Ästlinge Fortsetzung

junger Hausrotschwanz

Liebe Bürgerpostleser,

die Hausrotschwanzgeschichte ging noch etwas weiter, weil sich ein Jungtier bei uns im Haus verirrte und tags darauf im Zimmer unseres Sohnemannes. Das Bild zeigt den stolzen Burschen, wie er selbstverständlich auf der Gardinenstange sitzt. Ich machte das Fenster auf und versuchte ihn zum Hinausfliegen zu bewegen. Aber anscheinend kannte er mit seinem jungen Alter noch nicht, dass man durch ein offenens Fenster fliegen kann. Immer wieder, wenn ich dachte, jetzt müsste es passieren, flog er die Gardinenstange an. Es half nur, ihn mit einem Käscher zu fangen und in der Hand – sicher gehalten – aus dem Zimmer zu begleiten. Er zeigte sich sehr vital und nach dem Fototermin flog er auf den nächsten Baum. Die Elterntiere waren sofort zu Stelle. Anders als bei Kitzen macht bei Vögeln die Berührung der Jungtiere durch uns Menschen nichts aus. Ein Riesenvorteil.

Das 2. Bild zeigt das zweite Eindringen. Er ist erstaunlicher Weise durch das gekippte Fenster in die Wohnung gelangt. Ich vermute, es war der gleiche Bursche wie am Vortag, dem hat es einfach gut gefallen. Über die Balkontüre verließ er anstandslos die Wohnung.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ästlinge 1. Teil vom 4. Juni 2025

Liebe Bürgerpostleser, 

ist das nicht ein putziges Kerlchen auf dem Bild unten? Man fragt sich, was ist mit dem Schwanz los, hat er ihn verloren oder kommt er noch? Ich habe ihn in den Status gestellt, nur Ralf Claaßen aus Villingen und Oliver Bury aus Frittlingen hatten die richtige Antwort, es sei eine junge Mönchsgrasmücke. Hätten Sie sie erkannt? Ich war auch unsicher, anhand der braunen Kappe hatte ich einen unsicheren Verdacht. Ein Dank gilt Ingo Kirchhoff aus Wietzen, der mir dieses Bild geschickt hat. Übrigens, der Schwanz kommt noch, er ist das letzte, was sich entwickelt. Eine Frage stellt sich einem bei diesem Anblick, muß man dem Vogel helfen oder nicht. Sie können sich kurz dazu Gedanken machen, die Lösung kommt noch.



Die nächsten drei Bilder sind bei mir entstanden und zeigen auch einen Jungvogel. Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen, es ist ein junger Hausrotschwanz. Die brüten die letzten Jahre gerne bei unserem Haus auf dem Firstbalken meist mit zwei Bruten. Ich wusste das natürlich, aber erst am Geschrei bei der Fütterung der Jungvögel hab ich es gemerkt. Das wird mit der Zeit immer lauter und man kann abschätzen, wann das Ausfliegen beginnen könnte.

15 bis 17 Tage sind die Jungvögel Nestlinge.  Am 1. Juni entdeckte ich den Jungvogel im Gartenschuppen und er ließ mich in Ruhe an sich herankommen, bis die Altvögel ihm zuriefen: „Versteck Dich, wer weiß, was der Franz Maus mit Dir vorhat“. Wie vom Blitz getroffen war er in der Hütte verschwunden. Auch hier die Frage, muß man helfen oder nicht?

Ein klares nein, das muss man nicht!

Denn die Altvögel versorgen sie weiterhin mit allem, was sie brauchen. Natürlich haben Feinde in der Phase ein leichteres Spiel, aber das ist Natur. Dieser Ästlingsphase genannte Zeitraum dauert bei den Hausrotschwänzen etwa zehn Tage, bis der Schwanz die volle Länge hat, vergehen zwei bis drei Wochen. Gott sei Dank gibt es in Villingen beim Ehepaar Claaßen eine Aufzucht- und Pflegestation. Wenn man unsicher ist, ob alles klar läuft in der Ästlingsphase, ob die Eltern noch leben beispielsweise, dann kann man sich telefonisch melden. Dort erhält man dann eine Händynummer, an die man ein Bild des Jungvogels schickt. Anhand dessen wird entschieden, was zu tun ist. Ich habe schon mehrmals einen guten Rat bekommen, wofür ich sehr dankbar bin. 

Zum Hausrotschwanz noch ein paar Fakten: Er wurde Vogel den Jahres 2025. Rund 70 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt er als einer der ersten Sänger und ist bis nach der Abenddämmerung zu hören. Über den Gesang des Jahresvogels schrieb der bekannte Zoologe Alfred Brehm in seinem „Tierleben“ allerdings ein wenig erbauliches Urteil: Das ihm eigene Röcheln, das sich mit knirschenden, klappernden Tönen und flötenden Trillerlauten abwechselt, nannte er als „jeden Wohlklanges bar“. Dem Hausrotschwanz kommt zugute, dass er keine hohen Ansprüche an seine Brutgebiete stellt. Steinig, trocken und warm sollte es sein, dann kann der Hausrotschwanz seine Nester in nahezu jede Nische und jeden Hohlraum bauen. Gesellige Typen sind Hausrotschwänze allerdings nicht. Im Spätherbst machen sich die Mittelstreckenzieher allein auf den Weg und halten sogar an Sammelstellen wie Gewässern, Feldern oder Klippen einen angemessenen Abstand zueinander.

Ich freue mich jedenfalls, dass er bei uns ist und besonders im Frühjahr, wenn er relativ früh wieder bei uns erscheint. Mit 800.000 bis 1.000.000 Brutpaaren ist er bei uns in Deutschland verhältnismäßig häufig.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Der Biber – Koexistenz oder abschießen?

Statt sinnloser Abschuss gemeinsames Verständnis entwickeln


Was können wir vom oberbergischen Kreis, der ebenfalls wie der Schwarzwald-Baar-Kreis einen wachsenden Biberzuwachs verzeichnet lernen?
Zunächst würde es Sinn machen einem Runden Tisch vorzuschlagen an dem alle betroffenen Akteure aus Naturschutz, Landwirtschaft, Forst- und Wasserwirtschaft sowie den Verwaltungsbehörden für eine Beratung zusammengebracht werden. „Ziel dieser Veranstaltung sollte es sein, ein gemeinsames Verständnis für den Umgang mit dem Biber zu entwickeln und tragfähige Grundlagen für die zukünftige Zusammenarbeit zu schaffen“. Welche Leitlinien sind bei diesem runden Tisch entstanden?


All das vermisse ich im Umgang mit den Bibern im Schwarzwald-Baar-Kreis. Wir täten gut daran zu erkennen wie wichtig Biber sind für die Artenvielfalt und die Natur. Natürlich sind abgenagte Bäume und unter Wasser stehende Wiesen nach unserem Verständnis nicht der Inbegriff von Ordnung. Wir lieben es eher, dass die Natur einem Park gleicht in dem alles seinen Platz hat und gefälligst auch dort bleibt.


Doch so funktioniert Natur nicht. Dort, wo der Biber gearbeitet hat entsteht neues vielfältiges Leben. Was ist uns dieses Leben wert? Was wollen wir als Bürger, Landwirte und anderer Betroffener dafür zahlen? Welches Verständnis von Natur haben wir? Diese Frage sollte sich jeder von uns stellen und nicht nur eilfertig dem Ruf nach Abschuss zu leicht zustimmen.

Fest steht, dass Abschüsse nicht helfen, denn wie auch das Lehrbeispiel bei Wildschweinen zeigt, es gibt Nachrücker. Wie viele Biber verträgt also unser Land ? Der falsche Weg ist es jedoch politisch Strecke machen zu wollen mit solchen plakativen Forderungen, ohne sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie die Koexistenz des scheinbar Unvereinbartem doch möglich sein könnte, ohne dass man gleich zur Schrotwaffe greift. Seien wir froh, dass die Natur im Schwarzwald-Baar-Kreis so vielfältig ist, trotz der vielen Hindernisse für Vielfalt. In anderen Ländern versucht man krampfhaft Tiere wieder anzusiedeln, die durch unvernünftiges Handeln ausgerottet wurden. Nehmen wir uns diese Länder als Vorbild und nicht gerade ein Land wie Bayern das alles zum Problem macht, was nicht in den Kram passt.

Biber in der Breg

23.02.2020 von Heike Boeke

Es gibt bei uns wenig Tiere, die die Gemüter stärker „erregen“, als unsere heimischen Biber. Dabei sind sie Vegetarier und mir daher per se schon sympathisch. Häufig wird jedoch der Anschein erweckt, die Weichhölzer die er frisst unterliegen der forstwirtschaftlichen Nutzung und wären mindestens so wertvoll wie Eichen. Im Sommer ernährt er sich zudem von Gräsern, Stauden, Blättern, Kräutern, Feldfrüchten und Rhizomen von Wasserpflanzen. Rund 300 Arten stehen auf seinem Speiseplan. Hierzu gehören zum Beispiel Seerosen, Schilf, Brennnesseln, Klee, Äpfel, Rüben, Mais oder auch Getreide.

Wer sich gegen den Schutz und Erhalt der Biber stellt, stellt sich auch gegen den Schutz von Störchen, Laubfröschen, Eisvögeln, Libellen ,Molchen, Schmetterlingen und Fischen. Biber schaffen neue, sehr abwechslungsreiche Lebensräume, verändern Strömungsverhältnisse, schaffen Biberteiche, erhöhen den Grundwasserpegel, sorgen für tiefere und flachere Gewässerabschnitte, veränderte Temperaturprofile, sorgen für verbesserte Laich- und Fortpflanzungsbedingungen für Amphibien, Fische, Insekten, Vögel und Säugetiere. Jungfische finden verbesserte Möglichkeiten sich zu verstecken. Biber lichten wieder Uferbestände auf, sorgen für kräftigere Bäume und Gehölze, klären unsere verschmutzten Gewässer, schaffen neue fruchtbare Böden und betreiben auch noch Hochwasserschutz für uns. Und das alles völlig kostenlos!

Gerade in Zeiten unserer immer intensiver werdenden Landwirtschaft auch hier auf der Baar in der jede zweite Tier- und Pflanzenart auf der roten Liste steht und somit vom Aussterben bedroht ist, jeder Zentimeter genutzt wird, normale Graswiesen eiweißreichen Hochleistungsgräsern weichen müssen in denen keine einzige Blume mehr blüht, Wiesen und Gewässer überdüngt sind, nirgendwo in Europa das Grundwasser so belastet ist wie bei uns, Pestizide für Bienen- und Insektensterben sorgen, immer mehr Vogelarten verschwinden oder deren Populationen einbricht, ist Natur- und Artenschutz wichtiger denn je.

Das Internetportal unserer Stadt enthält folgenden Einführungssatz: „Hüfingen fühlt sich in besonderer Weise der Ökologie und dem Umweltschutz verpflichtet. Seit über 20 Jahren bemüht sich die Stadt auf allen Aktionsfeldern zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen beizutragen.

Wenn also dieser Satz nicht nur ein nutzloses Feigenblatt sein soll, sondern gelebte Anwendung, dann sollte über die Arbeit unseres Bibers am Kennerbach nicht so negativ geschrieben werden, sondern mit Stolz über ihn und seine Arbeit berichtet werden. Dass er sich in einem Feuchtgebiet und Vogelschutzgebiet niedergelassen hat sollte uns als Hüfinger Bürger freuen. Leider konnte er nicht ahnen, dass eine ökologisch ausgerichtete Stadt wie Hüfingen ausgerechnet dort ein riesiges Logistikzentrum hinstellen ließ und nun auch noch um 11.000qm erweitern möchte, zumal er zudem des Lesens unkundig ist.

Es wäre daher schön, wenn man seine Arbeit dort mehr schätzen würde und dafür sorgt, dass er noch lange dort seine kostenlose Arbeit für Natur- und Artenschutz fortführen kann.

Die Menscheit isch ein Rindvieh

Was mir denkt, schreib ich auf

Umberto Ecco


Die Menscheit isch ein Rindvieh
Die Weisheit eines lebensklugen Mentors

Friedfertige Muscox Family
Foto: Fabian Mauz, Dovre 2020

Mitte Februar han ich mich zu me Gspräch über Literatur und Mundart gi Villinge in Franziskaner aagemeldet. Dem Villinger Testes han i mit em Aameldungsrodel au eweng aadiete welle, dass ich mini berufliche Lebenspflöck i de junge Doppelstadt innighaue han. 12 Johr han ich die Ehestritigkeite vu dene zwangsverhierotete Städt mitgriegt. Dem orientalische Kulturkreis werfet mir zu reacht heftig vor, dass des mit dene Zwangsehe nit so de Brecher sei. Wenns aber druff aakunt, verbozget mir des sogar bei benochberte, gegesätzliche Städt und leget die hemmungslos, gfühllos und lieblos zämet i oe Nescht.


Die erscht Baustell als frischbachene Bauigel han i uff de neu erschlossene Hammerhalde ghet. Ufftraggeber war s Städtisch Tiefbauamt. Jedesmol wenn i vu Pfaffemucke geg Villinge fahr, denk i a die folgend Lebensweisheit. So au Mitte Februar im Johr des Un- Heils 2022, am Schmutzigste aller Dunschtig, am 24.2.2022. Uff die beide uuselige Umständ, die Pandemie und den barbarische Putin- Krieg i de Ukraine, han ich im Aaschriebe kurz ännigwiese. Wiedermol isch mer die gnau passend, saftig, trocke Lebensweisheit vum Urvillinger Baumensch Hans Heuft in Sinn kumme.
Woni mi nämli s Erschtmol mit dem Bauleiter Hans Heuft troffe han uff de Hammerhalde, er de alt Haas, nei, de alt Fuchs und ich, de Bauleitungsaafänger, taxiert er mich stechend vu obe bis unne, leit sin scharfgschnittene Giacometti- Kopf wie immer eweng schreeg, sait traage, theatralisch, beschwörend, wie i me Art feierliche Initialisationsritus. Es hät nu no gfehlt, dass er si reachte segens Hand uff mi rechte Schulter gleit hät :

„Mauz,………… eins muesch der merke, …..die Menscheit isch ein Rindvieh“.


Zwölf Johr han ich mit dem ussergwöhnlich menschliche, berufliche Mentor zämetgschafft. Später sind mir uns immer wider mol beruflich, aber au privat begegnet. Aber immer sind mir us gegesiitigem Respekt bim „Sie„ blibbe. Für s Bauwese, des will ebbis hoesse, isch des eher uuüblich.


Dass ich den Satz nie vergesse han, dass er mir immer wieder in Sinn kunnt, nit nuu, wenn i gi Villinge kumm, sonder au i andere Lebenslage, wo die knochtrocke Hans- Heuft Lebensweisheit passt, wundert mi sit her uff die oe Siite. Anderesiits aber au nit, denn sie stimmt uff de Pfennig und drum isch er mir au am uuselige 24.2.2022 spontan iigfalle.
Eme Datum, wa sich, wie 9/11, is europäisch Gedächtnis iipräge wird.

Muscox Boss (Ähnlichkeiten sind unbeabsichtigt und rein zufällig)
Foto: Fabian Mauz, Dovre 2020

Volpone von Peter Lenk

Ja so wars, und so isches mit em skurile, weise, lebenskluge Hans Heuft us Villinge.

Schmetterlingshaft

Schmetterlingshaft

Liebe Bürgerpostleser,

vor zwei Wochen schickte mir Thomas Kring – er ist seit 2013 Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes Baar beim Schwarzwald-Baar-Kreis – diese beiden Bilder. Er schrieb dazu: „Falls Du noch ein Thema für einen Bürgerpostartikel suchst, wie wäre es damit, am 10. Mai 2025 fand ich bei Geisingen im Naturschutzgebiet Albtrauf-Baar den Libellen-Schmetterlingshaft“. Ich dachte, wie bitte, Libellen-Schmetterlingshaft, so etwas soll es bei uns geben? Das ist doch ein absoluter Oberhammer, finden Sie nicht auch?

Vor langer Zeit habe ich einmal Bilder von ihnen gesehen, aber nie gedacht, sie noch einmal zu Gesicht zu bekommen. Was sind das nur für Wesen? Laut Wikipedia sind es keine Schmetterlinge, sondern Netzflügler aus der Familie der Schmetterlingshafte. In Deutschland kommt nur der Libellen-Schmetterlingshaft vor, eine von drei in Mitteleuropa vorkommenden Arten. Nur im Süden Deutschlands, in wärmeren Gebieten ist sein auf Deutschland bezogenes Verbreitungsgebiet. Dass dazu auch die Baar gehört, ist erstaunlich. Aber auf der Baar gibt es schöne Südlagen, wo sie – siehe Bildbeleg von Thomas Kring – zweifelsohne leben können. Was brauchen der Libellen-Schmetterlingshaft noch zum Existieren? Halbtrockenrasen und magere Mähwiesen. Er könnte auch vom Klimawandel profitieren.
Die Tiere erreichen eine Flügelspannweite von 4,2 bis 5,5 cm. Also ganz ordentlich. Das Aussehen ist fantastisch. Man darf die Bilder der beiden Exemplare einfach genießen. Besonders auch die langen schwarzen Fühler mit der Verdickung an den Enden. Die Männchen kann man an ihrer gekrümmten Hinterleibszange erkennen. Sehen Sie bei den Bildern, welches Geschlecht Thomas Kring fotografiert hat?

Die ausgewachsenen Tiere besitzen eine Lebenserwartung von vier bis fünf Wochen. Nach dem Schlüpfen Anfang bis Mitte Mai fliegen sie an trockenen und sonnigen Tagen von Mai bis Juli auch im Schwirrflug dicht über der Vegetation oder sehr hoch, um kleine Fluginsekten zu jagen. Verschwindet die Sonne, wenn auch nur für kurze Zeit, heften sie sich mit ihren beißenden Mundwerkzeugen an einen Halm und verharren während der Beschattungszeit inaktiv. In dieser Situation hat Thomas Kring sie fotografiert. Dabei breiten sie ihre Flügel gegen die Sonne aus, so dass die Flügel aller Libellen-Schmetterlingshafte parallel ausgerichtet sind.

Die Eiablage erfolgt meist im oberen Hangbereich an offenen Bodenstellen. Dabei legt das Weibchen wahrscheinlich nur ein einziges Gelege von 30–65 Eiern an einen frei stehenden Stängel, der durch Rückstrahlung vom Boden zusätzlich erwärmt wird, was die Trocknung der Eier nach Regen beschleunigt. Ist das nicht erstaunlich? Trotzdem ist dieser Halm so gewählt, dass er überwiegend beschattet ist und auf nur wenig geneigter Fläche steht. Dieser Platz kann so rar und attraktiv sein, dass ein Halm auch für mehrere Gelege genutzt werden kann. Gerät das Gelege in Bodennähe, weil der Halm knickte, gelangen die Eier kaum noch zur Reife, dann werden sie von Bodentieren erbeutet oder trocknen zu langsam nach Regen. Die Schlupfdauer variiert je nach Trockenheit, sie beträgt meist vier Wochen, kann aber erheblich kürzer sein oder über 40 Tage dauern.

Die Larvenentwicklung bis zum erwachsenen Tier findet am Boden statt und dauert lange vermutlich zwei Jahre.
Thomas Kring betont, „Schutzgebiete, insbesondere Naturschutzgebiete, sind für die Biodiversität und den Naturschutz allgemein von extrem großer Bedeutung. Und ohne Pflege der Lebensräume verschwinden über kurz oder lang sehr viele seltene Arten, wie die gezeigten Libellen-Schmetterlingshafte“.

Vielen Dank Thomas für die Überlassung dieser beiden Bilder. Ich glaube, sie sind ein absoluter Höhepunkt der Bürgerpostbeiträge.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Thomas Kring ist übrigens nächsten Sonntag mit dem Naturschutzgroßprojekt auf dem Naturparkmakt in Mundelfingen!

Insektenfortpflanzung

Liebe Bürgerpostleser,

schaut man sich diese vier Bilder an, erkennt man schnell, dass sich jeweils zwei Wesen in enger Verbindung zueinander befinden. Wir wissen es, es ist Paarungszeit, nicht nur bei den Blindschleichen wie letzte Woche, sondern auch bei den vorgestellten Insekten.

Lilienhähnchen, das Weibchen nimmt das Männchen Huckepack

Das kleinere Männchen der Märzfliege wird von der größeren Dame einfach mitgeschleift. Das sieht nicht gerade lustvoll aus, finden Sie nicht auch?



Auf die Fotos bin ich richtig stolz. Die Ausgangsstellung der Weichkäfer zeigt sozusagen ein Standart Huckepack. Und dann kommt es plötzlich zum halben Überschlag des Männchens auf der rechten Bildseite.


Bild oben zeigt die Paarung der Hauhechel-Bläulinge. Ratet mal, wer das Männchen und wer das Weibchen ist. Man kann es an der unterschiedlichen Färbung feststellen. Das untere ist das Männchen und das obere das Weibchen. Ob es auch das Gegenteil gibt, Männchen oben und Weibchen unten, ich weiß es nicht und ich fand es auch nicht im Internet. Auf jeden Fall findet die Paarung bei allen Schmetterlingen so statt, dass die Hinterleiber von Männchen und Weibchen verbunden werden, um die Samen des Männchens in den Körper des Weibchens zu übertragen, was zur Befruchtung der Eier, die das Weibchen trägt, führt.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Der Gott im Baum

21. Mai 2023

Der Balzer Herrgott – auch Winkelherrgott genannt – ist eine in eine Weidbuche eingewachsene steinerne Christusfigur im mittleren Schwarzwald zwischen Wildgutach und Neukirch-Fallengrund (Baden-Württemberg). Er ist Ziel vieler Wanderer und Spaziergänger und gilt einigen als Wallfahrtsort. Entstehung und Herkunft sind bis heute nicht vollständig geklärt. (Wikipedia)

Über etliche Jahre hinweg hatte ich ihn nicht mehr besucht. Doch dann rief mich eine Journalistin des SWR an, ob ich nicht für Dreharbeiten zur Verfügung stünde, wo ich doch verschiedentlich schon über den Balzer Herrgott geschrieben hätte. An Allerheiligen wolle der Sender einen Bericht über ihn bringen. Mit meiner Zusage habe ich kurz gezögert, schließlich überwog jedoch die Neugier, wie sich die Buche mit dem eingewachsenen sandsteinernen Corpus mittlerweile präsentieren würde. Seit mit baumchirurgischen Maßnahmen versucht worden war, den natürlichen Prozess der Überwallung aufzuhalten, um das beliebte Wanderziel nicht vollends einwachsen zu lassen, war ich zu ihm auf Distanz gegangen.

Balzer Herrgott um 1980…
…und um 2005

Früher hatte auch ich ihn, zwar nicht als Wallfahrer, immer wieder einmal aufgesucht. Erstmals war es in den frühen 1950er Jahren, als der Vater, seinerzeit Forstamtschef in St. Märgen, mit seinen Söhnen durch das Steinbach- und das Wildgutachtal hinüber wanderte, um das Naturwunder zu bestaunen. Dessen Vorgeschichte hatte er da bereits nachgespürt, wobei er auf die unterschiedlichsten Erzählungen der Einheimischen, der „Wälder“, gestoßen war. Was daran war „dichtende Volksüberlieferung“, was würde historisch belegbar sein? Vom Hofkreuz war da die Rede, das einst am Gütlein des Winkel-Balzers (Balthasars) gestanden habe, welches ausgangs des 19. Jahrhunderts vom Staat aufgekauft, abgerissen und aufgeforstet worden sei. Oder stand das Kreuz zuvor am Königenhof drüben im Wagnerstal, der in jener schaurigen Februarnacht des Jahres 1844 unter die „Schneeschalte“ geraten war, ein Lawinenunglück, das 17 Todesopfer gefordert hatte? Doch wie sollte es dorthin gelangt sein, in dieses abgelegene, jetzt gottverlassene Loch? Etwa durch französisches Militär in den Erbfolgekriegen oder durch Hugenotten, wie gerätselt wurde? Und wer sollte aus welchem Grund das schwere Kreuz mit dem spätgotischen Corpus ins Hexenloch hinab und dann das Brenners- oder das Mörderloch hinauf zum Winkel geschleppt haben? Egal, irgendwann müsse das Kruzifix umgestoßen, der Gekreuzigte dabei stark beschädigt worden sein, ehe Hirtenbuben es reumütig wieder aufgerichtet und an den Stamm einer Weidbuche gelehnt hätten. Die begann jedenfalls alsbald, wie es für die Wundreaktion von Buchen typisch ist, den scheuernden Torso zu überwallen und zu umschließen. In den 1930er Jahren habe der Furtwanger Forstkollege die gusseisernen Arme des Kreuzes, die noch aus dem Stamm herausragten, abgesägt. Was mochte ihn dazu veranlasst haben?

Balzer Herrgott um 1930
um 1960
1959
1978

Derlei Geschichten hatten es dem Vater angetan; er sammelte und veröffentlichte sie 1960 in seinem Büchlein Wäldergeschichten2, das zunächst im Selbstverlag des Schwarzwaldvereins, sodann in zahlreichen weiteren Auflagen erschienen ist. Sein beigefügtes Schwarzweißfoto zeigt noch Teile des Torsos bis zu den abgeschlagenen Beinen. Schon im Jahr 1955 hatte ihn der Vorgang der Umschließung des Gekreuzigten in protestantischer Ergriffenheit zu einem dreistrophigen Gedicht angeregt: Wo sich Darstellungen des Heilands am lebenden Stamm eines Baumes an Stelle des hölzernen Kreuzes doch in der Sakralkunst immer wieder finden lassen, von Augustinus bis in die Barockzeit, ja, Christus selbst bisweilen zum „Baum des Lebens“ erklärt wurde.

Der Gott im Baum

Wir Menschen haben unsern Stolz
und wollen diesen Herrgott nicht.
Wir schlagen ihn ins Angesicht
und hängen ihn ans Marterholz.

Dort hängt er gut und stört uns kaum
bei den Geschäften dieser Welt.
Er ist im Winkel abgestellt
bei Fuchs und Has und Busch und Baum.

Doch sieh: Der Baum umfangen hält
das vielverachtet Bild aus Stein
und nimmt ihn ganz in sich hinein,
den Schmerzensmann und Herrn der Welt.
FH (1955)

Die dritte Strophe fand sich alsbald auf einem Holztäfelchen wieder, das jemand am Stammfuß der Buche angebracht hatte.

Bäume hatten es dann auch mir angetan, weshalb ich beruflich in die Fußstapfen des Vaters trat. Als junger Forstassessor hatte ich von meinem obersten Dienstherrn, dem Stuttgarter Forstminister, den reichlich privilegierten Auftrag erhalten, die bemerkenswertesten Baumgestalten des Landes aufzusuchen und zu dokumentieren; dies auf den Spuren der Baumbücher der vorigen Jahrhundertwende (Ludwig Klein: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden, 1908 und Otto Feucht: Schwäbisches Baumbuch, 1911). Im Jahr 1978 erschien die Auftragsarbeit als Bildtextband Begegnung mit Bäumen3, in welchem die Buche mit dem eingeschlossenen Herrgott natürlich nicht fehlen durfte – wie auch nicht das väterliche Gedicht dazu. „Die Buche wächst weiter“, so schloss ich meinen Begleittext, „schon überwallt sie den Brustkorb des Gekreuzigten; Druck und Spannungskräfte des Holzes, Frost und Wetter vervollständigen das Zerstörungswerk.“

Die 1980er Jahre standen ganz im Zeichen des sauren Regens, des von Schwefeldioxid- Immissionen ausgelösten „Waldsterbens“. Um den Gemütszustand auch der Forstleute stand es nicht zum Besten in jenem Jahrzehnt, und so schien mir der Balzer Herrgott mit einem Mal als bildhaftes Gleichnis zu taugen für die gefährdete Waldwelt. In meinem ganz dem neuartigen Phänomen gewidmeten 1984 erschienenen Buch Tännlefriedhof4 schrieb ich neben einem aktuellen ganzseitigen Porträt des seitlich geneigten Christushauptes den wenig optimistischen Text: Der Balzer Herrgott droht indessen vollends einzuwachsen. Der ihn umklammernde Baum ist im Begriff, ihn unseren Blicken zu entziehen. Verbirgt der Gekreuzigte sein Antlitz im Schmerz über das ihm und seiner Schöpfung Angetane? Keine Bildhaftigkeit, keine Symbolkraft?
Doch wozu brauchen wir Symbole? Der Schwarzwälder Herrgottswinkel, die Schwarzwälder Freizeitlandschaft braucht ihre Anziehungspunkte. Es tobt daher ein munterer Ideenwettbewerb: Der Balzer Herrgott muss als Ausflugsziel erhalten bleiben! Her mit dem Baumchirurgen, her mit dem Herrgottsschnitzer, der den Gott im Baum sauber wieder herauspräpariert!

Die Buche samt Corpus war inzwischen geschütztes Naturdenkmal geworden, über dessen Weiterbehandlung nun Behörden mit zu entscheiden haben. Auch die Eigentümerin, die Staatsforstverwaltung, meldete sich 1986 zu Wort, nachdem der Freiburger Forstpräsident samt Justitiar sich vor Ort einen Eindruck vom Geschehen verschafft und das Anliegen der Gemeinde Gütenbach für berechtigt erkannt hatte. Beauftragt mit der Freilegung von Haupt und Brust wurde der einheimische Holzschnitzer Rombach, sodann trugen zwei eigens von der Insel Mainau herbei beorderte Baumspezialisten auf das nunmehr herzförmig freigelegte Buchenholz eine grünliche Paste gegen Pilze und Feuchtigkeit auf, um so eine künstliche Rinde zu schaffen. 1995 musste der Vorgang wiederholt werden. Weitere Sanierungsmaßnahmen, abgestimmt zwischen Gemeinde, Denkmalschutzbehörde und Forstamt, kamen 2014 zum einstweiligen Abschluss; dies nach abermaligen Einsätzen von Baumsachverständigen, die aus der Baumkrone scheuernde und morsche Äste entfernten, um den Allgemeinzustand der Buche zu verbessern und auch der Verkehrssicherungspflicht zu genügen. Um zu verhindern, dass hinter dem Christushaupt Regenwasser in das Holz eindringt, wurde am Stamm ein Dächlein aus Blech angebracht und schließlich auch noch die Konsole eines Zunderschwammes angeklebt, eines ansonsten vorwiegend Totholz besiedelnden Pilzes.

Balzer Herrgott 2019

Der an der Buche vorbeiführende Holzabfuhr- und Wanderweg wurde vom Forstamt ein Stück weit zurückverlegt und im Halbkreis um Stamm und Wurzelbereich wurden ein paar Steinbrocken abgelegt, sowohl als Schutz gegen schwergewichtige Holztransporter wie auch gegen die Bodenverdichtung durch etwaige motorisierte Besucher. Allzu Zudringliche sollen neuerdings durch einen hölzernen Staketenzaun vom Betasten oder gar Verunstalten und Verkritzeln von Baum und Heiland abgehalten werden; an ihm baumeln inzwischen „Zeugnisse schlichter Volksfrömmigkeit“, allerlei Devotionalien (vom Rosenkranz bis zum Stofftierchen). Auf den Felsbrocken rundum erinnern Steinmännchen an den touristischen Stellenwert des Orts. Und natürlich dürfen zur Rast und stillen Einkehr auch die Sitzbänke nicht fehlen.

Nebenan erläutert eine hölzerne Schautafel die mutmaßliche Entstehungsgeschichte des Balzer Herrgotts, wobei Auerhähne bemüht werden für die Herleitung des Namens. Ob das scheue Auerwild jemals auf Weidbuchen und auf freiem Feld gebalzt hat und nicht auf den seit Jahrhunderten den Hahnenjägern wohlbekannten Balzplätzen im Wald. Vier Abbildungen des Gekreuzigten, beginnend im Jahr 1930, zeigen die jeweilige Überwallungs- und Freilegungsphase bis in die Gegenwart. Noch Wünsche offen?

Was tut der zum Interview geladene Mensch des Digitalzeitalters, ehe er vor die Kamera tritt? Rasch wirft er noch einen Blick ins weltweite Netz und googelt „Balzer Herrgott“. Da schau her – nicht zu glauben, was WIKIPEDIA alles weiß! Sogar die Herkunft des hellen Sandsteins scheint geklärt zu sein: Er stamme nämlich aus einem Steinbruch bei Pfaffenweiler am westlichen Schwarzwaldrand. Und welche Fülle von Fotos und von Wandervorschlägen (gar von GPX-Wegpunkten und Koordinaten für die GPS-Radtour per E-Mountainbike), welche Anhäufung von Zeitungsberichten und Expertenwissen! Der Gott im Baum als touristischer Hotspot – jetzt scheint er endgültig in der Gegenwart angekommen zu sein. Ob ich meinen Auftritt vor der Kamera nicht doch besser hätte absagen sollen?

Zustand 2019

1 Der Text ist in Badische Heimat 4/2019 erschienen.
2 Hockenjos, F.: Wäldergeschichten. Hrsg. U. Verl. Schwarzwaldverein e. V. Freiburg, 1960.
3 Hockenjos, W.: Begegnung mit Bäumen. DRW-Verl. Stuttgart, 1978.
4 Hockenjos, W.: Tännlefriedhof. Bilder einer Verwandlung. Gerhard Schillinger Verl. Hinterzarten, 1984.

Blindschleichenpaarung

Zwei Blindschleichen

Liebe Bürgerpostleser, 

haben Sie sich erholt vom letzten Bericht über die Kreuzotter in Ischgl? Ich bin überzeugt davon. Heute geht es mit Spannung weiter. Frau Margit Wehrle aus St. Märgen schickte mir die ersten beiden Bilder. Klar war, dass es sich um Blindschleichen handelt. Aber worum geht’s dabei? Meine Spontanantwort lautete, entweder handelt es sich um einen Rivalenkampf oder um ein Paarungsverhalten. Ein Blick ins Internet klärte auf, es ist ein Paarungsritual der Blindschleichen und kein Revierkampf und keine Fresshandlung. Jetzt muss die Frage beantwortet werden, wer beißt da wen und zu welchem Zweck? Ohne große Umschweife ist zu sagen, dass das Männchen das Weibchen heftig packt und beißt, siehe Bilder. Der Grund ist, dass sie die Weibchen damit ruhigstellen, um die Kopulation zu ermöglichen „Bisshaltung zur Ruhigstellung“. Was für ein Hammer. 


Im übrigen sei die spiralförmige Umklammerung typisch für das Paarungsverhalten bei Reptilien. Auf meine Frage, wie es zu den Bildern kam, schrieb mir Frau Wehrle: „Es war im Garten, ich habe zuvor mit dem Freischneider gemäht, beim Zusammenrechen sah ich sie dann und bin sehr erschrocken, weil ich dachte, ich hätte vielleicht eine mit dem Freischneider erwischt. Aber es war alles in Ordnung“. Was ich bisher auch nicht wußte, dass die Färbung der Geschlechter bei Blindschleichen so verschieden ist, grau die Männchen und braun gestreift die Weibchen. 


Mit zunehmenden Alter zeigen die Männer auch eine bläuliche Färbung. Das bekam ich zeitgleich von Gabi Schroll aus Mundelfingen geschickt. Ich war erstaunt über die Größenunterschiede. Thematisch würde ich davon ausgehen, dass hier die Paarung beendet ist und beide friedlich auseinandergehen. Was denken Sie? Sehen Sie, dass dem alten Männchen ein Großteil des Schwanzes fehlt? Typisch für Blindschleichen und Eidechsen, die bei Gefahr die Schwänze abwerfen können.

Herzlichen Dank Frau Margit Wehrle und Gabi Schroll für die Bilder, die diesen Beitrag ermöglicht haben. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Kreuzotter in Ischgl

Liebe Bürgerpostleser,

was heute kommt, ich glaube, die wenigsten würden es für wahr halten. Doch der Reihe nach: Am 1. Mai schickte mir Cathrin Schelshorn geborene Wasmer vom Feldberg diese absoluten Hammerbilder. Eine Schlange im Schnee mitten auf der Skipiste in Ischgl in über 2.000 Meter Höhe.

Wir erinnern uns, Schlangen sind wechselwarme Tiere, wer denkt da an so etwas? Mir kam das Ganze so vor wir bei den Bildern mit Rauhreif an Ährengrannen, erinnern Sie sich noch? Völlig absurd. Zunächst die Frage, um was für eine Schlange handelt es sich bei dem eleganten Exemplar. Cathrin meinte, eine Aspisviper, ich schwankte zwischen Aspisviper und Kreuzotter. Es ist gut, wenn man jemand befragen kann, Dr. Gerrit Müller ist da meine Adresse: „Die Polen nennen dieses Tier klar und eindeutig Zickzackschlange. Wir nennen es ohne überzeugende Argumente Kreuzotter“. Schauen Sie auf das Bild, dort ist die Zickzacklinie am deutlich zu sehen. Die Szene beschrieb er so, „erstaunlich, aber im letzten Schnee nicht ungewöhnlich – doch selten dokumentiert“.

Vielen Dank Gerrit für die Klarstellung. Cathrin Schelshorn hat es dokumentiert. Hätten wir den Mut gehabt, die Schlange auf den Skistock zu nehmen? Sie war es Gott sei Dank und Sie hat die Otter außerhalb der Piste in Sicherheit angelegt. Jetzt kommt noch ein Oberhammer, ich habe Cathrin natürlich extra gefragt, ob ich das bringen darf: Sie hat eine starke Spinnenallergie, was erst vor kurzem herauskam, als sie auf eine Spinne im meinem Status erschrocken reagiert hat. Ich griff das Thema auf und fragte sie so nebenbei, ob sie auch vor Schlangen Angst habe, worauf sie antwortete, „Schlangen sind schöne Tiere, die mir gefallen“. Den Beweis hat sie hiermit geliefert. Bravo Cathrin.

Unter https://naturparkschwarzwald.blog/tiersteckbrief-die-kreuzotter/ steht, „ein bisschen Schnee macht der Kreuzotter nichts aus. Kreuzottern sind die einzigen Schlangen, die man schon über Schnee kriechen gesehen hat, obwohl sie wie alle Reptilien wechselwarm sind.“

Unter https://nationalpark.ch/flora-und-fauna/kreuzotter/ findet man folgendes: „Sie lebt im Bereich feuchter Wiesen, an sonnigen Waldrändern und auf Geröllhalden bis in eine Höhe von beinahe 3.000 Meter Höhe. Ihr Gift setzen sie zur Erlegung ihrer Beute – Mäuse, kleine Vögel, Frösche und Bergeidechsen – ein. Im Gebirge bringt ein Kreuzotterweibchen alle 2–3 Jahre 4–18 Junge zur Welt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien sind Kreuzottern lebendgebärend. Sie verbringen den Winter in einer Kältestarre bei wenigen Grad Celsius im Boden. Im April erwachen sie aus der Winterstarre und suchen den Weg an die Oberfläche. Dort treffen sie stellenweise noch auf Schnee, was sie aber nicht davon abhält, weiterzuwandern. Auf Dauer ist der Schneeuntergrund aber nichts für sie, denn er kühlt die wechselwarmen Tiere aus und macht sie träge. Dadurch werden sie zu einem leichten Fang für Raubvögel oder Fuchs“.

Also hat Cathrin alles richtig gemacht und die Kreuzotter vom Schnee in die Sonne gesetzt.
Wer erinnert sich noch an meine letzte Kreuzottergeschichte von Helmut Hessenauer mit dem vom Mountainbike überfahrenen Exemplar? Das war nicht so schön wie diese heute. Nach Gartenschläfer und Dreizehenspecht hat mir Cathrin mit dieser Geschichte bereits die dritte Hammerstory geliefert, vielen Dank dafür. Nach dem Vorfall wurden übrigends Schilder zum Kreuzotterschutz aufgestellt.


Herzliche Grüße
Franz Maus


Addendum von Hannah:
Kreuzottern gibt es auch hier bei uns. Eine Infotafel befindet sich am Reicheltbiotop.
Auch gibt es hier mehr Fotos:

Cirruswolken und Lichtsäule

Liebe Bürgerpostleser, 

zu Beginn will ich Ihnen etwas verraten, ich bin gespannt, ob Sie es merken. Das heißt, ich mache es anderst, die Auflösung kommt erst am Schluß.

Freitag, den 28. April 2025 um 6:08 Uhr

und um 6:21 Uhr

Also, die Bilder zeigen angedeutete Lichtsäulen über der aufgehenden Sonne am Freitag, den 28. April 2025 um 6:08 Uhr und um 6:21 Uhr. Die Bilder konnte ich nur machen, weil mir früh morgens siedend heiß eingefallen ist, dass die Mülltonne raus muss. Bei vierwöchiger Abholung ist das besonders wichtig. Nun eine Lichtsäule ist eine Haloerscheinung wie zum Beispiel die Nebensonne, Bedingungen sind absolute Windstille und sechseckige Eiskristalle, an denen sich das Sonnenlicht spiegelt. 


Die drei weiteren Bilder habe ich am 9. April 2025 von zu Hause aufgenommen. Es sind Aufnahmen von schönen Cirruswolken, die auch – gut nachvollziehbar – Federwolken genannt werden. Sie befinden sich sehr hoch über der Erde, 7 bis zu 13 km in der Troposphäre, und bestehen nur aus Eiskristallen. Kein Wunder, denn dort herrschen minus 40 bis 50° Celsius. Cirruswolken werden schön wie folgt beschrieben: Sie sind dünn, faserartig und können einen seidigen Glanz haben. Macht schon etwas her, finden Sie nicht auch? Die charakteristische Form entsteht übrigens durch starke Windverwehungen, die typisch für die Troposphäre sind. Die Kondensstreifen von Flugzeugen, die in dieser Höhe fliegen, zählen ebenfalls zu den Cirren. Der durch die Turbinen erzeugte Wasserdampf ändert seinen Aggregatszustand sofort zu Eisnadeln, die für die bekannten Wolkenstreifen am Himmel sorgen. Ist das nicht der Eishammer?

Jetzt zur Auflösung der Frage, ob Sie etwas gemerkt haben. Haben Sie registriet, dass ich beide Themen schon einmal behandelt habe? Und zwar die Lichtsäule am 11. Februar 2020 und die Cirruswolken am 5. Mai 2020. Ich muss ehrlich sagen, ich habe es erst gemerkt, als ich in meinem Bürgerpostordner die Suchmaschine laufen ließ. Aus der Erinnerung hätte ich es nicht sicher sagen können.
Dann dachte ich, schauen wir mal, ob es Ihnen als Leser genauso geht. Außerdem ist die Wiederholung die Mutter aller Studierenden.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Au des no

1. Version vom 8. Juni 2022

Fulgurit oder Blitzröhre


Des klei Muckeseckele vu me Virus frisst sich dorch die halb Welt, e Wasserwalz walzt a de Ahre alls platt, de Boris verzockt de Queen s Tafelsilber, de Kathole vertlauft s Personal und d Kundschaft, Schanzepfuscher verkaibet de guet ruf vum Waelderwald, scho wieder morkst en Holose Menscheschinder, Fraue, Kinder und Babuschkas ab, über Hungersnöt wie beim Stalin kaa der nuu schaebig grinse und d Aesche vum Pazifismus word grad im Schwarze Meer grosszügig uusgsaiet.


Und jetz au no des:
Grad wo mer sich im Wälderwald über die Urgmütliche, unterhaltliche Mühlefestli am Pfingschtmäntig freit, hauts am Obet vorher no bittlos inni. A de Öhlermilli i de Schildwendi hond s Fürderers, die guete Seele Maria und August mit de treue Helfer, alls wie immer nett und fürsorglich für de Mühletag am Pfingschtmentig grichtet.

Am Pfingssunntig zieht z mols e sau Dunderwetter über de Fürsatz is lieblich Schildwende Tal. Nochdem mer mont, es sei alls rum, krachets nomol gwaltig. Des gihts villmol bei “ positive“ Blitz. De Bode isch immer no spannungsglade und zieht vu dem abzogene Gwitter wie en Magnet, wie en Klammhoocke, doch no en Blitz aa. Und derlei Iischlaeg sind denno bis zu viermol so ghörig wie die normale, die sogenannte „negative“ Blitz.

On vu dere holose Sorte isch am Obet vor em Fescht in freie Waidberg vu s Fürderers oberhalb vu de Öhlermilli i d Matte iigschlage.


Sechs Kühe und fünf Kälbli sind absiits unter me Bomm gstande. Die mehrere hunderttausend Volt hond dene Vierbeiner wege de Schrittspannung blitzartig s Lebensliecht verloesche lau. Naehrmert im Wald kha sich erinnere, dass uffs mol so viel gütige, segensreiche Tierli umkumme sind. Und des ohne dass de Blitz direkt in mächtige Unterstands- Bomm ghaue hät, sondern i die frei Matte. Und uff s mol taucht wieder de Mythos vum Fulgurit, diesell ganz rar Blitz- Glasröhre uff.

Fulgurit

Noch sellem Muschter soll im Altertum s Glasmache aagfange haa. Zur Erinnerung a die uuschuldige Tierli isch amend en Fulgurit am Iischlagloch vum Blitz i de matte entstande?


Und no ebbis troomt eim:
Het des granate Gwitter nit paar tausend Kilometer gege Oeste uff dem platz mit dene farbige Zwiebeltuermle aabi gau kinne?

Allmaehlich daets mol lange mit so gruusige Storiax.

„Bläsi“ Glasbläser auf dem Dorfplatz Wolterdingen von Wolfgang Kleiser


Fulgurit oder Blitzröhre

Vielleicht ist dieses ganz neue Objekt in den FF Sammlungen Wolterdingen in 50 Sachen 1000 Jahre alt, vielleicht 20 000 Jahre oder noch viel älter. Denn es ist aus dem fast unvergänglichem Glas. Es ist nämlich Naturglas. Die zweite Form von natürlichem Glas neben Obsidian. Se ipse sculpcit. Schon das von Menschenhand gefertigte Glas ist fast unvergänglich. Nur vom natürlichen Glas übertroffen.


Wie also entsteht Fulgurit täglich, jährlich immer noch , oder wie ist unsere wertvolle  Blitzröhre entstanden? Die meisten der seltenen Fulgurite findet man mit viel Glück  in den grossen Sandwüsten. Aber auch in sandigen Quarzböden. Unsere Blitzröhre stammt von den Capverden, einer berüchtigten Gewitter Ecke im Atlantik. Aber die Weltinspiration, der big bang der Glasherstellung fand im Vorderen Orient statt. Die Orientalen wunderten sich über immer wieder im Dünensand anzuteffende, astartigen, knorrigen Gebilde, Skulpturen die in der Mitte Rohrkanäle aufwiesen. Bis eines Tages neben oder vielleicht in eine Karawane ein Blitz bei einem gar nicht so seltenen Wüstengewitter einschlug.

Da Kamele auf vier Beinen zu stehen pflegen, war die Wirkung wegen der Schrittspannung üblicherweise  verheerend. Direkt an der Einschlagstelle aber entstand im Sand ein Krater aus dem ein Art Aststrunk herausspickte. Der hatte diese skurrile Röhre im Zentrum. Heureka, hätten Griechen gesagt, wenn sie dabei gewesen wären und überlebt hätten. Die Orientalen aber sagten: „Jetzt haben wirs endlich kapiert“ . Wenn wir jetzt den Quarzsand erhitzen, dann können wir Glas machen. Steinkohle für hohe Schmelztemperaturen gibt es im Orient durchaus im offenen Tagebau. Mit Holzkohle wirds schon schwieriger. Das klassische Kohlenmeiler Land ist der Wüstenorient eher nicht. Aber bald haben sie es gecheckt, dass Beigaben von Naturnatron aus Gruben bei Alexandria den Schmelzpunkt von dem Quarzsand deutlich senkte. So bekamen sie früher eine Fritte, eine Glassuppe, eine Glasschmelze, eine Glasmasse erschmolzen.  Daraus machten sie zuerst Glasperlen und Ringe in Tonformen gegossen. Bald folgten in Tonformen, in Modeln gegossene Schalen, Becher und Teller. Jetzt fehlten nur noch amphohrenartige Hohlgefässe. Entweder sie mussten noch die Bronze- und Eisenzeit abwarten um Glaspfeifen zum Glasblasen zu verwenden. Es ist den pfiffigen Orientalen aber auch zuzutrauen, dass sie feuerfeste Blaspfeiffen aus Ton benutzten.

Inspiriert wurden sie auf jeden Fall von den Hohlblitzröhren. Was der Blitz kann, das kriegen wir auch erschmolzen und geblasen.

Weltwirtschaft gab es Zoll frei und  erfolgreich lange vor Trump. Luxus hatte seinen Preis, insbesonders bei den feilschenden Basaris, die den Luxushändlern vom Mittelmeer die begehrten, exquisiten, Guccimässigen Glaswaren verkauften. Hochpreissegment lockt aber auch Nachahmer und Werksspione an. Bald hatten die Römer, Griechen, Marseiller und Venezianer den Trick auch raus. Und es war nur eine Frage von kurzer Zeit bis die Wahlen, Kobolde und Veneter die Glasmacher Kunst auch in den Silva Nera brachten. Denn dort waren die Voraussetzungen, die Rohstoffe und Märkte bestens geeignet. Lediglich das Natron aus Alexandria fehlte. Aber das ersetzte man durch Potaschegewinnung aus Farn und Laubholzasche. Auch aus unserem Laubenhausen?

Vielleicht verstehen wir jetzt die fundamentale Bedeutung für das Wunder des Glases von diesem unscheinbaren neu ausgestellten Objekt, diesem Fulgurit. Nicht nur der Name hat Poesie, erst recht das zierliche, verquarzte Ding Nr. 51. Wie sagt Neil McGregor: Anhand derartiger Artefakte kann man ihre Poesie und Seele geradezu  ablauschen.

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