Astverwachsungen

Liebe Bürgerpostleser, 

mein Forstexperte Reinhold Mayer antwortete zu den Bilder kurz: „Noch nie gesehen“. Mir ging es genauso, und wer so etwas schon gesehen hat, darf sich gerne melden. Die Bilder erhielt ich von Karl Wild aus Sindelfingen. Er hat sie am Nikolaustag 2025 in 71106 Magstadt im Gemarkungswald aufgenommen, der Verbindungsast verläuft zwischen zwei Buchen. Das verdient gleich einen Oberhammer genannt zu werden. Sofort fragte ich ihn, ob ich dazu etwas schreiben darf, „ja klar, ich würde mich freuen, wenn andere auch an dem schönen Naturwunder teilhaben könnten“. Übrigens, Karl Wild nahm am 7. November 2025 am Naturwundervortrag in der Bürgerhalle Hausen vor Wald teil, er war der mit der größten Anreiseentfernung. Was sagt man dazu? Den zweitlängsten Weg hatte mein elsäßischer Freund Damian Baltenwek aus Ottmarsheim. Bei ihm waren es fünf Kilometer weniger.

Wikipedia hat mir weitergeholfen. Den Prozeß nennt man „Inosculation“. Das ist ein natürliches Phänomen, bei dem Stämme, Äste oder Wurzeln zweier Bäume zusammenwachsen und zwar auf eine biologisch ähnliche Weise, wie beim künstlichen Veredeln. Die Äste wachsen zunächst getrennt voneinander, aber in der Nähe zueinander, bis sie sich berühren. Dabei wird die Rinde an den Berührungsflächen durch die Bewegung der Bäume im Wind allmählich abgerieben. Sobald sich das Kambium zweier Bäume berührt, verwachsen sie sich manchmal selbst und wachsen beim Dickenwachstum zusammen. Das Kambium ist – kurz erklärt – die dünne Wachstumsschicht bei Pflanzen und damit auch bei Bäumen, die zwischen dem Holz und der Rinde liegt und aus sich aktiv teilenden Zellen besteht. Dadurch wächst der Baum in die Dicke, indem es innen neues Holz und außen neuen Bast bildet. Diese Zellteilung ist für das sekundäre Dickenwachstum verantwortlich und führt zur Bildung der jährlichen Jahresringe. Beinhart finde ich das. So kann also aus zwei Ästen ein Ast entstehen. Man kann wiederum nur stauen. Bei Buchen käme das öfters vor, weil die Rindenschicht relativ dünn ist. 

Solche Bäume werden umgangssprachlich oft als „Ehepaarbäume“ oder „Hochzeitsbäume“ bezeichnet. Was sagt man zum Bild oben? Es ist von Rebecca Herbert. Der englische Text dazu lautet übersetzt, „der dünnere Baum wurde vor Jahren abgesägt und der dicke hält ihn und gibt ihm seither Nahrung. Sie wachen zusammen auf im Frühling und sie gehen schlafen im Herbst“. Eine herrliche Beschreibung eines grandiosen Bildes. Das Bild unten ist nochmal was Besonderes. Es zeigt die Verwachsung zweier verschiedener Arten, nämlich einer Buche und einer Eiche. Das käme viel seltener vor als bei gleichen Arten. Der Hammer ist, ich brauchte nur an den Rand des Kohlwalds gehen, um das Bild heute machen zu können. 

Eine Frage habe ich noch, wird der Verbindungsast sich in zehn Jahren noch in der gleichen Höhe befinden wie jetzt? Ich bin gespannt auf Eure Antworten. 

Zum Schluß herzlichen Dank an Karl Wild für die Bildüberlassung und die Beitragsermöglichung. Ich bin gespannt, ob wir so etwas auch noch live sehen dürfen.

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