Haushaltsrede 2026 von der SPD-Fraktion

von Kerstin Skodell, Fraktionsvorsitzende SPD Fraktion Hüfingen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Haas, liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns keine gute Zeit.“

Diese Liedzeile beschreibt die weltpolitische Lage treffend: Kriege, Krisen, Unsicherheiten allüberall. Trotz wirtschaftlicher Eintrübungen sollen wir als Kommunen gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verlässlichkeit sichern. Das ist eine gewaltige Herausforderung – auch für Hüfingen.

Der Gesamtergebnishaushalt für 2026 weist ein Minus von -0,189 Mio. € aus 

Die Gründe dafür sind klar erkennbar:

  • Erhöhung der allgemeinen Kreisumlage um rund 1 Mio. €
  • Steigende Personalausgaben um 0,4 Mio. €
  • Wachsende Sach- und Dienstleistungsaufwendungen um 0,2 Mio. €

Diese Zahlen zeigen: Wir müssen handeln – nicht später, sondern jetzt!

Der Haushalt 2026 hat bewusst ein niedriges Investitionsvolumen, welches sich im Finanzhaushalt abbildet: 4,183 Mio. € für Investitionen sind geplant. Das ist für unsere Größe immer noch viel. Deutlich mehr als sich andere Städte leisten können.

Gerade in finanziell engen Zeiten gilt: Jeder Euro braucht eine Richtung.
Und wir haben ihn auf Zukunft gesetzt.

Schwerpunkte der SPD Fraktion im Haushalt 2026

Sozialraumplanung

Wir brauchen starke Strukturen für Soziales, Bildung und Gesundheit.
Es ist „fünf vor zwölf“, um die Daseinsvorsorge für Jung und Alt zu sichern.
Hier werden wir gemeinsam bewusst investieren – das ist endlich wieder ein richtiges Zeichen. Die SPD-Fraktion hat dies schon seit Jahren angemahnt. 

Anbau Feuerwehrhaus

Das größte Projekt 2026 – und absolut notwendig zur Gewährleistung unserer Sicherheit ist der Anbau des Feuerwehrhauses mit Schulungsräumen und Ausstattung nach den neusten Standards. Wichtig sei hier zu betonen, dass die Größe der Schulungsräume so geplant wurden, dass auch die Allgemeinheit einen nutzen davon hat. 

Auch deswegen steht die SPD ohne Wenn und Aber hinter diesem Projekt.

Personal & Verwaltung

Die Personalausgaben steigen – ja.
Aber eine leistungsfähige Verwaltung ist Grundlage für funktionierende Stadtpolitik.

Deswegen priorisieren wir:
1.Prüfung von Strukturen
2.Effizienzsteigerungen
3.moderne Personalentwicklung

Wir halten fest: Hüfingen bleibt handlungsfähig.

Die liquiden Mittel der Stadt sollen zum 31.12.2026 bei ca. 2,3Mio. € liegen. Das lassen wir mal so stehen. Wir wissen aber aus der Vergangenheit, dass diese Vorrausage sich in der Regel zum positiven ändern wird.
Wir erfüllen weiterhin die Vorgaben zur Mindestliquidität – ein wichtiges Signal der Stabilität. Natürlich nicht mehr so stabil wie in den letzten Jahrzehnten. Doch, die Stadt Hüfingen ist schuldenfrei und braucht keine Kreditaufnahme.

Hüfingen steht im Vergleich zu vielen anderen Kommunen noch gut da.
Damit das so bleibt, braucht es:

  • Mut statt Angst
  • Zusammenarbeit statt Blockade
  • Verantwortung statt Ideologie

Wir lassen uns nicht von Krisen beugen, sondern nutzen unsere Chancen für die Zukunft.

Wir – die SPD-Fraktion – stimmen diesem Haushalt zu.
Weil er realistisch ist.
Weil er zukunftsorientiert ist.
Weil er die sozialdemokratische Grundidee trägt: Eine Stadt für alle Menschen.

Zum Abschluss möchte ich noch eines besonders betonen:

Bei aller Herausforderung, die dieser Haushalt mit sich bringt – Hüfingen ist und bleibt eine starke, lebenswerte Stadt, weil viele Bürgerinnen und Bürger das Ehrenamt leben. Aber auch Menschen die tagtäglich für die Stadt arbeiten, mit Herzblut. Mit Kompetenz. Mit Verantwortung für unsere Gemeinschaft.

Unser ausdrücklicher Dank gilt daher

  • unserem Bürgermeister Patrik Haas,
    der Hüfingen mit ruhiger Hand und klarer Orientierung durch bewegte Zeiten führt,
  • unserem Kämmerer Michael Binninger,
    der mit großem Einsatz und Sorgfalt einen tragfähigen Haushalt möglich gemacht hat,
  • Stadtbaumeister Thilo Mayer,
    der unsere Stadt in ihrer Entwicklung sicher nach vorn begleitet,

und natürlich

  • allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, des Bauhofs, und aller weiteren Einrichtungen.

Ohne ihren täglichen Beitrag, ihre Expertise und ihre Bereitschaft, oft mehr zu leisten, als man sieht, wäre Hüfingen nicht die Stadt, auf die wir so stolz sein dürfen.

Lassen Sie uns deshalb gerade in dieser Weihnachtszeit das Gemeinsame vor das Trennende stellen. Nutzen wir die Chancen, die vor uns liegen – im Vertrauen darauf, dass wir gemeinsam mehr erreichen.

Wir – die SPD-Fraktion – sagen ganz bewusst:
Wir gehen diesen Weg mit.
Für ein solidarisches, modernes und zukunftsstarkes Hüfingen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Fraktionsvorsitzende SPD Fraktion Hüfingen

Kerstin Skodell

Flu(o)rschaden

Es liegt unter Normalbedingungen in Form des zweiatomigen Moleküls F2 gasförmig vor und ist das reaktivste aller Elemente. (Fluor – Wikipedia)

Wann immer ich vom Element Fluor und seinen brisanten Verbindungen lese, werde ich an meinen Start als Villinger Forstamtsleiter erinnert. Damals, im Sommer 1980 und noch in den Tagen der Amtsübernahme, besuchte ich gemeinsam mit meinem in den Ruhestand verabschiedeten Vorgänger das Tuninger Blähtonwerk, genauer: den unmittelbar daran angrenzenden Haldenwald. Denn dort waren ihm in den zurückliegenden Wochen kupferrot benadelte Tannen aufgefallen. Die Aufklärung dieses Phänomens wollte er mir doch ganz besonders noch ans Herz gelegt haben. Weshalb ich in der Folge zwei forstpathologische Gutachten einholte, die beide zum nämlichen Ergebnis kamen: Es handele sich eindeutig um Nahimmissionsschäden, verursacht durch Fluor, wie es beim extremen Erhitzen von Opalinuston zur Herstellung der als Dämmstoff verwendeten Blähtonkügelchen entweicht.

Die Liapor-Werksleitung reagierte erstaunlich rasch, wo doch in jenen Jahren das Thema Waldsterben zu rumoren begann; und „der Druck der Straße“ sollte alsbald dafür sorgen, dass der Automobilindustrie der Katalysator aufgenötigt und bundesweit eine neue Großfeuerungsanlagenverordnung durchgesetzt wurde. Im Blähtonwerk wurde nun eine Entschwefelungsanlage installiert, und die Beheizung des Drehrohrofens erfolgte fortan mit Abgas aus der Tuninger Kreismülldeponie. Womit es offenbar auch gelang, die Fluor-Emissionen zu verringern und die Schädigung der Tannen rundum zu stoppen – eine umweltpolitische Erfolgsgeschichte.

Das Element Fluor geriet dennoch nicht aus den Schlagzeilen. Denn nun rückte, in weit größerem Ausmaß, eine andere Bedrohung in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: das Schwinden der Ozonschicht in der Stratosphäre durch langlebige chlor- und bromhaltige Verbindungen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Um diesem dramatischen Vorgang entgegenzuwirken, wurde im Jahr 1987 das Montrealer Protokoll unterzeichnet, das danach in Europa durch verschiedene Verordnungen auch umgesetzt wurde. FCKW in den Kühlschränken war fortan jedenfalls tabu. Und o Wunder! – am 16. September 2025 konnte per Tagesschau endlich wieder einmal eine Erfolgsmeldung in den globalen Umweltschutzbemühungen verkündet werden: Das Ozonloch, durch welches mehr hautschädliche UV-Strahlung auf die Erde gelangt, war geschrumpft; es sei inzwischen „so klein wie lange nicht mehr“!

Das Liapor-Unternehmen im Tuninger Wald hatte bereits im Frühjahr 2012 sein Blähtonwerk schließen müssen, begründet schon damals mit rasant gestiegenen Energiepreisen. Auch habe in der Bau-Branche die Mehrschichtbauweise dem Blähton als Dämmstoff den Rang abgelaufen, sodass der Absatz der Kügelchen eingebrochen war. Seither rostet das Werk nun still vor sich hin – als hätten Bau- und die Betriebsgenehmigung in den 1960er Jahren nicht auch schon den Abriss des Werks und die Rekultivierung nach Stilllegung und Beendigung des Tonabbaus vorgesehen haben müssen. 

2012 stillgelegtes und vor sich hin rostendes Liaporwerk im Tuninger Wald
2012 stillgelegtes und vor sich hin rostendes Liaporwerk im Tuninger Wald

Eine Zeitlang hoffte die Gemeinde, dass das riesige Areal einschließlich der Tonabbaufläche Standort einer Justizvollzugsanstalt werden könnte, doch die Gefängnisidee zerschlug sich bald wieder. Inzwischen ist eine Recyclinganlage im Gespräch – doch ob die dann die rostige Ruine wohl vollends abräumen wird?

Die Probleme mit dem chemischen Element Fluor scheinen unterdessen mächtig eskaliert zu sein: Neuerdings bereitet insbesondere das extrem klimaschädlichen Gas Schwefelhexafluorid (SF6) die größten Sorgen: Ein einziges Kilogramm davon, so stellt es DER SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe (vom 5.12.2025 unter der Überschrift Wolke von Bad Wimpfen) dar, heize die Atmosphäre im Verlauf von 100 Jahren ungefähr so stark auf wie 24 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Seit Jahren schon war die Bad Wimpfener Chemiefabrik Solvay in der Kritik, weil sie allzu viel der so gefährlichen „Ewigkeitschemikalie“ Trifluoressigsäure in den Neckar einleitete. Zugleich entströmten Unmengen eines Gases, das zu den klimaschädlichsten Stoffen gehört, die die Menschheit jemals hergestellt hat. Das grüngeführte Umweltministerium wisse davon, unternehme aber offenbar wenig. SF6 werde seit Jahrzehnten weltweit in technischen Schaltanlagen verwendet, etwa in Windkraftanlagen oder bei der Produktion von Mikrochips für Computer. Früher sei das Gas sogar bei der Herstellung von Schallschutzfenstern und von Polstern für Sportschuhe eingesetzt worden. 

Kein Wunder, dass das Umweltministerium nun plötzlich doch, wie die Tagespresse vom 10.12.2025 berichtet, eine drastische Reduzierung des Gasausstoßes verlangt und sofortigen Vollzug angeordnet hat – wogegen das Werk freilich bereits Klage einreichte.

Wehe dem also, was bei der Produktion von Pflanzenschutzmitteln, aber etwa auch beim Recyceln alter Joggingschuhe, von Schallschutzfenstern wie von abbruchreifen Windrädern alles in die Atmosphäre gelangen kann! Ob sich das im Tuninger Haldenwald von der Gemeinde so herbeigesehnte Recyclingunternehmen wohl auch schon mit der SPIEGEL-Botschaft vertraut gemacht hat? Die Waldstandorte auf Opalinuston gelten als besonders wüchsig und ertragreich; überdies speichert der Wald hier reichlicher CO2 (geschätzte 10 Tonnen pro Jahr und Hektar) als anderwärts. Doch was taugt das noch als Argument in Nachbarschaft eines Recyclingunternehmens, in dessen Betrieb womöglich ein Treibhausgas entweicht, das 24.000 mal klimaschädlicher ist als CO2? Fluor – was für ein Teufelszeug bei all seinem industriellen Nutzen!

Bild von Bäumen mit Farn
CO2-Speicherung im Tuninger Haldenwald

Astverwachsungen

Liebe Bürgerpostleser, 

mein Forstexperte Reinhold Mayer antwortete zu den Bilder kurz: „Noch nie gesehen“. Mir ging es genauso, und wer so etwas schon gesehen hat, darf sich gerne melden. Die Bilder erhielt ich von Karl Wild aus Sindelfingen. Er hat sie am Nikolaustag 2025 in 71106 Magstadt im Gemarkungswald aufgenommen, der Verbindungsast verläuft zwischen zwei Buchen. Das verdient gleich einen Oberhammer genannt zu werden. Sofort fragte ich ihn, ob ich dazu etwas schreiben darf, „ja klar, ich würde mich freuen, wenn andere auch an dem schönen Naturwunder teilhaben könnten“. Übrigens, Karl Wild nahm am 7. November 2025 am Naturwundervortrag in der Bürgerhalle Hausen vor Wald teil, er war der mit der größten Anreiseentfernung. Was sagt man dazu? Den zweitlängsten Weg hatte mein elsäßischer Freund Damian Baltenwek aus Ottmarsheim. Bei ihm waren es fünf Kilometer weniger.

Wikipedia hat mir weitergeholfen. Den Prozeß nennt man „Inosculation“. Das ist ein natürliches Phänomen, bei dem Stämme, Äste oder Wurzeln zweier Bäume zusammenwachsen und zwar auf eine biologisch ähnliche Weise, wie beim künstlichen Veredeln. Die Äste wachsen zunächst getrennt voneinander, aber in der Nähe zueinander, bis sie sich berühren. Dabei wird die Rinde an den Berührungsflächen durch die Bewegung der Bäume im Wind allmählich abgerieben. Sobald sich das Kambium zweier Bäume berührt, verwachsen sie sich manchmal selbst und wachsen beim Dickenwachstum zusammen. Das Kambium ist – kurz erklärt – die dünne Wachstumsschicht bei Pflanzen und damit auch bei Bäumen, die zwischen dem Holz und der Rinde liegt und aus sich aktiv teilenden Zellen besteht. Dadurch wächst der Baum in die Dicke, indem es innen neues Holz und außen neuen Bast bildet. Diese Zellteilung ist für das sekundäre Dickenwachstum verantwortlich und führt zur Bildung der jährlichen Jahresringe. Beinhart finde ich das. So kann also aus zwei Ästen ein Ast entstehen. Man kann wiederum nur stauen. Bei Buchen käme das öfters vor, weil die Rindenschicht relativ dünn ist. 

Solche Bäume werden umgangssprachlich oft als „Ehepaarbäume“ oder „Hochzeitsbäume“ bezeichnet. Was sagt man zum Bild oben? Es ist von Rebecca Herbert. Der englische Text dazu lautet übersetzt, „der dünnere Baum wurde vor Jahren abgesägt und der dicke hält ihn und gibt ihm seither Nahrung. Sie wachen zusammen auf im Frühling und sie gehen schlafen im Herbst“. Eine herrliche Beschreibung eines grandiosen Bildes. Das Bild unten ist nochmal was Besonderes. Es zeigt die Verwachsung zweier verschiedener Arten, nämlich einer Buche und einer Eiche. Das käme viel seltener vor als bei gleichen Arten. Der Hammer ist, ich brauchte nur an den Rand des Kohlwalds gehen, um das Bild heute machen zu können. 

Eine Frage habe ich noch, wird der Verbindungsast sich in zehn Jahren noch in der gleichen Höhe befinden wie jetzt? Ich bin gespannt auf Eure Antworten. 

Zum Schluß herzlichen Dank an Karl Wild für die Bildüberlassung und die Beitragsermöglichung. Ich bin gespannt, ob wir so etwas auch noch live sehen dürfen.

Warzenbeißer ist das Insekt des Jahres 2026

Die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main gab dies bekannt. Sie erklärte, der bis zu vier Zentimeter große Warzenbeißer stehe exemplarisch für die bedrohte Insektenvielfalt in halbtrockenen Wiesenlandschaften.

Warzenbeißer Foto: Thomas Kring
Warzenbeißer
Foto: Thomas Kring

Seinen Namen verdankt der Warzenbeißer einem alten Volksglauben. Man war überzeugt, dass der kräftige Biss und der „scharfe Saft“ des Insekts Warzen heilen könnten. Auch der Lebenszyklus des Warzenbeißers ist spannend. Die Weibchen legen im Spätsommer und Herbst 200 bis 300 Eier im Boden ab, manche überdauern dort bis zu sieben Jahre. Schlüpfen dann diese „Spätzünder“, brauchen die Larven viel Wärme und Sonne, um zu überleben. Auch wenn die Jungtiere sich in hoher Vegetation vor Fraßfeinden verstecken, ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch. Erwachsene Tiere sind von Juni bis Oktober aktiv, am häufigsten im August. Neben pflanzlicher Nahrung sind sie vor allem räuberisch und jagen andere Insekten. Obwohl Decticus verrucivorus flugfähig ist, bewegen sich die tagaktiven Tiere vor allem mit kräftigen Sprüngen. Mehr Infos beim Nabu: Warzenbeißer

Der Klausentag – Früher und jetzt

Hieronymus Kapitel 9

“So sprechen die Kinder und drücken sich schnell,
Da zeigt sich vor ihnen ein alter Gesell.
Nur stille Kind! Kinderlein, stille!”
Goethe

Über den „Klausenstag“, Gebete, Prüfungen, Geschenke und den Beelzebub.

Unser Bildchen führt uns wieder zurück ins gewöhnliche Geleise der Lebensgeschichte. – Es ist St.-Nikolaus-Tag; und Hieronymus gedenkt gerne der harmlosen Kinderzeit, wo er nicht anders wußte und glaubte, als der wohlwollende Heilige komme schon einige Nächte vor seinem Namens- und Bescherungstag vom Himmel auf die Erde herab, um vor den Hütten und Höfen zu lauschen, ob die Kinder folgsam und fleißig seien, um darnach seine Gaben einrichten und bemessen zu können.

Damals, als Kind, betete Hieronymus gewiß schon einige Wochen vorher jeden Abend drüben im Hof mit seinem Gespänlein Florentina. Sie saßen dabei auf der Staffel am Hinterofen bei der Großmutter, die jetzt nun auch schon dies Plätzlein längst mit einem viel engeren an der Kirchhofmauer vertauscht hatte. Und wie die Kinder ein Vaterunser beendet, so wurde es gewissenhaft auf dem „Klausenhölzle“ eingekerbt, oder ins selbstgefertigte Büchlein mit Rötel, oder zuweilen auch mit dem Löffelstiel strichweise eingetragen; und diese Dokumente kindlicher Frömmigkeit legten sie dann am Vorabend auf den Teller, welcher über Nacht mit der ersehnten Bescherung sich füllen sollte.

Bevor dies geschah, hatten die Kleinen jedesmal noch ein strenges Examen zu bestehen. – Es schellte draußen in der finsteren Hausöhre, die Stubentür ging auf – einige Apfel und Nüsse rollten herein, und der Santiklaus in höchst eigener Person erschien als Bischof gekleidet, ein Lichtlein auf der Mütze; hinter ihm seine Ministranten – und etwas weiter rückwärts – noch einer, den die Kinder aber lieber nicht gesehen hätten -, der Heilige spricht:

„Ich komm vom hohen Himmel herab,
Will schauen, ob ich fleißige Kinder hab;
Sind sie brav, gehören sie mein,
Sind sie bös, so laß ich den Belzebub herein.“

Nun begann die Prüfung, und wehe dem Unwissenden und Faulen, der sein Sprüchlein aus dem Katechismus nicht geläufig hersagen konnte, denn der gefürchtete Belznikel war jeden Augenblick bereit, einzutreten und seine Strafgewalt auszuüben – nicht selten in einer Manier, daß den armen Kleinen dabei Hören und Sehen verging. Dieses letztere Ämtlein hatte immer der älteste Knecht auf dem Hof dort bekleidet, während Bruder Cyriak gar schön den heiligen Nikolaus vorzustellen wußte.

Hieronymus erinnerte sich noch oft, wie er in kindlicher Einfalt die Mutter einst fragte: warum denn der Santiklaus den Kindern des armen Hansjörg auch gar nichts gebracht habe, sie hätten ja doch ebenso fleißig gebetet wie er und Florentina? – Eine Frage, welche die gute Anastasia fast in Verlegenheit gesetzt hätte.

War er auch längst den Kinderschuhen entwachsen, so wollten die Eltern dem herkömmlichen Brauch doch nicht ganz entsagen. Auch jetzt noch wurde der Sohn jedesmal mit einer Gabe erfreut – allerdings nur solche Dinge brachte der Klaus, welche ohnehin hätten angeschafft werden müssen.

Diesmal aber brachte der betreffende Dezembermorgen etwas Außergewöhnliches: eine schöne Farbenschachtel mit diversen Haarpinseln – ein längst gehegter Herzenswunsch des Sohnes. Vater Mathias hatte das kostbare Material vom Klausenmarkt in Furtwangen mitgebracht. Aber nicht zu bloßem Zeitvertreib sollte es dienen, es sollte und konnte ein hübsches Stück Geld damit verdient werden.

Die Familie hatte Unglück gehabt. Vorigen Herbst war sie um ihre Kuh gekommen, die, verbläht von der Weide heimgetrieben, mit knapper Not noch geschlachtet werden konnte. Kein geringer Verlust! – Das Jahr vorher hatte der Vater auf Bitten eines jüngeren, in der Baar verheirateten Bruders, der in zurückgekommenen Verhältnissen lebte, eine Bürgschaft von über hundert Gulden übernommen. Dem Bruder brannte das Haus ab – und Mathias mußte – nach dem alten Satz: den Bürgen muß man würgen – die Summe aus dem eigenen Beutel erlegen. – Bald darauf erkrankte er selbst und konnte über vier Wochen das Bett nicht verlassen.

So war eins aufs andere gekommen, und Mathias war genötigt, sich nach Nebenverdiensten umzusehen. Die herrschaftliche Forstei hatte zur Zeit ein Quantum Holz im Wald zu machen und ins Tal herabzuschaffen ausgeschrieben. Mathias mit andern übernahm die Hälfte davon, d. h. Hieronymus, der indessen ziemlich kräftig geworden, sollte die Arbeit für seinen Teil verrichten. Es war kein Leichtes, zumal der Winter sich frühe und strenge eingestellt. Jeden Morgen vor Tagesanbruch ging’s hinaus in den Wald, spät abends kamen sie heim. Die Genossen unseres Hieronymus waren der Hansjörg und seine drei Söhne. Dieser Mann, der früher mit Erzgraben am Feldberg ein mühsames Leben gefristet und dann im Tal sich niedergelassen, diente dem Mathias zuweilen auch als Aushelfer in der Mühle.

Wäre der Winter nicht als ein so strenger Herrscher aufgetreten, so würde das Geschäft, das Hieronymus nicht zum erstenmal verrichtete, kein so großes Ungemach im Gefolge gehabt haben. So aber kamen sie, Menschen und Kleider, oft vor Kälte starrend nach Haus. Obwohl sie im Wald, um sich zu wärmen, beständig ein Feuer unterhielten, so diente es doch nur dazu, Schnee und Eis an den schweren Bundschuhen in Nässe zu verwandeln, die noch nachteiliger wirkte als selbst der Frost.

Daneben war das Geschäft nicht ohne Gefahr, namentlich das Dirigieren der schwerbeladenen Holzschlitten die Halden und Schluchten hinab – wobei schon mehr als ein Holzmacher das Leben eingebüßt. – Trotz alldem hätte Hieronymus ausgehalten, wenn ihn nicht die Folgen einer Erkältung genötigt hätten, Waldsäge und Holzaxt niederzulegen und den Wald mit Stube und Bett zu vertauschen. Eine starke „Überröte“ war’s, eine Geschwulst im Gesicht, langwierig und schmerzhaft zugleich. Es zuckte und riß ihm in der Wange, als hätt er eine Klopfsäge darin. – Nichts wollte anschlagen, weder die warmen Überschläge der Mutter noch die Sympathien und Kräuter des Cyriak. Eine bösartige Verhärtung hatte sich gebildet, und schon wollte der aus Vöhrenbach herbeigeholte Doktor zum Messer greifen – aber der Patient, von der Mutter unterstützt, konnte sich nicht zur Operation entschließen. – Anastasia setzte hierauf ihre Überschläge von Kamillen und erhitztem Bachsand wieder fleißig fort – und gottlob, mit gutem Erfolg. Die Geschwulst legte und zerteilte sich.

Aber der Rekonvaleszent hatte indes noch langweilige Tage genug durchzumachen hinterm Ofen. Und wenn er mit verbundenem Gesicht so dasaß, während der Vater den klappernden Mahlgang besorgte und die Mutter beim sorgsam unterhaltenen Ollämplein bis tief in die Nacht mit Nähen sich mühte, so wünschte er sehnlichst, daß auch für ihn die Zeit bald wieder kommen möchte, wo er tätig mit eingreifen könne. – Und als er dann endlich imstande war, wieder eine Beschäftigung vorzunehmen – so wollte es ihm beinahe scheinen, als habe ihm das Schicksal das Übel nur deshalb zugeschickt, um ihn dem Zeichnen und Malen wieder zuzuführen. Die neue Farbenschachtel kam ihm jetzt trefflich zustatten. Er kolorierte papierene Uhrenschilde, auch sogenannte Agathazettel, schön verzierte Haussegen oder Spielkarten auf Glanzpapier, Arbeiten, die fast noch besser sich rentierten als das Holzmachen im Wald.

Als er einst von einem Besuch beim kunstfertigen Bruder Cyriak heimkehrte, fand er auf dem Weg einen hübschen neuen Perpendikel. Er paßte denselben alsogleich der alten Wanduhr an, die der Vater noch aus seiner Heimat mitgebracht. Zu der neuen Zier aber wollte das verdunkelte papierene Zifferblatt nun nicht mehr passen, und er machte sich daran, ein neues zu beschaffen. Von einem in der Nähe wohnenden „Brettlemacher“ erhielt er einen hölzernen, gut zugerichteten Schild, auf welchen er mit den Ölfarben des Vaters die Ziffer und ob darüber seinen Namenspatron malte. – Nach dem Urteil aller, die das Werk zu sehen bekamen, war es aufs beste gelungen. – Der Verfertiger erntete viel Lob und erhielt sogleich Bestellungen. – Der Stabhalter verlangte ein ähnliches Kunstwerk, und selbst der Hofbauer gestattete, daß Hieronymus die hölzerne Wanduhr, welche seit alten Zeiten dort in der Stube hing, auf ähnliche Weise renovieren dürfe.

In die vier Ecken des Zifferblattes malte er hübsche große Blumen und oben in den Rundbogen den Laubhauserhof mit seinem Garten davor, in welchem Florentina – wenigstens sollte sie es sein – zu sehen war, in grüner Jüppe und schneeweißen Hemdärmeln, in der Hand eine Rose haltend. Auch dies Werk gefiel so gut, daß der Bauer nicht umhin konnte, in den Beutel zu greifen und dem Verfertiger ein ansehnliches Douceur zu spendieren – was alle, die den Mann kannten, in nicht geringe Verwunderung versetzte. – Die Aufträge mehrten sich; und bereits gab man sich in der Mühle der Hoffnung hin, gegen das Frühjahr wenn nicht wieder ein Kühlein, so doch eine Geiß zu den vorhandenen hin kaufen und einstellen zu können.

In der ersten Ausgabe war noch ein Gedicht, welches Lucian Reich wohl als „allzu bekannt“ in der zweiten Ausgabe weg gelassen hatte:

Scharmanti bruni Bire, welchi Nuß
und menge rothen Aepfel ab der Hurt,
e Gusebüchsli, doch wills Gott der Her
ke Guse drin. Vom zarte Bese-Ris
e goldig Rüethli schlank und nagelneu!
Lueg, so ne Muetter het ihr Chindli lieb!
Lueg, so ne Muetter ziehts verständig uf,
und wird mi Bürstli meisterlos, und meint,
er sei der Her im Hus, se hebt sie b’herzt
der Finger uf, und förcht ihr Büebli nit,
und seit: „Weisch nit, was hinterm Spiegel steckt?“
Und’s Büebli folgt und wird e brave Chnab“

Nikelaus du Butterfidle…

Donaueschingen den 27. November 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

„ Santikloos du Butterfidle………“

Aus „Mi Boor, mi Hoemet“ von Gottfried Schafbuch.
Stadt Hüfingen 1972 ; Seite 231

Bsuech vum Onkel Richard us Amerika

Uuswanderer Bsuech:

Alle zwei bis drei Johr isch i de fufzger Johr de Onkel Richard us Amerika, vu Thomastown in Ohio, um d` Wihnächstziit i sie Hoemet gi Hifinge kumme. De Kramer Richard war en Vetter vu de Motter und hät zu dere aaltiigsessene, zahlriiche Kramer- Schofbuechebloos ghert us em Hifinger Städtle.
Er war de Brueder vu de Iidde Schmid geborene Kramer, d Frau vum respektable und ehrliche, handwerklich gàachete Opel- Autohuus i de Schaffhuuserstrooss. Dene beide ihre Motter war Tante Marie, die i ihre Jugend e paar Johr z` London bi stoeriiche, englische Gschäftsliit i Stellung war. Hit dät mer on pair- Maidli sage. Drum hät sie au, so isch zmindscht gsait wore, beurteile han ichs dämols no nit kinne, ziemlich guet Oxford – Englisch gschwätzt. Und voller Stolz und Freid hät sie des mit Ihrem Sohn au gschwätz, wenn de Bue, de Uuswanderer Richard Kramer, i sinere Hoamet war. Im Städtle häts sies nit bruuche kinne, dä hät sie krottebroats Baaremerisch gschwätzt. Aber amel hät sie doch eweng hoffärtig mache kinne, wenn sie weng mit dere domols uugwähnliche Sprochkenntnis aagähe hät. Ebbe wie de Graf Koox vum Gaswerk. No hond d` Wäschwieber z` Hifinge bestimmt amel gsait: „Guck do, d` Marie wieder, die all mit ihrem hoffärtige Englisch- Krattel, aber die macht au krummi Fiess, wenn sie uff em Abort huckt“.

De Richard hät i de zwonzger Johr z` Schwenninge Uhremacher glehrt. Wahrschienli weil er vume Onkel, s kinnt sogar de Getti gsi sii, dem sie de „Professer“ gsait hond, weil er immer s` Perpetuum Mobile erfinde hät welle, aaschwattiert und dodezu aaghalte wore isch. Amend isch der Richard vu dem aagscherret wore, au den selli dipflischiessige Beruef z` lehre. Desell war nämli au Uhremacher und hät all noch eme künschtliche Aatrieb für de Webstuhl vu sim Onkel gsuucht. Der war nämli Liituch- Weber im miechtelige Untergschoss vu me Städli- Buurehuus im Süesse Winkel. Ebe vu dem Kramerhuus.

Wie s halt so isch und wies sichs testosteronmässig so ergiit, hät der Richard dä z` Schwenninge au e Maidli kenneglehrt und denno au ghiirote: D` Selma. Natierli hät sie „ Schläeker „ ghoasse, wa susch. Halt so wie sich`s für e reachti, oacheni Schwenningeri ghert. Au sie, die herzig Tante Selma, hät Ur-Schwenningerisch gschwätzt, uuverfälscht au vu ihre dezueglehrte Amisprooch und des krottebroet wenn sie uff de Boor waret, s` ganz Lebe lang.

Wo die Goldene Zwonzger am abschnappe waret und au d` Uhremacher fascht koe Arbet meh überkumme hond, sind die beide, oder au scho die drei, gi Ämereka uusgwanderet. De Ritschert II, cobaymässig uusgschwätzt, de klei Bue dürft nämlich scho uff de Welt gsii sii. Zerscht hät sich de Ritschert I in ere Uhrefabrik, bei me US- Gschäftspartner vu sim ehemalige Schwenninger Patron, mit sim zueverlässige Schwarzwälder Uhremachertalent iibroocht. „Des wa die kinnet, des kahn ich au, und Beziehunge zu de Schwarzwälder und Baaremer Uhrefabrikante han ich au“. Also macht er e oegeni Buddi uff, e „Companie“ hoasst so ebbis dä dänne. Des wisset mir Gschiedle natierli us de Cobayfilm, de Fuzzi- Hefle, vum Al Capone und de Alaska Büecher vum Jack London über d` Hudson Bay Company.

S` goht schnell uffwärts, immerhin hät de Iiwanderer Richard viel meh kinne wie nu Tellerwäsche, nämlich feinschte Zahrädli fräse, winzigi Welle drehe, hauchdünne Platine bohre und vor allem: Verkaufe, trade, promote, halt verscherble, verkimmle, verkippere. In Thomastown entstoht so e „Watch- Business“ by Richard Kreimer from Old Germany/ Black Forest mit ebe dem guete Ruef. Weil die grobe, schrundige, amend au verschossene, schrundige Cobayhänd halt oafach nit so feinfühlig, so uhremachermässig schaffe kinnet, orderet er villi feine Teil vu de andere Siite vum grosse Teich. I de Hoamet vu de Selma und vu ihm, z` Schwenninge und im Uhremacher- Eldorado im Wälderwald. Drum kunnte er mindschdens alli zwei Johr grad i de ruhigere Wihnächtsziit hoam. Mit eme Turbo- Propp Flieger groundet er denno z` Klote, verdlehnt sich dä en „Mörcidis Bens“ und fahrt uff d` Boor zu de Motter, de Schweschter und de ganze bucklige Verwandschaft.

Die hochbetragt Motter, Tante Marie, isch natierli jedesmol aagrührt, dass sie de Bue doch nomol sehne kha und dass sie wiedermol ihre gschliffe Oxford- Englisch uuspacke und vorfiehre khaa. I dere Ziit isch sie die Königin- Mutter, i de Familie aber au im Städtli. Ob sie allerdings de Bue mit sim kaugummibroete und doagige Middelwest- Ami- Englisch immer verstande hät, des bezwiefli hitzutag selli. Aber die drei, d Tante Marie, d Selma und de Richard, hond jo no e Uuswaichsprooch kha, ihr oeche, krottebroets Booremerisch.

Kurz vor Wihnächte hät er no sini Uhregschäftli z` Schwenninge, , i de Schoone, z` Triberg, z` Giedebach, im Scheewald und z` Fortwange gmacht. Vill Uhrefabrikante hond ihn scho kennt, aber doch nit alli. Sie gnitzi Spezialität war, mit dene Wälder wo nu dürftig Schuelenglisch, wenn überhaupt, gradebrecht hond uff Amerikanisch, viellmols mit Händ und Fiess, z` Kommuniziere. Es hät ihm mords Spass gmacht, die eweng hinterfotzig z` verseckle und sich stundelang absolut nit als bodeständige, alemannische Landsmaa uusgähe. Oemol hät er sich amerikanisch direkt, wortgewaltig und luut über e granatemässig vermorksete Lieferung uusglau. Kleiluut und unterwürfig hond die Fabrikäntli, die Mäeschter, die Buechhalter d` Schuld natierli uff de Kleischt, de versoffe, verkumme Dreher Basili vum Hintereck, abgschobe. Wo dene devote Fabrikler vor Hennefidligkeit nint meh a Uusrede iigfalle isch, hät sich de gross Manitou, er war werklich e mächtige Gstaalt vum Erscheinungsbild her, vor sie uffbaut, sich uffblose und gjoolet:
„Schlaanet ihm de Schuhe in Arsch !, dem Saukaib, dem verkummene Nintnutz“.
Dodemit war de Bann broche und verdatteret hond sie gmerkt, dassd er jo on vu ihne isch. Und sie sinni zueverlässige, ehrliche Wälder Gschäftsfreund. Gschäfter sind vu dä eweg no besser gloffe, fein ghölt, gspindlet, gfräst und drechslet, so wies halt die präzise mechanische und mentale Wälderuhrwerk so a sich hond.

Niklaus isch en Gute Maa………………

Weil bei uns i de Grossfamilie i de Lassbergstroos natierli am Meischte bote war, isch er am Klosetagobet, nochdem er stundelang uff em Klosemärt uff- und ab gange isch und verzelle und Sprich mit em halbe Städtli hät mache messe, denno immer zu ihs kumme. „Santa Claus“ war für ihn als Hifinger Kloose- Märt prägte, halt genetisch bedingt, der Tag, de höchscht Fiirtig im Johr. Und den hät er erlebe messe und genosse wie sunscht nint uff sim glückselige Hoametbsuech.


De Nikelaus und de Beltzenickel also waret bstellt, de Sack mit de Gschenkle für d` Kinder im Kärstägeabgang ännigrichte und de Tisch feschtlich deckt und mit frischbachene Breetli uusgstaffiert. D` Motter hät de Adventskranz aazunde und d` Fleete vu de Maidli, d` Giige vu de Motter und Noteblättli ännigrichtet. De Vatter hät de küehl Kiechlinsberger Ölberg und d ́ Gläser parat gstellt und d ́ Annanas- Bowle und die Kardamom und Zimt Breetli hond de Guu vu de Karibik und em Vordere Orient verströhmt. De „Mörcidis Bens“ mit Schwiizer Nummere hät komischerwiis scho im Linseösch aaghalte. De mächtig Onkle Richard und sie Zärtele, de Hämpfling, die klei Tante Selma, geborene Schläecker, sin uusgstige wie Staatsgäscht und dorch de pudrig Pulverschnee in Lassberg gfiehrt wore . A de Huusdere zerscht no schnell und hählinge en Kirsch mit em Vatter, halt mol konn Whysky, uffs Wohl vu de Gäscht us em Mittlere Weschte vu Ämerika und denno nint wie inni i die warm und eng Stubbe. Grossmotter Sophie, de Opa Felix, d` Gotte, Vatter, Motter und die 7 Kind mond eng zemetrucke, dass die beide Amerikaner sich wohlig i die zwei Sessel kaie lau kinnet.


Und scho schellets luut und klockehell und es morret vor de Huusdiere her: De Nikolaus mit em Bischoffstab und de Mitra, de rappeschwarz Belzenickel, dem d` Motter no schnell de Gschenklisack zutrait hät, schreitet würdevoll und furchtiiflössend i die nuu mit Kerzeliicht feierlich erhellt Stubbe. Niklaus- und Adventsliedle wered mit Flöte- und Giegebegleitung innbrünstig gsunge, Gedichtli scheu uffgsait und denno wered die Schandtate und die guete Werk vu de Kinder vum Nikelaus mit dere sonore, würdevolle Stimm, die us dem dichte, silbrige Bartgwöll hinneverrikunnt, briehwarm uffzellt und us me Rodel vu me uralte Messbuech vorglese. De Belzenikel fuchtlet manchmol mit de Ruet, mit de Schelle und em Sack. Dä inni schobbet er, noch dem er d` Gschenkle usem Sack vertoalt hät, de vorwitzig und uffsässig, aber denno doch selli verdutzt Fritzli inni und schloapft ihn in Käher abi. No bevor de Nikolaus und de Belzenickle ganz us em Huus sind, kunnt er scho wieder unneuffi und verkündet rotzfrech, dass er vorsichtshalber e Scheer im Hosesack geht hai zum de Sack uffschniede. Mit dem luute Uusruef vum Belzenickel „ Du Satansbroote, du Elende“ goht im allgemeine Hallo und Glächter der eigentlich feierlich, bsinnlich Toal vum Obet unter. Am Allermeiste waret aber die beide Amerikaner über den giffizige Soacher Fritzli „Verry amused“, wa sie im broete Hifingerisch und Schwenningerisch spassig kund dau hond. Überhaupt hät mer koe weng ebbis vum Amerikanisch uusigheert. Für mich hond die beide die reinrassigscht Mundart gschwätzt. So broat hät mer si amel nit emol vum Hifinger Mundart- Original, em Onkel Gottfried, ghehrt.
Und jetzt ruckt de Onkel Richard no mit sim neischte Nikolausgschichtli uussi:

Ganz i Gedanke a s` Uhregschäfte versunke, sei er grad vor paar Minute im uudurchsichtige Schneegstöber mit sim Mörcidis d` Krankehuusstross unneuffu gfahre. Zmols sei ihm so en lange Lulatsch mit eme verfilzete, wiisgraue Bart und eme so oafältige, rote Fasnethäs über de Weag dappet. Dem Dackel het er grad no huupend uuswiiche kinne, aber hinnedrii wär no so en schwarze Kohlsack dappet. Den het er ums Hoor no verwischt und verkarret. Wo die beide ihm denno gähwietig und uuchrischtlich hinnedri gfuuschtet und sakramentiert hetet, wärs ihm kumme: „ Des war jo bigott de Nikelaus und de Kneacht Ruprecht, leck mi doch am Arsch, hoffentlich gond die hit obet nit zu s` Mauze“.

Drum heb er s` Auto im Linseösch scho abgstellt und sei er so still gsii i de duuschtere Stubbe und het sich nit vermuckisiert, dass sie ihn jo nit erkennet und dass nit au er no in Sack kunnt wege dere fascht- Verkarrerei und er mit de Rute vum Belzenickel de Ranze voll kriegt.
Marry Christmess and Happy New Year, so klingt de Obet uus noch em obligate Schunke im Brotdoag vum Klärle und em Herdepfelsaloot vu de Gotte. Familieseelig, weinseelig, fidel und hoametseelig.

Drei König

Und nomol kunnt de Richard und d` Selma is Huus. Bevor sie z` Klote noch Drei König wieder in Flieger stieget, wend sie au no die Drei König us em Morgeland i de Hoamet verlebe.


Im Mariehuus wered vu de Müettervereinsfraue, dene Vikar, de Oberminschtrante, em Messmer und em Pfarr drei Gruppe als Heilige Drei König usstaffiert. De Schwarz König word zerscht dick mit Niveacreme iigsalbet und denno mit Ruessfarb zentralafrikanisch, rappeschwarz aagmoolet. Nu no s` Wiiss i de Auge giht en Kontrascht. De Schwarz war alljohr de Hansjörg. Amend well er eweng kanibalisch uusgsähne hät ? Zu jedere Gruppe, sie bestoht jewiehls us fünf Minschtrante i uugfähr de gliiche Grösse, ghört no de Sterneträger und de klei Kässlibue, de Bettelsack oder de mitleidig Gabe Fechter, und eme Vikar oder Oberminschtrant mit ere wiesse Kriede im Hosesack. Ganz wichtig isch au e Loaterewägeli. So gohts noch ere korze Aasproch vum Pfarr über die arme Missionskinder, de Hunger i de Welt und em Friede uff Erde i die onzelne Pfarreitoel. S` Rauchfass word vor jedere Huusdiere frisch glade, dass es jo gherig reicht und gut noch Harz und Kohle riicht, daß d` Buddi mit Weihrauch und Myrre tagelang iigneblet isch. S`goht i d` Siedlung, de Linseösch und i d Unterstadt, Käferstroos, Milligass und Eile. A jedere katholische Huusdiere word, gschellt. Me woass genau wer Mariekerchler isch. Wenn uffgmacht word, gihts e Begrüssungssprichli vum Sterneträger, jeder König sait en Segensspruch und de Spendekässlibue bettlet wehliidig um e Milde Gabe für die Arme vu de Ärmste i de Missione.

De Oberminschtrant moolet no die drei Buechstabe „ C*M*B* „ mit de Johreszahl an Kriezstock. Meischtens gihts no paar Tafle Schokelad, Äpfel, Nüss oder Bretli, die in schnell gfüllte Loaterewage innibieget wered. Die Gabe wered no am Obet im Mariehuus ganz gerecht und gliichmässig a die Sternsingerbuebe verdoalt. S` Geld im Kässli word zemetglait und a d` Sternsingeraktion vu de Diözese gschickt. I om Johr homer mol 7 000.- Mark zemetbroocht und waret die 3. bescht Pfarrei im Sternsinger- Sammle vu de Diözese. Do druff waret mir Mariekerchler mords stolz und hond de Stadtkerchler wieder mol e langi Nase gmacht.

Weils vielmol iisig kalt, verschneit, verregnet und stürmisch war, hät mer i de Halbziit bei ere vorher uusgmachte Familie i de warme Stubbe en Kako, e paar Wienerli oder e guete, dicki Suppe kriegt. Desjohr war die Uffwärmpaus bei iis im Lassberg. Dä nämlich hond scho iisri Amis uf die Drei König gwartet. Die andere Sternsinger hond scho gschpannt gucket, ob die werklich en Cobayhuet uffhond, e Marlboro rauchet und en Kaugummi im Muul ummidoaget. Die Erwartunge sind nit ii Erfüllung gange. Die hond jo uusgsähne wie du und ich au au so gschwätzt wie mir ? Nochdem die Segenssprüchle, die Liedle und die Spendesprüchle uffgsait waret, s` Kässle gfüeteret war, hond alli tatsächlich no jeder en Original- Chewinggum vum Onkel Richard kriegt.

One Dollar

Und jedem hät de Onkel Richard no ebbis persönlich i d` Hand druckt: En wiis- graue, abgriffene Schii uff dem „ One Dollar“ gstande isch und wo om de Georg Washington weise, staatsmännisch aber au väterlich aaguckt hät. So ebbis hät no kon vorher gsehne oder griegt. Nit emol i de Cobayfilm. Dä hät de Baarkeeper immer zerscht i den Golddollar bisse, bevor er dem dorschtige, verstunkene, miechtelige Cobay e gross Wasserglas mit billigem Whisky uusgschenkt hät. Daß die verkummene, vollbusige Baarwieber uff so Kerli innikait sind, isch mer lang e Rätsel gsii und erscht i de Latschi- Hormon Johr uffgange.

Mit krottebroetem Baaremerisch hät sich de Onkel Richard und Selma bei dene Heilige us em Morgeland bedankt und verabschiedet und gsait, dass er Morge au wieder in e wiit entfernt Land abreise dät, uff die ander Siite vu de Weltkugel i d` Nähe vu de, jetzt uff broets amerikansich, Naiagära Folls (Niagara Falls).

Für paar Tag war mer wege dem Ami- Onkel, em Kaugummi und dem Dollarschii de Held. Woni tagsdruff au no hoffährtig aagähe han, dass en andere Onkel au dä dänne i Südamerika, i de Nähi vu de Iquasuu Wasserfäll, die hundert mol grösser wie de oafältig Rhifall z` Schaffhuuse seiet, und dä dänne z` Brasilie lebe und missioniere dai, han ichs endgültig für Woche für die Grosskotzigkeite verschisse khaa. So vergänglich kaa Ehre und Ruhm sih. Bsunders unter Luusbuebe, unter Minschtrante, wemmers mit em Aagähe so saumässig und überzwerris übertriebt.

Erinnerung

Wa aber lang nit vergänglich war, war de Geldschii. Den han ich Johrelang in ere Schatulle uffghebt, nit iidauscht und nit verputz, vermärtet und verdummbeitlet. Ghiehtet han ich ihn wie en Schatz für Notziite und doch isch er emol verschwunde gsii. Ganz im Gegesatz zu villne Erinnerungsstückli vu Onkel, Dante, Gotte, Getti, Oma und Opa. Sogar s `Gebiss vu de Oma, d` Sackuhr vum Opa, de Finnedolch usem Norwegekrieg vum Getti, s` Glasaug und d Leica IIIF vum Onkel Wilhelm, em Brasilie- Pater, und s` Goldvreneli vum Onkel Josef han ich immer no.

D` Erinnerung aber an Onkel Richard und a d` Tante Selma, die lebt und bliibt im poesivolle, episodische Gedächtnis us de seelige und feschtliche Kinderziit erhalte.

Jo , so wars.

Trotzdem dass desell Dollarschii verschwunde isch.


Mehr zum Fischadler

Liebe Bürgerpostleser, 

Kommentare zum Beitrag unten über den Fischadler am Roten Meer sind Anlass, drei Punkte über den herrlichen Vogel aufzugreifen.

Punkt eins ist die Situation, wie der Kerle auf dem Geländer sitzt, und zwar auf einem Fuß. Jemand befürchtete, dass er nur einen Ständer, wie der Fuß in der Fachsprache genannt wird, besitzt. Was denkt Ihr? Nein, er hat zwei Füße, der andere ist ins Gefieder eingezogen. Hier war ChatGPT sehr hilfreich: Fischadler würden – wie andere Greife – sehr häufig auf einem Fuße stehen. Es gäbe drei Gründe dafür, zur Wärmeregulierung, zur Entspannung der Muskulatur und bei der Ruhehaltung beim Sitzen.
Reiher sieht man auch oft auf einem Beine stehen.

Punkt 2: An Menschen gewöhnte Fischadler.
Das war spannend, werte Leser. Denn es gibt zwei Gegenden, in denen die Fischadler sich so an die Menschen gewöhnt haben, dass Rita Schorp das Bild überhaupt schießen konnte. Die eine ist Florida mit seiner sehr großen Fischadlerdichte und die zweite kennen wir bereits, das Rote Meer in Ägypten.
Christoph Piela schreibt in https://naturfotografen-forum.de/o735924-Fischadler: „Beim Tauchurlaub in Ägypten waren doch tatsächlich drei Fischadler, die im Bereich unserer Hotelanlage ihr Jagdrevier hatten. Sie gingen in einer Badebucht auf Fischfang. Die Tiere wurden von Gästen und Angestellten in Ruhe gelassen, so dass man sich ihnen, ohne sie zu stören, bis auf wenige Meter nähern konnte. Dabei haben die Vögel einen kaum registriert und schauten weiter konzentriert aufs Wasser nach Fischen in der Nähe der Oberfläche. Bis jetzt konnte ich dieses Verhalten nur in Florida beobachten“.
Na wer sagts denn. Auch ChatGPT hat die Sache mit Florida bestätigt. Aber, aufgemerkt, ich habe kein solch aussagekräftiges Bild für die Vertrautheit von Mensch und Fischadler gesehen, wie es Rita auf dem Bild gelungen ist. Deshalb ihr nochmal ein herzlicher Glückwunsch dazu.

Was sagt Ihr zu diesem Bild? Das ist Punkt 3 des Beitrags. Dieses Bild ist mir gelungen am 7. April 2013, also vor über 12 Jahren beim Durchzug des Greifes Richtung Norden. Es zeigt nicht nur einen, sondern zwei Fischadler, ich vermute beim rasanten Balzflug über dem Unterhölzer Weiher. Bedingt durch tagelangen Nebel mussten die beiden Glückseligen im Gebiet blieben, sie konnten nicht weiterziehen und feierten statt dessen Hochzeit.

26. November 2025

Liebe Bürgerpostleser,

zur Zeit in Ägypten am Roten Meer Urlaub zu machen, ist sicherlich keine schlechte Sache. Wir beneiden unsere Nachbarn etwas, vor allem, als Rita Schorp diese Bilder geschickt hat. Sie wollte wissen, was das für ein Vogel ist. Mir kam es wie die Kugel aus dem Gewehrlauf, ein Fischadler. „Und Du bist so nahe an ihn herangekommen“? Eine holländsche Mittouristin konnte sich auch so nähern, der Fischadler machte keinen Muckser. Da muss man erstmal durchschnaufen, finden Sie nicht auch, ein absoluter Oberhammer. Otto Körner interpretierte das Bild so: „Ist das Ritas Haustier und handzahm“? Er machte wohl ein Spässchen. 

Ich muss etwas ausholen. Gibt es in Ägypten überhaupt Fischadler? Ja antwortete ChatGPT, es gibt etwa 40 Brutpaare vor allem am Roten Meer. Es gibt aber deutlich mehr Durchzieher vor allem im Herbst aus dem Norden ins Überwinterungsgebiet südlich der Sahara und ein Teil bleibt auch als Wintergast, vor allem am Roten Meer. Also das wäre geklärt. Ein Detail ist in dem Zusammenhang vielleicht noch wichtig, ist das Prachtexemplar ein Jung- oder ein Altvogel? Ein Blick in den Neuen Kosmos Vogelführer zeigt anhand des Weiß auf den Flügeln, es ist ein Jungvogel von 2025, denn die Altvögel sind ganz ohne Weiß im Oberflügelbereich. Habt Ihr bereits eine Ahnung einer Erklärung? Auf jeden Fall hat der junge Fischadler noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Vielleicht wurde er in einer menschenleeren Ecke von Skandinavien ausgebrütet, vielleicht aber auch in Ägypten am Roten Meer. Es kann sein, er überwintert hier, es kann aber auch sein, dass er nach einer Weile weiterzieht.

  • Fischadlder in Ägypten

Die ersten vier Bilder sind abends kurz vor Sonnenuntergang entstanden. Seine Augen sind stark fokusiert auf die Wasseroberfläche. Hatte er möglicher Weise noch keine Beute gemacht und brauchte dringend einen Fisch für die Abendmahlzeit? Normaler Weise rütteln sie über Wasser und stürzen im Sturzflug auf einen Fisch im Wasser. Ob die Entfernung von der Brücke ausreichen würde, um Beute machen zu können? Ich weiß es nicht, könnte es mir aber vorstellen. Vielleicht will er aber einfach nur seine Ruhe haben. Seht ihr wie er sicher auf einem Bein steht? Die Klauen sind schon gewaltig. Interessant ist, dass die hintere sehr beweglich ist. Die sei hilfreich beim Fischfang. Ja, was kann man zu dieser Geschichte sagen? Ich finde hammermäßig. Bild 4 und 5 zeigt ihn auf einer Fahnenstange sitzend, die Aufnahmen sind vom 24. November 2025, fünf Tage nach den anderen Bilder. Vielleicht bleibt er ja dort.

In Deutschland gibt es vor allem im Osten etwa 20 mal so viele Brutpaare wie in Ägypten, Tendenz steigend. In Bayern sind es 16 und in Baden-Württemberg seit 2023 bei Rastatt eines, das zweimal erfolgreich mit fünf Jungen gebrütet hat. Dieses Jahr hat vermutlich ein Baummarder die Eier gefressen. Es sind im Ländle 30 Nistplätze eingerichtet worden, na wenn das nicht fruchtet.

Übrigens, durch die Baar sind zur Zugzeit regelmäßig Fischadler zu sehen. Hier Fotos von Thomas Kring vom Zollhausried am 05. April 2024:

Erinnert Ihr Euch an den Disney Tierfilm, in dem ein Vielfrass die beiden bereits großen Jungvögel erledigt hat? Das ist mir sehr im Gedächtns hängen geblieben. 

Vielen Dank Rita für die Bilder für diesen Beitrag.

Unten noch einige Fotos von einem Fischadler in Korsika und vom Zollhausried von Thomas Kring:

  • Fischadlder in Korsika
    Korsika

Herzliche Grüße
Franz Maus

Zitterpappel: Baum des Jahres 2026

Ende eines Sommers
Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!
>Günther Eich; 1954/55; Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1973, 1991

Diesmal hat das Kuratorium Baum des Jahres eine weise Wahl getroffen: Als ob die jüngste Weltklimakonferenz nicht eine Zitterpartie gewesen wäre! Angesichts des so deprimierenden Anstiegs der Erderwärmung, mutmaßlich bereits über die 1,5°C-Grenze hinaus aufgrund der weiter ansteigenden CO2-Emissionen bei zugleich nachlassenden politischen und gesellschaftlichen Bemühungen zu deren Eindämmung, herrscht ein Zittern und Zagen vor dem nächsten Extremereignis: Wann immer es dann eintritt, zittern die Menschen vor Angst wie Espenlaub. Die Zitterpappel (Populus tremula L.), auch Espe oder Aspe genannt, und das Zittern ihrer langgestielten Blättchen schon beim leichtesten Luftzug ist so charakteristisch für diese Baumart, dass der Volksmund ihr Laub gleichsetzt mit unserem Verhalten in Angstsituationen. 

Und auch sonst passt diese Baumart perfekt in unsere krisengeschüttelte Zeit: Sie ist mit ihrem weitfliegenden Samen (neben Birken, Ebereschen und Salweiden) unsere wichtigste „Pionierbaumart“, wie geschaffen zur Reparatur von Schadflächen in den gestressten, von Trocknis, Brand und Borkenkäfern geschädigten Wäldern. Wobei ihr die weite „eurosibirische“ Verbreitung zustattenkommt, passend von den Auewäldern über die kollinen und montanen Zonen hinweg bis in alpine Höhen hinauf. Weil Wälder hierzulande zuallermeist intensiv bewirtschaftet werden, trifft man den Baum des Jahres 2026 am ehesten noch an verhagerten und untersonnten Waldrändern an oder auf lichten, felsigen oder moorigen Extensivstandorten sowie in Flurgehölzen. Pionierbaumarten dienen dem Ökosystem als  Nährstoffpumpen wie als Schutzschirm über spätfrost- und hitzegefährdeten Jungpflanzen der nachfolgenden Waldgesellschaft. Espenlaub vermodert nicht nur rasch zu Humus, es ernährt auch eine Vielzahl von Schmetterlingsarten. Zwar wird der Baum nicht sonderlich alt und mächtig, doch ist sein weiches Holz besonders beliebt bei Buntspechten, die sich hier leichter tun beim Anlegen ihrer Bruthöhlen.  Sehr zu Recht weist die Schirmherrin für den Baum des Jahres 2026, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Silvia Breher, darauf hin, dass die Zitterpappel eine wahre Anpassungskünstlerin und Allrounderin unter unseren heimischen Baumarten ist und „eine unverzichtbare Helferin bei der Wiederbewaldung“. Sie stehe für Vielfalt, Lebenskraft und Erneuerung. 

Schon nach den verheerenden Orkanschäden gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde im Staatswald Baden-Württembergs daher per Ministerialerlass die Devise ausgegeben: jetzt nur keine überstürzten Pflanzaktionen auf den entstandenen Kahlflächen! Vielmehr sollten die Selbstheilungskräfte des Waldes genutzt werden – im Klartext: Es soll abgewartet werden, bis sich die raschwüchsigen Pioniere als Helfer in der Not von allein eingefunden und ausgebreitet haben.

Neben ihrer ökologischen Rolle tritt in Mitteleuropa die Verwendung von Zitterpappelholz längst in den Hintergrund, so leicht es durch seine geringe Dichte und seine Weichheit auch zu bearbeiten sein mag. Wie alle Pappelhölzer hat es eine geringe Witterungsbeständigkeit und ist überdies anfällig für Schädlinge, sodass es allenfalls in der Papier- und Zellstoffproduktion gefragt ist. Doch in größeren, wirtschaftlich relevanten Kontingenten ist Zitterpappelholz hierzulande ohnehin nicht zu haben. Auch für die Herstellung von Zündhölzern oder Zahnstochern taugen eher hybride (aus Züchtungen mit Ausländersorten hervorgegangene) Wirtschaftspappeln. Und die Zeiten, als die Schneflerzunft aus Pappelholz noch Holzpantoffeln fertigte, sind längst vorbei.

Was für die Bevölkerung aber in neblig-trüben Herbst- wie in Krisenzeiten kaum weniger zählt als der bloße Nutzwert, ist die ästhetisch überaus reizvolle, gar tröstlich empfundene Herbstverfärbung: vorwiegend in leuchtendem Gelb, mitunter jedoch auch in flammendem Rotorange. Im laublosen Winterzustand erscheinen Zitterpappeln dann silbrigweiß und unterscheiden sich damit noch immer deutlich von allen sonstigen Baumkronen.

Ein Trost spendender Baum: passt der etwa nicht perfekt in unsere Gegenwart?

Verglühender Herbst: Zitterpappeln am Kirnbergsee
Verglühender Herbst: Zitterpappeln am Kirnbergsee
Nach dem Laubabwurf: Zitterpappeln am Rand der Jungviehweide
Nach dem Laubabwurf: Zitterpappeln am Rand der Jungviehweide

Au e’Christkindle-Gschicht

5. Dezember 2020

Jo so wars „ Buebejohr z` Eschinge i de 50- er / 60- er Johr

S’giit nu on Ort uf dere Welt 
Wo mir jeder winzigscht Winkel
Ganze Schare vu lebendige Erinnerunge zuewirft 
Wo jedes Plätzli i jedere Gass
Ver mich ebs Erlebts, Entbehrts, Uverlierbars isch 
Und no en Nochglanz vu dem fabelhafte,
riiche, lideschaftliche Lebe a sich trait
Daß ich als Bue do glebt han

Hubert Mauz frei nach Hermann Hesse

„e` Sechzehner- Lok“ au e` Christkindle- Gschicht

Aafang Dezember isch mer fascht jede Dag nochdem d` Huusufgabe gmacht häsch, d` Krankehuusstroß rab. Bim Zinke- Ernschtle vorbei, den häsch miteme Pfiff dorch Zai obe abi glockt. Schnell simmer mitenand über de Rothuusplatz und zum Thedy a s` groß Schaufenschter gwetzt. A dem Spielwareschaufenschter vum „Eisenwaren- Haushaltswaren und Spielwaren Otto Thedy “ häsch der denno ufem kaalte Stoafenschterbank d` Nase a de froschtige Schiebe fascht platt druckt. Hinter de Schiibe hät de Stocker , de Chef vum Lade , scho vorem 1. Advent die groß Iisebah ufbaut. Jedes Johr bisch gspannt gsi wanner Desjohr ver e neii Schlaufe dezuebaut hät und wa ver e Landschaft wieder dezue kumme isch. Amend endlich emol d` Sauschwänzli- Bah ? De Kaltebrunner- Kurt oder ebe de Stocker hond Punkt zwei s` Derli i de mit wiisse Wolke bemolte Kulisseruckwand ufgmacht und a de Trafo vu dem Wunderwerk triblet und uf Stufe „ 2 „ gschaalte. Denno isch die elektrisch Iisebah , Spur H0, mit 2-3 Züg de ganz Mittag bis in Obet inni, vu usse kum hörbar, liisli und i oe Fiddle dorch de ganz Schwarzwald und s` Voralpeland im Ring umme gloffe.

Iberal sind Liechtli und Lämpli aagange, Schranke sind wie vu Geisterhand uf und zue gange, a de Kreuzungsweich hät on Zug beim Rote Signal uf de ander gwaartet und hät en vorbeiglau. Am Bahhof hond d` Ziig ver paar Secunde ghaalte dass die Passagier, die häsch der halt Iibilde messe, uus – und iistige hond kinne. Ufem Güterwagegleis a de Rampe hät de ewiglang Gieterzug ghaalte. Milchkante usem Breg- und Brigital sind schepprig a de Milchzentale usglade wore, Langholzstämm sind vum Tiefbettgüeterwage abibolderet, Kohle und Koks isch abkippt, verwoge und abgsackt wore und Bierkischte und Bierfässer vu de Brauerei sind ufglade wore. En andere Gieterzug hät a de Silotürm vu de ZG stillghebt und Fruecht und Getreide vu de Kornkammer Boor iigfillt griegt i die Silowäge. Am Rampe vu de Franzose sind Laschtkärre und Panzer vu de Flachbettwäge abglade wore und denno sind sie is Proviantamt über die Nebegleis a de Millibruck vum kleine Rangierlökli innirangiert wore. Ufem Trittbrett vu om Wage isch en Iisebähnler mitere Karbitfunzle gstande und hät mit de Lampe gschwaiet und de Pfiefe im Muul dirigiert. De ganz Eschinger Wirtschaftskosmos isch hinter dere Schiebe uf on Blick abgloffe, real aber au i iiserm Kopfkino.


D` Kinderphantasie hät konni Grenze und konni Begrenzunge kennt. Vum Bahhof eweg sind die Züg i paar Secunde über de Ravenna- Viadukt gsorret und, ruck zuck, war er scho wieder i de Hochalpe , im Allgäu und am Voralpsee bi Füssen mit de Königsschlösser im Hintergrund. A de Kulissewand kunstvoll und märlihaft ännigmoolet. Zugspitz im Hintergrund war us Gips usmodelliert und a de Abhäng uf dene untere Blume- Matte sind Alpekühli, Älpler wo jodlet und Sennerinne wo winket gstande. Rundum Fallerhiesli im Alpestil mit Stäe uf de Dächer dass se de Storm nit nimmt. Am Ravenna- Viadukt natierli Schwarzwälder Walmdächer mit Wälderkiehli und Schwarzwälder Füchs uf de satte Woade. Gsoffe hond die a de us Staniolpapier ännitrappierte Wiesebäch, me hät die quellfrische Bächli im Ohr fermlich gluttere ghört. Rund um de Tittisee und unterm türmlebsetzte Feldberg hät die Idylle stattgfunde. On Bahhof vum legendäre „Fallerhiesli“ Bauer usem Gietebach war de Zindelstoaner Bahhof. En andere, de Konstanzer Bahhof mit dem Minarett und isern Eschinger Bahhof, die hond natierli au nit fehle derfe. Mühlräder hond sogar draiet ohni Wasser. A historische Wäldermillene und i Sägwerk hond sech d` Gatter uf- und abbewegt und suuber und akkurat hunderti vu Festmeter Diele, Bretter und Kanthölzer gsäget. Natierli hond zu dere Idylle au zwei, drei Kerche ghert und au Kapelle und Feldkriezer hond ver die Verrichtung vu de Volksfrömmigkeit uf de Höf und de Felder nit fehle derfe.

Desjohr hät de Stocker- Thedy au s` Donautal dezuebaut. De Schienebus fahrt uf s` Kloschter Beuron zue, am mächtige Gips- Petersfelse mit em Kriez obedruf vorbei, d` Burg Werewoog taucht am reachte Ufer vu de Donau uf und uf de andere Siite vum mit hohne Kalchfelse umsäumte, liebliche Wiesetal taucht au die vertroomt Burg Wildestoa uf. Und kumm isch de Schienebus imme Felsetunnel korz vor Sigmaringe verschwunde, do pforreter au scho wieder hinneferri und sorret i die topfebe Boor mit dene zahlriche Donauschlinge zwische Guetmedinge und Pfohre ummenand.

Uf de „Spanische“ Kulissewänd war de ganz Landschaftsblick vum Schelleberg feschtghaalte. Vum Berner – Oberland, zum Titlis, Säntis, de Churfirschte, über de Bodesee bis zum Allgäu häsch bildhaft und hoametkundlich s` ganz wunderschee Panorama gsänne. Erdkunde wies de Lehrer Otsche Frank nit aaschaulicher und kindgerechter und nit besser mache hät kinne.

Ab- und zue hät de Kaltebrunner- Kurt i Pause, wonner mol konni Nägel und Schruube hät abwiege und uszelle hät messe, s` Kulissederli ufgmacht und hät on Zug aaghalte und en andere renne lau. Verschiedeni Dampflocke hät er usem Lokschuppe schnuufe lau. Die Märklin- Manne hond ebs neis broocht: En Zusatz zu de grössere Dampflocke mit eme Öl wo bim Fahre fascht genauso scheen Dampf und Rauch us em Lokomotive- Kämmig uusbloose hät wie die Dampflocke wo usem Eschinger Bahhof geg Gräninge gschnuufet sind. Wenn de Glick khet häsch hät de Kurt onni grad mol mit Öl gfillt. No isch der Zug zwar vu unne über de Stromschliefer mit Strom versorget wore, aber doch fer e paar Minute unter schneewiessem „ Dampf „ gstande. Die wiiess- rot, neimodisch Diesellock, selli BR 216, und de „ Rot Arnold „ de Schienebus VB 142 wo zwische Eschinge und Villinge allfort hin und her gschleche isch, ab und zue halt au mol geg Pfohre, Giisinge und Immedinge, dieselle Dieselstinker hät er us verkaufsstrategische Gründ natierli au ufgleist.

Allmählich hond d` Pfote ghorniglet und d` Fiddlebacke waret vum Hucke uf dem saukaalte Schaufenschterbank fasch scho aagrfore. Aber de Höhepunkt, wo all Stund aagstande isch, den häsch nit verpasse derfe, den häsch no winterhert abgwetteret.

S` Krokodil, seller langstreckt, mit zwei Drehschemel usgstattet elektrisch Moloch mit wa woes ich wievill Tonne und Kilowatt, den häsch no gsenne ha messe (6 Achse, 18,5 m lang, 1750 PS, 120 t). Jetzt macht de Stocker de Lade uff, grinst gönnerhaft is Buebepublikum und lot mit ere theatralische Handbewegung am Trafo, so wie wenn en Dirgent a s` Pult goht, des Unikum, der Kraftprotz, des legendär Krokodil mit eme ewig lange und zigtausend Tonne schwere Gieterzug hinnedraa usem Hangar , useme Tunnel gleite. Majestätisch schloapft der brutal, des war dämols s`Modewort wie hit „geil“, Kraftbolze den mit Holz, Maschine, Kohle, Kies und Brauereibiertank schwerbeladene, elendlange Gieterzug ohne on Zucker, ohne on Mucks, federliicht, mühelos wie wenn`s nint wär, über die steile Schwarzwaldrampe , über s` Ravenna- Viadukt, dorch d` Triberger Kehrtunnel. Jedesmol wenn es erhabe über d` Ravennabruck schuuset, monsch jetzt krachets Vidukt zämet. So wie am End vum Krieg, wo die Nazidubbel des Viadukt i de letschte Däg im Endsieg gopfert und no gsprengt hond. Es ruuscht de Schwarzwald wieder abi und fahrt hoffärtig z` Eschinge in wichtigschte Bahhofsknotepunkt z` ganz Bade mit eme luute, lange Pfiefe ganz majestätisch ii. Jetzt glänzet d` Kinderauge und selig troomsch, dass irgend wenn emol die Lokomotive- Königin, so e gottgliichs Krokodil, au unter dim Christbomm liit. No besser wärs natierli, wenn des Schwizer Gotthard Krokodil, wa no grösser, no stärker isch wie iisers, dä unterm Wunderkerze ertrahlende Dännli liege dät. Denn sell helvetisch Krokodil muess no längere und no schwerere Gieterzüg de Gotthard uffi und dorchs Gotthardloch i d` Tschinkei schloapfe (8 Achse, 20 m lang, 2500 PS, 130 t).

No kentsch erscht reacht aagäe und d` Nase strecke und wärsch de Krokodil König. So wie de fett Lumumba mit dene Viile Wieber und em Büffelhoor- Fliegewadel als Zepter. Ob der überhaupt woass wa e Abendländisch Krokodil isch?


Jetzt word dä z` Eschinge am Güeterbahhof uff- und abgalde und so sieht mer, wa z` Eschinge uff de Boor dorch die Iisebbahne, wo vu glii 4 Siite Gleis zemetkummet, so alles bote isch. Sogar e Drehschiebe zum umdrille vu de Lokomotive, dass sie schee vorwärtsfahret und nit mit em Fiddel voruus schnuufet, hond mir do am Schienegwirr. A de Rüebäcker und de Labrante, wie des Gwann uff Almedshofer Gmondsfeld wo der Bahhof baue wore isch anne 1868. So kapiersch dass Ware, Milch, Holz und Liit vu Fortwange, vu Friborg Wii und Gmies, vu Konstanz, em Hegau, de Reichenau Obst und Salot und vu Offeborg und Kehl am Rhii Koks und Kohle do bei iis aakummt und wieder mit Bierfässer vu de FF- Brauerei belade wieder devupfufferet. Und so stohts au uf dene Aa- und Abfahrtstafle vu de Faller- Bahhofsschilder: Hamborg, Frankfort, Kassel, Lindau, Amsterdam und Köln. Des kamer grad no so entziffere. De Lehrer Pfingschtler hät halt doch reacht kha, dass mir Eschinger d` Drehschiebe, wenn nit sogar fascht de Nabel vu de Welt sind.

„Heieiei, Ernschtle, war des wieder schee, kumm, jetzt gommer zum Guetbrod i d` Wasserstroß“.
Bim Beck Nobs, dä giihts die beschte Brezeli i de Stadt, dert spendiert de Ernschtle no e Brezeli fer 15 Pfennig. De Zinke- Ernschtle hät all Geld, Penunze hond mir dämols gsait, im Sack well er zerscht i de Mamme und de Tante. Em Freili Wassmer, paar Pfennig us de Bürgerstibbli Wirtschaftkasse abfuggeret oder au mopst. Und klei weng später bettlete er d` Tante, s` Freili Wassmer hählinge au no aa. So hät er meistens s`Dopplet im Hosesack. Und manchmol bohret er au no de gross Brueder aa, desell Pils-Zapfhane – Virtuos und begnadete, berüchtigte Pilsblume – Teschter und Bier- Vorkoschter.

Im Schaufenschter vum Gutbrode- Fritz sind Schriftzüg ufbäbbet mit, kursiv, „Fleischmann“ und i Großdruckbuechstabe „TRIX“. Des „Fleischmann“ hät sich scho aaghert und glese wie wenns e Metzgerei- Maschinefabrik wär mit Fleischwolf-Worschtschnied-maschiene und Riergerät. Der Name scho isch innere ghobene Spielzeug- Iisebahn uuwürdig. Und erscht rächt no„TRIX“ : Des hert sich aa wie bschiesse, mauschle, halt trixe. Wie wenn sie om ebbis dritt- Klassigs aadrehe wetet. „Märklin“, des klingt melodisch wie Bahschienetackt, halt wie schwäbische Fleiss, Präzision, Zueverlässigkeit, Produktbräeti und Langlebigkeit. Au eweng wie „ Merlin“, de Zauberer us de Kindertraumwelt, des hersch eweng us dem Name drus ussi. Aaregendi Kinderträum stieget drum mit dem wundersame Name Merklin unstillbar i om uff.

„Siesch dä, die Schiene us schwarzem Bagelitt, nit emol Mittelstromabnehmer hond die, grad nu emol 3-4 Loke, koe Krokodil, kon Triebwage. Hubi, des guckemer nit lang aa.“ . „Guck dä, koe Bergstrecki, koa Viadukt, alles im Flache, im Ebene. Die Loke verziehnet nit emol fünf D- Zug Wäge“. „Ernschle, und statt oberschlächtige Schwarzwälder Wasserräder hond die Windmüllene wie im dupfebene Holland oder z` Holstein, Jessesmareie, so e Glump. Und guck, dä, sel TRIX– Miki- Maus Oval. E kleini, krippligi Dampflock, zwei Bregtäler Personewägeli und zwei winzigi Gieterwägeli, Ohje , Ohje, jegesmareie, so e armehiesler Bah ! Ernschtle, kumm mir gond wieder zum Thedy, zu de Märklin- Bah. Dä hond d` Schiene scho e iibauts Schotterbett und dä giihts sogar Strom- Oberleitunge“.

So gohts de halb Dezember und jetzt isch e Entscheidung fällig. A villne kaalte Mittäg häsch innere kleine, wendige, wuselige und zueverlässige Dampflock zueguckt. De Sechzehner-Lok, wie sie i de Kenner- Fachsprooch khoasse hät, well sie 16.- Mark koschtet hät. Über Johre war sie preisstabil, wertbeständig, robuscht, zueverlässig bi Wind und Wetter, halt mit legendärem Ruf. De Renner vu Märklin, de VW, de Käfer, s`Arbeitstier ufem Lokmärt, kennt mer au sage. De ganz Dezember häsch de Kassestand prüft, Kassesturz gmacht, kalkuliert, abgwoge, überschlage wa sunsch no bruuchsch und en Vorgriff, e Vorkalkulation gmacht, wa a Wihnächte no so a Zahlungsiigäng kumme kintet. S` Minschtrantegeld am Stephansdag dierft wieder so 18- 20 Mark bringe, vu de Gotte kennt en Zehner kumme, d` Oma lot au en Batz, en 5-er hoppe und andere Wünsch wie neii Schiihschue erfüllet dier d` Motter und de Vatter. De Haushalt ver s` näscht Buebe- Johr isch, ganz im Gegesatz zu de Stadtkass, meh als uusgliche und solid ufgstellt.

Am 20. Dezember, nochem 4. Advent, stürm ech mit rotgliehige Backe ufem letschte Knopf, mit Herzbumbere und ugwehnlich hohem Puls ganz ufgregt de Thedy Lade.
D` Ladeschelle macht Ding-Dong und schellet de Kaltebrunner usem Iisewarelager hinneverri. „Wa wit Bieble?“ . „E, e Se- Sechz…ehner- Lok“, stottere ech ufgregt, „ diesell BR 89.0 het i gern“.„Sapperlot, do häsch der aber ebbis reachts usigsuecht. Bisch nit du de halb Dezember am Schaufenschter ghanget und häsch der kalte Backe, kalti Pfote und e kalts Fiddle gholt ? So, So ?? Wer so viel Liedeschaft fer sie Märklin Bah ufbringt, dem gib i sie sogar ver 15 Mark. Liesli Bue, saisch es aber nähmert, versprichschs mers ! sunscht kummet nämmli alli gi fechte. Solle mer se iipacke oder kaasch`s scho nimme verhebbe bis de Chrischtbomm brennt?“ . „Iipacke bittschee, des Päckli leg i mer selber under de Bomm. Uf Wiedersähne und scheeni Wihnächte, Vergelt`s Gott, Dankschee Herr Kaltebrunner“.
„Sooo, Herr Stocker , dem Biebli hani oa Mark nooglau, der kunnt die näschte paar Johr no villmol, der isch ganz aabrennt, der bliibt Marke- und Firmetreu“. „Hond sie guet gmacht, Kaltebrunner, so kinnet mir mit dem Biebli no lang gschäfte und zemet mit dem Biebli hond mir no villi scheene Iisebah- Wihnächte“.

I dem Johr därf ech i de Mitternachts- Christmett s` Jesuskind. iigwicklet innere Persil- suubere Windel, i dere feierliche Prozession dorch die ganz Mariekerch trage. Mit ere kleine Kinder- Albe, eme Cingulum und ere Minschtrante- Stola hät mi de Messmer Klebo usstaffiert und aagschieret wie e kleis Lilliputaner- Pfärrli. De Kleischt Minschtrant vum Dienstjohr därf nämli des Christkindli zum Krippli trage. Sell hät de Zimmermaa Köpfer- Sepp kunstvoll bäschtlet, zimmeret und ufbaut. D ́ Auguschte Köpfer, sie Frau, hät dene Krippli- Figure je noch Funktion prachtvolle oder armselige Häser gnaijet und aagleit. Des ganz Krippli war fascht e stilgerechti Landschaft usem Morgeland, Betlehem, ihr Bube und Maildi, hoasst des Ort. Mit Felse, Wüschtesand, Höhle, Kameler, rassige Araber- Resser, Gstripp- Esel, Goasse, mageri Schäfli, e Kuhe und en Ochs und eme Hittli.. En Schwarzwälder Heuschopf mit tiefabizogenem Dachwalm und ere Petroleumfunzle im Gräch. So khaa de Rege und de Schnee wo i dem hoasse Morgeland alli par hundert Johr mol abikunnt, nit in Heustock fege und s` Strau und s` borschtig Hei nit vernässe und verkaibe. De Erscht aber verzeihlich Stilbruch vum hoametverbundene Zimmemaa Köpfer- Sepp. En Schwarzwälder Holzworm kha halt nit us sinnere Huut, au oder erscht rächt nit, wenns um Wihnächte goht. I sim Zimmermaas- Koleg, dem Seppli usem Morgeland, hät er nebem Kripli e helzerni Zimmemaas- Kischte ännigstellt mit ere Sägi drin, ere Bundaxt, eme Stechbeitel und eme Latthammer. Dodemit hät er no schnell bevor des Kindli uf d` Welt kumme isch us Dachlatte, vermauchete Bretter woner i dem Schopf gfunde hät, e gmietliche Krippe zemetgnaglet. De Maja hät Köpfer Auguschte en scheene , blaue Booremer Burremaidli Schorz aaglait. Der Gsell war halt au uf de Walz. Aber nit freiwillig als Handerksbursch zum s` Handwerk kennelehre wie de Köpfer i junge Johre. Er hät mit siener Maja ufreiwillig vor dem Menscheschinder Herodes vertlaufe messe. Palme us Schilf hät de Köpfer zwar stilgrecht ufgstellt, Dännli aber ufzstelle, des hät er tatsächlich grad no so mit Mühe verhebbe kinne. Sovill muen er vum Gelobte Land Palästina scho gwisst haa, au uhni Fernseh und Wikipedia. Daß aber die üppig moosgräe Landschaft us Moos, Riißnodle und grasgräe iigfärbtem Sägmeahl nit so ganz i die karg und kahl Wüeschtelandschaft passt hät, des hond sogar mir scho gwisst und gmerkt und des war de Zweit, aber au verzeihlich Griff in Ofe vum fromme und gottesfürchtige Booremer Zimmermaa und sinere güetige Frau Auguschte.

Des Christkindli – Trage i dem feierliche Umgang, dere rituelle Prozession dorch die ganze Reihe und Gäng vu de Mariekerch, war im wohrschte Sinn erhebend. De Lauber Albert hät sie Orgle jodle, pfiefe, trompete und brause lau mit allem waner ghet hät. Alli Regischter, dieselle Zugknöpf über de Taschtemanual, hät er zoge und s` elektrisch Gebläse hät de Wind, wonner bruucht hät zum des himmlisch Brause zum Erzeuge, fascht nit zämetbroocht. Do hät er mit em Oberkörper gumpe und im Tackt wiege kinne wiener hät welle, ums Hoor isch dene Bleiblech- Pfiife, dene Holzflöte und dene grosse Bass- Oferohr d` Luft und de Wind uusgange. De Kerchechor war übertönt, überstimmt und nimme zum höre. I dere entruckte Stimmung, umgähe vu Nebelschwade us Weihrauch und Myrre, vu hingebungsvollem Minschtranteschelle und em Liite vu allne Glocke im Glockestock vum Gabriel, i dem allerhöchschte Hochamt vum Johr, do warscht de Hauptkerli.

De Christkindli – Träger vu dem Johr und en wechtige Verkünder vum Christetum und de Frohe Botschaft i de Stadt und uf de Boor.

E grossi, erhebende Ehr. D` Gotte , d` Oma und d` Motter hond gschraue vor Rührung woni würdevoll mit em Christkindli i de Ärm a ihre Kniebank vorbeigschritte bin. I de entruckte Gsiechter het mer ganz bestimmt lese kinne: „Wa word des emol ver en nette, fromme Pfarr gähe“. „ Hette, Hette, Fahradkette“ (hät de Fabian Riesle mol de Sportpresse is Microfon gjublet), wenn do nit später mol der fett Fünfer i Griechisch gsi wär.

Ganz grosses Ritual und Zeremonie war des wa do jede Christmett zelebriert wore isch. Usdenkt und i paar Minschtranteprobe uf Schritt und Tritt und Haltung und Würde iistudiert vum Stadtpfarr Helmut Baumgärtner, em begnadetschte Prozessionszelebrant vum Dekanat, wenn nit sogar vu de ganze Diözöse. Unterstützt vu de erfahrene, Kopfnüss- Oberminschtrante Konrad Kunze und Karlheinz „Manus“ Stadelmann.

Ech aber, wonni s` Christkindli i die Köpfer- Krippe i dere bodeständige Schwarzwälder Ständer- Bohle Heuschier zmitte i de Wüschte inni bettet han, ech han denkt:

„Wa wär des Krippli ver e wunderscheeni, ussergwähnlichi Märklin– Iisebahlandschaft wo ech mit minere nigel- nagelneii Sechzehner Lok im ganze Morgeland ummenand schlieche kinnt

Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge. So e Glick hond iseri Kamerädli z` Betlehem nit kaa.

D` Sechzehner-Lok

Am Mittag noch de Huusufgabe
Zum Thedy bisch, i d` Karlstroß aabe
Dä häsch des gsänne i dem Fenschter dinne
Wa sooo guet bruuche hettisch kinne

Dä rennt e Iisebähnli im Ring all umme
D` Städtli Bube, alli zämet sind sie kumme
Zum troome wa fer Wünsch sie hettet
Und wa vum Christkind sie no wetet

Jetzt guck mol dert, dä wetzt e Lok
Me kennt grad monne über Stoa und Stock
Des Lökli häts mir schwer aadau
Im Mage word` es mir ganz flau

Taguus – tagii stand ech am Schiiebe
Konn Wind, konn Schnee kha mech vertriebe
Sell herzig Lökli mosch bald poschte
Do guckisch nit uf s`Geld und Koschte

Die Sechzeh Mark, die grieg ech zämme
Wenn des nit schaffsch no mosch di Schämme
Uf Wihnächte ghert die Lok no mir
Der Kindertroom isch mir nit z` dier

Am Vierte Advent, dä ischs so wiit
E Lok dä unterm Chrischtbomm liit
Die Sechzehner – Lok des isch min Troom
Vor allem ischs konn Fleischmann Kroom

E Märklin ischs, vum Schwobbe duss
Mit dere häsch halt konn Verdruss
Die sorret , rennt taguus – tagii
Und goht halt nit noch paar Dag hii

Und so erfillt sich Stuck um Stuck
En Kindheitstroom wo loot nit luck
Do glänzet d` Auge, glihjet d` Bäckli
Wenns rennt im Kreis, des keckli Lekli

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