. Eweng kummer iis vor wie die heimliche Abgsandte vu de regional und genetisch kaum no Verwandte us Eschinge. Au des berührt. Wie fascht alles i dem Tal: Die gwaltig Bergwelt, die Wassergwaalt, de Überlebenswille vu de Liit, de Uuswanderermut, die Wanderkrämer Uusdauer und die körperlich und geistig Zähigkeit und Frömmigkeit vu dene Walser, mit ihrem Nationalheilige, em Theodul, em Thedy. Und Theodulpass hoesst au der schneebedeckt Hochgebirgspass zwischem Mattertal und em Augsbord, em Lystal, der scho vill Drame erlebt hät.
Au uff dem Kirchhof begegnet mer dene Eschinger Iiwanderernäme us em französiche Savoyen, em italienisch- romanische – ladinische Augstal und de alemannische Walsergmeinschaft.
Finale am Talend:
Natierli momer no gi La Trinite, as Talend vu dem Lystal. Dä wo s Tal gege Norde vum moolerische, scharfkantige, schneeüberwächtete Lyskamm abgschlosse und verbarikadiert word und im Nord- Oste vum no sperrigere Monte Rose. Des Walserdörfle liit uff eme Schwemmkegel vu de Lys und dä stoht e andere, e künstliche Muur. E breitgstreckt Hotel versperrt de Talgrund. S “Hotel Busca Thedy“. Grau, verbliche, e Abbild vum Thomas Mann sienem Zauberberg Sanatorium. Es muess mol e grosse Vergangeheit ghet haa, des Nobelkurhotel. Tempora mutandur. Dass des so isch, des erfahremer wieder uff em Kirchhof. Bestimmt oe Viertel vu de Gräber hond Thedy Näme. Appolonia, Fritz, Clothilde, Bruno, Antonia und Eugenio und ville anderi Näme. Familiegräber a de Muur und Mitte drin e hoffährtig Thedy- Mausoleum. Dä muess en ganz bsundere Thedy, nebem Hotelie- Patron, verewigt sie. En Fritz Thedy der z Biella hochaagsehne gsi sii muess. Es sieht noch eme Dichter oder eme Glehrte uus, verrotet e Brozene Schrifttafel.
Noch dem Tag war de erneut Bsuech i de gwaltige, wilde Gran Paradiso Täler zwar au no paradiesisch, aber die emotionale Iidrück usem Lystal waret oefach nit zum übertrumpfe. Wa fer e Woch.
Als Wunderfitz- Reis war die Fahrt scho aagleit, aber dass sie so uuglaublich iidrückliche, gheimnisvolle Erlebnis broocht hät, war nit zum erwarte. Und dass Eschinger Eschinger so berührend troffe hond, macht des alls no uuvergessener aber au verzehlenswert us de verschiedenste, erwänhte Gründ.
Jo so wars , Und: loset halt emol zue, bevor is doch no vergiss.