Da die CDU/FDP/FW/UWV und ihr Bürgermeister sich nun daran machen das restliche Hüfinger „Tafelsilber“ zu verscherbeln, um den horrenden Flächenfraß und die Misswirtschaft zu finanzieren, möchte ich dies hier mal wieder hoch holen. Auch möchte ich auf die Preisdiskrepanz hinweisen die zwischen dem Verkauf und Ankauf von Land der Stadt besteht. Der interessierte Leser kann ja mal versuchen raus zu finden wieviel der Lidl für das ehemalige Niedermoor bezahlt hat, oder wieviel der Landwirt für die gerodete Steuobstwiese bekommen hat….
Falls Hüfingen sich nächstes Jahr für ein weiter so entscheidet, wird die Stadt genau so arm sein, wie ihre Nachbarn, nur mit dem Unterschied, dass auch unsere Natur vernichtet ist.
Beitrag vom 26. Juni 2021
Was folgt ist meine freie Meinung nach §5 GG. Wem es nicht passt, der möge weiter surfen.
Nach meinem Rechtsverständnis fing alles mit einer Veruntreuung an; vermutlich aus Faulheit, Unfähigkeit und auch aus Dummheit. Was dabei eine größere Rolle gespielt hat, kann ich nicht beurteilen, es war ja niemand verantwortlich. Eine Internet-Recherche ist entweder zu kompliziert für gewisse Männer oder sie haben halt besseres zu tun.
Nachdem klar wurde, man kann es nicht mehr vertuschen, wurde viel Geld in die Hand genommen für Anwalt, Consulter und andere wichtigen Männer. Ein spezieller Consulter wurde sogar aus Potsdam geholt, um den Bürgerinnen und Bürgern Geschichtle seiner „Mutti“ zu erzählen.
So weit, so schlecht und langweilig. Leider war dies nur der Auftakt einer Veranstaltung die nicht so bald ein Ende finden wird. Es sei denn, die Forderungen würden verkauft werden.
Die Weigerung der Herrschenden Steuergelder für die Bürger zu verwenden hat uns in eine bizarre Situation gebracht. Womöglich will der Bürger es sogar so, weil die Herren wurden ja vom Volk gewählt – zumindest von der Mehrheit die überhaupt zur Wahl gingen.
Zur Verwaltung der restlichen Millionen sollen, nach dem Verlustdesaster, nun die Gemeinderäte zu Bänkern und Anlagefachmännern gemacht werden. Ein beratender und zu bezahlender Fachmann wurde extra eingeladen, um den Gemeinderat über Fonds, Mischfonds, Anleihen und gewöhnliche Konten im Kontext zur Weltwirtschaft aufzuklären.
Dies ehrt natürlich die Männer. Vor allem bestimmte Männer bringen sich nun weise und fachmännisch ein. Sie alle sind überzeugt: Keiner wolle das schöne Geld auch ausgeben.
Ausser natürlich zum zubetonieren unserer Heimat. Dies ist ganz wichtig und würde von deren Wählern gewünscht. Endlich den Umbau zu einer autogerechten Stadt, der in den 1950er Jahren begonnen wurde, zu perfektionieren. Gar eine Verdichtung oder womöglich ein mehrgeschossiges Bauen würde nicht in ihre Vorstellung eines Stadtbildes passen. In die Vorstellung von kultur- und kunstfernen Männern. Deshalb muss alle Fläche ordentlich zubetoniert werden, während das Städtle zusehends zerfällt. Parkhäuser sind nur was für Weicheier und Städter. Solange die Flächen zubetoniert werden und nicht gar dem Naturschutz anheim fallen ist dies auch unseren Bauernfürsten recht. Man stelle sich mal vor im Ziegeleschle sollte anstatt eines Gewerbegebietes ein Naturschutzgebiet entstehen. Was wäre das Geschrei groß! Von wegen Landraub und Lebensmittelsicherheit.
Der Burgplatz, einst als hübsches Zentrum angedacht, mit seinem Restaurant und Biergarten, wurde ohne Not verkauft. Der Investor hat kein Interesse an einem Biergarten. Verständlich. Die Hüfinger Autokraten brauchen das Geld, um es wie eine Bank anzulegen und um zu spekulieren. Es ist ja wichtig die schönen Millionen zu horten. Dies sei ihr Wählerauftrag!
Kultur spielt bei den Herrschern absolut keine Rolle. Römische Villen werden überbaut, unser Erbe zu betoniert. Alle Ideen der Bürger werden abgetan, weil ja kein Geld da sei. Vom Aquari will ich jetzt gar nicht anfangen. Von den alten, schönen Häusern, die verrotten; von den geschlossenen Restaurants; von unseren Wiesen und Feldern; den ehemaligen Niedermooren mit ihrer Flora und Fauna.
Was gut fürs Städtle und auch die Ortschaften sei, wissen nur die kultur-, natur- und kunstunfähigen Männer, die ihrer Meinung nach diktatorische Alleinherrschaft haben, da sie doch gewählt wurden und dies ihre Auffassung von Demokratie ist: Die absolute Herrschaft über Minderheiten und vermeintliche Minderheiten.
Der Herrscher wird von einem System geschützt, das eigentlich den Rechtsstaat schützen sollte. Aber Netzwerke, familiäre Bünde und bestimmte Interessengemeinschaften stehen dem entgegen. Wer nicht auf Linie ist, wird bedroht, gemobbt und degradiert.
In diesem Sinne schützt mich wohl nur noch unsere Verfassung.
Volksantrag läuft noch! Bitte mitmachen und bei einer der Stellen unten abgeben. Danke!
Baden-Württemberg ist ein Bundesland mit wunderschöner Natur, vielfältigen Kulturlandschaften und lebendiger Landwirtschaft – ein einzigartiger Flecken Erde und unser „Ländle“. Doch dass das so bleibt ist alles andere als sicher. Wir opfern Wiesen, Wälder und Felder ausgedehnten Betonwüsten und erschließen neue Wohn- und Gewerbegebiete, anstatt bestehenden Siedlungsflächen neues Leben einzuhauchen. Der stetig voranschreitende Flächenfraß ist eines der gravierendsten Umweltprobleme unseres Bundeslandes und bedroht nicht nur die hiesige Natur und Landwirtschaft, sondern auch die Lebensqualität in unserer Heimat. Schaut man auf die letzten 50 Jahre, so haben die letzten zwei Generationen so viel neue Siedlungsfläche in Anspruch genommen wie 80 Generationen zuvor. Doch mit jeder betonierten Fläche geht auch ein Stück unserer Identität verloren. Denn unser „Ländle“ schafft Vielfalt: Es ist Lebensraum, ernährt uns und gewährt Erholung und Inspiration – ein unersetzliches Gut, das es zu schätzen und zu schützen gilt. Also lasst uns gemeinsam den Flächenfraß in Baden-Württemberg stoppen!
Der landesweite Flächenverbrauch – also die Umwandlung von unbebauter Natur in Siedlungs- und Verkehrsflächen – lag in Baden-Württemberg in den letzten Jahren im Schnitt bei 5 bis 6 Hektar pro Tag, und aktuell ist sogar ein erneuter Anstieg zu verzeichnen, verursacht unter anderem durch den „Flächenfraß-Paragraphen“ 13b im Baugesetzbuch. Das ist deutlich zu viel, denn mit jeder neu versiegelten Fläche gehen Böden für die Lebensmittelproduktion, Landschaften, seltene Lebensräume und Biotope unwiderruflich verloren. Doch unser Boden ist eine endliche Ressource, mit der wir verantwortungsbewusst und sparsam umgehen müssen, um unsere eigene Lebensgrundlage zu erhalten.
Seit in Hüfingen die CDU ihre absolute Herrschaft angetreten hat, wurden über 30 ha Land auf unserer Gemarkung vernichtet!
Im 2021 geschlossenen Koalitionsvertrag der Landesregierung Baden-Württemberg ist festgeschrieben, den Flächenverbrauch kurzfristig auf 2,5 Hektar pro Tag und bis 2035 auf Netto-Null zu reduzieren. Wie die anhaltend hohe Bodenversiegelung zeigt, haben die bislang ergriffenen Maßnahmen – z. B. im Rahmen des freiwilligen Bündnisses zum Flächensparen – aber nicht ausgereicht, dieses Ziel wirksam umzusetzen. Deshalb haben sich mehr als 15 Umwelt-, Naturschutz- und Landwirtschaftsverbände (darunter LNV, LBV, NABU, BLHV, BUND, uvm.) zusammengeschlossen, um mit dem Volksantrag „Ländle leben lassen“ verbindliche Obergrenzen für den Neuverbrauch an Flächen zu erreichen und gesetzlich zu verankern.
Der Volksantrag
Für unseren Volksantrag werden knapp 40.000 Unterschriften wahlberechtigter Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs benötigt. Wird dieses Quorum erreicht, so muss der Landtag über den Volksantrag beraten und die Initiatoren anhören. Unterschriften für einen Volksantrag müssen handschriftlich auf einem Papierformular geleistet werden, das Sie unten downloaden, ausdrucken und unterschreiben können. Eine digitale Unterzeichnung ist leider nicht möglich. Unterstützer/innen müssen neben der Angebe von Namen, Geburtsdatum und Adresse auch bestätigen, dass sie Gelegenheit zur Kenntnisnahme des vollständigen Wortlautes des Volksantrages hatten. Der entsprechende Text zum Volksantrag „Ländle leben lassen“ befindet sich auf der Rückseite des Unterschriftenblatts.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Waldfreunde,
gestern Frühlingsanfang, heute als Morgenlektüre ein wahrhaft niederschmetternder Bericht des Weltklimarats, und das also am Internationalen Tag des Waldes – was geht einem da nicht alles durch den Kopf: Klimakrise mit Waldsterben 2.0, mit Insektenschäden und Waldbränden bisher unbekannten Ausmaßes – und das alles bei zunehmend ruppiger Auseinandersetzung zwischen Forstwirtschaft und Natur- bzw. Klimaschützern um zeitgemäßere Prioritäten bei den vom Wald zu erbringenden Leistungen (ob zuerst Holzproduktion oder CO2-Speicherung, Wasserhaushalt, Erhaltung der Artenvielfalt, Kühlung, Erholungsfunktion usw. usw.). Ja, „dem Wald geht es schlecht, sehr schlecht“, wie man kürzlich erst als Schlagzeile in der FAZ lesen konnte und wie es der jüngste Waldzustandsbericht der FVA bestätigt. Seit es den gibt, seit 1985 nämlich, waren die Baumkronen nie schütterer benadelt und belaubt als nach diesen trocken-heißen Jahren. Wobei damit nicht etwa nur die Borkenkäferopfer gemeint sind. Kaum zu glauben, dass dieser Tag bereits 1971 von der Welternährungsorganisation FAO der UNO ausgerufen worden ist. Heute Abend soll er uns Anlass sein für eine knappe Stunde der Rückbesinnung: Was erwarten wir Baaremer eigentlich hier und heute alles vom Wald, was verdanken wir ihm alles? – und das am Beispiel des Unterhölzer Walds (kurz: des Unterhölzers).
Aber klar: Bäume, Wald, Waldsterben – das Thema erscheint manch einem mittlerweile doch schon arg abgegriffen, einfach auch allzu problembelastet, als dass man sich noch einen Vortrag zum Thema Wald antun möchte – gar, dass man darüber noch ein Buch aufblättern möchte. Oder sollte man sich da eher am rheinland-pfälzischen Forstkollegen Peter Wohlleben orientieren, der mit seinem Sachbuch Das geheime Leben der Bäume Jahre lang einen Spitzenplatz auf der SPIEGEL-Bestsellerliste gepachtet hatte und damit international eine Millionenauflage erzielt hat? In aller Bescheidenheit sei es erwähnt: An Büchern über Baum und Wald (allerdings ohne Auflagenrekorde) habe ja auch ich mich wiederholt schon versucht. So schon vor fast einem halben Jahrhundert im Auftrag des Stuttgarter Forstministers mit einem Bildtextband über die Baumdenkmäler des Landes (Begegnung mit Bäumen); irgendjemand hatte da dem Minister die Idee eingeflüstert, man sollte doch mal nachschauen und dokumentieren, was von den Baumoriginalen der Jahrhundertwende nach zwei Weltkriegen noch überlebt hat. Damals war der Naturdenkmalschutz in Mode gekommen und mit ihm erschienen in den meisten deutschen Ländern Baumbücher, so auch 1908 Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden des Forstbotanikprofessors und Grh. Bad. Geh. Hofrats Ludwig Kleinund im Auftrag der Kgl. württ. Forstdirektion 1911 ein Schwäbisches Baumbuch des Forstass. Otto Feucht, nachmals einer württembergischen Naturschutz-Ikone. Weil mir das Recherchieren, Fotografieren und Beschreiben soviel Spaß gemacht hat, folgten 1985 (ohne Ministerauftrag, aber immerhin mit einem Vorwort von MP Lothar Späth) mit Tännlefriedhof ein Band über das Waldsterben, anno 2000 dann Waldpassagen, 2008 ein Buch über den Charakterbaum des Schwarzwalds, die Weißtanne, (Tannenbäume) und 2015 Wo Wildnis entsteht, ein Bildtextband über den ältesten Bannwald Badens und zuguterletzt 2018 dann auch noch der Bildtextband über den Unterhölzer Wald, im Untertitel „Liebeserklärung an einen alten Wald“ – allesamt Versuche, Verständnis für Baum und Wald, Freude daran zu wecken (übrigens sind die Bücher inzwischen schon fast alle vergriffen, sodass das heut also bitte auch nicht als Werbeveranstaltung missverstanden werden darf).
Wieso aber eine Liebeserklärung, werden Sie vielleicht fragen, ausgerechnet in diesen trüben Krisenzeiten – und ausgerechnet auf der waldarmen Baar? Die Arbeit an diesem meinem letzten Buch war für mich, wie ich gestehe, weit mehr als bloßer Zeitvertreib eines unausgelasteten Ruheständlers. Eher war sie so eine Art späte Wiedergutmachung: Zum einen, weil ich den Unterhölzer mit seinen kapitalen Eichen damals in meinem Auftragswerk über die Baumoriginale des Landes sträflicherweise glatt übersehen hatte. Zum andern, weil ich als Hochschwarzwälder mit der eher spröden und unspektakulären Baarlandschaft immer schon ein bisschen gefremdelt habe, so sehr ich sie aus der Seniorenperspektive dann doch zu schätzen gelernt habe: Für den Freizeitradler erst ein flaches Einrollen, dann nichts wie rauf in den Schwarzwald, auf die Alb, auf die Länge oder in den Hegau – oder an Föhntagen auch einfach beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster.
Landschaft durch die rosarote Brille
Natürlich kann man auch die Baarlandschaft durch die rosarote Brille des Spätromantikers betrachten. Kulturpessimisten – oder muss man sagen: Kulturrealisten? – leiden eher an dieser Landschaft, verzweifeln womöglich an deren fortschreitender Belastung und „Verhässlichung“. So wie z. B. der Künstler Paul Schwer mit seiner Installation (Home 2013), mit der er anlässlich der Heimattage Baden-Württemberg wohl ausdrücken wollte, dass es mit der Heimat heutzutage doch irgendwie den Bach runter geht: Heimat als an der Donaueschinger Schützenbrücke gestrandetes Treibgut!
Installation Schützenbrücke
Was mir die Anfreundung mit der Baar schon immer erschwert hat: Es gibt da für meinen Geschmack
viel zu viele Straßen mit viel zu wenigen Durchlässen und Übergängen (z. B. auch Grünbrücken fürs Wild), zuviel Zerschneidung und Zerstückelung also;
zuviel Zersiedelung, Versiegelung und Flächenfraß;
zuviel Monokultur, zuviel „Vermaisung“, zuviel Agrarindustrie mit zuviel Artenschwund;
aber auch zuviel Monokultur im bewaldeten Teil der Baar: viel zu viele Fichten und…
– …für mein Empfinden viel zu wenig Naturnähe in unserer so vielgepriesenen sog. naturnahen Waldwirtschaft;
und neuerdings am Horizont auftauchend: immer mehr Windräder, immer mehr großtechnische Dominanz.
Alles in allem für meinen Geschmack jedenfalls: viel Bildstörung, viel Verunstaltung, viel Verarmung in dieser uralten Kulturlandschaft!
Da hat sich mir im Verlauf meiner Villinger und Donaueschinger Jahre immer häufiger die Frage aufgedrängt: Wie viel Restnatur, wie viel Naturschönheit braucht es überhaupt noch, um sich hier wirklich wohlfühlen zu können? Man mag das, gemessen an anderen noch weitaus unattraktiveren Gegenden, als ein Luxusproblem betrachten – und doch steht für mich fest: Eine an Naturerlebnissen reiche und damit vergleichsweise intakte und attraktive Kulturlandschaft ist ein kostbares und leider zusehends knapper werdendes Gut. Das Staunen über die Schönheit der Natur ist ein „Wohlfühlfaktor“ – nicht nur eine Labsal für die Psyche, sondern letztendlich vielleicht sogar ein auch wirtschaftlich ins Gewicht fallender Standortfaktor (wirksam gegen rückläufige Bevölkerungszahlen beispielsweise). Kurzum: der Unterhölzer Wald ist mir da, na ja, auch zu einer Art Einbürgerungshilfe geworden und ein bisschen wohl auch zum Seelentröster!
Was die Schönheit dieses Waldes anbetrifft, so habe ich mich hier schon immer an einen in der Forstbranche unvergessenen Klassiker erinnert gefühlt: an den schlesischen Freiherrn Heinrich von Salisch, seines Zeichens deutschkonservativer Reichstagsabgeordneter und Verfasser des 1885 erschienenen Buchs Forstästhetik, in welchem er seine „Waldschönheitslehre“ (leider vergeblich) auch als Unterrichtsfach für Forststudenten (damals gab es noch keine Forststudentinnen) einzuführen bemüht war. Ihn als Gewährsmann zitiere ich in meinem Buch mit dem womöglich schon ein bisschen verstaubt klingenden Satz:
„Je schöner der Wald, desto mehr Liebe wird er finden, desto bereitwilliger werden die gesetzgebenden Körperschaften dem Walde reiche Mittel zuwenden und die Bevölkerung wird den Wald lieben und ehren.“
Schönheit, Ästhetik eines Waldes, gar des Wirtschaftswaldes: Kann das heute, im Zeitalter der hochmechanisierten Holzernte und der knallharten Betriebswirtschaft auch in den Forstbetrieben, überhaupt noch ein Kriterium sein? Für den Unterhölzer scheint mir das Zitat des Freiherrn von Salisch derzeit jedenfalls durchaus noch aktuell zu sein. Denn apropos „reiche Mittel gesetzgebender Körperschaften“: Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Baar, das gerade sein Zehnjähriges feiert, fließen insgesamt 8,6 Mio Euro (davon 75 % vom Bund, 20 % vom Land, 5 % von den Projektträgern, den Landkreisen) in unsere Region, in dieses „Drehkreuz der Wildtierkorridore von nationaler Bedeutung“ – nicht zuletzt also auch in dessen „Filetstück“, in den Unterhölzer Wald – natürlich nicht nur wegen seiner Schönheit, sondern mehr noch wegen seines enormen ökologischen Werts.
Hute-Eiche
Aufgrund seiner langen Geschichte als „Hutewald“ (in den die Bauern der Umgebung einst ihr Vieh getrieben haben, um überleben zu können), aber vor allem als Hofjagdgebiet, das bis 1918 dem Fürstenhaus als 500 ha großer eingezäunter „Thiergarten“ diente und seit 1939 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, hat sich etwas erhalten lassen, was hierzulande Seltenheitswert hat: Ein extensiv genutzter „Märchenwald“ aus uralten Eichen und Buchen. Damit auch ein einzigartiges Refugium für eine Vielfalt von Höhlenbrütern, holzbesiedelnden Pilzen und seltensten Flechtenarten, sogar von sog. „Urwaldreliktarten“ (Arten, die seit Urwaldzeiten nur in urwaldartigem Milieu überlebt haben können). Und für uns Baaremer obendrein ein Naherholungsgebiet, das Seinesgleichen sucht.
Märchenwald
Obwohl ich in meinem Buch auch manchen Zielkonflikt aufgegriffen habe, wollte ich mit ihm doch vor allem Freude am Natur- und Walderlebnis wecken! Dank Unterhölzer samt angrenzendem Birkenried und dem NSG Mittelmeß gibt es sie hier tatsächlich noch: die einst so vielgepriesene „herbe Schönheit“ der Baar. Sie gilt es, wie ich meine, in unserer urbanisierten, technisierten und digitalisierten Welt nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter zu vermitteln: Der Unterhölzer Wald: für mich ein liebenswertes Stück einer fast noch barocken, noch durch und durch analogen Primärwelt – ein Stück Lebensqualität!
Weshalbich meinem Buch auch ein Motto vorangestellt habe, das ich mir von John Muir ausgeliehen habe, einem der Begründer der US-amerikanischen Naturschutzbewegung und Vater der Nationalparkidee:
Wir alle brauchen nicht nur Brot, sondern auch Schönheit, Orte zum Spielen und Beten, wo die Natur uns heilen und aufmuntern kann und unserem Körper und unserer Seele gleichermaßen Kraft verleihen kann.
Dass Eichen und Buchen so alt werden durften und überlebt haben, dass der Unterhölzer Wald heute nicht überwiegend aus Fichten besteht, ist vor allem der Jagdpassion und damit natürlich auch dem Prestigebedürfnis der Fürsten zu Fürstenberg zu verdanken. In deren Ahnengalerie war Fürst Joseph Wenzel wohl der allerpassionierteste Jäger, denn er ließ nahezu gleichzeitig drei Jagdschlösser errichten: eines auf der Länge, eines im Tal von Bachzimmern und eines im Unterhölzer.
Davon ist das Längeschloss allerdings bereits 1840 wieder abgerissen worden: wie es heißt wegen Baufälligkeit und weil es zeitweilig auch als Lazarett für Cholerakranke gedient hatte, wohl auch weil die Länge als Hofjagdgebiet etwas zu abgelegen war. So kommt es, dass hier jetzt halt leider nur noch die Schlossallee daran erinnert.
Bachzimmern hat eine sehr viel bewegtere Geschichte, zumal hier ja auch das F.F. Eisenwerk stand. Weil die Klagen der Untertanen über enorme Wildschäden überhand genommen hatten, war 1781 das gesamte Rotwild der Baar und des Baarschwarzwalds mit Hilfe von 7560 zur Jagdfron verpflichteten Untertanen in den dortigen 2000 ha umfassenden „Großen Thiergarten“ getrieben worden. Doch 1810 musste das Gehege aus Kostengründen aufgegeben werden (die Pfosten fürs Gehege waren allzu rasch vermorscht und auch der Fütterungsaufwand war zu teuer geworden); 100 (!) lebend wieder eingefangene Hirsche wurden in den auf 500 ha erweiterten „Kleinen Thiergarten“ des Unterhölzers umgesiedelt. Nun erst begann hier die große Zeit, wo sich bald alljährlich der Hochadel zur Jagd einfand. Auch nach dem Ende des Geheges 1918, verursacht durch zurückflutende hungrige württembergische Truppen, trifft man sich hier noch zur Fuchsjagd und zur allsommerlichen Rufjagd auf den brunftigen Rehbock – das Streckelegen vor dem Donaueschinger Schloss war bis unlängst noch das gesellschaftliche Highlight des Jahres.
Hochadel
Natürlich stellt sich einem als Ruhestandsförster da auch die Frage: Naturschutzgebiet und Hofjagd – wie passt das eigentlich zusammen – bei einem auch heute noch enormen Bestand von Dam-, Reh- und Schwarzwild, unter dem massiv die Waldverjüngung leidet? Schon zu Tiergarten-Zeiten, also seit 1780 mit Jagdschloss (dem bescheiden sog. „Jägerhaus“), mit Torhäusern, schnurgeraden „Gestellen“ (Chausseen), mit einer prächtigen Kulisse aus parkartig erwachsenen Baumoriginalen und viel jagdlicher Prominenz, schon damals hatte sich der Wald schwergetan, hatten die Schäden durch Verbiss, damals auch noch durch das Rindenschälen und Fegen des Rotwilds dramatische Formen angenommen. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen genetischer Verarmung, wurde das Rotwild um die vorletzte Jahrhundertwende per Abschuss aus dem Gehege verbannt und stattdessen das Damwild umso mehr gehegt. Das feudale Jagdvergnügen hatte – und hat fraglos noch immer – einen hohen waldökologischen Preis. Auch durch noch so intensives Zufüttern des Wilds lässt sich keine nennenswerte Entlastung vom Verbissdruck erreichen.
In der ursprünglichen Schutzverordnung des NSG von 1939 war noch die Forderung enthalten, dass nach Maßgabe einer gemeinsam von der F.F. Forstverwaltung und der Naturschutzbehörde zu erstellenden Richtlinie nicht nur der „Naturwald“ zu erhalten sei (also auch für dessen Nachwuchs zu sorgen sei), sondern dass der vorwiegend aus Fichten bestehende „Wirtschaftswald“ in Mischwald umzubauen sei; diese Forderung ist 1969 in der erneuerten Schutzverordnung leider glatt unter den Tisch gefallen. Man hatte wohl beidseits (auf Seiten der Naturschutzbehörde wie des Eigentümers) kapituliert vor den Verbissschäden und den Verbissschutzkosten; womit den jagdlichen Interessen des Eigentümers eindeutig der Vorrang eingeräumt worden ist. Was seitdem der Besucher freilich als besonders reizvoll erlebt dank des lichten, parkartigen Charakters des Waldes (mit wenig Unterholz im Unterhölzer) und damit der Chance auf gelegentlichen Anblick von Wild; unterm Aspekt waldökologischer Nachhaltigkeit muss dieser Istzustand allerdings eher Besorgnis auslösen. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts wurde immerhin damit begonnen, zur Verjüngung der Eichen Kleinzäune zu errichten.
Unstrittig ist, dass die Erhaltung der alten Eichen und Buchen, des sog. „Naturwalds“, und die Verhinderung des noch rascheren Vordringens des Fichten-Wirtschaftswalds immer wieder auch den persönlichen Einsatz Seiner Durchlaucht erforderte. So geht es auch schon aus einem Bericht des F.F. Forstverwalters v. 6. 7. 1881 an die Domänenkammer hervor: Der Thiergarten ist z. Zt. ungefähr mit 2/3 Laubholz und bereits mit 1/3 Nadelholz bestockt. S. D. der Fürst haben das Verhältnis in jüngster Zeit bemerkt und uns beauftragt, der fürstlichen Domänenkanzlei zu berichten, dass mit dem Verjüngen der alten Laubholzbestände innerhalb des Thiergartens mit Nadelholz eingehalten werden solle, da sonst der Tiergarten den Charakter eines Wildparks verliere.
Es sollte in der Hofjagd eben auch weiterhin das von Alteichen und Altbuchen dominierte jagdliche Ambiente stimmen, so unverzichtbar ansonsten die um soviel profitablere Fichtenwirtschaft für die Haushaltslage des Fürstenhauses war und ist. Wobei sich freilich auch die Eichen im 19. Jahrhundert als Eisenbahnschwellen noch recht gut vermarkten ließen – und auch das sonstige Laubholz aus dem „Naturwald“ wird ja noch heute – zumindest extensiv – genutzt. Zumal Brennholz in Zeiten des Energiesparens und der explodierenden Kosten bekanntlich wieder sehr gesucht ist!
Der besondere Reiz des NSG Unterhölzer liegt nicht zuletzt auch im Nebeneinander von altem Laubmischwald und dem einst von den Pfohrenern abgetorften Niedermoor des Birkenrieds sowie dem Vogelparadies des Unterhölzer Weihers, dessen Aufstau zum Zweck der Fischerei bereits im Jahr 1499 erfolgt ist. Auch im Birkenried gedeihen extrem seltene Raritäten: so etwa das Eiszeitrelikt Strauchbirke oder die seltene Buschnelke. Hier kommt als größte Rarität der Blauschillernde Feuerfalter noch vor, aus der Vogelwelt das stark gefährdete Braunkehlchen (der Vogel des Jahres 2023) und das Schwarzkehlchen, sowie Korn- und Wiesenweihen. Ob es sich bei den Birken durchweg um die Moorbirke, den Baum des Jahres 2023, handelt, vermag ich leider nicht zu entscheiden. Denn selbst botanisch Beschlagenere tun sich schwer mit der Identifizierung je nach Behaarung der Blattunterseite, weil es überdies auch noch zur Bastardbildung zwischen Betula pendula und Betula pubscens kommt.
Hauptargument für die Kür der Moorbirke zum Baum des Jahres: Moore geraten derzeit ja auch immer mehr ins Zentrum des Klimaschutzes, weil sie in intaktem (d. h. vernässtem) Zustand mit Abstand das meiste Treibhausgas zu speichern vermögen. Weshalb 2014 ja auch eine Moorschutzkonzeption verkündet und mit reichlich Fördermitteln ausgestattet worden ist mit dem Hauptziel der Wiedervernässung trockengelegter Moore. Im Birkenried hat sich hierbei ein tüchtiger Helfershelfer eingefunden, der mithilfe seiner Dammbauten geradezu amphibische Landschaften zu schaffen in der Lage ist. So trägt der Biber nicht unwesentlich zum Kampf gegen die Klimaerwärmung „mit naturbasierten Mitteln“ bei. Er wird sich davon auch nicht durch die jüngsten Zuwanderer abhalten lassen, die hier erstmals nachgewiesenen Goldschakalfamilie. Auch der erste Wolf wurde ja 2016 am Unterhölzer gesichtet (daher „Drehkreuz“), damals noch freudig begrüßt durch Minister Hauk.
Klimaschutz
Dass auch der F.F. Wald als „CO2-Senke“ Klimaschutzleistungen erbringt, soll dem Waldbesucher mit einer orangefarbenen großen Acht gleich am Waldeingang in Erinnerung gebracht werden. Wer den QR-Code zu entschlüsseln vermag, der lernt, dass im Wald pro Jahr und Hektar mindestens 8 Tonnen des Treibhausgases gespeichert werden. Der Forstbetrieb Fürstenberg Forst GmbH ist damit erkennbar bemüht, auch die klimapolitische Leistung seines 18.000 ha großen Waldbesitzes gewinnbringend zu vermarkten, wie man erst kürzlich wieder in der Zeitung nachlesen konnte: Er scheint dabei allerdings nicht so sehr auf „naturbasierte Mittel“ zu setzen, also auf Wiedervernässung, Holzwachstum und Humusaufbau, sondern auf Technologie: Er plant neben den bereits bestehenden 6 Windrädern weitere 50(!)-WEA-Standorte in seinen Wäldern zu verpachten (bei einem Platzbedarf einer WEA von ca. 1 ha Wald sind das immerhin 56 WEA x 1 ha x 8 t = 446 t, die pro Jahr in der CO2-Senke Wald ungespeichert bleiben) – aber das wäre wieder ein anderes Vortragsthema.
Die Beiträge zur Energiewende und zum Klimaschutz waren sicher nicht primär der Auslöser für meine „Liebesbeziehung“. Eher war es wohl doch der Wildnischarakter – auch wenn die immer wieder geäußerte Ansicht der F.F. Förster wohl nicht ganz zutrifft, dass es sich beim Unterhölzer um die „Reste eines Urwalds“ aus der steinzeitlichen Eichenmischwaldzeit handeln müsse (als das Klima noch um einiges milder war als heute). Für mich ist es wohl vor allem der ästhetische Genuss, der mich immer wieder da hin zieht, der Anblick des Krummwüchsigen und Bizarren, im Frühjahr das frische Buchengrün, im Herbst die Verfärbung. Natürlich darf auch das Vogelkonzert nicht fehlen, das Hämmern und Kichern der Spechte oder der Geruch des Bärlauchs. Es ist die Gegenwelt zu unserem oft allzu grauen Alltag – wie geschaffen für unsere krisengebeutelte Gegenwartsgesellschaft!
Buchenschleimrüblinge
Nichts kennzeichnet den echten Urwald, aber auch die sich selbst überlassene Naturwaldzelle, das Waldreservat, eindeutiger, nichts taugt als Gradmesser für Naturnähe besser als die Fülle der Pilze an Strünken und Stämmen: In nichts unterscheiden sich reife (d. h. alte, unverkürzte) Waldökosysteme augenfälliger vom kurzlebigen Wirtschaftswald als in ihrer Pilzflora. Im „Naturwald“-Teil des Unterhölzers hat die über Jahrhunderte hinweg praktizierte nur extensive Nutzung der alten Buchen und Eichen dazu geführt, dass die Vielfalt baumbesiedelnder/holzabbauender Pilze und das Vorkommen echter Raritäten in Deutschlands Südwestecke ihresgleichen sucht. Wo sonst bekommt man sie noch zu Gesicht, die Stachelbärte, Schüpplinge, Rüblinge, Porlinge, Stäublinge, Mürblinge, Schwindlinge, deren botanisch korrekte Zuordnung mykologische Spezialkenntnisse erfordert. Ihr Kommen und Verschwinden je nach Baumart, Alter und Zerfallsgrad des Holzes, gar ihr unterirdisches Mykorrhiza-Geflecht – ein wahres Mysterium! Auch wenn manches an dem angeblichen Kommunikationssystem von Baum zu Baum über die Pilzfäden, auf Neudeutsch: dem „Wood Wide Web“, wohl allzu enthusiastisch interpretiert worden ist (s. Peter Wohlleben), wie kürzlich DER SPIEGEL unter der Überschrift „Hirngespinst unter dem Waldboden“ berichtet hat – unter Hinweis auf kanadische und US-amerikanische Forschungsergebnisse. Doch es bleibt ein Wunder: Wie konnten all die Pilzarten überhaupt überleben in unseren Kulturlandschaften mit den immer fragmentierteren (verinselteren) und auf Wirtschaftlichkeit getrimmten Wäldern?
Am häufigsten und am auffälligsten besiedeln die Zunderschwämme die Buchenstrünke, einst gesuchter Rohstoff der Zundelmacher, gelaugt und gewalkt nach streng gehüteten Verfahrensweisen, sodann schier universell verwendbar von Mützen (die sogar als Mittel gegen Kopfschmerz empfohlen wurden) über die Bekleidung, als Unterlage bei chirurgischen Bandagen bis zum Künstlerbedarf. In Todtnau gab es im 19. Jahrhundert sogar noch eine florierende Zunderindustrie (die die Schwämme allerdings bald aus den Balkanländern einführen musste). Nach Auskunft der Badischen Gewerbezeitung soll 1874 ein so gewaltiger Naturschwamm verarbeitet worden sein, dass daraus ein Talar für den Freiburger Erzbischof angefertigt werden konnte, nahtlos aus einem Stück!
Zunderschwämme
Die Pferdehuf-ähnlichen, knochenharten, oft Jahrzehnte alten Fruchtkörper mit ihrem stets horizontalen Wachstum, ob am stehenden oder liegenden Holz, ernähren Dutzende von Schwammkäferarten. In einer einzigen Vegetationsperiode wurden im Zuge des Naturschutzgroßprojekts Baar 165 „xylobionte“ (holzbewohnende) Käferarten im Unterhölzer nachgewiesen, darunter acht, die hohen Gefährdungsstufen der Roten Liste und den echten Urwaldreliktarten zugerechnet werden. Definitionsgemäß kommen diese nur eben dort noch vor, wo seit der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung eine ungebrochene Lebensraumtradition anzunehmen ist, mit vielfältigen Strukturen und einem reichhaltigen Inventar von alten Bäumen, von Mulmhöhlen, von starkem stehenden und liegenden Totholz – Verhältnissen also, wie sie sonst allenfalls in Urwäldern noch anzutreffen sind.
Eine zentrale Rolle für den Nährstoffkreislauf wie für die Artenvielfalt kommt bekanntlich auch den Spechten zu: einmal beim Zerkleinern von Totholz, zum andern durch die Spechthöhlen und deren Nachmieter, ob Fledermäuse, Baummarder, Bilche, Hummeln, Wildbienen, Spinnen, Asseln, Würmer und sonstige Mulmbewohner. Zehn Fledermausarten wurden im Unterhölzer nachgewiesen, darunter die hochgradig vom Aussterben bedrohte Bechstein- und die Mopsfledermaus. Laubwälder mit hohem Alt- und Totholzanteil gelten als unersetzlicher Lebensraum für insgesamt 6.800 Tier- und 1.600 Pilzarten! Kein Wunder, dass sogar im Koalitionsvertrag der Ampel gefordert wird, alte Buchenwälder, soweit sie sich in öffentlichem Eigentum befinden, aus der Bewirtschaftung zu entlassen und zu schützen im Zuge der nationalen Biodiversitätsstrategie um den Artenschwund zu stoppen. Weltweit sollen sogar 30 % Schutzgebiete entstehen, so war ja kürzlich jedenfalls der Beschluss der Weltnaturschutzkonferenz in Montreal.
Eine weitere Besonderheit des Unterhölzers ist das Vorkommen von Wildobst, von Malus silvestris, dem Wild- oder Holzapfel, und Pirus pyraster, der Wild- oder Holzbirne. Beide Arten kommen auf der Baar noch vergleichsweise reinrassig vor, während kontinentweit sonst Hybridformen überwiegen. Das Fehlen konkurrierender Kultursorten scheint sich hier für den Artenerhalt geradezu als Glücksfall erwiesen zu haben. Weil Wildobst keine Kreuzungsbarrieren kennt und in den heutigen Kulturlandschaften extrem selten geworden ist, wurde die Wildbirne 1998, der Wildapfel 2013 jeweils zum Baum des Jahres gekürt, um die in Ihrer Existenz stark gefährdeten Baumarten wieder einmal ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
Einer, der das mit den fehlenden Kultursorten auf der Baar unbedingt ändern wollte, war der im Immendinger Schloss residierende Baron in fürstenbergischen Diensten Friedrich Roth von Schreckenstein, 1805 der Gründer des ältesten deutschen Geschichtsvereins, ein leidenschaftlicher Pomologe. In seinem ersten Vortrag vor dem Verein empfahl er eine Auswahl von 60 Obstsorten für die raue Baar – womit er freilich kläglich gescheitert ist, wie wir heute wissen – sehr zum Vorteil des Wildobstes. Dass es im Unterhölzer einst dem Wild zuliebe auch angepflanzt oder doch gefördert worden ist, liegt auf der Hand. Denn vor allem mit den kleinen Birnchen lassen sich Reh- und Damwild zielgenau herbeilocken (in der Jägersprache: „ankirren“). Die Wildapfelbäume auf der Königswiese inmitten des Unterhölzers zeugen noch heute von diesen Bemühungen, desgleichen eine Wildbirne in Schussweite vom Jagdschlösschen entfernt.
Damwild
Zu den auf der Baar natürlich vorkommenden Baumarten zählt zweifellos auch die Fichte, die als Nordländerin einst freilich vor allem die Moorränder besiedelt und erst ab dem Mittelalter dann mächtig zugelegt hat dank menschlicher Nachhilfe. Speziell in den F.F. Wäldern war die so profitable Fichte bald allgegenwärtig, so sehr, dass das Kürzel F.F. unter spöttischen Forstkollegen bald für Fichte Fichte stand (nach der uralten Försterweisheit Willst Du deinen Wald vernichten, pflanze Fichten nichts als Fichten). Von dieser Vorliebe sollte auch der Unterhölzer nicht ganz verschont bleiben, wie aus der Vogelperspektive leicht zu erkennen ist.
Kadaververjüngung der Fichte
Fichten im Vormarsch
Eine Spezialität der Fichte fällt einem im Unterhölzer besonders oft ins Auge: Ihre Fähigkeit zur „Kadaververjüngung“ (so der Försterslang), also sich auf dem Moder- oder Totholz abgängiger Buchen und Eichen anzusiedeln. Was bei starker Vergrasung und bei hohem Verbissdruck eine durchaus erfolgreiche Strategie sein kann, mit der die Fichte auch gern ganz von allein den Laubwald unterwandert.
Ein Unterschied bei der Fichtenwirtschaft innerhalb und außerhalb des Naturschutzgebiets ist nicht auszumachen (Großmaschineneinsatz, Maschinengassen alle 20 m). Die spannende Frage ist heute, wie lange die so flachwurzelnde, borkenkäfergefährdete Fichte im Trockenstress des Klimawandels durchhalten wird, ob nicht der „Brotbaum“ bereits dabei ist, sich zum „Katastrophenbaum“ zu verwandeln.
Weil aber mit Laubholz nun einmal nicht viel zu verdienen ist, kam F.F. auf die Idee, unter seinen Eichen und Buchen einen Friedwald anzulegen (wobei man ja bereits auf Erfahrungen mit etlichen weiteren Friedwäldern zurückgreifen konnte): Urnenbestattung im Wald als Wertschöpfung ganz ohne Notwendigkeit, im NSG Holz ernten und vermarkten zu müssen – eine wahre Win-win-Strategie! Allerdings scheiterte der Plan, wie es hieß, am Widerstand der örtlichen Geistlichkeit. Die Ersatzlösung: ein Tierfriedhof. Der fand dann sogar die Zustimmung der oberen Naturschutzbehörde.
Damit komme ich zum Schluss unseres bebilderten Ausflugs in den Unterhölzer zum Tag des Waldes: Schon im Vorwort meines 1978 im Auftrag des Stuttgarter Forstministers erschienenen Erstlings, des Bildtextbands Begegnung mit Bäumen, hatte ich als Gewährsmann für mein Anliegen den Baseler Biologen, Zoologen, Anthropologen und Naturphilosophen Adolf PORTMANN (1897 – 1982) zitiert. Dessen Botschaft will mir heute aktueller denn je erscheinen, weshalb ich sie auch ans Ende meines Unterhölzer-Buchs gesetzt habe und jetzt auch meinen Vortrag damit beenden möchte. Nehmen Sie das Zitat als Wort zum Tag des Waldes:
Unsere Welt wird in steigendem Maß beherrscht durch das von uns Erfundene, durch den Apparat. Der Rausch des Machens, des Apparateherstellens – auch der Zwang dazu wächst ständig. So wird denn – aber zu wenig beachtet – immer bedeutungsvoller die Aufgabe der Kompensation: Es gilt, den Blick auf das nicht von uns Geschaffene zu richten, auf das Entstandene, auf das Geheimnis der Schöpfung, das mit der wissenschaftlichen Einsicht nicht geringer, sondern größer wird. Es ist von größter Bedeutung, dass die ursprünglichen Quellen reich fließen, dass das unmittelbare Leben mit Menschen und Naturgestalten, mit Natureindrücken nicht von einer Scheinwelt verdrängt werde.
in letzter Zeit gings rund im Vogelhaus, kann ich Ihnen sagen. Das Eichhörnchen ist ja nichts Neues, aber, wieso schaut es so aus dem Haus hinaus? Ich will Sie nicht auf die Folter spannen, unten lief eine Katze über die Terasse und die fressen auch Eichhörnchen. Aber, es ist nichts passiert zwischen Katze und Eichhörnchen.
Dann sah ihn Anita zuerst am 26. April, ja was denn? Der absolute Hammer für mich, ein Baummarder, der als menschenscheu im Wald lebend beschrieben wird. Als Jägerstochter hat sie es gleich erkannt. In meiner Kindheit war es ein Traum, einen zu Gesicht zu bekommen, jetzt, Jahrzehnte später geht der Traum in Erfüllung. Geduld ist manchmal angesagt im Leben. Wieso Baum- und nicht Steinmarder? Der Baummarder hat eine gelbliche Kehle, eine dunkle Schnauze und größere Ohren mit weißer Umrandung.
Tage vor dem 26. April bemerkte ich, dass der obere Spannring nach unter verschoben war, und dachte, wer könnte das wohl sein. Die Frage war, wie kommt er da hoch. Vom Blumenkübel springt er rein ohne Probleme.
Dann gab es ein Spiel, was muß ich ändern, dass er es nicht mehr schafft. Denn der haute sich die Hucke voll, mindestens zehn Minuten blieb er drin. Also Blumenkübel weggestellt, ohne Erfolg, er sprang vom Torbogen aufs Futterhausdach und drehte sich mühevoll ins Haus. Als nächste Maßnahme wurde das Vogelhaus 50 cm vom Torbogen weg versetzt. Da das alles tagsüber passierte, konnte wir herrlich beobachten, wie er über eine halbe Minute versuchte, vom Torbogen zu springen, er ließ es bleiben. Er fand aber eine Lösung, er sprang von der Stuhllehne hinein.
Dann versetze ich das Haus noch einmal und vergrößerte den Abstand der Gartenmöbel. Ich kann Ihnen sagen, er war total frustriert, dass er nicht mehr an die Futterquelle kam. Ich ahnte aber, dass er bald unser zweites Vogelfutterhaus finden würde, wo er locker von Boden reinspringt.
Hier wie da ist er sehr zutraulich, man kann bis auf zwei Meter an ihn heran. Dieses Spiel läuft seit über drei Wochen. Dass Marder Körner fressen, ist normal, habe ich in der Zwischenzeit mitbekommen. Dass er so einen Kohldampf schiebt, kann ich mir nur erklären, weil er eine sie ist, die ihren Nachwuchs säugen muss. Sie sieht ehrlich gesagt so mitgenommen aus, wie Fuchsmütter im Mai/Juni, wenn sie leergesäugt werden.
Mich hat interessiert, ob von meinen whatsapp Kontakten jemand so etwas schon erlebt hat, es kam keine Rückmeldung von den etwa 300 Statuslesern. Allerdings in der weiteren Nachbarschaft bei Familie Zimmermann zeigte er/sie sich am 12. April in ihrem Vogelfutterhaus. Damals sah sie noch besser aus.
Was ich auch nicht wußte, dass Marder herrliche Männchen machen können. Bild rechts ließ jemand befürchten, dass er im Vogelhaus gefangen sei.
Ich bin hocherfreut und dankbar, dass ich diese Geschichte erleben durfte und mein Baummardertraum in Erfüllung ging. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, falls Sie auch ein solches Erlebnis hatten.
„You must shoot him in the mouth1“ – was für eine martialischer Tipp! Er hat sich mir offenbar unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt als Pointe eines der denkwürdigsten Erlebnisse einer Alaska-Reise im Frühsommer 1980. Dabei handelte sich keineswegs um den Ausspruch eines Waffenverrückten, sondern um den gutgemeinten Rat einer Einheimischen. Die Frau hatte uns, zwei Rucksacktouristen aus Germany, auf der Straße vom Flughafen der Insel zur Stadt Kodiak aufgelesen und in ihrem staubigen Pickup ein Stück weit mitgenommen. Als wir ihr von unserem Plan erzählten, die Insel erwandern zu wollen, übergab sie uns – zu unserer grenzenlosen Verblüffung – einen Revolver mitsamt Munition. Nicht einmal unsere Pässe wollte sie dafür einbehalten, so locker waren hier die Waffengesetze. Kodiak-Island sei nun einmal Bärenland, warnte sie uns, und das Wandern nicht ungefährlich, zumal wenn man dabei versehentlich eine Bärin mit Nachwuchs überraschen sollte. Wie kaltblütig muss einer sein, um ihr im Angriffsfall ins Maul zu zielen und abzudrücken?
Fast wie der Grizzly im Empfangsgebäude des Flughafens der Insel Kodiak, Alaska, (doch das Foto stammt aus den F.F.Sammlungen in Donaueschingen)
Grizzlybären sind allgegenwärtig auf Kodiak-Island: Schon bei der Ankunft werden Flugreisende von einem ausgestopften, gut dreieinhalb Meter hohen, drohend aufgerichteten Exemplar mit Riesenpranken empfangen, ist man doch stolz darauf, die größten Braunbären der Welt zu beheimaten.
Doch auch zuvor schon hatten wir auf unserer Reise mit Meister Petz Bekanntschaft gemacht. Leibhaftig freilich nur aus der Cessna-Vogelperspektive oder aus dem sicheren gelben Shuttle-Bus des Denali-Nationalparks heraus. Umso eindringlicher wurde in den Campgrounds von den Rangern gewarnt, wo die Bären doch eben jetzt, hungrig nach langem Winterschlaf, Jagd auf Elchkälber machten. Danger – recent bear activities, hieß es allenthalben auf Plakaten. Proviantvorräte solle man beim Zelten tunlichst außerhalb auf Bäumen unterbringen, und auch auf Parfüm würden Bären ansprechen. Was uns allerdings nicht daran gehindert hat, unser Zeltchen (erlaubtermaßen) auch fernab von Campingplätzen aufzuschlagen – etwa am wahrhaft wundervollen Wonder Lake mit Blick auf den vergletscherten Denali, den mit 6190 Metern höchsten Berg Nordamerikas, der damals offiziell noch Mount Mc-Kinley heißen durfte.
Doch nun auf Kodiak-Island waren wir obendrein auch noch für den Notwehrfall gewappnet. Und so bewegten wir uns wie Trapper durch unübersichtlichsten Weidengestrüpp, dabei folgsam laut plappernd und klappernd mit dem lose an den Rucksäcken befestigten Kochgeschirr. Weshalb sich kein Grizzly blicken ließ – geschweige denn, dass wir von der uns so großmütig überlassenen Schusswaffe hätten Gebrauch machen müssen. Die lieferten wir dankend wieder ab nach unserer Tour, und weil uns derweil ein Landregen aufgeweicht hatte, durften wir bei unserer Gönnerin auch noch Anoraks und Schlafsäcke trocknen lassen.
Was nicht alles in einem wieder hochsteigt, ausgelöst von der gegenwärtigen Bärendiskussion! Die Aufregung um den tragischen Fall des im Trentino von einer Bärin getöteten Joggers dürfte den großen Beutegreifern insgesamt, ob Luchs, Wolf oder Bär, erst recht deren Wiederansiedlungsprojekten einen Bärendienst geleistet haben. Kein Wunder, dass die öffentliche Debatte um die Konflikte mit diesen Spätheimkehrern immer hysterischere Formen annimmt. Bär und Wolf sind zum Politikum geworden.
Ob es wohl ein bisschen auch an meinem Vornamen liegt? Böser Wolf, niedlicher Petz: Bären haben mich von Kindheit an mehr fasziniert als Wölfe, beginnend mit dem Teddy Butz, der nacheinander von fünf Geschwistern so geliebt und zerknautscht worden war, dass er schließlich nicht einmal mehr brummen mochte, so heftig man auch seinen Bauch bearbeitete. Gefolgt von Old Shatterhands Bärentöter in meinen Indianerjahren und von erwachendem natur- und heimatkundlichem Interesse („Gab ́s denn im Bärental jemals Bären? Wann sind sie vollends ausgerottet worden im Schwarzwald?“), später dann die Fachexkursionen in die verbliebenen Bärenländer des Kontinents, in die Karpaten und in den Balkan. Wie lebte es sich in Slowenien zusammen mit allen drei großen Beutegreiferarten, und wie sind deren Auswirkungen auf Wald und Landwirtschaft? Was mögen die Städter in Siebenbürgen empfinden, wenn abends Bären die Mülltonnen kontrollieren und Wölfe am Stadtrand entlang patrouillieren?
Besonders denkwürdig aber dann der Sommer 2006, nicht nur wegen des „deutschen Sommermärchens“ anlässlich der Fußballweltmeisterschaft, mehr noch dank des Medienechos auf das Auftauchen von Bär „Bruno“ (mit wissenschaftlicher Bezeichnung JJ1) an der bayerisch-tirolerischen Grenze – 170 Jahre nachdem der letzte Bär in Deutschland erlegt worden war. Zunächst vom bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf noch willkommen geheißen, wurde er von Ministerpräsident Edmund Stoiber alsbald zum „Problembären“ abgestempelt, nachdem er sich an etlichen Schafen, an Bienenständen und an einem Hühnerstall ausgetobt hatte. Am 24. Juni, nach wochenlangen vergeblichen Bemühungen (selbst von eigens eingeflogenen finnischen Bärenexperten mit ihren Hunden), ihn zu stellen und lebend einzufangen, wurde er endgültig zum Abschuss freigegeben und zwei Tage später schließlich auf der Kümpflalm erlegt. Seither befindet sich Bruno ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur. „Problembär“ ist in der deutschen Umgangssprache derweil zum geflügelten Schimpfwort geworden.
IURKA, Brunos Mutter, im „Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald“
Erfolgreich eingefangen wurde wenig später Brunos Mutter IURKA ihrer Problembären-Gene wegen; sie verbringt ihren Lebensabend im „Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald“ nahe Bad Rippoldsau. Bei meinem Besuch im Jahr 2014 erschien sie mir recht apathisch, wie sie lustlos hinter einem Baum hockte und an der Rinde herumknabberte – traumatisiert?
Eigentlich gilt Bayern als „Bärenerwartungsland“, auch einen Managementplan hatte man erstellt, denn gespürt wurden Bären auch nach Brunos schmählichem Ende immer wieder einmal in der Grenzeregion zu Tirol. Damit sie gefahrlos die Autobahn überqueren können, ist da und dort sogar eine Wildtierbrücke für ihre Wanderungen von Slowenien nach Norden errichtet worden. Und dass es im Trentino, wohin man unlängst noch ein paar slowenische Bären zur Reproduktion der letzten dortigen Exemplare verschickt hatte, allmählich eng wird für die Population, war auch vor dem tödlichen Unfall bereits ein Thema. Diesen soll Brunos Schwester JJ4 verursacht haben, die wie ihre Mutter und ihr Bruder auch zuvor schon auffällig geworden sind.
Gefahrlose Autobahn-Überquerung für wandernde Bären in den Julischen Alpen
Seit April 2023 ist nun erneut der Bär wieder los in Oberbayern. Im Werdenfelser Land, auf einem beliebten Wanderweg zwischen Mittenwald und Hotel Schloss Elmau, zwischen Lauter- und Ferchensee, tappte einer in eine Fotofalle. Und weil gerade Landtagswahlkampf herrscht, trifft sich die Spitze von CSU und Freien Wählern mit den empörten Almbauern. Denn da waren ja auch schon wieder zwei Schafkadaver, wobei einstweilen noch unklar bleibt, wer sie gerissen hat, Bär oder Wolf. „Auf ihn mit Gebrüll“, überschrieb die Süddeutsche Zeitung (am 4. 5. 2023) ihren ganzseitigen Bericht über die aktuelle Stimmungslage. Zugunsten der Almwirtschaft sollen beide schon beim ersten Übergriff auf Nutztiere zu Problemwölfen bzw. Problembären erklärt und „entnommen“ werden, mögen sie nach deutschem und Brüsseler Naturschutzrecht noch so streng geschützt sein. Mit Angst lässt sich Politik machen, zumal in Wahlkampfzeiten. Flugs zimmerte die bayerische Staatsregierung eine neue Wolfsverordnung, die den Abschuss von auffälligen Wölfen erleichtern soll. Dagegen läuft bereits eine Normenkontrollklage des Naturschutzbundes.
Was für ein Segen, dass im Schwarzwald nicht auch noch mit Bären-Migranten zu rechnen ist. Die erwartete Rudelbildung der Wölfe schafft Feindbilder genug. Mag Lebensgefahr durch Wölfe (wenn schon nicht durch Bären) noch so unwahrscheinlich sein: sie wird bereits heftig beschworen. Seine Tochter wage es nicht mehr, allein durch den Wald zu joggen, klagte schon vor ein paar Jahren ein gestandener Schwarzwälder Höhenlandwirt anlässlich einer höchst turbulent verlaufenden Informationsveranstaltung zum Thema Wolf. Unterdessen wird fleißig plakatiert in der touristischen Vorzeigelandschaft. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Nutztierhalter: Ängste in der Bevölkerung sind fehl am Platz, doch sie lassen sich bekanntlich auch künstlich erzeugen. Rotkäppchen lässt grüßen – der allerletzte Schwarzwaldbär soll ja bereits anno 1740 in den Wäldern um Wolfach erlegt worden sein. Belassen wir es einstweilen beim dortigen Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald.
Auf allen ÖPNV-Strecken des Schwarzwald-Baar-Kreises wird kein Fahrschein benötigt. Alle Regional- und Stadtbusse sowie der Ringzug, die Schwarzwaldbahn und die Breisgau-S-Bahn sind innerhalb des Schwarzwald-Baar-Kreises an diesem Tag kostenlos nutzbar.
Egal wie man in den Wald hinein ruft und wie es auch wieder heraus schallt: Es sind vorwiegend Hiobsbotschaften, die sich derzeit förmlich zu überschlagen scheinen. Der jüngste Waldzustandsbericht des Landes, gefertigt von der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA, vermeldet den schüttersten Benadelungs- und Belaubungszustand der Bäume seit 1985 – seit dem Horror der Waldsterbensjahre. Vier von fünf Bäumen sind krank, verkündete auch für die Bundesregierung Minister Cem Özdemir – pünktlich zum Frühlingsanfang, dem Internationalen Tag des Waldes 2023. Längst zirkuliert in den Medien der Begriff „Waldsterben 2.0“, als wären die „neuartigen Waldschäden“ nicht schon vor zwei Jahrzehnten von der grünen Umweltministerin Renate Künast (ausgerechnet im „Jahrhundertsommer 2003“) für beendet erklärt worden. Hatte man damals nicht der Automobilindustrie den Katalysator abgetrotzt und mit der Großfeuerungsanlagenverordnung die Entschwefelung vorangetrieben? Jetzt aber sollte sich das Jahr 2022 als das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen herausstellen, als Rekordjahr einer ganzen Serie von trockenheißen Sommern; sie allesamt haben nicht nur dem Wald zugesetzt, sondern wohl auch die letzten Zweifler überzeugt von der Realität des Klimawandels.
Im Wald herrschen seither geradezu superoptimale Voraussetzungen für die Massenvermehrung von Waldschädlingen, insbesondere der Fichtenborkenkäfer. Doch selbst die als vergleichsweise klimahart geltende Weißtanne leidet zunehmend unterm Trockenstress und unter den Angriffen von Tannenborkenkäfern, die zuvor kaum jemals mit forstwirtschaftlich fühlbaren Auswirkungen in Erscheinung getreten waren.
Dürre- und Borkenkäferschäden sogar bei den Weißtannen
Noch schlimmer steht es um die Esche, die „bereits dem Untergang geweiht“ ist, wie der Schwarzwälder Bote zum Jahresausklang 2022 seinen Bericht über die Pressemitteilung des Stuttgarter Forstministeriums zum Thema Eschentriebsterben überschrieben hat. Verursacher der Krankheit ist diesmal freilich nicht der Klimawandel, sondern die Globalisierung: ein aus Fernost eingeschleppter Pilz mit dem so possierlich klingenden Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen. Ebenfalls durch einen aggressiven Pilz, der in anderen Bundesländern bereits zum Absterben ganzer Bestände geführt habe, sei die als trockenheitstolerant geltende und als Ersatzbaumart für die so anfällige Fichte ausersehene Douglasie bedroht, so wird der Forstminister zitiert.
Wahrlich düstere Aussichten also, auch für den zu 45 % seiner Fläche bewaldeten Quellenlandkreis mit seinem hohen Fichtenanteil. Immerhin blieb man hier bisher, anders als nach den „Jahrhundertorkanen“ kurz vor der Jahrtausendwende, von größeren Schadensflächen verschont, wie sie derzeit vor allem in der Vorbergzone und im Hotzenwald beklagt werden, erst recht im Sauerland oder im Harz. Freilich zeichnet sich auch im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Regenschatten des Schwarzwalds, bereits ab, dass angesichts der Häufung von Dürreperioden der Wasserhaushalt zum eigentlichen Engpass wird – nicht nur für den Wald. Umso vordringlicher wird der Waldumbau mit dem Ziel widerstandsfähigerer Mischwälder, also auch unter Beteiligung von winterkahlen Baumarten wie der Buche zur besseren Nutzung der Winterniederschläge. Allemal muss die Wasseraufnahme- und die Wasserrückhaltefähigkeit verbessert werden. Dann taugen die Wälder auch verlässlicher als CO2-Speicher, denn wann immer es zu flächigen Dürre-, Sturm- und Käferschäden, gar zu Waldbränden kommt, verkehrt sich ihre Kohlenstoff-Bilanz ins krasse Gegenteil, werden klimaschädliche Gase emittiert statt gespeichert.
Der Name Baar, heißt es, stamme aus dem Keltischen und bedeute nichts anderes als „Sumpf- und Quellenland“. Weil intakte (sprich: unentwässerte) Moore noch weitaus mehr Kohlendioxid zu speichern vermögen als die Wälder, stehen Moorschutzprogramme neuerdings umso mehr im Zentrum des (naturgebundenen) Klimaschutzes. Die Wiedervernässung trockengelegter Hoch- oder Niedermoore, nicht zuletzt auch die Wiederherstellung all der „Waldmöser“ des Baarschwarzwalds, die in den zurückliegenden zwei Jahrhunderten mit ausgedehnten Grabensystemen entwässert („melioriert“) worden waren, könnte daher alsbald zum neuen Pflichtprogramm der Forstwirtschaft werden. Zur Einstimmung in die Thematik ist schon einmal die Moorbirke zum „Baum des Jahres 2023“ gekürt worden. Als Helfershelfer bei den Wiedervernässungsvorhaben macht sich derweil vielerorts ein Neubürger verdient: der Biber mit seinen Dammbauten.
Klimaschutz durch Wiedervernässung der Moore
Erfolgreicher Waldumbau setzt „angepasste“ Wildbestände voraus. Um die Frage abzuklären, inwieweit eine konsequente Regulierung des Reh- und Rotwildbestands dazu beiträgt, die zukünftigen Wälder vielfältiger und widerstandsfähiger („resilienter“) zu machen, haben die beiden großen Waldbesitzer des Landkreises, die Stadt Villingen-Schwenningen und der Fürst zu Fürstenberg, an einem bundesweiten Forschungsprojekt (dem BioWild-Projekt 2015-2021) teilgenommen. Dessen Ergebnisse sind am 25. April 2023 im Villinger Theater am Ring der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Nun soll das Projekt mit fünfjähriger Laufzeit bis 2027 fortgesetzt werden. Dass man auch im Schwarzwald-Baar-Kreis noch vielerorts weit davon entfernt ist, den Wildbestand so zu bejagen, wie es jagdgesetzlich gefordert wird und wie es aufwändigen Verbissschutz erübrigen soll, um die heimischen Hauptbaumarten einzubringen, das zeigen die vielen Plastikwuchshüllen, die allenthalben den Wald verunzieren: Manchenorts ähneln Kulturflächen inzwischen Soldatenfriedhöfen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.
Waldumbau mit Plastikschutzhüllen
Dass neuerdings auch die großen Beutegreifer wieder mitmischen im Ökosystem Wald, ist ein Thema mit besonderem Sprengstoff, zumal wenn (wie im bayerischen Wahlkampf) sogar der Bär wieder mit ins Spiel gebracht wird. Dessen Rückkehr ist bei uns zwar rundweg auszuschließen, nachdem der Letzte seiner Art im Kreisgebiet ja bereits 1565 (im Krumpenloch bei Hammereisenbach) erlegt worden ist. Umso heftiger wird im Schwarzwald über die erwartete Rudelbildung der einwanderten Wölfe diskutiert – nicht nur unter den Nutztierhaltern, sondern auch unter überbesorgten Normalbürgern, die beim Waldspaziergang um Leib und Leben bangen. Der Tod des Joggers im italienischen Trentino hat die Raubtiere allesamt wieder stärker ins Gespräch gebracht, wobei die Mehrheit der Bevölkerung einer jüngsten Umfrage zufolge ihre Wiederkehr noch immer begrüßt. Das Schicksal Brunos, das behördlich angeordnete Ende des „Problembären“ anno 2006 auf der bayerischen Kümpflalm, dürfte auch im Schwarzwald unvergessen bleiben – zumal, wann immer sich ein Landespolitiker öffentlichkeitswirksam für den Abschuss von „Problemwölfen“ einsetzt.
Zu allem hin hatte im Oktober 2022 das Stuttgarter Umweltministerium in einer Pressemitteilung eine Aufsehen erregende „Uraufführung“ gemeldet: Erstmals in Deutschland hatte eine Wildkamera im Kreisgebiet (am Unterhölzer Wald) ein Goldschakal-Paar mit Welpen dokumentiert. Jetzt also offensichtlich auch noch Zuwanderer aus Südost (Balkan, Vorderer Orient), von denen bislang noch kaum jemand Notiz genommen hatte. War ihr plötzliches Auftauchen etwa schon auf den Klimawandel zurückzuführen – und würden aus den ariden Zonen des Planeten nächstens womöglich auch Hyänen und Gazellen einwandern? Kein Wunder, dass derweil der Unmut unter den Schwarzwälder Viehhaltern wächst – auch wenn nennenswerte Schäden durch den Goldschakal aufgrund seiner eher bescheidenen Größe (zwischen Fuchs und Wolf) sowie seiner Vorliebe für Kleintiere und Vegetarisches wohl auszuschließen sind.
Plakatierung im Wald
Goldschakal (Foto FVA)
Umso überraschender kam für die Öffentlichkeit ein Startschuss, den Forstminister Peter Hauk am 3. März 2023 im Stuttgarter Waldhaus gab: „Heute startet das Projekt Luchs in Baden-Württemberg zur Stützung der baden-württembergischen und mitteleuropäischen Luchspopulation“, so steht es schwarz auf weiß als Überschrift über der Pressemitteilung Nr. 75/2023 des MLR. Die Notwendigkeit einer Bestandesstützung wird damit begründet, dass die seit Jahrzehnten immer wieder zuwandernden und heimisch gewordenen (männlichen) Luchskuder nach Ansicht der Experten keinerlei Chancen haben, sich hierzulande auch fortzupflanzen. Denn weibliche Luchse, ob aus dem benachbarten Schweizer Jura oder aus dem Pfälzer Wald, haben sich als weitaus weniger wanderfreudig erwiesen, sodass menschliche Nachhilfe unumgänglich ist, wenn die mitteleuropäische Metapopulation sich stabilisieren soll; die zentral gelegenen Trittsteine Baden-Württembergs seien hierfür unverzichtbar. Lang genug hatte man die Devise ausgegeben, es solle abgewartet werden bis die Luchsinnen von allein einwandern.
Der Luchs – für Tourismusregionen ein erhoffter Sympathie- und Werbeträger also, der schon seit Jahrzehnten auf leisen Pfoten durch den Schwarzwald wie durch die Medien geistert. Das Projekt war bereits 2021 im grün-schwarzen Koalitionsvertrag angekündigt worden, dem Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg: „Wir werden in enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Akteuren“, heißt es da, „die Chancen für die Rückkehr des Luchses durch ein Programm zur Bestandsstützung verbessern.“ Mit „betroffenen Akteuren“ gemeint sind vorneweg Jäger und Bauern (nebst den Naturschutzverbänden), die das Ministerium für den ländlichen Raum (MLR) bereits seit 2004 an einen runden Tisch einlädt: zur Arbeitsgruppe AG Luchs, geleitet durch die Freiburger Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt und die dortigen Spezialisten des Instituts für Wildökologie, denen das Wildtiermanagement wie auch das Luchs-Monitoring obliegt.
Erstmals war das Thema Luchs 1986 im Schwarzwald-Baar-Kreis aufgekommen: Weil durch den Kernkraft-GAU von Tschernobyl auch hier das Wildbret verstrahlt war, musste befürchtet werden, dass bei nachlassender Bejagung die Verbissschäden im Wald überhand nehmen könnten. Sollten daher nicht vielleicht doch die natürlichen Regulatoren von Pflanzenfresserbeständen, der Winter (durch Einstellung der Fütterung) und der Fressfeind Luchs, reaktiviert werden? Nachdem sich das zuständige Stuttgarter Ministerium in Beantwortung einer Kleinen Anfrage (des SPD-Abgeordneten Redling aus Mönchweiler) überraschend positiv zu diesem Lösungsansatz geäußert hatte, wurde in einer Hütte im Staatswalddistrikt Mailänder, assistiert von Luchsexperten aus der Schweiz, aus Frankreich und aus Bayern, ein Luchs-Wiederansiedlungsprojekt ausgeheckt. Dieses trug man sodann der Vorstandschaft des Landesjagdverbands vor, die mehrheitlich ihre Zustimmung signalisierte.
Es darf als besondere Pointe jener Initiative festgehalten werden, dass exakt vor hundert Jahren ebenfalls hier, im nämlichen Hintervillinger Wald, der allerletzte Luchs des Landes erlegt worden war, wie einer Meldung der Schwarzwälder Zeitungvom 20. Dezember 1922 zu entnehmen ist:
Villingen, 19. Dez. Bei einem kürzlichen Treibjagen wurde auf Gemarkung Kappel ein Luchs weiblichen Geschlechts geschossen. Das in Deutschland jetzt nur noch äußerst selten vorkommende Raubtier hatte eine Gesamtlänge vom Kopf bis zu Schwanzspitze von 1,30 Meter, es war also ein ganz respektables Tier. Pächter der Jagd auf Gemarkung Kappel ist Herr Jean Weis-Königsfeld, der somit auch Eigentümer des erlegten Raubtiers ist. – Der letzte Luchs wurde im Harz im Jahre 1817 geschossen, in der Schweiz 1873.
Gut Ding braucht Weile, und es sollten noch über drei Jahrzehnte heftigen Gezänks mit Jägern und Landwirten vergehen, ehe das Projekt nun doch noch (in abgespeckter Form) gestartet werden konnte. Im Zeichen des weltweiten Artenschwunds und der Klimakrise ist damit ein positives Signal gesetzt worden.
Besenderung eines Luchses (Foto: FVA)
In Krisenzeiten wächst die Wertschätzung des Waldes als Ort der Erholung, der Erhaltung physischer und psychischer Gesundheit: Coronapandemie, die Schreckenberichte aus Putins Krieg, die Drohungen mit nuklearen Schlägen wie auch alle weiteren Zumutungen und Überforderungen der Gegenwart haben offenbar wieder mehr Menschen Ablenkung und Trost in der grünen Waldnatur suchen lassen. Zufolge einer neuen Sinus-Studie, in welcher u. a. nach der „Lieblingsbeschäftigung regelmäßiger Waldgänger*innen“ gefragt worden war, wurden zwei Motive mit Abstand am häufigsten angekreuzt: 81 % Spazieren/Wandern gehen und 49 % Die Natur genießen, „Waldbaden“ – fürwahr ein starkes Votum für die „Erholungs- und Sozialfunktion“ des Waldes! Weshalb denn auch der „Tag des Waldes 2023“ unter dem Motto „Wälder und Gesundheit“ stand.
Zugleich sollen die Wälder nun aber auch – so will es der Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg – für die Energiewende stärker in Anspruch genommen werden: Nicht nur zur nachhaltigen Lieferung von CO2-neutralem Brennholz, von Hackschnitzeln und Pellets, sondern insbesondere auch als Standort von Windenergieanlagen. Eintausend Windräder soll allein der Staatswald des Landes verkraften – für Waldfreunde mitunter eine verstörende Aussicht, eher Hiobs- als Frohbotschaft. So bleibt zu hoffen, dass es auch in Zukunft gelingen möge, all den neuen Anforderungen an den Wald leidlich gerecht zu werden.
der Zusammenprall von Kleinvögel mit Scheiben endet nicht immer tödlich, Gott sei Dank. Durch den Zusammenstoß ist oft das Gehirn betroffen, was sich in einer Benommenheit zeigt.
Diese Tannenmeise war leider betroffen am 5. April 2023 um 10.30 Uhr, einem kalten und klaren Frühlingstag. Sie hat sich mit der Zeit sehr gefreut, dass ich sie in meine wärmende Hand nahm. Sie schien es richtig zu genießen. Nach drei Minuten konnte ich sie auf den Holzstoß setzen, von wo sie weiterfliegen konnte.
Bei der Tannenmeise ist die Situation auch so wie zum Beispiel bei der Elster, dass man das Auge wegen der pechschwarzen Farbe schwer sehen kann. Das wirkt eigenartig. Auf diesen Bildern sind die schönen Äuglein aber prima zu sehen.
Freuen Sie sich mit über die Rettung dieser Tannenmeise.
vor kurzem hatte Monika Gauger aus Löffingen diese Bilder im Status und wollte wissen, wer sie erklären könne. Auf den Ameisenhaufen eine Vielzahl von Ameisenanhäufungen, sie verstehen, was ich meine. Ich hatte eine Vermutung, weil ich aber so etwas in der Dimension noch nie gesehen hatte, gab ich die Frage an Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt weiter. Er schickte mir die Homepageadresse https://waldameisen.blog/fruehlingserwachen/
Dort heißt es: Das Frühlingserwachen der Waldameisen beginnt mit einem Sonnenbad auf dem Nest. Zunächst werden die Arbeiterinnen aus den erwärmten oberen Etagen des Nestes aktiv. Sie krabbeln auf das Nest und tanken dicht aneinandergedrängt Sonnenenergie. Danach kriechen sie zurück in den Ameisenbau und geben die aufgenommene Energie des Sonnenlichts als Wärme an die Arbeiterinnen weiter unten im Nest ab. Sie wirken also wie „Wärmeflaschen“. Neue Arbeiterinnen aus den tieferen Schichten wandern an die Nestoberfläche und baden ebenfalls in der Sonne und die Anhäufungen werden immer größer. Dieses Sonnenbaden kann je nach Standort des Ameisenhügels von März bis April beobachtet werden. Ich habe den Eindruck, dass dieses kalte Frühjahr mit wenig Sonne die Ameisen besonders zum Sonnenbaden animiert, wenn sie denn einmal scheint. Hammermässig finde ich die zahlreichen Ameisenknäuel. Übrigens, mit zunehmender Wärme im Nest entwickeln sich aus den Wintereiern die geflügelten Geschlechtstiere, junge Königinnen und Männchen. Auch diese können mit etwas Glück für kurze Zeit auf dem Nest beobachtet werden, bevor sie sich auf den Hochzeitsflug begeben.
Wissen Sie, wie Waldameisen durch den Winter kommen? Sie gehören als Insekten zu den wechselwarmen Tieren. Den Winter verbringen sie in einer Art Winterstarre. Dass sie im Winter nicht erfrieren, verdanken die Waldameisen ihrem hügelförmigen Nestbau. Die kontinuierliche Zersetzung des Nestmaterials setzt auch während des Winters genügend Wärme frei und bewirkt, dass die Nestbewohnerinnen den Winter überleben. Ja, wie so üblich, die Naturgesetze sind sensationell. Jetzt genießen Sie die einmaligen Bilder und Frau Monika Gauger, ihr vielen Dank dafür.
Moos genießt gemeinhin die ungeteilte Sympathie der Waldbesucher – denn was wäre schon ein Wald ohne seine schwellenden Moospolster! Zumal bemooste Stammverhaue gehören zu den unverzichtbaren Requisiten naturnaher Wälder, allemal der Schluchtwälder. Und auch die unterm Moosbehang halberstickten Nadelbäumchen am Bachufer passen ja wohl mit dazu; niemand käme auf die Idee, es könnte sich bei ihrem Darben um ein morbides Symptom der Klimakrise handeln. Wo wir uns die Konfrontation mit dieser Zeiterscheinung auf unserer Schluchtwanderung doch ohnehin möglichst ersparen wollten.
Moosbehang im Schluchtwald an der Gauchach
Freilich wurde ich (schon vor über einem Jahrzehnt am Rande einer waldkundlichen Vortragsveranstaltung in Baiersbronn) auch auf eine ganz andere, ja offensichtlich bedrohliche „Vermoosung“ von jungen Tannen- und Fichten aufmerksam gemacht. Ein bäuerlicher Waldbesitzer hatte mich bestürmt, ich müsse unbedingt noch einen Blick in seinen Wald werfen, wo es neuerdings zu gravierenden Umweltschäden gekommen sei. Und tatsächlich: in seinem Waldstück in einem Seitental der Murg zeigte sich die junge Tannengeneration unterm Schirm des Altbestands gespensterhaft bemoost. Fast kam ich mir vor, als befände ich mich im Regenwald an der amerikanischen Westküste – was war hier los?
Gespensterwald
Da und dort war der Jungwald offenbar bereits erstickt und zusammengebrochen, sodass der Hilferuf des Waldeigentümers umso verständlicher erschien. Ein Übermaß an Luftfeuchte und Niederschlag durfte hier ja wohl nicht als Ursache in Frage kommen, war doch der „Jahrhundertsommer 2003“ mit seinen Rekordtemperaturen noch in lebhafter Erinnerung – jenes denkwürdige Jahr, in dem die grüne Umweltministerin Renate Künast das Waldsterben endgültig für beendet erklärt hatte. Oder waren am plötzlichen Mooswachstum nicht vielleicht doch auch wieder Stoffeinträge verantwortlich, etwa die Stickstoffdusche aus Landwirtschaft und Verkehr, die am Humus zehrte? Grund genug also, das Rätsel mit der Kamera festzuhalten und dem Waldbesitzer zu versichern, man werde sich schlau machen bei den Experten der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA. Erst einmal solle er doch seinen Wald per Holzhieb ein bisschen durchlüften, so lautete meine Empfehlung zum Abschluss des Begangs.
Waldbauliches Desaster
Leider habe ich nicht Wort gehalten: das Rätsel blieb ungelöst. Denn in der Folge hatten andere Waldthemen die Oberhand gewonnen: Borkenkäfer- und Dürreschäden (selbst an der vermeintlich klimaharten Weißtanne) und Waldbrände bislang unbekannten Ausmaßes, auch katastrophale Starkniederschläge und zu allem hin eine sich zunehmend verschärfende Diskussion um eine zeitgemäßere Prioritätenliste der vom Wald zu erbringenden Leistungen in den Zeiten des galoppierenden Klimawandels.
Da meldete sich kürzlich unverhofft ein befreundeter Forstkollege i. R. aus dem mittleren Schwarzwald, der berichtete, die Elztäler Tannenjugend leide unter zunehmendem Moosbewuchs. Da müsse doch wohl die Wissenschaft alarmiert werden, um die Ursachen des spektakulären Vorgangs zu erforschen und nach Abhilfemaßnahmen zu fahnden. Für mich Grund genug jedenfalls, mich des Baiersbronner Waldbesuchs zu erinnern und mich eilends im heimischen Wald auf der Baar umzusehen. Am besten ja wohl da, wo in jüngerer Zeit keine forstwirtschaftlichen Eingriffe mehr erfolgt waren: im tannenreichen Bannwald „Haldenwald“ östlich der A 81 auf Gemarkung Tuningen. Hatte sich auch auf den nährstoffreichen Tonlehmstandorten des Braunjuras etwas verändert, wo das Waldwachstum Höchstleistungen zu erbringen verspricht? Und siehe da, auch hier ist in den Dickungen die Zunahme des Moosbewuchses nicht zu übersehen. Könnte es sein, dass das durch die Trockenheit stark gedrosselte Wachstum der zurückliegenden Jahre den Moosbehang der Zweige gefördert hat, nicht anders als massierter Flechtenbewuchs am absterbenden Holz? Derweil zeigen sich die 200jährigen Alttannen in einem Ausmaß vom Tannenborkenkäfer befallen, wie es die Forstentomologen wohl noch kaum jemals beschrieben haben. Denn selbst den Tannen, den Tiefwurzlern unter den Nadelbäumen, dürfte es nach den Jahren der Trockenheit nicht mehr gelungen sein, Wasser aus den steinhart verbackenen Braunjura- Tonlehmen in die Kronen hoch zu pumpen.
Moosiger Bannwald
Bannwälder haben vorrangig der Forschung zu dienen, und so finden sich unterdessen auch im Haldenwald allerlei Markierungen von Beobachtungs- und Kontrollpunkten. Wenn überhaupt irgendwo, so müssten sich aktuelle Veränderungen der Vegetation und des Baumwachstums in den Waldschutzgebieten des Landes bemerkbar machen und dokumentiert werden. Ob da demnächst wohl auch was an die nichtforstliche Öffentlichkeit dringen wird?